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Periodical volume

Full text: Jahresbericht ... Issue 2002

Jahresbericht 2002

Impressum
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Redaktion: Susanne Dittrich, Bernd Rheinberg
Texte: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung
Dieser Bericht ist kostenlos erhältlich bei der Heinrich-Böll-Stiftung,
Hackesche Höfe, Rosenthaler Straße 40/41, 10178 Berlin, Telefon 030-285340, Fax 030-28534-109, E-mail: info@boell.de, Internet: www.boell.de

INHALT
Vorwort des Vorstandes....................................... 5
NACHHALTIGE ENTWICKLUNG, GLOBALISIERUNG UND INTERNATIONALE
STRUKTURPOLITIK.............................................. 9
Der Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg,
vom 26. August bis 4. September 2002......................... 9
Gender Budgets, Finanzmärkte und Entwicklungsfinanzierung –
internationale Konferenz am 19. und 20. Februar 2002 in Berlin
............................................................ 13
Diane Elson: „Geschlechtergerechtigkeit durch GenderBudgeting?“ – Textauszug.................................... 15
Entwicklungsfinanzierung.................................... 16
Das Projektpartnertreffen der Heinrich-Böll-Stiftung in Rio de
Janeiro..................................................... 18
Petra-Kelly-Stiftung: Globalisierung gerecht gestalten!..... 19
Naturschutz – (Aus)Löser von Konflikten? – eine Tagung...... 20
Die Heinrich-Böll-Stiftung in China – Arbeit zu Umweltbildung
und Nachhaltigkeit.......................................... 22
Publikation: „La Vida en Venta“ – Lebende Organismen zu
verkaufen................................................... 22
Reihe: Jour Fixe – Debatten zur Internationalen Politik..... 24
Beratungspapier zu Burma.................................... 25
MENSCHENRECHTE, ZEITGESCHICHTE UND ZUKUNFT DER DEMOKRATIE... 26
Petra-Kelly-Preis 2002 an Ingrid Betancourt, Kolumbien...... 26
Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken 2002 an den
Philosophen Gianni Vattimo, Italien......................... 27
Die Türkei auf dem Weg in die Europäische Union – eine Tagung
............................................................ 28
iran-report................................................. 29
Afghanistan 2002............................................ 30
Der osttimoresische Außenminister und Friedensnobelpreisträger
Dr. José Ramos-Horta zu Gast in Deutschland................. 31
Konfliktprävention in Nigeria............................... 32
„Länderprogramm Russland“ der Heinrich-Böll-Stiftung........ 33
Brennpunkt: Brasilien – Die Herausforderungen und Erwartungen
an den neuen Präsidenten.................................... 37
Instituto de Estudos da Religião (ISER), Rio de Janeiro..... 39
Die Bundestagswahl aus transatlantischer Perspektive –
Podiumsdiskussion mit US-amerikanischen Gästen.............. 39
ANTIRASSISMUS, MIGRATION UND DEMOKRATISCHE PARTIZIPATION....
Staatsbürgerschaft und Integration..........................
Zukunftswerkstätten „Einwanderungsland Deutschland“: Dialog
und Öffentlichkeit..........................................
Geschichtsbilder I – Deutsche Kolonialgeschichte: „Wer hat
Angst vorm Schwarzen Mann?“.................................
Bürgerrechtsarbeit in Kroatien..............................
Landesstiftung Sachsen: Handlungsfähig gegen Rassismus und
Rechtsextremismus...........................................

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GESCHLECHTERDEMOKRATIE......................................
Geschlechterdemokratische Dialoge...........................
„Väter werden, Väter sein, Väter bleiben“ und „Konflikt und
Geschlecht“ – zwei Fachtagungen des Forum Männer in Theorie
und Praxis der Geschlechterverhältnisse.....................
„Genderkompetenz durch Gendertraining“ – Weiterbildung......

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ZUKUNFT DER ARBEIT UND DES SOZIALEN.........................
„Bürgergesellschaft und Sozialstaat“ – eine Tagung..........
Politik für Kinder. Politik für Eltern......................
Zukunft der Arbeit: Soziale Innovationen – Zur Reform der
Sozial- und Arbeitsmarktpolitik.............................

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BILDUNG UND WISSENSCHAFT....................................
Berliner Hochschuldebatten..................................
Die Bildungskommission der Heinrich-Böll-Stiftung...........
Biopolitik in der Wissensgesellschaft.......................

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NEUE MEDIEN................................................. 64
„Digitales Urheberrecht“ und „Zukunft der Globalen Güter“... 64
SAVE PRIVACY: Grenzverschiebungen im digitalen Zeitalter –eine
Konferenz................................................... 67
KUNST UND KULTUR............................................
Friedensfilmpreis 2002 für „August – Moment before Eruption“
Der nachhaltige Filmblick (Januar bis Dezember 2002)........
Heinrich Böll im Kino – Filmreihe vom 10. bis 30. Dezember
2002........................................................
Heinrich Böll – Leer nos hace rebeldes (Lesen macht
rebellisch).................................................
„Köln liest Böll“...........................................
Zum Geburtstag von Heinrich Böll: Aktivitäten in Bosnien und
Herzegowina.................................................
Heinrich-Böll-Haus Langenbroich.............................
Stipendiatinnen und Stipendiaten im Jahr 2002...............

69
69
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STUDIENWERK.................................................
Nachwuchsförderung..........................................
Austauschprogramme..........................................
Kooperationen...............................................
Mittel......................................................

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GRÜNE AKADEMIE.............................................. 86
FEMINISTISCHES INSTITUT..................................... 89
ARCHIV GRÜNES GEDÄCHTNIS.................................... 93
AUS DER STIFTUNG............................................ 95
Kommunalpolitische Infothek – Kommunales
Fachinformationssystem im Internet.......................... 95

Heinrich-Böll-Stiftung eröffnet Länderbüro in Nigeria....... 96
Heinrich-Böll-Stiftung erhält Auszeichnung vom Foro Ecológico
Juchiteco in Mexiko......................................... 97
Anklage gegen die Heinrich-Böll-Stiftung und andere deutsche
Stiftungen in der Türkei.................................... 97
Verabschiedung von Hema Goonatilake......................... 98
Fundraising................................................. 98
Nachruf auf Heinz Kotte..................................... 99
Nachruf auf Willi Hoss...................................... 99
GREMIEN.................................................... 102
ADRESSEN (STAND JUNI 03)................................... 105
PUBLIKATIONEN DER HEINRICH-BÖLL-STIFTUNG................... 114
FÖRDERKREIS................................................ 116

Vorwort des Vorstandes

Ein globales Netzwerk für Nachhaltigkeit
Das Ende des Ost-West-Gegensatzes seit 1989 nährte zunächst
die Hoffnung auf ein Ende kriegerischer Konflikte und
politischer Spaltungen in der Welt. Der Erdgipfel von Rio de
Janeiro 1992 stand für den Aufbruch, die großen globalen
Probleme wie Armut und Umweltzerstörung gemeinschaftlich zu
lösen. Mit dem Ende des Kalten Krieges und nach den
Terroranschlägen vom 11. September 2001 hat sich das
internationale System grundlegend verändert, die multilaterale
kooperative Bearbeitung mancher globaler Probleme hat einen
schweren Stand. Das zeigte sich auch beim „Weltgipfel für
Nachhaltige Entwicklung“ in Johannesburg, als die Erkenntnisse
und Beschlüsse von Rio bilanziert und neue Aktionspläne auf
den Weg für eine Nachhaltige Entwicklung gebracht wurden. Die
Heinrich-Böll-Stiftung war auf dem Gipfel im Rahmen des BöllForums mit einer Vielzahl von Veranstaltungen präsent und warb
mit zahlreichen Partnerorganisationen für eine Änderung des
westlichen Produktions- und Konsumstils. Auch in der
Bundesrepublik haben wir uns in Zusammenarbeit mit
Umweltverbänden und unseren Landesstiftungen für eine Politik
der Nachhaltigkeit engagiert. Auf große internationale
Resonanz stieß unser Jo’burg-Memo, das von 16 Autorinnen und
Autoren aus 11 Ländern erarbeitet und mittlerweile in 16
Sprachen übersetzt wurde. Wir gehen in diesem Jahresbericht
ausführlich auf den Gipfel ein.

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat 2002 ihr Engagement für eine
ökologisch nachhaltige und sozial gerechte Gestaltung der
Globalisierung verstärkt. In diesem Zusammenhang setzen wir
uns kritisch mit der Politik des Internationalen
Währungsfonds, der Weltbank und der Welthandelsorganisation
auseinander. Unser globales Netzwerk bietet ein großes

Potential für die Beobachtung und Beeinflussung der Politik
dieser Institutionen. Mit unseren Partnerinnen und Partnern
arbeiten wir weltweit am Wissensaufbau zu komplexen
ökonomischen Fragen, an Reformvorschlägen und mehr politischer
Partizipation gegenüber Regierungen und internationalen
Institutionen.

Außen- und sicherheitspolitisch stand das Jahr 2002 noch ganz
unter dem Eindruck der Anschläge vom 11. September 2001, des
Afghanistan-Krieges und der Debatte über den „Kampf gegen den
Terrorismus“ sowie der im Herbst beginnenden Irak-Krise, die
schließlich zur amerikanisch-britischen Intervention und zum
Sturz Saddam Husseins führte. Die Heinrich-Böll-Stiftung hat
für diese Herausforderungen einen neuen Arbeitsschwerpunkt zur
Außen- und Sicherheitspolitik und Krisenprävention geschaffen.
Darin geht es vor allem um die zukünftige Rolle Europas in der
Welt, um die Ziele und Instrumente einer gemeinsamen
internationalen Politik der EU und die Zukunft der
transatlantischen Allianz, um die Frage nach Sicherheit im 21.
Jahrhundert angesichts der Bedrohungen durch internationalen
Terrorismus und katastrophale Umweltveränderungen, und
schließlich geht es um regionale Krisenprävention durch den
Aufbau demokratischer Institutionen und die Stärkung
zivilgesellschaftlicher Akteure. Ein neues Themenfeld wird die
Weiterentwicklung des Völkerrechts und die Reform der UN unter
den Vorzeichen einer demokratischen Welt-Innenpolitik sein. Zu
all diesen Themen praktizieren wir einen kontinuierlichen
transatlantischen Dialog, setzen auf die Kompetenz unserer
Auslandsbüros und die weltweite Kooperation mit Partnern aus
Nichtregierungsorganisationen, Politik und Wissenschaft.

Der Irak-Konflikt bestimmte einen großen Teil unserer
Aktivitäten seit Herbst 2002. Mit aktuellen Veranstaltungen,
einem Buch zur deutschen Nahostpolitik und einem umfangreichen
Dossier im Internet konnte sich die Stiftung schnell als

Adresse für Hintergrundinformationen, Analysen und
pluralistische Debatten etablieren. Neben den internationalen
Dimensionen des Irak-Konflikts beschäftigen wir uns vor allem
mit den politischen und wirtschaftlichen Perspektiven des Irak
wie der Region. Wir setzen hier besonders auf einen Dialog mit
den Kräften der Zivilgesellschaft, und ganz besonders
interessiert uns die Situation der Frauen im Irak und ihre
Rolle bei der Modernisierung und Demokratisierung des Landes.

Eine große Persönlichkeit und mutige Frau erhielt im
vergangenen Jahr den Petra-Kelly-Preis der Heinrich-BöllStiftung – die kolumbianische „grüne“ Politikerin Ingrid
Betancourt. Leider ist ihr Schicksal immer noch ungewiss, sie
ist weiter in den Händen ihrer Entführer. Ihr Mann nahm daher
den Preis stellvertretend in Empfang.

Ein neues Gebiet der Stiftungsarbeit ist die Biopolitik. Die
Entwicklungen in den Biowissenschaften haben deutlich gemacht,
dass die Debatte über deren ethische und politische Bewertung
an nationalen Grenzen nicht halt machen kann. Wirksame Regeln
und Begrenzungen für Biotechnologie und Humangenetik müssen
die internationale Ebene umfassen. Gerade weil hier die
Wertvorstellungen oft auseinandergehen, bedarf es auf globaler
Ebene einer Debatte der Zivilgesellschaften und nicht nur der
Experten. Nach einigen kleineren Tagungen bemüht sich die
Stiftung nun im Herbst 2003, mit einer internationalen
Arbeitskonferenz ein Netzwerk für die langwierigen Prozesse
der globalen Regulierung von Forschung und Technologie
aufzubauen.

Einige werden sie vielleicht vermissen – unsere Perspektiven
im grünen Format, die sechs Mal zu wechselnden Schwerpunkten
im Jahr 2002 erschienen sind. Die Zeitung hatte eine Auflage
von 90.000 Stück und stieß auf positive Resonanz. Zur Zeit
denken wir über ein neues Stiftungsmagazin nach, das in 2004

erscheinen soll. Parallel bereiten wir eine neue
Zeitungsbeilage vor, die in großer Auflage über zentrale
Themen und Projekte der Stiftung informieren soll.

Zum Schluss wie immer ein Wort des Dankes an die
Unterstützer/innen der Stiftung. Mit den Mitteln des
Förderkreises wird die Heinrich-Böll-Stiftung in die Lage
versetzt, Einzelpersonen zu unterstützen und Projekte zu
fördern, die wir nicht aus öffentlichen Mitteln finanzieren
könnten – z.B. konnte so einem Jugendhaus in Slowenien
geholfen werden, das sich für Flüchtlingskinder aus Bosnien
und dem Kosovo einsetzt. Im September 2002 fand in Berlin zum
dritten Mal eine Jahresversammlung des Förderkreises statt –
in Verbindung mit der Eröffnung der Ausstellung „Langes Echo“.
Die Menschenrechtsorganisation Memorial aus Russland
dokumentierte darin die Wiederkehr von Symbolen, Stereotypen
und Methoden aus der Zeit des Stalinismus. Über den
Förderkreis hinaus wird die Stiftung maßgeblich vom
ehrenamtlichen Engagement in Mitgliederversammlung und
Aufsichtsrat, Fachkommissionen und Fachbeiräten sowie im
Frauenrat getragen. Dafür möchten wir uns bedanken, ebenso bei
den Freundinnen und Freunden von Bündnis 90/Die Grünen, die
unsere Arbeit unterstützen und begleiten.

Berlin, im Juni 2003

Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung

Ralf Fücks

Barbara Unmüßig

NACHHALTIGE ENTWICKLUNG, GLOBALISIERUNG UND INTERNATIONALE
STRUKTURPOLITIK

Der Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg,
vom 26. August bis 4. September 2002

Für die Heinrich-Böll-Stiftung war der Weltgipfel für
Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg der Höhepunkt einer
Kampagne, die zwei Jahre zuvor begonnen hatte und sich zum
größten Projekt seit Gründung der Stiftung entwickelte.
Beteiligt waren zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
aus der In- und Auslandsabteilung in Berlin, mehrere
Länderbildungswerke, die meisten Auslandsbüros und etliche
internationale Kooperationspartner der Stiftung. Das Team in
Johannesburg schließlich bestand aus rund 30 Personen,
inklusive der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SüdafrikaBüros, die das organisatorische Rückgrat der Aktivitäten vor
Ort bildeten.
Der Weltgipfel in Johannesburg bot zehn Jahre nach der ersten
UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro die
große Chance, die globalen Herausforderungen Armut und
Umweltzerstörung wieder ganz oben auf die politische Agenda
und ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Deshalb engagierte
sich die Stiftung mit allen ihr zur Verfügung stehenden
Instrumenten der politischen Bildung – mit Fortbildungskursen,
Dialogen, Studiengruppen, Konferenzen, Publikationen,
Pressebriefings und Websites. Nach einigen Rückschlägen in den
vergangenen Jahren galt es, die nachhaltige Entwicklung
weltweit wieder aus den Spezialistenecken der Umwelt- und
Entwicklungsdiplomatie zu holen und sie zu einer gemeinsamen
Anstrengung der Weltbevölkerung und ihrer Regierungen zu
machen.
Dieses hoch gesteckte Ziel konnte nur durch eine umfassende
Mobilisierung erreicht werden. Daher erhielten die
Auslandsbüros der Stiftung zusätzliche Mittel zur Information

ihrer betreffenden Partnerorganisationen. In zahlreichen
Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens, aber auch in
Osteuropa, führte die Stiftung zu einem Zeitpunkt
Informationsveranstaltungen und Fortbildungskurse durch, wo
die Öffentlichkeit noch kaum vom Gipfel gehört hatte. Infolge
spielte die Stiftung in zahlreichen nationalen
Vorbereitungsprozessen auch für die jeweiligen Regierungen
eine nicht unwichtige Rolle. Einige vielversprechende junge
Aktivistinnen und Aktivisten aus den genannten Kursen und
Workshops erhielten die Möglichkeit, sich durch Praktika in
Brüssel und Washington intensiv auf den Gipfel vorzubereiten.
Als Generation Jo’burg nahmen sie später daran teil. Einige
von ihnen sind in ihren Ländern mittlerweile zu Wortführern
der Zivilgesellschaft in Sachen nachhaltiger Entwicklung
geworden.
Der wahrscheinlich wichtigste Teil der Vorbereitungen vollzog
sich aber weithin unbeobachtet in Studierstuben und
abgelegenen Tagungsstätten. Die Stiftung beauftragte 16
prominente Persönlichkeiten aus Wissenschaft,
Nichtregierungsorganisationen, Politik und Wirtschaft mit der
Ausarbeitung eines Memorandums, dessen zentrale Frage lautete:
Wie lassen sich die berechtigten Interessen des „Südens“ nach
rascher Entwicklung für alle mit der Begrenztheit der
Biosphäre in Einklang bringen? In einem sechsmonatigen
Diskussionsprozess der Autorengruppe wurde kein
Formelkompromiss erzielt, sondern ein viel beachtetes Dokument
erstellt: das „Jo‘burg Memo“. In einer anschaulichen Sprache
zieht es Bilanz der zehn Jahre seit Rio, analysiert die
Zusammenhänge von Überkonsum und Verarmung und bietet
ambitionierte Reformvorschläge. In Veranstaltungen rund um den
Globus wurde das „Memo“ vorgestellt und avancierte rasch zu
einem beliebten Grundlagentext – am Ende wurde es sogar zur
besten Publikation des Gipfels gekürt. Wie kein anderes
Dokument zuvor ist das „Memo“ zu einem internationalen
publizistischen Erfolg der Stiftung geworden. Es liegt

mittlerweile in 15 Sprachen vor. Großen Anklang fanden auch
die beiden zentralen Webseiten zum Gipfel –
www.worldsummit2002.de (deutsch) und www.worldsummit2002.org
(englisch). Noch heute zählen sie zu den wichtigsten Quellen
zum Thema.
Die Heinrich-Böll-Stiftung unterhielt auf dem Gelände des
Global Public Forum in Johannesburg ein eigenes
Veranstaltungszentrum, das Boell Forum, in dem fast drei
Wochen lang täglich Konferenzen, Seminare, Podiumsdiskussionen
und Kulturveranstaltungen stattfanden. Die Veranstaltungen
waren durchweg gut besucht, die offizielle
Auftaktveranstaltung mit rund 400 Teilnehmern stieß fast ans
Limit des Forums.
Im regulären Johannesburger Büro der Stiftung entstand im
Gegensatz dazu eine strategische Insel, ein geschützter Raum
für Veranstaltungen hinter verschlossener Türe. In kleiner
Runde, bei den sogenannten „Boell Breakfast Briefings”, trafen
Vertreterinnen und Vertreter der an den offiziellen
Verhandlungen beteiligten Regierungen und Organisationen mit
Repräsentantinnen und Repräsentanten der internationalen
Zivilgesellschaft zusammen. Dabei kamen denkwürdige
Begegnungen und manchmal heftige Debatten zustande: WeltbankVertreter trafen auf radikale Umweltschutzaktivisten,
südafrikanische Basisvertreter tauschten sich mit deutschen
Diplomaten aus.
Schließlich war die Stiftung mit Veranstaltungen und
Informationsständen auch an zahlreichen anderen Orten des
Gipfelgeschehens präsent: im Sandton Convention Centre, dem
Ort der Verhandlungen, im nahegelegenen IUCN Environment
Centre im Gebäude einer Großbank, am deutschen Stand im
Ausstellungszentrum Ubuntu Village, beim alternativen People’s
Earth Summit in einem College und beim „Teach-In“ der
Globalisierungskritikerinnen und -kritiker.

Der Gipfel selbst kann angesichts der ernüchternd geringen
Resultate kaum als durchschlagender Erfolg gewertet werden.
Alte Zeitziele für Armutsbekämpfung und Umweltschutz wurden
bekräftigt und einige wenige neue wie zur Abwasserentsorgung
und zur Einrichtung mariner Schutzgebiete auf den Weg
gebracht. Für die soziale und ökologische Gestaltung des
Globalisierungsprozesses gingen allerdings keine Impulse aus.
So muss man es bereits als Erfolg werten, dass die
Johannesburg-Erklärung der Staatengemeinschaft die
Umweltabkommen nicht einfach dem WTO-Regelwerk untergeordnet
hat. Die Hoffnungen der Stiftung, dass auf dem Gipfel die
weltpolitischen Rahmenbedingungen für eine tatsächlich
nachhaltige Entwicklung verbessert werden könnten, haben sich
also nicht erfüllt.

Die Stiftung wird sich in Zukunft noch stärker in die
nationalen und internationalen Debatten über die soziale,
ökologische, kulturelle und politische Gestaltung der
Globalisierung einmischen. Die Jo’burg-Kampagne und die
vielfältigen regionalen Aktivitäten der Stiftung, die sich zum
Beispiel mit den Folgen der Agrarliberalisierung oder der
Privatisierung öffentlicher Güter wie Wasser beschäftigen,
bieten einen hervorragenden Anknüpfungspunkt dafür. Seit Mitte
2002 arbeitet die Stiftung daher intensiv an einem neuen
Schwerpunktprogramm „Globalisierung gestalten“. Sie hat dafür
eine Projektgruppe eingerichtet, in der die Aktivitäten der
Stiftung zur internationalen Klima-, Energie-, Agrar-, Finanzund Handelspolitik koordiniert werden.

Das Jo’burg-Memo. Ökologie – die neue Farbe der Gerechtigkeit. Ein
Memorandum zum Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung. World Summit Papers
Special Edition, Berlin 2002, 88 Seiten. Das Memo ist kostenfrei gegen
Einsendung eines adressierten und frankierten DIN-A4-Briefumschlages bei
der Heinrich-Böll-Stiftung erhältlich. Es liegt mittlerweile in 15 Sprachen
vor. Download unter www.joburgmemo.org

The World Comes to One Country – an Insider History of the World Summit on
Sustainable Development. By Victor Munnik and Jessica Wilson. Published by
the Heinrich Böll Foundation, Johannesburg 2003, 88 pages, ISBN 0-62029923-1. Download unter www.boell.org.za oder www.boell.de

Gender Budgets, Finanzmärkte und Entwicklungsfinanzierung –
internationale Konferenz am 19. und 20. Februar 2002 in Berlin

„Engendering Macroeconomics“ hieß der Ansatzpunkt dieser
internationalen Konferenz in Berlin, die im Vorfeld der UNKonferenz zu Entwicklungsfinanzierung (Monterrey, Mexiko)
stattfand. Dabei ging es um einen stärkeren Einfluss
genderrelevanter Erkenntnisse auf die Wirtschafts- und
Finanzpolitik. International bekannte Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler wie Prof. Ajit Singh (Universität Cambridge),
Prof. Diane Elson (Universität Essex) und Prof. Saskia Sassen
(Universität Chicago und London School of Economics and
Politics) sowie NGO-Expertinnen und Mitarbeiterinnen
europäischer Ministerien beschäftigten sich mit GenderAspekten in der Finanzpolitik. Am ersten Tag gab es einen
Erfahrungsaustausch zu Gender Budgeting, bei dem einige
internationale Beispiele vorgestellt und zudem die
Zusammenhänge zwischen internationalen Kapitalflüssen,
Staatshaushalten und Gender-Beziehungen herausgearbeitet
wurden. Am zweiten Tag standen Finanzmärkte und Gender-Aspekte
im Vordergrund sowie die Finanzierung einer nachhaltigen
ökonomischen Entwicklung aus regionalen Perspektiven. Den
Abschluss der Konferenz bildete eine öffentliche Veranstaltung
mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages und
Konferenzteilnehmerinnen zur Frage: „Entwicklungsfinanzierung
– Strategien für eine gerechtere Globalisierung?“
Die Beiträge der Konferenz finden sich auf der Website des
Feministischen Institutes (www.glow-boell.de). Die Ansätze der
Konferenz werden im neuen internationalen Frauenprogramm der

Heinrich-Böll-Stiftung, „Globalisierung & Gender“,
weiterverfolgt.

Diane Elson: „Geschlechtergerechtigkeit durch GenderBudgeting?“ – Textauszug

Die meisten Staaten haben ihren Willen zur Gleichstellung der
Geschlechter und zum Gender Mainstreaming bekundet, aber
häufig gibt es eine Kluft zwischen offiziellen politischen
Absichtserklärungen und der Art und Weise, wie Geld
aufgebracht und ausgegeben wird. Weiterhin sind die meisten
Regierungen willens, mehr Transparenz und klare
Verantwortlichkeiten zu schaffen, aber oft besteht auch eine
Kluft zwischen Beteiligungs- und Beratungswillen bei der
Formulierung neuer politischer Richtlinien einerseits und der
Gesetzgebung und Zuteilung finanzieller Mittel andererseits.
Gender-Responsive-Budget-Initiativen können helfen, diese
Lücken zu schließen, indem sie gewährleisten, dass öffentliche
Gelder effektiver beschafft und ausgegeben werden. Sie können
bei der Verbesserung der angestrebten Gleichstellung der
Geschlechter und bei der besseren Umsetzung der "Konvention
zur Beseitigung jeder Diskriminierung der Frau" (CEDAW)
hilfreich sein. Sie können helfen, dass die Bevölkerung eines
Landes in größerem Maße an der Zuteilung öffentlicher Mittel
beteiligt wird, insbesondere Frauen, die allgemein im
Vergleich zu Männern bei Entscheidungen über öffentliche
Gelder eine kleinere Rolle spielen.

