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Full text: Jahresbericht ... Issue 2008

Jahresbericht 2008


Leitbild
der Heinrich-Böll-Stiftung
Die Heinrich-Böll-Stiftung versteht sich als Teil der «grünen» Immigranten. Nicht zuletzt treten wir für Gewaltfreiheit und
politischen Grundströmung, die sich weit über die Bundesre- eine aktive Friedenspolitik ein.
Für unser Engagement suchen wir strategische Partnerpublik hinaus in Auseinandersetzung mit den traditionellen
politischen Richtungen des Sozialismus, des Liberalismus und schaften mit anderen, die unsere Werte teilen. Wir handeln
des Konservatismus herausgebildet hat. Unsere gemeinsamen unabhängig und in eigener Verantwortung.
Wir haben unsere Wurzeln in der Bundesrepublik und sind
Grundwerte sind Ökologie und Nachhaltigkeit, Demokratie
und Menschenrechte, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit. zugleich ideell wie praktisch ein internationaler Akteur.
Unser Namensgeber, der Schriftsteller und NobelpreisträEin besonderes Anliegen ist uns die Geschlechterdemokratie, also die gesellschaftliche Emanzipation und die Gleich- ger Heinrich Böll, steht für eine Haltung, der wir uns selbst
berechtigung von Frauen und Männern. Wir engagieren uns verpflichtet sehen: Verteidigung der Freiheit, Zivilcourage,
für die Gleichberechtigung kultureller und ethnischer Min- streitbare Toleranz und die Wertschätzung von Kunst und
derheiten und für die soziale wie politische Partizipation von Kultur als eigenständige Sphären des Denkens und Handelns.
Wir sind eine grüne Ideenagentur

Wir geben Denkanstöße für demokratische Reformen
und soziale Innovationen.
Wir engagieren uns für ökologische Politik und nachhaltige Entwicklung im globalen Maßstab.
Wir geben Kunst und Kultur Raum zur Darstellung
und Auseinandersetzung.
Wir vermitteln Wissen von Expertinnen und Experten an politische Akteure.
Wir sind ein Ort für offene Debatten und fördern den
Dialog zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft
und Gesellschaft.
Wir fördern begabte, gesellschaftspolitisch engagierte Studierende im In- und Ausland.
Wir dokumentieren die Geschichte der grünen Bewegung als Fundus für die Forschung und Quelle politischer Orientierung.
Wir sind ein internationales Politik-Netzwerk

Wir verstehen uns als Teil eines globalen grünen
Netzwerkes und fördern die Entwicklung der grünen
politischen Bewegung auf allen Kontinenten.
Ein besonderes Anliegen ist uns die Verbreiterung
und Vertiefung der europäischen grünen Bewegung.

Wir engagieren uns bei der Entwicklung einer europäischen politischen Öffentlichkeit.
Wir unterstützen die politische Partizipation der
Zivilgesellschaft und beteiligen uns an Konferenzen
und Verhandlungen im Rahmen multilateraler Organisationen.
Wir engagieren uns weltweit für Ökologie,
Demokratie und Menschenrechte

Ökologie und Demokratie sind für uns untrennbar.
Wir unterstützen deshalb Personen und Projekte, die
sich für Ökologie, Menschenrechte, Demokratie und
Selbstbestimmung einsetzen.
Wir fördern weltweit die Entwicklung von Rechtsstaatlichkeit und demokratischer Partizipation.
Wir setzen uns für die Überwindung von Dominanz, Fremdbestimmung und Gewalt zwischen den
Geschlechtern ein.
Wir betrachten ethnische und kulturelle Vielfalt als
Bestandteil einer demokratischen Kultur.
Wir ermutigen zu Zivilcourage und gesellschaftlichem Engagement.
Wir vermitteln das Knowhow für erfolgreiche Selbstorganisation und Intervention an politische Akteure.

Wir überprüfen und verbessern unsere Arbeit in einem konEngagement, fachliche und menschliche Kompetenz, Kreativität und Flexibilität zeichnen unsere Mitarbeiterinnen und tinuierlichen Prozess und stellen uns der internen und exterMitarbeiter im In-und Ausland aus. Sie sind hoch qualifiziert, nen Bewertung. Wir stehen für einen wirtschaftlichen, effiziteamorientiert und bilden mit ihrer überdurchschnittlichen enten Einsatz der uns zur Verfügung stehenden öffentlichen
Mittel und sorgen für transparente Geschäftsabläufe.
Motivation das Vermögen der Stiftung.
Wir praktizieren ein produktives Miteinander von BundesChancengleichheit und ein respektvoller Umgang zwischen
Frauen und Männern verschiedenen Alters, verschiedener stiftung und Landesstiftungen.
Wir sind ein verlässlicher Partner für ehrenamtliches Enreligiöser Bekenntnisse, ethnischer Herkunft und sexueller
Orientierung sind konstitutiv für die Stiftung. Interkulturelle gagement und für die Zusammenarbeit mit Dritten.
Als politische Stiftung handeln wir unabhängig und in eigeKompetenz und ein produktiver Umgang mit Vielfalt sind
ner Verantwortung auch gegenüber Bündnis 90/Die Grünen.
Teil unserer Betriebskultur.
Wechselseitiger Respekt und eine vertrauensvolle Zusam- Unsere Eigenständigkeit wahren wir auch bei der Auswahl
menarbeit mit unseren Partnern bilden die Grundlage un- unserer Führungskräfte und der Besetzung unserer Gremien.
serer Geschäftsbeziehungen.

Inhalt


Vorwort

2

Globalisierung und Nachhaltigkeit

4

Europapolitik

13

Internationale Demokratieförderung

19

Wirtschaft, Soziales und Finanzkrise

24

Außen- und Sicherheitspolitik

28

Gunda-Werner-Institut

32

Globale Geschlechterpolitik

34

Bildung und Wissenschaft

36

Migration und Interkulturelles Management

38

Nachwuchsförderung

40

Kommunalpolitik

46

Kunst und Kultur

47

Heinrich-Böll-Haus Langenbroich

51

GreenCampus

53

Grüne Akademie

54

Archiv Grünes Gedächtnis

55

Preise

56

Die Stiftung im neuen Haus

57

Stiftungsmanagement

58

Gremien

64

Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten

65

Adressen

68

Fördern und Spenden

71

2

Vorwort

Vorwort

Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten! Der von Menschen verursachte Klimawandel ist
ohne Beispiel, und die Welt ist von einer Finanz- und Wirtschaftskrise historischen Aus­
maßes erfasst worden. Dabei war der Crash des neoliberalen Kapitalismus nur eine Frage
der Zeit. Die schuldengetriebene Überhitzung der Kapitalmärkte hatte ihr Zentrum in den
USA. Insofern hängt auch die Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise zu guten
Teilen an den USA.
Die Heinrich-Böll-Stiftung engagiert sich mit einer Vielzahl von Projekten für ein bes­
seres Verständnis und gemeinsames Handeln zwischen den USA und Europa. Dies gilt
auch – und gerade – für die Umsetzung eines «Green New Deal». Dahinter steht die Idee,
dass die weltweite Doppelkrise von Wirtschaft und Umwelt nur mit einer gemeinsamen
Anstrengung gemeistert werden kann, die Wirtschaft auf einen ökologischen Kurs zu trim­
men, Energie- und Ressourceneffizienz im großen Stil voranzutreiben und in Bildung, In­
novationen und Maßnahmen zur globalen Gerechtigkeit zu investieren. Es geht um nicht
weniger als die Transformation des bisherigen fossilen Kapitalismus in eine nachhaltige
Wirtschaftsweise. Die Chance dafür ist vorhanden. Wir haben vielleicht nur die eine.
Dieser Wandel braucht eine entschlossene Politik, die den Märkten ökologische und
soziale Leitplanken vorgibt. Europa muss hier vorangehen. Eine vollständige Versorgung
mit erneuerbaren Energien wäre ein Tragpfeiler dieses neuen Wirtschaftssystems. Allein
mit nationalen klima- und energiepolitischen Maßnahmen ist dieses Ziel jedoch nicht zu
erreichen. Eine von der Heinrich-Böll-Stiftung in Auftrag gegebene Studie schlägt des­
halb die Gründung einer Europäischen Gemeinschaft für Erneuerbare Energien (ERENE)
vor. ERENE steht für die ökologische Modernisierung des Stromsektors in Europa, für
die Errichtung eines gemeinsamen Binnenmarkts für erneuerbare Energien und das dafür
notwendige europaweite Leitungsnetz. Die Studie wird in zahlreichen Mitgliedsstaaten
der Europäischen Union vorgestellt. Das bisherige Echo ist ermutigend. Unser Ziel ist es,
möglichst viele Verbände, Parlamentarier/innen und Regierungen für dieses Projekt zu
gewinnen.
Der Klimaschutz war und bleibt bei uns ganz oben auf der Agenda. Eine CO²-freie Wirt­
schaft gibt es nur, wenn wir überall auf der Welt Menschen dafür gewinnen, selbst aktiv zu
werden. Mit «Sonne, Wind & Wir – Klimatour 2008» haben wir gemeinsam mit den Lan­
desstiftungen Neuland betreten und sind mit Rockbands, Kabarettisten und Klimafach­
leuten für den Klimaschutz durch Deutschland getourt. Politische Bildung einmal ganz
anders!
Auch international ist die Stiftung ein wichtiger klimapolitischer Akteur geworden. Un­
ser politisches Motto heißt «Klima der Gerechtigkeit». In Zusammenarbeit mit NGOs und
Klimafachleuten haben wir das Konzept «Greenhouse Development Rights» (GDRs) vor­
gelegt, das auf den Prinzipien der Verantwortung für den Klimawandel und der Fähig­
keit zum Handeln für den Klimaschutz beruht und nach einem gerechten Ausgleich zwi­
schen Ländern und Bevölkerungsgruppen sucht. Dieses Konzept ist auf breites Interesse
bei NGOs und internationalen Institutionen gestoßen; für einzelne Regierungen ist die Idee
von GDRs sogar zum Referenzrahmen für ihre Vorschläge im Klimaschutz geworden.
Weltweit engagieren wir uns für einen Ausstieg aus fossilen Energien, gegen Atomkraft
und für einen Klimaschutz, der Armutsüberwindung und Geschlechtergerechtigkeit einbe­
zieht. Wir unterstützen Menschen und Projekte, die sich für eine andere Energie-, Land­
wirtschafts- und Waldpolitik einsetzen. Und wir ermöglichen politische Einmischung für
unsere Partnerinnen und Partner zunächst in ihren Ländern, aber auch international bei
den Klimaverhandlungen.
Das Jahr 2009 wird ein Schlüsseljahr für den globalen Klimaschutz. In Kopenhagen soll
ein neues Klimaschutzabkommen unterzeichnet werden. Wird es den Durchbruch für einen
konsequenten Klimaschutz bringen? Dafür brauchen wir eine politische und gesellschaftli­
che Offensive. Mit unserem globalen Klimanetzwerk werden wir dazu beitragen.
Wir erleben gegenwärtig eine folgenschwere geopolitische Verschiebung: Aufstrebende
Mächte wie China und Indien treffen auf eine angeschlagene Weltmacht USA und fordern
ihre politische Mitsprache ein. Immerhin haben die USA mit Barack Obama einen Hoff­

3

Vorwort

nungsträger zum Präsidenten gewählt, der die Probleme offen ausspricht. Herkulische
Aufgaben warten auf ihn: Seine Regierung muss den Wirtschaftsmotor des Landes wie­
der anwerfen und ihm dabei ein nachhaltiges Betriebssystem verpassen. Obama muss die
multilaterale Kooperation in der internationalen Politik stärken, das Verhältnis der USA
zur islamischen Welt verbessern und mit Blick auf die zahlreichen Krisenherde Führung
zeigen. Die USA können dem Rest der Welt nicht ihren Willen aufzwingen, aber ohne sie
werden auch in Zukunft keine tragfähigen Lösungen für globale Probleme möglich sein.
Ähnliches lässt sich über China sagen: Die Lösung der weltweiten Probleme – ob Kli­
mawandel oder die Wirtschafts- und Finanzkrise – kann gewiss nur mit China gelingen.
So hat das Land immense Währungsreserven, die in der Finanzkrise gebraucht werden.
Und als Verschmutzer der Atmosphäre hat China die USA überholt, wenn auch noch lange
nicht beim CO²-Ausstoß pro Kopf. Deshalb hat sich die Stiftung auch im vergangenen Jahr
intensiv mit dem Riesenreich befasst. Die Olympischen Spiele 2008 waren Anlass für eine
Reihe von Veranstaltungen, die sich mit den gesellschaftlichen Entwicklungen und Re­
formprozessen des Landes auseinandersetzten. Der Kern unserer Arbeit ist unsere Beteili­
gung am ökologischen, sozialen und politischen Reformdiskurs in China selbst. Wir stehen
für den Dialog mit Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft.
Höhepunkt unseres demokratiepolitischen Engagements war die Verleihung des Petra­
Kelly-Preises 2008 an den Rechtsanwalt Zhang Sizhi. Er ist einer jener mutigen Kämpfer
für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie in China, der dem Gedanken der Herrschaft durch
das Recht seit Jahrzehnten ein Gesicht gibt. In China genießt Zhang Sizhi als Intellektu­
eller und Jurist hohes Ansehen und gilt vielen als das «Gewissen der Anwälte». Dass die
Bundesministerin der Justiz, Brigitte Zypries, die Laudatio auf den Preisträger hielt, war
ein besonderes Zeichen der Anerkennung.
Der Einzug in unser neues Haus in der Schumannstr. 8 war für uns natürlich ein her­
ausragendes Ereignis im Jahr 2008. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bezeichnete das
neue Böll-Haus als Beispiel, «wie eine Bauästhetik, die mit der Aufbruchseuphorie der jun­
gen Bundesrepublik verbunden ist, in eine Architektur für den Alltag im postfossilen Zeit­
alter überführt werden könnte». Auch das Einweihungsfest wird uns in guter Erinnerung
bleiben. Als Ehrengast wünschte Bundespräsident Horst Köhler der Stiftung in seinem
Grußwort, dass sie «neugierig bleiben» möge «in diesem schönen Haus und überall auf der
Welt». Wir nehmen diese Anregung gerne auf.
Anfang diesen Jahres erreichte uns eine traurige Nachricht: In der Nacht vom 30. auf
den 31. Januar 2009 ist Viktor Böll verstorben. Mit ihm verliert die Stiftung einen lang­
jährigen Freund und Förderer. Dreißig Jahre war Viktor Böll Leiter des Heinrich-BöllArchivs der Stadt Köln. Gemeinsam mit der Stiftung organisierte er Ausstellungen und
Buchprojekte und bestritt zahllose Veranstaltungen zu Heinrich Bölls Leben und Werk.
Er wird uns als warmherziger, lebenskluger und humorvoller Freund, Kollege und Wegge­
fährte in Erinnerung bleiben.
Ohne breite ehrenamtliche Unterstützung wäre unsere Arbeit nicht möglich gewesen.
Die Gelder des Förderkreises versetzen uns z.B. in die Lage, Projekte zu fördern, die wir
nicht aus öffentlichen Mitteln finanzieren können. Zahlreiche Menschen unterstützen die
Stiftung auch durch ihre Mitarbeit in unseren Gremien. Bei ihnen allen bedanken wir uns
nachdrücklich.
Ganz besonderer Dank gilt wie stets unseren hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mit­
arbeitern im In- und Ausland. Ihr engagierter und kreativer Einsatz ist das Fundament für
unsere nun schon über zwei Jahrzehnte währende erfolgreiche Arbeit.
Berlin, im April 2009
Ralf Fücks
Barbara Unmüßig
Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung

Ralf Fücks

Barbara Unmüßig

4

Globalisierung und Nachhaltigkeit

Globalisierung und
Nachhaltigkeit
Der Klimawandel spitzt sich zu, Rohstoffe werden knapp, die weltweite Wirtschafts­
krise erfordert eine radikale Neuordnung der internationalen Finanzarchitektur.
Auch die globalen Handelsabkommen müssen neu verhandelt werden. Jede einzelne
dieser Krisen stellt die Politik vor enorme Herausforderungen, zusammengenommen
erfordern sie ein umfassendes Denken und Handeln, dem unsere Institutionen nicht
gewachsen scheinen. Die Heinrich-Böll-Stiftung beschäftigt sich im In- und Ausland
mit den zahlreichen Baustellen der Globalisierung und sucht nach nachhaltigen und
gerechten Lösungen. Wir begleiten die internationalen Klimaverhandlungen und för­
dern die Zivilgesellschaft. Wir suchen bessere Institutionen und eine Energieversor­
gung für die Zukunft.
Blog
http://baustellen-der-globalisierung.blogspot.com

Blog
www.klima-der-gerechtigkeit.de

Tourzeitung der Heinrich-Böll-Stiftung: Die
Band «Wir sind Helden» war einer der Haupt­
acts der Klimatour.

Klimatour 2008
Deutschlandweit: Sonne, Wind und Wir!

Klimatour 2008: Das Berliner Trio «e la luna»
am 12. Juli in Eberswalde.

Der Klimawandel ist in aller Munde. Doch die weltweiten CO²-Emissionen steigen weiter,
und der globale Rohstoffhunger beginnt auch die letzten Naturreservate zu zerstören. Vor
allem die reichen Industrieländer müssen beim Umwelt- und Klimaschutz vorangehen,
schließlich sind sie für den Großteil der CO²-Emissionen verantwortlich. Um die Wende
zu schaffen, müssen alle ihren Beitrag leisten: Politik, Unternehmen, Verbraucherinnen
und Verbraucher. Jeder einzelne ist gefordert, das zu tun, was in seiner Macht steht. Die
Klimatour «Sonne, Wind und Wir» der Heinrich-Böll-Stiftung zeigte, wie das gehen kann.
«Wir müssen den Schritt vom Wissen zum Handeln tun», so die Botschaft der Tour. An­
gesichts der globalen Gefahren des Klimawandels und des Tempos, in dem er stattfindet,
braucht es eine große Bewegung für die ökologische Wende: für erneuerbare Energien,
für einen umweltfreundlichen Lebensstil, für verbindliche internationale Abkommen zur
Verminderung der Treibhausgase. Klima ist eine Zukunftsfrage, die nicht den Spezialisten
überlassen werden darf.
Die Tour startete im Juni in Rostock und endete im Oktober in Münster. Mit dabei wa­
ren zahlreiche Bands, Kabarettisten und Klimafachleute, Politikerinnen und Politiker. In
München gastierte die Klimatour zum Beispiel mit MIA, Rainer von Vielen und Klaus
Kreuzeder. Rund achthundert Besucherinnen und Besucher zog es zum Konzert in die Muf­
fathalle. Doch es gab nicht nur Musik, es wurde auch diskutiert. «Ich bin ein neuer Öko!»,
diesen Satz hätte Peter Unfried, stellvertretender Chefredakteur der taz, früher mit ei­
nem ironischen Lächeln quittiert. In der Diskussion um sein neues Buch Al Gore, der neue

5

Globalisierung und Nachhaltigkeit

Kühlschrank und ich erklärte er, warum man angesichts der Folgen des Klimawandels
nicht mehr gleichgültig sein darf, und forderte die Zuhörenden auf, sich für den Klima­
schutz zu engagieren.
Im Berliner Yaam am Ostbahnhof rockten u. a. die Bands Ginsengbonbons, 40 Fiyah,
Flambeau, Ragga Gagga Gang, Port Royal, Supertrioformat, Die stillen Denker und End­
lich Freitag für mehr Umweltschutz und einen verantwortlicheren Umgang mit unseren
Ressourcen. Auf großes Interesse stieß eine von Jugendlichen selbst vorbereitete Ausstel­
lung über Ursachen und Folgen des Klimawandels. Auch eine eigens für das Konzert pro­
duzierte Zeitung war in vielen Händen zu sehen.
Informationen, Debatten und Musik gab es auch im Mainzer Kunst- und Kulturzentrum.
Stiftungsvorstand Barbara Unmüßig diskutierte mit Imme Scholz vom Deutschen Institut
für Entwicklungshilfe und dem grünen Politiker Sven Giegold über globale Klimagerech­
tigkeit. Auch die Auseinandersetzung um das geplante Kohlekraftwerk in Mainz war ein
Thema. Der musikalische Input kam von Judith Holofernes von Wir sind Helden. «An die
Arbeit!» heißt einer ihrer Songs, mit dem die Helden ihr mitreißendes Konzert eröffneten.
Davor betonte Ralf Fücks, Vorstand der Stiftung, im Gespräch mit der Moderatorin Silke
Super, dass es vor allen Dingen um die Zukunft der heutigen Jugend ginge.
Mit einer Tourzeitung, der Website www.sonnewindundwir.de und auf Myspace bot die
Heinrich-Böll-Stiftung Informationen und Tipps rund um den Klimawandel, interaktive
Spiele, Interviews mit den Künstlerinnen und Künstlern der Tour und vieles mehr. Un­
terstützt wurde die Klimatour von EcoTopTen, Intro, Wom-Magazin, Prinz, Mediagen,
Greencity, Motor FM, Brandeins, Umagazine.de, Yahoo! Musik, Wir Klimaretter, MTV.
de, laut.de und dem Netzwerk fairdo.

Zur Lage der Welt 2009. Ein Planet vor der
Überhitzung
Hrsg. vom Worldwatch-Institute in Zusam­
menarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung und
Germanwatch
Münster 2009, 320 Seiten, 19,90 Euro

www.sonnewindundwir.de

Networking
Poznan: Aktivitäten rund um den UN-Klimagipfel
Vom 1. – 12. Dezember 2008 trafen sich Politiker/innen und Diplomat/innen, Klimaex­
pert/innen und Nichtregierungsorganisationen auf der UN-Klimakonferenz im polnischen
Poznan (Posen). Von Anfang an war klar, dass die dortigen Klimaverhandlungen nur ein
Zwischenschritt auf dem Weg nach Kopenhagen sein würden, wo im Dezember 2009 ein
neues Klimaabkommen verabschiedet werden muss. Entsprechend gering waren die Er­
wartungen. Und doch herrschte am Ende Katerstimmung. Für viele Beobachter waren
die beiden Wochen in Poznan ein Rückschritt. Die Industrieländer hatten weder Ziele für
die Reduktion von Emissionen vorgelegt noch Zusagen gemacht, die Entwicklungsländer
beim Klimaschutz, der nachhaltigen Entwicklung und Anpassung an den Klimawandel
finanziell zu unterstützen. Überrascht haben hingegen einige Entwicklungsländer. Sie ha­
ben sich nationale Ziele gesteckt, Klimaaktionspläne vorgelegt oder weitere Maßnahmen
und Ziele für das kommende Jahr angekündigt. Auf einmal übernehmen Länder wie Südaf­
rika, Indien, Mexiko und Brasilien die Führung in der Klimapolitik und werden zu treiben­
den Kräften in einem ansonsten stockenden Prozess.
Auch die Heinrich-Böll-Stiftung war mit rund 80 Mitarbeiter/innen und Partner/innen
aus aller Welt in Poznan vertreten. Mit Unterstützung der beiden Stiftungsbüros in War­
schau und Prag war die Böll-Delegation an zahlreichen Veranstaltungen beteiligt, darun­
ter vier offizielle «Side Events», zwei «Dinner Debates» und ein Einführungsworkshop.
Mit Kommentaren und Video-Interviews auf dem Blog «Klima-der-Gerechtigkeit.de» und
einem Webdossier begleitete sie die offiziellen Verhandlungen. Da mit steigendem Tempo
und politischem Druck in den Verhandlungen auch die Spannungen und Konflikte inner­
halb der Zivilgesellschaft zunehmen, versuchte die Heinrich-Böll-Stiftung vor und in Poz­
nan Brücken zu bauen und Netzwerke zu schaffen. So hatte die Stiftung im Oktober einen
Climate Equity Summit von Klimaaktivistinnen und -aktivisten aus Nord und Süd im süd­
indischen Mamallapuram unterstützt.
In Poznan selbst konnte die Stiftung auf zahlreiche gute Kontakte und Partner in den
Auslandsbüros und Regionen zurückgreifen, darunter Wael Hmaidan, den Mitbegründer
der libanesischen Umweltschutzgruppe IndyAct (League of Independent Activists), Lin­
da Adams, Chefin der kalifornischen Umweltbehörde California Environmental Protec­
tion Agency und enge Vertraute von Gouverneur Arnold Schwarzenegger, sowie Kathleen
Frangione, Klimaberaterin von US-Senator John Kerry.

Mit dem Kyoto-Protokoll von 1997 verpflich­
teten sich die wichtigsten Industrieländer, bis
2012 den jährlichen Ausstoß von sechs Treib­
hausgasen um insgesamt 5,2 Prozent im Ver­
gleich zu 1990 zu mindern. Da das Kyoto-Pro­
tokoll im Jahr 2012 ausläuft, soll im Dezember
2009 in Kopenhagen ein neues Klimaabkommen
verabschiedet werden.

Bali, Poznan, Kopenhagen – Dreisprung zu einer
neuen Qualität der Klimapolitik?
Ein Hintergrundpapier von Christoph Bals
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
in Zusammenarbeit mit Germanwatch
Schriften zur Ökologie – Band 2
Berlin 2008, 52 Seiten

India: Emerging Leadership on Climate Change
An Overview concerning India's Domestic Laws,
and the Instruments and Measures of Climate
Change Mitigation by Malini Mehra,Centre for
Social Markets
Published by Heinrich Böll Foundation
North America, Washington 2008, 29 pages
Download: www.boell.org

Dossier: «Auf dem Weg nach Kopenhagen»
www.boell.de/klima

6

Globalisierung und Nachhaltigkeit

Poznan, Dezember 2008 (l – r): Al Gore auf der
UN-Klimakonferenz; Side Event der Heinrich­
Böll-Stiftung mit Sivan Kartha, Herbert Kri­
stofferson, Lili Fuhr, Fernar Tudela und Sudhir
Sharma.

Downloads: www.boell.de

Darüber hinaus präsentierte die Heinrich-Böll-Stiftung in Poznan mit den beiden Studi­
en «ERENE» und «Greenhouse Development Rights Framework» Reformvorschläge. Bis
zum nächsten Klimagipfel in Kopenhagen wird sich die Heinrich-Böll-Stiftung vor allem
mit Klimagerechtigkeit, der Anpassung an den unvermeidbaren Klimawandel in Entwick­
lungsländern und der notwendigen Finanzierung entsprechender Maßnahmen beschäfti­
gen, denn Aspekte der Entwicklungspolitik und der Klimagerechtigkeit drohen bei den
Verhandlungen zunehmend unter den Tisch zu fallen.

Report
Die Greenhouse Development Rights – Klimapolitik als
Frage der Gerechtigkeit
The Greenhouse Development Rights Framework:
The Right to Development in a Climate Con­
strained World
A report by Paul Baer, Tom Athanasiou, Sivan
Kartha and Eric Kemp-Benedict
Published by the Heinrich-Böll-Stiftung,
Christian Aid, EcoEquity and the Stockholm
Environment Institute. Revised second edition!
Publication Series on Ecology – Volume 1
Berlin 2008, 112 pages

Der GDRs-Ansatz auf Deutschland angewandt:
Deutschlands Vorreiterrolle auf dem Prüfstand.
Wie schützen wir die Menschenrechte im Treib­
haus?
Von Tilmann Santarius
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Berlin 2008, 36 Seiten

Distribution of emission allowances under Green­
house Development Rights and other effort sharing
approaches
A Report by Niklas Höhne and Sara Moltmann
Berlin 2008, 67 pages

Um den Klimawandel zu bremsen, müssen die weltweiten CO²-Emissionen drastisch re­
duziert werden. Doch das Maß an global benötigten Emissionsreduktionen übersteigt bei
weitem das, was die einzelnen Industrieländer leisten können oder wollen. Ein erheblicher
Teil der CO²-Reduktionen wird auch in den Ländern des Südens stattfinden müssen. Diese
haben jedoch eine viel geringere Verantwortung für das Problem und zudem nur sehr be­
grenzte finanzielle und institutionelle Kapazitäten, es zu bekämpfen. Es stellt sich daher
die Frage, welche Finanz- und Technologietransfers diesbezüglich von Nord nach Süd not­
wendig sein werden.
Aus diesem Dilemma bietet das Modell der Greenhouse Development Rights (GDRs) ei­
nen Ausweg: Es schlägt eine Lastenteilung im Klimaregime vor. Alle Länder müssen ihren
Beitrag zum Klimaschutz leisten, aber die Anstrengungen und Kosten werden so verteilt,
dass arme Länder zuerst ihre Armut bekämpfen können. So müssen auf der einen Seite die
Industrieländer ihre Klimaschutzmaßnahmen intensivieren und sich an der Finanzierung
von Klimaschutz und Anpassung in den armen Ländern gemäß ihrer Verantwortung betei­
ligen. Auf der anderen Seite müssen aber auch die Eliten in den Schwellen- und Entwick­
lungsländern einen fairen Anteil an den globalen Kosten übernehmen.
Entwickelt von dem kleinen amerikanischen Thinktank EcoEquity und dem Stockholm
Environment Institute und unterstützt von der Heinrich-Böll-Stiftung, hat das GDRs-Mo­
dell eine breite Wirkung entfaltet. Es erfährt in der Zivilgesellschaft und bei verschiedenen
Regierungen und internationalen Organisationen mittlerweile hohe Anerkennung. Inzwi­
schen gibt es zahlreiche Überlegungen und Publikationen zu der Frage, wie sich das Kon­
zept für ein globales Klimaabkommen in Kopenhagen nutzbar machen lässt.

Strategiekonferenz
Beirut/Ramallah: Arabische Allianz gegen den Klimawandel
Die Gefahren des Klimawandels beunruhigen inzwischen auch die arabische Welt. Dort
finden sich mit den Golfstaaten und dem Irak einige der größten Ölproduzenten der Welt,
aber auch Länder, die kaum über Öleinnahmen verfügen und somit stark von ihren rei­
chen Nachbarn abhängen. Die arabischen Regierungen geeint zum Kampf gegen den Kli­
mawandel zu bewegen, erscheint daher vielen als ein unmögliches Unterfangen. Genau
das hat sich aber die Arab Climate Change Alliance zum Ziel gesetzt. Im vergangenen
Jahr in Beirut auf Initiative von IndyAct – League of Independent Activists aus der Taufe

7

Globalisierung und Nachhaltigkeit

Die Arab Climate Chance Alliance – mit geein­
ten Kräften gegen den Klimawandel! Gegründet
von IndyAct mit Unterstützung der Heinrich­
Böll-Stiftung.

gehoben, handelt es sich um eine Allianz arabischer Nichtregierungsorganisationen gegen
den Klimawandel. Mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung will die Allianz mit ei­
ner breit angelegten «Klimaoffensive» das Thema auf die politische Tagesordnung in den
arabischen Staaten bringen. In Kooperation mit dem Büro Beirut der Heinrich-Böll-Stif­
tung veranstaltete Indyact im Oktober 2008 zusammen mit dem renommierten Thinktank
Issam Fares Institute for Public Policy & International Affairs eine zweitägige Strategie­
konferenz, die alle Mitglieder des neuen Netzwerks versammelte, um eine gemeinsame
Position der arabischen Zivilgesellschaft für künftige Klimaverhandlungen auszuarbeiten.
Einigkeit bestand darin, dass es an der Zeit sei, sich gegen die saudischen Bemühungen zu
wehren, die internationalen Klimaverhandlungen weiter zu behindern. In einer abschlie­
ßenden Erklärung rief die Allianz die arabischen Regierungen dazu auf, die Gefahren des
Klimawandels nicht länger als «Problem des Westens» abzutun und in den bevorstehenden
Klimakonferenzen eine aktive Politik zu betreiben.
Information und Mobilisierung der Zivilgesellschaft standen im Zentrum einer großen
Konferenz, die das Büro Ramallah zusammen mit der Universität der Vereinten Nationen
in Amman (Jordanien) nur wenige Wochen später veranstaltete. Zahlreiche zivilgesell­
schaftliche Organisationen aus der arabischen Welt wurden von Fachleuten über die prog­
nostizierten Folgen des Klimawandels im Nahen und Mittleren Osten informiert und berie­
ten über zukünftige Strategien und Aktivitäten, um die Bevölkerung in der Region für das
Thema zu sensibilisieren. Auch in Zukunft werden die Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in
der Region viele dieser Aktivitäten unterstützen.

www.arabclimate.org

www.boell-ameo.org
www.boell-meo.org

Szenarienspiel
Washington: Klimawandel als Sicherheitsrisiko
Zeitreise ins Jahr 2015: Die weltweiten Treibhausgasemissionen schnellen trotz des Ko­
penhagener Klimaabkommens weiter in die Höhe. Die durch die Klimaerwärmung er­
zeugten Bedrohungen stellen selbst die Vorhersagen der Pessimisten in den Schatten. Die
Wüstenbildung in Asien, Afrika und im Südwesten der USA schreitet ungebremst vor­
an. Überschwemmungen an Küsten und Wirbelstürme in den Tropen richten verheerende
Schäden an. Die Zahl der Klimaflüchtlinge nimmt weiter zu. Der UN-Generalsekretär ruft
die USA, die EU, China und Indien zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, um noch am­
bitioniertere Emissionsreduktionen zu erreichen.
Mit dieser Ausgangssituation waren die mehr als 50 internationalen Teilnehmer und
Teilnehmerinnen eines dreitägigen Szenarienspiels im Sommer 2008 in Washington kon­
frontiert. Initiiert wurde es vom Center for New American Security und dem Center for
American Progress. Auch die Heinrich-Böll-Stiftung beteiligte sich an diesem einmaligen
Projekt. Ziel war es, Klimaexperten mit Sicherheitsexperten und Beratern des Präsident­
schaftskandidaten Barack Obama zusammenzubringen.
Die engagierten Verhandlungen im Plenum und in kleinen Gruppen zeigten, wie schwer
Zugeständnisse bei der Verfolgung eigener ökonomischer Interessen zu erreichen sind. Ge­
genseitiges Misstrauen ist nur mühsam zu überwinden, Verantwortung für die entstandene
Situation wird selbst im Angesicht der beschriebenen Bedrohungen nur ungern übernom­
men. Klar wurde auch: Die Einbindung der USA und Chinas sind die Pfeiler eines tragfä­
higen Verhandlungsergebnisses. Fazit dieses Versuchs: Die enormen Herausforderungen,
vor denen die Welt im Vorfeld der Verhandlungen von Kopenhagen steht, sind riesengroß!

Szenarienspiel zum Klimawandel: Reinhard
Bütikofer unterstützte das EU-Team, hier im
Gespräch mit einem chinesischen Teilnehmer.

8

Globalisierung und Nachhaltigkeit

Programm
Berlin, Brüssel, Washington: Transatlantischer Klimadialog

Transatlantisches Besuchsprogramm (l – r):
Bracken Hendricks, Till Kötter, Jens Kendzia,
Christian Hald-Mortensen, Olaf Münichsdorfer,
Aleksandra Swiergolecka, Dorota ZawadzkaStepniak, Petr Holub, Silke Malorny, Tina Davy,
Eduardo Santos und Arne Jungjohann.

Weitere Infos unter:
www.boell.de/climate-transatlantic/
index-12.html

Gemeinsam können Europa und die USA die globale Klima- und Energiepolitik voran­
bringen! Aus dieser Überzeugung heraus initiierte die Heinrich-Böll-Stiftung im Januar
2008 das zweijährige Dialog-Programm «Transatlantic Climate Policy Group». Unter­
stützt durch die Europäische Kommission, fördern seitdem die Büros in Berlin, Brüssel
und Washington den Austausch von innovativen Ideen, Konzepten und Experten. Das Jahr
2008 stand dabei ganz im Zeichen der amerikanischen Präsidentschaftswahlen und den
hohen europäischen Erwartungen an den zukünftigen Regierungschef. Intensiv analysierte
das Washingtoner Büro die klima- und energiepolitischen Konzepte beider Amtsanwärter.
Experten wie Bracken Hendricks vom Center for American Progress zeigten auf, dass Kli­
ma- und Energiepolitik unter Barack Obama stark an Bedeutung gewinnen würde und die
USA schon bald eine neue Vorreiterrolle einnehmen könnten.
Den umfangreichsten Austausch von amerikanischen und europäischen Klima- und
Energieexperten ermöglichte ein einwöchiges Besuchsprogramm in die Vereinigten Staa­
ten. Mit diesem brachte das Stiftungsbüro in Washington neun europäische Parlamentsund Regierungsberater in die amerikanische Hauptstadt und nach Kalifornien. In Gesprä­
chen und Konferenzen sprachen die Europäer mit rund 80 amerikanischen Fachleuten aus
Politik, Verwaltung und Wirtschaft.

Studie
ERENE – Eine Europäische Gemeinschaft für Erneuerbare Energien

ERENE. Eine Europäische Gemeinschaft für
Erneuerbare Energien
Eine Studie von Michaele Schreyer und
Lutz Mez
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Schriften zu Europa – Band 3
Berlin 2008, 96 Seiten

Wie kann Europa seine Energieversorgung nachhaltig sichern, den Klimawandel effektiv
bekämpfen und zugleich seine Wettbewerbsfähigkeit erhöhen? Eine Schlüsselrolle in den
Strategien nachhaltiger Energiepolitik kommt ohne Zweifel den erneuerbaren Energien
zu. In der 2008 erschienenen Studie der Heinrich-Böll-Stiftung entwickeln die Autoren
Michaele Schreyer und Lutz Mez die Vision einer vollständigen Deckung des europäischen
Strombedarfs durch erneuerbare Energien. Sie schlagen dafür die Gründung einer Euro­
päischen Gemeinschaft für Erneuerbare Energien (ERENE) vor. ERENE würde durch
gemeinsames europäisches Handeln die Nutzung des enormen Potenzials an erneuerbaren
Energiequellen in Europa ermöglichen. So würden die Voraussetzungen geschaffen, um
die klimatische, geologische und hydrologische Vielfalt in der EU, die sich in der Verschie­
denheit der erneuerbaren Energiequellen und ihrer räumlichen Verteilung in Europa nie­
derschlägt, optimal zu nutzen. Die Gemeinschaft wäre die Avantgarde für die Umstellung
der Stromerzeugung von fossilen und nuklearen Energieträgern auf erneuerbare Quellen.
ERENE steht damit für die ökologische Modernisierung des Stromsektors in Europa.
ERENE – das könnte nach der Schaffung des gemeinsamen Binnenmarkts und der ge­
meinsamen Währung ein neues großes Projekt für Europa sein, das den Wert des gemein­
samen Handelns für die Zukunftsfähigkeit Europas deutlich macht.
2008 wurde ERENE in mehreren europäischen Städten präsentiert. Zudem fanden Ex­
pertengespräche statt. Bedeutsam war unter anderem die Präsentation des Projekts im
Europäischen Parlament in Brüssel im Sommer 2008 sowie am Rande der Klimaverhand­
lungen in Poznan. Das Interesse an ERENE wächst seitdem kontinuierlich. Die Studie
wurde auf Englisch und Französisch übersetzt, eine Kurzfassung ist in mehreren anderen
europäischen Sprachen erschienen.

Veranstaltungsreihe
Kiew, Prag und Warschau: Neue Wege der Europäischen Energiepolitik
Das Thema «Energiesicherheit» ist in Mitteleuropa aufgrund der hohen Abhängigkeit von
Energieimporten aus Russland von aktueller Bedeutung. Diskutiert wird vor allem der
Aspekt der Versorgungssicherheit, weniger die Frage, inwieweit die verschiedenen Ener­
gieträger auch umweltfreundlich, risikoarm und nachhaltig sind. Mit einer Veranstal­
tungsreihe zur Energie- und Klimasicherheit in Mitteleuropa ermöglichte die Heinrich­
Böll-Stiftung in Kiew, Prag und Warschau einen Austausch über Herausforderungen und

9

Globalisierung und Nachhaltigkeit

neue Wege der europäischen Energiepolitik. Mit ERENE (Europäische Gemeinschaft für
Erneuerbare Energien) wurde ein nachhaltiger und risikoarmer Weg zur Erhöhung der
Unabhängigkeit von fossilen Ressourcen und Energieimporten vorgestellt. ERENE stieß
auf viel Interesse. Das Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Tschechien unterstützte zudem
eine Studie zu den Chancen dezentralisierter Energiesysteme.

Download (in tschechischer Sprache):
www.boell.cz

Projekt
Türkei: Mehr Energieeffizienz auf kommunaler Ebene
Die türkische Regierung hat das Jahr 2008 zum Jahr der Energieeffizienz erklärt, was von
der Bevölkerung größtenteils unbemerkt blieb. Dabei könnte die Türkei nach Schätzungen
ihren Energiebedarf durch Effizienzsteigerung um ca. 40 Prozent reduzieren. Gerade auf
kommunaler Ebene bieten sich hierfür viele Möglichkeiten. Das Büro der Heinrich-BöllStiftung in der Türkei hat im Jahr 2008 mit den Kommunen in Mugla und Yalova ein ein­
jähriges Projekt zur Öffentlichkeitsarbeit für mehr Energieeffizienz durchgeführt. Beide
Kommunen erklärten sich bereit, eines ihrer öffentlichen Gebäude durch eine Fachfirma
unter dem Gesichtspunkt des Energieverbrauchs analysieren zu lassen: Sind die Wände
richtig isoliert? Ist die Beleuchtung gut installiert? Wie steht es mit den Fenstern? Könn­
te Energie im Heizsystem gespart werden? Wie also sieht die Energiebilanz der Gebäude
aus? Die Kommunen sicherten zu, die aus der Analyse gewonnenen Erkenntnisse umzuset­
zen und die Ergebnisse zu veröffentlichen.
Aufgrund der ständig steigenden Energiepreise (allein die Kosten für Gas sind in der Tür­
kei im vergangenen Jahr um ca. 80 Prozent gestiegen) ist das Interesse der Bürgerinnen
und Bürger an Einsparmöglichkeiten enorm hoch. Zu den «Tagen der Energieeffizienz» in
Mugla und Yalova kamen mehrere Hundert Besucherinnen und Besucher. Da sowohl die
Bevölkerung als auch Fachkreise wenig über Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffi­
zienz wissen, verfasste das Türkeibüro in Kooperation mit der Technischen Universität Is­
tanbul zwei Informationsbroschüren. Die eine richtet sich an Bauunternehmen, Architek­
turbüros, Elektrounternehmen, Installateure sowie kommunale Entscheidungsträger und
informiert u. a. über die Gesetzeslage und Energiepässe für Gebäude. Die andere wendet
sich an die Endverbraucher und stellt Möglichkeiten der effizienten und kostengünstigen
Energienutzung im Privathaushalt vor. Beide Broschüren sind mittlerweile in zweiter Auf­
lage erschienen, und viele Zeitschriften möchten sie als Beilage versenden.

Energie effizienter nutzen! Die Infobroschüren
zum Thema sind stark nachgefragt.

