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Full text: Jahresbericht ... Issue 2010

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Jahresbericht 2010
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Inhalt
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Seite 4

Seite 26

Seite 44

Vorwort

1

Auf einen Blick

2

Globalisierung und Nachhaltigkeit

4

Europapolitik

16

Außen- und Sicherheitspolitik

20

Green New Deal – nachhaltiges Wirtschaften

26

Internationale Demokratieförderung

30

Gunda-Werner-Institut

41

Bildung, soziale Teilhabe und Aufstiegschancen

44

Nachwuchsförderung

48

Kunst und Kultur

52

Heinrich-Böll-Haus Langenbroich

57

GreenCampus

59

Grüne Akademie

60

Archiv Grünes Gedächtnis

61

Gäste und Partner der Stiftung

62

Die Stiftung im neuen Haus

63

Stiftungsmanagement

64

Gremien

72

Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten

73

Adressen

76

Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung

79

Impressum
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Redaktion: Susanne Dittrich,
Bernd Rheinberg
Redaktionsassistenz: Alexandra Wischnewski
Umschlag: Urban Futures
2050, Imagebild der gleichnamigen Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung. Grafik/Collage: Tobias Steinert,
dataholic
Texte: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Heinrich-Böll-Stiftung
Gestaltung: blotto,
Berlin
Papier: Umweltfreundlich, chlorfrei gebleicht
Auflage 3.500
Stand: 30. April 2011
Dieser Bericht ist kostenlos erhältlich bei der Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin
T 030–285 34–0 F 030–285 34–109 E info@boell.de W www.boell.de

Was wir wollen
�
Demokratie und Menschenrechte durchsetzen, gegen die
Zerstörung unseres globalen Ökosystems angehen, die
Gleichberechtigung von Frauen und Männern vorantreiben,
in Krisenzonen präventiv den Frieden sichern, die Freiheit
des Individuums gegen staatliche und wirtschaftliche Über­
macht verteidigen – das sind die Ziele, die Denken und Han­
deln der Heinrich-Böll-Stiftung bestimmen.
Wir stehen der Partei Bündnis 90/Die Grünen nahe und
arbeiten als reformpolitische Zukunftswerkstatt und interna­
tionales Netzwerk mit weit über hundert Partnerprojekten in
rund sechzig Ländern.
Die Heinrich-Böll-Stiftung arbeitet unabhängig und
steht für geistige Offenheit. Mit 28 Auslandsbüros verfügen
wir über eine weltweit vernetzte Struktur. Wir kooperieren
mit 16 Landesstiftungen in allen Bundesländern und fördern
begabte, gesellschaftspolitisch engagierte Studierende und
Graduierte im In- und Ausland.
Heinrich Bölls Ermunterung zur zivilgesellschaftlichen
Einmischung in die Politik folgen wir gerne und möchten
andere anstiften mitzutun.

Fakten zur Stiftung
Mittelverwendung

Mittelzuweisung

2010

2006-2010

Internationale Tätigkeit 44%
�
Investitionen 1%
�
Abschreibungen 2%
�
gesellschaftspol. Bildungsarbeit Inland 3%
�
Zuwendung an Landesstiftungen 5%
�

50

40

30

Summe

Sächliche Verwaltungskosten 7%
�

46.433.011 ¤
20

Stipendien 15%
�
10

Mio. ¤
2006

2007

2008

2009

2010

Personalaufwand 23%
�

29

12
16

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19

20
17 11
28

15
18

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9
6

25
27
26

7
8

21
5

23
3

1

10

4

22

24

Afrika
1
2
3
4

Europa

Addis Abeba (Äthiopien)
Kapstadt (Südafrika)
Abujia (Nigeria)
Nairobi (Kenia)

11
12
13
14
15

Asien
5
6
7
8
9
10

2

16

Bangkok (Thailand)
Kabul (Afghanistan)
Lahore (Pakistan)
Neu Delhi (Indien)
Peking (China)
Phnom Penh (Kambodscha)

17
18
19
20

Lateinamerika

Belgrad (Serbien)
Berlin (Deutschland)
Brüssel (Belgien)
Istanbul (Türkei)
Kiew (Ukraine)
Prag (Tschechische Republik)
Sarajevo (Bosnien-Herzegowina)
Tbilisi (Georgien)
Warschau (Polen)
Zagreb (Kroatien)

Internationale Zusammenarbeit
2008-2010

21
22
23
24

Nordamerika

Mexiko-Stadt (Mexiko)
Rio de Janeiro (Brasilien)
San Salvador (El Salvador)
Santiago de Chile (Chile)

28

Washington (USA)

Russische Föderation
29

Moskau (Russland)

Naher Osten
25
26
27

Beirut (Libanon)
Ramallah (Palästina)
Tel Aviv (Israel)

Politische Bildung Inland
2010

Kunst und Kultur 7,7%
Szenarien für die
ökologische Wende
28,3%

7

6

Öffentlichkeitsarbeit 9,9%

5

Summe

4

1.520.751 ¤

1
Mio. ¤
Lateinamerika

Asien

Naher und
Mittlerer Osten

Afrika

Europa

Institute 11%
(Archiv Grünes Gedächtnis,
GWI, Grüne Akademie,
GreenCampus)

2010

2

2009

3

2008

%

Heinrich-Böll-Stiftung weltweit
�

Internationale
Politik	�

Öffentlichkeit und
Demokratie
16,1%

Internationale Politik 11,1%

Soziale Teilhabe und faire
Aufstiegschancen 15,9%

Vorwort

Ralf Fücks

Barbara Unmüßig

Derzeit fordern rasante Entwicklungen unsere Aufmerksamkeit: der Tsunami und die Reaktorkatastrophe in Japan, die politischen Umbrüche in Nordafrika und im Nahen Osten und nicht zuletzt
der Aufschwung der Grünen, der sich in der Wahl des ersten grünen Ministerpräsidenten in BadenWürttemberg manifestiert.
Das atomare Desaster in Fukushima führt uns vor Augen, dass die Atomenergie katastrophale
Risiken in sich birgt. Jetzt werden der Ausstieg aus der Atomenergie und der forcierte Übergang
zu regenerativen Energien in Deutschland neu verhandelt. Die Konzepte dazu liegen auf dem Tisch.
Seit Jahren hat die Heinrich-Böll-Stiftung Expertise zur Auseinandersetzung mit dem «Mythos
Atomkraft» aufgebaut, mit der wir uns in die Diskussion im In- und Ausland einmischen.
Der Übergang ins postfossile Zeitalter und in eine ressourcenschonende Wirtschaftsweise sind
die Aufgabe der kommenden Jahrzehnte. Der Wohlstand von morgen basiert auf Ressourceneffizienz, erneuerbaren Energien und einer ökologischen Landwirtschaft. Dazu gehört auch eine
nachhaltige Finanz- und Haushaltspolitik. Gleichzeitig geht es um soziale Teilhabe und faire Aufstiegschancen für alle – das ist der Grundgedanke eines Green New Deal, dem sich die HeinrichBöll-Stiftung verpflichtet fühlt.
Die Demokratiebewegungen in Tunesien und Ägypten stehen für eine politische Wende, die hoffentlich unumkehrbar ist. Dagegen erfüllt uns die Entwicklung in Libyen, Syrien, im Jemen oder
Bahrain mit großer Sorge. Wir werden unser Engagement in der südlichen Nachbarregion Europas verstärken. Unsere langjährige Demokratiearbeit bietet gute Voraussetzungen, auch die Umbrüche in der arabischen Welt konstruktiv zu unterstützen.
Als am 31. Oktober 2000 die Resolution 1325 zu Frauen, Frieden und Sicherheit verabschiedet wurde, war dies ein historischer Durchbruch. Seither ist es völkerrechtlich verpflichtend geregelt, dass Frauen auf allen Ebenen – in Friedensprozessen, in der Sicherheitspolitik sowie bei der
Konfliktbearbeitung vor Ort – angemessen zu beteiligen sind. Doch wie so oft mangelt es an der
Umsetzung. Wir setzen uns für eine geschlechtersensible Außen- und Sicherheitspolitik ein und
entwickeln neue Perspektiven.
Die Angebote unserer Weiterbildungsakademie «GreenCampus» erfreuen sich großer Nachfrage; sie reichen von standardisierten Bildungsangeboten für politisch Engagierte bis hin zu Strategieberatung und maßgeschneiderten Trainings. Auch in der Politik kommt es nicht nur auf gute
Ideen, sondern auch auf praktisches Know-how an. Das wollen wir in Zusammenarbeit mit unseren
Landesstiftungen vermitteln.
Das Wissen und das große Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das Fundament für unsere erfolgreiche Arbeit. Sie wird bereichert durch vielfältiges ehrenamtliches Engagement: in den Fachbeiräten und Fachkommissionen, dem Frauenrat, dem Aufsichtsrat, der
Mitgliederversammlung und der Grünen Akademie. Über 530 Mitglieder im Freundeskreis der
Heinrich-Böll-Stiftung ermöglichen Projekte, die wir aus öffentlichen Mitteln nicht finanzieren
können.
Ihnen allen gilt unsere Hochachtung und besonderer Dank.
Berlin, im April 2011
Ralf Fücks Barbara Unmüßig
Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung

2

Auf einen Blick
4 Globalisierung und Nachhaltigkeit
Eines unserer Ziele ist, die Welt ökologisch,
nachhaltig und gerecht zu verändern. Wir schauen nicht nur auf die Ursachen von Krisen, sondern zeigen mit unseren weltweiten Partnerinnen
und Partnern Auswege auf. Der Klimawandel, die
Ernährungssicherheit sowie die Ressourcenpolitik
sind Schwerpunkte unserer Arbeit. Im vergangenen Jahr standen u. a. die Themen Atomkraft, die
Verleihung des Petra-Kelly-Preises, erneuerbare
Energien und der Weltklimagipfel COP 16 in
Cancún im Mittelpunkt.

16	 Europapolitik
Die Euro-Krise schürt Ängste um ein Auseinanderbrechen der Währungsgemeinschaft. Die wankelmütige Politik der Europäischen Union sorgt
zusätzlich für Irritationen. Als Stiftung haben
wir eine Expertenkommission ins Leben gerufen,
die sich mit der künftigen Entwicklung der Europäischen Union befassen wird. Wir verstehen uns
als eine europäische Organisation, unterstützen
den europäischen Einigungsprozess und entwickeln Visionen für ein zukunftsfähiges Europa.
Im Jahr 2010 haben wir u. a. zu einer Konferenz
zum Thema «Energiesicherheit, Klimaschutz und
Innovation – Quo vadis EU?» eingeladen.

26	 Green New Deal – nachhaltiges

Wirtschaften
Unser derzeitiges Wirtschaften bedroht nicht nur
Klima und Umwelt, sondern auch Wohlstand und
Zivilisation. Um zukünftig den Wohlstand für
alle Menschen weltweit zu ermöglichen, braucht
es einen neuen Gesellschaftsvertrag. Wir unterstützten im Jahr 2010 diesen Prozess mit 30
bundesweiten Veranstaltungen zum Thema und
der internationalen Konferenz «Die große Transformation – Greening the Economy».

30	 Internationale

Demokratieförderung
Der demokratische Aufbruch in vielen Ländern
Nordafrikas und des Mittleren Ostens zeigt: Die
Menschen sehnen sich nach Freiheit und Selbstbestimmung. Demokratische Prozesse zu fördern,
gehört zum Kernmandat der Stiftung und ihrer
Partner. Wir fördern den Aufbau demokratischer Institutionen und die politische Teilhabe
von Männern und Frauen weltweit. Als Stiftung
waren wir im Jahr 2010 auch mit Projekten in
Pakistan, Afghanistan, Thailand, China, Georgien, Israel und Südafrika aktiv.

41	 Gunda-Werner-Institut
20	 Außen- und Sicherheitspolitik
Die selbstbewussten Ansprüche der Schwellenländer und der relative Machtverlust der USA
haben die neue multipolare Weltordnung weiter
verfestigt. Mit unserem Engagement wollen wir
dafür sorgen, dass die Europäische Union und
die G20 in Zukunft eine tragende Rolle bei der
Lösung von globalen Herausforderungen wie z.B.
dem Klimawandel übernehmen können. Themenschwerpunkte und Projekte der Stiftung waren
im Jahr 2010 u. a. die EU-Osterweiterung, der
atomare Nichtverbreitungsvertrag (NVV), ein
Annäherungsversuch im Konflikt zwischen Pakistan und Indien und die Frage, wie Frauen und
Männer gemeinsam Frieden schaffen.

Das Gunda-Werner-Institut bündelt Themen und
aktuelle Fragestellungen rund um Geschlechterpolitik und fördert so die Auseinandersetzung
um Feminismus und Geschlechterdemokratie. Im
vergangenen Jahr wurde u. a. kontrovers über das
grüne Männermanifest und über «Männerrechtler» online debattiert. Bei einem Green Ladies
Lunch fiel der Startschuss für unsere vielfältigen
Aktivitäten zur Frauenfußball WM 2011.

44	 Bildung, soziale Teilhabe und

Integration
Seit Jahren setzen wir uns für eine zukunftsfähige Bildungspolitik ein, die jedem unabhängig von
seiner Herkunft die gleichen Bildungs- und damit
Aufstiegschancen ermöglicht. Kernprojekte im
Jahr 2010 waren u. a. eine Studie zum sozialen
Auf- oder Abstieg in Deutschland, die Reihe
«Was ist der deutsche Traum?» oder die internationale Fachkonferenz zur Situation hochqualifizierter Migrantinnen und Migranten in Europa.

3

48	 Nachwuchsförderung
Köpfe für die Zukunft! Wie auch in den Vorjahren hat die Heinrich-Böll-Stiftung 2010 studierende und promovierende zukünftige Fachund Führungskräfte gefördert, die in Politik,
Wissenschaft und Gesellschaft Verantwortung
übernehmen. Mit der Förderung des internationalen Austauschs, des interkulturellen Dialogs
und der Vernetzung leisten wir einen Beitrag
zur internationalen Verständigung.

52	 Kunst und Kultur
Wir fördern Kunst und Kultur als Ausdrucksform gesellschaftlicher Selbstverständigung.
Wir unterstützen den interkulturellen Austausch
zwischen Künstlerinnen und Künstlern, veranstalten Lesungen, Diskussionen und Seminare.
Darüber hinaus widmen wir uns den Themen
Wissensgesellschaft, freie Kultur und Rechte
in Zeiten des Internets. Highlights des Jahres
2010 waren u. a. der feierliche Abschluss der
27-bändigen Kölner Ausgabe der Werke von
Heinrich Böll, die Deutsch-Israelischen Literaturtage, die Fachtagung «netz:regeln» oder die
Ausstellung «zur nachahmung empfohlen!».

57	 Heinrich-Böll-Haus Langenbroich
In vielen Ländern sind Künstler und Künstlerinnen durch ihren Einsatz für die Freiheit des
Geistes Repressionen ausgesetzt. Mit unserem
Stipendienprogramm im Heinrich-Böll-Haus
Langenbroich bieten wir die Möglichkeit, für
einige Zeit ungestört und finanziell abgesichert
arbeiten zu können. Im Jahr 2010 begrüßten
wir Künstler und Künstlerinnen aus Asien, Afrika sowie Ost- und Südeuropa in Langenbroich.

59	 GreenCampus – Weiterbildung,

Politik, Management
Unter dem Dach von GreenCampus vereinen
sich die Weiterbildungsangebote der HeinrichBöll-Stiftung und ihrer Landesstiftungen im Bereich Politikmanagement. Ziel ist es, ehrenamtlich Aktiven und Profis das Rüstzeug für eine
erfolgreiche politische Arbeit zu vermitteln.
Wie im Vorjahr bot GreenCampus auch 2010
über 50 Bestellseminare, Workshops und ein
130 Stunden umfassendes PolitikmanagementSeminar an.

60	 Die Grüne Akademie
Politisch interessierte Wissenschaftler/innen
und an wissenschaftlichen Diskussionen interessierte Politiker/innen diskutieren im Rahmen
der Grünen Akademie grundlegende gesellschaftliche Fragen. Im Jahr 2010 ging es vorrangig um die Auswirkungen des Klimawandels
und die Frage: «Wie sollen wir leben?». Auch
die künftige Rolle der Grünen bei der Umgestaltung der Gesellschaft wurde debattiert.

61	 Archiv Grünes Gedächtnis
Das Archiv dient der historischen Überlieferungen der Partei Bündnis’90/Die Grünen und
sammelt Quellen zur Geschichte der Neuen
Sozialen Bewegungen. Alle Unterlagen stehen
der interessierten Öffentlichkeit und der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung. Darüber
hinaus veranstaltet das Archiv u. a. Gespräche
mit Zeitzeugen und macht grüne Geschichte
lebendig.

62	 Gäste in der Stiftung
Jedes Jahr begrüßen wir prominente Gäste
sowie internationale Partner und Partnerinnen in unserem Hause. Im Jahr 2010 waren
es beispielsweise der ehemalige Stabschef
des Weißen Hauses unter Bill Clinton, John
Podesta, der einen Vortrag über «Nachhaltiges
Wachstum» hielt, sowie die Trägerin des PetraKelly-Preises Marianne Fritzen, der mit dem
Hannah-Arendt-Preis ausgezeichnete Philosoph
François Jullien und Urvashi Butalia, Verlegerin aus Indien.

64	 Stiftungsmanagement
Die Heinrich-Böll-Stiftung finanziert sich fast
ausschließlich aus öffentlichen Zuwendungen.
Im Jahr 2010 standen uns rund 46,5 Millionen
Euro zur Verfügung. Knapp die Hälfte wurde
für Projekte der internationalen Zusammenarbeit verwendet. Die Verausgabung unserer
Mittel wird alljährlich von einem Wirtschaftsprüfer geprüft.

Foto: dpa

Die Welt verändern:
ökologisch, nachhaltig
und gerecht
Der Klimawandel, die Ressourcen- und Welternährungskrise – das sind
Themen, mit denen sich die Heinrich-Böll-Stiftung seit langem ausein­
andersetzt. Wir schmieden Allianzen mit all jenen, die die ökologische
Transformation vorantreiben: für den Ausstieg aus der fossilen Weltwirt­
schaft, für eine Ressourcen schonende, effiziente Entwicklung und für eine
globale Agrarwende. Und wir unterstützen weltweit Partnerinnen und Part­
ner, die nach Auswegen aus den Krisen und nach Alternativen zum gegen­
wärtigen Wachstumsmodell suchen.
Gemeinsam mit unseren Bündnispartnern stemmen wir uns gegen
eine Renaissance der Atomkraft und gegen die Ausbeutung von Ressourcen
zu Lasten der Menschen und der Umwelt.
Wir mischen uns ein in politische Entscheidungsprozesse – lokal, na­
tional und international. Ein «Klima der Gerechtigkeit» muss nach wie vor
global ausgehandelt werden. Für Erfolge braucht es aber Initiativen und po­
litischen Druck von unten. Dafür bilden wir mit einer Vielzahl von Partner­
innen und Partnern ein breites Netzwerk auf allen Ebenen und zu den ver­
schiedenen öko-sozialen Herausforderungen.

5

Globalisierung und Nachhaltigkeit

Atomkraft: Ein Mythos ist am Ende
Fast wäre die nukleare Katastrophe im ukrainischen Tschernobyl in Vergessenheit geraten. Doch dann ereignete sich im japanischen Fukushima ein Atomunfall, der die enormen Risiken der Atomkraft der Welt
erneut vor Augen führte. Der Super-GAU von Fukushima macht klar:
Diese Technologie ist nicht beherrschbar und unverantwortlich. Findet
nun endlich ein unumkehrbarer Lernprozess überall auf der Welt statt?
Stoppen Regierungen nun endlich den weiteren Ausbau der Atomenergie
oder steigen erst gar nicht ein?
Die Heinrich-Böll-Stiftung begleitet seit ihren Anfängen den Widerstand gegen die Atomkraft. Wir fördern die atomkritische Debatte weltweit und unterstützen lokale Initiativen und Expertise. Argumente und
Fakten liefern wir zum Beispiel in unseren Publikationen – zuletzt in
unserer aktualisierten und erweiterten Neuauflage des Bandes «Mythos
Atomkraft – warum der nukleare Pfad ein Irrweg ist». Diese Publikation wird derzeit in 12 Sprachen übersetzt. Steve Thomas korrigiert in
seinem Beitrag den Mythos der konkurrenzlos günstigen Strompreise
und benennt die Faktoren, die die offenen und verdeckten Kosten eines
Atomkraftwerkes bestimmen. Sein Fazit: Kein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen wagt heute den Neubau eines Atomkraftwerkes
ohne staatliche Subventionen und Bürgschaften. Mycle Schneider und
Antony Froggatt analysieren in ihrem Text, ob eine Energiewende Effizienz, erneuerbare Energien und Atomkraft braucht oder ob Atomkraft einen solchen Strukturwandel sogar behindert. Ottfried Nassauer zeigt, wie technologisch eng die militärische und zivile Nutzung der
Kerntechnik verwandt sind: Reaktorprogramme können nicht erweitert
werden, ohne dabei auch die Technik zur Produktion von Atomwaffen
weiterzuverbreiten.

Mythos Atomkraft. Warum der nukleare
Pfad ein Irrweg ist

Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung.
Berlin 2010, 216 Seiten

Mycle Schneider, Träger des Alternativen Nobelpreises und Mitautor von «Mythos
Atomkraft» Foto: Stephan Röhl

Weltweit ist Widerspruch gegen Atomkraft gefordert
Ob in Polen oder Italien, ob in Thailand oder Jordanien: Hier geht es
darum, dass Länder erst gar nicht in diese tödliche Technologie einsteigen. Mit Aufklärung und politischer Intervention könnte dies gelingen.
In China oder Brasilien geht es darum, die Milliarden Investitionen
von der Atomwirtschaft in erneuerbare Energien und Energieeffizienz
umzulenken.
Beispiel Polen:

In Polen gibt es derzeit noch keine Atomkraftwerke. Atomkraft gilt in
der polnischen Politik allerdings als Lösung für Fragen der Energiesicherheit und als Beitrag zum Klimaschutz. Die Meinung der Bevölkerung ist hingegen geteilt. Laut Umfragen aus den vergangenen zwei Jahren sind zwischen 42 und 48 Prozent für die Einführung der Atomkraft,
38 – 50 Prozent dagegen. Einbezogen in energiepolitische Entscheidungen werden die Bürger und Bürgerinnen allerdings nicht. Unser Büro
in Warschau konzentrierte sich 2010 darauf, die Gesellschaft für diese
zentralen Zukunftsfragen zu sensibilisieren. Dazu gehören öffentliche
Veranstaltungen, die entgegen der einseitig positiven Darstellung in Politik und Medien auch Atomkritiker zu Wort kommen lassen. Dass das
Interesse an Information groß ist, zeigte die Podiumsdiskussion «Kern
des Problems. Atomkraft und nachhaltige Entwicklung» im Rahmen des
7. Planete Doc Review Filmfestivals im Mai 2010 in Warschau. Im Anschluss an die Präsentation des Films «Into Eternity» über Onkalo, das
erste atomare Endlager, das in Finnland gebaut wird, diskutierten u. a.
der Regisseur des Films, Michael Madsen, der Leiter der Energieabteilung im polnischen Wirtschaftsministerium, Mirosław Lewi´nski, und der
Vorsitzende des Ökologischen Vereins Eko-Unia, Radosław Gawlik, über
die Chancen und Risiken, die mit der Einführung der Atomkraft in Polen

Podiumsdiskussion in Warschau über die
Chancen und Risiken der Einführung der
Atomkraft Foto: Tomasz Kawka

6

Globalisierung und Nachhaltigkeit

Mythen der Atomkraft. Wie uns die Energielobby hinters Licht führt

verbunden sind. Die Diskussion war eine der seltenen Gelegenheiten, unterschiedliche Meinungen und Argumente zu hören und die Entwicklung
der Atomkraft in Polen kritisch zu hinterfragen.

Von Gerd Rosenkranz. Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung im oekom Verlag
2. Auflage, München 2011, 112 Seiten, 8,95 Euro

Arabische Ausgabe von «Mythos Atomkraft»

Weitere Sprachen: Polnisch, Englisch, Deutsch,
Chinesisch, Arabisch, Russisch, Tschechisch, Spanisch, Italienisch, Thai

Beispiel arabischer Raum:

Auch in der arabischen Welt wird die «Renaissance der Atomenergie»
zunehmend debattiert. Die Vereinigten Arabischen Emirate scheinen bei
der Umsetzung nationaler Atomprogramme am weitesten fortgeschritten zu sein. Eine kritische öffentliche Auseinandersetzung mit Nuklearenergie und ihren Gefahren bleibt in den meisten arabischen Ländern
jedoch aus. Ebenso wenig werden die Bürgerinnen und Bürger an energiepolitischen Zukunftsentscheidungen beteiligt. Unser Büro in Ramallah versucht, die kritische Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex
Nuklearenergie in der Region anzukurbeln. Dazu ließ es im Jahr 2010
das Buch «Mythen der Atomkraft. Wie uns die Energielobby hinters
Licht führt» von Gerd Rosenkranz ins Arabische übersetzen. Das Buch
wurde im Frühjahr von der Heinrich-Böll-Stiftung im Münchner oekom
verlag herausgegeben und ist nun schon in zweiter Auflage erschienen.

Klima- und Energiepolitik

Deutschlandweit demonstrierten im März 2011
Menschen gegen Atomkraft – auch dem bayrischen
Werk Isar 1 (rechts) wurden Sicherheitsmängel
bestätigt. Fotos: picture-alliance / Lajos-Eric Balogh
(links), picture alliance / Rolf Kosecki (rechts)

Wir engagieren uns überall auf der Welt für einen Ausstieg aus der fossilen Energiewirtschaft. Er ist Voraussetzung dafür, den Klimawandel zu stoppen. Vor allem die armen und ärmsten Bevölkerungsgruppen in Schwellen- und Entwicklungsländern sind vom Klimawandel
betroffen. «Klima der Gerechtigkeit» ist und bleibt der Leitgedanke unserer nationalen wie internationalen Klimaaktivitäten. In vielen Ländern ist Aufklärung zu den Folgen des Klimawandels nötig,
aber auch Expertise, um sich kundig einmischen zu können, wenn es
um Strategien zur Vermeidung des Klimawandels geht oder um Politiken zur Anpassung. Ein Topthema in vielen Entwicklungsländern,
vor allem auch für die künftige Landwirtschaftspolitik. In und von
der Landwirtschaft leben nach wie vor Milliarden von Menschen. Vor
allem Kleinbauern und -bäuerinnen sind besonders von den Folgen
des Klimawandels betroffen. Sie brauchen Alternativen und tatkräftige Unterstützung – heute! Zivilgesellschaft braucht Kapazitäten zur
Einmischung und muss sich vernetzen, will sie schlagkräftig sein.

7

Globalisierung und Nachhaltigkeit

Petra-Kelly-Preis 2010 an Marianne Fritzen
Marianne Fritzen ist eine Symbolfigur des Widerstands gegen das Atomlager in Gorleben. Seit über 30 Jahren ist sie in der Anti-Atom-Bewegung
aktiv. Mit dem Petra-Kelly-Preis wurde dieses langjährige Engagement
nun gewürdigt. In der Begründung der Stiftung heißt es: «Die Entscheidung, Marianne Fritzen den Preis zu verleihen, ist vor allem eine Würdigung ihrer politischen Biographie als jahrzehntelange Vorkämpferin
gegen die Atomenergie, als Symbol des gewaltfreien Widerstands und
eines breiten gesellschaftlichen Bündnisses in der Region. Gleichzeitig
wollen wir mit dem Preis auch die neu erstarkte Anti-AKW-Bewegung
auszeichnen. Der Kampf gegen das Gefahrenpotenzial der Atomenergie
wie gegen die Atomrüstung war ein Kernanliegen von Petra Kelly, das
nach wie vor hoch aktuell ist.»
Die Heinrich-Böll-Stiftung verleiht den mit 10.000 Euro dotierten
Petra-Kelly-Preis seit 1998 alle zwei Jahre an Personen oder Gruppen,
die sich in herausragender Weise für die Achtung der universellen Menschenrechte, für gewaltfreie Konfliktlösungen oder den Schutz der natürlichen Umwelt einsetzen.

Marianne Fritzen (links) und Barbara Unmüßig
(rechts) beim Festakt zur Petra-Kelly-Preis-Verleihung
am 29. September 2010 in Berlin Foto: Stephan Röhl

Brüssel – Prag – Washington: Neue Allianzen für regionale
Klima- und Energiepolitik
Fragen der Klima- und Energiepolitik werden in Zeiten der Wirtschaftskrise eher zweitrangig behandelt. So wird es in den USA bis zum Jahr
2012 kein Bundesgesetz zur Reduzierung von CO2-Emissionen geben.
Umso wichtiger ist es, neue Wege zu gehen und die transatlantische
Kooperation zu stärken. Vorbildliche Initiativen in Europa und den
einzelnen US-Bundesstaaten müssen ausgebaut und neue strategische
Allianzen geschmiedet werden. Als vielversprechend erweist sich die Zusammenarbeit mit Interessengruppen wie Bauernverbänden, Glaubensgemeinschaften, Gewerkschaften und Veteranen. Für den 26. September
bis zum 2. Oktober 2010 haben unsere Büros in Brüssel, Prag und Washington eine Delegation von Vertretern verschiedener amerikanischer
Gruppen nach Europa eingeladen. In Ortsterminen und Gesprächen mit
Fachleuten und Entscheidungsträgern konnten sie sich einen eigenen
Eindruck der deutschen und der europäischen Klima- und Energiepolitik
verschaffen. Teilnehmer wie Roger Johnson, Vorsitzender eines wichtigen Bauernverbandes, sprechen sich mittlerweile öffentlich für ein Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien nach deutschem Vorbild
aus. In einem Webdossier unter www.boell.de stellen wir verschiedene
amerikanische Interessengruppen vor.
Im Rahmen unseres Programms «The Climate Network – Transatlantic Solutions for a Low Carbon Economy» werden die Büros in Brüssel,
Prag und Washington auch im Jahr 2011 an regionalen Strategien und
neuen politischen Allianzen arbeiten.

Istanbul: Weiterbildung und Vernetzung im
arabisch-türkischen Raum
Klimawandel, intelligente Energiepolitik, Atomkraft – was muss man
dazu wissen, was kann man tun? Junge Aktivisten, Hochschulabsolventinnen und andere Interessierte aus der Türkei, Jordanien, Libanon, Syrien und Iran beschäftigten sich vom 3. bis 8. Juli 2010 im Rahmen unserer Sommerschule in Istanbul mit unterschiedlichsten umweltpolitischen
Fragen. Welchen Einfluss hat z.B. intelligente Energiepolitik auf Wirtschaftswachstum, und wie hilft sie bei der Reduzierung von Armut? Welche Pläne gibt es zum Bau von Atomkraftwerken in der Nachbarregion?
Der fachliche Input kam von Expertinnen und Experten aus der Türkei, aus dem Libanon, Jordanien sowie den Niederlanden und Deutsch-

Information zum transatlantischen Klimanetzwerk
¼ www.theclimatenetwork.org

8

Globalisierung und Nachhaltigkeit

land. Es gab Vorlesungen, Paneldiskussionen, aber auch interaktive
Zusammenarbeit. Die Sommerschule ist ein ideales Format, um regionale und überregionale Erfahrungen und Wissen auszutauschen. Von
großer Bedeutung für die genannten Themen sind auch der Kontakt und
die Kooperation der arabischen Länder mit der Türkei. Mittelfristig entstehen so produktive Netzwerke in der Region. Die Sommerschule war
ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftungsbüros in Istanbul, Ramallah und
Beirut.

Jordanien: Blogs und Clips in Sachen Umwelt

¼ www.7iber.com

7iber = arabisch für Tinte

7iber.com, eine Gruppe junger Internetaktivisten aus Jordanien, hat mit
Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung eine Reihe von Workshops
zum Thema Blogging und Soziale Medien in verschiedenen Städten in
Jordanien veranstaltet. Die Teilnehmenden lernten, wie mithilfe der neuen Medien und Web-2.0-Werkzeugen (Blogging, Twitter, Facebook,
Youtube etc.) Umweltthemen stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit
gebracht werden können. Als Teil des Projektes hat 7iber.com einen vielbeachteten Mashup erstellt (ein Mashup ist eine Zusammenstellung verschiedener Inhalte wie Videos, Karten, Texte etc. auf einer gemeinsamen
Plattform). Auch kurze Videoclips zu umweltrelevanten Themen, die
während der Workshops entstanden sind, wurden in den Mashup geladen. 7iber.com ist mittlerweile ein beliebtes Portal für Jugendliche und
Umweltaktivisten und hat sogar die Aufmerksamkeit des jordanischen
Premierministers erlangt, der auf seinem Twitter-Feed auf den Mashup
hinweist. Auf den Internet-Mashup gelangt man über den folgenden
Link: www.7iber.com/mu7afazat/.

Jordanien: Gründung des «Arab Green Forum»
Im Nahen Osten und Nordafrika werden sich sowohl politische Entscheidungsträger als auch Nichtregierungsorganisationen und soziale Bewegungen zunehmend der verheerenden Auswirkungen des Klimawandels
bewusst. Gleichwohl fehlt es in der Region an tragfähigen Strategien,
Emissionen zu verringern oder bereits irreversible Effekte abzufangen.
Das Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah hat im September
2010 in Amman die Gründung eines «Arab Green Forum» angestoßen.
Das Forum feilt am Konzept einer grünen Wirtschaft und beschäftigt
sich u. a. mit Aspekten einer nachhaltigen Stadtplanung, nachhaltigen
Transportlösungen und einer kohlenstoffarmen Industrieproduktion.
Unsere palästinensische Partnerorganisation Maan, Mitglied des Green
Forum, gibt regelmäßig einen umweltpolitischen Newsletter heraus.

Israel: Eine ambitionierte Klimastrategie
Im November 2009 veröffentlichte die Unternehmensberatung McKinsey eine vom israelischen Umweltministerium in Auftrag gegebene Studie zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Israel und den Einsparpotenzialen bei Treibhausgasen. Auf diese Empfehlungen stützte sich
der israelische Beitrag auf der Weltklimakonferenz von Kopenhagen
im Dezember 2009. Eine tiefergehende Überprüfung der Studie sprach
sich angesichts des anvisierten Wirtschaftswachstums dafür aus, einen
leichten Anstieg des CO2-Ausstoßes zuzulassen. Da Israel im Jahr 2010
der OECD beitreten sollte, waren die Umweltorganisationen mit dieser
zögerlichen Strategie wenig einverstanden. Im Frühjahr 2010 lud das
Institute for Desert Environmental Research der Ben-Gurion-Universität in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung zu einer internationalen Konferenz ein, die ausgehend von der McKinsey-Studie eine
ambitionierte Klimastrategie für Israel entwickeln sollte. Neben Regie-

9

Globalisierung und Nachhaltigkeit

rungsvertretern, Wissenschaftlern und zahlreichen Umweltorganisationen nahmen auch einige unserer Partner aus den USA, darunter Bracken
Hendricks des Center for American Progress, an der Konferenz teil. Am
Ende stand die Empfehlung, die israelische Regierung solle künftig stärker auf intraministerielle Zusammenarbeit setzen, Steuerinstrumente
bei der Regulierung von Treibhausgasen nutzen und die gesamte Wirtschaft auf nachhaltige Technologien ausrichten. Um diese Entwicklung
zu befördern, wird das Stiftungsbüro in Tel Aviv im Jahr 2011 eine Studie für einen «Green New Deal für Israel» vorlegen.

Pakistan: Internationale Konferenz zu
Klimawandel und Entwicklung
Als Reaktion auf die Flutkatastrophe im August 2010 fand vom 22. – 23.
Oktober 2010 eine erste internationale Konferenz zum Klimawandel in
Pakistan statt. Dem Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Lahore war es
zusammen mit dem Sustainable Development Policy Institute (SDPI) in
Islamabad gelungen, das pakistanische Umweltministerium für das Thema zu gewinnen. Unter den Teilnehmern waren renommierte Klimaexperten wie der Vorsitzende des Weltklimarats (IPCC), R.K. Pachauri,
und der Direktor der Hauptabteilung für Wirtschaftliche und Soziale
Angelegenheiten der Vereinten Nationen (UNDESA) sowie SDPI-Gründer Tariq Banuri. Auch indische Fachleute nahmen an der Konferenz
teil, darunter Sunita Narain, Direktorin des «Centre for Science & Environment» (CSE) in Neu-Delhi und langjährige Partnerin der Stiftung. Es
war ein absolutes Novum, dass Vertreterinnen und Vertreter Indiens und
Pakistans gemeinsam zu den Folgen des Klimawandels für die Region
diskutierten. Ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Kooperation und
Vertrauen auch zwischen verfeindeten Staaten möglich sind.

Die Heinrich-Böll-Stiftung half Opfern der pakistanischen Flut mit Nahrungsmitteln und Hygienesets. Foto: Heinrich-Böll-Stiftung

Anpassung an den Klimawandel
Beispiel Afrika:

Afrika ist der vom Klimawandel am stärksten betroffene Kontinent. Ausbleibender Regen, Dürre, sinkende Ernten, der Verlust an Biodiversität
und die Verknappung natürlicher Ressourcen sind nur einige der Folgen.
Noch fehlt es dem Kontinent an einer starken und vor allem vereinten
Stimme, um dieser «stillen Krise» zu begegnen.
Die Industrienationen können (und müssen) die afrikanischen Staaten im Kampf gegen den Klimawandel auf vielfache Weise unterstützen:
in internationalen Verhandlungen, durch Hilfestellung bei der Politikentwicklung, durch Förderung zivilgesellschaftlicher Partizipation und
natürlich durch die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen. Die Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Kapstadt, Nairobi, Lagos und Addis
Abeba arbeiten alle zu diesem Thema. Mit dem Projekt «Climate Governance in Africa» qualifizieren wir afrikanische Unterhändler für weitere Klimaverhandlungsrunden und analysieren Anpassungspolitiken und
ihre Implementierung in verschiedenen afrikanischen Staaten. Gute Regierungsführung im Sinne von Klimagerechtigkeit zu fördern bedeutet
für uns, vornehmlich für die am meisten von Klimawandel betroffenen
Menschen zu sensibilisieren.
Beispiel Thailand:

Die Auswirkungen des Klimawandels sind vielfältig. In Thailand, das
stark von der Landwirtschaft geprägt ist, bedrohen vor allem Dürren die
Existenz vieler Kleinbauern. Eine Studie im Auftrag der Heinrich-BöllStiftung hat die Auswirkungen des Klimawandels auf ländliche Gemeinden untersucht, den Grad ihrer Anfälligkeit (Vulnerabilität) identifiziert

Climate Governance in Africa - Adaptation Strategies and Institutions

A synthesis report by Masego Madzwamuse, Oktober 2010
Download: www.boell.de/downloads/Climate_Governance_in_Africa.pdf

Sieben Fallstudien zu acht afrikanischen Ländern
zeigen die Herausforderungen des Klimawandels
für die Regierungsführung in unterschiedlichen Regionen Afrikas (in englischer Sprache).
«Climate Governance in Africa - Adaptation
Strategies and Institutions» fasst die wichtigsten Ergebnisse in klare Politikempfehlungen.

10

Globalisierung und Nachhaltigkeit

sowie notwendige Anpassungsmaßnahmen zur Sicherung ihrer Existenzgrundlage vorgeschlagen. Die untersuchten Gemeinden befinden sich in
entlegenen Gebieten der Provinz Pitsanulok und haben regelmäßig mit
Trockenperioden zu kämpfen. Im Jahr 2010 gab es die schlimmste Dürre
seit 42 Jahren, verursacht durch eine Verzögerung der Regenfälle um
fünf Monate. Die Gemeinden konnten nichts anbauen und mussten von
außerhalb mit Wasser versorgt werden. Die saisonalen Änderungen verschärfen sich seit Jahren und sind immer schwerer vorherzusagen. Auch
wenn die Gemeinden durchaus mit mittelschweren Trockenperioden umzugehen wissen, können sie sich nicht innerhalb kurzer Zeit auf häufige
schwere Dürren einstellen, wie sie der Klimawandel mit sich bringt.
Ergebnisse der Studie: Die Menschen brauchen Rechtssicherheit bei
den Grundstücksbesitzverhältnissen, die Bauern eine Reduktion ihrer
Verschuldung. Anpassung durch andere Anbaumethoden, die Umstellung auf dürreresistente Feldfrüchte oder die Errichtung einer gemeindeweiten «Reisbank» waren weitere Empfehlungen.

