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Periodical volume

Full text: Jahresbericht ... Issue 2000

Jahresbericht 2000

Impressum
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Redaktion: Bernd Rheinberg, Susanne Dittrich
Texte: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung sowie ...
Fotos:
Der Umschlag zeigt ein Bild von .... mit dem Titel......
Das Gedicht von Jovan Nikolic wurde übersetzt von Elvira Veselinovic, das Gedicht von
Flora Brovina übersetzte Hans-Joachim Lanksch.
Gestaltung: grappa blotto, Berlin
Papier: 100% Altpapier, chlorfrei gebleicht
Auflage: 3000
1

Stand: 15. Juli 2001
Dieser Bericht ist kostenlos erhältlich bei der Heinrich-Böll-Stiftung, Hackesche Höfe,
Rosenthaler Straße 40/41, 10178 Berlin, Telefon 030-28534-0, Fax 030-28534-109, Email: info@boell.de, Internet: www.boell.de

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INHALT
1. Vorwort des Vorstandes

4

2. Nachhaltige Entwicklung und Internationale Strukturpolitik

8

3. Zukunft der Arbeit und des Sozialen

17

4. Geschlechterdemokratie und Frauenpolitik

21

5. Migration, Interkulturelles Management und Demokratische Partizipation

28

6. Menschenrechte, Zeitgeschichte und Zukunft der Demokratie

34

7. Kunst, Kultur und Medien

45

8. Bildung und Wissenschaft

54

9. Studienwerk

56

10. Feministisches Institut

61

11. Grüne Akademie

64

12. Archiv Grünes Gedächtnis

66

13. Aus der Stiftung

68

14. Projekte und Partner im In- und Ausland

71

15. Gremien

79

16. Finanzen und Personal

(nur im HEFT)

17. Adressen

82

18. Organigramm

(nur im HEFT)

19. Publikationen

89

3

VORWORT DES VORSTANDES
Rückblick 2000 – Ausblick 2002
Der Countdown läuft – und die Heinrich-Böll-Stiftung zählt mit: Am 3. September 2002
beginnt der „World Summit on Sustainable Development“ in Johannesburg. Die fast
zweiwöchige Konferenz wird zehn Jahre nach dem Weltgipfel in Rio de Janeiro die
Umsetzung der Agenda 21 überprüfen. Sie wird darüber hinaus die Frage beantworten
müssen, welche umwelt- und entwicklungspolitischen Ziele sich die Staatengemeinschaft im nächsten Jahrzehnt setzt und mit welchen Massnahmen sie erreicht
werden sollen. Das Schicksal des Kyoto-Protokolls zur Eindämmung der Treibhausgase
hat gezeigt, wie brüchig das Fundament der globalen Umweltpolitik ist. Immer noch klafft
eine riesige Lücke zwischen rhetorischen Proklamationen und politischen Handlungen.
Die Heinrich-Böll-Stiftung hat schon zwei Jahre vor Beginn des Johannesburg-Gipfels
den Rio + 10 - Prozeß zum Schwerpunkt ihrer In- und Auslandsarbeit gemacht. Sie will
Nichtregierungsorganisationen, WissenschaftlerInnen und PolitikerInnen
zusammenbringen, die die Tagesordnung des Gipfels beeinflussen und Impulse für die
internationale politische Agenda geben können. Die Stiftung hat eine Anzahl
kompetenter Persönlichkeiten aus aller Welt eingeladen, ein politisches Memorandum
zum Weltgipfel in Johannesburg zu verfassen. Paralell haben wir eine Schriftenreihe, die
World Summit Papers, aufgelegt, und ab Herbst 2001 erhalten unsere Aktivitäten auch
eine virtuelle Plattform unter der Adresse www.worldsummit2002.de. Selbstverständlich
sind auch unsere Auslandsbüros an den Vorbereitungen zum Weltgipfel beteiligt – so ist
z.B. im September dieses Jahres in Nairobi eine Konferenz für afrikanische
Nichtregierungsorganisationen geplant. Das Entwicklungspolitische Forum der hbs, das
sich Grundsatzfragen der Entwicklungspolitik widmet, stand in diesem Jahr im Zeichen
von Rio + 10.
Der Umbruch in Südosteuropa, der Sturz des Milosevic-Regimes – auch sie prägten die
Aktivität der Stiftung in besonderem Maße. Im Oktober 2000 lud die Heinrich-BöllStiftung Milosevic-Gegner aus der jungen serbischen Kunst- und Kulturszene zu einem
Podiumsgespräch nach Berlin. Aus der Begegnung mit den Künstlern entwickelte sich
die Idee einer Ausstellung über die Geschichte des kulturellen Widerstandes gegen das
Milosevic-Regime. Innerhalb weniger Wochen entstand die Ausstellung „Dossier
Serbien – Einschätzung der Wirklichkeit der 90er Jahre“, die in Kooperation mit der
Akademie der Künste gezeigt wurde. Die Ausstellung umfasste sowohl
dokumentarisches Material der letzten zehn Jahre des serbischen Widerstands als auch
in dieser Zeit entstandene Kunstwerke.
Die Heinrich-Böll-Stiftung ist in einem Umfang von ungefähr 2,2 Mio. DM in den Jahren
2000 – 2003 am Sonderprogramm Balkanstabilitätspakt beteiligt. Im Zentrum dieser
Arbeit stehen Demokratie, Nachhaltige Entwicklung und Frauenförderung. Die
Koordination erfolgt durch das Büro Sarajevo mit seinen Ablegern in Zagreb und
Belgrad.

4

Die „Kontaktstelle zum EU-Beitritt: Perspektiven und Probleme in den Ländern Mittel-,
Ost- und Südosteuropas“ hat in Prag die Arbeit aufgenommen. Im Herbst 2001 wird in
Warschau ein neues Büro der Heinrich-Böll-Stiftung eröffnet. Der Schwerpunkt des
Büros wird im Bereich Frauenpolitik liegen.
Weitere Auslandsbüros arbeiten seit dem vergangenen Jahr im thailändischen Cheng
Mai und in Rio de Janeiro. In Indien wird in nächster Zeit ein Kontaktbüro der Stiftung
eingerichtet. Erste konkrete Kooperationen in den Bereichen Stadtentwicklung und
Gleichberechtigung der Frauen gibt es mittlerweile mit Organisationen in China. Davon
unabhängig setzen wir die Zusammenarbeit mit dem tibetischen Exil fort und
unterstützen die Bewahrung der kulturellen Traditionen des tibetischen Volkes.
Besondere Resonanz fand im vergangenen Jahr die Konferenz „Iran nach den Wahlen“.
Sie sollte den verschiedenen Reformkräften im Iran – quasi auf neutralem Boden – eine
Gelegenheit zum politischen Dialog geben. Die Tagung stieß v.a. bei Exil-IranerInnen
auf überwältigendes Interesse, litt aber unter massiven Störungen durch Gegner des
Reformprozesses. Deren Aktionen als Vorwand nutzend, wurden die iranischen
ReferentInnen nach ihrer Rückkehr in Teheran verhaftet, angeklagt und elf von ihnen zu
hohen Haftstrafen wegen „Verschwörung gegen die islamische Republik“ verurteilt; der
Geistliche Yussefi Eshkevari von einem Sondertribunal gar zum Tode. Das
Revisionsverfahren war bei Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen. Die HeinrichBöll-Stiftung hat sich in zahlreichen Stellungnahmen, Pressekonferenzen und Briefen an
die Verantwortlichen im Iran für die verfolgten Gäste der Berliner Konferenz eingesetzt
und die sofortige Freilassung der Gefangenen und die Einstellung sämtlicher Verfahren
im Zusammenhang mit der Berliner Konferenz gefordert. Das Buch „Iran nach den
Wahlen“, das im Juli dieses Jahres erschien, bietet anhand der Rede- und
Diskussionsbeiträge der Konferenz einen guten Einblick in die iranischen Verhältnisse.
Auszüge aus Prozessprotokollen und der Medienberichterstattung vervollständigen
dieses Bild. Die Stiftung wird ihr Iran-Engagement fortsetzen, so weit dies möglich ist,
ohne Partner zu gefährden.
Große Sorgen bereitet auch die aktuelle Situation im Nahen Osten. Natürlich bleibt auch
die Projektarbeit der Stiftung in der Region nicht unberührt von den
Auseinandersetzungen zwischen Israel und der palästinensischen Intifada. Wir arbeiten
weiter mit Partnern in Israel und in den palästinensischen Autonomiegebieten
zusammen, ohne uns einzubilden, wir könnten eine Vermittlungsrolle spielen.
Unter dem Dach der Heinrich-Böll-Stiftung wurden im vergangenen Jahr zwei
Kommissionen eingerichtet – eine zu Fragen der Bildung und eine weitere zu Arbeit und
Soziales. Beide haben in kurzer Zeit umfangreiche Stellungnahmen erarbeitet, die den
aktuellen politischen Diskussionen zu diesen Themen wichtige Impulse geben können.
Die Bildungskommission hat unter anderem eine Empfehlung zur „Bildungsfinanzierung
in der Wissensgesellschaft“ vorgelegt; die Projektkommission Arbeit und Soziales eine
Expertise zur Reform der Arbeits- und Sozialpolitik, die vor allem Anregungen für die
Programmdiskussion bei Bündnis 90/Die Grünen geben will.
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Unsere Gemeinschaftsaufgabe „Geschlechterdemokratie“ hat im November 2000 durch
einen zweitägigen Kongress „Geschlechterdemokratie 2000. Vielfalt der Visionen –
Visionen der Vielfalt“ und ihre kontinuierlichen „Geschlechterdemokratischen Dialoge“,
darunter eins mit Bundeswirtschaftsminister Müller zu „Gendermainstreaming in der
Wirtschaft“, auf sich aufmerksam gemacht. Die Gemeinschaftsaufgabe Migration hat
ihre Aktivitäten um einen Schwerpunkt „Interkulturelles Management“ erweitert und
durch eine ganze Reihe von Veranstaltungen zur Profilbildung der Stiftung beigetragen.
Im Mittelpunkt stand dabei die Diskussion um die Empfehlungen der „Unabhängigen
Kommission Zuwanderung“, der auch Ralf Fücks aus dem Vorstand der hbs angehörte.
Die Grüne Akademie, unsere Denkwerkstatt zu politischen und kulturellen Fragen der
Zeit,
hat ihre Arbeit im vergangenen Jahr in zwei Projektgruppen zu den Themen „Europa
2020“ und „Zukunftstechnologien“ organisiert. Im Rahmen einer Sommerakademie ist
ein Memorandum zur Innovationspolitik mit dem Titel „Das gute Leben“ entstanden. Die
Arbeit der zweiten Projektgruppe mündete Anfang des Jahres in einer Tagung zu den
„Grenzen Europas“.
Verstärkt wurden die Bemühungen der Stiftung zum Thema „Europa“ durch die zweite
Außenpolitische Tagung im vergangenen Herbst, die sich ebenfalls mit der Gestaltung
der Grenzen Europas beschäftigte; zeitgleich war dies auch der Schwerpunkt unseres
halbjährlichen Nachrichtenmagazins www.boell.de.
Im beratenden Kuratorium des Feministischen Instituts arbeiten zwei frischgekürte
Berliner Senatorinnen, Adrienne Goehler und Juliane Freifrau von Friesen, mit. Das
Institut hat seine Arbeit im Bereich „Distance Learning“ intensiviert und pflegt jetzt
Kontakte mit dem MIT in Boston, der Universität Münster und der Universität Zagreb.
Zur Nachwuchsförderung und zum Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die
politische Praxis ist im vergangenen Herbst das Gunda-Werner-Kolleg gegründet
worden.
Die Heinrich-Böll-Stiftung ist mit ihrer Galerie, der Veranstaltungsetage unter dem Dach
der Hackeschen Höfe, eine bekannte Adresse in der Berliner Debattenlandschaft
geworden. Sie ist Ort aktueller Diskussionen wie z.B. der Veranstaltung „Macht, Recht,
Moral“, auf der Richard v. Weizsäcker, Antje Vollmer, Alice Schwarzer, Monika Maron
und Dieter Grimm über den Parteispendenskandal diskutierten.
Gleichzeitig bemühen wir uns intensiv, unseren Internetauftritt www.boell.de ständig zu
verbessern und das Angebot für die vielen NutzerInnen zu erweitern. Die Zahl der
monatlichen Zugriffe (visits) auf unsere Homepage liegt mittlerweile bei über 15.000, die
Zahl der heruntergeladenen Dokumente hat sich in einem Jahr verneunfacht und liegt
momentan bei fast 6.000 im Monat, darunter vor allem Veranstaltungsprogramme, aber
auch viele Studien und Dokumentationen.

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Zwei Ereignisse verdienen noch besondere Erwähnung: Wir konnten im vergangenen
Jahr zum zweiten Mal den Petra-Kelly-Preis der Heinrich-Böll-Stiftung vergeben – und
zwar an die chilenischen Bürgerechtlerinnen Berta und Nicolasa Quintreman Kalpan aus
Chile. Am internationalen Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember 2000, verlieh
die Stiftung mit Hilfe eines großzügigen Spenders den Sonderpreis für Zivilcourage auf
dem Balkan an die kosovarische Ärztin und Schriftstellerin Flora Brovina, die erst kurz
zuvor aus serbischer Haft freigekommen war.
Weitere Aspekte und Details unserer Arbeit des vergangenen Jahres finden Sie in den
einzelnen Kapiteln dieses Jahresberichts wieder; darin stellen wir Ihnen weitere
exemplarische Veranstaltungen, Projekte und Partnerschaften vor, so dass Sie eine
gute Übersicht über das Engagement der Stiftung gewinnen können. Wir haben den
Bericht im Rahmen unserer Gestaltungslinie leicht verändert: Wir erhoffen so größere
Übersichtlichkeit. Gleichzeitig haben wir den Umfang etwas verringert. Angesichts
unseres stetig wachsenden Engagements im Ausland werden wir in Zukunft gleichzeitig
eine englische Fassung unseres Jahresberichts produzieren.
Zum Schluss ein Wort des Dankes an unsere „Ehrenamtlichen“. Mit den Mitteln des
Förderkreises wird die Heinrich-Böll-Stiftung in die Lage versetzt, Einzelpersonen zu
unterstützen und Projekte dort zu fördern, wo eine Unterstützung mit öffentlichen Mitteln
versagt bleibt. So konnte z.B. ein Stipendienprogramm für Künstlerinnen und Künstler
im Kosovo eingerichtet werden. Darüber hinaus wird die Stiftung maßgeblich vom
ehrenamtlichen Engagement in Mitgliederversammlung und Aufsichtsrat, Fachbeiräte
und Fachkommissionen getragen. Dafür möchten wir uns bedanken, ebenso bei den
Freundinnen und Freunden von Bündnis 90/Die Grünen, die unsere Arbeit unterstützen
und begleiten.
Berlin, im Juli 2001
Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung
Ralf Fücks
Dr. Claudia Neusüß
Petra Streit

7

2. Nachhaltige Entwicklung und Internationale Strukturpolitik
Auf dem Weg in eine zukunftsfähige Energiewirtschaft
Durch die Liberalisierung der Strommärkte ist die Energiepolitik in Bewegung geraten.
Verbraucherinnen und Verbraucher können nunmehr selbst über die Art ihrer
Stromversorgung entscheiden, Energieversorgungsunternehmen müssen sich auf dem
Markt behaupten und von der Politik wird ein Energiekonzept erwartet, das unter den
Bedingungen liberalisierter Märkte auch ökologischen Zielsetzungen hinreichend
Rechnung trägt. Im Bereich der regenerativen Energien und der Energiedienstleistungen
wächst ein neuer Wirtschaftszweig heran.
Die Heinrich-Böll-Stiftung hat das Thema aufgegriffen und führte im Jahr 2000 eine
Vielzahl von Tagungen und Seminaren durch, die der Fortführung der energiepolitischen
Debatte dienten. Gleichzeitig wurden beim Öko-Institut zwei Gutachten in Auftrag
gegeben: Im Juli erschien die Studie "Energiewende 2020: Der Weg in eine
zukunftsfähige Energiewirtschaft". Aufbauend auf den Studien verschiedener Institute
entwickeln die Autoren Felix Matthes und Martin Cames Strategien für den Einstieg in
eine neue Energiewirtschaft - konkretisiert in zwei Szenarien bis zum Jahr 2020.
[Energiewende 2020: Der Weg in eine zukunftsfähige Energiewirtschaft. Eine Studie des
Öko-Instituts von Felix Chr. Matthes und Martin Cames. Im Auftrag und herausgegeben
von der Heinrich-Böll-Stiftung. 48 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Berlin 2000.
www.boell.de]
Die Ergebnisse sind ermutigend. Ausgehend von den energiepolitischen
Weichenstellungen, die von der rot-grünen Koalition bereits getroffen wurden oder
vorbereitet werden (Förderung erneuerbarer Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung,
verbesserter Wärmeschutz für Gebäude, Anreize für Energiesparen via Ökosteuer),
zeigt die Studie, wie die Bundesrepublik ihre klimapolitischen Verpflichtungen einlösen
und gleichzeitig eine sichere und wettbewerbsfähige Energieversorgung gewährleisten
kann.
In dem Policy Paper „Sustainability and the Future of European Electricity Policy“ von
Felix Matthes und Christof Timpe, erschienen im Oktober, werden die an ökologischer
Nachhaltigkeit orientierten Rahmenbedingungen für den liberalisierten europäischen
Energiemarkt untersucht.

8

[Documentations, Papers and Reports of the Heinrich Boell Foundation, No. 4:
Sustainability and the Future of European Electricity Policy. A policy paper by Felix Chr.
Matthes and Christof Timpe, Öko-Institut. 52 Pages, Berlin 2000. www.boell.de]
Informationen und Publikationen erhältlich bei: www.boell.de, Email: info@boell.de

„NRW – Energieland in Bewegung“

Besonders im Ruhrgebiet, wo der Strukturwandel im Energiebereich überall auch
optisch sichtbar wird, lassen sich die politischen Erfolge einer nachhaltigen
Energiepolitik gut vermitteln und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten aufzeigen.
Energiepolitik war auch das Schwerpunktthema der Heinrich-Böll-Stiftung NRW im Jahr
2000. Ein ganzes Paket an unterschiedlichen Veranstaltungen zu diesem Thema wurde
angeboten, darunter z.B. die Tagung „NRW – Energieland in Bewegung“, die nicht
zufällig im Gelsenkirchener Lichthof stattfand. In Gelsenkirchen stand einst das größte
Steinkohlekraftwerk Nordrhein-Westfalens. Heute künden eine Solarfabrik, die erste
Solarsiedlung NRWs sowie ein Wissenschaftspark mit Solarforschungsschwerpunkt von
einer Energiewende in NRW, die dringend nötig ist: immerhin stellt NRW nur 20 % der
Gesamtbevölkerung, verursacht aber 30 % des gesamtdeutschen CO²-Ausstoßes. Im
Mittelpunkt der Tagung standen daher Aspekte des erforderlichen Strukturwandels, z.B.
die Frage der Marktpotentiale und der neuen Arbeitsplätze. Darüber hinaus fanden
Exkursionen und Seminare zu den Themen „Solare Zukunft Ruhrgebiet“ und „EnergieRessourcen im ländlichen Raum“ statt. Selbst im ländlichen Raum war die Heinrich-BöllStiftung NRW also mit Energiethemen präsent. Kooperationspartner waren die
kommunalpolitische Vereinigung GAR-NRW sowie kleinere Energie-, Umwelt- oder
lokale Agenda-Gruppen.

[Heinrich-Böll-Stiftung NRW, Huckarder Str. 12, 44147 Dortmund, www.boell-nrw.de]

9

Petra-Kelly-Preis 2000

Der Petra-Kelly-Preis wurde 1997 von der Heinrich-Böll-Stiftung anlässlich des 50.
Geburtstages der Namensgeberin gestiftet. Er ist mit 20.000 DM dotiert und wird in
einem zweijährigen Turnus verliehen. Die Heinrich-Böll-Stiftung würdigt mit dem Preis
Gruppen und Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise für die Achtung der
universellen Menschenrechte, für gewaltfreie Konfliktlösungen sowie den Schutz der
natürlichen Umwelt einsetzen. Zugleich dient der Preis dem Andenken des Lebens und
Wirkens Petra Kellys.
Im Jahr 2000 wurde der Petra-Kelly-Preis an die Mapuche-Pehuenche-Indianerinnen
Berta und Nicolasa Quintreman Kalpan aus Chile vergeben. Die beiden Schwestern, die
als Kleinbäuerinnen in ihrer traditionellen Kultur im Bio-Bio-Flußtal im südlichen Chile
leben, sind führende Aktivistinnen der chilenischen Bürgerbewegung gegen die
Überflutung von Pehuenche-Land durch den Bau des Ralco-Staudamms. Mit der
Preisvergabe würdigt die Jury das gewaltfreie und couragierte Engagement dieser
Frauen, stellvertretend für den Widerstand gegen die weltweite Errichtung von MegaStaudämmen, die stets mit der Vertreibung oder Umsiedlung von Menschen und oft mit
verheerenden Folgen für das Ökosystem einer ganzen Region verbunden sind.
Die Preisverleihung fand am 1. Dezember statt und wurde von einem internationalen
Symposium der Heinrich-Böll-Stiftung zum Thema Mega-Staudämme begleitet. Der
unabhängigen, international besetzten Jury des Preises gehören u.a. die Buchautorin
und Expertin für alternative Ökonomie, Hazel Henderson (USA), der Philosoph und
Programmdirektor des Schumacher College, Satish Kumar (GB), der EUSondergesandte des Dalai Lama, Kelsang Gyaltsen (Tibet/Schweiz), und der in Berlin
lebende ungarische Schriftsteller György Dalos an.
[www.boell.de]

Entwicklungspolitik als internationale Strukturpolitik
Erstes Entwicklungspolitisches Forum

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Wo von Entwicklungspolitik die Rede ist, ist das Wort Krise nicht weit. Die weltweite Kluft
zwischen Arm und Reich wird größer, doch zugleich sinken die Geldmittel und die
Akzeptanz der traditionellen Entwicklungspolitik. Dass Krisensituationen auch als
Herausforderungen begriffen werden können, unter dieser Perspektive rief die HeinrichBöll-Stiftung das Erste Entwicklungspolitische Forum ins Leben. Im Mai 2000 trafen sich
zahlreiche Expertinnen und Experten entwicklungspolitischer Fragen zu einer
zweitägigen Fachtagung im Berliner Abgeordnetenhaus, um sich auf die Suche nach
Innovations- und Problemlösungspotentialen zu begeben. So unterstrich Uschi Eid,
Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung, in ihrem Eröffnungsvortrag die Notwendigkeit,
Entwicklungspolitik als Beitrag internationaler Strukturpolitik zu begreifen und das
Augenmerk verstärkt auf die Überwindung struktureller Entwicklungsprobleme zu
lenken. Mit den normativen Anforderungen an Entwicklungspolitik setzte sich u.a. der
Politikwissenschaftler Martin Wolpold-Bosien auseinander. Auch die Zukunft der
Entwicklungsfinanzierung wurde in mehreren Vorträgen thematisiert. So stellte Stefan
Schönberg von der Deutschen Bundesbank klar, dass Entwicklung ohne eine
Finanzierung über die internationalen Kapitalmärkte angesichts des tendenziellen
Rückgangs der öffentlichen Entwicklungshilfe und des wachsenden Ressourcenbedarfs
der Entwicklungsländer nicht möglich sei; und auch das in letzter Zeit in den
Vordergrund gerückte Ziel der Armutsbekämpfung werde sich nur über nachhaltig
höhere Wachstumsraten erreichen lassen. Eine Dokumentation des Ersten
Entwicklungspolitischen Forums ist bei der Heinrich-Böll-Stiftung erhältlich.
„Die zunehmende Ungleichheit in dieser Welt und eine immer größer werdende Zahl von
Armen drängen zu einer Antwort auf die Frage, was in diesen Zeiten Gerechtigkeit und
Solidarität bedeuten können und welche Konsequenzen sich daraus für eine als
Strukturpolitik verstandene Entwicklungspolitik ergeben.“ Claudia Neusüß
Dokumentation der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 14: Entwicklungspolitik als Internationale
Strukturpolitik. Das Erste Entwicklungspolitische Forum der Heinrich-Böll-Stiftung im Mai
2000 in Berlin. Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung. 126 Seiten, Berlin 2001.
www.boell.de]