Umweltschutzplan
Israel: Umweltgerechtigkeit und Nachhaltige Entwicklung
Es kommt in Israel nicht alle Tage vor, dass die politischen Entscheidungsträger für ihre
strategische Planung mit Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten. Noch dazu
zum Thema Umweltschutz. Im Jahr 2008 funktionierte es. Mit Unterstützung der Hein­
rich-Böll-Stiftung kooperierten Umweltorganisationen, Parlamentsabgeordnete und das
Finanzministerium, um einen realistischen Fünf-Jahres-Plan für den Erhalt der Umwelt in
Israel zu entwickeln. «Shatil», ein landesweit agierendes Ausbildungs- und Trainingszen­
trum für gemeinnützige Organisationen und Projektpartner der Heinrich-Böll-Stiftung,
koordinierte die Zusammenarbeit. Heraus kam ein Plan für eine nachhaltige Wasser-,
Energie-, Verkehrs- und Kommunalwirtschaft sowie für die Landnutzung. Das Finanzmi­
nisterium akzeptierte das Papier. Nun geht es darum, dass es ab 2010 umgesetzt werden
kann. Dafür muss der Plan in den nationalen Staatshaushalt integriert werden. Diesbezüg­
lich geplant sind eine gemeinsame Konferenz sowie Werbung für das Vorhaben.
Um Umweltfragen auf lokaler Ebene ging es bei der Kampagne «Yarok Achschaf». Sie
wurde anlässlich der Kommunalwahlen im November 2008 von Life & Environment ini­
tiiert, einem Dachverband ökologischer NGOs in Israel und Projektpartner der Heinrich­
Böll-Stiftung. Mit zahlreichen Seminaren für Umweltaktivistinnen und -aktivisten sowie
öffentlichen Diskussionen mit Kandidaten gelang es, Umweltfragen zum Wahlkampfthe­
ma zu machen. Im Ergebnis wurden in 25 Städten nicht nur etwa 70 neue Ratsmitglieder
gewählt, die sich allesamt als «grün» bezeichnen, auch die Basisgruppen, die für ihre je­
weiligen Gemeinden eine eigene ökologische Agenda entwickelt hatten, wurden gestärkt.

«Yarok Achschaf» (Green Now) – Kampagne zur
Sensibilisierung für Umweltfragen.

10

Globalisierung und Nachhaltigkeit

Symposium
Syrien: Förderung erneuerbarer Energien durch Wissenschaft und Kultur
Mit seinen natürlichen Ressourcen an Sonne und Wind verfügt der Mittlere Osten über ein
enormes Potenzial für die Entwicklung erneuerbarer Energien. Bislang fehlt es jedoch an
dem politischen Willen, an den gesetzlichen Rahmenbedingungen und der notwendigen
technischen Expertise, um erneuerbare Energien in größerem Stile nutzen zu können. Eine
Ausnahme macht Syrien, das im regionalen Vergleich fast eine Vorreiterrolle einnimmt.
In Syrien gibt es inzwischen eine Vorgabe, öffentliche Institutionen und Krankenhäuser
zumindest teilweise mit erneuerbaren Energiequellen auszustatten, und an den Universi­
täten werden entsprechende Studiengänge eingeführt. Die Bevölkerung ist sich der Vortei­
le erneuerbarer Energien allerdings kaum bewusst, und das Energiesparen kann sich nicht
durchsetzen. Um dies zu ändern, unterstützte das Büro Beirut der Heinrich-Böll-Stiftung
im November 2008 ein Symposium der Syrian Environment Protection Society in Damaskus. Internationale Expertinnen und Experten berieten ihre syrischen Kollegen darin, wie
das Wissen um erneuerbare Energien auch im Alltagsleben Anwendung finden kann. Darü­
ber hinaus wurde ein Wettbewerb für syrische Künstlerinnen und Künstler ausgeschrieben,
der dazu ermuntern soll, sich mit erneuerbaren Energien auseinanderzusetzen. Die Ergeb­
nisse werden im Jahr 2009 prämiert, ausgestellt und diskutiert.

Entwicklungspolitisches Forum
Berlin: Klima und Wandel in Amazonien
Februar 2008 im Berliner Kronprinzenpalais:
Barbara Unmüßig, Vorstand der Stiftung.

Dossier: «Klima und Wandel in Amazonien»
www.boell.de/amazonien

Mit einer Dokumentation der gleichnamigen Konferenz, Hintergrundmaterialien zu
Amazonien und zahlreichen Informationen zu
Biodiversität.

Böll.Thema 1/2008
Biodiversität. Bedrohung und Erhalt
Berlin 2008, 34 Seiten
(Printausgabe vergriffen)
Download: www.boell.de/thema

Im Mai 2008 fand in Bonn die UN-Konferenz zum Schutz der biologischen Vielfalt statt.
Der Erhalt der Biodiversität ist auch für die Heinrich-Böll-Stiftung ein zentrales Anliegen.
Bereits im Vorfeld der UN-Konferenz veranstaltete die Stiftung das Entwicklungspoliti­
sche Forum «Klima und Wandel in Amazonien» und griff damit die internationalen Debat­
ten zu Biodiversität sowie Wald- und Klimaschutz am Beispiel Amazonien auf. Neben den
Ursachen von Entwaldung und den Auswirkungen des Klimawandels kamen die Forderun­
gen und Positionen indigener Völker ebenso zur Sprache wie die verschiedenen Lösungs­
ansätze, zum Beispiel die Fair-Trade-Initiativen. Leidenschaftlich und konstruktiv wurde
über das Für und Wider der Einbeziehung der Wälder ins internationale Klimaregime
und den Emissionshandel gestritten, was unter dem Kürzel REDD (Reducing Emission
from Deforestation and Degradation) zurzeit ein wichtiges Thema bei den internationalen
Klimaverhandlungen ist. Brasilien steht REDD positiv gegenüber; es sieht darin eine riesige Entwicklungschance für Amazonien. Die Umweltverbände fürchten hingegen, dass
sich die großen Emittenten, also die Industrienationen, von einer Politikänderung zuhause
freikaufen könnten. Einigkeit bestand darin, dass REDD den Waldschutz durch die indigenen Völker explizit einbeziehen müsse.

Studien
Washington: «Klimafonds» sowie «Gender und Klima»

www.climatefundsupdate.org

Mit Blick auf ein Post-Kyoto-Abkommen, das im Dezember 2009 auf dem Klimagipfel
in Kopenhagen verabschiedet werden soll, haben Instrumente zur Klimafinanzierung in­
ternational massiv an Bedeutung gewonnen. Dutzende neuer bilateraler und multilatera­
ler Klimafonds wurden alleine in den letzten zwei Jahren geschaffen, darunter auch ein
Portfolio von Klimafinanzierungsinstrumenten, die bei der Weltbank angesiedelt sind. Ge­
speist von mehrheitlich freiwilligen finanziellen Beiträgen der Industriestaaten sollen die­
se Fonds Maßnahmen in Schwellen- und Entwicklungsländern finanzieren, die die Folgen
der globalen Erwärmung abmildern oder verhindern helfen. Das Büro der Heinrich-BöllStiftung in Washington stellte zusammen mit dem World Wildlife Fund (WWF) und dem
Overseas Development Institute (ODI) im Juli 2008 in Washington und Berlin eine Studie
vor, die einen ersten Überblick über die laufenden Veränderungen in der Umweltfinanzar­
chitektur gibt. Seit Ende 2008 ist auch die vom Büro in Washington und dem ODI geschaf­
fene Website www.climatefundsupdate.org online, die Datensätze über die 18 wichtigsten
neuen bilateralen und multilateralen Klimafonds sowie die von ihnen finanzierten Projekte

11

Globalisierung und Nachhaltigkeit

zur Verfügung stellt. Diese Projekte dienen einem doppelten Zweck: CO²-Emissionen zu
reduzieren und die Anpassungsfähigkeit gerade der ärmsten Bevölkerungsgruppen, dar­
unter vor allem Frauen, gegen den Klimawandel zu stärken. Die Tatsache, dass der Klima­
wandel nicht geschlechterneutral ist, sondern unterschiedliche Auswirkungen auf Männer
und Frauen hat, wird zwar zunehmend erkannt, allerdings fehlt bislang eine geschlechter­
differenzierte Umsetzung in den neuen Klimafonds. Wie hier Abhilfe zu schaffen ist, das
haben im vergangenen Jahr mehrere vom Büro in Washington organisierte Veranstaltun­
gen klargemacht – unter anderem auch ein zweitägiger Fachworkshop in New York mit
UNEP und UNDP.

New Finance for Climate Change and the
Environment
A Study by Gareth Porter, Neil Bird, Nanki
Kaur and Leo Peskett
Published by Heinrich Böll Foundation North
America and WWF
Washington 2008, 60 pages
Download: www.boell.org

Ressourcenpolitik
Ein transparenter, nachhaltiger, fairer und gerechter Umgang mit den natürlichen
Ressourcen der Erde ist weltweit eine entscheidende Voraussetzung für Frieden und
nachhaltige Entwicklung. Ressourcenpolitik ist auch ein Schwerpunkt der Heinrich­
Böll-Stiftung. Wir beobachten die Politik der relevanten Akteure wie Weltbank, G8 und
Europäische Union und versuchen, alternative Konzepte zu erarbeiten. Dabei konzentrie­
ren wir uns auf die Themen «Rohstoffe und Konflikte», «Finanzinstitutionen im Rohstoff­
sektor» sowie «Klimawandel und Ressourcenpolitik».

Tagung und Studie
Berlin: EU und Lateinamerika – Gefährden Rohstoffboom und
Freihandelspolitik die Menschen- und Umweltrechte?
Auch in Lateinamerika gibt es immer noch Menschenrechtsverletzungen und Umweltzer­
störungen. Eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung mit dem Titel Transnationale Unter­
nehmen vor Gericht untersucht, inwieweit europäische und transnationale Unternehmen
dafür mitverantwortlich sind. Die beiden Autoren Wolfgang Kaleck und Miriam SaageMaaß zeigen die Möglichkeiten, wie mit juristischen Mitteln gegen diese Menschenrechts­
verletzungen und illegalen Umweltzerstörungen vorgegangen werden kann. Die Studie
wurde auf einer Tagung der Stiftung vorgestellt, die sich vor dem 5. Gipfeltreffen der EU,
Lateinamerikas und der Karibik in Lima (Peru) mit den Auswirkungen der europäischen
Freihandelspolitik auf die Verwirklichung der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen
Menschenrechte in Lateinamerika befasste.

Transnationale Unternehmen vor Gericht
Über die Gefährdung der Menschenrechte durch
europäische Firmen in Lateinamerika
Eine Studie von Wolfgang Kaleck und Miriam
Saage-Maaß
Schriften zur Demokratie – Band 4
Berlin 2008, 120 Seiten
Download: www.boell.de

Konferenz
Mexiko: Politischer Wandel in Lateinamerika =
Wandel in der Wasserpolitik?
Auf dem letzten Weltwasserforum 2006 in Mexiko hatten Nichtregierungsorganisationen
angesichts von Wassermangel und steigenden Kosten eine sichere und ausreichende Was­
serversorgung für alle gefordert. Seither sind in den meisten lateinamerikanischen Län­
dern linke Regierungen an die Macht gekommen. Um zu überprüfen, ob sich der politische
Wandel auch in der Wasserpolitik niedergeschlagen hat, lud das Büro der Heinrich-BöllStiftung in Mexiko im Oktober 2008 zu einer Konferenz mit Gästen aus 19 Ländern. Wie
schwierig und langwierig es sich gestaltet, eine gerechtere, öffentliche Wasserversorgung
zu gewährleisten, wurde in den Vorträgen und Debatten schnell deutlich. Denn obwohl das
Recht auf Wasser in vielen Ländern in der Verfassung festgelegt ist, liegt die Verwirkli­
chung noch im Argen. Die Dringlichkeit einer Lösung dieses Problems wird durch den Kli­
mawandel besonders deutlich, denn er gefährdet die Wasserversorgung in vielen Teilen der
Welt erst recht. Auf der Konferenz traf daher die Idee eines Gemeingüter-Managements
auf breite Zustimmung, mit dessen Hilfe eine gerechtere und nachhaltige Wasserversor­
gung ermöglicht werden soll.

Weltweit haben 1,1 Milliarden Menschen keinen
Zugang zu sauberem Trinkwasser.

12

Globalisierung und Nachhaltigkeit

Agrarhandel
Die ökonomischen Bedingungen in der Landwirtschaft haben sich grundlegend geändert.
Die Weltmarktpreise sind im Durchschnitt um mehr als 50 Prozent gestiegen. Die Gründe
dafür sind vielfältig – eine zentrale Bedeutung kommt den steigenden Preisen für fossi­
le Energieträger und den Auswirkungen des Klimawandels zu. Durch Ernteausfälle und
hohe Agrarpreise hat sich die Ernährungslage von vielen Millionen Menschen dramatisch
verschärft. Die Heinrich-Böll-Stiftung hat sich zu den Themen «Ernährungskrise» und
«Internationale Agrarpolitik» zu einer gefragten Adresse entwickelt und die internationa­
le Debatte im Jahr 2008 mit Veranstaltungen und Publikationen begleitet.

Fachgespräch
Berlin: Hohe Agrarpreise – mehr Hunger oder mehr Chancen für den
ländlichen Raum?

Slow Trade – Sound Farming
Handelsregeln für eine global zukunftsfähige
Landwirtschaft
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung und
Misereor
2. Auflage, Berlin 2008, 92 Seiten

The Global Food Crisis: Creating an Opportunity
for Fairer and More Sustainable Food and Agri­
culture Systems Worldwide
By Daniel de la Torre Ugarte und Sophia
Murphy
Published by Heinrich Böll Foundation and
Misereor
Berlin/Aachen 2008, 46 pages
Download: www.ecofair-trade.org

Fuelling Poverty. An Agro-Fuel Guideline for India
Published by FIAN West-Bengal and Heinrich
Böll Foundation India
New Delhi 2008, 36 pages
Download: www.boell-india.org

Zusammen mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) und Germanwatch organi­
sierte die Heinrich-Böll-Stiftung im Mai 2008 ein Fachgespräch über die Folgen steigen­
der Agrarpreise. Harald Grethe, Leiter des Fachgebiets Agrar- und Ernährungspolitik der
Uni Hohenheim, Dieter Schumacher, Chefökonom von Töpfer International (einem der
größten Getreidehändler weltweit), Prof. Dr. Waibel, einer der Autoren des kurz zuvor
veröffentlichten Weltagrarberichts (IAASTD), und Wim Olthof von der EU-Kommission
setzten sich mit den Auswirkungen steigender Nahrungsmittelpreise auseinander. Wäh­
rend hohe Preise einerseits das Potenzial haben, mehr Wertschöpfung in den ländlichen
Raum zu bringen und Produzent/innen fair für ihre Produkte zu entlohnen, führen sie an­
dererseits zu Versorgungsnöten und bieten Anreize zu einer weiteren Intensivierung der
Landwirtschaft – mit problematischen Auswirkungen auf Umwelt und Klima. Diskutiert
wurden auch politische Maßnahmen und Methoden, wie die Produktion armer (Klein-)
Bauern in Entwicklungsländern auf lange Sicht erhöht werden kann und wie eine nachhal­
tige und faire europäische Agrar- und Handelspolitik ausgestaltet sein muss. Die Publika­
tion Slow Trade – Sound Farming macht dazu Vorschläge: u. a. das Prinzip der «ökonomi­
schen Subsidiarität» zu verfolgen wie das der Fairness im Handel.
Der Bericht wurde in mehrere Sprachen übersetzt, weltweit vorgestellt und diskutiert.
Neu dazu kamen im Jahr 2008 die französische und thailändische Version. Die arabische
Übersetzung wurde um ein Kapitel über die spezifischen Gegebenheiten des arabischen
Raums ergänzt und im Rahmen einer dreitägigen Konferenz in Beirut im Dezember lan­
ciert.

Diskussionspapier
«The Global Food Crisis: Creating an Opportunity for Fairer and More
Sustainable Food and Agriculture Systems Worldwide»
Das Diskussionspapier von Daniel de la Torre Ugarte und Sophia Murphy identifiziert ver­
schiedene Ursachen des Preisanstiegs für Nahrungsmittel wie z. B. veränderte Konsumge­
wohnheiten, steigender Gesamtkonsum, Spekulation an den Rohstoff- und Nahrungsmit­
telmärkten und eine steigende Nachfrage nach Agrartreibstoffen. Aber auch strukturelle
Ursachen und fehlgeschlagene Politikentscheidungen wie die Abschaffung der öffentlichen
Nahrungsreserven, eine verfehlte Landwirtschaftspolitik und das Versäumnis, Ökosyste­
me und Umwelt zu schützen, haben ihren Teil dazu beigetragen. Aufbauend auf den Ergeb­
nissen des «EcoFair Trade Dialogues» von Heinrich-Böll-Stiftung und Misereor diskutiert
das Papier notwendige Lösungen zur Überwindung der Nahrungsmittelkrise, die u. a. eine
Reform des multilateralen Handelssystems, die Umgestaltung des Landwirtschaftssektors
hin zu einer erhöhten nachhaltigen Produktion und die Regulierung der Spekulation an den
Agrarmärkten beinhalten.

13

Europapolitik

Europapolitik
Europa ist für die Heinrich-Böll-Stiftung mehr als eine Weltregion unter anderen.
Durch die Erweiterung und Vertiefung der EU ist ein eigenständiger politischer Raum
entstanden, der die Lebenswirklichkeit aller Bürgerinnen und Bürger in Europa prägt.
Die politische Gestaltung Europas ist daher ein programmatischer Schwerpunkt der
Stiftung. Wir engagieren uns für eine Fortführung der demokratischen Reform eu­
ropäischer Institutionen und eine aktive Politik der Erweiterung – durch Integration
und Europäische Nachbarschaftspolitik. Auch ein verstärktes gemeinsames Handeln
der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ist uns wichtig. Wir entwickeln hierfür
politische Konzepte und bringen sie in die öffentliche Debatte ein. Dabei arbeiten wir
eng mit europäischen Partnerinnen und Partnern aus Nichtregierungsorganisationen
und Politik, mit Fachleuten aus Thinktanks, Universitäten und grünen Netzwerken
zusammen und fördern den Dialog untereinander. Mit unseren Veranstaltungen und
Publikationen möchten wir eine gut informierte, europäische Öffentlichkeit schaffen,
die sich in die Debatte um die Zukunft Europas einmischt.

Konferenz
Berlin: Quo Vadis EU III: Europa an den Grenzen – Grenzen der EU
Nachbarschaftspolitik konnte in der EU lange Zeit mit Erweiterungspolitik gleichgesetzt
werden. Die Mitgliedsstaaten führten angrenzende Länder in mehreren Erweiterungs­
runden politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich an den «Kern» der Union heran und
nahmen sie dann als Vollmitglieder in ihren Kreis auf. Diesen Erweiterungsautomatismus
gibt es heute nicht mehr. Die Öffentlichkeit in den meisten EU-Ländern steht neuen Bei­
trittsrunden äußerst skeptisch gegenüber. Ein Großteil der politischen Elite fürchtet, dass
weitere Mitglieder die inneren Differenzen in der EU verschärfen und politische Blocka­
den auslösen werden. Die EU-Kommission reagierte 2004 und legte ein Strategiepapier
vor. Die «Expansionsdynamik» der EU soll mit der Europäischen Nachbarschaftspolitik
(ENP) unter neuen Vorzeichen fortgesetzt werden. Mit diesem Programm bietet die EU
ihren Anrainern in Osteuropa, in der Mittelmeerregion und im Südkaukasus eine engere
wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenarbeit an, die Länder haben jedoch
keine offizielle Beitrittsperspektive mehr. Dieses «Offenhalten» der Erweiterungsfrage
verteidigte Rolf Mafael vom Auswärtigen Amt auf der Konferenz der Reihe «Quo Vadis
EU?». Er erinnerte daran, dass ein späterer Beitritt nicht ausgeschlossen werde. Georg
Vobruba von der Universität Leipzig wies darauf hin, dass dieser Anreiz für viele Nachbar­
länder zu vage sein könnte. Ohne sichere Aussicht auf den «Hauptpreis» der Mitgliedschaft
würden sich viele Länder fragen, warum sie auf die hohen Anforderungen der EU eingehen
sollten. Auf einen weiteren möglichen Konstruktionsfehler der Europäischen Nachbar­
schaftspolitik verwies Elisabeth Schroedter, Mitglied des Europäischen Parlaments. Die
neuen Instrumente der ENP legen ihrer Ansicht nach – im Gegensatz zur früheren Praxis –
einen viel zu geringen Wert auf Menschenrechte, rechtsstaatliche Reformen und demokra­
tische Standards. Die heutige Migrationspolitik der EU, die kaum etwas zur humanitären
Lösung der Flüchtlingssituation in den südlichen Ländern des Mittelmeers beitrage, sei
auch ein Ergebnis dieser Entscheidung.
Die Fallbeispiele Ukraine und Tunesien demonstrierten nachdrücklich, dass die EU im
Osten und im Süden Europas ganz unterschiedlichen Problemen gegenübersteht. Frank­
reichs Präsident Sarkozy nahm diese Gegensätze wenige Monate zuvor zum Anlass, die
Gründung einer Union für das Mittelmeer (UfM) vorzuschlagen. Dies wurde auf der Konfe­
renz jedoch ebenso kritisiert, wie die Idee einer Osteuropa-Union als Gegenstück zu Frank­
reichs Initiative. Eine regionale Aufteilung der ENP wurde dagegen von einigen Referen­
ten befürwortet. Im gegenwärtigen Zustand sei das Programm im Osten unzulänglich, da
es dem Drängen der Länder auf die EU-Mitgliedschaft nicht nachkomme. Im Süden sei
das Programm dagegen weitgehend überflüssig, da dort kaum ein Interesse an der EUMitgliedschaft oder an tiefgreifenden politischen Reformen bestehe.

Quo Vadis EU III: (o) Cem Özdemir, MdB, und
Prof. Dr. Georg Vobruba, Universität Leipzig;
(u) Elisabeth Schroedter, MdEP, und Omar
Mestiri, Nationaler Rat für die Freiheiten,
Tunesien.

www.boell.eu

14

Europapolitik

Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma der europäischen Entwicklungsdynamik? Mehrere
Referentinnen und Referenten bestanden darauf, dass eine künftige Erweiterung der EU
auch ohne die Vergabe der vollen Mitgliedschaft möglich sein müsse. Im Fall der Ukraine
schlug Olena Prystayko von der Nationalen Akademie für staatliche Verwaltung beim Prä­
sidenten der Ukraine den Kompromiss einer «Semi-Mitgliedschaft» vor, die auf begrenz­
ten und klaren Vereinbarungen zwischen der EU und der Ukraine basieren könne, ohne das
Ziel der Vollmitgliedschaft auszurufen. Die ENP könnte nach Ansicht von Georg Vobruba
eine ganze Palette solch diverser Integrationsmodelle unterhalb der vollen Mitgliedschaft
bereitstellen. Alternativ könne der Status der EU-Mitgliedschaft neu definiert werden, um
künftige Beitritte zu ermöglichen.
Barbara Lippert sprach sich gegen eine derartige Aufweichung der EU-Mitgliedschaft
aus. Die EU sei ein internationaler Rechtskörper, es gebe deshalb eine klare Grenze zwi­
schen den verschiedenen Integrationsformen und einer Vollmitgliedschaft. Die instituti­
onelle Vielfalt der EU sei letztlich eine Übergangsphase, da die volle Mitgliedschaft mit
allen Rechten im Kern Europas nach wie vor die attraktivste Option sei.

Veranstaltungs- und Schriftenreihe
Warschau: Die östliche Nachbarschaft der EU

Moving out of the doldrums? Perspectives on
Change in Russia-EU Relations
Edited by Roderick Kefferpütz. Published by the
Heinrich Böll Foundation EU Regional Office
Brussels
Brussels 2008, 29 pages
Download: www.boell.eu

Die Europäische Nachbarschaftspolitik (ENP) hat nur bedingt Antworten auf die unter­
schiedlichen Interessenlagen der Osteuropäer. Aufgrund der fehlenden Beitrittsperspek­
tive positioniert sich die Ukraine, die nach der orangenen Revolution die Annäherung an
die EU und NATO anstrebt, skeptisch gegenüber der ENP. Und Belarus blieb wegen gra­
vierender Demokratiedefizite ohnehin weitgehend isoliert. Das größte EU-Nachbarland,
Russland, empfindet die potenzielle und reale Annäherung der EU an die ehemaligen So­
wjetrepubliken als Eingriff in die eigene Einflusszone. Unterschiedliche Interessen, die die
alten (u.a. Deutschland) und «neuen» (u.a. Polen) EU-Mitglieder gegenüber den östlichen
Nachbarstaaten vertreten, erschweren die Bildung einer gemeinsamen Position. Das Büro
der Heinrich-Böll-Stiftung in Warschau beobachtet die Nachbarschaftspolitik seit 2004
und bietet Veranstaltungen und Publikationen zu den aktuellen Entwicklungen an. Im Jahr
2008 ging es u. a. um die polnisch-schwedische Initiative der «Östlichen Partnerschaft».
Sie soll künftig als Ergänzung zur ENP die Beziehungen der Länder Ukraine, Moldau,
Georgien, Aserbaidschan, Armenien und Belarus zu den Mitgliedsstaaten der EU intensi­
vieren, ohne den beteiligten Staaten einen Beitrittsmechanismus in Aussicht zu stellen. In
der Veranstaltung «Belarus – verlorene Chance für Veränderungen?» zum Beispiel analy­
sierten der Menschenrechtler Vitali Silitsky und der Belarus-Experte Andrew Wilson vom
Londoner European Council of Foreign Relations die Ergebnisse der Parlamentswahlen in
Belarus. Hintergrundmaterialien bietet: www.boell.pl (auf Polnisch).

Büroeröffnung und Podiumsdiskussion
Kiew: Zwischen der EU und Russland – Außenpolitische
Herausforderungen für die Ukraine

Kiew, April 2008 (l – r): Kyryl Savin, Leiter des
neuen Büros, und Stiftungsvorstand Ralf Fücks
bei der Eröffnung.

Seit April 2008 ist die Heinrich-Böll-Stiftung mit einem eigenen Büro in Kiew vertre­
ten. Den feierlichen Auftakt der Aktivitäten machte eine Podiumsdiskussion zum Thema
«Zwischen Russland und der EU-Außenpolitische Herausforderungen für die Ukraine» am
18. April im Saal des Goethe-Instituts Kiew. Neben dem Deutschen Botschafter Reinhard
Schäfers, dem Ex-Außenminister der Ukraine Borys Tarasjuk und zahlreichen ukraini­
schen Parlamentsabgeordneten waren auch Student/innen, NGO-Aktivist/innen, Partner
der Stiftung und ukrainische Bürger/innen geladen. Der ehemalige Vize-Premierminister
für europäische Integration Oleg Rybatschuk zeigte sich zuversichtlich, dass die Büroer­
öffnung einer grünen deutschen Stiftung in Kiew einen spürbaren Beitrag zur EU-Annähe­
rung der Ukraine leisten werde. Der russische Experte Arkadij Moshes vom Finish Insti­
tute of International Affairs betonte, dass die Ukraine ein europäisches Land sei, das bald
seinen Platz unter EU-Mitgliedern finden werde. Die Bandbreite der Gäste aus verschiede­
nen politischen Lagern sorgte für eine äußerst spannende außenpolitische Diskussion.

15

Europapolitik

Internationales Expertentreffen
Tiflis, Georgien: Debatte im Zeichen des Krieges
Seit dem russisch-georgischen Krieg im August 2008 ist der südliche Kaukasus zu einem
strategischen Brennpunkt Europas geworden. Im November 2008 lud die Heinrich-BöllStiftung in Kooperation mit der Bertelsmann-Stiftung Entscheidungsträger/innen und
Expert/innen aus dem Kaukasus und Europa nach Tiflis ein. Es war das erste internationa­
le Treffen dieser Art. Die Debatte konzentrierte sich auf drei Aspekte: die internationalen
Folgen des Krieges, den Einfluss auf die demokratische Entwicklung des südlichen Kauka­
sus und die Entwicklung einer europäischen Strategie für die Region. Die Fachleute waren
sich einig, dass eine Stärkung demokratischer Institutionen und der Zivilgesellschaft zur
Verringerung der Spannungen in der Region beitragen würde. Eine Strategie für den süd­
lichen Kaukasus müsse zudem Bestandteil einer neuen globalen Sicherheitsstrategie sein.
Die Strategie dürfe sich allerdings nicht auf Georgien begrenzen, sondern müsse den ge­
samten südlichen Kaukasus einbeziehen.

www.boell.ge

Konferenz und Hintergrundanalyse
Sarajevo: Bosnien-Herzegowina und die Widersprüche des EUIntegrationsprozesses
Rund 80 Fachleute aus Bosnien-Herzegowina und der Europäischen Union diskutierten
am 24. Juni 2008 auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung in Sarajevo über die EUund die Reformperspektiven Bosnien-Herzegowinas. Kritisch hinterfragt wurden dabei die
Leistungen und Möglichkeiten der gegenwärtigen bosnisch-herzegowinischen Politik und
des Staatsmodells sowie die Maßstäbe der EU-Integrationspolitik gegenüber BosnienHerzegowina.
Die von der Heinrich-Böll-Stiftung in Auftrag gegebene Hintergrundanalyse «BosnienHerzegowina und die Widersprüche des EU-Integrationsprozesses» zeigt die Perspektiven
und Gefahren der aktuellen EU-Integrationspolitik auf und spricht Empfehlungen an die
europäischen und die innenpolitischen Akteure aus. Unter anderem wird eine Verfassungs­
reform vorgeschlagen, um Widersprüche und Blockadepotenziale im Integrationsprozess
künftig überwinden zu können. Die EU sollte ihre Doppelrolle als interner politischer Ak­
teur – in Form des Büros des Hohen Repräsentanten (OHR) – und als externes politisches
Subjekt – in Form des EU-Sonderbeauftragten (EUSR) – zugunsten institutionell klarer
Strukturen der Zusammenarbeit mit den zuständigen staatlichen Institutionen BosnienHerzegowinas aufgeben.

Capacity Building
Brüssel: Westbalkan zu Demokratie und Menschenrechten
Im April 2008 kamen 15 junge Leute von Menschenrechtsorganisationen und demokrati­
schen Parteien aus Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Kroatien, Montenegro und Serbien auf
Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung nach Brüssel, um an einem dreiwöchigen «Capacity
Building» zu Demokratie und Menschenrechten teilzunehmen. Europaabgeordnete und
Vertreter/innen von Brüsseler Thinktanks, NGOs und des Jugoslawientribunals verschaff­
ten den Gästen einen Einblick in das Funktionieren und die Bedeutung der Europäischen
Union. Im Mittelpunkt standen dabei die Integrationsperspektive ihrer Herkunftländer
und die Befugnisse und Möglichkeiten der EU hinsichtlich der Wahrung der Menschen­
rechte. Auch praktische Fähigkeiten wie Konfliktbeherrschung, Kommunikation, Lob­
byarbeit und Parteiorganisation wurden vermittelt. Von besonderem Nutzen waren die
vielen neuen Kontakte untereinander und zu Organisationen und Akteuren in Brüssel. Die
Bereitwilligkeit der jungen Generation, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und an Pro­
jekten zu arbeiten, war der eigentliche Erfolg dieses ehrgeizigen Projektes.

Bosnia and Herzegovina and Controversies of the
EU integration process
Published by the Heinrich Böll Foundation Office
in Bosnia and Herzegovina
Sarajevo 2008, 132 pages
(English and Bosnian)
Download: www.boell.ba

16

1968 revisited. 40 years of protest movements
Ed. by Noro Farik. Published by Heinrich Böll
Foundation European Union Office
Writings on Democracy – Volume 7
Brussels 2008, 68 pages
(auch auf Französisch erhältlich)

Ralf Fücks, Michail Gorbatschow und Olga
Sdrawomyslowa auf der Moskauer Konferenz
«1968 – 1988 – 2008: Schicksal der Ideen»

Europapolitik

Schwerpunkt Wendezeiten
«1968» ist zu einem politischen Mythos geworden, der nicht vergehen will. Das zeigt
der andauernde Kampf um die Deutung dieses Datums. Schon allein die Tatsache,
dass der Aufbruch dieser Jahre die europäischen Metropolen ebenso erfasste wie
Tokio, Mexico City und San Francisco, verleiht ihm eine historische Dimension.
1968 war ein globales Ereignis, eine politische und kulturelle Gezeitenwende. Doch
auch die Ereignisse von 1989 in Osteuropa haben die Welt verändert. Auch hier
waren es Proteste aus den Gesellschaften heraus, die grundlegende politische und
gesellschaftliche Erschütterungen nach sich zogen. Das Ergebnis war das Ende der
Weltordnung des Kalten Krieges. Die Heinrich-Böll-Stiftung und ihre Auslandsbüros
gedachten der Ereignisse mit zahlreichen Veranstaltungen.
Konferenz in Moskau: 1968 – 1988 – 2008: Schicksal der Ideen. So unterschiedlich sie
auch waren – die Losung «Seid realistisch, fordert das Unmögliche» war allen euro­
päischen Protestbewegungen des Jahres 1968 gemein. Doch die Gegner waren ande­
re – und damit auch die Träume und Forderungen. In Westeuropa wandte sich die
studentische Revolution mit einer jugendlich-frechen Krawallsprache gegen die «Kon­
sumgesellschaft». Die polnischen Studenten, die Tschechen und Slowaken versuchten,
die verglimmenden kommunistischen Ideale zu erneuern. Die sowjetischen Dissidenten
dagegen beriefen sich auf die Idee, Recht sei das Gegengewicht zu totalitärer Macht.
Die Gegenreaktionen in West und Ost unterschieden sich ebenfalls. Das westeuropäi­
sche Establishment bemühte sich um eine Transformation der Revolution und begab sich
mehr unwillig als freiwillig auf den langen Weg zu politischen und gesellschaftlichen
Reformen. Dieses pragmatische Projekt zog allerdings radikale Veränderungen der po­
litischen Kultur des Westens nach sich. Die osteuropäischen Autoritäten beantworteten
die Gehorsamsverweigerung ihrer Untertanen mit politischer Verfolgung, Repressionen
und durch den Einsatz von Panzern, die den Prager Frühling niederwalzten. Im Osten
erfolgte die gesellschaftliche Erneuerung erst mit zwanzigjähriger Verspätung.
Das Jahr 1988 – der Beginn der Perestrojka wie auch der Vorabend der «Samtenen
Revolutionen» und des Mauerfalls – war zweifellos das Jahr, in dem die Hoffnungen auf
eine «andere Welt» in ganz Europa wieder auflebten.
Auf der gemeinsamen Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung, der Gorbatschow-Stif­
tung und Memorial Ende November 2008 in Moskau diskutierten Zeitzeugen und Betei­
ligte von damals aus Russland, Deutschland und Tschechien über die Ideen, Hoffnungen
und Illusionen der Jahre 1968 und 1988, über ihre Enttäuschungen und das dennoch
Erreichte. Mit dabei waren u.a. der ehemalige Präsident der Sowjetunion, Michail Gor­
batschow, Alexander Daniel von Memorial, der Schriftsteller Andrej Bitow und die rus­
sische Menschenrechtlerin Ludmila Alexejewa.
Podiumsdiskussion in Warschau 1968 – 40 Jahre danach. Dialog zwischen den Natio­
nen und Generationen. Was unterschied die 68er im Osten von denen im Westen? Was

«Przemiany» von Aleksandra Wołdanska,
1. Preis des Plakatwettbewerbs «Europa 1968 –
Europa 2008: Wollen wir immer noch die Welt
verändern?» der Heinrich-Böll-Stiftung
Alle prämierten Plakate unter
www.boell.de/demokratie/zeitgeschichte-3955.
html

haben die Protagonisten von damals uns heute noch zu sagen? Daniel Cohn-Bendit,
einer der führenden 68er im Westen, und Prof. Karol Modzelewski, Co-Autor des be­
rühmten «Offenen Briefes an die Partei» (1964), für den er drei Jahre inhaftiert wurde,
diskutierten im Mai 2008 mit Vertreter/innen der jungen Generation über diese Fra­
gen. Die Unterschiede in den Motiven und Konzepten im Osten und Westen ließen sich
schwer auf einen Nenner bringen, sie teilten jedoch den Traum von Freiheit und von der
Machbarkeit der Veränderung. Die Bewertung des Erbes der 68er fiel in den Augen der
jungen Generation eher nüchtern aus. Für den Publizisten Slawomir Sierakowski hob
der Mai 68 die in den 60er Jahren entstehenden Widersprüche im Kapitalismus auf
und trug zu dessen Stärkung bei. Die protestierenden Studenten hätten den Marxismus
und den Diskurs über den Klassenkampf abgelehnt, ihre Postulate hätten zum Lob des
uneingeschränkten Konsums geführt. Was die Gegenwart und die viel zitierte Krise der
europäischen Linken anbelangt, so zeigte sich Agnieszka Graff, Feministin und Publi­
zistin, optimistisch. Sie sah gerade in der Unterstützung für den US-Präsidentschafts­
kandidaten Obama ein Signal, dass die Welt für positive Veränderungen bereit sei.

Europapolitik

Tagung in Berlin: Wendezeiten 1968/1989. Das bereits zum Mythos geronnene Jahr
1968 steht weltweit für gesellschaftliche Proteste. Im Westen richtete sich der Blick
auf Alternativen, besonders mit marxistischer oder neomarxistischer Ausrichtung,
während in Osteuropa Freiheitsbewegungen politische Spielräume forderten. Sie wur­
den entweder unterdrückt oder integriert. Anders 1989: In der Folge dieser Proteste
kam es zu Regimewechseln und sogar zum Ende der Blockkonfrontation. Die interna­
tionale Tagung «Wendezeiten 1968/1989» im Juni 2008 stellte die beiden Ereignis­
se in einen Zusammenhang. Karol Sauerland, Literaturprofessor in Kassel und pol­
nischer Dissident, schilderte sowohl die Unruhen 1968 als auch das Jahr 1989 aus
seiner Perspektive. Zeitzeugen wie Klaus Meschkat, Soziologe und persönlicher Freund
Rudi Dutschkes, und Wolfgang Templin, Publizist und DDR-Dissident, diskutierten mit
dem Historiker Norbert Frei über die 60er-Jahre als eine Zeit der Krise, hervorgerufen
durch die Spannungen zwischen Modernisierungen und traditionellen Verhaltenswei­
sen. Die Zeiten nostalgischer Re-Inszenierungen alter Konflikte sind vorbei, so am Ende
das Fazit. Nun bedarf es einer kritischen Aufarbeitung der Geschichte.

17

Berlin, Juni 2008: Karol Sauerland, Universität
Kassel.

Sommerakademie auf Schloss Liblice bei Prag: Europa 1968 – 2008: Gesellschaft im
Wandel. Auch bei der Sommerakademie auf Schloss Liblice im Juni 2008 ging es um

den Einfluss der 68er-Bewegung auf die politische Kultur in Europa und mögliche Zu­
sammenhänge zwischen den Jahren 1968 und 1989. «1968» war mehr als eine po­
litische Bewegung, das Jahr setzte einen kulturellen Wandel in Gang, der bis heute
weiterwirkt. Es markiert außerdem eine Scheidelinie zwischen den Entwicklungen in
den westeuropäischen Gesellschaften und denen des real existierenden Sozialismus. In
Westeuropa gelang eine breit angelegte politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche
Erneuerung. In den sozialistischen Ländern kam es zu einer Verhärtung und Stagnation
der Regime. Für Zeitzeugen der tschechoslowakischen 68er-Generation bedeutete die
Erinnerung an die kurze Zeit der Freiheit einen Funken Hoffnung auf ihre Wiederkehr.
Die Hoffnung half, die schweren Jahre der politischen «Normalisierung» durchzustehen
und im Jahre 1989 erneut auf die Straße zu gehen. Die Sommerakademie wurde von
der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Institut für Zeitgeschichte der Tschechischen Repu­
blik, dem Goethe-Institut Prag und Gender Studies o.p.s. organisiert.

Netzwerkbildung
Büro Istanbul: Nachhaltige ländliche Entwicklung
In der Türkei arbeiten 60 Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft. Will man
die Offenheit der Bevölkerung für den EU-Beitritt fördern, so darf die Frage der ländli­
chen Entwicklung nicht vernachlässigt werden. In den letzten zwei Jahren gelang es der
Stiftung, ein breites Netzwerk an Expertinnen und Experten aufzubauen, das zu Themen
ländlicher Entwicklung arbeitet. In nicht allzu ferner Zukunft soll daraus eine nationale
Dachorganisation entstehen, die sich mit vergleichbaren Organisationen auf europäischer
Ebene zusammenschließen kann. Das Projekt ist in einem politisch wenig beachteten, aber
zukünftig politisch höchst relevanten Bereich von großer Bedeutung.

Seminar
Kroatien: Wie macht man einen Unterschied? (How to make a difference?)
Nach den Ergebnissen einer Befragung von 1500 Personen in vier kroatischen Städten,
die die Heinrich-Böll-Stiftung in Auftrag gegeben hatte, ist die Sympathie der Wählerin­
nen und Wähler von traditionellen Parteien für «grüne Themen» außerordentlich groß.
Trotzdem sind grüne Parteien im politischen Raum kaum vertreten. Ende Oktober 2008
organisierte die Heinrich-Böll-Stiftung daher in der dalmatinischen Kleinstadt Trogir
ein «Capacity Building»-Seminar für die Mitglieder der Grünen Liste (Zelena lista), der
momentan einzigen grünen Partei in Kroatien mit Mandaten in Kommunalparlamenten,
überwiegend in Zagreb. Um die Kommunikation mit den Wählerinnen und Wählern zu
verbessern, vermittelte das Seminar u.a. Kenntnisse über Kampagnenführung und die For­
mulierung politischer Botschaften. Ziel war es, die Grüne Liste für den Wahlkampf bei den

Schloss Liblice (l – r): Dr. Stefan Wolle, Prof.
Georges Mink, Dr. Jürgen Danyel, Dr. Marianne
Zepp und PhD Ołdrˇich Tu
ˇma.

18

Europapolitik

Kommunalwahlen im Mai 2009 zu stärken und mehr Menschen zu mobilisieren, grünen
Themen eine Stimme zu geben. Das Konzept des Seminars wurde vom Büro Zagreb der
Heinrich-Böll-Stiftung und von GreenCampus, der Weiterbildungsakademie der Stiftung,
erarbeitet.

Studie
Grüne Identität in einem sich wandelnden Europa

Grüne Identität in einem sich wandelnden Europa
Hrsg. vom Regionalbüro Brüssel der Heinrich­
Böll-Stiftung
Brüssel 2008, 136 Seiten
Download: www.boell.eu

Serbische Studentinnen und Studenten zu Be­
such in Deutschland.

Im Jahr 1984 zog zum ersten Mal eine grüne Fraktion in das Europäische Parlament ein –
ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus Belgien, Deutschland, Italien und den Nieder­
landen. Unter dem Namen GRAEL (Green Alternative European Link) schrieben sie mit
aufsehenerregenden Aktionen Geschichte. Seitdem ist viel passiert. In vielen europäischen
Ländern entfernten sich die grünen Parteien vom Konzept der Protestpartei, sammelten
parlamentarische Erfahrungen und entschieden sich für eine reformorientierte Politik.
In der von der Heinrich-Böll-Stiftung in Auftrag gegebenen Studie Grüne Identität in ei­
nem sich wandelnden Europa analysieren Autorinnen und Autoren aus acht europäischen
Ländern die Identität und Ambitionen grüner Parteien in ihren jeweiligen Ländern, ihren
persönlichen politischen Weg und ihre Zukunftserwartungen. Europagrüne «der ersten
Stunde» blicken darauf zurück, was es damals bedeutete, grüne Politik zu betreiben, und
ziehen den Bogen zur heutigen Situation. Auch die jüngere Generation kommt zu Wort.
Die Publikation liest sich als klares Bekenntnis zu Europa. Ein interessanter Lesestoff im
Hinblick auf die anstehenden Europawahlen!