Nigeria: Journalistenreise zum Thema Klimawandel

Weil Lagos nur einen Meter über dem Meeresspiegel liegt, ist es schon jetzt vom Klimawandel bedroht. Die Journalist/innen machen
sich ein Bild von der Lage in der 15-MillionenMetropole. Foto: Heinrich-Böll-Stiftung

Makoko – der riesige Slum an der verschmutzten
Lagune vor Lagos besteht aus unsicheren Pfahlbauten. Die sozialen Probleme sind groß – der Klimawandel wird sie verstärken. Fotos: Rainer Wozny

Nigeria ist wie kaum ein anderes afrikanisches Land vom Klimawandel betroffen: In dem mit über 150 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Staat Afrikas kämpfen die Menschen im Süden gegen
Überschwemmungen, im Norden gegen die vorrückende Sahara. Die
Anpassung an den Klimawandel beschäftigt zunehmend die Politik des
Landes.
Im Herbst 2010 organisierte die Heinrich-Böll-Stiftung eine einwöchige Journalistenreise nach Nigeria. Ziel war es, die Journalisten über
die komplexen Zusammenhänge des Klimawandels und die Folgen für
die Bevölkerung zu informieren. Stationen der Reise waren die 17-Millionen-Metropole Lagos, die Regierungshauptstadt Abuja sowie der
nördliche Bundesstaat Kaduna. Im Mittelpunkt standen Initiativen von
Menschen, die versuchen, sich an die veränderten Umweltbedingungen
anzupassen – darunter die Bewohner der Fischergemeinde Makoko, die
trotz der häufigen Überschwemmungen ihre teilweise über dem Wasser
erbauten Hütten nicht verlassen wollen. Oder die «Müllfrauen» des Unternehmens «Lagos State Waste Management Authority», die 10.000
Tonnen festem Müll pro Tag mit orangefarbenen Müllwagen, Recycling
und Schulungen für Gemeinden und private Haushalte zu Leibe rücken.
Rund 50 Prozent der Angestellten sind Frauen, die kleinen Müllwagen
werden fast ausschließlich von Frauen gefahren.

11

Globalisierung und Nachhaltigkeit

Die Frage nach Alternativen zur extremen Abhängigkeit Nigerias vom
Erdölexport war ein Thema bei den Treffen mit lokalen Politikern, Umweltorganisationen und Energieunternehmen. Seit fast 40 Jahren wird
im Nigerdelta Erdöl gefördert, die Folgen sind schwerste Umweltschäden: In den letzten Jahren sind immer wieder zahlreiche Menschen bei
Explosionen von Ölpipelines getötet worden, weite Flächen des Deltas
sind mittlerweile verseucht.

Internationale Klimaverhandlungen
Cancún: COP 16 – ein Schritt vor und zwei zurück

Die Heinrich-Böll-Stiftung begleitet seit vielen Jahren die internationalen Klimaverhandlungen. Einer Vielzahl von Partnerinnen und Partnern
aus Schwellen- und Entwicklungsländern haben wir die Teilnahme an
den Verhandlungen ermöglicht, wir haben in den Aufbau von Kapazitäten investiert und Netzwerke gestärkt.
Die 16. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention
hat im Dezember 2010 im mexikanischen Cancún stattgefunden. Die
Stiftung hat lange im Vorfeld auf dieses globale Ereignis hingearbeitet.
Bereits im November 2009 organisierte das Mexiko-Büro der Stiftung
eine größere öffentliche Konferenz mit dem Titel «Brücken bauen im
Klimawandel: Von den internationalen Verhandlungen zur nationalen,
lokalen und Bürger_innen-Realität» in Mexiko-Stadt. Besonders gelungen war der Austausch der Umweltminister/innen und -senator/innen
verschiedener Landesregierungen, insbesondere über die Möglichkeiten,
auf lokaler Ebene der Klimakrise zu begegnen.
Die Stiftung gehört in Mexiko zu den wenigen Organisationen, die
bereits über viel Erfahrung zum Klimathema verfügen, und wird als Impulsgeberin sowohl von Nichtregierungs- als auch von Regierungsseite
geschätzt.
In Cancún hatte die mexikanische Präsidentschaft aus dem Fiasko
von Kopenhagen gelernt und den Prozess so offen und transparent wie
möglich gestaltet. Am Ende wurde ein Text verabschiedet, der nicht von
einer ausgewählten Minderheit von Staats- und Regierungschefs im berühmten Hinterzimmer, sondern unter Einbeziehung auch der ärmsten
und vom Klimagipfel am meisten betroffenen Länder ausgehandelt wurde. Trotzdem blieb das Ergebnis mager.
Die Heinrich-Böll-Stiftung war sowohl beim offiziellen Programm als
auch auf dem NGO-Forum «Klimagerechtigkeit» mit Veranstaltungen
präsent. Sehr gut besucht waren die beiden offiziellen Side-Events zu
«Klimafinanzierung» und zu «Wasser, Klimawandel und Entwicklung».
Für deutsche Medienvertreter organisierten wir eine Informationsreise
zu einer Fischereikooperative.
Gemeinsam mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und dem mexikanischen Umweltministerium haben wir zum
Thema Klimafinanzierung für Politikerinnen und Politiker sowie Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft Workshops veranstaltet, des
weiteren in Mexiko-City eine große Konferenz zum Thema «Gender und
Klima». Von besonderer Bedeutung war auch eine «Dinner Debate» ein
halbes Jahr vor dem Klimawandel mit den Herausgebern und Chefredakteuren der wichtigsten mexikanischen Medien, denn ohne deren Einverständnis können auch die besten Journalistinnen und Journalisten keine
Klimaberichterstattung veröffentlichen.
Letztendlich braucht der Klimaprozess vor allem eine aktive Zivilgesellschaft, die Vorschläge erarbeitet, Lobbyarbeit betreibt und Druck auf
Regierungen und Verhandlungsführer ausübt. Wir haben uns deshalb an
verschiedenen zivilgesellschaftlichen Bündnissen beteiligt, u. a. an der
Vorbereitung eines der zivilgesellschaftlichen Parallelforen in Cancún.

Vor den Toren der Verhandlungen: Zivilgesellschaftliche Proteste in Cancún forderten
die Regierungen der Welt auf, sich für Klimagerechtigkeit einzusetzen. Foto: dpa

Die täglichen Interviews mit interessanten Gästen am
Stand konnten als Videos ein paar Stunden später auf
der Website www.boell.de heruntergeladen werden.

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Globalisierung und Nachhaltigkeit

Klimafinanzierung
Klimafinanzhilfen auf dem Prüfstand

A Matter of Principle(s)

A Normative Framework for a Global Compact on
Public Climate Finance. By Liane Schalatek. Ed. by
the Heinrich-Böll-Foundation, Berlin 2011, 112 pages

Wer stellt welches Geld bereit und wohin fließt
es, darüber gibt eine von der Stiftung initiierte
Webseite www.climatefundsupdate.org regelmäßig
Auskunft.

Für die Vermeidung von und die Anpassung an den Klimawandel wird es
um Finanztransfers in Schwellen- und Entwicklungsländer in Milliardenhöhe gehen. Wofür werden diese Gelder ausgegeben und wem kommen
sie zugute? Diesen Fragen geht die Heinrich-Böll-Stiftung seit längerem
nach. Die Vergabe neuer Gelder braucht sozial-ökologische Standards
und Prinzipien und ein hohes Maß an Transparenz und Rechenschaftspflicht seitens der Geber und Empfänger, wenn die Finanzhilfen ihre Ziele erreichen und vor allem den am meisten Betroffenen zugutekommen
sollen.
Die Studie «A Matter of Principle(s)» von Liane Schalatek, stellvertretende Direktorin unseres Büros in Washington, lieferte rechtzeitig
zum Auftakt des Klimagipfels in Cancún Diskussionsstoff für die Debatte, nach welchen Kriterien und Prinzipien die neuen Klimamittel vergeben werden sollen. «Obwohl Deutschland internationale Menschenrechtskonventionen unterschrieben hat, sind diese nicht als verbindliche
Standards in die Finanzierungskriterien für Maßnahmen zur Emissionsvermeidung und Anpassung an die Folgen des Klimawandels integriert»,
erklärte Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung.

Ressourcenpolitik

«Ressourcenpolitik in Afrika – Herausforderungen des Wandels». Ein Special
zur deutschen Rohstoffstrategie
¼ www.boell.de

Natürliche Ressourcen sind die Basis des Wirtschaftens und täglichen Lebens. Ressourcen nachhaltig zu nutzen und global fair zu teilen ist neben dem Klimawandel und der globalen Armut eine der größten Herausforderungen im 21. Jahrhundert. Viele Ressourcen sind
endlich. Das gilt besonders für die fossilen Rohstoffe. Ihre weitere
exzessive Verbrennung beschleunigt den Klimawandel. Ein Großteil des natürlichen Ressourcen- und Rohstoffreichtums befindet sich
in Schwellen- und Entwicklungsländern, die neben der Armut unter
massiven Demokratiedefiziten leiden. Der Ressourcenreichtum ist für
viele Menschen vor Ort kein Segen, sondern Fluch. Die Heinrich-BöllStiftung tritt für eine verantwortungsvolle, ökologisch gerechte und
demokratisch orientierte Ressourcenpolitik ein. Ressourcenpolitik
beziehen wir dabei schwerpunktmäßig auf die extraktiven Industrien,
also auf den Öl- und Gas- sowie Bergbausektor (fossile und mineralische Rohstoffe).

Vernetzung: Strategietreffen für eine
Anti-Teersandkampagne
Die Mondlandschaften in der kanadischen Provinz Alberta sind weltweit
bekannt. Sie sind die Folge des Tagebaus zur Gewinnung von Teersanden.
Nordamerikanische und europäische Nichtregierungsorganisationen sowie kanadische Ureinwohner wehren sich seit Jahren gegen diese Form
von Umweltzerstörung. Da weltweit das «billige» Erdöl zur Neige geht,
verlagern sich die Investitions- und Explorationsstätten für unkonventionelles Erdöl mittlerweile auch in andere Weltregionen. Die HeinrichBöll-Stiftung hat gemeinsam mit anderen internationalen Akteuren vor
zwei Jahren eine Studie zu den Teersand-Investitionen der italienischen
Ölfirma Eni in der Republik Kongo vorgelegt.
Gemeinsam mit Friends of the Earth Europe hatten wir im November
2010 die Schlüsselpersonen des zivilgesellschaftlichen Widerstands gegen Teersande und sogenannte Marginal Oils aus Nordamerika, Europa, Kongo, Madagaskar und Venezuela zu einem zweitägigen Strategie-

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Globalisierung und Nachhaltigkeit

treffen nach Berlin geladen. Es ging darum, den Informationsaustausch
zu fördern, neue Allianzen zu schaffen und Strategien für eine globale
Anti-Teersandkampagne zu entwickeln. Vorgesehen sind ein verstärkter
Informationsaustausch, Weiterbildung, weitere Studien (zu Madagaskar und Nigeria) und verschiedene Aktivitäten im Umfeld der nächsten
Weltklimakonferenz (COP 17) in Durban, Südafrika.

Afrika: Fallstudien zu Ressourcenpolitik
Als 2006 Diamantenvorkommen in der entlegenen Chiadzwa-Region im
Osten Simbabwes entdeckt wurden, hielt ein Großteil der lokalen Bevölkerung dies für einen Segen, der ihre Not in den wirtschaftlich harten
Zeiten zu lindern versprach. Tatsächlich könnten bei einem verantwortungsvollen Umgang mit den Einnahmen aus dem Diamantenhandel die
Staatskassen erheblich gefüllt werden. Doch anstatt den Wiederaufbau
des Landes nach Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs zu finanzieren,
hat der Ansturm auf die Diamantenfelder die Menschen von Chiadzwa zu
den jüngsten Opfern des «Ressourcenfluchs» gemacht. Die Entdeckung
der Edelsteine hat die Gegend in ein Chaos gestürzt und bewaffnete Sicherheitskräfte, Gewalt, Menschenrechtsverletzungen, erhöhte soziale
Instabilität und Umweltschäden mit sich gebracht.
Vor dem Hintergrund ähnlicher Erfahrungen in anderen rohstoffreichen Ländern Afrikas wurden zu Beginn des 21. Jahrhunderts mehrere
Initiativen ins Leben gerufen. Auch wenn sie sich in Ansatz und Umfang
unterscheiden, zielen alle darauf ab, zu einer transparenten, nachhaltigen, fairen und gerechten Ressourcenpolitik beizutragen. Fast ein Jahrzehnt später wirft die Situation in Simbabwe Zweifel auf, wie erfolgreich
diese Initiativen in der Praxis waren. Anhand von drei verschiedenen
Fallstudien (Simbabwe, Nigeria, Tansania) versucht eine Ausgabe unserer Publikationsreihe «Perspectives» Aufschluss über diese und ähnliche
Fragen zu geben. Alle drei Analysen machen deutlich, dass lokale und
internationale Anstrengungen, den Umgang mit Rohstoffen verantwortungsvoller zu gestalten, Erfolge erzielen konnten, die Herausforderungen aber nach wie vor groß sind.

Auch in Sierra Leone sind Diamanten begehrt. Das
Symbol für Schönheit und Reichtum bringt viele afrikanische Länder in Not. Foto: picture-alliance / Godong

Perspectives 3/2010: The Challenges of Change Political

Analysis and Commentary from Southern Africa,
Nr. 3/2010. Ed. by the Heinrich-Böll-Foundation
Download: www.boell.de/downloads/2010-07-22_
Perspectives_3.10.NEU.pdf

Für eine globale Agrarwende
Ausreichend Nahrung für alle Menschen, diesem Ziel ist die HeinrichBöll-Stiftung verpflichtet. Wie dies unter den Bedingungen einer ungerechten Weltagrarpolitik und des Klimawandels gelingen kann, ist der
Motor einer Vielzahl unserer Initiativen und Projekte. Neu aufgenommen haben wir die Komponente «Landwirtschaft und Klimawandel».

Faire Regeln für den globalen Agrarhandel
Zum Jahresauftakt hat im Januar 2010 die Konferenz «EcoFair rules!» Agrarhandel im Spannungsfeld der Ernährungs-, Klima- und Wirtschaftskrise stattgefunden. Die landwirtschaftliche Produktion, ihre
Märkte und der Handel mit Agrargütern sind in ihrer heutigen Form
den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht gewachsen.
Einen Vorgeschmack auf zukünftige Entwicklungen haben die Preisentwicklungen für Nahrungsmittel in den Jahren 2007/08 gegeben,
in denen die durchschnittlichen Weltmarktpreise in kürzester Zeit um
mehr als 100 Prozent anstiegen und dadurch akut mehr als 150 Millionen Menschen zusätzlich von Hunger betroffen waren. Die gemeinsame Konferenz von Misereor und der Heinrich-Böll-Stiftung «EcoFair
rules!» hat diese Entwicklungen zum Anlass genommen, die Regeln des
internationalen Agrarhandels zu überdenken und neu zu definieren. Unter den prominenten Gästen war auch der UN-Sonderberichterstatter

Climate Change and the Right to Food

By the Human Rights Institute of the Columbia Law
School and Olivier De Schutter. Ed. by the Heinrich Böll Foundation, Berlin 2009, 160 pages

Die Studie analysiert die Folgen der Klimapolitik
für das Recht auf Nahrung und gibt Empfehlungen, wie Klimapolitik und Menschenrechtsagenda besser zusammengeführt werden können.

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Globalisierung und Nachhaltigkeit

für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter. Er forderte das Ende des
Agrardumpings des Nordens und einer Zollpolitik, die den Süden als reinen Rohstofflieferanten festschreibe. Die indische Wissenschaftlerin und
Mitglied des Weltagrarberichts, Raina Rajeswari, wies jedoch auch der
Regierungspolitik im Süden eine Schuld zu. So würde Indiens Regierung
immer noch auf Monokulturen für den Export und die Agrokonzerne setzen. Auch hier sei ein Mentalitätswandel vonnöten.

Gemeingüter stärken

Die internationale Commons-Konferenz regte
inner- und außerhalb der Podien und Workshops zu
zahlreichen Diskussionen an. Foto: Thomas Kalka

Gemeingüter – Wohlstand durch Teilen

Ein Report. Von Silke Helfrich, Rainer Kuhlen, Wolfgang Sachs und Christian Siefkes. Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Berlin 2010, 48 Seiten (Online-Version auch auf
Französisch und Englisch unter www.boell.de)

Die internationale Gemeingüter-Bewegung wächst. Gemeingüter (natürliche Ressourcen, Wissen, Kultur) zu schützen und zu vermehren ist
nicht nur theoretisch attraktiv. Es wird praktisch im Alltag und politisch, wenn immer mehr Menschen den freien Zugang von der Software
bis zum Saatgut fordern, privatisierte Öffentlichkeit zurückerobern und
für Teilhabe streiten. Gemeingüter («commons») dürfen dem Gemeinwesen eben nicht entzogen, nicht kommerzialisiert oder unwiederbringlich
zerstört werden. Dieser Thematik widmet sich die Stiftung seit einigen
Jahren mit viel Resonanz und Erfolg.
Die Salonreihe «Zeit für Allmende» war zu Beginn unserer Debatte
experimenteller Denkraum. Seit Anfang 2008 wurden zu dieser interdisziplinären politischen Veranstaltungsreihe Gäste aus Gesellschaft,
Wirtschaft und Politik geladen. Daraus ist das Manifest «Gemeingüter
stärken. Jetzt!» in kollektiver Autorschaft entstanden. Es liegt bislang
auf Deutsch, Englisch und Spanisch vor.
Vorläufiger Höhepunkt unserer Aktivitäten zur Stärkung der Gemeingüterbewegung war die internationale Konferenz Mitte November 2010
in Berlin. Hier bildete sich ein Teil der Vielfalt ab, aus der sich die Bewegung derzeit konstituiert. Was alle Projekte und Ansätze eint, ist das
Ziel, gemeinschaftlich genutzte Ressourcen als Gemeingut zu erhalten,
sie weiterzuentwickeln und damit selbst unabhängiger von Markt und
Staat zu machen. Die Frage ist: Wie kann das gesellschaftliche Leben –
wie können lokale und globale Institutionen – so organisiert werden, dass
der Vorteil des einen auch zum Vorteil des anderen gereicht?
Auch die Fragen, ob Gemeingüter im großen Maßstab funktionieren
können und ob sie das Potenzial haben, eine neue Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens hervorzubringen, wurden kontrovers diskutiert.
Ein ermutigendes politisches Signal kam aus Ecuador. Die Ministerin
für das nationale Erbe des Landes, María Fernanda Espinoza Garcés,
erbot sich, den Gemeingüter-Gedanken in die Regierung Ecuadors sowie in den Kreis der ALBA-Länder (ein Handelsbündnis, dem Venezuela,
Kuba, Bolivien, Nicaragua, Honduras und die englischsprachige Karibikinsel Dominica angehören) zu tragen.
Auf Kooperation mit dem Staat wird die Gemeingüter-Bewegung angewiesen sein, wenn sie die Erfahrungen funktionierender Gemeingüter
zum Maßstab des Designs von Institutionen und Politik machen will.
Und darum wird es in Zukunft gehen. Lokal wie global.

Entwicklungspolitisches Forum:
«Weiter so ist keine Option!»

Claude Kabemba, Direktor der Organisation Southern
Africa Resource Watch, warf einen neuen Blick auf
die Rolle Chinas in Afrika. Foto: Stephan Röhl

Klimawandel, Welternährungskrise, Armut und Finanzkrise: Die deutsche Entwicklungspolitik steht vor Herausforderungen, die nur ressortübergreifend gelöst werden können. Nach einem Jahr schwarz-gelber
Regierungsarbeit widmete sich die Heinrich-Böll-Stiftung im November
2010 dem Spannungsfeld nationaler, europäischer und internationaler
Entwicklungspolitik. Den roten Faden durch das Entwicklungspolitische
Forum zog das Thema Politikkohärenz. Demnach müssen die Ziele von
Außenwirtschaftsförderungspolitik, von Handels- und Klimapolitik –

15

Globalisierung und Nachhaltigkeit

oder auch die Rohstoffstrategie der Bundesregierung – verpflichtend mit
den Entwicklungszielen in Einklang gebracht werden. Doch in der Praxis
ist Politikkohärenz allzu oft ferne Realität. Welche institutionellen Voraussetzungen braucht es also, um einen ganzheitlichen Regierungsansatz zu erreichen, wo muss umgedacht werden?
Mit ihrem Thesenpapier «Agenda für mehr Politikkohärenz für globalen Klimaschutz und menschliche Entwicklung» brachte Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, die Idee eines Ministeriums für globale Aufgaben ein, die auf großes Interesse stieß. Das Papier
ist nachzulesen im Konferenzdossier «Deutsche Entwicklungspolitik im
Spannungsfeld Globaler Krisen». Das Dossier enthält sämtliche Policy
Papers, Länderstudien und thematische Beiträge zu einzelnen Aspekten
der Konferenz.

Konferenzdossier
¼ www.boell.de/internationalepolitik

Ausstellung: «zur nachahmung empfohlen! expeditionen in
ästhetik & nachhaltigkeit!»
Ob Klimawandel, schwindende Energiereserven oder der Verlust der biologischen Vielfalt – es braucht auch individuelles Handeln, Visionen eines zukunftsfähigen Lebens. Die Kunst ist solch ein Feld individuellen
Handelns, das Visionen hervorbringen kann. Die von Adrienne Goehler
kuratierte Ausstellung «zur nachahmung empfohlen! expeditionen in ästhetik & nachhaltigkeit» hat dies deutlich gemacht. Die Heinrich-BöllStiftung war Kooperationspartner dieses Experiments und wollte zeigen, dass Nachhaltigkeit, die sich als gestaltend versteht, nicht ohne die
Künste und Wissenschaften auskommt. Mit einem umfangreichen Rahmenprogramm aus Filmabenden und Gesprächsforen regte die Kunstschau zum Mitmachen und Weiterdenken an. Die Stiftung hat sich mit
einem Gesprächsforum zum Thema «Wohlstand ohne Wachstum» beteiligt. Prominenter Gast war der Ökonom Tim Jackson, dessen Buch
«Wohlstand ohne Wachstum» den Weg zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem skizziert. Im englischen Sprachraum ist das Buch bereits
ein Bestseller. Die Stiftung legt gemeinsam mit dem oekom Verlag im
Jahr 2011 die überarbeitete, deutsche Version des Buches vor.

Die Ausstellung «zur nachahmung empfohlen!» wird auch 2011 an verschiedenen Orten im In- und Ausland zu sehen sein. Die
Termine und weitere Informationen
¼ www.boell.de/internationalepolitik

«Das Imaginarium: Ein Theater für konstruierte
Ökologien» ist ein transdisziplinäres Projekt des
Berliner Studios Lukas Feireiss, der Londoner
Gruppe Tomorrow’s Thoughts Today und des puertoricanischen Künstlers Luis Berríos-Negrón. Es bringt
in Miniaturform Ideen aus Kunst, Architektur und
Wissenschaft zusammen, die Lösungsansätze für
den Klimawandel anbieten. Foto: Michael Hoelzl

Foto: dpa

Europa politisch gestalten
Die Europäische Union befindet sich in schwierigen Zeiten: Die Euro-Krise
schürt Ängste um ein Auseinanderbrechen der Währungsgemeinschaft.
Die Entwicklung einer nachhaltigen europäischen Energiepolitik ist drän­
gender denn je – vor allem vor dem Hintergrund der stockenden Klimaver­
handlungen und der dringend notwendigen Vorreiterrolle der EU, aber auch
angesichts der unkalkulierbaren Risiken der Atomkraft, die ein schnelles
Umsteuern zu erneuerbaren Energien notwendig machen. Trotz des Lissa­
bon-Vertrages hat die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik noch keine
klare Gestalt angenommen. Die wankelmütige und widersprüchliche Politik
der Mitgliedsstaaten bezüglich der Revolutionen in Nordafrika macht dies
überdeutlich. Und doch können diese Krisen auch Chancen sein, denn die
Notwendigkeit gemeinsamen europäischen Handelns liegt auf der Hand.
Jetzt ist die Zeit, Europa politisch zu gestalten. Mit der Einrichtung einer Ex­
pertenkommission zur Zukunft der EU haben wir begonnen, Szenarien und
Leitprojekte für die Europäische Union zu entwickeln. Auch darüber hinaus
werden wir an Visionen für die Zukunft Europas arbeiten.

17

Europapolitik

Berlin: Energiesicherheit, Klimaschutz und Innovation –
Quo vadis EU?
Energiepolitik ist Zukunftspolitik. Die Alternativen liegen auf der Hand:
Entweder das Ende des fossilen Zeitalters wird rasch eingeläutet, oder
der Klimawandel nimmt Ausmaße an, die das Leben auf der Erde nachteilig verändern werden. Technisch ist der Abschied von Kohle, Öl, Gas
und auch von Atomkraft machbar. Jetzt muss der Übergang ins Zeitalter
der Erneuerbaren politisch vorangetrieben werden. Es geht um Investitionsanreize und Zukunftsmärkte, um Energiesicherheit und Machtfragen, um technologische Innovationen und gesellschaftliches Umdenken.
Wie die zukünftige Klima- und Energiepolitik in Europa aussehen könnte, darüber diskutierten über mehrere hundert Teilnehmende einer internationalen Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung am 16. und 17. März
2010 in Berlin. Dass Klimapolitik zum großen Teil auch Energiepolitik
ist, war unumstritten. Das internationale Minimalziel, die Erderwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen, wird nur mit einer massiven Reduzierung der globalen CO2-Emissionen und einem möglichst schnellen
Ausbau erneuerbarer Energieträger zu erreichen sein. Eine der zentralen Fragen war deshalb: Kann Europa mit gutem Beispiel vorangehen?
Die Antwort war eindeutig: Europa kann und muss. Denn ohne eine Stärkung der supranationalen europäischen Energiepolitik wird der notwendige energiepolitische Wandel nicht stattfinden.
Bei allen Kontroversen, die geführt wurden: Einigkeit herrschte darüber, dass nur eine konzertierte Aktion der europäischen Staaten die EU
zum Vorreiter einer globalen Energiewende machen kann. Europäische
Visionen wie die Europäische Gemeinschaft für Erneuerbare Energien
(ERENE) und regionale wie überregionale Energiekooperationen wie
DESERTEC weisen den Weg in die richtige Richtung.
Der im Vertrag von Lissabon verankerte Grundsatz der «Energiesolidarität» sollte nicht nur als Aufruf zur gegenseitigen Hilfe verstanden
werden, falls die Lieferung von Erdgas unterbrochen wird. Energiesolidarität heißt auch, die von fossilen Energieträgern besonders abhängigen
Staaten auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz zu unterstützen und sie
in eine Europäische Gemeinschaft für erneuerbare Energie einzubinden.

Vorstandsmitglied Ralf Fücks diskutiert mit internationalen Gästen über Potenziale und Instrumente für
eine europäische Energiewende. Foto: Stephan Röhl

«Atomkraft ist als Brückentechnologie in
das Zeitalter der erneuerbaren Energien ungeeignet», so Rebecca Harms, MdEP für
Die Grünen/EFA. Foto: Stephan Röhl

EU: ERENE – Eine Europäische Gemeinschaft für
Erneuerbare Energien
100% erneuerbare Energien in Europa sind möglich: durch europäische Zusammenarbeit. Vor drei Jahren stand die Heinrich-Böll-Stiftung
mit diesem Konzept noch relativ alleine da. Zwar gab es viele positive
Rückmeldungen auf den Vorschlag zur Gründung einer «Europäischen
Gemeinschaft für Erneuerbare Energien» (ERENE), aber zugleich galt
dies vielen nur als avantgardistische Vision. Mittlerweile haben sich aber
unsere Forderungen fast als Mainstream in europäischen Energieszenarien etabliert – beständig kommen neue Studien auf den Markt, die
100 % Erneuerbare propagieren und die Notwendigkeit der Schaffung
eines echten europäischen Strommarkts betonen. Wir freuen uns über
diese Entwicklung, doch es gibt noch viele Hürden, die der Entwicklung
der Erneuerbaren entgegenstehen. Auch im Jahr 2010 haben wir daher
das ERENE-Konzept intensiv vorangetrieben. Die eigens eingerichtete
Homepage www.erene.org wurde um eine Plattform erweitert, auf der
die aktuellsten und relevantesten Studien für die Förderung von Erneuerbaren in Europa zusammengetragen werden, inklusive eines ausführlichen Glossars zur Energiepolitik.
Mit einer Reihe von «Themenpapieren» haben wir das ERENE-Konzept um politische Argumentationen und Politikvorschläge für einzelne
Sektoren erweitert. So wurde ein Papier zu den Problemen und möglichen Lösungen eines europäischen Netzausbaus verfasst. Ein weiteres

¼ www.erene.org

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100% erneuerbare Energien in Europa sind nicht nur
notwendig, sondern auch möglich. Windkraft- und Solaranlagen wie in Spanien machen es vor. Fotos: dpa

Europapolitik

Papier widmet sich den Chancen, die in der verstärkten Zusammenarbeit
zwischen der EU und ihrer Nachbarschaft liegen. Am Beispiel des Ostseeraums wird gezeigt, welches Potenzial an Erneuerbaren brachliegt
und wie es durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit nutzbar gemacht werden kann.
Auch 2010 haben wir unsere Zusammenarbeit mit der Green European Foundation fortgesetzt. So ließen wir in mehreren EU-Mitgliedsstaaten Analysen der jeweiligen Nationalen Aktionspläne für die
EU-weiten 20/20/20-Ziele erstellen (jeweils 20% Erneuerbare, Energieeffizienz und Energieeinsparung bis zum Jahr 2020). Bei einer Diskussion in Berlin unter dem Titel «Energie für die Zukunft Europas:
27 Nationale Aktionspläne = 1 Europäische Energiepolitik?» wurde
deutlich, welche gravierenden Defizite es weiterhin in der gemeinsamen
Energiepolitik und der europaweiten Zusammenarbeit gibt, insbesondere für Erneuerbare. Trotz aller Studien, die unsere Vision eines Europa
der Erneuerbaren bestärken, bleibt daher viel zu tun.

Berlin: Green New Deal auf Ukrainisch?

Michail Gontschar, Direktor des Energieprogramms von NOMOS in Kiew, und Claudia
Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung auf den 5. Kiewer Gesprächen
in Berlin. Foto: Heinrich-Böll-Stiftung

Die «Kiewer Gespräche» der Heinrich-Böll-Stiftung, abwechselnd in
Kiew und Berlin veranstaltet, gelten als wichtigstes zivilgesellschaftliches Dialogforum zwischen beiden Ländern. Getragen von einem breiten
Bündnis deutscher und ukrainischer Partner und Förderer, sind sie der
Idee eines unteilbaren, demokratischen und freien Europas verpflichtet.
Im April 2010 widmeten sich die Kiewer Gespräche dem Energiesektor
der Ukraine und seinen vielfältigen Verflechtungen mit der EU und mit
Russland. Einhellig beklagten die Teilnehmenden die mangelnde Transparenz und die Korruptionsanfälligkeit der Energiewirtschaft. Michail
Gontschar vom Forschungszentrum NOMOS zeigte die ökonomischen
Eigeninteressen der politisch Verantwortlichen auf und machte deutlich,
wer in der Ukraine und in der EU an undurchsichtigen internationalen
Firmengeflechten mitverdient und damit kein Interesse an wirksamen
Reformen hat. Oleksandr Mazurchak, Vizeminister für Wohn- und Kommunalwesen, beschrieb riesengroße Einsparpotenziale im Land, das
nach dem Kongo die zweithöchste Energieintensität (Energieeinheiten
an Primärenergie, die notwendig sind, um eine Geldeinheit des Bruttoinlandsprodukts herzustellen) aufweist. Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament, bemängelte das Fehlen
einer abgestimmten europäischen Energiepolitik und forderte eine klare
Abkehr von Atomkraftwerksprojekten. Für eine intensive Zusammenarbeit der Ukraine mit der EU sprach sich auch Oleksandr Todiychuk

Europapolitik

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vom Institut für Energieeffizienz am Kiewer Institut für Management
aus. Die Ausschöpfung von Effizienzpotenzialen und die Entwicklung erneuerbarer Energien verringere schließlich auch die Abhängigkeit von
Russland.

Berlin: Lost in Transition? Serbien –
ein Jahrzehnt nach Miloševic´
Zehn Jahre ist es her, dass Serbien sich der Herrschaft des Slobodan
Miloševic´ entledigte. Doch weder sein Sturz noch irgendein anderes Ereignis ist ins serbische Bewusstsein als ein Tag des wirklichen Neubeginns
eingedrungen. Es gab keine gesellschaftliche Mehrheit, die Rechenschaft
über die Rolle ihres Staates forderte. Und auch der Staat fragte nicht
nach den gesellschaftlichen Kräften, die das Unheil befördert hatten.
Was ist das für ein Serbien, das im Jahr 2009 seinen Beitritt zur Europäischen Union beantragt hat? Auf einer Veranstaltung der HeinrichBöll-Stiftung versuchten die serbische Abgeordnete Vesna Pešic´, der
Politikwissenschaftler Vladimir Paviˇcevic´ und die Sozialwissenschaftlerin Jelisaveta Blagojevic´ diese Frage ein Stück weit zu beantworten.
Übereinstimmend stellten sie fest, dass die Suche nach einer wirklichen
Substanz der serbischen Politik, nach einem roten Faden, nach leitenden
Prinzipien eher vergeblich ist. Nach einer nochmals um 4 % einbrechenden Wirtschaftleistung lebten nicht nur die meisten Menschen, sondern
auch die Politik «von der Hand in den Mund». Dies sei umso fataler, als
in der Politik nach wie vor die «nationalen Interessen» (Kosovo) über die
Alltagsinteressen der Bürgerinnen und Bürger gestellt würden. Diesen
Eindruck verstärkte die Präsentation des Films «Auf Wiedersehen, wie
geht’s Euch?» des jungen serbischen Dokumentarfilmers Boris Miti´c.
Seine grotesken Bildkompositionen riefen jedoch auch einhelligen Widerspruch bei den serbischen Gästen hervor. Sie wollten die subjektive,
künstlerische Darstellung serbischer Zustände keinesfalls als eine realistische verstanden wissen. Gründe zum Verzweifeln gebe es genug, aber
der Versuch, sich in der Verzweiflung häuslich einzurichten, sei doch ein
sehr vereinzelter und keineswegs repräsentativer Lebensentwurf.

Fotoausstellung anlässlich der Veranstaltung
«Lost in Transition? Serbien – ein Jahrzehnt
nach Miloševi´c». Foto: Stephan Röhl

Foto: Laif

Europäische Außenpolitik
im Vertrauen auf eigene
Stärken und Werte
Mit den steigenden Machtansprüchen von Schwellenländern hat sich die
neue multipolare Weltordnung weiter verfestigt. Das Jahr 2010 zeigte ein­
mal mehr, wie sehr Europa Gefahr läuft, zu einem marginalen Akteur der
globalen Entwicklungen des 21. Jahrhunderts zu werden. Die Länder der Eu­
ropäischen Union sprechen außenpolitisch nur selten mit einer Stimme. Dies
betrifft sowohl die Krisenherde Afghanistan, Iran und Nahost als auch die
jüngsten revolutionären Entwicklungen im arabischen Raum und dem südli­
chen Mittelmeer. Für ein selbstbewussteres Auftreten gegenüber China und
Russland oder globale Herausforderungen wie Klimawandel und drohende
nukleare Anarchie konnte Europa bisher kaum überzeugende Ansätze entwi­
ckeln. Mit unserer Arbeit wollen wir dazu beitragen, dass Deutschland und
die EU in Zukunft eine konstruktive und nachhaltige Rolle bei der Lösung
globaler Herausforderungen spielen.

21

Außen- und Sicherheitspolitik

Europas Osten – Impulse für die Politik der EU gegenüber
ihren östlichen Nachbarn
Die Interessen der Europäischen Union an ihren östlichen Grenzen sind
vielfältig. Russland ist der wichtigste Gaslieferant der EU; Länder wie
Belarus, Ukraine und Georgien liegen entlang wichtiger Transitrouten.
Mit der EU-Osterweiterung sind die Sicherheitsprobleme der östlichen
Nachbarstaaten zudem auch Probleme der EU geworden. Alle Länder
dieser Region sind nach dem Zerfall der Sowjetunion in tiefe Transformationskrisen geraten. In den meisten haben sich autoritäre Formen
von Herrschaft verfestigt. Menschenrechtsverletzungen, wirtschaftliche
Monopolstrukturen und massive Korruption bedeuten langfristig erhebliche Stabilitätsrisiken an den Außengrenzen der EU. Es liegt daher in
ihrem eigenen Interesse, die Gesellschaften Osteuropas beim Aufbau demokratisch und rechtsstaatlich verfasster Gemeinwesen zu unterstützen.
Bisher kann von einer kohärenten Politik gegenüber Russland und den
Ländern der «Östlichen Partnerschaft» jedoch keine Rede sein.
Auf der «Außenpolitischen Jahrestagung» der Heinrich-Böll-Stiftung
in Kooperation mit dem European Council on Foreign Relations (ECFR)
diskutierten Politiker/innen und Expert/innen aus 12 europäischen Ländern und den USA über den künftigen Weg, den die EU gegenüber ihren
östlichen Nachbarn einschlagen sollte. Der polnische Staatssekretär im
Außenministerium, Mikolaj Dowgielewicz, hob in seiner Grundsatzrede hervor, dass in keinem anderen Land die europäische Idee so großen
Rückhalt fände wie in Polen. Ob die Politik der EU jedoch erfolgreich
sei, müsse sich in Ländern wie der Ukraine, Serbien und Moldawien
beweisen.
Oleg Ribatschuk, bis 2005 Vizeministerpräsident der Ukraine, warnte die EU davor, die Ukraine und ihre Institutionen weiterhin finanziell
zu unterstützen, solange die neue Regierung nicht ernsthaft die Korruption bekämpfe. Die EU müsse auf Reformen drängen, wie es auch in anderen postsowjetischen Staaten geschehen sei.
Beim Blick in die Zukunft ging Pavel Demes, Senior Fellow des German Marshall Fund der Vereinigten Staaten, davon aus, dass der Einfluss
der USA sich bis 2025 verringern und die EU ihr Interesse auf Russland
konzentrieren werde. Er bezweifelt allerdings, dass die EU dann schon
zu einer gemeinsamen Politik gegenüber Osteuropa und Russland gefunden haben werde.
Welches Bild von den Grenzen einer EU im Jahre 2025 gibt es im
französischen Außenministerium? Roland Galharague, der dort Vizegeneraldirektor für politische und strategische Fragen ist, prognostizierte,
dass sich die Machtgewichte bis dahin verschieben, hin zu einer globalen
Rolle der EU. Die EU müsse darauf achten, für ihre östlichen Nachbarn
attraktiv zu bleiben und so ihre «soft power» zu bewahren. Sie müsse die
Erweiterung auf dem Balkan vollenden und im gemeinsamen Raum mit
Russland für den freien Verkehr von Gütern, Investitionen und Menschen
sorgen. Am Ende sagte er, es gebe die Tendenz, alles als politisch-philosophisches Paradigma zu debattieren. Manchmal aber müsse man einfach Dinge ausprobieren, ohne unbedingt zu wissen, welches Ergebnis
man am Ende erhalte. Und zu tun gebe es genug.

