Publication:
2018
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365154
Path:
KEH REPORT


50 | Dezember 2018

IN DIAKONISCHER TRADITION
DES HEILENS UND HELFENS

Aus dem Inhalt
»Jede Minute zählt.…« – Akute
Schlaganfallbehandlung im KEH

Seite 4

»Das Zentrum ist erwachsen
geworden« – Neuer Chefarztbereich
im KEH eingerichtet

Seite 7

»Komplexe Fragen brauchen komplexe
Antworten« – Herzberger Gespräch
zur Epileptologie

Seite 8

Seelsorge – Bestandteil
des Heilungsauftrages

Seite 14

Gefäßverschlüsse richtig behandeln
»Herzberger Gespräch« zur Gefäßmedizin

Seite 16

»Dienet dem Herrn mit Freuden«
Beilage zur Geschichte des
Krankenhauses (5)

Anna von Lancizolle leitete
von 1887 bis 1903 als erste
Oberin das Diakonissenmutterhaus des »ElisabethKinder-Hospitals«

KEH-Report | Dezember 2018
Seite 2

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
wenn die Tanne am Brunnenrondell aufgerichtet
worden ist, am Verwaltungsgebäude und auf
den Fluren der Herrnhuter
Stern leuchtet, kün­
digt
sich mit diesen Zeichen
des Advents und der nahenden Weihnachtsfestzeit bereits das Ende des Jahres
an. Ein reich angefülltes Jahr liegt hinter uns. Das Doppeljubiläum: 175 Jahre evangelisches Krankenhaus und
125 Jahre Psychiatrie in Herzberge gab ausreichend
Grund zur Rückschau und zum Feiern: beim feierlichen
Jahresbeginn zum Neujahrsempfang, beim Festakt im
April, bei dem der Gründung unseres evangelischen
Krankenhauses gedacht worden ist. Es folgten der
Familientag für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im
Tierpark Berlin im Juni und im September der »Tag
der offenen Tür«. Bei der »KEH Montagsvisite« informierten Chefärzte und Fachärzte über Krankheitsbilder und ihre Behandlung. Die Fachveranstaltungsreihe »Herzberger Gespräch« beschäftigte sich in den
Schwerpunktbereichen unseres Hauses mit Zukunftsund Entwicklungsfragen der Krankenhausversorgung.
Kulturell bereicherten die »Kammerkonzerte am Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg« den Krankenhausalltag und werden über das Jahr hinaus fortgesetzt. Die monatlichen Orgelkonzerte in der Kapelle
des KEH schenkten Besinnung und Sammlung.
Rückbesinnung auf unser diakonisches Erbe,
das rund 100 Jahre getragen war durch den Dienst
der Diakonissen, wendet auch den Blick nach vorn:
auf Medizin und Pflege, persönliche Zuwendung
und Seelsorge, auf den Menschen als Geschöpf
Gottes, der Hilfe benötigt – als bleibender Auftrag.
Dass es auch 2018 gelungen ist, zeigen unter anderem die Bewertungen der FOCUS GESUNDHEIT-Redaktion, die das KEH zu »Deutschlands
		

		Inhalt
2 Editorial
3 Willkommen zur »Montagsvisite«!
4 »Jede Minute zählt.…«
5 Einladung zur Eröffnung des neuen Klinikgebäudes
6 Aktuelle Psychiatrie im Diskurs
7 »Das Zentrum ist erwachsen geworden«
8 »Komplexe Fragen brauchen komplexe Antworten«
9 Engagement für Menschen mit Epilepsie gewürdigt
10 Austausch und gegenseitige Unterstützung

besten Krankenhäusern 2019« zählt und insbesondere die Expertise der Behandlung bei Diabetes,
Depression und in der Gefäßchirurgie hervorhebt.
Das kommende Jahr bringt zudem eine Erweiterung
des stationären und ambulanten Angebots, wenn der
Neubau von Haus 100, der noch im Jubiläumsjahr eröffnet wird, bezogen und betriebsfertig sein wird.
Das alles lässt uns dankbar und im Vertrauen auf
Gottes Beistand das neue Jahr erwarten. Ich wünsche
Ihnen eine interessante Lektüre der inzwischen 50.
Ausgabe des »KEH-Report«, frohe Weihnachtsfesttage und ein gesegnetes und gesundes Jahr 2019.

Pastorin Hella Thorbahn

Pastorin Hella Thorbahn
Theologin in der Krankenhausbetriebsleitung

11	Medizin hautnah erleben. Impressionen vom Tag der
offenen Tür
14 Seelsorge – Bestandteil des Heilungsauftrages
16 Gefäßverschlüsse richtig behandeln
17 »Ich möchte dem Krankenhaus etwas zurückgeben«
18 Gesundheitstag
18 »Hilfe, die Polizei kommt!« – Fachtag im Oktober 2018
19 Jubiläumsfeierlichkeiten 1968
20 Aktuelle Termine

		 Beilage zur Geschichte des Krankenhauses (5)
		 »Dienet dem Herrn mit Freuden«
		Gelebte Diakonie im Evangelischen Krankenhaus
Königin Elisabeth Herzberge 1843 bis heute

Hoffnungstaler
Stiftung

Lobetal

v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel

Impressum
Herausgeber: Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth
Herzberge gGmbH, Geschäftsführung und Kranken­
haus­b etriebsleitung, Herzbergstr. 79, 10365 Berlin
Gestaltung/Produktion: Baumgardt Consultants,
Gesellschaft für Marketing & Kommunikation bR
Bildnachweis: R. Elbracht, Bethel S. 2, 7, 14/15
(Mittelbild, r. o.), 16 (o.), 17 (u. l.); J. Gernentz, KEH
S. 17 (u. r.); Historisches Archiv am KEH: S. 1, 19;
J. Lehmann, KEH S. 3 – 6, 8, 11 – 13, 15 (Mitte, u.),
16 (u.), 18, 20; Privat S. 12 (o. r.); SenGPG S. 9;
Heiko Stempfle S. 10.
V.i.S.d.P.:
Johannes Lehmann
Anregungen und Kritik an: j.lehmann@keh-berlin.de
Der KEH-Report erscheint viermal jährlich.

Die Gesellschafter des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge gGmbH

KEH-Montagsvisite
???

Dezember 2018 | KEH-Report
Seite 3

Willkommen zur »Montagsvisite«!
KEH-Informationsreihe geht ins dritte Jahr

S

eit 2017 wird den Bürgerinnen und Bürgern der
rund ums KEH liegenden Stadtbezirke eine neue
großformatige Informationsreihe zu Themen rund um
die Gesundheit und Krankheit sowie zu den medizinischen Behandlungsmöglichkeiten in unserem Hause angeboten. Aufgrund der Nähe zu anderen Krankenhäusern im Umfeld war dieses Angebot am KEH
längst überfällig.
Die Veranstaltungsreihe findet am zweiten
Montag des jeweiligen Monates (außer zu Ferienoder Feiertagszeiten) von 17 bis ca. 19 Uhr statt.
Am Rednerpult steht der Chefarzt oder ein Oberarzt der themenbezogenen Abteilung. Zunächst wird
anhand einer Präsentation das fachliche Thema gut

KEH-Montagsvisite im November

Termine 2019
11. Februar 2019
Neurologische
Schlafmedizin
11. März 2019
Burn out und
Depressionen
8. April 2019
Vorstellung des
Alterstraumatologischen Zentrums
13. Mai 2019
Gesundheit im Urlaub

verständlich präsentiert, danach hat das Publikum die
Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich in der anschließenden Diskussion mit dem Referenten auszutauschen.
Bisherige Themen waren u. a.:
•	»Herr Doktor, ich kann so schlecht laufen!« –
Diagnostik und Therapie der Schaufensterkrankheit
•	Wenn die Gelenke streiken –
neue Behandlungsmöglichkeiten bei Arthrose
• Bewegung im Alter – laufend Gutes tun!
• Herzinsuffizienz – wenn uns die Puste ausgeht
•	Moderne Endoskopie- und Laserverfahren
in der Urologie
• Wenn die Schulter schmerzt
•	Steinreich? – Diagnostik und Therapie
bei Gallensteinleiden
•	Wenn der Schuh drückt – Fußprobleme bei Diabetes
• Jede Minute zählt – akute Schlaganfallbehandlung

12. August 2019
Gefäßerkrankungen
früh erkennen und
behandeln
9. September 2019
Operative Behandlungsmöglichkeiten
bei Durchblutungs­
störungen
14. Oktober 2019
Juristische Fragestellungen für Patienten
und Angehörige
11. November 2019
Herzerkrankungen

Dieses Veranstaltungsangebot wurde mit wachsendem Interesse von den Bürgern angenommen und
füllt mittlerweile den Festsaal – im Clubraum haben
wir klein angefangen! Über die Zeit hat sich ein Kreis
von interessierten »Stammhörern« gebildet, der in
schöner Regelmäßigkeit, gleich zu welchem Thema,
zur Montagsvisite erscheint!
Und wie erfährt Mann/Frau von dieser Veranstaltung? Der wichtigste Verteiler sind sicherlich die
Anzeigen in der »Berliner Woche« und im »Bezirksjournal« für Lichtenberg und weitere Bezirke. Darüber hinaus werden von den jeweiligen Sekretariaten
umliegende Praxen und MVZs angeschrieben, mit der
Bitte um Auslage der Flyer für die Patienten. Und auf
dem KEH-Gelände informieren Flyer, Poster und Banner interessierte Patienten, Angehörige und Besucher.
In der letzten Veranstaltung am 12. November
2018 konnte bereits die Jahresvorschau aller Termine
und Themen für 2019 präsentiert werden – das Programm war schnell vergriffen!
So eine Veranstaltungsreihe geht nicht ohne die
Zuarbeit Vieler: Allen sei an dieser Stelle gedankt: den
ärztlichen Referenten für die engagierten und interessanten Vorträge und den vielen guten Geistern, die im
Verborgenen für einen reibungslosen Ablauf sorgen.
Wir freuen uns auf die Montagsvisite 2019.
Dr. Rotraut Asche
Chefärztin Zentrale Aufnahme und Diagnostik

KEH-Report | Dezember 2018
Seite 4

Neurologie

Hirninfarkt verstopften die Gefäße (etwa 80 % der Fälle); seltener ist eine Einblutung, bei der ein Gefäß ein­
reißt und das Gehirngewebe ertränkt wird.
Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Adipositas,
Diabetes, ein heikler Cholesterinspiegel, Nikotin, Bewegungsmangel und ungesunder Stress. Dazu kommen auch problematische Gefäßbedingungen. Daraus
entsteht ein Gefäßverschluss. Eine andere Form ist die
Embolie: wenn sich ein Thrombus löst und das Gefäß
verstopft (häufig bei Herz-Rhythmus-Störungen).