Besuchsprogramm
Deutschland: Welcome to Germany
Unter dem Motto «Welcome to Germany» kamen im Herbst 2008 zum zweiten Mal ser­
bische Studentinnen und Studenten nach Deutschland, um einen EU-Mitgliedstaat, seine
politischen und wirtschaftlichen Strukturen, aber auch seine demokratischen Werte aus
der Nähe kennenzulernen. Ein vielfältiges Programm, das in Kooperation der politischen
Stiftungen und BayHost durchgeführt wurde, ermöglichte den Gästen einen Blick aus ganz
unterschiedlichen Perspektiven. Der Stiftungstag der Heinrich-Böll-Stiftung z.B. stand
im Zeichen von Diversität und interkulturellem Miteinander – Aspekte, die für das «ge­
meinsame Haus Europa» wichtige Voraussetzungen sind. Beim Rundgang durch den mul­
tikulturellen Stadtteil Berlin-Kreuzberg und einem Treffen mit Migrantinnen und Migran­
ten lernten die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowohl die positiven als auch die
Schattenseiten von Migration und Integration kennen. Einen Einblick in das «wirkliche
Leben» in Europa bekommen zu haben, bewerteten die jungen Menschen als eine der wich­
tigsten Erfahrungen ihres zweiwöchigen Aufenthalts in Deutschland.

Diskussion
Tel Aviv: «Leben nach dem Überleben – Shoah-Überlebende in Israel»

Tel Aviv, Juni 2008 (l – r): Yehuda Bacon und
Ester Golan

Im Jahr 2008 feierte der israelische Staat sein 60-jähriges Bestehen. Zusammen mit Ak­
tion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) organisierte die Heinrich-Böll-Stiftung im Juni
2008 in Tel Aviv zu diesem Anlass eine Podiumsdiskussion, die in erster Linie den ShoahÜberlebenden in Israel gewidmet war. Der deutsche Botschafter Dr. Harald Kindermann
betonte deren wichtige Rolle bei der Aufnahme der deutsch-israelischen Beziehungen.
Jörn Böhme, Leiter des Stiftungsbüros in Israel, sagte, man müsse sich vor Augen führen,
welches Glück es sei, mit Shoah-Überlebenden sprechen und von ihnen lernen zu können.
Schließlich sei ihr Überleben meist einer langen Kette von Zufällen geschuldet, denn ei­
gentlich hätten sie ermordet werden sollen. Colette Avital, Abgeordnete der Arbeitspartei
und Vorsitzende der Knesset-Lobby für die Überlebenden, beschrieb den langen Weg, bis
die israelische Gesellschaft bereit war, die Erlebnisse der Überlebenden zu hören. In der
Diskussion bestätigte Yehuda Bacon die Probleme der Überlebenden, gehört zu werden: zu
unfassbar seien die begangenen Verbrechen gewesen. Halina Birenbaum betonte, dass sie
mit den Berichten ihrer Erlebnisse den vielen Namenlosen eine Erinnerung geben wolle.

19

Internationale Demokratieförderung

Internationale
Demokratieförderung
Die Heinrich-Böll-Stiftung arbeitet in vielen Krisenregionen, die von Gewalt und
Staatszerfall geprägt sind. Unsere Büros und viele unserer Projektpartner in Afrika,
dem Kaukasus, im Nahen Osten, auf dem Balkan, in Zentral- und Südasien müssen
mit akuten oder latenten Konfliktsituationen und Gewaltstrukturen umgehen, die
eine tägliche Herausforderung für die Arbeit vor Ort darstellen. In einigen Ländern
herrscht nur ein fragiler Friede, erneute Gewaltausbrüche sind zu befürchten. In die­
sem Zusammenhang fördern wir Programme zur Konfliktbearbeitung, zur Versöhnung
und zum Wiederaufbau demokratischer Institutionen. Wir arbeiten eng mit zivilgesell­
schaftlichen Organisationen, aber auch politischen Akteuren zusammen und fördern
den Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis. Seit November 2007 ist
die Heinrich-Böll-Stiftung aktives Mitglied bei der Arbeitsgemeinschaft Frieden und
Entwicklung (FriEnt).

Internationale Fachtagung und Publikation
Berlin: Ethnonationalismus und State Building
Seit dem Ende des Kalten Krieges haben ethnische und religiöse Konflikte deutlich zuge­
nommen – mit zahllosen Opfern, insbesondere unter der Zivilbevölkerung. Seit dem Völ­
kermord in Ruanda und den Balkan-Kriegen Mitte der 1990er Jahre ist das Interesse
an Methoden der Konfliktbewältigung stark gewachsen: Nationen- und Staatsaufbau in
fragilen Staaten sind längst Bestandteil der internationalen Politik. Auf einer Tagung der
Heinrich-Böll-Stiftung im April 2008 analysierten Expertinnen und Experten aus Wissen­
schaft und Politik am Beispiel aktueller Konflikte deren Ursachen und Folgen und arbei­
teten mögliche Lösungsansätze heraus. Ulrich Schneckener, Leiter der Forschungsgruppe
«Globale Fragen» der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), legte dar, inwieweit eine
dauerhafte Diskriminierung von Minderheiten zu ethnischen, kulturellen oder religiösen
Konflikten innerhalb eines Staates führen kann. Der Verlust der politischen Legitimität
ende im Extremfall im Staatszerfall. Die Norm des Nationalstaates bleibe aber in der
Regel auch hier intakt, da sezessionistische Bewegungen oft die Gründung eines eigenen
Nationalstaates fordern würden. Walter Kaufmann vom Büro der Heinrich-Böll-Stiftung
in Tiflis beschrieb die drei Sezessionskonflikte im Südkaukasus nach dem Zerfall der So­
wjetunion, die bis heute ein komplexes Gemisch aus ethnischen und religiösen Faktoren,
historischen Widersprüchen und externen Machtinteressen bilden.
Im Irak wiederum ist gegenwärtig auf besonders dramatische Weise zu beobachten,
welch verheerende Folgen der völlige Zusammenbruch der politischen Ordnung haben
kann. Ghassan Atiyyah, Direktor der Iraq Foundation for Development and Democracy,
zeigte eindrücklich, wie die ethnischen und religiösen Spannungen zwischen Schiiten,
Sunniten und Kurden durch das Regime Saddam Husseins und die US-Invasion verschärft
wurden. Die schwierigste Aufgabe stellte sich bei ethnischen Konflikten oft erst nach Been­
digung der Kämpfe. Tatsächlich müsse der Neuaufbau politischer Institutionen, das «State
Building», nach Ansicht aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer von der Bildung einer poli­
tischen Gemeinschaft, dem «Nation Building», begleitet werden. Interessen ethnonationa­
listischer Gruppen dürften dabei nicht ignoriert oder als zweitrangig betrachtet werden.
Die von Milan Horacek, Mitglied des Europäischen Parlaments, dargelegten Umstände
der einvernehmlichen Auflösung der Tschechoslowakei im Jahr 1992 zeigen allerdings
auch, dass die Auflösung eines Staates nicht immer von Gewalt und Chaos begleitet wer­
den muss.

Ethnonationalismus und State Building
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Schriften zu Europa – Band 5
Berlin 2008, 60 Seiten

Somalia. Alte Konflikte und neue Chancen zur
Staatsbildung
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Schriften zur Demokratie – Band 6
Berlin 2008, 144 Seiten
(auch auf Englisch erhältlich)

20

Internationale Demokratieförderung

Podiumsdiskussion
Berlin: Musterknabe oder Sorgenkind? Der Aktionsplan «Zivile
Krisenprävention» der Bundesregierung auf dem Prüfstand

Zerstörung in Kabul

Mitte Oktober 2008 stimmte der Bundestag über die Verlängerung des ISAF-Mandates
für Afghanistan ab. Anlässlich der bevorstehenden Entscheidung lenkten die Heinrich­
Böll-Stiftung und die Welthungerhilfe im September mit einer Podiumsdiskussion den
Blick auf zivile Krisenprävention. Kurz zuvor hatte die Bundesregierung den 2. Bericht zur
Umsetzung ihres Aktionsplans «Zivile Krisenprävention» veröffentlicht. Der Aktionsplan
war eine der wichtigen friedenspolitischen Initiativen der rot-grünen Bundesregierung.
Im Jahr 2004 wurde er verabschiedet. Seitdem sind zwar zahlreiche Einzelinitiativen ge­
startet worden – doch noch immer fehlt ein übergreifender Ansatz, der die Vielzahl der
Maßnahmen zusammenführt und mit einer Vision verknüpft. Das zentrale Thema der zivi­
len Krisenprävention droht in Vergessenheit zu geraten. In seinem Impulsreferat verwies
Prof. Dr. Christoph Weller von der Universität Augsburg zunächst auf bisher Erreichtes:
Der Plan ist im Auswärtigen Amt verankert, Ressortkreis und Beirat sind etabliert, und
die Haushaltsmittel für zivile Krisenprävention sind deutlich gestiegen. Dennoch seien die
Ziele bei weitem noch nicht erreicht, was an der fehlenden systematischen Auswertung der
Erfahrungen mit zivil-militärischer Kooperation und der mangelhaften Einbeziehung der
Privatwirtschaft deutlich werde. Auch in der anschließenden Podiumsdiskussion wurde
klar, dass die bisherige Bilanz der Umsetzung des Plans gemischt ausfällt. Zwar gebe es
eine Vielzahl von erfolgreichen Einzelmaßnahmen, aber die Abstimmung zwischen den
Ressorts sei nach wie vor schwierig. Die Geschlechterperspektive werde zwar beachtet,
aber nur punktuell umgesetzt. Von der Umsetzung der Maßnahmen im Aktionsplan sei
insgesamt vor Ort wenig zu spüren.

Fachgespräch
Berlin: Wie kann Afghanistan stabilisiert werden?

Berlin, November 2008 (l – r): Abdul Jabbar
Naeemi, Ex-Gouverneur der afghanischen
Provinz Wardak, Winfried Nachtwei, MdB,
und Gregor Enste, Leiter des Stiftungsbüros in
Lahore.

Sieben Jahre nach dem Ende des Taliban-Regimes und vier Jahre nach den ersten Präsi­
dentschaftswahlen ist Afghanistan noch weit von konsolidierter Staatlichkeit und einer
stabilen Sicherheitslage entfernt. Entscheidend für die künftige Entwicklung des Landes
wird neben der Neuausrichtung der US- und NATO-Strategien auch die Gestaltung der
Beziehungen zu Pakistan sein. In einem Fachgespräch der Heinrich-Böll-Stiftung am 18.
November in Berlin skizzierten internationale, afghanische und pakistanische Expertin­
nen und Experten die Erwartungen und Herausforderungen für den Stabilisierungspro­
zess der Region. Ein konstruktiver Dialog und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwi­
schen Afghanistan und Pakistan seien unabdingbar, so der Tenor. Aber auch der jeweiligen
innenpolitischen Lage beider Länder komme große Bedeutung zu. Der Zivilregierung in
Islamabad fehle es z. B. an Einfluss in den Stammesgebieten, die von Al Qaida und Ta­
liban als Rückzugs- und Transiträume genutzt werden. In Anbetracht dieser rechtsfrei­
en Räume entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze komme der zwischenstaatlichen
Zusammenarbeit eine grundlegende Bedeutung zu. Viel hänge von den (nunmehr) für Au­
gust 2009 geplanten Präsidentenwahlen in Afghanistan ab. Fehlendes Vertrauen in den
Wahlprozess würde die Legitimität der Zentralregierung weiter in Frage stellen, so dass
von einer rapiden Verschlechterung der Sicherheitsbedingungen auszugehen wäre. Nicht
zu vernachlässigen sei im Kontext sicherheitspolitischer Fragestellungen die Haltung der
künftigen US-Regierung. In der Annahme, dass Deutschland wichtig für den Stabilisie­
rungsprozess sein kann, wurde auf die Notwendigkeit einer öffentlich geführten Debatte
anlässlich der Verlängerung des ISAF-Mandates hingewiesen. Gäste des Fachgesprächs
waren u. a. Dr. Farzana Bari, Direktorin des Centre of Excellence in Gender Studies an der
Quaid-i-Azam Universität in Islamabad, Imtiaz Gul, pakistanischer Journalist und Buch­
autor, Abdul Jabbar Naeemi, afghanischer Diplomat und bis August 2008 Gouverneur der
westlich von Kabul gelegenen Provinz Wardak, und Massood Qiam, Journalist und Mitar­
beiter bei Tolo TV, einem populären Fernsehsender in Afghanistan.

21

Internationale Demokratieförderung

Konferenz
Lahore: Indien und Pakistan – 60 Jahre nach der Teilung des
indischen Subkontinents
Bis 1947 stand der indische Subkontinent unter britischer Kolonialverwaltung, dann wur­
de er geteilt – Indien und Pakistan entstanden. Bis heute ist das Trauma der Teilung keines­
wegs überwunden. Hunderttausende Menschen wurden damals vertrieben oder ermordet.
Insbesondere in der 80 Millionen Einwohner zählenden pakistanischen Provinz Punjab tut
man sich schwer mit der Vergangenheit. Auch der Punjab wurde geteilt – die Trennungsli­
nie verlief zwischen den beiden wichtigsten Städten Lahore und Amritsar. Im Zuge dieser
Teilung gerieten die Flüchtlingsströme von Hindus und Sikhs aus dem Westpunjab und von
Moslems aus dem Ostpunjab außer Kontrolle und es kam zu bürgerkriegsartigen Szenen.
Ein noch größeres Tabuthema ist der erste Staatszerfall Pakistans im Jahr 1971, als sich
Ostpakistan aus dieser «Heimstatt der Muslime» herauslöste und zum unabhängigen Staat
Bangladesch wurde. Die Massaker der pakistanischen Armee an der bengalischen Zivilbe­
völkerung werden weder in den Geschichtsbüchern noch in der Öffentlichkeit thematisiert.
Die Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Lahore und Neu Delhi haben sich in mehreren Ver­
anstaltungen mit den Folgen der Teilungen beschäftigt. Den Abschluss bildete eine zweitä­
gige Konferenz im Mai 2008 in Lahore. Zeitzeugen aus Indien und Bangladesch erzählten
von Verbrechen, aber auch von Zivilcourage und Mut auf beiden Seiten. Dabei kam es auch
zu emotionalen Szenen wie dem Wiedersehen von zwei gebürtigen Lahori, einem Hindu
und einem Muslim, die als Ex-Nachbarn vor 60 Jahren bei den Pogromen vertrieben wur­
den und seitdem auf beiden Seiten der Grenze in Indien und Pakistan leben. Die große Me­
dienresonanz und über 500 Teilnehmende zeigten, dass die Stiftung eine wichtige Debatte
in Pakistan angestoßen hatte.

Konferenz
Istanbul: «Religion und Demokratisierung»
Kaum ein Thema spaltet die türkische Gesellschaft mehr als Religion und Demokratie –
hier geht es sozusagen ans «Eingemachte», um das Grundverständnis der 1923 gegrün­
deten Republik Türkei, ihre Westorientierung und ihren abrupten Bruch mit dem Osmani­
schen Reich. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema ist von Stereotypen
geprägt, auch der wissenschaftliche und intellektuelle Diskurs ist nicht davor gefeit. Die
Konferenz «Religionen und Demokratisierung» der Heinrich-Böll-Stiftung in Istanbul
war ein Versuch, alte «Denkblockaden» zu lösen und neue Perspektiven zu eröffnen. Das
Grundrecht auf Glaubensfreiheit, d.h. für alle Religionsgemeinschaften in einer multi-re­
ligiösen Gesellschaft wie der Türkei, stand dabei nicht zur Debatte. Dass Demokratie auch
gleiche Rechte für alle, unabhängig ihrer sexuellen Neigung oder ihres Geschlechtes bein­
haltet, war ebenfalls Grundverständnis der Konferenz.
Nur selten gelingt es in der Türkei, zu einem brisanten Thema wie «Religion und Demo­
kratie» alle relevanten Gruppen zu versammeln: Militärs, kemalistische Kreise, feminis­
tische, religiös-feministische und stark religiöse Kreise. Wenn darüber hinaus auch ein
konstruktiver Austausch erzielt wird, ist es schon ein großer Erfolg. Dies ist gelungen.

Istanbul, November 2008 (l – r): Hidayet Tuksal,
Ayhan Bilgen und Christian Schmidtmann.

Capacity Building
Beirut: Menschen- und Frauenrechtstraining für irakische Familienrichter
Eine harmonische Begegnung war kaum zu erwarten, als irakische Juristen im Juli 2008
mit arabischen Feministinnen über Diskriminierungen im irakischen Personenstandsge­
setz diskutierten. Die Heinrich-Böll-Stiftung hatte prominente irakische Familienrichter
und Rechtsgelehrte vom obersten Gerichtshof in Bagdad und aus anderen Städten zu ei­
nem Training zu Menschen- und Frauenrecht nach Beirut eingeladen. Ziel war es, die Not­
wendigkeit der Strafbarkeit jeglicher Form von Gewalt gegen Frauen zu vermitteln und die
Richter dazu zu bewegen, ihre Urteile mit Orientierung an internationalen Menschen- und
Frauenrechtsstandards zu fällen.

Beirut, Juli 2008: Abendessen mit Midhat AlMahmoud (Mitte), der höchsten richterlichen
Autorität im Irak.

22

Internationale Demokratieförderung

Prominentester Teilnehmer war der Vorsitzende des irakischen Verfassungsgerichts so­
wie des obersten irakischen Richterrats, Midhat Al-Mahmoud. Obwohl Al-Mahmoud von
der irakischen Zivilgesellschaft als säkular und reformorientiert geschätzt wird, wagten es
die Richter anfangs kaum, sich vor der höchsten richterlichen Autorität zu Wort zu melden
oder ihm zu widersprechen. Die heiklen Themen – von Vergewaltigung in der Ehe bis hin
zu gleichberechtigtem Scheidungsrecht – sorgten schließlich doch für eine angeregte De­
batte. Fünf Tage lang prüften alle Seiten die nationale Gesetzgebung, tauschten sich über
Konventionen, Traditionen und Religionen aus und lieferten sich in einigen Fällen scharfe
Wortgefechte, die am Ende doch versöhnlich endeten und die Richter in kleinen Schritten
zum Umdenken bewegen konnten. Zum ersten Mal erkannten sie an, dass die internatio­
nale Frauenrechtskonvention CEDAW auch für sie bindend ist und erklärten sich sogar be­
reit, in ihrer richterlichen Praxis Gewalt gegen Frauen als Verbrechen anzuerkennen. Im
nächsten Schritt sollen die Richter eingeladen werden, um zusammen mit Experten Vor­
schläge für die Anpassung der irakischen Gesetzsprechung an internationale Standards zu
erarbeiten. Das Seminar fand in Kooperation mit der Iraqi Al-Amal Association und der
libanesischen Organisation Kafa – Enough Violence and Exploitation statt.

Diskussion
Berlin: China – Öffentlichkeit und Medien im Olympiajahr 2008
Die Olympischen Spiele haben die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf China und
seine Menschenrechts- und Minderheitenpolitik gelenkt. Um den Medienalltag im Olym­
piajahr ging es bei einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung im Mai 2008. Eine
Delegation chinesischer Journalisten aus Peking und Südchina diskutierte mit deutschen
Kolleg/innen, China-Fachleuten und dem Publikum über die Zukunft der chinesischen Me­
dien. Als Beleg dafür, dass auch unter schwierigen Arbeitsbedingungen journalistisches
Engagement möglich sei, führte einer der chinesischen Journalisten den Fall Dingzhou
(Provinz Hebei) an. Im Sommer 2005 hatten Bauern Ackerland bei ihren Dörfern besetzt,
das illegal für den Bau eines Kraftwerks in Besitz genommen wurde. Ein von den Planern
des Kraftwerks angeheuerter Schlägertrupp griff daraufhin die Protestierenden an. Sechs
Menschen starben in den Auseinandersetzungen und über einhundert wurden verletzt. Die
mediale Berichterstattung trug maßgeblich dazu bei, die illegale Landnahme aufzudecken
und die Verantwortlichen zu verhaften.
In punkto Pressefreiheit finde eine Liberalisierung primär im Unterhaltungs- und Life­
stylesektor statt. Die chinesischen Medien seien inzwischen nicht mehr nur den inhalt­
lichen Anforderungen der Zensur unterworfen, sondern auch den Marktgesetzen. Eine
allgemeine Kritik der mangelnden Pressefreiheit aber, so ein chinesischer Teilnehmer, än­
dere nichts an den Verhältnissen. Die Kritik müsse sehr konkret werden, beispielsweise auf
der rechtlichen Ebene, damit tatsächlich Druck auf die chinesische Regierung ausgeübt
und Veränderungen herbeigeführt werden könnten. Mediale Kritik an der chinesischen Re­
gierung sei aus deutscher Sicht trotz des sichtbaren Öffnungsprozesses weiterhin notwen­
dig, da gegenwärtig immer noch Dissidenten verhaftet würden und keine Pressefreiheit
bestehe. Sorgfältige Recherche und eine Balance in der Berichterstattung seien jedoch
wichtige Voraussetzungen, um der Zeichnung von Zerrbildern vorzubeugen und eine faire
Berichterstattung zu gewährleisten. Die Diskussion fand in Medienpartnerschaft mit der
tageszeitung und der Deutschen Welle statt.

Berlin, Mai 2008: Barbara Unmüßig, Vorstand
der Heinrich-Böll-Stiftung, Zhan Yiang, Profes­
sor für Medienwissenschaft, und Wang Keqin,
investigativer Journalist, Peking.

23

Internationale Demokratieförderung

Dialogprogramm
Nairobi: Akademischer Austausch zwischen China und Afrika
Seit Jahren engagiert sich China vermehrt in Afrika – im Bergbau und Handel, im Aus­
bau der Infrastruktur und mit Direktinvestitionen. Die Kontakte bestehen überwiegend
nur auf Regierungs- und Unternehmensebene, der Austausch zwischen nicht-staatlichen
Akteuren beider Seiten ist sehr beschränkt. Um dies zu ändern, organisierten die Büros
der Heinrich-Böll-Stiftung in Nairobi und Peking ein Dialogprogramm. Zehn chinesische
Afrikawissenschaftler/innen trafen sich im April 2008 in Nairobi mit Vertreter/innen von
Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Akademikern aus 15 afrikanischen Ländern,
in denen China besonders aktiv ist. Differenzierung tut Not – dies machte der Dialog zual­
lererst deutlich. Die afrikanischen NGOs sahen Chinas Engagement auf ihrem Kontinent
ambivalent. Einerseits sei China ein wichtiger Partner in Wirtschaft und Entwicklung,
zugleich ein willkommenes politisches Gegengewicht zum Westen – eine Perspektive, die
auch die chinesische Seite betonte. Andererseits unterstütze Chinas Politik manche Regie­
rungen in Afrika, denen eine demokratische Legitimation fehle oder die natürliche Res­
sourcen nicht im Interesse der Bevölkerungen nutzten. Zwar sei es, so die Position vieler
afrikanischer NGOs, vor allem eine afrikanische Aufgabe, für demokratische Verhältnisse
und Transparenz auf dem eigenen Kontinent zu sorgen; China sollte jedoch nicht länger
unter Berufung auf das Prinzip der «Nichteinmischung» Gleichgültigkeit gegenüber Pro­
blemen und Konflikten in Afrika zeigen. Um seine guten Beziehungen zu Afrika auszu­
bauen, benötige China bessere Kenntnisse der Situation vor Ort und müsse dafür gerade
auch nicht-staatliche Stimmen einbeziehen, so die chinesischen NGOs. Sie machten Vor­
schläge, wie afrikanische NGOs ihre Perspektiven gegenüber chinesischen Institutionen
und Firmen besser zur Geltung bringen könnten und sprachen sich für eine Beteiligung
afrikanischer NGOs an zukünftigen afrikanisch-chinesischen Gipfelgesprächen aus. Das
Dialogprogramm, das enormes öffentliches Interesse weckte, fand in Zusammenarbeit mit
der Organisation Fahamu – Networks for Social Justice statt.

Veranstaltungsreihe und Publikation
Berlin: Drogen, Dollars, Demokratie
Der Drogenkrieg in Lateinamerika gerät zunehmend außer Kontrolle: Schon heute ver­
zeichnet die Region die weltweit höchste Mordrate. Die Jahreseinnahmen der lateinameri­
kanischen Drogenkartelle sind nach Schätzungen größer als das Bruttoinlandsprodukt in
den meisten lateinamerikanischen Staaten. Drogenumschlagplatz Nummer Eins ist Mexi­
ko. Allein 2008 kamen mehr als 5600 Menschen in Zusammenhang mit dem Drogenkrieg
ums Leben. Die Korruption ist allgegenwärtig und hat zu einer enormen institutionellen
Krise des Landes geführt. In Brasilien stellt der Drogenhandel zwar keine akute Gefahr für
das politische System dar, in den Elendsvierteln der Städte jedoch trägt er seit langem zum
Aufbau von parallelen Machtstrukturen bei, die in ihren jeweiligen Territorien das Gewalt­
monopol des Staates in Frage stellen.
Die Heinrich-Böll-Stiftung hat mit einer Veranstaltungsreihe im Oktober 2008 den neu­
esten Entwicklungen in Mexiko und Brasilien auf den Zahn gefühlt. In der Debatte mit
Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Menschenrechtsorganisationen ging es
insbesondere um die Frage, inwieweit das Funktionieren der Demokratien durch korrupte
und klientelistische Strukturen gefährdet ist. Zu diesem Thema hatte das Büro der Hein­
rich-Böll-Stiftung in Brasilien kurz zuvor die Studie Vom Regen in die Traufe? – Über das
Phänomen der sogenannten Milizen in Rio de Janeiro von Ignacio Cano vorgelegt. Cano
beschreibt, wie Milizen entstehen und was sie ausmacht. Sein Fazit ist bedrückend: «Alles
in allem verstetigen die Milizen die Unterwerfung der armen Bevölkerung unter das Gesetz
des Stärkeren, wobei verschärfend hinzukommt, dass die unrechtmäßige Herrschaft von
Staatsdienern selbst ausgeübt wird, die sich der materiellen Mittel und der Symbole des
Staates bedienen, um aus der Erpressung derjenigen Gewinn zu ziehen, zu deren Schutz sie
verpflichtet wären.»
Die Studie erhielt großes Presseecho und wurde unmittelbar nach ihrem Erscheinen als
Quelle vom Parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Stadt genutzt, der zu der Fra­
ge der Milizen eingesetzt wurde.

Nairobi, April 2008: Chinesische und afrika­
nische Teilnehmerinnen und Teilnehmer am
Dialogprogramm.

Im November hatte das Regionalbüro Cono Sur
in Santiago de Chile seine feierliche Eröffnung.
Das Büro betreut Projekte in den Ländern
Argentinien, Chile, Uruguay und Paraguay. Die
Schwerpunkte der Arbeit liegen vor allem bei
den Themen «Entwicklungsmodelle», «natürli­
che Ressourcen und Klimapolitik» sowie «Demo­
kratie und Menschenrechte». Leiter des Büros
ist Michael Alvarez. Kontakt: info@boell.cl

Drogen, Dollars, Demokratie. Herausforderungen
durch den Drogenhandel in Mexiko und Brasilien
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Schriften zur Demokratie – Band 13
Berlin 2009, 80 Seiten

Download der Studie in dt. und port. Sprache
unter: www.boell.de

24

Wirtschaft, Soziales und Finanzkrise

Wirtschaft, Soziales
und Finanzkrise
Die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise hat historische Ausmaße. Sie ist eine
Zäsur für die maßgeblich durch die Finanzmärkte angetriebene Globalisierung. Die
Diagnose der Krise wird wesentlich die Therapie bestimmen. Gleichzeitig muss auch
eine Antwort auf die Frage gefunden werden, wie die weitere Verarmung breiter
Bevölkerungsschichten verhindert bzw. aufgehoben werden kann. Das Konzept des
«Green New Deal» gewinnt seine Attraktivität aus der Verknüpfung von ökologischen
und sozialen Zielen. Es geht darum, mit massiven Investitionen in den ökologischen
Strukturwandel, in Bildung und Qualifizierung, Wissenschaft und Forschung die Fun­
damente einer zukunftsfähigen Gesellschaft zu legen. Mit unseren Veranstaltungen
und Publikationen unterstützen wir die Weiterentwicklung grüner Kompetenz in der
Wirtschafts- und Sozialpolitik und suchen Antworten auf die Fragen, die unsere ge­
sellschaftliche Zukunft unmittelbar berühren.

Dossier und Veranstaltungsreihe
Berlin: Wege aus der Weltwirtschaftskrise

Auf dem Weg zu einem Green New Deal
Ein Strategiepapier von Hilary French, Michael
Renner und Gary Gardner (Worldwatch Institute)
in Zusammenarbeit mit der Heinrich-BöllStiftung
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Schriften zur Ökologie – Band 3
Berlin 2009, 56 Seiten

Aktuelle Veranstaltungshinweise unter
www.boell.de

Die internationale Finanzkrise schlägt inzwischen voll auf die Realwirtschaft durch. Mas­
sive Auftragseinbrüche, Produktionsrückgänge und der Verlust von Arbeitsplätzen tref­
fen die Bundesrepublik als exportorientierte Volkswirtschaft besonders stark. Weltweit
legen Regierungen Rettungsprogramme in schwindelerregender Höhe auf, um den Ban­
kensektor zu stabilisieren und die Wirtschaft anzukurbeln. Die Heinrich-Böll-Stiftung
hat die Finanzmarktkrise in ihrer Entwicklung von der amerikanischen Subprime- zur
Weltwirtschaftskrise seit Oktober 2008 beobachtet. Das Internet-Dossier «Wege aus der
Weltwirtschaftskrise» sammelt Analysen der Ursachen und Folgen aus internationaler
Perspektive. Einen Ort zum Nachdenken über die aktuellen Entwicklungen bietet die Rei­
he «Krisengespräche». Den Auftakt machte im Herbst 2008 eine Diskussion über die Fol­
gen der Bankenkrise für Deutschland und die Europäische Union. Thomas Jorberg, Vor­
stand der GLS-Bank, diskutierte mit Fritz Kuhn, Vorsitzender der Bundestagsfraktion von
Bündnis90/Die Grünen, und weiteren Podiumsgästen über das neue Verhältnis von Politik
und Wirtschaft. Die Reihe wird 2009 fortgesetzt.

Kongress
Berlin: Die ökologische Marktwirtschaft in Europa und den USA –
Perspektiven strategischer Allianzen
Führende Unternehmer/innen und Wirtschaftsbosse entdecken den Klimaschutz, finanz­
starke Investmentfonds passen ihre Bewertungskriterien an Nachhaltigkeitskriterien an,
und Konsumenten interessieren sich verstärkt für grüne Produkte. «Going Green» ist zu
einem neuen ökonomischen Trend in Europa wie den USA geworden. Doch wie weit trägt
diese grüne Welle? Reichen die erkennbaren Trends für eine grüne industrielle Revoluti­
on? Auf einem Kongress der Heinrich-Böll-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Institut
für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) tauschten sich internationale Ökologie- und
Wirtschaftsfachleute über die Chancen einer ökologischen Erneuerung der Wirtschaft aus.
Die aufziehende Finanz- und Wirtschaftskrise unterstrich dabei die Notwendigkeit orches­
trierter wirtschafts- und umweltpolitischer Initiativen auf beiden Seiten des Atlantiks.
Auf der Konferenz gab es kaum Zweifel, dass der gegenwärtige Verbrauch natürlicher
Ressourcen zu irreparablen Schäden an den globalen Ökosystemen führt. Eine ökologische
Neuausrichtung sei nicht nur dringend notwendig, sondern müsse auch möglichst schnell
geschehen. Pavan Sukhdev, Geschäftsführer der Abteilung Global Markets der Deutschen
Bank in Indien, wies auf die dramatischen ökonomischen Folgen der Umweltzerstörung

25

Wirtschaft, Soziales und Finanzkrise

hin. Der fortschreitende Verlust an Biodiversität werde neuen Berechnungen zufolge bis
2050 zu einem beispiellosen Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung führen. Die kürz­
lich vorgelegte Studie mit ersten Ergebnissen seines Projektes «The Economics of Ecosys­
tems and Biodiversity» gilt bereits als Äquivalent zum Stern-Report.
Die Zerstörung von Ökosystemen trifft ärmere Länder besonders hart und muss als eine
entscheidende Ursache für wachsende Armut angesehen werden. Sukhdev forderte ein
Vergütungssystem für ökologische Dienstleistungen, das auf einer globalen Kosten-Nut­
zen-Analyse beruhen sollte. So könnte z. B. Brasilien für den Aufwand zum Erhalt des Re­
genwaldes entschädigt werden, dessen globale Klimafunktion kaum zu überschätzen ist.
Max Schön, Unternehmer und Vorsitzender der Deutschen Sektion des Club of Rome,
prangerte die Ausdehnung des ökologischen Fußabdrucks der Menschheit als eklatanten
Verstoß gegen die Generationengerechtigkeit an. Ohne einen umfassenden gesellschaft­
lichen Wertewandel werde sich die Zerstörung der Lebenschancen unserer Nachkom­
men nicht aufhalten lassen. Neben realistischeren Renditeerwartungen in der Wirtschaft
forderte Schön unter anderem eine frühzeitige Vermittlung nachhaltiger Denkweisen im
Bildungswesen.
In einem Punkt waren sich die meisten Redner und Rednerinnen einig: Eine rechtzeiti­
ge ökologische Erneuerung der Wirtschaft kann nur gelingen, wenn sich die Innovations­
potenziale und das Kapital wettbewerbsfähiger Märkte in einem umweltpolitischen Rah­
men entfalten, der ein nachhaltiges Wirtschaften ermöglicht und – wenn nötig – sogar
erzwingt. Auf dem Gebiet von Umweltpolitik und ökologischen Innovationen geben heute
vor allem Europa und die USA den Ton an. Insbesondere Kalifornien hat unter Gouverneur
Arnold Schwarzenegger durch ambitionierte Umweltgesetze für Schlagzeilen gesorgt.
Brian Prusnek, sein früherer Berater, erklärte die Schlüssel zum Erfolg: die Konzentrati­
on auf ganz konkrete ökologische Probleme des Bundesstaates; das gleichzeitige Beschrei­
ten vieler Lösungswege; die langfristige Förderung neuer Geschäftsmodelle, um Anreize
für Investitionen in nachhaltig orientierten Unternehmen zu schaffen.
Neben politischen Initiativen auf lokaler Ebene spielt in den USA vor allem die Dynamik
der neuen grünen Märkte eine wichtige Rolle. Emilie Cassou, Analytikerin bei New Carbon
Finance, berichtete, dass die bloße Erwartung von künftigen Gesetzen zur Begrenzung von
CO²-Emissionen bereits ausgereicht habe, um die Investitionen in saubere Energien seit
2004 rasant ansteigen zu lassen.
Bisher profitieren deutsche Unternehmen noch vom Öko-Boom in den USA. Derarti­
ge Wettbewerbsvorteile könnten in den kommenden Jahren aufgrund der erstarkenden
Konkurrenz schwinden. Reinhard Bütikofer, ehemaliger Bundesvorsitzender von Bündnis
90/Die Grünen, hielt es trotzdem für falsch, einen verschärften Wettbewerb mit den USA
zu fürchten. Die zu erwartenden positiven Wettbewerbseffekte würden eine international
tragfähige ökologische Erneuerung weiter beschleunigen.
Ansätze zur Verwirklichung einer ökologischen Marktwirtschaft sind heute sowohl in
Europa als auch in den USA erkennbar. Europas aktuelle Vorreiterrolle bei der Entwick­
lung und Nutzung von Umwelttechnologien wurde während der Konferenz einhellig auf
die Unterstützung durch die Politik zurückgeführt. Mit einer gezielten umweltpolitischen
Rahmensetzung sei eine langfristige Nachfragestruktur entstanden, ohne die die umfang­
reichen Investitionen in grüne Technologien kaum getätigt worden wären. In den USA
ist dies, in Thorsten Herdans Worten, auf Bundesebene schlicht «verpennt» worden. Die
aktuelle Diskussion über Biokraftstoffe diente vielen Referenten als Beleg für die Ten­
denz der Politik, auf das falsche Pferd zu setzen. Dr. Carsten Kreklau von der Hauptge­
schäftsführung des BDI ging noch einen Schritt weiter und lobte freiwillige Selbstver­
pflichtungen der Wirtschaft als ideales Werkzeug zur Förderung grüner Investitionen.
Fritz Kuhn, Vorsitzender der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, und Mat­
thias Machnig vom Bundesministerium für Umwelt widersprachen Kreklau und warfen
der Wirtschaft vor, Selbstverpflichtungen durch eigene Unglaubwürdigkeit entwertet zu
haben. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz zeige, dass konkrete staatliche Zielvorgaben so
erfolgreich sein können, dass sie mittlerweile in anderen Ländern kopiert werden.
Ausblick: Die Projekte zur Grünen Marktwirtschaft werden 2009 fortgeführt und unter
dem Titel «Green New Deal» gebündelt. Wir fragen, wie und inwieweit grüne Ideen der
Wirtschaft neue Kräfte und Impulse verleihen können, die in Zeiten der Krise dringend
gebraucht werden.

Dossier: «Grüne Marktwirtschaft» unter
www.boell.de

Ausführlicher Bericht der Konferenz von Torsten
Arndt sowie Mitschnitt der Konferenzbeiträge
unter www.boell.de/navigation/
oekologische-marktwirtschaft-5192.html

26

Wirtschaft, Soziales und Finanzkrise

Tagung
Hamburg: Schule gegen Kinderarmut – Ernährung als Klassenfrage?

Prof. Hans Bertram, Humboldt-Universität zu
Berlin

Birgitt Uhlen-Blucha, Ernährungsberaterin

Bericht der Tagung von Peer Zickgraf unter
www.ganztagsschulen.org/10432.php

Dossier: «Im Brennpunkt: Deutschlands arme
Kinder» unter www.boell.de

Kinderarmut hat viele Facetten: schlechte Bildungschancen, mangelndes Selbstvertrau­
en, kein Geld für den Sportverein. Kinderarmut fordert die Schulen heraus, auch auf dem
Gebiet der Ernährung. Arme Kinder essen ungesünder, das Wissen über und der Zugang
zu guter Ernährung fehlt. Was können Schulen gegen Kinderarmut tun? Was macht eine
gute Schulverpflegung aus? Auf einer Fachtagung der Heinrich-Böll-Stiftung vom 21. und
22. November 2008 in Hamburg diskutierten Christa Goetsch, Bildungssenatorin, und
Krista Sager, MdB Bündnis 90/Die Grünen, sowie namhafte Repräsentant/innen aus Wis­
senschaft und Schule die gegenwärtigen Herausforderungen an die Politik und mögliche
präventive Maßnahmen an Schulen. Prof. Hans Bertram, Humboldt-Universität Berlin,
sah in der verstärkten Erwerbsarbeit von Müttern und einer erfolgreichen Integrations­
politik die beste Sicherung gegen Kinderarmut. Dies funktioniere aber nur mit guten Be­
treuungseinrichtungen für Kleinkinder, Ganztagsschulen und einem familienpolitischen
Steuer- und Transfersystem, das nicht bestimmte Lebensformen von Erwachsenen belohne
oder sanktioniere, sondern an der Förderung der Kinder ausgerichtet sei.
Laut Bildungssenatorin Christa Goetsch spielten Ernährungsfragen in sozial benach­
teiligten Vierteln eine zentrale Rolle. Sie plädierte dafür, gezielt dort zu investieren, wo
die sozialen Benachteiligungen vorhanden seien. An 60 Grundschulen wolle die Bildungs­
behörde ein Education-Programm anbieten, dass jungen Eltern eine Erziehungsberaterin
zur Seite stellt und sie auch zum Kochen animiere.
Untersuchungen belegen, dass Schulverpflegung zur gesunden Ernährung von Kindern
und Jugendlichen maßgeblich beitragen kann. Dass gesunde und kostengünstige Schul­
verpflegung möglich ist, zeigt ein Beispiel aus Stuttgart. Angesichts von 10.000 Kindern,
die unter der Armutsgrenze leben, habe es Druck auf die Politik gegeben, so Dr. Ursu­
la Matschke, Leiterin der Stabsstelle für individuelle Chancengleichheit von Frauen und
Männern. Ein Zusammenschluss von Vertreter/innen der Politik, Schulen sowie Eltern
bauten ein Netzwerk auf, an dem sich 16 Ganztagsschulen beteiligten. Ein Mittagessen an
diesen Schulen koste lediglich ein Euro.
Prof. Thomas Olk, Universität Halle, sah in der Kinderarmut eine vielschichtige Depri­
vationslage, die einen Maßnahmen-Mix aus Sach-, Geld- und Dienstleistungen erfordere.
Für den Erfolg unabdingbar seien die Verbesserung der Qualität der frühkindlichen Bil­
dung sowie des Unterrichtes. Schulen sollten zu Zentren werden, in denen die formale und
nonformale Bildung verknüpft werde. Am Ende der Tagung stand ein entschiedenes Plädo­
yer für den Ausbau und die Ausgestaltung intelligenter Infrastruktur, um die Integrations­
politik für arme Kinder zu verbessern.
Die Tagung fand in Kooperation mit umdenken – Hamburg und der Heinrich-Böll-Stif­
tung Schleswig-Holstein statt.

Studie und Tagung
Berlin: Zukunft des Sozialen in Europa

Das soziale Europa. Eine Studie über die Bedin­
gungen und Möglichkeiten grüner Sozialpolitik
in Europa
Von Helmut Wiesenthal und Andrea Goymann
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Wirtschaft und Soziales – Band 3
Berlin 2008, 72 Seiten

Europa hat im internationalen Vergleich ein hohes Maß sozialer Sicherheit erreicht. Doch
Globalisierung und unterschiedliche Wohlstandsniveaus provozieren immer wieder den
Ruf nach einer gemeinsamen, europäischen Sozialpolitik. Bisher war diese in den meis­
ten europäischen Ländern vorrangig national orientiert und auf Bestandsicherung und In­
siderschutz ausgerichtet. Künftig wird es aber vor allem darauf ankommen, Strategien
sozialer und wirtschaftlicher Inklusion zu entwickeln, die den neuen Herausforderungen,
Risiken und Problemlagen Rechnung tragen.
Helmut Wiesenthal und Andrea Goymann beschreiben in ihrer Studie Das soziale Eu­
ropa die relevanten Politikfelder und zeigen Optionen für eine Weiterentwicklung europä­
ischer Sozialpolitik auf – unter besonderer Berücksichtigung der Positionen der grünen
Parteien in Europa. Die Studie wurde im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung erstellt und
auf einer gleichnamigen Tagung präsentiert.