Georgien: Konfliktprävention durch
Dialog und mehr Demokratie
Der georgisch-russische Krieg im August 2008 demonstrierte die Grenzen der sicherheitspolitischen Handlungsfähigkeit Europas. Bis heute
ist es nicht gelungen, adäquate Strategien für eine gesamteuropäische
Sicherheitsarchitektur zu entwickeln. Die Frage des völkerrechtlichen
Status Abchasiens und Südossetiens ist weiterhin ungelöst und bedeutet
einen dauerhaften Konflikt zwischen Russland und dem Westen. Auch

Werner Schulz, MdEP, und Oleg Ribatschuk,
ehemaliger Vize-Premierminister der Ukraine, auf der Außenpolitischen Jahrestagung im November. Foto: Stephan Röhl

«Nehmen die großen EU-Mitglieder die kleinen mit?»,
fragte Ulrike Guérot vom European Council on Foreign
Relations die Teilnehmenden. Foto: Stephan Röhl

Internetdossier «Europas Osten» mit Konferenzmitschnitten und Beiträgen
¼ www.boell.de

22

Außen- und Sicherheitspolitik

die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi bergen ein hohes Konfliktpotenzial zwischen dem nördlichen und südlichen Kaukasus.
Unser Büro im Südkaukasus hat bereits unmittelbar nach dem georgisch-russischen Krieg begonnen, Regierungsvertreter, darunter Georgiens Staatsminister für Reintegration, Temuri Yakobaschwili, und den
stellv. Außenminister, Gigi Bokeria, sowie regionale und internationale
Fachleute zu öffentlichen Debatten einzuladen. Es ging dabei um weit
mehr als die Frage, welche Seite den ersten Schuss abgegeben hat. Es
ging und geht darum, wie sich Georgien zu einem demokratischen Land
und einem Teil der europäischen Staatengemeinschaft entwickeln kann.
Mit seinen regelmäßigen öffentlichen Debatten leistet das Büro der
Heinrich-Böll-Stiftung in Tiflis einen wichtigen Beitrag zur Stärkung
der demokratischen politischen Kultur in Georgien. Zum zweiten Jahrestag des Krieges am 8. August 2010 publizierte das Büro ein Webdossier
mit ausgewählten Beiträgen georgischer und europäischer Experten.

Berlin: Gedenken an den Völkermord von Srebrenica

Trauerfeier für 775 neu identifizierte bosnische
Muslime in Srebrenica im Juli 2010 Foto: dpa
�

Die grüne Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck engagiert sich seit fast zwei Jahrzehnten für Bosnien Foto: Stephan Röhl

Am 11. Juli 2010 jährte sich zum 15. Mal das vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) als Genozid bewertete
Verbrechen von Srebrenica. In der UN-Schutzzone Srebrenica waren
im Juli 1995 mehr als 8.000 Bosniaken – vor allem Männer und Jungen zwischen 12 und 77 Jahren – von bosnischen Serben und serbischen
Paramilitärs ermordet worden. Die Heinrich-Böll-Stiftung gedachte der
Opfer von Srebrenica und ihrer Angehörigen mit einem Thementag Anfang Juli 2010. Das Programm begann mit Philipp Ruchs Film «Himmel
über Srebrenica», in dem bisher unveröffentlichtes Filmmaterial von den
«Fronten» der Kriege gezeigt wird. Im Anschluss ging es auf dem prominent besetzten Podium um die Rolle und Verantwortung der UNO bei
den Massakern von Srebrenica. Nach Recherchen des niederländischen
Journalisten Huub Jaspers hätten Informationen über einen Angriff auf
die «Schutzzone» Srebrenica bereits Monate zuvor den Verteidigungsministerien der NATO-Staaten bekannt sein müssen. Er hielt den Weltsicherheitsrat der UNO für hauptverantwortlich dafür, dass 40.000 Zivilisten in Srebrenica «im Stich gelassen worden seien».
Alle Diskutanten betonten die Notwendigkeit einer UN-Reform. Der
Politikwissenschaftler Herfried Münkler erklärte, die eigentlichen Lehren aus Srebrenica seien nie gezogen worden. Solange über die Symbolkraft der Normen geredet werde, würden sich die Mitgliedsstaaten gerne
beteiligen. Wenn es aber um die Durchsetzung dieser Normen ginge, verließe viele der Mut. Marieluise Beck, MdB von Bündnis 90/Die Grünen,
erinnerte an die Unwilligkeit der internationalen Gemeinschaft, Soldaten für den militärischen Schutz von Zivilisten zur Verfügung zu stellen.
Axel Hagedorn, Anwalt von den Hinterbliebenen der Opfer des Srebrenica-Massakers, unterstrich die Abhängigkeit der UNO von ökonomischen
Interessen: Es werde nur dort etwas unternommen, wo es um eine Gefährdung wirtschaftlicher Interessen ginge. Zuletzt ging es um mögliche
künftige militärische humanitäre Interventionen seitens der UNO: In der
Gruppe herrschte Einigkeit darüber, dass diese bei größtmöglicher Legitimität nur kleinstmögliche Effektivität zur Folge hätten. Die Zukunft
der militärischen humanitären Missionen liege bei «kleineren Regionalbündnissen», prognostizierte Münkler.

Weltweit: «Global Zero» oder atomare Anarchie?
Das Jahr 2010 war ein Schlüsseljahr für das Fortbestehen des atomaren
Nichtverbreitungsvertrags (NVV). Ein Scheitern der Überprüfungskonferenz bei den Vereinten Nationen in New York hätte angesichts der
nordkoreanischen und iranischen Atomprogramme das globale Nicht-

23

Außen- und Sicherheitspolitik

verbreitungssystem vor den Zusammenbruch gestellt. Zusätzlich musste
2010 auch die Fortsetzung des amerikanisch-russischen START-Abkommens gesichert werden, um dem Ziel einer atomwaffenfreien Welt
einen Schritt näher zu kommen.
In Tokio veranstaltete die Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation
mit dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (JDZB) im Vorfeld der
NVV-Konferenz ein Seminar, an dem u. a. der ehemalige NATO-General
Klaus Naumann, der Abrüstungsexperte Oliver Meier von der Arms Control Association und der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Mützenich
teilnahmen.
Das Stiftungsbüro in Washington lud im Mai 2010 deutsche Nachwuchspolitiker und -politikerinnen nach Washington DC und New York
ein, um sich in Gesprächen mit Fachleuten und Diplomaten ein Bild über
multilaterale Abrüstungsbemühungen machen zu können.
Das Fazit der Analysen und Gespräche: In New York konnte zwar
das Schlimmste, der Zusammenbruch des Nichtverbreitungssystems,
verhindert werden, ein großer Schritt in Richtung «Global Zero» war
jedoch nicht gelungen. Größte Herausforderung für den Fortbestand des
Nichtverbreitungsregimes bleiben die iranischen und nordkoreanischen
Atomprogramme. Gelingt es nicht, besonders die Verletzung des NVV
durch das Mitgliedsland Iran zu verhindern, droht ein neuer atomarer
Rüstungswettlauf, vor allem im Mittleren Osten.
Seit Jahren versucht der Westen, das iranische Regime zu überzeugen, das eigene Atomwaffenprogramm zu stoppen. So verabschiedeten
sowohl der UN-Sicherheitsrat als auch die USA und die EU verschärfte
Sanktionen gegen Teheran. Mit der Unterdrückung der Opposition im
Iran nach den Wahlen vom Juni 2009 wurde der Ruf nach einem militärischen Eingreifen insbesondere bei konservativen Politikern in den USA
lauter. Um diesem Stimmungstrend entgegenzuwirken, koordiniert unser Büro in Washington gemeinsam mit dem National Security Network
die «Iran Advisory Group». In der «Iran Advisory Group» treffen sich
mehrmals im Jahr Regierungsvertreter aus den USA und Europa mit
Journalisten und Menschenrechtsaktivisten, um über aktuelle politische
und gesellschaftliche Entwicklungen im Iran zu beraten; beispielsweise
darüber, wie das Regime bei Menschenrechtsverletzungen stärker unter
Druck gesetzt und Menschenrechtsaktivisten besser unterstützt werden
können. Die Runde entwickelte darüber hinaus Empfehlungen zur Verbesserung der Situation von Tausenden iranischen Flüchtlingen in der
Türkei. Auch die Frage, wie der ungehinderte Zugang zu unabhängigen
Informationen im Land verbessert werden könne, war Thema einer Diskussion mit iranischen Bloggern und Journalisten, die kurz zuvor aus
dem Land fliehen mussten.

Film: «The Green Wave»
Seit vielen Jahren setzen wir uns für Menschenrechte und Demokratie
im Iran ein und unterstützen dabei vor allem iranische Oppositionelle im
Exil. Im Sommer 2009 ließen die Proteste nach den Präsidentschaftswahlen erstmals für einige Wochen auf große Veränderungen hoffen.
Millionen junger Menschen gingen für mehr Demokratie und Freiheit auf
die Straße und setzten dabei ihr Leben aufs Spiel. International wurde
die «grüne Welle» mit großer Sympathie begleitet. In zahlreichen Städten gab es Solidaritätskundgebungen, über Facebook, Twitter und Youtube konnten die Ereignisse unmittelbar mitverfolgt werden.
Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste bleibt die Frage, wie die «grüne Bewegung» ihren Kampf weiterführen kann. Der Regisseur Ali Samadi Ahadi wählte dafür die Mittel des Films. In «The
Green Wave» dokumentiert er unter Verwendung von Blogeinträgen,
Twitter-Nachrichten und Animationsfilmen die Tage vor den Präsident-

Aus dem Projekt sind bisher zwei Publikationen entstanden
¼ http://tcf.org/publications/2010/4/pb710
¼ http://boell.org/web/145 - 679.html

Filmplakat: Dreamer Joint Venture Filmproduktion

24

Außen- und Sicherheitspolitik

schaftswahlen, die Proteste nach den Wahlen sowie die gewaltsame Niederschlagung. Die Heinrich-Böll-Stiftung hat das Projekt mitfinanziert
und begleitet den Film mit einer Reihe von Veranstaltungen. Zur Deutschlandpremiere im Oktober 2010 auf dem Filmfest Hamburg z.B. starteten wir gemeinsam mit unserer Hamburger Landesstiftung «Umdenken»
eine Diskussionsreihe, die sich mit der Lage im Iran und den aufbrechenden Demokratiebewegungen im Nahen und Mittleren Osten beschäftigt.

Ali Samadi Ahadi erhielt für «The Green Wave»
im Dezember 2010 den Deutschen Menschenrechtsfilmpreis. Foto: Stephan Röhl

Iran-Report

Der von der Heinrich-Böll-Stiftung seit 2002 publizierte, monatlich
erscheinende Iran-Report des Autors Bahman Nirumand bietet einen
Überblick über die innenpolitische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung im Iran und die iranische Außenpolitik. Der Iran-Report erscheint als Volltext auf www.boell.de und kann auch kostenfrei abonniert werden.

Berlin: Friedens- und Sicherheitspolitik aus
Geschlechterperspektive

Gitti Hentschel (links) begrüßt die Teilnehmenden der
Konferenz zum 10. Jahresstag der UN-Resolution
1325, auf der auch Frauke Seidensticker (rechts),
stellvertretende Vorsitzende Deutsches Institut für
Menschenrechte, sprach. Fotos: Stephan Röhl

Die internationale Friedens- und Sicherheitspolitik hat die Geschlechterperspektive lange ignoriert. Dies änderte sich erst vor gut zehn Jahren, als der UN-Sicherheitsrat im Oktober 2010 die Resolution 1325 zu
Frauen, Frieden und Sicherheit verabschiedete. Seither ist völkerrechtlich geregelt, dass Frauen auf allen Ebenen – in Friedensprozessen, in
der Sicherheitspolitik sowie bei der Konfliktbearbeitung vor Ort – angemessen zu beteiligen sind. Die Resolution gilt als Meilenstein im Kampf
um Frauenrechte.
Anlässlich des 10. Jahrestages der Resolution zog das Gunda-WernerInstitut (GWI) eine kritische Bilanz. In Kooperation mit dem deutschen
Frauensicherheitsrat (FSR) und den 1.000 Friedensfrauen veranstaltete
es die Konferenz «Krisen bewältigen, bewaffnete Konflikte beenden», bei
der über 200 Expertinnen und Experten aus verschiedenen Weltregionen ihre Erfahrungen mit der (Nicht-)Umsetzung der UN-Resolution
1325 austauschten und Strategien für eine konsequentere Umsetzung
entwarfen. Gerade in Deutschland hapert es damit immer noch. Bisher
haben von den 192 UN-Mitgliedsstaaten 25 Nationale Aktionspläne entwickelt. Auch die EU hat sich in mehreren Dokumenten zur Umsetzung
der Resolution und zu Nationalen Aktionsplänen bekannt. Die deutsche
Regierung aber lehnt einen solchen Plan bisher ab. Das GWI arbeitet
u. a. mit dem deutschen Frauenrat daran, die Implementierung der Resolution 1325 in Deutschland mittels eines Nationalen Aktionsplans und in
der EU voranzutreiben und eine entsprechende Politik zu realisieren.

25

Außen- und Sicherheitspolitik

Leider zeigten die männlichen Vertreter von friedens- und sicherheitspolitischen Institutionen auch im Jubiläumsjahr von 1325 nur wenig Interesse an Genderpolitik. Die alte Trennung bleibt bestehen: genderorientierte Ansätze im NGO-Kontext und Genderblindheit bei Analyse und
Strategiebildung in der staatlichen Friedens- und Sicherheitspolitik. Im
Sinne von Synergieeffekten, der Bündelung von Ressourcen und für eine
nachhaltige Friedenspolitik ist es nötig, sie endlich zu überwinden.

Videomitschnitt der Konferenzbeiträge
¼ www.gwi - boell.de

Beispiel Israel: Es gibt auch Erfolge bei der
Umsetzung von 1325
Seit 2010 unterstützt das Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Israel eine
Kampagne der Frauenorganisation «Itach Maaki – Women Lawyers for
Social Justice». Ihr Ziel: Die Umsetzung eines Gesetzes zur umfassenden
Repräsentation von Frauen in politischen Entscheidungsgremien und
Führungspositionen. Bereits im Jahr 2005 hatte das israelische Parlament, ausgehend von der UN-Resolution 1325, ein Gesetz verabschiedet, demzufolge für die Besetzung von politischen Führungspositionen
Frauen aus allen Bevölkerungsgruppen zu berücksichtigen sind. Dieses
Gesetz wurde zunächst weitgehend ignoriert. Nach dem Zwischenfall auf
dem türkischen Schiff «Marvi Marmara» (das Schiff wollte die Blockade des Gaza-Streifens durchbrechen. Beim Entern durch das israelische
Militär wurden neun Aktivisten getötet und über vierzig Aktivisten sowie
sieben israelische Soldaten verletzt) klagte Itach Maaki im Juli 2010 im
Namen einer Koalition von Frauenorganisationen gegen die rein männliche Besetzung des Knesset-Untersuchungsausschusses. Der Oberste
Gerichtshof bestätigte den Gesetzesverstoß und verpflichtete die israelische Regierung, fünf Frauen für die Turkel-Kommission (so benannt
nach ihrem Vorsitzenden) zu nominieren. Dieses Urteil gilt als Meilenstein für Frauenrechte und Geschlechterdemokratie in Israel. Es hatte
eine landesweite Debatte ausgelöst und gezeigt, dass Regierung und Parlament die Gleichberechtigung von Frauen nach Meinung des Obersten
Gerichtshofs nicht länger ignorieren dürfen.
Im August 2010 setzte sich Itach Maaki erfolgreich dafür ein, dass
Ministerpräsident Netanyahu eine Frau in die Delegation für die direkten
Friedensgespräche mit den Palästinensern aufnimmt. Nächstes Kampagnenziel ist die Forderung von Knesset-Abgeordneten, auch bei der Neubesetzung von Botschafterposten Frauen zu berücksichtigen.

Pakistan und Indien: Ein Fahrplan für den Frieden
Seit dem Ende der britischen Kolonialzeit gestalten sich die bilateralen
Beziehungen zwischen Pakistan und Indien problematisch, was bereits
vier Kriege zur Folge hatte. Nur wenige regionale Konflikte waren von
so langer Dauer wie der indisch-pakistanische, der sich vor allem auf das
umstrittene Gebiet von Jammu und Kaschmir konzentriert. In Kooperation mit den Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Neu Delhi und Lahore kamen im Januar 2010 auf Initiative indischer und pakistanischer
Nichtregierungsorganisationen zahlreiche Vertreter der Zivilgesellschaft beider Länder auf einer Friedenskonferenz zusammen. Erstmals
nach Abbruch der offiziellen Friedensverhandlungen zwischen Indien
und Pakistan nach den Terroranschlägen von Mumbai im Jahr 2008 saßen wieder Repräsentanten beider Seiten an einem Tisch. Die Vertreter
beider Länder wollen sich künftig für eine dauerhafte und nachhaltige
indisch-pakistanische Friedenslösung einsetzen und ihre Regierungen
kontinuierlich zum erneuten Dialog mit dem Nachbarland auffordern.
Direktes Ergebnis war die Verabredung zu einer Konferenz im Herbst
2010, die sich infolge der schrecklichen Flutkatastrophe in Pakistan
dem Thema Klimawandel widmete (siehe S. 9).

Teilnehmerinnen der indisch-pakistanischen Friedenskonferenz in Delhi Foto: Heinrich-Böll-Stiftung

Foto: Graham Girard

Investieren in die Zukunft –
die Transformation
unserer Wirtschaft
Unsere bisherige Art zu wirtschaften bedroht nicht nur Klima und Umwelt,
sondern auch Wohlstand und Zivilisation. Probleme wie klimaschädliche
Kohlendioxid-Emissionen, die Verknappung von Rohstoffen und Nahrungs­
mitteln, Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit und soziale Spaltung gefähr­
den unsere Zukunft. Wir müssen daher in den kommenden Jahren um­
steuern. Um Wohlstand für alle – in Deutschland wie im Rest der Welt – zu
ermöglichen, müssen wir die Industriegesellschaft umbauen und unseren
Lebensstil ändern. Wir brauchen eine nachhaltige Form des Wirtschaftens,
einen neuen Gesellschaftsvertrag, einen Green New Deal für eine zukunfts­
fähige Gesellschaft.
An vielen Orten gibt es schon Initiativen und praktische Ansätze für
ökologisch-soziales Wirtschaften. Die Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt
diesen Prozess. Wir bieten ein Forum für Menschen, die sich für eine ökologi­
sche Transformation einsetzen, schmieden neue Allianzen und geben Studi­
en in Auftrag, wie der Umstieg in eine nachhaltige Wirtschaft gelingen kann.

27

Green New Deal

«Green New Deal» – Grüne Antworten für eine zukunftsfähige Gesellschaft
Im April 2010 startete die Heinrich-Böll-Stiftung in Köln eine bundesweite Diskussionsreihe zum «Green New Deal». Zusammen mit unseren
16 Landesstiftungen führten wir über 30 Veranstaltungen durch. Dabei
standen die Transformation von Wirtschaft und Industrie, die nachhaltige Zukunft der Städte sowie Fragen zu Wohlstand, Wachstum und Gemeingütern im Mittelpunkt der Diskussion. Insbesondere die Debatte um
die Transformation der Automobilindustrie und damit verbundene neue
Mobilitätskonzepte stießen auf großes Interesse. Einerseits existieren
große Ängste vor Arbeitsplatzverlusten. Denn die Produktion von Elektroautos benötigt deutlich weniger Einzelkomponenten und damit auch
Arbeitsplätze als die eines herkömmlichen Autos mit Verbrennungsmotor. Das verunsichert viele Menschen, die in der Automobilindustrie und
bei deren Zulieferern arbeiten. Andererseits bietet die Mobilität von
morgen viele neue Kombinationen von verschiedenen Verkehrsmitteln
und Angeboten, die wir heute kaum erahnen können. Das macht
neugierig.
Alle unsere Aktivitäten zum Thema «Green New Deal» sind auf der
Website www.boell.de/greennewdeal gebündelt. Die Seite ist im deutschsprachigen Internet eine der führenden Informationsquellen und wird
kontinuierlich mit Hintergrundinformationen bereichert.

¼ www.boell.de/greennewdeal

Berlin: Internationale Konferenz «Die große Transformation – Greening the Economy»
Im Zentrum dieser internationalen Konferenz standen zwei große Themen: «Smart Policies» und «Smart Technologies». Es ging zum einen
also um politische Rahmenbedingungen und regulative Instrumente,
zum anderen um die Leittechnologien und Schlüsselprojekte für die ökologische Wende. Mitveranstalter waren u. a. der Obama-nahe ThinkTank «Center for American Progress» aus Washington D.C. und die
deutsche Stiftung Mercator. Die Konferenz konnte live über Twitter und
einen Online-Feed verfolgt und in einem eigens eingerichteten Blog kommentiert werden.
Die Teilnehmenden waren sich angesichts des gescheiterten Kopenhagener Klimagipfels alle einig, dass die Festlegung verbindlicher Ziele durch den UNFCCC-Prozess (Rahmenübereinkommen der Vereinten
Nationen über Klimaänderungen) weiterverfolgt werden müsse. Zugleich
sei aber auch die Ökologisierung der Wirtschaft voranzutreiben. Die 80
Referentinnen und Referenten aus Politik, Wirtschaft, NGOs und Wissenschaft stritten darüber, wie die bestehende Dynamik grüner Technologien und Politikinstrumente auch ohne ein absehbares globales Klimaabkommen aufrechterhalten und beschleunigt werden kann. Dabei betonte
Renate Künast, Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die
Grünen, dass es nicht darum gehe, eine abgegrenzte «grüne Industrie»
oder «grüne» Arbeitsplätze zu schaffen, sondern vielmehr darum, alle
Sektoren zu reformieren und alle Jobs zu «grünen Jobs» zu machen.
Wie allumfassend die «große Transformation» sein wird, zeigte sich
in der Diskussion um die Notwendigkeit neuer Allianzen: Jerôme Ringo
von der Apollo Alliance plädierte dafür, «die Armen, die Mittelschicht,
die Weißen, die Schwarzen und die Reichen» für die grüne Bewegung zu
gewinnen, und stellte seine Initiative vor, die bereits mit Bürgerrechtsverbänden, religiösen Gruppen und Gewerkschaften zusammenarbeitet.
Michael Sommer vom Deutschen Gewerkschaftsbund forderte auch für
Europa ein Bündnis der Umwelt mit den Industrie- und Arbeiterorganisationen, nach dem Vorbild der ebenso vertretenen Blue Green Alliance
aus den USA. Video- und Audiomitschnitte der Konferenz finden Sie
unter www.boell.de.

Jerôme Ringo, Präsident der Apollo Alliance
für Umweltschutz, plädiert für breite Bündnisse. Links: Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von
Bündnis 90/Die Grünen. Foto: Stephan Röhl

Frank-Walter Steinmeier und Ralf Fücks
auf der Konferenz «Die große Transformation» Foto: Stephan Röhl

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Green New Deal

Berlin: Strategiepapier «Nachhaltig aus der Krise»

Nachhaltig aus der Krise. Ökologische Finanzreform
als Beitrag zur Gegenfinanzierung des Krisendefizits

Von Damian Ludewig, Bettina Meyer und
Kai Schlegelmilch. Hrsg. von der HeinrichBöll-Stiftung, Berlin 2010, 64 Seiten

Knappe öffentliche Kassen und ein bedrohlicher Klimawandel – es
braucht eigentlich keine weiteren Gründe für eine ökologische Steuerreform. Dies wäre ein wichtiger Schritt beim Umbau unseres Wirtschaftssystems und bei der Sanierung der Haushalte. Doch stattdessen sinkt der
Anteil der umweltbezogenen Abgaben am gesamten Steueraufkommen
seit Jahren. Mit dem Strategiepapier «Nachhaltig aus der Krise», das
im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung vom Forum Ökologisch-Soziale
Marktwirtschaft erstellt wurde, konnten wir zeigen, wie mit Ökosteuern kurzfristig Milliardeneinnahmen nicht nur sozial-, sondern auch
wirtschaftsverträglich erzielt werden können. Das Papier liefert Ideen,
wie die milliardenschweren Konjunkturprogramme gegenfinanziert und
nachhaltige Lenkungseffekte für ein ökologisches Verbraucherverhalten
sowie eine zukunftsweisende Klimapolitik gefördert werden könnten.
Wir diskutierten die Studie u. a. mit Vertreterinnen und Vertretern
von Umweltverbänden, der Finanzbranche und mit Finanzwissenschaftlern. Dabei wurde deutlich: Die Vorschläge des Strategiepapiers sind fast
noch zu bescheiden. Wir stehen vor einer finanzpolitischen Herausforderung, die dramatisch und präzedenzlos ist und deshalb außerordentliche Maßnahmen erfordert. Jede künftige Regierung wird sich diesen
Herausforderungen stellen und Kompromisse eingehen müssen, um diese
Probleme zu bewältigen. Gründe genug also, dem Thema und den Fragestellungen auch in Zukunft viel Aufmerksamkeit zu schenken. Einen animierten Kurzfilm zur ökologischen Steuerreform haben wir unter www.
boell.de und bei Youtube eingestellt.

Modelle zur Finanzierung des ökologischen Wandels

Finanzierung nachhaltiger Entwicklung. Ein
Überblick über die Situation nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland

Von Antje Schneeweiß. Hrsg.von der HeinrichBöll-Stiftung, Berlin 2010, 32 Seiten

Der ökologische Wandel wird nicht ausschließlich vom Staat finanziert
werden können. Angesichts wachsender Verschuldung der öffentlichen
Haushalte wird der Löwenanteil der Gelder wohl aus privaten Quellen
kommen. Pensionsfonds, Versicherungen, Banken und Privatanleger
müssen in die notwendige Transformation investieren. Einen «Fahrplan»
zur Mobilisierung privaten Kapitals hat Raymond van Ermen entworfen,
Direktor der European Partners for the Environment, ein Forum, das die
Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft fördert. Seine Kernthese: «Keine grüne Wirtschaft ohne eine
grüne Vorreiterrolle der Banken.» Er sieht den europäischen Finanzsektor in der Pflicht, hier eine Führungsrolle einzunehmen. Dafür muss sich
das Geschäftsmodell der Banken allerdings gewaltig ändern. Die Thesen van Ermens waren Diskussionsgrundlage eines Fachgesprächs der
Heinrich-Böll-Stiftung im Januar 2010. Dabei ging es vor allem um die
Bedeutung nachhaltiger Finanzprodukte für den Aktienmarkt, die Kreditvergabe und die staatlich subventionierte Altersvorsorge. Das entsprechende Potenzial ergibt sich u. a. aus der derzeitigen Situation des
Finanzmarktes: In Deutschland sind ca. 50% des Kapitals festverzinslich angelegt. Ein großes Kapitalvolumen also, dem bisher nur wenig
nachhaltige Anlageprodukte gegenüberstehen – obwohl ca. die Hälfte
der Anleger ein starkes Interesse an nachhaltigen Finanzprodukten bekundet. Eine zentrale Rolle kommt dabei der Einführung allgemeiner
und verbindlicher Kriterien für nachhaltige Finanzprodukte zu. Die Teilnehmenden waren sich weitestgehend einig, dass deren Einführung für
alle wünschenswert sei. Umfang und Ausgestaltung derartiger Kriterien
in Form von Labels wurden kontrovers diskutiert.

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Green New Deal

Kommunalpolitischer Bundeskongress: Auf dem Weg zur
grünen kommunalen Mehrheitspartei?
Für einen «Green New Deal» braucht es grünes Regieren. Eine besondere
Herausforderung für die Grünen, gerade in den Kommunen, in denen es
auf Bürgernähe ankommt, wo aber von den Regierenden auch verlangt
wird, eine Position der Gesamtverantwortung für die Stadt oder die Gemeinde zu entwickeln und zu vertreten. Was heißt das in einer Zeit, in
der die Finanzkrise politisches Handeln auf lokaler Ebene erschwert
hat? Was heißt das, wenn von den Kommunen erwartet wird, dass sie
Vorreiter im Klimaschutz sind, während sie dafür weder von den Kompetenzen her noch finanziell ausgestattet sind? Um Fragen wie diese ging
es auf dem zweiten kommunalpolitischen Bundeskongress der HeinrichBöll-Stiftung im Juni 2010 in Berlin.
Ein Höhepunkt des Kongresses war die indirekte Debatte zwischen
Renate Künast, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, und
Steffi Lemke, politische Bundesgeschäftsführerin von Bündnis 90/
Die Grünen, über die Grünen als kommunale «Mehrheitspartei» bzw.
«Volkspartei». Während Steffi Lemke sich in ihrer Begrüßung skeptisch
zur Anwendung von Begriffen wie «Mehrheitspartei» bzw. «Volkspartei» auf die Grünen äußerte («Wir sind nicht dafür gewappnet, Mehrheitspartei zu sein»), verteidigte Renate Künast am zweiten Tag explizit
den Anspruch der Grünen, eine neue Volkspartei zu sein. Den Begriff
der Volkspartei müssten die Grünen aber neu interpretieren: Es könne
nicht um die Vertretung sektoraler bzw. von Klientel-Interessen gehen;
die Grünen müssten vielmehr glaubwürdig dafür stehen, dass sie «Politik
fürs Ganze» machen.
Der kommunalpolitische Bundeskongress ist für die grüne Community ein wichtiger Ort für den Austausch und die Weiterentwicklung grüner
Kommunalpolitik geworden. Fortsetzung folgt im Jahr 2012.

Illustration: Bianca Schaalberg

Shared Space. Beispiele und Argumente
für lebendige öffentliche Räume

Hrsg. von Cornelius Bechtler, Anja Hänel, Marion
Laube, Wolfgang Pohl, Florian Schmidt und der
Zeitschrift Alternative Kommunalpolitik (AKP). In
Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung u. a.
Bielefeld 2010, 218 Seiten, 15,- Euro

Foto: dpa

Demokratie fördern,
Menschenrechte
durchsetzen
Der demokratische Aufbruch in vielen Ländern Nordafrikas und des Mittleren
Ostens macht Hoffnung. Vor allem junge Menschen sehnen sich nach Freiheit
und mehr Selbstbestimmung. Doch der Aufbau demokratischer Institutionen
und einer handlungsfähigen Zivilgesellschaft steht erst am Anfang, und es be­
steht die Gefahr, dass dieser Prozess ins Stocken gerät. Gemeinsam mit unseren
Partnerinnen und Partnern treiben wir Demokratie und politische Partizipation
voran und fördern gesellschaftliche Emanzipationsprozesse. Dabei ist uns die
gesellschaftliche und politische Teilhabe von Frauen ein besonderes Anliegen.
Darüber hinaus kämpfen wir gegen die Diskriminierung von Lesben, Bisexuel­
len, Schwulen und Transgender (LBGT). In vielen Regionen der Welt arbeiten
wir mit mutigen Partnerinnen und Partnern zum Schutz sexueller Minderheiten
zusammen. Wir wollen Geschlechterthemen politisieren, Kräfte bündeln, vor­
handene Netzwerke ausbauen und neue erschließen. Dafür haben wir entspre­
chende Programme in allen Regionen der Welt aufgelegt.

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Internationale Demokratieförderung

Afghanistan: Vertrauen in die Institutionen stärken
Mit den Wahlen in Afghanistan, dem Strategiewechsel in der US-Afghanistanpolitik und mit Blick auf die in Deutschland geführte Debatte zum
zivilen und militärischen Engagement stand Afghanistan auch 2010 im
Fokus der Stiftungsarbeit. Den Londoner Afghanistan-Gipfel haben wir
mit zwei Abendveranstaltungen begleitet. Und im Web-Dossier beleuchten Beiträge aus der Region, Deutschland und den USA die aktuellen
Entwicklungen in Afghanistan.
Doch nicht nur in Deutschland sind wir aktiv, auch in Afghanistan
selbst. Fernab der Zentralregierung in Kabul ist vielen Afghanen gar
nicht klar, wie staatliche Institutionen überhaupt funktionieren. The Liaison Office (TLO), mit dem die Heinrich-Böll-Stiftung in Afghanistan
seit 2003 zusammenarbeitet, will insbesondere die junge Generation
stärker mit demokratischen Verfahren und administrativen Prozessen
vertraut machen. Im Jahr 2010 ermöglichte das TLO für Schülerinnen
und Schüler im Südosten des Landes – in Paktia, Khost und Nangahar – Besuche bei der Zollbehörde, der Gesundheitsverwaltung und der
örtlichen Niederlassung des Ministeriums für Frauenangelegenheiten.
In allen drei Provinzen verfügt TLO über hervorragende Kontakte in traditionelle wie demokratische Strukturen. Die Beamtinnen und Beamten
zeigten sich den Fragen und Diskussionen der Schüler gegenüber äußerst
aufgeschlossen. Doch selbstverständlich ist der Erfolg eines solchen Projektes nicht: «Trotz intensiver Verhandlungen mit Behörden und Schulen war es schwierig, die Besuche zu ermöglichen», so ein Vertreter
von TLO. Staatliche Institutionen gelten insbesondere im Südosten des
Landes als bevorzugte Anschlagsziele. Auch zögern viele Familien, ihre
Mädchen außerhalb eines als geschützt geltenden Umfelds zu schicken.
Doch die positive Resonanz wird hoffentlich weitere Programme dieser
Art ermöglichen. Neben der Arbeit vor Ort versuchen wir die Friedenssicherung in Afghanistan auch in regionale Friedens- und Stabilisierungsinitiativen einzubetten.

Abgeordnete in Afghanistan – Konflikte, Kompromisse, Kollaborationen

Von Andrea Fleschenberg. Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin 2010, 176 Seiten

Die Studie bietet Einblick in das Selbstbild und die
Rolle der Frauen im Parlament und gibt wertvolle
Hinweise darauf, in welcher Form die parlamentarische Arbeit künftig unterstützt werden könnte.

Pakistan: Ein Land in der Krise
Im Sommer 2010 wurde der Nordwesten Pakistans von einer Flutkatastrophe heimgesucht, die mehr als 1.500 Todesopfer forderte und Millionen von Menschen zu Binnenflüchtlingen machte. Die Folgen dieser
Naturkatastrophe waren auch Monate danach unabsehbar. Im November 2010 zog die Heinrich-Böll-Stiftung mit Gästen aus Pakistan sowie
Vertreterinnen und Vertretern deutscher Hilfsorganisationen eine erste
Bilanz. Alle Podiumsgäste waren sich einig, dass Pakistan zwar große
Anstrengungen unternommen habe, die Spendengelder schnell an ihren
Bestimmungsort zu bringen. Gleichzeitig erschwerten überkommene
und korrupte Verwaltungsstrukturen, ein übermächtiger Militärapparat und das große Armuts- und Entwicklungsgefälle zwischen Stadt und
Land die zügige Abwicklung über zivile Verwaltungen. Auch in Islamabad fand mit Unterstützung unseres Büros in Lahore eine internationale
Konferenz zur Flutkatastrophe und den Folgen des Klimawandels statt.
Leider bedurfte es erst einer Jahrhundertflut, um das Thema in Pakistan
ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen (siehe S. 9).
Um den unmittelbar Betroffenen zu helfen, unterstützten wir ein Projekt in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan, das von einem Konsortium von NGOs unter Federführung des Noor
Education Trust in Peshawar durchgeführt wurde. 1.200 Familien konnten so mit Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln versorgt werden.
Unsere Partnerorganisation Takhleeq Foundation konzentrierte sich auf
Hilfeleistungen in der stark betroffenen Region Qamber-Shahdatkot.
Detaillierte Berichte zu den einzelnen Projekten gibt es auf der Website
unseres Büros in Lahore unter www.pk.boell.org.

Die pakistanische Abgeordnete Shahgufta Malik und
Muhammad Idrees Kamal, Direktor der Gemeindeorganisation Citizen Rights and Sustainable Development (CRSD), beide aus der überfluteten Provinz
Khyber Pakhtunkhwa, wiesen auf die bleibende
Not des Landes in den kommenden Jahren hin.

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Verdrängung und Vielfalt – Pakistan vor dem Zerfall

Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin 2010, 192 Seiten

Dossier: Berichte und Analysen zur Lage
in Pakistan
¼ www.boell.de

Internationale Demokratieförderung

Pakistan stand auch vor der Flutkatastrophe bereits im Fokus der Weltöffentlichkeit. Es gilt als das «gefährlichste Land der Welt», als Zufluchtsort für Taliban und Al-Qaida. Dennoch gibt es auch viele Hoffnungsträger, die sich unermüdlich für Demokratie und Menschenrechte
engagieren, oftmals unter großen Gefahren. Ein Bild der vielschichtigen
politischen Prozesse und gesellschaftspolitischen Herausforderungen
Pakistans vermittelt der Sammelband «Verdrängung und Vielfalt – Pakistan vor dem Zerfall». Pakistanische Autorinnen und Autoren analysieren darin Defizite und Schwächen des Systems und formulieren Ideen
für eine demokratischere und friedlichere Zukunft Pakistans.
Neuland haben wir mit der «Indo-Pakistan Peace Conference – A
Roadmap towards Peace» betreten, die in Delhi stattfand. Hier agierte
die Stiftung als Brückenbildnerin für einen verstärkten Austausch und
für Vertrauensbildung zwischen den Zivilgesellschaften beider Länder.
Herausgekommen ist eine von vielen Organisationen beider Länder unterzeichnete Friedensdeklaration. Die Konferenz fand ein überwältigendes Presseecho in der Region.

Thailand: Kontrolle und Zensur von Onlinemedien

Screenshot: Das Netzportal Prachatai
steht für unabhängige Nachrichten.

Mit der Verschärfung des politischen Konflikts lässt sich in Thailand
eine Zunahme der Kontrolle und Zensur von Online-Medien feststellen.
Um die Freiheit der Medien zu sichern und eine bessere Versorgung der
Bevölkerung mit Informationen zu erreichen, setzt sich die HeinrichBöll-Stiftung in Thailand für entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen ein. Im Jahr 2010 unterstützten wir eine Studie des iLaw Project zur missbräuchlichen Anwendung des Computerkriminalitätsgesetzes (2007). Die Studie wertete Gerichtsurteile aus, die zur Schließung
von Webseiten und zur Anklage von Internetnutzern bzw. Betreibern
von Internetseiten geführt haben. Das Ergebnis: Seit 2007 wurden ca.
75.000 Internetseiten auf Grundlage des Computerkriminalitätsgesetzes gesperrt.
Wir unterstützen darüber hinaus die unabhängige Netzzeitung
Prachatai. Sie konzentriert sich auf Nachrichten, die von den herkömmlichen Medien nicht publiziert werden. Die Stiftung untersuchte in Zusammenarbeit mit Prachatai die Auswirkungen der politischen Krise des
Jahres 2010 auf die neuen Medien. Die Ergebnisse sind in dem Buch
«New Media – Born to Be Democracy» veröffentlicht.
Chiranuch Premchaiporn, die Direktorin von Prachatai, wurde im
September 2010 bei ihrer Rückkehr von einer internationalen Konferenz
zum Thema Freiheit im Internet bereits zum zweiten Mal festgenommen.
Ihr wird ein Verstoß gegen das Computerkriminalitätsgesetz bzw. Majestätsbeleidigung vorgeworfen. Die Entkriminalisierung von Netzaktivist/innen ist und bleibt ein Thema der Heinrich-Böll-Stiftung.

Burma: Unterstützung für Studierende,
Künstlerinnen und Künstler

Künstlerin Tun Win Aung erklärt in einer Ausstellung zu zeitgenössischer Kunst aus Burma «How Our Education Is Done!»

Die Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt in Burma (Myanmar) zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich für Demokratie und eine pluralistische
Gesellschaft einsetzen. Herzstück des Programms sind Studienstipendien. Sie ermöglichen engagierten jungen Menschen aus Burma ein Master-Studium an thailändischen Universitäten. Über ein Alumni-Netzwerk
und regelmäßige Treffen bleiben die Stipendiatinnen und Stipendiaten in
Kontakt und nehmen an Weiterbildungsmaßnahmen und internationalen
Konferenzen teil. Das Stipendienprogramm hilft, hochqualifizierte Arbeitskräfte auszubilden und einer Abwanderung von qualifizierten jungen Menschen aus Burma entgegenzuwirken.

33

Internationale Demokratieförderung

Darüber hinaus unterstützt die Stiftung auch Kunstschaffende und Filmemacher in Burma. Wir ermöglichen ihnen den Austausch mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern sowie die Teilnahme an Workshops, Gruppenausstellungen und Festivals in Asien und Europa. So
präsentierten wir am 11. November in einem Berliner Kino ausgewählte
Dokumentarfilme junger burmesischer Regisseure. Die Filme entstanden in der Yangon Film School (YFS), einer Nichtregierungsorganisation, die seit 2005 junge talentierte Frauen und Männer aus Burma ausbildet. Geleitet wird die Filmschule von der in Berlin ansässigen
Filmemacherin Lindsey Merrison. Jedes Jahr bringt die YFS (seit 2007
mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung) für mehrere Monate professionelle internationale Filmemacherinnen und Filmemacher mit
Nachwuchstalenten aus allen Teilen Burmas in Yangon zusammen. In
zahlreichen Kursen wird die gesamte Bandbreite der Filmkunst, vom
Drehbuchschreiben bis hin zum Schnitt, vermittelt. Bereits mehr als 30
junge Menschen wurden seither in der Filmschule als Dokumentarfilmer
ausgebildet und über 35 Kurzfilme produziert, die auf Filmfestivals in
der ganzen Welt zur Aufführung gelangten.
Die Filme der YFS sind auf DVD entweder über den Verleih Documentary Educational Resources (www.der.org, Kontakt: docued@der.org)
oder bei der YFS direkt erhältlich (Kontakt: merrison@aol.com).