»Jede Minute zählt.…«
Akute Schlaganfallbehandlung im KEH

A

lle drei Minuten ereignet sich in Deutschland ein
neuer Schlaganfall. In Deutschland sind das pro
Jahr etwa 270.000 Schlaganfälle. Alle neun Minuten
stirbt ein Schlaganfall-Patient, 1,3 Millionen Menschen
müssen mit den Folgen eines Schlaganfalls leben.
Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine erworbene Behinderung im Erwachsenenalter.
Um über das Krankheitsbild zu informieren sowie
Diagnostik und Therapie im Evangelischen Krankenhaus
Königin Elisabeth Herzberge (KEH) vorzustellen, war
der Schlaganfall Thema der »KEH Montagsvisite« am
12. November 2018.

Symptome und Prognosen
Entsprechend dem Gehirnareal (motorische oder sensorische Steuerung), das durch die Störung betroffen ist,
treten entsprechende Symptome auf, beispielsweise:
•	halbseitige Lähmung (ist die rechte Gehirnhälfte
betroffen, treten Symptome an der linken Körperseite auf)
• herabhängende Mundwinkel
•	Doppelbilder oder Sehstörungen, wenn der
Hirnstamm betroffen ist
• Sprachstörungen
•	Gefühlsstörungen – z. B. Taubheitsgefühl
(meist zusammen mit Lähmung)
•	Verlust eines Gesichtsfeldes
• Gesprochenes wird nicht verstanden
(Bei der plötzlichen Erblindung nur eines Auges, kann
es sich um eine Störung in der Halsschlagader handeln,
über die das betroffene Auge versorgt wird.)
Die Symptome können manches Mal nur Sekunden
oder Minuten anhalten. Sie sind aber ein dringendes
Warnsignal für eine vorübergehende Durchblutungsstörung, einen leichten Schlaganfall (Transitorische ischämische Attacke, TIA). Auch hier ist Vorsicht geboten, denn gemäß einer Studie folgt nach einem leichten
Schlaganfall bei 10 % der Betroffenen ein Schlaganfall,
bei 12 % ein anderes Ereignis innerhalb von 90 Tagen.

Zeit und Schlaganfall
Nach einer kurzen Begrüßung durch Chefärztin Dr.
med. Rotraut Asche (ZAD) begann Dr. med. Andreas
Kauert mit einem kurzen Blick in die Geschichte: bedeutende Persönlichkeiten wie der US-amerikanische
Präsident Roosevelt oder der britische Premierminister
Churchill hatten einen Schlaganfall. Auch der sowjetische Diktator Stalin litt an einer Hirnblutung – aber
damals gab es noch keine relevante Akutbehandlung.
»Zeit und Schlaganfall gehören zusammen«, sagte
Dr. Kauert. »Zwei Paare von Blutgefäßen versorgen das
Gehirn mit Sauerstoff und Nährstoffen (v. a. Glukose) –
wenn ein Gefäß verstopft ist, bleibt nur wenig Zeit, in
der das Gehirn noch vollständig arbeiten kann.«
Wie der Name sagt, kommt es zu einer »schlagartig
auftretenden Störung«, das Gehirn wird nicht mehr versorgt und Zellen sterben ab. »Zeit ist kostbar, denn pro
Sekunde sterben rund 32.000 Neuronen ab, auch Nervenverbindungen gehen verloren!« Beim klassischen

Chefarzt Dr. Kauert bei
seinem Vortrag

14,7 %
leichte Behinderung
mittelschwere
Behinderung
schwerstbetroffen
Tod

18,6 %

57,2 %

9,4 %

Abbildung: Prognose bei einem Schlaganfall
57,2 % leichte Behinderung, 9,4 % mittelschwere
Behinderung, 18,6 % schwerstbetroffen, 14,7 % Tod

Neurologie

Schlaganfallpatienten finden in der Stroke Unit des KEH modernste
Ausstattung und qualifizierte Behandlung

Schlaganfall ist in Deutschland die zweithäufigste Todesursache nach Herzgefäßerkrankungen. 250.000 bis
300.000 Neuerkrankungen gibt es pro Jahr, bei 20 %
Mortalität. 550.000 Menschen müssen in Deutschland
mit den Folgen leben: von einer leichten Behinderung
bis zu dauerhafter Pflegebedürftigkeit. Das bedeutet
auch eine hohe Belastung des Gesundheitssystems.
Die Gesamtkos­ten beliefen sich im Jahr 2004 auf 7,1
Milliarden Euro für die stationäre Behandlung (36 %),
Rehabilitation (37 %), für Pflege (9 %) und ambulante
Behandlung (18 %).
Qualifizierte Behandlung
Etwa 60 Milliliter Blut werden zur Versorgung von 100 g
Gewebe pro Minute benötigt. Fällt die Blutmenge auf
unter 20 ml, kommt es einer neurologischen Funktionsstörung. Bei unter 15 ml kann von »noch reversibler
Störung« gesprochen werden. Bei unter 10 ml ist die
Struktur verloren – der so betroffene Infarktkern bei
einem akuten Schlaganfall kann nicht gerettet werden.
Auf dem Röntgenbild
zeigt sich das umliegende
betroffene Gewebe verschattet. In dieser »Penumbra« (latein. = schattenähnlich) reicht die
Durchblutung noch aus,
um wichtige Funktionen
aufrechtzuerhalten. Doch
es folgt ein fortschreitender Zelluntergang. Die Therapie zielt auf den Erhalt dieses restlichen Gewebes innerhalb von Minuten bzw. Stunden. Bei rechtzeitiger Meldung des Verdachts auf Schlaganfall, kommt folgende
Rettungskette in Gang (»Goldene Stunde«):
Symptom (Störung) > sofort Notruf 112 > ca. 10
Minuten später trifft Rettungswagen ein > der Betroffene wird nach Kontrollprotokoll geprüft, Schnelltest
FAS (Face, Arms, Speech) > wenn positiv, ergeht Info
an nächstgelegenes Schlaganfall-Zentrum > Transport,
Patient wird bereits erwartet > Diagnose/Therapiebe-

Dezember 2018 | KEH-Report
Seite 5

ginn in der Stroke Unit (Bildgebung: CT und Labor). Die
Zielvorstellung für die Stroke Unit ist heute: 30 Minuten
von der Vorbereitung auf die Ankunft des Patienten
über Diagnostik bis zur Behandlung (und wird etwa in
50 Prozent der Fälle erreicht). Je früher die Behandlung
beginnt, desto geringer fällt die Schädigung aus. Innerhalb von 4 ½ Stunden kann ein Thrombus mit Medikamenten aufgelöst werden (Thrombolyse), später nicht
mehr, dann ist er zu fest. Bei fünf bis zehn Prozent der
Patientinnen und Patienten ist dann noch eine Thromb­
ektomie möglich, bei der mittels Kathetertechnik der
Verschluss mechanisch entfernt wird.
In Deutschland gibt es über 300 Stroke Units, die
regional, überregional oder telemedizinisch vernetzt
agieren. Für komplizierte Fälle gibt es (ähnlich dem
Herzzentrum) spezielle Schlaganfall-Zentren. In Berlin
sind zudem speziell ausgerüstete Schlaganfall-Mobile
unterwegs, die während der Fahrt bereits die Diagnose
stellen und bei besonders schweren Fällen sofort die
richtigen Zentren anfahren können.