27

Wirtschaft, Soziales und Finanzkrise

Buchvorstellung
Berlin, Rostock, Dresden, Frankfurt/M., Köln: Peter Barnes
«Kapitalismus 3.0»
Angesichts der aktuellen Krise auf den Finanzmärkten fordern viele eine Neujustierung
des Kapitalismus. Wie diese aussehen könnte und welche neuen Regeln und Institutionen
es braucht, beschreibt der amerikanische Publizist Peter Barnes in seinem Buch Kapitalis­
mus 3.0, das 2008 mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung auf Deutsch erschienen
ist. Auf einer Lesereise im Herbst 2008 stellte Barnes seine Version 3.0 des Kapitalismus
vor. Barnes plädiert für die Sicherung und Stärkung der Gemeingüter – also jener natür­
lichen Reichtümer (u. a. Luft und Wasser, Lebensräume und Ökosysteme), die uns nicht
individuell, sondern als Mitglieder einer Gemeinschaft gehören. Finanzsicherheit sei, so
Barnes, ein solch schützenswertes Gemeinschaftsgut: Denn die Finanzmärkte profitierten
in nie da gewesener Weise vom Gemeinwesen, von der Leistungskraft der Gesellschaft und
der staatlichen Infrastruktur. Nur ein solides System transparenter Institutionen könne
das Vertrauen in die Finanzmärkte wiederherstellen. Dafür bräuchte es staatliche und ins­
titutionelle Regelungen, wie sie der Autor etwa für den Emissionsrechtehandel einfordert:
«Es wird im Kapitalismus 3.0 mehr Dinge von der Art geben, die wir tatsächlich benötigen:
intakte Ökosysteme, Gemeinschaften und Kultur – und verlässliche Institutionen der Kre­
ditvergabe und Finanzierung.»
Peter Barnes ist Unternehmer und Publizist. Er hat verschiedene erfolgreiche Firmen
gegründet und war auch als Korrespondent von Newsweek und The New Republic tätig.
Gegenwärtig ist er Senior Fellow am Tomales Bay Institute in Point Reyes Station, Kali­
fornien.

«Mir ist klar geworden, dass mich seit meinem frühen Erwachsenenalter immer eine
Frage beschäftigt hat: Ist der Kapitalismus eine brillante Lösung für das Problem knap­
per Ressourcen oder ist er selbst das Grundproblem der Moderne? Diese Frage hat
verschiedene Ebenen, deren Untersuchung hat mich jedoch immer wieder zum gleichen
Urteil geführt. Obwohl der Kapitalismus als brillante Lösung begann, wurde er zum
Grundproblem unserer Zeit. Er war seiner Zeit angemessen, die Zeiten aber haben sich
gewandelt. Zu Beginn des Kapitalismus war Natur im Überfluss vorhanden, Kapital
hingegen war knapp. Folglich war es sinnvoll, Kapital über alles andere zu stellen. Heu­
te jedoch schwimmen wir in Kapital, während unsere natürlichen Ressourcen immer
knapper werden. Auch gehen uns viele gesellschaftliche Regelungen verloren, die uns
als Gemeinschaften Halt verleihen und unser Leben reicher machen, ohne dass Geld
dazu erforderlich wäre. Das heißt nicht, der Kapitalismus sei zum Untergang verurteilt
oder nutzlos; es heißt, dass wir ihn verändern müssen. Wir haben ihn an das 21. Jahr­
hundert statt an das 18. Jahrhundert anzupassen. Und dies ist machbar.
Wir aber korrigiert man ein derart unüberschaubares und komplexes System wie das
kapitalistische? Und wie kann das mit Würde geschehen, mit möglichst wenig Schmerz
und Zerrüttung? Die Antwort ist: Man sollte das tun, was Bill Gates getan hat – das
Betriebssystem auf den neuesten Stand bringen.» Peter Barnes, Kapitalismus 3.0

Forum Dialog, Frankfurter Buchmesse 2008:
Peter Barnes (r) bei der Vorstellung von «Kapi­
talimus 3.0»

Kapitalismus 3.0
Von Peter Barnes
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Berlin 2008, 208 Seiten, 18,80 Euro

Das Buch wurde unter einer Creative Commons
License veröffentlicht.
Download unter www. boell.de

28

Außen- und Sicherheitspolitik

Außen- und
Sicherheitspolitik
Die außen- und sicherheitspolitische Agenda ist in einem tiefgreifenden Wandel
begriffen. Heute stellt sich mehr denn je die Frage nach einem globalen Ordnungs­
rahmen, der eine friedliche Austragung von Interessengegensätzen gewährleistet,
Kooperation fördert und eine Eskalation der Konfliktpotenziale verhindert. Die Ent­
wicklung einer solchen politischen Architektur ist umso dringender angesichts der
zunehmenden Verteilungskonflikte um knappe Ressourcen, des Aufkommens neuer
Mächte sowie der Herausforderung durch neue Formen außerstaatlicher Gewalt. Die
Heinrich-Böll-Stiftung trägt dazu bei, multilaterale Lösungsansätze für die außenund sicherheitspolitischen Herausforderungen und die Rolle Europas in der Welt zur
Diskussion zu stellen.

Berlin, September 2008 (l – r): Ahmed Rashid,
Journalist, Pakistan, John Kornblum, Senior
Counselor, Botschafter a.D., und Barbara Un­
müßig, Stiftungsvorstand

Außenpolitische Jahrestagung
Berlin: Werte und Interessen in der Außenpolitik

Ralf Fücks, Stiftungsvorstand

What can Europe do in Iraq? Recommendations
for a new U.S.-European collaboration
Ed. by the Heinrich Böll Foundation
Publication series on Democracy – Volume 11
Berlin 2009, 92 pages

Werte und Interessen in den internationalen
Beziehungen – eine Dimension deutscher und
europäischer Außenpolitik
Eine Studie von Joscha Schmierer
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Schriften zur Demokratie – Band 8
Berlin 2008, 24 Seiten

Die außenpolitische Jahrestagung vom 10. – 11. September 2008 warf im Jahr der USPräsidentschaftswahlen einen kritischen Blick auf den häufig zitierten Gegensatz von wer­
tebasierter und interessengeleiteter Außenpolitik. Werden Werte nur vorgeschoben, um
dahinter nationale Interessen zu verfolgen, oder sind Werte Grundlagen bei der Formulie­
rung von Interessen? «Ohne Klarheit über unsere Grundwerte können wir auch über unsere
Interessen keine Klarheit gewinnen», so Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung.
Nur wenn Werte integraler Bestandteil klar definierter Interessen seien, würden sie von
anderen nicht nur als leere Predigten angesehen werden.
Der pakistanische Journalist Ahmed Rashid zeigte anhand der Krisen in Afghanistan
und Pakistan, wie die deutsche Außenpolitik Werte und Interessen besser miteinander
vereinbaren könnte. Seine Einschätzung der Lage in Afghanistan war dramatisch. Die
Taliban seien zu einem regionalen Problem geworden und könnten immense Erfolge bei
der Anwerbung neuer Kämpfer verzeichnen. Warlords hätten das stillschweigende Ein­
verständnis der Regierung, und Drogenprobleme nähmen überhand. Auch Pakistan stecke
in großen Schwierigkeiten. Seiner Ansicht nach habe Deutschland versäumt, die eigene
Bevölkerung darüber aufzuklären, was in der Region auf dem Spiel stehe. Die Deutschen
würden weder die tatsächliche Lage kennen noch die Bedrohung, die für Deutschland da­
raus erwachse. Es fehle eine Debatte darüber, dass Deutschland sich aufgrund eigener
Interessen in Afghanistan engagiere und nicht der Vereinigten Staaten zuliebe. Nachhal­
tige Verbesserungen in Afghanistan und Pakistan erforderten laut Rashid wesentliche Än­
derungen in Taktik und Strategie. Schwerpunkt der deutschen Bestrebungen sollten die
Unterbindung der Drogenwirtschaft und die Stärkung der örtlichen Polizei sein. Rashid
sprach sich auch für eine größere Truppenpräsenz aus, um ein Erstarken der Taliban in

29

Außen- und Sicherheitspolitik

Nordafghanistan zu verhindern. Dazu müssten die Deutschen jedoch ihre Vorbehalte ge­
gen Kampfhandlungen aufgeben.
Für Lotte Leicht, Direktorin von Human Rights Watch, spielten Werte – durch interna­
tionale Abkommen, Standards und Verpflichtungen festgeschrieben – eine direkte Rolle
im politischen Gestaltungsprozess. Die EU müsse ihre Glaubwürdigkeit stärken, indem sie
nicht nur Menschenrechtsverletzungen von Staaten wie Russland, China und der USA of­
fen anspreche, sondern vor allem auch innerhalb der eigenen Grenzen Worten Taten folgen
lasse. Dabei nannte sie vor allem die Verbesserung der europäischen Asylgesetzgebung.
John Hulsman vom Alfred von Oppenheim-Zentrum für Europäische Zukunftsfragen
(AOZ) wies darauf hin, dass der Westen und viele Schwellenländer «nicht identische Wer­
te» hätten. Internationaler Fortschritt in einer multipolaren Welt würde durch ein Behar­
ren des Westens auf»universell gültigen Werten» nur erschwert.
Renate Künast, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, kritisierte die deut­
sche Außen- und Sicherheitspolitik für ihr Versäumnis, Antworten auf den Klimawandel
und die globale Nahrungsmittelkrise zu erarbeiten. Die Außenpolitik müsse ein umfassen­
deres Mandat erhalten und sich die Einbeziehung der Entwicklungsländer in die Welthan­
delsorganisation sowie die Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls zum Schwerpunkt
setzen. Noch stehen wir keineswegs im Einklang mit den eigenen, oft bekräftigten Werten,
erinnerte Renate Künast. «Wir leben das genaue Gegenteil unserer Werte. Wir leben auf
Kosten anderer.»
Die Konferenz schloss mit der Übereinkunft, die Dichotomie von Werten und Interes­
sen in der Außenpolitik zu überwinden. Ohne Klarheit über die Leitwerte deutscher und
europäischer Politik seien Interessen nicht zu bestimmen. Dabei gehe es um einen Orien­
tierungsrahmen für komplexe Entscheidungen, in denen zwischen «richtig» und «falsch»
gerungen werden müsse.

Renate Künast, MdB und Fraktionsvorsitzende
von Bündnis 90/ Die Grünen

Die NATO in einer veränderten Welt
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Schriften zur Demokratie – Band 12
Berlin 2009, 36 Seiten

Internationale Konferenz
Beirut: Emerging Powers and the Middle East
Seit dem Ende der Blockkonfrontation wächst die Bedeutung sogenannter «(Re)Emer­
ging Powers» (wieder-/ aufsteigende Mächte) wie Brasilien, China, Indien und Russland,
denn eine Vielzahl regionaler Konflikte lassen sich ohne internationale Kooperation nicht
mehr lösen. Der Krisengürtel zwischen Marokko und Zentralasien gilt bislang weitgehend
als passives Objekt einer neu konfigurierten Großmachtkonkurrenz um Einflusszonen und
Rohstoffe. Auf einer Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung im Oktober 2008 versuchten
Fachleute aus China, Deutschland, Indien, Russland, den USA und dem Mittleren Osten
über die konkurrierenden Interessen in der Region Klarheit zu gewinnen. Die Referieren­
den betonten mehrheitlich die Potenziale und Notwendigkeit multilateraler Kooperation,
übten sich jedoch in Skepsis: Klare Strategien über den Umgang mit der neuen Multipola­
rität scheinen weder in den USA noch unter den «Emerging Powers» selbst zu existieren.
Letztere scheinen eher bemüht, der aus ihrem zunehmenden Gewicht erwachsenen Verant­
wortung auszuweichen. Die oft im eigenen Land delegitimierten Regime der Arabischen
Welt hingegen hätten jeden Versuch zur Gestaltung der Region und ihrer Rolle in den in­
ternationalen Beziehungen längst aufgegeben. Die Konferenz fand in Zusammenarbeit mit
dem Carnegie Middle East Center statt.

Paul Salem und Marina Ottaway, beide von der
Carnegie-Stiftung

Konferenzbericht unter
www.boell-meo.org/en/web/538.htm

Tagung
Schmitten/Hessen: Fanatischer Schurkenstaat oder rationaler
Machtstratege? Irans Rolle im Nahostkonflikt
Eine der schwerwiegendsten Folgen der US-Invasion im Irak ist der regionale Machtge­
winn Irans. Der Streit um das iranische Atomprogramm und Muskelspiele am Persischen
Golf nähren die Befürchtung eines neuen Führungsanspruchs des Iran und möglicher krie­
gerischer Auseinandersetzungen. Im Iran ist nach Jahren gescheiterter Reformbemühun­
gen mit Ahmadinedschad ein Hardliner im Amt des Präsidenten, der den Holocaust leug­
net und das Ende des israelischen Staates postuliert. In Israel weckt das iranische Streben
nach Atomenergie Urängste einer existenziellen Bedrohung. Durch die engen Beziehungen

Tagungsdokumentation und weitere Beiträge
in: Vierteljahreshefte des deutsch-israelischen
Arbeitskreises für den Frieden in Nahost, Heft
4/2008
www.diak.org

30

Iran-Report: Mit dem Iran-Report von Bahman
Nirumand stellt die Heinrich-Böll-Stiftung
der interessierten Öffentlichkeit eine Zusam­
menfassung relevanter Ereignisse im Iran zur
Verfügung. Der Report erscheint monatlich und
wird als pdf verschickt.
E-Mail an vera.lorenz@boell.de

Außen- und Sicherheitspolitik

zu Syrien und die Unterstützung regionaler Akteure wie der schiitischen Hisbollah oder
der palästinensischen Hamas ist iranische Politik direkt mit den Entwicklungen in Nahost
verknüpft. Auf einer gemeinsamen Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung, des deutsch-israe­
lischen Arbeitskreises für den Frieden in Nahost (diAK) und der Evangelischen Akademie
Arnoldshain diskutierten Fachleute aus Israel, den USA, dem Iran und Deutschland die
Entwicklungen in Iran und dessen Interessen in Nahost. Welche Politik betreibt der Iran
und was sind die Motive? Wie real ist die Bedrohung durch den Iran? Welche Rolle spielt
die US-Administration im Umgang mit dem Iran? Besonders am Thema «Verhandeln oder
isolieren?» entzündete sich eine kontroverse Debatte über eine harte politische Isolations­
strategie und – angesichts eines zu erwartenden Wechsels in der amerikanischen Politik
– möglichen neuen Spielräumen für Diplomatie und direkte Gespräche.

Diskussionsreihe
Nahost: Der schwierige Umgang mit dem iranischen Atomprogramm

Tel Aviv, Januar 2008 (l – r): Jörn Böhme, Emily
Landau, Ralf Fücks, Ephraim Kam, Geneive
Abdo und Dan Meridor.

Die nuklearen Ambitionen Irans beunruhigen die Welt – die gesamte Region des Mittleren
Ostens und die Existenz Israels wäre durch eine iranische Atombombe bedroht. Diploma­
tische Ansätze zur Lösung des Nuklearkonflikts mit dem Iran standen im Zentrum einer
zweijährigen Diskussionsreihe der Heinrich-Böll-Stiftung, bei der insbesondere regionale
Nachbarn wie die Türkei und Israel Gehör fanden. Fazit war, dass eine enge transatlan­
tische Zusammenarbeit unter Einbeziehung regionaler Akteure weiterhin der Schlüssel
zur Verhinderung einer iranischen Atombombe sei. Unter den regionalen Akteuren ist
nach wie vor ein tiefes gegenseitiges Misstrauen vorhanden. Zum Vertrauensaufbau müsse
der Iran den Verpflichtungen aus dem atomaren Nichtverbreitungsvertrag komplett und
transparent nachkommen. Als weitere Herausforderung gelte es, die ehemals blockfreien
Staaten für eine aktivere internationale atomare Nichtverbreitungspolitik zu gewinnen,
da die Debatte um das iranische Nuklearprogramm immer noch entlang der Konfliktlinien
des Kalten Krieges verlaufe.

Podiumsdiskussion
Washington: 10-jähriges Jubiläum des Stiftungsbüros
Mit politischen Visionen für die «Zukunft der Transatlantischen Zusammenarbeit» feierte
das Washingtoner Büro der Heinrich-Böll-Stiftung am 30. Oktober 2008 sein zehnjäh­
riges Bestehen. In einer Podiumsdiskussion skizzierten Reinhard Bütikofer (ehemaliger
Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen) und John Podesta (Leiter von Barack Obamas
«Transition Team») ihre Vorstellungen amerikanisch-europäischer Kooperation unter den
Vorzeichen eines neuen US-Präsidenten. Bütikofer beschrieb Möglichkeiten, um wirt­
schaftliche, klimatische und sicherheitspolitische Herausforderungen gemeinsam anzuge­
hen. Podesta versicherte, die Vereinigten Staaten würden sich unter Barack Obama stär­
ker den Interessen der Internationalen Gemeinschaft verschreiben. Vor allem, so waren
sich beide Redner einig, gelte es den Klimaschutz voranzubringen und die Wirtschaftskrise

Washington, Oktober 2008 (l – r): Reinhard
Bütikofer, Bündnis 90/Die Grünen, Helga
Flores-Trejo, Heinrich-Böll-Stiftung, Wendy
Sherman, The Albright Group, John Podesta,
Center for American Progress, und Ralf Fücks,
Heinrich-Böll-Stiftung

Außen- und Sicherheitspolitik

31

als Chance für grundlegende Reformen im Sinne nachhaltiger, emissionsarmer Gesell­
schaften zu verstehen. Nach einem überzeugenden Plädoyer für mehr Energieeffizienz und
für die Einführung eines nationalen Emissionshandelssystems, versicherte Podesta, Ba­
rack Obama würde Klimaschutz zu einer politischen Priorität machen.

Capacity Building
Palästina: Ausbildung von Frauen zu Konfliktmediatorinnen
Die Nichtregierungsorganisation Holy Land Trust aus Bethlehem startete bereits im Jahr
2007 mit dem Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah ein Pilotprojekt für palästi­
nensische Frauen in ländlichen Gebieten. Mehr als 100 Frauen in drei Dörfern der südlichen
Westbank erhielten eine Ausbildung in gewaltfreier Konfliktbewältigung und Mediation.
In einem jeweils 4-tägigen Kurs standen Themen wie Konfliktanalyse, Gewaltursachen und
Gewaltlosigkeit auf der Tagesordnung. 2008 wurde das Projekt auch auf andere Regionen
der Westbank ausgeweitet. Über die individuelle Schulung hinaus soll ein Netzwerk von
Trainerinnen aufgebaut werden, das flächendeckend agieren kann und friedliche Konflikt­
bewältigungsstrategien in der palästinensischen Gesellschaft verbreitet. Die gleiche Ziel­
richtung verfolgt ein ähnliches Projekt der Frauen-Organisation Zakher im Gaza-Streifen.
Hier steht die Arbeit mit Frauen aus den Flüchtlingslagern im Vordergrund. Sie sollen
motiviert werden, bei der Regelung der vielfältigen innergesellschaftlichen Konflikte eine
aktivere Rolle zu spielen. Die geplante Zusammenführung beider Projekte ist an der fast
völligen Isolierung des Gaza-Streifens gescheitert. Ein intensiver Erfahrungsaustausch
wurde unmöglich; auch die weiterführende Ausbildung von Frauen als Konfliktmediatorin­
nen im Gaza-Streifen ist gefährdet.

Konferenz
Ljubljana/Slowenien: Roadmap to 1325 – Women in Conflict Resolution
Die Resolution 1325 schreibt – völkerrechtlich bindend – vor, dass Frauen bei allen Ent­
scheidungen in der Friedens- und Sicherheitspolitik zu beteiligen sind und die Gender­
perspektive einzubeziehen ist. Doch gegen die Resolution wird ständig verstoßen. Das
Gunda-Werner-Institut (GWI) konzentrierte sich 2008 darauf, die Umsetzung der UNResolution 1325 mit dem 2007 begonnenen Staffellauf durch die EU voranzutreiben.
In Kooperation mit dem deutschen Frauensicherheitsrat unterstützte das GWI während
der EU-Ratspräsidentschaft Sloweniens im Juni 2008 eine Pan-Balkan-Konferenz der
Graduate School in Humanities in Ljubljana zu Frieden, Sicherheit und Pazifismus aus
der Geschlechterperspektive. Dabei tauschten sich erstmals Frauen und (wenige) Männer
aus der gesamten Balkan-Region über die erlebten kriegerischen Konflikte und die damit
verbundenen Kriegstraumata aus. Die Notwendigkeit einer systematischen Aufarbeitung
wurde auf der Konferenz mehr als deutlich. Der Staffelstab wurde am Ende an Frankreich
übergeben, doch dort erfuhr die Staffellauf-Initiative zur Umsetzung der Resolution 1325
ebenso wenig Akzeptanz wie die gesamte genderorientierte Friedens- und Sicherheitspo­
litik. Hier zeigt sich deutlich: Wenn es keine starken, engagierten zivilgesellschaftlichen
Akteurinnen vor Ort gibt, greift auch die Politik das Thema nicht auf. Anders in Montene­
gro: Angeregt durch die Konferenz in Ljubljana organisierte das dortige Gleichstellungs­
ministerium zusammen mit anderen Ministerien im Oktober 2008 die internationale Kon­
ferenz «Women in Security System – UN SC Resolution 1325». Hier ging es insbesondere
um die Frage der Implementierung der Resolution 1325 in den Ländern des Balkan. Auch
Repräsentantinnen internationaler Organisationen wie des International Security Infor­
mation Service (ISIS) und des Geneva Centre for the Democratic Control of Armed Forces
(DCAF) hatten Gelegenheit, die Bedeutung von genderorientierter Arbeit in der Europä­
ischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie in der Sicherheitssektorreform vorzu­
stellen. Auch das GWI präsentierte sein Roadmap-to-1325-Konzept und die Arbeit des
Frauensicherheitsrats. Auf verschiedenen Round-Table-Gesprächen auf EU-Ebene wurde
das Motto: «Acting together for sustainable Peace: National Action Plans for UNSCR
1325, das inzwischen auch vom EU-Ratspräsidenten Solana – zumindest für Konfliktre­
gionen – offensiv vertreten wird, einhellig begrüßt.

Hoffnungsträger 1325. Eine Resolution für eine
geschlechtergerechte Friedens- und Sicherheitspo­
litik in Europa
Hrsg. im Ulrike Helmer Verlag vom Gunda­
Werner-Institut
Königstein/Ts. 2008, 272 Seiten, 25 Euro

32

Gunda-Werner-Institut

Gunda-WernerInstitut
Das Gunda-Werner-Institut für Feminismus und Geschlechterdemokratie ist in der
Heinrich-Böll-Stiftung ein noch sehr junges Institut. Es ist 2007 aus den vormals ge­
trennten Einheiten – dem Feministischen Institut und der Stabsstelle Gemeinschafts­
aufgabe Geschlechterdemokratie – hervorgegangen. Durch den Zusammenschluss
sollen die Kräfte gebündelt, Synergien hergestellt und neue politische Perspektiven
entwickelt werden. Die Arbeit des Gunda-Werner-Instituts konzentriert sich auf Frie­
dens- und Sicherheitspolitik, Geschlechterpolitiken in Europa, geschlechtergerechte
Lebensformen sowie Genderberatung und Gendertraining.

Arbeitsschwerpunkte
www.gunda-werner-institut.de

– das Wissensportal des GWI

Dossier zur Grundsicherungsdebatte aus feminis­
tischer Sicht unter www.boell.de

Mehr zum CEDAW-Alternativbericht unter
www.frauenrat.de

Soziale Sicherheit neu denken
Ein Policy Paper von Susann Worschech
Schriften des Gunda-Werner-Instituts – Band 4
2. Auflage, Berlin 2009, 52 Seiten

Geschlechterarrangements der Zukunft waren im Jahr 2008 eines der großen Themen des
Gunda-Werner-Instituts (GWI). Hier ging es insbesondere um neue Wege zu selbstbes­
timmten Lebensformen, die eine eigenständige Existenzsicherung ermöglichen. Was sind
die institutionellen Rahmenbedingungen für eine Realisierung selbstbestimmten Lebens?
Wie müssen sozial- und steuerpolitische Regelungen für eine eigenständige Existenzsic­
herung aller Geschlechter im besten Fall aussehen? Die Broschüre Soziale Sicherheit neu
denken, Ergebnis u. a. von Fachgesprächen, zeigt neue Ansätze auf und analysiert die Kon­
zepte «Grundsicherung und Grundeinkommen» aus Geschlechterperspektive. Die Publika­
tion stieß auf große Resonanz und liegt bereits in zweiter Auflage vor.
Am 15. Dezember 2008 übergab der Deutsche Frauenrat in Kooperation mit dem GWI
dem CDU-geführten Bundesfrauenministerium den Alternativbericht zum «6. Bericht
der Bundesrepublik Deutschland zum Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Be­
seitigung jeder Diskriminierung der Frau» (CEDAW). Der Alternativbericht, vom Deut­
schen Frauenrat und einer Allianz von 28 Nichtregierungsorganisationen erstellt, erteilte
der Bundesregierung schlechte Noten. Die Liste der Kritikpunkte ist lang: Sie reicht von
Mängeln bei der Antidiskriminierungspolitik bis hin zu «peinlichen Rollenstereotypen in
Werbung und Medien». Auf dem Arbeitsmarkt seien Arbeitnehmerinnen nach wie vor er­
heblich benachteiligt. Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen würden nicht greifen, zudem
mangele es noch immer an einer geschlechtergerechten Gesundheitsversorgung. Ebenso
fehlten Gleichstellungsmaßnahmen für Lesben, Schwule, intersexuelle und transsexuelle
Menschen. Für das GWI zeigt sich hier deutlich, dass Gleichstellungspolitik in Deutsch­
land neue Impulse benötigt. Dazu gehören z. B. die nachhaltigere Umsetzung des allgemei­
nen Gleichbehandlungsgesetzes und die Anwendung von Instrumenten wie Gender Main­
streaming und Gender Budgeting. Geschlechterfragen müssen wieder in den Mittelpunkt
der Politik gestellt werden.
Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt des GWI ist die Friedens- und Sicherheitspolitik. In
Kooperation mit dem Frauensicherheitsrat (FSR) und der Hertie School of Governance
fand am 18. Juni die Veranstaltung «Geschlechtergerechte Friedens- und Sicherheitspoli­
tik im Spiegel von Bundesregierung und Frauensicherheitsrat» statt. Brauchen wir einen
Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Resolution 1325? Dies war die Kernfrage, die vor dem
Hintergrund des Berichts der Bundesregierung zur UN-Resolution 1325 und des FSRSchattenberichts von Politikerinnen und Politikern sowie Repräsentantinnen des Frauen­
sicherheitsrates erörtert wurde. Die Teilnehmenden verständigten sich über Strategien zur
Umsetzung der UN-Resolution, die verschiedene Perspektiven der Bundestagsfraktionen
und der Repräsentanten und Repräsentantinnen der Zivilgesellschaft einschloss. Enttäu­
schend war jedoch, dass keiner der zuständigen männlichen Fachpolitiker der verschiede­
nen Fraktionen erschienen war.
Im Herbst 2008 stimmte der Bundestag über die Aufstockung des Bundeswehr-Kontin­
gents in Afghanistan ab. Angesichts der bevorstehenden Entscheidung veranstaltete der

33

Gunda-Werner-Institut

deutsche Frauensicherheitsrat im Oktober 2008 in Bonn unter Federführung des GWI
eine Diskussion zum Thema. Engagiert und kontrovers diskutierten Selmin Caliskan, me­
dica mondiale, Sidiqa Faizy, Verein der demokratischen Frauen Afghanistans, Yahaya
Wardak, Afghanistan Information Center, und Günter Schellmann, Oberstleutnant der
Bundeswehr, die Frage, was die Beteiligung der Bundeswehr für die Frauen und Men­
schenrechte dort bringt. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem «Zentrum für
Entwicklungsforschung» der Universität Bonn statt.
40 Jahre Neue Frauenbewegung

Geschlechterdemokratie und Feminismus weiterdenken – gemäß dieser Programmatik
veranstaltete das GWI in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum und der Hein­
rich-Böll-Stiftung NRW vom 12. – 14. Juni 2008 in Bochum die Konferenz »Frauenfra­
gen sind Männerfragen sind Geschlechterfragen? 40 Jahre Neue Frauenbewegungen. Und
jetzt?» Der Titel war Programm. Nicht mehr nur «Frauen» tragen die Verantwortung für
den Kampf und das Ringen um Geschlechtergerechtigkeit, sondern alle Geschlechter. Über
100 Teilnehmende (zu dreiviertel Frauen) analysierten die Entwicklungen und Verände­
rungen der neuen Frauenbewegungen mit Blick auf geschlechterpolitische Positionierun­
gen der sog. «neuen» Männer und diskutierten die Herausforderungen der Zukunft. Die
lebhaften Debatten zeigten, dass die Themen an Brisanz nichts verloren haben.
Dem Dialog und einer Schärfung der Positionen insbesondere zwischen den unterschied­
lichen Generationen, die sich für feministische und gender-relevante Positionen engagie­
ren, diente auch die Online-Debatte «Was ist der Streit wert?» Sogenannte Alphamädchen,
Alt-und Jungfeministinnen sowie emanzipativ orientierte Männer lieferten kontroverse
Beiträge und eröffneten neue geschlechterpolitische Perspektiven.

Konferenzbeiträge zu «40 Jahre Neue Frauen­
bewegungen» unter www.gunda-werner-institut.
de/de/web/22_1224.htm

Online-Debatte unter: www.boell.de/demokratie

Green Ladies Lunch

Ins mittlerweile achte Jahr ging das «Green Ladies Lunch» mit Claudia Roth als Schirm­
frau. Die Reihe richtet sich zwecks Vernetzung und Agenda-Setting gezielt an Frauen aus
dem grünen Politikfeld und an das feministische Milieu. Erfreulich ist die Teilnahme von
vielen jungen Frauen. Die Themen orientieren sich an den Schwerpunkten des GWI und an
aktuellen politischen Problemstellungen. Unter dem Titel «Zwischen Pop und Partei» ging
es 2008 z. B. um Politikerinnen in der Repräsentationsfalle zu Zeiten des Wahlkampfes.
Ein weiteres Ladies Lunch widmete sich der aktuellen Antidiskriminierungspolitik (siehe
Beiträge im Internet: www.glow-boell.de). Zwölf Landesstiftungen führen dieses Format
in leicht abgewandelter Form inzwischen als «Ladies Lunch on Tour» fort.
Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse

In Kooperation mit dem Netzwerk «Forum Männer» werden auf zwei Fachtagungen jähr­
lich geschlechterpolitisch relevante Themen aus männerpolitischer Perspektive disku­
tiert und bearbeitet. Auf große Resonanz stieß die in Zusammenarbeit mit der Berliner
Fachrunde Jungenarbeit durchgeführte Tagung «Jungen – die schwachen Starken? Eine
gesellschaftliche, politische und pädagogische Herausforderung». Jungen gelten allgemein
als weniger fleißig, weniger angepasst und viel gewalttätiger als Mädchen. Um männliche
Schüler besser zu fördern – so eine Forderung der über 100 Teilnehmenden –, sollten Leh­
rer/innen die guten Erfahrungen mit geschlechtersensiblen Konzepten aus der Jungen- und
Jugendarbeit aufgreifen. Auf der Tagung wurden Projekte und modellhafte Ansätze vor­
gestellt wie z. B. «Neue Wege für Jungs», ein Netzwerk von Initiativen zur jungengerech­
ten Berufs- und Lebensplanung. In Wahlkämpfen fordern Politiker immer wieder Sank­
tionen wie Erziehungscamps oder gar die Ausweisung von straffälligen Migranten ohne
deutschen Pass. Männliche Jugendliche werden gerade nach spektakulären gewalttätigen
Vorfällen pauschal als Problemfälle wahrgenommen. Reflektierte Jungenarbeit hingegen
– das wurde sehr deutlich – sucht Bezugspunkte in den vielfältigen Lebenswirklichkeiten
ihrer Zielgruppe. Einen wichtigen Schritt für die Zukunft sahen die Teilnehmenden darin,
Strukturen zu schaffen, die multiple Anerkennungsmöglichkeiten vorsehen.

Männer laden ein: Geschlechterdialoge
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Schriften des Gunda-Werner-Instituts – Band 5
Berlin 2008, 24 Seiten
Download unter www.geschlechterdialoge.de

Filme und Beiträge zur Forums-Tagung
«Männer laden ein: Geschlechterdialoge» sind
auch als DVD erhältlich.

34

Globale Geschlechterpolitik

Globale
Geschlechterpolitik
Geschlechterpolitik sowie feministische Analysen und Strategien haben in der Arbeit
der Heinrich-Böll-Stiftung einen festen Platz und einen besonderen Stellenwert. Ge­
schlechterpolitik ist eines ihrer wichtigsten politischen Markenzeichen – auch und vor
allem in der Auslandsarbeit. In der Organisationsentwicklung ist die Stiftung deshalb
Vorreiterin und Vorbild für viele andere Organisationen geworden.

CEDAW-Schattenbericht
Nigeria: Anti-Diskriminierungskonvention in Nigeria
In Nigeria haben als «traditionell» verstandene oder legitimierte Geschlechterrollen eine
erhebliche Bedeutung – weit mehr als in anderen afrikanischen Ländern. Noch immer sind
traditionelle Praktiken wie die Genitalverstümmelung, erniedrigende Witwenriten oder
die Benachteiligung von Frauen im Erbrecht weit verbreitet. Und das, obwohl Nigeria
1985 vorbehaltlos die Konvention der UN zur Abschaffung aller Formen von Diskriminie­
rung gegen Frauen (CEDAW) ratifizierte. Bislang wurden aber keine Schritte unternom­
men, um diese international verbindlichen Verpflichtungen national umzusetzen. Im Ge­
genteil: Im Jahr 2007 ließ das Parlament eine darauf abzielende Gesetzesvorlage mit der
Begründung scheitern, die CEDAW-Bestimmungen über reproduktive Selbstbestimmung
seien nicht mit der nigerianischen Kultur zu vereinbaren und würden westliche Übel wie
Abtreibung und Prostitution im Lande verbreiten.
Im Juli 2008 war Nigerias offizieller CEDAW-Bericht vor der UN fällig. Diesem of­
fiziellen Bericht stellte die Organisation Women's Aid Collective (WACOL) mit Unter­
stützung der Heinrich-Böll-Stiftung einen Schattenbericht gegenüber, der den Ausschuss­
mitgliedern vor der eigentlichen Anhörung der Regierungsdelegation in einem separaten
Briefing erläutert wurde. Aus dem Bericht geht hervor, dass das Nebeneinander verschie­
dener Rechtsprechungen (traditionelles, islamisches und Bundes- bzw. Landesrecht) eine
Abschaffung von Diskriminierungen erschwert, solange Geschlechtergerechtigkeit nicht
ausdrücklich in der Verfassung niedergeschrieben wird. Als Erfolg kann gewertet werden,
dass die in Nigeria umstrittene «Nudity Bill», die Frauen das Tragen «züchtiger» Kleidung
vorschreiben wollte, aufgrund des Drucks des CEDAW-Ausschusses zurückgezogen wurde.
Die nigerianische Regierungsdelegation verpflichtete sich, bei den anstehenden Verhand­
lungen zur Wahlrechts- und Verfassungsreform auf die Umsetzung der Empfehlungen zu
achten. Die Frauenorganisationen sind nun dabei, einen Aktionsplan auszuarbeiten, wie
CEDAW erfolgreich in nationales Recht umgesetzt werden kann. Zudem wird sich Gender
and Development Action (GADA), eine Partnerorganisation der Stiftung, verstärkt bei der
Debatte um eine geschlechtergerechte Verfassungsreform einbringen.

Studie
Kambodscha: Women and Land Registration

Indigene Bäuerin im Norden Kambodschas

Seit der Zerstörung aller Grundbuch- und Katasterunterlagen durch die Roten Khmer ist
die Sicherung von Landbesitz und Landnutzungsrechten für die mehrheitlich ländliche Be­
völkerung Kambodschas von besonderer Bedeutung. Mit Hilfe internationaler Geber initi­
ierte die kambodschanische Regierung Ende der 90er Jahre einen umfassenden Landre­
formprozess. Mehr als 1,5 Mio. Landtitel wurden seither an private Landeigner vergeben;
zum Teil an einzelne Männer und Frauen – zu 70 Prozent aber gemeinschaftlich als «joint
land title» an beide Eheleute. Laut Regierung und Gebern beweist diese Statistik, dass die
Rechte von Frauen bei der Landregistrierung gesichert sind. Eine von der Heinrich-BöllStiftung unterstützte Studie zeigt jedoch, dass die Vergabe von «joint titles» Frauen fak­
tisch oft zum Nachteil gerät. So wurde das Land vieler Frauen, die seit Jahren von ihren

35

Globale Geschlechterpolitik

Ehemännern getrennt bzw. geschieden leben, teilweise ohne ihr Wissen als gemeinsamer
Besitz registriert. Die Studie gilt unbestritten als eine der wenigen Arbeiten, die die Fra­
ge der Landreform aus der Geschlechterperspektive betrachtet. Während Vertreter des
Ministeriums für Landmanagement die Ergebnisse der Studie zurückweisen, haben die
Frauenministerin sowie verschiedene lokale NGOs und internationale Geber zugesagt, die
Empfehlungen zur Sicherung der Landrechte von Frauen weiterzuverfolgen!

Women's Perspectives: A Case Study of Systema­
tic Land Registration in Cambodia
By Mehrak Mehrvar, Chay Kimsor and
My Sambath
Phnom Penh 2008, 51 pages
Download: www.boell-cambodia.org

Projekt
Israel: Mehr Mobilität für arabische Frauen
Die Mehrheit der arabischen Frauen in Israel besitzt kein eigenes Auto. Durch den Man­
gel an öffentlichen Verkehrsmitteln in arabischen Ortschaften ist ihre Mobilität erheblich
eingeschränkt. Hier liegt einer der Gründe für ihre geringe Erwerbstätigkeit, ihren Aus­
schluss von öffentlichen Dienstleistungen sowie dem öffentlichen Leben überhaupt. «Frau­
en fordern Mobilität» – mit diesem Projekt will die Organisation Kayan, unterstützt von
der Heinrich-Böll-Stiftung, den Aufbau öffentlicher Verkehrsmittel in arabischen Städten
und Dörfern Israels vorantreiben. Kayan organisiert lokale Interessengruppen, die Männer
und Frauen für die Folgen der Mobilitätseinschränkung sensibilisieren. Aus einer privaten
Initiative heraus wurde bereits eine Busverbindung in die Ortschaft Mghar eingerichtet.
Auch gegenüber nationalen und lokalen Behörden tritt Kayan für den Aufbau öffentlicher
Verkehrsmittel ein. Im Jahr 2007 erreichte die Organisation eine Zusage des Verkehrs­
ministeriums für die Einrichtung öffentlicher Verkehrsmittel für zunächst zehn arabische
Städte und Dörfer. Im Jahr 2008 bereiteten beide die Umsetzung vor, indem sie die Mo­
bilitätsmuster innerhalb der Bevölkerung analysierten und den öffentlichen Nahverkehr
entsprechend konzipierten.

Mobilty among Arab Women in Israel
By Tamar Keinan and Dorit Bar
Published by Kayan
Haifa 2007, 40 pages

Die Studie untersucht erstmals die persönlichen,
politischen und sozioökonomischen Implikati­
onen der eingeschränkten Mobilität arabischer
Frauen.
Download: www.boell.org.il

Dokumentarfilm und Diskussionsreihe
Türkei: Unterstützung der LGBT-Bewegung
Noch immer ist die türkische Gesellschaft mehrheitlich ausgesprochen homophob. Jede
Form von Sexualität jenseits der Heterosexualität gilt gemeinhin als krank. Lesben,
Schwule, Bi- oder Transsexuelle (LGBT) sind in der Türkei entsprechend mit Repressi­
onen, Schikanen und Menschenrechtsverletzungen konfrontiert. Es gehört folglich Kraft
und Mut dazu, sich zu seiner nicht-heterosexuellen Identität zu bekennen. Auch die Men­
schenrechtsbewegung der Türkei hat einige Jahre gebraucht, bis sie die Anliegen der
LGBT-Bewegung auch als die ihren begriffen und akzeptiert hat. Um auf die Probleme von
LGBT in der Türkei aufmerksam zu machen, unterstützte die Heinrich-Böll-Stiftung im
Sommer 2008 eine Seminar- und Diskussionsreihe der Organisation KAOS-GL in Ankara
und ein Dokumentarfilmprojekt über das Leben der Transsexuellen Esmeray.

www.kaosgl.org

Projekt
Belgrad: «Frauen in Schwarz»
In Serbien gewinnt die traditionalistisch-konservative Orthodoxe Serbische Kirche zu­
nehmend Einfluss auf Politik und Gesellschaft. Ein Projekt der Belgrader «Frauen in
Schwarz», einer langjährigen Partnerorganisation der Heinrich-Böll-Stiftung, widmete
sich dem Problem des neu erstarkenden Fundamentalismus aus feministischer Perspek­
tive. Die Formate waren vielfältig: öffentliche Protestaktionen, Vorträge und Podiums­
diskussionen, Dokumentar- und Spielfilme über die Instrumentalisierung von Tradition,
Religion und Ethnizität sowie Formen des weiblichen Widerstands. In einer groß ange­
legten Feldstudie zu «Retraditionalisierung und Fortpflanzungsrechte» wurden erstmals
serbische Frauen in repräsentativer Zahl (978 Interviewte in 55 Kommunen) zu diesen
Themen befragt. Auch Publikationen sind mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung
erschienen, u. a. eine serbische und bosnische Übersetzung von Marieme Helie Lucas' Buch
Fundamentalisms today – feminist and democratic approaches, eine Broschüre zu «Frie­
densaktivismus in den Religionen» sowie «Feministische Friedensagenda – Säkularität
und Frauen».

Demonstration der «Frauen in Schwarz» mit den
Parolen: «Wir wollen nicht zurück in die Ver­
gangenheit», «Globalisieren wir die Menschen­
rechte» und «Wir wollen nach Europa».

36

Bildung und Wissenschaft

Bildung und

Wissenschaft

In einer zunehmend auf Wissen aufgebauten Gesellschaft spielt Bildung eine überra­
gende Rolle. Der Zugang zu Bildung wird zur Frage der Gerechtigkeit schlechthin. Die
Heinrich-Böll-Stiftung sucht Wege für eine zukunftsfähige Bildungspolitik, die den
Menschen gesellschaftliche Teilhabe und soziale Aufstiegschancen ermöglicht und die
zugleich den gewandelten Anforderungen des Wirtschaftssystems Rechnung trägt.

Konferenz
Hamburg: Schule mit Migrationshintergrund

Internationale Studien zeigen: Auch Schulen mit
einem hohen Anteil an Migrantenkindern können
erfolgreich sein.

Schulen mit einem hohen Anteil an Migrantenkindern gelten als problematisch und we­
nig effizient. Neueste internationale Studien aber zeigen, dass «Schulen mit Migrations­
hintergrund» durchaus erfolgreich sein können. Auf einer internationalen Konferenz der
Heinrich-Böll-Stiftung im Februar 2008 an der Universität Hamburg diskutierten Wis­
senschaftler/innen und Lehrer/innen über die Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen,
damit Schulen mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen erfolgreich Bildung
vermitteln und soziale Integration leisten können.
Die Konferenz zeigte, dass Migration und Diversität für Schulen nicht zum Verhängnis
werden, solange sie als Gestaltungsaufgabe angenommen und alle relevanten Beteiligten
miteinbezogen werden. Die Einflüsse auf Bildungsprozesse sind durchaus vielfältig: Schul­
struktur, Organisation von Schule und Unterricht, Elternhaus und Peergroup. Dort liegen
Potenziale, die genutzt werden können – damit letztlich jedes Kind die Chance bekommt,
individuelle Fähigkeiten optimal zu entwickeln. Die auf der Konferenz vorgestellten Pra­
xisbeispiele zeigten, wie sich Schulen verändern können, und bewiesen, dass auch in sozial
schwierigen Lagen und einer kulturell und sprachlich äußerst heterogenen Schülerschaft
ein gutes Schulklima, hervorragende Leistungen und ein aktive Elternbeteiligung erreich­
bar sind. Pädagogik kann politische Reformen zwar nicht ersetzen, aber ihr Handlungs­
spielraum ist auf der Hamburger Konferenz auf vielfältige Art und Weise deutlich gewor­
den. Und die Reaktionen aus dem Publikum haben gezeigt, dass der Wille zur Veränderung
da ist. Er muss jedoch ermutigt und unterstützt werden.