Internetspecial: Wahlen in Burma
¼ www.boell.de/weltweit/asien

China: Studie über die China-Berichterstattung
in den deutschen Medien
Wie Medien über ein Land berichten, prägt die öffentliche Wahrnehmung
von diesem Land ganz entscheidend. Welches Thema wird für die Berichterstattung ausgewählt, was wird weggelassen, welche Stereotypen
werden transportiert? China ist durch seinen wirtschaftlichen Aufstieg,
seinen Umgang mit ethnischen Minderheiten, die Olympischen Spiele in
Peking und den Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse seit einigen Jahren ein Topthema in den deutschen Medien. Mit der Studie «Die ChinaBerichterstattung in deutschen Medien» hat die Heinrich-Böll-Stiftung
die Berichterstattung selbst zum Thema gemacht. Die im Juni 2010 erschienene Studie wurde von Carola Richter und Sebastian Gebauer vom
Fachbereich Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität
Erfurt im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung erstellt. Die beiden Autoren untersuchten die Art und Weise, wie in acht deutschen Leitmedien
im Jahr 2008 über China berichtet wurde. Die Studie führte zu einer
kontroversen Diskussion über Medienfreiheit, vor allem in China selbst.
Das Interesse der dortigen Medien war groß. Zunächst versuchten sie,
die Studie propagandistisch für sich zu instrumentalisieren: Man habe
schon immer von der Chinafeindlichkeit der westlichen Medien gewusst.
Erfreulicherweise löste die Studie aber auch eine Debatte zur Medienvielfalt versus Propagandaberichterstattung aus. In mehreren großen
chinesischen Zeitungen erschienen Beiträge zur Rolle der chinesischen
Medien. Ein großer Erfolg war das zweiseitige Dossier in der Kantoner
überregionalen Wochenzeitung Time Weekly (Shidai Zhoubao) am 8.
Juli. Dort forderten zwei kritische chinesische Medienproduzenten u. a.
einen Paradigmenwechsel chinesischer Außendarstellung. Statt Propaganda sollte Kommunikation stattfinden und seriöse Berichterstattung
mit ungehinderter Recherche möglich sein.
Einige deutsche Korrespondenten kritisierten die Studie. Die Studie
wiederum nimmt im Ergebnis die deutschen Medien gegen den Generalvorwurf des China-Bashings eher in Schutz und arbeitet die Schattierungen erkenntnisgeleiteter Recherche heraus. Die in China und Deutschland ausgelösten Debatten zeigen: Es ist ein wichtiges Thema, und die
differenzierten Ergebnisse konnten im Dialog gut transportiert werden.

Vorstandsmitglied Barbara Unmüßig möchte eine Rationalisierung der emotionalen Debatte. Foto: Stephan Röhl

Die Ko-Autorin der Studie: Medienwissenschaftlerin Carola Richter (Universität Erfurt) Foto: Stephan Röhl

Die China-Berichterstattung in den deutschen Medien

Eine Studie von Carola Richter und Sebastian
Gebauer. Mit Beiträgen von Kai Hafez und Thomas
Heberer. Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Berlin 2010, 304 Seiten

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Internationale Demokratieförderung

Fachgespräch: Die Rolle der Anwälte in der
chinesischen Gesellschaft
Im Mai 2010 organisierte die Heinrich-Böll-Stiftung ein Fachgespräch
mit Zhang Sizhi (Petra-Kelly-Preisträger 2009) und Xia Lin zum Thema «Die Rolle der Anwälte in der chinesischen Gesellschaft». Unsere
chinesischen Gäste diskutierten mit Vertreterinnen und Vertretern des
deutschen Anwaltsvereins, der Rechtsanwaltskammer, des Auswärtigen
Amtes, des Bundesministeriums der Justiz, des BMZ und der Freien Universität zu Berlin über die Unabhängigkeit der chinesischen Justiz sowie
über den Wissenstransfer in westliche Provinzen.

Frankfurter Buchmesse – Argentinien im Fokus

«Argentina Copyleft!»: Medienwissenschaftlerin Beatriz Busaniche und Michael Álvarez,
Leiter des Stiftungsbüros in Santiago de Chile, stellten die Publikation auf der Buchmesse vor. Foto: Heinrich-Böll-Stiftung

Argentina Copyleft! Neue Spielregeln für das
digitale Zeitalter? Ein Blick nach Argentinien

Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin 2010, 104 Seiten

Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2010 präsentierte Argentinien als Ehrengast seine enorme kulturelle und intellektuelle Vielfalt.
Die Heinrich-Böll-Stiftung ergänzte das offizielle Programm mit Debatten zu aktuellen und kontroversen Fragen, die sonst nicht thematisiert
worden wären: In Berlin befasste sich eine mit Richter Daniel Rafecas,
Anwalt Rodolfo Yanzón, Journalist Horacio Verbitsky und Anwalt Wolfgang Kaleck prominent besetzte Runde mit den politischen Rahmenbedingungen und Folgen der nun in Argentinien mit politischem Rückenwind durch die Regierung begonnenen Verfahren gegen die Verbrechen
der Diktatur 1976 – 1983.
Mit der Vorstellung der in Deutschland und Argentinien herausgegebenen Publikation «Argentina Copyleft!» knüpfte die Stiftung an die
bereits auf der letzten Buchmesse virulenten Urheberrechtsdiskussionen
an. Die argentinischen Podiumsgäste gaben Einblick in die Auseinandersetzungen in Argentinien, wo ein äußerst restriktives Urheberrecht
konträr zur neuen Regierungsstrategie der demokratischen und sozialen
Teilhabe den Zugang zu Wissen und Bildung einschränkt.
Um das neue Mediengesetz ging es in einer Veranstaltung mit Mateo
Gómez vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk Argentiniens (RTA). Das
Gesetz sieht eine Entmonopolisierung des Medienmarktes vor und ist in
einem beispielhaften zivilgesellschaftlichen Diskussionsprozess über fast
zwei Jahre hinweg erarbeitet worden.
Zum Abschluss unseres Buchmessen-Programmes präsentierten wir
einen Dokumentarfilm von Osvaldo Bayer, Mariano Aiello und Kristina
Hille über die Geschichte der indigenen Bevölkerung Argentiniens. Der
Film, der bereits 2009 vom Stiftungsbüro in Santiago gefördert worden
war, wurde in Frankfurt von Osvaldo Bayer selbst präsentiert und hat
mittlerweile in Argentinien neben einer unerwartet großen und positiven
Resonanz eine Diskussion über die verschwiegene indigene Vergangenheit Argentiniens entfacht. Der Film wird künftig auch in einer speziellen
Fassung als Schulmaterial im Geschichtsunterricht verwendet werden.

Washington: Analyse des Haushaltsantrages zu Demokratieförderung, Menschenrechten und Regierungsführung
Ein wichtiges Ziel westlicher Entwicklungspolitik ist es, die Demokratie zu fördern und den Menschenrechten zur Durchsetzung zu verhelfen.
Aber in welchem Umfang stellt der Westen dafür finanzielle Mittel zur
Verfügung? Und wohin fließt das Geld? Das US-amerikanische «Project
on Middle East Democracy» (POMED) erstellt jedes Jahr eine Analyse
des Haushaltsantrags des Weißen Hauses. Dabei werden vor allem die
beantragten Summen für Demokratieförderung, Regierungsführung und
Menschenrechte im Nahen Osten untersucht. Die Heinrich-Böll-Stiftung
unterstützt dieses Projekt nicht nur, um für die Haushaltsverhandlungen
im US-Kongress Transparenz über Zahlen zu schaffen und Abgeordnete
wie auch Expertinnen und Experten über Trends und Veränderungen zu

35

Internationale Demokratieförderung

informieren. Das Stiftungsbüro sucht auch den Austausch mit den Betroffenen: Im Mai 2010 diskutierten Vertreter der Stiftung und POMED
anlässlich des aktuellen Berichtes mit zivilgesellschaftlichen Aktivisten in Kairo westliche Demokratieförderung und Menschenrechtspolitik. Seit November 2010 haben die Republikaner im amerikanischen
Repräsentantenhaus die Mehrheit. Ihre Abgeordneten, insbesondere
diejenigen, die der Tea-Party-Bewegung nahestehen, haben bereits mit
umfangreichen Kürzungen der Finanzhilfen gedroht. Die Revolutionen
in den arabischen Ländern werden das Ihrige tun, um die Debatte über
westliche Demokratieförderung zu intensivieren.

Berlin: Palästina und die Palästinenser
60 Jahre nach der «Naqba»
Die Gründung des Staates Israel erbrachte dem jüdischen Volk eine
Heimstatt, aber rund 800.000 Palästinenser mussten im Krieg 1948/49
ihre Heimat verlassen. Die Flüchtlinge der «Naqba» (Katastrophe) und
ihre Nachkommen leben seitdem in der Westbank und im Gaza-Streifen, in den arabischen Staaten des Mittleren Ostens und verstreut in
der ganzen Welt. Ihre Zahl wird auf mindestens vier bis fünf Millionen
geschätzt.
Die geographische und soziale Fragmentierung des palästinensischen
Volkes ist im Wesentlichen eine Folge des Nahostkonflikts. Die Palästinenser sind heute gespalten und politisch gelähmt. Auf einer zweitägigen
Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung diskutierten internationale Fachleute, warum die Palästinenser in diese Lage geraten sind und welche
politischen Perspektiven sich zeigen.
John Ging, Leiter der UNWRA (United Nations Work and Relief
Agency) in Gaza hoffte, dass der Druck der palästinensischen Bevölkerung die Spaltung überwinden helfe, und riet ihrer Führung, das Zaudern und Taktieren rasch zu beenden. Der Politologe Ali Jarbawi, derzeit
Planungsminister der Palästinensischen Autonomiebehörde, gab hingegen «externen Faktoren» die Schuld für den innerpalästinensischen
Zwist. «Wir tragen daran nicht allein die Schuld. Auch die internationale Gemeinschaft und Israel sind zu einem großen Teil verantwortlich.»
Sie kontrollierten nicht nur die Finanzen der Autonomiebehörde, sagte Jarbawi, sondern hätten auch zu dem Stillstand im Friedensprozess
beigetragen.
Den größten Preis für die politische Blockade zahle die Bevölkerung
des Gaza-Streifens, wie John Ging bezeugte. Die Blockade des GazaStreifens richte heute den größten Schaden an, verschärft noch durch die
politische Spaltung der Palästinenser. Von Jahr zu Jahr gebe es mehr
Extremismus und Intoleranz, sagte Ging, und von einigen werde dies
durchaus bewusst vorangetrieben. Welche Auswege aus der festgefahrenen Situation sind nun denkbar? Helga Baumgarten von der Bir Zeit
Universität setzte auf den Druck aus der Bevölkerung, einen Ausgleich
zu finden. Ging pochte auf die strikte Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien («Rule of Law») in dem Konflikt – eine Mahnung vor allem an Israel, die Blockade Gazas und auch den Siedlungsbau zu beenden. Es
brauche «Demonstrationen guten Willens» und ein Ende der alltäglichen
Willkür und Verantwortungslosigkeit, um wieder Bewegung in den Konflikt zu bringen. Ali Jarbawi schloss mit den hoffnungsvollen Worten:
«Wenn es morgen einen konkreten Lösungsplan gäbe, würde ihm eine
Mehrheit der Palästinenser in der Westbank, in Gaza und in Jerusalem
zustimmen.»

Podiumsdiskussion der Heinrich-Böll-Stiftung Nordamerika und des Carnegie Endowment for International Peace mit Menschenrechtsaktivisten aus Nahost
im Mai 2010 in Kairo Foto: Heinrich-Böll-Stiftung

John Ging, Leiter der UNWRA, auf der Fachtagung
zur Transformation Palästinas Foto: Stephan Röhl

Dossier zur Konferenz in engl. Sprache
¼ www.boell.de

Die Konferenzbeiträge werden mit zusätzlichen
Artikeln, Kommentaren und Analysen im Jahr
2011 als «Lesebuch Palästina» erscheinen.

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Internationale Demokratieförderung

Palästinensische Gebiete: Drei Projekte zur
Stärkung der Frauen
Einsatz für die Rechte geschiedener Frauen

Im Gaza-Streifen unterstützt die Heinrich-Böll-Stiftung ein sehr erfolgreiches Projekt des Center of Women Legal Research and Counseling
(CWLRC), ein Netzwerk von Frauenorganisationen, das sich für die
Rechte geschiedener Frauen einsetzt. Erste Erfolge waren bereits mit
der Freigabe von Unterhaltsgeldern erzielt worden. Es konnten auch verbesserte Besuchsrechte für Kinder, die in Obhut des Vaters sind, durchgesetzt werden. Nun geht es darum, Frauen zu unterstützen und ihre
manchmal prekäre Lage öffentlich zu machen.
Kooperationspartner: Center of Women Legal Research and Counseling
und das Stiftungsbüro in Tel Aviv

Gender Budgeting und Gender Mainstreaming

In einem gemeinsamen Projekt mit der GIZ und der palästinensischen
Nichtregierungsorganisation Miftah arbeiten wir daran, die öffentlichen
Haushalte in zwei Kommunen der palästinensischen Westbank (Bir Zeit,
nördlich von Ramallah, und Halhul im Süden) künftig gendersensitiv zu
gestalten.
Frauenfilmfestival

¼ www.shashat.org

Im Jahr 2010 beteiligte sich die Heinrich-Böll-Stiftung an der Planung
und Durchführung des Shashat-Festivals, des einzigen regelmäßigen
Frauenfilmfestivals in der gesamten arabischen Welt. In annähernd 60
Filmvorführungen in zwölf palästinensischen Städten, an neun Universitäten und acht Schulen gibt das Festival immer wieder Kostproben der
Kreativität palästinensischer, arabischer und internationaler Filmemacherinnen.

Israel: Tagung «Was macht einen Freund Israels aus?»

(v.l.n.r.) Botschafter Avi Primor, Prof. Naomi
Chazan, Nahost-Experte Dore Gold und MdEP
Franziska Brantner Foto: Barak Aharon

Was macht einen Freund Israels aus? Eine internationale Tagung der
Heinrich-Böll-Stiftung ging dieser Frage am 5. September 2010 im Auditorium des Interdisciplinary Center Herzliya nach. Wird Israel vornehmlich wegen der Anwendung von Gewalt in Konfliktsituationen kritisiert? Teilnehmende differenzierten: Es gehe vielmehr um die israelische
Besatzung, also um die Aufrechterhaltung eines Kontrollsystems, das
demokratischen Werten widerspricht. Eine Reihe von Diskutanten äußerte sich besorgt über die Lage der Demokratie in Israel. Es fiel sogar
der Begriff der langsamen De-Demokratisierung Israels. Gemeint waren Kampagnen, mit denen politische Stimmen, die nicht im Einklang
mit dem Konsens stehen, zum Schweigen gebracht werden sollen. Kritiker der Kritik an israelischer Politik vermuteten dagegen, dass manche Kommentatoren von außen sich nachgerade darüber freuen würden,
wenn Israel in Schwierigkeiten sei.
Laut einer auf der Konferenz präsentierten Umfrage vom Sommer
2010 ist mehr als die Hälfte der befragten Israelis der Meinung, dass
Kritik an Israel ganz unabhängig vom Verhalten Israels sei. Diese Einstellung sei bedenklich, da sie dazu führe, sich nicht konstruktiv mit der
Kritik auseinanderzusetzen, meinte Prof. Tamar Hermann vom Israel
Democracy Institute.
Immerhin ist Israel nicht das einzige Land mit derartigen Tendenzen.
Cem Özdemir, Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, berichtete, dass
er die in Israel oft zu hörende Klage «die ganze Welt versteht uns nicht,
die ganze Welt ist gegen uns» mit den gleichen Worten auch immer wieder von Verwandten in der Türkei gehört habe.
Die Konferenz fand in Zusammenarbeit mit dem Center for European
Studies am Interdisciplinary Center Herzliya und dem Israeli Council on
Foreign Relations statt.

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Internationale Demokratieförderung

Georgien: Aufarbeitung des Stalinismus
In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte die georgische Regierung im Juni
2010 das Denkmal des Diktators Josef Stalin in seiner Heimatstadt Gori
entfernt. Zwar gab es Kritik auf Seiten der georgischen Öffentlichkeit, zu
den befürchteten Protesten kam es allerdings nicht. Stattdessen sind erste Ansätze einer kritischen und differenzierten Auseinandersetzung mit
dem Stalinismus zu verzeichnen. Das Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in
Tiflis versucht, die Aufarbeitung des Totalitarismus im Land tatkräftig
zu unterstützen. Dabei kooperiert es mit Partnern wie dem Deutschen
Volkshochschulverband International, Memorial Moskau oder Fachleuten aus dem Baltikum. Ziel ist es, die Dokumente in den Archiven des
Zentralkomitees der KPdSU und des Geheimdienstes in Tiflis vollständig
öffentlich zugänglich zu machen, eine wesentliche Voraussetzung für die
Aufarbeitung der Vergangenheit. Erste Dokumente sind bereits im Internet veröffentlicht worden. Mit der Öffnung der Archive hat Georgien
den anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion – die baltischen Staaten ausgenommen – einen entscheidenden Schritt voraus. Historiker aus
aller Welt kommen nun in Georgiens Hauptstadt, um Einsicht in sonst
nicht zugängliche Dokumente zu bekommen.
Die neugegründete Nichtregierungsorganisation SOLVLAB plant darüber hinaus Stadtrundgänge zu Orten des Terrors in der Altstadt von Tiflis und anderswo. Die Erinnerung an die Orte des Terrors wachzuhalten
ist unabdingbar für den Weg hin zu einer demokratischen Gesellschaft.

Aufarbeitung der Vergangenheit: Das Archiv des georgischen Zentralkomitees soll ohne Einschränkungen
zugänglich werden. Fotos: Heinrich-Böll-Stiftung

¼ www.boell.ge

Warschau: Das Quotengesetz für Wahllisten –
ein großer politischer Erfolg
Die paritätische Besetzung der Wahllisten war eine der meistdiskutierten Fragen des Jahres 2010 in Polen. Ein Gesetzesentwurf, vorgelegt
vom Frauenkongress («Kongres Kobiet») und unterzeichnet von über
150.000 Bürgerinnen und Bürgern, sah genau das für die Kommunal-,
Parlaments- und Europawahlen vor: Die Hälfte der Kandidaten sollten
Frauen sein. Die Idee fand in der Politik und den Medien anfangs wenig
Anklang. Doch dank des unermüdlichen Einsatzes des Frauenkongresses
und anderer Organisationen konnten nach und nach einige Medien und
die politische Elite für die Sache gewonnen werden. Auch das Warschauer Büro der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützte die Gesetzesinitiative.
Zwei Tage vor der ersten Lesung des Gesetzes im Sejm am 16. Februar 2010 fand eine internationale Konferenz zum Thema «Frauen in der
Politik» statt, die vom Frauenkongress in Kooperation der Stiftung ver-

¼ www.pl.boell.org

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Internationale Demokratieförderung

anstaltet wurde. Die Schirmherrschaft der Konferenz übernahmen der
damalige Sejm-Marschall und heutige polnische Präsident Bronisław
Komorowski und Ewa Kierzkowska, die Vizemarschallin des Sejm.
Es war schon ein Erfolg, dass der Gesetzesentwurf in der ersten Lesung nicht durchfiel, sondern zur Überarbeitung in die Sejm-Ausschüsse
verwiesen wurde. Schließlich nahm der Sejm im Dezember 2010 das
Gesetz sogar an, wenn auch in abgespeckter Form: Statt Parität gibt
es nun ein Quotengesetz, das mindestens 35 Prozent der Plätze auf den
Wahllisten für Frauen vorsieht. Diese Quote wird zum ersten Mal bei den
Parlamentswahlen 2011 gelten.
Das Quotengesetz gilt als der größte politische Erfolg der polnischen
Frauen seit der Erkämpfung des Wahlrechts im Jahr 1918. Der Frauenkongress möchte sich jedoch nicht mit Quoten begnügen. Er strebt
die Einführung der Parität in der nächsten Legislaturperiode an sowie
das Reißverschlussprinzip, also abwechselnd männliche und weibliche
Kandidaten.

Kiew: Queer-Woche 2010
Im Mai 2010 veranstaltete die Nichtregierungsorganisation «Insight»
mit Unterstützung des Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Kiew die
«Queer-Week 2010». Auf dem Programm standen u. a. Foto- und Kunstausstellungen, Konzerte, die Premiere von «4x4», einem extra für diesen
Event gedrehten Film der jungen ukrainischen Regisseurin Alla Hruschko, eine Podiumsdiskussion mit der US-amerikanischen Priesterin Diane Fischer über Homosexualität und Christentum sowie die Präsentation
der ersten ukrainischen Studie über Transgender. Das Festival fand bereits zum dritten Mal statt und hatte eine große Medienresonanz. Leider
blieben homophobe Reaktionen nicht aus. Während des Festivals gab es
einige Gegendemonstrationen, das Festival sollte per Gerichtsbeschluss
sogar gestoppt werden. Den homophoben Reaktionen zum Trotz setzte
die «Queer-Week 2010» wichtige Fragen über Minderheitenrechte und
Toleranz auf die Tagesordnung.

Südafrika: WM 2010 – Afrika am Ball!

Perspectives 2/2010: Südafrika und die
Fußball-Weltmeisterschaft 2010

Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Download: www.boell.de/downloads/weltweit/Prespective_(low_res)_Deutsch.pdf

Südafrika richtete im Juni 2010 die erste Fußball-Weltmeisterschaft
auf dem afrikanischen Kontinent aus. Das offizielle WM-Motto «Ke
Nako (Es ist Zeit), Afrikas Menschlichkeit zu feiern!» nahm die Heinrich-Böll-Stiftung zum Anlass, genauer auf das Austragungsland und
ganz Afrika zu schauen. Daten, Fakten und Hintergründe gab es unter
www.boell.de/wm2010 und auf zahlreichen Veranstaltungen. Der Dokumentarfilm «Fair Play» von Connie Field machte zum Beispiel deutlich,
wie die globale Anti-Apartheidbewegung den Sport nutzen konnte, um
das Apartheidregime international zu isolieren. Im Südafrika der Apartheid war die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen Weißen vorbehalten. Sportliche Erfolge außerhalb brachten jedes Mal auch einen
Imagegewinn für die Regierung. Umso schmerzlicher war der sukzessive
Ausschluss von der internationalen Sportarena im Laufe der Jahre.
Nach der Apartheid spielten Sportereignisse eine wichtige Rolle im
Versöhnungsprozess: Die Rugbyweltmeisterschaft 1995 sowie der Africa Cup of Nations 1996 brachten die unterschiedlichen Gruppen der südafrikanischen Gesellschaft näher zusammen und trugen zur Schaffung
einer nationalen Identität bei.
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 wurde von der südafrikanischen Regierung als einmalige Gelegenheit gepriesen, das wirtschaftliche Wachstum voranzutreiben, die hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen,
die nationale Einheit zu stärken sowie Klischees über Afrika zu zerstreuen. Doch es gab auch Kritiker in der südafrikanischen Gesellschaft, die

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Internationale Demokratieförderung

ernsthafte Bedenken gegen das Großereignis vorbrachten. Unser Büro in
Kapstadt nahm in einem Sonderheft der Publikationsreihe Perspectives
einige dieser Kontroversen auf. So bezweifelt der politische Kommentator Eusebius McKaiser, dass die Fußball-Weltmeisterschaft wirklich
der sozialen Einheit des Landes dient. Es werde wohl eher eine künstliche nationale Identität geschaffen, die keinen Bestand hat. Dave Marrs
analysiert den wirtschaftlichen Nutzen der WM und fragt nach den Gewinnern und Verlierern. Die Rolle der FIFA bei der Beachtung von Umweltaspekten analysiert Anton Cartwright.

Kapstadt: Sexuelle Minderheiten in Afrika ohne Rechte?
Homophobie ist in Afrika, wie auch in anderen Teilen der Welt, weit verbreitet. Angestachelt durch politische und religiöse Hetzkampagnen,
lehnen viele Menschen gleichgeschlechtliche Sexualität ab, weil sie nicht
mit ihrer Tradition, Kultur und Religion vereinbar sei. In 38 der 53 Staaten Afrikas gilt Homosexualität als Straftatbestand. In Malawi wurden
zum Beispiel zwei Männer, die heiraten wollten, zu 14 Jahren Haft verurteilt. Aufgrund des enormen Drucks von Seiten westlicher Hilfsorganisationen wurden sie Ende Mai 2010 begnadigt.
Aber es gibt auch eine wachsende Zahl afrikanischer Aktivisten, die
sich lautstark für die Rechte sexueller Minderheiten einsetzen. Manche,
wie der im Januar 2011 ermordete ugandische Schwulenaktivist David
Kato, bezahlen dies mit ihrem Leben.
Wie man die weitverbreiteten Vorurteile abbauen und die Rechte sexueller Minderheiten stärken kann, diskutierten internationale Aktivist/
innen und Wissenschaftler/innen im November 2010 auf einer Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung in Kapstadt. Wichtig für den Kampf
um Gleichheit und Anerkennung sexueller Minderheiten sei es, dass
die Bewegung nicht isoliert handele, betonte der bekannte südafrikanische Menschenrechtsaktivist Zackie Achmat. Mehr Solidarität und
Zusammenarbeit mit anderen Menschenrechtsbewegungen seien daher
notwendig.
Die Konferenz hatte ein ungewöhnlich hohes Medienecho. Insofern
leistete sie einen wichtigen Beitrag, um das Thema in die Öffentlichkeit
zu bringen. Die Stiftung hat darüber hinaus in Kooperation mit BBC
World eine Fernsehdebatte mit dem provokanten Titel «Is homosexuality un-African?» unterstützt. Die Debatte kann unter http://mybigdebate.
com verfolgt werden. Auch eine Ausgabe der Publikationsreihe Perspectives ist dem Thema gewidmet.

Perspectives 4/2010: Struggle for equality. Sexual
orientation, gender identity and human rights in Africa

Ed. by the Heinrich-Böll-Foundation. Download:
www.boell.de/downloads/Perspectives_4-10.pdf

In 38 afrikanischen Staaten ist Homosexualität noch
immer ausdrücklich verboten.
Foto: Ursula Meissner / laif

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Internationale Demokratieförderung

Sudan – kein leichter Weg in die Zukunft

Sudan – kein leichter Weg in die Zukunft

Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
2010, 120 Seiten, auch auf Englisch erhältlich

Die Reaktionen auf unsere Publikation «Sudan – kein leichter Weg in die
Zukunft» waren sehr positiv. Kein Wunder, denn die Veröffentlichung
enthält Beiträge der wichtigsten internationalen Sudan-Expertinnen
und -experten. Sie ist anlässlich der sudanesischen Wahlen in deutscher
und englischer Fassung erschienen und wurde auf der Tagung der Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland (VAD) in Mainz vorgestellt. Zitiert oder erwähnt wurde die Publikation nicht nur in der deutschen und internationalen Tagespresse, sondern auch im Sudan-Bericht
der International Crisis Group und auf beinahe allen afrikaspezifischen
Nachrichtenseiten. Wir konnten mit unserer Publikation eine Informationslücke schließen helfen.

Kongo: Lokale und internationale
Strategien zur Konfliktlösung

Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2006 in
Bunia, Ituri (Demokratische Republik Kongo)
Foto: UN Photo / Martin Perret

Im Juni 2010 feierte die Demokratische Republik Kongo den 50. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit. Zur gleichen Zeit waren im Osten und Nordwesten des Landes Tausende auf der Flucht vor bewaffneten Auseinandersetzungen. Auf der Konferenz «Peace Needs in the DR Congo» der
Heinrich-Böll-Stiftung und des Ökumenischen Netzes Zentralafrika diskutierten kongolesische und internationale Fachleute Auswege aus dem
Dilemma. Im Mittelpunkt standen dabei die aktuellen Erfahrungen mit
der Reform der Justiz und des Sicherheitssektors, der Umgang mit den
Ressourcen des Landes und die Aussichten für die Wahlen im kommenden Jahr.
Vertreter kongolesischer Menschenrechtsorganisationen forderten
einen größeren internationalen Beitrag zur Beendigung der systematischen Straflosigkeit bei Kriegsverbrechen im Land. Auch müsse Transparenz im Rohstoffsektor hergestellt werden, um langfristig die Erlöse
aus dem Rohstoffhandel zum Wohle der gesamten Bevölkerung zu nutzen, so René Ngongo, Träger des alternativen Friedensnobelpreises. Er
machte deutlich, dass die westlichen Industrienationen ein großes Interesse daran haben sollten, die DR Kongo als stabilen und demokratischen
Partner zu gewinnen; schließlich sei das Land ein wichtiger Exporteur
von Mineralien und Heimat des zweitgrößten intakten Regenwaldes der
Erde. Eine erneute politische Krise in Zentralafrika sei weit gefährlicher
– und teurer – als alle derzeitigen Stabilisierungskosten.
Die Diskussionsrunde zu den anstehenden Wahlen 2011 zeigte jedoch, dass die umfassende Reform der demokratischen Institutionen, die
mit den Wahlen 2006 angestoßen wurde, weitgehend ohne Erfolg geblieben ist.

«Victors» von Lenka Klodova in der Ausstellung «Beyond Re/Production. Mothering»

Feminismus und Geschlechterdemokratie weiterdenken
Geschlechterpolitik und feministische Analysen und Strategien haben in
der Heinrich-Böll-Stiftung einen festen Platz. Geschlechterdemokratie ist
ein zentraler Bestandteil unseres Leitbildes. Es wird konsequent in der po­
litischen Bildungsarbeit, in der Organisation und bei der Studienförderung
umgesetzt. Das Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung (GWI)
ist dabei ein ganz besonderer Ort: Es bündelt die geschlechterpolitischen
Themen und fördert die Auseinandersetzung um Feminismus und Ge­
schlechterdemokratie. Es sensibilisiert für die Geschlechterblindheit in der
internationalen Friedens- und Sicherheitspolitik, spürt geschlechterpolitisch
emanzipative Politikkonzepte in anderen Ländern auf und überprüft deren
Übertragbarkeit auf die deutsche Politik und die der Europäischen Union.
Das Gunda-Werner-Institut denkt über neue Modelle für gleichberechtigte
Teilhabe aller Geschlechter nach und vermittelt entsprechende Kompeten­
zen durch Gender-Beratung und -Training.

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Gunda-Werner-Institut

Deutschland: Green Ladies Lunch

Kickoff der Kampagne GENDERKICKS 2011
(v.l.o.): Claudia Roth (Bundesvorsitzende von B‘90/
Die Grünen), Gitti Hentschel (GWI), Anouschka
Bernhard (Jugendkoordinatorin bei Hertha BSC),
Hannelore Ratzeburg (Vizepräsidentin für Frauenund Mädchenfußball im DFB), Dr. Tatjana Eggeling
(Kulturwissenschaftlerin) Foto: Andrea Kroth

Verbindungen aufbauen, Netze knüpfen und weiterspinnen – das ist in
Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft unabdingbar. Frauen
haben im «Netzwerken» bislang wenig Erfahrung. Der «Green Ladies
Lunch» des Gunda-Werner-Instituts (GWI) schließt hier eine Lücke. Er
ist zum Treffpunkt und politischen Ratschlag für engagierte Frauen aus
unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen geworden. Mehrmals im
Jahr lädt das GWI grüne Politikerinnen und andere engagierte Frauen ein, um über aktuelle geschlechterpolitische Themen zu diskutieren.
Schirmfrau des Green Ladies Lunch ist Claudia Roth, Vorsitzende von
Bündnis 90/Die Grünen.
Im März 2010 ging es beim Ladies Lunch um das Thema Feminismus im Internet, besonders im Web 2.0. Im Juli diskutierten die «Green
Ladies» über das Verständnis von queerer und feministischer Politik.
Und im November fiel der Startschuss für das Fußball-WM-Jahr 2011
und die Kampagne GENDER KICKS 2011, mit der die Stiftung unter
der Regie des GWI die WM begleiten wird. Mit dabei war u. a. auch
die DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg. Schon das DFB-Motto
«Die schönsten Seiten von 20ELF!» gab Anlass zur Debatte: Die einen
interpretierten diese Werbe-Kampagne als Zeichen gestiegener Wertschätzung und als Schritt zur Gleichberechtigung, andere kritisierten,
es werde hier ein Schönheitsbegriff aufgerufen, der auf den (Frauen-)
Körper ziele.

Online-Debatte: Was ist der Streit wert?
Die Beiträge sind abrufbar
¼ streit- wert.boellblog.org

Von Ende Juli bis Anfang Oktober 2010 lief der Debatten-Blog des GWI
«Was ist der Streit wert: Frauen- und Geschlechterpolitik – von Männern herausgefordert?». Den Hintergrund lieferten die antifeministischen Strömungen im politischen Feuilleton und vor allem in Online-Medien sowie das Manifest «Nicht länger Machos sein müssen» von 20
Grünen-Politikern. Die enorme Anzahl von Seitenzugriffen – allein in
den ersten sieben Wochen über 12.000 – zeigte, dass mit dem Thema ein
Nerv getroffen wurde. Die 14 Online-Beiträge wurden von mehreren hundert Besucherinnen und Besuchern der Website kommentiert und diskutiert. Die Autorinnen und Autoren waren sich in einem einig: Es muss
noch viel getan werden, bevor von Geschlechtergerechtigkeit gesprochen
werden kann. Unterschiedlich sind die Lösungsvorschläge. Dazu gehören
«gendersensible und emanzipatorische Bildung und Erziehung» (Kai
Gehring), Jungenarbeit, die immer auch die «Konstruktion von Männlichkeitsidealen» im Blick haben muss (Haschemi Yekani), «langfristiger Wertewandel» in Schul-, Gesundheits- und Sozialpolitik (Martin
Wilk) sowie die verstärkte Zusammenarbeit (Ilse Lenz, Sabine Hark)
und die Einbeziehung anderer Herrschaftsverhältnisse in die Geschlechterpolitik (Franza Drechsel, Katrin Rönicke).

Forum Männer in Theorie und Praxis der
Geschlechterverhältnisse
Deutschland: Eine Tagung sucht den Super-Papa

Der «Super-Papa» braucht politische Unterstützung – Die Tagung des GWI diskutierte Bedarf
und Vorschläge. Foto: Martin Verlinden

Öffentliche Veranstaltungen zum Thema Väter sind in den letzten Jahren
zahlreicher geworden. Die Suche nach Impulsen für die professionelle
Arbeit mit Vätern stand dabei im Vordergrund. Bisher vernachlässigt
wurden sowohl die Rolle und politische Bedeutung der bisherigen Väterforschung als auch die Frage nach den anzustrebenden Zielen einer bedürfnisorientieren «Väterpolitik». Väterpolitisch ebenso wenig diskutiert wurde bisher die Vielfalt der väterlichen Lebenswelten. Hier sind
insbesondere die Unterschiede entlang von Klasse, ethnisch-kultureller
Zugehörigkeit, Alter, sexueller Orientierung oder Behinderung interes-

43

Gunda-Werner-Institut

sant. Die Tagung «Deutschland sucht den Super-Papa» griff diese Defizite auf. Die Teilnehmenden diskutierten, wie kommunale Akteure in Politik und Verwaltung die Bedürfnisse und Interessen von Vätern aufgreifen
können. Dabei ging es u. a. um das Verhältnis von Gleichstellungspolitiken und Väterpolitik, die Situation von schwulen Vätern und um den Beitrag von Unternehmen für die Entwicklung väterbewusster Unternehmenskulturen. Die Tagung des GWI fand in Kooperation mit dem
Netzwerk Forum Männer, der Fachhochschule Köln und dem MännerVäter-Forum Köln statt.

Bericht und Dokumentation
¼ www.gwi - boell.de/web/denkraeume - super - papa tagung - dokumentation-1544.html

Berlin: Tagung «Männer in Bewegung»

Diese Fachtung des GWI im Oktober 2010, eine Kooperation mit dem
Forum Männer, beschäftigte sich vor allem mit aktuellen männerpolitischen Themen wie der Wehrpflicht, dem Sorgerecht oder der Vaterschaft
sowie mit den Thesen der «Männerrechtler», die Männer als benachteiligte Gruppe stilisieren und gegen den Feminismus polemisieren. Eine
Gruppe im Forum aktiver Männer hatte zuvor Positionspapiere zu zehn
Themen erarbeitet, die in den diversen Workshops und Fishbowl-Runden
diskutierten wurden.

Positionspapiere
¼ www.gwi - boell.de/web/denkraeumevarbeitstagung - maennlichkeiten - bewegung - 2118.
html

Online-Dossier: Care-Ökonomie
«Care» (Pflege) gehört unmittelbar zum Zusammenleben: Niemand
kommt ohne Sorge und Versorgung von anderen oder für andere aus.
Ob die Betreuung kleiner Kinder, die Pflege älterer Menschen oder die
Versorgung von Kranken: Sorgearbeit ist überall – nur nicht in der Ökonomie. Care-Arbeit «zählt nicht», denn sie widersetzt sich den gängigen wirtschaftlichen Prinzipien wie Gewinnsteigerung, Effizienz und
Prozessmaximierung. Babys wickeln, Menschen füttern braucht seine Zeit. Aber gerade die reproduktiven Tätigkeiten sind mehr als nur
jene kostenlose Ressource, als die sie die klassische Ökonomie behandelt. Sie sind selbst ein Teil der Ökonomie – der «weibliche Zwilling» der
Marktökonomie.
Was bedeutet es konkret für unser Wirtschaftsverständnis und unser
ökonomisches Handeln, wenn reproduktives Handeln als Teil der Ökonomie mit «berechnet» wird, wenn all jene kostenlosen Tätigkeiten zur
Um- und Versorgung von Menschen berücksichtigt werden, die die Erwerbsökonomie erst ermöglichen? Kommen wir durch Care zu einem
umfassenderen, geschlechtergerechten, nachhaltigeren Wirtschaftsbegriff, der Ressourcen nicht als Gratisangebot wahrnimmt, sondern endlich fair verhandelt und Gewinn nicht nur als Nutzenmaximierung und
Bilanzverbesserung versteht?
Mit Blick auf die demographische Entwicklung, klamme Staatskassen und fragwürdige Gesundheitsreformen stellt sich zudem die Frage:
Wer pflegt künftig wen – und zu welchen Bedingungen?

Das stark nachgefragte Dossier untersucht
die Probleme und Chancen um das Thema
«Care» aus unterschiedlichen Perspektiven.
¼ www.gwi - boell.de/web/wirtschaften - dossier care - oekonomie - geschlechtergerecht-1860.html

Foto: dpa

Bildung als Schlüssel für
Aufstieg und Teilhabe
Faire Aufstiegschancen sind eine zentrale Voraussetzung für soziale Gerech­
tigkeit und die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft. Auch Integration kann
nur funktionieren, wenn sie mit der Chance zum Aufstieg verbunden ist. In
vielen Großstädten kommt bereits die Hälfte der Kinder aus Migrantenfa­
milien. Mit welcher Haltung sie ihr Leben angehen und welche Aussichten
sie haben, im Leben voranzukommen, ist eine Schlüsselfrage für unser al­
ler Zukunft. Unser Wohlstand hängt davon ab, wie viele Forscher/innen,
Unternehmer/innen, Expert/innen aus den Reihen der jungen Generation
hervorgehen. Bislang entscheidet die Herkunft viel zu stark über individuel­
le Lebenschancen. Daher untersuchen wir, wie es um die gesellschaftliche
Mobilität bestellt ist, und formulieren Vorschläge für die Überwindung der
sozialen Selektivität des Bildungssystems. Wir engagieren uns für eine zu­
kunftsfähige Bildungspolitik, die allen Menschen gesellschaftliche Teilhabe
und soziale Aufstiegschancen ermöglicht und die zugleich den gewandelten
Anforderungen an Bildung und Wissenschaft Rechnung trägt.