Eröffnung des neuen Klinikgebäudes
Montag, 17. Dezember 2018
Nach mehr als zweijähriger intensiver Arbeit aller Baubeteiligten kann im Jubiläumsjahr des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH) der Neubau
des modernen Klinikgebäudes offiziell eröffnet werden. Nach dem Umzug der medizinischen Bereiche wird der dreistöckige Rotklinkerneubau auf dem Gelände unseres
Krankenhauses für die Erweiterung der stationären und ambulanten Versorgung im
Bezirk Lichtenberg zur Verfügung stehen.
12 Uhr: Begrüßung durch die Geschäftsführung und Grußworte im Neubau (Haus 100)
12.45 Uhr: Schlüsselübergabe und Segen
Anschließend Begegnung und Gespräch. Bei geführten Rundgängen durch das Klinikgebäude besteht Gelegenheit, die neuen Räumlichkeiten zu besichtigen.
Michael Mielke, Geschäftsführer
Dr. med. Manfred Lang, Ärztlicher Direktor
Uwe Kropp, Pflegedirektor

KEH-Report | Dezember 2018
Seite 6

Friedrich von -Klinik
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Bodelschwin

Aktuelles
trischer Verbund
Gemeindepsychia
gGmbH
und Altenhilfe
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Klinik für Psychiat
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und Psychotherap

Anmeldung und
Rückfragen:
Büro
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Ärztliche Direktio

Dany Werbe
- 79 06
Tel.: (030) 54 72
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d.werbe@fvbk.d

Aktuelle Psychiatrie im Diskurs

Landhausstraße
10717 Berlin

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wingh-klinik.de
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Güntzelstraße

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 edizin bei Menschen
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mit geistiger Behinderung
»Lassen sich Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen
mit geistiger Behinderung ›durchschauen‹?« fragte
Prof. Dr. med. Albert Diefenbacher MBA, Chefarzt der
Abt. Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
im KEH, beim ersten Vortrag. Das »Behandlungszentrum für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung« (BHZ), das seit
2000 am KEH tätig ist, hat einen Versorgungsauftrag
für ganz Berlin und steht außerhalb der Bettenlastzählung. Im Verlauf der Zeit sind verschiedene Spezialangebote dazugekommen und das BHZ ist unter Leitung
von PD Dr. med. Tanja Sappok seit dem 1. Oktober
2018 ein eigener Chefarztbereich.
»Für Menschen, die sich verbal nicht oder nicht ausreichend mitteilen können, ist eine spezielle Behandlung
nötig«, so Professor Diefenbacher. Wie machten sich
Menschen, die sich nicht verbal artikulieren können,
bemerkbar und worauf wiesen diese Handlungen hin?
Aggressives oder selbstschädigendes Verhalten sei keine zwingende Folge der Intelligenzminderung. Vielfach
äußerten sich darin somatische Probleme (Schmerzen,
Störungen). Das ließ sich im BHZ deutlich herausstellen.

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Nächster Termin:
BodelschwinghGespräche
10. April 2019
»Traumaambulanzen
und ihre Angebote«
Beginn: 15 Uhr
Ort: Evangelisches
Krankenhaus
Königin Elisabeth
Herzberge (KEH)
Herzbergstraße 79,
10365 Berlin
Festsaal (Haus 22)
www.keh-berlin.de

Die Referenten (v.l.n.r.):
Dr. Jörg Liesegang,
Prof. Dr. Diefenbacher
und PD Dr. SchulteHerbrüggen

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Ebenso führten emotionale Entwicklungsblockaden (verzögerte Entwicklung) zu Verhaltensauffälligkeiten. Sie könnten auch
psychische Ursachen
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Mittwoch, 21.
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Depression
(Antriebshemmung,
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Beginn: 15.00
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kürzte Schlafdauer,
Appetitlosigkeit),
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Erleben oder eine Posttraumatische Belastungsstörung (Aufwachen, Schreien, Verwirrtheit u. a.),
bei der das traumatische Ereignis vielleicht als Ursache nicht erkannt worden sei. Auch Autismus
kann ursächlich zu Verhaltensstörungen führen.
»Das gesamte Spektrum psychischer Erkrankungen
kann bei Menschen mit Intelligenzminderung auftreten«, sagte Professor Diefenbacher, und: »Psychotherapie bei Menschen mit geistiger Behinderung ist
möglich«. Wichtig sei eine eingehende Diagnostik,
wie sie im BHZ vorgenommen würde.

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Landhausstr.

Badensche Straße

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Psychosomatisc t und Zwang (TAZ)
für Trauma, Angs

09/18 | Kartog

urch den gemeinsamen Träger, die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel mit Sitz in
Bielefeld, arbeiten das Evangelische Krankenhaus Köni­
gin Elisabeth Herzberge (KEH) und die Friedrich von
Bodelschwingh-Klinik (FvBK) in Berlin-Charlottenburg/
Wilmersdorf eng zusammen. Das verdeutlichte der
Ärztliche Direktor der FvBK, Privatdozent Dr. med. Olaf
Schulte-Herbrüggen, bei der Begrüßung zur neuen, gemeinsamen Veranstaltungsreihe »Bodelschwingh-Gespräche« am 21. November 2018 in der Landhausstraße. Sie soll ermöglichen, Fachärzten und -therapeuten
aktuelle Themen im Bereich Psychotherapie, Psychiatrie
und Psychosomatik vorzustellen und in den fachlichen
Austausch zu treten. Beginnend in der Friedrich von
Bodelschwingh-Klinik werden an beiden Standorten Erkenntnisse aus der klinischen Praxis vermittelt.

Friedrich von
Bodelschwingh
Klinik und
Tageskliniken
1 und 2

Bundesallee

Uhlandstraße

249

ghBodelschwin
Gespräche

U9

Güntzelstr.,
Uhlandstr.

Landhausstra

Start der neuen Veranstaltungsreihe »Bodelschwingh-Gespräche«

Das Fetale Alkoholsyndrom (FAS)
Diagnostik und Therapie des Fetalen Alkohol Syndroms (FAS) im Kindes- und Jugendalter war Thema
des Beitrags von Dr. med. Jörg Liesegang, Leiter der
Psychiatrischen Instituts-Ambulanz der Abt. Psychia­
trie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindesund Jugendalters im KEH. Hierbei handelt es sich um
eine Schädigung des Kindes, die auf Alkoholgenuss
oder -missbrauch der Mutter während der Schwangerschaft zurückgeht, aber in der Öffentlichkeit wenig
bekannt ist.
Zur FAS-Diagnose werden verschiedene Aspekte
herangezogen: Wachstumsauffälligkeiten, faciale
Ver­änderungen (schmale Oberlippe, verändertes Philtrum, schmale Lidspalte) oder Schäden am Zentralnervensystem (zu kleiner Kopf, Intelligenzminderung,
Sprachgebrauch, Feinmotorik gestört etc.). Je
früher die Diagnose gestellt wird, desto mehr
kann zum Ausgleich der
bestehenden Defizite getan werden.
Mit der Psychoedukativen Intervention: »Ich kann das anders« stellte
Dr. Liesegang ein Therapieverfahren vor, das im KEH
Anwendung findet. Für die betroffenen Kinder und
Jugendlichen, aber auch für ihre Eltern, Lehrer und Erzieher ist es notwendig, zu lernen, mit den Einschränkungen zu leben. Wichtigstes Therapieziel sei Teilhabe: Dem betroffenen Menschen müsse mit seinen
Defiziten ein Leben in Teilhabe ermög­licht werden,
um den Weg in Drogenmissbrauch oder Kriminalität
abzuwenden.

Personalia

»Das Zentrum ist erwachsen geworden«
Neuer Chefarztbereich im KEH eingerichtet

F

ast genau zwölf Jahre ist Priv.-Doz. Dr. med. Tanja
Sappok in Arbeit und Forschung eng mit dem »Behandlungszentrum für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung« (BHZ)
verbunden, das seit 2000 am Evangelischen Krankenhaus
Königin Elisabeth Herzberge (KEH) besteht. 2003 kam sie
als Assistenzärztin in die Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des KEH unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. med. Albert Diefen­bacher.
Von 2006 bis 2011 war sie als Stationsärztin und seit 2011
als Oberärztin im stationären bzw. ambulanten
Bereich des BHZ tätig.Im
März 2013 wechselte sie in
die Psychiatrische Institutsambulanz »Geistige Behinderung« (PIA gB). Die
Ambulanz war im September 2005 eingerichtet worden, um die hochspezialisierte Versorgung der Patienten
mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung
ambulant sicherstellen zu können. Im Juli 2017 übernahm
sie als Leitende Ärztin das Behandlungszentrum, das nun
– im Verbund mit dem entstehenden »Medizinischen
Zentrum für Erwachsene mit Behinderung« (MZEB) – eine
eigene Abteilung bildet. Zum 1. Oktober 2018 wurde Frau
Dr. Sappok zur Chefärztin des neuen Bereiches »Behandlungszentrum für psychische Gesundheit bei Entwicklungsstörungen« ernannt.
»Das BHZ ist erwachsen geworden«, sagt sie. »Seit
dem Jahr 2000, als der Berliner Senat am KEH erstmals
Behandlungsplätze für eine qualifizierte Versorgung
dieses speziellen Patientenkreises geschaffen hat, ist
das Zentrum ständig gewachsen. Es hat mehr Aufgaben übernommen und seine Expertise ausgebaut.«
Inzwischen ist es in Deutschland und darüber hinaus
als Kompetenzzentrum anerkannt. Durch die Schaf-

Neue Chefärztin
In Heidelberg geboren,
legte Frau Dr. Sappok
1996 an der RheinischWestfälischen Technischen Hochschule
Aachen (RWTH Aachen) ihr Medizinisches
Staatsexamen ab und
promovierte (magna cum
laude) im November des
gleichen Jahres. Parallel
schloss sie das US-amerikanische Staatsexamen
in zwei Stufen (1995

Nashville, 1996 Dallas)
ab. 1998 wechselte sie
nach Berlin und arbeitete
bis 2003 an der Neurologischen Klinik des
Universitätsklinikums
Benjamin Franklin. 2014
verteidigte sie ihre Habilitation an der Berliner
Charité im Fach »Experimentelle Psychiatrie«
zu »Autismusdiagnostik
bei Erwachsenen mit
Intelligenzminderung«
und erhielt die Lehrbefä-