Roundtable
Berlin: Die Zukunft der Berufsausbildung in Deutschland
Im Juni 2008 luden das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) und die Heinrich­
Böll-Stiftung grüne Politiker/innen sowie Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft zu
einem Roundtable-Gespräch ein. Dabei ging es um Fragen der Bildungspolitik in Bezug
auf die Zukunft der beruflichen Ausbildung in Deutschland. Dieser wird eine anhalten­
de Leistungsfähigkeit und ein hohes internationales Ansehen attestiert. Entsprechend der
anerkannten Qualität sollte nach Ansicht der Teilnehmenden das Prinzip der parallelen
Ausbildung in Betrieb und Schule auch künftig das Herzstück der Berufsbildung bleiben.
Das duale Lernen biete die richtige Mischung aus Reflexion und praktischer Anwendung.
Die gesellschaftliche Integrationsleistung des dualen Systems sei dabei ebenso wichtig wie
dessen wirtschaftliche Funktion.
Die Meinungen gingen jedoch auseinander, als es um notwendige Strukturanpassungen
des dualen Systems ging. Dass es Reformbedarf gibt, war dabei unbestritten. Demogra­
phische Veränderungen, wirtschaftlicher Strukturwandel und die Internationalisierung
der Wirtschaft haben dazu geführt, dass die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen und ein
entsprechendes betriebliches Angebot weit auseinandergehen. Viele Bewerberinnen und
Bewerber, die keinen Ausbildungsplatz finden, landen heute in einem staatlichen Über­
gangssystem – einer ineffizienten und teuren Warteschleife. Die Vorschläge zur Lösung

37

Bildung und Wissenschaft

der strukturellen Missstände reichten von allgemeinen Reformen des Bildungswesens über
die Stärkung überbetrieblicher Ausbildungsstätten, die eng mit Betrieben zusammenar­
beiten, bis hin zu Plänen für die Einführung von Ausbildungsmodulen, die aufeinander
aufbauen und schrittweise zu einer vollwertigen Lehrausbildung führen. In eine ähnliche
Richtung gehen die Vorschläge der Europäischen Kommission, die die europaweite Mobi­
lität von Auszubildenden und Arbeitnehmern steigern sollen. Erste institutionelle Schnitt­
stellen zwischen nationalen Systemen der Berufsausbildung wurden bereits geschaffen.
Deutschland wird sich diesen Entwicklungen langfristig nicht entziehen können.
Bieten die anstehenden Reformen eine Chance, die rigide Struktur des dualen Systems
aufzulockern, oder droht die «Schmalspurausbildung»? – darüber gingen die Meinungen
weit auseinander. Die Vertreter der Wirtschaft sahen den maßgeblichen Grund der Aus­
bildungsmisere in einem Mangel an ausbildungsfähigen Lehrlingen. Gerade das Handwerk
leide darunter, dass viele Schüler mit guten Abschlüssen eine akademische Ausbildung be­
vorzugen. Durch eine verstärkte Anwerbung leistungsstarker Schulabgänger/innen sollte
dem künftig entgegengewirkt werden. Darüber hinaus bedürfe es einer Neuordnung der
Beziehungen zwischen Beruf und Hochschule: Für viele Unternehmen sei es aus betriebs­
wirtschaftlicher Sicht entscheidend, die wissenschaftliche Ausbildung ihres Personals
zu gewährleisten und es an sich zu binden. Dies werde jedoch durch die Abschottung der
Hochschulen gegenüber Facharbeitern und Handwerkern verhindert. Die Einführung eines
«Berufsabiturs» sollte deshalb künftig auch Nicht-Abiturienten ermöglichen, sich nach
einer erfolgreichen Lehre an Hochschulen akademisch weiterzubilden.

Studie
Schulkommission «Leistung statt Herkunft»
Das gegenwärtige deutsche Bildungssystem ist ungerecht. Vor allem Kinder und Jugend­
liche aus schwierigen sozio-ökonomischen Verhältnissen laufen heute Gefahr, den An­
schluss zu verlieren. Bildungsarmut ist erblich geworden. Viele Kinder und Jugendliche
bleiben auf der Strecke, darunter insbesondere jene mit Migrationshintergrund. Obwohl
dieses Problem mehr als bekannt ist, gibt es kaum wirksame Maßnahmen zur Verbesse­
rung der Situation.
Die Schulkommission der Heinrich-Böll-Stiftung hat nach einjähriger Arbeit im Novem­
ber 2008 ihre Ergebnisse zur Neuausrichtung des deutschen Bildungssystems vorgelegt.
In der Empfehlung «Bildungsgerechtigkeit im Lebenslauf» stellt die Bildungskommission
die Förderung der sogenannten Risikogruppe in den Mittelpunkt. Gerade die Konzentrati­
on auf diese Gruppe, der immerhin 20 Prozent aller Schülerinnen und Schüler angehören,
eröffnet Reformstrategien für das gesamte Schulsystem, da Lösungsvorschläge für diese
Gruppe Verbesserungen in der Förderfähigkeit der Schulen insgesamt nach sich ziehen.
Die Schulkommission empfiehlt unter anderem die Realisierung eines Konzepts der För­
derung von Lernen und Kompetenzentwicklung im Lebenslauf. Denn in jeder Lebensphase
kann es bei Entscheidungen über den weiteren Bildungsverlauf zu selektiven Chancenzu­
weisungen kommen, die nicht durch die Leistung gerechtfertigt sind. Dies erfordere vor
allem eine Stärkung der institutionellen Durchlässigkeiten, die Ermöglichung von Wie­
dereinstiegen und die Gestaltung von Bildungsgängen nach dem Prinzip «kein Abschluss
ohne Anschluss».
Eine weitere Empfehlung ist die Ausrichtung auf systemische Ansätze, die sowohl die
Unterstützung der Eltern, die Förderung in Kindertageseinrichtungen und Schule als auch
die Gestaltung durchlässiger Bildungswege mit flexiblen Übergängen ins Zentrum rücken.
In Bezug auf schulische Instrumente empfiehlt die Schulkommission u. a. mehr motivie­
rend gestaltete Lern- und Bildungszeiten verbunden mit besserer und flexibler Nutzung
der schulisch vorhandenen Zeit. Für die Kinder und Jugendlichen der Risikogruppe müsse
durch Ausweitung des Ganztagsangebots, durch Angebote an Wochenenden oder in den
Ferien zusätzlich mehr Lebenszeit für das formelle Lernen genutzt werden.

Mitglieder der Schulkommission: Hans-Jürgen
Kuhn (Vorsitz), Professor Dr. Martin Baethge,
Professor Dr. Dr. h.c. mult. Helmut Fend, Priska
Hinz, MdB, Sylvia Löhrmann, MdL, Dr. And­
reas Poltermann, Cornelia Stern, Professor Dr.
Heinz-Elmar Tenorth und Sybille Volkholz.

Bildungsgerechtigkeit im Lebenslauf
Damit Bildungsarmut nicht weiter vererbt wird
Eine Empfehlung der Schulkommission der
Heinrich-Böll-Stiftung
Berlin 2008, 40 Seiten
Download: www.boell.de/bildung

38

Migration und Interkulturelles Management

Migration und
Interkulturelles
Management
Für die Heinrich-Böll-Stiftung ist eine positive Einstellung gegenüber kultureller
Vielfalt und eine verbindliche Haltung gegenüber den Grundwerten und Regeln der De­
mokratie kein Gegensatz. Sie bilden gemeinsam das Fundament einer multikulturellen
Republik. Diesem Leitbild ist die Heinrich-Böll-Stiftung verpflichtet. Das gilt für un­
sere politische Bildungsarbeit im In- und Ausland wie für unsere Organisationskultur.
Es geht um Chancengleichheit und um die politische, ökonomische und soziale Teilha­
be aller Mitglieder der Gesellschaft.

Internationale Konferenz und Policy Paper
Berlin: European Governance of Migration
www.migration-boell.de – die migrationspoliti­
sche Website der Heinrich-Böll-Stiftung bietet
Dokumentationen, Dossiers und weitere Infor­
mationen zum Projekt «European Governance
of Migration»

Jean d'Cunha, UNIFEM-Regionaldirektorin für
Ost- und Südostasien

Rita Süssmuth, vormaliges Mitglied der «Global
Commission on International Migration»

Internationale Migration gehört heute zur zentralen Herausforderung vieler Gesellschaf­
ten. Die offizielle UN-Statistik weist nahezu 200 Millionen Migranten und Migrantinnen
aus. Rund 56,1 Millionen davon leben in der Europäischen Union (7,7 Prozent der ge­
samten europäischen Bevölkerung). Diese Zahlen machen deutlich, welche Dimension das
Phänomen Migration sowohl für die Herkunfts- als auch für die Empfängerstaaten hat.
Insbesondere die EU-Staaten sind auf eine kontinuierliche Zuwanderung von Fach- und
Arbeitskräften angewiesen, um Volkswirtschaften und Lebensstandards aufrechterhalten
zu können. Nationalstaaten allein können die Herausforderungen von Migration kaum
bewältigen. Eine zeitgemäße Migrations- und Integrationspolitik kann daher nur eine eu­
ropäische sein: Sie muss in die entstehende europäische Wirtschafts- und Sozialagenda
integriert werden. Der internationale Kongress «European Governance of Migration» vom
17. – 19. September führte anerkannte Fachleute aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft
und Zivilgesellschaft aus Europa, Nordamerika, Afrika, Asien und Lateinamerika zusam­
men. Die dreitägige Konferenz war als Expertenforum konzipiert und diente dem Aus­
tausch über Handlungsspielräume zur Gestaltung einer kohärenten Migrationspolitik und
Möglichkeiten der Kooperation. Bereits im Vorfeld der Konferenz hatte die Heinrich-BöllStiftung das Policy Paper «Die Zukunft der europäischen Migrationspolitik» in Auftrag
gegeben. Der Autor der Studie, Steffen Angenendt von der Stiftung Wissenschaft und Po­
litik, zieht darin eine Bilanz der bisherigen europäischen Asyl- und Migrationspolitik und
diskutiert vor dem Hintergrund aktueller Migrationstrends die Perspektiven einer künf­
tigen gemeinsamen europäischen Politik. Sein Fazit: Sachlich betrachtet gibt es keine
Alternative zu einer intensiveren europäischen Zusammenarbeit, die sich – seiner Hand­
lungsempfehlung folgend – auf folgende Punkte beziehen sollte:
1
Defizite der bisherigen Regelungsinstrumente erkennen

2 

Bedarf an ausländischen Arbeitskräften nachweisen

3 

Einen «roten Teppich» für hoch Qualifizierte ausrollen

4 

Ein nachfrageorientiertes Verfahren für Qualifizierte entwickeln

5 

Transparente Regelungen für gering Qualifizierte finden

6 

Einen einheitlichen Rahmen für die Arbeitsmigration gestalten

7 

Über künftige Herkunftsgebiete nachdenken

8 

Entwicklungspolitische Folgen beachten

9 

Integrationsbemühungen stärken, auch für temporäre Zuwanderer
10
Durch geregelte Arbeitsmigration den Flüchtlingsschutz stärken
Angenendt, dessen Policy Paper auf der Berliner Konferenz vorgestellt wurde, äußerte
sich skeptisch gegenüber den Bemühungen der amtierenden EU-Ratspräsidentschaft um

39

Migration und Interkulturelles Management

einen gemeinsamen Pakt für Einwanderung und Asyl. Er bezweifelte, dass die aktuellen
Vorschläge in die richtige Richtung gingen. Die diskutierten Pläne spiegelten vor allem
den Versuch wider, irreguläre Zuwanderung zu reduzieren und die EU-Außenkontrollen
zu verstärken.
Die Ergebnisse der Konferenzdebatten wurden als Politikempfehlungen an die UN-Kon­
ferenz «Global Forum on Migration and Development» nach Manila übermittelt.
Die Berliner Konferenz «European Governance of Migration» fand mit Hilfe einer brei­
ten Allianz von Kooperationspartnern statt. Neben der Robert-Bosch-Stiftung waren lang­
fristige Partner der Heinrich-Böll-Stiftung wie das British Council, die U.S.-Botschaft
und die Kanadische Botschaft beteiligt.

Steffen Angenendt, Autor der Studie «Die Zu­
kunft der europäischen Migrationspolitik»

Reihe
Berlin: Interkulturalität & Politik
Kulturelle Vielfalt, Integration, Multikulturalität, Islam und Parallelgesellschaft sind
einige der Stichworte, die in Zusammenhang mit der Einwanderungsgesellschaft die öf­
fentliche Diskussion dominieren. Die Reihe «Interkulturalität und Politik» nimmt aktuelle
Kontroversen zu diesen Themen auf und lädt prominente Gäste ein, ihre Positionen dar­
zulegen. Den Auftakt machte im Februar die Veranstaltung «Identität im Konflikt» mit
Heiner Bielefeldt, Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Er setzte sich mit
den Begriffen Pluralismus, Identität und Menschenrechte auseinander. Den Kritikerinnen
und Kritikern des Multikulturalismus, die darin die Ursache für das Fortbestehen unde­
mokratischer Strukturen in Teilen der Migranten-Communities sehen, setzte Bielefeldt
entgegen, dass die Menschenrechte mit dem Recht auf Selbstbestimmung ausdrücklich auf
die Freisetzung von Pluralismus – auch eines kulturellen Pluralismus – angelegt seien. Da­
her stelle sich die Frage, ob in einer multikulturellen Gesellschaft Konflikte zwischen Men­
schenrechten, einer Politik der kulturellen Vielfalt sowie den individuellen Grundrechten
tatsächlich unvermeidbar seien.
Jutta Limbach, ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, referierte im
April über die Frage, was die multikulturelle Republik zusammenhalte und wo die Grenzen
der Toleranz liegen. Was vor über 40 Jahren aus einer ökonomischen Notwendigkeit her­
aus entstand, habe zwischenzeitlich die soziale, politische, demographische und ökonomi­
sche Struktur Deutschlands grundlegend verändert. Deutschland sei ein Einwanderungs­
land, so Jutta Limbach. Die zentrale Frage sei längst nicht mehr, ob das Zusammenleben
von Menschen verschiedener Muttersprachen, ethnischer und religiöser Herkunft und un­
terschiedlicher Lebensstile möglich sei, sondern wie es in Zukunft gestaltet werden könne.
Bassam Tibi, der mit seinen umstrittenen Forderungen zur Integration von Migranten
in Deutschland und durch Begriffe wie «europäische Leitkultur» und «Euro-Islam» be­
kannt wurde, diskutierte und stritt im Oktober über die Sichtbarkeit und Partizipation von
deutschen Intellektuellen mit Migrationshintergrund. Eine seiner zentralen Thesen war:
Auch wenn die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund auf verschiedenen Entschei­
dungsebenen stetig zunimmt, so werden sie im Großen und Ganzen öffentlich kaum wahr­
genommen. Ihre Rolle als Vorbilder sei kaum von Bedeutung. Nicht zuletzt aufgrund von
Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und begrenzter Karrierechancen seien zahlreiche
Hochqualifizierte zudem – unter ihnen Bassam Tibi selbst – gezwungen, Deutschland in
Richtung Herkunftsländer oder andere Einwanderungsländer zu verlassen.

Reihe
Deutschland: Grün trifft Grün
Mit ihrer Reihe «Grün trifft Grün» sucht die Heinrich-Böll-Stiftung regelmäßig den Di­
alog mit Muslimen und Musliminnen. In Kooperation mit der «Muslimischen Akademie
in Deutschland» und dem «Arbeitskreis Grüne MuslimInnen» lädt sie Vertreter/innen aus
Wissenschaft, Politik sowie der muslimischen Gemeinde an einen Runden Tisch, um über
aktuelle oder grundsätzliche Fragen der Integrationspolitik zu diskutieren. Im Jahr 2008
ging es um Religiosität und Identität, hier insbesondere um die zunehmende Religiösität
unter Jugendlichen, sowie um die wachsende Bildungselite und deren Rolle als Vorbilder.

Die Zukunft der europäischen Migrationspolitik –
Triebkräfte, Hemmnisse und Handlungs­
möglichkeiten
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Schriften zu Europa – Band 4
Berlin 2008, 72 Seiten

40

Nachwuchsförderung

Nachwuchsförderung

Studienwerk

Maryna Rakhlei, geboren in Minsk/Belarus, ar­
beitet seit 2004 als Außenpolitikredakteurin bei
der unabhängigen weißrussischen Presseagentur
BelaPAN. Nach dem Studium der Literatur und
Fremdsprachen in Minsk war sie als Dolmet­
scherin, freie Journalistin und Fremdsprachen­
lehrerin tätig. Von 2006 bis 2007 forschte
sie mit einem Stipendium der Heinrich-BöllStiftung zum Thema «Weißrussisch-deutsche
Beziehungen auf dem Gebiet von Bildung und
Wissenschaft» im Rahmen des EuropäischenJornalisten-Fellowship-Programms an der FU
Berlin.

Die Heinrich-Böll-Stiftung fördert Studierende und Promovierende aller Fachrich­
tungen aus dem In- und Ausland sowie aller Hochschultypen. Neben einem Stipendium
bietet die Stiftung individuelle Beratung, Qualifizierung und Vernetzungsmöglich­
keiten an. Unser Anliegen ist es, Talente zu entdecken, ihre Potenziale zu erkennen
und zu fördern. So wollen wir zukünftige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
gewinnen, die sich weltweit für die Ziele der Stiftung einsetzen: für mehr Demokratie,
Solidarität untereinander, ökologisches Handeln, nachhaltige Politik und Menschen­
rechte weltweit. Um junge Menschen schon früh zu erreichen, können sich bereits
Abiturienten und Abiturientinnen um ein Stipendium bewerben. Nach einem erfolg­
reich durchlaufenen Auswahlverfahren können sie ab dem ersten Semester gefördert
werden.

Die Heinrich-Böll-Stiftung kombiniert in der Nachwuchsförderung den Leistungsgedan­
ken mit Chancengerechtigkeit. Neben hervorragenden Schul- bzw. Studienleistungen er­
wartet sie von ihren Stipendiatinnen und Stipendiaten, dass sie «über den eigenen Tel­
lerrand schauen», dass sie Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen und sich
gesellschaftspolitisch engagieren. Aus rund 1500 Bewerbern und Bewerberinnen im Jahr
2008 wählte das Studienwerk der Heinrich-Böll-Stiftung in einem dreistufigen Auswahl­
verfahren 250 aus. An der Auswahl sind rund 300 ehrenamtlich arbeitende Juroren und
Gutachterinnen aus Hochschulen und dem weiteren Stiftungsumfeld beteiligt.
Förderschwerpunkte und Finanzierung

Im Jahr 2008 konnten insgesamt 838 Stipendiatinnen und Stipendiaten gefördert wer­
den, davon 666 Studierende und 166 Promovierende. Die Stipendien wurden überwiegend
aus öffentlichen Mitteln finanziert: 738 aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung
und Forschung, 94 aus Mitteln des Auswärtigen Amtes (Internationales Programm) und
zwei aus Drittmitteln der Britta-Lohan-Gedächtnisstiftung. Die Dauer der Förderung vari­
iert im Regelfall zwischen 1 ½ und 3 Jahren. Im Sinne des Diversity-Gedankens ermuntert
die Stiftung insbesondere jene zur Bewerbung, die zu den unterrepräsentierten Gruppen
des wissenschaftlichen Nachwuchses gehören. Besondere, aber nicht ausschließliche Ziel­
gruppen sind Frauen (im Jahr 2008 ca. 63 Prozent der Geförderten) und Menschen mit
Migrationshintergrund (im Jahr 2008 ca. 27 Prozent).
Internationaler Austausch

Heito Aderhold studierte Philosophy & Econo­
mics in Bayreuth und anschließend Public Policy
an der Hertie School of Governance in Berlin.
Als Stipendiat war er insbesondere als Sprecher
des Stipendiat/innen-Rats der Heinrich-BöllStiftung und der AG Wirtschaftspolitik aktiv.
Als Alumnus engagiert er sich im Vorstand
des Vereins «Ehemalige Stipendiat/innen der
Heinrich-Böll-Stiftung». Seit April 2008 ist
Heito Aderhold wissenschaftlicher Mitarbeiter
für Forschungspolitik der Bundestagsabgeordne­
ten Priska Hinz von Bündnis 90/Die Grünen.

Internationale Begegnungsräume zu schaffen und den wissenschaftlichen Austausch zu
fördern, ist ein vorrangiges Ziel der Stiftung. Das Studienwerk unterstützt Stipendiatin­
nen und Stipendiaten, die im Ausland studieren, forschen oder ein Praktikum absolvieren
wollen. Besonders beliebt sind mehrmonatige Praktika in den Auslandsbüros der Stiftung.
Im Jahr 2008 gingen insgesamt 292 Stipendiatinnen und Stipendiaten mit Unterstützung
der Stiftung ins Ausland, um dort ihre internationale Kompetenz zu erweitern. Die belieb­
testen Länder für Auslandsaufenthalte sind nach wie vor Frankreich und Großbritannien,
die USA, Niederlande und Schweiz. Das Studienwerk fördert auch Studierende und Gra­
duierte aus dem Ausland, die in Deutschland ihr Studium aufnehmen oder promovieren
wollen, darunter insbesondere jene aus Osteuropa und den GUS-Staaten. Im Jahr 2008
kamen der überwiegende Teil der internationalen Stipendiatinnen und Stipendiaten aus
folgenden Ländern: Belarus, Russischen Föderation, China, Georgien und Indien.

41

Nachwuchsförderung

Ideelle Förderung: Beratung – Qualifizierung – Vernetzung

Das Studienwerk bietet seinen Stipendiatinnen und Stipendiaten im Rahmen der ideel­
len Förderung persönliche Beratung, Vernetzung und ein umfangreiches Veranstaltungs­
programm an. Das Beratungsangebot bezieht sich beispielsweise auf Studienplanung,
Promotionsprojekte, Auslandsaufenthalte oder Karriereplanung. Vernetzungs- und Kon­
taktinitiativen werden durch eine virtuelle Plattform www.boell-studynet.de unterstützt.
Das neue Mentoring-Programm «Grün vernetzt» bringt Studierende und Promovierende
mit Personen des öffentlichen Lebens zusammen, regt zur Auseinandersetzung und zum
Erfahrungsaustausch an und unterstützt die Mentees beim Einstieg ins Berufsleben. Das
Veranstaltungsprogramm wird mit und für die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Hein­
rich-Böll-Stiftung konzipiert; sie sind aktiv an der Programmgestaltung beteiligt. Semi­
nare, Workshops, eine Sommerakademie und zahlreiche Trainings, Studienreisen sowie
Diskussionsforen bilden das Herzstück der Aktivitäten. Das Programm will zur politischen
Debatte anregen, Schlüsselkompetenzen vermitteln, zum interdisziplinären Dialog er­
muntern, das gesellschaftspolitische Engagement der Stipendiatinnen und Stipendiaten
fördern und zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung beitragen.

Fächerverteilung 

1 Kunst, Kunstwissenschaften
2 Sprach- und Kulturwissenschaften
3 Rechts- und 

Wirtschaftswissenschaften
4 Sozialwissenschaften
5 Mathematik, Naturwissenschaften
6 Humanmedizin
7 Agrar-, Forst- und
Ernährungswissenschaften
8 Ingenieurswissenschaften

2%

7%

7%

34%

15%
23%
6%
6%
2%
7%

7%

6%
6%
34%

23%

Veranstaltungen in Eigenregie der Stipendiatinnen und Stipendiaten

Auch 2008 setzten viele Stipendiatinnen und Stipendiaten mit selbstorganisierten Ver­
anstaltungen eigene Impulse. So stellten beispielsweise Studierende aus Konstanz im
Februar 2008 ein gut besuchtes Diskussionsforum zum Thema «Multikulti oder Leitkul­
tur – Deutschland ohne Identität?» auf die Beine. Auf dem Podium diskutierten u. a. die
Anwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates¸ aus Berlin, der Dekan der Alt-Katholiken in
Konstanz, Pfarrer Hermann-Eugen Heckel, und Prof. Hailbronner vom Forschungszent­
rum für internationales und europäisches Asylrecht. Im Publikum saßen auch Schüler und
Schülerinnen, die ihre Fragen aus dem Ethik- und Gemeinschaftskundeunterricht stellen
konnten. Ebenso publikumswirksam und mit innovativem Konzept war ein von Stipendi­
aten veranstaltetes viertägiges Seminar im April 2008 unter dem Motto «Die Gedanken
sind frei…» zum Thema «Türkei». Teil des Programms war auch ein Konzert des kurdi­
schen Künstlers Ferhat Tunç in der Kreuzberger Passionskirche, der sich als Gäste HansEckardt Wenzel und Konstantin Wecker mit auf die Bühne holte. So ausgelassen die Stim­
mung bei diesem anatolisch-deutschen Konzert für die Freiheit der Gedanken war, so rege
und kontrovers verlief die Diskussion des darauffolgenden Tages über die aktuelle politi­
schen Situation in der Türkei mit Prof. Udo Steinbach, Cem Özdemir, Ferhat Tunç und der
Regisseurin Nuray S
¸ ahin.
Von Stipendiatinnen und Stipendiaten selbst initiierte Arbeitsgruppen beschäftigten
sich im Jahr 2008 mit Schwerpunktthemen der Stiftung wie «Migration», «Wirtschafts­
politik» oder «Partizipatorische Demokratie». Eine neue Arbeitsgruppe zum Thema «Kol­
lektive Gedächtnisse und Gegenerinnerung» nahm ihre Arbeit auf und knüpfte thematisch
an die beiden Promotionskollegs «Überwindung von Diktaturen und Aufbau von Zivilge­
sellschaften. Diktaturerfahrungen im Ost-West-Vergleich» und «Aufbruch 1989» an. Die
acht Arbeitsgruppen legen jeweils eigenständig eine Projektplanung vor und erproben da­
mit Techniken des Projektmanagements. Sie werden vom Studienwerk dabei finanziell
und organisatorisch unterstützt.
Auf Vorschlag von Stipendiatinnen und Stipendiaten wurde eine Veranstaltung zum
Thema «Politische Partizipation» durchgeführt. Hier ging es insbesondere darum, eige­
ne Initiativen für mehr Beteiligung vor allem unter internationalen Stipendiatinnen und
Stipendiaten zu entwickeln und Instrumente der Partizipation kennenzulernen. Auf An­
regung einiger männlicher Stipendiaten fand außerdem ein «Gendertraining für Männer»
statt, um die Auseinandersetzung mit Gender zu fördern und sich der eigenen Position und
Positionierung zu vergewissern.
In dem Seminar «Natürlich kann man ein Pferd vor ein Taxi spannen… Was im Zusam­
menhang mit Kunst politisch ist und über das aktuelle Verhältnis von Politik und Kunst»
in Leipzig regte die Leiterin, die ehemalige Stipendiatin und Künstlerin Dr. Judith Sieg­
mund, eine lebhaften Debatte zum Thema «Kunst und Politik» an.

15%

Dr. Julio Mendívil, geboren in Lima/ Peru,
studierte Musikwissenschaft mit Schwerpunkt
Musikethnologie. Als Stipendiat der Heinrich­
Böll-Stiftung promovierte er anschließend an
der Universität Köln. Seine Dissertation «Ein
musikalisches Stück Heimat: Ethnologische Be­
obachtungen zum deutschen Schlager» erschien
2008 beim transcript Verlag. Seit April 2008
hat er eine Vertretungsprofessur für Musiketh­
nologie an der Universität Köln inne.

42

Nachwuchsförderung

Alumni Salon

Die Einbindung der Alumni in das Veranstaltungsprogramm ist ein zentrales Anliegen
des Studienwerks. So gestalteten beispielsweise Dr. Stefan Bundschuh vom Informationsund Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit, Gabi Elverich vom Deutschen Ju­
gendinstitut und Clara Hermann, MdA für Bündnis 90/Die Grünen, – alles drei sind ehe­
malige Stipendiaten – gemeinsam ein Seminar zum Thema «Rechtsextremismus». Die
Teilnehmenden setzten sich mit den Ursachen und Erscheinungsformen des Rechtsextre­
mismus auseinander und suchten nach Gegenstrategien.
Auch Studienreisen werden unter der fachkundigen Leitung von Stipendiatinnen und
Stipendiaten angeboten. «Belarus – Annäherung an ein unbekanntes Land» war das Motto
einer einwöchigen Reise nach Minsk im Mai 2008. Vorbereitet wurde sie von einigen weiß­
russischen Stipendiatinnen und Stipendiaten der Stiftung sowie einem in Minsk arbeiten­
den Alumnus. Welche Rolle spielen NGOs, unabhängige Medien und Oppositionsparteien
in Belarus? Wie sieht man dort das Verhältnis zu Europa? Welche Stellung haben Frauen
in den gesellschaftspolitischen Institutionen? In Gesprächen mit Vertretern zahlreicher
zivilgesellschaftlicher Initiativen, unabhängiger Medien und internationaler Organisati­
onen konnten sich die Teilnehmenden einen Eindruck von der Stimmungslage angesichts
der angespannten politischen Situation verschaffen.
Die zweite Studienreise ging nach Istanbul und brachte den Stipendiatinnen und Stipen­
diaten die Türkei, ihre politische Geschichte und ihr sozio-kulturelles und ökonomisches
System näher. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen der europäisch-türkischen Beziehun­
gen und des türkischen Integrationsprozesses in die EU. Die Teilnehmenden diskutierten
mit Politikern verschiedener Parteien, besuchten Universitäten und Nichtregierungsor­
ganisationen und trafen mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Istanbuler Musikszene
zusammen – so entstand ein facettenreiches Bild über die heutige Türkei und deren Erwar­
tungen hinsichtlich eines EU-Beitritts.
Klassiker aus dem Veranstaltungsprogramm
Prof. Dr. Margitta Kunert-Zier studierte nach
einer Ausbildung zur Rechtsanwalt- und NotarGehilfin zunächst Sozialpädagogik an der
Fachhochschule, anschließend Pädagogik und
Soziologie an der Universität in Frankfurt am
Main. 2003 promovierte sie mit einem Stipen­
dium der Heinrich-Böll-Stiftung zum Thema
«Erziehung der Geschlechter. Entwicklungen,
Konzepte und Genderkompetenz in sozialpäda­
gogischen Feldern». Seit dem Sommersemester
2008 ist sie als Professorin für Pädagogik in der
Sozialen Arbeit der Fachhochschule Frankfurt a.
M. tätig und Mitglied der Auswahlkommission
im Studienwerk.

Neben neuen Akzenten gab es im letzten Jahr auch Altbewährtes im Programm des Stu­
dienwerks. Dazu gehörten die halbjährlich stattfindenden Einführungsseminare und die
einwöchige Sommerakademie «Campus» – Großveranstaltungen mit jeweils mehr als 100
Teilnehmenden. Hinzu kommen Veranstaltungen der politischen Bildungsarbeit der Hein­
rich-Böll-Stiftung in Berlin und der Landesstiftungen, an denen Stipendiatinnen und Sti­
pendiaten ebenfalls teilnehmen können.
Auch 2008 setzten sich die Stipendiatinnen und Stipendiaten wieder mit Heinrich Böll,
dem Namensgeber der Stiftung, auseinander. Ausgehend von der Trümmerliteratur über
die Werke aus der Adenauer-Ära bis hin zu seinem posthum erschienenen Roman «Frauen
vor Flusslandschaft» wurde das literarische Werk Heinrich Bölls im Kontext der bundesre­
publikanischen Geschichte vorgestellt und diskutiert.

Nachwuchsförderung

43

Einführungsseminar «Ansichten einer Stiftung»

Promotionsförderung und Promotionskollegs

Beim jährlich stattfindenden Promovierendenforum nutzten die Teilnehmenden wieder die
Gelegenheit, sich über die Rahmenbedingungen des Promovierens auszutauschen und sich
ihre Arbeiten gegenseitig vorzustellen. Seit mehreren Jahren initiiert das Studienwerk zu­
dem Promotionskollegs auf der Basis einer Kooperation von Hochschulen mit dem Studien­
werk und jeweils einer Fachabteilung der Heinrich-Böll-Stiftung. Sie bieten den Promovie­
renden eine qualifizierte Ausbildung im Kollegteam, bringen sie in Kontakt mit Fachleuten
aus dem Stiftungsumfeld und unterstützen somit den Politik-Wissenschafts-Transfer. Im
Jahr 2008 wurden sieben Promotionskollegs gefördert, von denen drei erfolgreich beendet
werden konnten. In dem abgeschlossenen Promotionskolleg «Ökologie und Fairness im
Welthandelsregime» am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie beschäftigten
sich sechs Forschungsarbeiten mit der Frage, wie ein Handelsregime dazu beitragen kann,
transnationale Wirtschaftstätigkeit zu einem Motor für den Schutz der Biosphäre sowie
für den Ausgleich zwischen Reich und Arm werden zu lassen, ohne die Entfaltung wirt­
schaftlicher Ertragskraft zu blockieren. Auch das Promotionskolleg «Überwindung von
Diktaturen und Aufbau von Zivilgesellschaften im Ost-West-Vergleich» an der Universität
Heidelberg und der TU Berlin endete im letzten Jahr. Die geförderten Promotionsvorha­
ben beschäftigten sich mit den verschiedenen Wegen zur Überwindung von Diktaturen und
zum Aufbau ziviler Gesellschaften in der europäischen Geschichte. Ziel des Kollegs war
es, durch die vergleichende Aufarbeitung nationaler Vergangenheiten einen Beitrag zum
europäischen Gegenwartsverständnis und für die Debatte um europäische Zukunftspers­
pektiven zu leisten. In anderer Perspektive und mit anderen wissenschaftlichen Zugängen
widmete sich das Promotionskolleg «Exklusionsrisiken und Inklusionsstrategien im er­
weiterten Europa» aktuellen Herausforderungen des europäischen Integrationsprozesses.
Die fünf Stipendiatinnen im Kolleg der Graduate School of Social Sciences an der Univer­
sität Bremen beschäftigten sich mit alten und neuen sozialen Grenzziehungen innerhalb
und zwischen den Mitgliedsstaaten. Sie untersuchten im Kontext von globalisierter Mark­
tökonomie, nationalem Sozialstaatsumbau und europäischer Governance u. a. spezifische
Exklusionsrisiken, insbesondere im Bereich der Migration und Regionalentwicklung.
Seine Arbeit fortgesetzt hat das Promotionskolleg «Die Zukunft der europäischen Stadt.
Formen und Folgen von New Urban Governance». Das Kolleg an der Humboldt-Universi­
tät und der Universität Bremen dient der Erforschung neuer Steuerungsformen der lo­
kalen Politik im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Gleichwertigkeit
der Lebensverhältnisse, Gendermainstreaming, ökologische Nachhaltigkeit und multi­
ethnische Integration. Die sechs Dissertationsprojekte beschäftigen sich mit verschie­
denen Facetten aktueller Migrations-, Stadtentwicklungs- und Kulturpolitik – etwa mit
kommunaler Steuerung «kreativer Milieus», mit Business Improvement Districts (BID)
als Antwort auf die Krise von gewachsenen Einkaufszonen in europäischen Städten sowie
sozialer Stadtentwicklung in Berlin und Wien. In Zusammenarbeit der Stipendiatinnen

Dr. Mercedes Bunz, ehemalige Promotionssti­
pendiatin, studierte Philosophie und Kunst­
geschichte an der Freien Universität Berlin
und promovierte von 2001 bis 2005 an der
Bauhaus-Universität Weimar zur Geschichte
des Internets. 1997 war sie Mitbegründerin der
Monatszeitschrift DEBUG – Zeitung für elektro­
nische Lebensaspekte und 2006 Chefredakteurin
der Berliner Zeitschrift zitty. Seit März 2007 ist
sie Chefredakteurin von Tagesspiegel Online.

44

Dr. Saul Namango, ehemaliger Promotions­
stipendiat, studierte Chemieingenieurwissen­
schaften in Minsk/ Belarus und Environmental
und Resources Management in Cottbus und
promovierte 2006 an der BTU Cottbus zum
Thema «Naturfaserverstärkte Erdblöcke”. Seit
2006 arbeitet Saul Namango als Dozent am De­
partment of Chemical and Process Engineering
an der Moi University in Kenia. Er ist zudem als
wissenschaftlicher Berater für die kenianische
Umweltschutzbehörde tätig und arbeitet an der
Umsetzung eines selbstinitiierten Kinder-Hilfs­
projekts in seinem kenianischen Heimatdorf.

Nachwuchsförderung

und Stipendiaten mit dem Referat Kommunalpolitik der Heinrich-Böll-Stiftung entstand
die Veranstaltungsreihe «New Urban Governance in der europäischen Stadt», die im No­
vember 2008 startete.
Im Promotionskolleg «Global Social Policies and Governance» an der Universität Kas­
sel steht die soziale Dimension der Globalisierung innerhalb der Nord-Süd-Beziehungen
und der Süd-Süd-Kooperationen im Mittelpunkt. Sieben Stipendiatinnen und Stipendi­
aten beschäftigen sich u. a. mit dem Einfluss von Regionalmächten des Südens auf in­
ternationale Institutionen und mit den Potenzialen, welche die neuen Allianzen entfal­
ten können. Darüber hinaus werden die Effekte globaler Privatisierungsbestrebungen von
Dienstleistungen – insbesondere hinsichtlich der sozialen Chancengleichheit und der Aus­
wirkungen auf Beschäftigte – und die steuernden Bedingungen internationaler Arbeitsund Sozialstandards erforscht. Mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung sowie der
ebenfalls am Kolleg beteiligten Hans-Böckler-Stiftung organisierten die Kollegiaten u. a.
im Februar 2008 den internationalen Workshop «Globale Sozialpolitik – Wunschdenken
oder Realität?».
In Jahr 2008 nahmen zudem zwei neue Promotionskollegs ihre Arbeit auf: Im Kolleg
«Zivilgesellschaft und externe Demokratisierung im postsozialistischen Europa» an der
Europa-Universität Viadrina und der ETH Zürich richtet sich das wissenschaftliche Inte­
resse u. a. auf die Frage nach den Wirkungen zivilgesellschaftlichen Handelns und seiner
Interaktion mit externen Demokratisierungsbemühungen, insbesondere durch Organisati­
onen wie Europarat und Europäische Union, Nichtregierungsorganisationen und transna­
tionale Netzwerke. Im Verbund mit 16 weiteren Stiftungen koordiniert die Stiftung Aufar­
beitung ein Kolleg zum «Aufbruch 1989», an dem sich die Heinrich-Böll-Stiftung mit der
Förderung von vier Stipendiatinnen beteiligt.
Journalismus-Programme

Unter dem Titel «Medienvielfalt, anders: Junge Migrantinnen und Migranten in den Jour­
nalismus!» startete die Heinrich-Böll-Stiftung ihr Journalismus-Stipendienprogramm
für junge Migranten und Migrantinnen. Unterstützt wird das Programm von der Berliner
tageszeitung, von Radio Berlin-Brandenburg, von der Deutschen Welle, der Agentur «Zum
goldenen Hirschen» und der Robert-Bosch-Stiftung. Es sieht eine studienbegleitende Sti­
pendienförderung durch die Heinrich-Böll-Stiftung vor, flankiert durch ein umfangreiches
Begleitprogramm sowie Praktika und Volontariate bei den beteiligten Medienpartnern.
In der Auftaktveranstaltung am 31. Oktober 2008 drehte sich die Diskussion um mögliche
Gründe für die Unterrepräsentanz von Journalist/innen mit Migrationshintergrund in den
Medien bzw. als Medienmacher. Mit dabei waren u. a. Birand Bingül, WDR, Canan Topcu,
Frankfurter Rundschau, der ehemalige Stipendiat und Publizist Dr. Kien Nghi Ha sowie
Prof. Dr. Horst Pöttker vom Institut für Journalistik der Universität Dortmund. Auf einer
«Medienreise» nach Berlin lernten die Stipendiatinnen und Stipendiaten die Medienpart­
ner vor Ort kennen, diskutierten mit freischaffenden Journalisten und besuchten das ARDHauptstadtstudio.
Bereits im dritten Jahr beteiligte sich die Heinrich-Böll-Stiftung zudem an dem «Euro­
päischen Journalisten-Fellowship»-Programm an der Freien Universität Berlin (Institut
für Publizistik und Kommunikationswissenschaft). Journalisten überwiegend aus Ost- und
Mittelosteuropa sowie aus den GUS-Staaten haben die Möglichkeit, ein Jahr lang in Ber­
lin an einer Recherche zu arbeiten; die Heinrich-Böll-Stiftung unterstützte auch im ver­
gangenen Jahr eine Journalistin aus Slowenien mit einem Stipendium.

Internationales Parlaments-Stipendien-Programm

Auch im Jahr 2008 hielten sich wieder nahezu 100 Hochschulabsolventen aus Frankreich,
Mittel-, Ost- und Südosteuropa, den USA und aus Ländern der GUS in Berlin auf, um ein
mehrmonatiges Praktikum bei einem Abgeordneten des Deutschen Bundestages zu absol­
vieren und so die Entscheidungsprozesse deutscher Politik kennenzulernen. Die Stipendi­
atinnen und Stipendiaten sehen ihren zukünftigen Karriereweg im Diplomatischen Dienst,
in Politik und Verwaltung ihrer Heimatländer. Kernstück des Aufenthaltes in Deutschland

45

Nachwuchsförderung

sind Studienseminare, die die sechs politischen Stiftungen anbieten. Das Studienwerk ist
Koordinatorin der Seminare der Heinrich-Böll-Stiftung; durchgeführt und gestaltet wer­
den die Programme von fünf verschiedenen Landesstiftungen. Die beteiligten Landesstif­
tungen boten den Stipendiatinnen und Stipendiaten einen Einblick in die Schwerpunkte
ihrer politischen Bildungsarbeit (Integrations- und Migrationspolitik, Gleichstellungsge­
setz, Strategien gegen Rechtsextremismus, ökologischer Landbau und erneuerbare Ener­
gien in der EU) und stellten das politische Programm von Bündnis 90/die Grünen vor. Die
Studienseminare behandeln neben politischen Fragestellungen auch die neuere Geschichte
und Kultur sowie regionale und kommunale Besonderheiten.
Fachtagung der Vertrauensdozentinnen und -dozenten

Einmal im Jahr lädt das Studienwerk seine rund 250 Vertrauensdozentinnen und -dozen­
ten zu einer Fachtagung mit hochschulpolitischem Themenschwerpunkt ein. Die Tagung
im Jahr 2008 drehte sich um das Thema «Zwischen Reformdruck und Neuerfindung: Zur
Zukunft der Hochschulen in Deutschland». Diskutiert wurde die rasante derzeitige Ent­
wicklung der Hochschulen, der wachsende Wettbewerbs- und Profilierungsdruck in den
Hochschulen und vor allem die zukünftige Rolle der Hochschullehrer/innen als Gestalter/
innen der Hochschule von morgen.