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Die „Ökologische Baikal-Welle“

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat in den vergangenen Jahren in Mittel-, Südost und
Osteuropa verschiedene Initiativen unterstützt, die sich für eine alternative Energie- und
Landwirtschaftspolitik sowie eine nachhaltige ökologische Regionalentwicklung
einsetzen. In Ostsibirien arbeitet die Heinrich-Böll-Stiftung z. B. mit der „Ökologischen
Baikal-Welle“ zusammen, einer Nichtregierungsorganisation, die sich für den Schutz des
einmaligen Ökosystems um den Baikalsee einsetzt. Die Organisation leistet in erster
Linie Aufklärungsarbeit. Sie gibt umweltpolitisches Lehrmaterial heraus, das von
Schulen und Hochschulen der Region genutzt wird. Sie publiziert eine Zeitschrift,
veranstaltet Seminare und hat in Irkutsk mit Hilfe der Heinrich-Böll-Stiftung ein
Umweltinformationszentrum eingerichtet, das von vielen Interessierten genutzt wird.
Derzeit baut die Baikal-Welle ein Filialnetz in der Region auf. Ein konkretes Ziel der
Organisation ist die Schließung eines aus sowjetischer Zeit stammenden
Zellulosewerkes, das seine Abwässer in den Baikalsee entsorgt. Um
Massenarbeitslosigkeit in der um das Werk entstandenen Stadt Baikalsk zu verhindern,
baut die Baikal-Welle dort eine Beratungsstelle für Existenzgründerinnen und -gründer
auf. Beschäftigten des Werkes sollen alternative Arbeitsmöglichkeiten aufgezeigt
werden – etwa im sanften Tourismus, im Handwerk oder in der schonenden
Ressourcenverarbeitung.
[www.baikalwave.eu.org]

EXPO 2000 – Aktivitäten der Landesstiftung Niedersachsen
Das Jahr 2000 stand in Niedersachsen ganz im Zeichen der Weltausstellung EXPO
2000. Die niedersächsische Stiftung Leben und Umwelt begleitete unter besonderer
Berücksichtigung des Themas Nachhaltigkeit die Weltausstellung mit ihrem InternetForum www.xposition.de. Die Internetseite entwickelte sich im Laufe von 2 Jahren zu
einer breiten Plattform für Beiträge, Berichte und Diskussionen über die Themen der
EXPO. Unter Beteiligung von örtlichen Initiativen, Institutionen und internationalen
Organisationen fand eine kritische Auseinandersetzung mit Themenpark,
12

Veranstaltungen und internationalen Beiträgen statt. Begleitet wurde diese Aktivität
durch die Kooperation mit den niedersächsischen Bürgermedien, die im Rahmen ihrer
Arbeit mit dem Projekt www.xpovision.de zahlreiche Radio- und Fernsehbeiträge
produzierten. Ein weiterer Schwerpunkt innerhalb der EXPO-Aktivitäten der
Landesstiftung waren die Besuche von ausländischen Journalistinnen und Journalisten
aus dem Süden und Osten. Sie informierten sich über die Weltausstellung, die
Vertretung ihrer Länder und die Positionen vor Ort. Die daraus entstandenen
journalistischen Arbeiten waren wichtige Beiträge aus der Sicht von außen und sorgten
in den Heimatländern der Journalisten für Berichte und Diskussionen, die ohne deren
Anwesenheit vor Ort nicht möglich gewesen wären.
[Stiftung Leben und Umwelt Niedersachsen, Schuhstr. 4, 30159 Hannover]

13

Die politische Zukunft der Weltgesellschaft – Der Global Dialogue 2 in Hannover

"Weltgesellschaft politisch verantwortlich gestalten" – unter dieser Themenstellung
kamen Anfang Juli 2000 etwa 150 internationale Vertreterinnen und Vertreter aus Politik,
Wissenschaft, NGOs und Grasroots-Bewegungen zum zweiten Global Dialogue in
Hannover zusammen. Drei Tage lang drehte sich der politische Diskurs um die Frage,
wie sich Gesellschaften weltweit verändern müssen, um den Herausforderungen einer
nachhaltigen Entwicklung zu genügen und um neue Formen der Demokratie in einer
globalen Welt zu fördern. Gerade hier setzten viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer
weniger auf etablierte Organisationen als auf die Arbeit von basisnahen NGOs, die sich
als unabhängige Anwälte der Zivilgesellschaft verstehen. Besondere Hoffnungen
wurden auch auf eine neue Rolle Europas gesetzt: "Die EU ist der weltgrößte
Konsumenten- und Investitionsmarkt mit den nach den USA bedeutendsten
Wissenschaftszentren und dem weltweit größten Entwicklungshilfeaufkommen. Bislang
treten die EU-Außenbeziehungen meist hinter den Sonderinteressen der EUEinzelstaaten zurück. Mit ihrem großen Stimmengewicht in internationalen
Organisationen könnte die EU aber eine Schlüsselrolle auf dem Weg zu nachhaltiger
Entwicklung spielen", so Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung.
Ein Ergebnis des Global Dialogue 2 war der Appell an die Wirtschaft, in Zukunft mehr
Verantwortung zu übernehmen, Finanzströme demokratisch zu lenken und ein
weltweites Steuersystem einzuführen, um zu verhindern, daß sich global tätige
Unternehmen durch geschickte Ausnutzung nationaler Gesetze nahezu völlig der
Zahlung von Steuern entziehen.
Veranstaltet wurde der Global Dialogue 2 neben der Heinrich-Böll-Stiftung von der
Society for International Development (SID) und der EXPO 2000 sowie deren Partnern,
dem Civil Society Forum of the Americas, DAWN, dem Focus on the Global South, der
Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB), dem UN-Entwicklungsprogramm (UNDP)
sowie der UN-Kinderhilfsorganisation (UNICEF) und der UN-Frauenorganisation
(UNIFEM).

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Lst Schleswig-Holstein: „Agenda-21-Infocafé“ in Kiel
„Agenda-21-Infocafe“ in Kiel

Im Herbst 2000 begann die Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein in
Zusammenarbeit mit städtischen Einrichtungen und Organisationen aus den Bereichen
Entwicklungspolitik, Ökologie, Kunst, Bildung und Sozialpolitik mit der Einrichtung eines
Agenda-21-Infocafés im Kieler Stadtteil Gaarden. Unter der Schirmherrschaft des
schleswig-holsteinischen Umweltministers Klaus Müller entsteht dort in einem alten Café
im Medusahof eine Werkstatt für Projekte zur „Lokalen Agenda 21“. Ziel ist es, die
globale Sichtweise und die daraus abgeleiteten inhaltlichen Positionen der Agenda 21
mit den konkreten lokalen Herausforderungen eines „Stadtteils im Umbruch“ zu
verbinden. Die Potentiale, die der Stadtteil in sich birgt, sollen analysiert, entwickelt und
in Projektideen und konkrete Konzepte umgewandelt werden. Geplant sind
Veranstaltungen, Seminare und Workshops, auch im Rahmen von Bürgerbeteiligungen,
sowie Beratungsangebote in unterschiedlichen Themenfeldern. Im Café werden
ökologisch produzierte und fair gehandelte Getränke und Nahrungsmittel angeboten.
Eine Solaranlage ist in Planung. Zudem wird der Hof und der zum Café gehörende
Garten im kommenden Frühjahr ökologisch umgestaltet.

Werkstattgespräch (21.09.2000) „Gender & Environment in der praktischen
Umweltpolitik“

Die Geschlechterdemokratie hat Konjunktur, zumindest auf dem Papier. Bislang scheint
die Welt des Gender-Diskurses und der Alltag der Umweltpolitik aber relativ unabhängig
voneinander zu existieren. Am Beispiel der konkreten umweltpolitischen Agenda der
Bundesregierung beschäftigte sich das Werkstattgespräch der Heinrich-Böll-Stiftung
„Gender & Environment in der praktischen Umweltpolitik“ im September 2000 mit der
Frage, warum Gender-Perspektiven bislang so wenig fruchtbar und relevant geworden
sind. Die Begegnung von Gender-Expertinnen und -experten aus Wissenschaft und
Politikberatung mit umweltpolitischen Fachleuten, die in Verwaltung, Parlament,
Regierung, Parteien und Umweltverbänden täglich das umweltpolitische Geschäft
15

betreiben, war auf gewisse Weise ein Experiment. Nur im ersten Teil der Veranstaltung
sollte es um Grundlagen gehen. So berichtete Ines Weller von der TU Berlin vom
derzeitigen Stand der Forschung, und Angela Franz-Balsen vom Deutschen Institut für
Erwachsenenbildung gab einen Erfahrungsbericht zum Aufbau der Datenbank
„Nachhaltigkeit & Gender“ – ein Projekt des DIE im Auftrag von
Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt. Mit dem zweiten Teil der
Veranstaltung begann das eigentliche Experiment: Für drei zentrale Arbeitsbereiche der
umweltpolitischen Agenda dieser Legislaturperiode – Naturschutz / Umwelt und
Gesundheit / Klima sowie Energie – wurden Arbeitsgruppen gebildet, in denen folgende
Fragen erörtert wurden: Welche gender-relevanten Aspekte lassen sich in diesen
Politikfeldern identifizieren? Welches sind die Barrieren für ihre politische Umsetzung?
Wie kann man mit diesen Barrieren weiter verfahren? In den Arbeitsgruppen ging es
darum, die Möglichkeiten und Grenzen, Gender-Aspekte in die Arbeit zu integrieren, für
jeden Einzelfall zu prüfen und mit konkreten Maßnahmen zu benennen. Wie schwierig
es ist, die Gender-Perspektive in alle Umweltpolitikbereiche zu integrieren, zeigte sich
darin, daß trotz der faktenorientierten Impulsbeiträge der Verlauf der Diskussionen
immer in die Richtung der „weichen“ Aspekte ging: Die Gender-Perspektive ist
offensichtlich um so einfacher zu formulieren, je stärker es um Sachverhalte geht, die
sich auf die individuelle Handlungsebene beziehen, also dort, wo es um
Verhaltensänderungen oder Sensibilisierung für bestimmte Themen geht. Dies ist
jedoch ein Bereich, der nur in engen Grenzen der politischen Bearbeitung zugänglich ist,
so daß man sich im engeren gesetzgeberischen Bereich der Instrumentarien von
ökonomischen Anreizen, Verordnungen und Gesetzen mit Gender-Perspektiven noch
schwer tut.
Die Ergebnisse des Werkstattgespräches wurden dokumentiert und sind bei der
Heinrich-Böll-Stiftung erhältlich.
[Dokumentation der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 10: Gender & Environment in der
praktischen Umweltpolitik. Werkstattgespräch der Heinrich-Böll-Stiftung am 21.
September 2000 in Berlin; in Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium u.a.
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung. 52 Seiten, Berlin 2000. www.boell.de]

16

3. Zukunft der Arbeit und des Sozialen
Zukunft der Arbeit IV: Arbeit und Migration
Mit der Tagung „Arbeit und Migration“ fand im November 2000 bereits die vierte
Veranstaltung in der Reihe „Zukunft der Arbeit“ der Heinrich-Böll-Stiftung statt. Im
Zentrum der Tagung standen das Für und Wider einer offensiven Migrationspolitik sowie
die Beziehungen zwischen Einwanderung und Arbeitsmarkt. Insbesondere die Frage
nach der Ausgestaltung der Zugänge zum sozialversicherungspflichtigen
Erwerbsarbeitsmarkt für Zuwanderer in Deutschland stand dabei im Vordergrund.
Marieluise Beck, Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, warnte zunächst vor zu
großen Erwartungen an die Migrationspolitik: „Der Ruf nach Quoten und der
Begrenzung ‚unerwünschter‘ Einwanderung suggeriert eine Steuerbarkeit von
Zuwanderung, die weder den rechtlichen Ansprüchen auf Zugang noch der Realität
einer offenen Gesellschaft Rechnung trägt.“
Rainer Münz, Professor an der Humboldt-Universität in Berlin, unterstrich mit harten
Zahlen die Notwendigkeit umfangreicher Einwanderung nach Deutschland:
„Deutschland wird im 21. Jahrhundert Zuwanderer benötigen, die sich rasch und
erfolgreich in den Arbeitsmarkt integrieren oder die sich hier selbständig machen und
neue Arbeitsplätze schaffen. Voraussetzungen dafür sind Qualifikation, Leistung,
Sprachkenntnisse und die Bereitschaft, bestimmte Grundwerte der aufnehmenden
Gesellschaft zu respektieren. Humanitäre Überlegungen stehen somit nicht im
Vordergrund, sondern der erwartete Nutzen für Deutschland.“ Die Tagung endete mit
der Frage, wodurch Deutschland attraktiv gemacht werden kann, damit die benötigte
Zuwanderung überhaupt stattfindet: ein wahrer Paradigmenwechsel in den Debatten um
Zuwanderung. Diesem Thema widmet sich die Heinrich-Böll-Stiftung auch im Jahr 2001
intensiv. Geplant ist eine Veranstaltungsreihe zur Einwanderung unter
Integrationsgesichtspunkten. Eingerahmt war die Tagung von einer Ausstellung, in der
Unternehmensverbände von Einwanderern, darunter z.B. der Bundesverband der
türkischen Groß- und Einzelhändler, sowie verschiedene Migrantenprojekte, wie die
Internationalen Gärten aus Göttingen, ihre Arbeit präsentierten.

17

„Eine fortschrittliche Einwanderungspolitik muß mehr sein, als eine Ausweitung der
Green-Card-Regelung – insbesondere wenn wir die Fehler der alten Gastarbeiterpolitik
vermeiden wollen. Einwanderung – auch die aus wirtschaftlichen Gründen – muß auf
Dauer angelegt sein. Vor diesem Hintergrund plädiere ich für einen deutlichen Ausbau
von Integrationsangeboten für Einwanderer und Flüchtlinge.“ Cem Özdemir

Neue Impulse für Arbeit und Soziales
Expertise der Projektkommission Arbeit und Soziales der Heinrich Böll
Stiftung
Die Projektkommission Arbeit und Soziales der Heinrich-Böll-Stiftung, eingerichtet im
Jahre 2000 und besetzt mit Fachleuten wie u.a. die Professoren Michael Opielka,
Margherita Zander, Frank Nullmeier und Thomas Olk, hat sich zur ersten Aufgabe
gemacht, angesichts sozialer Umbrüche und neuer Herausforderungen die bisherigen
sozialpolitischen Vorstellungen im grünen Kontext einer Prüfung zu unterziehen. Die
Expertise „Neue Impulse für Arbeit und Soziales“ liegt nun vor, und versucht,
anknüpfend an den Traditionen grüner Sozialpolitik, neue Antworten zu geben auf die
Frage, wie eine Sozial- und Arbeitsmarktpolitik aussehen könnte, die Bürgerinnen und
Bürger zu Eigeninitiative befähigt und ermutigt, die Investitionen in Sozialkapital tätigt
und dabei Bürgerinnen und Bürger beteiligt, ihre Wahloptionen erweitert und Elemente
von Nachhaltigkeit in der Sozialpolitik stärkt und gerade deshalb mit öffentlichen wie
privaten Ressourcen verantwortungsbewusst umgeht. Die soziale Bürgergesellschaft
und den Sozialstaat zusammen denken – das ist die Devise, nach der zur
Einkommenssicherung, der Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik, der
Alterssicherung, der Gesundheitspolitik und der Sozialpolitik für Kinder und Eltern
Vorschläge gemacht werden.
Empfehlungen aus der Expertise:
„Da bürgerschaftliches Engagement auch in Zukunft vor allem auf lokaler und
kommunaler Ebene stattfinden wird, bedarf es angesichts der Fragmentierung der
deutschen Engagementlandschaft einer organisations- und themenfeldübergreifenden
Infrastruktur zur Vermittlung zwischen engagementbereiten Bürgern und Organisationen
vor Ort. Einer wohlverstandenen staatlichen Engagementpolitik geht es letztlich darum,
18

Risiken und Hemmnisse für engagierte und engagementbereite Bürger und Bürgerinnen
zu begrenzen und handhabbar zu machen. Für eine derartige, auf Rahmenbedingungen
begrenzte staatliche Förderpolitik gibt es gute Gründe. Erstens gebietet der Eigensinn
bürgerschaftlichen Engagements staatliche Zurückhaltung und zweitens erwies sich
staatliche Engagementförderung bisher immer auch als eine temperamentvolle und
launische Angelegenheit mit entsprechenden Diskontinuitäten.“
„Bei den Finanzierungsgrundlagen der Arbeitsmarktpolitik sollten Aktivierungsanreize
und Wahlfreiheiten eingebaut werden. Verschiedene Wege sind hier denkbar: Ein
Anspruch auf Teilnahme an aktivierenden Maßnahmen kann etwa durch die prinzipielle
Deckungsfähigkeit der Ausgaben für passive Unterstützung und aktive Förderung
unterstützt werden. Erwerbslose könnten Lohnersatzansprüche teilweise in Leistungen
eigener Wahl umwidmen, Beschäftigte könnten einen Teil von „angesparten“ Beiträgen
zur Verbesserung ihrer Arbeitsmarktlage einsetzen.“
„Politik für die Familie darf sich nicht darin erschöpfen, die Erziehungsleistungen von
Eltern zu honorieren oder die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen.
Politik für Kinder schließt an deren Status als Bürgerinnen und Bürger an. [...] Wenn
Kindern aufgrund ihres Bürgerstatus‘ ein Anspruch auf staatliche Sozialleistungen und
auf Existenzsicherung direkt und nicht vermittelt über die Eltern zusteht, dann hätte dies
Konsequenzen für unser gesamtes Sozialsystem. In jedem Fall schließt Politik für
Kinder deren Recht auf eine angemessene und qualitativ hochwertige Bildung und
Betreuung in jeder Lebensphase ein. Ein ausreichendes Angebot an
Kindergartenplätzen, auch für Kinder unter drei Jahren, sichert Eltern die Möglichkeit zur
Teilhabe am Arbeitsmarkt. Für die Kinder erschöpft sich dieses Recht aber nicht darin,
in Abwesenheit der Eltern beaufsichtigt zu werden. Für Kinder könnte und sollte der
Kindergarten auch ein Ort der vorschulischen Bildung und vielfältiger Möglichkeiten zum
Lernen sein. Die Qualität von Kindergärten entscheidet über ihre Chancen in der Schule
und im Leben mit. Dies dürfte insbesondere für die Kinder von Zuwanderern gelten.
Nachhaltige Sozialpolitik investiert deshalb in die Bildung von Kindern und
Jugendlichen. Der bedürfnisgerechte Zugang zu schulischer und außerschulischer
Bildung sichert jedem Kind seine Chance. In einer sozialen Bürgergesellschaft haben
Kinder ihrem Alter entsprechend auch das Recht, aktiv an der Gestaltung ihres Alltags

19

beteiligt zu sein: an der Gestaltung ihres Stadtteiles und ihrer Stadt, ihres Kindergarten
oder auch ihrer Schule.

Neue Impulse für Arbeit und Soziales
Eine Expertise der Projektkommission Arbeit und Soziales der Heinrich-Böll-Stiftung. Im
Auftrag und herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung. Diese Expertise erscheint im
Juli 2001 als Sonderausgabe der Reihe „Studien und Berichte der Heinrich-Böll-Stiftung“
bzw. als Beilage des Monatsmagazins „Kommune“. 1. Auflage, Juli 2001, 16 Seiten,
www.boell.de]

Lst Hamburg: Workshop „Hauptsache Arbeit“

„Jeder Mensch hat eine Idee zur Sicherung der eigenen sozialen und ökonomischen
Existenz in sich!“ – das war die Grundannahme eines 2-tägigen Workshops, den die
Hamburger Landesstiftung umdenken im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe
„Hauptsache Arbeit“ im Februar 2000 durchführte. Aufgrund der großen Resonanz
wurde das Angebot mittlerweile ausgedehnt – mit dem Ergebnis des 1. Hamburger
GründerInnen-Fitness-Centers. Mit professioneller Hilfe sollen hier eigene Ideen zur
Existenzsicherung gefunden und entwickelt werden.
Das GründerInnnen-Fitness-Center ist ein Modellvorhaben und zunächst auf drei Jahre
als unternehmerisches Gründungsprojekt angelegt. Die Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg
wird bei diesem Vorhaben mit einer Anschubfinanzierung von der Wirtschaftsbehörde,
der Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales und dem Europäischen Sozialfonds
unterstützt und gefördert. Es ist Ziel des Projektes, die ökonomische Tragfähigkeit durch
eigenwirtschaftliche Aktivitäten und kreative Ökonomie binnen drei Jahren zu erreichen.
[1. Hamburger GründerInnen-Fitness-Center der Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg,
Präsident-Krahnstr. 8, 22765 Hamburg, www.gruender-fitness-center.de]

20

4. Geschlechterdemokratie und Feminismus
Kongress „Geschlechterdemokratie 2000:
Vielfalt der Visionen – Visionen der Vielfalt

Vom 3. bis 4. November 2000 veranstaltete die Heinrich-Böll-Stiftung in
Zusammenarbeit mit dem Studiengang Geschlechterstudien/Gender Studies der
Humboldt-Universität zu Berlin den Kongress „Geschlechterdemokratie 2000“. Der Titel
„Visionen der Vielfalt“ kennzeichnet die Grundidee des Kongresses – eine
gendergerechte Politik sollte alle Geschlechter einbeziehen. Die zentralen Fragen des
Kongresses lauteten: Wie kann Gesellschaft verändert werden und welche
Umsetzungsmöglichkeiten bieten die verschiedenen politischen Konzepte, um
Benachteiligungen abzubauen? In dialogisch orientierten und gemischtgeschlechtlichen
Workshops wurde diesen Fragen, gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus
Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur aus dem In- und Ausland,
nachgegangen.
In ihrem Eröffnungsvortrag sah Christina Thürmer-Rohr, Professorin für
Erziehungswissenschaft und Sozialpädagogik an der Technischen Universität Berlin,
den taktischen und strategischen Vorteil in dem Konzept der Geschlechterdemokratie
darin, den Fokus auf die demokratischen Defizite in unserer Gesellschaft zu legen.
Damit würden Geschlechterfragen in den mainstream eingespeist und neue
Bündnispartner gewonnen.
Tatsächlich liegt eine große Stärke des Ansatzes der Geschlechterdemokratie darin,
dass er als politisches Konzept in hohem Maße irritiert und provoziert. Mit dem
reframing von frauen- und geschlechterpolitischen Themen werden genuine Fragen von
Demokratieentwicklung als Teil männlicher Verantwortung deutlich und damit
thematisierbar gemacht. Und dies, ohne dabei auf eine explizit feministische Analyse zu
verzichten!
Der schwedische Männer- und Geschlechterforscher Jeff Hearn, Professor für
Economics and Business Administration, machte in seinem Beitrag deutlich, dass erst
wenige Männer auf diesem Feld wissenschaftlich und politisch-praktisch tätig seien.