Eine Gender-Responsive-Budget-Initiative zielt nicht darauf
ab, einen Sonderhaushalt für Frauen zu schaffen. Sie will
vielmehr alle Formen öffentlicher Ausgaben – und auch die
Methoden zur Beschaffung von Geldern – unter
geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten analysieren, d.h. die
Folgen dieser Ausgaben auf Frauen und Mädchen im Vergleich zu
Männern und Jungen ermitteln. Die Schlüsselfrage lautet:
Welche Auswirkungen hat die jeweilige finanzpolitische
Maßnahme auf die Gleichstellung der Geschlechter – verringert

sie die Ungleichheit, vergrößert sie sie oder lässt sie sie
unverändert?
Der Schwerpunkt auf der geschlechtlichen Ungleichheit kann
auch um andere Formen der Ungleichbehandlung erweitert werden
– wie Benachteiligungen oder Bevorzugungen aufgrund von
Klasse, Rasse oder Religion. Man könnte beispielsweise die
Schlüsselfrage folgendermaßen umformulieren: Führt diese
finanzpolitische Maßnahme zu einer verbesserten,
verschlechterten oder gleichbleibenden Situation für die am
stärksten benachteiligten Frauen?
Auszug aus: Geschlechtergerechtigkeit durch Gender Budgeting?
Überlegungen und Beispiele von Diane Elson und Brigitte Young.
Texte zur Einmischung Nr. 2 der Heinrich-Böll-Stiftung

Reihe „Texte zur Einmischung“, Nr.2:
Geschlechtergerechtigkeit durch Gender Budgeting?
Überlegungen und Beispiele von Diane Elson und Brigitte Young
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung
Berlin, November 2002. 32 Seiten

Entwicklungsfinanzierung

Die UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung, die vom 18. bis
22. März 2002 im mexikanischen Monterrey stattfand, war ein
Zielpunkt der Stiftungsaktivitäten zum Thema Globalisierung.
Die Heinrich-Böll-Stiftung unterstützte vor Ort die
Aktivitäten des „NGO-Forums“, indem sie insbesondere den
Aufbau und die Arbeit des Pressezentrums der
Nichtregierungsorganisationen förderte. Darüber hinaus
veranstaltete die Stiftung eine Gesprächsrunde, die vor allem
den UN-Gipfel für Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg mit
in den Blick nahm. Friné López vom Espacio Autónomo in Mexiko

und Peter Mucke von Terre des Hommes Deutschland zogen eine
politische Bilanz der letzten 10 Jahre. Sie analysierten und
bewerteten die Aktivitäten der Weltbank in ihren
umweltpolitischen Auswirkungen auf die Entwicklungsländer und
formulierten Forderungen an die Konferenz von Monterrey, um
durch neue und innovative Instrumente der
Entwicklungsfinanzierung positive Impulse für Johannesburg
freizusetzen. Zu diesen Forderungen gehörten z.B. die
Einführung der Tobin-Steuer oder von Nutzungsabgaben auf
Flugbenzin. Xochitl Ramírez Reivich und Carlos Toledo Manzur
vom mexikanischen Netzwerk für Nachhaltige Entwicklung zeigten
anhand von lokalen Projekten in Mexiko, welche Rolle die
Zivilgesellschaft für die Förderung nachhaltiger Entwicklung
vor Ort spielen kann. Im April 2002 lud die Stiftung zu einem
eintägigen Workshop nach Berlin ein, um Vertreterinnen und
Vertretern von Nichtregierungsorganisationen und Ministerien
die Gelegenheit zu geben, gemeinsam die zum Teil recht
unterschiedlichen Auffassungen hinsichtlich der Ergebnisse von
Monterrey zu diskutieren.

Die „Globalen öffentlichen Güter – Global Public Goods“ (GPG)
standen im Mittelpunkt einer von der Heinrich-Böll-Stiftung
gemeinsam mit der Nichtregierungsorganisation WEED in Berlin
organisierten Fachtagung am 15. Mai 2002. Globale Öffentliche
Güter sind solche Güter, deren Nutzen über Landesgrenzen und
Regionen, Bevölkerungsgruppen und Generationen hinaus reicht –
dazu gehören Frieden und Sicherheit ebenso wie z.B. eine
intakte Umwelt und Gesundheit. Für die Referentinnen und
Referenten, zu denen u.a. Inge Kauls von UNDP und Renate
Schubert vom Wissenschaftlichen Beirat für globale
Umweltfragen gehörten, stellte das Konzept der Globalen
öffentlichen Güter einen zentralen Baustein einer integrierten
Umwelt- und Entwicklungspolitik dar. Allerdings fehle es noch
an konsensfähigen Umsetzungskonzepten. Trotz aller offenen
Fragen waren sich die Befürworter einig, dass hier ein Ausweg

aus der festgefahrenen Diskussion um die Bereitstellung
notwendiger Mittel zur Entwicklungshilfe bestehe und neue
Finanzquellen für dringend benötigte Aufgaben erschlossen
werden könnten. Der schon ritualisierte Streit um die Erhöhung
der Entwicklungshilfe auf 0,7% des Bruttosozialprodukts der
Geberländer erhält damit neue Impulse.

Globale Öffentliche Güter – Zukunftskonzept für die internationale
Zusammenarbeit?
Ein WEED-Arbeitspapier von Jens Martens und Roland Hain
World Summit Papers No. 20, Berlin 2002, 40 Seiten]
[Informationen über die Aktivitäten der Heinrich-Böll-Stiftung rund um die
im September stattfindende 5. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation
in Cancún/Mexiko unter www.cancun2003.org.

WEED – Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung e.V. mit Sitz in Bonn,
www.weed-online.org

Das Projektpartnertreffen der Heinrich-Böll-Stiftung in Rio de
Janeiro

Um die „Herausforderungen und Möglichkeiten politischer
Einflussnahme“ zu diskutieren, lud die Heinrich-Böll-Stiftung
ihre brasilianischen Projektpartner im November 2002 zu einem
zweitägigen Treffen nach Rio de Janeiro. Anhand aktueller
Beispiele wie der UN-Konferenz in Johannesburg, dem
Weltsozialforum in Porto Alegre und dem WTO-Treffen in Cancun
konnten die Herausforderungen und Grenzen internationaler
Strukturpolitik dargestellt und diskutiert werden. Besondere
Aufmerksamkeit erhielten die unterschiedlichen Aktionsebenen
der vertretenen Organisationen: Ein regionales Netzwerk aus
dem Nordosten Brasiliens, ASA (Articulação no Semi-Árido
Brasileiro), das nationale Netzwerk Rede Brasil, Expertin in
Sachen internationale Banken und Finanzorganisationen, und das
seit kurzem in Brasilien ansässige amerikanische Netzwerk
Alianza Social Continental präsentierten ihre Arbeit und

analysierten Stärken wie Schwächen ihrer Netzwerke. Dabei
wurden die Unterschiede der jeweiligen Strategien und Ziele
ebenso deutlich wie die Gemeinsamkeiten.

Petra-Kelly-Stiftung: Globalisierung gerecht gestalten!

Die Globalisierung und ihre Folgen bewegt die Menschen – das
zeigte auch der enorme Zuspruch, den eine Tagung der PetraKelly-Stiftung unter dem Motto „Globalisierung – Verheißung
oder Katastrophe?“ im Münchner Eine-Welt-Haus hatte. Fast 150
Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten am 15. November 2002
eine Podiumsdiskussion mit Expertinnen und Experten aus
Wissenschaft, Kirche und Wirtschaft. Prof. Elmar Altvater,
einer der profundesten Kenner und Kritiker der Globalisierung,
machte eines gleich zu Beginn klar: Die Globalisierung ist ein
„Sachzwang“, der nicht rückgängig gemacht werden kann. Für
alle Akteure, egal ob in Politik, Wirtschaft oder
Nichtregierungsorganisationen, gilt es, sich dieser
Herausforderung zu stellen. Es geht also primär um die Frage,
wie Globalisierung reguliert und demokratisch gestaltet werden
kann. Dass dabei weder die soziale Gerechtigkeit noch die
Geschlechtergerechtigkeit auf der Strecke bleiben dürfen,
machten Dr. Wolfgang Gern vom Diakonischen Werk Hessen-Nassau
und Prof. Brigitte Young von der Universität Münster sehr
deutlich. Wie sich auch die Wirtschaft diesen Anforderungen zu
stellen versucht, erläuterte Dr. Reiner Hengstmann von der
Puma AG am Beispiel seines Unternehmens. Er wies darauf hin,
dass Puma sich besonders für die Entwicklung und Überwachung
strenger internationaler Umwelt- und Sozialstandards stark
macht.
In einem eintägigen „Open Space“, für den auch die
Referentinnen und Referenten der Podiumsdiskussion zur
Verfügung standen, widmeten sich die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer schließlich den Aspekten der Globalisierung, die

ihnen besonders wichtig erschienen. Im Mittelpunkt standen
dabei wieder mögliche Strategien zur Demokratisierung und
Regulierung der globalisierten Welt, aber auch die Wirkung der
Informations- und Kommunikationstechnik im
Globalisierungsprozess.

Beim Open Space gibt es keine vorab festgelegte Tagesordnung. Erst zu
Beginn der Veranstaltung entsteht unter Berücksichtigung aller in der Runde
vorgetragenen Anliegen die gesamte Arbeits- und Zeitplanung. Die daraus
resultierenden Gruppen arbeiten selbstorganisiert, dokumentieren ihre
jeweiligen Ergebnisse und machen diese allen zugänglich. Die durch
selbstorganisiertes und selbstgesteuertes Handeln erzielte
Motivationssteigerung soll nach der Veranstaltung in den Köpfen der
Teilnehmerinnen und Teilnehmer fortwirken.
Die 25-seitige Dokumentation der Veranstaltung kann unter http://www.petrakelly-stiftung.de/sites/pdf-doku/Globalisierung-Doku.zip heruntergeladen
werden. Die Print-Version kostet 3 Euro zzgl. Versandkosten.

Naturschutz – (Aus)Löser von Konflikten? – eine Tagung

Immer häufiger sind Umweltzerstörungen und die Knappheit von
Wasser und Nahrung Ursache von Konflikten. Dieser Trend wird
sich durch die Klimaveränderungen und radikalen Eingriffe in
die Umwelt weiter verstärken. Dagegen fehlt es der
internationalen Staatengemeinschaft an einer gemeinsamen
Nachhaltigkeitsstrategie, die sicherheitspolitische Aspekte
mit berücksichtigt. Nachhaltigkeit in der Sicherheitspolitik
war denn auch das Thema der Auftaktveranstaltung der
Fachtagung „Naturschutz – (Aus)Löser von Konflikten“, die am
26. und 27. November 2002 in Berlin stattfand. Deutsche und
internationale Politikerinnen und Politiker wie Pekka Haavisto
(UN), Tschingis Aitmatov (Kirgistan) und Uschi Eid (Berlin)
diskutierten den außen- und sicherheitspolitischen Ansatz von
„Ökologischer Sicherheit“ als Teil eines erweiterten
Sicherheitsbegriffes und setzten sich mit der Prävention von
Umweltkonflikten auseinander. Im Vordergrund der Fachtagung
standen zum einen Naturschutzparks, Biosphärenreservate und
nachhaltiger Tourismus als internationale Beispiele für

Naturschutz mit Konflikt (aus)lösenden Aspekten, zum anderen
ging es um Verteilungskonflikte und den Zugang zu Ressourcen
wie Wasser und Land. Die Abschlussdiskussion konzentrierte
sich auf die Rolle von Akteuren im Naturschutz und deren
Möglichkeiten für eine krisenpräventive Arbeit im Naturschutz.

Die Tagung wurde von der Heinrich-Böll-Stiftung in
Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz konzipiert
und durchgeführt. Eine Dokumentation der Tagung wird ab Juni
2003 auf der Website des Bundesamtes für Naturschutz zu finden
sein.
www.bfn.de

Die Heinrich-Böll-Stiftung in China – Arbeit zu Umweltbildung
und Nachhaltigkeit

Was kann der Beitrag einer kleinen politischen Stiftung in
einem Land wie China sein, das in seiner Ausdehnung und
Bevölkerungszahl einem Kontinent gleicht und sich in einem
sehr dynamischen Veränderungsprozess befindet? Vor dieser
Frage stand die Heinrich-Böll-Stiftung im Jahre 1999, als es
galt, die Arbeit in China zu intensivieren und den Aufbau
einer Zivilgesellschaft in zu befördern. Einige Schwerpunkte
haben sich seitdem entwickelt, wie z.B. nachhaltige
Stadtentwicklung sowie Frauen- und Geschlechterpolitik. Seit
einiger Zeit arbeitet die Heinrich-Böll-Stiftung auch im
Bereich Umweltbildung. Die chinesische Partnerorganisation
Friends of Nature fährt mit Kleinbussen zu Schulen und
Feriencamps auf dem Land, um Kinder und Jugendliche auf
spielerische Weise für Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu
sensibilisieren.
In ihrer Arbeit legt die Stiftung besonderen Wert darauf, ein
breites Publikum anzusprechen: Kinder wie Jugendliche, Lehrer
wie Wissenschaftler, Bürger wie Beamte. Und das Thema Umwelt
stellte sich als ein guter Ausgangspunkt heraus, um z.B. über
die Kooperation mit Nichtregierungsorganisationen die
Entwicklung von Zivilgesellschaft und Demokratie in China
voranzubringen.

Publikation: „La Vida en Venta“ – Lebende Organismen zu
verkaufen

Als die mexikanische Regierung im September 2001 erklärte,
dass in einigen Gemeinden des Bundesstaates Oaxaca bis zu 37%
des lokal gezüchteten Mais mit DNA aus gentechnisch
veränderten Maissorten verunreinigt sei, wurde die Idee zu „La
Vida en Venta: Transgénicos, Patentes y Biodiversidad“
regelrecht von der Wirklichkeit eingeholt. Das Buch über

gentechnisch veränderte Organismen, Patente und Biodiversität
wollte über die Risiken der grünen Gentechnologie informieren
und deren Verflechtung mit der Privatisierung der biologischen
Vielfalt aufzeigen. In Mexiko, dem Ort der jahrhundertealten
Kultivierung von Mais als Nutzpflanze, bedroht die Kreuzung
einheimischer Maissorten mit gentechnisch veränderten
Organismen nicht nur sensible Ökosysteme und kulturelle
Praktiken, sondern potentiell die Ernährungssicherheit der
ländlichen Bevölkerung. Diese hat einheimische Sorten den
klimatischen, ökologischen und Bodenbedingungen immer wieder
angepasst und ihr Land somit weitgehend nachhaltig
bewirtschaftet. Die über Jahrhunderte entwickelte
Nutzpflanzenvielfalt ist heute bedroht, und dies nicht nur in
Mexiko. Gerade durch die Aktualität dieser Themen in der
gesamten mesoamerikanischen Region stieß das in der Reihe
„Ediciones Heinrich Böll“ erschienene Buch auf großes
Interesse. Die Beiträge beschäftigen sich u.a. mit den
handelspolitischen Entwicklungen und Privatisierungstendenzen
im Zeitalter der Globalisierung, deren Bedeutung für die
biologische Vielfalt und die Ernährungssicherheit sowie die
Verzahnung dieser Entwicklungen mit der Biotechnologie.

La Vida en Venta: Transgénicos, Patentes y Biodiversidad
Compilado por Corinna Heineke
Ediciones Heinrich Böll
El Salvador, 2002, 296 páginas, ISBN 99923-35-04-1

Reihe: Jour Fixe – Debatten zur Internationalen Politik

Jeweils am ersten Dienstag im Monat lädt die Heinrich-BöllStiftung gemeinsam mit der tageszeitung zu einem Jour Fixe auf
die Galerie der Stiftung, um mit internationalen Gästen
aktuelle Themen zu diskutieren. Der inhaltliche Rahmen ist
dabei weit gesteckt und reicht von Außenpolitik über Ökologie
bis hin zu entwicklungspolitischen Themen.
Das feste Format ermöglicht, wenn nötig, ein schnelles
Reagieren auf aktuelle Ereignisse. So war das überraschend
schlechte Abschneiden des sozialistischen Kandidaten Jospin im
ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen
Anlass, einen Jour Fixe über die französische
Parteienlandschaft und die Schwäche der Linken zu
veranstalten.
Der Jour Fixe im September 2002 beschäftigte sich mit den
Ergebnissen des Weltgipfels für Nachhaltige Entwicklung in
Johannesburg. In einer Videoschaltung zum Ort des
Konferenzgeschehens konnten Interessierte einen Tag vor dem
offiziellen Abschluss aktuelle Informationen und erste
Einschätzungen zum Verhandlungsergebnis einholen.
Im Dezember stand die Frage nach Schuld und Sühne in Ruanda im
Mittelpunkt der Debatte. Aktueller Anlass war die
Veröffentlichung der deutschen Ausgabe des Buches von Alison
des Forges „Kein Zeuge darf überleben. Der Genozid in Ruanda“
über Fakten und Hintergründe zum Genozid. Die Autorin,
Mitarbeiterin der amerikanischen Menschenrechtsorganisation
Human Rights Watch, hatte in jahrelanger akribischer Arbeit
Akten aufgearbeitet und Opfer, Täter und „Zuschauer“
interviewt. Bei ihrem Besuch in Berlin schilderte sie sehr
eindringlich, dass der Genozid kein spontaner Ausbruch
kollektiver Wut oder ethnischer Spannungen, sondern das Kalkül
einer kleinen, modernen Elite war, die ihren Machterhalt durch
die wachsende Opposition in Ruanda gefährdet sah. Die Gruppe
versuchte, sich ihrer Gegner durch Massenmord zu entledigen

und konnte dabei auf die Unterstützung von Militär und
Nationalpolizei ebenso zählen wie auf regionale Behörden,
Medien, Intellektuelle und Geistliche. Die politische Kultur
Ruandas hat dies noch nicht abschließend selbstkritisch
aufgearbeitet.
Weitere Themen im Jahr 2002 waren: Afrika und der Krieg gegen
den Terror, der Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan
u.v.a.m.

Das Buch „Kein Zeuge darf überleben. Der Genozid in Ruanda“ von Alison des
Forges ist im Oktober 2002 in der Hamburger Edition erschienen und kostet
Euro 40,-

Beratungspapier zu Burma

In der zweiten Jahreshälfte 2002 zeichnete sich immer
deutlicher ab, dass in Burma (Myanmar) eine „humanitäre
Katastrophe“ droht. Sowohl auf nationaler wie auf
internationaler Ebene waren schnelle Entscheidungen gefragt,
einmal hinsichtlich einer deutlichen Erhöhung von humanitärer
Hilfe, zum anderen hinsichtlich der möglichen Wiederaufnahme
von Entwicklungshilfemaßnahmen. Das Regionalbüro der Stiftung
in Thailand gab angesichts der angespannten politischen,
wirtschaftlichen und sozialen Lage in Burma ein
Beratungspapier in Auftrag. Es ging darum, die politischen und
entwicklungspolitischen Optionen für einen deutschen Beitrag
zur Verbesserung der Lebenssituationen der Menschen in Burma
bei gleichzeitiger Förderung des politischen Reformprozesses
auszuloten. International wird kontrovers diskutiert, wie die
Lage im Land verbessert werden kann, ohne mit einem
undifferenzierten Engagement gleichzeitig das seit 1988
herrschende Militärregime zu unterstützen und die Chancen auf
eine Demokratisierung zu mindern. Vor diesem Hintergrund bot
die Stiftung bei der Präsentation des Papiers im Mai 2003 in
einem hochrangig besetzten Fachgespräch die Möglichkeit zur
Beratung für Entscheidungsträger aus dem Auswärtigen Amt und
dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung sowie für Nichtregierungsorganisationen und
kirchliche Träger.

MENSCHENRECHTE, ZEITGESCHICHTE UND ZUKUNFT DER DEMOKRATIE

Petra-Kelly-Preis 2002 an Ingrid Betancourt, Kolumbien

Der Petra-Kelly-Preis wurde 1997 von der Heinrich-BöllStiftung anlässlich des 50. Geburtstages der Namensgeberin
gestiftet. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und wird
mittlerweile jährlich verliehen. Die Heinrich-Böll-Stiftung
würdigt mit dem Preis Gruppen und Persönlichkeiten, die sich
in herausragender Weise für die Achtung der universellen
Menschenrechte, für gewaltfreie Konfliktlösungen sowie den
Schutz der natürlichen Umwelt einsetzen. Zugleich dient der
Preis dem Andenken Petra Kellys.
Im Jahr 2002 ging der Preis an Ingrid Betancourt, Vorsitzende
der grünen Partei Kolumbiens, Oxígeno Verde. Die
Präsidentschaftskandidatin wurde mitten im kolumbianischen
Wahlkampf von der FARC-Guerilla entführt und befindet sich
seit Februar 2002 in deren Gewalt. In der Begründung der Jury
heißt es: „Mit der Preisvergabe würdigen wir Ingrid
Betancourts herausragendes Engagement für ein Ende der
Jahrzehnte andauernden Gewalt und der unzähligen
Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien. In ihrer Eigenschaft
als mutige grüne Politikerin, die sich ohne Rücksicht auf
persönliche Gefährdung unermüdlich für mehr Demokratie, die
Wahrung der Menschenrechte und zivile Konfliktlösungen
engagiert, steht Ingrid Betancourt in direkter Kontinuität zu
Petra Kelly. Sie ist über Kolumbien hinaus zu einer
Symbolfigur geworden, die viel Sympathie und Anerkennung
genießt.“ Die Geiselnahme durch die Guerilla dauert noch immer
an. Der Preis ist deshalb auch eine Geste der Solidarität. Die
Heinrich-Böll-Stiftung appellierte an den kolumbianischen
Präsidenten Pastrana und an die Bundesregierung, sich
nachdrücklich für die Freilassung von Ingrid Betancourt
einzusetzen. Die Preisverleihung fand am 13. Dezember in

Berlin statt. Juan Carlos Lecompte, der Ehemann von Ingrid
Betancourt, nahm den Preis entgegen.

Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken 2002 an den
Philosophen Gianni Vattimo, Italien

Der Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken wurde 1994 von
Publizisten, Politikern und Wissenschaftlern in Bremen ins
Leben gerufen. Er ist mit 7.500 Euro dotiert und wird vom
Senator für Bildung und Wissenschaft der Freien Hansestadt
Bremen und der Heinrich-Böll-Stiftung Bremen zu gleichen
Teilen finanziert. Mit der jährlichen Vergabe des Preises
wollen die Initiatoren nicht nur an die Rolle Hannah Arendts
als eine der prägenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts
erinnern, sondern auch auf ihre Bedeutung für eine Erneuerung
des politischen Denkens hinweisen. Im Jahr 2002 ging der Preis
an den italienischen Philosophen Gianni Vattimo. Mit ihm ehrte
die international besetzte Jury einen politischen Denker, der
seit mehreren Jahrzehnten in Europa nicht nur als einer der
bedeutendsten Vertreter der Postmoderne in Erscheinung
getreten ist, sondern der sich seit 1999 als Mitglied des
Europaparlaments auch den ganz praktischen Dimensionen der
Politik gewidmet hat. In seiner Dankesrede begründete er die
Erweiterung Europas: „Wir brauchen ein größeres Europa, weil
wir ein Pol innerhalb der konformen, zeitgenössischen Welt
sein sollten.“ Die Preisverleihung fand am 23. November 2002
im Bremer Rathaus statt.

Die Türkei auf dem Weg in die Europäische Union – eine Tagung

Anlässlich der Diskussionen um einen möglichen EU-Beitritt der
Türkei lud die Heinrich-Böll-Stiftung am 4. Dezember 2002 zu
einer Tagung ins Berliner Abgeordnetenhaus. Dort diskutierten
türkische und deutsche Gäste aus Politik, Wissenschaft, Medien
und Gesellschaft die Herausforderungen und Perspektiven der
Türkei auf dem Weg in die Europäische Union. Das Podium war
mit zwei Mitgliedern des neu gewählten türkischen Parlaments,
dem türkischen Botschafter und zwei Abgeordneten des deutschen
und des europäischen Parlaments prominent besetzt.
Der Botschafter der Türkei, Osman Korütürk, hob den
Reformwillen der türkischen Politik und der Zivilgesellschaft
hervor und verwies auf die Katalysatorenrolle der EU, die mit
der Eröffnung der Beitrittsperspektive einen wesentlichen
Beitrag zur Öffnung des Landes geleistet habe. Claudia Roth,
Bundestagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen, erinnerte
daran, dass im europäischen Grundrechtekatalog die Toleranz
und damit auch die religiöse Toleranz einen wichtigen Platz
findet. Eine Ausgrenzung der Türkei würde zu einer Verhärtung
und Radikalisierung auf beiden Seiten führen. Diskriminierung
und Ausgrenzung warf der Universitätsdozent Cengiz Aktar der
EU denn auch vor, böte sie doch Staaten Beitrittsverhandlungen
an, in denen im Vergleich zur Türkei gravierendere politische
Defizite, z.B. im Bereich der Menschenrechte, bestünden.
Rainder Steenblock, der außenpolitische Sprecher der
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, warnte hingegen vor
übertriebenen Erwartungen an einen schnellen Beginn der
Beitrittsverhandlungen. Heinz Kramer, Türkeireferent der
Stiftung Wissenschaft und Politik, wies darauf hin, dass die
Kopenhagener Kriterien nicht objektive Maßstäbe darstellten,
sondern durchaus Interpretations- und politische
Entscheidungsspielräume zuließen. Die Türkei müsse sich
stärker auf die Umsetzung konkreter Reformen konzentrieren und
sich zudem klar machen, dass die eventuelle Nennung eines

Termins für Beitrittsverhandlungen keine Garantie für die
Aufnahme in die EU darstellt. Ohne eine baldige Lösung des
Problems Zypern, würden sich die Chancen der Türkei wieder
verschlechtern.
Im Anschluss an die Impulsbeiträge entwickelte sich eine
lebhafte, teilweise kontroverse Diskussion. Dabei ging es
immer wieder um die Frage der Ernsthaftigkeit des
Reformwillens der türkischen Politik. Gleichzeitig wurde
bekräftigt, dass die EU den Reformkräften in der Türkei
deutlichere Zeichen und einen konkreten Beitrag zur
Unterstützung und Umsetzung der Reformen im Rahmen einer
Beitrittspartnerschaft geben müsse.

iran-report

Seit März 2002 gibt die Heinrich-Böll-Stiftung monatlich einen
iran-report heraus. Der Autor, Bahman Nirumand, ist ein
ausgewiesener Kenner der Region. 1982 verließ er den Iran,
seither lebt er im deutschen Exil. Im iran-report fasst er
wichtige Ereignisse und Entwicklungen im Iran zusammen, ohne
sie zu werten. Die Nachrichten werden den Bereichen
Innenpolitik, Außenpolitik und Wirtschaft zugeordnet und sind
als Arbeitsinstrument für Interessierte aus Politik,
Wissenschaft und Medien gedacht. Der rund 16 Seiten umfassende
Bericht wird per E-mail verschickt und kann auf der Website
der Stiftung (www.boell.de) unter „Presse“ abgerufen werden.
Nach der von der Heinrich-Böll-Stiftung im April 2000
veranstalteten, schon fast legendär gewordenen Iran-Konferenz
und verstärkt infolge der Anschläge vom 11. September 2001
bilden die Entwicklungen im Iran und in der Region einen
Arbeitsschwerpunkt der Stiftung.