«Rückenwind für Talente» – ein Wettbewerb
um die besten Vorschläge für die graphische
Gestaltung einer Postkartenaktion, die auf die
Studien- und Promotionsförderung der Heinrich­
Böll-Stiftung aufmerksam machen will, brachte
sehr phantasievolle und kreative Ideen zutage.

Alumni-Vernetzung

Das Studienwerk sucht den Kontakt zu seinen inzwischen rund 2000 ehemaligen Stipen­
diatinnen und Stipendiaten und fördert den Austausch und die Kooperation unter ihnen.
Ein regelmäßig erscheinender Newsletter informiert die Ehemaligen über Neuigkeiten aus
der Stiftung und über die Aktivitäten der Alumni. Der jährlich stattfindende Alumni-Salon
drehte sich im Jahr 2008 um das Thema «Interreligiöser Dialog im Konflikt». Vorträge
zum Dialog der Religionen aus wissenschaftlicher und politischer Perspektive wechselten
sich ab mit Gesprächsrunden zu Alltagserfahrungen der Teilnehmenden zur Frage: «Wie
hältst du's mit der Religion?» Auch der informelle Teil kam nicht zu kurz – Kennenlernen
und Wiedersehen, Austausch und Networking der Ehemaligen sind ein wichtiger Bestand­
teil des Alumni-Salons.
Ein weiterer Schritt hin zu einer institutionalisierten Form der Vernetzung ist der Ver­
ein «Ehemalige StipendiatInnen der Heinrich-Böll-Stiftung», der am Vorabend des Alum­
ni-Salons seine erste Mitgliederversammlung nach Gründung im Jahr 2007 abhielt. Prä­
sentiert wurden die bisherigen Aktivitäten des Vereins – von den administrativen Hürden
der Gründung über die Erstellung eines Vereinslogos bis hin zur Idee eines Solidarfonds.

Alumni-Jahrgang 2008

46

Kommunalpolitik

Kommunalpolitik
In Städten verdichten sich seit jeher die Probleme der Gegenwart, aber auch Ex­
perimente zu ihrer Lösung finden sich gerade dort. Die Zukunftsfähigkeit unserer
Gesellschaft hängt ganz wesentlich von der Kraft der Städte ab, die aktuellen ökono­
mischen, ökologischen und gesellschaftlichen Transformationen konstruktiv zu gestal­
ten. Die Heinrich-Böll-Stiftung bietet kontinuierlich Debattenforen darüber, wie die
Handlungsfähigkeit der Städte gesichert und der Wandel gemeistert werden kann.

Internationaler Kongress
Frankfurt: «Re-build this city!»

Auf dem Frankfurter Kongress diskutierten über
200 Teilnehmer/innen das Konzept der «Kreati­
ven Städte».

Kreativen: Wirkung. Urbane Kultur, Wissensöko­
nomie und Stadtpolitik
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Schriften zu Bildung und Kultur – Band 2
Berlin 2008, 80 Seiten
Printversion vergriffen!
Download: www.boell.de

Tagungsbericht unter www.boell.de

Städte brauchen Kreativität – mehr denn je. Ob Toronto oder Tallahassee, München oder
Oldenburg – sie alle sehen Kreativität als Schlüssel zu Fortschritt und Wohlstand. Darum
buhlen sie um die kreativen Köpfe, immer in der Hoffnung, die Unternehmen zögen nach.
Die Städte lassen hochwertige Wohnquartiere bauen, Brachen für unkonventionelle Nut­
zungen öffnen und Kulturtempel errichten, um ihre Attraktivität zu erhöhen. Doch können
Konzepte der «kreativen Stadt» tatsächlich problemlos Elemente moderner Ansiedlungs­
politik, kultureller Ausstrahlung, hoher Lebensqualität und sozialer Verantwortung mit­
einander verbinden? Oder verstärken sie gesellschaftliche und räumliche Spaltungsten­
denzen? Um das vorhandene «territoriale Kapital» einer Stadt oder Region entfalten zu
können, bedarf es zunächst einer Selbstreflexion. Der Kongress «Re-build this city» der
Heinrich-Böll-Stiftung vom 30. – 31. Mai in Frankfurt stellte hierfür eine Plattform be­
reit. Über 200 Teilnehmer/innen folgten der Einladung, darunter Entscheidungsträger/
innen aus Wirtschaft und Politik, Künstler/innen, Kulturschaffende, Quartiersmanager/
innen, Stadtentwickler/innen u. v. a. International und hochrangig besetzt war auch das
Podium: Mit Jamie Peck kam ein prominenter Kritiker des Kreative-Stadt-Topos; Daniel
Cohn-Bendit, MdEP, und Jutta Ebeling, Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt, vertraten
die Politik, Amelie Deuflhard, Intendantin der Hamburger Kulturfabrik KAMPNAGEL,
und Filmemacherin Dorothee Wenner die Kultur. Gerade bei den internationalen Beispie­
len für kreative Städte zeigten sich die Synergieeffekte ökonomischer, stadtpolitischer
und kultureller Ansätze. Kulturgetriebener Strukturwandel kann gelingen, wenn er von
Politik, Wirtschaft und Wohnbevölkerung kooperativ getragen wird. Auf dem Kongress
zeichnete sich deutlich eine originär «grüne» Haltung zur kreativen Stadt ab: Kritisch und
sensibel gegenüber den Zerwürfnissen, die eine verstärkt auf High-Potenzials und Hoch­
kultur orientierte Stadtentwicklung mit sich bringt; gleichzeitig aufgeschlossen gegenüber
den positiven Impulsen, die die Debatte um die kreative Stadt ausgelöst hat.

Kongress
Münster: KlimaKommunal – Aufbruch ins klimaneutrale Zeitalter

Freie Fahrt zum ersten kommunalpolitischen
Bundeskongress der Heinrich-Böll-Stiftung.

Kommunalpolitische Infothek:
www.kommunale-info.de

Klimaschutz wird unter dem Druck der kommunalen Finanzkrise oft zurückgestellt. Nur
langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass Klimaschutz sich auch finanziell auszahlt.
Auf dem Kongress «KlimaKommunal» vom 24. – 25. Oktober in Münster diskutierten
Kommunalpolitiker/innen sowie fachpolitisch Interessierte über die Frage, wie Kommunen
in Deutschland ihren Klimaschutz ausbauen können. Die Gastgeberstadt spielt ihre Vorrei­
terrolle seit längerem bravourös. Davon konnten sich die Teilnehmer/innen auf verschie­
denen Exkursionen überzeugen. Bereits im Vorfeld des Kongresses war die Münsteraner
Erklärung «Städte und Gemeinden als Vorreiter für den Klimaschutz» erarbeitet und von
zahlreichen Referentinnen und Referenten, aber auch grünen Mandats- und Amtsträgern
unterzeichnet worden. Die Erklärung, die auf dem Kongress präsentiert wurde, beinhaltet
einige ambitionierte Forderungen: u. a. soll sich die Energieversorgung der Kommunen bis
zum Jahr 2050 möglichst vollständig aus erneuerbaren Energieträgern speisen. In größe­
ren Städten soll der Anteil von Verkehrsmitteln des Umweltverbundes auf 60 Prozent des
städtischen Verkehrs gesteigert werden.

47

Kunst und Kultur

Kunst und Kultur

Die Vermittlung und Förderung literarischer und künstlerischer Werke ist für die
Heinrich-Böll-Stiftung ein elementarer Bestandteil ihrer politischen Bildungsarbeit.
Auf Podiumsdiskussionen und Konferenzen geht es insbesondere um die politische
Dimension von Kunst und Kultur, ihr seismografisches Vermögen und diagnostisches
Potenzial. Die Stiftung fördert zudem den interkulturellen Dialog und profi tiert dabei
vor allem von der landeskundlichen Kompetenz und dem hohen Vernetzungsgrad ihrer
Auslandsbüros.

Projekt
Pakistan: Kunst und Kultur als Antwort auf Fundamentalismus
In der pakistanischen Gesellschaft wird die identitätsstiftende Funktion von Kunst und
Kultur kaum erkannt und wertgeschätzt. Auch staatliche Kulturförderung gibt es nur we­
nig. Religiös motivierte Gewalt und Fundamentalismen haben den Raum für kulturelle
Ausdrucksformen in den letzten Jahren zusätzlich eingeengt. In der 8,5 Millionen Stadt
Lahore – die sich selbst als kulturpolitisches Herz Pakistans versteht – sind Theaterfesti­
vals und Kinos bereits Ziel von Bombenanschlägen geworden. Kleine Buchhandlungen und
Musikläden erhielten Drohungen wegen der Verbreitung nicht-islamischen Gedankenguts.
Die Verunsicherung im kulturellen Milieu wächst und gefährdet die demokratische Kultur
Pakistans, die nach Jahrzehnten der Militarisierung ohnehin äußerst fragil ist. Wissen­
schaftliche Untersuchungen über den Zusammenhang von Kultur und Demokratie gibt es
kaum und wenn, dann erreichen sie nicht die Politik. Die Heinrich-Böll-Stiftung versucht,
dem entgegenzuwirken. Die Stiftung konzipierte in Kooperation mit dem Fachbereich für
Kommunikation und Kulturforschung der Nationalen Kunsthochschule in Lahore das Pro­
jekt «Contesting Fundamentalism – Preserving Democracy through Arts and Culture», in
dem u. a. Politikempfehlungen erarbeitet wurden. Die angebotenen Seminare zu Gewalt­
kultur und wachsendem Extremismus stießen bei den Studenten und Studentinnen der
Hochschule auf große Resonanz. Auch ein Wettbewerb war Teil des Projektes. Studierende
waren aufgerufen, ihre Auffassung von «Demokratie in Pakistan» durch Malerei, Skulp­
turen oder Installationen darzustellen. Die 30 besten Kunstwerke wurden ausgestellt. In
allen Werken kamen sehr persönliche Ängste vor Extremismus und Gewalt zum Ausdruck
und auch Sorgen um die demokratische Kultur. Von Hoffnung auf einen dauerhaften de­
mokratischen Wandel war nur wenig zu spüren. Dafür gab es Selbstkritik über mangelndes
staatsbürgerliches Verantwortungsgefühl und Kritik am Versagen der Eliten in Pakistan.
Das von einer unabhängigen Jury mit dem ersten Preis gewürdigte Werk ist dafür bezeich­
nend: Es zeigt den Abdruck eines Militärstiefels auf einem Gewimmel von Ameisen.

Reihe
Berlin: Der »Spielstand» im dritten Jahr
Im nunmehr dritten Jahr der Kooperation zwischen den Sophiensaelen und der Heinrich­
Böll-Stiftung konnte die Reihe «Spielstand» ihr Profil als Denkwerkstatt weiter schär­
fen. Während Spielstand #6 Fachleute aus der Kreativwirtschaft zum Thema «SpieleIndustrie» versammelte – und dabei insbesondere die Relevanz komplexer Computerspiele
für die politische Bildung erörterte – versuchte Spielstand #7 ein grenzüberschreitendes
Gespräch zwischen Klimawissenschaft und Kunst herzustellen. Anja Köhne, die unter an­
derem das Bundesumweltministerium, Greenpeace und den WWF in umweltpolitischen
Fragen berät, appellierte an die anwesenden Künstler/innen, sich an der Suche nach all­
tagspraktischen Klima-Lösungsansätzen zu beteiligen. Die Diskussion mit dem Philoso­
phen Ludger Heidbrink vom Essener Forschungsverbund KlimaKultur zeigte, dass dafür
jedoch noch einige Widerstände aus dem Weg zu räumen sind. Durch die nicht vorhandene
Evidenz des Klimawandels sei es schwer, vorhandene Motivationsbarrieren zu überwin­
den. Eine gemeinsame Betroffenheitslage, ein Wir-Bewusstsein müsse zuallererst gelernt

«Untitled» von Saud Baloch – 1. Preis des
Kunstwettbewerbs in Pakistan.

48

Kunst und Kultur

und eingeübt werden. Schnelles Einvernehmen erzielte man immerhin darüber, dass die
Frage politischer Handlungsmotivation nicht allein an die Wissenschaften oder die Ver­
antwortlichen in der Politik delegiert werden kann. Ein neues kulturelles Klima im Sinne
wechselseitiger Lernbereitschaft tut also not.
Der «Spielstand #8: Teams & Subjects» entwarf eine Typologie diverser Künstlergrup­
pen. Konsortium, FiloArt, Global Alien und Salon des Belles Utopistes erläuterten ihre un­
terschiedlichen Arbeitsformen und präsentierten gelungene Gemeinschaftswerke. Dabei
wurde deutlich, dass ein Verständnis von individueller Autorschaft und souveräner Werk­
herrschaft, wie es die klassische Genieästhetik hervorgebracht hat, für zeitgenössische
Produktionsweisen kaum noch tauglich ist. Gerade politische Themen wie Arbeitsmigra­
tion, nachhaltige Stadtentwicklung oder innere Sicherheit erfordern oft interdisziplinäre
Ansätze, die ein starkes kollektives Moment in sich tragen.

Networking
Beirut: Digitale Dissidenten – Erstes arabisches Bloggertreffen

Erstes Bloggertreffen im arabischen Raum,
organisiert von den Stiftungsbüros in Beirut und
Ramallah.

Politisches Blogging ist ein Phänomen, das die autoritären Regierungen der arabischen
Welt immer stärker auf den Plan ruft. In Ländern, wo das Blogging lange bestehende Ta­
bus und Einschränkungen der Meinungsfreiheit aufbrechen konnte, ist es zum mächtigs­
ten Sprachrohr der jungen Generation geworden – eine Generation, die nicht mehr länger
stillhalten will und mit Alias-Namen wie «Saudijeans» oder «A Woman from Egypt» ihre
Meinungen öffentlich kundtut.
Ein im August 2008 in Beirut von der Heinrich-Böll-Stiftung organisiertes Treffen
brachte erstmalig die aktivsten Blogger aus dem Libanon, Ägypten, Palästina, Jordani­
en, Saudi-Arabien, Marokko, Bahrain, Syrien, Tunesien und dem Irak zusammen. Als
Veranstaltung «von Bloggern für Blogger» konzipiert, tauschten sie sich darüber aus, wie
Medien wie facebook für politische Mobilisierung genutzt werden können; welche kreati­
ve Mittel sich für die Herstellung von Gefängniskarten und die Dokumentation von Men­
schenrechtsverletzungen eignen und wie die staatliche Zensur am besten zu umgehen ist.
Die Blogger nutzten das Treffen darüber hinaus zum Aufbau eines Solidaritätsnetzwerks.
In der Region werden vergleichsweise mehr Blogger inhaftiert als Journalisten der re­
gulären Medien. Vielen sitzt von daher die Angst im Nacken. Als ein palästinensischer
Blogger wegen seiner Teilnahme auf der Rückreise für eine Woche an der jordanischen
Grenze festgehalten wurde, veröffentlichten alle Teilnehmer/innen den Fall innerhalb von
wenigen Stunden auf ihren Blogs – das Netzwerk hatte umgehend begonnen zu arbeiten.
Blogbeiträge: www.boell-meo.org

Deutsch-Israelische Literaturtage
Berlin: Der Traum von Normalität

Katharina Hacker und Eshkol Nevo im Berliner
Admiralspalast

Rund 600 Teilnehmende, zehn Schriftsteller/innen und zwei Kinofilme an vier Orten –
die komplett ausgebuchten Veranstaltungen der 2. Deutsch-Israelischen Literaturtage
vom 11. – 13. April 2008 in Berlin zeugten von einem unvermindert großen öffentlichen
Interesse an Israel. Den Auftakt machte der Jerusalemer Autor Eshkol Nevo mit einer
Lesung aus seinem Roman «Vier Häuser und eine Sehnsucht», der von den vielfältigen
Stimmungslagen der Bewohner eines Jerusalemer Vororts nach der Ermordung Jizchak
Rabins erzählt. In der anschließenden Diskussion mit Katharina Hacker und Robert Me­
nasse ging es um die Frage, inwieweit das Israelbild der Deutschen von der eigenen Befind­
lichkeit bestimmt ist.
Wird die Gefährdungslage Israels nach den Attentaten von New York, London und Mad­
rid hierzulande besser nachvollzogen? Dies war die Leitfrage des zweiten Panels mit Assaf
Gavron («Ein schönes Attentat»), Michal Zamir («Das Mädchenschiff») und Ulrich Pelt­
zer («Teil der Lösung»). Bei allen drei Autoren ist der 11. September 2001 fester Bezugs­
punkt der Handlung. Im Gegensatz zu Deutschland werde dieses Datum in Israel nicht als
Wendepunkt begriffen, so Gavron. Während in Deutschland über die Architektur eines
präventiven Überwachungsstaates vor allem kritisch diskutiert werde, sei die Frage der
inneren Sicherheit in Israel fundamental.

49

Kunst und Kultur

Viele Menschen in Tel Aviv verdrängen die terroristische Bedrohung und die hässliche Re­
alität der Besatzung, indem sie sich in ein umso intensiveres «normales» Leben stürzen.
Gibt es Ähnlichkeiten zwischen Tel Aviv und Berlin, die womöglich mit ihrer Selbstbezüg­
lichkeit und «Insellage» zusammenhängen? Stimmen die Klischees, die beiden Metropo­
len anhaften? Um diese Fragen ging es im dritten Panel mit den Wende-Chronisten KatjaLange Müller und Raul Zelik und den beiden israelischen Autoren Yiftach Ashkenazy und
Ron Leshem.
Was bleibt von der Besonderheit der deutsch-israelischen Beziehungen, und was folgt
daraus für eine zukünftige Nahost-Politik? Für den deutsch-israelischen Soziologen Natan Sznaider, der zusammen mit dem Publizisten Micha Brumlik, Stiftungsvorstand Ralf
Fücks und dem israelischen Botschafter Yoram Ben-Zeev das Abschlusspanel bestritt,
wäre ein EU-Beitritt Israels überhaupt nur denkbar bei gleichzeitiger Mitgliedschaft der
Türkei. Israel könne sich keine «jüdisch-christliche Allianz» gegenüber dem Islam leisten,
sondern müsse sich ein eigenes Verhältnis mit dem Islam erhalten sowie ein «orientali­
sches Selbstverständnis» entwickeln. Die Mischung aus europäischer und orientalischer
Kultur bezeichnete er als Besonderheit, Chance und Erfolgsrezept Israels. Es sei wichtig
für Israel, eine gewisse Distanz zu Europa zu bewahren, auch um sich dem Orient umso
besser annähern zu können. Dass auch die Literatur in diesem Prozess ein wichtiges Medi­
um der Verständigung sein kann, blieb dabei freilich nicht unerwähnt.
Die Literaturtage fanden in Kooperation mit dem Goethe-Institut statt.

Israelische Filmtage und Tagung
Berlin: 60 Jahre Israel – Vom Kibbuz zur multikulturellen Gesellschaft
Mit den Filmtagen «60 Jahre Israel – Vom Kibbuz zur multikulturellen Gesellschaft» und
einer gleichnamigen Tagung setzte die Heinrich-Böll-Stiftung ein eigenes Highlight zum
Jahrestag der Gründung Israels. Ein erster Festivalblick galt dabei dem Kibbuzgedanken.
Das Ideal des Kibbuz war geprägt von dem Wunsch nach einer klassenlosen Gesellschaft,
auf der Basis von Gleichheit und Gemeinschaft. Der Film «Galilee Eskimos/Eskimosim
Ba Galil» von Jonathan Paz, ein augenzwinkernder Abschied vom «Kibbuz-Leben», zeigt
die Bewohner eines Kibbuz-Altenheimes. Sie stellen eines Morgens fest, dass alle anderen
die Kommune bereits verlassen haben und sie auf sich selbst gestellt sind. Der Kibbuz ist
hoch verschuldet und ein Investor will auf dem Gelände ein Hotel errichten. Nach kurzer
Verzweiflung besinnen sich die Alten auf die Kraft ihrer Gemeinschaft und beschließen,
sich zu wehren….Ein zweiter Fokus richtete sich auf die Migration und die multikulturelle
Gesellschaft. Fast alle jüdischen Einwohner haben Vorfahren, die außerhalb der heutigen
Grenzen Israels geboren wurden. Jeder fünfte Israeli ist Araber. Dazu kommen die zahl­
reichen Arbeitsmigranten aus Osteuropa und Südostasien sowie Flüchtlinge aus Afrika.
Ein Thema, mit dem sich der Film «Willkommen in Israel/What a wonderful place» von
Eyal Halfon auseinandersetzt. Mit großer Leichtigkeit verschränkt er die Geschichte einer
Ukrainerin, eines Philippino und eines Thailänders, die versuchen, trotz der Demütigun­
gen, die sie erleben müssen, ihre Würde zu bewahren, und entwirft ein komplexes Bild der
israelischen Gesellschaft.
Ein dritter Schwerpunkt war das urbane Leben: Generation U35 trifft auf die Generati­
on Ü50. Die heutige Jugend Israels ist lange nach der Staatsgründung aufgewachsen. Den
Holocaust, aber auch die Aufbaujahre kennen sie nur aus den Geschichtsbüchern. Sie leben
in einem Land, das einerseits unter ständiger äußerer Bedrohung steht, andererseits kaum
noch etwas mit dem Pioniergeist von 1948 zu tun hat und von westlichem Lebensstil und
Konsumgewohnheiten geprägt ist. Junge Israelis wollen das Hier und Jetzt genießen und
Spaß haben. Wie passt das mit den Erfahrungen der «Alten» zusammen?
Das Festival präsentierte insgesamt vier Spielfilme, drei Dokumentarfilme und sechs
Kurzfilme. Auf der abschließenden Tagung diskutierten Regisseure mit Journalisten und
Wissenschaftlern, wie es sich mit dem Spannungsbogen zwischen Israel als Schmelztigel
der Kulturen und Israel als jüdischem Staat verhält, und entwickelten Szenarien für die
Zukunft.

(o) Nathan Sznaider, (u) Yoram Ben-Zeev

50

Kunst und Kultur

Arabisch-iranische Filmtage
Berlin: «Well played» im Kino Babylon
Die Träume und Sehnsüchte der jungen Generation in Nordafrika, dem Nahen Osten und
dem Iran standen im Mittelpunkt der 3. Arabisch-Iranischen Filmtage der Heinrich-BöllStiftung. Eine breite Auswahl an Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen widmete sich dem
Alltag von Jugendlichen, ihrer Suche nach einem selbstbestimmten Leben, nach beruf­
licher Entfaltung, Mobilität und Modernität jenseits traditioneller, sozialer und konfes­
sioneller Normen und Regeln. Die Filme zeigten eine junge Generation in Unbeschwert­
heit, mit feiner Ironie, hintergründigem Humor und unerwarteter Leichtigkeit, ohne an
Tiefsinn einzubüßen. In Gesprächen mit dem Publikum erzählten die Regisseure von den
Entstehungsbedingungen der Filme und diskutierten über die filmische Umsetzung des
sensiblen Stoffes. Die Filmtage fanden mit Unterstützung von Med-Screen statt, dem EUProgramm zur Förderung von Filmen der arabischen MEDA-Länder.

Diskussion, Film- und Buchvorstellung
Berlin: Afrika im Fokus des Berliner Literaturfestivals

«Mehr als Kunst» – Podiumsdiskussion im
Rahmen des Literaturfestivals.

Das 8. internationale Berliner Literaturfestival im Herbst 2008 präsentierte die jüngsten
literarischen Entwicklungen in Afrika. Die Themen reichten von Korruption, Aids, Um­
weltzerstörung und Gewaltherrschaft bis hin zur Auseinandersetzung mit den spezifischen
Erzähl- und Sprachkulturen Afrikas. In der Sparte «Reflections» förderte die Heinrich­
Böll-Stiftung zwei Veranstaltungen: eine Podiumsdiskussion mit den Autorinnen Helon
Habila (Nigeria), Susan Kiguli (Uganda) und Boualem Sansal (Algerien) über die Mög­
lichkeiten und Grenzen des öffentlichen Engagements von Schriftstellern sowie eine Prä­
sentation des Films «hotspots» von Marc Engelhard, der die Folgen des Klimawandels von
der Sahara im Westen bis hin zum äthiopischen Hochland im Osten Afrikas dokumentiert.
Im anschließenden Gespräch stellte die südafrikanische Wissenschaftsjournalistin Leonie
Joubert ihr Buch «Boiling Point» vor – ein Fotoband, der die Zeichen des Klimawandels in
verschiedenen Regionen Südafrikas aufzeigt.

Medienpreis
Istanbul: Auszeichnung für Dokufilmserie
«Türkei in Bewegung», die siebenteilige Dokumentarserie von Nedim Hazar wurde 2008
mit dem Erasmus EuroMedia Award ausgezeichnet. Hazar setzt sich darin mit unter­
schiedlichen Migrationsprozessen in der Türkei auseinander: Saisonarbeiter/innen, die
von Ernte zu Ernte ziehen; gestrandete Flüchtlinge im Grenzgebiet zum Iran; türkische
Rentner/innen, auf der Suche nach einem geruhsamen Lebensabend jenseits der Groß­
stadthektik; deutsche Rentner/innen, auf der Flucht vor dem deutschen Winter und der Su­
che nach wärmeren Gefilden am türkischen Mittelmeer und Rückkehrer/innen der zweiten
oder dritten Immigrantengeneration aus Deutschland. Die Serie entstand mit inhaltlicher
und finanzieller Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung.

Filmfestival
Syrien: DoxBox-Festival für Dokumentarfilm

www.dox-box.org/oindex.html

Im Februar 2008 organisierte die Produktionsfirma «Proaction Film» das erste interna­
tionale Festival für Dokumentarfilm in Syrien. Der «basisdemokratische» Charakter der
Preisvergabe durch das Publikum und seine symbolischen Implikationen wurden während
des stark besuchten Festivals lebhaft kommentiert. Bis zur letzten Sekunde mussten sich
die Organisatoren mit dem staatlichen Zensor auseinandersetzen. Im Rahmen des Festi­
vals unterstützte die Heinrich-Böll-Stiftung Beirut mehrere Workshops für syrische Film­
künstler/innen unter Leitung internationaler Dokumentarfilmer/innen. Dabei ging es vor
allem um das Potenzial von Dokumentarfilmen für sozialen Wandel, für das Begreifen
sozialer Realität und für den Aufbau kollektiver Erinnerungen. Der große Erfolg des Festi­
vals brachte eine Neuauflage im März 2009 – nunmehr eine volle Woche lang.

51

Heinrich-Böll-Haus Langenbroich

Heinrich-Böll-Haus
Langenbroich
Weltweit vertreten Künstlerinnen und Künstler Positionen zu politischen und gesell­
schaftlichen Themen. Durch ihren Einsatz für die Freiheit des Geistes leisten sie einen
wertvollen Beitrag zur Entwicklung und zum Erhalt von Demokratie und Menschen­
rechten. Die Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt dieses Engagement durch ihr Stipen­
dienprogramm im Verein Heinrich-Böll-Haus Langenbroich e.V.

In bewährter Zusammenarbeit mit der Stadt Düren und dem Land Nordrhein-Westfalen
konnten seit Gründung des Vereins im Jahr 1989 über 130 Gäste aus 40 Ländern Afrikas,
Asiens, Lateinamerikas, Ost- und Südosteuropas eingeladen werden.
Das Haus, eine denkmalgeschützte Hofanlage aus dem 18. Jahrhundert, wurde in den
60er Jahren von der Familie Böll erworben und bis zum Tod Heinrich Bölls vor allem
in den Sommermonaten bewohnt. Zahlreiche Arbeiten Annemaries und Heinrich Bölls
fanden in Langenbroich ihren Abschluss und viele Freunde, Kollegen und Politiker wur­
den dort empfangen. Der berühmteste Gast war wohl Alexander Solschenizyn im Februar
1974. Heute ermöglicht das Stipendienprogramm Schriftsteller/innen und Künstler/innen
aus aller Welt, für einige Zeit ungestört und finanziell abgesichert, frei von staatlicher
Kontrolle oder gar Verfolgung, kreativ zu arbeiten. So entstehen auch heute noch viele
Kunstprojekte in Langenbroich, und internationale Netzwerke werden geknüpft. Der Ver­
ein organisiert und vermittelt seinen Gästen auf Wunsch Lesungen und Ausstellungen.
Hier eine Auswahl:
«Indre Sataite – the inner abstraction», Ausstellungseröffnung im Leopold-HoeschMuseum, Düren, mit einer Lesung lyrischer Texte von Itai Mushekwe
«Krumen vom Tisch», Ausstellung in der Evang. Stadtakademie/Frankfurt/M.
«Azankpo – La Mascarade», Ausstellungseröffnung im Leopold-Hoesch-Museum,
Düren, mit einer Lesung lyrischer Texte von Fiston Mwanza
«Kosmos Literatur» mit Asli Erdogan und Fiston Mwanza im Theater Aachen
«Rio, Istanbul, Berlin – Schreiben als Reise» mit Aslı Erdogan und Sebnem Isigüzel
in der Beletage der Heinrich-Böll-Stiftung
«Schreiben im Exil – Unruhig sitzen wir so, möglichst nahe der Grenzen / wartend
des Tags der Rückkehr (Bertolt Brecht)» – Lesung und Podiumsdiskussion mit
Zeynel Kizilyaprak, Amir Valle und Bashana Abeywardane im Literaturhaus Berlin,
veranstaltet vom Villa Aurora Forum Berlin
«Bedroht, verboten und verfolgt – Autorenschicksale damals und heute» – Lesung
zum 75. Jahrestag der Bücherverbrennung in Köln, u. a. mit Itai Mushekwe und Jo­
van Nikolic, veranstaltet von der Fachhochschule Köln
Lesung mit Apti Bisultanov, Itai Mushekwe und Jakub Sarwas während der LionsKulturtage auf Schloss Burgau, Düren
«Alles im Grünen Bereich» – Lesungen und Diskussionen mit Gästen des Böll-Hauses
im Umweltzentrum Troisdorf, veranstaltet von Bündnis 90 / Die Grünen

Heinrich-Böll-Haus-Langenbroich

Bewerbungen an:
Heinrich-Böll-Stiftung, Frau Sigrun Reckhaus
c/o Sadtbibliothek
Josef-Haubrich-Hof 1
50676 Köln
T 0221-283 48 50 F 0221-510 25 89
E reckhaus@boell.de

Gäste im Heinrich-Böll-Haus Langenbroich 2008
Indre Sataite, Bildende Künstlerin aus Litauen (Jahrgang 1980). Sie studierte Male­

rei am Kaunas Art Institute der Vilnius Academy of Fine Arts in Litauen. In den letzten
Jahren war sie mit zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen in Litauen, Lettland
und Österreich vertreten. Darunter die folgenden Ausstellungen: «the inner abstraction»,
2008, Papier Museum Düren; «Krumen vom Tisch», 2008, Evangelische Stadtakademie
Frankfurt/M.; «Every other supper», 2007, Wiederauferstehungskirche, Kaunas/Litauen;
«Body and Blood», 2006, Galerie A. Satas, Kaunas/Litauen.

Indre Sataite

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Itai Mushekwe

Fiston Nasser Mwanza

Asli Erdogan

Heinrich-Böll-Haus Langenbroich

Itai Mushekwe, Schriftsteller und Journalist aus Simbabwe (Jahrgang 1983). Als Journa­
list berichtete Mushekwe in Simbabwe über Misswirtschaft und die menschenverachtende
Politik in seinem Land. Während einer Journalistenweiterbildung in Berlin erfuhr er, dass
er in Simbabwe auf die «Hitliste» – eine Liste von 14 missliebigen Journalisten – des Re­
gimes Mugabe gesetzt wurde. Ohne Gefahr für Freiheit und Leben konnte er nicht mehr in
seine Heimat zurückkehren. Seither berichtet er von Deutschland aus unter Pseudonym
über die Lage in seinem Land. Im Dezember 2008 bekam er den renommierten JohannPhilipp-Palm-Preis für den Kampf um Meinungs- und Pressefreiheit verliehen. Zurzeit
lebt er als Stipendiat des P.E.N. Zentrums in Deutschland.
Fiston Nasser Mwanza, Schriftsteller aus der Demokratischen Republik Kongo (Jahrgang
1981). Mwanza studierte angewandte Pädagogik, Geisteswissenschaften und Humanwis­
senschaften. Für seine Poesie wurde er bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, zu­
letzt 2005 mit dem «Prix Mwangaza» für seinen lyrischen Text «Femme – Calebasse».
Seine Texte – vital, schelmenhaft und barock – nähren sich aus den politischen Turbulen­
zen seines Landes seit dem Erlangen der Unabhängigkeit. 32 Jahre Diktatur, 16 Jahre
des Übergangs, mehr als 65 politische Parteien, Spaltungen und Befreiungskriege prägen
das kulturelle Klima und das literarische Leben des Landes. Das Chaos in seinem Land, die
Realität des Großstadtdschungels aus Gewalt und Verwahrlosung sind Mwanzas Themen.
Auf Deutsch erschienen: «Hundestadt …», Literatur Nachrichten, Nr. 99, Winter 2008,
Litprom.
Asli Erdogan, Schriftstellerin aus der Türkei (Jahrgang 1967). Erdogan studierte Infor­
matik und Physik an der Bosporus-Universität in Istanbul. 1990 gewann sie mit einer
Kurzgeschichte den viel beachteten Yunus-Nadi-Preis. Vier Jahre später gab sie ihre Kar­
riere als Physikerin auf und konzentrierte sich auf das Schreiben. 1996 erschien ihr erster
Roman «Mucizevi Mandarin» (Der wundersame Mandarin). Seither lebt Asli Erdogan als
freie Schriftstellerin in Istanbul. Sie ist Mitglied des PEN und der türkischen Schriftstel­
lervereinigung sowie Gründungsmitglied des Kunst- und Literaturforums von Diyarbakir,
wo sie regelmäßig Workshops, Seminare und Vorlesungen abhält. In ihren Werken er­
kundet sie stets das Fremde, das Andere vor dem Hintergrund der türkischen Gesellschaft
und der globalen Entwicklungen. Auf Deutsch erschienen: «Die Stadt mit der roten Peleri­
ne», Roman, Unionsverlag 2008; «Der wundersame Mandarin», Roman, Dagyeli Verlag
2008.
Rolando Mejías, Schriftsteller aus Kuba (Jahrgang 1959). Mejías war Mitherausgeber
der literarisch-politischen Zeitschrift Diáspora(s) in Havanna. Nach Problemen mit den
Kulturbehörden Kubas verließ er 1997 das Land und ging mit einem Stipendium des In­
ternationalen Schriftstellerverbandes nach Barcelona, wo er seither lebt. Der Lyriker, Es­
sayist und Prosaautor zählt zu den bedeutenden Schriftstellern Kubas. Sein Werk wurde
vielfach ausgezeichnet. Auf Deutsch erschienen: «Geschichten von Olmo», Roman, Verlag
Schöffling & Co 2003.
Tété Camille Azankpo, Maler, Bildhauer aus Togo (Jahrgang 1968). Azankpo stellt sei­

Tété Camille Azankpo

ne Arbeiten seit 1996 in Westafrika, Frankreich, Holland und Deutschland aus. Ausstel­
lungen (Auswahl): «La Mascarade», 2008, Papier Museum Düren; «Profils ou face»,
2007, Michel Aveline/Paris; «L ' album du Soldat», 2006, Französisches Kulturinstitut/
Lomé; «Art in Action», 2005, Alliance Française/Accra; «Tout pour le Quotidien», 2004,
Stadthalle Osnabrück; «ARTE GLOBAL», 2002, Gabriele Saure/Berlin; «Art in Action»,
2002, Alliance Française/Accra; «Dans le miroir de l ' autre», 2001, Deutsche Bank Os­
nabrück; «La Féminité au présent», 2001 Galerie Médoc/Bordeaux, «Grands et jeunes
aujourd ' hui», 2001 Assemblée Nationale/Paris.
Viatcheslav Kuritsyn, Schriftsteller aus Russland (Jahrgang 1965).

Jakub Sarwas, Komponist, Dirigent und Musiker aus Polen (Jahrgang 1977).


Beide Künstler wurden bereits im Jahresbericht 2007 vorgestellt.

53

GreenCampus – Weiterbildung, Politik, Management

GreenCampus –
Weiterbildung,
Politik, Management
Unter dem Dach von GreenCampus vereinen sich die Weiterbildungsangebote der
Heinrich-Böll-Stiftung und ihrer Landesstiftungen im Bereich Politikmanagement.
Die Weiterbildungsakademie bietet Qualifizierung, Wissen und Beratung für politische
Akteure, Einzelpersonen, Organisationen und Unternehmen an. GreenCampus leistet
damit einen Beitrag zum Auf- und Ausbau von Kompetenzen, die für die politische Ar­
beit und die gesellschaftliche Partizipation notwendig sind. Dabei legt GreenCampus
Wert auf ein gelungenes Zusammenspiel aus Theorie und praxisnaher Aufbereitung
und schlägt so die Brücke vom «Wissen zum Handeln».
Jetzt mit Gütesiegel

Nach knapp zweijähriger Zusammenarbeit mit den Landesstiftungen der Heinrich-BöllStiftung wurde GreenCampus im Dezember 2008 das Zertifikat «LQW» (Lernerorien­
tierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung) verliehen. Testiert wurde GreenCampus
von ArtSet, einem privaten Institut in Hannover, und dem Deutschen Institut für Erwach­
senenbildung (DIE). Alle Angebote, die unter dem Logo von GreenCampus durchgeführt
werden, werden nun mit dem LQW-Zertifikat ausgezeichnet. GreenCampus ist der erste
Bereich der Heinrich-Böll-Stiftung, der sich extern auf sein Qualitätsmanagement hin hat
überprüfen lassen.
Ein starkes Programm im In- und Ausland

Neben der breiten Angebotspalette der Landesstiftungen macht GreenCampus mit einem
interessanten Katalog an Bestellseminaren Weiterbildung zu einer maßgeschneiderten
Dienstleistung. Der Ausbau dieses Angebots stand im Jahr 2008 im Vordergrund. Mittler­
weile bietet GreenCampus über 50 Bestellseminare – von «Politischen Kampagnen» und
der «Entwicklung politischer Botschaften» über «Change Management» sowie «Gender
und Diversity»-Seminaren bis hin zum «Projektmanagement für Fraktionen».
Zusätzlich zu einer Vielzahl an Weiterbildungs- und Beratungsformaten für NGOs,
Fraktionen und Parteiorganisationen hat GreenCampus mehrere Projekte im Ausland – im
Auftrag der Green European Foundation (GEF) – erfolgreich durchgeführt. Dazu gehören
unter anderem Kampagnenseminare auf Malta, in Estland und Tschechien, eine Umfrage
zum Thema Fundraising Grüner Parteien in ganz Europa sowie ein Workshop «Internet
Campaigning» für über 20 Spezialist /innen Grüner Parteien in Brüssel.
Neben Bestellseminaren führt GreenCampus im neuen Haus der Heinrich-Böll-Stiftung
die Reihe «Workshops Spezial» zu ausgesuchten und aktuellen Themen fort. Die Reihe er­
freut sich starker Nachfrage. Im Jahr 2008 standen die Themen «EU-Förderung für Orga­
nisationen» und «Grassrootscampaigning von Obama lernen» auf der Agenda.
Knapp 99 Prozent der befragten Teilnehmer/innen von GreenCampus-Bestellseminaren
bewerten die Arbeit unserer Trainer/innen als gut bis sehr gut.

Christian Neuner-Duttenhofer
Leiter von GreenCampus

Das gesamte Programm und zusätzliche aktuelle
Angebote unter
www.greencampus.de
T 030–285 34-144

gut 30,26 %

schlecht 1,32 %

sehr gut 68,42 %

«Die Gutachterinnen erkennen aus dem Selbstre­
port eine beeindruckende Qualitätsarbeit in dem
jungen Projekt GreenCampus.» (LQW-Gutach­
ten zum Selbstreport vom 21.07.2008)

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Grüne Akademie

Grüne Akademie

Die Grüne Akademie ist ein Netzwerk von politisch interessierten Wissenschaftler/
innen und an wissenschaftlichen Diskussionen interessierten Politiker/innen. Sie hat
sich zur Aufgabe gesetzt, grundlegende gesellschaftliche Fragen an der Schnittstelle
zwischen Wissenschaft und Politik zu diskutieren und reformpolitische Anstöße zu
geben. Aktuell präsentiert sich die Akademie mit ihrer neu gestalteten Homepage, auf
der auch Tagungsberichte und Informationen zu ihren Mitgliedern zu fi nden sind.

www.gruene-akademie.de

Die Vorträge und Diskussionen der «Sommerakademie 2008» in Potsdam widmeten sich
der kapitalismuskritischen Stimmung, die der Finanzkrise schon vorausging: «(Wer hat)
Angst vor dem neuen Kapitalismus?» lautete die Frage. Es wurde deutlich, wie weit die
Umorientierung der Unternehmens- und Wirtschaftsphilosophie in den letzten Jahrzehn­
ten gegangen ist. Während die national orientierten, untereinander eng verflochtenen
Unternehmen früher einige gesamtgesellschaftliche Aufgaben wahrgenommen hatten,
richteten sie sich spätestens seit den 1980er Jahren durch die Globalisierung und Kon­
kurrenzsituation vorwiegend nach Shareholder-Value und Effizienzsteigerung. So kam es
zu einer massiven Entflechtung der alten «Deutschland-AG». Die Opfer und Kosten dieses
Prozesses wurden an den Staat verwiesen, der ideologisch der Liberalisierung verbunden
blieb, dessen Sozialsysteme aber auf die steigende Zahl der Arbeitslosen nicht vorbereitet
waren. Während die globale Finanzmarktlogik eine neue Dynamik entwickelte, mangelte
es zudem an demokratisch legitimierten Kontrollinstanzen, die die Märkte im Sinne des
Gemeinwohls regulieren könnten. Gerade deshalb müsse sich Wirtschaftspolitik als regu­
lierend begreifen – so der Tenor auf der Tagung. Der Gedanke der «Nachhaltigkeit» des
wirtschaftlichen Handelns werde in der Zukunft eine Rolle spielen müssen – vor allem im
Hinblick auf die allgemeinen Folgen des Klimawandels.
Anstatt eine Vielzahl von Einzelinteressen zu bedienen, müsse Politik darauf abzielen,
einen Begriff von Gemeinwohl zu schaffen und auch in Haushaltsentscheidungen zu be­
rücksichtigen. Die Herausforderung bestehe vor allem darin, ein Gemeinwohl-Denken zu
erzeugen. Auch die kapitalismuskritische Linke müsse sich hieran messen lassen. Wo die
Suche nach glaubwürdigen Alternativen zum Äquivalententausch lediglich nicht-ökono­
mische Kriterien wie Solidarität und Fairness anbiete, gebe sie die Vorstellung auf, dass
die Menschheit als arbeitsteiliger Zusammenhang von Information und Kommunikation
über Märkte existiere; «romantische Ökonomen» (Marx) blieben die Antwort auf politi­
sche Steuerung der Ökonomie schuldig.
Eine weitere Herausforderung bestehe darin, transnationales Verwaltungshandeln zu
ermöglichen und zu kontrollieren. Dafür müsse auch mit neuen Formen deliberativer De­
mokratie experimentiert werden: Beteiligungsformen für bisher institutionell nicht vorge­
sehene Akteure und Internet-Governance-Formen müssten möglich sein.
Unter dem Dach der Grünen Akademie tagen mehrmals jährlich Tischgespräche zur
Politikberatung, die durch den Arbeitskreis «Demokratie und Parteien» begleitet werden.
Sie erörtern strategisch relevante Themen der Parteiendemokratie-Entwicklung. Im April
2008 fand eine Tagung zum Thema «Bündnis 90/Die Grünen im 5-Parteiensystem: Pro­
grammpartei in wechselnden Mehrheiten» statt. Denn neue koalitionspolitische Beweg­
lichkeiten wird allen Parteien mittlerweile abverlangt, wobei nicht alles, was numerisch
möglich, auch ohne weiteres politisch realisierbar ist. Die Frage bleibt offen, inwieweit
eine Politik wechselnder Kooperationen gerade die kleine grüne Programmpartei vor Zer­
reißproben stellt.