21

Aber diese – quantitativ betrachtet – kleine und heterogene „Männerbewegung“ böte
gute Ansätze für die zukünftige Bildungsarbeit.
Von den zahlreichen Workshops wie „Gewalt in den Geschlechterverhältnissen“ und
„Geschlechtermythen in der Kunst“, fand insbesondere der Workshop zum Thema
„Jugend, Erwachsen-Werden“ große Resonanz. Der methodische Ansatz ermöglichte
einen intensiven Austausch über drängende Generationenfragen und verschiedene
Zugänge zum Erwachsenwerden.
Zum besonderen Konzept der Konferenz gehörte auch die Einbeziehung künstlerischer
Beiträge. Sie sollten Erkenntniswege öffnen, das Profil des Konzepts
„Geschlechterdemokratie“ schärfen und dessen Bekanntheitsgrad erhöhen.
Die Dokumentation der Konferenz erscheint im Sommer 2001 als Buch und ist dann bei
der Heinrich-Böll-Stiftung und im Buchhandel erhältlich.
[„Mein Traum ist, dass die Bekämpfung der Gewalt in den Geschlechterverhältnissen ein
Ausgangspunkt für neue Solidaritäten zwischen beiden Geschlechtern werden könnte.
Dafür könnte das Programm der Geschlechterdemokratie einen Rahmen und einen Ort
bieten, wo Frauen endlich hören können, was Männer bislang nicht zu sagen wagten.“
Hans Joachim Lenz]
Vom 4. bis 6.12. 2000 fand der internationale Kongreß „Geschlechterdemokratie als
Herausforderung an Männer und Frauen für das 21. Jahrhundert“ in El Salvador statt.
Die spanisch-sprachige Publikation der Heinrich-Böll-Stiftung ist in der Reihe ediciones
boell des Regionalbüros San Salvador in kleiner Zahl über die Bundesstiftung erhältlich.

Geschlechterdemokratische Dialoge

Den Auftakt für die Reihe „Geschlechterdemokratische Dialoge“ bildete eine Diskussion
zu „Idee und Theorie von Geschlechterdemokratie“ im April vergangenen Jahres. Die
Reihe ist eine Kooperation mit der Wochenzeitung „Freitag“. Auf der ersten
Veranstaltung diskutierten die Frauenforscherin Dr. Helga Lukoschat und der
Männerforscher Dr. Peter Döge über die Entstehung und den theoretischen Hintergrund
von Geschlechterdemokratie. Das Thema „Hegemoniale Männlichkeit und Parteiarbeit“
stand im Mittelpunkt des zweiten Dialoges mit Volker Beck, dem rechtspolitischen
Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, und Michaela Lindner,
22

vor der Geschlechtsumwandlung Bürgermeister von Quellendorf, nun Bezirksverordnete
für die PDS in Berlin-Kreuzberg. Erörtert wurden persönliche Erfahrungen, rechtliche
Rahmenbedingungen und politische Forderungen jenseits heterosexueller „Normalität“.
Katharina Heuer von der debis AG und Dr. Werner Müller, Bundesminister für Wirtschaft
und Technologie, diskutierten im dritten Dialog über Gender-Mainstreaming in Wirtschaft
und Wirtschaftspolitik. Kernfragen waren das heißdiskutierte Gleichstellungsgesetz für
die Privatwirtschaft sowie andere Formen der Umsetzung von Geschlechterdemokratie.
Der letzte Dialog im Jahr 2000 behandelte ein internationales Thema: „GenderMainstreaming + Empowerment = Geschlechterdemokratie?!“. Vertreterinnen der
Commission on Gender Equality aus Südafrika und der Europäischen Union diskutierten
u.a. die Frage, inwieweit rechtliche Rahmenbedingungen zu politischem Empowerment
führen und ob die Bundesrepublik bezüglich innovativer Geschlechterpolitik ein
Einwicklungsland ist.
Eine Anthologie der wichtigsten Beiträge ist in der Schriftenreihe „Dokumentationen der
Heinrich-Böll-Stiftung“ voraussichtlich ab Herbst 2001 erhältlich.

Meilensteine des Machtgewinns – „From Seattle to Beijing“

In Zusammenarbeit mit Women in Development (WIDE) organisierte die
Heinrich-Böll-Stiftung im Mai 2000 ein Seminar, in dessen Mittelpunkt die
Frage stand, wie die negativen Folgen makroökonomischer
Globalisierungsprozesse auf Frauen zu mindern und wie die wirtschaftlichen
Menschenrechte von Frauen bei zunehmender Globalisierung
aufrechtzuerhalten seien. Es nahmen etwa zwanzig Vertreterinnen von
Partnerorganisationen der Heinrich-Böll-Stiftung im Süden teil sowie
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von etwa ein Dutzend Frauenorganisationen
in Europa. Das Seminar unterteilte sich in drei Bereiche: einem sog. CrashKurs zur 'wirtschaftlichen Alphabetisierung' der Teilnehmerinnen in bezug auf
Globalisierungsprozesse (Geschichte, Prozesse, Strukturen und
Mechanismen der Globalisierung), der Analyse der Folgen von
Globalisierungsprozessen auf Frauen anhand konkreter Fallbeispiele aus
23

dem Süden und Norden und strategischen Überlegungen zur Frage, wie
Frauen mehr Einfluss auf Demokratisierungsprozesse ausüben können,
insbesondere im Rahmen der UN-Konferenz "Peking+5" in New York.
Zum Thema Peking+5 erschien im September 2000 auch eine von der Heinrich-BöllStiftung in Auftrag gegebene Analyse nebst Textsammlung von Christa Wichterich mit
dem Titel „Wir wollen unsere Rechte jetzt – und zwar mit Zinsen“; die Broschüre ist bei
der Stiftung erhältlich.

[„ Fünf Jahre nach Peking zeigt sich, dass das Interesse der Regierungen und der
Öffentlichkeit für eine Durchsetzung von mehr Geschlechtergerechtigkeit deutlich
nachgelassen hat.“ Annekathrin Linck
Wir wollen unsere Rechte jetzt - und zwar mit Zinsen. Fünf Jahre nach der
Weltfrauenkonferenz in Peking. Von Christa Wichterich. Studien & Berichte der HeinrichBöll-Stiftung Nr.5, 128 Seiten, Berlin 2000. www.boell.de ]

Bildung und Vernetzung von Frauen in Mittelamerika

Die politische, rechtliche und sozioökonomische Benachteiligung der Frauen in
Mittelamerika hat zur Folge, dass ein Großteil der Frauen die vorhandenen
Partizipationsrechte nicht wahrnehmen und sich nicht gegen Diskriminierung wehren
kann. Darum liegt ein Schwerpunkt der Bildungs- und Beratungsarbeit der Heinrich-BöllStiftung auf der Stärkung von Selbstbewusstsein und Durchsetzungskraft von Frauen,
der Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten und der Ermutigung zur
Selbstorganisation.
In Mexiko arbeitet die Heinrich-Böll-Stiftung mit Comunicación e Información de la
Mujer (CIMAC), einem nichtkommerziellen Informationsdienst mit Nachrichtenagentur
und Dokumentationszentrum, zusammen. Hauptanliegen von CIMAC ist die Förderung
einer demokratischen, nicht-sexistischen bzw. nicht-diskriminierenden Berichterstattung
in den Medien. Ein wichtiges Resultat der mehr als zehnjährigen Informations- und
Medienarbeit von CIMAC ist die Gründung des Netzwerkes Red Mexicana de
Periodistas. Mittlerweile arbeiten in diesem Netzwerk rund 350 Presse-, Fernseh- und

24

Radiojournalistinnen und -journalisten in 30 der insgesamt 32 mexikanischen
Bundesländer zusammen.
Als Nachrichtenagentur ist CIMAC in rund 100 Medien der mexikanischen Presse, des
Radios und Fernsehens präsent. Über zahlreiche Veröffentlichungen im Internet sowie
über die CIMAC-Homepage werden Berichte, Reportagen, Dokumentationen und
Nachrichten des Informationsdienstes verbreitet.
Die Heinrich-Böll-Stiftung beabsichtigt mit CIMAC eine längerfristige Kooperation in der
Information und Berichterstattung zum Thema „Gewalt gegen Frauen“, zu ausgewählten
nationalen und internationalen Konferenzen und zur NAFTA-Beobachtung.
Asociación de Mujeres Rurales (ASMUR) und Sistema Económico Social (SES)
In El Salvador unterstützt die Heinrich-Böll-Stiftung seit mehren Jahren die Aus- und
Weiterbildung sowie die Selbstorganisation von Frauen in einem früheren Kriegsgebiet,
das heute von ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfern der Befreiungsbewegung FMLN
und deren Familien bewohnt und bewirtschaftet wird. Die Weiterbildungen betreffen den
organisatorischen und produktiven Bereich, daneben wurde die Einrichtung von
Kindergärten und ein Alphabetisierungsprogramm gefördert. Seit dem vergangenen Jahr
gibt es auch Lehrgänge und Starthilfen für die Einrichtung von Kleinbetrieben. Während
des verheerenden Wirbelsturmes Mitch im Jahre 1998 haben die Projektpartnerinnen
erheblich zur Evakuierung und Versorgung von Tausenden beigetragen und danach an
den Wiederaufbaumaßnahmen – auch mit Hilfe der Heinrich-Böll-Stiftung – mitgewirkt.

Frauenpolitische Studienreise nach Brüssel

Was bringt Europa ihren Bürgerinnen? Bislang gibt es weder eine EU-Kommissarin für
Frauenbelange oder einen Frauenministerrat noch fanden Frauenbelange in
angemessenem Umfang Eingang in die EU-Verträge. Um der Frage etwas näher zu
kommen, organisierte das Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung zusammen mit
der Heinrich-Böll-Stiftung NRW eine fünftägige Studienreise nach Brüssel.
Angesprochen wurden Multiplikatorinnen, die sich in ihrem Wirkungsfeld (Verwaltung,
Politik, Arbeit und Soziales) für die Gleichstellung von Frauen und Männern und den
Abbau von Frauenbenachteiligung einsetzen. Mit Elisabeth Schroedter und Hiltrud
25

Breyer (Die Grünen im Europäischen Parlament), Expertinnen der Europäischen
Kommission und Frauen-NGOs wurde u.a. über folgende Fragen diskutiert: Welche
Modelle der Gleichstellung werden auf europäischer Ebene entwickelt und umgesetzt?
Wie können diese auf lokaler Ebene angewandt werden? Welche Frauenförderpolitik
verfolgt die EU?
[Heinrich-Böll-Stiftung NRW, Huckarder Str. 12, 44147 Dortmund, www.boell-nrw.de]

„Über den Unterschied zwischen Männern und Frauen“ – Reihe der Petra-KellyStiftung

Im Jahr 2000 lag ein Hauptschwerpunkt der Arbeit der bayrischen Petra-Kelly-Stiftung
auf der Betrachtung des Unterschieds zwischen Männern und Frauen. Neben mehreren
kleineren Veranstaltungen fand in Zusammenarbeit mit der Frauenbeauftragten der
Münchner Universität eine dreiteilige Fachkonferenz zum Thema „klein? groß? oder gar
nicht - Über den Unterschied zwischen Männern und Frauen“ statt. Als Auftakt wurden
die neuesten Erkenntnisse der Gender-Debatte in einer Konferenz – nur für Frauen –
vorgestellt und diskutiert. Weil Männer bei Frauentreffen oft ausgeschlossen sind, hatten
sie einen eigenen Termin, bei dem es um die Frage "Was bedeutet die biologische
Differenz für den Mann 2000?" ging. Bei der Abschlussveranstaltung suchten Frauen
und Männer gemeinsam im Dialog ein Fazit. Was erhoffen sich Frauen von Männern
und wie wollen Männer mit Frauen zusammenleben? Ist ein zeitgemäßer
Geschlechtervertrag möglich? Abgerundet wurde die Reihe mit einem Auftritt des 1.FC
Heidelberg, einem Frauenchor mit Witz und Aberwitz. Die ganze Reihe stieß auf großes
Interesse und die Idee, Frauen und Männer erst getrennt und dann miteinander reden
zu lassen, hat sich bewährt und soll wiederholt werden.

„Anständige Leute“ – Moral, Geschlecht und Lebensart
BRD und DDR zwischen Nachkrieg und Vorwende

In den beiden deutschen Staaten gelten die 50er und 60er Jahre als moralisch rigide,
sei es unter dem Vorzeichen von sozialistischer Moral oder dem der kleinbürgerlichen
26

Wohlanständigkeit. Unter der Perspektive eines geschlechterdifferenzierten Ansatzes
stellte die Tagung „Anständige Leute“ vom 2. bis 3. Dezember 2000 auf der Galerie der
Berliner Heinrich-Böll-Stiftung die verschiedenen lebensweltlichen,
alltagsgeschichtlichen und „offiziellen“ Codizes vor, die Ausdruck einer als fortschrittlich,
rational und modern geltenden öffentlichen Moral waren. Sowohl in der Bundesrepublik
als auch in der DDR stellten wirtschaftlicher Aufbau, Konsum und Wohlstand zentrale
Identifikationsfiguren dar. In beiden Gesellschaften wurden daher Konsum- und
Genussgüter als gesellschaftliche Distinktionsmittel genutzt. Die Moralentwürfe, die das
politische und ökonomische System beider Staaten begleiteten, artikulierten sich im
familiären wie im privaten Binnen- ebenso wie im öffentlich organisierten und
kontrollierten Stadtraum. Der Arbeitsalltag von Frauen, ihre Eigen- und
Fremdwahrnehmung wurden ebenso diskutiert wie symbolische Traditionen und
Deutungen von männlicher Körperlichkeit und ihre Einbettung in Moral und Sittlichkeit.
Zu den Referentinnen und Referenten gehörten u.a. Young-sun Hong, Barbara Duden,
Christine Eifler, Detlef Siegfried und Susanne zur Nieden.

27

5. Migration und Demokratische Partizipation
Gemeinschaftsaufgabe Migration

Die Heinrich-Böll-Stiftung orientiert sich in ihrer Arbeit am Leitbild einer demokratischen
Einwanderungsgesellschaft: d.h. diskriminierende Strukturen zu ändern und Politik,
Gesellschaft und Ökonomie dahingehend zu gestalten, daß sie Orientierung
ermöglichen und geeignete Formen und Maßnahmen des Zusammenlebens entwickeln.
Statt auf die Lösung eines „Migrationsproblems“ ist der neue Fokus also auf die
Anerkennung eines spezifischen demokratischen Defizits gerichtet. Die Steuerung und
Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse stellen aus dieser Perspektive besondere
Anforderungen an alle Gesellschaftsbereiche. Konzeptionell betrachtet handelt es sich
daher um eine „Gemeinschaftsaufgabe“. Für die Heinrich-Böll-Stiftung bedeutet dies,
unter Beteiligung von Migrantinnen und Migranten solche gesellschaftspolitischen
Diskurse zu initiieren oder zu unterstützen, die politische Veränderungen im o.g. Sinne
bewirken. Neben Einzelprojekten und Veranstaltungen zu regionalspezifischen
Herausforderungen und Problemstellungen im Ausland zielt der Europabereich der
Stiftung im Kontext der EU-Osterweiterung auf die Debatte zur Vereinheitlichung der
Asyl- und Migrationsrechte auf europäischer Ebene. Zum Bereich der
Gemeinschaftsaufgabe gehört auch die Nachwuchsförderung. Derzeit erstellen mehr als
20 Stipendiatinnen und Stipendiaten im Bereich des Programmschwerpunktes Migration
aus der Perspektive verschiedener Disziplinen wissenschaftliche Arbeiten. Dazu
gehören Arbeiten über die Herausforderungen der Bildungspolitik unter interkulturellen
Fragestellungen ebenso wie solche zu Rassismuserfahrungen, Fremdenfeindlichkeit
und Zivilcourage. Stipendiatische Arbeitsgruppen („AG interkulturelle Kommunikation“,
„AG Nation und Identität“) unterstützen den Schwerpunkt im Bereich der
Nachwuchsförderung.
Innerhalb der Stiftung wird mit Elementen der Gleichstellungspolitik und mit Methoden
der interkulturellen Organisationsentwicklung gearbeitet: Eine Quote von mindestens 10
Prozent Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht-deutscher Herkunft ist in der Satzung
festgelegt; Qualifizierungsangebote, die mit dem Verein „Eine Welt der Vielfalt“
entwickelt wurden, sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung in
28

migrationsspezifischen Fragestellungen sensibilisieren und weiterbilden. Lernziel: der
Umgang mit und die Gestaltung von Kulturunterschieden und ethnischer Vielfalt.
Langfristig sollen im demokratischen Rahmen kulturelle Unterschiede und
Gemeinsamkeiten, Werte sowie Arbeits- und Kommunikationsstile erkannt, als
Synergiechance begriffen und in die eigenen Arbeitskonzeptionen integriert werden. Im
Kontext interkultureller Kommunikation geht es um das Aushandeln neuer Regeln des
Umgangs, die für alle Beteiligten akzeptabel sind.
Im Jahr 2001 wird die Gemeinschaftsaufgabe durch den Schwerpunkt Interkulturelles
Management erweitert. Der neue Teilbereich zielt auf die interne Qualitätssicherung und
die zusätzliche Kompetenzentwicklung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Umgang
mit kultureller Vielfalt und Interkulturalität innerhalb der Stiftung wie auch in der Arbeit
mit den Projektpartnern im In- und Ausland. Geplant ist ein Serviceangebot von
individuellem interkulturellem Coaching bis zu maßgeschneiderten
Trainingsmaßnahmen und projektbezogenen Beratungen.
[Infos: wagner.georges@boell.de]

Muslime und moderne Gesellschaften
Veranstaltungsreihe des Bund-Länder-Projektes

Die Gestaltung des Zusammenlebens mit den Muslimen in Deutschland berührt einen
besonders relevanten Aspekt des Problems einer gezielten Neugestaltung des
Einwanderungslandes Deutschland: Es geht um die Mechanismen und Regeln des
Lebens in einer kulturell pluralen, rechtsstaatlichen Demokratie mit ihren
wechselseitigen Verpflichtungen und Anforderungen gegenseitiger Anerkennung. Die
öffentliche Diskussion über den Islam und das Zusammenleben mit Muslimen ist
keineswegs abgeschlossen, neue Ereignisse und neue Kontexte tragen zur ständigen
Entwicklung der Diskussion bei. Auf Initiative der Heinrich-Böll-Stiftung und vier ihrer
Landesstiftungen – Bayern, Berlin, Hessen und Niedersachsen – wurden von Herbst
1999 bis Sommer 2000 Vortragsveranstaltungen gemeinsam mit weiteren örtlichen
Kooperationspartnern durchgeführt, um die öffentliche Debatte über die neue
gesellschaftliche Realität – im Dialog mit muslimischen Intellektuellen und Vertretern
29

muslimischer Organisationen – zu stärken. Den Abschluss der Veranstaltungsreihe im
Mai 2000 bildeten zwei Konferenzen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit
Folgen und Anforderungen der Erweiterung des kulturellen und religiösen Spektrums
unserer Gesellschaft auseinander setzten. Die Berliner Konferenz „Religion und
Gesellschaft der Zukunft – Europäische Muslime melden sich zu Wort“ gab einen
Überblick über Entwicklungen in verschiedenen Ländern Europas. Dabei kamen sowohl
Fragen der konkreten Gestaltung des Zusammenlebens in einer multireligiösen
Gesellschaft als auch die Dynamik innerhalb der muslimischen Gemeinschaften zur
Sprache. Die Konferenz in Frankfurt am Main „Muslime in Deutschland“ orientierte sich
an konkreten Debatten, wie sie aktuell in Deutschland stattfinden. Zu den einzelnen
Themen berichteten Referentinnen und Referenten aus verschiedenen Ländern
Westeuropas über die dortigen Erfahrungen. Zur Einführung stellte Heiner Bielefeldt
seine These zur Diskussion, daß der säkulare Rechtsstaat als eine unerlässliche
Voraussetzung für eine politische Gestaltung des religiösen und weltanschaulichen
Pluralismus verteidigt und ausgebaut werden muss.

[Zur Einführung in diesen Themenkreis können die Beiträge von Heiner Bielefeldt und
Tariq Ramadan im Internet unter www.boell.de und www.hgdoe.de abgerufen werden.]

Bürgerbeteiligung in Städten und Gemeinden. Ein Praxisleitfaden für die
Bürgerkommune

Wo in den 70er und 80er Jahren protestierende Bürger dem Staat etwas abtrotzen
mussten, bittet heute die Kommune die Bürger teilweise um Mitarbeit. Tatsächlich sind
bürgerschaftliches Engagement und Leitbilder wie die der Bürgerkommune notwendig,
um Politikverdrossenheit abzubauen und zentrale Probleme des Gemeinwesens zu
lösen. Das Buch von Lars Holtkamp, der durch seine wissenschaftliche Forschung wie
durch eigene politische Praxis im Thema zu Hause ist, prüft die vorhandenen
Werkzeuge für Bürgerbeteiligung auf ihre Eignung hin und macht Vorschläge für den
zweckmäßigen Einsatz in der kommunalen Politik. Leitfrage des Autors ist, wie
Bürgerbeteiligung gestaltet sein muß, damit die Beteiligungsangebote für die
30

Bürgerinnen und Bürger auch zu positiven Erfahrungen führen. Die Bürgerkommune
bleibt das Ziel. Dieses Buch könnte ein erster Wegweiser zu diesem Ziel sein.

[Bürgerbeteiligung in Städten und Gemeinden. Ein Praxisleitfaden für die
Bürgerkommune.
Von Lars Holtkamp. Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung. 1. Auflage, Berlin 2000, 160
Seiten, Preis: DM 12,-, ISBN 3-927760-37-4, www.boell.de]

Politik-Management vor Ort

Politik ist ein schwieriges „Geschäft“. Oft fehlen die notwendigen Vorkenntnisse, und
politische Lust mutiert schnell zu chronischem Frust. Das „Politik-Management vor Ort“
ist ein Qualifizierungsprogramm der Heinrich-Böll-Stiftung, das für Gruppen und kleine
bzw. mittlere Organisationen im grünen Umfeld entwickelt wurde. Es wendet sich an
politisch Aktive an der Basis sowie an Personen in Leitungsfunktionen. Die
berufsbegleitenden und praxisorientierten Veranstaltungen vermitteln Grundlagenwissen
zu den Aufgabenfeldern Vorstandsarbeit, Geschäftsführung, Öffentlichkeitsarbeit,
Moderation, Veranstaltungsleitung, Arbeitsorganisation sowie Arbeit mit dem Internet. In
den Seminaren werden bestehende Defizite analysiert, neue realisierbare Wege
aufgezeigt und praktikable Methoden und Instrumente ausprobiert. Das
Qualifizierungsprogramm verfolgt im wesentlichen das Ziel, Politik effizient,
demokratisch und kreativ zu gestalten. Die Qualifizierung von Einzelnen, insbesondere
von Leitungskräften, soll auch die Kultur von politischen Organisationen verbessern. Die
Angebote sollen Impulse und Grundlagen bieten, um die entstehenden Veränderungen
in den Organisationen deutlich zu machen und neue Strukturen im Sinne einer
„Lernenden Organisation“ zu schaffen. Informationen geben die Landesstiftungen.