Iran nach den Wahlen. Eine Konferenz und die Folgen, Hrsg. von der
Heinrich-Böll-Stiftung, Mit einer Einführung von Sonia Seddighi und einem
Beitrag von Peter Philipp, Übersetzungen: Bahman Nirumand
Verlag Westfälisches Dampfboot, 1. Auflage, Münster 2001, 262 Seiten,
Preis: € 18,50. ISBN 3-89691-506-1]

Afghanistan 2002

Seit dem Sturz des Taliban-Regimes beteiligt sich auch die
Heinrich-Böll-Stiftung im Rahmen ihrer Möglichkeiten am Aufbau
einer Zivilgesellschaft in Afghanistan. Anknüpfend an die
Empfehlungen aus Fachgesprächen sowie mehreren Gutachten
konzentrierte sich die Stiftung 2002 auf dialogfördernde und
koordinierende Veranstaltungen in Deutschland, unterstützte
aber auch einzelne Projekte vor Ort. Zu den größeren
Veranstaltungen in Berlin gehörte ein in Kooperation mit dem
Bundespresseamt durchgeführter Medienworkshop, der afghanische
Journalistinnen und Journalisten u.a. mit exil-afghanischen
Medienschaffenden zusammenbrachte. Des weiteren fand im Sommer
2002 im Anschluss an die Loya Jirga das zweite
Koordinationsgespräch statt, an der auch die gerade ernannte
Staatsministerin für Frauenfragen, Mahbooba Hoquqmal,
teilnahm. Bereits im November 2001 hatte es in Berlin ein
hochrangig besetztes erstes Fach- und Koordinierungsgespräch
gegeben.
In Afghanistan selbst wurden drei Frauenorganisationen,
darunter das Afghan Women Resource Center (AWRC) und die
Afghan Women Lawyers & Professionals Association (AWLPA)
unterstützt. Durch den Aufbau von Beratungszentren, durch
politische Bildungsarbeit und Rechtshilfe wollen die
Organisationen die politische Partizipation und die Rechte der
Frauen zu stärken. Das unabhängige Medien- und Kulturzentrum
AINA bietet mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung
Weiterbildung in den Bereichen Journalismus und Film an.
Gleichzeitig werden die Frauenzeitschriften Malalai und Seerat
– die ersten Monats- bzw. Wochenzeitschriften für Frauen nach
Sturz des Taliban-Regimes – in Kooperation mit AINA
publiziert. Die Stiftung engagiert sich auch im Bereich
Bildungsförderung, so z.B. durch einmalige Infrastrukturhilfe,
wie z.B. den Bau bislang nicht vorhandener sanitärer Anlagen
für Studentinnen, oder durch Lehrerausbildung in der Provinz

Kost. Auch eine Jugendkonferenz in Kabul wurde gefördert.
Afghanische und exil-afghanische Jugendorganisationen
diskutierten dort zu den Themen Partnerschaftsprogramme und
Rücksiedelungen.
Im Jahr 2003 soll die Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung, die
sich aufgrund der Sicherheitslage zunächst auf Kabul
konzentrierte, auf die Provinzen ausgeweitet werden. Um die
politische Beobachtung und die Steuerung der Arbeit
gewährleisten zu können, wird es ab 2003 auch ein Büro der
Stiftung in Kabul geben.

Der osttimoresische Außenminister und Friedensnobelpreisträger
Dr. José Ramos-Horta zu Gast in Deutschland

Ramos-Horta ist mehr als nur ein Botschafter des Friedens und
der Hoffnung, ein Menschenrechtsaktivist und
Entwicklungsstratege – seit Mai 2002 ist er Außenminister
eines souveränen Staates: Osttimor. Doch nach einem
Vierteljahrhundert des Krieges und der indonesischen Besatzung
liegt das Land in Trümmern, und aller Anfang ist schwer. Daher
lud die Heinrich-Böll-Stiftung den Architekten der jüngsten
Demokratie der Welt nach Deutschland ein, wo er 270
Entscheidungsträgern aus Politik, Zivilgesellschaft,
Wissenschaft und Wirtschaft die Anliegen seines jungen Staates
vortragen konnte. Neben Bundesaußenminister Joschka Fischer
traf Ramos-Horta auch Entwicklungshilfeministerin Heidemarie
Wieczorek-Zeul und führte die ersten bilateralen
Regierungsverhandlungen. Auf dem Programm standen unter
anderem auch Gespräche mit Bundestagsabgeordneten und ein
Besuch im Bundesumweltministerium. Besonders beeindruckt
zeigte sich Ramos-Horta von Wirtschaftsgesprächen, in denen es
um Handel, Investitionen und Technologietransfer vor allem in
den Bereichen nachhaltige Nahrungsmittelproduktion sowie
erneuerbare und umweltschonende Energien ging.

Bei einem politischen Dialog auf der Galerie der HeinrichBöll-Stiftung konnte sich auch die Öffentlichkeit aus erster
Hand über den schwierigen Weg Osttimors hin zur Demokratie
informieren. In seiner Rede hob Ramos-Horta hervor, dass
Osttimor zwar zum Erfolgsmodell für Konfliktlösung und
Demokratisierung werden könne, dass dazu aber mehr gehöre als
eine bewaffnete humanitäre Intervention, nämlich der Wille der
Opfer- und der Täternation, noch einmal neu anzufangen, und
der Mut, den Mitläufern unter den eigenen Landsleuten zu
vergeben und alte politische Gräben zuzuschütten.

Konfliktprävention in Nigeria

Nigeria ist ein Land mit besonders scharfen ethnischregionalen und religiösen Gegensätzen. Seit Herbst 2002
unterstützt das neu eröffnete Büro der Heinrich-Böll-Stiftung
in Lagos Projekte zur Konfliktprävention auf lokaler und
nationaler Ebene.
Beispiel 1: In der Millionenmetropole Lagos kam es in den
vergangenen Jahren mehrfach zu schweren gewaltsamen ethnischen
Auseinandersetzungen. Unterstützt durch die Heinrich-BöllStiftung baut die Basisorganisation Inter-Ethnic Forum aus
Führerinnen und Führern lokaler Organisationen Räte auf, die
ein formelles Training in Konflikt-Mediation erhalten und
schnell auf entstehende Krisensituationen reagieren können.
Diese lokalen Räte arbeiten unabhängig von Lokalverwaltung und
Polizei, kooperieren aber, wo es sinnvoll und notwendig ist,
mit staatlichen Organen.
Beispiel 2: Das Unvermögen des nigerianischen Staates, für die
Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger zu sorgen, hat
sogenannte „Ethnische Milizen“ entstehen lassen, die das
staatliche Gewaltmonopol in Frage stellen und im Konfliktfall
„feindliche“ Bevölkerungsgruppen bedrohen. Die Heinrich-BöllStiftung unterstützt ein Projekt, in dem Strukturen und

Motivationen ethnischer Milizen untersucht und
Verständigungsprozesse eingeleitet werden, die zur
Entschärfung von Konflikten zwischen Milizen beitragen sollen.
Beispiel 3: Die Einführung des islamischen Scharia-Strafrechts
in zwölf nördlichen Bundesstaaten seit Ende 1999 hat zu
politischer Polarisierung und gewaltsamen Konflikten geführt.
Einzelne Urteile von Scharia-Gerichten, die grundlegende
Menschenrechte von Frauen elementar verletzten, haben große
internationale Aufmerksamkeit gefunden. In Nord-Nigeria selbst
steht die grundsätzliche Legitimität der Scharia derzeit außer
Frage; Kritik an der Scharia wird oft nur als Ausdruck antiislamischer Polemik oder gar als „Kreuzzug des Westens“
wahrgenommen. In dieser kritischen Situation gilt es,
praktische Fragen der Menschenrechte und des Zugangs zu Recht
unter der Scharia in den Mittelpunkt zu rücken, ohne dabei
weiter zur Eskalation der Grundsatzdebatte über die
Legitimität der Scharia selbst beizutragen. Die Heinrich-BöllStiftung unterstützt den Aufbau eines Sharia Information and
Documentation Project in Kano sowie eine Reihe von Konferenzen
und Workshops, um Frauen- und Menschenrechtsgruppen mit
Spezialisten für öffentliches und islamisches Recht ins
Gespräch zu bringen.

„Länderprogramm Russland“ der Heinrich-Böll-Stiftung

Russland ist an einem schwierigen, möglicherweise
entscheidenden Punkt in der Entwicklung zu einem
demokratischen Rechtsstaat angelangt. Die Politik der
„Konsolidierung des Staates“ von Präsident Putin hat zwar zu
einer Stabilisierung des Landes beigetragen, aber gleichzeitig
wesentliche demokratische Institute entwertet: Parlament,
Presse, Wirtschaft und Justiz vollziehen zu großen Teilen die
Politik des Kremls, anstatt sie zu kontrollieren. Die
politischen Parteien wetteifern um die Gunst des Präsidenten

oder verharren, wie die Kommunisten, in grundsätzlicher, nicht
demokratischer Opposition. Auch ist eine politische Lösung des
grausamen Kriegs in Tschetschenien nicht in Sicht. In dieser
Situation erweist sich die langjährige Konzentration der
Heinrich-Böll-Stiftung auf die verlässliche Zusammenarbeit mit
verschiedenen Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie
Memorial, der Ökologischen Baikalwelle oder dem
St.Petersburger Center for Gender Issues als strategisch
günstig. Nach dem Bürgerforum im Herbst 2001 rückte zudem die
Förderung von NGO-Koalitionen wie der Narodnaja Assambleja–
einem Zusammenschluss von großen Netzwerk-NGOs wie eben
Memorial, der Verbraucherschutzunion, der Moskauer HelsinkiGruppe oder der Sozial-ökologischen Union – in den Mittelpunkt
der Arbeit. Die russischen NGOs werden angesichts der
teilweise autoritären Kreml-Politik, des von den meisten
Menschen in Russland unterstützten Tschetschenien-Krieges und
eines nur rudimentären Parteiensystems immer mehr zu einem
wichtigen politischen Faktor, zur eigentlichen politischen
Opposition.
Die Heinrich-Böll-Stiftung arbeitet in den Bereichen
Frauenpolitik/Geschlechterdemokratie, Ökologie und
Menschenrechte/Demokratie mit führenden russischen NGOs
zusammen. Hinzugekommen ist 2002 der Schwerpunkt
Armutsbekämpfung. Gemeinsam mit der Narodnaja Assambleja
versucht die Stiftung einen Beitrag zur Verkleinerung
administrativer Barrieren beim Zugang zu staatlich
garantierten Sozialleistungen und zum Umbau des größtenteils
noch aus Sowjetzeiten stammenden und weniger an Bedürftigkeit
als vielmehr am „Verdienst gegenüber Gesellschaft und Staat“
ausgerichteten Sozialsystems zu leisten.
Im April 2002 wurde die langjährige Partnerorganisation
Memorial für ihre „Verdienste um die Aufarbeitung der
diktatorischen Vergangenheit und ihren unermüdlichen Einsatz
zum Schutz der Menschenrechte“ mit dem Lew-Kopelew-Preis für

Frieden und Menschenrechte ausgezeichnet. Die Laudatio hielt
Bundespräsident Johannes Rau.

Russische Projektpartner der Heinrich-Böll-Stiftung:
Memorial (auch deutsch und englisch) www.memo.ru
Narodnaja Assambleja: www.civitas.ru
Ökologische Baikalwelle: www.baikalwave.eu.org
Open Women Line: www.owl.ru
Ecodefense: www.antiatom.ru
Im September 2003 erscheint im Suhrkamp Verlag mit Unterstützung der
Heinrich-Böll-Stiftung das Buch „Der Krieg im Schatten. Russland und
Deutschland“. Hrsg. von Florian Hassel.

„...[der Handel mit Fremdarbeitern] ist das lukrativste Geschäft in Israel.
Ein Geschäft, das auf 3 Millionen $ geschätzt wird. Leider sitzen die
Drahtzieher zum Teil ganz oben. Da gibt es Interessengruppen auf höchster
Regierungsebene, im Parlament, außerhalb des Parlaments,
Geschäftsleute....Ich sage Ihnen, da steckt das große Geld dahinter."
Ehem. Arbeitsminister Shlomo Benizr, Shas “Exposure”, Israeli Broadcasting
Agency Channel 1, 27.02.02

Kav La’Oved – die Arbeiter-Hotline

Das Büro in Tel Aviv der Heinrich-Böll-Stiftung arbeitet seit
Jahren in enger Kooperation mit der Arbeits- und
Menschenrechtsorganisation Kav La‘Oved. Die 1990 gegründete
Organisation setzt sich v.a. für die Rechte von Fremdarbeitern
mit Niedrigeinkommen ein. In Israel leben an die 300.000
Fremdarbeiter, größtenteils aus Osteuropa und Asien. Nach
offiziellen Statistiken arbeiten sie im Schnitt 250 Stunden im
Monat, ein israelischer Arbeiter hingegen nur 152 Stunden.
Zudem kostet ein Fremdarbeiter rund 40 Prozent weniger als ein
israelischer. Kav La‘Oved bietet Beratung und Rechtsbeistand,
hilft bei Verhandlungen mit Arbeitgebern und bei der
Einreichung von Klagen vor Arbeitsgerichten. Dem Einsatz von
Kav La’Oved ist es auch zu verdanken, dass die israelischen
Medien mittlerweile regelmäßig über die Missstände im
Zusammenhang mit Fremdarbeitern berichten und insbesondere
auch das Problem der Ausbeutung der chinesischen Arbeiter an
die internationale Öffentlichkeit gelangte. Ein Großteil der
legal eingereisten und von chinesischen und israelischen
Agenturen vermittelten Fremdarbeiter erhalten trotz bereits in
China gezahlter Vermittlungsgebühren keine Arbeit in Israel
oder werden von ihren angeblichen Arbeitgebern für ihre Arbeit
nicht bezahlt. Häufig können sie nicht mehr in ihre
Heimatländer zurückkehren, da ihnen ihre Pässe von den
Agenturen abgenommen wurden, sie meist aufgrund der
Vermittlungsgebühren verschuldet sind und auch keine
alternativen Arbeiten in Israel annehmen können bzw. dürfen.
Im Herbst 2002 lud die Heinrich-Böll-Stiftung Tel Aviv
erstmalig Mitarbeiter und Repräsentanten diplomatischer

Vertretungen in Israel ein, sich bei einem Vortrag von Roi
Wagner (Kav La‘Oved) über die prekäre Lage der Fremdarbeiter
im Land zu informieren. Zwar ist das Problem mittlerweile in
die Medien gelangt, doch fehlt es noch immer an der
Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft, sich dieses
„internen“ Problems Israels anzunehmen.

www.kavlaoved.org.il
www.boell.org.il

Brennpunkt: Brasilien – Die Herausforderungen und Erwartungen
an den neuen Präsidenten
Veranstaltungsreihe

Im Oktober 2002 wurde Luiz Inácio Lula da Silva von der
Arbeiterpartei (PT) zum Präsidenten Brasiliens gewählt. Der
neue Präsident verkörpert für viele Menschen im größten Land
Südamerikas die Hoffnung auf eine gerechtere Gesellschaft und
wirtschaftlichen Aufschwung.
Anlässlich dieser Wahlen bot die Heinrich-Böll-Stiftung auf
mehreren Abendveranstaltungen die Möglichkeit, mehr von der
politischen Situation in Brasilien zu erfahren und mit
brasilianischen Gästen zu diskutieren. Den Auftakt bildete die
Podiumsdiskussion „Die Wahlen in Brasilien – Kontinuität oder
Wandel?“ Die Beiträge machten deutlich, dass aufgrund der
enormen Verschuldung Brasiliens der Spielraum des neuen
Präsidenten zwar beträchtlich eingeengt ist, aber dennoch
Chancen bestehen, lang versprochene und diskutierte Reformen –
wie z.B. die Agrarreform, Reformen des Sozialsystems und des
Gesundheitswesens sowie ein besserer Schutz gegen
Polizeigewalt – voranzubringen. Eine andere Veranstaltung
beleuchtete die Gewalt gegen Bürgerrechtler in Brasilien. Hier
zeigte sich, dass besonders in den abgelegenen Regionen wie
Amazonien oder dem Nordosten des Landes ein Schutz für

Menschenrechtsanwälte faktisch nicht existiert. Eine weitere
Veranstaltung zu Menschenrechtsverletzungen an sexuellen
Minderheiten machte deutlich, dass diesbezüglich ein
Hauptproblem die Polizei selbst ist – immer wieder kommt es zu
Misshandlungen von Homosexuellen durch Beamte, oder die
Polizei bleibt untätig bei solchen Fällen in der Gesellschaft.
Im Rahmen der Abendveranstaltung „Blequitude – Tag des
Selbstbewusstseins der Schwarzen” beschrieben die
brasilianischen Gäste Sueli Carneiro, Philosophin und Leiterin
des GELEDÉS-Instituts, und Luiz Alberto Oliveira Gonçalves,
Professor für Pädagogik, ihre Antirassismusarbeit in Brasilien
und tauschten Erfahrungen mit Berliner Expertinnen und
Experten sowie Vertretern von Nichtregierungsorganisationen
aus. Dass die Bundesrepublik Deutschland die Konvention zum
Schutz indigener Völker immer noch nicht unterzeichnet hat,
kritisierten Vertreterinnen und Vertreter verschiedener
indigener Völker bei einer anderen Veranstaltung. „Brasil sem
Fome“ (Brasilien ohne Hunger), die letzte Veranstaltung in
dieser Reihe, bezog sich dann bereits auf das von Präsident
Lula vorgestellte Programm gegen Hunger, das Lula als das
Projekt seiner Amtszeit postulierte.
Zu diesem Programm gehört auch die Unterstützung der von 5000
Nichtregierungsorganisationen organisierten Initiative „Im
Jahr 2005 – keine Familie ohne Wasser“. Durch den Bau von 1
Million Zisternen soll z.B. im Gebiet Sertao eine ausreichende
Trinkwasserversorgung gesichert werden. Dieser Ansatz fand auf
der Veranstaltung viel Sympathie. Auch die Heinrich-BöllStiftung unterstützt das genannte Ziel mit Hilfe des
Projektpartners Arcas im Rahmen ihres
Armutsbekämpfungsprogramms.

Infos Arcas per E-mail: arcas@rpnworld.com.br

Instituto de Estudos da Religião (ISER), Rio de Janeiro
Die von staatlichen Stellen in Brasilien geführten Kriminalund Gewaltstatistiken sind bislang unzureichend und teilweise
widersprüchlich, so dass eine Analyse der Gewaltverhältnisse
von der Arbeit von Nichtregierungsorganisationen abhängig ist.
Deren Arbeitsergebnisse werden über die Presse an die
Öffentlichkeit gebracht, um den nötigen Druck für eine
politische Diskussion zu erzeugen. Das Instituto de Estudos da
Religião (ISER) in Rio de Janeiro führt seit mehreren Jahren
Studien zum Thema „Polizeigewalt und Menschenrechte“ durch.
Weniger beachtet, aber nicht minder häufig zählen auch
sexuelle Minderheiten zu den Opfern polizeilicher und anderer
Gewalt. In einem Kooperationsprojekt mit der Heinrich-BöllStiftung sammelte das Institut Informationen zum Thema „Gewalt
gegen Lesben, Schwule und Transvestiten“ in Rio de Janeiro,
richtete eine Datenbank ein und gab eine Studie in Auftrag.
Die beiden Autoren, Doriam Luis Borges und Caio Fabio Varela,
kamen im Oktober 2002 auch nach Deutschland und stellten ihre
Ergebnisse auf der Galerie der Heinrich-Böll-Stiftung vor,
dabei berichteten sie auch über die in Brasilien diskutierten
Strategien zur Bekämpfung von Gewalt und Diskriminierung.
www.iser.org.br

Die Bundestagswahl aus transatlantischer Perspektive –
Podiumsdiskussion mit US-amerikanischen Gästen

Im Sommer 2002 sind die Beziehungen zwischen Deutschland und
den USA durch die unterschiedlichen Ansichten zur Irak-Krise
und undiplomatischen Äußerungen deutscher Politiker einer
schweren Belastungsprobe ausgesetzt worden. Dies war einer der
Gründe für die Heinrich-Böll-Stiftung, am Abend nach der
Bundestagswahl im September zu einer Podiumsdiskussion zum
Thema „Die Bundestagswahl aus transatlantischer Perspektive“
einzuladen. Amerikanische Wahlbeobachter diskutierten ihre
Eindrücke und Analysen mit Experten aus Deutschland und nahmen
eine erste Wahlauswertung aus „transatlantischer Sicht“ vor.

An der Runde beteiligt waren: Todd Main (Ralph Nader 2000
Campaign for President), Kathleen A. McGinty (Al Gore´s
Legislative Advisor on Environmental Matters), Christian
Sterzing (MdB, Fraktion Bü90/Die Grünen), Dr. Gero Neugebauer
(Politikwissenschaftler FU Berlin) und Belinda Cooper (Fellow
American Academy, Berlin).
Die Diskussion drehte sich anfangs um die Wahl in Deutschland
und deren Bedeutung für die innenpolitische Entwicklung,
führte alsbald aber auch zu einem Vergleich der beiden
politischen Systeme – im Mittelpunkt die Frage: Welche Chancen
zum politischen und sozialen Wandel bieten die
unterschiedlichen Parteiensysteme in den USA und Deutschland
insbesondere für Grüne und grünnahe Politikziele und –inhalte,
bzw. was erschwert deren Realisierung? Die beiden
Gesprächspartner aus den USA wiesen besonders auf die sehr
eingeschränkten Möglichkeiten hin, in ihrem Land Mehrheiten
für Politikalternativen zu organisieren, die in den
entsprechenden politischen Gremien Chancen auf Durchsetzung
hätten. Das deutsche (oder auch das europäische)
Parteiensystem erschien ihnen diesbezüglich

wesentlich

flexibler und in seiner Agenda veränderbarer. Allerdings
betonten McGinty und Main mehrfach, dass die Möglichkeiten zur
politischen Einflussnahme in den USA nicht so eingeschränkt
sind, wie dies auf den ersten Blick scheinen mag. Mediale und
öffentliche Wirksamkeit auf kommunaler und auf Länderebene
spielten eine große Rolle, ebenso wie der Einfluss großer
Lobbyorganisationen und sozialer Bewegungen. Umstritten blieb
auch die Bewertung der Kandidatur Ralph Naders für die
Präsidentschaft: Hatte er Al Gore um den Sieg gebracht oder
ist seine Kandidatur auch als eine Erweiterung der politischen
Agenda zu bewerten?

Mit den Perspektiven im grünen Format bot die Heinrich-Böll-Stiftung im
Wahljahr 2002 Berichte und Statements zu aktuellen politischen
Fragestellungen an. Die Perspektiven erschienen in sechs Ausgaben als
Beilage der tageszeitung und online unter www.zukunftsgruen.de

ANTIRASSISMUS, MIGRATION UND DEMOKRATISCHE PARTIZIPATION

Staatsbürgerschaft und Integration

Demokratische Gesellschaften werden auch daran gemessen, mit
welchen politischen und sozialen Rechten sie ihre Minderheiten
ausstatten und wie erfolgreich sie diese in die Gesellschaft
integrieren. In Deutschland wird zwar über kein anderes Thema
mit so viel Ideologie, Emotionalität und irrationalen
Argumenten debattiert und gestritten wie über Zuwanderung und
Ausländerfragen, doch ist dabei selten von Integration und
Rechten die Rede. Für die Heinrich-Böll-Stiftung sind diese
Fragen zentrale Arbeitsfelder in der Migrationspolitik. 2002
beschäftigte sich die Stiftung in einer Reihe von
Veranstaltungen mit den Rechten und Pflichten von Bürgern der
Bundesrepublik, zu denen Migrantinnen und Migranten
selbstverständlich gehören.
Gesetze sind unabdingbare Voraussetzungen für eine
funktionierende Einwanderungsgesellschaft, dennoch bleibt die
Frage, welches gesellschaftliche Modell wir überhaupt wollen.
Wie könnte ein neues, nicht „blutsdeutsch“, sondern
„interkulturell-republikanisch“ orientiertes Staats- und
Gesellschaftsverständnis aussehen und welche Voraussetzungen
müssten dafür gegeben sein?
Die Tagung „Einwanderungsland Deutschland – Interkulturelle
Gesellschaft und Citizenship“ am 7. Juni 2002 im Berliner
Abgeordnetenhaus ging diesen Fragen nach. „Voraussetzungen für
politische Identifikation und Integration sind die
staatsbürgerliche, soziale und kulturelle Gleichberechtigung
der Zuwanderer und der einheimischen Bürger sowie die
Akzeptanz der Zuwanderer durch die Aufnahmegesellschaft“, so
Prof. Dieter Oberndörfer, Vorsitzender des Rates für
Migration, Freiburg. Kulturelle Integration ausländischer
Zuwanderer setze voraus, dass auch ihre kulturellen Werte und
Überlieferungen im Rahmen der Gesetzgebung und Verfassung ein

anerkannter Teil der Nationalkultur werden können. Konkrete
Vorschläge für die Integration in der Praxis, auf kommunaler
Ebene, lieferte Rosi Wolf-Almanasreh, ehemalige Leiterin des
Amtes für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt
am Main. Zur Integration gehöre es beispielsweise,
schnellstmöglich die Sprache des Aufnahmelandes zu lernen.
Dazu müssten Kommunen – mit Unterstützung des Bundes und des
jeweiligen Länder – Kurse anbieten, in denen erste
Orientierungshilfen erfolgen, die vom Kaufen eines
Fahrscheines am Automaten, vom Kennenlernen des Schulsystems
bis zu Grundaussagen der Verfassung reichen können. Auch sei
es erforderlich, die Kenntnisse und Fähigkeiten der
Einwanderer herauszustellen und zu nutzen. Memet Kilic,
Vorsitzender des Bundesausländerbeirates, wies darauf hin,
dass das Ausländergesetz längst einer Überarbeitung harre:
„Das geltende Ausländergesetz entspricht nicht der Realität in
der Bundesrepublik Deutschland.“

Zukunftswerkstätten „Einwanderungsland Deutschland“: Dialog
und Öffentlichkeit

„Wer hätte 1992 gedacht, dass im Jahr 2002 der weltgrößte
Rapper weiß und der weltgrößte Golfer schwarz sein würde?
Rasse ist dynamisch, ändert sich schnell und das Potenzial für
Veränderung ist grenzenlos.“ So voller Optimismus sah Patrick
Younge, Leiter von BBC-Sport, auf einer Tagung der HeinrichBöll-Stiftung in die Zukunft.
Zu ihren Aufgaben rechnet die Stiftung auch die Vermittlung
von Dialogen zwischen Akteurinnen und Akteuren, die sich mit
Integration beschäftigen und dafür engagieren. Zu diesem Zweck
hat die Stiftung eine Reihe von „Zukunftswerkstätten“
veranstaltet – und zwar in Kooperation mit der nordrheinwestfälischen Landesstiftung, dem Westdeutschen Rundfunk (WDR)
und dem Institut für Journalistik der Universität Dortmund. In
Zusammenhang mit dem Abbau der interkulturellen Radioprogramme

in der ARD und angesichts der mangelhaften Integration von
jungen, in Deutschland geborenen und aufgewachsenen jungen
Migrantinnen und Migranten in die Medien fand u.a. im Oktober
eine Fachkonferenz zur „Zukunft der interkulturellen Radiound Fernsehprogramme“ in Köln statt. An der Fachkonferenz
nahmen neben den Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen
interkulturellen Radioprogramme Deutschlands (WDR, HR, DW, BR)
auch Vertreterinnen und Vertreter britischer und
niederländischer Medienanstalten teil. Thomas Windgasse von
der WDR-Medienforschung stellte eine Studie zur Nutzung der
interkulturellen Radioprogramme vor. Diese machte deutlich,
dass fast jeder zweite der Befragten eine der fremdsprachigen
Sendungen kennt und dass sogar 93 Prozent der Hörer bei einer
Absetzung dieser Sendung diese vermissen würden. Memet Kilic
vom Rundfunkrat des SWR plädierte dafür, fremdsprachige
Sendungen zu attraktiven Zeiten zu senden und sie nicht auf
die Mittelwelle zu verbannen. Patrick Younge betonte
schließlich die Bedeutung von Monocultural Programmes, da sie
Minderheiten eine Ausdrucksmöglichkeit böten; auf der anderen
Seite könnten so Minderheiten über die Medien erreicht werden.