Psychische Gesundheit bei intellektueller
Entwicklungsstörung
Ein Lehrbuch für
die Praxis
Zentrales Anliegen
des Lehrbuchs ist die
Verbesserung der medizinischen und pädagogischen Behandlung
und Begleitung von
Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung.
540 Seiten, erschienen
im Kohlhammer Verlag,
Stuttgart.

higung und Lehrbefugnis
für die Ausbildung von
Medizinstudierenden.
Sowohl in der psychia­
trischen Praxis als auch in
ihrer wissenschaftlichen
Arbeit ist die Fachärz-

Dezember 2018 | KEH-Report
Seite 7

fung des neuen Chefarztbereiches wird das BHZ auch
organisatorisch aufgewertet. »Das Behandlungszentrum ist zu einer Werkstatt für Neuentwicklungen im
deutschsprachigen Raum und darüber hinaus geworden«, erläutert Frau Dr. Sappok. »Erste wissenschaftliche Anregungen kommen aus dem klinischen Alltag
und werden zu Stimulantien für Forschungsideen und
Erarbeitung von Behandlungsstandards.« So wurde zum
Beispiel SEE-D als Standard für die emotionale Entwicklungsdiagnostik bei behinderten Menschen entwickelt.
Derzeit verfügt die Einrichtung über 34 Behandlungsplätze, 43 sollen es laut Krankenhausbettenplan werden.
»Die Umsetzung hängt derzeit noch an der Erweiterung
der Häuser 26 und 27 (der ehemaligen Wäscherei)«,
fährt sie fort. »In diesen Räumlichkeiten soll ein alters­
übergreifendes Zentrum entstehen: stationäre und tagesklinische Plätze, dazu eine »Transitionsstation« für
Patientinnen und Patienten im Alter von 16 bis 27 Jahren. »Bethel ist bereit, den Umbau mit einer nennenswerten Summe zu unterstützen. Das Konzept ist bereits
weit entwickelt – es könnte losgehen, sobald die Stadt
Berlin das Vorhaben finanziell unterstützt.«
Das MZEB ist eine ambulante Behandlungsform für
Menschen mit komplexen, schweren Mehrfachbehinderungen, für die eine multidisziplinäre Behandlung
angeboten wird. Somatik, Neurologie, Psychiatrie sind
darin vernetzt, bei einer Vielzahl von Fallbesprechungen
– das ist in niedergelassenen Praxen, auch in einem
Ärzte­
haus nicht zu leisten. Das MZEB ist inzwischen
von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) genehmigt
und zugelassen worden; Konzept und Personal sind vorhanden. Vorerst wird es in den Räumen des MVZ in der
Herzbergstraße 82 eingerichtet, wenn dessen Bereiche
in den Neubau Haus 100 ziehen. Sobald die Wäscherei
umgebaut worden ist, soll es auf das Krankenhausgelände kommen. »Das MZEB wird in den regionalen Versorgungsstrukturen verankert sein«, sagt Frau Dr. Sappok. »Es soll ein enges Netzwerk bilden mit Haus- und
Fachärzten aus dem Bezirk – die Bereitschaft bei den
niedergelassenen Ärzten ist hoch.«

tin für Neurologie, für
Nervenheilkunde, für
Psychiatrie und Psychotherapie mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie dem Bereich der
medizinischen Versorgung von Menschen mit
Beeinträchtigungen eng
verbunden. Davon legt
auch die umfängliche
Liste ihrer Beiträge und
Publikationen Zeugnis
ab, mit denen sie bereits
an die Öffentlichkeit

getreten ist. Ständig wird
überlegt, wie die Versorgung von Menschen mit
Behinderung gelingen
und verbessert werden
kann, so auch in dem
von ihr herausgegebenen
Lehrbuch »Psychische
Gesundheit bei intellektueller Entwicklungsstörung«, das gerade
erschienen ist.

KEH-Report | Dezember 2018
Seite 8

Herzberger Gespräch

Werk
im Diakonischen
sitz.
Das KEH ist Mitglied
urg­schlesische Oberlau
Berlin­Brandenb

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Krankenhaus
Evangelisches
gGmbH
eth Herzberge
Königin Elisab
­Lichtenberg
79, 10365 Berlin
Herzbergstraße
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Kontakt
Berlin-Brandenb
sien
Epilepsie-Zentrum
ostik der Epilep
Institut für Diagn
mp
Martin Holtka
Prof. Dr. med.
berlin.de
m.holtkamp@keh­
www.ezbb.de

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4M M8 t 37

Die Gesellschafter

Krankenhauses
des Evangelischen

Königin Elisabeth
Hoffnungstaler
Stiftung
v. Bodelschwinghsche

Lobetal
Stiftungen Bethel

Einladung
präch
Herzberger Ges
zur Epileptologie
8
November 201
Mittwoch, 14.
0 Uhr
15.30 bis 17.3

07.06.18 12:01

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Herzberge gGmbH

Fotos: Historisches

Archiv am KEH/Elbrach

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Fortbildung
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der Berliner
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»Komplexe Fragen brauchen
komplexe Antworten«
Herzberger Gespräch zur Epileptologie im November

D

ie Diagnostik und
Behandlung der Epilepsien ist eine vielschichtige Herausforderung. Es
müssen nicht nur die medizinischen Aspekte, sondern vor allem auch die
Auswirkungen der Epilepsie auf das Alltags- und Berufsleben der daran erkrankten Menschen berücksichtigt werden. Das umfassende,
multidisziplinäre Behandlungskonzept »Comprehensive
Care«, inzwischen international anerkannter Standard
der Epilepsiebehandlung, war Thema des »Herzberger
Gesprächs« am 14. November 2018.
Spezialisierte Epilepsiezentren
Prof. Dr. med. Martin Holtkamp, Chefarzt der Epileptologie am KEH und Medizinischer Direktor des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg (EZBB), begrüßte
die zahlreichen Zuhörer im Festsaal des Evangelischen
Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH). Als
dritthäufigste neurologische Erkrankung nach Schlaganfall und Multiple Sklerose würden erste epileptische
Anfälle und Häufungen von Anfällen oft im Akutkrankenhaus gut behandelt, sagte er. Da die chronischen
Epilepsien jedoch vielfältige Auswirkungen auf das
Leben der daran erkrankten Menschen hätten, sei
für diese Patienten die Behandlung in spezialisierten
Epilepsie-Zentren geeigneter. Hier gäbe es Möglichkeiten komplexer Diagnostik und Therapie, Patienten
erhalten Beratung auch in sozialmedizinischen Fragen. Dann stellte Norbert van Kampen, der als Mo-

Im Podium (v.l.n.r.)
R. Delan, S. Burmeister,
Prof. Dr. Meencke,
Dr. Mayer, Prof. Dr.
Holtkamp, moderiert
von N. van Kampen
(links im Bild)

derator durch den Nachmittag führte, Prof. Dr. med.
H.-J. Meencke vor, der das EZBB 1996 gegründet und
fast zwei Jahrzehnte geleitet hatte.
»Komplexe Fragen brauchen komplexe Antworten«, eröffnete Professor Meencke seinen einleitenden
Vortrag. Bei seinem Studienbeginn 1966 hätte es noch
keine »Sozialmedizin« gegeben. Sie war angesiedelt in
der Bakteriologie: zur Prävention von Tuberkulose. Als
Studenten eigneten sie sich – selbst organisiert – Erkenntnisse aus Sozialmedizin, Psychotherapie, Psychosomatik an. Schrittweise vollzog sich dieser Prozess
auch in der akademischen Lehre.

Links: Prof. Dr. Holtkamp bei der Begrüßung. Mitte: Norbert van Kampen
moderierte die Veranstaltung. Rechts: Prof. Dr. Meencke bei seinem Vortrag.

Epileptologie

Therapieziel: Lebensqualität
»Epilepsie ist mehr als epileptische Anfälle«, fuhr
Prof. Dr. Meencke fort. »Epilepsien als chronische
Erkrankungen beeinflussen Lebensstil und Biografie
maßgeblich.« Schnell müsse mit der Behandlung begonnen werden, um die Dynamik der Epilepsie zu unterbinden. Ziel sei nicht allein Anfallsfreiheit, sondern
Anfallsfreiheit und Lebensqualität müssten in Balance
gebracht werden – je nach individueller Lebenssituation des Betroffenen.
Medizinisch-biologische, psychische und soziale
Gründe sprächen dafür, neben der qualifizierten medizinischen Behandlung die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die chronische Erkrankung zu berücksichtigen.
Eine Epilepsie habe Auswirkungen auf viele Lebensbereiche und könne auch mit zusätzlichen Beeinträchtigungen einhergehen. Nicht immer sei Anfallsfreiheit
möglich, umso mehr sei es wichtig, die Patienten darin
zu unterstützen, auch mit epileptischen Anfällen ein
zufriedenstellendes Leben entsprechend ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen zu führen. Um dies
zu ermöglichen, sei die Komplexbehandlung notwendig – und zwar nicht nur bei Menschen mit schwer
behandelbaren Epilepsien. Komplexbehandlung heiße: Integration von medizinischer, psychologischer,
sozialer Fachlichkeit in einem interdisziplinären Team
unter Einbeziehung des Patienten.
Ambulante Angebote erweitern
Beim anschließenden Podiumsgespräch wurde die
Thematik vertieft. Gesprächspartner waren Sybille
Burmeister (Bundesvorstand der Deutschen Epilepsievereinigung), Romy Delan (Kunsttherapeutin im EZBB),
Prof. Dr. med. Martin Holtkamp, Prof. Dr. med. H.-J.
Meencke und Dr. med. Thomas Mayer (Chefarzt des
Sächsischen Epilepsiezentrums Radeberg und Erster
Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie). Inhalt des Gesprächs war zum einen die
Frage, wie Patienten darin unterstützt werden können,
mit ihrer Krankheit zu leben und eine für sie zufriedenstellende Lebensqualität zu erreichen. Wichtig sei vor
allem, mit den Patienten ins Gespräch zu kommen und
ihnen ausreichend Zeit zu geben, ihre individuellen
Ansichten und Deutungsmuster dem Arzt mitzuteilen und gemeinsam Ziele festzulegen. Dies sei leider
derzeit nur im stationären Bereich bei Menschen mit
schwer behandelbaren Epilepsien möglich. Kritisiert
wurde, dass im ambulanten Bereich auch nur einzelne
Elemente der Komplexbehandlung – obwohl dringend
erforderlich – derzeit nicht finanzierbar seien. Hier
gäbe es dringenden Handlungsbedarf, waren sich die
Diskutanten einig.