Kommunalpolitische Infothek
Kommunales Fachinformationssystem im Internet

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Seit Januar 1999 betreibt die Heinrich-Böll-Stiftung gemeinsam mit mehreren
Kooperationspartnerinnen und –partnern die „Kommunalpolitische Infothek“, ein
Fachinformationssystem im Internet. Wichtigster Bestandteil der Infothek ist eine
öffentliche Datenbank, die Fachtexte zu über 30 Sachgebieten der Kommunalpolitik,
Literaturhinweise und Rezensionen sowie Internet-Adressen bereithält. Die Fachtexte
sowie die zweiwöchentlich aktualisierten Nachrichten machen die Infothek zu einer
Online-Fachzeitschrift. Ebenso ist sie ein Instrument zur Recherche von Fachliteratur,
die teilweise auch rezensiert ist. Durch die Möglichkeit, nach Internet-Adressen zu
suchen, wird sie schließlich auch zum Internet-Fachkatalog. Auffindbar sind die
Dokumente nach Sachgebieten und anhand eines umfangreichen Schlagwort-Katalogs.
In Kürze wird es auch ein Glossar zum Nachschlagen von Fachbegriffen geben.
Darüber hinaus sind interaktive Elemente im Aufbau, die es ermöglichen, Kontakte zu
Fachleuten zu knüpfen sowie an Diskussions- und Beratungsforen teilzunehmen. Für
das Jahr 2001 ist zudem die Eröffnung eines Forums zum Thema „Verkehrspolitik“
geplant, auf dem Expertinnen und Experten knifflige Fragen beantworten und die
Erfahrungen aus der Arbeit vor Ort austauschen können. Schon länger steht ein
„Schwarzes Brett“ für allgemeine Anfragen und Ankündigungen bereit.
Die Infothek soll in erster Linie die praktische politische Arbeit vor Ort unterstützen,
richtet sich also an Aktive in Stadträten, Kreistagen und Ausschüssen sowie an
Mitglieder von Bürgerinitiativen. Doch auch Hauptamtliche in Verwaltungen, Lehrerinnen
und Lehrer, Schüler und Studierende sowie politisch Interessierte sollen von der
Infothek profitieren. Der Spagat, sowohl Basisinformationen zu präsentieren, die
keinerlei Vorkenntnisse voraussetzen, als auch spezialisierte Fachinformationen, kann
in der Aufbauphase nicht überall gleich gut gelingen. So wird weiter daran gearbeitet,
die Lücken zu schließen und durch Diskussions- und Beratungsangebote auch Fragen
zu beantworten, die die Datenbank selbst nicht lösen kann. Dabei wird großer Wert auf
das kritische Feedback der Nutzerinnen und Nutzer gelegt.
Ohne fachlich versierte Kooperationspartnerinnen und -partner wäre ein solch
anspruchsvolles Projekt nicht möglich. An erster Stelle ist hier die Fachzeitschrift
„Alternative Kommunalpolitik“ zu nennen, die seit 20 Jahren die grün-alternative Politik
vor Ort fachlich begleitet und unterstützt. Sie zeichnet für die Mehrzahl der Fachtexte
und für die Nachrichten verantwortlich. Wichtige Partner sind auch der Arbeitskreis
32

Verkehr und Umwelt (UMKEHR e.V.) und verschiedene grün-alternative
kommunalpolitische Vereinigungen.
[www.kommunale-info.de]

Tagung „Bürgerschaft und Differenz“
Zu den Konstruktionen von „Geschlecht“ und „Rasse“ im Recht.

Die Bedeutung von Bürgerschaft und die angemessene Berücksichtigung von Differenz
sind weltweit von höchster Aktualität. Angesichts globaler Migration mit den bekannten
Ausgrenzungsproblemen und angesichts anhaltender geschlechtsbezogener
Diskriminierung stellen sich auch in der Bundesrepublik Deutschland zunehmend
Fragen nach dem juristischen Umgang mit “Rasse” und “Geschlecht”. Mit diesem
Thema beschäftigte sich auch die Arbeits- und Studientagung „Bürgerschaft und
Differenz“, die von der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin – Projekt
Feministische Rechtswissenschaft – in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung im
Frühjahr 2000 veranstaltet wurde. Das erste Forum befasste sich mit der Wirklichkeit
von Geschlecht und Ethnie in der Bundesrepublik Deutschland heute. Im
anschließenden Forum wurden Verständnis und Konstruktion von Differenzen aus
unterschiedlichen disziplinären Perspektiven erörtert. Auf dem dritten und vierten Forum
folgte die Vorstellung von Analysen verschiedener Rechtsgebiete und im
abschließenden Podium beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit
Erfahrungen und praktischen, sozialen und politischen Perspektiven im Umgang mit
Bürgerschaft und Differenz. Auf der Tagung wurde insbesondere jungen
Wissenschaftlerinnen die Möglichkeit gegeben, ihre Arbeiten zur Diskussion zu stellen.
Damit verfolgte die Tagung auch das Ziel, wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern
und den wissenschaftlichen und politischen Diskurs geschlechterdemokratisch einer
neuen Generation zu öffnen. Zu den Referentinnen und Referenten gehörten u.a.
Eleonora Zielinska, Professorin für Rechtswissenschaft an der Universität Warschau,
Andrea Maihofer, Privatdozentin der Soziologie aus Frankfurt, und Antke Engel,
Philosophin aus Potsdam.

33

6. Menschenrechte, Zeitgeschichte und Zukunft der Demokratie
Iran nach den Parlamentswahlen – Die Reformdynamik in der Islamischen
Republik
Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung im April 2000

Spätestens seit der Wahl des Staatspräsidenten Chatami im Mai 1997 und spätestens
nach dem erdrutschartigen Sieg der Reformer bei den Parlamentswahlen im Februar
2000 deutet sich in der Islamischen Republik Iran ein Aufbruch, eine Wende an. Vor
diesem Hintergrund hat die Heinrich-Böll-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Haus der
Kulturen der Welt im April 2000 zu einer Konferenz „Iran nach den Wahlen“ eingeladen.
Die Veranstaltung sollte der Information über die Vorgänge im Iran und dem politischen
und kulturellen Austausch zwischen iranischen Reformern, der deutschen Öffentlichkeit
und dem iranischen Exil dienen. Die 17 Rednerinnen und Redner aus dem Iran
repräsentierten das breite Spektrum der Reformbewegung: sie kamen aus dem
religiösen wie aus dem säkularen Lager. Auch der Dialog zwischen diesen beiden
Gruppen war eine zentraler Gedanke bei der Planung der Konferenz. Dass dieser
Ansatz auf ein enormes öffentliches Interesse stieß, bewiesen die mehr als tausend
Teilnehmer und die große Medienresonanz schon im Vorfeld der Tagung.
Die von vielen Seiten mit großen Erwartungen begleitete Konferenz wurde allerdings
überschattet von den Aktionen einer Minderheit, die im Namen des „revolutionären
Widerstands“ alles daran setzte, den Dialog über eine von innen kommende,
verschiedene gesellschaftliche und geistige Strömungen umfassende Reform des Iran
zu unterbinden. Diese Aktionen trafen sich mit den Interessen der islamischen Rechten
im Iran – wie die darauf folgende Instrumentalisierung der Störungen der Konferenz
durch das iranische Staatsfernsehen und die fundamentalistische Machtfraktion zeigte.
Die Opposition im Iran braucht eine offene Debatte, gerade deshalb sind Intellektuelle
und die unabhängige Presse das bevorzugte Ziel der konservativen Repression. Die
iranische Reaktion gegen die Konferenz und die teilnehmenden Intellektuellen und
Künstler macht deutlich, wie begrenzt der Raum zur politischen Auseinandersetzung im
Iran nach wie vor ist: Alle Referentinnen und Referenten aus dem Iran wurden von den
Justizbehörden in Teheran angeklagt und vielfältigen Repressalien ausgesetzt. Gegen
die Berliner Konferenz wurde eine Diffamierungskampagne inszeniert, die vor allem
34

gegen den gemeinsamen öffentlichen Auftritt von Reformern aus dem islamischen
Spektrum mit säkularen Intellektuellen gerichtet war. Elf der Angeklagten wurden in
erster Instanz zu Gefängnisstrafen bis zu 11 Jahren verurteilt. Gegen den
Reformgeistlichen Yussevi Eshkevari wurde ein islamisches Sondertribunal
durchgeführt; das Urteil der ersten Instanz wurde nicht veröffentlicht. Laut iranischen
Presseberichten wurde Eshkevari zum Tode verurteilt; anschließend sei das Urteil von
einem Revisionsgericht aufgehoben worden. Es gibt begründete Hinweise, dass einige
Angeklagte mit Isolationshaft und Gewalt zu „Geständnissen“ gepresst werden sollten.
Die dokumentierten Prozessprotokolle erinnern an klassische politische Schauprozesse.
Sie signalisieren, dass den Fundamentalisten jedes Mittel recht ist, um die
Reformbewegung zurückzuwerfen und die Herrschaft zu behaupten. Die Verurteilten
verkörpern einen repräsentativen Querschnitt von reformorientierten Intellektuellen, als
da sind: ein Geistlicher, Journalisten, Schriftsteller, die bekannteste Verlegerin des
Landes, ein Sprecher der Studentenbewegung und eine Anwältin, die sich durch ihren
Einsatz für die Rechte der Frauen auszeichnet. Es liegt auf der Hand, dass mit diesen
Personen die gesamte Reformbewegung getroffen werden soll.
Die Heinrich-Böll-Stiftung hat sich in zahlreichen Stellungnahmen, Pressekonferenzen
und Briefen an die Verantwortlichen im Iran für die verfolgten Gäste der Berliner
Konferenz eingesetzt und die sofortige Freilassung der Gefangenen und die Einstellung
sämtlicher Verfahren im Zusammenhang mit der Berliner Konferenz gefordert.
Die Stiftung wird ihr Iran-Engagement fortsetzen, so gut das unter den aktuellen
Bedingungen möglich ist. Die Förderung des zivilgesellschaftlichen Dialogs und
entsprechender Initiativen z.B. in den Bereichen Umweltschutz, Medien und zur
gesellschaftlichen Situation von Frauen werden im Zentrum der künftigen Iran-Arbeit der
Stiftung stehen.

[Die Konferenzbeiträge und die Debatte, die durch die Konferenz der Heinrich-BöllStiftung ausgelöst und zum Teil sehr heftig geführt wurde, sowie die Prozessprotokolle
sind in einem Buch dokumentiert: Iran nach den Wahlen. Eine Konferenz und die
Folgen. Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung. Mit einer Einführung von Sonia Seddighi
und einem Beitrag von Peter Philipp. Übersetzungen: Bahman Nirumand. Verlag
Westfälisches Dampfboot. 1. Auflage, Münster 2001, 268 Seiten, DM 36,- (€ 18,-), ISBN
3-89691-506-1]
35

Sonderpreis für Zivilcourage an Flora Brovina

Am internationalem Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember 2000, wurde der
kosovarischen Ärztin und Schriftstellerin Flora Brovina der Sonderpreis für Zivilcourage
auf dem Balkan verliehen. Der mit 15 000 Mark dotierte Preis, gestiftet von einem nicht
genannt werden wollenden Spender, wurde vom Förderkreis der Heinrich-Böll-Stiftung
überreicht. Die Menschenrechtlerin war wenige Wochen zuvor nach 19 Monaten aus
serbischer Haft entlassen worden. Mit dem Preis wurde ihr langjähriger Einsatz für
Menschenrechte, Völkerverständigung und Gewaltfreiheit gewürdigt. Seit 1990 setzt
sich Flora Brovina unerschrocken und unermüdlich für die Menschenrechte ein. 1992
gründete sie die unabhängige Nichtregierungsorganisation „Liga der albanischen
Frauen“, deren Vorsitzende sie bis heute ist. Die „Liga“ organisiert Kurse zur
Alphabetisierung und Gesundheitserziehung, Lesungen und Ausstellungen. In einer
Situation sich zuspitzender Gewalt rief Flora Brovina 1998 zu Frauendemonstrationen
für Gewaltfreiheit und Dialog auf. Im März 1998 gründete sie in Pristina das
Nothilfezentrum Prihvatni (Zuflucht) für Frauen und Kinder, die aus ihren Wohnorten
vertrieben worden waren. In diesem Zentrum wurde sie im April 1999 verhaftet und nach
Serbien deportiert. Angeklagt wegen „Verschwörung und Unterstützung terroristischer
Banden“, verurteilte man sie im Dezember 1999 zu 12 Jahren Haft.
Gerd Poppe, der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und
Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt, hob in seiner Rede den unermüdlichen Einsatz
von Flora Brovina hervor: „ Sie haben sich in einer Diktatur für Demokratie und
Menschenrechte, für Toleranz und Verständigung eingesetzt. Sie haben die „Albanische
Frauenliga“ gegründet und damit in einer männlich dominierten Gesellschaft den Frauen
ein Forum gegeben. Sie haben Frauen und Kindern Hilfe in der Not geleistet, den aus
ihrer Heimat Vertriebenen, den Kindern, deren Eltern tot oder vermisst waren. Sie haben
selbst friedlichen Widerstand geleistet, haben im März 1998 die große
Friedensdemonstration von Frauen organisiert, wurden verletzt und misshandelt und
entschieden sich dann, als die serbischen Sicherheitskräfte ihre groß angelegte Terrorund Vertreibungsstrategie umzusetzen begannen, im Kosovo bei den Menschen, die
Ihre Hilfe brauchten, zu bleiben und nicht ins Ausland zu fliehen.“

36

In ihrer Laudatio betonte Sonja Biserko, Menschenrechtlerin aus Belgrad und im
Vorstand der Internationalen Helsinki-Föderation, in all den Jahren habe es auf beiden
Seiten Menschen gegeben, die miteinander gesprochen hätten und Freunde geblieben
wären. Das sei ein dünner Faden, aber auch ein Pfand für ein gegenseitiges Verstehen
von Serben und Albanern. Am Schluss ihrer Rede zitierte sie Flora Brovina: „Wir
müssen anfangen, uns gegenseitig zuzuhören. Damit wir uns kennenlernen, denn wir,
Serben und Albaner, lebten so lange Zeit nebeneinander und kennen uns noch nicht.“

Flora Brovina

Frau

Was bewahrst du
In der Blässe des Gesichts
In der Blutleere des Wortes
Was verbirgst du

Die zehnte Leibesfrucht
Oder deine Jahre

Was bewahrst du
In der Blässe des Gesichts
Die Stimme deines Mannes
Oder versäumte Zärtlichkeit

Was bewahrst du in der Blutleere des Worts
Das verschwiegene Lied
Oder einen Frühling der aus und vorbei ist

Was bewahrst du
Wenn du die Zeit schaukelst in der Wiege
Was bewahrst du
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Was versteckst du

Über die Preisverleihung ist eine kleine Broschüre erschienen, die unter info@boell.de
bestellt werden kann.
Informationen zum Förderkreis: walch@boell.de
„Wir sollten lernen, mit Waffen zu kämpfen, bei denen es sich um zivilisatorische Werte
handelt und durch die niemand zu Schaden kommen kann – ganz im Gegenteil: durch
die wir alle nur gewinnen können.“ Flora Brovina]

Rudi-Dutschke-Konferenz vom 21. bis 22. Januar 2000
Anlässlich des 20. Todestages von Rudi Dutschke am 24. Dezember 1999 veranstaltete
die Heinrich-Böll-Stiftung in Zusammenarbeit u.a. mit Gretchen Klotz-Dutschke eine
Konferenz im Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Die Veranstaltung würdigte Dutschke
als Sprecher der westdeutschen Studentenbewegung 1967/68 und versuchte eine
kritische Bilanz der Studentenbewegung. Rednerinnen und Redner waren überwiegend
Zeitzeugen, die Dutschke gekannt haben. In der Laudatio beschrieb Klaus Meschkat
Dutschke als glaubwürdigen, gegenüber Blockdenken unabhängigen sozialistischen
Moralisten, der sich auch als Kritiker heutiger Realpolitik lesen lasse. Den folgenden
Konferenztag eröffnete Ulrich K. Preuss, Professor an der FU Berlin, mit einigen Thesen
zu Wirkungen von `68, jenseits der Frage nach Erfolg oder Scheitern der studentischen
„Mission“. Seiner Ansicht nach weiter wirkten das neue Verhältnis zwischen privater und
öffentlicher Sphäre, die Moralisierung von Politik sowie die Entstehung der sozialen
Bewegungen als neue gesellschaftliche Akteure. Bernd Ulrich, Vertreter der „NichtZeitzeugen-Generation“ und Journalist beim „Tagesspiegel“, postulierte, daß Dutschkes
Ideologie und Sprache – das Radikale an ihm – wenig sympathisch war, das
Sympathische wiederum nicht radikal, sondern womöglich christlich inspirierte
Menschlichkeit. Drei Ostdeutsche kommentierten die Wahrnehmung Dutschkes und der
westdeutschen Studentenbewegung seinerzeit unter Gleichaltrigen in der DDR,
Dutschkes Herkunftsland: Während Guntolf Herzberg zeigte, dass sie in der
entsprechenden zeithistorischen Literatur keine Resonanz gefunden hat, beschrieb
Bernd Albani Politisierungseinflüsse im positiven Sinn. Gerd Poppe thematisierte die
38

Entfremdung gegenüber den westdeutschen Linken mit anti-amerikanischem Einschlag,
denen die osteuropäische Problemsicht völlig fehle. Das Abschlusspodium geriet zu
einer teilweise heftigen Auseinandersetzung darüber, ob und in welcher Weise heutige
bündnisgrüne Regierungspolitik die Ideen und Intentionen der „68er“ vertritt, verbiegt
oder verleugnet. Den Kern der Auseinandersetzung bildeten Fragen nach (persönlicher)
politischer Moral und dem Postulat des Einzugs menschenrechtlicher Begründungen in
die (internationale) Politik. Kristallisationspunkt war der NATO-Krieg im Kosovo.

[„Bei Lichte besehen ist `68 inzwischen tief historisch, im Sinne von versunken im Laufe
der Geschichte. Zwar erinnern sich viele noch an die Zeit, und das ist ja auch gut so,
aber von den Bedingungen, die die 68er vorfanden und auf die sie reagierten, existiert
kaum noch eine.“ Barbara Sichtermann

„Was tatsächlich neu war, war das ungestüme, impulsive und leidenschaftliche
Engagement erheblicher Teile der Bevölkerung in öffentlichen Angelegenheiten, etwas,
was Deutschland lange Zeit nicht erlebt hatte. Noch überraschender war vielleicht der
Umstand, dass die verbreitete Unzufriedenheit großer Teile der jüngeren Generation,
vor allem der Studenten, sich nicht in nationalistischen, rassistischen oder anderen
rechtsradikalen Ideologien niederschlug, sondern in Gestalt einer linken und liberalen
Kritik an dem, was sie als undemokratische Strukturen der deutschen Gesellschaft
identifizierten. Hält man sich die Unwilligkeit oder Unfähigkeit großer Teile des
deutschen Bürgertums vor Augen, die Weimarer Republik im Jahre 1933 zu verteidigen,
dann ist dieser Umstand als eine bemerkenswerte Errungenschaft anzusehen.“ Ulrich K.
Preuß

„Was war an Rudi Dutschke sympathisch? Waren es seine politischen Vorstellungen?
Ich glaube, diese Frage kann man rundheraus mit nein beantworten. Was er und seine
Kommilitonen und Genossen wollten, war völlig unklar.“ Bernd Ulrich]

2. Außenpolitische Jahrestagung der Heinrich-Böll-Stiftung im November 2000
39

Zukunftsaufgabe: eine nachbarschaftliche Gestaltung der EU-Grenzen

Vom 23. bis 24. November 2000 widmete die Heinrich-Böll-Stiftung ihre 2.
Außenpolitische Jahrestagung dem Zukunftsthema der EU: der qualitativen
Ausgestaltung der künftigen EU-Außengrenzen. Dienten sie in der Vergangenheit im
Osten Europas vor allem der eindeutigen Abgrenzung der politischen Systeme, so
sollen sie künftig die EU-interne Integration stützen, eine neue kooperative
Nachbarschaft zu den angrenzenden Ländern gestalten helfen und die
Stabilitätsperspektiven der angrenzenden Regionen verbessern. Im Zentrum der
Tagung stand die Frage, wie die EU im Sinne einer „Gestaltung von Nachbarschaft” ihre
Grenzen auskleiden will, welche konzeptionellen Ansätze und Handlungsoptionen und,
vor allem, welche politischen Träger es für grenzüberschreitende Kooperation gibt.
Die aktuelle Ausgestaltung der EU-Grenzen im Mittelmeerraum begünstige
ausschließlich eine negative Migration, fasste Jamila Houfaidi Settar, Professorin für
Internationales Recht aus Casablanca, ihren Beitrag zusammen, denn sie dränge die
Verzweifelten in den illegalen Raum und blockiere die kreativen Möglichkeiten der
Mobilität. "Der marokkanische Computer-Experte, dem ein Touristen-Visum für die
Schengen-Länder verweigert wurde, wird nicht sein Leben riskieren, um illegal nach
Europa zu kommen." Diese Art der Grenzgestaltung dürfe bei der EU-Erweiterung in
Osteuropa nicht wiederholt werden, waren sich die Vertreter aus osteuropäischen
Ländern schnell einig. Vielmehr müssten neue Formen nachbarschaftlicher
Grenzgestaltung entwickelt werden. Mykola Riabchuk, Stellvertretender Chefredakteur
der Zeitung Krytyka (Kiew) erläuterte die Problematik, die durch die Verschiebung der
Grenzen nach Osten für die Ukraine entsteht. Gibt es heute noch einen offenen
Grenzverkehr mit Polen, so wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit nach dem
Beitritt Polens zur EU nicht zuletzt wegen des Schengen-Regimes erheblich erschwert
werden. Beobachter befürchten gar eine Spaltung der Ukraine in einen westlich und
einen östlich orientierten Teil. Kontrovers wurde immer wieder die Frage der
Beziehungen zu Russland debattiert, das sich aufgrund der aktuellen Veränderungen
(EU-Erweiterung, NATO-Erweiterung) in seinen Interessen und möglicherweise in seiner
Sicherheit berührt fühlt. Die Diskussion machte aber auch klar: die EU wird in ihren
neuen Grenzen eine andere Rolle in der Welt spielen und zunehmend als Global Player
40

auftreten. “Die von wirtschaftlicher Logik bestimmte Globalisierung ist ein
amerikanisches Projekt, die ökologische und soziale Gestaltung der Globalisierung
könnte ein europäisches Projekt sein”, brachte der Europa-Abgeordnete Daniel CohnBendit die Debatte auf den Punkt. “Dazu”, fügte er hinzu, “ist eine selbstbewusste und
handlungsfähige EU notwendig.”

Demokratie und Menschenrechte in Nigeria

Die Gewährung von Menschenrechten ist ein Indiz für die Verankerung demokratischen
Denkens und der gesellschaftlichen und politischen Transformation zu einem alle
Bevölkerungsteile repräsentierenden Staat. Auch wenn 1999 eine demokratisch
gewählte Regierung nach etlichen Jahren der Militärdiktatur die Macht in Nigeria
übernommen hat, ist die politische Zukunft des Landes noch unklar. Ein Schwerpunkt
der Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung im Rahmen des Projektprogramms „Menschen- und
Frauenrechte“ ist die Herausgabe des jährlichen Menschenrechtsberichtes der Civil
Liberties Organisation (CLO) in Nigeria. Ein weiterer Aspekt der Arbeit liegt im Kampf
gegen im Namen von Traditionen und nationalstaatlichen Interessen begangenen
Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen an Frauen und anderen
Bevölkerungsgruppen. So fördert z.B. der Projektpartner Gender and Development
Action (GADA) die Selbsthilfe und Mobilisierungspotentiale von Frauen durch Aufklärung
und Förderung von Rechtsaktivistinnen in ländlichen Regionen. Andere Organisationen,
wie das Civil Resource Development and Documentation Centre (CIRDDOC),
veranstalten Trainings für Rechtsberaterinnen (Paralegals) und unterstützen ihre
Etablierung in juristisch unterversorgten Gebieten. In Form von Tribunalen und
Veranstaltungen weisen sie zudem auf die Verletzung von Menschen- und
Frauenrechten hin. Neben diesen Projektaktivitäten wird eine stärkere Vernetzung der
auf diesem Gebiet arbeitenden Organisationen sowie verstärkte Diskussionen über
Inhalte und Methoden der Menschenrechtsarbeit angestrebt.