Geschichtsbilder I – Deutsche Kolonialgeschichte: „Wer hat
Angst vorm Schwarzen Mann?“

Die Folgen der Kolonialgeschichte bedingen nicht nur die
fortdauernde Hierarchisierung von Menschen und
Menschengruppen, sie beeinflussen auch die Debatte um
Einwanderungsgesellschaften und sind bis heute Grundlage
internationaler Auseinandersetzungen. „Geschichtsbilder“ heißt
eine neue Veranstaltungsreihe der Heinrich-Böll-Stiftung, die
versucht, anhand deutscher Kolonialgeschichte die Entstehung
bzw. Verfestigung bestimmter ethnischer und rassistischer
Menschenbilder nachzuzeichnen. Auftakt war eine
Abendveranstaltung unter dem Titel „Wer hat Angst vorm

Schwarzen Mann? Stereotype, Vorurteile und Realitäten von
Schwarzen in Deutschland“ am 10. Dezember 2002 in Berlin. Nach
einem einführenden Vortrag von Prof. Bergmann, Zentrum für
Antisemitismusforschung TU Berlin, über den Stand, die
Aufgaben und Schwerpunkte der Vorurteilsforschung, wurde
jeweils aus ost- und westdeutscher Sicht über die Wahrnehmung
Schwarzer Deutscher im Alltag der beiden deutschen
Nachkriegsgesellschaften referiert. Dorothee Wierling,
Universität Erfurt, bezog dabei den Erlebnishorizont einer
westdeutschen Kindheit in den 50er Jahren ein; Peggy Pischel,
Universität Leiden, analysierte den Anspruch der ostdeutschen
Gesellschaft als nichtrassistisches Gegenbild zum Westen
anhand der Darstellung prominenter Comicfiguren und stieß
dabei auf eine Reihe rassistischer Stereotypisierungen. Die
„Geschichtsbilder“ werden 2003 mit mehreren Beiträgen zu
Kolonialismus, Migration, Restitutionsfragen und
Dekolonialismus fortgesetzt.

Bürgerrechtsarbeit in Kroatien

Am 9. November 2002, dem Internationalen Tag gegen Rassismus
und Antisemitismus, veranstaltete das Büro der Heinrich-BöllStiftung in Zagreb zusammen mit zahlreichen
Nichtregierungsorganisationen eine öffentliche Kundgebung
unter dem Motto „Faschismus? – Nein Danke“. Vertreterinnen und
Vertreter der Zivilgesellschaft, versammelt im „Ausschuss für
Entfaschisierung“, erinnerten an die Gefahr zunehmender
Intoleranz und einer „Kultur der Gewalt“. Als praktisches
Beispiel der Solidarität wurden ca. 1000 Euro für die
zweijährige Ahlam Tamine gesammelt. Das Mädchen, Tochter
illegaler Immigranten aus dem Irak, leidet an Hydrozephalus
und bedarf dringender ärztlicher Behandlung. Die Gruppe „Essen
statt Waffen“ (Teil eines internationalen
Freiwilligennetzwerks) teilte kostenlos Essen und Tee aus.

In Kooperation mit dem Zagreber „Bürgerausschuss für
Menschenrechte“ und dem Wiener „Simon-Wiesenthal-Zentrum“
zeigte die Heinrich-Böll-Stiftung im Museum Mimara, Zagreb,
die Ausstellung „Holocaust – Mut zur Erinnerung“. Die
Eröffnung fand große Aufmerksamkeit, u.a. durch die
Schirmherrschaft des kroatischen Präsidenten Stipe Mesic, der
die Gelegenheit für eine politische Botschaft nutzte: „ (...)
diejenigen, die verneinen und vergessen möchten, sind laut und
aggressiv, aber sie sind dennoch in der Minderheit. (...) Wir
werden die Augen vor der Wahrheit nicht verschließen. Wir
werden das Verbrechen weder verbergen noch rechtfertigen –
weder dasjenige von vor 50 oder mehr Jahren noch dasjenige von
vor einigen wenigen Jahren“. Zahlreiche Schulklassen der
Zagreber Haupt- und Mittelschulen besuchten die Ausstellung,
die nachfolgend auch in anderen kroatischen Städten zu sehen
war und noch gezeigt wird.

Landesstiftung Sachsen: Handlungsfähig gegen Rassismus und
Rechtsextremismus

Die Stärkung demokratischer Kultur und die Auseinandersetzung
mit offenem und latentem Rechtsextremismus in seinen
verschiedenen Formen war auch im Jahr 2002 ein
Arbeitsschwerpunkt des Bildungswerkes Weiterdenken, der
sächsischen Landesstiftung der Heinrich-Böll-Stiftung. Das
Bildungswerk setzt auf eine breite öffentliche
Auseinandersetzung mit rechtsextremen ideologischen
Versatzstücken und auf das aktive Einschreiten gegen
Rechtsextreme und Rassisten. Im ländlichen Raum und in
sächsischen Kleinstädten versuchen Rechtsextreme die Hegemonie
in Klubs, Treffs und auf Plätzen zu gewinnen. Andersdenkende
bzw. Andersaussehende verlieren die Möglichkeit, sich zu
artikulieren und unbeschwert zu bewegen. Hier gibt es einen
großen Bedarf an Weiterbildung. Dazu gehört z.B. der
„Trainerpool Sachsen“. Das Ziel: einen Pool von ca. 15

Personen aufzubauen, die durch fachliche und methodische
Unterstützung von seiten der Landesstiftung in die Lage
versetzt werden, ihrerseits Trainings für Lehrerinnen und
Lehrer, Beamte kommunaler Behörden, Sportübungsleiter etc.
anzubieten und diese zu befähigen, in ihrem beruflichen Umfeld
Rassismus und Rechtsextremismus frühzeitig zu erkennen und
wirksam dagegen vorzugehen. Bislang wurden drei Bildungsmodule
durchgeführt: eine allgemeine Fortbildung zu Techniken der
Gruppenarbeit, eine Fortbildung zu Methoden des Trainings mit
Multiplikatoren, und ein drittes Modul brachte die
Trainerinnen und Trainer mit wissenschaftlichen Beiträgen zu
Ursachen von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, zu
aktuellen rechtsextremen Argumentationen sowie den Trends
rechtsextremer Ikonographie fachlich auf den neusten Stand.
Die Reihe wird fortgesetzt.

Infos: www.weiterdenken.de

GESCHLECHTERDEMOKRATIE

Geschlechterdemokratie ist ein Leitbegriff für die Arbeit der
Heinrich-Böll-Stiftung. Ihr Ziel ist es, demokratische
Verhältnisse zwischen Frauen und Männern herzustellen und
damit gleichberechtigte Teilhabe an politischen
Entscheidungsprozessen zu erreichen. Als sogenannte
„Gemeinschaftsaufgabe“ ist Geschlechterdemokratie auch ein
internes Organisationsprinzip der Stiftung, d.h. die
Verantwortung für die Integration der Geschlechterperspektive
in die Stiftungsarbeit wird von allen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern getragen. Dies bedeutet eine Veränderung der
Organisationskultur sowie die Übernahme fachlicher
Verantwortung für das Thema in der Bildungs- und Projektarbeit
der Stiftung. Die eigens eingerichtete „Stabsstelle
Gemeinschaftsaufgabe Geschlechterdemokratie“ begleitet,
initiiert und fördert den Umsetzungsprozess in den einzelnen
Bereichen und Abteilungen der Stiftung, führt aber auch eigene
politische Bildungsveranstaltungen durch.

Nähere Informationen über das Konzept der Gemeinschaftsaufgabe
Geschlechterdemokratie in der Broschüre „Gemeinschaftsaufgabe
Geschlechterdemokratie in der Heinrich-Böll-Stiftung“, die auch zum
Download unter www.boell.de bereit steht.
„Beispiele zur Umsetzung von Geschlechterdemokratie und Gender
Mainstreaming in Organisationen“
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung mit ihren Landesstiftungen. Schriften
zur Geschlechterdemokratie der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 3, Berlin 2003
(2. leicht veränderte Auflage), 48 Seiten

Geschlechterdemokratische Dialoge

Die Reihe „Geschlechterdemokratische Dialoge“, in Kooperation
mit der Wochenzeitung „Freitag“ durchgeführt, zielt auf den
fachlichen Austausch mit und zwischen Expertinnen und Experten
aus Wissenschaft und Politik; dabei geht es um die politische
Relevanz von Geschlechterdemokratie.

Die Auswahl der Themen orientierte sich im Jahr 2002 an den
Ergebnissen der Fachtagung „Auf dem Weg zu
Geschlechterdemokratie. Stand und Perspektiven rot-grüner
Geschlechterpolitik“ vom Herbst 2001. Der mittlerweile siebte
Dialog im Frühjahr 2002 widmete sich daher einer „Politik für
Kinder“. Eingeladen waren u.a. Dr. Christine Bergmann,
damalige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend, sowie Dr. Fritz Kuhn, damaliger Vorsitzender von
Bündnis 90/Die Grünen. Christine Bergmann betonte, dass die
Kinderbetreuung in den nächsten Jahren bei der Förderung
Vorrang haben müsse. Fritz Kuhn warnte allerdings davor, die
Debatte um eine bessere Familien- und Kinderpolitik auf die
Kinderbetreuung zu reduzieren. Soziale Sicherung, gesunde
Ernährung – das seien einige andere Punkte, die beachtet
werden müssten. Sabine Walther, Vizepräsidentin des Deutschen
Kinderschutzbundes, brachte noch einen weiteren Vorschlag in
die Diskussion: eine Elternzeit, wie sie bereits in Schweden
praktiziert wird. Einen anderen Ansatz hatte Dr. Werner
Sauerborn von der Zeitschrift Paps. Er schlug vor, ein Referat
„Geschlechterdemokratie“ beim Familienministerium zu
installieren, das Männer- bzw. Väter- und Frauenpolitik zu
einer Geschlechterpolitik verbindet, von der neue politische
Impulse ausgehen könnten.

Politik für Kinder! Zur neuen Kinder- und Familienpolitik der
Bundesregierung
Dokumentation des 7. Geschlechterdemokratischen Dialogs der Heinrich-BöllStiftung am 18. April 2002 in Berlin.
Schriften zur Geschlechterdemokratie der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 2,
Berlin 2002, 20 Seiten

Der achte Dialog im Juni 2002 befasste sich mit den
Perspektiven und Potentialen einer erhöhten Männer-TeilzeitQuote. Dr. Stephan Höyng von Dissens e.V. stellte anhand
neuerer Studien die Motivation, Situation und Schwierigkeiten
teilzeitarbeitender Männer vor. Er plädierte für
Teilzeitarbeit, weil sich damit die gesamte Arbeits- und
Lebenskultur von Männern positiv ändern würde. Irmingard

Schewe-Gerigk, frauenpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die
Grünen, erläuterte das „Instrument der Männer-Teilzeit“ aus
politischer Sicht. Sie plädierte vor allem aber für ein
Elterngeld sowie eine Ausweitung des Vaterschaftsurlaubs.
Im neunten und letzten Dialog ging es um „Gender Mainstreaming
in der Außen- und Sicherheitspolitik“. Einleitend erläuterte
Dr. Cilja Harders, Juniorprofessorin an der Universität
Bochum, Analysen und Konzepte von Außen- und
Sicherheitspolitik, die sowohl feministische als auch GenderAnsätze berücksichtigen. Ein erster Schritt wäre es ihrer
Meinung nach, wenn Frauengruppen in Krisenregionen als
wichtige Akteurinnen ernst genommen würden. Alfred Grannas vom
Auswärtigen Amt und Hans-Heinrich Wrede von der UNESCO
berichteten über den Stand und die Perspektiven bei der
Umsetzung von Gender Mainstreaming in den jeweiligen
Institutionen. Sie wiesen auf die Gefahr hin, dass Gender
Mainstreaming in der Wahrnehmung auf einen formalisierten
Verwaltungsakt reduziert wird, ohne die dadurch sich
verändernden Politikinhalte zu erkennen.

Um die vielfältigen Aspekte von Geschlechterdemokratie in den
unterschiedlichen Politikfeldern, deren Erfolge und Widerstände,
Veränderungen und Entwicklungen für Interessierte festzuhalten, wurden die
Dialoge dokumentiert, auch eine englische Kurzfassung ist erhältlich:
Geschlechterdemokratische Dialoge. Dokumentation einer Veranstaltungsreihe
Schriften zur Geschlechterdemokratie der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 6,
Berlin 2002, 112 Seiten

„Väter werden, Väter sein, Väter bleiben“ und „Konflikt und
Geschlecht“ – zwei Fachtagungen des Forum Männer in Theorie
und Praxis der Geschlechterverhältnisse

Welche Bilder von Vätern, welche Konzepte von Väterlichkeit
sind derzeit von Bedeutung in unserer Gesellschaft, und welche
Unterschiede spielen eine Rolle? Die Vorstellungen darüber
gehen zum Teil weit auseinander. Es gibt Streit auf vielen

Ebenen: um die Richtigkeit von Behauptungen, um die Tiefe von
Bedeutungen, um Berechtigungen und um Rechte. Die Tagung
„Vater werden, Vater sein, Vater bleiben – Psychosoziale,
rechtliche und politische Rahmenbedingungen von Vaterschaft“
im Mai 2002 nahm sich des Themas an und zeigte u.a.
Perspektiven auf, wie die Möglichkeiten von Vätern erweitert
werden können, ohne dabei die Interessen von Kindern und
Müttern aus dem Auge zu verlieren. Hintergrund war die These,
dass in der öffentlichen Wahrnehmung und institutionellen
Praxis die psychosozialen Bedingungen von Vaterschaft nicht
hinreichend berücksichtigt werden und zudem die Akteure bzw.
Institutionen die Möglichkeiten des bestehenden Rechts oft zum
Nachteil von Vätern nicht ausschöpfen. Prof. Dieter Lenzen von
der FU Berlin gab einen fulminanten Überblick über das
Vaterbild vom Paläolithikum bis ins 20. Jahrhundert.
Ernüchtert stellte er fest, dass das altchristliche Bild der
„Vatersuche“ uns erhalten geblieben ist. Prof. Dr. Lore Maria
Peschel-Gutzeit beschrieb den Prozess, durch den in den
letzten hundert Jahren die allein dominierende Rolle des
ehelichen Vaters zugunsten der Mutter kontinuierlich
abgenommen hat. Die anderen Beiträge u.a. von Eginhard Walter,
Dieter Dorn, Gerhard Amendt und Ralf Ruhl zeigten die
vielfältige und mitunter auch kontroverse Sicht auf das Thema
und boten allesamt Anlass für eine lebhaft geführte
Diskussion.

Vater werden, Vater sein, Vater bleiben
Dokumentation einer Fachtagung der Heinrich-Böll-Stiftung mit dem „Forum
Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse“ am 24./25. Mai
2002 in Berlin.
Schriften zur Geschlechterdemokratie Nr. 5, Berlin 2002, 92 Seiten
Download unter www.boell.de

Die Herbsttagung befasste sich mit dem Thema „Konflikt und
Geschlecht“. An sich sind Konflikte nichts Negatives – im
Gegenteil, sie bedeuten zunächst nur unterschiedliche
Meinungen oder Interessen und tragen das Potential für

menschliche Entwicklung und Gemeinsamkeit. Konflikte bzw.
konflikthafte Situationen werden aber unterschiedlich
wahrgenommen und entsprechend unterschiedlich definiert.
Lassen sich hier bedeutsame geschlechtstypische Unterschiede
feststellen? Wann werden welche Konflikte wahrgenommen? Wie
reagieren Männer und Frauen auf sie? Sind Konfliktanalysen und
Konfliktinterventionen, besonders auch im politischen Feld,
erfolgversprechender, wenn sie Erkenntnisse der
Geschlechterforschung berücksichtigen? Diese Fragen standen im
Mittelpunkt der Tagung. Dr. Christa Heilmann,
Sprechwissenschaftlerin an der Universität Marburg, plädierte
für neue Kommunikationsmaßstäbe, die beiden Geschlechtern die
Freiheit lassen, sich „situationsadäquat“ verhalten zu können.
Der Sozialpädagoge Prof. Kurt Möller betonte, dass es für das
männliche Geschlecht kein typisches Konfliktmuster gebe, dass
die Motive und Austragungsformen der Konflikte aber in enger
Verbindung mit den Sozialisationsprozessen stünden. Und immer
noch herrsche dort häufig eine Dominanz von Gewalt vor. Eben
dies zu ändern – vor allem darauf müssten sich die politischen
und pädagogischen Anstrengungen richten.

Konflikt und Geschlecht. Dokumentation einer Tagung der Heinrich-BöllStiftung am 15./16. November 2002 in Berlin; in Zusammenarbeit mit dem
Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse. Schriften
zur Geschlechterdemokratie Nr. 7, Berlin, Juni 2003, 60 Seiten
Das Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse wird
von der Stabsstelle Gemeinschaftsaufgabe Geschlechterdemokratie koordiniert
sowie finanziell und ideell unterstützt. Es ist ein Netzwerk von Männern
aus den Bereichen Forschung, Bildung, Beratung und Politik, das seit drei
Jahren halbjährliche Fachtagungen auf der Galerie der Heinrich-BöllStiftung in Berlin veranstaltet.

„Genderkompetenz durch Gendertraining“ – Weiterbildung

Die Einführung und Umsetzung von geschlechterpolitischen
Strategien in Organisationen erfordert von den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein hohes Maß an
„Genderkompetenz“. Sie müssen sich Wissen über die soziale und
kulturelle Konstruktion von Geschlechterrollen aneignen, zur
Reflexion der (eigenen) Geschlechterrollen(-bilder) fähig sein
und mit deren Auswirkungen auf Kommunikation, Interaktion und
Strukturen in Organisationen umgehen können. Darüber hinaus
müssen sie in der Lage sein, Genderperspektiven und damit auch
die Ergebnisse und Erfahrungen von genderbezogener Forschung,
Beratung und Bildung in die eigene Arbeit konsequent
einzubeziehen. Um solche Genderkompetenz zu entwickeln und zu
fördern gibt es das Instrument der Gendertrainings. Sie dienen
der Sensibilisierung zur Reflexion der eigenen
Geschlechterrollen(-bilder) als auch der Fortbildung zum
Erlernen der verschiedenen Umsetzungsstrategien von
Geschlechterpolitik und dazu notwendiger Instrumente und
Methoden. Der Bedarf an qualifizierten Gendertrainerinnen und
–trainern steigt, bislang gibt es dafür jedoch keine
entsprechenden Aus- oder Weiterbildungsmöglichkeiten. Die
Heinrich-Böll-Stiftung hat einen Trainingsansatz erarbeitet,
in den viele Erfahrungen sowohl der eigenen als auch anderer
Organisationen eingeflossen sind. Die berufsbegleitende
Qualifizierungsmaßnahme ist in fünf Modulen aufgebaut und
befähigt die Teilnehmenden am Ende zur kompetenten Beratung
bei genderspezifischen Fragestellungen in ihrem beruflichen
Umfeld und zur Durchführung von Gendertrainings. Mit diesem
Weiterbildungsangebot wirkt die Heinrich-Böll-Stiftung
federführend an der Festlegung von bundesweiten
Qualitätsstandards mit. Seit 2001 wurden in Zusammenarbeit mit
den Landesstiftungen Hamburg, Niedersachsen und NordrheinWestfalen bereits vier Trainings durchgeführt.
Information unter: gender@boell.de

ZUKUNFT DER ARBEIT UND DES SOZIALEN

„Bürgergesellschaft und Sozialstaat“ – eine Tagung

Wie kann zwischen Staat, Gesellschaft und Individuum ein
konstruktives Zusammenspiel erreicht werden, in dem die
Selbsthilfe und die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger
grundlegende Prinzipien darstellen? Dieser Frage stellten sich
die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Fachtagung der
Heinrich-Böll-Stiftung am 15./16. Februar 2002 in Berlin.
Prof. Herfried Münkler von der Berliner Humboldt-Universität
eröffnete die Tagung mit seinem Vortrag „Bürgergesellschaft:
Friedensformel, Wunschdenken oder was sonst?“ Ein Auftakt, der
provozierte – und der offen legte, dass eine Begriffsklärung
dringend vonnöten ist. Münklers Konzeption von
Bürgergesellschaft setzt dabei auf die Verbindung von
bürgerschaftlichem Engagement und gesellschaftlicher
Anerkennung, die für ihn als unverzichtbarer Integrationsmodus
freiheitlich verfasster Gesellschaften fungiert. Diese
Verbindung sieht er zudem als entscheidende Voraussetzung bei
der Erziehung von Menschen zu Bürgern und der Bereitstellung
bürgerschaftlichen Engagements.
Die Frage, wie der Gestaltungsrahmen für einzelne
Politikbereiche aussehen müsse, um mehr Bürgergesellschaft zu
erreichen, bot im weiteren Verlauf der Veranstaltung viel
Diskussionsstoff, denn häufig wird Bürgergesellschaft
vereinfacht gleichgesetzt mit Staatsabbau und
Kostenreduzierung. Das Abschlusspodium eröffnete Dr. Lothar
Probst mit der Frage „Wie viel gefühlte Bürgergesellschaft
haben wir eigentlich?“ und gab den Diskutanten damit die
Gelegenheit, Resümee zu ziehen und aufzuzeigen: Wo stehen wir
jetzt? Und was ist zu tun, um eine Bürgergesellschaft zu
fördern? Ein gelungenes Fazit der Tagung zog Adrian Reinert,
Stiftung Mitarbeit Bonn: „Bürgergesellschaft ist kein Zustand,
sondern ein dynamischer Prozess. Seine Grundlage bildet das

persönliche Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger in
unterschiedlichen Handlungsfeldern unserer Gesellschaft“.

Bürgergesellschaft und Sozialstaat
Dokumentation einer Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung am 15./16. Februar
2002 in Berlin
Dokumentationen der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 24, Berlin 2002, 88 Seiten

Politik für Kinder. Politik für Eltern
Tagung sowie weitere Veranstaltungen zum Thema Politik für
Kinder

Der Rückgang der Geburtenraten, zunehmende Kinderarmut und das
unzureichende Betreuungs- und Versorgungsangebot rücken Themen
rund ums Kind hierzulande in den Mittelpunkt politischer
Auseinandersetzungen. Mehr Geld für Kinder fordern fast alle
Parteien, doch es regt sich Widerstand: Viele Kinderlose
befürchten ein Anziehen der fiskalischen Daumenschraube und
halten Kinderwunsch und -erziehung für ein rein privates
Risiko. Wie lässt sich ein harmonisches Zusammenspiel von
Sozialpolitik und Erwerbs- und Familienarbeit bewerkstelligen?
Was heißt Konzentration von Leistungen auf die wirklich
Bedürftigen? Gibt es einen Paradigmenwechsel von der
Familienpolitik hin zur Politik für Kinder? Wie gehen z.B.
zunehmende örtliche Mobilität und zeitliche Flexibilität, die
im Berufsleben gefordert werden, mit dem Leben mit Kindern
zusammen? Was können Unternehmen gestalten und anbieten? Die
Heinrich-Böll-Stiftung hatte Vertreterinnen und Vertreter aus
Wissenschaft, Politik und Verbänden sowie zahlreichen
Unternehmen eingeladen, ihre Vorstellungen zu präsentieren und
zu diskutieren. Die Problemanalysen und Lösungsstrategien der
Referentinnen und Referenten waren zum Teil sehr konträr,
allesamt teilten sie jedoch die Vision einer kinder- und
familienfreundlichen Gesellschaft. Nur müssen die richtigen
Schritte eingeleitet werden, um diesem Ziel näher zu kommen.

Einigkeit gab es in der Forderung, endlich die Leistungen der
Transfersysteme für Kinder auch auf diese zu konzentrieren und
sich von bisherigen Sozialleistungen zu verabschieden, die
zwar Lebensformen von Erwachsenen mit Kindern fördern,
letztere jedoch zu wenig erreichen.

Über diese Tagung hinaus gab es im Jahr 2002 noch weitere
Veranstaltungen zum Thema Politik für Kinder. So beschäftigte
sich beispielsweise ein Jour Fix mit der Frage „Eltern,
Unternehmen oder Staat. Wer zahlt für die Kinder?“ Belinda
Cooper vom World Policy Institute New York diskutierte mit
Katharina Spieß vom Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung in Berlin sowie Hans Bertram, Humboldt
Universität Berlin, vor dem Hintergrund eines amerikanischdeutschen Vergleichs.
In Kooperation mit der BAUM Consult GmbH gab es Workshops zu
familienfreundlichen Personalstrategien für Berliner
Unternehmen, die amerikanische Soziologin Arlie Hochschild
stellte ihre neueste Studie vor, in der sie der Frage
nachging, warum so viele Eltern über Zeitnot klagen und doch
kaum familienfreundliche Arbeitszeitregelungen nutzen und die
Journalistin und Autorin Susanne Mayer debattierte mit Andrea
Fischer, Gesundheitsministerin a.D., und Gisela Erler,
Familienservice GmbH, die Thesen ihres neuesten Buches über
eine Kinder- und Familienpolitik in Zeiten leerer Kassen.

Deutschland armes Kinderland. Wie die Ego-Gesellschaft unsere Zukunft
verspielt. Von Susanne Mayer, erschienen im Eichborn-Verlag, Frankfurt a.M.
2002, 268 Seiten, 17,90 EUR, ISBN 3-8218-3946-3
“Keine Zeit” Wenn die Firma zum Zuhause wird und zu Hause nur Arbeit
wartet. Von Arlie Hochschild, erschienen im Verlag Leske und Budrich,
Opladen 2002, 305 Seiten, 18,00 EUR, ISBN 3-8100-3620-X
Politik für Kinder – Politik für Eltern
Dokumentation einer Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung am 13./14. Juni 2002
in Berlin
Dokumentationen der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 23, Berlin 2002, 64 Seiten,
mit Abbildungen

Zukunft der Arbeit: Soziale Innovationen – Zur Reform der
Sozial- und Arbeitsmarktpolitik
Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit
UnternehmensGrün Berlin am 2. November 2002

„Grün und Entrepreneurship gehören zusammen“, so Ralf Fücks,
Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, zu Beginn der Tagung. Die
Kooperation der Heinrich-Böll-Stiftung mit UnternehmensGrün
(Verband zur Förderung umweltgerechten Wirtschaftens) sei
deshalb

nur konsequent; gerade die aktuelle Situation zeige

deutlich, dass nur Konzepte nachhaltigen Wirtschaftens neue
Perspektiven eröffneten. Hier könnten beide
Kooperationspartner wichtige Beiträge leisten. Leider sei
„grüne Wirtschaftspolitik in der öffentlichen Diskussion
insgesamt wenig erkennbar“, so Edith Memmel, Vorstand von
UnternehmensGrün. Die SPD und auch große Teile der Grünen
hätten zu Unternehmern ein distanziertes Verhältnis und
huldigten „einer überkommenen Tradition des Etatismus“.
Norbert Bensel, Personalvorstand der Deutschen Bahn AG und
Mitglied der Hartz-Kommission, sowie Alexandra Wagner,
Forschungsteam Internationaler Arbeitsmarkt GmbH, boten mit
kontroversen Vorträgen zum Hartz-Konzept eine Vorlage für die
nachfolgenden Foren, in denen u.a. Übergangsarbeitsmärkte als
Wege in die Arbeit oder Work-Live-Balance-Konzepte in kleinen
und mittleren Unternehmen vorgestellt und diskutiert wurden.
Die Abschlussdiskussion war in zweierlei Hinsicht erhellend.
Zum einen machte sie deutlich, dass die politischen Akteure
die Probleme nicht länger beschönigen können – wenngleich die
Diskussion zwischen Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und
Politik nur langsam in Bewegung kommt. Zum anderen zeigte
sich, dass die offizielle Politik zwar durchaus reformbereit
ist, sich gegenwärtig aber in Einzelproblemen verzettelt.