45

Bildung, soziale Teilhabe und Integration

Deutschland: Studie «Kaum Bewegung, viel Ungleichheit»
Mit der Studie «Kaum Bewegung, viel Ungleichheit» hat die HeinrichBöll-Stiftung im Oktober 2010 große Aufmerksamkeit erzielt. Der Soziologe Reinhard Pollak zeigt darin, dass die Chancen auf den gesellschaftlichen Aufstieg in nur wenigen Industriestaaten so ungleich verteilt
sind wie in Deutschland. Die Studie kommt zu ernüchternden Ergebnissen: Kinder von ungelernten Arbeitern haben vierzigmal schlechtere Mobilitätschancen als Kinder, deren Eltern leitende Angestellte sind. Der
soziale Fahrstuhl, der lange Zeit für die meisten nach oben fuhr, ist ins
Stocken geraten – und am unteren Rand der Gesellschaft schaffen es viele überhaupt nicht mehr einzusteigen. Die Befunde zeigen, wie schlecht
es in unserer Gesellschaft um praktische Chancengerechtigkeit bestellt
ist. Wir leisten uns mehr Ungleichheiten als notwendig – und dies besonders zum Nachteil der Kinder, die wegen ihrer geringen sozialen Herkunft vergleichsweise wenig Chancen haben aufzusteigen. Soziale Herkunft übertrumpft mithin Talent und Leistungsbereitschaft. Die Studie
macht unter anderem das selektive Bildungssystem und die Struktur des
Arbeitsmarkts dafür verantwortlich, dass die Durchlässigkeit der Gesellschaft in Deutschland geringer ausfällt als in den meisten anderen
Industriestaaten.

Kaum Bewegung, viel Ungleichheit. Eine Studie
zu sozialem Auf- und Abstieg in Deutschland

Von Reinhard Pollak. Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin 2010

Berlin: Konferenz «Europa und der American Dream –
eine transatlantische Traumdeutung»
Ist der sagenhafte Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär möglich,
oder ist er lediglich Teil eines kollektiven Traums? Wie schafft man eine
Gesellschaft, in der Menschen nicht nur vorwärtskommen wollen, sondern dies auch können? Die Heinrich-Böll-Stiftung ist diesen Fragen in
Zusammenarbeit mit der Vodafone Stiftung Deutschland und dem German Marshall Fund of the United States auf einer internationalen Konferenz im Oktober 2010 nachgegangen.
Die hochkarätigen Gäste aus Deutschland, Europa und den USA
diskutierten über sozial- und bildungspolitische Maßnahmen für
mehr Chancengerechtigkeit auf beiden Seiten des Atlantiks. Die Antworten der Expertinnen und Experten fielen unterschiedlich aus; einig waren sie sich jedoch darüber, dass die Durchlässigkeit über die
Zukunft der europäischen und amerikanischen Gesellschaften bestimmen wird. So müsse Deutschland sich z.B. klar darüber werden, welche Zuwanderer es brauche und wie es sie anlocken kann.
Cem Özdemir, Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, plädierte für die Einführung einer Variante des kanadischen Punktesystems.
Aber lässt sich das kanadische Modell auf Deutschland übertragen? Kanada arbeitet mit einem Mix aus großzügigem öffentlichem Sektor, einem starken Bildungssystem, aktiver Einwanderungspolitik und einfachem Zugang zur Staatsbürgerschaft.
In Deutschland tragen ein Mangel an Kindertagesstätten, Halbtagsschulen und die frühe Einteilung in Leistungsklassen zu einem System
bei, das Klassenunterschiede verfestigt. Der Mannheimer Soziologe
Walter Müller wies darauf hin, dass Bildungsabschluss und berufliche
Karriere hierzulande enger verknüpft seien als in anderen europäischen
Staaten: Berufe lassen sich nur mit bestimmten Zertifikaten ausüben,
das erschwert Um- und Aufstiege. Der deutsche Arbeitsmarkt sei voller
bürokratischer Hürden und stehe sozialer Mobilität im Wege, so auch
Tamar Jacoby, Präsidentin von Immigration Works USA. Sie bezeichnete den Arbeitsmarkt als «die Feuerprobe der Integration». In den Vereinigten Staaten gelänge vielen unternehmerisch tätigen Einwanderern
der Aufstieg.
Auch für Barbara John, ehemalige Ausländerbeauftragte des Berliner Senats, ist Beschäftigung der Schüssel für Integration und Mobi-

Soziologe Reinhard Pollak, Autor der Studie «Kaum
Bewegung, viel Ungleichheit» Foto: Stephan Röhl
�

Böll.Thema 3/2010: Sozialer Aufstieg - Strategien gegen die blockierte Gesellschaft

www.boell.de/thema

Durch eigene Anstrengungen in der Gesellschaft
vorankommen! Kann es trotz der vielen Blockaden,
die heute in der Bildung und bei der Integration
Zugewanderter der sozialen Mobilität im Wege stehen, einen solchen «deutschen Traum» geben? Das
Blog diskutiert, ob das Ideal einer aufstiegsoffenen
Gesellschaft für emanzipatorische Politik taugt.
¼ www.wasistderdeutschetraum.de

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Auf der Website «Migration – Integration
– Diversity» veröffentlichen wir aktuelle Beiträge zur Migrations- und Integrationspolitik
und liefern zahlreiche Hintergrunddossiers.
¼ www.migration - boell.de

Bildung, soziale Teilhabe und Integration

lität. Sie macht den deutschen Wohlfahrtsstaat dafür verantwortlich,
Zugewanderte wie Deutsche vom Arbeitsmarkt fernzuhalten. Indem
Deutschland Flüchtlingen und nachgezogenen Familienmitgliedern keine Arbeitserlaubnis erteile, so John weiter, lasse der Staat nicht nur Talent und Arbeitskraft verkommen, sondern nehme Menschen auch ihr
Selbstwertgefühl. Zuwanderer seien keine Last für den Sozialstaat, sondern der Sozialstaat sei manchmal eine Last für sie. Der schwedische Soziologe Robert Erikson wies hingegen darauf hin, dass der europäische
Sozialstaat die Durchlässigkeit der Gesellschaft erhöhe, nicht zuletzt
durch die Unterstützung, die er Kindern aus benachteiligten Familien
bieten könne.

Berlin: Konferenz «Vom multikulturellen Klassenzimmer
zum multikulturellen Lehrerzimmer»

300 Teilnehmende beweisen die Brisanz des Themas: Gesamtschullehrerin Saraya Gomis spürt
noch immer Unterschiede. Foto: Stephan Röhl

Mehr Pädagoginnen und Pädagogen mit Migrationshintergrund! Inzwischen ruft nicht nur die Erziehungswissenschaft danach, auch die Bundesregierung hat diese Forderung in ihr Integrationsprogramm aufgenommen. Die Rechnung scheint einfach: Gibt es mehr Lehrer/innen mit
ausländischen Wurzeln, funktioniert auch die Integration besser. Bisher
haben gerade einmal ein bis zwei Prozent aller Lehrenden eine Zuwanderungsgeschichte. Unter den Schüler/innen ist es aber mittlerweile ein
Fünftel. Doch warum es gibt so wenig Lehrkräfte mit Migrationshintergrund an deutschen Schulen? Und kann eine Erhöhung dieser Gruppe
überhaupt Garant für eine erfolgreiche Integrationspolitik sein? Eine
Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit der Freien
Universität Berlin (Prof. Viola Georgi) und der ZEIT Stiftung Ebelin
und Gerd Bucerius ging diesen Fragen im September 2010 nach. Die
Konferenz sandte eine klare Botschaft: Die Schule und ihre Akteure müssen besser auf den Umgang mit Heterogenität vorbereitet werden. Lehrende mit Migrationshintergrund können dazu einen wichtigen Beitrag
leisten. Aber nicht alleine. Die interkulturelle Schule ist eine Aufgabe für
alle Beteiligten.

Berlin: Tagung «Zukunftsfähiges Deutschland –
zukunftsfähige Schule»

Plant for the Planet: Schülerinnen und Schüler präsentieren ihr Projekt. Foto: Heinrich-Böll-Stiftung

«Wissen, was wirkt»: Im Jahr 2010 zog die Campustour «Wissen, was wirkt» zum zweiten Mal
durch die Hochschulen im Lande. Das gemeinsame Projekt der Heinrich-Böll-Stiftung und ihrer
16 Landesstiftungen richtet sich an all jene, die
Hochschulen nicht als reine Ausbildungsbetriebe
betrachten, sondern auch als Arenen der politischen Debatte. In über 30 Veranstaltungen sowie in
der eigens für die Tour produzierten Zeitung diskutierte man über das Hochschulsystem der Zukunft.
¼ www.boell.de/campustour

«Nachhaltigkeit» ist im Alltag der Schulen noch nicht richtig angekommen. Dabei ist unbestritten, dass Nachhaltigkeit als Leitbegriff notwendiger Modernisierung nicht zuletzt bei schulischer Bildung anfangen muss. Der Schule kommt die Aufgabe zu, Schülerinnen und Schüler
zur aktiven Gestaltung ihrer Zukunft zu befähigen. Sie muss sich daher
zwingend Fragen nachhaltiger Entwicklung stellen.
Die Heinrich-Böll-Stiftung nahm die Studie «Zukunftsfähiges
Deutschland in einer globalisierten Welt» des Wuppertal Instituts zum
Anlass, um auf einer Tagung im April 2010 in Berlin über die Perspektiven einer solchen nachhaltigen Bildung zu diskutieren. In den Workshops, die sich speziell an Lehrkräfte richteten, ging es um die Zukunft
der Mobilität, um faire Produktionsketten, um den Zusammenhang von
Klima und Gerechtigkeit, neue Regeln für die Weltwirtschaft und energiepolitische Fragen. Wie viel Begeisterung das Thema Nachhaltigkeit
an Schulen hervorrufen kann, zeigten die Schülerinnen und Schüler einiger Berliner Schulen, die von ihren Unterrichtsprojekten und Schülerfirmen berichteten. So war das Mikrokreditprojekt der Ev. Schule
Berlin-Zentrum ein Beispiel dafür, wie die Erfahrungswelt von Schülern
mit globalen Zusammenhängen verknüpft werden kann: Die Schülerinnen und Schüler verdienen sich durch kleine Jobs ein wenig Geld, das
anschließend in der Schule gesammelt, in Dollar getauscht und über die
Bank von Nobelpreisträger Muhammad Yunus in Bangladesch als Mikrokredit vergeben wird.

Bildung, soziale Teilhabe und Integration

47

Die Tagung schloss mit einer Debatte über die zukunftsfähige Schule. Es
wurde noch einmal deutlich, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung
ein Impuls für eine bessere Schule sein kann. Sie bringt Schulen dazu,
ihre Inhalte auf die Relevanz für die Gestaltung der Welt von morgen zu
überprüfen.

Europa: Arbeitsmigration von Hochqualifizierten
In einigen Jahren wird der demografische Wandel Europa mit großer
Wucht treffen, es wird immer weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter
geben. Allein in Deutschland werden in fünf Jahren bis zu drei Millionen
Fachkräfte auf allen Ebenen fehlen. Die internationale Konferenz «Mobilität und Inklusion. Arbeitsmigration von Hochqualifizierten in Europa» beschäftigte sich daher mit den Initiativen zur Anwerbung von hochqualifizierten Einwanderern und ihren Hindernissen. Zumindest auf der
Ebene der Europäischen Union hat ein Umdenken begonnen. Im Grunde haben sich die Mitgliedsstaaten dazu bekannt, bei der Zuwanderung
Hochqualifizierter enger kooperieren zu wollen, aber sie wissen nicht
wie. Mit ihrer Blue Card-Initiative will die EU ihre Arbeitsmärkte ab
2011 für hochqualifizierte Einwanderer öffnen. Ob alle Mitgliedsstaaten bei der Steuerung der Arbeitsmigration aus Drittstaaten an einem
Strang ziehen, bleibt fraglich. Klar ist jedoch, dass die Anwerbung von
hochqualifizierten Zuwanderern nicht die Vernachlässigung der bereits
in Europa lebenden Migrantinnen und Migranten kompensieren kann.
Beide Gruppen dürfen bei der Debatte um Zugang zum Arbeitsmarkt
nicht gegeneinander ausgespielt werden – darin waren sich alle Expertinnen und Experten einig. Für die deutsche IT-Branche konnte der
Verbandsgeschäftsführer von BITKOM, Bernhard Rohleder, konkrete
Zahlen für den Bedarf vorlegen: 2008 gab es 43.000 offene IT-Stellen,
selbst im Krisenjahr 2009 blieben 20.000 Stellen unbesetzt. Das von der
Heinrich-Böll-Stiftung vorgelegte, von Steffen Angenendt und Roderick
Parkes verfasste Diskussionspapier «After the Blue Card. EU Policy on
Highly Qualified Migration» schlägt verschiedene Wege aus der Krise
der europäischen Einwanderungspolitik vor. Dazu zählt eine deutliche
Verbesserung der Attraktivität Europas für Hochqualifizierte; die Mobilisierung aller einheimischen Potenziale sowie die Entwicklung Europas
zu einem Raum des Wissens und der Bildung.

Roderick Parkes (links) und Bernhard
Rohleder (rechts) diskutieren über Europas
Zuwanderungspolitik. Foto: Stephan Röhl

Foto: Heinrich-Böll-Stiftung

Rückenwind
für junge Talente
Die Heinrich-Böll-Stiftung fördert Studierende und Promovierende aller
Fachrichtungen aus dem In- und Ausland. Neben einem Stipendium bieten
wir individuelle Beratung, Qualifizierung und Vernetzungsmöglichkeiten.
Unser Anliegen ist es, Talente zu entdecken, ihre Potenziale zu erken­
nen und zu fördern. So wollen wir zukünftige Multiplikatorinnen und Mul­
tiplikatoren gewinnen, die sich weltweit für die Ziele der Stiftung einsetzen:
für mehr Demokratie, Solidarität, ökologisches Handeln, nachhaltige Politik
und Menschenrechte.
Die Heinrich-Böll-Stiftung kombiniert in ihrer Nachwuchsförderung
den Leistungsgedanken mit Chancengerechtigkeit. Neben hervorragenden
Schul- bzw. Studienleistungen, die im jeweiligen biografischen Kontext be­
wertet werden, erwarten wir von unseren Stipendiatinnen und Stipendiaten,
dass sie Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen, sich gesell­
schaftlich engagieren und politisch interessieren. Aus rund 2.100 Bewerbe­
rinnen und Bewerbern im Jahr 2010 wählte das Studienwerk 206 Stipendi­
atinnen und Stipendiaten in einem dreistufigen Auswahlverfahren neu aus.
An der Auswahl waren wieder rund 300 ehrenamtlich arbeitende Jurorin­
nen und Juroren sowie Gutachterinnen und Gutachter aus Hochschulen und
dem weiteren Stiftungsumfeld beteiligt.

49

Nachwuchsförderung

Wer wird gefördert?
Im Jahr 2010 waren insgesamt 1.021 Stipendiatinnen und Stipendiaten
in unserer Förderung: 842 Studierende und 179 Promovierende. Die Stipendien wurden überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert.
Die Dauer der Förderung variiert im Regelfall zwischen 1 ½ und 3 Jahren. Ziel ist es, alle Stipendiatinnen und Stipendiaten bis zum Abschluss
zu unterstützen. Im Sinne des Diversity-Gedankens ermutigen wir insbesondere Studierende aus unterrepräsentierten Gruppen, sich zu bewerben
– dazu gehören Studierende mit nichtakademischem Hintergrund, aus
Fachhochschulen und aus den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technikwissenschaften), vor
allem jene mit Umweltbezug.
Medizin 11%

16% Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

Ingenieurwissenschaften 10%
Mathematik und Naturwissenschaften 8%

21% Sozialwissenschaften

Kunst, Kunstwissenschaft 6%
Agrar-, Forst- und 1%
Ernährungswissenschaften

27% Sprach- und Kulturwissenschaften

Auch die beiden Gemeinschaftsaufgaben der Heinrich-Böll-Stiftung –
Förderung von Geschlechterdemokratie und Interkulturalität – werden
bei der Stipendienvergabe berücksichtigt: 62 Prozent der Geförderten
sind weiblich; 28 Prozent haben einen Migrationshintergrund.

Ideelle Förderung: Beratung – Qualifizierung – Vernetzung
Das Studienwerk der Heinrich-Böll-Stiftung bietet seinen Stipendiatinnen und Stipendiaten im Rahmen der ideellen Förderung persönliche
Beratung zur Studienplanung und zur Vernetzung an. Seminare, Workshops, eine Sommerakademie, zahlreiche Trainings, Studienreisen und
Diskussionsforen unterstützen die Qualifizierung und Persönlichkeitsentwicklung unserer Stipendiatinnen und Stipendiaten. Mit dem ideellen
Begleitprogramm wollen wir zur politischen Debatte anregen, Schlüsselkompetenzen vermitteln, zum interdisziplinären Dialog ermuntern und
das gesellschaftspolitische Engagement unserer Stipendiaten befördern.

Schwerpunkte aus dem Jahr 2010
Wie in jedem Jahr hatten wir auch im Jahr 2010 wieder einen Mix aus
«Altbewährtem» – Einführungsseminare, das Promovierendenforum,
selbstorganisierte Arbeitsgruppen der Stipendiatinnen und Stipendiaten, die Sommerakademie – und neue Veranstaltungen. Der Campus,
unsere jährliche Sommerakademie in Bad Bevensen, stand thematisch
im Zeichen der «Bildung». Bildung im klassischen Sinne? Bildung als
Weg des lebenslangen Lernens? Oder Bildung als Investition in die Zukunft? Dies waren nur drei Fragen von vielen, mit denen sich die über 130
Teilnehmenden eine Woche lang beschäftigten. Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts, und Ralf Fücks, Vorstand
der Heinrich-Böll-Stiftung, debattierten zum Auftakt über die Bedeutung von Forschung und Hochschule für den Green New Deal, moderiert
von den beiden Promotionsstipendiatinnen Britta Leusing und Nadine
Fromm. Krista Sager, MdB für Bündnis 90/Die Grünen, diskutierte mit
den Stipendiatinnen und Stipendiaten über die Änderungen, die notwendig wären, um Hochschulen sozial zu öffnen und Bildungschancen zu erhöhen. In neun «Werkstätten» ging es zudem um Themen wie «Mediation

Dr. Atef Botros, geboren in Ägypten, ist seit 2007

wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centrum für Nahund Mitteloststudien der Universität Marburg. Er hat
Germanistik, Vergleichende Literaturwissenschaft,
Arabistik und Kulturwissenschaft in Düsseldorf und
Leipzig studiert. Seine Dissertation zur Kafka-Rezeption im arabischen Raum wurde unter dem Titel: «Kafka, ein jüdischer Schriftsteller aus arabischer Sicht»
veröffentlicht. Von 2001 bis 2004 war er Promotionsstipendiat der Stiftung. Er befasst sich zurzeit wissenschaftlich mit dem Umbruch der arabischen Welt.

50

Nachwuchsförderung

und konstruktive Konfliktlösung», um «Social Justice Training» und um
«Zukunftscoaching». Auch die Unterhaltung kam während des Campus
nicht zu kurz: Zum Eröffnungskonzert im Kloster Medingen spielte die
Studienstipendiatin und Nachwuchspianistin Rena Gradmann Stücke
von Brahms, Chopin und Schumann.
Ein von den beiden Stipendiaten Falko Ueckerdt und Melanie Müller
initiiertes und organisiertes Seminar zum Thema «Wo steht die Klimapolitik nach Kopenhagen?» wurde neu ins Programm aufgenommen. Das
Thema stieß aufgrund seiner Aktualität auf großes Interesse.
Eva Schmitz hat an der Fachhochschule Ottersberg

von 2006 bis 2010 Kunsttherapie studiert und
wurde von 2008 bis 2010 von der Stiftung mit einem
Studienstipendium gefördert. Sie arbeitet zurzeit als
Integrationsfachkraft in Kindergärten der Arbeiterwohlfahrt Bremen. Während ihres Studiums war sie
am Crawford College of Art and Design in Irland, wo
sie unter anderem ein Fotoprojekt entwickelte. Derzeit
plant sie eine Promotion im Bereich Kunsttherapie und
widmet sich weiterhin ihren fotografischen Projekten.

«Mir ist die Problematik um das Thema Klima
deutlich geworden und dies hat mich angeregt,
in meinem Studium etwas mehr dazu zu arbei­
ten. Auch werde ich hoffentlich zur Klimakonfe­
renz nach Bonn reisen und habe mir bereits jetzt
ein Netzwerk dafür gesucht.»
Teilnehmer des Seminars zur Klimapolitik

Zwei Studienreisen führten die Stipendiatinnen und Stipendiaten nach
Moskau und Israel. Täglich berichteten die Teilnehmenden über Webblogs von ihren Reiseeindrücken. In Israel besuchten sie u. a. die Stiftungsbüros in Tel Aviv und Ramallah, diskutierten mit israelischen und
arabischen Studierenden über den Nahost-Konflikt und besuchten das
Feminist Centre «Isha le Isha» in Haifa.

Qualifizierung des journalistischen Nachwuchses

Studienreise nach Israel
Foto: Cornelia Pfrepper

Dr. Jan Christoph Goldschmidt hat im Fachbereich

Physik an der Universität Konstanz und am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) zum
Thema «Neuartige Solarzellenkonzepte» promoviert.
Seitdem leitet er das Team «Neuartige Solarzellenkonzepte» am Fraunhofer ISE in Freiburg. Von 2006
bis 2009 war er Promotionsstipendiat der Stiftung.

Gemeinsam mit vier Medienpartnern – taz, rbb, Deutsche Welle und der
Agentur Zum Goldenen Hirschen – und mit freundlicher Unterstützung
der Robert-Bosch-Stiftung förderte das Studienwerk auch im dritten
Jahr junge Journalistinnen und Journalisten mit einem Studienstipendium. Zum Qualifizierungsprogramm gehörten auch Veranstaltungen über
journalistische Ethik, über das Schreiben von Reportagen sowie andere
journalistische Darstellungsformen. Ein Seminar zu Fragen der Selbständigkeit unter dem Titel «Erfolgreich frei als Journalist_in» stieß auf
besonders große Resonanz. Denn gut sein allein genügt nicht. Wer frei
arbeiten möchte, muss auch Verkaufsprofi, Kommunikationskünstler/in
und Zeitmanagementexperte/in sein.
Nachwuchsjournalisten aus dem Medienprogramm «Medienvielfalt,
anders», das sich speziell an Migrantinnen und Migranten richtet, nahmen an der Studienreise nach Moskau teil und veröffentlichten ihre Reisereportagen auf der Homepage der Stiftung.
Bereits im fünften Jahr beteiligte sich die Stiftung zudem am «Europäischen Journalisten-Fellowship»-Programm der Freien Universität Berlin (Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft).
Journalisten, überwiegend aus Ost- und Mittelosteuropa sowie aus den
GUS-Staaten, haben die Möglichkeit, ein Jahr lang in Berlin an einer
Recherche zu arbeiten. Wir unterstützten im Jahr 2010 die Journalistin
Justyna Golic´ska aus Polen sowie den Musikredakteur Ivaylo Spasov
aus Bulgarien, der in Berlin zu der Frage «Wie sieht die Zukunft der Musikindustrie aus?» recherchierte.
An einer Studienreise nach Berlin zum Thema «Berliner Politik – Von
der Balance zwischen Außen- & Menschenrechtspolitik» nahmen auf
Einladung acht Alumni der Heinrich-Böll-Stiftung aus Kamerun, Togo,
China, Mexiko und Kanada teil. Die meisten verfolgen nach ihrem erfolgreichen Promotionsstudium in Deutschland nun eine wissenschaftliche Karriere in ihren Heimatländern. Die Teilnehmenden der Berlinreise

51

Nachwuchsförderung

nahmen auch an dem jährlichen Alumni-Salon teil, der sich mit dem
Thema «Konfliktmanagement und Friedenssicherung – Strategien,
(Miss-)Erfolge und Erfahrungen» beschäftigte.

Promotionsförderung und Promotionskollegs
Das jährliche Promovierendenforum bietet unseren Doktorandinnen
und Doktoranden die Chance, Kontakte untereinander zu entwickeln
und auszubauen. Im Zentrum stehen der interdisziplinäre Austausch,
die Diskussion über die gesellschaftspolitische Bedeutung eigener
wissenschaftlicher Fragestellungen sowie unterschiedliche Darstellungs- und Vermittlungsformen wissenschaftlicher Arbeit. Das Promovierendenforum 2010 stand unter dem Thema «Nachhaltigkeit als
Leitbild für Wissenschaft und Forschung?» Dabei ging es u. a. um die
Frage, wie das Leitbild Nachhaltigkeit den Blick sowohl auf eigenes
wissenschaftliches Handeln als auch auf den Wissenschaftsbetrieb
verändert. In weiteren Veranstaltungen für Promovierende ging es
um «Wissenschaftsbasierte Politikberatung als professionelles Tätigkeitsfeld» und «Kommunikative Kompetenzen für interdisziplinäre
Kooperationen».
Seit mehreren Jahren initiiert das Studienwerk zudem Promotionskollegs in Kooperation mit Hochschulen. Die Kollegs bieten den Promovierenden eine qualifizierte Ausbildung im Kollegteam sowie die Vernetzung mit Expertinnen und Experten
aus dem Stiftungsumfeld. Sie unterstützen damit den Austausch
zwischen Wissenschaft und Politik. Im Jahr 2010 wurden zwei
neue Kollegs ausgeschrieben. Eines zum Thema «Ressourcenpolitik und Geschlechtergerechtigkeit in der Globalisierung»,
gemeinsam mit der Humboldt-Universität Berlin und der Leuphana Universität Lüneburg; das zweite zum Thema «Nord-Süd-Beziehungen aus sozial-ökologischer Perspektive» mit der Universität
Kassel und in Kooperation mit der Hans-Böckler-Stiftung.

Frangis Dadfar Spanta , M.A., ist an der Universität
Erfurt Koordinatorin des Propädeutikums «Good
Governance in Afghanistan», das vom DAAD und
dem Auswärtigen Amt im Rahmen des «Stabilitätspaktes Afghanistan» gefördert wird. Ziel
dieses Vorbereitungskurses und des anschließenden
Master of Public Policy ist es, Menschen aus verschiedenen Berufen für den öffentlichen Dienst in
Afghanistan fortzubilden. Frangis Dadfar Spanta
hat von 2001 bis 2007 Deutsche Philologie, Politik,
Philosophie und im Hauptfach Islamwissenschaften
studiert und wurde von 2006 bis 2007 durch die
Stiftung mit einem Studienstipendium gefördert.

Dr. Ulrike Tolkmitt , diplomierte Umweltwissenschaft-

Stipendiatinnen und Stipendiaten nach Herkunftsländern:

10 Mittel- / Südamerika
1 Nordamerika

Afrika 16

5 EU-Staaten
Insgesamt
106 Stipedien

Weitere europäische
Staaten 34

lerin und Bankkauffrau, war von 2008 bis 2010
Promotionsstipendiatin der Stiftung. Ihre Dissertation beschäftigt sich mit der Verbreitung umweltbezogener Informationen nach den Vorschriften des
Energiewirtschafts- und Umweltinformationsrechts.
Derzeit ist Ulrike Tolkmitt Leiterin der Stabsstelle
Klimaschutz des Landkreises Harburg (Niedersachsen), die durch das Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert wird.

40 Asien
Versanstaltungsprogramm
¼ www.boell.de/Stipendien & Mehr

Foto: Jonathan Gröger

Kunst als Seismograf
von Politik und Gesellschaft
«Die Humanität eines Landes lässt sich daran erkennen, was in seinem Ab­
fall landet, was an Alltäglichem, noch Brauchbarem, was an Poesie wegge­
worfen, der Vernichtung für wert erachtet wird.»
Heinrich Böll

Die Kunst ist in ihrem Spiel mit Möglichkeiten, ihrem Vermögen zum for­
malen und gedanklichen Experiment für die heutige Wissensgesellschaft
von essenzieller Bedeutung. Die neu geschaffenen Freiräume der digitalen
Kultur – das schnelle Austauschen von Daten, die kollektive Arbeit an einer
Enzyklopädie oder einem Remix, die globale Kommunikation über Inter­
netplattformen – führen zu einem ungeahnten Ausmaß an Interaktion, das
die Basis für demokratische Bewusstseins- und Willensbildungsprozesse
darstellt. Wir engagieren uns für einen grenzüberschreitenden Diskurs
von Kunst, Wissenschaft und Politik. Wir fördern Kunst und Kultur als Aus­
drucksform gesellschaftlicher Selbstverständigung. Wir veranstalten Lesun­
gen, Vorträge, Podiumsdiskussionen und Seminare mit Schriftstellern aus
der ganzen Welt. Die Pflege des Werks unseres Namensgebers ist eine weite­
re Aufgabe der Stiftung.

53

Kunst und Kultur

Heinrich Böll: Der feierliche Abschluss der Kölner Ausgabe
Am 17. November 2010 fand nach neun Jahren eines der umfangreichsten Editionsprojekte der deutschen Literaturgeschichte seinen Abschluss: die textkritisch durchgesehene und kommentierte Kölner Ausgabe der Werke Heinrich Bölls. In einem Festakt in der Beletage der
Heinrich-Böll-Stiftung wurden die letzten drei der insgesamt 27 Bände
feierlich präsentiert.
Die Werkausgabe ermöglicht eine Neulektüre Bölls, die in vieler
Hinsicht einer Neuentdeckung gleichkommt: Zeitgeschichtliche Entwicklungen und persönliche Wandlungen werden sichtbar, Themen und
Motive lassen sich über die einzelnen Stücke hinweg lesen, wie das bisher noch nicht möglich war. Dazu tragen insbesondere die Kommentierungen bei. Das ambitionierte Projekt des Kölner Verlags Kiepenheuer
& Witsch wurde u. a. durch den Bund, das Land Nordrhein-Westfalen,
die Kunststiftung NRW, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und eine
Reihe weiterer Unterstützer finanziell gefördert. Entscheidenden Anteil
am Zustandekommen hatten die Heinrich-Böll-Stiftung und die Erbengemeinschaft Heinrich Böll.
Beim Festakt sah Staatsminister Bernd Neumann in der Werkausgabe eine gute Voraussetzung dafür, dass das literarische und geistige
Erbe von Heinrich Böll lebendig bleibt und weiter wirken kann. Anspielend auf Bölls Methode des «Gegen-den-Strich-Bürstens affirmativer
Sprechroutinen von Politik, Kirche und Medien» beschrieb Ralf Fücks,
Vorstand der Stiftung, Bölls ästhetische Grundoperation als Methode,
«nicht nur anderes zu sehen, sondern auch das Andere, das Ausgeblendete und Übersehene sichtbar zu machen». Auch Ulrich Greiner, Feuilletonchef der ZEIT, betonte nach einem knappen Statement zur Ausgabe
– «Ich finde sie hervorragend» – die Aktualität des Nobelpreisträgers:
«Wer zum Mitleid imstande ist, kennt auch den Zorn und die Empörung.
Der Ironiker weiß davon nichts. Es könnte aber sein, dass sich das Zeitalter der Ironie seinem Ende nähert, es könnte sein, dass wir wieder auf
Heinrich Böll zurückkommen müssen, um von ihm zu lernen, was Mitleid
heißt.»

27 Bände füllt das Werk Heinrich
Bölls Foto: Stephan Röhl

Kulturstaatsminister Bernd Neumann beim feierlichen
Abschluss der Kölner Ausgabe Foto: Stephan Röhl

Zum 25. Todestag Heinrich Bölls: Bildband «Ansichten»
Heinrich Böll hat über seine Arbeitsweise wie über den Prozess des
Schreibens des Öfteren und gerne Auskunft gegeben. Trotzdem ist vielen Leserinnen und Lesern nicht bekannt, dass Böll zum Teil großflächige, farbige Skizzen seiner Romane entwarf, um sich über das Romangeschehen, die Figuren und ihre Beziehungen Klarheit zu verschaffen.
Dabei entstanden ganz eigene Kunstwerke voll überraschender Details
und Motive.
Zum 25. Todestag Heinrich Bölls veröffentlichten wir Ende August
2010 einen großformatigen Bildband mit den Romanskizzen, die z.T.
noch vor dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs digitalisiert worden waren. Der bibliophil ausgestattete Band «Ansichten» wurde zunächst in
Berlin, dann auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Jochen Schubert, Böll-Experte der Stiftung, veranschaulicht im Katalogtext den
dreistufigen Prozess der Textentstehung bei Heinrich Böll. Die erste
Phase der Werkgenese bezieht sich auf das Stadium der ersten Ideen
und groben Konzeptionen. Die zweite Phase markiert den tatsächlichen
Beginn des Schreibprozesses. Sie führt in einer fortlaufend zwischen
Entwerfen und Verwerfen oszillierenden Schreibbewegung zu ersten
Textkomplexen. Die dritte Phase ist die Arbeit handwerklich verstandener Autorschaft. Dabei nutzte Böll farbige Schemata mit Figuren und
Handlungsabläufen als Erinnerungsstützen und Kompositionshilfen, die
ihn im Einzelfall auch zur Korrektur an der Architektur eines Romans
führten. Besonders spektakulär war die Zäsur in der Werkgenese des Ro-

Ansichten. Die Romanskizzen Heinrich Bölls.

Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung. Deutsch/Englisch
Berlin 2010, Hardcover mit Leinenbezug und Bildumschlag, 30 x 24 cm, 112 Seiten, zahlreiche farbige
Abbildungen, Fotos und Faksimiles, 25,- Euro

54

Kunst und Kultur

mans «Gruppenbild mit Dame», als sich Böll nach etwa 250 Typoskriptseiten zu einer veränderten Textorganisation veranlasst sah, nachdem er
sich die Wechselbeziehungen und Proportionen der Erzählanteile bildhaft vor Augen geführt hatte.

Der Ausverkauf des Schmerzes:
Ausgewählte Texte von Heinrich Böll
In Israel erschien auf Initiative der Heinrich-Böll-Stiftung eine Sammlung politischer Schriften aus den Jahren 1945 – 1985. Ausgewählt und
kommentiert von Hanan Elstein und Adina Stern, vermitteln die erstmals auf Hebräisch vorliegenden Texte einen Eindruck vom politischen
Engagement Heinrich Bölls, seinem humanistischen Credo und seinem
unermüdlichen Einsatz für Menschenrechte. Gerade heute, in einer Zeit
schier unlösbarer politischer Konflikte, können Bölls Gedanken zu Politik und Gesellschaft auch für die israelische Gesellschaft sehr anregend
sein. Das Buch wurde vielfach rezensiert; auch die von der Stiftung in
Kooperation mit dem Goethe-Institut veranstalteten Buchvorstellungen
und Podiumsdiskussionen mit bekannten israelischen Intellektuellen
stießen auf großes Interesse.

Berlinale: Friedensfilmpreis an den irakischen
Regisseur Mohamed Al-Daradji

Ralf Fücks gratuliert dem Preisträger Mohamed Al-Daradji. Foto: Stephan Röhl

Im Jahr des 25. Bestehens des Friedensfilmpreises kürte die zehnköpfige Jury den Film «Son of Babylon» des irakischen Regisseurs Mohamed
Al-Daradji zum Sieger. Der Film spielt im Jahr 2003, wenige Wochen
nach dem Sturz des Saddam-Regimes. Formal im Genre des Roadmovies
angesiedelt, geht es um die Reise einer kurdischen Großmutter und ihres
Enkels Ahmed zum zerstörten Gefängnis in Nasiriya, wo sie ihren Sohn
bzw. Vater Ibrahim vermuten, der 1991 von den Republikanischen Garden verschleppt wurde. Nach einer längeren Odyssee landen die beiden
schließlich bei den Massengräbern im Süden des Landes.
Al-Daradji hat mit seinen beeindruckenden Laiendarstellern inmitten
der realen Exhumierungen gedreht, was den Szenen der Trauer und Verzweiflung eine ungeheure Dringlichkeit verleiht. Er zeigt atemberaubende (Transit-)Räume – urbane Steinwüsten, zerstörte Gefängnisse, hochfrequentierte Busbahnhöfe – und bebildert so auf eindrucksvolle Weise
die Versehrtheit und Vitalität des heutigen Irak.
Laudatorin Carolin Emcke erkannte darin eine probate Gegenerzählung zur oberflächlichen Berichterstattung aus den westlichen Medien.
Der Film habe die Fähigkeit, «daran zu erinnern, dass Kriege nicht einfach aufhören, dass sie nicht einfach vorbei sind, dass die Verluste erst
danach zu spüren und zu entdecken sind».

Deutsch-Israelische Literaturtage: «Heimat im Heute»

Eine zeitgenössische Heimatidee wäre für die
Historikerin Fania Oz-Salzberger ein existenzielles Dazwischen-Sein. Foto: Joachim Loch

«Heimat ist mir das Essen meiner Mutter», sagt Shimon Adaf, israelischer Schriftsteller und Sohn marokkanischer Einwanderer. Wie viele
Menschen, die ihren Herkunftsort verließen, verbindet er dieses unbestimmte Gefühl mit einer Sehnsucht nach Geborgenheit und Vertrautheit. Das hebräische Wort für Heimat, «moledet», würde er jedoch niemals in den Mund nehmen. Zu politisch kontaminiert ist dieser Begriff,
der 1988 namensgebend war für eine rechtskonservative Partei in Israel, die den «freiwilligen Transfer» von Palästinensern aus den besetzten
Gebieten forderte. Heimat, ein toxischer Begriff also, auf den man tunlichst verzichten sollte?
Bei den mittlerweile 3. Deutsch-Israelischen Literaturtagen in Berlin, die die Heinrich-Böll-Stiftung zusammen mit dem Goethe-Institut

55

Kunst und Kultur

austrug, ging es darum, dieses sperrige, unbequeme Wort einem aktuellen Gebrauchstest zu unterziehen – gerade eingedenk der historischen
Last, die es angesichts der jüdischen Diaspora, des Zivilisationsbruchs
der Shoa und der Territorialkonflikte im Nahen Osten mit sich trägt.
Auf den zumeist paarweise besetzten Panels wurde schnell deutlich,
dass die individuelle Heimatsuche nicht mit der oftmals verheerenden
kollektiven Indienstnahme des Begriffs verwechselt werden darf. Die israelische Historikerin Fania Oz-Salzberger bekannte sich zum zionistischen Traum und dem Gemeinschaftsdenken der Kibbuz-Bewegung. Dabei riet sie jedoch dazu, «die Heimat nicht zum Vaterland zu machen».
Wenn es so etwas wie eine zeitgenössische Leitidee der Beheimatung geben sollte, dann wäre es vielmehr das existenzielle Dazwischen-Sein, ein
«Found in Translation», das mitnichten nur Verlust bedeute.
Der gebürtige Istanbuler und Wahlberliner Zafer Şenocak betonte
die Bedeutung der Sprache als Moment der Geborgenheit und Identitätsstiftung. Er erzählte von seiner Ankunft im München der siebziger
Jahre und seiner persönlichen «Kopfsprache», die mit nationalen Grenzziehungen nicht korrespondierte. Insbesondere für Schriftsteller sei es
spannend, aus einem gemischt-kulturellen Kontext heraus «die richtigen
Frequenzen zu finden».