„Status Quo Vadis? – Parteien zwischen Programmatik und Pragmatik“
41

Kongress der Heinrich-Böll-Stiftung im Dezember 2000 in Stuttgart

Globalisierung, Individualisierung, Digitalisierung, demographischer Wandel, und
Politikverdrossenheit sind nur einige Stichworte in der Diskussion um eine notwendige
Neuorientierung parteipolitischer Programmatik. Mit dem Kongress „Status Quo Vadis?“,
den die Landesstiftung Baden-Württemberg, die Petra-Kelly-Stiftung sowie die
Bundesstiftung vom 15. bis 16. Dezember 2000 in Stuttgart veranstalteten, sollte ein
Beitrag zu der Frage nach der grundsatzprogrammatischen Zukunft der Parteien
geleistet werden. Der Kongreß ließ Vertreterinnen und Vertreter der jüngeren
Generation aus Wissenschaft, Politik und Kunst zu Wort kommen, bot eine Plattform,
um den Dialog zwischen Politik, Popkultur und Poptheorie in Gang zu bringen, und
brachte profilierte Köpfe zusammen, die in ihrer jeweiligen Partei für programmatische
Schärfe und gegen puren Pragmatismus einstehen. Teilnehmer waren unter anderem
Reinhard Bütikofer, Tobias Dürr, Carolin Emcke, Ralf Fücks, Heiner Geißler, Richard
Herzinger, Renate Künast, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Niombo Lomba, Dirk
von Lowtzow, Bascha Mika, Peter Siller und Ute Vogt.
Unter dem Titel „Die neue Unübersichtlichkeit – Sind die Programmparteien am Ende?“
fragte der Kongress zunächst nach den äußeren Bedingungen von Programmatik. Unter
dem Titel „Die Heimatlosigkeit der Politik – Haben die Parteien ihren Kompass
verloren?“ stand am darauf folgenden Tag die Frage nach der Entwicklung der
programmatischen Inhalte im Zentrum. In der Late Lounge „Digital ist besser, Öko ist out
– Wie politisch ist die Popkultur?“ diskutierten schließlich junge Künstlerinnen und
Künstler über ihr Politikverständnis und den Zusammenhang von Politik und Kunst.
Umrahmt wurde die Late Lounge u.a. durch Lesungen von Feridun Zaimoglu und
Eckhart Nickel.
Der Kongreß „Status Quo Vadis?“, das machte auch das Abschlusspodium deutlich,
lieferte Anknüpfungspunkte für Folgeveranstaltungen, z.B. in den Fragen: Welche
Substanz, welche Interpretationsspielräume und welches strategische Potential haben
politische Leitbegriffe wie „Freiheit“, „Gerechtigkeit“ oder „Solidarität“? Was steckt hinter
dem Begriff von der „Modernisierung“, ohne den momentan keine politische

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Grundsatzrede auszukommen scheint? Die Frage bleibt: Status Quo Vadis? [Infos:
www.boell-ba-wue.de]

„Die Verfolgung Homosexueller im Dritten Reich“
Internationales Kolloquium in Berlin am 12. und 13. Februar 2000

Zwischen 1933 und 1945 wurden ungefähr 100.000 Männer wegen Homosexualität
verhaftet. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass schwule Überlebende Opfer weiterer
Verfolgung in der Nachkriegszeit waren, dass sie nicht als politische Gefangene
anerkannt, sondern als Kriminelle eingestuft wurden, die gegen den bis 1969 gültigen
Paragraphen 175 und 175a (Anklage wg. homosexueller Handlungen) verstoßen
hatten. Selbstmord, Heirat oder vollständige Isolation waren häufige Reaktionen von
Homosexuellen in den 50er und 60er Jahren. Bis heute ist Ausschluss und
Nichtanerkennung von homosexuellen Opfern nicht nur in Deutschland, sondern auch in
anderen europäischen Ländern gängige Praxis. In einem zweitägigen internationalen
Kolloquium, veranstaltet von Heinrich-Böll-Stiftung, der Pink Triangle Coalition (PTC)
und der International Gay and Lesbian Human Rights Comission (IGLHRC),
rekonstruierten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen nicht nur die Geschichte der
Verfolgten, sondern erörterten auch aktuelle Erinnerungs- und schwule Politik.
Geschichtswissenschaftliche Forschungen und ihre Perspektiven wurden vorgestellt und
ebenso diskutiert wie die Rolle von Gedächtnis, Gedenkstätten und Museen bei der
Erinnerung an die verfolgten Homosexuellen. Pierre Seel aus Toulouse und Gad Beck
aus Berlin ergriffen die Zuhörenden durch ihre biographischen Berichte auf dem
Zeitzeugenpodium „Überlebende und Widerstandskämpfer berichten“. Die in der
Öffentlichkeit diskutierte Entschädigung von NS-Opfern bildete das Thema des
abschließenden Runden Tisches der Mitglieder der Pink Triangle Coalition.
Im Anschluss an das Kolloquium gab es die Möglichkeit, den Dokumentarfilm
„Paragraph 175“ von Rob Epstein und Jeffrey Friedman zu sehen. Der Film, der im
Rahmen des Panorama-Programms der Berlinale uraufgeführt wurde, stellt die
persönlichen Geschichten von schwulen Männern und lesbischen Frauen vor, die von
den Nazis verfolgt wurden.
43

[Die Pink Triangle Coalition (PTC) ist ein internationales Bündnis mit dem Ziel,
Informationen über die Verfolgung homosexueller Frauen und Männer durch die Nazis
zu sammeln und zu verbreiten sowie schwule und lesbische Nazi-Opfer vor den
verschiedenen neugeschaffenen internationalen Fonds zu repräsentieren. Die Aufgabe
von IGLHRC ist es, die Rechte aller Menschen und Gemeinschaften zu schützen und zu
befördern, die Opfer von Diskriminierungen und Missbrauch sind aufgrund ihrer
sexuellen Orientierung , Geschlechteridentität oder HIV-Betroffenheit.
Dokumentation: Der homosexuellen NS-Opfer gedenken. Hrsg. von der Heinrich-BöllStiftung. Mit Beiträgen von George L. Mosse, Claudia Schoppmann, Katharina Kaiser,
Klaus Müller, Frank Wagner, Thomas Rahe, Günter Grau und Rainer Hoffschildt. 1.
Auflage, Berlin 1999, 176 Seiten, DM 10,- (€ 5,-), ISBN 3-927760-36-6

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7. Kunst, Kultur und Medien
Friedensfilmpreis 2000
für „Long Night’s Journey Into Day“

Im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin wird seit 1986 der Friedensfilmpreis
verliehen. Ausgezeichnet werden Filme, die ästhetische Qualität mit humanem Denken,
demokratischer Grundhaltung und sozialem Engagement verbinden. Dotiert ist der
Friedensfilmpreis mit 10.000 DM und einer Plastik des Künstlers Ottmar Alt. Das
Preisgeld wird seit 1996 von der Heinrich-Böll-Stiftung gestellt. Die Schirmherrschaft für
den Friedensfilmpreis, der auf eine Initiative von Berliner Friedensgruppen zurückgeht,
liegt bei den Internationalen Ärzten zur Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in Sozialer
Verantwortung e.V. (IPPNW, Friedensnobelpreisträger).
Der Friedensfilmpreis 2000 ging an den Dokumentarfilm „Long Night’s Journey into Day
– South Africa’s Search for Truth and Reconciliation“ der amerikanischen
Filmemacherinnen Frances Reid und Deborah Hoffmann. Der Film dokumentiert auf
sehr beeindruckende und berührende Art und Weise die Arbeit der südafrikanischen
Wahrheitskommission. Er zeigt Südafrika als ein Land, „dessen Düsternis vom Gestern
ins Heute hineinreicht und zahlreiche Schicksale vernichtet, zerrissen, auf immer
geprägt hat. Indem der Film Menschen porträtiert, die sich aus unterschiedlichen
Gründen ihrer individuellen Schuld und Verantwortung stellen, schafft er ein Verständnis
für die Widersprüche des Lebens, die jenseits der politischen Bedeutung des Themas
liegen.[...] Nicht zuletzt die Brillanz der filmischen Mittel, die Montage, die Musik, die
Kameraarbeit verdichten diesen herausragenden Dokumentarfilm zu einem großen
bewegenden Erlebnis “ – so die Begründung der Jury.
Die Verleihung des Preises fand am 20. Februar 2000 im Haus der Kulturen der Welt in
Berlin statt. Die Laudatio hielt die Schauspielerin und Autorin Renan Demirkan.

[„Bei all der inhaltlichen Größe, die dieser Film in sich birgt, darf man nicht
unterschlagen, daß er insbesondere brillant in der filmischen Umsetzung ist. Und das
macht ihn so außergewöhnlich und sehenswert.“ Renan Demirkan in ihrer Laudatio]

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Dossier Serbien – Einschätzung der Wirklichkeit der 90er Jahre
Ausstellung in der Akademie der Künste, Berlin

Im Oktober 2000 lud die Heinrich-Böll-Stiftung Milosevic-Gegner aus der jungen
serbischen Kunst- und Kulturszene zu einem Podiumsgespräch nach Berlin. Aus der
Begegnung mit den Künstlern entwickelte sich die Idee einer Ausstellung über die
Geschichte des kulturellen Widerstandes gegen das Milosevic-Regime. Innerhalb
weniger Wochen entstand die Ausstellung „Dossier Serbien – Einschätzung der
Wirklichkeit der 90er Jahre“, die vom 20. November bis 17. Dezember 2000 in der
Akademie der Künste gezeigt wurde. Die Ausstellung umfasste sowohl
dokumentarisches Material der letzten zehn Jahre des serbischen Widerstands als auch
in dieser Zeit entstandene Kunstwerke und Artefakte. Sie setzte ein deutliches Zeichen
für die besondere Rolle, die der Kunst in dem von einer Bürgerbewegung getragenen
Widerstand gegen ein totalitäres Regime zukommt. Zudem wies die Ausstellung auf die
doppelte Verantwortung der Serben hin: auf deren eigene Verantwortung für die
Geschichte und Zukunft Serbiens und auf die Verantwortung der Serben für ihren Platz
in Europa.
Die Ausstellung war ein Gemeinschaftsprojekt der Heinrich-Böll-Stiftung, der Akademie
der Künste, Berlin und des Belgrader Zentrums für kulturelle Dekontamination (CZKD),
unterstützt durch das Auswärtige Amt. Der Erfolg der Ausstellung zeigte sich auch durch
die weiteren Stationen in Wien und in Bern (in Planung).

Stipendienprogramm Heinrich-Böll-Haus Langenbroich
Die Heinrich-Böll-Stiftung fördert Kunst und Kultur als Element ihrer politischen
Bildungsarbeit und als Ausdruck gesellschaftlicher Selbstverständigung. Besondere
Berücksichtigung finden wirtschaftlich und sozial benachteiligte sowie vor allem politisch
verfolgte KünstlerInnen aus den Bereichen der bildenden Kunst, der Musik und vor
allem der Literatur. In diesem Sinne unterstützt die Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation
mit dem Verein Heinrich-Böll-Haus Langenbroich und dem Land NRW seit mehr als
46

zehn Jahren das Stipendienprogramm in dem zum Gästehaus umgebauten, ehemaligen
Eifeler Wohnsitz der Familie Böll.

StipendiatInnen im Jahr 2000
Jacinta Escudos, salvadorianische Schriftstellerin. Sie gehört zu einer Generation
zentralamerikanischer Intellektueller, die von den Bürgerkriegen und Revolutionen der
70er und 80er Jahre vor allem in El Salvador, Guatemala und Nicaragua geprägt wurde.
1981 aus politischen Gründen nach Nicaragua gekommen, lebt und arbeitet sie dort
unter schwierigen ökonomischen Bedingungen als Schriftstellerin. Im Mittelpunkt ihres
literarischen Werkes steht die Innenwelt und das Leiden des Individuums in einer von
Gewalt und vom Machismo beherrschten Welt. Bisher wurden von Jacinta Escudos vier
Bücher in El Salvador veröffentlicht; Jodgor Obid, Schriftsteller aus Usbekistan. Seine
Bücher wurden 1985 verboten und durften auch nach dem Ende der UdSSR nicht
erscheinen. Er ist Mitglied der usbekischen Bürgerrechtsbewegung „Birlik“ und der Civil
Rights Defence Society of Central Asia sowie Preisträger und Delegierter von Human
Rights Watch, Helsinki. Mehrmals wurde er inhaftiert und wegen seiner Teilnahme an
Protestaktionen zu Geldstrafen verurteilt. Jodgor Obid veröffentlichte bereits zahlreiche
Gedichtbände und Lyrikübersetzungen in usbekischer und russischer Sprache. 1999
erschien „Das goldene Schiff“ sowie eine CD seiner Gedichte, gelesen auf usbekisch
und deutsch; Murat Baltic, serbischer Jurist und Schriftsteller. Sein auch in deutscher
Sprache erschienener Roman „Fetva“ wurde 1994 zum besten Buch des Jahres im
Sandzak und in Montenegro erklärt; Ivetta Gerasimchuk, russische Schriftstellerin. Die
Studentin an der Moskauer Staatsuniversität für Internationale Beziehungen gewann
den 1. Preis des international ausgeschriebenen Essay-Wettbewerbs von „Lettre
International“, der Kulturstadt Weimar und dem Goethe-Institut. Ausgezeichnet wurde ihr
Essay „Wörterbuch der Winde“; Abderrahmane Bouguermouh, algerischer
Drehbuchautor, Regisseur und Schriftsteller aus der Kabylei; Zeljko Ivankovic,
bosnischer Schriftsteller, Literaturkritiker und Übersetzer aus Sarajevo; Mehmet Behluli,
kosovo-albanischer Maler und Bildhauer, Dozent an der Akademie der Künste in
Prishtina.

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Aus Anlass des „Writers-in Prison-Day“ fand im November 2000 eine szenische Lesung
unter dem Motto „Das Gefesselte Wort“ im Schauspielhaus Köln statt. Die Veranstaltung
war eine Kooperation des P.E.N.-Zentrums Deutschland, der Bühnen der Stadt Köln,
der Deutschen Welle, der Stadt Köln, der Stadtbibliothek Köln und der Heinrich-BöllStiftung. Es lasen u.a. die ehemaligen Stipendiaten Hamid Skif (Algerien), Jovan Nikolic
(Serbien) und Abderrahmane Bouguermouh (Algerien) aus ihren Werken.

Stipendienprogramm für bildende Künstlerinnen und Künstler der Heinrich-BöllStiftung im Atelierhaus Bonn

Im Jahr 2000 war mit der chinesischen Künstlerin Zhang Lei letztmalig eine Stipendiatin
der Heinrich-Böll-Stiftung zu Gast im Bonner Atelierhaus. Das seit 1992 unterhaltene
Stipendienprogramm in Bonn musste im Juli 2000 leider eingestellt werden. Es diente
der Förderung von Künstlerinnen und Künstlern aus Asien, Afrika, Lateinamerika und
dem Pazifischen Raum. Die Heinrich-Böll-Stiftung gab diesen Künstlerinnen und
Künstlern die Möglichkeit, sich für eine bestimmte Zeit ganz ihrem Beruf widmen zu
können und die Ergebnisse ihrer Arbeit im Rahmen von Ausstellungen und Gesprächen
dem deutschen Publikum bzw. einer internationalen Öffentlichkeit vorzustellen.
Zhang Lei, Jahrgang 1968, studierte Kunstgeschichte und Malerei in Beijing. Fasziniert
von der Altertumsforschung beschäftigte sie sich insbesondere mit den Malereien der
Song- und Yuan-Dynastie und mit der Kunst der alten Ägypter. Aber auch
altniederländische Altarbilder eines Jan van Eyck faszinierten sie. Studien der Werke
von Marcel Duchamp und Josef Beuys führten sie schließlich dazu, sich mit der Wirkung
natürlicher und künstlicher Objekte auf die Kunst und die Kultur auseinander zusetzen.
In dieser Zeit entstanden Zhang Leis Installationen in der Natur, wobei sie natürliche
Objekte wie Bäume, Steine, Pflanzenknollen mit Essstäbchen, Seide, Glas,
Feuerwerkskörpern u.a. verbindet. Der Aufenthalt im Atelierhaus Bonn half Zhang Lei,
ihre Kontakte zum europäischen Kunstmarkt zu intensivieren. So konnte sie 2001 an der
Biennale in Berlin teilnehmen. Während ihrer Zeit im Atelierhaus Bonn nahm sie an der
Ausstellung „Atelierhaus Bonn 1992-2000“ im Künstlerforum Bonn teil. Diese

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Ausstellung war gleichzeitig der Schlusspunkt des Künstlerförderungsprogramms der
Heinrich-Böll-Stiftung in Bonn.

Stipendienprogramm des Förderkreises der Heinrich-Böll-Stiftung für
Künstlerinnen und Künstler im Kosovo –Vernissage in Prishtina

„Wir kennen Kosovo nur auf der politischen Ebene. Was aber wissen wir in Europa
überhaupt über die kosovarische Kultur, Kunst, Literatur und Dichtung? Umgekehrt
kennen die Kosovaren Deutschland hauptsächlich als Arbeitsmigranten. Für beide
Länder ist deshalb ein kultureller Austausch fruchtbar“. Mit diesen Worten unterstrich
Tom Koenigs, Leiter der Zivilverwaltung im Kosovo, auf der Eröffnung einer Ausstellung
von Stipendiaten des Förderkreises der Heinrich-Böll-Stiftung in Prishtina die
Notwendigkeit eines tiefergehenden Austausches. In der prekären Lage, in der sich das
Land zur Zeit befindet, ist es gerade jungen, unbekannten Künstlerinnen und Künstlern
nahezu unmöglich, mit ihren Arbeiten den Lebensunterhalt zu bestreiten. In Zeiten des
Wiederaufbaus eines vom Krieg zerstörten Landes wie dem Kosovo stehen für die
Menschen ganz praktische Dinge des Alltags im Vordergrund, Kunst und Kultur treten
dabei zurück. Doch für die Entwicklung eines Gemeinwesens sind Kunst und Kultur
ebenso relevant wie der Aufbau des Schul- und Gesundheitswesens. Diese Entwicklung
mit der konkreten finanziellen Unterstützung einzelner Künstler zu fördern, war das
Anliegen des Förderkreises. Eine unabhängige Jury wählte sechs Künstler und Lyriker
aus, damit sie sich für ein halbes Jahr frei nach ihren Vorstellungen ihrer künstlerischen
Arbeit widmen können. Am 20. November 2000 wurden die Ergebnisse im Rahmen
einer Ausstellung in Prishtina präsentiert.

[Ein Katalog der Ausstellung liegt in deutsch/albanisch vor. Bestellungen sowie weitere
Informationen auch zum Beitritt in den Förderkreis bei: Regine Walch, Telefon 030-285
34-112, E-mail: walch@boell.de]

„Wem gehört das Wissen? – Geistiges Eigentum in Zeiten des Internet“
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Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung vom 20. bis 21. Oktober 2000 in Berlin

Das Patentrecht beruht auf der klassischen Unterscheidung zwischen Entdeckungen,
die das Wissen der Menschheit vermehren, und Erfindungen, die ihr Können
vergrößern. Wissenschaftliche Entdeckungen bereichern den kollektiven
Wissensschatz, sie sind im Gegensatz zu Erfindungen nicht patentierbar. Wie aber soll
diese Unterscheidung auf dem Feld der Software-Entwicklung getroffen werden? Kann
ein software-gesteuertes Geschäftsmodell unter Patentschutz fallen oder lediglich ein
spezifisches, anwendungsbezogenes Programm? Mit diesen Fragen setzten sich
zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst
auf einer Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit dem Netzwerk Neue
Medien und dem Förderverein für eine freie informationelle Infrastruktur (FFII e.V.)
auseinander. Ausgangspunkt der Veranstaltung war die angekündigte Streichung des
Patentierungsverbots für Software im Europäischen Patentübereinkommen. Die
kontroverse Debatte um dieses Vorhaben hat grundsätzliche Fragen aufgeworfen, die
auf der Tagung erörtert wurden. Zu Beginn ging es um die Frage, welchen Schutz das
geistige Eigentum brauche, um die Innovationsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft
zu stimulieren und zugleich den öffentlichen Zugang zum Wissen zu garantieren. Rainer
Kuhlen, Professor der Informationswissenschaft, plädiert dafür, den Zugang auf jeden
fall freizuhalten, und weiter: „Man tut gut daran, Marktunterlaufungsstrategien und maßnahmen, die zunächst für die allgemeine Öffentlichkeit und besonders für die
Wirtschaft provozierend aussehen wie z.B. [...] die gesamte Open-Source-Bewegung,
daran zu messen, inwieweit sie einen Beitrag dazu leisten, dass der Zugriff zum Wissen
offen bleiben kann.“ Von großem Interesse war auch die Frage, bis zu welchem Maße
das Eigentum auf Software gesichert oder eingeschränkt und in welche Richtung das
Urheber- und Patentrecht verändert werden müssen. Aus der Sicht der Befürworter
ermöglicht erst die Patentierung jungen, kapitalschwachen Firmen die Mobilisierung von
Risikokapital. Daher warnt Wolfgang Tauchert vom Deutschen Patent- und Markenamt
in München: „Ohne ein Patent, oder auch nur mit einem ungeprüften Registrierpatent,
werden die Interessen allein mit Mitteln des Wettbewerbs, der Marktdurchsetzung und
vor den Gerichten ausgetragen, was gerade nicht im Sinne der Neugründer sein kann.“
In dieser Logik sinkt ohne Patentschutz der Anreiz, technische Innovationen
50

privatwirtschaftlich zu finanzieren. Auf der Kehrseite dieser Medaille steht die
Befürchtung, dass Patentschutz für Software die ohnehin zu beobachtende Tendenz zur
Herausbildung marktbeherrschender Oligopole beschleunigen und innovative „Start-ups“
verdrängen wird. Es wird bezweifelt, ob Patente auf Software den
Innovationswettbewerb fördern oder ihn nicht eher behindern werden. Für Elke Bouillon,
Vorstand der Phaidros Software AG, wären Softwarepatente nichts anderes als ein
„Hemmschuh für eine schnelle Entwicklung“.
Auf jeden Fall reflektiert die Entwicklung, ähnlich der Debatte um die Patentierung von
Genen, den Übergang in eine neue, wissensbasierte Ökonomie, die auch neue
ethische, rechtliche und ökonomische Fragen aufwirft. Zumindest einen Ausschnitt
dieser brisanten Fragen konnten auf der Tagung diskutiert werden.

[Wem gehört das Wissen? Geistiges Eigentum in Zeiten des Internet. Beiträge einer
Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung am 20./21. Oktober 2000 in Berlin; in Zusammenarbeit
mit dem Förderverein für eine freie informationelle Infrastruktur (FFII e.V.) und dem
Netzwerk Neue Medien. Dokumentation der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 9. Herausgegeben
von der Heinrich-Böll-Stiftung, 120 Seiten, Berlin 2000: www.boell.de]

Kulturelle Globalisierung – Zwischen Weltkultur und kultureller Fragmentierung
Tagung der Hessischen Gesellschaft für Demokratie und Ökologie vom 11. bis 12.
August 2000 in Frankfurt a.M.

Weltweite Globalisierungsprozesse prägen heute entscheidend die Produktion und
Rezeption von Kunst, Kultur und Medien. Entgegen dem gängigen Lamento über die
drohende globale Uniformierung und die Zerstörung lokaler Kulturen befasste man sich
auf der Tagung „Kulturelle Globalisierung – Zwischen Weltkultur und kultureller
Fragmentierung“ für Möglichkeiten und Spielräume, die im Prozess kultureller
Globalisierung angelegt sein könnten. Vertreterinnen und Vertreter aus der Ethnologie,
den Kulturwissenschaften, der Musik- und Filmtheorie gingen der Frage nach, welche
Folgen die Herausbildung eines globalen kulturellen Referenzsystems hätte: Als
Gegenbewegungen zu Tendenzen globaler Vereinheitlichung entwickelten sich gerade
auf kulturellem Gebiet Formen der Fragmentierung und Regionalisierung mit
51

Rückbesinnung auf lokale kulturelle Traditionen. Zwischen den globalen Kulturmustern
und den Ausprägungen kultureller Regionalisierung entstünden heute verstärkt neue
Formen von Mischkulturen. Da Kulturprodukte im Rahmen des jeweiligen
Erfahrungshorizontes unterschiedlich interpretiert würden, käme es zu neuen
Verbindungen von lokalen mit transnationalen Kulturen. Am Ende des Kongresses
bestand Konsens darin, dass „genaueres Hinsehen“ notwendig sei, wenn über kulturelle
Globalisierung gesprochen wird. Die gängigen Erklärungsmodelle – von der
„McDonaldisierung“ bis zur „Glokalisierung“ – seien zu einseitig, um die komplexen
Prozesse dieses Phänomens angemessen erklären zu können.