BILDUNG UND WISSENSCHAFT

Berliner Hochschuldebatten

Seit 1999 bieten die Berliner Hochschuldebatten Interessierten
und Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft
ein Forum für anregende Diskussionen zum Thema
Hochschulpolitik. Jenseits der üblichen Gremien und
Frontlinien werden hier Menschen mit Konzepten zur zukünftigen
Hochschulpolitik zusammengebracht. Diskutiert wird dabei in
einer „fishbowl“ – einem runden Plenum von Expertinnen und
Experten, in dem zu Beginn ein oder zwei Stühle unbesetzt
bleiben. Hier können Gäste aus dem Publikum Platz nehmen, um
sich jederzeit in die Diskussion einzumischen. Die übliche
Trennung zwischen Podium und Publikum wird so aufgehoben und
eine intensive Diskussion ermöglicht.
Mit drei Veranstaltungen wurde im Jahr 2002 die Reihe
fortgesetzt.
Thema der mittlerweile zwölften Berliner Hochschuldebatte im
März 2002 war die fünfte Novelle des Hochschulrahmengesetzes,
die für viel Aufregung gesorgt hatte, weil der
wissenschaftliche Mittelbau aufgrund neuer, restriktiver
Regelungen in den befristeten Arbeitsverhältnissen um seine
berufliche Zukunft fürchtete. Das böse Wort von der
„Verschrottung“ einer ganzen Wissenschaftlergeneration machte
die Runde. In der Debatte räumten die jungen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwar ein, dass
befristete Arbeitsverhältnisse im Wissenschaftsbetrieb
durchaus sinnvoll seien, die Befristung der Lebensplanung von
Wissenschaftlern, wie sie das neue Gesetz vorsehe, sei aber
kontraproduktiv. Der Gewerkschaftsvertreter Karl-Heinrich
Steinheimer von ver.di warnte davor, befristete Projektarbeit
zum Regelfall für die Beschäftigten im Wissenschaftsbetrieb zu
machen, denn was wird aus dem 45jährigen Wissenschaftler, der
nach Auslaufen seines Projekts keinen Anschlussvertrag mehr

bekommt? Reinhard Loske, der bildungspolitische Sprecher der
Grünen, schlug gesetzliche Übergangsregelungen vor, was
mittlerweile umgesetzt ist. Die Diskussionsrunde favorisierte
einhellig eine außergesetzliche Regelung – durch Tarifvertrag.
Die Universitäten sollten mit ihren Beschäftigten eigenständig
die Arbeitsverhältnisse aushandeln. Doch hier blockiert die
Tarifgemeinschaft der Länder. Ein eigener Tarif für die
Wissenschaft wäre für sie nicht kostenneutral zu haben.

Im Mai stellten die Berliner Hochschuldebatten „Prüfungen auf
den Prüfstand“. Die Frage, wie an deutschen Hochschulen
geprüft wird, wird selten gestellt, ist jedoch in zweierlei
Hinsicht wichtig. Zum einen kommen ernsthafte Studienreformen
nicht um die Frage nach geeigneten Prüfungen herum, da
Studieninhalte und Lernformen in der Praxis auf vorgegebene
Prüfungsordnungen reagieren und nicht umgekehrt. Zum anderen
können Prüfungen selbst ein wichtiger Teil von Lernprozessen
sein, in dem sie Lernfortschritte erfassen und individuelle
Rückmeldungen über Stärken und Defizite liefern.
Die Praxis jedoch ist, wie die Diskussion zeigte, eher
ernüchternd. Es gibt keine Standards und kaum geschulte
Prüfer. „Je müder der Prof, desto besser die Note“ – wie
Untersuchungen belegen. Chancen für einen allgemein
bewussteren Umgang mit Prüfungen und eine Reform des
Prüfwesens liegen möglicherweise in der Modularisierung des
Studiums und der Einführung von BA/MA-Abschlüssen – allerdings
nur dann, wenn nicht das Studium völlig mit Prüfungen
überzogen und auf eine Serie von Prüfungsvorbereitungen
reduziert wird. Substantielle Veränderungen sind ohnehin erst
dann zu erwarten, wenn Lehren und Prüfen Relevanz in der
„Reputationsmaschine“ Universität erlangen.

Zum Jahresende befassten sich die Berliner Hochschuldebatten
mit einem aktuellen Berliner Thema: der Zukunft der
Hochschulmedizin. Nachdem der Berliner Senat mit dem Versuch,

das Klinikum der Freien Universität zu schließen, am
öffentlichen Protest gescheitert war, hatte er eine Kommission
zur Strukturreform der Hochschulmedizin eingerichtet und ihr
eine Einsparsumme mit auf den Weg gegeben, die den Zuschüssen
für eine komplette medizinische Fakultät entspricht. Die
Kommission sprach sich schließlich für eine Fusion der beiden
Berliner Hochschulkliniken aus. Die Berliner Hochschuldebatten
hatten Mitglieder der Expertenkommission, Vertreter aus
Charité und Benjamin Franklin sowie einen Gesundheitsökonomen
eingeladen, um zu diskutieren, ob die Vorschläge der
Kommission Modellcharakter über Berlin hinaus haben könnten.
Mittlerweile wird in Berlin die Fusion der Kliniken zur
autonomen Charité – Berliner Universitätsmedizin umgesetzt –
unter der Leitung der auf der Veranstaltung ebenfalls
anwesenden Ingrid Nümann-Seidewinkel. In zahlreichen anderen
Bundesländern werden ähnliche Modelle angestrebt. Durch die
Herauslösung der Kliniken aus den Strukturen der Universitäten
erhofft man sich Effizienzsteigerungen in Lehre, Forschung und
Krankenversorgung.

Informationen zu den Berliner Hochschuldebatten im Netz unter
www.hochschuldebatten.de

Die Bildungskommission der Heinrich-Böll-Stiftung

In ihrer neuesten Empfehlung „Professionalität und Ethos“
plädiert die Bildungskommission der Heinrich-Böll-Stiftung für
eine grundlegende Reform des Lehrberufs. Die Empfehlung
schließt an eine Reihe von Vorschlägen der Kommission zur
Bildungsreform an. Die erste Empfehlung bezog sich auf eine
Reform der „Bildungsfinanzierung in der Wissensgesellschaft“,
die zweite, „Chancengleichheit oder der Umgang mit Gleichheit
und Differenz“, auf eine veränderte Interpretation der
Gleichheitsvorstellung im Bildungsbereich. In der dritten
Empfehlung „Autonomie von Schule in der Wissensgesellschaft –

Verantwortung in der Zivilgesellschaft“ wird die Forderung
nach größerer Autonomie von Schulen entwickelt. Alle
Empfehlungen berücksichtigen die tatsächliche Transformation
zur Wissensgesellschaft und suchen eine Stärkung
zivilgesellschaftlicher Strukturen.
Die Wissensgesellschaft ist eine lernende Gesellschaft. Sie
baut auf Eigenverantwortlichkeit der Menschen, verlangt von
ihnen ein hohes Maß an Flexibilität und eine Vielfalt an
Kompetenzen. Das Bildungssystem der Wissensgesellschaft setzt
auf Menschen, die sich Wissen aneignen und es vermitteln, die
lernen und lehren. Wenn Menschen als Lernende ihre
Bildungsbiographie selbst gestalten und für ihren
Bildungsprozess Verantwortung übernehmen sollen, muss die
Grundlage und Motivation in einer frühen Bildungsphase gelegt
sowie eine positive Einstellung zum lebenslangen Lern- und
Bildungsprozess aufgebaut werden. Diese Bildungsziele
erfordern, dass Lernende Subjekte ihres Bildungsprozesses
werden. Daher ist es ein vorrangiger Auftrag von Pädagoginnen
und Pädagogen, für Kinder und Jugendliche eine entsprechende
Schule zu entwickeln und zu gestalten. Für diese Aufgaben sind
sie jedoch schlecht vorbereitet. Die bisherige Stärke von
Lehrpersonen liegt in ihrer Fachkompetenz und der Vermittlung
von Faktenwissen, die umfassende Förderung der Kinder und
Jugendlichen bleibt meist nur sekundäre Aufgabe. Es gibt
bislang wenig Ansätze zur Individualisierung von Unterricht.
Die Fähigkeit, Lernprozesse zu initiieren und ihre Wirksamkeit
zu überprüfen, ist unterentwickelt. Nach Ansicht der
Bildungskommission sollte es vorrangiges Ziel von Unterricht
sein, die motivationalen und methodischen Grundlagen für
Lernprozesse zu schaffen. Lehrpersonen müssen Lernarrangements
organisieren und Lernprozesse unterstützen sowie moderieren.
Angesichts der größer werdenden Heterogenität von Kindern und
Jugendlichen wird es notwendig, mit Unterschiedlichkeit besser
umgehen und individualisierende Lernsituationen herstellen zu
können.

Gute schulische Arbeit zeichnet sich immer dadurch aus, dass
sich Lehrpersonen für die Entwicklung der jungen Menschen
verantwortlich sehen. Beratung für den Bildungsweg, die
Anbahnung beruflicher Orientierung, die Kenntnisnahme
persönlicher Probleme und die Vermittlung professioneller
Beratung für den Berufsweg sind wichtige Aspekte der
alltäglichen Arbeit. Solche erzieherischen Aufgaben werden
nicht zuletzt durch den Ausbau von Schulen zu
Ganztagsangeboten zunehmen. Hier können Kinder und Jugendliche
mehr lernen, wenn die für sie zuständigen Personen über
vielfältige Qualifikationen verfügen.
Im Mittelpunkt der Empfehlung steht die Neubestimmung der
Autonomie der Schule. Schule und Lehrpersonal sollen sich als
Gestalter statt als Ausführende von Vorschriften verstehen.
Dies erfordert einen grundlegenden Wandel vom
individualistischen Berufsverständnis zur Kooperation in der
gemeinsamen Arbeit an der Schulentwicklung. Dazu kommt die
bisher völlig unterentwickelte Kooperation mit den Eltern.
Erziehungsziele gemeinsam auszuhandeln, Bildungsinhalte nicht
nur gegenüber Schülerinnen und Schülern, sondern auch
gegenüber Eltern begründen zu müssen, sich über die Auswahl
von Methoden, den Angeboten in und außerhalb des Unterrichts
zu verständigen, muss selbstverständlicher Bestandteil von
Lehrerarbeit werden. Auch der Kooperation mit dem regionalen
Umfeld muss künftig größere Bedeutung zukommen. Als
Kooperationspartner kommen Betriebe, ökologische, kulturelle
und soziale Einrichtungen, Kirchen und Vereine sowie
Stadtteil-Initiativen in Betracht.
Für diese vielfältigen Aufgaben braucht die Schule ein
Zeitbudget, über das sie verfügen kann. Lehrpersonen sollten
deshalb den größten Teil ihrer Arbeitszeit an der Schule
präsent sein. Nur dadurch kann es zu den notwendigen
kooperativen Arbeitsbeziehungen kommen und zugleich mehr Zeit
für Schülerberatung zur Verfügung stehen. Lehrpersonen

benötigen hierfür Fort- und Weiterbildung. Die sind sowohl
individuelle Angelegenheit einer jeden Lehrperson wie auch –
sehr viel stärker als bisher – gemeinsame Angelegenheit eines
Kollegiums. Eine autonome Schule braucht ein
Fortbildungsbudget, das sie zur Unterstützung ihrer eigenen
Entwicklung nutzt. Die regelmäßige Teilnahme an Fortbildung
sollte für Lehrpersonen verpflichtender Teil der beruflichen
Qualifikation sein.
Professionalität und Ethos – Plädoyer für eine grundlegende Reform des
Lehrberufs, 4. Empfehlung der Bildungskommission der Heinrich-Böll-Stiftung
Mitglieder der Bildungskommission: Prof. Dr. Gerd de Haan, Prof. Dr.
Wolfgang Edelstein, Reinhard Kahl, Undine Kurth, Dr. Andreas Poltermann,
Anne Sliwka, Cornelia Stern, Volkmar Strauch, Dr. Dieter Wunder, Sybille
Volkholz (Koordinatorin)
Informationen unter bildung@boell.de
Neuerscheinung 2002: Gut zu Wissen – links zur Wissensgesellschaft, hrsg.
von der Heinrich-Böll-Stiftung, Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster
2002, 346 Seiten. Mit Beiträgen von André Gorz, Benjamin Barber, Nancy
Fraser, Jeanette Schulz, Wolfgang Bonß, Undine Eberlein, u.a.

Biopolitik in der Wissensgesellschaft

In den Debatten um Biotechnologie und die moderne
Reproduktionsmedizin zeigt sich immer deutlicher, dass
Wissenschaft heute nicht mehr ausschließlich oder auch nur
vorrangig als Schlüssel zur Lösung von Rätseln und
Bedrängnissen der Menschheit angesehen wird. Sie gilt
zunehmend selbst als eine Quelle der Verrätselung und der
Bedrohung. Wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich der
Lebenswissenschaften haben heute unmittelbare soziale
Konsequenzen. Deshalb sind Politiker, Wissenschaftler, Soziale
Bewegungen und Bürger alarmiert und fordern dringend die
Kontrolle von Forschung, die mit noch nie gesehener Vehemenz
die anthropologischen Grundlagen unseres Zusammenlebens und
damit auch die Grundlagen gemeinsamer Menschenrechte und

universalistischer Gerechtigkeitsforderungen zur Disposition
stellen.
Zusammen mit dem European College of Liberal Arts diskutierte
die Heinrich-Böll-Stiftung daher zu Beginn des Jahres 2002
über „Anthropologische Visionen für das 21. Jahrhundert“, die
der Politik und unserem Handeln im 21. Jahrhunderts angesichts
der biotechnischen Revolution zu Grunde liegen sollten. Diese
Revolution läuft – das wurde deutlich – nicht im luftleeren
Raum ab.
Die Fachtagung „Biotechnology, Commerce, and Civil Society“,
die die Heinrich-Böll-Stiftung zusammen mit dem
Kulturwissenschaftlichen Institut vom 5. bis 7. September 2002
in Essen durchführte, versuchte die Biotechnologie
gesellschaftlich zu verorten.
Die Vorlesungsreihe „Bioethik und Biopolitik. Eine
Folgenabschätzung der neuen Technologien“ an der Freien
Universität in Berlin brachte schließlich Naturwissenschaft
und Philosophie in Kontakt. In den Diskussion wurden
Positionen aufeinander bezogen, die sich üblicherweise nur im
Feuilleton der Zeitungen begegnen.

NEUE MEDIEN

„Digitales Urheberrecht“ und „Zukunft der Globalen Güter“
Zwei Tagungen der Heinrich-Böll-Stiftung über den Zugang zu
Wissen in der Wissensgesellschaft

Mit der Durchsetzung der neuen digitalen Technologien hat die
Regelungs- und Kontrolldichte bezüglich der Wissensbestände
der Menschheit eine neue Qualität erreicht. War bislang die
Nutzung von Wissen nur in Teilbereichen gesetzlich
eingeschränkt, setzt sich mit TRIPS, dem für alle Mitglieder
der Welthandelsorganisation verbindlichen Abkommen über
geistiges Eigentum, sowie neuen Copyright- und
Urheberrechtsgesetzen eine zunehmende Privatisierung
bisheriger Gemeinschaftsgüter durch. Auch die Heinrich-BöllStiftung beteiligte sich im Jahr 2002 an der Debatte über das
– inzwischen vom Bundestag verabschiedete – neue Urheberrecht.
Das neue Gesetz soll den rechtlichen Rahmen für
Kontrollsysteme wie das Digital Rights Management schaffen,
die Umgehung von Kopierschutzsystemen verbieten und bisher als
»fair use« erlaubte Nutzungsformen für den privaten,
nichtkommerziellen Gebrauch be- oder verhindern. Der
Gesetzentwurf sollte eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2001
umsetzen. Die wiederum orientiert sich weitgehend am
amerikanischen Digital Millenium Copyright Act (DMCA) von 1998
und läuft Gefahr, auch die Nebenfolgen eines rigiden Kontrollund Verwertungsregimes zu befördern, die sich in den USA
bereits abzuzeichnen beginnen. Dort droht das neue
Copyrightregime durch seine Ausrichtung an Informationsmärkten
und privaten Verwertungsinteressen den Bestand öffentlich
zugänglicher Informationen (Commons) zu beschneiden und das
Innovationssystem der Wissensgesellschaft zu schwächen.
In den USA und Europa werden die Probleme rigider
Copyright- und ausgeweiteter Patentregime seit Jahren
kontrovers diskutiert. Dabei geht es nicht allein um

Vor- oder Nachteile für einzelne Interessengruppen,
z.B. den Streit zwischen Verlagen und Wissenschaft oder
zwischen der IT-Industrie, die auf digitale
Kontrollsysteme setzt, und Content-Industrie, die
gegenwärtig am liebsten beides will: Pauschalvergütung
auf Kopien und Rechtekontrolle. Und es geht auch nicht
um den Streit zwischen Content-Industrie und den
Künstlerinnen und Künstlern, die eher am System der
Pauschalvergütung festhalten wollen oder ganz neue
Modelle der Direktvermarktung entwickeln. Es geht
vielmehr um die Frage, ob das Ziel von Regelungen zum
Schutz des geistigen Eigentums tatsächlich nur der
effektiv kontrollierte Eigentumsschutz und das
effiziente Funktionieren von Märkten ist oder ob solche
Schutzregelungen dem Gemeinwohl und letztlich der
Umsetzung sozialer und wirtschaftlicher Menschenrechte
dienen sollen.
In den letzten Jahren hat diese Auseinandersetzung
Kontur gewonnen durch das Entstehen einer Bewegung, die
sich für den Erhalt und den Ausbau der Gemeingüter
einsetzt. Diese Bewegung macht das Interesse an
kollektiven nationalen oder globalen Ressourcen gegen
die private wie staatliche Ausplünderung geltend. Sie
beanstandet, dass proprietäre Grenzziehungen den
Bereich bisher frei zugänglicher InformationsRessourcen verkleinern und kontrollieren und damit eine
wesentliche Ressource für kulturelle, soziale und
wirtschaftliche Innovation verbrauchen. Aus ihrer Sicht
sind rigide Systeme zum Schutz des geistigen Eigentums
eine Plünderung öffentlicher Ressourcen. Ohne Schutz
der informationellen Umwelt sind rigide Schutzsysteme
für geistiges Eigentum eine Form von Piraterie.
Ziel der beiden Tagungen war es, die Politik zum Schutz
geistiger Schöpfungen und Erfindungen mit der Perspektive für
die Entwicklungsbedürfnisse unterschiedlicher Länder des

Nordens und des Südens zu verknüpfen. Geklärt werden sollte,
ob und wie es möglich sein wird, die globalen Güter zu sichern
und auszuweiten, die digitale Spaltung mit Bezug auf den
Zugang zu Information und Wissen innerhalb der Länder des
Nordens und zwischen den Ländern des Nordens und des Südens zu
überbrücken sowie faire Bedingungen für die Teilhabe an der
Wissensgesellschaft und eine umfassende Entwicklung von
Kreativität und technischer Innovation zu gewährleisten.
Dies sind auch einige der Fragen, die von der Heinrich-BöllStiftung seit letztem Jahr in den zivilgesellschaftlichen
Diskurs zur Vorbereitung auf den UN World Summit on the
Information Society (WSIS) eingebracht werden. Dieser
Weltgipfel findet in zwei Etappen statt: 2003 in Genf und 2005
in Tunis.

Digitales Urheberrecht. Zwischen Information Sharing und Information
Control – Spielräume für das öffentliche Interesse an Wissen
Dokumentation einer Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung am 26. April 2002 in
Berlin
Dokumentationen der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 22, Berlin, Oktober 2002, 60
Seiten, mit Abbildungen
Die Zukunft der Globalen Güter in der Wissensgesellschaft. Auf der Suche
nach einer nachhaltigen Politik zum Schutz des geistigen Eigentums.
Dokumentation einer Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung am 8. November 2002
in Berlin
Dokumentationen der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 26, Berlin, Juni 2003, ca.
80 Seiten

SAVE PRIVACY: Grenzverschiebungen im digitalen Zeitalter –eine
Konferenz

Durch die Anerkennung des Grundrechts auf informationelle
Selbstbestimmung räumte das Bundesverfassungsgericht in den
achtziger Jahren dem Schutz der Privatsphäre einen hohen
Stellenwert ein. Die Bürgerinnen und Bürger sollten selbst
bestimmen können, „wer was wann und bei welcher Gelegenheit
über sie weiß“. Doch immer leistungsfähigere IT-Systeme und
Überwachungstechnologien ließen die Möglichkeiten
elektronischer Aufzeichnung und Beobachtung enorm wachsen. Ist
der Schutz der Privatsphäre heute überholt, weil er technisch
leicht durchbrochen werden kann? Sind wir bereit, für das
Versprechen öffentlicher Sicherheit den Schutz der
Privatsphäre einzuschränken? Fürchten wir „Big Brother“ heute
nicht mehr? Und wie erleben wir die vielen „Little Brothers“,
die unser Privatleben immer mehr durchdringen? Sind wir
bereit, Privatsphäre und Anonymität dagegen einzutauschen,
dass man uns als Kunden die Wünsche von den Augen ablesen oder
unser Wissen und Können in Qualitäts- und
Wissensmanagementsystemen erst richtig würdigen kann? Diese
Fragen wurden auf der Konferenz „Save Privacy“ der HeinrichBöll-Stiftung, die in Kooperation mit dem Netzwerk Neue
Medien, dem Forum der InformatikerInnen für Frieden und
gesellschaftliche Verantwortung e.V. und der Neuen
Gesellschaft für Bildende Kunst im Juni 2002 in Berlin
stattfand, kontrovers diskutiert. In zahlreichen Panels wie
„Der Chef surft mit! Privacy am Arbeitsplatz“ oder
„BürgerInnen als Laienschauspieler“, wo es um die
Videoüberwachung im öffentlichen Raum ging, setzten sich die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der Veröffentlichung des
Privaten und der Ausdehnung des Öffentlichen in verschiedenen
Lebensbereichen auseinander. Aber hat Privatheit noch einen
Wert? „Privatheit schützt die individuelle Freiheit und
Autonomie von Personen [...] das Aufgeben von Ansprüchen auf

Privatheit ist immer zugleich das Aufgeben von bestimmten
Ansprüchen, frei und selbstbestimmt zu sein“, so die
Amsterdamer Professorin für Philosophie, Beate Rössler in
ihrem Eröffnungsvortrag. Thilo Weichert, stellvertretender
Landesbeauftragter für den Datenschutz in Schleswig-Holstein,
betonte nachdrücklich, dass sich ohne Datenschutz politische
Freiheiten wie Informations- und Meinungsfreiheit nicht
bewahren lassen. Weitere Beiträge kamen u.a. von Alexander
Roßnagel, Inke Arns, Hans Peter Dittler und Nils Leopold.

Save Privacy. Grenzverschiebungen im digitalen Zeitalter. Dokumentation
einer Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung am 7./8. Juni 2002 in Berlin. In
Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Neue Medien, dem Forum InformatikerInnen
für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. sowie der Neuen
Gesellschaft für Bildende Kunst.
Dokumentationen der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 25, Berlin 2002, 76 Seiten

KUNST UND KULTUR

Friedensfilmpreis 2002 für „August – Moment before Eruption“

Der Friedensfilmpreis wurde erstmalig 1986 im UNO-Jahr des
Friedens ausgelobt und wird seitdem jährlich im Rahmen der
Internationalen Filmfestspiele Berlin verliehen. Es werden
Filme ausgezeichnet, die ästhetische Qualität mit humanem
Denken, demokratischer Grundhaltung und sozialem Engagement
verbinden. Der mittlerweile 17. Friedensfilmpreis ging im
Jahre 2002 an Avi Mograbi für seinen Film „August – Moment
before Eruption“ – ein Portrait der von Gewalt und Angst
beherrschten israelischen Gesellschaft. „Ironisch und
selbstironisch schafft Avi Mograbi ein filmisches Bild seines
Landes, indem er theatralische Szenen mit dokumentarischen
Alltagsbeobachtungen verbindet. So gelingt ihm das irrwitzige
Bild einer Zeit ‘kurz vor der Eruption’“, begründete die Jury
ihre Entscheidung.
„Ich wollte einen Film schaffen, der nur aus Gewalt, Zänkerei
und Ärger besteht. Denn das ist Israel“, so Avi Mograbi. Der
Monat August dient ihm dabei als Metapher für alles
Verabscheuungswürdige in Israel: Gewalt, Tod, Wut. Vor dem
Hintergrund der aktuell dramatischen Zuspitzung des
israelisch-palästinensischen Konflikts bekommt Mograbis Film
eine besondere Brisanz. Gestiftet wird der Friedensfilmpreis
von der Heinrich-Böll-Stiftung und den Internationalen Ärzten
für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) in Zusammenarbeit mit
der Initiative Friedensfilmpreis. Er wird in Form einer
Bronzeplastik verliehen und ist mit 5.000 Euro dotiert.

Der nachhaltige Filmblick (Januar bis Dezember 2002)

Bereits im Dezember 2001 startete das von der Heinrich-BöllStiftung unterstützte Berliner Bildungs- und Produktivprojekt

„Der nachhaltige Filmblick“, an dem 32 Berliner Studentinnen
und Studenten aus den Fachbereichen Umwelt sowie
Kommunikations- und Filmwissenschaft teilnahmen. Gemeinsam mit
Fachleuten aus Film und Wissenschaft entwickelten sie neue
Lernformen für Schüler und Studenten, um ihnen Probleme im
Bereich Energie und Verkehr besser nahe bringen zu können. Die
neuen Lernformen orientieren sich dabei in starkem Maße an der
bekannten Ästhetik von Werbung, Waren, Videoclips sowie
Umweltfilmen, die jedoch Nachhaltigkeit in der Regel
ausklammern. Das Ziel des Projekts war die Verbindung von
„bekannter“ Ästhetik und „vergessener“ Nachhaltigkeit.
Ergebnis ist ein neuartiger, interdisziplinärer Studiengang
für Universitäten und Filmhochschulen. Darüber hinaus
entstanden Experimentiervideos, drei Profi-Videos für Schulen
und Jugendclubs sowie ein Filmspot für die Kinovorschau, die
über die Stiftung ausgeliehen werden können. Die Themen
Energie und Verkehr – verknüpft mit einer „Ästhetik der
Nachhaltigkeit" – werden so dargestellt, dass junge Leute
einen leichten Zugang zu Umweltthemen finden.

www.nachhaltiger-filmblick.de

Heinrich Böll i m Kino – Filmreihe vom 10. bis 30. Dezember
2002

Am 10. Dezember 2002 jährte sich zum 30. Mal die Verleihung
des Literaturnobelpreises an Heinrich Böll. Aus diesem Anlass
und wegen des bevorstehenden 85. Geburtstags des
Schriftstellers präsentierte das Berliner Kino Arsenal in
Zusammenarbeit mit dem Verein „Freunde der deutschen
Kinemathek“ eine Reihe von Filmen, die auf Romanen oder
Erzählungen Bölls basieren. Darüber hinaus wurden Fernsehfilme
sowie Dokumentationen über und Fernsehberichte von Heinrich
Böll gezeigt.