Engagement für
Menschen mit
Epilepsie gewürdigt
Norbert van Kampen, Mitarbeiter des
Epilepsie-Zentrums
Berlin-Brandenburg
(EZBB), ist mit dem
Bundesverdienstkreuz
ausgezeichnet worden.
Am 29. Oktober 2018
überreichte die Berliner
Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Dilek Kolat,
das »Verdienstkreuz am
Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik
Deutschland« an ihn und
zwei weitere verdienstvolle Berlinerinnen.
Das EZBB mit Sitz in
Berlin und in Bernau ist
eines der größten Zentren für diesen Patientenkreis in Deutschland
und bietet alles, was
derzeit an Behandlungsmöglichkeiten bei
Epilepsien zur Verfügung
steht. Vor allem die
sozialen Auswirkungen
der Erkrankung auf die
Betroffenen wie auch
deren größtmögliche
Selbstbestimmung
stehen – neben Medizin
und Pflege – im Fokus
des Handelns. Auf
diesem Feld hat Norbert

van Kampen Besonderes
geleistet.
Senatorin Kolat hob
vor allem das Engagement
des Sozial- und Gesundheitswissenschaftlers
für die Verbesserung der
Lebensbedingungen von
Menschen mit Epilepsie
hervor. Seit vielen Jahren
setze er sich intensiv für
ihre Belange ein. Epilepsie
als Gegenstand der Forschung und der Entwicklung spezieller Rehabilitationsprogramme, aber
auch die aktive Mitarbeit
in der Selbsthilfebewegung bei Epilepsie seien
für ihn sowohl beruflich
als auch darüber hinaus
zum beherrschenden
Thema geworden. Insbesondere die Unterstützung
der Selbsthilfe sei ihm
wichtig, leiste diese doch
einen wichtigen Beitrag
zur Unterstützung von
Menschen mit Epilepsie
und helfe ihnen, ihre
Krankheit zu bewältigen
und ein selbstbestimmtes
Leben zu führen.
In seiner Danksagung sprach Norbert van
Kampen das Engagement
von Prof. Dieter Janz
an (1973 – 1988 an der
Freien Universität Berlin)
und seine Prägung durch
dessen Ansatz der »an-

Dezember 2018 | KEH-Report
Seite 9

thropologischen Medizin«,
der auch Grundlage der
Arbeit des EZBB sei und
aus dem sich eine enge
Zusammenarbeit mit der
Epilepsie-Selbsthilfe zwingend ergebe. Zugleich
riet er dazu, wegen der
zu erwartenden positiven
Auswirkungen auf das
Alltags- und Berufsleben
der Betroffenen und der
Reduzierung der Krankheitsfolgekosten die
Komplexbehandlung nicht
allein für Menschen mit
schwerbehandelbaren
Epilepsien, sondern für
alle Menschen mit Epilepsie anzubieten. Aufgrund
des hohen psychosozialen
Beratungsbedarfs sei
es wünschenswert, die
gesetzliche Grundlage für
die bundesweite Einrichtung von Epilepsie-Beratungsstellen zu schaffen,
die an den Standards der
»Deutschen Gesellschaft
für Epileptologie« orientiert seien.
Zum Abschluss dankte
Norbert van Kampen für
die intensive Selbsthilfeförderung des Berliner
Senats, ohne die in Berlin
und Brandenburg vieles
nicht möglich gewesen
und auch sein Engagement deutlich erschwert
worden wäre.

Bei der Verleihung (v.l.n.r.) Dr. Maria-Elisabeth von
Gynz-Rekowski, Norbert van Kampen, Senatorin
Dilek Kolat und Dr. Ursula Geißler (Foto: SenGPG)

KEH-Report | Dezember 2018
Seite 10

Epileptologie

A

nlässlich des 30jährigen Bestehens der Deutschen Epilepsievereinigung (DE) fand am
14. September 2018 am Berliner Standort des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg (EZBB) im Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) eine Festveranstaltung statt.
Der Vorsitzende der Deutschen Epilepsiever­
ei­
ni­­
gung, Stefan Conrad, begrüßte die Anwesen­
den
aus dem gesamten Bundesgebiet im KEH-Festsaal
und dankte den vielen Engagierten in der DE, die in
30 Jahren viel bewegt hätten. Im Anschluss betonte
Prof. Dr. med. Martin Holtkamp, medizinischer Direktor

1

Austausch und gegenseitige
Unterstützung
Festveranstaltung »30 Jahre Deutsche Epilepsievereinigung« im KEH

des EZBB, dass die Weiterentwicklung des Netzwerks EZBB für Patienten
mit Epilepsie sehr wichtig
sei – daher auch die Kooperation mit der Selbsthilfe. Die Kraft der Selbsthilfe liege im Austausch
und in der gegenseitigen Unterstützung; die Deutsche
Epilepsievereinigung sei dabei ein kompetenter und geschätzter Ansprechpartner.
Nachfolgend wies der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, darauf hin, dass in den vergangenen drei Jahrzehnten in der Politik für Menschen
mit Behinderungen viel passiert sei. Stereotypien und
Stigmata seien abgebaut worden. Um Inklusion zu erreichen, müsse man aber mehr voneinander wissen.
Die DE habe in 30 Jahren großartige Arbeit geleistet.
Verbunden mit Glückwünschen an die DE schloss er
mit dem Satz: »Demokratie braucht Inklusion!«

Beim Podiumsgespräch
(v.l.n.r.): Stefan Conrad,
Klaus Göcke, Sybille
Burmeister, Wolfgang
Walther und Jochen
Röder

Fotos oben:
1: Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von
Menschen mit Behinderungen
2: Prof. Dr. Martin
Holtkamp
3: Der Beauftragte der
Bundesregierung für die
Belange der Patientinnen
und Patienten, Dr. Ralf
Braucksiepe

2

3

Sybille Burmeister vom Bundesvorstand der DE verlas ein Grußwort der Bundesministerin für Justiz
und Verbraucherschutz, Dr. Katarina Barley. Darin gratulierte sie und dankte für jahrzehntelanges
ehrenamtliches Engagement in der Selbsthilfe.
Rupprecht Thorbecke vom Epilepsie-Zentrum Bethel
sprach für die Stiftung Michael. Er berichtete als Gründungsmitglied der DE aus den 1980er Jahren, als erste
Selbsthilfegruppen und Kontaktstellen in Deutschland
entstanden, und zählte die Stationen der Kooperation zwischen der Stiftung Michael und der DE auf.
Dr. med. Thomas Mayer, 1. Geschäftsführer der
Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE),
sagte, die DE könne stolz darauf sein, was sie erreicht habe. Er wünschte sich weiter eine gute Zusammenarbeit und wachsende Mitgliederzahlen.
Frau Dembski von der BAG SELBSTHILFE verwies auf
die beeindruckende Entwicklung der DE und die vielfältigen Unterstützungs- und Beratungs­an­gebote für
Betroffene und ihre Angehörigen. Gera­de heute sei es
wichtig, dafür zu kämpfen, dass jeder Mensch sein elementares Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft wahrnehmen könne. Dr. Ralf Brauksiepe, der Beauftragte
der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen
und Patienten, ging auf die Probleme der an Epilepsie
Erkrankten in Bezug auf Beruf und Mobilität ein. Die DE
leiste einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung
der Lebensqualität der Betroffenen. Er ermunterte die
DE, in ihrem Engagement nicht nachzulassen.
Im Anschluss an die Grußworte moderierte Norbert van Kampen (EZBB) eine Diskussionsrunde, an
der Stefan Conrad, Sybille Burmeister, Klaus Göcke,
Jochen Röder und Wolfgang Walter teilnahmen, die
sich alle auf die eine oder andere Art und Weise in die
Arbeit der DE eingebracht haben. Zunächst skizzierten
die Teilnehmenden ihre persönliche Beziehung zur
Deutschen Epilepsievereinigung. Dann ging es um die
Rolle von Prof. Janz und seinen Beitrag für den Aufbau
der Selbsthilfe in Deutschland wie auch um die verschiedenen Aktivitäten, mit denen die Öffentlichkeit
erreicht worden sei.
Die Jubiläums-Veranstaltung klang mit einem Buffet in der Cafeteria aus, bei Erfahrungsaustausch und
persönlichen Gesprächen.
Conny Smolny

Jubiläumsjahr 2018

Festgottesdienst
Der Tag begann um 10
Uhr traditionell mit einem
Gottesdienst, der bei
dem herrlichen Spätsommerwetter im Freien auf
der Bühne stattfand und
musikalisch vom Bläserchor des Kirchenkreises
Lichtenberg-Oberspree
begleitet wurde.