[Vorträge des Kongresses sind online unter AUDIO ON DEMAND als Audio-Dateien
abzurufen. Eine Dokumentation dieses Kongresses mit Beiträgen u.a. von Knut
Hickethier, Diedrich Diederichsen und Bernd Wagner ist beim Klartext Verlag
erschienen: Kulturelle Globalisierung – Zwischen Weltkultur und kultureller
Fragmentierung, Essen 2000, 192 Seiten, DM 29,80, ISBN 3-8847-982-X]

Seminar „Politische Kommunikation im Internet-Zeitalter“

Die Voraussetzungen für gelingende politische (Wahlkampf-)Kommunikation haben sich
im Internet-Zeitalter nicht grundlegend geändert. Dieses nüchterne Fazit am Ende des
Seminars „Politische Kommunikation im Internet-Zeitalter“ der Heinrich-Böll-Stiftung im
Dezember 2000 in der Bank für Sozialwirtschaft in Berlin verbirgt, wieviel die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den zwei Seminartagen gelernt haben. Sie
beschäftigten sich intensiv mit den Erfahrungen des erfolgreichen Wahlkampfs von
Ecolo, der grünen Partei im französischsprachigen Teil Belgiens. Deren Berater, Prof.
Didier De Jaeger, gab Einblicke in die Hintergründe der Wahlkampagne. Sascha MüllerKraenner, der Leiter des Washingtoner Büros der Heinrich-Böll-Stiftung, lieferte
Analysen zum US-Präsidentschaftswahlkampf 2000. Debatiert wurde auch über die
Wählerschaften der politischen Parteien in Deutschland, ausgehend von einem Referat
von Wolf Albin, Rechtsreferendar in der Berliner Senatskanzlei, der Untersuchungen zur
Wählerschaft der Grünen studiert hatte. Über die Entwicklung von Botschaften referierte
52

der Wahlkampfberater Hans Anker (Washington/New York). Bei politischer
Kommunikation, so Anker, gehe es darum, dieselbe Botschaft in vielen Weisen zu
präsentieren. Es gehe darum, die Ohren der Menschen fürs Zuhören zu öffnen und
Individuen in ihrem Alltagsleben mit Argumenten und Bildern zu erreichen, die für sie
relevant seien. Ziel eines jeden Wahlkampfes müsse es sein, die eigene
Stammwählerschaft zu mobilisieren, die teilweise Sympathisierenden für sich zu
gewinnen und die Unentschiedenen von sich zu überzeugen. Was man dabei alles im
Internet falsch machen kann, vor allem aber, wie man in diesem neuen
Wahlkampfmedium alles richtig machen kann, das erklärten Emilienne M. Ireland und
Phil Tajitsu Nash, Internetdienstleister für politische Kandiaten und Non-ProfitOrganisationen in den USA, anhand von 10 Geheimnissen, die sie den Teilnehmerinnen
und Teilnehmern gerne verrieten. Am Ende war Albert Eckert, Leiter der
Öffentlichkeitsabteilung der Heinrich-Böll-Stiftung, sicher: „Die moderne, in den USA
entwickelte Art der Wahlkampfführung wird das Gesicht von Wahlkämpfen in Europa
weiter verändern.“

[Politische Kommunikation im Internet-Zeitalter. Dokumentation eines Seminars der
Heinrich-Böll-Stiftung im Dezember 2000 in Berlin. Dokumentation der Heinrich-BöllStiftung Nr. 13. Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung, 40 Seiten, Berlin 2000.
www.boell.de]

53

8. Bildung und Wissenschaft
Bildungskommission bei der Heinrich-Böll-Stiftung

Der Reformbedarf im Bildungssektor ist groß. Doch eine grundlegende Neuordnung hat
bisher nicht stattgefunden. Die im Jahr 2000 bei der Heinrich-Böll-Stiftung eingerichtete
Bildungskommission will die Entscheidungsfindung vor allem der bündnisgrünen Akteure
in der Bildungsdebatte voranbringen. Den Anfang machte die Veranstaltung “Bildung:
Brücken in die Zukunft”. Dort haben Vertreterinnen und Vertreter aus der Bildungspraxis,
aus Publizistik, Wirtschaft und Politik gemeinsam über ihre sehr unterschiedlichen
Sichtweisen auf den Reformbedarf diskutiert. Die Bildungskommission will hier
anknüpfen und vor allem Fragen der Gestaltung und Steuerung des Bildungssystems
beraten. Und darüber hinaus: Wie verteilt sich die staatliche, gesellschaftliche und
individuelle Verantwortung für die Bildung? Haben die Form und das Ausmaß staatlicher
Zuständigkeit und Organisationsgewalt möglicherweise zu einer Entfremdung
gegenüber der Verantwortlichkeit für den jeweils eigenen Bildungsprozess geführt? Wie
können Verantwortung und Entscheidungskompetenzen so verlagert werden, dass
Schulen, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen sich dafür zuständig fühlen,
einen eigenen Beitrag zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu leisten? Wie können
zivilgesellschaftliche Strukturen durch das Bildungssystem gestärkt und in ihm realisiert
werden? Als besonderes Projekt gehört hierzu die Frage der Bildungsfinanzierung wie
auch die nach dem Status von Bildungseinrichtungen, ihrer Autonomie. Dazu hat die
Bildungskommission eine erste Empfehlung erarbeitet.
Koordiniert wird die Bildungs-Kommission von Sybille Volkholz.

[Mitglieder: Dr. Marina Beyer, Prof. Dr. Gerd de Haan, Dr. Warnfried Dettling, Prof. Dr.
Wolfgang Edelstein, Imma Hillerich, Reinhard Kahl, Undine Kurth, Prof. Dr. Jens Reich,
Gunda Röstel, Dr. Dieter Wunder und Sybille Volkholz
Kontakt: Dr. Andreas Poltermann, Heinrich-Böll-Stiftung, Tel. 030-285 34 -410, Fax: 108, E-mail Poltermann@boell.de
Buchtip: Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Brücken in die Zukunft. Gedanken zur künftigen
Bildung. Mit Beiträgen von Sybille Volkholz, Gerold Becker, Ulf Preuss-Lausitz, Helmut
54

Wiesenthal, Warnfried Dettling u.a. 1. Auflage, Berlin 1999, 220 Seiten, DM 15,-, ISBN
3-927760-34-X]

“Berliner Hochschuldebatten” – neues Forum am Rande der Politik

Seit Herbst 1999 lädt die Heinrich-Böll-Stiftung gemeinsam mit den Initiativgruppen von
Studierenden und Lehrenden der Berliner Hochschulen („Kant 64” sowie „Gähnende
Lehre?”) Interessierte sowie Verantwortliche aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu
den „Berliner Hochschuldebatten“ ein. Diese Veranstaltungsreihe greift aktuelle Themen
der „Wissensgesellschaft” auf und verknüpft diese mit Fragen und Problemen der
Region Berlin. Die Veranstaltungsreihe legt großen Wert darauf, die Lust auf Debatte
auch durch eine hohe Ereignisqualität und ein entsprechendes Ambiente zu fördern. Sie
will kein Debattierklub der Spezialisten sein, sondern die Auseinandersetzung mit
Hochschule und Politik zu einer Angelegenheit aller Beteiligten machen. Sie bewegt sich
dabei bewusst am Rand typischer Hochschulpolitik, auf Halbdistanz zu den vertrauten
Gremien und üblichen Fronten. Sie will auf neuen Wegen Menschen mit Konzepten
zusammenbringen.
In der vierten Debatte im April 2000 ging man z.B. exemplarisch der Frage nach, wie
sich heute das Kräftespiel der verschiedenen Akteure in der Hochschulpolitik darstellt
und welche Einflussmöglichkeiten sich Initiativen wie den Berliner Hochschuldebatten
bieten. Die fünfte Hochschuldebatte im Sommer 2000 befasste sich mit
Studienabschlüssen im internationalen Wettbewerb. Ziel der Veranstaltung war es,
einen präzisen und kritischen Blick auf die neuen Abschlüsse, auf ihre Risiken und
Nebenwirkungen, aber auch auf die Chancen, die sich aus der Einführung von Bachelorund Master-Studiengängen für eine sehr viel breiter ansetzende Reform des deutschen
Hochschulsystem ergeben könnten, zu werfen. Das Leitbild eines „regionalen
Hochschulsystems“ und die Konsequenzen aus den Empfehlungen des
Wissenschaftsrates standen im Zentrum der sechsten Hochschuldebatte im Herbst
2000.

55

[Weitere Informationen und Dokumentationen unter www.hochschuldebatten.de sowie
unter www.bildung2010.de]

9. Studienwerk
Das Studienwerk der Heinrich-Böll-Stiftung fördert Studierende und Graduierte aller
Fachrichtungen und Nationalitäten, die überdurchschnittliche wissenschaftliche
Leistungen mit der nachweisbaren Bereitschaft zur Übernahme gesellschaftspolitischer
Verantwortung und einer aktiven Auseinandersetzung mit den Zielen der Stiftung
verbinden. Dabei ist das Studienwerk einem Bildungsbegriff verpflichtet, der
Ausbildungsqualifikation, interdisziplinäre und interkulturelle Bildungsperspektiven mit
dem Anspruch auf Persönlichkeitsbildung verbindet. Mit dieser Verpflichtung und seiner
Realisierung in Förderpolitik und Förderprogrammen versucht das Studienwerk, zur
Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen und zum Dialog zwischen Politik und
Wissenschaft beizutragen.
Vor diesem Hintergrund fördert das Studienwerk aktiv und gezielt
• Stipendiatinnen und Stipendiaten, deren Themenstellungen und
Studienschwerpunkte aus unterschiedlichen Perspektiven und Fachrichtungen
heraus zu den Schwerpunkten der Stiftung beitragen;
• Stipendiatinnen und Stipendiaten, deren Themenstellungen und
Studienschwerpunkte zur fachübergreifenden Diskussion zwischen Technik- bzw.
Naturwissenschaften und Sozial- bzw. Geisteswissenschaften beitragen;
• Frauen, insbesondere in naturwissenschaftlichen, technischen und ökonomischen
Disziplinen;
• Programme, die Wissenschaft und außeruniversitäre Praxis ins Verhältnis setzen;
• Programme, die den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik anregen.
Das hauptamtliche zehnköpfige Team des Studienwerks wird von einer großen Anzahl
ehrenamtlicher Mitarbeiter unterstützt: von über 150 Vertrauensdozentinnen und dozenten, dem Fachbeirat Studienwerk, den verschiedenen Auswahlgremien wie den
56

Selbst- und Mitbestimmungsstrukturen und -gremien der rd. 400 Stipendiatinnen und
Stipendiaten.
Jährlich können 80-100 Stipendien neu vergeben werden. Die Dauer der Förderung
variiert im Regelfall zwischen ein und drei Jahren.

Entwicklung des Studienwerkprogramms
Das Jahr 2000 stand für das Studienwerk im Zeichen programmatischer und
organisatorischer Weiterentwicklung. Das betrifft vor allem die „Kerngeschäfte“: die
mehrstufigen Auswahlverfahren, die einführenden Grundseminare für die
neuaufgenommenen Stipendiatinnen und Stipendiaten, die Arbeit der Regionalgruppen
sowie die Foren zu Themen wie „Migration“, „Nation und Identität“, „Politische Ökologie“
und „Feminismus“, die in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Abteilungen der
Heinrich-Böll-Stiftung durchgeführt werden. Erstmalig wurde im Herbst 2000 für
Stipendiatinnen und Stipendiaten, die die Rückkehr in ihr Herkunftsland, vorbereiten,
auch ein Seminar „Rückkehr in die Fremde ? Reintegration im Herkunftsland“
angeboten. Der mittlerweile dritte SommerCampus bot unter dem Titel „Politik im 21.
Jahrhundert“ verschiedene Seminare und Qualifikationsveranstaltungen (u.a.
„Journalistisches Schreiben für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“,
Präsentations- bzw. Mediationstrainings) sowie – als Ergebnisse eines „call for
activitities“–, musische und diskursive Initiativen der Stipendiatinnen und Stipendiaten.
Daneben wurden Experimente aus dem Vorjahr wiederholt und mehrere
programmatische Neuerungen erprobt, so z.B. ein von Stipendiatinnen und Stipendiaten
konzipierter Workshop für Promovierende als Form kollegialer Beratung mit dem Ziel,
der Individualisierung des „Projekts Dissertation“ entgegenzuwirken. Auch die
Promovierendenkolloquien, diesmal unter den Themen „Gedächtnispolitik“ und „Identität
und Differenz“, fanden im Jahr 2000 statt und sind als Möglichkeit gedacht, die
Einsamkeit des Forschungsprozesses zu verlassen und die jeweiligen Forschungsfelder
in einen übergreifenden Diskussionszusammenhang zu stellen.
Die 3. Studieninitiative auf Einladung der BASF bot insgesamt 60 Stipendiatinnen und
Stipendiaten des Studienwerks und anderer Studienstiftungen Gelegenheit, sich in
57

Akademietagungen und Studiencamps mit der Unternehmensphilosophie und -praxis
sowie der Außendarstellung eines global operierenden Unternehmens der Chemischen
Industrie auseinander zusetzen. International und multidisziplinär zusammengesetzte
Gruppen vertieften ihre Kenntnisse und Erfahrungen zu den Themenfeldern
„Gentechnik“, „Globalisierung“, „Ökologie“ und „Ökonomie“.
Im Rahmen der Expo 2000 beteiligte sich das Studienwerk zwischen Juli und Oktober
an der Internationalen Frauenuniversität ifu; außerdem hatten Stipendiatinnen und
Stipendiaten Gelegenheit, am „Global Dialogue“ der deutschen
Wissenschaftsorganisationen „Science and Technology – Thinking the Future“
teilzunehmen. Auch die Mitarbeit an den Weimarer Sommerkursen unter dem
Generalthema „Zukunftsfähiges Europa“ fand erstmalig statt.
Neben den „Kerngeschäften“ lag im Jahr 2000 ein besonderer Schwerpunkt des
Studienwerks auf dem Ausbau bestehender und dem Aufbau neuer
Kooperationsbeziehungen. Neben dem Gunda-Werner-Kolleg, das unter dem Thema
„Geschlechterdemokratie und Organisationsreform im globalen Kontext“ u.a. in
Kooperation mit dem Feministischen Institut an den Start gegangen war, wurde im
Sommer 2000 in Zusammenarbeit mit der Grünen Akademie ein Kolleg mit dem
Schwerpunkt „Informations- und Gentechnologie“ ins Leben gerufen.
Den für das Wintersemester 1999/2000 zusammen mit der Universität Erfurt
konzipierten „Erfurter Universitätsreden“ zum Thema „Universitäten in der
Wissensgesellschaft“ lag die Überzeugung zugrunde, dass der derzeit oft beschriebene
Übergang der Gesellschaft in die Wissens- oder Informationsgesellschaft insbesondere
für jene Institution folgenreich sein muss, die traditionell für die Produktion, Vermittlung,
Anwendung und Bewahrung von Wissen zuständig ist: die Universität. In vier
Veranstaltungen wurden die Konsequenzen in den wichtigsten Dimensionen beleuchtet.

Sur-Place-Programm
Das Studienwerk unterstützt seit mehreren Jahren in Kooperation mit russischen
Partnerorganisationen ein Sur-Place-Programm zur Förderung junger
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. In diesem Rahmen werden jährlich 28
thematisch eingegrenzte Stipendien zu den Forschungsbereichen
„Repressionsgeschichte“, „Menschenrechte“ und „neuere soziologische
58

Fragestellungen“ vergeben. Im Mai hatten die Stipendiatinnen und Stipendiaten
Gelegenheit, ihre Forschungsergebnisse und persönlichen Erfahrungen am Ende eines
zweimonatigen Forschungsaufenthaltes an deutschen Hochschulen vorzustellen.

Internship-Programme
Dem wissenschaftlich-politischen Networking diente auch die Mitarbeit von
inländischen Stipendiaten an der Jahrestagung der zentralamerikanischen
Stipendiaten der Heinrich-Böll-Stiftung in Mexiko (ein Förderprogramm aus
BMZ-Mitteln unter der Federführung des Lateinamerika-Referats) sowie das
mittlerweile schon traditionelle Internationale BundestagspraktikantenProgramm, für das das Studienwerk in Zusammenarbeit mit jährlich
wechselnden Länderbildungswerken verantwortlich zeichnet. In diesem
Internship Programme arbeiten vorzugsweise Graduierte, die eine
internationale Karriere insbesondere auf Regierungsebene bzw. im öffentlichen
Sektor anstreben, im Büro eines bzw. einer Bundestagsabgeordneten. Das
Einführungs- und Begleitprogramm umfasst auch Seminare anderer politischer
Stiftungen – mit dem Ziel, einen breiten Einblick in das politische System bzw.
Leben in der Bundesrepublik zu geben.

Perspektiven und Aufgaben
Eine der Stärken des Studienwerks ist die Interkulturalität und Interdisziplinarität
der Arbeit. Perspektivisch wird der Aus- und Aufbau eines internationalen
Kooperationsnetzwerks daher an erster Stelle stehen – Wissenschaft-PraxisProgramme zählen hierzu ebenso wie ein tragfähiges follow up-Programm.
Durch solch ein „Ehemaligen-Programm“ will die Stiftung mit den
Stipendiatinnen und Stipendiaten nach der Förderzeit für den Gedanken- und
Erfahrungsaustausch in Kontakt bleiben.
Die Arbeit des Studienwerks wird aus Mitteln des Bundesministeriums für
Bildung und Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF), des
Auswärtigen Amtes (AA) und des Bundesministeriums des Innern (BMI) in
folgender prozentualer Verteilung finanziert, wobei der Haushalt des
Studienwerks 2000 in Höhe von 6.751.665 DM 100 Prozent entsprechen:
59

1. Studierende/Promovierende:
Studierende
228
Promovierende
195
2. Männer/Frauen:
Männer
Frauen

119 (28%)
304 (72%)

3. Verteilung Finanzierung:
BMBF
AA
BMI
Bundestag
Geschwister*
Sonstige

68,08 %
23,47 %
7,54 %
0,58 %
0,21 %
0,12 %

Geschwister* = Geschwister-Weck-Stiftung im Förderfonds
des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft

[Universitäten in der Wissensgesellschaft. Hrsg. von der Universität Erfurt und der
Heinrich-Böll-Stiftung. Mit Beiträgen von Heidi Schelhowe, Friedrich Wilhelm Hesse,
Klaus Haefner, Martin Rost u.a., 168 Seiten, München 2001. Infos: www.uni-erfurt.de]

60

10. Feministisches Institut
Das Feministische Institut, gegründet 1998, bringt Frauen aus Politik, Wissenschaft,
Medien, Kultur und Wirtschaft zusammen. Der konzeptionelle Schwerpunkt des Instituts
liegt in der Verbesserung der politischen Partizipation von Frauen: Die politische
Präsenz von Frauen soll gestärkt, Politikformen reflektiert und Politikberatung angeboten
werden. Zu den Zielsetzungen gehört auch, innovative feministische Ansätze und
Forschungsperspektiven zu transportieren und nationale wie internationale
Frauennetzwerke zu fördern bzw. auszubauen.

Das virtuelle Projekt www.glow-boell.de stand auch im Jahr 2000 im Zentrum der Arbeit
des Feministischen Instituts. Inspiriert vom Ansatz des „globalen Lernens“ war Glow
1998 gestartet worden. Es stellt in dieser Form ein weltweit einzigartiges feministisches
Projekt im Bereich Distance Learning dar, das interaktive Informations- und
Bildungsmöglichkeiten für Frauen bietet. Ziel ist es, Frauen weltweit durch
Informationen, Diskussionen und Bildungsangebote zu einer neuen feministischen
Öffentlichkeit zu verbinden. Dies geschieht u.a. durch Online-Bildungsangebote in
Kooperation mit internationalen Universitäten – wie dem MIT/USA, der Universität
Münster und der Universität Zagreb/Kroatien – oder durch virtuelle Vor- und
Nachbereitung von Konferenzen der Stiftung. In Vorbereitung ist auch die Entwicklung
eines Hochschulnetzwerks interessierter Hochschullehrerinnen (Glow-CampusNetzwerk), das zur Institutionalisierung solcher Kooperationsseminare auch mit anderen
bundesdeutschen wie nationalen Hochschulen führen soll.

Das im Jahr 2000 in Kooperation mit dem Studienwerk und den Universitäten Bochum
und Bielefeld neu eingerichtete „Gunda-Werner-Promotionskolleg“ dient der
Nachwuchsförderung und dem Transfer von feministischer Erkenntnis in die praktische
Politik. In der ersten Ausschreibung wurden fünf Stipendien vergeben.
„Organisationsreform und Geschlechterdemokratie im globalen Kontext“ ist das Thema
des aktuellen Kollegs, für dessen wissenschaftliche Betreuung Prof. Dr. Ilse Lenz,
Universität Bochum, sowie Prof. Dr. Ursula Müller, Universität Bielefeld, gewonnen
werden konnten. Am 30. Oktober 2000 fand eine ganztägige Eröffnungsveranstaltung
61

„Möglichkeiten und Grenzen eines Transfers zwischen feministischer Wissenschaft und
Politik“ statt.

Das Ladies Lunch, ein weiteres Kernprojekt des Feministischen Instituts, fördert die
Vernetzung, den Informationsaustausch und den Meinungsbildungsprozeß zu
gesellschaftspolitisch aktuellen Themen zwischen engagierten Frauen aus grünen und
anderen frauenpolitischen Zusammenhängen. Schirmherrin der vierteljährlichen Treffen
war Renate Künast, Ministerin für Verbraucherschutz; im Jahr 2001 ist es Claudia Roth.
Der thematische Schwerpunkt lag im Jahr 2000 auf „Frauen und Medienstrategien“.
Hierzu eingeladen wurden im Laufe des Jahres Expertinnen und Experten aus
Deutschland und den USA. Im Frühjahr gab es ein Lunch zu „Internet – Neue
Möglichkeiten für Frauen?“, im Herbst eine „Auswertung: zwei Jahre rot-grüne
Frauenpolitik“. Die Reihe wird in 2001 fortgesetzt.

Die Ringvorlesungen „Gender in der Nord-Süd-Arbeit“ und „Die großen UN-Konferenzen
der 90er Jahre – eine frauenpolitische Bilanz“, veranstaltet in Kooperation mit dem
Fachbereich Politische Wissenschaften der Freien Universität Berlin und der Deutschen
Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V., dienten dem Transfer global diskutierter
feministischer Fragestellungen von der Wissenschaft in eine breitere
Frauenöffentlichkeit hinein sowie dem Austausch zwischen Theoretikerinnen und
Praktikerinnen. Die Veranstaltungen wurden dokumentiert und können beim
Feministischen Institut bestellt werden.

Einen wesentlichen Beitrag zur Etablierung des Feministischen Instituts leistete die
Einrichtung eines internationalen Kuratoriums im Oktober 2000, für das herausragende
Frauen – Expertinnen aus Politik, Wissenschaft, Kultur und dem Medienbereich –
gewonnen werden konnten: Adrienne Goehler, die Senatorin für Wissenschaft und
Kultur in Berlin, Juliane Freifrau von Friesen, Wirtschaftssenatorin in Berlin, die
Journalistin Viola Roggenkamp sowie die Leiterin der Abteilung Women’s Studies des
MIT in Cambridge/USA, Margery Resnick. Das Kuratorium berät, begleitet und
unterstützt die Arbeit des Feministischen Instituts.

62

„Frauenrechte sind Menschenrechte“ – diese Feststellung bildet einen neuen
thematischen Schwerpunkt des Feministischen Instituts. Die erste Veranstaltung
thematisierte die Lage der Frauen und Mädchen in Afghanistan. Ziel der
Veranstaltungen ist es, bewusst zu machen, dass Verstöße gegen die Rechte und
Würde von Frauen Verstöße gegen Menschenrechte sind. Des weiteren sollen
länderspezifische Möglichkeiten zur Durchsetzung der Rechte von Frauen sowie
politische Handlungsperspektiven zur Diskussion gestellt werden. Das bedeutet auch,
die Lage von Migrantinnen und asylsuchenden Frauen in Deutschland einzubeziehen
und nach Möglichkeiten der Verbesserung zu suchen.