Tagung: Gottes Werk und Googles Beitrag
Aktuelle Nachrichten sind heute kostenlos über das Internet oder mobile
Applikationen zu beziehen. Von den damit verbundenen Werbeerlösen
profitiert vor allem ein Unternehmen wie Google, das mit 85 Prozent den
Markt der Suchmaschinen dominiert. Nun möchten auch deutsche Zeitungsverlage mitverdienen. Die geistige Wertschöpfung von Urhebern
und Werkmittlern müsse auch im digitalen Raum ihren Preis haben, fordert die Zeitungsbranche. Ein eigenes «Leistungsschutzrecht für Presseverlage» soll ihnen dafür eine gesetzliche Grundlage geben. Im Januar
2010 lud die Heinrich-Böll-Stiftung zu einer Podiumsdiskussion, um das
Pro und Contra einer solchen indirekten Subvention zu diskutieren.
Das neue Gesetz soll den Verlagen die Möglichkeit verschaffen, ein
Lizenzmodell für die «gewerbliche Nutzung» journalistischer Erzeugnisse zu entwickeln. Davon betroffen wären neben Google auch andere
Unternehmen, z.B. Banken, die Wirtschaftsartikel geschäftlich nutzen.
Eine extra dafür geschaffene neue Verwertungsgesellschaft solle gewissermaßen als «Gema für die Presse» den Gebühreneinzug managen, so
Christoph Keese, zuständig für Public Affairs bei der Axel Springer AG.
Der grüne Medienpolitiker Malte Spitz warnte davor, die Refinanzierung
von Journalismus ausgerechnet durch ein neues abgeleitetes Schutzrecht
anzustreben. Auf der Suche nach tragfähigen Geschäftsmodellen sollten
die Verlage eher Alternativvorschläge wie die Kulturflatrate ernst nehmen. Zudem sei fraglich, wie zwischen «gewerblicher» und «privater»
Nutzung von Online-Texten in der Praxis sauber unterschieden werden
könne.
Eva-Maria Schnurr, freie Journalistin und stellvertretende Vorsitzende von Freischreiber e.V., ließ sich zudem nicht davon überzeugen,
dass Autoren und Verlage in dieser Angelegenheit im selben Boot säßen.
Sie befürchtete, dass ein neues Leistungsschutzrecht in der Praxis gegen
das Urheberrecht der Freien ausgespielt werden könnte. Sogenannte
«Total-Buyout»-Verträge verhinderten bereits heute immer wieder eine
Weiterverwertung von Texten durch die Autoren.

Konferenz: netz:regeln – Wie weiter im Internet?
Mit dem Appell an Bloggerinnen und Netzaktivisten, die Politik weder
rechts noch links liegen zu lassen, machte Hans-Joachim Otto (FDP),

Copy.Right.Now! Plädoyers für ein zukunftstaugliches Urheberrecht

Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung in Zusammenarbeit mit iRights.info

¼ http://leistungsschutzrecht.info

56

Kunst und Kultur

MdB Konstantin, Mitglied der Enquetekommision Internet und Digitale Gesellschaft Foto: Stephan Röhl

IT-Journalistin Monika Ermert

Foto: Stephan Röhl

Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, im Oktober 2010 den Auftakt zum ersten netzpolitischen Dialog der Heinrich-Böll-Stiftung und
des Branchenverbands BITCOM. Mit dem Dialog soll der Austausch
von Wirtschaft, Politik und jenen gefördert werden, die immer gerne als
«Netzgemeinde» tituliert werden. Auch wenn es nicht so herauskomme,
Netzpolitik habe für den Bundeswirtschaftsminister einen hohen Stellenwert, unterstrich Otto. Das Wirtschaftsministerium arbeite aktuell
an der künftigen IKT-Strategie, die Themen wie Netzneutralität, Datenschutz und Datensicherheit, Verbraucherschutz und Urheberschutz sowie die Sicherheit des Netzes beinhaltet. Professor Bernd Holznagel von
der Universität Münster begrüßte das Bemühen der Politik, auf einen
Neustart der Netzpolitik in Deutschland hinzuarbeiten. Er drängte angesichts der Forderung nach immer schärferen gesetzlichen Instrumenten
auf mehr Forschung zu den geplanten Effekten und möglichen Nebenwirkungen neuer Maßnahmen.
Einen harten Schlagabtausch zum Urheberrecht und auch zum aktuell neu diskutierten Verlegerleistungsschutzrecht lieferten sich Vertreter von Rechteinhabern und Zeitungsbranche auf der einen und grüne
Politiker und kritische Urheberrechtsexperten auf der anderen Seite.
Christian Sommer, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU), warnte, Piraterie führe
zum Wegbrechen der «Mittelschicht» in der Filmproduktion. Konstantin
von Notz, Mitglied der Enquetekommission Internet und Digitale Gesellschaft, wies dies als «total verkürzte Darstellung» zurück. Natürlich
gebe es Jugendliche, die Unmengen von Videos und Musikstücken herunterladen. Es sei aber nicht redlich zu suggerieren, dass daraus ein
direkter monetärer Schaden für die Rechteinhaber entstehe. Von Notz
hielt, wie auch Christopher Lauer von der Piratenpartei, weitere Änderungen im Urheberrechtsgesetz nicht für notwendig. Insbesondere eine
Verfolgung Einzelner und die Einschränkung von Grundrechten – etwa
durch Zugangssperren – seien abzulehnen. Jean-Pierre Crapet von der
Deutschen Telekom (DTAG) mahnte an, vor allem ein besseres legales
Angebot zu machen. Dafür gebe es aktuell noch immer zu viele Hürden
für Anbieter wie die Deutsche Telekom. Auch Staatssekretär Hans-Joachim Otto forderte die Rechteinhaber und insbesondere die Musikindustrie auf, sich umzustellen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

New Kids on the Blog – Junge arabische Literatur im Netz
Arabische Blogger und Bloggerinnen haben mit ihren politischen Aktionen in den vergangenen Jahren viel internationale Aufmerksamkeit
erzielt. Weniger beachtet sind diejenigen, die die neuen sozialen Medien
nutzen, um Literatur zu schreiben. Gerade jungen Autoren hilft das Internet, die weitverbreitete politische Zensur, religiöse «rote Linien» und
den kulturellen Mainstream zu umgehen. Insbesondere junge Frauen haben es geschafft, Tabus zu brechen und der neuen arabischen Generation,
die sich nach Wandel und Erneuerung sehnt, eine unzensierte literarische Stimme zu verleihen. Auf einer Veranstaltung der Heinrich-BöllStiftung im September 2010 während des Internationalen Literaturfestivals in Berlin haben vier junge Autoreninnen und Autoren aus Libyen,
Irak, Sudan und Ägypten aus ihren Blogs gelesen und im Anschluss über
Literatur, Meinungsfreiheit, Gender und Identität in den neuen Medien debattiert. Unser Stiftungsbüro in Ramallah hatte die Teilnahme der
Bloggerin Ghada Mohamed Mahmoud aus Kairo am Literaturfestival
organisiert. Ghada ist 1984 geboren, studierte Englisch und betreibt das
Blog «Ma’a Nafsi»: http://ma3nafsi.blogspot.com (auf Deutsch: Mit mir
selbst). Nach drei Jahren wollte der ägyptische Verlag Al Shorouk ihre
Texte als Buch veröffentlichen. Es ist inzwischen in der vierten Auflage
erschienen.

57

Heinrich-Böll-Haus Langenbroich

Refugium für
Künstlerinnen und Künstler
Weltweit vertreten Künstlerinnen und Künstler Positionen zu politischen
und gesellschaftlichen Themen. Durch ihren Einsatz für die Freiheit des
Geistes leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung und zum Er­
halt von Demokratie und Menschenrechten. Wir unterstützen dieses En­
gagement durch unser Künstlerprogramm im Verein Heinrich-Böll-Haus
Langenbroich e.V.

In bewährter Zusammenarbeit mit der Stadt Düren und dem Land Nordrhein-Westfalen konnten im Jahr 2010 Künstlerinnen und Künstler aus
Asien, Afrika, Ost- und Südosteuropa in das ehemalige Wohnhaus der
Familie Böll eingeladen werden. Die Gäste finden dort Zeit, ungestört
zu arbeiten, sind finanziell abgesichert und frei von staatlicher Kontrolle
oder gar Verfolgung. Die Stiftung ist damit Teil eines weltweiten Netzwerkes von Institutionen, die politisch verfolgten Autorinnen und Autoren Hilfe anbieten.

Gäste im Heinrich-Böll-Haus Langenbroich 2010
Swetlana Alexijewitsch, Journalistin und Schriftstellerin aus Minsk/
Weißrussland (Jahrgang 1948). In Belarus sind regimekritische Autoren Repressionen und Gefahren für ihr Leben ausgesetzt. Auch die Bücher
von Alexijewitsch sind in ihrer Heimat verboten, während sie weltweit
übersetzt und für Theaterstücke und Dokumentarfilme adaptiert wurden. Sie erhielt zahlreiche Preise, darunter den Erich-Maria-RemarqueFriedenspreis der Stadt Osnabrück (2001) und den Kurt-TucholskyPreis des Schwedischen PEN (1996). Bekannt ist sie insbesondere für
die Begründung einer eigenen literarischen Gattung – den «Roman in
Stimmen», eine auf Interviews basierende dokumentarische Prosa, in
der sich die originalen Stimmen der Befragten künstlerisch zu einem
Seelenpanorama verdichten. Ihre Prosabände stellen eine beeindruckende Mentalitätsgeschichte – nicht nur der Sowjetunion – dar: Der Krieg
hat kein weibliches Gesicht (1985, dt. 1987), Die letzten Zeugen (1985,
dt. 1989), Zinkjungen. Afghanistan und die Folgen (1989, dt. 1992), Im
Banne des Todes (neuer Titel Seht mal, wie ihr lebt, 1993, dt. 1994) und
schließlich der Band Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft, für den sie
1998 den Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung bekam.

Heinrich-Böll-Haus-Langenbroich

Swetlana Alexijewitsch

Siham Bouhlal, Schriftstellerin und Übersetzerin aus Casablanca/Ma-

rokko (Jahrgang 1966) lebt heute in Paris. In ihren kurzen, eleganten
Gedichten über Liebe und Tod verzichtet sie auf jegliche Interpunktion,
um den Rhythmus der Texte erfahrbar zu machen. Bouhlal schreibt ihre
Gedichte auf Französisch, mit ihrem Reichtum an Farben und Düften
stehen sie jedoch in einer deutlich arabischen Tradition. Von Bouhlal
liegen mittlerweile drei Gedichtbände vor: Poèmes bleus (2005), Songe d´une nuit berbèrer ou La tombe d´épines (2007), Corps Lurnière
(2008). 2009 ist außerdem ihr erster Prosaband Princesse Amazigh
erschienen.

Siham Bouhlal

58

Laslo Blaškovi´c

Heinrich-Böll-Haus Langenbroich

Laslo Blaškovi´c, Romancier, Lyriker und Essayist aus Novi Sad/Serbien
(Jahrgang 1966), ist Direktor des Kulturzentrums in Novi Sad und Redakteur bei der Literaturzeitschrift Polja (Felder). Seine intime Prosa
stellt einen tragikomischen Alltag dar, häufig ironisch und parodistisch,
manchmal auch in Zynismus gefärbt. Blaškovi´
c spielt mit Details der eigenen Biografie, aber auch mit literarischen Vorbildern oder Persönlichkeiten der Literaturszene seiner Heimatstadt. Zu seinen bedeutendsten
Werken zählen u. a. der Lyrikband Žene pesnika (Die Frauen der Dichter, 2006), die Romane Svadbeni marš (Hochzeitsmarsch, 1997) und
Turnir grbavaca (Das Turnier der Buckligen, 2007) sowie die Erzählung
Pri´
ca o Malaksalosti (Geschichten über das Unwohlsein, 2010). Prosa
und Gedichte von Laslo Blaškovi´
c sind ins Englische, Französische, Ungarische, Rumänische, Slowakische, Ukrainische, Bulgarische und Slowenische übersetzt worden. Auf Deutsch erschienen ist bisher der Roman
Schmuck der Madonna (2011).
Amir Hassan Cheheltan, Schriftsteller aus Teheran/Iran (Jahrgang

Amir Hassan Cheheltan

1956), gilt als einer der bedeutendsten Autoren seines Landes und
scharfsichtiger Analytiker der politischen Situation. Nach seinem Studium in England kehrte er 1981 in einen vom Krieg beherrschten Iran
zurück. Sein Roman Die Klage von Qassem, den er während seines Wehrdienstes verfasste, durfte erst 2002 unter strengen Auflagen erscheinen.
Im Jahr 1998, als die Lage für kritische Intellektuelle im Iran lebensgefährlich wurde, konnte er als «Writer in Residence» des Internationalen
Schriftstellerparlaments nach Italien gehen. Dort entstand sein Roman
Teheran, Stadt ohne Himmel. Seit seiner Rückkehr nach Teheran 2001
ist Cheheltan auch als Drehbuchautor und Essayist tätig, u. a. für die
Frankfurter Allgemeine und die Süddeutsche Zeitung. Bekannt sind von
ihm zudem der Erzählband Am stummen Fenster (1979) und der Roman Teheran Revolutionsstraße (dt. 2009), der in seiner Heimat bislang
nicht erscheinen durfte.
Ajith Herath, Lyriker, Journalist und Karikaturist aus Sri Lanka (Jahrgang 1967), und Babangoni Kubvala Chisale, Lyriker und Performer aus
Malawi (Jahrgang 1981); beide wurden bereits im Jahresbericht 2009
vorgestellt.

Bewerbungen an:
Heinrich-Böll-Stiftung, Frau Sigrun Reckhaus
c/o Stadtbibliothek
Josef-Haubrich-Hof 1
50676 Köln
T 0221-283 48 50 F 0221-510 25 89
E reckhaus@boell.de

Tu brûles mes poèmes
En quelle langue sont-ils ?
La langue d’amour n’a point de nom
Qui brûle l’autre
Ton feu ou mon poème ?
Siahm Bouhlal

Aus: «Poèmes bleus», éditions Tarabuste,
Saint-Benoît-Du-Sault, 2005.

Lesungen und Ausstellungen der Gäste
«Die Freiheit des Wortes – Das Heinrich-Böll-Haus und seine Gäste», Lesung und Diskussion mit Stefan Weidner, Siham
Bouhlal, Ajith Herath und Jovan Nikoli´c in der Zentralbibliothek Köln in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung NRW
«The ear is a long road», Lesung mit Babangoni Kubwala Chisale und Emmanuel Eni in der Literaturwerkstatt Berlin
«Literatur Live auf Schloss Burgau», Lesung mit Pinar Selek
und Lindita Arapi auf Schloss Burgau, Düren, in Kooperation
mit dem Lions Club Düren und der Stadt Düren
«11. Poesiefestival Berlin 2010 – Mittelmeer», Lesung mit
Siham Bouhlal und Alaa Khaled, Akademie der Künste Berlin,
in Kooperation mit der Literaturbrücke Berlin e.V.
«UNESCO-Welttag der Poesie», Stiftung «Brandenburger
Tor», in Kooperation mit der Literaturwerkstatt Berlin u. a.
«Swetlana Alexijewitsch im Gespräch mit Diana Siebert», Lesung im Lew Kopelew Forum, Köln, in Kooperation mit dem
Lew Kopelew Forum und der Heinrich-Böll-Stiftung
«Stimmen Afrikas», Lesung mit Babangoni Kubwala Chisale
und Siham Bouhlal im Allerweltshaus Köln, in Kooperation mit
der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW

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GreenCampus – Weiterbildung, Politik, Management

Politik erfolgreich machen
Unter dem Dach von GreenCampus vereinen sich die Weiterbildungsange­
bote der Heinrich-Böll-Stiftung und ihrer Landesstiftungen im Bereich Po­
litikmanagement. Mit GreenCampus bieten wir Qualifizierung, Wissen und
Beratung für politische Organisationen und Akteure an – vom ehrenamtlich
Aktiven bis zum Profi. GreenCampus leistet damit einen Beitrag zum Aufund Ausbau von Kompetenzen, die für die erfolgreiche politische Arbeit und
gesellschaftliche Partizipation notwendig sind. Im Mittelpunkt steht für
uns das gelungene Zusammenspiel aus Theorie und praxisnaher Aufberei­
tung. Die Weiterbildungsangebote schlagen die Brücke «vom Wissen zum
Handeln».
Das neue Politikmanagementzertifikat – Mit einem praxisbezogenen Seminarangebot, das Module aus den unterschiedlichen Bereichen des politischen Handwerks – von Kommunikation bis Personalentwicklung – umfasst, können politisch Aktive ihren individuellen Qualifizierungsbedarf
und ihre persönlichen Interessen bei GreenCampus optimal miteinander
vereinbaren. Das von den Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung
in vielen Bundesländern angebotene GreenCampus-Politikmanagementzertifikat haben wir 2010 überarbeitet, vereinfacht und noch attraktiver
gestaltet. Derzeit werden gut 20 thematisch und methodisch aufeinander
abgestimmte Module aus den Bereichen Kommunikation, Organisation
und Gender angeboten. Das Politikmanagementzertifikat wird nach 130
Unterrichtsstunden vergeben.

(v.l.n.r.) Das GreenCampus-Team in Berlin, Robert Heuer (Assistent), Christian Neuner-Duttenhofer (Leiter), Maria Pajonk (Koordinatorin)

Weiterbildung als maßgeschneiderte Dienstleistung – Neben der breiten
Angebotspalette der Landesstiftungen macht GreenCampus mit über 50
Bestellseminaren Weiterbildung zu einer maßgeschneiderten Dienstleistung für Teams und Organisationen. In den letzten Jahren hat GreenCampus in Deutschland und im europäischen Ausland mehrere hundert
Bestellseminare mit weit über 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern
durchgeführt. Die Themen waren vielfältig: politische Kampagnen, Entwicklung politischer Botschaften, Krisenkommunikation, Teambuilding, Führungskräftetrainings, Projektmanagement sowie Gender- und
Diversity-Seminare.
«Workshop Spezial» – Die Workshops richten sich an einen großen Kreis

von Adressatinnen und Adressaten. Sie dienen nicht nur der Wissensvermittlung, sondern auch dem Austausch zwischen Parteien, Fraktionen,
Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen, Initiativen, Vereinen,
Universitäten, Unternehmen und Agenturen. Besonders gefragt sind die
«Workshops Spezial» zu EU-Förderung, zu Genderkompetenz für Trainerinnen und Trainer, zum Schreiben politischer Reden sowie zu SocialMedia-Strategien.

»Was innerhalb eines Tages alles möglich ist,
hätte ich nicht vermutet. Das Seminar hat mich
zum Teil verändert.»
Statement zum Seminar «Medientraining: unter Zeitdruck»

Das gesamte Programm und zusätzliche
aktuelle Angebote unter
T 030-285 34-144
¼ www.greencampus.de

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Grüne Akademie

Wissenschaft im Dialog mit Politik –
die Grüne Akademie
Die Grüne Akademie der Heinrich-Böll-Stiftung ist ein unabhängiges Forum
für gesellschaftliche Fragen an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft
und Politik. Die Veranstaltungen der Akademie richten sich an die rund 60
ehrenamtlichen Mitglieder sowie Wissenschaftler/innen, Expert/innen aus
Verbänden und NGOs sowie grüne Politiker/innen. Mit unserer Akademie
wollen wir Debatten ermöglichen, für die im Allgemeinen Zeit und Ressour­
cen fehlen, und Anstöße für politische Reformen geben.

¼ www.gruene - akademie.de

Die Grüne Akademie beschäftigte sich im Jahr 2010 vor allem mit den
Auswirkungen des Klimawandels auf Demokratie, Kultur und Alltag. So
stellte die Jahrestagung im Januar die Frage: «Wie sollen wir leben?»
Harald Welzer, Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen
(KWI) und Autor des Buches «Klimakriege», sowie Reinhard Loske, derzeit grüner Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa in der Hansestadt Bremen, gaben unterschiedliche Antworten. Welzer verstand die
Frage als eminent politisch. Der Umbruch zu einer «postkarbonen Gesellschaft» stelle sich heute nicht selbstläufig ein, wie in der ersten industriellen Revolution, sondern könne nur intentional erfolgen. Er forderte
eine nach dem «politischen Quietismus» der letzten 20 Jahre erneute Politisierung der Gesellschaft. Loske vertrat demgegenüber eine Position
des pragmatischen «Maßhaltens». Zu sehen sei, dass ein rein ökotechnischer Ansatz zu kurz greife und dass zudem Effizienzgewinne durch
verbesserte Technologien vom steigenden Konsum aufgehoben würden.
Mit einer Wiederauflage der Verzichtsdebatte sei es jedoch nicht getan,
vielmehr müsse man auf neue Möglichkeiten setzen und eine «Entfaltungsdebatte» in Gang bringen. Das Nachhaltigkeitsprinzip kenne zwei
Wege, den kulturellen und den technischen: jener kreise um Begriffe wie
Suffizienz, Verteilung oder das rechte Maß, dieser um Effizienz, Konsistenz und Risikominderung. Den Grünen riet Loske, nicht nur auf den
technischen Weg zu setzen, sondern die Chance für ihre Vorreiterrolle
darin zu sehen, dass sie auch auf aktuelle kulturelle Fragen wieder Antworten formulierten.
Bei der Sommerakademie im Juni erhielt die Debatte einen anderen
Fokus: Können Demokratien zukunftsverantwortlich handeln? Wie können sie den ökologischen Wandel gestalten? Rechtsphilosoph Christoph
Möllers wie auch Thomas Saretzki, Mitglied am Zentrum für Demokratieforschung, stellten fest, dass unklar sei, ob Demokratien auf Umweltfragen besser eine Antwort geben könnten als Diktaturen. Tine Stein,
Professorin für Politikwissenschaft, begründete ein Versagen des Verfassungsstaates damit, dass er die politische Vernunft jenseits von Mehrheiten nicht wirksam auf nachhaltige Lösungsvorschläge konzentriere.
Mögliche Reformen wären durch die Verankerung ökologischer Interessen im Grundgesetz und durch einen «Ökologischen Rat» möglich. Informationen zu weiteren Veranstaltungen der Grünen Akademie finden sich
unter www.gruene-akademie.de.

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Archiv Grünes Gedächtnis

Grüne Geschichte zugänglich machen
Das Archiv Grünes Gedächtnis dient der historischen Überlieferung der
Partei Bündnis 90/Die Grünen und sammelt die Quellen zur Geschichte der
Neuen Sozialen Bewegungen. Es ist das Gedächtnis der Partei und zugleich
der Ort, an dem Transparenz hergestellt wird: Alle im Archiv gesammelten
Unterlagen werden unter Berücksichtigung der notwendigen Schutzregeln
der interessierten Öffentlichkeit und der wissenschaftlichen Forschung zur
Verfügung gestellt.
Veranstaltungen: In Zusammenarbeit mit dem Referat Zeitgeschichte
der Heinrich-Böll-Stiftung veranstaltete das Archiv ein dreitägiges Kolloquium «Friedensbewegung und Zweiter Kalter Krieg: Europäische und
transatlantische Perspektiven», in dem 15 aktuelle Forschungsprojekte
präsentiert und besprochen wurden. Denn mit dem 30-jährigen Jubiläum
der Grünen laufen auch die üblichen archivischen Sperrfristen aus, und
die Zeit und der Kontext, in dem die Partei entstanden ist, rückt in das
Blickfeld der zeitgeschichtlichen Forschung. So beteiligten sich auch das
Deutsche Historische Institut in Washington und die Universität Augsburg an diesem Projekt.
«Die Grünen in der Zeitgeschichte» ist auch der Titel einer neuen Reihe, die die Thematisierung der Grünen in der historischen Fachwissenschaft betrachtet. Den Auftakt machten Saskia Richter, Autorin einer
Petra-Kelly-Biografie, und Paul Nolte, Professor für Zeitgeschichte an
der FU Berlin. Sie deuteten den Strukturbruch in der Mitte der 1970erJahre als ein konstituierendes Moment für die Entstehung der Grünen.
Die Reihe «Zeitzeugengespräche» beschäftigte sich mit dem 30. Jahrestag der Parteigründung und mit der Niederlage bei der Bundestagswahl 1990 sowie der Geschichte der DDR-Opposition. Themenschwerpunkt des letzten Jahrbuchs, in dem auch das Gespräch mit Eva Quistorp
«Die Seele der Grünen» veröffentlicht ist, waren die Grünen in Europa.
Archivierung: Bearbeitet wurden u. a. persönliche Unterlagen aus dem
Petra-Kelly-Nachlass und Dokumente der Bundestagsfraktion zur Osteuropapolitik im Zeitraum von 1998 bis 2002. Ein neu begonnenes Projekt ist die Erschließung der Akten des Europaabgeordneten Frieder Otto
Wolf, das bis Juni 2011 läuft. Christine Tietz, Studentin des Archivwesens an der FH Potsdam, bearbeitete im Rahmen ihres Praxissemesters
die Archivalien der Frauenaktion 70 und des Netzwerks Friedenssteuer,
die nun uneingeschränkt genutzt werden können.
Weitere fortlaufende Projekte sind die Archivierung der Internetseiten der Grünen und die Pflege der Plakat- und Fotosammlung sowie der
Ton- und Videosammlung. In der Präsenzbibliothek des Archivs wurden
1.850 neue Titel katalogisiert.
Erwerbungen: Das Archiv hat im Laufe des vergangenen Jahres regelmäßig Unterlagen von einzelnen Bundestagsabgeordneten, Referaten
der Bundestagsfraktion, der Bundesgeschäftsstelle und einzelnen Landesgeschäftsstellen erhalten. Dabei wurden erstmals Akten des Landesverbands Thüringen archiviert. Unter den neuen Archivalien befanden
sich auch Plakate, Bilder und Bilddateien sowie Filme.
Archivnutzung: Die Anzahl der Nutzerinnen und Nutzer des Lesesaals ist
gegenüber dem Vorjahr wieder zurückgegangen. Sie betrug 245, was
dem Durchschnitt der letzten drei Jahre entspricht. Dies liegt im Superwahljahr 2009 begründet, in dem ein deutlicher Zuwachs bei den Anfragen an das Archiv zu verzeichnen war.

Eva Quistorp auf der Bundesfrauenkonferenz der
Grünen in Köln 1985. Foto: Frank Darchinger
�

Grünes Gedächtnis 2010

Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Berlin 2010, 120 Seiten

Download ¼ www. boell.de/publikationen

62

Gäste und Partner der Stiftung

Gäste und Partner der Stiftung

John Podesta, Präsident und CEO des
Center for American Progress. Er war
unter Clinton Stabschef im Weißen Haus
und beriet Präsident Obama bei der
Regierungsübernahme. Im Oktober 2010
hielt er in der Stiftung einen Vortrag
über «Nachhaltiges Wachstum».

Monika Hauser, Gründerin von medica mondiale e.V., einer Organisation,
die sich für Frauen in Krisengebieten
einsetzt. Für ihre Arbeit erhielt sie
2008 den Alternativen Nobelpreis. Im
Oktober 2010 beteiligte sie sich an der
Konferenz zur UN-Resolution 1325.

Baltasar Garzón, Untersuchungsrichter
an der Audiencia Nacional und Berater
am Internationalen Strafgerichtshof. Im
November 2010 diskutierte er mit Tom
Koenigs, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, in der Heinrich-Böll-Stiftung.

Roshan Dhunjibhoy, Fernsehjournalistin
und langjährige Leiterin des Büros der
Heinrich-Böll-Stiftung in Lahore. Nach
ihrer Pensionierung zog sie nach Thailand
und gründete eine NGO für Straßenhunde.
Noch immer mit der Stiftung verbunden,
nahm sie im März 2011 an einer Konferenz
in Pakistan teil. Ende April 2011 starb
sie im Alter von 80 Jahren. Wir trauern.

Raphael Wakenge, Menschenrechtsaktivist in der DR Kongo und Preisträger des
Ökumenischen Friedenspreises für Zentralafrika. Im Juni 2010 nahm er an einer
internationalen Expertenkonferenz der
Stiftung zu Lösungsansätzen für die fortdauernden Konflikte in der DR Kongo teil.

Urvashi Butalia, Schriftstellerin und
Gründerin des ersten feministischen Verlages in Indien. Für ihre Arbeit wurde sie
2011 mit dem «Padma Shri» ausgezeichnet, ein Preis der indischen Regierung
für bürgerliches Engagement. Sie ist
langjährige Projektpartnerin der Stiftung.

François Jullien, französischer Philosoph
und Sinologe. Im August 2010 erhielt er
für seinen Einsatz für einen praktizierten
Pluralismus westlicher und chinesischer
Denktraditionen den Hannah-ArendtPreis für politisches Denken. Der mit
7.500 Euro dotierte Preis wird seit 1995
verliehen und von der Stadt Bremen und
der Heinrich-Böll-Stiftung gestiftet.

Mohamed Al-Daradja, irakisch-niederländischer Regisseur. Im Februar 2010
wurde er für den Film «Son of Babylon»
mit dem Friedensfilmpreis der Berlinale
ausgezeichnet. Das Preisgeld von 5.000
Euro stellt die Heinrich-Böll-Stiftung.

Marianne Fritzen, Atomkraftgegnerin. Sie gilt als Symbolfigur für den
gewaltfreien Widerstand gegen die
Castor-Transporte und des breiten
Bündnisses in der Region. 2010 wurde
sie dafür mit dem Petra-Kelly-Preis der
Heinrich-Böll-Stiftung ausgezeichnet.

Fotos: dpa (Podesta), Stephan Röhl (Hauser, Al-Daradja), Tom Koenigs (Garzón), Andreas Conrad (Fritzen)

Die Stiftung im neuen Haus

Die Stiftung im neuen Haus

«Ü30! – Die Grünen vor neuen
Herausforderungen»
«Ich will so bleiben wie ich bin», dieser Satz funktioniere für
die nächsten 30 Jahre nicht mehr, so Ralf Fücks in seiner
Begrüßung zur Diskussion «Ü30». Die Heinrich-Böll-Stiftung brachte führende Grüne mit Gästen aus Kultur, Wissenschaft, Unternehmen und Gewerkschaften zusammen,
um der Partei einen Spiegel vorzuhalten und gemeinsam
darüber zu reden, welches die großen grünen Themen der
nächsten zehn Jahre sind. Über das Verhältnis der Grünen
zum Kulturbetrieb diskutierten z.B. die Parteivorsitzende
Claudia Roth, S
¸ermin Langhoff (Künstlerische Leitung Ballhaus Naunynstraße Berlin), Burkhard Spinnen (Schriftsteller) und Mariam Lau (Korrespondentin der ZEIT).
Foto: Stephan Röhl

Ohne Frauen keinen Frieden
Es sind weltweit vor allem Frauen, die sich über ethnische,
nationale und religiöse «Feindeslinien» hinweg für friedliche Konfliktlösungen einsetzen. Dies erkannte auch der UNSicherheitsrat, als er am 31. Oktober 2000 die Resolution
1325 «Frauen, Frieden und Sicherheit» verabschiedete, die
die Einbeziehung von Frauen auf allen Ebenen von Friedensprozessen verlangt. Zehn Jahre sind seither vergangen – und immer noch sitzen kaum Frauen an Friedenstischen; die Hoffnungen und Erwartungen sind weitgehend
unerfüllt geblieben. Mit Fotos und Porträts von Friedensfrauen, mit Zahlen, Fakten und Geschichten zog eine Ausstellung eine Bilanz der Umsetzung von Resolution 1325
und erzählte einige wenige Erfolgsbeispiele.
Foto: Stephan Röhl

Einem Autor folgen … Kölner Ausgabe der
Werke Heinrich Bölls
Mit dem Erscheinen der letzten drei Bände fand das von der
Heinrich-Böll-Stiftung unterstützte Editionsprojekt 2010
seinen feierlichen Abschluss. Ulrich Greiner (DIE ZEIT)
widmete seine Rede dem Autor Böll: «Wer zum Mitleid imstande ist, der kennt auch den Zorn und die Empörung. Der
Ironiker weiß davon nichts. Warum sollte er sich empören?
Er hat ja seine Ironie. Böll allerdings war zornig bis zuletzt,
und auch dieser Zorn ist eine ästhetische Kategorie, eine Kategorie der Wahrnehmung. Wir aber, wir Zeitgenossen sind
abgebrüht, wir leben in ironischen Zeiten. Wir sind bestens
informiert, und wir lächeln ironisch über das, was die Informationen an Skandal enthalten.» Foto: Stephan Röhl

63

64

Stiftungsmanagement

Stiftungsmanagement

Dr. Birgit Laubach, Geschäftsführerin
der Heinrich-Böll-Stiftung

Im Jahr 2010 konnte die Stiftung ihre entwicklungspolitische Arbeit
aufgrund von höheren Einnahmen ausweiten. Auch hochbegabte und gesellschaftlich engagierte Student/innen und Promovierende konnten wir
aufgrund höherer Mittelzusagen des zuständigen Ministeriums verstärkt
fördern. Der gewachsenen politischen und gesellschaftlichen Verankerung von Bündnis 90/Die Grünen nach den Bundestagswahlen wurde bei
der Stiftungsfinanzierung Rechnung getragen – die Zuwendungen stiegen leicht. Eine gesetzliche Grundlage für die Finanzierung der politischen Stiftungen lässt leider immer noch auf sich warten; ein Stiftungsfinanzierungsgesetz wäre hier ein wichtiger und erwünschter Schritt.
Wirtschaftliche Entwicklung

Die Heinrich-Böll-Stiftung e.V. finanziert sich fast ausschließlich aus öffentlichen Zuwendungen. Im Jahr 2010 standen insgesamt 45.647.213 ¤
zur Verfügung. Mit ergänzenden EU-Mitteln in Höhe von 861.395 ¤
konnten Projekte mit Partnerinnen und Partnern in vielen Ländern
durchgeführt werden, u. a. in Kenia, Israel und im Südkaukasus. Die Zahl
der Freundinnen und Freunde, die unsere gesellschaftspolitischen Anliegen unterstützen und kleine Projekte jenseits des Zuwendungsregimes
ermöglichen, ist 2010 erfreulich gewachsen. Wir wünschen uns natürlich, dass die Arbeit der Stiftung noch mehr durch engangierte Menschen
gefördert wird. Nach wie vor ist es problematisch, dass die HeinrichBöll-Stiftung – im Unterschied zu allen anderen politischen Stiftungen
– über ein äußerst geringes Eigenkapital verfügt und damit zu nahezu 99
Prozent zuwendungsfinanziert ist. Das schmälert die Möglichkeiten für
gesellschaftspolitisches Engagement jenseits der Projektfinanzierung
durch die Bundesministerien oder die Europäische Kommission erheblich. Darum wollen wir Menschen, die sich für die Ziele der Stiftung engagieren, ansprechen und um Unterstützung unserer Projekte bitten, sei
es durch Spenden, Schenkungen oder Vermächtnisse.
Mit dem Angebot wachsen die Anforderungen

Im Jahr 2010 haben wir das bildungspolitische Angebot der HeinrichBöll-Stiftung in Berlin mit mehr als 350 Abendveranstaltungen, Tagungen, Konferenzen oder Fachgesprächen wie auch durch gemeinsame Projekte mit den Landesstiftungen in anderen Teilen Deutschlands
weiter aufgefächert. Das gute Feedback aus Befragungen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen unserer Veranstaltungen bestätigt, dass wir
mit unseren Angeboten «richtig» liegen, also gesellschaftlich wichtige
Themen aufgreifen. Auch die Weiterbildungsakademie GreenCampus
hat sich mit einer nahezu 99-prozentigen Zustimmung zur Qualität ihrer
Weiterbildungsangebote erfolgreich etabliert.
Nicht so vorangekommen wie geplant sind die Verbesserung der Geschäftsprozesse und die damit einhergehende Modernisierung unserer
IT-Anwendungen. Die Anbindung der Auslandsbüros an das Stiftungsnetz wird noch einige Zeit dauern. Gleiches gilt für die geplante Onlinebewerbung künftiger Stipendiaten und ein modernes IT-gestütztes Veranstaltungsmanagement. Hier waren unsere Zeitpläne zu ambitioniert.
Die Stiftung ist in den letzten zehn Jahren stark gewachsen. Die damit verbundenen Herausforderungen sind hoch, weshalb wir uns in den
nächsten Jahren verstärkt mit bestimmten Standardisierungen sowie der
weiteren Stärkung von Verantwortung und Entscheidungsbefugnissen
von unseren Beschäftigten auf allen Ebenen befassen wollen. Am wichtigsten für unseren Erfolg ist und bleibt das fortwährende Engagement
und die Kreativität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Stiftungsmanagement

Organe des Vereins:

die Mitgliederversammlung
�
der Vorstand
�
der Aufsichtsrat
der Frauenrat
�
Die Mitgliederversammlung ist das oberste Beschlussfassungsorgan der Stiftung. Sie setzt sich zusammen aus 49
Personen, davon je vier Personen aus der Bundespartei
und der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, 16
Personen aus den Landesstiftungen (eine Person je Landesstiftung) und 25 weitere Personen aus dem Kreis der
Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung. Die
Wahlperiode für die Mitgliedschaft beträgt vier Jahre.
Der Vorstand ist hauptamtlich tätig und umfasst aktuell
zwei Personen. Jedes Vorstandsmitglied wird für die Dauer von fünf Jahren gewählt. Das Vorschlagsrecht steht dem
Aufsichtsrat zu. Mitglieder der Mitgliederversammlung
können Vorschläge für die vom Aufsichtsrat zu erstellende
Liste einreichen. Der Vorstand verantwortet die strategische Ausrichtung der Stiftung. Er beschließt über die Gesamtziele, Strategien, Visionen, übergreifenden Program-

Jahresabschluss zum 31. Dezember 2009
Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers

Wir haben den Jahresabschluss – bestehend aus Bilanz,
Gewinn- und Verlustrechnung sowie Anhang – unter Einbeziehung der Buchführung und den Lagebericht des
Heinrich-Böll-Stiftung e. V. für das Geschäftsjahr vom
1. Januar 2009 bis zum 31. Dezember 2009 geprüft. Die
Buchführung und die Aufstellung des Jahresabschlusses
nach den deutschen handelsrechtlichen Vorschriften liegen in der Verantwortung des Vorstands des Vereins.
Unsere Aufgabe ist es, auf der Grundlage der von uns
durchgeführten Prüfung eine Beurteilung über den Jahresabschluss unter Einbeziehung der Buchführung und über
den Lagebericht abzugeben.
Wir haben unsere Jahresabschlussprüfung nach § 317
HGB unter Beachtung der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten Grundsätze ordnungsmäßiger
Abschlussprüfung vorgenommen. Danach ist die Prüfung
so zu planen und durchzuführen, dass Unrichtigkeiten und
Verstöße, die sich auf die Darstellung des durch den Jahresabschluss unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und durch den Lagebericht vermittelten Bildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
wesentlich auswirken, mit hinreichender Sicherheit erkannt werden. Bei der Festlegung der Prüfungshandlungen werden die Kenntnisse über die Geschäftstätigkeit und
über das wirtschaftliche und rechtliche Umfeld des Ver-

65

me und Projekte sowie die Positionierung der Stiftung in
der Öffentlichkeit und die Kommunikationsstrategie.
Für die Ausführung der Geschäfte und das Management
ist die Geschäftsführerin verantwortlich. Sie gewährleistet
die Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen und stellt
die für eine erfolgreiche Arbeit notwendigen Werkzeuge,
Daten und Ressourcen zur Verfügung. Sie führt auch die
Unternehmensdienste.
Der Aufsichtsrat führt die Aufsicht über die Tätigkeit
des Vorstandes. Er besteht aus neun Personen (sieben aus
den Reihen der Mitgliederversammlung und zwei hauptamtliche Mitarbeiter/innen), die für die Dauer von vier
Jahren gewählt werden.
Der Frauenrat wird von der Mitgliederversammlung
gewählt und ist ihr gegenüber rechenschaftspflichtig. Er
setzt sich aktuell aus zehn Frauen zusammen, deren Amtszeit vier Jahre beträgt. Der Frauenrat unterstützt frauenpolitische Ziele der Stiftung und setzt die Gemeinschaftsaufgabe Geschlechterdemokratie nach innen und außen
um.
Eine einmalige Wiederwahl in die Mitgliederversammlung, den Aufsichtsrat und den Frauenrat ist möglich.

eins sowie die Erwartungen über mögliche Fehler berücksichtigt. Im Rahmen der Prüfung werden die Wirksamkeit
des rechnungslegungsbezogenen internen Kontrollsystems sowie Nachweise für die Angaben in Buchführung,
Jahresabschluss und Lagebericht überwiegend auf der
Basis von Stichproben beurteilt. Die Prüfung umfasst die
Beurteilung der angewandten Bilanzierungsgrundsätze
und der wesentlichen Einschätzungen des Vorstands sowie die Würdigung der Gesamtdarstellung des Jahresabschlusses und des Lageberichts. Wir sind der Auffassung,
dass unsere Prüfung eine hinreichend sichere Grundlage
für unsere Beurteilung bildet.
Unsere Prüfung hat zu keinen Einwendungen geführt.
Der Jahresabschluss entspricht nach unserer Beurteilung aufgrund der bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnisse den gesetzlichen Vorschriften und vermittelt unter
Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung
ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild
der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Vereins. Der
Lagebericht steht in Einklang mit einem den gesetzlichen
Vorschriften entsprechenden Jahresabschluss, vermittelt
insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage des Vereins
und stellt die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dar.
PricewaterhouseCoopers
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Berlin, den 30. August 2010

66

Stiftungsmanagement

Vorläufige Gewinn- und Verlustrechnung (alle Zahlen in Euro)
vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010

Lfd. Jahr
Berichtsjahr
(2011)
(2010)****
Planzahlen Vorläufige Zahlen
15.481.000
14.707.259
32.204.215
30.939.954

Erträge Globalmittelhaushalt *
Erträge anderer Zuwendungsbereiche **

Vorjahr
(2009)
Testierte Zahlen
14.444.275
24.770.680

davon Zuwendungen für das Bauvorhaben: 0,00 Euro (Vj. 4.132.511 Euro)

Erträge Auflösung des Sonderpostens
Summe der Erträge

800.000
48.485.215

785.798
46.433.011

1.049.762
40.264.717

Personalaufwand
Abschreibungen
Sächliche Verwaltungskosten ***
Investitionen

11.410.000
800.000
3.389.000
305.500

11.196.504
785.798
3.281.183
338.603

11.232.075
1.046.884
2.683.492
248.345

1.542.500
2.094.000
11.314.215
17.630.000
48.485.215

1.520.523
2.115.582
8.438.076
18.756.742
46.433.011

1.402.221
2.134.365
7.806.544
13.710.831
40.264.717

–

–

–

143.000
85.500
–
57.500

91.712
57.150
–
34.562

175.849
145.590
–
30.259

57.500

34.562

30.259

davon Investitionen in das Bauvorhaben: 0,00 Euro (Vj. 4.132.511 Euro)

Fachausgaben bezogen auf die Globalmittel des BVA
Weiterleitung von Zuwendungen aus dem Globalmittelhaushalt
Fachausgaben bezogen auf die anderen Zuwendungen
Weiterleitung von BMZ-Projektmitteln
Summe der Aufwendungen
Zwischenergebnis
Vereinserträge
Vereinsaufwendungen
Abschreibungen auf die Betriebs- und Geschäftsausstattung des Vereins
Vereinsergebnis
Jahresfehlbetrag/Überschuss

* enthält die Erträge aus Globalmitteln des BVA, Verwaltungskostenzuschüssen anderer Zuwendungsgeber und die sonst. Einnahmen
** enthält Projektmittel des BMZ, des AA, der EU sowie die Mittel für die Studienförderung des BMBF und AA
*** einschl. der Rückstellungen für Risiken
**** ohne anteilige Konsolidierung der Auslandsbüros
BMZ: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
AA : Auswärtiges Amt
BMI: Bundesministerium des Innern
BMBF: Bundesministerium für Bildung und Forschung
BVA: Bundesverwaltungsamt

Erträge und Aufwendungen 2010

Die Heinrich-Böll-Stiftung e.V. finanziert sich fast ausschließlich aus öffentlichen Zuwendungen. Im Berichtsjahr 2010 haben sich die Erträge gegenüber dem Vorjahr um rd. 4,4 Mio. Euro (entspricht 10,4 Prozent) auf
rd. 46,5 Mio. Euro erhöht (jeweils vorläufige Zahlen).
Der größte Anstieg bei den Ausgaben entfällt auf die
internationale Tätigkeit (11,7 Prozent) und Stipendien.
Ebenfalls gestiegen sind Ausgaben für die sächlichen
Verwaltungskosten und Investitionen.
Dem Vereinsvermögen konnte erneut ein Überschuss
(rd. 35 Tsd. Euro) zugeführt werden. Die weitere Tätigkeit der Stiftung ist grundsätzlich durch mittelfristige
Finanzzusagen seitens der Zuwendungsgeber gesichert.