Dezember 2018 | KEH-Report
Seite 11

- Text 2 – Bühne Nach der Begrüßung durch Geschäftsführung
und Krankenhausleitung führte Moderator Stephan
Buchheim durch das Bühnenprogramm, bei dem
Chefärztinnen und Chefärzte ihre Kliniken vorstellten
und weitere Informationen, so zum Neubau auf dem
Gelände, gegeben wurden.
- Fotos: tag02 von der Bühne Foto: tag02_5767:
Moderator Stephan Buchheim im Gespräch mit Chefärztin Dr. Asche (ZAD)
Foto: tag02_5828:
Chefärztin Dr. Rita May, Kinder- und Jugendpsychiatrie

Medizin hautnah erleben
Impressionen vom Tag der offenen Tür

Pastorin Hella Thorbahn
bei der Predigt

Das Doppeljubiläum »175 Jahre Evangelisches Krankenhaus« und „125 Jahre
Psychiatrische Versorgung in Herzberge“ war ein guter Grund zu feiern und
die Leistungen des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH) auf besondere Weise vorzustellen. Aus diesem Anlass waren
die Bewohnerinnen und Bewohner der umliegenden Bezirke eingeladen zum
TAG DER OFFENEN TÜR am Sonntag, dem 16. September 2018. Von 11 bis
16 Uhr erhielten sie Informationen von der Ersten Hilfe bis zur Behandlung
bei Unfällen, Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Moderator Stephan
Buchheim im Gespräch
mit Chefärztin
Dr. Rotraut Asche (ZAD)

Bühnenprogramm
Nach der Begrüßung
durch Geschäftsführung und Krankenhausleitung führte
Moderator Stephan
Buchheim durch das
Bühnenprogramm,
bei dem Chefärztinnen und Chefärzte
ihre Kliniken vorstellten und weitere
Informationen, so
zum Neubau auf dem
Gelände, gegeben
wurden.

Chefärztin Dr. Rita May,
Kinder- und Jugendpsychiatrie

KEH-Report | Dezember 2018
Seite 12

Jubiläumsjahr 2018

Der PfiFf-Stand

Die Agrarbörse bot eine
Führung in den Landschaftspark an

Parallel dazu konnten sich die zahlreichen
Besucher an den Infoständen rund um das
Brunnenrondell informieren: zum Beispiel über
Ausbildung, Pflegeberufe oder Karrierechancen
im KEH, über verschiedene Arbeitsbereiche
wie Krankenhaushygiene oder Sozialdienst, über
Seelsorge, Ethikkomitee und Patientenfürsprecher oder die kostenlos angebotene Hilfe bei der
Pflege für Angehörige (PfiFf). Partner des KEH
stellten ihre Arbeit vor, darunter die Radiologische Praxis Paris, leben lernen am EDKE e.V.,
der Verein LIS (Locked-In-Syndrom) oder das
Diakoniehospiz Lichtenberg.
Mit dabei waren die von Bodelschwinghschen
Stiftungen Bethel, die Hoffnungstaler Stiftung
Lobetal, die Lazarus Diakonie, die Friedrich von
Bodelschwingh-Klinik, das Epilepsie-Zentrum
Berlin-Brandenburg, die Agrarbörse (Landschaftspark Herzberge), das Museum Kesselhaus
und viele mehr.

Der Stand der Friedrich von BodelschwinghKlinik...

Lotsen standen für die Besucher bereit, um
sie zu den verschiedenen Höhepunkten auf
dem KEH-Gelände zu begleiten.

...und der Hoffnungstaler
Stiftung Lobetal
Es gab selbstgemachte
Sommerrollen

Auf der Wiese neben
Haus 23 hatte die Kinderund Jugendpsychiatrie
einen Spieleparcours
vorbereitet

Die Abteilungen für Psychiatrie, Psychotherapie
und Psychosomatik und für Neurologie präsentierten ihre Arbeit im Haus 23. Im Mittelpunkt
standen die psychiatrisch-psychosomatische Tagesklinik und ihre Angebote für vietnamesischsprachige Patientinnen und Patienten sowie der
Bereich Spezielle Schmerztherapie.

Jubiläumsjahr 2018
???

Chefärzte erläuterten ihre
Bereiche: Dr. Kauert, Neurologie (oben), Dr. Hahn,
Urologie, und Dr. Liebeskind, Chirurgie (unten)

Führungen
Bei den Führungen
durch Notaufnahme,
Funktionsbereiche
und OP-Säle gab es
qualifizierte Erläuterung und Beratung
und einen praxisnahen Blick hinter die
Kulissen von Diagnostik und Therapie.

Dezember 2018 | KEH-Report
Seite 13

Architekt Thomas Rinne
(Mitte) stellte den Neubau
vor
Andrang herrschte bei den
Führungen durch den Neubau

Großes Interesse bei
der Besichtigung des
OP-Saals

Präsentation
Auf der Wiese vor der
Notaufnahme stellten
sich die somatischen
Kliniken vor. Daneben
konnten verschiedene
Rettungsfahrzeuge
besichtigt werden,
Reanimationstraining
und Unfallrettung
wurden demonstriert.

Abschlusskonzert im Festsaal

Kleine Besucher
konnten ihr Aussehen
verschönern oder
ihren Arm vergipsen
lassen

Konzerte
Für Essen und Trinken
war ausreichend gesorgt. Ab 14 Uhr spielte
RBB-Moderator Ulli Zelle
mit seiner Band auf und
sorgte zwei Stunden
für beste Stimmung.
Um 16 Uhr gab das
Vokal­ensemble Fanny
Hensel im gut besuchten
Festsaal ein Abschlusskonzert mit Stücken
von J. Brahms.

Moderator Ulli Zelle und seine Band

KEH-Report | Dezember 2018
Seite 14

Krankenhausseelsorge

Seelsorge
auf unseren somatischen Stationen

S

oma» ist ein griechisches Wort und heißt »Leib«
oder »Körper«. Wer auf einer unserer somatischen
Stationen Patient ist, ist also in der Regel körperlich krank. Aber weil der Körper und der Geist eine
Einheit bilden, meldet sich nicht selten zugleich der
»Geist« oder sogar die »Seele«: Sorgen, Ängste oder
Verzweiflung können aufsteigen und dadurch die
Patienten noch zusätzlich belasten. Aus eigener Erfahrung weiß jeder: Reden hilft. Am besten spricht
man sich alles, was einen belastet, von der Seele.
Als Seelsorger bin ich zwar kein Familienangehöriger
und auch kein persönlicher Freund, aber ich habe gelernt, ganz mit Herz, Kopf und Ohr »da« zu sein und
mich einfühlend und annehmend auf mein Gegenüber einzulassen.
Viele Gespräche mit
Patienten, Angehörigen
und Mitarbeitenden ergeben sich zufällig, wenn
ich auf den Stationen unterwegs bin. Aber bei Notfällen werde ich direkt gerufen: Da gibt es ängstliche oder entmutigte Patienten
vor oder nach einer Operation. Ein Fuß wurde amputiert. Oder man ist nach einem Schlaganfall plötzlich
halbseitig gelähmt. Eine Krebsdiagnose versetzt in
Schrecken und bedroht das eigene Leben. Nicht selten
kommt dann die Frage nach dem Sinn auf: Warum ich?
Was habe ich falsch gemacht? Oder: Wie kann Gott
das nur zulassen? Viele solcher Fragen müssen offen
bleiben. Es geht eher um die Erfahrung: Ich bin nicht
allein, andere helfen mir, es gibt immer noch Hoffnung, und die Hoffnung hält mich am Leben.
Weil ich nicht nur Seelsorger, sondern auch ev.
Pfarrer bin, kann ich gläubigen Patienten oder solchen, die offen für Gott sind, zusätzlich mit Gebet und
Segen eine Hilfe sein. Auch wenn eine Patientin oder
ein Patient im Sterben liegt, wird hin und wieder ein
Seelsorger oder eine Seelsorgerin gerufen. Manchmal
wünschen die Hinterbliebenen eines bei uns verstorbenen Patienten noch eine Andacht im Patientenzimmer, um Abschied zu nehmen. In solchen Situationen
wird ganz besonders deutlich, dass wir ein christliches
Krankenhaus sind. Seelsorge im Krankenhaus-Alltag
hat aber in der Regel ein eher weltliches Gesicht. Es
geht um die ganz und gar »irdischen« Sorgen, Ängste
und Nöte aller Menschen, die sich im KEH aufhalten,
ob diese nun gläubig sind oder nicht.