[Möglichkeiten und Grenzen eines Transfers zwischen Feministischer Wissenschaft und
Politik. Beiträge des Gunda-Werner-Promotionskollegs. Reihe Dokumentationen der
Heinrich-Böll-Stiftung: Nr. 11, 60 Seiten, Berlin 2001]
[Die großen UN-Konferenzen der 90er Jahre – eine frauenpolitische Bilanz.
Dokumentation einer Veranstaltungsreihe des Feministischen Instituts, 194 Seiten,
Berlin 2000]

63

11. Grüne Akademie
Die Grüne Akademie, 1999 als ein Projekt der Heinrich-Böll-Stiftung gegründet, ist
Think-Tank und unabhängiges Forum zur Reflexion aktueller politischer Fragen. Die
rund fünfzig ehrenamtlichen Mitglieder geben sich für eine Arbeitsperiode von zwei bis
drei Jahren spezifische Themenschwerpunkte, die interdisziplinär diskutiert werden. Im
Jahr 2000 setzte die Grüne Akademie ihre Arbeit an den Themen „Europa“ und
„Zukunftstechnologien“ fort.

Die Arbeitsgruppe „Europa“ konzentrierte sich in mehreren Sitzungen auf die Frage
nach den Grenzen Europas. Das Spektrum erstreckte sich – ganz im Sinne der
Perspektivenvielfalt der Akademie – von konkreten Fragen des Grenzverkehrs an den
Rändern des neuen Europas, über Diskussionen zu einer Europäischen Verfassung und
einem Europäischen Einwanderungsgesetz bis hin zu kulturwissenschaftlichen
Überlegungen zur Nation als „Kollektivkörper“. Die Diskussionen dienten unter anderem
auch der Vorbereitung einer für 2001 geplanten Konferenz „Moderne Zeiten,
Europäische Räume – Grenzfragen“.

Die Arbeitsgruppe „Zukunftstechnologie“ beschäftigte sich abwechselnd mit Fragen der
Informations- und Kommunikationstechnologien sowie mit Bio- und Gentechnik. Im
Februar 2000 veranstaltete die Gruppe ein Werkstattgespräch mit Regine Kollek, Günter
Altner, Wolfgang van den Daele und Gerd Winter zu Menschenbild und
Wertentscheidungen in der Bio- und Gentechnologie.
Klösterliche Abgeschiedenheit und eine berückende Landschaft bildeten den Rahmen
für eine einwöchige Sommerakademie der Arbeitsgruppe in Kloster Neustift, Südtirol. Im
Zentrum der Diskussion zwischen den neunzehn Mitgliedern der Grünen Akademie, den
Gästen (unter ihnen Renate Künast und Pico Jordan) und geladenen Referenten
standen Fragen zur Innovationspolitik und zukünftigen Technikgestaltung: „Lässt sich
technologischer Fortschritt lenken?“ und „Welche politischen Handlungsspielräume gibt
es?“ Das Ergebnis dieser Sommerakademie ist das Memorandum „Das gute Leben“.
Darin heißt es u.a.: „Technikentwicklung ist nicht eindimensional und sie folgt keiner
reinen Sachlogik. Oft handelt es sich um interesse- und wertgeleitete Entscheidungen
64

zwischen verschiedenen Techniklinien bzw. Optionen. Es kann also weder darum
gehen, per se „technikpessimistisch“ zu sein, noch „fortschrittsoptimistisch“ Technik
„entfesseln“ zu wollen.
Eine Technikgestaltung, die sich an den Werten Menschenwürde, Freiheit,
Gerechtigkeit, Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und nachhaltige zukunftsfähige
Entwicklung orientiert, kann nicht auf eine Kraft alleine setzen (z.B. auf Politik, Staat,
Markt, Verbraucher oder soziale Bewegungen), sondern muß sich die zahllosen kleinen
in der Summe aber erfolgreichen Einflussmöglichkeiten auf Innovationsprozesse
zunutze machen, immer wieder neue Koalitionen eingehen und
Richtungsentscheidungen treffen. Zu beachten sind dabei auch die politischen und
ökonomischen Rahmenbedingungen und nicht zuletzt die Integration sozialer und
ökologischer Anliegen in die Welthandelsordnung.“

Im Jahr 2000 konnte die Grüne Akademie auch erstmals Stipendiatinnen und
Stipendiaten der Heinrich-Böll-Stiftung in ihre Arbeit mit einbeziehen. Als kooptierte
Mitglieder nahmen zwei der Stipendiatinnen an der Sommerakademie teil, darüber
hinaus besucht eine kleine Gruppe regelmäßig die Sitzungen der Technik-AG und
organisiert ein kleines Colloquium, in dem Promotionsprojekte vorgestellt werden.

Zu den Aktivitäten der Grünen Akademie im Jahr 2000 gehörte auch eine in Kooperation
mit dem Förderkreis organisierte Vortragsveranstaltung mit Richard Sennett an der
Humboldt Universität. Unter dem Titel “Der Lohn der Angst – Die Flexibilität im neuen
Kapitalismus“ stellte der renommierte Soziologe Thesen seines neuesten Buches vor, in
dem er die Folgen der Flexibilisierung der Arbeitswelt für die Individuen, ihr Erleben, ihre
Bindungsfähigkeit und ihre Werte analysiert. In der anschließenden Podiumsdiskussion
kommentierten Elke Schmitter und Dieter Thomä die Thesen Sennetts.

[Das gute Leben. Neue Technologien im Dienst der Entfaltung von Mensch und Natur.
Ein Memorandum zur Innovationspolitik. Hrsg. von der Grünen Akademie der HeinrichBöll-Stiftung. 1. Auflage, Berlin 2001, 40 Seiten. Siehe auch: www.boell.de]

65

12. Archiv Grünes Gedächtnis
Das Archiv Grünes Gedächtnis ist eine Einrichtung der Heinrich-Böll-Stiftung. Es
sammelt und erschließt die Quellen zur Geschichte der Partei Bündnis 90 / Die Grünen
sowie der Neuen Sozialen Bewegungen und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich.

Auch im Jahr 2000 erwarb das Archiv einzelne Deposita von Bundestags-abgeordneten
und anderen Politikerinnen und Politikern der Grünen und ergänzte die Bestände von
Fraktionen und Gliederungen von Bündnis 90/Die Grünen. Zugleich wurden die
Zugriffsmöglichkeiten auf die Archivalien verbessert. Gleichzeitig wurden die Planungen
für den Bau, die Ausstattung und den anstehenden Umzug des Archivs nach Berlin
vorangetrieben.

Fünf Archivierungsprojekte konnten im Jahr 2000 mit Mitteln des Deutschen
Bundestages durchgeführt werden. Darunter die Fortführung der Bearbeitung des
Nachlasses von Petra Kelly: Zwei neue Teilbestände – zum einen die Aktengruppe
„Internationales“, zum anderen die Korrespondenz aus den Jahren von 1972 bis 1982 –
erschließen die Archivalien zu ihrer politischen Arbeit als Sprecherin des
Bundesvorstandes der Grünen zu Beginn der 80er Jahre, als Bundestagsabgeordnete
und auch zu ihrem Engagement für krebskranke Kinder. Des weiteren konnten die
Deposita der Bundestagsabgeordneten Amke Dietert-Scheuer, Waltraud Schoppe,
Werner Schulz und Ludger Volmer bearbeitet werden.

Das Archiv wird weiterhin intensiv zu Forschungszwecken und zur Recherche genutzt,
der Monatsdurchschnitt lag im vergangenen Jahr bei ca. 80 bis 100 Besuchern. Das
Archiv veranstaltete auch Seminare und Führungen, in deren Zentrum der Beitrag des
Archivs zur zeitgeschichtlichen Forschung und zur politischen Bildung stand. Darüber
hinaus arbeitet das Archiv mit dem Fachbereich Archiv – Bibliothek – Dokumentation der
Fachhochschule Potsdam zusammen. Diese Kooperation umfaßt Vorträge, Seminare,
Fortbildungen, die Durchführung von Praktika und auch das Angebot von archivischen
Verzeichnungsübungen. In diesem Rahmen wurde im Jahr 2000 mit der Verzeichnung
der Archivalien des Landesverbandes der Grünen Baden-Württemberg begonnen.
66

Im Sebtember 2001 wird das Archiv Grünes Gedächtnis den Weg nach Berlin
antreten. Die Entscheidung fiel auf die „Eldenaer Straße“ im Stadtteil
Friedrichshain, ein denkmalgeschütztes Gewerbehofprojekt auf dem Gelände des
ehemaligen Zentralschlachthofes.

[Neue Adresse ab 1. Oktober 2001: Archiv Grünes Gedächtnis, Eldenaerstraße 35,
Gebäude 34, 10247 Berlin]

67

13. Aus der Stiftung
Büroeröffnungen der Heinrich-Böll-Stiftung in Thailand und Brasilien
Im Februar 2000 eröffnete die Heinrich-Böll-Stiftung in Chiang Mai, Thailand,
ihr zweites Asien-Büro neben der Niederlassung in Lahore, Pakistan. Die
Arbeit des Büros wird sich vor allem auf die Schwerpunkte „Ökologie“,
„Förderung partizipativer Demokratie“ (unter besonderer Berücksichtigung der
Situation von Frauen) und „Förderung von Rechtsstaatlichkeit“ konzentrieren.
Besondere Aufmerksamkeit widmet die Stiftung den „Nachzüglern“ der
ASEAN-Integration, den Transformationsländern Indochinas sowie Burma, da
hier im Interesse gleichberechtigter Partnerschaft ein spezieller
Fortbildungsbedarf besteht. Dabei geht es auch um die Stärkung eigener
Akzente, die diese Länder in den ASEAN-Strukturen setzen können.
[Büro Thailand, E-mail heike@hbsasia.org]

Die die Eröffnung der Niederlassung in Rio de Janeiro, Brasilien, im Mai 2000 ermöglicht
der Heinrich-Böll-Stiftung einen intensiveren politischen Dialog mit den relevanten
gesellschaftlichen Akteuren des Landes. Die bereits bestehenden brasilianischen
Kooperationen sollen verstärkt in den länderübergreifenden Projektzusammenhang
„Nachhaltiges Cono Sur“ (Brasilien, Chile und Uruguay) eingebunden werden.
Gleichzeitig will man neue Kontexte für die Stiftung erschließen. „Nachhaltige
Entwicklung soll durch die Unterstützung von länderübergreifenden
Vernetzungsprozessen vorangetrieben werden. Eine Menschenrechtsdefinition, die
neben den politischen auch die sozialen und wirtschaftlichen Rechte, die Frauenrechte
und die Rechte sexueller Minderheiten mit einschließt, bildet den Rahmen der
regionalen Stiftungsaktivitäten. Eine wichtige neue Funktion der Stiftung ist es, Brücken
zwischen Nichtregierungsorganisationen und Regierungen auf Länder- und auf
Bundesebene zu bilden“, erklärte Stiftungsvorstand Claudia Neusüß bei der Eröffnung.

[E-mail Neusuess.Claudia@boell.de]

68

Heinrich-Böll-Stiftung online

Die Heinrich-Böll-Stiftung ist seit nunmehr anderthalb Jahren online. Das Angebot ist in
dieser Zeit stark gewachsen: rund 1.500 deutsch- und englischsprachige Seiten und an
die 100 Dokumente – viele davon umfangreiche Studien – können mittlerweile unter
www.boell.de heruntergeladen werden. Neben Texten bietet der Internet-Auftritt einen
umfangreichen Kalender, der über die bundesweiten und internationalen
Veranstaltungen der Stiftung informiert, zu denen sich Interessierte auch online
anmelden können. Im Internet-Buchshop können die von der Heinrich-Böll-Stiftung
herausgegebenen Bücher bestellt werden.
Künftig wird die Heinrich-Böll-Stiftung vermehrt interaktive Projekte anbieten, wie z.B.
virtuelle Konferenzen und Workshops, Kunst- und Ideenwettbewerbe. Ein erstes
interaktives Forum zum Thema Grundrechte und Demokratie in Europa ist über die
Startseite oder direkt unter www.boell.de/europe zu erreichen. Auf diesen Seiten lassen
sich auch zahlreiche Beiträge zur Diskussion über eine Grundrechtscharta für die EU
abrufen, wie z.B. Joschka Fischers Rede „Vom Staatenverbund zur Föderation –
Gedanken über die Finalität der europäischen Integration“. Außerdem besteht die
Möglichkeit, den E-mail-Newsletter des Diskussionsforums zu abonnieren – und
natürlich auch, selbst daran teilzunehmen. Die ist in einer eGroup möglich. Im Vergleich
zum Diskussionsforum besteht der Vorteil der eGroup darin, dass alle
Diskussionsbeiträge als E-mail verschickt und empfangen werden – so sind alle stets
über den aktuellen Stand der Debatte informiert.

Das Heinrich-Böll-Archiv

Seit Gründung der Heinrich-Böll-Stiftung im Jahre 1989 besteht ein intensiver
Arbeitskontakt mit dem Heinrich-Böll-Archiv in Köln. Die Auswertung des im Archiv
lagernden Materials zu Leben und Werk Heinrich Bölls geschieht sowohl im Hinblick auf
seine gesamte Erschließung als auch bezüglich der besonderen Erfordernisse der
bildungspolitischen Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung.

69

Nach intensiver Vorbereitungsarbeit rückt das ehrgeizige Projekt der Neuedition von
Bölls Werk im Rahmen der 27bändigen Kommentierten Kölner Ausgabe der Werke
Heinrich Bölls seinem ersten Ziel immer näher: dem Erscheinen der ersten drei Bände
im Herbst 2002. Die Heinrich-Böll-Stiftung initiierte auch im Jahr 2000
editionswissenschaftliche Konferenzen und Editorentreffen, deren Schwerpunkt
vornehmlich in der Entwicklung einer editionsspezifischen Software lag. Darüber hinaus
konzentrierte sich die gemeinsam mit dem Verlag Kiepenheuer & Witsch, der
Erbengemeinschaft Heinrich Böll, dem Lehrstuhl Prof. Ralf Schnells an der Siegener
Universität und Siegener Informatikern unternommene Arbeit intensiv an der Einrichtung
einer webbasierten Datenbank, in die im Laufe der Zeit alle im Zusammenhang mit der
Ausgabe entstehenden editorischen Ergebnisse eingearbeitet werden und den
Herausgebern der einzelnen Bände zur Verfügung stehen sollen.
Ebenfalls in Angriff genommen wurde das Vorhaben, sämtliche über Heinrich Böll
erschienene Arbeiten des Zeitraums von 1950 bis 1999 mit dem Ziel aufzuarbeiten, in
absehbarer Zeit die erste Bibliographie der Forschungsliteratur zum Werk Heinrich Bölls
in Form einer Internetversion zur Verfügung zu stellen. Sie wäre nicht nur für den
wissenschaftlichen Bereich von Bedeutung, sondern böte auch für alle an der
Auseinandersetzung mit Böll Interessierten die hierfür notwendigen bibliographischen
Hinweise und Angaben.

[Weitere Informationen in: Heinrich Böll – Einem Autor folgen. Kölner Ausgabe – Zur
Einführung. Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. Mit einer Einführung von Jochen
Schubert. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 1998, 120 Seiten, DM 10,-, ISBN 3-46202827-8]

70

14. Projektpartner der Heinrich-Böll-Stiftung im Ausland
Lateinamerika
Amigas de la Comunicación Alternativa (A.C.A.), Montevideo, Uruguay
Asociação dos Pequenos Produtores do Municipio de Valente (APAEB), Valente
(Bahia), Brasilien
Asociación de Asesoria a Proyectos de Desarrollo (ADAPD), Chimaltenango,
Guatemala
Asociación de Instituciones de Promoción y Educación (AIPE), Cochabamba, Bolivien
Asociación de Mujeres Rurales (ASMUR) und Sistema Económico Social (SES) San
Vicente, El Salvador
Asociación Pro Derechos Humanos (APRODEH), Peru
Asociación Nacional de Desarrollo Municipal (ADM), Nicaragua
Associação Regional de Convivência com a Seca (ARCAS), Cicero Dantas (Bahia),
Brasilien
Caribbean Association for Feminist Research & Action (CAFRA), Port of Spain, Trinidad
und Tobago
Centro de Asesoría Laboral del Perú (CEDAL), Peru
Centro de Encuentros, Cultura y Mujer (CECYM), Buenos Aires, Argentinien
Centro para Estudios y Formación (CEFA), Panama City, Panama
Centro de la Mujer Peruana Flora Trístan (CMPFT), Lima, Peru
Centro Humanitário de Apoio à Mulher (CHAME), Salvador, Brasilien
Centro para la Defensa del Consumidor (CDC), San Salvador, El Salvador
Comunicación e Información de la Mujer (CIMAC), Mexiko D.F., Mexiko
Colectiva Mujer y Salud, Santo Domingo, Dominikanische Republik
Contraportada, San Salvador, El Salvador
Coordinadora de Mujeres del Cibao (CMC), Santiago de los Caballeros, Dominikanische
Republik
Corporación Viva La Ciudadanía, Kolumbien
Cotidiano Mujer, Montevideo, Uruguay
CRIOLA, Rio de Janeiro, Brasilien
71

Desarollo Municipal (DM), Nicaragua
Fase - Federação de Órgãos para Assistência Social e Educacional, Belém (Para),
Brasilien
Federação de Órgãos para Assistência Social e Educacional (FASE), Rio de Janeiro,
Brasilien
Facultad Latinoamericano para Sciencias Sociales, FLACSO, Mexiko D.F., Mexiko
Foro Boliviano sobre Medio Ambiente y Desarrollo (FOBOMADE), Cochabamba,
Bolivien
Fundación „Antonio Nuñez Jiménez“ de la Naturaleza y el Hombre (FANJNH), Kuba
Fundación Entre Volcanes (FEV), Nicaragua
Fundación Foro Nacional por Colombia, Kolumbien
Fundación Instituto de la Mujer, Santiago, Chile
Fundación Nacional para el Desarrollo (FUNDE), El Salvador
Fundación Naturaleza y el Hombre, Havanna, Kuba
Fundación Río Lempa (FUNDALEMPA), El Salvador
Grupo de Reflexión y Acción sobre Medio Ambiente (GRAMA), Cochabamba, Bolivien
Habitat-Cuba, Sociedad para la Vivienda y el Urbanismo (HABITAT), Kuba
Instituto Brasileiro de Análises Sociais e Económicas (Ibase), Rio de Janeiro, Brasilien
Instituto de Ecología Política (IEP), Santiago, Chile
Instituto de Estudos da Religião (ISER) , Rio de Janeiro, Brasilien
Instituto de Investigación y de Desarrollo Maya (Plan de Acción Forestal Maya: PafMaya), Ciudad de Guatemala , Guatemala
Instituto Regional da Pequena Agropecuaria Apropriada (IRPAA), Juazeiro (Bahia),
Brasilien
Investigación Social y Asesoramiento Legal Potosí (ISALP), Cochabamba, Bolivien
ISIS Internacional, Santiago, Chile
Las Dignas, San Salvador, El Salvador
MEMCH, Santiago, Chile
Movimento Nacional de Direitos Humanos (MNDH), Brasília, Brasilien
Red de Ecología Social (REDES), Montevideo, Uruguay
Red de Educación Popular entre Mujeres de América Latina y El Caribe (REPEM),
Montevideo, Uruguay
72

REDEH /Cemina, Rio de Janeiro, Brasilien
Red Mexicana de Acción frente al Libre Comercio, RMALC, Mexiko D.F., Mexiko
Sempreviva Organização Feminista (SOF), São Paulo, Brasilien
Sociedade Paraense de Defesa dos Direitos humanos (SDDH), Belém, Para
Unidad Ecológica Salvadorena, UNES, San Salvador, El Salvador

Afrika
AGENDA, Südafrika
Africa Information Afrique, Simbabwe
Association for the Promotion of Girl’s and Women’s Advancement, Gambia
Association of Westafrican Young Writers, Nigeria
Center of Excellence for Literacy and Literacy Education, Nigeria
Centre for Women Studies and Intervention, Nigeria
Civil Liberties Organization, Nigeria
Civil Resource Development & Documentation Centre, Nigeria
Community Action for Popular Participation (CAPP), Nigeria
Community Technology Development Trust, Simbabwe
Democratic Alternative, Nigeria
Development Alternatives for Women Network, Südafrika
EARTHLIFE AFRICA, Südafrika
Environmental Monitoring Group, Südafrika
Film Resource Unit, Südafrika
Forum for the Future, Namibia
Forum on Gender, Äthiopien/ Kenia
Gender and Development Action, Nigeria
Green Belt Movement, Kenia
Group for Environmental Monitoring, Südafrika
HUNDEE, Äthiopien
IUCN The World Conversation Union, Südafrika
International Union for the Conservation of Nature, Southern Africa Region, Südafrika
ISIS - Women's International Cross-Cultural Exchange, Uganda
LIVANINGO, Mosambik
73

Media Institute of Southern Africa, Südafrika
Media Peace Centre, Südafrika
MEDIAWORKS Community Publishing, Südafrika
Ministry of Agriculture and Environment, Rep. of Somaliland
Ministry of Education, Dept. of Technical and A.E. , Eritrea
Ministry of Land, Water & Environment, Eritrea
NAGAAD, National NGO Centre, Rep. of Somaliland
Nigerian Book Foundation, Nigeria
NISAA Institute for Women's Development, Südafrika
Nordic SADC Journalism Centre, Mosambik
Project Democracy, Nigeria
Regional Environment Protection Bureau, Äthiopien
SCHOOLCLUBS LEM, Äthiopien
Self-Employed Women's Union, Südafrika
Sister Namibia, Namibia
Shelter Rights Initiative, Nigeria
SOS – Femmes, Mauritius
Tintune, Nigeria
Women in Nigeria
Women Writers of Nigeria
Women’s Association of Tigray, Äthiopien
Zimbabwe Women’s Resource Centre and Network, Zimbabwe

Naher Osten und Türkei
Al Muwatin, Palästinensische Autonomiegebiete
An-Nadim Center for Management and Rehabilitation of Victims of Violence, Ägypten
Arab NGO Network of Environment and Development (RAED), Ägypten
Arab Youth Center, Palästinensische Autonomiegebiete
Ashtar, Palästinensische Autonomiegebiete
Beirut Center for Human Rights, Libanon
Botanischer Garten Ramallah, Palästinensische Autonomiegebiete
74

Centre d’Ecoute et d’Orientation pour Femmes Agressées, Marokko
Centre d’Ecoute pour femmes victimes de violence, Tunesien
Fondation Zakoura, Marokko
Friends of the Earth Middle East (EcoPeace), Israel, Palästinensische
Autonomiegebiete, Jordanien, Ägypten
GreenAction, Israel
Kav La’Oved, Israel
Kol Ha’Isha, Israel
Ma‘an, Palästinensische Autonomiegebiete
Pazartesi, Türkei
Popular Art Center, Palästinensische Autonomiegebiete
Radiojournalismus, Palästinensische Autonomiegebiete
Salama Moussa, Verein für Bildung und Entwicklung, Ägypten
SIGI Sisterhood is Global Institute, Jordanien
Solidarité Féminine, Marokko
SOS Femmes en Détresse, Algerien
Transparency Maroc, Marokko
Women’s Empowerment Project (WEP), Gaza Community Mental Health Program,
Palästinensische Autonomiegebiete
Women’s Studies Center (WSC), Israel