Die Filme aus verschiedenen Epochen sowie zu unterschiedlichen
Themen machten das breite Spektrum des Schaffens Heinrich
Bölls sowie seine politische Haltung zu Krieg, Terrorismus,
Karrieristentum, Nachkriegszeit deutlich. Einige der
Fernsehfilme wurden bislang in Deutschland selten gezeigt und
stellten damit eine Besonderheit dar. Darunter so interessante
Filme wie „Ende einer Dienstfahrt“ (Hans Dieter Schwarze,
1971), „Doktor Murkes gesammeltes Schweigen“ und „Doktor
Murkes gesammelte Nachrufe“ mit Dieter Hildebrandt (Rolf
Hädrich 1964 u. 1965).

Heinrich Böll – Leer nos hace rebeldes (Lesen macht
rebellisch)

Im Dezember 2002 erschien eine Sonderausgabe der Ediciones
Boell, die eine kurze Biographie Heinrich Bölls, Auszüge
seines literarischen Werkes sowie einige Beispiele seines
politischen Engagements umfasst. Zudem stellt das Buch eine
Verbindung des Autors zu dem öffentlichen und literarischen
Leben Lateinamerikas her. Die Publikationen der Reihe
Ediciones Boell werden vom Regionalbüro der Heinrich-BöllStiftung in San Salvador herausgeben.

Leer nos hace rebeldes. Compilado por Birgit Arnhold. Ediciones Boell, San
Salvador 2002, 180 páginas, ISBN 99923-35-05-X

„Köln liest Böll“

Wenige Wochen vor Heinrich Bölls 85. Geburtstag am 21.
Dezember 2002 wurden im Festsaal des Wallraf-Richartz-Museums
in Köln die ersten drei der auf insgesamt 27 Bände angelegten
Kölner Ausgabe der Werke Heinrich Bölls der Öffentlichkeit
vorgestellt. Zu den Veranstaltern zählte die Heinrich-BöllStiftung, die zusammen mit der Erbengemeinschaft Heinrich

Böll, dem Verlag Kiepenheuer & Witsch sowie dem Heinrich-BöllArchiv der Stadt Köln zu den Förderern der Ausgabe gehört. Der
Festakt erinnerte auch an den 20. Jahrestag der Verleihung der
Ehrenbürgerschaft Kölns an Böll und den 30. Jahrestag der
Nobelpreisverleihung am 10. Dezember 1972. Aus diesem Grund
gab es zudem eine Reihe von Lesungen mit Unterstützung
zahlreicher Institutionen (WDR, Stiftung Kunst und Kultur,
Italienisches Kulturinstitut), Buchhandlungen und Künstler. In
der mit großem Medieninteresse begleiteten
Auftaktveranstaltung bezeichnete Bundeskanzler Gerhard
Schröder Heinrich Böll als ein „Vorbild an Zivilcourage“,
einen Dichter und Bürger, der den drängendsten Problemen
seiner Zeit eine Stimme gab.
In den nachfolgenden Veranstaltungen lasen u.a. die TVJournalisten Klaus Bednarz und Fritz Pleitgen aus bisher
unveröffentlichten Briefen und Texten Heinrich Bölls und Lew
Kopelews. Der Journalist Rupert Neudeck wählte für seine
Lesung die Kriegsbriefe Bölls. Zu weiteren Lesungen luden
unter anderem ein: Günter Wallraff, Osman Okkan, Emine Sevgi
Özdamar, Wolfgang Niedecken und viele andere mehr. Den
Abschluss bildete eine Matinee mit den Schauspielern Hannelore
Hoger und Mario Adorf sowie dem Ensemble des Kölner
Schauspielhauses.

Zum Geburtstag von Heinrich Böll: Aktivitäten in Bosnien und
Herzegowina

Anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte und
der bereits erwähnten Jahrestage zur Erinnerung an Heinrich
Böll lud das Stiftungsbüro in Sarajevo Viktor Böll, Direktor
des Heinrich-Böll-Archivs der Stadt Köln und Neffe des
Nobelpreisträgers, zu einer Vortragsreihe nach Sarajevo, Tuzla
und Bijeljina ein. In den Vorträgen ging es nicht nur um das
schriftstellerische Werk, sondern vor allem um Bölls Einsatz

für die Menschenrechte. Die zentrale Veranstaltung in Sarajevo
bot auch die Gelegenheit, den neuen Stipendiatinnen und
Stipendiaten der Heinrich-Böll-Stiftung ihre
Stipendienurkunden und das Buch „Suche nach dem Leser“, eine
Reihe von Erzählungen Bölls, zu überreichen. Die Übersetzung
dieses Buches hatte das Regionalbüro Sarajevo gefördert.
Besondere Aufmerksamkeit erfuhr die Veranstaltung am 9.
Dezember 2002 zur Eröffnung der Ausstellung „Heinrich Böll –
Leben und Werk“ in der Stadtbibliothek Bijeljina (Republika
Srpska), die in Zusammenarbeit mit dem Helsinki-Komitee für
Menschenrechte durchgeführt wurde. Einige Monate zuvor war es
in Folge einer ebenfalls gemeinsam organisierten
Podiumsdiskussion zur jüngsten Vergangenheit an diesem
historisch durchaus belasteten Ort zu verbalen Ausfällen und
sogar zur Bedrohung eines Diskussionsteilnehmers gekommen;
daraufhin hatte die Leiterin der Bibliothek sich in einem
Zeitungsartikel von der Veranstaltung distanziert. Die
Präsentation der Böll-Ausstellung und der Beitrag Viktor Bölls
in diesem öffentlichen Raum war daher sehr erfreulich – und
gibt Hoffnung für eine produktive Auseinandersetzung mit
konfliktreichen Themen in der Zukunft.

Heinrich-Böll-Haus Langenbroich

Seit Gründung des Heinrich-Böll-Hauses Langenbroich im Jahre
1989 konnten inzwischen 101 Künstlerinnen und Künstler aus 29
Ländern in das ehemalige Wohnhaus der Familie Böll eingeladen
werden. Die Kooperation mit dem Verein Heinrich-Böll-Haus
Langenbroich und dem Land Nordrhein-Westfalen ermöglichte es
den Gästen, für einige Zeit ungestört, finanziell abgesichert
und frei von staatlicher Kontrolle oder Verfolgung arbeiten zu
können. Zusätzlich konnte 2002 die Zusammenarbeit mit dem
deutschen und einigen internationalen PEN-Zentren fortgesetzt
werden.

Aus der großen Zahl von Veranstaltungen im vergangenen Jahr
sind folgende hervorzuheben:
•

Im Mai 2002 in Kooperation mit dem Kreis der Freunde und
Förderer der Villa Aurora die Podiumsdiskussion
„Schriftsteller unter Druck in der islamischen Welt“ in
Berlin, anlässlich des 69. Jahrestages der
Bücherverbrennung, u.a. mit Aftab Husain,

•

Im September 2002 die erste „Matinee der Poesie“ auf Schloss
Burgau in Düren, mit Lyrikern aus den Niederlanden, Belgien
und Deutschland; das Heinrich-Böll-Haus plant, diese Matinee
im Zweijahresrhythmus fortzusetzen.

•

Im Oktober 2002 die internationale Tagung „Écrivains en exil
– La littérature réprimée“ in Lyon, veranstaltet vom GoetheInstitut Inter Nationes in Kooperation mit der HeinrichBöll-Stiftung und dem Verein Heinrich-Böll-Haus Langenbroich
zusammen mit dem algerischen Stipendiaten Mohamed Magani.

•

Im November 2002 die Lesung „Die Sprache als Hort der
Freiheit – Erfahrungen mit der Literatur im Exil“ von
Dragoslav Dedovic und Jovan Nikolic, ehemals Stipendiaten
des Böll-Hauses, im Rahmen der Veranstaltungswoche „Köln
liest Böll“.

Stipendiatinnen und Stipendiaten im Jahr 2002

Sarita Jenamani, indische Schriftstellerin und Lyrikerin
(Jahrgang 1972). Sie schreibt in Oriya, ihrer Muttersprache,
in Orissa, einer regionalen Sprache, sowie in Hindi, der
nationalen Sprache Indiens. Ihre erste Gedichtsammlung „Ghas
Kabaro“ (The grave of grass) erschien 1996 in Oriya, wofür sie
1997 den „Mahila Lekakh Songh Award“ erhielt. Die erste
Gedichtsammlung in Hindi „Dhumd Ke Aar-Paar“ (Across the Mist)
wurde 1998 in Neu Delhi veröffentlicht. Sie übersetzte u.a.
Rose Ausländer, Milan Kundera und Federico Garcia Lorca ins

Oriya. Ihre eigenen Gedichte wurden in viele Sprachen
übersetzt.
Vasile Baghiu, Schriftsteller, Lyriker und Journalist aus
Mastacan/Rumänien (Jahrgang 1965). Vasile Baghiu arbeitet als
medizinischer Assistent. Sein gesamtes literarisches Werk ist
durch die Erfahrungen seiner fünfjährigen Tätigkeit in einem
Lungensanatorium geprägt. Nach dem Sturz Ceausescus 1989
veröffentlichte er seine Poesie, Romane, Essays und
Literaturkritiken in verschiedenen Tageszeitungen und
literarischen Zeitschriften und gab insgesamt fünf
Gedichtbände heraus, darunter 1998 sein „Manifestul
himerismului“ (Chimärismus, ein Manifest), das eine neue
Richtung in der rumänischen Poesie eröffnete. Für seine
literarische Arbeit erhielt er u.a. 1995 den Preis des
internationalen Poesiefestivals „Sighetu-Marmatiei“. Als
Vorsitzender von „Memoria“, Vizepräsident des „Alianta
Civica“, Mitglied der „Academia Civica“ und des „Museums des
anti-kommunistischen Widerstandes und der Opfer des
Kommunismus“ ist er in der Bürgerrechtsbewegung aktiv.
Dr. Bosko Tomasevic, Schriftsteller, Lyriker und
Literaturwissenschaftler aus der Vojwodina (Jahrgang 1947).
Tomasevic lebt seit Jahren im Exil. Er ist u.a. Mitglied der
„Europäischen Akademie für Wissenschaften, Kunst und
Literatur“(Paris) und der „Neuen Gesellschaft für Literatur“
(Berlin). Neben seiner Tätigkeit als Gastdozent an
verschiedenen europäischen Universitäten veröffentlichte Bosko
Tomasevic seit 1988 zahlreiche Gedichtbände. Zuletzt erschien:
„Verspäteter Bericht an eine Akademie“, eine Erzählung, in der
er experimentell und gleichzeitig beängstigend real eine
Kartographie des Todes seiner durch Kriege zerstörten Heimat
im ehemaligen Jugoslawien erstellt.
Agus R. Sarjono, Lyriker und Publizist aus Bandung/Indonesien
(Jahrgang 1962). Sarjono gehört zu den populärsten Autoren der
jüngeren Generation in Indonesien und markiert mit seiner
Lyrik den Wertewandel in einem Land, das seinen Weg in die

Demokratie sucht. Als Publizist, Mitherausgeber des wichtigen
Literaturmagazins „Horizon“, Präsident des nationalen
Literaturkomitees und Lehrer am nationalen Theater-Institut
hat Sarjono großen Einfluss auf die aktuellen Debatten in
seinem Heimatland. Sarjonos Gedichte fehlen in kaum einer der
wichtigen Anthologien. Im Jahre 2001 erschienen in Indonesien
die ersten Einzelbände Sarjonos: „Discourse Community of
Indonesian Literature“ und „Language and Hollands Cookies“.
Aleksandar Dimitrijevic, Bildender Künstler aus Novi
Sad/Jugoslawien (Jahrgang 1955), M.A. an der Belgrader
Akademie der Bildenden Künste seit 1988. Ausgewählte
Einzelausstellungen u.a. „The Mondrian Project“, Belgrad 1992;
„Full metal jacket, soft core“, Wien 1998; „The Loop“, New
Orleans 1999.

Neben den Stipendiaten der Heinrich-Böll-Stiftung waren im
Haus Langenbroich auch Künstlerinnen und Künstler zu Gast, die
durch den Böll-Fonds des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert
wurden:

Nizar Nayouf, syrischer Schriftsteller und Journalist
(Jahrgang 1962). Als Mitglied des „Unabhängigen Komitees für
die Verteidigung der Demokratischen Freiheit und der
Menschenrechte“ in Syrien und Herausgeber der
Monatszeitschrift „Sawt-al-Demokcratiyya“ (Demokratische
Stimme) wurde Nayouf 1992 inhaftiert. Nach 9 Jahren Haft wurde
er im Mai 2001 entlassen, um sich in Frankreich medizinisch
behandeln zu lassen. 1999 bekam Nizar Nayouf den
Menschenrechtspreis von „Reporter ohne Grenzen“.
Leisolla Jalal Habibi, iranischer Schriftsteller (Jahrgang
1959). Leisolla Habibi schreibt in Persisch und seiner
Muttersprache Talysh. Seine Gedichte, Artikel und
Kurzgeschichten wurden in verschiedenen Zeitungen und
Magazinen veröffentlicht.

Mohamed Magani, algerischer Schriftsteller (Jahrgang 1948). Er
verließ Algerien als politisch verfolgter Schriftsteller im
Juni 1995 und lebte für vier Jahre als „Writer in Residence“
und Gast des DAAD in Berlin. Seit 2002 arbeitet er wieder als
Dozent an der Universität Algier. Sein Roman „Die Ästhetik des
Metzgers“ ist 1998 erschienen.
Aftab Hussain, pakistanischer Schriftsteller,
Literaturwissenschaftler und Journalist (Jahrgang 1962).
Hussain schreibt in Urdu, Punjabi und Hindi. Seine Lyrik wurde
in mehrere Sprachen übersetzt. Bekannte pakistanische und
indische Interpreten vertonten seine Poesie. Im März 2000 ging
er, verfolgt vom pakistanischen Geheimdienst, ins indische
Exil. Er hatte Gedichte des indischen Premierministers Atal
Behari Vajpayee in die pakistanische Amtssprache Urdu
übersetzt und veröffentlicht. Vermittelt durch die UNHCR, den
Internationalen PEN und den Deutschen PEN wurde er ins
Heinrich-Böll-Haus Langenbroich eingeladen.
Salem Zenia, algerischer Schriftsteller und Journalist
(Jahrgang 1962). Zenia ist ein bekannter Vertreter der
berberisch/masirischen Kulturbewegung, die sich gegen eine
ausschließlich nationale und arabische Kultur und Identität in
Algerien auflehnt. Sein jüngster Roman „Iyil d wefru“ (Le
sabre et le goupillon) erschien Anfang 2003. Salem Zenia
schreibt in Amazigh, der kabylisch-berberischen Sprache. Aus
diesem Grunde und wegen seines Engagements für die
Menschenrechte in Algerien werden seine Werke dort bislang
nicht veröffentlicht.

Agus R. Sarjono
HEIMLICHE NOTIZEN
Zu meinem Frühstück gibt’s wie immer: Tropische Wälder
mit Mayonnaise, serviert auf feinstem Porzellan.
Dazu natürlich Schulkindersteaks.
Auf Arbeiterschweiß on the rocks verzichte ich.
Arbeiter nämlich zeigen heutzutage zuviel Wut
und Grimm, ihr Schweiß wird säuerlich davon,
und meinem Magen würde das nur schaden.
Ich flöte vor mich hin. Am liebsten würd ich ja
Gedichte schreiben: über den Morgentau, über die
Strahlen der Sonne im Blättergeflecht, über die

sanften Wellen am weißen Strand. Doch leider
muss ich noch so viele Vorgänge abzeichnen. Ich weiß,
da geht’s zum Teil auch um dich, um deine Existenz.
Ach, verzeih, ich habe immer so viel zu tun, mir bleibt ja
kaum noch Zeit. Deshalb sind wir uns so fremd geworden,
und ich habe dich fast aus den Augen verloren. Neulich
hörte ich, dass du glücklich bist und verliebt. Von
einem Teller esst ihr beiden und führt in der ärmlichen Hütte
frohgemut ein Tänzchen auf. Ja, auch Tränen feiern Feste.
Wie schön das ist! Ach, ich kann nicht bei euch sein
und das alles miterleben. Meine Tage sind so ausgefüllt,
und dauernd muss ich Pläne schmieden: Wie gelange ich
am besten an dein Land und seine Ressourcen.
Allzu schwierig sollte es nicht sein, schließlich hatten
deine Ahnen mir das alles auch schon willig überlassen.
Übrigens, wenn wir uns irgendwann einmal begegnen sollten,
dann behaupte nicht, dass du mich kennst. Ich bin nur
eine Illusion, eine bloße Fiktion, tief im Ozean
deines Hungers, deines Glücks. Bin nur
ein Traum, und im Morgengrauen löse ich mich auf.
Doch sei auf der Hut, sonst
könnte auf der Speisekarte
meines Abendmahls
ganz plötzlich
auch dein Name stehn.
(1994) Aus dem Indonesischen von Berthold Damshäuser. Abgedruckt mit
freundlicher Genehmigung der Edition Galrev, dort erschienen im Band
„Frische Knochen aus Banyuwangi“ (Berlin, 2002).

STUDIENWERK

Nachwuchsförderung

Die Heinrich-Böll-Stiftung fördert Studierende und Graduierte
aller Fachrichtungen und Nationalitäten, die
überdurchschnittliche wissenschaftliche Leistungen mit der
nachweisbaren Bereitschaft zur Übernahme
gesellschaftspolitischer Verantwortung und einer aktiven
Auseinandersetzung mit den Zielen der Stiftung verbinden.
Dabei ist die Stiftung einem Bildungsbegriff verpflichtet, der
Ausbildungsqualifikation, interdisziplinäre und
interkulturelle Bildungsperspektiven mit dem Anspruch auf
Persönlichkeitsbildung verbindet. Mit dieser Verpflichtung und
ihrer Realisierung in Förderpolitik und Förderprogrammen trägt
die Heinrich-Böll-Stiftung und hier insbesondere das
Studienwerk zur Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen
und zum Dialog zwischen Politik und Wissenschaft bei.

Vor diesem Hintergrund fördert die Heinrich-Böll-Stiftung
aktiv und gezielt
• Stipendiatinnen und Stipendiaten, deren Themenstellungen und
Studienschwerpunkte aus unterschiedlichen Perspektiven und
Fachrichtungen heraus zu den Schwerpunkten der Stiftung
beitragen;
• Stipendiatinnen und Stipendiaten, deren Themenstellungen und
Studienschwerpunkte zur fachübergreifenden Diskussion
zwischen Technik- bzw. Naturwissenschaften und Sozial- bzw.
Geisteswissenschaften beitragen;
• Frauen bzw. Nachwuchswissenschaftlerinnen;
• Programme, die Wissenschaft und außeruniversitäre Praxis ins
Verhältnis setzen;
• Programme, die den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik
anregen.

Das hauptamtliche zwölfköpfige Team des Studienwerks in der
Heinrich-Böll-Stiftung, das die Nachwuchsförderung konzipiert,
umsetzt und begleitet, wird von einer großen Anzahl
ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt:
von etwa 200 Vertrauensdozentinnen und -dozenten, dem
Fachbeirat Studienwerk, den verschiedenen Auswahlgremien wie
den Mitbestimmungsgremien der Stipendiatinnen und
Stipendiaten. Im Jahr 2002 konnten 132 Studierende in die
Studienförderung und 78 Promovierende in die
Promotionsförderung aufgenommen werden, davon 184 aus den
Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und
26 aus den Mitteln des Auswärtigen Amtes. Die Dauer der
Förderung variiert im Regelfall zwischen ein und drei Jahren.
In Russland unterstützt die Heinrich-Böll-Stiftung zudem seit
mehreren Jahren zusammen mit ihrem Moskauer Büro und
russischen Partnerorganisationen ein Sur-PlaceStipendienprogramm zur Förderung junger Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler. 28 thematisch eingegrenzte Stipendien zu
den Forschungsbereichen Repressionsgeschichte, Menschenrechte
und neuere soziologische Fragestellungen werden jeweils für
anderthalb Jahre vergeben und durch ein wissenschaftliches und
kulturelles Austauschprogramm begleitet.

Neben den Kernaufgaben der Nachwuchsförderung –
Stipendienvergabe, Betreuung der Stipendiatinnen und
Stipendiaten, Begleitprogramm – lag im Jahr 2002 ein
besonderer Schwerpunkt der Arbeit auf dem Ausbau bestehender
sowie dem Aufbau neuer Promotionskollegs und
Themenschwerpunkte in der Promotionsförderung. Das zweite
„Gunda-Werner-Promotionskolleg“ in Kooperation mit
Hochschullehrerinnen der Universität Bremen sowie dem
Feministischen Institut der Heinrich-Böll-Stiftung wurde zum
Thema „Genderdynamiken in gewaltförmigen Konflikten“
ausgeschrieben. Weitergeführt wurde auch die Zusammenarbeit

mit der Grünen Akademie, wo Promovierende ihre
Forschungsarbeiten einem akademischen Kreis präsentieren und
damit die Diskussionen in der Grünen Akademie bereichern. Fünf
neue Stipendien zum Themenschwerpunkt „Zur Verfaßtheit der
Wissensgesellschaft“ konnten in diesem Rahmen ebenfalls im
Jahr 2002 ausgeschrieben werden.

Austauschprogramme

Internationale Begegnungsräume zu schaffen und den
wissenschaftlichen Austausch zu befördern ist ein vorrangiges
Ziel der Stiftung. So hatten auch im Jahr 2002 Stipendiatinnen
und Stipendiaten die Gelegenheit, eine Sommerschule in St.
Petersburg zu besuchen. Die Sommerschule bietet einen
dreiwöchigen Russisch-Sprachkurs in Verbindung mit einem
umfangreichen Begleitprogramm, das Einblick in das politische
und kulturelle Leben des modernen Russlands gewährt. Zudem gab
es für einige die Möglichkeit, an der Jahreskonferenz der
zentralamerikanischen Sur-Place-Stipendiatinnen und
Stipendiaten teilzunehmen, die unter dem Thema „Biodiversität“
im September in Mexiko stattfand.

Der wissenschaftlich-politischen Netzwerkbildung dient ferner
das mittlerweile schon traditionelle Internationale
Bundestagspraktikanten-Programm, vom Studienwerk in
Kooperation mit der Grünen Akademie und gemeinsam mit
wechselnden Länderbildungswerken der Heinrich-Böll-Stiftung
durchgeführt. Vorzugsweise Graduierte, die eine internationale
Karriere auf Regierungsebene bzw. im öffentlichen Sektor
anstreben, arbeiten in diesem „Internship-Programm“ einige
Zeit lang im Büro eines bzw. einer

Bundestagsabgeordneten.

Das Einführungs- und Begleitprogramm umfasst auch Seminare
anderer politischer Stiftungen mit dem Ziel, einen breiten
Einblick in das politische System bzw. Leben in der

Bundesrepublik zu geben. Kontaktmöglichkeiten zur grünen
Politik gehören ebenfalls zum ideellen Begleitprogramm.

Einen Überblick über Probleme, Handlungsfelder und
Perspektiven deutscher Entwicklungszusammenarbeit gaben die
Referentinnen und Referenten unterschiedlicher Fachdisziplinen
und Institutionen auf den Entwicklungspolitischen
Diskussionstagen, die das Studienwerk in Kooperation mit dem
Seminar für Ländliche Entwicklung der Humboldt Universität im
März 2002 veranstaltete. Der Workshop „Transnationale
Vergesellschaftung“ – eine Kooperationsveranstaltung mit dem
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Gesamthochschule
Kassel – lotete neue grenzüberschreitende
Vergesellschaftungsformen und Lebenspraxen aus und leistete
damit einen Beitrag zur Debatte um Interkulturalität.

Der mittlerweile fünfte SommerCampus des Studienwerks in Bad
Bevensen bot wieder verschiedene, auch in stipendiatischer
Eigenregie durchgeführte Seminare und
Qualifikationsveranstaltungen an und stellt mit seinem
vielfältigen Programm den jährlichen Höhepunkt der ideellen
Förderung dar. Dem Ausbau von Schlüsselqualifikationen, vor
allem für Promovierende, trug das stipendiatische
Begleitprogramm im Jahr 2002 besonders Rechnung. Es gab
Workshops zu Präsentationstechniken und wissenschaftlichem
Schreiben; und auch der im Vorjahr eingeführte Workshop der
„angeleiteten kollegialen Beratung“ fand wieder regen
Zuspruch. Hier soll der Individualisierung des „Projekts
Dissertation“ oder „Studienabschluss“ entgegengewirkt werden.

Das Studienwerk setzt auf die Mitwirkung und Partizipation
seiner Stipendiatinnen und Stipendiaten. Während des
SommerCampus und des Grundseminars werden sie aufgefordert,
eigene Seminarideen zu präsentieren und entsprechend
umzusetzen. Eigene Forschungsarbeiten werden vorgestellt,

politisch aktuelle Themen zu Fragen der Ökologie und
Nachhaltigkeit, Feminismus oder Migrationspolitik im Rahmen
von selbstorganisierten Arbeitsgruppen diskutiert.
Stipendiatische Gruppen arbeiteten kontinuierlich und in
Eigenregie zu Themen wie „Identität und Nation“, „Politische
Ökologie“ oder „Wissenschaftsbilder“ u.a. Die Arbeit der AG
„Polymorph“, die sich mit Fragen von
Transgender/Intersexualität und queer theory beschäftigt, fand
in der Tagung „(K)ein Geschlecht oder viele? Transgender in
politischer Perspektive“ im Herbst 2002 und in der
gleichnamigen Publikation der Diskussionsergebnisse zwei
vorläufige Höhepunkte. Eine eigene stipendiatische Zeitschrift
„Diskus“, die von Stipendiatinnen und Stipendiaten konzipiert,
redigiert und inhaltlich gestaltet wird, erscheint ein bis
zwei Mal jährlich, im Jahre 2002 mit einem Heft zum
Schwerpunktthema „Amerika“.

„(K)ein Geschlecht oder viele? Transgender in politischer Perspektive“.
Herausgegeben von polymorph im Querverlag, Berlin 2002, 264 Seiten, 15,50 €
ISBN 3-89656-084-0

Kooperationen

Das Studienwerk legt auch in Zukunft großes Augenmerk
auf den Ausbau eines internationalen
Kooperationsnetzwerks. Dazu gehört u.a. die
Zusammenarbeit mit Hochschulen, die Kooperation mit
anderen Förderwerken im Rahmen des Begleitprogramms und
der Austausch von Praktikantinnen und Praktikanten.
Innerhalb der Stiftung kooperiert das Studienwerk
insbesondere mit dem Programmteam Bildung und
Wissenschaft zu hochschul- und wissenschaftspolitischen
Fragen. Die Konzeption und Umsetzung eines follow upProgramms gehört ebenso zu den vorrangigen Zielen. Im
Jahre 2002 wurden die ersten Schritte für ein

systematisch aufgebautes „Ehemaligen-Programm“
eingeleitet; die Stiftung will mit den Stipendiatinnen
und Stipendiaten über deren Förderzeit hinaus in einem
produktiven Gedanken- und Ideenaustausch bleiben.

Mittel

Die Arbeit des Studienwerks wird aus Mitteln des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), des
Auswärtigen Amtes (AA) und des Bundesministeriums des
Innern (BMI) in nachfolgender prozentualer Verteilung
finanziert. Zusätzliche Mittel seitens der Behörde für
Wissenschaft und Forschung der Freien und Hansestadt
Hamburg (Senat HH) kamen im Jahre 2002 noch hinzu.