Erträge
Globalmittelhaushalt

Erträge

46.433.011 ¤

Erträge
Auflösung Sonderposten

Erträge anderer
Zuwendungsbereiche

Gesellschaftspolitische
Bildungsarbeit Inland 3%
Stipendien 15%
Zuwendung an Landesstiftungen 5%

Internationale Tätigkeit 44%
Aufwendungen

46.433.011 ¤
Personalaufwand 23%
Abschreibungen 2%
�
Investitionen 1%
�

Sächliche Verwaltungskosten 7%

67

Stiftungsmanagement

Vorläufige Bilanz zum 31. Dezember 2010 (alle Zahlen in Euro)

Aktiva
Berichtsjahr 2010

Vorjahr 2009

70.523
–

68.703
–

16.686.943
1.512.601
–
–

17.500.984
2.108.550
1
63

–

15.868

3.951.114
2.740.924

2.091.084
3.312.606

78.818

390.639

25.040.923

25.488.498

179.368
34.562

101.591
77.778

14.586.754
–

15.678.306
3.132

26.000
738.964

22.800
853.703

585.909

4.627.985

–
–
–

175.144
–
–

Verbindlichkeiten gegenüber Zuwendungsgebern
gegenüber der EU
gegenüber dem BMZ
gegenüber dem AA
Sonstige Verbindlichkeiten

–
6.274
–
3.753.367

–
220
38.196
66.497

Rechnungsabgrenzungsposten
gegenüber der EU
gegenüber dem BVA
gegenüber dem BMZ
gegenüber dem BMBF
gegenüber Sonstigen

–
–
3.087.614
858.041
–

53.589
409.219
3.087.614
164.574
128.150

23.856.853

25.488.498

Anlagevermögen
Immaterielle Vermögensgegenstände
Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und
ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an
solchen Rechten und Werten, zuwendungsfinanziert
geleistete Anzahlungen, zuwendungsfinanziert
Sachanlagen
Grundstücke, einschließlich der Bauten auf
fremden Grundstücken, zuwendungsfinanziert
Betriebs- und Geschäftsausstattung, zuwendungsfinanziert
Betriebs- und Geschäftsausstattung, Verein
geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau, zuwendungsfinanziert
Finanzanlagen
Kautionen
Umlaufvermögen
Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten
Rechnungsabgrenzungsposten
Summe

Passiva
Vereinsvermögen
Rücklagen
Ergebnisertrag
Sonderposten aus Zuwendungen
Sonderposten aus Zuwendungen zum Anlagevermögen
Sonderposten aus Zuwendungen zu Kautionen
Rückstellungen
Steuerrückstellungen
Sonstige Rückstellungen
Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
Verbindlichkeiten gegenüber Projektpartnern
aus BMZ-Mitteln
aus AA-Mitteln
aus BVA-Mitteln

Summe

* ohne anteilige Konsolidierung der Auslandsbüros

68

Stiftungsmanagement

Internationale Zusammenarbeit 2010
7
6
5
4

2010

2

2009

3

2008

Die Projektmittel für Internationale Zusammenarbeit
(insgesamt etwas mehr als 23 Mio. Euro) sind im Berichtsjahr um über zwei Millionen Euro gestiegen. Dieser Mittelanstieg ist politisch gewollt. Deutschland und
andere Industrieländer verstärken weiter ihre Anstrengungen zur Erhöhung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und zunehmend auch für Klimapolitik.
Der größte Mittelgeber der Heinrich-Böll-Stiftung
in diesem Bereich ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit
ca. 21,5 Mio. Euro. Bestandteil dieser Summe sind
566.000 Euro als einmalige Sondermittel für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungs- und Schwellenländern.
Weitere Projektmittel erhält die Stiftung vom Auswärtigen Amt (1,3 Mio. Euro) und von der Europäischen
Union. Dabei konnten die akquirierten EU-Mittel in Höhe von 785.000 Euro für Projekte in Afrika, im Nahen
und Mittleren Osten sowie im Bereich der Internationalen Politik eingesetzt werden.

1
Mio. ¤
Lateinamerika

Asien

Naher und
Mittlerer Osten

Afrika

Europa

Internationale
Politik

Kunst und Kultur 7,7%

Politische Bildung Inland 2010

Für die politische Bildungsarbeit im Inland hat die
Heinrich-Böll-Stiftung 2010 rund 1,521 Mio. Euro
verausgabt. Diese Mittel fließen in die Projektarbeit
(Veranstaltungen, Publikationen, Dossiers). Die prozentuale Verteilung der Mittel auf die Themen ist aus
der Grafik ersichtlich.
Zudem leitete die Stiftung im Jahr 2010 rund 2,116
Mio. Euro für die regionale politische Bildungsarbeit an
die Landesstiftungen weiter.

Szenarien für die
ökologische Wende
28,3%

Summe

1.520.751 ¤

Öffentlichkeit und
Demokratie
16,1%

Stipendienmittel nach Mittelgebern

Das Studienwerk der Heinrich-Böll-Stiftung erhält Zuwendungen aus dem Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF), aus dem Auswärtigen Amt
(AA), von der Britta Lohan Gedächtnisstiftung und von
der Robert Bosch Stiftung.
Im Jahr 2010 konnten insgesamt 1.021 Stipendiatinnen und Stipendiaten gefördert werden, davon 842
Studierende und 179 Promovierende. 206 deutsche und
internationale Studierende und Promovierende konnten in 2010 neu in die Förderung aufgenommen werden. Darüber hinaus beteiligte sich die Stiftung auch
wieder am «Internationalen Parlaments-Stipendium»
des Deutschen Bundestages.

Öffentlichkeitsarbeit 9,9%
Institute 11%
(Archiv Grünes Gedächtnis,
GWI, Grüne Akademie,
GreenCampus)
Internationale Politik 11,1%
Soziale Teilhabe und faire
�
Aufstiegschancen 15,9%
�

AA 12,0%

Drittmittel* 0,56%
�
Deutscher Bundestag 0,59%
�
BMI 1,3%
�
Teilnahmebeiträge/
�
Spenden 0,24%
�

Summe

BMBF 85,3%

7.499.377 ¤

* Britta Lohan Gedächtnisstiftung;
Robert Bosch Stiftung

Stiftungsmanagement

Personal Stiftungszentrale 2010 (in absoluten Zahlen)

Vorstand und
Geschäftsführung 3

VS/GF zugeordnete
Organisationseinheiten 22
Öffentlichkeitsarbeit und
Konferenzzentrum 20

Internationale
Zusammenarbeit 57

Insgesamt

182
Beschäftigte*

Finanzen 11
Personal 7
IT/Technische Dienste 8

Studienwerk 18
Archiv Grünes
Gedächtnis 9

Politische Bildung
Inland 27

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
in der Heinrich-Böll-Stiftung

Die Heinrich-Böll-Stiftung beschäftigt im Inland 182
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, hinzu kommen 27
ins Ausland entsandte Beschäftigte sowie ca. 170 Ortskräfte.
Aufgrund der Vielzahl an politisch interessanten,
anspruchsvollen Projekten im In- und Ausland ist die
Stiftung eine attraktive Arbeitgeberin und kann auf
engagierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen. 13 Prozent der Mitarbeiter/innen haben
einen Migrationshintergrund.
Entwicklungsmöglichkeiten bietet die Stiftung auch
durch die Entsendungen ins Ausland. Die Verteilung der
Beschäftigten auf die einzelnen Abteilungen der Stiftungszentrale verdeutlicht die nebenstehende Grafik.

* einschließlich der studentischen Beschäftigten
ohne Praktikant/inn/en und Auszubildende
�

Work-Life-Balance
Personal Vollzeit/ Teilzeit 2010 (in absoluten Zahlen)

weiblich
60

Teilzeit
Vollzeit

männlich
17

71

34
insgesamt: 182*

* einschließlich der studentischen Beschäftigten
ohne Praktikant/inn/en und Auszubildende

Die Heinrich-Böll-Stiftung legt besonderes Gewicht auf
das Thema Geschlechterdemokratie und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben:
Mit 50% sind Frauen in den Führungspositionen
im außertariflichen Bereich stark vertreten, in
mittleren Führungspositionen sind es 65%.
Telearbeitsplätze ermöglichen vielen Mitarbeiter/innen auch von zu Hause aus zu arbeiten, Teilzeitbeschäftigung bietet einen Weg, Familie und
Beruf besser zu vereinbaren.
Gleitende und flexible Arbeitszeit trägt dazu bei,
den Tagesablauf individueller zu gestalten.
Es gibt Möglichkeit von Freistellungen, soweit
dies mit den betrieblichen Belangen vereinbar ist

Personalentwicklung

Ein wesentlicher Bestandteil der Personalentwicklung
innerhalb der Stiftung ist die Fort- und Weiterbildung
mit folgenden thematischen Schwerpunkten:
Vermittlung von Führungskompetenzen
Förderung von Kreativität und Innovation, um
die politische Bildungsarbeit kontinuierlich weiterzuentwickeln
Vertiefung von Fremdsprachenkenntnissen, insbesondere Englisch
Vermittlung von Basisqualifikationen (EDVSchulungen, Zuwendungsrecht)
Veranstaltungen und Trainings zur Wahrnehmung der Gemeinschaftsaufgaben Geschlechterdemokratie und Migration/Interkulturelle Demokratie sowie Qualifizierung im Organisationsmanagement (Projekt- und Qualitätsmanagement,
Team-Entwicklung)
Förderung individueller berufsbegleitender Weiterbildungen (z.B. Masterstudium)

69

70

Stiftungsmanagement

Gender und Diversity

Gender-Diversity-Kompetenzen stärken

Die Stiftung führt unter Federführung des GundaWerner-Instituts z.B. zweimal jährlich ein Gender-Diversity-Basistraining mit allen neuen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern durch. Darauf aufbauend, können
diese in halbtägigen Workshops (4-mal jährlich) Instrumente wie die genderorientierte Projekt- und Veranstaltungsplanung (GOPP) kennenlernen oder einzelne
Themen vertiefen. Bei Bedarf ist es auch möglich, Einzelberatung in Anspruch zu nehmen und so Unterstützung «on the job» bei der Integration von Gender- und
Diversity-Perspektiven zu erhalten.
Informationen zu den Gemeinschaftsaufgaben Geschlechterdemokratie und Diversity sind regelmäßig im
hausinternen «Boelletin» für alle Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter verfügbar. Außerdem enthält das Intranet
«Boellcity» Informationen über die Gemeinschaftsaufgaben und das Diversity-Konzept sowie Arbeitshilfen wie z.B. zur Gender-orientierten Projektplanung
(GOPP).

Geschlechterpolitischer Ratschlag

Neben dem umfassenden Fortbildungs- und Beratungsangebot veranstaltet die Stiftung einmal pro Jahr für
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den eintägigen «Geschlechterpolitischen Ratschlag». Dabei geht es um
Impulse für die Integration von Gender- und Diversity-Aspekten in den eigenen Arbeitszusammenhang.
Im Jahr 2010 stand das Thema geschlechtersensible
Gesundheitsberichterstattung im Mittelpunkt. Fragen
waren u. a.: Wie sieht eine geschlechtergerechte Gesundheitsförderung und Prävention aus? Was können
die Mitarbeiter/innen der Heinrich-Böll-Stiftung für
ihren eigenen Alltag lernen?
Im Mittelpunkt des Ratschlags standen die Vorträge von Dr. Petra Kolip, Professorin an der Universität
Bielefeld, und Thomas Altgeld, Geschäftsführer der
Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für
Sozialmedizin Niedersachsen e.V.

Gender Focal Points

Die Geschlechterverhältnisse sind weltweit ständig in
Bewegung. Die globalen ökonomischen und kulturellen
Umwälzungen verändern die Lebens- und Arbeitsbedingungen und damit auch Dominanzverhältnisse und
Abhängigkeiten zwischen den Geschlechtern. Die Stiftung arbeitet hierzu in all ihren Auslandsbüros. Dass sie
dabei schon recht erfolgreich ist, zeigen u. a. die positiven Reaktionen auf die vielen Projekte weltweit. Aber
auch wenn es gut läuft, gibt es Optimierungsbedarf. Wir
stehen vor der Herausforderung, die Gender-Aspekte
in alle Programme der Stiftung zu integrieren. Für
das Monitoring dieses Prozesses und für die Abbildung
unserer Arbeit in den Regionen haben wir Gender-Kennungen eingeführt. Für diese Aufgaben wurden 2010
Mitarbeiterinnen als Gender Focal Points (gfp) in den
Regionalreferaten benannt. Diese Ansprechpersonen
unterstützen die Referent/innen in der Stiftungszentrale sowie die Büroleitungen und (Gender)-Koordinator/
innen in den Auslandsbüros bei dieser wichtigen Qualitätsentwicklung.

Migrant/innen 23
Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter

182

Stiftungsmanagement

Nutzung des umweltfreundlichen Stiftungshauses

Klassische Moderne und Transparenz

Im Herzen der Hauptstadt, nahe an Politik und Kultur,
eröffnete die Heinrich-Böll-Stiftung im September
2008 ihr neues Haus mit dem Konferenzzentrum Beletage. Die moderne Architektur des Hauses steht für
nachhaltige Konzepte mit Zukunft.
Neben den rund 200 Arbeitsplätzen bietet unser
Haus ein vielseitiges Raumangebot für Tagungen, Konferenzen, Seminare oder Empfänge. Unser Veranstaltungs- und Konferenzzentrum im EG und 1. OG – die
Beletage – ist mittlerweile ein repräsentativer und
bekannter Veranstaltungsort, der bis zu 300 Gäste
gleichzeitig aufnehmen kann. Im Jahr 2010 fanden 623
Veranstaltungen (inkl. Vermietungen) in unserem Konferenzzentrum statt (2009: 574 Veranstaltungen).
www.boell.de/konferenzzentrum

Vergleich Nebenkosten Bürohäuser (pro m 2 /Monat)
2,47 ¤

2,33 ¤
-5,67%

1,94 ¤
-21,46%

Klimatisiertes Bürogebäude Hackesche Höfe (ehemaliger
im Durchschnitt
Standort bis 06/2008)

Schumannstr. 8
(neues Stiftungsgebäude)

Der aktuelle Energiebedarf im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt

Das neue Stiftungshaus gehört energetisch zur ökologischen Avantgarde: Wenig, aber hochinnovative
Technik sorgt für den äußerst geringen Primärenergieverbrauch. Nach einer Einregulierungszeit liegt dieser
Verbrauchswert bei ca. 49,1 kWh/m², wobei der ursprünglich projektierte Wert auf 55,7 kWh/m² berechnet wurde. Durchschnittlich werden drei Jahre für die
Einregulierung der Gebäudetechnik benötigt, daraus
resultierend kann mit einer Reduzierung des Primärenergiewertes in den Folgejahren gerechnet werden.
Beeindruckend ist, dass die gesetzlich vorgeschriebene
Grenze 2005 bei über 100 kWh/m² lag.
Unser innovatives Gebäude weckt bei der Fachöffentlichkeit reges Interesse an dem Energie- und Architekturkonzept. Interessierten bieten wir professionelle
Hausführungen an. Die Teilnehmer/innen werden erst
seit Ende 2009 erfasst. 2010 haben insgesamt 121
Personen das Gebäude besichtigt.

Interne Kommunikation zum Stiftungshaus
Verbrauchswerte
2009

2010

Energie kWh

401.114

411.114

Wasser m 3

4.672

4.789

Wärme/Heizung kWh

234.216

255.369

Papier Blatt

1.709.928

1.746.710

Verbrauchsgüter ¤

11.030

11.681

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung
haben insbesondere in dem heißen Sommer 2010 die
Vorteile der Klimatisierung der Räume durch Nutzung
von Verdunstungskälte erlebt. Es gibt verschiedene
Broschüren für das «richtige» Lüften, die «richtige»
Lichteinstellung und vieles mehr, die den Mitarbeitenden über das Intranet zur Verfügung gestellt werden.
In sog. Druckerschulungen lernen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie sie verantwortungsbewusst
und sparsam mit Papier und Toner umgehen. Auch mit
der etagenweisen Aufstellung von Kombikopiergeräten
(Drucken, Faxen, Mailen, Kopieren, Scannen in einem
Gerät) und der damit verbundenen weiteren Reduzierung von Arbeitsplatzdruckern können Ressourcen geschont werden.

71

72

Gremien

Gremien

(Stand: 31. März 2011)
Mitgliederversammlung
Hartmut Bäumer
Klaus Baumgärtner
Birgitt Bender
Franziska Brantner
Kajo Breuer
Gülay Caglar
Dr. Carolin Emcke
Gisela Erler
Ulrike Gauderer
Prof. Dr. Joachim Gessinger
Leonore Gewessler
Martin Grimm
Nebahat Güclü
Dr. Robert Habeck
Jürgen Hambrink
Michael Henke
Dr. Dietrich Herrmann
Christiane Howe
Michaele Hustedt
Mechtild M. Jansen
Dr. Christa Karras
Leo Klotz
Ute Koczy
Dr. Gerd Koenen
Fritz Kuhn
Undine Kurth
Steffi Lemke
Erik Lohse
Christoph Meertens
Prof. Dr. Dirk Messner
Dr. Matias Mieth
Daniel Mittler
Klaus Müller
Özcan Mutlu
Friederike Pokatis
Katrin Rabus
Irene Reifenhäuser
Astrid Rothe-Beinlich
Stefanie Schiffer
Heike Schiller
Theresa Schopper
Dr. Michaele Schreyer
Michael Schwandt
Hilal Sezgin
Malti Taneja
Dr. Ellen Ueberschär
Dr. Marita von Bieberstein Koch-Weser
Michael Wedell
Christoph Zschocke
Stipendiatische VertreterInnen

Gesa Busche
Hannah C. Franzki
Katharina Nüßlein
Teresa Rojas Lara
Aufsichtsrat
Hartmut Bäumer
Renate Eisape
Joachim Gessinger
Fritz Kuhn
Steffi Lemke
Christoph Meertens
Michaele Schreyer
Malti Taneja
Gabriele Tellenbach
Koordinationsgremium des Freundeskreises

Mechtild M. Jansen
Helga Metzner
Frauenrat
Kattrin Bauer
Maren Bock
Birgit Dederichs-Bain
Marina Grasse

Judy Gummich
María do Mar Castro Varela
Birgit Meyer
Katrin Rönicke
Martina Schott
Judith Strom
Mitglieder Grüne Akademie
Prof. Dr. Gabriele Abels
Tarek Al-Wazir
Birgitt Bender
PD Dr. Mechthild Bereswill
Marianne Birthler
Dr. Ingolfur Blühdorn
Prof. Dr. Angelo Bolaffi
Prof. Dr. Christina von Braun
Prof. Dr. Claudia von Braunmühl
Prof. Dr. Hubertus Buchstein
Reinhard Bütikofer
Prof. Dr. Thomas Christaller
Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Daxner
Prof. Dr. Simone Dietz
Dr. Christine Dörner
Dr. Thea Dückert
Rainer Emschermann
Anke Erdmann
Prof. Dr. Adalbert Evers
PD Dr. Rainer Forst
Ralf Fücks
Kai Gehring
Karsten Gerlof
Prof. Dr. Arnim von Gleich
Adrienne Goehler
Cristina Gómez Barrio
Prof. Dr. Stefan Gosepath
Dr. Sigrid Graumann
Prof. Dr. L. Horst Grimme
Melanie Haas
Dr. Robert Habeck
Rebecca Harms
Dr. Dietrich Herrmann
Imma Hillerich
Dr. Jeanette Hofmann
Dr. Rahel Jaeggi
Pico Jordan
PD Dr. Otto Kallscheuer
Bertram Keller
Sibylle Knapp
Dr. Felix Kolb
Dr. Regina Kreide
PD Dr. Georg Krücken
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
Prof. Dr. Bernd Ladwig
Prof. Dr. Susanne Lanwerd
Dr. Reinhard Loske
Dr. Willfried Maier
Nicole Maisch
Christoph Meertens
Prof. Dr. Christoph Menke
Prof. Sigrid Meuschel
Johannes Moes
Dr. Gero Neugebauer
Prof. Dr. Frank Nullmeier
Dr. Ralph Obermauer
Prof. Dr. Claus Offe
Dr. Arnd Pollmann
Dr. Andreas Poltermann
Prof. Dr. Ulrich K. Preuß
Prof. Dr. Lothar Probst
Prof. Dr. Dr. Franz J. Radermacher
Dieter Rulff
Dr. Thomas Rixen
Krista Sager
Prof. Dr. Thomas Saretzki
Manuel Sarrazin
Prof. Dr. Birgit Sauer

Joscha Schmierer
PD. Dr. Thomas Schramme
Dr. Christine Schwarz
Dr. Kirsten Selbmann
Prof. Sandra Seubert
Peter Siller
PD Dr. Rudolf Speth
Dr. Tine Stein
PD Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn
Prof. Dr. Richard Stöss
Rena Tangens
Dr. Ellen Ueberschär
Sybille Volkholz
Mathias Wagner
Prof. em. Helmut Wiesenthal
Fachbeirat Nord-Süd
Muriel Asseburg
Marianne Braig
Achim Brunnengräber
Ulf Engel
Thilo Hoppe
Ingrid-Gabriela Hoven
Sebastian Kasack
Lotte Leicht
Sabine Meyer
Melanie Müller
Roger Peltzer
Dirk Scheelje
Wolfgang Schmitt
Imme Scholz
Anja Senz
Karl-Heinz Stecher
Kristina Steenbock
Fachbeirat Europa/Transatlantik
Eltje Aderhold
Juan Behrend
Franziska Brantner
Reinhard Bütikofer
Rainer Emschermann
Ulrike Guérot
Tom Koenigs
Jost Lagendijk
Sergey Lagodinsky
Helmut Lippelt
Brigitte Luggin-Liška
Ludwig Mehlhorn
Winfried Nachtwei
Martin Rocholl
Ulrich Schneckener
Jaroslav Šonka
Rainder Steenblock
Viola von Cramon
Elisabeth Weber
Fachbeirat Studienwerk
Theresia Bauer
Timm Beichelt
Frieder Dittmar
Kai Gehring
Ulrike Gote
Uta Klein
Gerhard Kockläuner
Hans J. Lietzmann
Andreas Lob-Hüdepohl
Sigrid Metz-Göckel
Mechtild Oechsle
Peer Pasternack
Michael Schönhuth
Simone Schwanitz
Stipendiatische VertreterInnen
Veit Larmann
Selina Storm

Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten

Vertrauensdozentinnen
und Vertrauensdozenten
Augsburg Dr. Stefan Böschen, Universität Augsburg
Bamberg Prof. Dr. Rainer Drewello, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Bayreuth Prof. Dr. Erdmute Alber, Universität Bayreuth; Prof. Dr. Bernd Müller-Jacquier, Universität Bayreuth
Berlin Prof. Dr. Susanne Baer, LL.M., Humboldt-Universität zu Berlin; Prof. Dr. Beate Binder, Humboldt Universität zu Berlin; Dr. Sergio Costa, Freie Universität Berlin; Prof. Dr. Hansjörg Dilger, Freie Universität Berlin; PD Dr. Angelika Ebrecht-Laermann, Sigmund-Freud-Institut;
Prof. Dr. Barbara Fritz, Freie Universität Berlin; Prof. Dr. Christian Garhammer, Beuth Hochschule für Technik Berlin; Dr. Katrin Grüber, Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft Berlin; Prof. Dr. Cilja Harders, Freie Universität Berlin; PD Dr. Susanne Heim, Institut für Zeitgeschichte
Edition Judenverfolgung; Dr. Dagmar Heymann*; Prof. Dr. Patrick Hostert, Humbold-Universität zu Berlin; Dr. Michi Knecht, HumboldtUniversität zu Berlin; Prof. Dr. Anne König, Beuth Hochschule für Technik; Dr. Marianne Kriszio, Humboldt-Universität zu Berlin; Prof. Dr.
Dorothea Kübler, Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB); Prof. Dr. Bernd Ladwig, Freie Universität Berlin; Dr. Angela Lammert,
Akademie der Künste; Dr. Corinna Langelotz, Charité-Universitätsmedizin Berlin; Prof. Dr. Birgit Mahnkopf, Fachhochschule für Wirtschaft
Berlin; Dr. Jan Christoph Minx,Technische Universität Berlin; Prof. Dr. Romy Morana, Fachhochschule für Wirtschaft und Technik Berlin;
Dr. Nazir Peroz, Technische Universität Berlin; PD Dr. Danyal Reiche, Freie Universität Berlin; Prof. Dr. Elvira Scheich, Technische Universität Berlin; Prof. Dr. Dorothea Schmidt, Fachhochschule für Wirtschaft Berlin; Dr. habil. Annedore Schulze*; Dr. Eva Sternfeld, Technische
Universität Berlin; Mg. Elzbieta Sternlicht, Universität der Künste Berlin; Prof. Dr. Erhard Stölting*; Prof. Dr. Sabine Toppe, Alice Salomon
Hochschule; Prof. Dr. Christina von Braun, Humboldt-Universität zu Berlin; Prof. Dr. Heike Wiesner, Hochschule für Wirtschaft und Recht; Dr.
Gabriele Wohlauf, Deutsches Technikmuseum
Bernburg Prof. Dr. Birgit Felinks, Hochschule Anhalt
Bielefeld Prof. Dr. Klaus Dammann, Universität Bielefeld; Prof. Dr. Cornelia Giebeler, Fachhochschule Bielefeld; Dr. Marlene Müller, Univer-

sität Bielefeld
Bochum Prof. Dr. Anke Fesenfeld, Hochschule für Gesundheit Bochum; Prof. Dr. Ilse Lenz, Ruhr-Universität Bochum; Prof. Dr. Isabel Richter,
Ruhr-Universität Bochum; Prof. Dr. Lieselotte Steinbrügge, Ruhr-Universität Bochum
Bonn Prof. Dr. Andreas Pangritz, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität
Brandenburg Prof. Dr. Uwe Höft, Fachhochschule Brandenburg
Braunschweig Dr. Corinna Voigt-Kehlenbeck, Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften; Prof. Dr. Bettina Wahrig, Technische Universität Carolo-Wilhelmina Braunschweig
Breitenbrunn Dr. Christel Walter, Staatliche Studienakademie Breitenbrunn
Bremen Prof. Dr. Klaus Boehnke, Jacobs University Bremen; Prof. Dr. Juliane Filser, Universität Bremen; Prof. Dr. Karin Gottschall, Universität Bremen; Prof. Dr. Frank Nullmeier, Universität Bremen; Prof. Dr. Konstanze Plett, LL.M., Universität Bremen; Prof. Dr. Heinz-Peter Preußer, Universität Bremen; Prof. Dr. Lothar Probst, Universität Bremen
Chemnitz Prof. Dr. Cecile Sandten, Technische Universität Chemnitz; Prof. Dr. Günter Voß, Technische Universität Chemnitz
Coburg Prof. Dr. Gaby Franger-Huhle, Fachhochschule Coburg
Cottbus Prof. Dr. Marie-Theres Albert, Brandenburgische Technische Universität Cottbus
Dortmund Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel, Technische Universität Dortmund
Dresden Dr. Achim Brunnengräber, Technische Universität Dresden; Prof. Dr. Johannes Rohbeck, Technische Universität Dresden; Prof. Dr.
Bernhard Schlag, Technische Universität Dresden; Prof. Dr. Gerd Schwerhoff, Technische Universität Dresden; Dr. Johannes Siemens, Technische Universität Dresden
Düsseldorf Prof. Dr. Simone Dietz, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Prof. Dr. Beate Fieseler, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Dr.
Michaela Kuhnhenne, Hans-Böckler-Stiftung Düsseldorf
Duisburg Prof. Dr. Thomas Heberer, Universität Duisburg-Essen; Dr. Karen Jaehrling, Universität Duisburg-Essen
Eberswalde Prof. Dr. Hans Peter Benedikt, Fachhochschule Eberswalde; Prof. Dr. Pierre Ibisch, Fachhochschule Eberswalde
Erfurt Prof. Dr. André Brodocz, Universität Erfurt; Dr. Florian Koch, Fachhochschule Erfurt; Prof. Dr. Jamal Malik, Universität Erfurt
Erlangen Prof. Dr. Andrea Pagni, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; Prof. Dr. Christoph Pflaum, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; Dr. Gerd Sebald, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Essen Prof. Dr. Anne Schlüter, Universität Duisburg-Essen
Esslingen Prof. Dr. Birgit Meyer, Hochschule Esslingen
Flensburg Prof. Dr. Gerd Grözinger, Universität Flensburg; Dr. Christine Thon, Universität Flensburg
Frankfurt a. M. Prof. Dr. Ursula Apitzsch, Johann Wolfgang Goethe-Universität; Prof. Dr. Margrit Brückner, Fachhochschule Frankfurt am
Main; Prof. Dr. Rainer Forst, Johann Wolfgang Goethe-Universität; Dr. Werner Konitzer, Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main; Dr. Regina
Kreide, Johann Wolfgang Goethe-Universität; Prof. Dr. Helma Lutz, Johann Wolfgang Goethe Universität; Prof. Dr. Christoph Menke, Johann
Wolfgang Goethe-Universität; Prof. Dr. Uta Ruppert, Johann Wolfgang Goethe-Universität; Prof. Dr. Susanne Schröter, Johann Wolfgang
Goethe-Universität Frankfurt am Main; Prof. Dr. Martina Weber, Johann Wolfgang Goethe-Universität
Frankfurt/Oder Prof. Dr. Timm Beichelt, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Freiburg i. B. Prof. Dr. Elisabeth Cheauré, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau; Prof. Dr. med. Michael M. Kochen*; Prof. Dr.
Reinhard Markowetz, Katholische Fachhochschule Freiburg; Prof. Dr. Carla Rosendahl*; Prof. Dr. Britta Schinzel, Albert-Ludwigs-Universität
Freiburg im Breisgau
Gießen PD Dr. Jörn Ahrens, Justus-Liebig-Universität Gießen; Prof. Dr. Marianne Friese, Justus-Liebig-Universität Gießen
Göttingen Dr. Sabine Horn, Georg-August-Universität Göttingen; Prof. Dr. Nicolai Miosge, Georg-August-Universität Göttingen; Prof. Dr. Ilona Ostner, Georg-August-Universität Göttingen; Dr. Ulrich Schwardmann, Georg-August-Universität Göttingen
Greifswald Prof. Dr. Mariacarla Gadebusch Bondio, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald; Prof. Dr. Konrad Ott, Ernst-Moritz-ArndtUniversität Greifswald; Dr. Lena Partzsch, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Halle/Saale Prof. Dr. Thomas Bremer, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Prof. Dr. Thomas Hauschild, Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg; Prof. Dr. Isabell Hensen, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Prof. Frithjof Meinel, Hochschule für Kunst und
Design Halle; Prof. Dr. Werner Nell, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Prof. Dr. Thomas Olk, Martin-Luther-Universität HalleWittenberg; Prof. Dr. Ursula Rabe-Kleberg, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Prof. Dr. Pia Schmid, Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg
Hamburg Prof. Dr. Andrea Blunck, Universität Hamburg; Dr. Nina Feltz, Universität Hamburg; Dr. Irmtraut Gensewich, Universität Hamburg;
Dr. Karin Hörner, Universität Hamburg; Trudel Karcher, Universität Hamburg; Prof. Dr. Yolanda M. Koller-Tejeiro, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg; Prof. Dr. Ursula Neumann, Universität Hamburg; Dr. Bettina Paul, Universität Hamburg; Dr. Kai-Uwe Schnapp,
Universität Hamburg; Prof. Dr. Louis Henri Seukwa, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg; Prof. Dr. Anke Strüver, Universität
Hamburg; Prof. Dr. Wolfram Weiße, Universität Hamburg
Hannover Prof. Dr. Heike Dieball, Fachhochschule Hannover; Susanne Eser, Büro für kulturelle Unvernunft. Kunst-Forschung-Wissenschaft;
Prof. Dr. Christine Hatzky, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover; Prof. Dr. Bettina Oppermann, Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover; Prof. Dr. Brigitte Reinwald, Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover; Dr. Christine Schwarz, Gottfried Wilhelm
Leibniz Universität Hannover

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74

Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten

Heidelberg Dr. Hüseyin Aguicenoglu, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Prof. Dr. Susanne Enderwitz, Ruprecht-Karls- Universität Heidelberg; Jun. Prof. Dr. Havva Engin, Pädagogische Hochschule Heidelberg; Dr. Dorothea Fischer-Hornung, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg;
Prof. Dr. Frauke Gewecke, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Prof. Dr. Christiane Schwieren, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg;
Dr. Steffen Sigmund, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Hildesheim Prof. Dr. Ursula Bredel, Stiftung Universität Hildesheim; Prof. Dr. Michael Corsten, Stiftung Universität Hildesheim; Dr. Heike
Kahlert, Stiftung Universität Hildesheim
Holzminden Prof. Dr. Leonie Wagner, Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Holzminden
Hoppstädten Prof. Dr. Peter Heck, Fachhochschule Trier
Höxter Prof. Dr. Klaus Maas, Hochschule Ostwestfalen-Lippe
Ilmenau Prof. Dr. Johann Reger, Technische Universität Ilmenau
Iserlohn Prof. Dr. Thomas Meuser, BiTS Business and Information Technology School GmbH
Jena Prof. Dr. Wolfgang Behlert, Fachhochschule Jena; Dr. phil. Stephan Lorenz, Friedrich-Schiller-Universität Jena; Prof. Dr. Thomas Sauer,

Fachhochschule Jena
Kaiserslautern Prof. Dr. Michael Hassemer, Technische Universität Kaiserslautern
Karlsruhe Prof. Dr. Norbert Willenbacher, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Kassel Dr. Manuela Böhm, Universität Kassel; Prof. Dr. Wolfgang Jonas, Universität Kassel; Dr. Renate Ruhne, Universität Kassel; Prof. Dr.
Christoph Scherrer, Universität Kassel; Dr. Helen Schwenken, Universität Kassel
Kiel Prof. Dr. Uta Klein, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel; Prof. Dr. Gerhard Kockläuner, Fachhochschule Kiel
Koblenz Dr. Stephan Bundschuh, Fachhochschule Koblenz
Köln Prof. Dr. Boris Braun, Universität zu Köln; Prof. Dr. Cornelius Nestler, Universität zu Köln; Dr. Gerda Schüler, Universität zu Köln
Konstanz Dr. Oliver Trevisiol, Universität Konstanz
Landau Dr. Florian Bernstorff, Universität Koblenz Landau; Heide Gieseke, Universität Koblenz Landau
Leipzig Prof. Dr. LL.M.M.A. Felix Ekardt, Forschungsgruppe Nachhaltigkeit und Klimapolitik; Dr. Christa Grimm, Universität Leipzig; Dr. Regina Metze, Universität Leipzig; Prof. Dr. Ilse Nagelschmidt, Universität Leipzig; Prof. Dr. Stefan Troebst, Universität Leipzig
Lüneburg Anne Dudeck, Leuphana Universität Lüneburg; Prof. Dr. Sabine Hofmeister, Leuphana Universität Lüneburg; Prof. Dr. Maria-Eleonora Karsten, Leuphana Universität Lüneburg; Prof. Dr. Gerda Lischke, Leuphana Universität Lüneburg
Magdeburg Prof. Dr. Thorsten Unger, Otto von Guericke Universität Magdeburg; Prof. Dr. Gerald Warnecke, Otto-von-Guericke Universität

Magdeburg
Mainz Prof. Peter Kiefer, Johannes Gutenberg-Universität Mainz; Prof. Dr. Wolfgang Riedel, Johannes Gutenberg-Universität Mainz; Prof. Dr.
Harald Schleicher, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Mannheim Prof. Dr. Bernhard Ebbinghaus, Universität Mannheim
Marburg Prof. Dr. Susanne Maurer, Philipps-Universität Marburg
Merseburg Prof. Dr. Wolfgang Berg, Hochschule Merseburg
Müncheberg Dr.-Ing. Aranka Podhora, Leibnitz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung
München Prof. Dr. Markus Babo, Katholische Stiftungsfachhochschule München; Prof. Dr. Helga Bilden*; Prof. Dr. Constance Engelfried,
Hochschule München; Dr. Gabriele Hooffacker, Stiftung Journalistenakademie
Münster Prof. Ph.D. Doris Fuchs , Westfälische Wilhelms-Universität Münster; Prof. Dr. Gabriele Wilde, Westfälische Wilhelms-Universität

Münster
Neubiberg Prof. Dr. Franz Kohout, Universität der Bundeswehr Neubiberg
Nürnberg Dr. Heidi Hofmann, Ev. Fachhochschule Nürnberg; Walter Sehrer M.A.*
Oldenburg Prof. Dr. Gesa Lindemann, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg; Prof. Dr. Bernd Siebenhüner, Carl von Ossietzky Universität
Oldenburg; Prof. Dr. Silke Wenk, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Osnabrück Prof. Dr. Ulrich Schneckener, Universität Osnabrück
Paderborn Prof. Dr. Michael Hofmann, Universität Paderborn
Potsdam Prof. Dr. Joachim Gessinger, Universität Potsdam; Prof. Dr. Kerstin Stutterheim, Hochschule für Film und Fernsehen «Konrad Wolf»
Potsdam-Babelsberg; Prof. Dr. Theresa Wobbe, Universität Potsdam
Rostock Prof. Dr. Peter A. Berger, Universität Rostock; Dr. Gudrun Heinrich, Universität Rostock; Prof. Dr. Hans-Jürgen von Wensierski, Uni-

versität Rostock
Saarbrücken Prof. Dr. Holger Buck, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes; Prof. Dr. Klaus Kraimer, Hochschule für Technik

und Wirtschaft des Saarlandes
Starnberg Dipl.-Ing. Angela Wagner*
Stendal Prof. Dr. Maureen Maisha Eggers, Hochschule Magdeburg-Stendal
Stuttgart Dr. Ralph O. Schill, Universität Stuttgart
Trier PD Dr. Michael Schönhuth, Universität Trier; Dr. Rita Voltmer, Universität Trier
Tübingen Prof. Dr. Gabriele Abels, Eberhard-Karls-Universität Tübingen; Prof. Dr. Regine Gildemeister, Eberhard-Karls-Universität Tübingen;
Dr. Karin Widmayer*
Ulm Prof. Dr. Franziska Lamott, Universität Ulm
Wiesbaden Prof. Dr. Oja Eleonore Ploil, Hochschule RheinMain
Wismar Prof. Dr. Jost Kramer, Hochschule Wismar, University of Technology, Business and Design
Witten Prof. Dr. Martin Schnell, Private Universität Witten/Herdecke
Wolfenbüttel Prof. Dr. Ludger Kolhoff, Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften
Wuppertal Prof. Dr. Hans J. Lietzmann, Bergische Universität Wuppertal; Dr. Gertrud Oelerich, Bergische Universität Wuppertal
* keine Hochschulangaben
Im Ausland
Helsinki Prof. Dr. Rainer Kuhlen*
Innsbruck Prof. Dr. Paul Mecheril, Universität Innsbruck
Jerusalem Prof. Yfaat Weiss, The Hebrew University of Jerusalem
Klagenfurt Prof. Dr. Ulrike Loch, Alpen Adria Universität Klagenfurt
Linz Dr. Waltraud Ernst, Johannes Keppler Universität Linz
Luzern Prof. Dr. Marlies Fröse, Hochschule Luzern
Utrecht Dr. Christoph Baumgartner, University of Utrecht
Wien PD Dr. Cornelia Klinger, Institut für die Wissenschaften vom Menschen
Zürich Dr. Sabine Höhler, ETH Zürich

Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten

Mitglieder der Auswahlkommission
des Studienwerks der Heinrich-Böll-Stiftung
Prof. Dr. Gabriele Abels
Prof. Dr. Christine Bauhardt
Hartmut Bäumer
Prof. Dr. Timm Beichelt
Prof. Dr. Klaus Boehnke
Dr. des. Manuela Böhm
Paula Bradish
Prof. Dr. Margrit Brückner
Dr. Stephan Bundschuh
Dr. Christof Cebulla
Dr. Christian Chua
Prof. Dr. Hansjörg Dilger
Dr. Frieder Dittmar
Dipl. Psych. Sandra Dümer
Prof. Dr. Christel Eckart
Prof. Dr. Anke Fesenfeld
Prof. Dr. Juliane Filser
Dr. Gernot Folkers
Prof. Dr. Joachim Gessinger
Prof. Dr. Gerd Grözinger
Dr. Katrin Grüber
Dr. Ines Hartwig
Prof. Dr. Sabine Hofmeister
Dr. Gisela Holfter
Dr. Gabriele Hooffacker
Dr. Sabine Horn
Michael Jainzik
Prof. Dr. Uta Klein
Prof. Dr. Claudia Kraft
Prof. Dr. Dorothea Kübler
Prof. Dr. Margitta Kunert-Zier
Prof. Dr. Carmen Leicht-Scholten
Helmuth Lohan
Dr. Alexandra Lübcke
Prof. Dr. Margreth Lünenborg
Dr. Lilian Marx-Stölting
Prof. Dr. Paul Mecheril
Prof. Dr. Christoph Menke
Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel
Prof. Dr. Birgit Meyer
Dr. Birgit Möller
Prof. Dr. Bettina Oppermann
Dr. Lena Partzsch
Prof. Dr. Wolfgang Riedel
Prof. Dr. Christoph Scherrer
Jörg Schreiber
Prof. Dr. Joachim Schulze
Dr. Christine Schwarz
Judith Strohm
Prof. Dr. Kerstin Stutterheim
Prof. Dr. Ulrike Stutz
Prof. Dr. Caja Thimm
Prof. Dr. Stefan Troebst
Prof. Dr. Hans-Jürgen von Wensierski
Prof. Dr. Wolf Wagner
Henriette Wägerle
Prof. Dr. Gerald Warnecke
Prof. Dr. Martina Weber
Prof. Yfaat Weiss
Dr. René Wildangel
Dr. Inga Winkler
Prof. Dr. Theresa Wobbe

75

76

Adressen

Adressen
Stand: April 2011

Heinrich-Böll-Stiftung

Archiv Grünes Gedächtnis

Schumannstraße 8
�
10117 Berlin
�
T 030-28 53 40 F 030-28 53 41 09
�
E info@boell.de W www.boell.de
�

Eldenaer Straße 35
�
10247 Berlin
�
T 030-285 34-260 F 030-285 34-52 60
�
E archiv@boell.de
�

Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung
Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg e.V.