Asien

Alternative Energy Project for Sustainability (AEPS), Thailand
Asia Pacific Forum on Women Law and Development (APWLD), Thailand
Asian Regional Exchange for New Alternatives (ARENA), Hong Kong
Association of Nuns and Laywomen of Cambodia (ANLWC), Kambodscha
Aurat Foundation, Pakistan
Bangladesh Institute of Theatre Arts (BITA), Bangladesch
Bangladesh Nari Progati Sangha (BNPS), Bangladesch
Buddhist Institute (BI), Kambodscha
75

Cambodian Institute for Coorperation and Peace (CICP), Kambodscha
Center for Ecological Economies (CEE), Thailand
Center for Science and Environment, Indien
Development Alternative with Women for a New Era (DAWN), SEA Region, Philippinen
Environmental Training Center Project (ETC), Thailand
Global Alliance Against Traffic in Women (GAATW), Thailand
Korea Institute for Sustainable Society (KISS), Korea
Maple, China
Norbulingka Buddhist Cultural Institute, Mongolei
Pesticide Legal Action Network Thailand (PLANT), Thailand
Project for Ecological Recovery (PER), Thailand
Public Interest Research Center, Indien
Research Foundation for Science, Technology and Ecology (Navdanya Diverse
Women), Indien
Research Institute of Green Korea United (GKU), Korea
Roots for Equity, Pakistan
Royal University of Phnom Penh (RUPP), Kambodscha
Sakyadhita, Sri Lanka
Sathirakoses Nagapradipa Foundation (SNF), Thailand
Shirkat Gah, Pakistan
Social And Resource Development (SARD), Indien
Takhleeq Foundation, Pakistan
Thai Volunteer Service (TVS), Thailand
Tibet Heritage Fund, China
Tibetan Nuns Project, Indien
Tribal Women Welfare Association (TWWA), Pakistan
Women's Development Collective (WDC), Malaysia
Women's Studies Centre (WSC), Thailand

Mittel-, Südost- und Osteuropa
AG für Energie: Romanian Working Group on Energy, Rumänien
AG für Landwirtschaft: Romanian Working Group on Agriculture, Rumänien
76

AG für Verkehr: Romanian Working Group on Sustainable Transport, Rumänien
„Aspekt“ - Bildungs- und Informationszentrum für Frauen, Slowakische Republik
Autonomes Frauenhaus Zagreb, Kroatien
Biokultúra, Ungarn
Bürgervereinigung „Ji“, Ukraine
Energia Klub Budapest, Ungarn
Fondeko, Bosnien-Herzegowina
Frauen in Schwarz, BR Jugoslawien
Frauenbildungs- und Informationszentrum Tbilissi, Georgien
Fraueninnovationszentrum Ost-West, Russische Föderation
Frauenstiftung eFKa - Frauenberatungs- und Informationszentrum Krakau, Polen
Frauenzentrum Krona, Ukraine
FWIE - Fundacja Wspierania Iniciatyw Ekologicznych (Stiftung zur Förderung von
Umweltinitiativen), Polen
Gemeinwesenzentrum St. Petersburg, Russische Föderation
Georgian Energy Brigades, Georgien
Green Action, Kroatien
Hnuti DUHA Tschechien, (Friends of the Earth Czech Republic), Tschechische Republik
Kaukasisches Haus Tbilissi, Georgien
Kharkiv Human Rights Protecting Group, Ukraine
Liga pro Europa, Rumänien
Memorial, Russische Föderation
„Mikuszewo“ Deutsch-Polnische Begegnungsstätte, Polen
Ökologische Baikal-Welle, Russische Föderation
Polnische Gesellschaft für Abfallmanagement, Polen
PRO-BIO, Tschechische Republik
ProFem - Beratungszentrum für Frauen, Tschechische Republik
PSF (Polnische Feministische Gesellschaft) - Frauenkultur- und Bildungszentrum
Warschau, Polen
Republika, BR Jugoslawien
St. Petersburger Zentrum für Gender-Studien, Russische Föderation

77

St. Petersburger Zentrum für unabhängige soziologische Forschungen, Russische
Föderation
Stiftung zur Förderung von Umweltinitiativen, Polen
Ukrainian Energy Brigades, Ukraine
Woman Studies Center Belgrad, BR Jugoslawien
"Zeleni-Neretva" (Grüne Neretva), Bosnien-Herzegowina
Zentrum für Gender Studies, Tschechische Republik

Westeuropa
UNITED for Intercultural Action, Niederlande
ILGA Europe, International Lesbian and Gay Association, Brüssel
International
International Feminist Magazine LOLApress, Berlin, Montevideo, Johannesburg u.a.
Asiatisch-Europäisches Austausch- und Dialogprogramm zu alternativen
Politikstrategien in Asien (ASED)

78

15. Gremien
(Stand: Juli 2001)

Mitgliederversammlung
Semra Basoglu, Margarete Bause, Mechthild Bereswill, Maren Bock, Viktor Böll,
Barbara Böttger, Reinhard Bütikofer, Helga Flores Trejo, Gernot Folkers, Jürgen
Gneiting, Adrienne Goehler, Katrin Göring-Eckardt, Konrad Grevenkamp, Monika
Hantschick, Annette Hecker, Antje Hermenau, Dorothea Höck, Georg Hörnschemeyer,
Willi Hoss, Irmgard Jochum, Angelika Köster-Loßack, Ali Kuhlmann, Kordula Leites,
Reinhold Mau, Christoph Meertens, Brigitte Moritz, Cem Özdemir, Pino Olbrich, Lothar
Probst, Gabriele Rosenbaum, Heide Rühle, Jörg Sauskat, Christine Scherer, Kristina
Steenbock, Tine Stein, Edda Stelck, Gerda Stuchlik, Barbara Unmüßig, Elisabeth von
Thadden, Alena Wagnerova-Köhler, Henriette Wägerle, Elisabeth Weber, Reinhard
Weißhuhn, Christine von Weizsäcker, Volker Wiedersberg, Brigitte Witzer

Aufsichtsrat
Reinhard Bütikofer, Gregor Enste, Helga Flores-Trejo, Jürgen Gneiting, Annette Hecker,
Antje Hermenau, Christoph Meertens, Gabriele Tellenbach, Brigitte Witzer

Koordinationsgremium des Förderkreises
Christian Holtgreve, Heinz Janning, Eva Quistorp, Edda Stelck, Dr. Gerhard Timm

Fachbeiräte

Frauenrat
Mechthild Bereswill, Barbara Graf, Jeanett Kipka, Dörte Mierau, Gabriele Rosenbaum,
Uta Ruppert, Aysel Safak, Alena Wagnerova-Köhler, Christiane Ziller

Inland
Wolfgang Beer, Renate Künast, Ingrid Kurz-Scherf, Helga Lukoschat, Willfried Maier,
Edda Stelck, Gisela Vollradt, Angelika Zahrnt
79

Kunst und Kultur
Adrienne Goehler, Albrecht Göschel, Jacqueline Köster, Eva Krings, Margit Proske.

Medien
Sabine Baun, Gabriele Hooffacker, Claus Josten, Hans J. Kleinsteuber, Konrad
Melchers, Rena Tangens, Peter Völker

Migration
Farideh Akashe-Böhme, Almuth Berger, Viktor Böll, Hayang Ja Jung, Annitta Kalpaka,
Filiz Karsligil, Bernd Knopf, Öczan Mutlu, Wolfgang Richter

Mittel-, Südost-Europa
Wolfgang Eichwede, Eva Feldmann, Helmut Lippelt, Ludwig Mehlhorn, Sonja Schelper,
Elisabeth Schroedter, Theresa Tarassova, Elisabeth Weber, Esther von Weizsäcker,
Ljubljana Wüstenhube-Romanova

Ost
Simone Briese, Mechthild Günther, Friedrich Heilmann, Torsten Hesse, Eva Jähnigen,
Marinka Körzendörfer, German Meneses, Sigrid Meuschel, Petra Opitz, Thomas A.
Seidel

Studienwerk
Marie-Therese Albert, Tanja Berg, Michael Brumlik, Gudrun Ehlert, Maria Icking, Gert
Jannsen, Preeti Purohit, Sabine Kiel, Sonja Schreiner, Rui Sixpence Conzane

Süd
Marianne Dallmer, Karamba Diaby, Bernhard von Grünberg, Christine M. Merkel, Klaus
Meschkat, Wolfgang Sachs, Wolfgang Schmitt, Corry, Szanth von Radnoth, Hilda von
Krosigk

80

West
Rainer Andreas Emschermann, Anja Köhne, Margit Mayer, Edith Müller, Heide Rühle,
Frithjof Schmidt, Joscha Schmierer, Albert Statz

81

16. Adressen
(Stand Juli 2001)
Heinrich-Böll-Stiftung
Hackesche Höfe
Rosenthaler Str. 40/41
10178 Berlin
Tel.: 030-285340
Fax: 030-28534109
E-mail: info@boell.de
Internet: www.boell.de
Archiv Grünes Gedächtnis
Römerstr. 71
53332 Bornheim
Tel. 02236-59236
(ab 1. Oktober 2001:
Eldenaerstr. 35, Gebäude 34,
10247 Berlin)

Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung
Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg e.V.
Rieckestr. 26, 70190 Stuttgart
Tel. : 0711-26339410 Fax: 0711-26339419
E-Mail: info@boell-ba-wue.de
Internet: www.boell-ba-wue.de
Petra-Kelly-Stiftung
Bildungswerk für Demokratie und Ökologie in Bayern e.V.
Reichenbachstr. 3a, 80469 München
Tel.: 089-24226730 Fax: 089-24226747
E-Mail: gtiedemann@petra-kelly-stiftung.de
www.petra-kelly-stiftung.de
Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Kottbusser Damm 72, 10967 Berlin
Tel.: 030-6126074 Fax: 030-6183011
E-Mail: info@bildungswerk-boell.de
Internet: www.bildungswerk-boell.de

82

Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg
Werkstatt für politische Bildung e.V.
Lindenstr. 53, 14467 Potsdam
Tel.: 0331-2800786
Fax: 0331-292092
E-Mail: hbs-brandenburg@snafu.de
Bildungswerk Umwelt und Kultur in der Heinrich-Böll-Stiftung
Plantage 13, 28215 Bremen
Tel.: 0421-352368 Fax: 0421-352389
E-Mail: ruedel.boell@t-online.de
www.boell-bremen.de
Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg
umdenken - Politisches Bildungswerk
Max-Brauer-Allee 116, 22765 Hamburg
Tel.: 040-3895270 Fax: 040-3809362
E-Mail: umdenken@t-online.de
Internet: www.umdenken-boell.de
Hessische Gesellschaft für Demokratie und Ökologie e.V.
Landesstiftung der Heinrich-Böll-Stiftung
Niddastr. 64, 60329 Frankfurt a. M.
Tel.: 069-231090 Fax: 069-239478
E-Mail: info@hgdoe.de
Internet: www.hgdoe.de
Bildungswerk Mecklenburg-Vorpommern in der Heinrich-Böll-Stiftung
Mühlenstr. 9, 18055 Rostock
Tel.: 0381-4922184 Fax: 0381-4922156
E-Mail: boell.m-v@flix.de
Internet: www.boell-mv.de
Stiftung Leben und Umwelt Niedersachsen
Schuhstr. 4, 30159 Hannover
Tel.: 0511-30185711/12 Fax: 0511-30185714
E-Mail: info@slu.de
Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen
Huckarder Str. 12, 44147 Dortmund
Tel.: 0231-9144040 Fax: 0231-91440444
E-Mail: info@boell-nrw.de
Internet: www.boell-nrw.de

83

Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz
Kaiser-Wilhelm-Ring 11, 55118 Mainz
Tel.: 06131-611752 Fax: 06131-616437
Hauptstr. 21, 67280 Ebertsheim
Tel.: 06359-961800 Fax: 06359-961427
E-Mail: boell.rlp@mainz-online.de
www.boell-rlp.de
Heinrich-Böll-Stiftung Saar e.V.
Talstr. 56, 66119 Saarbrücken
Tel.: 0681-583560 Fax: 0681-583536
E-Mail: boell.stiftung@t-online.de
Bildungswerk Weiterdenken in der Heinrich-Böll-Stiftung
Schützengasse 18, 01067 Dresden
Tel.: 0351-4943311 Fax: 0351-4943411
E-Mail: info@weiterdenken.de
Internet: www.weiterdenken.de
Mitwelt - Heinrich-Böll-Stiftung in Sachsen-Anhalt e.V.
Neumarktstr. 9, 06108 Halle
Tel.: 0345-2023927 Fax: 0345-2023928
E-Mail: mitwelt@regionett.de
Bildungswerk „anderes lernen“ - Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein
Jungfernstieg 23, 24103 Kiel
Tel.: 0431-9066130 Fax: 0431-9066134
E-Mail: boell.s.-h@t-online.de
Internet: www.boell-sh.de
Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen
Trommsdorffer Str. 5, 99084 Erfurt
Tel.: 0361-5553257 Fax: 0361-5553253
E-Mail: info@boell-thueringen.de
Internet: www.home.t-online.de/home/hbs.thueringen/

84

Die Büros der Heinrich-Böll-Stiftung im Ausland
Arabischer Naher Osten
Heinrich Boell Foundation
Kirsten Maas
P.O. Box 2018
Ramallah
Tel.: 00972-2-2961121
Fax: 00972-2-2961122
E-Mail: boell@palnet.com
Bosnien-Herzegowina
Fondacija Heinrich Boell
Azra Dzajic
Cekalusa 42
BIH–71000 Sarajevo
Tel.: 00387-71-260450
Fax: 00387-71-260460
E-Mail: h.boell@bih.net.ba
Brasilien
Fundação Heinrich Böll
Karin Urschel
Rua da Gloria 190, ap. 701
2024 1180 Rio de Janeiro – Gloria
Tel.: 0055-21-3852 1104
Fax: 0055-21-3852 1104
E-mail: boell@openlink.com.br
El Salvador
Fundación Heinrich Böll
Silke Helfrich
Residencial Zanzíbar
Pasaje A-Oriente No.24
San Salvador
Tel.: 00503-2746812
Fax: 00503-2746932
E-Mail: boell@netcomsa.com
Europäische Union / Belgien
Heinrich Boell Foundation
Claude Weinber
28, rue le Titien
B–1000 Bruxelles
85

Tel.: 0032-2-7434100
Fax: 0032-2-7434109
E-Mail: brussels@boell.de
Internet: www.boell.be
Israel
Heinrich Boell Foundation
Julia Scherf
Nachlat Binjamin 24
IL–65162 Tel Aviv
Tel.: 00972-3-5167734
Fax: 00972-3-5167689
E-Mail: hbstl@isdn.net.il
Kambodscha
Heinrich Boell Foundation
Hema Goonatilake
c/o Buddhist Institute
Unnalom Pagoda
P.O. Box 1436
Phnom Penh
Tel.: 00855-23-210535
Fax: 00855-23-216482
E-Mail: hbf@camnet.com.kh
Kenia
Heinrich Boell Foundation
Asghedech Ghirmazion
Forest Road
P.O. Box 10799-00100
GPO Nairobi
Tel.: 00254-2-717679
Fax: 00254-2-577337
E-Mail: hbfha@africaonline.co.ke
Pakistan
Heinrich Boell Foundation
Roshan Dhunjibhoy
No. 240 9th Street
Cavalry Ground Extn.
Lahore (Cantt.)
Tel.: 0092-42-6666322
Fax: 0092-42-6664899
E-Mail: roshan@hbfsa.org
86

Russland
Heinrich-Böll-Stiftung
Jens Siegert
Grunsinskij Pereulok 3-230
RU–123056 Moskau
Tel.: 007-095-935 8015
Fax: 007 095-935 8016
E-Mail: siegert@online.ru
Südafrika
Heinrich Boell Foundation
Sigrid Thomsen
4th Floor Heerengracht Building
87 De Korte Street
Braamfontein 2017
Johannesburg
Tel.: 0027-11-4030188
Fax: 0027-11-4030186
E-Mail: hbssa@wn.apc.org
Thailand
Heinrich Boell Foundation
Heike Löschmann
91/9 Umong Soi 5
Tambon Sutep, Muang
50200 Chiang Mai
Tel: 0066-53-810430-2
Fax: 0066-53-810124
E-Mail: heike@hbsasia.org
Tschechien
Heinrich Böll Stiftung
Milan Horacek
Barrandovska 1
CZ–15250 Praha 5
Tel.: 00420-2-581-4173
Fax: 00420-2-581 4174
E-Mail: boell@mbox.vol.cz
Türkei
Heinrich-Böll-Vakfi
Fügen Ugur
Inönü Cad. Haci Hanim Sok
87

No. 10/12, Keresteci Apt.
TR–80090 Gümüssuyu - Istanbul
Tel.: 0090-212-2491554
Fax: 0090-212-2450430
E-Mail: hbsist@superonline.com
USA
Heinrich Boell Foundation
Sascha Müller-Kraenner
Chelsea Gardens
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17. Publikationen der Heinrich-Böll-Stiftung
Eine Auswahl
Nachhaltige Entwicklung
Die große Transformation des 21. Jahrhunderts. Ein Entwurf der politischen
Ökologie
Von Alain Lipietz. Übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Frieder O. Wolf
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung im Verlag Westfälisches Dampfboot
Münster 2000, 188 Seiten, DM 29,80, ISBN 3-89691-470-7
Wem gehört die biologische Vielfalt?
Eine kurze Darstellung der Debatte über die Verfügungsrechte an der biologischen
Vielfalt. Von Beatrix Tappeser und Alexandra Baier
Studien und Berichte der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 4, Berlin 2000, 26 Seiten
Wie zukunftsfähig ist die Globalisierung?
Über ökonomische Entgrenzung und ökologische Begrenzung. Von Wolfgang Sachs
Studien und Berichte der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 3, Berlin 2000, 36 Seiten
Wirtschaft ohne Wachstumsstreben - Chaos oder Chance?
Bericht über ein Forschungsprojekt von Liesbeth Bakker, Reinhard Loske und Gerhard
Scherhorn
Studien & Berichte der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 2, Berlin 1999, 2. Auflage Berlin 2000,
76 Seiten, zahlreiche Abbildungen

Kunst und Kultur
Positionen 1: “Versuch über die Vernunft der Poesie”
Die Nobelpreis-Vorlesung Heinrich Bölls von 1973
Neu ediert und mit einem Nachwort versehen von Jochen Schubert
Berlin 1999, 116 Seiten, DM 12,-, ISBN 3-927760-33-1
Heinrich Böll – Einem Autor folgen
Kölner Ausgabe – Zur Einführung
Mit einem Vorwort von Petra Streit und einer Einführung von Jochen Schubert (Ed.)
Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung im Verlag Kiepenheuer & Witsch
Köln 1998, 120 Seiten, DM 10,-, ISBN 3-462-02827-8
Literatur und Diktatur
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Beiträge vom Internationalen Autorencolloquium im November 1997 an der SchillerUniversität Jena. Hrsg. vom Collegium Europaeum Jenense in Zusammenarbeit mit der
Heinrich-Böll-Stiftung. Jena 1997, 312 Seiten, DM 15,-, ISBN 3-933159-02-4
Die Sprache als Hort der Freiheit
Sprachwende und Sprachwandel nach 1989. Mit Beiträgen von György Dalos, Christoph
Dieckmann, Franziska Groszer, Ruth Reiher, Jens Reich, Adam Nadasdy, Sinan
Gudzevic, Leszek Szaruga u.a. Köln 1996, 160 Seiten, DM 15,-, ISBN 3-927760-28-5
Ultramarin
Texte und Bilder von Künstlerinnen. Ausgewählt von Dörte Mierau und Chr. Eifler. Köln
1993, 112 Seiten, DM 18,ISBN 3-927760-18-8
Komponistinnen und ihr Werk
Eine Dokumentation der Veranstaltungsreihe gleichen Titels 1990/91 von Christel Nies.
Mit Beiträgen über Jacqueline Fontyn, Alma Mahler, Sofia Gubaidulina u.a. Köln 1992,
180 Seiten, DM 12,ISBN 3-927760-11-0

Geschlechterdemokratie und Feminismus
Macht gewinnen
Von Birte Rodenberg und Christa Wichterich
Eine Studie über Frauenprojekte der Heinrich-Böll-Stiftung im Ausland
Berlin 1999, 160 Seiten, DM 10,-, ISBN 3-927760-35-8
(Die Studie findet sich in englischer und spanischer Sprache im Internet unter
www.boell.de!)
Wie weit flog die Tomate?
Eine 68erinnen-Gala der Reflexion. Mit einer Einleitung von Halina Bendkowski.
Mit Beiträgen von Helke Sander, Marlene Streeruwitz, Viola Roggenkamp, Frigga Haug,
Franziska Groszer, Dorothee Damm u.v.a.
Berlin 1999, 264 Seiten, DM 15,-, ISBN 3-927760-32-3
Wir sind das Wunder, durch das wir überleben
Die 4. Weltfrauenkonferenz in Peking. Von Christa Wichterich. Köln 1996, 160 Seiten,
DM 12,ISBN 3-927760-26-9
Wir wollen unsere Rechte jetzt – und zwar mit Zinsen
Fünf Jahre nach der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking: Bilanzen, Positionen,
Perspektiven. Von Christa Wichterich
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Studien und Berichte der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 5, Berlin 2000, 128 Seiten
Möglichkeiten und Grenzen eines Transfers zwischen feministischer
Wissenschaft und Politik
Beiträge des Gunda-Werner-Promotionskollegs des Feministischen Instituts und des
Studienwerks der Heinrich-Böll-Stiftung am 30. Oktober 2000 in Berlin; in Kooperation
mit der Universität Bielefeld und der Ruhruniversität Bochum. Herausgegeben vom
Feministischen Institut der Heinrich-Böll-Stiftung
Dokumentation der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 11, Berlin 2001, 60 Seiten
Gender & Environment in der praktischen Umweltpolitik
Mit Beiträgen von Gila Altmann, Ines Weller, Irmgard Schultz u.a.
Dokumentationen der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 10, Berlin 2000, 52 Seiten

Demokratie, Menschenrechte, Entwicklung
Iran nach den Wahlen
Ein Kongreß und seine Folgen. Mit einer Einführung von Sonia Seddighi und einem
Beitrag von Peter Philipp. Übersetzungen: Bahman Nirumand. Verlag Westfälisches
Dampfboot. 1. Auflage, Münster 2001, 268 Seiten, Preis: DM 36,- (€ 18,-),
ISBN 3-89691-506-1
Bürgerbeteiligung in Städten und Gemeinden
Ein Praxisleitfaden für die Bürgerkommune
Von Lars Holtkamp
Berlin 2000, 152 Seiten, DM 12,-, ISBN 3-927760-37-4
Die Landkarte der Zensur
Erzählungen, Reportagen und Essays für die Freiheit des Wortes aus „Index on
Censorship“. Berlin 1998, 208 Seiten, DM 24,80 (Links-Verlag), ISBN 3-86153-169-0

Zeitgeschichte
Polen und die Rechtslage Deutschlands 1945-1997
Von Rudolf Wildenmann
1. Auflage, Berlin 2001, 480 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Preis: DM 16,- (€ 8,-),
ISBN 3-927760-38-2

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Der homosexuellen NS-Opfer gedenken
Mit einem Vorwort von Claudia Neusüß, einer Einleitung der Initiative HomoMonument
und Beiträgen von George L. Mosse, Claudia Schoppmann, Katharina Kaiser, Klaus
Müller, Frank Wagner, Thomas Rahe, Günter Grau und Rainer Hoffschildt
1. Auflage, Berlin 1999, 160 Seiten, DM 10,-, ISBN 3-927760-36-3
Differenz in der Einheit
Über die kulturellen Unterschiede der Deutschen in Ost und West
Mit Beiträgen von Michael Rutschky, Richard Schröder, Marianne Birthler, Ralf Fücks,
Diedrich Diederichsen u.v.a
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung und Lothar Probst im Chr. Links Verlag
Berlin 1999, 216 Seiten, DM 24,80,
ISBN 3-86153-196-8
Anstiftung zur Einmischung
Projekte gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit
Dokumentationen der Heinrich-Böll-Stiftung Nr. 15, Berlin 2000, 60 Seiten
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