Verteilung Finanzierung:

BMBF

72,48%

2.861.642,89 €

AA

20,69%

816.896,10 €

BMI

6,48%

255.825,54 €

Senat HH

0,18%

7.158,00 €

Eigenmittel

0,17%

6.635,00 €

Gesamt

3.948.157,53 €

Verhältnis Studierende/Promovierende:

Studierende

289

Promovierende

235

Studierende 289

Promovierende 235

Verhältnis Männer / Frauen unter den geförderten Stipendiaten
und Stipendiatinnen:
Männer

150 (29 %)

Frauen

374 (71 %)

Männer 150
Frauen 374

GRÜNE AKADEMIE

Die Grüne Akademie ist das im Jahre 1999 gegründete Forum der
Heinrich-Böll-Stiftung zur Diskussion aktueller theoretischer
und politischer Fragen.
Im vergangenen Jahr begann eine neue Arbeitsphase, und die
Akademie gab sich ein neues Dachthema. Auf einer Tagung zu
Beginn des Jahres entschieden sich die Mitglieder nach
Kurzvorträgen von Dr. Willfried Maier, Prof. Frank Nullmeier
und Dr. Andreas Poltermann für „Die Verfasstheit der
Wissensgesellschaft“. Diese soll aus unterschiedlichen
Perspektiven untersucht werden: Zur Diskussion stehen das
gesellschaftstheoretische Konzept der Wissensgesellschaft wie
z.B. die Fragen,

ob die Wissensgesellschaft eine historische

Entwicklungsstufe markiert, oder ob „Wissensgesellschaft“ eher
eine analytische Kategorie ist und wie sich diese abgrenzen
lässt etwa von der Markt-, Industrie- oder
Informationsgesellschaft. Ist Wissen tatsächlich zu der einen
entscheidenden gesellschaftlichen Produktivkraft geworden oder
handelt es sich hierbei um eine Behauptung, die vor allem so
genannte Wissensarbeiter gerne vertreten, um die eigene Sache
zu stärken?
Weitere Reflexionen widmen sich der Ökonomisierung von Wissen
und seinen Folgen. Zu denken ist dabei etwa angesichts von
TRIPS und GATS an die Fragen, wie sich der freie Zugang zu
Wissen und Information sichern lässt, welche
Verteilungsprobleme die zunehmende Kommerzialisierung von
Wissen mit sich bringt, und welchen neuen Anforderungen sich
auch die Individuen zu stellen haben.
Wissenschaftsinstitutionen und ihre Aufgaben in der
Wissensgesellschaft will die Akademie ebenso untersuchen wie
die politischen und normativen Fragestellungen nach der
Regulation und Steuerung gesellschaftlicher Prozesse in einer
Zeit der weltweiten Vernetzung von Märkten.

Aus den Reihen der Akademiemitglieder haben sich drei
Projektteams gebildet, die sich diesen Fragestellungen gezielt
widmen und Veranstaltungen für alle Akademiemitglieder
vorbereiten.
Der offizielle Einstieg in die Arbeit unter dem neuen
Dachthema war im Juni eine Tagung zur Ökonomisierung des
Wissens. Prof. Martin Heidenreich eröffnete mit einem an der
Systemtheorie ausgerichteten Vortrag über den Begriff der
„Wissensgesellschaft“. Schwerpunkte der Tagung bildeten die
Strukturreformen des Hochschulwesens und die Diskussionen um
die Patentierung von Wissen und seine nationalen wie
internationalen Auswirkungen. Referenten aus dem Kreis der
Akademiemitglieder (Dr. Frieder O. Wolf, Prof. Rainer Kuhlen,
Prof. Ulrich K. Preuß, Dr. Ulrike Riedel) und externe
Wissenschaftler (Dr. Gerd Grözinger, Dr. Achim Seiler)
umrissen das schwierige Thema des Eigentums von Wissen. Der
Vortrag einer Akademie-Stipendiatin über neue Formen der
wissenschaftlichen Politikberatung ergänzte das Programm.
Ein von den neuen Vorstandssprecherinnen der Akademie, Prof.
Simone Dietz und Dr. Tine Stein, konzipiertes Treffen im
Oktober widmete sich der Politik in der Wissensgesellschaft.
Anknüpfend an Thesen der viel diskutierten Friedenspreis-Rede
von Jürgen Habermas wurde nach dem „Common sense als Hüter der
menschlichen Natur“ gefragt. Die Forschungsergebnisse der
Biowissenschaften betreffen unmittelbar unser Selbstverhältnis
als Menschen und beeinflussen die Art und Weise, wie wir uns
selbst und in unserem Verhältnis zueinander sehen. Die
philosophisch und politisch außerordentlich spannende und
kontroverse Debatte suchte den Ort des Common sense in
normativer und empirischer Hinsicht zu bestimmen und die
Spannung von Wissen und Glauben auszuloten. Mit einer Ausnahme
referierten ausschließlich Akademiemitglieder: Dr. Gabriele
Abels, Prof. Christina von Braun, Prof. Simone Dietz, Dr. Tine
Stein, PD Dr. Otto Kallscheuer, Thomas Saretzki).

Im Oktober 2002 fand das erste Stipendiatentreffen der
Akademie statt, zu dem Gäste aus dem Kreis der
Akademiemitglieder und weitere Stipendiatinnen und
Stipendiaten der Heinrich-Böll-Stiftung eingeladen waren.
Unter dem Motto „Ein Blick zurück und zwei nach vorn“ gab es
am ersten Abend einen Erfahrungsaustausch. Am zweiten Tag
stellten die Stipendiatinnen und Stipendiaten ihre
Dissertationsprojekte vor und diskutierten diese in Hinblick
auf mögliche Verknüpfungen mit der „Wissensgesellschaft“. Ein
Brainstorming zur Vorbereitung der Sommerakademie 2003 rundete
das Treffen ab.

Im März 2002 konnte die für den September 2001 geplante USAReise in kleinerer Form nachgeholt werden. Arnim von Gleich,
Rebecca Harms, Ulrike Riedel und Ralf Fücks vertraten die
Akademie auf der Tagung „Living with the genie – Governing the
Scientific and Technological Transformation of Society in the
21st Century“ an der Columbia University in New York.
Vorgestellt wurden u.a. Thesen des Memorandums der Akademie
„Das gute Leben“. Die Beiträge der Akademiemitglieder stießen
auf großes Interesse, und die entstandenen Kontakte konnten
für die im Herbst 2003 stattfindende Tagung der Heinrich-BöllStiftung zur Bioethik und Biopolitik genutzt werden.

Das vergangene Jahr war für die Grüne Akademie ein Jahr des
Umbruchs. Die Mitgliederzahl wurde um ca. 20 auf 65 erhöht und
ein neuer Akademievorstand gewählt. Das Engagement der
ehrenamtlich arbeitenden Mitglieder ist naturgemäß schwankend
– Zeit ist nun mal eines der kostbarsten Güter der viel
gefragten Akademiemitglieder. Dass sich dennoch etliche nicht
nur die Zeit für den Besuch der Akademieveranstaltungen
nehmen, sondern auch interessante Veranstaltungen konzipieren,
spricht durchaus für die Attraktivität des Diskussionsforums
und grünen „think tanks“.
www.gruene-akademie.de

FEMINISTISCHES INSTITUT

Die zentralen Ziele des Feministischen Instituts (FI) blieben
auch im Jahr 2002: die politische Präsenz von Frauen stärken,
Politikberatung anbieten, Politikformen reflektieren,
innovative feministische Ansätze und Forschungsperspektiven in
politische Praxis transportieren, nationale und internationale
Frauennetzwerke fördern. Weiterhin blieb GLOW, ein virtuelles
Informations- und Bildungsangebot für Frauen weltweit, ein
Schwerpunktprojekt des Feministischen Instituts. Nach einem
neu entwickelten Cost-Sharing-Modell führte das FI zwei
Online-Seminare in Kooperation mit der Fachhochschule für
Wirtschaft in Berlin, der Hochschule für Angewandte
Wissenschaften in Hamburg und der Fachhochschule in Eisenstadt
durch. Dafür wurde die GLOW-Plattform ausgebaut, auf der nun
bis zu zehn Seminare parallel laufen können. Die in GLOW
enthaltenen Datenbanken und Vernetzungsangebote erfuhren eine
Erweiterung und Aktualisierung. Insbesondere wurden die FIAktivitäten dort verstärkt dokumentiert, Materialien zu
Workshops und Veranstaltungen können heruntergeladen werden.
Zur theoretischen Untermauerung und Weiterentwicklung
feministischer Perspektiven im Hinblick auf die globale
virtuelle Kommunikation erschienen die Ergebnisse des bereits
2001 durchgeführten Kongresses „feminist_spaces im Netz.
Diskurse, Communities, Visionen“ im Herbst 2002 als Buch.

feminist_spaces
Frauen im Netz: Diskurse – Communities – Visionen
Mit Beiträgen u.a. von Wendy Harcourt, Manuel Castells, Gillian Youngs, Amy
Bruckman, Mercy Wambui, Helga Braun u.a. Hrsg. von der Heinrich-BöllStiftung und dem Feministischen Institut im Ulrike Helmer Verlag
Königstein/Ts. 2002, 178 Seiten
EUR 15, ISBN 3-89741-110-5

Auch für den Green Ladies Lunch (mit Claudia Roth als
Schirmfrau) gab es im Jahr 2002 eine Fortsetzung. Das Treffen
dient der Vernetzung, dem Informationsaustausch und der
politischen Meinungsbildung zwischen engagierten Frauen aus

grünen und anderen frauenpolitischen Zusammenhängen. Der
mittlerweile 9. Ladies Lunch im Februar widmete sich dem Thema
„Im Spiegel der Medien – Kommunikationsstile der Geschlechter
in der Politik“. Im Juni ging es um das „Schlusslicht
Deutschland – Care-Ökonomien im europäischen Vergleich“ und
das dritte Treffen im November befasste sich mit den
Koalitionsvereinbarungen der Bundesregierung unter
frauenpolitischen Gesichtspunkten. Unter Beteiligung von
bislang acht Landesstiftungen startete in Anlehnung an das
Berliner Konzept der „Ladies Lunch on Tour“ – in den meisten
Bundesländer ging es dabei um arbeitsmarkt- und
wirtschaftspolitische Themen.

Eine Fortsetzung fand auch das Gunda-Werner-Promotionskolleg
„Organisationsreform und Geschlechterdemokratie im globalen
Kontext“ in Kooperation mit dem Studienwerk. Die
wissenschaftliche Betreuung lag bei Prof. Dr. Ilse Lenz,
Universität Bochum, und Prof. Dr. Ursula Müller, Universität
Bielefeld. Insgesamt sieben Stipendiatinnen wurden in diesem
Rahmen gefördert, eine Stipendiatin schloss ihre Promotion mit
Erfolg ab.

Ein zweites Gunda-Werner-Kolleg mit dem Themenschwerpunkt
„Genderdynamiken in gewaltförmigen Konflikten“ wurde
ausgeschrieben. Es wird in Kooperation mit der Universität
Bielefeld (PD Dr. Christine Eifler), assoziiert mit der
Fachhochschule Regensburg (Prof. Dr. Ruth Seifert), ab 2003
durchgeführt.

Die Veranstaltungsreihe „Menschenrechte – Frauenrechte“
konzentrierte sich aufgrund der veränderten
gesellschaftspolitischen Bedingungen nach dem 11. September
2001 auf den Aspekt „Friedens- und Sicherheitspolitik aus
feministischer Perspektive“. Hierzu veranstaltete das
Feministische Institut in Fortsetzung seiner Kooperation mit

der Frauenaktion Scheherazade am 14. und 15. November 2002
einen Workshop unter dem Titel „Frauen und Sicherheit –
Brauchen wir einen Weltfrauensicherheitsrat?“ mit
internationalen Expertinnen. Die Beiträge der meisten
Expertinnen zeigten, dass die bestehenden Institutionen und
Einrichtungen bzw. UN-Beschlüsse bisher nicht ausreichen, um
die zugestandenen Beteiligungsrechte von Frauen wirksam werden
zu lassen. Dazu müsse verstärkt von verschiedenen Seiten Druck
auf die Institutionen ausgeübt werden. In der Diskussion
kristallisierte sich eine deutliche Mehrheit für die Idee
eines Weltfrauensicherheitsrates heraus, wenngleich die daran
geknüpften Erwartungen sehr unterschiedlich waren. Das Plenum
votierte am Ende fast einhellig für einen
„Weltfrauensicherheitsrat in Gründung“.

Tagungsdokumentation: Frauen und Sicherheit. Brauchen wir einen
Weltfrauensicherheitsrat? Herausgegeben vom Feministischen Institut der
Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin 2003, 116 Seiten

Vom 18. November bis 17. Dezember 2002 organisierte das
Feministische Institut zusammen mit dem Asienreferat der
Stiftung sowie in Kooperation mit der TU Berlin ein
Besucherprogramm für Frauen von der Universität Kabul. Das
Programm vermittelte den Gästen aus Afghanistan
Grundkenntnisse im Bereich Computertechnik und „e-learning“.
Für zwei der Frauen organisierte das FI eine Reise durch
Deutschland, um ihnen einen Einblick in verschiedene
frauenpolitische Projekte und die Struktur der Frauenförderung
an deutschen Hochschulen zu ermöglichen.

Im September 2002 führte das Feministische Institut in
Anknüpfung an eine erste gesundheitspolitische Veranstaltung
im Jahr zuvor und in Kooperation mit der Brustkrebsinitiative
e.V. die Veranstaltung „Brustkrebs – mehr als eine
diagnostische Herausforderung“ mit sechs Expertinnen durch,
u.a. mit Dr. Annegret Bayerl, Brustkrebsinitiative e.V., und

Prof. Ingrid Schreer, Mammazentrum Kiel. Die Veranstaltung
bildete den Auftakt für eine bundesweite Kampagne zur
Verbesserung der Brustkrebsvorsorge und Behandlung, an der
sich viele gesellschaftliche Gruppen beteiligen.

Weitere Informationen unter www.glow-boell.de

ARCHIV GRÜNES GEDÄCHTNIS

Das Archiv Grünes Gedächtnis hat die Aufgabe, die
Überlieferung der Partei Bündnis 90/Die Grünen und ihrer
gesellschaftlichen Grundströmung zu bewahren, zu erschließen
und der wissenschaftlichen Forschung und interessierten
Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Nach dem Umzug von Bornheim (bei Bonn) nach Berlin konnte am
31. Januar 2002 die Wiedereröffnung des Archivs gefeiert
werden. Die Arbeitsplatzsituation ist für die Besucher im
Lesesaal des Archivs und nicht zuletzt für die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den neuen Räumen in
Berlin-Friedrichshain erheblich besser als am alten Standort.
Das Kerngeschäft ist natürlich dasselbe geblieben: die
Bewahrung, Erschließung und das Zur-Verfügung-Stellen der
Archivalien. Die Zahl der Nutzungen des Archivs ist mit
jährlich ca. 1.000 in etwa konstant geblieben.

Die einzelnen Archivierungsprojekte füllen stets den größten
Teil der Jahresplanung aus. Soweit die Projekte sich auf
Archivalien von Bundestagsabgeordneten oder der Fraktion
beziehen, erhält das Archiv für die Bearbeitung eine
Projektförderung aus Mitteln des Deutschen Bundestages. Die
Archivierungsprojekte im vergangenen Jahr waren die
Bearbeitung der Korrespondenz von Petra Kelly, der Deposita
der Bundestagsabgeordneten Christa Nickels und Manfred Such,
des Fraktionsbestandes der Bundestagsgruppe Bündnis 90/Die
Grünen der Jahre 1990-94, der Akten des Kuratoriums für einen
demokratisch verfassten Bund deutscher Länder und des
Depositums der Aktivisten der Anti-AKW- und der
Friedensbewegung Eva Breuer und Wolfgang Müller-Breuer.
Weitere Archivierungsprojekte im vergangenen Jahr waren der
Aufbau des Systemstellenkatalogs der Bibliothek und die
Katalogisierung und Erschließung von Buch- und

Zeitschriftenbeständen, die Erfassung, Sicherung und
Zugänglichmachung von audiovisuellen Archivalien, die
Erschließung von Plakaten sowie die Überarbeitung der
Datensätze für die geplante Internet-Präsentation der
archivischen Findmittel.

Das Archiv hat im Jahr 2002 Vorträge, Seminare und Führungen
veranstaltet, in deren Zentrum der Beitrag des Archivs zur
zeitgeschichtlichen Forschung und zur politischen Bildung
stand, darunter ein Vortrag von Robert Camp über Petra Kelly
als Korrespondentin.

Archiv Grünes Gedächtnis, Eldenaer Str. 35, 10247 Berlin, E-mail:
archiv@boell.de, Internet: www.boell.de
Öffnungszeiten des Lesesaals: Montag, Dienstag, Donnerstag: 9-17 Uhr,
Mittwoch: 12-20 Uhr, Freitag: 9-16 Uhr

AUS DER STIFTUNG

Kommunalpolitische Infothek – Kommunales
Fachinformationssystem im Internet

Seit Januar 1999 betreibt die Heinrich-Böll-Stiftung gemeinsam
mit mehreren Kooperationspartnern die „Kommunalpolitische
Infothek“, ein Fachinformationssystem im Internet. Wichtigster
Bestandteil ist eine öffentliche Datenbank, die Fachtexte zu
über 30 Sachgebieten der Kommunalpolitik, Literaturhinweise
und Rezensionen sowie Internet-Adressen bereithält. Auch
aktuelle Nachrichten können nachgelesen werden. Darüber hinaus
sind interaktive Elemente im Aufbau, die es ermöglichen,
Kontakte zu Fachleuten zu knüpfen sowie an Diskussions- und
Beratungsforen teilzunehmen. Ebenfalls begonnen wurde mit dem
Aufbau des „Glossars“, einem Nachschlagewerk
kommunalpolitischer Fachbegriffe.
Die Infothek richtet sich nicht nur an „Profis“ (wie
Mitglieder von Kommunalvertretungen, Beschäftigte in
Verwaltungen), sondern an alle, die sich als Betroffene, als
Lehrende und Lernende oder einfach aus politischem Interesse
mit kommunalen Themen beschäftigen. Ziel ist, die oft
komplizierten fachlichen Hintergründe der Politik verständlich
zu machen und damit mehr Beteiligung und Einmischung von unten
zu ermöglichen.
Wichtigstes Projekt im Jahr 2002 war die Umstellung auf ein
„Content Management System“ (Redaktionssystem). Damit ist ein
verteiltes Arbeiten möglich, d.h., Kooperationspartner können
selbst ihre Inhalte in die Infothek stellen. Diese Umstellung,
die einem technischen Neuaufbau des Projektes gleichkommt, war
im Herbst 2002 abgeschlossen. Sie war verbunden mit einer
Überarbeitung der Struktur und einer übersichtlicheren
Navigation.
Ohne fachlich versierte Kooperationspartner wäre ein solch
anspruchsvolles Projekt nicht möglich. An erster Stelle ist

hier die Fachzeitschrift „Alternative Kommunalpolitik“ zu
nennen, die seit 20 Jahren die grün-alternative Politik vor
Ort fachlich begleitet und unterstützt. Sie zeichnet für die
Mehrzahl der Fachtexte und für die Nachrichten verantwortlich.
Wichtige Partner sind auch der Arbeitskreis Verkehr und Umwelt
(UMKEHR e.V.) und verschiedene grün-alternative
kommunalpolitische Vereinigungen.
Im Jahr 2003 werden eine Fachkommission „Stadtentwicklung“ und
ein Arbeitskreis zur Reform der Gemeindefinanzen die
kommunalpolitische Arbeit der Stiftung unterstützen.

www.kommunale-info.de
Gerald Munier und Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Kriminalität und
Sicherheit – Neue Herausforderungen für Städte und Gemeinden. Berlin 2002,
208 Seiten, € 10,-, ISBN3-927760-41-2. Mit Beiträgen u.a. von Anne Lütkes,
Rolf Gössner und Hubert Wimber

Heinrich-Böll-Stiftung eröffnet Länderbüro in Nigeria

Am 8. Oktober 2002 wurde das neue Länderbüro Nigeria in Lagos
offiziell eröffnet. Die Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt
bereits seit Mitte der neunziger Jahre – zur Zeit der
Militärregierung – Menschenrechtsorganisationen in Nigeria.
Nach der Rückkehr des Landes zur Demokratie 1999 beschloss die
Stiftung die Ausweitung ihrer Aktivitäten im
bevölkerungsreichsten und (nach Südafrika) auch wirtschaftlich
wichtigsten Land Afrikas. Nach Johannesburg und Nairobi ist
dies der dritte Standort auf dem Kontinent.
Ein Schwerpunkt der Arbeit in Nigeria liegt auf der Förderung
von Menschenrechten, insbesondere der politischen und sozialen
Rechte von Frauen. Dazu gehören beispielsweise Programme, die
auf den Abbau „traditioneller“ Formen von
Frauendiskriminierung hinwirken, etwa beim Erbrecht. Außerdem
unterstützt das Büro in Lagos Bildungsmaßnahmen, die die
nigerianische Zivilgesellschaft zur kritischen

Auseinandersetzung mit staatlicher Wirtschafts- und
Entwicklungspolitik befähigen sollen. Thematisiert wird dabei
zum Beispiel die pan-afrikanische „Neue Partnerschaft für
Afrikas Entwicklung“ (NEPAD), aber auch die
Privatisierungspolitik der nigerianischen Regierung. Darüber
hinaus fördert das Büro Maßnahmen zur Konfliktprävention auf
lokaler und nationaler Ebene.

Heinrich-Böll-Stiftung erhält Auszeichnung vom Foro Ecológico
Juchiteco in Mexiko

Mehrere Jahre lang hat die Heinrich-Böll-Stiftung die Arbeit
des Foro Ecológico Juchiteco (Ökoforum Juchitán) unterstützt.
Seitdem entstanden eine Kompostierungsanlage, eine Baumschule
und eine Werkstatt, in der beispielsweise Kinder eigenhändig
Papier aus Altpapier herstellen. Für diese Arbeit zeichnete
das Ökoforum nun, zwei Jahre nach Auslaufen der Kooperation
und gleichsam als Beleg für den nachhaltigen Ansatz des
Projekts, die Heinrich-Böll-Stiftung im Mai 2003 aus. Eine
traditionelle Zeremonie bildete den festlichen Rahmen für die
Überreichung einer Urkunde und der Biongo-Bronzeplastik an
Marina Sandoval, Mitarbeiterin des Stiftung im Regionalbüro El
Salvador. Der Biongo ist übrigens ein vom Aussterben bedrohter
Baum der Region.

Anklage gegen die Heinrich-Böll-Stiftung und andere deutsche
Stiftungen in der Türkei

Für einige Verwunderung, aber auch Aufregung sorgte im
vergangenen Jahr eine Anklage vor dem türkischen
Staatssicherheitsgerichtshof gegen die Heinrich-Böll-Stiftung
sowie andere politische Stiftungen aus Deutschland wegen
angeblicher Spionage und Geheimbündelei. Dabei stützte sich

die Anklage weitgehend auf die Unterstellungen und Erfindungen
in einem Buch. Am 4. März 2003 erfolgte für alle Angeklagten
der Freispruch vor dem Gericht in Ankara – und zwar wegen
erwiesener Unschuld. Die Stiftungen können nun wieder
unbehelligt ihrer Bildungsarbeit mit ihren türkischen Partnern
nachgehen. Die Heinrich-Böll-Stiftung dankt ihren Partnern für
die Unterstützung und das in sie gesetzte Vertrauen.

Verabschiedung von Hema Goonatilake

Dr. Hema Goonatilake aus Sri Lanka hat fast 7 Jahre lang das
Länderprogramm der Heinrich-Böll-Stiftung für Kambodscha aus
einem kleinen Büro in Phnom Penh betreut. Ende Dezember wurde
sie in Kambodschas Hauptstadt mit einer kleinen Feier in den
wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Nachdem die Stiftung
schon im Jahr zuvor von

Roshan Dhunjibhoy Abschied nehmen

musste, geht mit dem Weggang von Hema Goonatilake eine Ära der
Asienarbeit zu Ende.

Fundraising

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat im vergangenen Jahr Neuland
betreten – und zwar mit ihrem Fundraising-Projekt. Der
Einführung auf dem Spendenmarkt ging eine Analyse und die
Entwicklung einer Strategie voraus, die den Besonderheiten
einer parteinahen Stiftung Rechnung trägt, deren Arbeit der
breiten Öffentlichkeit weniger vertraut ist. Die Analyse
ergab: Die Stiftung wird vor allem mit Engagement,
Glaubwürdigkeit und Sachkompetenz verbunden, insbesondere in
den Bereichen Umweltpolitik sowie Menschen- und Frauenrechte.
Auf der Basis dieser Analyse begann Ende letzten Jahres ein
15monatiger Testlauf mit zwei Mailing-Aktionen an jeweils
7.000 Personen mit Affinität zu Frauen- und Umweltprojekten.

Eine abschließende Bilanz kann noch nicht gezogen werden. Aber
es zeigt sich, dass es nicht leicht ist, die komplexe Arbeit
der Stiftung in prägnante und überzeugende Bilder zu
transferieren.

Nachruf auf Heinz Kotte

Am 18. Mai 2003 starb Heinz Kotte, von 1992 bis 1998
Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung, nach langer Krankheit
im Alter von 67 Jahren. Heinz Kotte ging nach Tätigkeiten als
Kaplan und Religionslehrer im Jahre 1968 als Sanitäter des
Malteserhilfsdienstes nach Vietnam. Seine Erfahrungen dort
machten ihn zu einem vehementen Kriegsgegner. In den Jahren
1977 bis 1982 betreute er in Deutschland ausländische
Studenten. Mitte der 80er Jahre ging er nach Manila und blieb
dort mehrere Jahre. Sein Buch „Parlament der Straße“ ist das
Zeugnis seiner Zeit auf den Philippinen. Dort lernte er auch
seine Frau kennen, die Journalistin Emmalyn Liwag. In den
Jahren bei der Heinrich-Böll-Stiftung betreute er das Projekt
Mediawatch, eine Initiative zur Beobachtung der
Berichterstattung über die sog. Dritte Welt. In den letzten
Jahren reiste er wieder nach Südostasien, daraus entstanden
Bücher über Vietnam und Laos (zusammen mit Rüdiger Siebert).
Heinz Kottes sanftes und empathisches Wesen sowie seine
Ausdauer und sein Engagement bleiben unvergessen.