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Archiv Grünes Gedächtnis

Archiv Grünes
Gedächtnis
Das Archiv Grünes Gedächtnis dient der historischen Überlieferung der Partei Bündnis
90/Die Grünen und sammelt die Quellen zur Geschichte der Neuen Sozialen Bewe­
gungen. Es ist das Gedächtnis der Partei und zugleich der Ort, an dem Transparenz
hergestellt wird: Alle im Archiv gesammelten Unterlagen werden unter Berücksichti­
gung der notwendigen Schutzregeln der interessierten Öffentlichkeit und der wissen­
schaftlichen Forschung zur Verfügung gestellt.

Aus Anlass des 25. Jahrestags des historischen Wahlerfolgs der Grünen am 6. März 1983,
als sie zum ersten Mal den Einzug in den Bundestag erreichten, veranstaltete das Archiv
zwei Zeitzeugengespräche: das erste mit Jürgen Treulieb und Oliver Schruoffeneger, das
zweite mit Christa Nickels. Dabei ging es unter anderem um die verschiedenen Versuche,
die Bundestagsfraktion stärker an die Partei zu binden, und um den ersten weiblichen Vor­
stand einer Bundestagsfraktion überhaupt, das sogenannte Feminat im zweiten Jahr der
Wahlperiode 1984/85.
Weitere Veranstaltungen 2008 waren die Vorstellung des Buches von Paul Hockenos:
Joschka Fischer and the Making of the Berlin Republic: an Alternative History of Post­
war Germany, eine Veranstaltung mit Hansjürgen Bulkowski über Leben und Tod des frü­
hen Vorkämpfers der Umwelt- und Lebensschutzbewegung, Hartmut Gründler, sowie eine
Reihe von Veranstaltungen mit Besuchergruppen der Bundestagsfraktion zu verschiede­
nen Themen aus der Geschichte der Grünen.

Christa Nickels bei der 1. Bundesfrauenkonfe­
renz der Grünen vom 19. – 20.10.1985 in Köln.

Bearbeitung von Archivbeständen
Im Jahr 2008 wurden zwei Teilbestände des Petra-Kelly-Nachlasses bearbeitet. Dabei
handelte es sich erstens um Sachakten aus den Jahren 1991 und 1992 zu Auslandsreisen,
zur Teilnahme an Veranstaltungen, zum Golfkrieg 1991/1992 und zu ihrer Tätigkeit als
Fernsehmoderatorin. Darin enthalten ist auch die politische Korrespondenz von Petra Kel­
ly nach Ende ihres Bundestagsmandats. Eingeschlossen in die im Jahr 2008 bearbeiteten
Archivalien sind die Unterlagen zu den Gedenkfeiern für Petra Kelly nach ihrem Tod am
1. Oktober 1992. Zweitens bearbeitete das Archiv 760 Fotografien von Petra Kelly. Dazu
gehörte die Bewertung der Fotografien nach ihrem biografischen und zeithistorischen
Wert, die Digitalisierung, die formale und inhaltliche Beschreibung und Erschließung so­
wie die dauerhafte Lagerung und die Erstellung eines vorläufigen Findmittels.
Auch die Bearbeitung der Akten der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen in der
13. Wahlperiode (1994 – 1998) wurde 2008 fortgesetzt. Dabei ging es um die Arbeitskrei­
se III (Innen, Recht und Petitionen), IV (Frauen, Arbeit, Soziales, Jugend und Gesundheit)
und V (Außenpolitik, Menschenrechte und Abrüstung). Im Besonderen handelte es sich
um die Koordinationen der Arbeitskreise III und IV, die Referate für Arbeitsmarktpoli­
tik und Gesundheitspolitik, die Enquete-Kommission Demografischer Wandel und um das
Osteuropareferat.
Drei Praktikantinnen und Praktikanten und ein Archivkurs der Fachhochschule Pots­
dam haben das Archiv im vergangenen Jahr unterstützt. Neben einer Überarbeitung des
Bestandsverzeichnisses des Archivs konnten so die Unterlagen der französischen Europa­
abgeordneten Marie Anne Isler Béguin und die Unterlagen von Daniel Cohn-Bendit bear­
beitet und verzeichnet werden.
Das Archiv hat im Jahr 2008 interessante Erwerbungen für seine Sammlungen machen
können, z. B. konnte die Plakatsammlung um 272 Plakate vervollständigt werden. In der
Archivbibliothek wurde mit der Katalogisierung der Arbeitsbibliothek von Rudolf Bahro
begonnen. Außerdem wurden die Datensätze von 3.000 Büchern so bearbeitet, dass sie on­
line recherchierbar sind (http://www.boell.de/stiftung/archiv/archiv-599.html).

Grünes Gedächtnis 2009
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
Berlin 2009, 96 Seiten

56

Preise

Preise

Berlin: Petra-Kelly-Preis 2008 an Zhang Sizhi

Zhang Sizhi

Am 2. Dezember 2008 erhielt der chinesische Strafverteidiger und Menschenrechtsanwalt
Zhang Sizhi den Petra-Kelly-Preis. Der 81jährige Zhang Sizhi gilt unter chinesischen Ju­
risten als das «Gewissen der Anwälte» und hat seit Anfang der 80er Jahre viele von den
chinesischen Behörden angeklagte Regimekritiker verteidigt. Vor 190 Gästen bekannte
der Preisträger in seiner Dankesrede: «Ich sehne mich nach Freiheit. Fehlt im Leben die
Freiheit oder büßt man unerwartet die Menschenrechte ein, dann wird der Wert des Da­
seins geschmälert oder geht gar verloren.» Laudatorin Brigitte Zypries, Bundesministerin
für Justiz, stellte heraus, dass Zhang Sizhi den schwierigen Weg Chinas in Richtung Frei­
heit und Demokratie seit vielen Jahrzehnten mit herausragendem persönlichem und beruf­
lichem Engagement begleite.
Die Heinrich-Böll-Stiftung verleiht den mit 10.000 Euro dotierten Petra-Kelly-Preis
seit 1998 alle zwei Jahre an Personen oder Gruppen, die sich in herausragender Weise
für die Achtung der universellen Menschenrechte, für gewaltfreie Konfliktlösung oder den
Schutz der natürlichen Umwelt einsetzen. Mit dem Preis gedenkt die Heinrich-Böll-Stif­
tung zugleich Petra Kelly, Mitbegründerin und Sprecherin der bundesdeutschen Grünen
und herausragende Persönlichkeit der weltweiten ökologischen und pazifistischen Bewe­
gung. In ihrem Sinne soll der Preis die Anliegen der ausgezeichneten Projekte und Perso­
nen fördern und ihnen helfen, jene weiter zu verfolgen.

Bremen: Hannah-Arendt-Preis 2008

(l – r): Ralf Fücks, Karoline Linnert, Viktor
Zaslavsky und Antonia Grunenberg

Mit dem Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken wurde am 5. Dezember 2008 der
russische Politikwissenschaftler Viktor Zaslavsky geehrt. Mit seinem Werk Klassensäu­
berung – Das Massaker von Katyn, einer schockierende Analyse des Massenmordes der
sowjetischen Partei- und Staatsführung an tausenden polnischen Offizieren und Zivilisten
im Jahre 1940, richtet Zaslavsky den Blick auf eines der größten Verbrechen gegen die
Menschlichkeit während des Zweiten Weltkrieges und seine jahrzehntelange Verschleie­
rung. Erst nach dem Ende des Kalten Krieges habe Moskau offiziell eingeräumt, dass die
Morde von Katyn von den Sowjets verübt worden waren. Unter Putin herrscht allerdings
erneut die Tendenz, vom offenen Umgang mit den historischen Fakten abzurücken und al­
les zu verschweigen, was einer neuerlichen Glorifizierung der sowjetischen Geschichte im
Wege stehen könnte. Insbesondere würdigte die Jury daher den Mut Zaslavskys, gegen das
Verschweigen anzugehen.
Der Preis ist mit 7.500 Euro dotiert und wird vom Senator für Bildung und Wissen­
schaft der Freien Hansestadt Bremen und der Heinrich-Böll-Stiftung finanziert.

Friedensfilmpreis
Der 23. Friedensfilmpreis, der jährlich im Rahmen der Berlinale verliehen wird, ging 2008
an «Buda Az Sharm Foru Rikht» («Buddha zerfiel vor Scham»). In dem Film geht es um
Bakthay, ein kleines Mädchen in den Bergen Afghanistans, das sich ihren Wunsch nach
Bildung zu erfüllen hofft und deren Traum jäh zerplatzt. Auf dem Weg zur Schule wird sie
von Jungen, die Taliban spielen, als Geisel genommen. Erschreckende Szenen: Kinder die
das spielen, was sie von den Erwachsenen gelernt haben: Gewalt, Demütigung und Zerstö­
rung. «Ein tragischer Film über zerstörtes Leben und missachtete Menschenrechte, wo­
runter vor allem die Kinder leiden. Aber auch ein Film, in dem die kleine Bakthay auf ihren
kurzen Beinen den weiten Weg zur Schule läuft und leuchtet wie ein heller Stern», wie es in
der Begründung der Jury des Friedensfilmpreises heißt.
Der Friedensfilmpreis, der unter der Schirmherrschaft der «IPPNW – Ärzte in sozialer
Verantwortung» steht, ist mit 5000 Euro dotiert. Das Preisgeld wird seit 1996 von der
Heinrich-Böll-Stiftung zur Verfügung gestellt.

57

Die Stiftung im neuen Haus

Die Stiftung im neuen
Haus
Die Welt ins Haus holen – Eröffnung des neuen Stiftungshauses

Gut 20 Jahre nach Gründung der ersten politischen Stiftungen im Umfeld der Grünen und
11 Jahre nach dem Umzug von Köln nach Berlin bedeutet das neue Haus für die Heinrich­
Böll-Stiftung einen Sprung in eine neue Dimension: ein eigenes Gebäude, ein modernes
Konferenzzentrum, eine neue Sichtbarkeit mitten in Berlin. Am 25. September 2008 war
es endlich soweit: Die Stiftungszentrale in der Schumannstraße 8 wurde durch Bundes­
präsident Horst Köhler feierlich eröffnet. Rund 700 Gäste und Mitarbeiterinnen und Mit­
arbeiter der Stiftung nahmen daran teil. Grußworte sprachen neben dem Bundespräsi­
denten auch Reinhard Bütikofer, Parteivorsitzender Bündnis90/Die Grünen, René Böll
für die Erbengemeinschaft Heinrich Böll und Piet Eckert vom Architektenbüro e2a in
Zürich. Der Vorstand der Stiftung, Barbara Unmüßig und Ralf Fücks, betonte in seiner
Eröffnungsrede den offenen Charakter des neuen Hauses. Das Haus stehe für Weltoffen­
heit, Transparenz und Nachhaltigkeit. Es solle ein republikanisches Forum sein, ein Ort
des internationalen Austauschs, eine Ideenwerkstatt, ein Haus der Kunst und eine erste
Adresse politischer Bildung. Mit spannenden Debatten, internationalem Dialog und Ko­
operation, Publikationen, Internet-Angeboten, der Förderung begabter Studentinnen und
Studenten, Ausstellungen und Weiterbildungsangeboten für alle politisch Interessierten
wolle die Stiftung der Gesellschaft einen möglichst großen Gegenwert zurückgeben. Ein
Versprechen, das auch Bundespräsident Horst Köhler gerne eingelöst sehen wollte: «Sie
haben Grips, und Ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger kaufen und schenken Ihnen die Zeit
und den Ort, um diesen Grips einzusetzen für die Verbesserung unserer Republik, für das
Gemeinwohl und für Demokratie und Menschenrechte weltweit. Ist das nicht eine Riesen­
chance – und eine große Verantwortung?» Die Heinrich-Böll-Stiftung wird alles tun, um
ihr auch in Zukunft gerecht zu werden.

Bundespräsident Horst Köhler bei der Eröffnung
der neuen Stiftungszentrale

Damenorchester Salome

Vorreiter in der Gebäudetechnik – das Energiekonzept des Neubaus

Das neue Stiftungshaus gehört energetisch zur ökologischen Avantgarde: Wenig, aber
hoch-innovative Technik sorgt in dem modernen Bürogebäude für ein angenehmes Raum­
klima. Der Energieverbrauch in Höhe von 55.7 kWh/m2 unterbietet die gesetzlich vorge­
schriebenen Werte der Energieeinsparverordnung um die Hälfte. Damit nimmt das Gebäu­
de eine Vorreiterrolle im modernen Büro- und Konferenzgebäudebau ein. Dank der engen
Zusammenarbeit zwischen Bauherrschaft, Architekten und Gebäudetechnik-Ingenieuren
konnten die innovativen Lösungen innerhalb eines eng abgesteckten finanziellen Rahmens
realisiert werden.
Nachhaltigkeit ist einer der Grundwerte der Heinrich-Böll-Stiftung. Nachhaltigkeit war
auch das Leitprinzip für das Energiekonzept, das vom Schweizer Ingenieurunternehmen
Basler & Hofmann, Zürich, für die Stiftung entwickelt wurde. Es folgt drei wesentlichen
Regeln:
Intelligente Systeme mit möglichst wenig Geräten – das spart Ressourcen und hält
die Installations- und Betriebskosten gering.
Energie ist erst verloren, wenn sie das Gebäude verlässt. Abwärme wird auf innova­
tive Weise wieder genutzt.
Möglichst natürliche und nutzerbestimmte Lüftung und Kühlung.
In Partnerschaft mit der Firma Grammer Solar wurde auf dem Dach eine PhotovoltaikAnlage installiert, die einen Primärenergiebeitrag von etwa 53.000 kWh jährlich erbringt
und dem Fernwärmenetz zugeführt wird.

Das Haus Schumannstraße 8
Berlin 2009, 24 Fotoseiten plus Begleittexte

Zu bestellen unter info@boell.de

58

Stiftungsmanagement

Stiftungsmanagement
Für die Stiftung war die finanzielle Ausgangslage aufgrund ihrer überwiegend zuwen­
dungsfinanzierten Basis im Jahr 2008 noch positiv. Für die bildungspolitische Arbeit so­
wie die Förderung und Durchführung von Projekten im In- und Ausland konnten, dank
der politischen Schwerpunktsetzung im Bundeshaushalt, die Mittel im Jahr 2008 auf
23.128.707 Euro gesteigert werden. Durch vermehrte Kooperationen und die erfolgreiche
Bewerbung vor allem für entwicklungspolitische Projekte der Europäischen Kommission
wurde die politische Bildungsarbeit intensiviert. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhten sich
außerdem die Projektmittel für die Studien- und Promotionsförderung im Studienwerk.
Das neue Stiftungshaus, das im Juni 2008 nach knapp 18 Monaten Bauzeit bezugsfertig
war, wurde im Rahmen eines Public-Private-Partnership-Modells errichtet.
Die Stiftung stellt sich mit einer vorsorgenden Finanzplanung auf die kommenden Jahre
ein. Dazu dienen eine Reihe von Maßnahmen, wie die verstärkte Akquisition von EU-Pro­
jekten und die Drittmitteleinwerbung. Darüber hinaus werden die Geschäftsprozesse nach
und nach in allen Abteilungen einer Analyse unterzogen, um eine optimale Ressourcenver­
wendung sicherzustellen. In der Abteilung Internationale Zusammenarbeit wurde dieser
Prozess bereits Ende 2007 angestoßen und über das Jahr 2008 umgesetzt. Ziel war es,
die Ergebnisverantwortung eindeutiger zu regeln sowie mehr Transparenz und Klarheit im
Rechnungswesen herzustellen. Dieser Prozess wird voraussichtlich 2010 abgeschlossen
sein.
Im Engagement, der Erfahrung und den Kompetenzen unserer haupt- und ehrenamtli­
chen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegt das Hauptkapital für den Erfolg der Stiftung.
Der Umzug in das neue Stiftungshaus und die damit verbundene neue Arbeitssituation waren stiftungsintern das herausragende Ereignis im Jahr 2008.
Neben einer gezielten Personalauswahl legen wir großen Wert auf die Schaffung opti-	
maler Arbeitsbedingungen und eine moderne Personalentwicklung mit individueller Weiterbildung. So haben sich im Sommer 2008 viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an
einer Befragung zu ihrer Gesundheit, ihrer Arbeitsplatzsituation und dem Arbeitsklima in
der Stiftung beteiligt. Die Befragung und einige Folgeaktivitäten wurden durch die AOK fi-	
nanziell unterstützt. Die Auswertung hat deutlich gemacht, dass sich die Mitarbeiterinnen 	
und Mitarbeiter der Stiftung in hohem Maße mit der Organisation und mit den Inhalten
ihrer Arbeit identifizieren sowie große Gestaltungsspielräume sehen.
Jahresabschluss zum 31. Dezember 2007
Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers
Wir haben den Jahresabschluss – bestehend aus Bilanz, Gewinn- und
Verlustrechnung sowie Anhang – unter Einbeziehung der Buchführung
und den Lagebericht des Heinrich-Böll-Stiftung e. V. für das Geschäftsjahr vom 1. Januar 2007 bis zum 31. Dezember 2007 geprüft. Die Buchführung und die Aufstellung des Jahresabschlusses nach den deutschen
handelsrechtlichen Vorschriften liegen in der Verantwortung des Vorstands des Vereins.
Unsere Aufgabe ist es, auf der Grundlage der von uns durchgeführten
Prüfung eine Beurteilung über den Jahresabschluss unter Einbeziehung
der Buchführung und über den Lagebericht abzugeben.
Wir haben unsere Jahresabschlussprüfung nach § 317 HGB unter
Beachtung der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten
Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung vorgenommen. Danach
ist die Prüfung so zu planen und durchzuführen, dass Unrichtigkeiten
und Verstöße, die sich auf die Darstellung des durch den Jahresabschluss
unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und
durch den Lagebericht vermittelten Bildes der Vermögens-, Finanz- und
Ertragslage wesentlich auswirken, mit hinreichender Sicherheit erkannt
werden. Bei der Festlegung der Prüfungshandlungen werden die Kennt­
nisse über die Geschäftstätigkeit und über das wirtschaftliche und recht­
liche Umfeld des Vereins sowie die Erwartungen über mögliche Fehler
berücksichtigt. Im Rahmen der Prüfung werden die Wirksamkeit des
rechnungslegungsbezogenen internen Kontrollsystems sowie Nachweise
für die Angaben in Buchführung, Jahresabschluss und Lagebericht über-

Dr. Birgit Laubach, Geschäftsführerin der
Heinrich-Böll-Stiftung

Die Mitgliederversammlung der Heinrich­
Böll-Stiftung besteht aus 49 Mitgliedern. Ihr
gehörten zum Stichtag 31.12.2008 vier Abge­
ordnete der grünen Bundestagsfraktion und zwei
Funktionsträger der Partei Bündnis 90 / Die Grü­
nen an. Im zweiköpfigen Vorstand der Stiftung
ist kein Funktionsträger von Partei oder einer
Fraktion; in den aus neun Personen bestehenden
Aufsichtsrat wurde ein Bundestagsabgeordneter
von Bündnis 90 / Die Grünen gewählt.

wiegend auf der Basis von Stichproben beurteilt. Die Prüfung umfasst die
Beurteilung der angewandten Bilanzierungsgrundsätze und der wesentlichen Einschätzungen des Vorstands sowie die Würdigung der Gesamtdarstellung des Jahresabschlusses und des Lageberichts. Wir sind der
Auffassung, dass unsere Prüfung eine hinreichend sichere Grundlage für
unsere Beurteilung bildet.
Unsere Prüfung hat mit Ausnahme der folgenden Einschränkung zu
keinen Einwendungen geführt:
Vermögensgegenstände und Schulden der rechtlich unselbständigen
Auslandsbüros des Heinrich-Böll-Stiftung e.V. werden nicht bilanziert.
Mit dieser Einschränkung entspricht der Jahresabschluss nach unserer Beurteilung aufgrund der bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnisse den gesetzlichen Vorschriften und vermittelt unter Beachtung der
Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragsla­
ge des Vereins. Mit der genannten Einschränkung steht der Lagebericht
in Einklang mit einem den gesetzlichen Vorschriften entsprechenden
Jahresabschluss, vermittelt insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage
des Vereins und stellt die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dar.

Berlin, den 17. November 2008
PricewaterhouseCoopers
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Stiftungsmanagement
59

Vorläufige Gewinn- und Verlustrechnung vom 1. Januar bis 31. Dezember 2008
Lfd. Jahr
(2009)
Planzahlen
14.475.000
31.132.000

Berichtsjahr
(2008)
Vorläufige Zahlen
14.865.141
30.160.822

Vorjahr
(2007)
Testierte Zahlen
12.814.038
28.855.073

350.000
45.957.000

565.178
45.591.141

311.927
41.981.038

7.850.000
350.000
2.488.000
222.000

7.493.774
565.178
2.665.227
5.290.006

7.150.699
311.910
2.261.314
4.960.684

1.703.000
2.213.000
9.996.000
21.135.000
45.957.000

1.323.579
2.225.066
7.461.571
18.566.740
45.591.141

1.212.841
2.069.008
6.477.312
17.537.270
41.981.038

–

–

–

Vereinserträge
Vereinsaufwendungen
Abschreibungen auf die Betriebs- und Geschäftsausstattung des Vereins
Vereinsergebnis

78.000
24.000
–
54.000

142.421
118.476
–
23.945

90.667
66.292
102
24.273

Jahresfehlbetrag/Überschuss

54.000

23.945

24.273

Erträge Globalmittelhaushalt *
Erträge anderer Zuwendungsbereiche **
davon Zuwendungen für das Bauvorhaben: 4.134.691 Euro (Vj. 4.840.490 Euro)

Erträge Auflösung des Sonderpostens
Summe der Erträge
Personalaufwand
Abschreibungen
Sächliche Verwaltungskosten ***
Investitionen
davon Investitionen in das Bauvorhaben: 4.134.691 Euro (Vj. 4.840.490 Euro)

Fachausgaben bezogen auf die Globalmittel des BVA
Weiterleitung von Zuwendungen aus dem Globalmittelhaushalt
Fachausgaben bezogen auf die anderen Zuwendungen
Weiterleitung von BMZ-Projektmitteln
Summe der Aufwendungen
Zwischenergebnis

* enthält die Erträge aus Globalmitteln des BVA, Verwaltungskostenzuschüssen anderer Zuwendungsgeber und die sonst. Einnahmen
** enthält Projektmittel des BMZ, des AA, der EU sowie die Mittel für die Studienförderung des BMBF und AA
*** einschl. der Rückstellungen für Risiken
BMI: Bundesministerium des Innern
BMZ: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
AA: Auswärtiges Amt
Bildung und Forschung
BVA: Bundesverwaltungsamt

BMBF: Bundesministerium für

Erträge 2008

Erträge
Globalmittelhaushalt
Summe
45.025.963

Erträge anderer Zuwendungs­
bereiche
Aufwendungen 2008

Internationale Tätigkeit
Projektmittel für die
gesellschaftspolitische
Bildungsarbeit Inland
Stipendien
Summe
45.025.963

Zuwendung an
Landesstiftungen
Personalaufwand
Sächliche Verwaltungskosten
Investitionen

Die Heinrich-Böll-Stiftung e.V. finanziert sich fast ausschließlich aus öf­
fentlichen Zuwendungen. Im Berichtsjahr 2008 haben sich diese Erträge
ohne Baumittel gegenüber dem Vorjahr um rd. 4,1 Mio. Euro (entspricht
11 Prozent) auf 40,9 Mio. Euro erhöht. Der Zuwachs kam insbesondere der
Studienförderung und der internationalen Tätigkeit (jeweils zusätzlich rd.
1 Mio. Euro) der Stiftung zugute. Der Zuwachs bei den Globalmitteln beruht
auf einmaligen Finanzierungen zugunsten des Stiftungsbaus.
Auf der Ausgabenseite sind die Projektmittel sowohl für die Inlands- wie
auch für die Auslandstätigkeit der Stiftung gestiegen. Ebenso konnte die Stipendienförderung deutlich angehoben werden. In den Neubau des Stiftungs­
hauses, das Mitte 2008 fertiggestellt worden ist, sind erhebliche investive
wie auch Sachmittel geflossen.
Dem Vereinsvermögen konnte erneut ein kleiner Überschuss (rd. 24 T Euro)
zugeführt werden. Die weitere Tätigkeit der Stiftung ist zwar grundsätzlich
durch mittelfristige Finanzzusagen seitens der Zuwendungsgeber gesichert.
Allerdings lassen sich mögliche Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise auf
die Stiftungsfinanzen gegenwärtig nicht vorhersehen.
Die Stiftung verfügte im Jahr 2008 immer über eine ausreichende Liquidität.

60

Stiftungsmanagement

Vorläufige Bilanz zum 31. Dezember 2008
Aktivia
Anlagevermögen
Immaterielle Vermögensgegenstände
Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und
ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an
solchen Rechten und Werten, zuwendungsfinanziert
geleistete Anzahlungen, zuwendungsfinanziert
Sachanlagen
Grundstücke, einschließlich der Bauten auf
fremden Grundstücken, zuwendungsfinanziert
Betriebs- und Geschäftsausstattung, zuwendungsfinanziert
Betriebs- und Geschäftsausstattung, Verein
geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau, zuwendungsfinanziert
Finanzanlagen
Kautionen
Umlaufvermögen
Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten
Rechnungsabgrenzungsposten
Summe
Passiva
Vereinsvermögen
Rücklagen
Jahresergebnis
Sonderposten aus Zuwendungen
Sonderposten aus Zuwendungen zum Anlagevermögen
Sonderposten aus Zuwendungen zu Kautionen
Rückstellungen
Steuerrückstellungen
Sonstige Rückstellungen
Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
Verbindlichkeiten gegenüber Projektpartnern
aus BMZ-Mitteln
aus AA-Mitteln
Verbindlichkeiten gegenüber Zuwendungsgebern
gegenüber der EU
gegenüber dem BMZ
gegenüber dem AA
gegenüber dem BVA
Sonstige Verbindlichkeiten

Berichtsjahr 2008

Vorjahr 2007

61.865
–

53.670
–

17.545.720
1.685.731
1
–

3.864.785
369.879
2
5.948.052

1.479

1.450

647.086
1.031.609

679.753
3.218.424

229.613

359.673

21.203.104

14.495.688

125.864
23.245

101.591
24.273

14.992.962
1.479

10.098.550
1.450

13.200
508.023

20.100
527.900

287.667

290.483

–
443

5.000
43

7.550
28.427
34.439
–
4.437.026

50
29.109
–
–
107.068

–
325.854
1.446
–
415.479

331.767
2.896.759
–
39.082
22.463

21.203.104

14.495.688

Rechnungsabgrenzungsposten
gegenüber der EU
gegenüber dem BVA
gegenüber dem BMZ
gegenüber dem BMBF
gegenüber sonstigen
Summe

Stiftungsmanagement
61

Internationale Zusammenarbeit 2008
5,5


2006
2007
2008

5,0

4,5

4,0

3,5

3,0

2,5

2,0

1,5

1,0

0,5

Mio.
Euro Lateinamerika

Asien

Nah-Ost

Afrika

Europa

Internationale
Politik

Die Projektmittel für die Aufgaben der internationalen Zusammenarbeit
(insgesamt 20,3 Mio. Euro) sind 2008 gegenüber dem Vorjahr um fast eine
Mio. Euro gestiegen.
Die Mittel des Auswärtigen Amtes sind mit rund 1,1 Mio. Euro unver­
ändert. Die akquirierten Mittel der Europäischen Union in Höhe von 759 T
Euro konnten für Projekte in Afrika, Lateinamerika, im Nahen und Mittleren
Osten und im Kaukasus eingesetzt werden.

Fachmittel 2008
Internationale Politik 14 %
Kommunalpolitik 6 %

Demokratie 14 %

Migration und
Interkulturelle
Demokratie 8 %

Wirtschaft und
Soziales 8 %

GWI 12 %

Ökologie 18 %


Bildung und
Wissenschaft 6 %

Kunst und Kultur 14 %

Für die politische Bildungsarbeit im Inland hat die Heinrich-Böll-Stiftung
2008 rund 1,1 Mio. Euro verausgabt. Ein Großteil davon floss in die Projekt­
arbeit (Veranstaltungen, Publikationen, Dossiers). Die prozentuale Vertei­
lung der Mittel auf die Themen ist aus der Grafik ersichtlich. Außerdem wur­
den Fachmittel für Projekte der Weiterbildungsakademie Green Campus und
der Grünen Akademie sowie für die Herausgabe von Büchern verausgabt.
2,3 Mio. Euro leitete die Stiftung im Jahr 2008 für die regionale poli­
tische Bildungsarbeit an die Landesstiftungen weiter.

Stipendienmittel nach Mittelgebern
6

5

4

3

2

1

Mio.
Euro

2006

2007

2008

BMBF
AA
weitere
(BMI, Drittmittel, Bundestag)

Das Studienwerk der Heinrich-Böll-Stiftung erhält Zuwendungen vom Bun­
desministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und vom Auswärtigen
Amt (AA) sowie von der Britta-Lohan-Gedächtnis-Stiftung. Durch einen
Aufwuchs von 23 Prozent gegenüber 2007 konnten wir 249 deutsche und
internationale Studierende und Promovierende neu fördern. Darüber hinaus
beteiligt sich die Stiftung am «Internationalen Parlaments-Stipendium»
des Deutschen Bundestages und führt selbst ein ambitioniertes Begleitpro­
gramm für die Stipendiatinnen und Stipendiaten durch.

62

Stiftungsmanagement

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Heinrich-Böll-Stiftung

225

200


26

23
175


22

176

173

150


27

30

184

176

168

125

100
75
50
25

Ausland
Inland

Anzahl
2004

2005

2006

2007

2008

Die Heinrich-Böll-Stiftung beschäftigt im Inland derzeit 176 Mitarbeite­
rinnen und Mitarbeiter – eine Zahl, die im Verlauf der letzten fünf Jahre re­
lativ konstant gehalten werden konnte. Fast 70 Prozent der Mitarbeitenden
sind schon seit über fünf Jahren dabei – eine Zahl, die für die Attraktivität
der Heinrich-Böll-Stiftung als Arbeitgeberin spricht. 

Hinzu kommen 30 ins Ausland entsandte Beschäftigte; dies bedeutet eine
Steigerung von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In den 28 Auslandsbüros
sind darüber hinaus etwa 180 lokale Angestellte beschäftigt.

Verteilung der Personalkosten
Geschäftsführung und GreenCampus
Aushilfen und Auszubildende
2% 5%

Internationale
Zusammenarbeit

Studienwerk

Vorstandsbüro und
Gremienkoordination

6%
7%

29%

Personalabteilung

5%

EDV/
Technische Dienste

10%

8%
24%

Finanzabteilung

4%

Öffentlichkeits­
arbeit und
Tagungsbüro

Politische Bildung Inland, Böll-Archiv Köln, Archiv Grünes Gedächtnis,
Grüne Akademie, GWI

69 Prozent der Beschäftigten widmen sich der fachlichen Arbeit (Fachabtei­
lungen Politische Bildung Inland, Internationale Zusammenarbeit, Studien­
werk, GreenCampus, Vorstandsbüro). 10 Prozent sind mit größtenteils pro­
jektbezogener Öffentlichkeitsarbeit betraut. Dazu gehöret unter anderem
die Herausgabe von Publikationen und Internet-Dossiers sowie die Durchfüh­
r ung von Veranstaltungen. In den Managementabteilungen Personal, Finan­
zen und IT/Technische Dienste sind 16 Prozent des Personals beschäftigt.

Work-Life-Balance
100%
90
80
70
60
50

51
49

40

53
47

51
49

49

49

51

51

2007

2008

30

20

10

Vollzeitbeschäftigte
Teilzeitbeschäftigte
2004

2005

2006

In der Heinrich-Böll-Stiftung ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie
selbstverständlicher Bestandteil der Personalpolitik. Die Stiftung verfügt
über ein flexibles Arbeitszeitsystem, das den Mitarbeiterinnen und Mitarbei­
tern weitreichende Spielräume in der Gestaltung ihrer Arbeitszeit lässt. 51
Prozent der Beschäftigten arbeiten Teilzeit.
Für die Heinrich-Böll-Stiftung stellt die Möglichkeit der unentgeltlichen,
längerfristigen Beurlaubung ein wichtiges Instrument zur Mitarbeitermo­
tivation und Personalentwicklung dar: Für größere private Vorhaben wie
längere Auslandsreisen oder eigene Buchprojekte besteht die Möglichkeit,
sich beurlauben zu lassen bzw. ein Sabbatical zu nehmen. 18 Prozent der Be­
schäftigten befinden sich derzeit in Elternzeit oder in einem Sonderurlaub.

63

Stiftungsmanagement

Anteil der Frauen und Männer in den Tarifgruppen in Prozent

100%

90


13

17

87

83

80


24
76

70


39

60

50
50


61

50

40

30

20

10

Männer
Frauen
AT

IIa

Vb-III

bis Vc

Summe

Die Gemeinschaftsaufgabe «Geschlechterdemokratie» ist per Satzung für
alle Arbeitsfelder der Stiftung festgeschrieben und wird auch in der Perso­
nalpolitik verwirklicht. So sind Frauen mit 50 Prozent im außertariflichen
Bereich und mit über 60 Prozent in den mittleren Führungspositionen deut­
lich stärker vertreten als in vergleichbaren Organisationen. Gleiches gilt für
die Auslandsbüros.

Anteil von Migrantinnen und Migranten in Prozent

Migranten und
Migrantinnen 14 %

Personalentwicklung

Gemeinschaftsaufgaben

18 %

13 %

Basis­
angebote

52 %
12 %
2 %3%

sonstige

Kreativität
und Innovation
Führung und Nach­
wuchsförderung
Organisations­
entwicklung

Die Heinrich-Böll-Stiftung ist Unterzeichnerin der Charta der Vielfalt. Da­
mit hat sie sich unter anderem verpflichtet, die Vielfalt der Gesellschaft
innerhalb und außerhalb der Stiftung wertzuschätzen, einen respektvollen
Umgang miteinander zu pflegen sowie eine Personalpolitik zu verfolgen, die
die vielfältigen Talente der Beschäftigten fördert.
14 Prozent der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben einen Migrations­
hintergrund. Gegenüber dem Vorjahr konnte diese Zahl um 2 Prozent ge­
steigert werden. Unter den ins Ausland entsandten Beschäftigen sind 20
Prozent Migranten. Die Stiftung hat damit ihre in der Satzung verankerte
Zielvorgabe von mindestens 10 Prozent erfolgreich umgesetzt.

Zur Umsetzung ihrer Ziele beschäftigt die Heinrich-Böll-Stiftung hochqua­
lifizierte und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie setzt dabei
auf die Vielfalt ihrer Beschäftigten, d.h. auf unterschiedliche Erfahrungen
und Fähigkeiten, sei es in Bezug auf Ausbildung oder Berufs- und Lebenser­
fahrung.
Zur Weiterbildung bietet die Stiftung Fortbildungen auf verschiedenen
Ebenen an:
Basisqualifikationen, die Grundlagen für die Ausübung der Stelle
vermitteln, u. a. EDV-Schulungen, Zuwendungsrecht und Fremdspra­
chenkenntnisse
Veranstaltungen und Trainings zur Wahrnehmung der Gemeinschafts­
aufgaben Geschlechterdemokratie und Migration/Interkulturelle De­
mokratie
Organisationsmanagement, dazu gehört u. a. Projekt- und Qualitäts­
management sowie Team-Entwicklung
Vermittlung von Führungskompetenzen
Förderung von Kreativität und Innovation, um die politische Bildungs­
arbeit kontinuierlich weiterzuentwickeln

64

Gremien

Gremien

Stand: Januar 2009
Mitgliederversammlung Hartmut Bäumer, Klaus Baumgärtner, Lukas Beckmann, Birgitt Bender, Dr. Maritta Bieberstein von KochWeser, Franziska Brantner, Kajo Breuer, Dr. Carolin Emcke, Gisela Erler, Ulrike Gauderer, Martin Grimm, Dr. Robert Habeck, Micha­
el Henke, Dr. Dietrich Hermann, Christiane Howe, Michaele Hustedt, Mechtild M. Jansen, Dr. Christa Karras, Leo Klotz, Ute Koczy, Dr.
Gerd Koenen, Fritz Kuhn, Undine Kurth, Joost Lagendijk, Steffi Lemke, Prof. Dr. Dirk Messner, Dr. Matias Mieth, Daniel Mittler, Klaus
Müller, Özcan Mutlu, Prof. Dr. Ursula Neumann, Katrin Rabus, Irene Reifenhäuser, Astrid Rothe-Beinlich, Stefanie Schiffer, Heike
Schiller, M. Max Schön, Theresa Schopper, Dr. Michaele Schreyer, Michael Schwandt, Hilal Sezgin, Jürgen Suhr, Malti Taneja, Dr.
Ellen Ueberschär, Virginia Wangare Greiner, Michael Wedell
Stipendiatische Vertreter/innen Hahle Badrnejad-Hahn, Georgia Franzius, Katja Gilbert, Nadya Srur
Aufsichtsrat Franziska Brantner, Renate Eisape, Prof. Dr. Joachim Gessinger, Fritz Kuhn, Steffi Lemke, Christoph Meertens, Dirk

Scheelje, Dr. Michaele Schreyer, Gabriele Tellenbach
Frauenrat Kattrin Bauer, Maren Bock, Dr. Gülay Caglar, Birgit Dederichs-Bain, Dr. Andrea Ferber, Ulrike Gauderer, Judy Gummich,

Prof. Dr. Birgit Meyer, Irene Reifenhäuser, Judith Strohm
Koordinationsgremium des Förderkreises Mechtild M. Jansen, Helga Metzner
Mitglieder Grüne Akademie Prof. Dr. Gabriele Abels, Tarek Al-Wazir, Birgitt Bender, PD Dr. Mechthild Bereswill, Marianne Birthler,

Prof. Dr. Angelo Bolaffi, Prof. Dr. Christina von Braun, Prof. Dr. Claudia von Braunmühl, Prof. Dr. Hubertus Buchstein, Reinhard Bü­
tikofer, Prof. Dr. Thomas Christaller, Prof. Dr. Dr. Michael Daxner, Prof. Dr. Simone Dietz, Christine Dörner, Dr. Thea Dückert, Rainer
Emschermann, Anke Erdmann, Prof. Dr. Rainer Forst, Ralf Fücks, Karsten Gerlof, Prof. Dr. Arnim von Gleich, Adrienne Göhler, Cris­
tina Gómez Barrio, Prof. Dr. Stefan Gosepath, Dr. Sigrid Graumann, Prof. Dr. L. Horst Grimme, Melanie Haas, Rebecca Harms, Dr.
Dietrich Hermann, Imma Hillerich, Dr. Jeanette Hofmann, Dr. Rahel Jaeggi, Pico Jordan, Dr. Otto Kallscheuer, Bertram Keller, Sybille
Knapp, Dr. Felix Kolb, Dr. Regina Kreide, PD Dr. Georg Krücken, Prof. Dr. Rainer Kuhlen, Prof. Dr. Bernd Ladwig, Dr. Susanne Lan­
werd, Dr. Reinhard Loske, Dr. Willfried Maier, Nicole Maisch, Christoph Meertens, Prof. Dr. Christoph Menke, Johannes Moes, Gero
Neugebauer, Prof. Dr. Frank Nullmeier, Dr. Ralph Obermauer, Prof. Dr. Offe, Arnd Pollamann, Dr. Andreas Poltermann, Prof. Dr. U. K.
Preuß, Prof. Dr. Lothar Probst, Prof. Dr. Dr. F. J. Radermacher, Ulrike Riedel, Manuela Rottmann, Dieter Rulff, Krista Sager, Prof. Dr.
Thomas Saretzki, Manuel Sarrazin, Prof. Dr. Birgit Sauer, Joscha Schmierer, PD Dr. Thomas Schramme, Dr. Christine Schwarz, Peter
Siller, PD Dr. Rudolf Speth, Dr. Tine Stein, Rena Tangens, Dr. Ellen Ueberschär, Sybille Volkholz, Matthias Wagner, Prof. em. Helmut
Wiesenthal
Fachbeirat Nord-Süd Dr. Muriel Asseburg, Prof. Dr. Marianne Braig, Dr. Achim Brunnengräber, Prof. Dr. Tobias Debiel, Prof. Dr. Ulf
Engel, Sonja Grigat, Thilo Hoppe, Ingrid Hoven, Sebastian Kasack, Lotte Leicht, Sabine Meyer, Dr. Roger Peltzer, Prof. Dr. Shalini
Randeria, Wolfgang Schmitt, Dr. Imme Scholz, Dr. Karl-Heinz Stecher
Fachbeirat Europa / Transatlantik Juan Behrend, Reinhard Bütikofer, Dr. Ulrike Guérot, Milan Horác´ek, Joost Lagendijk, Dr. Helmut
Lippelt, Brigitte Luggin, Ulrike Lunacék, Ludwig Mehlhorn, Edith Müller, Winfried Nachtwei, Susanne Nies, Marc Oliver Pahl, Stefanie
Schiffer, Joscha Schmierer, Dr. Ulrich Schneckener, Dr. Michaele Schreyer, Jan Seifert, Dr. Jaroslav Šonka, Rainder Steenblock, Dr.
Elisabeth Weber
Fachbeirat Studienwerk Theresia Bauer, Prof. Dr. Timm Beichelt, Prof. Dr. Michael Daxner, Kai Gehring, Ulrike Gote, Prof. Dr. Uta
Klein, Prof. Dr. Gerhard Kockläuner, Prof. Dr. Hans J. Lietzmann, Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl, Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel, PD
Dr. Peer Pasternack, Dr. Simone Schwanitz
Stipendiatische Vertreter/innen Umair Bin Anwaar Qureshi, Judith Lebiger-Vogel

Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten

65

Vertrauensdozentinnen

und Vertrauensdozenten

Augsburg Dr. Stefan Böschen, Universität Augsburg
Bamberg Prof. Dr. Rainer Drewello, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Bayreuth Dr. Erdmute Alber, Universität Bayreuth; Prof. Dr. Bernd Müller-Jacquier, Universität Bayreuth
Berlin Prof. Dr. Susanne Baer, LL.M., Humboldt-Universität zu Berlin; Prof. Dr. Beate Binder, Humboldt Universität zu Berlin; Dr.
Achim Brunnengräber, Freie Universität Berlin; Prof. Dr. María do Mar Castro Varela, Alice Salomon Fachhochschule Berlin; Dr.
Sergio Costa, Freie Universität Berlin; Prof. Dr. Hansjörg Dilger, Freie Universität Berlin; Prof. Dr. Kerstin Dörhöfer, Universität der
Künste Berlin; PD Dr. Angelika Ebrecht-Laermann, Sigmund-Freud-Institut; Prof. Dr. Trevor Evans, Fachhochschule Wirtschaft Berlin;
Dr. Karin Fiege, Humbold Universität zu Berlin; Prof. Dr. Barbara Fritz, Freie Universität Berlin; Dr. Katrin Grüber, Institut Mensch,
Ethik und Wissenschaft Berlin; Dr. Sigrid Haase, Universität der Künste Berlin; Prof. Dr. Cilja Harders, Freie Universität Berlin; PD Dr.
Susanne Heim, Institut für Zeitgeschichte Edition Judenverfolgung; Dr. Dagmar Heymann*; Christian Hochfeld, Öko-Institut e.V.; PD
Dr. Elke Holst, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung; Dr. Michi Knecht, Humboldt-Universität zu Berlin; Dr. Marianne Kriszio,
Humboldt-Universität zu Berlin; Prof. Dr. Dorothea Kübler, Technische Universität Berlin; Prof. Dr. Bernd Ladwig, Freie Universität
Berlin; Dr. Angela Lammert, Akademie der Künste; Dr. Corinna Langelotz, Charité-Universitätsmedizin Berlin; Prof. Dr. Bernd Lutter­
beck, Technische Universität Berlin; Prof. Dr. Birgit Mahnkopf, Fachhochschule für Wirtschaft Berlin; Prof. Dr. Romy Morana, Fach­
hochschule für Wirtschaft und Technik Berlin; PD Dr. Danyel Reiche, Freie Universität Berlin; Dr. Rosalinde Sartorti, Freie Universität
Berlin; Prof. Dr. Elvira Scheich, Technische Universität Berlin; Prof. Dr. Dorothea Schmidt, Fachhochschule für Wirtschaft Berlin; Dr.
habil. Annedore Schulze*; Dr. Johannes Siemens; Dr. Eva Sternfeld*; Mg. Elzbieta Sternlicht, Universität der Künste Berlin; Prof. Dr.
Roderich Süßmuth, Technische Universität Berlin; Günter Unterburger*; Prof. Dr. Christina von Braun, Humboldt-Universität zu Ber­
lin; Dr. Gabriele Wohlauf, Deutsches Technikmuseum
Bielefeld Prof. Dr. Klaus Dammann, Universität Bielefeld; Prof. Dr. Anke Fesenfeld, Fachhochschule der Diakonie Bielefeld; Prof. Dr.
Cornelia Giebeler, Fachhochschule Bielefeld; Dr. Paul Mecheril, Universität Bielefeld; Prof. Dr. Ursula Müller, Universität Bielefeld; Dr.
Marlene Müller, Universität Bielefeld
Bochum PD Dr. Beate Fieseler, Ruhr-Universität Bochum; Prof. Dr. Ilse Lenz, Ruhr-Universität Bochum; Prof. Dr. Lieselotte Stein­
brügge, Ruhr-Universität Bochum
Bonn Prof. Dr. Andreas Pangritz, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität
Braunschweig Prof. Dr. Bettina Wahrig, Technische Universität Carolo-Wilhelmina Braunschweig
Breitenbrunn Dr. Christel Walter, Staatliche Studienakademie Breitenbrunn
Bremen Prof. Dr. Klaus Boehnke, Jacobs University Bremen; Prof. Dr. LL.M.M.A. Felix Ekardt, Universität Bremen; Prof. Dr. Julia­
ne Filser, Universität Bremen; Prof. Dr. Karin Gottschall, Universität Bremen; Prof. Dr. Elfriede Löchel, Universität Bremen; Prof. Dr.
Frank Nullmeier, Universität Bremen; Prof. Dr. Konstanze Plett, LL.M., Universität Bremen; Prof. Dr. Heinz-Peter Preußer, Universi­
tät Bremen; Prof. Dr. Lothar Probst, Universität Bremen
Chemnitz Prof. Dr. Cecile Sandten, Technische Universität Chemnitz; Prof. Dr. Günter Voß, Technische Universität Chemnitz
Coburg Prof. Dr. Gaby Franger-Huhle, Fachhochschule Coburg
Cottbus Prof. Dr. Marie-Theres Albert, Brandenburgische Technische Universität Cottbus
Darmstadt Prof. Dr. Marlies Fröse, Evangelische Fachhochschule Darmstadt; Prof. Dr. Beate Krais, Technische Universität Darmstadt
Dortmund Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel, Universität Dortmund
Dresden Prof. Dr. Udo Becker, Technische Universität Dresden; Prof. Dr. Birgit Benkhoff, Technische Universität Dresden; Prof. Dr.
Lothar Böhnisch, Technische Universität Dresden; Annemarie Müller, M.A., Ökumenisches InformationsZentrum; Prof. Dr. Johannes
Rohbeck, Technische Universität Dresden; Prof. Dr. Bernhard Schlag, Technische Universität Dresden; Prof. Dr. Gerd Schwerhoff, Tech­

nische Universität Dresden
Düsseldorf Prof. Dr. Simone Dietz, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Dr. Michaela Kuhnhenne, Hans-Böckler-Stiftung
Düsseldorf
Duisburg Prof. Dr. Thomas Heberer, Universität Duisburg-Essen
Eberswalde Prof. Dr. Hans Peter Benedikt, Fachhochschule Eberswalde; Prof. Dr. Pierre Ibisch, Fachhochschule Eberswalde
Erfurt Prof. Dr. Jamal Malik, Universität Erfurt; Prof. Dr. Theresa Wobbe, Universität Erfurt
Erlangen Prof. Dr. Andrea Pagni, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; Prof. Dr. Christoph Pflaum, Friedrich-Alexan­
der-Universität Erlangen-Nürnberg; Dr. Gerd Sebald, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Essen Dr. Christine Hatzky, Universität Duisburg-Essen; Dr. Karen Jaehrling, Universität Duisburg-Essen; Prof. Dr. Anne Schlüter,
Universität Duisburg-Essen
Esslingen Prof. Dr. Birgit Meyer, Hochschule Esslingen
Flensburg Prof. Dr. Gerd Grözinger, Universität Flensburg; Prof. Dr. Martina Weber, Universität Flensburg

66

Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten

Frankfurt a. M. Prof. Dr. Ursula Apitzsch, Johann Wolfgang Goethe-Universität; Prof. Dr. Margrit Brückner, Fachhochschule Frank­
furt am Main; Prof. Dr. Rainer Forst, Johann Wolfgang Goethe-Universität; Dr. Regina Kreide, Johann Wolfgang Goethe Universität;
Prof. Dr. Helma Lutz, Johann Wolfgang Goethe Universität; Dr. Andreas Nölke, Johann Wolfgang Goethe-Universität; Prof. Dr. Uta
Ruppert, Johann Wolfgang Goethe-Universität; Prof. Dr. Susanne Schröter, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Frankfurt/Oder Prof. Dr. Timm Beichelt, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder); Janine Nuyken, Europa-Universität Viadrina

Frankfurt (Oder)
Freiburg i. B. Prof. Dr. Elisabeth Cheauré, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau; Prof. Dr. Reinhard Markowetz, Katholi­
sche Fachhochschule Freiburg; Prof. Dr. Britta Schinzel, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau; Prof. Dr. Carla Rosendahl*
Gießen PD Dr. Jörn Ahrens, Justus-Liebig-Universität Gießen; Prof. Dr. Adalbert Evers, Justus-Liebig-Universität Gießen; Prof. Dr.
Marianne Friese, Justus-Liebig-Universität Gießen
Göttingen Dr. Sabine Horn, Georg-August-Universität Göttingen; Prof. Dr. Michael M. Kochen, Georg-August-Universität Göttingen;
Prof. Dr. Nicolai Miosge, Georg-August-Universität Göttingen; Prof. Dr. Ilona Ostner, Georg-August-Universität Göttingen; Dr. Ulrich
Schwardmann, Georg-August-Universität Göttingen; PD Dr. Thorsten Unger, Georg-August-Universität Göttingen
Greifswald Prof. Dr. Hubertus Buchstein, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald; PD Dr. Dr. habil. Mariacarla Gadebusch Bondio,
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald; Prof. Dr. Konrad Ott, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Halle/Saale Prof. Dr. Thomas Bremer, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Dr. Karamba Diaby, Jugendwerkstatt Frohe Zu­
kunft Halle-Saalkreis e.V.; Prof. Dr. Gesine Foljanty-Jost, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Prof. Dr. Thomas Hauschild,
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Prof. Dr. Isabell Hensen, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Prof. Frithjof
Meinel, Hochschule für Kunst und Design Halle; Prof. Dr. Werner Nell, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Prof. Dr. Thomas
Olk, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Prof. Dr. Ursula Rabe-Kleberg, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Prof.
Dr. Pia Schmid, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Hamburg Prof. Dr. Andrea Blunck, Universität Hamburg; Dr. Nina Feltz, Universität Hamburg; Dr. Irmtraut Gensewich, Universität
Hamburg; Dr. Karin Hörner, Universität Hamburg; Trudel Karcher, Universität Hamburg; Prof. Dr. Yolanda M. Koller-Tejeiro, Hoch­
schule für Angewandte Wissenschaften Hamburg; Dr. Werner Konitzer, Hamburger Institut für Sozialforschung; Prof. Dr. Ursula Neu­
mann, Universität Hamburg; Dr. Bettina Paul, Universität Hamburg; Dr. Kai-Uwe Schnapp, Universität Hamburg; Dr. Corinna VoigtKehlenbeck, Gender Institut Hamburg/Steinkimmen/Oldenburg; Prof. Dr. Wolfram Weiße, Universität Hamburg
Hannover Susanne Eser, Büro für kulturelle Unvernunft. Kunst-Forschung-Wissenschaft; Prof. Dr. Gudrun-Axeli Knapp, Gottfried-Wil­
helm-Leibniz-Universität Hannover; Prof. Dr. Bettina Oppermann, Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover; Prof. Dr. Brigitte
Reinwald, Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover
Heidelberg Dr. Hüseyin Aguicenoglu, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Prof. Dr. Susanne Enderwitz, Universität Heidelberg; Dr.
Dorothea Fischer-Hornung, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Prof. Dr. Frauke Gewecke, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg;
Prof. Dr. Jekatherina Lebedewa, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Dr. Steffen Sigmund, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Hildesheim Dr. Waltraud Ernst, HAWK FH Hildesheim/Holzminden; Prof. Dr. Leonie Wagner, Hochschule für angewandte Wissen­

schaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen
Hoppstädten Prof. Dr. Peter Heck, Fachhochschule Trier, Hoppstädten
Ilmenau Prof. Dr.-Ing. Johann Reger, TU Ilmenau
Jena Prof. Dr. Wolfgang Behlert, Fachhochschule Jena; Dr. phil. Stephan Lorenz, Friedrich-Schiller-Universität Jena; Prof. Dr. Tho­
mas Sauer, Fachhochschule Jena
Jerusalem Prof. Yfaat Weiss, The Hebrew University of Jerusalem
Karlsruhe Jun. Prof. Dr. Havva Engin, Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Kassel Prof. Dr. Wolfgang Jonas, Universität Kassel; Dr. Ulrike Loch, Universität Kassel; Prof. Dr. Clarita Müller-Plantenberg, Univer­
sität Kassel; Dr. Renate Ruhne, Universität Kassel; Prof. Dr. Christoph Scherrer, Universität Kassel; Dr. Helen Schwenken, Universität

Kassel
Kiel Prof. Dr. Uta Klein, Fachhochschule Kiel; Prof. Dr. Gerhard Kockläuner, Fachhochschule Kiel
Köln Dr. Elke Beduhn, Rechtsanwälte Decruppe & Kollegen; Prof. Dr. Boris Braun, Universität zu Köln; Prof. Dr. Ursula Bredel,
Universität zu Köln; Prof. Dr. Wolf-Dietrich Bukow, Universität zu Köln; Prof. Dr. Cornelius Nestler, Universität zu Köln; Dr. Gerda
Schüler, Universität zu Köln
Konstanz Prof. Dr. Rainer Kuhlen, Universität Konstanz; Dr. Oliver Trevisiol, Universität Konstanz
Landau Heide Gieseke, Universität Koblenz-Landau
Leipzig Dr. Christa Grimm, Universität Leipzig; Prof. Dr. Frank Liedtke, Universität Leipzig; Dr. Regina Metze, Universität Leipzig;
Prof. Dr. Ilse Nagelschmidt, Universität Leipzig; Prof. Dr. Stefan Troebst, Universität Leipzig
London Dr. Helga Satzinger, University College London
Lüneburg Anne Dudeck, Universität Lüneburg; Prof. Dr. Sabine Hofmeister, Universität Lüneburg; Prof. Dr. Maria-Eleonora Karsten,
Universität Lüneburg; Prof. Dr. Gerda Lischke, Universität Lüneburg
Magdeburg Prof. Dr. Gerald Warnecke, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg
Mainz Prof. Peter Kiefer, Johannes Gutenberg-Universität Mainz; Prof. Dr. Wolfgang Riedel, Johannes Gutenberg-Universität Mainz;
Prof. Dr. Harald Schleicher, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Mannheim Prof. Dr. Bernhard Ebbinghaus, Universität Mannheim

Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten

67

Marburg Prof. Dr. Susanne Maurer, Philipps-Universität Marburg; Dr. Sabine Toppe, Philipps-Universität Marburg
Merseburg Prof. Dr. Wolfgang Berg, Hochschule Merseburg
München Prof. Dr. Helga Bilden*; Prof. Dr. Constance Engelfried, Hochschule München; Dr. Gabriele Hooffacker, Journalistenakade­
mie; Dr. Isabel Richter, Ludwig-Maximilians-Universität München; Walter Sehrer, M.A., Münchner Projektgruppe für Sozialforschung;
Prof. Dr. Carmen Tatschmurat, Katholische Stiftungsfachhochschule München
Neubiberg Prof. Dr. Franz Kohout, Universität der Bundeswehr Neubiberg
Neuss Angela Wagner*
Nürnberg Dr. Heidi Hofmann, Ev. Fachhochschule Nürnberg
Oldenburg Prof. Dr. Gesa Lindemann, Universität Oldenburg; Prof. Dr. Bernd Siebenhüner, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg;
Prof. Dr. Silke Wenk, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Paderborn Prof. Dr. Michael Hofmann, Universität Paderborn
Passau Prof. Dr. Siegfried Graf, Universität Passau
Potsdam Prof. Dr. Joachim Gessinger, Universität Potsdam; Prof. Dr. Erhard Stölting, Universität Potsdam; Prof. Dr. Kerstin Stutter­
heim, Hochschule für Film und Fernsehen «Konrad Wolf» Potsdam-Babelsberg
Rostock Prof. Dr. Peter A. Berger, Universität Rostock; Dr. Gudrun Heinrich, Universität Rostock; Dr. Heike Kahlert, Universität Ros­
tock; Prof. Dr. Hans-Jürgen von Wensierski, Universität Rostock
Saarbrücken Prof. Dr. Holger Buck, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes; Prof. Dr. Klaus Kraimer, Hochschule für
Technik und Wirtschaft des Saarlandes; Dr. Christine Schwarz, Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) e.V.
Stuttgart Dr. Ralph O. Schill, Universität Stuttgart
Trier PD Dr. Michael Schönhuth, Universität Trier
Tübingen Prof. Dr. Gabriele Abels, Universität Tübingen; Prof. Dr. Regine Gildemeister, Eberhard-Karls-Universität Tübingen; Dr. Ka­
rin Widmayer*
Ulm Prof. Dr. Franziska Lamott, Universität Ulm
Utrecht Dr. Christoph Baumgartner, University of Utrecht
Wien PD Dr. Cornelia Klinger, Institut für die Wissenschaften vom Menschen; Prof. Dr. Helmut Lethen, Internationales Forschungszen­

trum Kulturwissenschaften Wien
Wiesbaden Prof. Dr. Silvia Kontos, Fachhochschule Wiesbaden; Dr. Renate Niekant*; Prof. Dr. Oja Eleonore Ploil, Fachhochschule

Wiesbaden
Wismar Prof. Dr. Jost Kramer, Hochschule Wismar, University of Technology, Business and Design
Witten Prof. Dr. Martin Schnell, Private Universität Witten/Herdecke
Wuppertal Prof. Dr. Hans J. Lietzmann, Bergische Universität Wuppertal; Dr. Gertrud Oelerich, Bergische Universität Wuppertal
Zürich Dr. Sabine Höhler, ETH Zürich
* keine Hochschulangaben

Mitglieder der Auswahlkommission des Studienwerks der Heinrich-Böll-Stiftung
Prof. Dr. Christine Bauhardt
Prof. Dr. Timm Beichelt
Prof. Dr. Klaus Boehnke
Dr. Manuela Böhm
Paula Bradish
Prof. Dr. Margrit Brückner
Dr. Stephan Bundschuh
Dr. Ralph Bürk
Prof. Dr. María do Mar Castro Varela
Dr.
Christoph Cebulla
Dr. Christian Chua
Dr. Karamba Diaby
Prof. Dr. Hansjörg Dilger
Dr. Frieder Dittmar
San­
dra Dümer
Prof. Dr. Christel Eckart
Dr. Waltraud Ernst
Prof. Dr. Albert Evers
Prof. Dr. Anke Fesenfeld
Prof.
Dr. Juliane Filser
Dr. Gernot Folkers
Prof. Dr. Birgit Geissler
Prof. Dr. Joachim Gessinger
Prof. Dr. Gerd Grözinger
Dr. Katrin Grüber
Dr. Ines Hartwig
Prof. Dr. Sabine Hofmeister
Dr. Gisela Holfter
Dr. Gabriele Hooffacker
Michael Jainzik
Dr. Uta Klein
Prof. Dr. Claudia Kraft
Prof. Dr. Dorothea Kübler
Prof. Dr. Margitta KunertZier
Dr. Carmen Leicht-Scholten
Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl
Dr. Alexandra Lübcke
PD Dr. Margreth Lünen­
borg
Lilian Marx-Stölting
Prof. Dr. Paul Mecheril
Dr. Birgit Möller
Janine Nuyken
Prof. Dr. Bettina Opper­
mann
Prof. Dr. Wolfgang Riedel
Prof. Dr. Christoph Scherrer
Prof. Dr. Joachim Schulze
Dr. Christine Schwarz
Judith Strohm
Prof. Dr. Kerstin Stutterheim
Dr. Ulrike Stutz
Prof. Dr. Caja Thimm
Prof. Dr. Stefan Troebst
Prof. Dr. Gerald Warnecke
Prof. Dr. Martina Weber
Prof. Dr. Yfaat Weiss
Prof. Dr. Hans-Jürgen von Wensierski
PD Dr. Dorothee Wierling
Dr. René Wildangel
Prof. Dr. Theresa Wobbe

68

Adressen

Adressen

Stand: April 2009
Heinrich-Böll-Stiftung

Archiv Grünes Gedächtnis

Schumannstraße 8
10117 Berlin
T 030-28 53 40 F 030-28 53 41 09
E info@boell.de W www.boell.de

Eldenaer Straße 35
10247 Berlin
T 030-285 34-260 F 030-285 34-52 60
E archiv@boell.de

Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung
Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg e.V.

Stiftung Leben und Umwelt Niedersachsen

Rieckestraße 26, 70190 Stuttgart
T 0711-26 33 94 10 F 0711-26 33 94 19
E info@boell-bw.de W www.boell-bw.de

Warmbüchenstraße 17, 30159 Hannover
T 0511-301 85 70 F 0511-301 85 714
E info@slu-boell.de W www.slu-boell.de

Petra-Kelly-Stiftung – Bildungswerk für Demokratie
und Ökologie in Bayern e.V.

Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen

Reichenbachstraße 3a, 80469 München
T 089-24 22 67 30 F 089-24 22 67 47
E info@petra-kelly-stiftung.de W www.petra-kelly-stiftung.de

Huckarder Straße 12, 44147 Dortmund
T 0231-914 40 40 F 0231-91 44 04 44
E info@boell-nrw.de W www.boell-nrw.de
Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz

Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.

Kottbusser Damm 72, 10967 Berlin
T 030-612 60 74 F 030-618 30 11
E info@bildungswerk-boell.de W www.bildungswerk-boell.de

Martinstr. 2, 55116 Mainz
T 06131-90 52 60 F 06131-90 52 69
E mainz@boell-rlp.de W www.boell-rlp.de
Heinrich-Böll-Stiftung Saar e.V.

Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg

Dortusstraße 30, 14467 Potsdam
T 0331-280 07 86 F 0331-29 20 92
E organisation@boell-brandenburg.de
W www.boell-brandenburg.de
Heinrich-Böll-Stiftung Bremen

Plantage 13, 28215 Bremen
T 0421-35 23 68 F 0421-35 23 89
E ruedel.boell@arcor.de W www.boell-bremen.de

Talstraße 56, 66119 Saarbrücken
T 0681-58 35 60 F 0681-58 35 36
E boell.stiftung@t-online.de
Bildungswerk Weiterdenken in der Heinrich-Böll-Stiftung

Schützengasse 18, 01067 Dresden
T 0351-494 33 11 F 0351-494 34 11
E info@weiterdenken.de W www.weiterdenken.de
Heinrich-Böll-Stiftung in Sachsen-Anhalt e.V.

Umdenken – Politisches Bildungswerk
Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg

Leipziger Straße 36, 06108 Halle
T 0345-202 39 27 F 0345-202 39 28
E info@boell-sachsen-anhalt.de W www.boell-sachsen-anhalt.de

Max-Brauer-Allee 116, 22765 Hamburg
T 040-389 52 70 F 040-380 93 62
E info@umdenken-boell.de W www.umdenken-boell.de

Bildungswerk «Anderes Lernen» – Heinrich-Böll-Stiftung
Schleswig-Holstein

Heinrich-Böll-Stiftung Hessen

Niddastraße 64, 60329 Frankfurt a. M.
T 069-23 10 90 F 069-23 94 78
E info@hbs-hessen.de W www.hbs-hessen.de
Bildungswerk Mecklenburg-Vorpommern in der
Heinrich-Böll-Stiftung

Mühlenstraße 9, 18055 Rostock
T 0381-492 21 84 F 0381-492 21 56
E post@boell-mv.de W www.boell-mv.de

Medusastraße. 16, 24143 Kiel
T 0431-906 61 30 F 0431-906 61 34
E info@boell-sh.de W www.boell-sh.de
Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen

Trommsdorffstraße 5, 99084 Erfurt
T 0361-555 32 57 F 0361-555 32 53
E info@boell-thueringen.de W www.boell-thueringen.de

69

Adressen

Auslandsbüros der Heinrich-Böll-Stiftung
Afrika
Regionalbüro Ostafrika/Horn von Afrika

Heinrich Böll Foundation, Forest Road
P.O. Box 10799-00100, GPO Nairobi, Kenia
T +254-20-374 42 27/375 03 29 F +254-20-374 91 32
E nairobi@hbfha.com W www.hbfha.com
Landesbüro Nigeria

Heinrich Böll Foundation
16 A, Diya Oladipo Crescent, 2nd Ave. Extension
S.W. Ikoyi, Lagos
T +234-1-472 14 65
E info@boellnigeria.org W www.boellnigeria.org
Regionalbüro Südliches Afrika

Heinrich Böll Foundation
The Avalon Building
123 Hope Street, Gardens, 8001 Cape Town, Südafrika
T +27-21-461 62 66 F +27-11-447 44 18
E info@boell.org.za W www.boell.org.za
Landesbüro Äthiopien

Heinrich Böll Foundation
Off Bole Medhanealem, House no 2264
P.O. Box Number 3174, Code 1250, Addis Abeba, Äthiopien
T +251-1-663 11 00 F +251-1-618 54 88
E info@hbf.addis.org.et

Landesbüro Afghanistan

Heinrich Böll Foundation, Qala-e-Fathullah,
Street 1, House Nr. 25, Kabul, Afghanistan
T +93-799-492 458
E bente.scheller@hbfasia.org W www.boell-afghanistan.org
Landesbüro China

Heinrich Böll Foundation
8, Xinzhong Xijie, Gongti Beilu
Asia Hotel, Office Building No. 309, 100027 Beijing, China
T +86-10-66 15 46 15-0 F +86-10-66 15 46 15-102
E info@boell-china.org W www.boell-china.org
Europa
Regionalbüro Europäische Union

Heinrich Böll Foundation, Rue d'Arlon 15, B–1050 Bruxelles
T +32-2-743 41 00 F +32-2-743 41 09
E brussels@boell.be W www.boell.be
Regionalbüro Ost-/Mitteleuropa (Warschau)

Fundacja Heinricha Bölla
ul. Zurawia 45 00-680 Warszawa, Polen
T +48-22-594 23-33 F +48-22-594 23-37
E hbs@boell.pl W www.boell.pl
Regionalbüro Ost-/Mitteleuropa (Prag)

Asien

Zastoupeni Heinrich-Böll-Stiftung v Ceske republice
Spálená 23,(Eingang Spálená 21)
CZ – 110 00 Praha 1, Tschechien
T +420-251 81 41 73 F +420-251 81 41 74
E info@boell.cz

Regionalbüro Pakistan/Afghanistan

Landesbüro Ukraine

Heinrich Böll Foundation, 76-B, Nisar Road, House 76-B
Lahore-54800, Pakistan
T +92-42-666 63 22 F +92-42-666 48 99
E gregor.enste@hbfasia.org W www.hbfasia.org

Heinrich-Böll-Stiftung
wul. Antonowytscha (Gorkogo) 37/13, Büro 10
03150 Kiew, Ukraine
T +38044 390 70 78 F +38044 287 56 50
E savin@boell.org.ua

Regionalbüro Südostasien

Heinrich Böll Foundation, 91/9 Mu 14, Ban Mai Lang
Mor Soi 1, Suthep Road, 50200 Chiang Mai, Thailand
T +66-53-81 04 30-2 F +66-53-81 01 24
E sea@hbfasia.org W www.hbfasia.org
Landesbüro Kambodscha

Heinrich Böll Foundation, House No. 34, Street 222
Sangkat Benng Raing, Khan Dann Penh
Phnom Penh, Kambodscha
T +855 23 210 535 F +855 23 216 482
E seidel@hbfasia.org

Landesbüro Türkei

Heinrich-Böll-Stiftung, Inönü Cad. Haci
Hanim Sok. No. 10/12
34439 Gümüssuyu – Istanbul, Türkei
T +90-212-249 15 54 F +90-212-252 31 36
E info@boell-tr.org W www.boell-tr.org
Landesbüro Russland

Heinrich Böll Foundation, Grusinskij Pereulok 3-231,
RU 123056 Moskau, Russland
T +7-495-254 14 53 F +7-495-935 80 14
E info@boell.ru W www.boell.ru

Landesbüro Indien

Heinrich Böll Foundation,
C – 20, 1st Floor, Qutub Institutional Area,
New Delhi 110016, Indien
T +91-11-2685 4405 F +91-11-2651 6695
E india@hbfasia.org W www.boell-india.org

Regionalbüro Südkaukasus

Heinrich Böll Foundation
38, Zovreti Str., 0160 Tbilisi, Georgien
T +995-32-380 467 F +995-32-91 28 97
E info@boell.ge W www.boell.ge

70

Adressen

Regionalbüro Südosteuropa

Regionalbüro Mittlerer Osten

Fondacija Heinrich Böll
Dobracina 43, 11 000 Belgrad, Serbien
T +381-11-30 33 833 F +381-11-21 800 49
E hbs-bgd@hbs.rs W www.fondacija-boell.eu

Heinrich Böll Foundation, 266, Rue Gouraud,
Gemmayzeh, Beirut, Libanon
P.O. Box 175510, Gemmayzeh, Beirut, Libanon
T +961-1-56 29 26 F +961-1-56 29 78
E boell@terra.net.lb W www.boell-meo.org

Landesbüro Bosnien und Herzegowina

Fondacija Heinrich Böll, Cekalusa 42
71000 Sarajevo, Bosnien und Herzegowina
T +387-33-260 450 F +387-33-260 460
E h.boell@bih.net.ba

Regionalbüro Arabischer Naher Osten

Heinrich Böll Foundation, Tal az-Zaatar St. 6, Ramallah
Palestine, P.O. Box 2018 Ramallah, Palästina
T +972-2-296 11 21 F +972-2-296 11 22
E info@boell-ameo.org W www.boell-ameo.org

Landesbüro Kroatien

Fondacija Heinrich Böll, Berislaviceva 20
HR-10000 Zagreb, Kroatien
T +385-1-48 12 530 F +385 1 481 89 77
E hbskroatien@net.hr
Lateinamerika
Regionalbüro Brasilien

Fundação Heinrich Böll, Rua da Gloria 190, ap. 701
2024 1180 Rio de Janeiro – Gloria, Brasilien
T +55-21-32 21 99 00 F +55-21-32 21 99 22
E boell@boell.org.br W www.boell-latinoamerica.org
Regionalbüro Cono Sur

Fundación Heinrich Böll,
Avenida Francisco Bilbao 882
Providencia
752-0063 Santiago de Chile, Chile
T +56-2-584 01 72 F +56-2-584 01 72-101
E info@boell.cl
Regionalbüro Mittelamerika/Mexiko /Karibik (Mexiko-Stadt)

Fundación Heinrich Böll, Calle José Alvarado No. 12
Colonia Roma Norte, Delegación Cuauhtémoc,
CP 06700, México, D.F., Mexiko
T +52-55-52 64 15 14 F +52-55-52 64 28 94
E asistente@boell-latinoamerica.org.mx
W www.boell-latinoamerica.org
Regionalbüro Mittelamerika/Mexiko/Karibik (San Salvador)

Fundación Heinrich Böll, Residencial Zanzibar,
Pasaje A-Oriente No. 24
San Salvador, El Salvador
T +503-22 74 68 12 F +503-22 74 69 32
E enlaces@boell.org.sv
W www.boell-latinoamerica.org
Naher Osten
Landesbüro Israel

Heinrich Böll Foundation, Nahalat Binyamin 24,
65162 Tel Aviv, Israel
T +972-3-516 77 34/35 F +972-3-516 76 89
E hbstl@boell.org.il W www.boell.org.il

Nordamerika
Regionalbüro Nordamerika

Heinrich Böll Foundation, Chelsea Gardens
1638 R Street, NW, Suite 120,
Washington, DC, 20009, USA
T +1-202-462 75 12 F +1-202-462 52 30
E info@boell.org W www.boell.org

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Fördern und Spenden

Fördern und Spenden

Wir danken unseren Förder/innen und Spender/innen!

Viele Menschen unterstützen die Heinrich-Böll-Stiftung durch ihre Mitgliedschaft im
Freundeskreis, durch Spenden, Patenschaften oder langfristige Partnerschaften. Auch
durch ehrenamtliche Tätigkeiten als Referent/innen, als Vertrauensdozent/innen oder als
Mitglied eines Beratungsgremiums helfen sie mit, unsere Ziele zu verwirklichen und unse­
re Bildungs- und Projektarbeit im In- und Ausland weiter zu entwickeln.

Werden Sie Pate oder Patin!

So können Sie die Heinrich-Böll-Stiftung unterstützen:

mit Ihrer Mitgliedschaft im Freundeskreis
Als Mitglied zahlen Sie einen Jahresbeitrag von 92 Euro, ermäßigt 46 Euro und
Schüler/Studierende 25 Euro. Sie erhalten den «Info-Brief» mit aktuellen Informa­
tionen über Aktivitäten der Stiftung und des Freundeskreises, zudem Einladungen zu
besonderen Veranstaltungen wie der Petra-Kelly-Preisverleihung. Unsere Mitglieder
haben die Möglichkeit, jährlich an einer politischen Begegnungsreise zu unseren Pro­
jektpartnern ins Ausland teilzunehmen.
mit Ihrer Spende oder Patenschaft für Künstler/innen im Heinrich-Böll-Haus
Sie ermöglichen damit internationalen Autor/innen und Künstler/innen einen Auf­
enthalt im Heinrich-Böll-Haus in Langenbroich, dem früheren Domizil des Schrift­
stellers. Dort konnten sie frei von ökonomischem oder politischem Druck ungestört
arbeiten. Den Spendenaufruf für das Stipendienprogramm unterstützen die Litera­
turnobelpreisträger Günter Grass und Imre Kertész.
mit einer langfristigen Partnerschaft
In der Broschüre «Spuren hinterlassen» geben wir sachliche Informationen rund um
die Themen Erben, Vererben, Stiften. Wir zeigen, wie Sie Partner oder Partnerin der
Heinrich-Böll-Stiftung werden können. Gemeinsam mit uns können Sie Ihre demo­
kratischen Ideale und Ihr politisches Engagement dauerhaft weiterführen und an die
nächste Generation weiterreichen. Gerne schicken wir Ihnen die Broschüre zu und
beantworten Ihre Fragen.

Günther Grass und Imre Kertész

Informationen:
Dr. Janina Bach
T 030-285 34-112 F -5112
E bach@boell.de W www.boell.de/freundeskreis

Beitrittserklärung: Absender/in

Postkarte
bitte mit 45c
freimachen

Name:
Vorname:
Institution/
Organisation:

● dienstlich

● privat

Anschrift
Straße:

Heinrich-Böll-Stiftung

PLZ/Ort:
E-Mail:
Telefon/Fax:
* Ihre Angaben werden gemäß dem Bundesdatenschutzgesetz streng vertraulich behandelt.

● Bitte schicken Sie mir Informationen über die Heinrich-Böll-Stiftung zu.
Datum/
Unterschrift:

Bitte auch die andere Seite ausfüllen!

Freundinnen und Freunde
Schumannstraße 8
10117 Berlin

72

Freundinnen und Freunde

Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung

Dr. Janina Bach
Koordinatorin des Freundeskreises
T 030-285 34-112 F -5112
E bach@boell.de
W www.boell.de/freundeskreis

Mechtild M. Jansen und Helga Metzner,
Koordinationsgremium des Freundeskreises

Begegnungsreise nach Irland im Frühjahr 2008

Die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung tragen dazu bei, die Selbständig­
keit der Stiftung und die Qualität ihrer Arbeit langfristig zu sichern. Mit ihren Mitglieds­
beiträgen unterstützen sie Menschenrechtsaktivisten und -aktivistinnen sowie kleinere
Kunst- und Kulturprojekte. Im Jahr 2008 gehörten 420 Personen dem Freundeskreis an,
vom Studenten bis zur Ruheständlerin, vom Freiberufler bis zur Professorin. Neben Ein­
ladungen zu Preisverleihungen der Stiftung erhielten die Mitglieder den vierteljährlichen
Infobrief, der über aktuelle Entwicklungen der Stiftungsarbeit und die Aktivitäten des
Freundeskreises informiert. Eine breite Palette an Veranstaltungen mit und für Freundin­
nen und Freunde der Stiftung bot ihnen die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu tre­
ten, politische Konzepte und Entwicklungen zu diskutieren und die Stiftungsarbeit näher
kennenzulernen.
Klimapolitischen Fragestellungen widmeten sich zwei Veranstaltungen mit Hans-Josef
Fell zur Nutzung erneuerbarer Energien und Max Schön zum Desertec-Konzept. Dieses
sieht vor, im Nahen Osten und in Nord-Afrika mit Hilfe von Solarthermischen Kraftwerken
und Windparks die Wasserentsalzung und Stromerzeugung voranzutreiben und den sau­
beren Strom dann mittels Hochspannungsleitungen in diese Länder und ab 2020 bis nach
Europa zu leiten.
Der Internationalen Zusammenarbeit war die Jahresversammlung des Freundeskreises
gewidmet. Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, stellte die Aktivitäten
der Stiftung in Afghanistan und ihre politischen und sicherheitspolitischen Rahmenbe­
dingungen dar. Die Podiumsdiskussion zu «Südafrikas Krisenmanagement auf dem Prüf­
stand» befasste sich mit den innen- und außenpolitischen Herausforderungen Südafrikas
im Zuge der fremdenfeindlichen Ausschreitungen im Land und der Vermittlungsbemühun­
gen Thabo Mbekis in Simbabwe.
Weitere Veranstaltungen mit Mitgliedern des Freundeskreises waren Robert Habecks
Buchvorstellung «Verwirrte Väter – oder wann ist der Mann ein Mann», das eine neue
Debatte über egalitäre Familienarbeit aus Sicht der Väter anstößt. Zudem begleitete der
Freundeskreis mit einer Podiumsdiskussion die Premiere des Dokumentarfilms «Shortcut
to justice» über Frauengerichte in Indien.
Auf den Spuren Heinrich Bölls wanderte der Freundeskreis in diesem Jahr bei seiner
einwöchigen Bildungsreise nach Irland. Sie führte zu Orten, die Heinrich Böll im Irischen
Tagebuch beschrieben hatte. Heinrich Böll gewidmet war auch die Einladung des Freun­
deskreises in René Bölls Atelier in Köln zu dem Vortrag «Schreiben als Beruf». In der
besonderen Atmosphäre des Ateliers konnten Einblicke in die sehr persönlichen Erinne­
rungen an den Schriftsteller Heinrich Böll und zugleich in die künstlerische Arbeit seines
Sohnes René Böll gewonnen werden.

Beitrittserklärung
Ich unterstütze die Ziele der Heinrich-Böll-Stiftung und erkläre meinen Beitritt zu den
Freundinnen und Freunden der Heinrich-Böll-Stiftung als (bitte ankreuzen):

Zahlungsweise

● Bankeinzug
Bitte buchen Sie den angekreuzten Betrag von ¤
bei Fälligkeit bis auf Widerruf von meinem Konto ab.

Mitglied

● mit dem Regelbeitrag von 92 ¤ im Jahr
● mit dem ermäßigten Jahresbeitrag für Geringverdienende von 46 ¤
● mit dem Jahresbeitrag von 150 ¤
● mit dem Jahresbeitrag von 300 ¤
● mit dem Jahresbeitrag von ¤
● mit dem Jahresbeitrag von 25 ¤ für Schülerinnen und Schüler, Studierende,
Erwerbslose und – auf Antrag – Menschen im Ruhestand
Institutionelles Mitglied (Unternehmen und Organisationen)

● mit einem Jahresbeitrag von 184 ¤
● mit einem Beitrag für Basisinitiativen von 92 ¤

Konto-Nr:
BLZ:
Geldinstitut:

Wenn mein Konto nicht ausreichend gedeckt ist, ist die Bank nicht verpflichtet, den Betrag
abzubuchen.

●

Überweisung

Den Betrag von ¤
habe ich auf das Konto bei der Bank für
Sozialwirtschaft BLZ 100 205 00 Konto-Nr. 307 67 02 überwiesen.

Ich werde nicht Mitglied, aber ich unterstütze die Heinrich-Böll-Stiftung
mit einer einmaligen Spende von

¤

Bitte auch die andere Seite ausfüllen!

●●●●●●●●●●
●●● ●●● ●●

Datum/
Unterschrift:

Impressum
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Redaktion:
Susanne Dittrich, Bernd Rheinberg
Umschlag: Tété Camille Azankpo, Stipendiat
im Heinrich-Böll-Haus Langenbroich: Ohne Titel / Metall, Holz (Ausschnitt)
Texte:
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Heinrich-Böll-Stiftung
Fotos: Archiv der
Heinrich-Böll-Stiftung sowie Ludwig Rauch (S. 3 o., 58), Bettina Keller (S. 3 u.), Indyact
(S. 7), Joachim Loch (S. 10, 22 u., 28, 29, 49), Clive Shirley/GlobalAware (S. 11), Vik­
tor Kogan-Yasny (S. 16), Gregor Enste (S. 20), Amnon Rauchmann (S. 30 o.), Rahman
Satti Kuijpers (38, 39), Marco Lohrbach (S. 41), Volker Wilke (S. 46 u.), Photogräphin/
Manuela Schneider (S. 48 u., 57), Monika Hoegen, Kölner Stadt-Anzeiger (S. 52, Mus­
hekwe), Gürcan Öztürk (S. 52, Erdogan), Schloemer-Gruppe (S. 52, Mwanza und Azank­
po), Uschi Dresing (S. 55), Rolf Walter/Xpress (S. 56 o.), Sybille von Carnap (S. 72)
Gestaltung: blotto, Berlin
Papier: Umweltfreundlich, chlorfrei gebleicht
Auflage 3.750
Stand: 1. Mai 2009
Dieser Bericht ist kostenlos erhältlich
bei der Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin T 030–285 34–0
F 030–285 34–109 E info@boell.de W www.boell.de

Die Heinrich-Böll-Stiftung mit Sitz in Berlin-Mitte, gegenüber Bildungsarbeit und als Ausdrucksform gesellschaftlicher Selbstver­
dem Deutschen Theater, ist eine politische Stiftung und steht der Partei ständigung.
Im Jahr 2008 vergab das Studienwerk der Hein­
Bündnis 90/Die Grünen nahe. Die Stiftung versteht sich als Agentur rich-Böll-Stiftung 249 Stipendien an Studierende und Promovenden
für grüne Ideen und Projekte, als reformpolitische Zukunftswerkstatt neu.
Die Mitgliederversammlung, bestehend aus 49 Personen,
und internationales Netzwerk mit über 100 Partnerprojekten in rund ist das oberste Beschlussfassungsorgan und wählt u. a. den Vorstand.
60 Ländern. Sie kooperiert mit 16 Landesstiftungen in allen Bundes­
Den hauptamtlichen Vorstand bilden z. Zt. Ralf Fücks und Bar­
ländern.
Heinrich Bölls Ermutigung zur zivilgesellschaftlichen bara Unmüßig. Die Geschäftsführung hat Dr. Birgit Laubach inne.
Einmischung in die Politik ist Vorbild für die Arbeit der Stiftung. Ihre
Die Satzung sieht für die Organe der Stiftung und die hauptamt­
vorrangige Aufgabe ist die politische Bildung im In- und Ausland zur lichen Stellen eine Quotierung für Frauen sowie für Migrantinnen und
Förderung der demokratischen Willensbildung, des gesellschaftspoli­ Migranten vor.
Zur Zeit unterhält die Stiftung Auslandsbüros in
tischen Engagements und der Völkerverständigung. Dabei orientiert Brüssel, in Polen, Tschechien, der Türkei, Russland, Georgien, Ukra­
sie sich an den politischen Grundwerten Ökologie, Demokratie, Soli­ ine, Bosnien, Serbien, Kroatien, Israel, Libanon, dem Arabischen Na­
darität und Gewaltfreiheit.
Ein besonderes Anliegen ist ihr die hen Osten, Äthiopien, Kenia, Nigeria, Südafrika, Thailand, Kambod­
Verwirklichung einer demokratischen Einwanderungsgesellschaft scha, Pakistan, Indien, Afghanistan, China, Brasilien, Chile, Mexiko,
sowie einer Geschlechterdemokratie als eines von Abhängigkeit und El Salvador und in den USA.
Im Jahr 2008 standen der Stif­
Dominanz freien Verhältnisses der Geschlechter.
Darüber hinaus tung rund 45 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln zur Verfügung.
fördert die Stiftung Kunst und Kultur als Element ihrer politischen

Heinrich-Böll-Stiftung – Die grüne politische Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin
T 030–28 53 40 F 030–28 53 41 09 E info@boell.de W www.boell.de
        
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