Rieckestraße 26, 70190 Stuttgart
�
T 0711-26 33 94 10 F 0711-26 33 94 19
�
E info@boell-bw.de W www.boell-bw.de
�

Stiftung Leben und Umwelt
Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen e.V.

Warmbüchenstraße 17, 30159 Hannover
�
T 0511-301 85 70 F 0511-301 85 714
�
E info@slu-boell.de W www.slu-boell.de
�

Petra-Kelly-Stiftung – Bildungswerk für Demokratie
und Ökologie in Bayern e.V.

Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen

Reichenbachstraße 3a, 80469 München
�
T 089-24 22 67 30 F 089-24 22 67 47
�
E info@petra-kelly-stiftung.de W www.petrakellystiftung.de
�

Graf-Adolf-Straße 100, 40210 Düsseldorf
�
T 0211-93 65 08 0 F 0211-93 65 0825
�
E info@boell-nrw.de W www.boell-nrw.de
�

Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.

Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz

Kottbusser Damm 72, 10967 Berlin
�
Martinstraße 2, 55116 Mainz
�
T 030-612 60 74 F 030-618 30 11
�
T 06131-90 52 60 F 06131-90 52 69
�
E info@bildungswerk-boell.de W www.bildungswerk-boell.de
� E mainz@boell-rlp.de W www.boell-rlp.de
�
Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg e.V.

Heinrich-Böll-Stiftung Saar e.V.

Dortusstraße 52, 14467 Potsdam
�
T 0331-200 57 80 F 0331-200 57820
�
E organisation@boell-brandenburg.de
�
W www.boell-brandenburg.de
�

Talstraße 56, 66119 Saarbrücken
�
T 0681-58 35 60 F 0681-58 35 36
�
E boell.stiftung@t-online.de W www.boell-saar.de
�
Bildungswerk Weiterdenken in der Heinrich-Böll-Stiftung

Heinrich-Böll-Stiftung Bremen e.V.

Plantage 13, 28215 Bremen
�
T 0421-35 23 68 F 0421-35 23 89
�
E ruedel.boell@arcor.de W www.boell-bremen.de
�

Schützengasse 18, 01067 Dresden
�
T 0351-494 33 11 F 0351-494 34 11
�
E info@weiterdenken.de W www.weiterdenken.de
�
Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt e.V.

Umdenken – Politisches Bildungswerk
Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg e.V.

Kurze Straße 1, 20355 Hamburg
�
T 040-389 52 70 F 040-380 93 62
�
E info@umdenken-boell.de W www.umdenken-boell.de
�

Leipziger Straße 36, 06108 Halle (Saale)
�
T 0345-202 39 27 F 0345-202 39 28
�
E info@boell-sachsen-anhalt.de
�
W www.boell-sachsen-anhalt.de
�
Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein e.V.

Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V.

Niddastraße 64, 60329 Frankfurt a. M.
�
T 069-23 10 90 F 069-23 94 78
�
E info@hbs-hessen.de W www.hbs-hessen.de
�

Medusastraße 16, 24143 Kiel
�
T 0431-906 61 30 F 0431-906 61 34
�
E info@boell-sh.de W www.boell-sh.de
�
Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen e.V.

Heinrich-Böll-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Mühlenstraße 9, 18055 Rostock
�
T 0381-492 21 84 F 0381-492 21 56
�
E post@boell-mv.de W www.boell-mv.de
�

Trommsdorffstraße 5, 99084 Erfurt
�
T 0361-555 32 57 F 0361-555 32 53
�
E info@boell-thueringen.de W www.boell-thueringen.de
�

Adressen

Auslandsbüros der Heinrich-Böll-Stiftung
Afrika
Regionalbüro Ostafrika/Horn von Afrika

Heinrich Böll Foundation, Forest Road
P.O. Box 10799-00100, GPO Nairobi, Kenia
T +254-20-374 42 27/375 03 29 F +254-20-374 91 32
E nairobi@hbfha.com W www.hbfha.com
Landesbüro Nigeria

Heinrich Böll Foundation, 3rd Floor, Rukayat Plaza
93, Obafemi Awolowo Way, Jobi District Abuja
T +234-803 629 02 79
E info@ng.boell.org W www.boellnigeria.org

Landesbüro Afghanistan

Heinrich Böll Foundation, Qala-e-Fathullah,
Street 1, House Nr. 1129, Kabul, Afghanistan
T +93-700-295 972 F +93-70-29 59 72
E officekabul@hbfasia.org W www.boell-afghanistan.org
Landesbüro China

Heinrich Böll Foundation
8, Xinzhong Xijie, Gongti Beilu
Asia Hotel, Office Building No. 309, 100027 Beijing, China
T +86-10-66 15 46 15-105 F +86-10-66 15 46 15-102
E info@boell-china.org W www.boell-china.org
Europa
Büro Europäische Union Brüssel

Regionalbüro Südliches Afrika

Heinrich Böll Foundation
The Avalon Building, 123 Hope Street Gardens,
8001 Cape Town, Südafrika
T +27-21-461 62 66 F +27-21-462 71 87
E info@boell.org.za W www.boell.org.za
Landesbüro Äthiopien

Heinrich Böll Foundation
Off Bole Medhanealem, House no 2264
P.O. Box Number 3174, Code 1250, Addis Abeba, Äthiopien
T +251-11-663 11 00 F +251-11-618 54 88
E info@et.boell.org W www.boell-ethiopia.org
Asien

Heinrich Böll Foundation, Rue d'Arlon 15,
B–1050 Bruxelles, Belgien
T +32-2-743 41 00 F +32-2-743 41 09
E brussels@boell.eu W www.boell.be
Regionalbüro Zentraleuropa (Warschau)

Fundacja Heinricha Bölla
ul. Zurawia 45, 00-680 Warszawa, Polen
T +48-22-594 23-33 F +48-22-594 23-37
E pl-info@pl.boell.org W www.boell.pl
Regionalbüro Tschechien/Slowakei (Prag)

Opatovická 28
CZ – 110 00 Praha 1, Tschechien
T +420-251 81 41 73 F +420-251 81 41 74
E info@cz.boell.org W www.boell.cz

Regionalbüro Pakistan/Afghanistan

Heinrich Böll Foundation, Nisar Road, House 76-B
Lahore Cantt-54800, Pakistan
T +92-42-3666 63 22 F +92-42-3666 48 99
E lahoreoffice@hbfasia.org W www.boell-pakistan.org
Regionalbüro Südostasien

Heinrich Böll Foundation
75 Sukhumvit 53 Klongton Neua, Wattana
53 Sukkumvit, Bangkok 10110,Thailand
T +02-66 25 960 F +02-66 27576
E office@th.boell.org W www.boell-southeastasia.org
Landesbüro Kambodscha

Heinrich Böll Foundation, Street 222, House No. 34
Sangkat Beung Raing, Khan Dann Penh
Phnom Penh, Kambodscha
T +855 23 210 535 F +855 23 216 482
E phnompenh@hbfasia.org W www.boell-cambodia.org

Landesbüro Ukraine

Heinrich-Böll-Stiftung
wul. Antonowytscha (Gorkogo) 37/13, Büro 10
03150 Kiew, Ukraine
T +38044 390 70 78 F +38044 287 56 50
E info@boell.org.ua W www.boell.org.ua
Landesbüro Türkei

Heinrich-Böll-Stiftung
Inönü Caddesi, Hacı Hanım Sok 10/12+4
34439 Gümüsˇsuyu – Istanbul, Türkei
T +90-212-249 15 54 F +90-212-245 04 30
E info@boell-tr.org W www.boell-tr.org
Landesbüro Russland

Heinrich Böll Foundation, Grusinskij Pereulok 3-231,
RU 123056 Moskau, Russland
T +7-499-254 14 53 F +7-495-935 80 16
E info@boell.ru W www.boell.ru

Landesbüro Indien

Heinrich Böll Foundation,
C – 20, 1st Floor, Qutub Institutional Area,
New Delhi 110016, Indien
T +91-11-2685 4405 F +91-11-26 96 28 40
E india@hbfasia.org W www.boell-india.org

Regionalbüro Südkaukasus

Heinrich Böll Foundation
38, Zovreti Str., 0160 Tbilissi, Georgien
T +995-32-380 467 F +995-32-91 28 97
E info@boell.ge W www.boell.ge

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78

Adressen

Regionalbüro Südosteuropa

Regionalbüro Mittlerer Osten

Fondacija Heinrich Böll
Dobraˇcina 43, 11 000 Belgrad, Serbien
T +381-11-30 33 833 F +381-11-2180049
E hbs-bgd@hbs.rs W www.boell.rs

Heinrich Böll Foundation, 266, Rue Gouraud,
P.O. Box 175510, Gemmayzeh, Beirut, Libanon
T +961-1-56 29 26 F +961-1-56 29 78
E boell@terra.net.lb W www.boell-meo.org

Landesbüro Bosnien und Herzegowina

Regionalbüro Arabischer Naher Osten

ˇekalusˇa 42
Fondacija Heinrich Böll, C
71000 Sarajevo, Bosnien und Herzegowina
T +387-33-260 450 F +387-33-260 460
E h.boell@bih.net.ba W www.boell.ba

Heinrich Böll Foundation, Tal az-Zaatar St. 6
P.O. Box 2018 Ramallah, Palästina
T +972-2-296 11 21 F +972-2-296 11 22
E info@ps.boell.org W www.ps.boell.org

Landesbüro Kroatien

Nordamerika

Fondacija Heinrich Böll, Berislaviceva 20
HR-10000 Zagreb, Kroatien
T +385-1-48 12 530 F +385-1-481 89 77
E hbs-hr@zamir.net W www.boell.hr
Lateinamerika
Landesbüro Brasilien

Fundação Heinrich Böll, Rua da Glória 190, ap. 701
20241-180 Rio de Janeiro – Gloria, Brasilien
T +55-21-32 21 99 00 F +55-21-32 21 99 22
E boell@boell.org.br W www.boell-latinoamerica.org
Regionalbüro Cono Sur

Fundación Heinrich Böll,
Avenida Francisco Bilbao 882
Providencia
752-0063 Santiago de Chile, Chile
T +56-2-584 01 72 F +56-2-584 01 72-101
E info@boell.cl W www. boell-latinoamerica.org
Regionalbüro Mittelamerika/Mexiko /Karibik (Mexiko-Stadt)

Fundación Heinrich Böll, Calle José Alvarado 12-B
Colonia Roma Norte, Delegación Cuauhtémoc,
CP 06760, México D.F., Mexiko
T +52-55-52 64 15 14 F +52-55-52 64 28 94
E asistente@boell-latinoamerica.org.mx
W www.boell-latinoamerica.org
Regionalbüro Mittelamerika/Mexiko/Karibik (San Salvador)

Fundación Heinrich Böll, Residencial Zanzibar,
Pasaje A-Oriente No. 24
San Salvador, El Salvador
T +503-22 74 68 12 F +503-22 74 69 32
E enlaces@boell.org.sv
W www.boell-latinoamerica.org
Naher Osten
Landesbüro Israel

Heinrich Böll Foundation, Nahalat Binyamin 24,
65162 Tel Aviv, Israel
T +972-3-516 77 34 F +972-3-516 76 89
E info@il.boell.org W www.boell.org.il

Regionalbüro Nordamerika

Heinrich Böll Foundation, Chelsea Gardens
1638 R Street, NW, Suite 120,
Washington, DC, 20009, USA
T +1-202-462 75 12 F +1-202-462 52 30
E info@boell.org W www.us.boell.org

Freundinnen und Freunde

79

Fördern und spenden
Viele Menschen unterstützen die Heinrich-Böll-Stiftung durch ihre Mitglied­
schaft im Freundeskreis, durch Spenden, Patenschaften oder langfristige
Partnerschaften. Auch durch ehrenamtliche Tätigkeiten als Referent/innen,
als Vertrauensdozent/innen oder als Mitglied eines Beratungsgremiums
helfen sie mit, unsere Ziele zu verwirklichen und unsere Bildungs- und
Projektarbeit im In- und Ausland weiter zu entwickeln.
So können auch Sie die Heinrich-Böll-Stiftung unterstützen:
mit Ihrer Mitgliedschaft im Freundeskreis

mit einer langfristigen Partnerschaft

Als Mitglied zahlen Sie einen Jahresbeitrag von
92 Euro, ermäßigt 46 Euro und Schüler/Studierende 25 Euro. Sie erhalten den «Info-Brief»
mit aktuellen Informationen über Aktivitäten der
Stiftung und des Freundeskreises, zudem Einladungen zu besonderen Veranstaltungen wie der
Petra-Kelly-Preisverleihung. Unsere Mitglieder
haben die Möglichkeit, jährlich an einer politischen Begegnungsreise zu unseren Projektpartnern ins Ausland teilzunehmen.

In der Broschüre «Spuren hinterlassen» geben wir
sachliche Informationen rund um die Themen Erben, Vererben, Stiften. Wir zeigen, wie Sie Partner oder Partnerin der Heinrich-Böll-Stiftung
werden können. Gemeinsam mit uns können Sie
Ihre demokratischen Ideale und Ihr politisches
Engagement dauerhaft weiterführen und an die
nächste Generation weiterreichen. Gerne schicken
wir Ihnen die Broschüre zu und beantworten Ihre
Fragen.

mit Ihrer Spende oder Patenschaft für Künstler/
innen im Heinrich-Böll-Haus

Werden Sie Pate oder Patin!

Sie ermöglichen damit internationalen Autor/innen und Künstler/innen einen Aufenthalt im Heinrich-Böll-Haus in Langenbroich, dem früheren
Domizil des Schriftstellers. Dort können sie frei
von ökonomischem oder politischem Druck ungestört arbeiten. Den Spendenaufruf für das Stipendienprogramm unterstützen die Literaturnobelpreisträger Günter Grass und Imre Kertész.
Günther Grass und Imre Kertész

Beitrittserklärung: Absender/in

Postkarte
bitte mit 45c
freimachen

Name:
Vorname:
Institution/
Organisation:

l

l privat

dienstlich

Anschrift
Straße:
PLZ/Ort:

	 	

E-Mail:
Telefon/Fax:
*Ihre Angaben werden gemäß dem Bundesdatenschutzgesetz
streng vertraulich behandelt.

l Bitte schicken Sie mir Informationen über die Heinrich-Böll-Stiftung zu.
Datum/
Unterschrift:
Bitte auch die andere Seite ausfüllen!

Heinrich-Böll-Stiftung

Freundinnen und Freunde
Schumannstraße 8
10117 Berlin

80

Freundinnen und Freunde

Freundinnen und Freunde

Ulrike Cichon
Koordinatorin des Freundeskreises

Mechtild M. Jansen und Helga Metzner, 	
Koordinationsgremium des Freundeskreises	�

Die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung tragen dazu
bei, die Selbständigkeit der Stiftung und die Qualität ihrer Arbeit langfristig zu sichern. Mit ihren Mitgliedsbeiträgen unterstützen sie Menschenrechtsaktivisten und -aktivistinnen sowie kleinere Kunst- und Kulturprojekte. Im Jahr 2010 gehörten 530 Personen dem Freundeskreis
an, vom Studenten bis zur Ruheständlerin, vom Freiberufler bis zur
Professorin.
Neben Einladungen zu exklusiven Veranstaltungen erhalten die Mitglieder regelmäßige Informationen über die aktuelle Stiftungsarbeit und
die Aktivitäten des Freundeskreises. Eine Vielzahl weiterer Veranstaltungen bieten Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu treten.
Bei den After-Work-Treffen 2010 z.B. standen mit China und Russland zwei Schwergewichte der internationalen Politik im Fokus. Die dortigen Büroleiter/innen berichteten von den politischen Entwicklungen
und der Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen in Sachen
Demokratieförderung, Klima- und Menschenrechtspolitik.
Die Begegnungsreise im Frühjahr führte wegen der großen Resonanz
im Vorjahr erneut nach Israel und Palästina. Im Herbst führte eine weitere Begegnungsreise nach Kiew. Höhepunkt und zugleich Schreckensszenario der Folgen eines atomaren Super-GAUs war der Besuch von
Tschernobyl mit der Kernzone rund um das stillgelegte Atomkraftwerk
und die verlassene Stadt Pripjat. Der ehemalige Liquidator des AKW
begleitete die Gruppe und berichtete von den dramatischen Ereignissen
vor 25 Jahren.
Ulrike Cichon
T 030-285 34-112 F -5112
E cichon@boell.de
W www.boell.de/freundeskreis

Begegnungsreise nach Kiew 2010

Beitrittserklärung
Ich unterstütze die Ziele der Heinrich-Böll-Stiftung und erkläre meinen Beitritt zu den
Freundinnen und Freunden der Heinrich-Böll-Stiftung als (bitte ankreuzen):

Zahlungsweise

l Bankeinzug
Bitte buchen Sie den angekreuzten Betrag von ¤
bei Fälligkeit bis auf Widerruf von meinem Konto ab.

Mitglied

l mit dem Regelbeitrag von 92 ¤ im Jahr
l mit dem ermäßigten Jahresbeitrag für Geringverdienende von 46 ¤
l mit dem Jahresbeitrag von 150 ¤
l mit dem Jahresbeitrag von 300 ¤
l mit dem Jahresbeitrag von ¤
l mit dem Jahresbeitrag von 25 ¤ für Schülerinnen und Schüler, Studierende,
Erwerbslose und – auf Antrag – Menschen im Ruhestand
Institutionelles Mitglied (Unternehmen und Organisationen)

l mit einem Jahresbeitrag von 184 ¤
l mit einem Beitrag für Basisinitiativen von 92 ¤

Konto-Nr:
BLZ:
Geldinstitut:

Wenn mein Konto nicht ausreichend gedeckt ist, ist die Bank nicht verpflichtet, den Betrag
abzubuchen.

l

Überweisung

Den Betrag von ¤
habe ich auf das Konto bei der Bank für
Sozialwirtschaft BLZ 100 205 00 Konto-Nr. 307 67 02 überwiesen.

Ich werde nicht Mitglied, aber ich unterstütze die Heinrich-Böll-Stiftung
mit einer einmaligen Spende von

¤

Bitte auch die andere Seite ausfüllen!

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l	l	l	 	l	l	l	 	l	l

Datum/
Unterschrift:

Leitbild
der Heinrich-Böll-Stiftung
Die Heinrich-Böll-Stiftung versteht sich als Teil der «grünen» Immigranten. Nicht zuletzt treten wir für Gewaltfreiheit und
politischen Grundströmung, die sich weit über die Bundesre- eine aktive Friedenspolitik ein.
Für unser Engagement suchen wir strategische Partnerpublik hinaus in Auseinandersetzung mit den traditionellen
politischen Richtungen des Sozialismus, des Liberalismus und schaften mit anderen, die unsere Werte teilen. Wir handeln
des Konservatismus herausgebildet hat. Unsere gemeinsamen unabhängig und in eigener Verantwortung.
Wir haben unsere Wurzeln in der Bundesrepublik und sind
Grundwerte sind Ökologie und Nachhaltigkeit, Demokratie
und Menschenrechte, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit. zugleich ideell wie praktisch ein internationaler Akteur.
Unser Namensgeber, der Schriftsteller und NobelpreisträEin besonderes Anliegen ist uns die Geschlechterdemokratie, also die gesellschaftliche Emanzipation und die Gleich- ger Heinrich Böll, steht für eine Haltung, der wir uns selbst
berechtigung von Frauen und Männern. Wir engagieren uns verpflichtet sehen: Verteidigung der Freiheit, Zivilcourage,
für die Gleichberechtigung kultureller und ethnischer Min- streitbare Toleranz und die Wertschätzung von Kunst und
derheiten und für die soziale wie politische Partizipation von Kultur als eigenständige Sphären des Denkens und Handelns.

Wir sind eine grüne Ideenagentur

Wir geben Denkanstöße für demokratische Reformen und soziale Innovationen.
Wir engagieren uns für ökologische Politik und
nachhaltige Entwicklung im globalen Maßstab.
Wir geben Kunst und Kultur Raum zur Darstellung
und Auseinandersetzung.
Wir vermitteln Wissen von Expertinnen und Experten an politische Akteure.
Wir sind ein Ort für offene Debatten und fördern den
Dialog zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft
und Gesellschaft.
Wir fördern begabte, gesellschaftspolitisch engagierte Studierende im In- und Ausland.
Wir dokumentieren die Geschichte der grünen
Bewegung als Fundus für die Forschung und Quelle
politischer Orientierung.
Wir sind ein internationales Politik-Netzwerk

Wir verstehen uns als Teil eines globalen grünen
Netzwerkes und fördern die Entwicklung der grünen
politischen Bewegung auf allen Kontinenten.
Ein besonderes Anliegen ist uns die Verbreiterung
und Vertiefung der europäischen grünen Bewegung.

Wir engagieren uns bei der Entwicklung einer europäischen politischen Öffentlichkeit.
Wir unterstützen die politische Partizipation der
Zivilgesellschaft und beteiligen uns an Konferenzen
und Verhandlungen im Rahmen multilateraler
Organisationen.
Wir engagieren uns weltweit für Ökologie,
Demokratie und Menschenrechte

Ökologie und Demokratie sind für uns untrennbar.
Wir unterstützen deshalb Personen und Projekte,
die sich für Ökologie, Menschenrechte, Demokratie
und Selbstbestimmung einsetzen.
Wir fördern weltweit die Entwicklung von Rechtsstaatlichkeit und demokratischer Partizipation.
Wir setzen uns für die Überwindung von Dominanz,
Fremdbestimmung und Gewalt zwischen den
�
Geschlechtern ein.
�
Wir betrachten ethnische und kulturelle Vielfalt als
Bestandteil einer demokratischen Kultur.
�
Wir ermutigen zu Zivilcourage und gesellschaftlichem Engagement.
Wir vermitteln das Knowhow für erfolgreiche Selbstorganisation und Intervention an politische Akteure.
�

Wir überprüfen und verbessern unsere Arbeit in einem konEngagement, fachliche und menschliche Kompetenz, Kreativität und Flexibilität zeichnen unsere Mitarbeiterinnen und tinuierlichen Prozess und stellen uns der internen und exterMitarbeiter im In-und Ausland aus. Sie sind hoch qualifiziert, nen Bewertung. Wir stehen für einen wirtschaftlichen, effiziteamorientiert und bilden mit ihrer überdurchschnittlichen enten Einsatz der uns zur Verfügung stehenden öffentlichen
Mittel und sorgen für transparente Geschäftsabläufe.
Motivation das Vermögen der Stiftung.
Wir praktizieren ein produktives Miteinander von BundesChancengleichheit und ein respektvoller Umgang zwischen
Frauen und Männern verschiedenen Alters, verschiedener stiftung und Landesstiftungen.
Wir sind ein verlässlicher Partner für ehrenamtliches Enreligiöser Bekenntnisse, ethnischer Herkunft und sexueller
Orientierung sind konstitutiv für die Stiftung. Interkulturelle gagement und für die Zusammenarbeit mit Dritten.
Als politische Stiftung handeln wir unabhängig und in eigeKompetenz und ein produktiver Umgang mit Vielfalt sind
ner Verantwortung auch gegenüber Bündnis 90/Die Grünen.
Teil unserer Betriebskultur.
Wechselseitiger Respekt und eine vertrauensvolle Zusam- Unsere Eigenständigkeit wahren wir auch bei der Auswahl
menarbeit mit unseren Partnern bilden die Grundlage un- unserer Führungskräfte und der Besetzung unserer Gremien.
serer Geschäftsbeziehungen.

Organisationsplan der Heinrich-Böll-Stiftung e.V., Stand: 30. April 2011
Schumannstraße 8, 10117 Berlin
T 030-285 34-0 F 030-285 34-109 E info@boell.de (Nachname@boell.de)

Mitgliederversammlung

W www.boell.de

49 Mitglieder

Aufsichtsrat

9 Mitglieder

Vorstand

Geschäftsführung

Gremien
und Fachbeiräte
Freundinnen und Freunde
Frauenrat
Fachbeirat Studienwerk
Fachbeirat Nord-Süd
Fachbeirat Europa/Transatlantik

Ralf Fücks

Barbara Unmüßig

Dr. Birgit Laubach

Michael Walther
Diana Zink-Röhe

Claudia Rolf
Kathrin Klaua

Beate Fröhlich
Jülide Arik
Paulina Berndt

Programm

Szenarien f
ökologische

Gemeinschaftsaufgaben

Dorothee L
Geschlechterdemokratie

Henning von Bargen
Birgitta Hentschel
Susanne Diehr

Politische Bildung Inland

Interkulturelles Management/
Diversity

Mekonnen Mesghena

Interne Revision

Freundeskreis

Günther Öchsner
Christa Drießen

Ulrike Cichon (bis 2012)
Dr. Janina Bach (ab 2012)

Internationale Zusammenarbeit

Globalisieru
und Nachha

Lilia Fuhr

Unterneh

Kommunika

Dr. Andreas Poltermann
Petra Stegemann

Steffen Heizmann
Halina Bogusz
Stephanie Mendes

Programm Szenarien für die
ökologische Wende

Internationale Politik

Regionalreferat Asien

Regionalreferat Lateinamerika

Presse- und

Heike Löschmann
Martina Hennies
Annette Kraus
Joanna Barelkowska (bis 5/11)
Simone Zühr (ab 6/11)

Thorsten Volberg (bis 8/11)
Petra Zimmermann
Dagmar Wöhlert

Büro Bangkok:
Jost Pachaly

Annette von Schönfeld
Petra Tapia
Iciar Oquinena
Ana Kemlein
Evelyn Hartig

Karoline Hu
Vera Loren
Arfasse Ga
dienst bis 1

Internationale Ökologiepolitik

Büro Lahore:
Britta Petersen

Büro Mexiko-Stadt:
Ingrid Spiller

Büro Neu Delhi:
Dr. Axel Harneit-Sievers

Büro Rio de Janeiro:
Dr. David Bartelt

Markus Reu
Peggy Mar
Andre Meis

Büro Phnom Peng:
Katrin Seidel (bis 5/11)
Manfred Hornung (ab 6/11)

Büro Santiago de Chile
Michael Alvarez

Bernd Rhei
Susanne Di

Regionalreferat EU/Nordamerika

Büro Kabul:
Bente Aika Scheller

Bastian Hermisson
Dr. Christine Pütz
Ewa Peteja
Sandra Nenninger
Sigrid Lukoschus

Layout/Mar

Dorothee Landgrebe (Ökologie)
Ute Brümmer (Wirtschaft/Finanzen)
Sabine Drewes (Kommunalpolitik/
Stadtentwicklung)
Rita Hoppe
Lisa Mareike Beier
Eike Botta
Andrea Meinecke
Programm Teilhabe und faire
A ufstiegschancen

Stephan Ertner (Bildung und
Wissenschaft)
Mekonnen Mesghena (Migrationspolitik)
Olga Drossou (Redaktion Migration-Integration-Diversity)
David Handwerker
Simonetta Neubert
Shira Tessmann
Programm Demokratie und
Öffentlichkeit

Monika Steins (ab 9/2011) (Kunst
& Literatur)
N.N. (ab 9/2011) (Kultur & Neue
Medien)
Dr. Anne Ulrich (Grüne Akademie)
Wolfgang Pohl (Kommunalpol.
Infothek)
Michael Stognienko (Gesellschaftspolitik)
Cristina Gómez Barrio
Karin Lenski
Andrea Mesch
Heinrich Böll – Leben und Werk

Dr. Jochen Schubert
Markus Schäfer
Haus Langenbroich

Sigrun Reckhaus
Archiv «Grünes Gedächtnis»

Dr. Christoph Becker-Schaum
Robert Camp, Anne Vechtel,
Steffi Rönnefarth, Gabriele
Giwan, Laura Rost, Julia Bresgott

Lilia Fuhr, Georg Kössler
Björn Ecklundt
Norberto Toruño
Ecofair Trade Dialogue

Ute Straub, Christine Chemnitz
Sonja Kundler
Außen- und Sicherheitspolitik

Gregor Enste
Barbara Assheuer

Annette Ma
Morena Ke

Friedenspolitische Entwicklungszusammenarbeit

Büro Peking:
Katrin Altmeyer (bis 7/11)
N.N. (ab 8/11)

Jana Mittag
Lisa Eichhorn

Regionalreferat Südosteuropa/
Osteuropa/Kaukasus

Regionalreferat Afrika

Kirsten Maas-Albert, Sven Hilbig
Beate Adolf, Nicola Egelhof,
Angelika Rössler

Büro Kapstadt:
Dr. Antonie Nord
Büro Nairobi:
Katrin Seidel (ab 6/11)
Büro Abujia:
Christine Kueviakoe-Dieter
Büro Addis Abeba:
Patrick Berg
Regionalreferat Nahost

Bernd Asbach
Birgit Arnhold, Renate Eisape,
Marlies Rüster

Büro Tel Aviv:
Marc Berthold
Büro Ramallah:
Joachim Paul
Büro Beirut:
Layla Al-Zubaidi

Büro Brüssel:
Claude Weinber

Walter Kaufmann
Gudrun Fischer
Robert Sperfeld
Kerstin Nickig

Büro Warschau:
Wolfgang Templin

Büro Belgrad:
Wolfgang Klotz

Büro Washington:
Klaus Linsenmeier

Büro Moskau:
Jens Siegert

Büro Prag:
Eva van de Rakt

Büro Tbilisi:
Dr. Iris Kempe

Büro Kiew:
Dr. Kyryl Savin

Büro Sarajevo:
Mirela Grünther-Decevic

Steuerung und Evaluierung

Büro Zagreb:
Vedran Horvat

Büro Istanbul:
Dr. Ulrike Dufner

Kirsten Dagane
Margarete Tanzmann
Enilce Feikes
Jan Schmidt
Sabine Hämmerling
Murat Pekün
Qualitätsmanagement und
Evaluierung

Christiane Dilger

Online-Red

Lektorat

Elke Paul

Konferenzz

Gundula Fi
Eva Klakl
Julia Reiter
Jens Groß
Sabine Kön
Soumicha E
Mamadou L

IT/ Technisc

Bert Bloss

Server- und

Dietmar Gr
Gabriele Ho
Simon Sch e
Technische

Martina Ku
Dawina Ga

Heinrich-Böll-Stiftung
T 0711-26 33 94 10
Baden-Württemberg

eunde

w erk
d
Transatlantik

012)
2012)

Petra-Kelly-Stiftung
T 089-24 22 67 30
Bayern

Programmteams (mit Koordinator/innen)
Szenarien für die
ökologische Wende

Soziale Teilhabe und faire
Aufstiegschancen

Öffentlichkeit und
Demokratie

Dorothee Landgrebe

Stephan Ertner

Monika Steins (ab 9/2011)

Globalisierung
und Nachhaltigkeit

Friedenspolitische Entwicklungszusammenarbeit

Außen- und
Sicherheitspolitik

Lilia Fuhr

Jana Mittag

Gregor Enste

Unternehmensdienste

Studienwerk

Kommunikation und Medien

Haushalt und Finanzen

Annette Maennel
Morena Keckel

Christian Fronda

Dr. Ulla Siebert
Kathrin Hohmann-Mehring,
Bärbel Karger, Liette Thill

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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Bilanzbuchhaltung und Banken

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T 0331-280 07 86
Brandenburg

Bildungswerk
Umwelt und Kultur
T 0421-35 23 68
Bremen
umdenkenPolitisches Bildungswerk
T 040-389 52 70
Hamburg
Heinrich-Böll-Stiftung
T 069-23 10 90
Hessen

Bildungswerk M.V.
T 0381-492 21 84
MecklenburgVorpommern
Stiftung Leben
und Umwelt
T 0511-301 85 70
Niedersachsen
Heinrich-Böll-Stiftung
T 0211-936 50 80
Nordrhein-Westfalen

Heinrich-Böll-Stiftung
T 06131-90 52 60
Rheinland-Pfalz

Heinrich-Böll-Stiftung
T 0681-58 35 60
Saarland

BildungswerkWeiterdenken
T 0351-494 33 11
Sachsen
Heinrich-Böll-Stiftung
T 0345-202 39 27
Sachsen-Anhalt

Bildungswerk
anders lernen
T 0431-906 61 30
Schleswig-Holstein
Heinrich-Böll-Stiftung
T 0361-555 32 57
Thüringen

Die Heinrich-Böll-Stiftung mit Sitz in Berlin-Mitte, gegenüber Bildungsarbeit und als Ausdrucksform gesellschaftlicher Selbstverdem Deutschen Theater, ist eine politische Stiftung und steht der Partei ständigung.
Im Jahr 2010 vergab das Studienwerk der HeinBündnis 90/Die Grünen nahe. Die Stiftung versteht sich als Agentur rich-Böll-Stiftung 206 Stipendien an Studierende und Promovenden
für grüne Ideen und Projekte, als reformpolitische Zukunftswerkstatt neu.
Die Mitgliederversammlung, bestehend aus 49 Personen,
und internationales Netzwerk mit über 100 Partnerprojekten in rund ist das oberste Beschlussfassungsorgan und wählt u. a. den Vorstand.
60 Ländern. Sie kooperiert mit 16 Landesstiftungen in allen BundesDen hauptamtlichen Vorstand bilden z. Zt. Ralf Fücks und Barländern.
Heinrich Bölls Ermutigung zur zivilgesellschaftlichen bara Unmüßig. Die Geschäftsführung hat Dr. Birgit Laubach inne.
Einmischung in die Politik ist Vorbild für die Arbeit der Stiftung. Ihre
Die Satzung sieht für die Organe der Stiftung und die hauptamtvorrangige Aufgabe ist die politische Bildung im In- und Ausland zur lichen Stellen eine Quotierung für Frauen sowie für Migrantinnen und
Förderung der demokratischen Willensbildung, des gesellschaftspoli- Migranten vor.
Zur Zeit unterhält die Stiftung Auslandsbüros in
tischen Engagements und der Völkerverständigung. Dabei orientiert Brüssel, in Polen, Tschechien, der Türkei, Russland, Georgien, Ukraine,
sie sich an den politischen Grundwerten Ökologie, Demokratie, Soli- Bosnien, Serbien, Kroatien, Israel, Libanon, dem Arabischen Nahen
darität und Gewaltfreiheit.
Ein besonderes Anliegen ist ihr die Osten, Äthiopien, Kenia, Nigeria, Südafrika, Thailand, Kambodscha,
Verwirklichung einer demokratischen Einwanderungsgesellschaft Pakistan, Indien, Afghanistan, China, Brasilien, Chile, Mexiko, El
sowie einer Geschlechterdemokratie als eines von Abhängigkeit und Salvador und in den USA.
Im Jahr 2010 standen der Stiftung
Dominanz freien Verhältnisses der Geschlechter.
Darüber hinaus rund 45,6 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln zur Verfügung.
fördert die Stiftung Kunst und Kultur als Element ihrer politischen

Heinrich-Böll-Stiftung e.V. – Die grüne politische Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin
T 030–28 53 40 F 030–28 53 41 09 E info@boell.de W www.boell.de

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zum Thema. 
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tar versehen werden.  
        
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