Nachruf auf Willi Hoss

Am 20. Februar 2003 starb Willi Hoss in Stuttgart. Bundesweit
bekannt mit seiner „Plakat“-Gruppe und als oppositioneller
Betriebsrat bei Daimler-Benz in Stuttgart-Untertürkheim stieß
Willi Hoss Ende der 70er Jahre zu den Grünen. Er war
Mitbegründer der Partei und von 1983 bis 1990 mit einem Jahr

Unterbrechung (wegen der Rotation) für sie im Bundestag. Willi
Hoss war zudem Mitgründer der Heinrich-Böll-Stiftung und hat
ihren Weg von den Anfängen 1987 bis heute aktiv begleitet. Von
1993 bis zur Neukonstituierung der Heinrich-Böll-Stiftung in
Berlin im Juni 1996 war er Mitglied des geschäftsführenden
Vorstandes der „alten“ Heinrich-Böll-Stiftung in Köln.
Willi Hoss verstand Ökologie in einem umfassenden Sinne als
Gerechtigkeit gegenüber Natur und Mensch. Fragen der sozialen
Gerechtigkeit und der Armutsbekämpfung schloss er daher bei
diesem Thema mit ein und plädierte dafür, „Ökologie und
Ökonomie zusammenzubringen“. Mit dem Projekt POEMA (Armut und
Umwelt in Amazonien) hat er in die Tat umgesetzt, wovon er
sprach. In Zusammenarbeit mit der Universität in Belém in
Nordbrasilien brachte er 1992 seinen früheren Arbeitgeber
Daimler-Benz dazu, in das Projekt POEMA zu investieren, um
Nutzungsmöglichkeiten für Kokosfasern bei der Autoherstellung
zu entwickeln und gleichzeitig mit neuen
Wasserleitungssystemen sauberes Wasser für Siedlungen im
Regenwald bereitzustellen. Was viele damals für blanken
Idealismus hielten, hat sich inzwischen für die Einwohner zu
einer sicheren Existenzgrundlage und für den Konzern
DaimlerCrysler zu einem „High Tech“-Projekt für nachwachsende
Rohstoffe entwickelt.
In den letzten zwei Jahren arbeitete Willi Hoss mit der
Landesstiftung in Baden-Württemberg im Rahmen des
Schulprojektes „Armut und Umwelt in Amazonien“ eng zusammen.
Einige Schulen konnte er dafür gewinnen, Patenschaften mit
Dörfern im Regenwaldgebiet zu übernehmen, um für die Kosten
von Wassersystemen zu sammeln. Auch nach seinem Austritt bei
den Grünen 2001 (wegen deren Zustimmung zum Afghanistan-Krieg)
blieb Willi Hoss bis zuletzt Mitglied der Heinrich-BöllStiftung. Beharrlich stritt er dafür, trotz pragmatischer
Politik nicht die Vision für eine gerechte und menschliche
Welt zu verlieren. Dafür ist ihm die Stiftung sehr dankbar.

Sein kritischer Geist, seine Wärme und Menschlichkeit werden
ihr fehlen.

GREMIEN
(Stand: Juni 2003)

Mitgliederversammlung
Margarete Bause, Lukas Beckmann, Kambiz Behbahani, Birgitt
Bender, Dr. Mechthild Bereswill, Maren Bock, Viktor Böll, Dr.
Barbara Böttger, Reinhard Bütikofer, Gisela Erler, Dr. Gernot
Folkers, Jürgen Gneiting, Winfried Hamann, Monika Hantschick,
Dr. Cilja Harders, Annette Hecker, Antje Hermenau, Peter
Hettlich, Dorothea Höck, Georg Hörnschemeyer, Christiane Howe,
Michaele Hustedt, Irmgard Jochum, Ali Kuhlmann, Uta
Leichsenring, Kordula Leites, Reinhold Mau, Christoph
Meertens, Brigitte Moritz, Christiane Overkamp, Dr. Pino
Olbrich, Dr. Lothar Probst, Gabriele Rosenbaum, Heide Rühle,
Jörg Sauskat, Dirk Scheelje, M. Max Schön, Kristina Steenbock,
Dr. Tine Stein, Edda Stelck, Gerda Stuchlik, Malti Taneja,
Elisabeth von Thadden, Alena Wagnerova-Köhler, Henriette
Wägerle, Dr. Elisabeth Weber, Reinhard Weißhuhn, Dr. Christine
von Weizsäcker, Volker Wiedersberg

Aufsichtsrat
Maren Bock, Reinhard Bütikofer, Gregor Enste, Jürgen Gneiting,
Antje Hermenau, Christoph Meertens, Kristina Steenbock, Edda
Stelck, Gabriele Tellenbach

Frauenrat
Gisela Breil, Maria Brosch, Gülay Gaglar,, Dr. Cilja Harders,
Dagmar Hirdes, Christiane Howe, Dr. Liane Möller, Jeanett
Kipka, Irene Reifenhäuser, Alena Wagnerova-Köhler,

Koordinationsgremium des Förderkreises
Christian Holtgreve, Mechtild M. Jansen, Helga Metzner, Eva
Quistorp, Edda Stelck

Mitglieder Grüne Akademie
Dr. Gabriele Abels, Prof. Dr. Marie-Theres Albert, Prof. Dr.
Joan Martinez Alier, Biggi Bender, Dr. Mechthild Bereswill,
Marianne Birthler, Prof. Dr. Angelo Bolaffi, Prof. Dr.
Christina von Braun, Prof. Dr. Claudia von Braunmühl, Prof.
Dr. Hubertus Buchstein, Mercedes Bunz, Prof. Dr. Thomas
Christaller, Prof. Dr. Wolfgang Coy, Prof. Dr. Dr. Michael
Daxner, Prof. Dr. Simone Dietz, Rainer Emschermann, Prof. Dr.
Gisela Färber, Andrea Fischer, Dr. Rainer Forst, Ralf Fücks,
Karsten Gerlof, Prof. Dr. Arnim von Gleich, Adrienne Göhler,
Cristina Gómez Barrio, Dr. Sigrid Graumann, Prof. Dr. L. Horst
Grimme, Prof. Dr. Boris Groys, Prof. Dr. Hariolf Grupp,
Rebecca Harms, Dr. Jeanette Hofmann, Dr. Otto Kallscheuer, Dr.
Manuel Kiper, Dr. Cornelia Klinger, Prof. Dr. Rainer Kuhlen,
Dr. Rainer Land, Dr. Reinhard Loske, Dr. Willfried Maier, Dr.
Hendrik Milting, Johannes Moes, Prof. Dr. Frank Nullmeier,
Prof. Dr. U. K. Preuß, Prof. Dr. Dr. F. J. Radermacher, Dr.
Shalini Randeria, Prof. Dr. Jens Reich, Ulrike Riedel, Prof.
Dr. Raúl Rojas, Prof. Dr. Arno Rolf, Krista Sager, Prof. Dr.
Thomas Saretzki, Prof. Dr. Birgit Sauer, Joscha Schmierer,
Peter Siller, Dr. Tine Stein, Rena Tangens, Dr. Beatrix
Tappeser, Wolfgang Templin, Ellen Ueberschär, Sybille
Volkholz, Prof. Dr. Harald Wagner, Dr. Frieder Otto Wolf.

Mitglieder der Kuratoriums des Feministischen Instituts
Delal Atmaca, Dr. Mechthild Bereswill, Juliane Freifrau von
Friesen, Adrienne Goehler, Renate Künast, Dr. Claudia Neusüß,
Prof. Dr. Hildegard Maria Nickel, Margery Resnick, Viola
Roggenkamp, Claudia Roth, Alena Wagnerova, Gitti Hentschel
(Koordinatorin)

Der Fachbeirat Nord-Süd sowie der Fachbeirat
Europa/Transatlantik befindet sich im Aufbau

Fachbeirat Studienwerk
Theresia Bauer, Grietje Bettin, Prof. Dr. Gundrun Ehlert,
Gernot Folkers, Prof. Dr. Gert Jannsen, Dr. Jan Hans, Prof.
Dr. Andreas Lob-Hüdepohl, Porf. Dr. Gerhard Kockläuner,
Christine M. Merkel, Prof. Dr. Birgit Menzel, Prof. Dr. Chirly
Santos-Stubbe, Dr. Karin Widmeyer

Fachkommission Bildung
Prof. Dr. Gerd de Haan, Prof. Dr. Wolfgang Edelstein, Reinhard
Kahl, Undine Kurth, Dr. Andreas Poltermann, Dr. Anne Sliwka,
Dr. Simone Schwanitz, Cornelia Stern, Volkmar Strauch, Dr.
Dieter Wunder, Sybille Volkholz (Koordinatorin)

Fachkommission Stadtentwicklung
Franziska Eichstädt-Bohlig, Prof. Dr. Hartmut Häußermann, Dr.
Christine Hannemann, Philipp Oswalt, Maxi Malzahn, Carsten
Meyer, Gisela Nacken, Dr. Klaus-Martin Groth, Hep Monatzeder,
Joachim Stein, Prof. Dr. Dieter Läpple, Carola Scholz, Prof.
Dr. Detlef Ipsen,Brigitte Karhoff, Winfried Hammann, Dr.
Thomas Rommelspacher, Klaus Habermann-Nieße, Andreas
Feldtkeller, Prof. Dr. Ilse Helbrecht, Rainer Bohne, Dr.
Brigitte Dahlbender, Prof. Dr. Martin Junkernheinrich

Fachkommission Wirtschaftspolitik
befindet sich im Aufbau

ADRESSEN (STAND JUNI 03)

Heinrich-Böll-Stiftung
Rosenthaler Straße 40/41
10178 Berlin
Tel.: 030-285340
Fax: 030-28534109
E-mail: info@boell.de
Internet: www.boell.de

Archiv Grünes Gedächtnis
Eldenaer Straße 35
10247 Berlin
Tel.: 030-28534260
Fax: 030-28534-5260
E-mail: archiv@boell.de

LANDESSTIFTUNGEN
Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg e.V.
Rieckestraße 26, 70190 Stuttgart
Tel.: 0711-26339410 Fax: 0711-26339419
E-Mail: info@boell-ba-wue.de
Internet: www.boell-ba-wue.de

Petra-Kelly-Stiftung
Bildungswerk für Demokratie und Ökologie in Bayern e.V.
Reichenbachstraße 3a, 80469 München
Tel.: 089-24226730 Fax: 089-24226747
E-Mail: info@petra-kelly-stiftung.de
Internet: www.petra-kelly-stiftung.de

Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Kottbusser Damm 72, 10967 Berlin
Tel.: 030-6126074 Fax: 030-6183011

E-Mail: info@bildungswerk-boell.de
Internet: www.bildungswerk-boell.de

Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg
Werkstatt für politische Bildung e.V.
Charlottenstraße 30, 14467 Potsdam
Tel.: 0331-2800786
Fax: 0331-292092
E-Mail: info@boell-brandenburg.de
Internet: www.boell-brandenburg.de

Bildungswerk Umwelt und Kultur in der Heinrich-Böll-Stiftung
Plantage 13, 28215 Bremen
Tel.: 0421-352368 Fax: 0421-352389
E-Mail: ruedel.boell@t-online.de
Internet: www.boell-bremen.de

umdenken - Politisches Bildungswerk
Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg
Max-Brauer-Allee 116, 22765 Hamburg
Tel.: 040-3895270 Fax: 040-3809362
E-Mail: umdenken@t-online.de
Internet: www.umdenken-boell.de

Hessische Gesellschaft für Demokratie und Ökologie e.V.
Landesstiftung der Heinrich-Böll-Stiftung
Niddastraße 64, 60329 Frankfurt a. M.
Tel.: 069-231090 Fax: 069-239478
E-Mail: info@hgdoe.de
Internet: www.hgdoe.de

Bildungswerk Mecklenburg-Vorpommern in der Heinrich-BöllStiftung
Mühlenstraße 9, 18055 Rostock
Tel.: 0381-4922184 Fax: 0381-4922156

E-Mail: boell.m-v@flix.de
Internet: www.boell-mv.de

Stiftung Leben und Umwelt Niedersachsen
Schuhstraße 4, 30159 Hannover
Tel.: 0511-30185711/12

Fax: 0511-30185714

E-Mail: info@slu.de
Internet: www.slu.de

Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen
Huckarder Straße 12, 44147 Dortmund
Tel.: 0231-9144040 Fax: 0231-91440444
E-Mail: info@boell-nrw.de
Internet: www.boell-nrw.de

Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz
Rhein-Allee 3D, 55116 Mainz
Tel.: 06131-905260 Fax: 06131-905269
Hauptstraße 21, 67280 Ebertsheim
Tel.: 06359-961800 Fax: 06359-961427
E-Mail: mainz@boell-rlp.de
Internet: www.boell-rlp.de

Heinrich-Böll-Stiftung Saar e.V.
Talstraße 56, 66119 Saarbrücken
Tel.: 0681-583560 Fax: 0681-583536
E-Mail: boell.stiftung@t-online.de

Bildungswerk Weiterdenken in der Heinrich-Böll-Stiftung
Schützengasse 18, 01067 Dresden
Tel.: 0351-4943311 Fax: 0351-4943411
E-Mail: info@weiterdenken.de
Internet: www.weiterdenken.de

Mitwelt - Heinrich-Böll-Stiftung in Sachsen-Anhalt e.V.

Neumarktstraße 9, 06108 Halle
Tel.: 0345-2023927 Fax: 0345-2023928
E-Mail: hbs.sachsen-anhalt@t-online.de
Internet: www.hbs-sachsen-anhalt.de

Bildungswerk „anderes lernen“ - Heinrich-Böll-Stiftung
Schleswig-Holstein
Medusastraße. 16, 24143 Kiel
Tel.: 0431-9066130 Fax: 0431-9066134
E-Mail: boell.s-h@t-online.de
Internet: www.boell-sh.de

Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen
Trommsdorffstraße 5, 99084 Erfurt
Tel.: 0361-5553257
Fax: 0361-5553253
E-Mail: info@boell-thueringen.de
Internet: www.boell-thueringen.de
Die Büros der Heinrich-Böll-Stiftung im Ausland
Arabischer Naher Osten
Heinrich Böll Foundation
Tal az-Zaatar St. 6, Ramallah
Palestine
P.O. Box 2018 Ramallah, Palestine Authority
Tel. +972-2-296 1121
Fax +972-2-296 1122
E-mail: boell@palnet.com
Internet: www.boell.org.il

Bosnien-Herzegowina
Fondacija Heinrich Böll
Cekalusa 42
BIH-71000 Sarajevo
Tel. +387-33-260 450

Fax +387-33-260 460
E-mail: h.boell@bih.net.ba

Brasilien
Fundação Heinrich Böll
Rua da Gloria 190, ap. 701
2024 1180 Rio de Janeiro – Gloria
Tel./Fax +55-21-3852 1104
E-mail: boell@boell.org.br

El Salvador
Fundación Heinrich Böll
Residencial Zanzibar
Pasaje A-Oriente, No. 24
San Salvador
Tel. +503-274 6812
Fax +503-274 6932
E-mail: boell.direccion@integra.com.sv

Europäische Union/Belgien
Heinrich Böll Foundation
15, rue d‘Arlon
B–1050 Bruxelles
Tel. +32-2-743 41 00
Fax +32-2-743 41 09
E-mail: brussels@boell.de
Internet: www.boell.be

Georgien
Heinrich Böll Foundation
South Caucasus Regional Office
Tbilisi, Georgia 380079
Radiani Str. 5
Tel. +995-32- 227705
Fax +995-32-912897

E-mail: info@boell.ge

Indien
Heinrich Böll Foundation
C – 4/5, Second Floor
Safdargunj Development Area,
New Delhi 110016
Tel: +91-11-6854405
Fax: +91-11-6516695
E-mail: mukul@hbfasia.org

Israel
Heinrich Böll Foundation
Nahalat Binyamin 24
IL-65162 Tel Aviv
Tel. +972-3-516 77 34
Fax +972-3-516 76 89
E-mail: hbstl@boell.org
Internet: www.boell.org.il

Kenia
Heinrich Böll Foundation
Forest Road, P.O. Box 10799-00100
GPO Nairobi
Tel.: +254-20-3744227/3750329
Fax: +254-20-3749132
E-mail: nairobi@hbfha.com

Nigeria
Heinrich Böll Foundation
9b, Omo Osagie St.
S.W. Ikoyi, Lagos
Tel: +234-1-47214 65
E-mail: info@boellnigeria.org
Internet: www.boellnigeria.org

Pakistan
Heinrich Böll Foundation
House 76-B, Nisar Road, Lahore Cantt-54800
Tel: +92-42-6666322
Fax: +92-42-6664899
E-mail: angelika@hbsasia.org
Internet: www.hbfasia.org

Polen
Fundacja Heinricha Bölla
ul. Podwale Nr. 13
00-252 Warszawa
Tel. +48-22-831 6356
Fax +48-22-635 7923
E-mail: boell@mak.com.pl

Russland
Heinrich Böll Foundation
Grusinskij Pereulok 3-231
RU 123056 Moskau
Tel. +7-095-2541453
Fax +7-095-9358016
E-mail: info@boell.ru
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Südafrika
Heinrich Böll Foundation
43 Tyrwhitt Avenue
Melrose 2196
P.O. Box 2472
Saxonworld 2132, South Africa
Tel: +27 11 447 8500
Fax: +27 11 447 4418
E-mail: hbssa@wn.apc.org

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Thailand
Heinrich Böll Foundation
91/9 Umong Soi 5
Tambon Suthep, Muang
50200 Chiang Mai
Tel: +66-53-810 430
Fax: +66-53-810 124
E-Mail: heike@hbfasia.org
Internet: www.hbfasia.org

Tschechien
Nadace Heinricha Bölla
Barrandovska 1
CZ-15200 Praha 5
Tel. +420-2-581 4173
Fax +420-2-581 4174
E-mail: boell@mbox.vol.cz

Türkei
Heinrich-Böll-Vakfi
Inönü Cad. Haci
Hanim Sok. No. 10/12
Keresteci Apt.
TR 80090 Gümüssuyu – Istanbul
Tel. +90-212-249 15 54
Fax +90-212-252 31 36
E-mail: info@hbstr.org

USA
Heinrich Böll Foundation
Chelsea Gardens
1638 R Street, NW, Suite 120

USA-20009 Washington, DC
Tel. +1-202-462 75 12
Fax +1-202-462 52 30
E-mail: info@boell.org
Internet: www.boell.org

PUBLIKATIONEN DER HEINRICH-BÖLL-STIFTUNG
Eine Auswahl
Nachhaltige Entwicklung
Zur Lage der Welt 2003
Hrsg. vom Worldwatch Institute in Zusammenarbeit mit HeinrichBöll-Stiftung und GERMANWATCH im Verlag Westfälisches
Dampfboot, Münster 2003, 324 Seiten

EUR 19,90

ISBN 3-

89691-537-1

Ökologie und Nachhaltigkeit. Eine Querschnittsstudie über
Projekte der Heinrich-Böll-Stiftung im Ausland.
Von Theo Mutter, Jochen Töpfer und Christa Wichterich. Hrsg.
von der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin 2002, 368 Seiten,
zahlreiche Tabellen und Grafiken, EUR 8,- ISBN 3-927760-40-4
Demokratie und Menschenrechte

Germany and the Middle East. Interests and Options
Edited by Volker Perthes. Published by the Heinrich Böll
Foundation in co-operation with Stiftung Wissenschaft und
Politik, Berlin 2002, 224 pages
EUR 6,- ISBN 3-927760-42-0
Kriminalität und Sicherheit – Neue Herausforderungen für
Städte und Gemeinden in der Präventions- und Polizeiarbeit
Hrsg. von Gerald Munier und der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
2002, 208 Seiten, EUR 10,-ISBN 3-927760-41-2

Zeitgeschichte

Rudolf Bahro – Glaube an das Veränderbare
Eine Biographie von Guntolf Herzberg und Kurt Seifert. In
Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung erschienen im
Ch. Links Verlag, Berlin 2002, EUR 29,90
ISBN 3-86153-270-0

Der Bündnis-Fall. Politische Perspektiven 10 Jahre nach
Gründung des Bündnis 90 Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
und Werner Schulz im Edition Temmen Verlag, Bremen 2001, 201
Seiten, zahlreiche Abbildungen, EUR 12,50 ISBN 3-86108-796-0

Geschlechterdemokratie und Feminismus

Geschlechterdemokratie wagen
Mit Beiträgen u.a. von Werner Sauerborn, Mechthild Bereswill,
Peter Döge, Barbara Holland-Cunz, Dörthe Jung, Ralf Lange,
Claudia Neusüß, Gabriele Schambach, Henning von Bargen. Hrsg.
von der Heinrich-Böll-Stiftung im Ulrike Helmer Verlag
Königstein/Ts. 2003, 296 Seiten

EUR 15,-

ISBN 3-89741-113-X

feminist_spaces. Frauen im Netz: Diskurse – Communities –
Visionen
Mit Beiträgen u.a. von Wendy Harcourt, Manuel Castells,
Gillian Youngs, Amy Bruckman, Mercy Wambui, Helga Braun u.a.
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Feministischen
Institut im Ulrike Helmer Verlag, Königstein/Ts. 2002, 178
Seiten

EUR 15,-

ISBN 3-89741-110-5

Alle Preise zzgl. Versandkosten!

Heinrich-Böll-Stiftung
Rosenthaler Str. 40/41
10178 Berlin
Tel.: 030-285340
Fax: 030-28534109
E-mail: info@boell.de
Internet: www.boell.de]

FÖRDERKREIS

"Einmischung ist die einzige Möglichkeit, realistisch zu
bleiben" Heinrich Böll

Machen Sie mit!
Werden Sie Fördermitglied
der Heinrich-Böll-Stiftung!
Der Förderkreis unterstützt die Ziele der Heinrich-BöllStiftung. Er hilft politisch bedrängten
MenschenrechtsaktivistInnen und unterstützt KünstlerInnen. Er
fördert schnell und unbürokratisch kleine kulturelle, soziale
und humanitäre Projekte, die mit öffentlichen Mitteln nicht
finanziert werden können.

Helfen Sie mit!

Diese Arbeit braucht Unterstützung. Mit Ihrer Hilfe können wir
mehr bedrängte Menschen unter die Arme greifen,

einzelne

KünstlerInnen fördern und weitere Initiativen unterstützen.

Der Jahresbeitrag für die Mitgliedschaft im Förderkreis
beträgt 92 Euro, ermäßigt 46 Euro (für SchülerInnen,
StudentInnen, Erwerbslose und auf Antrag für RentnerInnen 25
Euro).
Darüber hinaus freuen wir uns auch über einmalige Spenden. Die
Stiftung ist gemeinnützig

Was wir Ihnen bieten!
den „Info-Brief“ für Fördermitglieder mit Informationen
über besonderen Veranstaltungen und Aktivitäten der
Heinrich-Böll-Stiftung
den Jahresbericht der Stiftung
Einladungen zu besonderen Veranstaltungen, wie die PetraKelly-Preisverleihung oder

die Besichtigung von Projekten
Und jedes Jahr bieten wir Ihnen an, zusammen mit anderen
FörderInnen und Ehrenamtlichen der Heinrich-Böll-Stiftung an
einer Begegnungsreise ins Ausland zu unseren Projektpartnern
teilzunehmen.

Wir freuen uns auf Sie!
Falls Sie weitere Informationen wünschen, freuen wir uns über
Ihren Anruf oder Brief:
Regine Walch oder Ellen Deuse Gremienkoordination, Telefon:
030-285 34-112/ 113, Fax: 030-285 34-109, E-mail:
walch@boell.de, deuse@boell.de
Heinrich-Böll-Stiftung, Hackesche Höfe, Rosenthaler Str.40/41,
10178 Berlin.

Aktuelle Informationen finden Sie auch auf unserer Homepage
www.boell.de

FINANZEN UND PERSONAL
VORLÄUFIGE GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG
VOM 1. JANUAR BIS 31. DEZEMBER 2002

GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG

EURO

VORJAHR EURO

Erträge Globalmittelhaushalt

13.762.427,88

13.510.695,28

Erträge anderer Zuwendungsbereiche

23.434.560,46

22.385.201,62

Summe der Erträge

37.196.988,34

35.895.896,89

Personalaufwand

7.374.187,43

6.991.356,47

Sächliche Verwaltungskosten

2.620.714,44

2.873.278,83

520.438,01

581.814,82

Fachausgaben bezogen auf die Globalmittel des BVA

1.125.118,31

986.044,54

Weiterleitung von Zuwendungen aus dem

2.121.979,63

2.078.216,85

4.804.696,81

4.690.500,27

Weiterleitung von BMZ Projektmitteln

18.629.863,65

17.694.701,35

Summe der Aufwendungen

37.196.998,28

35.895.913,13

-9,94

-16,24

Vereinserträge

693.938,45

529.999,51

Vereinsaufwendungen

696.800,82

543.888,30

Vereinsergebnis

-2.862,37

-13.888,79

Jahresfehlbetrag/überschuß

-2.872,31

-13.905,03

Investitionen

Globalmittelhaushalt
Fachausgaben bezogen auf die anderen Zuwendungen

Zwischenergebnis

PERSONAL
Insgesamt waren zum 31.12.2002 210 Personen (davon 36 studentische Teilzeitkräfte)
bei der Heinrich-Böll-Stiftung beschäftigt – und zwar 188 im Inland und 22 im
Ausland. Von den 210 Beschäftigten waren 155 Frauen und 55 Männer, wiederum 41
Migrantinnen bzw. Migranten. 89 Stellen waren Teilzeitstellen.

ANMERKUNGEN
Über die Ausgaben legt die Heinrich-Böll-Stiftung jährlich öffentlich Rechenschaft
ab. Bundesministerien, Rechnungshof und Wirtschaftsprüfer kontrollieren die
sparsame und wirtschaftliche Verwendung der Mittel.

FINANZEN UND PERSONAL
VORLÄUFIGE BILANZ
ZUM 31. DEZEMBER 2002

EURO

VORJAHR EURO

222.951,28

126.817,89

20.242,00

0,00

1.963.028,40

2.008.060,51

867.017,80

1.006.386,03

Betriebs- und Geschäftsausstattung, Verein

2.909,25

3.783,56

geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau,

2.069,13

0,00

1.332,46

1.299,70

0,00

0,00

101.518,64

103.945,64

2.073.357,03

2.029.777,10

19.918,44

21.565,38

5.274.344,43

5.301.635,81

AKTIVA

ANLAGEVERMÖGEN

Immaterielle Vermögensgegenstände
Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche
Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten
und Werten, zuwendungsfinanziert
Geleistete Anzahlungen, zuwendungsfinanziert

Sachanlagen
Grundstücke, einschließlich der Bauten auf fremden
Grundstücken, zuwendungsfinanziert
Betriebs- und Geschäftsausstattung,
zuwendungsfinanziert

zuwendungsfinanziert

Finanzanlagen
Kautionen
Genossenschaftsanteile

UNLAUFVERMÖGEN

Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten

RECHNUNGSABGRENZUNGSPOSTEN

Summe

EURO

VORJAHR EURO

Vereinsvermögen zum 01.01.2002

56.775,30

70.680,33

Jahresergebnis

-2.872,31

-13.905,03

2.797.030,97

2.855.261,14

1.332,46

1.299,70

0,00

80.421,99

851.848,39

1.126.284,63

aus BMZ-Mitteln

715.630,56

291.872,96

aus AA-Mitteln

106.474,02

117.216,15

0,00

0,00

406,85

195.681,85

gegenüber dem BMZ

65.549,85

78.327,45

gegenüber dem AA

56.047,95

95.268,44

0,00

0,00

393.182,82

346.619,02

PASSIVA

VEREINSVERMÖGEN

SONDERPOSTEN MIT RÜCKLAGEANTEIL

Sonderposten aus Zuwendungen zum Anlagevermögen
Sonderposten aus Zuwendungen zu Kautionen

VERBINDLICHKEITEN

Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
Verbindlichkeiten gegenüber Projektpartnern

aus BVA-Mitteln
Verbindlichkeiten gegenüber Zuwendungsgebern
gegenüber EU

gegenüber dem BVA
Sonstige Verbindlichkeiten

RECHNUNGSABGRENZUNGSPOSTEN

gegenüber EU

26.363,37

33.756,22

gegenüber dem BMBF

127.696,02

12.164,24

gegenüber dem BMZ

78.878,18

10.686,71

0,00

0,00

5.274.344,43

5.301.635,81

gegenüber sonstigen

Summe
        
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