Pfarrer Dr. Frank Schlegel

Seelsorge – Bestandteil
des Heilungsauftrages

Seelsorge

Dezember 2018 | KEH-Report
Seite 15

Seelsorge
in den Abteilungen Psychiatrie, Psychotherapie
und Psychosomatik und Epileptologie

D

Ansprechpartner
im KEH
Pastorin
Hella Thorbahn
Seelsorgerin und
Theologin in der
Krankenhausbetriebsleitung
Telefon 54 72-21 23
h.thorbahn@
keh-berlin.de

Pastorin Hella Thorbahn

Pfarrer Dr.
Frank Schlegel
Seelsorger für die
Abteilungen Innere,
Chirurgie, Gefäß­chirurgie, Geriatrie,
Neurologie und
Urologie
Telefon 54 72-50 54
f.schlegel@keh-berlin.de
Diakonin
Christiane Strzelczyk
Seelsorgerin für die
Abteilungen Psychia­
trie, Psychotherapie
und Psychosomatik
sowie Epileptologie
Telefon 54 72-50 50
c.strzelczyk@
keh-berlin.de

Pfarrer Dr. Frank Schlegel
und Diakonin Christiane
Strzelczyk

Katholische Seelsorge
Pfarrer Dr. Bernhard
Dalkmann
Telefon 1 30 17 21 21
oder Katholisches
Pfarramt St. Mauritius
Telefon 5 59 31 83

ass ich mir alles einmal von der Seele reden kann,
dass Sie Zeit für mich haben, das tut mir gut« – das
sagen mir des Öfteren Patientinnen und Patienten in
einem Gespräch. Wer sich selbst gerade nicht versteht
oder vielleicht das Gefühl hat, alle Welt sei gegen ihn,
wer nicht weiter weiß, der empfindet Zuwendung und
Anteilnahme oft als wohltuend.
Viele Menschen, mit denen ich Kontakt habe, leben schon lange mit einer psychischen Erkrankung
oder Epilepsie – haben gelernt damit zu leben und
diese Herausforderung immer wieder anzunehmen.
Seelsorge heißt für mich Begegnung und Beziehung, auch Begleitung eines Menschen während des
Aufenthaltes hier im Krankenhaus, oftmals über einen
längeren Zeitraum hinweg. Das gemeinsame Aushalten von dem was gerade ist – sei es Trauer, Ratlosigkeit
oder Ärger – gehört genauso dazu wie einfühlendes
Verstehen. Manchmal ist es auch nur ein Erahnen dessen, was in meinem Gegenüber vor sich geht.
Um zu entdecken was stärkt und guttut, um sich
selbst und anderen neu zu vertrauen, möchte ich ermutigend zur Seite stehen. Ob es existentielle Fragen
sind oder die Ungewissheit, wie der nächste Tag wohl
werden wird – das Aussprechen der eigenen Gedanken und Sorgen hilft manchmal schon beim Sortieren.
»Ihre Impulse haben mich auf meinem Weg ein Stück
weiter gebracht.« So fasste jemand unser Gespräch
zusammen. Ein Spaziergang im Therapiegarten oder
auf dem Gelände, ein Besuch in der Kapelle, Gebet
und Segen oder ein Gespräch mit den Angehörigen
können dabei hilfreich sein.
Bald zählen auch wieder zwei Gruppenangebote
auf jeweils einer der gerontopsychiatrischen Stationen
zu meinen Tätigkeiten: das »Erzählcafé« und die »Poesiegruppe«. Beide beinhalten seelsorgerische Aspekte:
innehalten, sich mitteilen, einander Anteil geben und
nehmen. Der Segen am Ende eines jeden Treffens ist
für viele ein besonderer Moment.
Bei all dem ist mir die Beziehung zu den Mitarbeitenden sehr wichtig und wertvoll. Zu manchen ist sie
durch sehr leidvolle und schmerzliche Erfahrungen
gewachsen, zu anderen durch ein Gespräch zwischen
Tür und Angel und durch das Miteinander zum Wohle
von Patientinnen und Patienten.
Diakonin Christiane Strzelczyk

Pfarrer Dr.
Bernhard Dalkmann

KEH-Report | Dezember 2018
Seite 16

Gefäßmedizin

Gefäßverschlüsse richtig behandeln
»Herzberger Gespräch« zum Schwerpunkt Gefäßmedizin

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Veranstaltung
Krankenhaus
Evangelisches
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Königin Elisa
-Lichtenberg
79, 10365 Berlin
Herzbergstraße
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Herzberger Gesp
Psychiatrie
14. Februar
Diabetologie
11. April
Krankenpflege
2. Mai
Psychiatrie
Juni
13.
Gefäßmedizin
17. Oktober
Epileptologie
14. November

dung
Verkehrsanbin

s Archiv am KEH/Elbra

cht, Bethel/Lehmann,

KEH

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Fortbildung
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r Ärzteka
der Berline
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4M M8 t 37

Die Gesellschafter

des Evangelischen

Krankenhauses Königin

Elisabeth Herzberg

Hoffnungstaler
Stiftung

v. Bodelschwinghsche

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Herzberger Ges
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zur Gefäßmediz
Oktober 2018
Mittwoch, 17.
0 Uhr
15.30 bis 17.3

27.09.18 08:46

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Stiftungen Bethel

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m Gefäßzentrum am Evangelischen Krankenhaus
Königin Elisabeth Herzberge (KEH) arbeiten Angio­
logen, Gefäßchirurgen, Neurologen und Radiologen eng zusammen. Im »Herzberger Gespräch« am
17. Oktober 2018 zum Schwerpunkt Gefäßmedizin wurde am Beispiel der Carotis-Stenose der aktuelle Stand
der Wissenschaft vorgestellt.
Dr. med. Jan Theil, Chefarzt Innere Medizin I, der
die Moderation der Veranstaltung übernommen hatte,
begrüßte die Anwesenden und führte in die Thematik
ein. Die Verengung (Stenose) der Carotis beträfe nur
einen relativ kleinen Teil der Halsschlagader, sagte er,
aber eine Folge könne ein Schlaganfall sein. Inzwischen
gäbe es verschiedene Therapiemöglichkeiten, und im
KEH sei die Behandlung der Carotisstenose ein Schwerpunkt. Von einer Gefäßverengung (Atherostenose)
seien inzwischen zahlreiche Patienten betroffen – viele
kämen mit mehreren Befunden ins Krankenhaus, so
dass eine Gefäßbehandlung nicht ohne Risiko sei.
»Die Behandlung der Carotisstenose ist wichtig,
weil ein Gefäßverschluss verheerende Folgen für das
Gehirn haben kann«, sagte Jens Stegemann, Oberarzt
am Gefäßzentrum. »Das Therapieziel besteht darin, die
Verengung vor dem Auftreten von Beschwerden zu behandeln.« In seinem Vortrag verdeutlichte er, dass die
Carotisstenose heute vielfach »ein Fall für den Interventionalisten« sei. Bis in die 1990er Jahre sei bei Engstellen
in den Blutgefäßen konservativ operiert worden. Dann
habe sich der Einsatz von Carotis-Stents (arteria carotis
communis) durchgesetzt – die in den vergangenen Jahren durch technische Entwicklungen deutlich verbesserte Möglichkeiten böten. Verschiedene Studien hätten die in etwa gleiche Wirksamkeit von Operation und
Stent-Methode ergeben. Daher empfehle die S3-Leitlinie (2012 – 2017) beides. Vor dem Eingriff werde eine
Ultraschalluntersuchung vorgenommen. Wichtig sei
dabei die Messung der Blutflussgeschwindigkeit, um zu
entscheiden, welche Behandlung erfolgen könne.

Die Referenten v.l.n.r.:
Chefarzt Dr. Petzold
(Gefäßchirur­gie), Chefarzt
Dr. Theil (Innere Medizin),
Oberarzt Jens Stegemann
(Angiologie) und Oberarzt Dr. Büchner (Gefäßzentrum)

Über die Unterschiede und Risiken des konservativ-operativen Eingriffs bei Vollnarkose oder Lokalanästhesie
sprach Chefarzt Dr. med. Michael Petzold. Die Behandlung der Carotisstenose soll vor einem Schlaganfall schützen – aber es gäbe ein Restrisiko, da die Methodik bei
der Operation zu einem Schlaganfall führen könne. Denn
bei einer Operation werde der vom Verschluss betroffene
Gefäßabschnitt nicht durchblutet – jedoch müsse die
Hirndurchblutung sichergestellt bleiben. Der kurzzeitige
Ausfall der Durchblutung von Gehirnarealen beim Abklemmen der Halsschlagader schade dem Gehirn nicht.
Vollnarkose bereite die wenigsten Probleme und biete
optimale OP-Bedingungen. Bei der Regionalanästhesie
müssten Nerven ausgeschaltet werden, um das Schmerzempfinden zu betäuben. Hier gebe es zwei Verfahren:
den »tiefen Block« und den »oberflächlichen Block«.
Ultra­schallgestützt könne zielgerichtet betäubt werden.
Der Patient sei wach und ansprechbar und so sei seine
Motorik überprüfbar. Die S3-Leitlinie sieht die regionale
Narkose daher – wo möglich – als Methode der Wahl an.
In Deutschland würden inzwischen etwa 25Prozent
der Fälle bei örtlicher Betäubung behandelt.
Oberarzt Dr. med.
Julius Büchner ging auf
die Frage nach der bestmöglichen medikamentösen Behandlung ein. Bei Akutsymptomen sei ein
Eingriff notwendig. Bei asymptomatischer Carotisstenose könnten Medikamente ausreichen. Aber Atherosklerose sei eine chronische Erkrankung, d. h., Plaques
würden sich fortwährend festsetzen und das Risiko für
eine Herzerkrankung bleibe bestehen. Risikofaktoren
seien Übergewicht, Nikotin, Diabetes, Bluthochdruck
(Hypertomie), Fettstoffwechselstörungen und andere.
Eine Änderung des Lebensstils helfe deutlich: Gewichtsabnahme, mäßiger Alkoholgenuss, kein Nikotin, mediterrane Diät. »Bereits 15 Minuten mäßige Bewegung
täglich haben eine positive Wirkung.« Bei festgestellten
Komorbiditäten sei eine frühzeitige Behandlung nötig:
richtige Einstellung von Diabetes Typ 2, Medikation
bei Thrombozytenfunktionshemmung, Einstellung des
Bluthochdrucks und Behandlung der Fettstoffwechselstörungen (hier gäbe es eine neue Medikamentengruppe mit guter Wirksamkeit, die aber derzeit noch
extrem teuer sei). Sein Fazit: Medikamente unterstützen – wichtiger sei es, den Lebensstil zu ändern.

Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

»Ich möchte dem Krankenhaus
etwas zurückgeben«
Ein ehrenamtliches Freizeitangebot

M

it dieser Aussage
begründet Andrè
Veit Wagner sein ehrenamtliches Engagement
für die Patientinnen und
Patienten in der Abtei­
lung für Psychiatrie,
Psychotherapie und Psychosomatik im KEH. Er kennt die Abteilung seit vielen Jahren und viele Mitarbeitende kennen ihn. Kurz
nach der Wende war er hier erstmalig in stationärer
Behandlung. Seit vielen Jahren ist er in ambulanter
Behandlung in der Psychiatrischen Institutsambulanz
(PIA) im Haus 18 und war seitdem nur noch gelegentlich als Besucher eines Bekannten im Haus 8. Seit Juni
kommt er nun einmal wöchentlich am Dienstagnachmittag und manchmal auch sonntags ins Haus 8; in
einer ganz neuen Rolle.
Herr Wagner führt ein sehr aktives Leben: er arbeitet als Museumsaufsicht, malt, spielt Theater, ist im
»Netzwerk Stimmenhören« aktiv, war schon Podiumsgast in der Filmreihe IRRSINNIG MENSCHLICH und Teilnehmer verschiedener Kunstworkshops im KEH und
im Künstlerhaus Lydda in Bielefeld. Außerdem treibt
er Sport in verschiedenen Gruppen des Netzwerkes
Gesundheit und Bewegung (ngb). Das Netzwerk bietet
im Rahmen des Gemeindepsychiatrischen Verbundes
Lichtenberg verschiedene Sportgruppen für Menschen mit und ohne psychische Beeinträchtigungen
auch in Lichtenberg an (www.gpv-lichtenberg.de/).
Von April bis Oktober gibt es dort auch eine KUBBGruppe. KUBB ist ein Wurfspiel mit Holzklötzen, das
auch »Wikingerschach« genannt wird und sich gerade
großer Beliebtheit erfreut. Auch dort ist er mit von der
Partie.
Im Frühjahr trat er mit der Idee an mich heran,
ehrenamtlich ein regelmäßiges KUBB-Angebot für
die Patientinnen und Patienten im Garten von Haus
8 anzubieten. Zusammen mit den Stationen wurden
Umsetzungsmöglichkeiten überlegt, ein Ehrenamtsvertrag geschlossen und im Juni ging es los. Nun wird
am Dienstagnachmittag im Garten von Haus 8 KUBB
gespielt und mancher, der erst einmal nur zum Zuschauen kommt, wird schnell zum Mitspieler. Die Stationen haben dieses Angebot dankbar angenommen
und so ist aus der »Versuchsphase« von drei Monaten
inzwischen eine Vereinbarung geworden, dieses Angebot so lange weiter zu führen, wie die Wetterlage
es zulässt. Und das nächste Frühjahr kommt ja dann
auch irgendwann.

Dezember 2018 | KEH-Report
Seite 17

Seit einigen Jahren sind mancherorts Menschen
mit eigenen Psychiatrieerfahrungen, die eine EXIN-Ausbildung (Experienced Involvement) absolviert haben, als Genesungsbegleiterinnen und
-begleiter im psychiatrischen Versorgungssystem
tätig. Auch im KEH gab es schon derartige Einsätze.
Darum geht es bei diesem Angebot aber nicht. Es ist
ein zusätzliches Freizeitangebot und möchte dazu ermuntern, sich körperlich zu betätigen. Die positiven
Wirkungen von Bewegung und Sport bei psychischen
Erkrankungen, insbesondere im Bereich der Rückfallprophylaxe, sind allgemein bekannt. Herr Wagner sagt
von sich selber, dass seine vielen Aktivitäten einen
maßgeblich positiven Einfluss auf sein Befinden haben. Insofern ist er ein Experte aus eigener Erfahrung,
der seine Erfahrungen quasi spielerisch an andere weitergibt. Vielleicht regt dies ja einige Patientinnen und
Patienten an, sich nach dem Krankenhausaufenthalt
mal in einer der Sportgruppen zu versuchen.
Ehrenamtliches Engagement ist keine Einbahnstraße. Das Bündel von Motiven, sich ehrenamtlich zu betätigen, ist vielfältig und selten rein altruistisch. Viele
Ehrenamtliche geben als Gründe für ihr Engagement
an, dass sie Aufgaben übernehmen möchten, die ihnen Spaß machen und ihnen sinnvoll erscheinen. Auch
soziale Aspekte des Eingebunden-Seins und der Zugehörigkeit spielen oft eine Rolle.
Der Gedanke, ehrenamtliches Engagement als Teilhabemöglichkeit gerade auch für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen zu verstehen und zu nutzen, steckt noch in den Kinderschuhen. Es gibt dazu
einige wenige Projekte. Vielleicht kann dieses Beispiel
für die Weiterentwicklung ehrenamtlicher Arbeit im
KEH als Anregung dienen, auch in diese Richtung weiter zu denken.
Johanna Gernentz

Andrè Veit Wagner bei
der KUBB-Vorbereitung

Beim Kunst-Workshop
im Jahr 2011

KEH-Report | Dezember 2018
Seite 18

Gesundheit

7. Gesundheitstag im KEH

Z

eitdruck, Stress und
Überlastung gehören vielfach zu den Begleiterscheinungen
im
modernen Arbeitsleben
– nicht nur im Krankenhaus. Deshalb widmeten
sich bereits die vergangenen Gesundheitstage, die der Arbeitskreis »Betriebliches Gesundheitsmanagement« des Evangelischen
Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH)
organisiert hatte, um psychische Gesundheit und
Stress-Kompetenz (2016) und im September 2017 dem
Thema »Achtsamkeit« im Umgang mit sich selbst und
anderen.

Entspannung bot das Team
der mobilen Massage

Dr. Manfred Lang bei der
Eröffnung

In diesem Jahr stand der inzwischen 7. Gesundheitstag
im KEH unter der Überschrift »Seelische Gesundheit im
Zeitalter der Digitalisierung«. Dazu hatte der Arbeitskreis gemeinsam mit der BKK Diakonie am 11. Oktober
2018 von 12.30 bis 16.30 Uhr ins Haus 22 eingeladen.
Wichtig sind z. B. die Gewichtung und Wertung der
zahllosen E-Mails, von denen mancher überschwemmt
wird. Zugleich ist es nötig, sich im Umgang mit elektronischen Medien auch im privaten Bereich nicht zu
überfordern.
Nach der Eröffnung durch den Ärztlichen Direktor, Dr. med. Manfred Lang, und dem Impulsvortrag
von Dipl. Psych. Franz Möckel konnten sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an diesem Aktionstag Zeit
nehmen, um sich zu informieren und beraten zu lassen oder in Workshops etwas für den Körper zu tun.
Auch die mobile Massage war wieder vor Ort und am
betriebsärztlichen Stand bestand die Möglichkeit zur
Grippeschutzimpfung.

KEH und Bereiche der
Polizei aus Lichtenberg wie
auch Mitarbeitende des
Bezirksamts, des Jobcenters und der Polizeiakademie.
Gemeinsames Anliegen
war es, das gegenseitige
Wissen über die Arbeit
der anderen Bereiche
zu verbessern. Darüber
hinaus sollte der Austausch helfen, den
Um­­gang mit Krisensituationen für alle Beteiligten
zu erleichtern und mehr
Handlungssicherheit zu
schaffen.
Nach der Begrüßung
durch Frau Framke, Bezirksstadträtin für Familie,
Jugend, Gesundheit und

Bürgerdienste, wurden im
ersten Teil des Fachtages
Informationen über
Rahmenbedingungen,
Strukturen und Arbeitsweisen der unterschiedlichen
psychiatrischen Einrichtungen und der Polizei
im Überblick dargestellt.
Im zweiten Teil folgte
die Diskussion konkreter
Fallbeispiele aus verschiedenen Perspektiven.
Der Fachtag war von
großem gegenseitigem
Interesse geprägt. Aber in
der Kürze der Zeit konnten
natürlich nicht alle Fragen
beantworten werden.
Doch der rege Austausch
war eine gute Grundlage
für die weitere Intensivie-

»Hilfe, die Polizei kommt!« – Fachtag im Oktober 2018
Das KEH, der Sozialpsy­
chiatrische Dienst und
auch der Regionale Berliner Krisendienst verfügen
aufgrund regelmäßiger
gemeinsamer Einsätze
über langjährige gute
Kontakte mit der Polizei. Das gilt so nicht für
alle Einrichtungen des
psychiatrischen Versorgungsbereiches Lichtenberg-Hohenschönhausen.
Umgekehrt weiß die
Polizei nur wenig über die
vielfältige Trägerlandschaft
und die hier betreuten
Klientinnen und Klienten.
So entstand im Gemeindepsychiatrischen Verbund
Lichtenberg (GPV) die
Idee, einen Fachtag zu

diesem Thema zu veranstalten. Der Vorschlag traf
auf großes Interesse und
wurde gemeinsam mit
dem Polizeiabschnitt 64
vorbereitet.
So trafen sich am 12.
Oktober 2018 im Saal des
Finanzamtes für Körperschaften in der Magdalenenstraße ungefähr 100
Teilnehmer aus unterschiedlichen Bereichen des
gemeindepsychiatrischen
Versorgungssystems zum
ersten Fachtag. Dazu
gehörten Einrichtungen
der Eingliederungshilfe,
der Sozialpsychiatrische
Dienst, der Krisendienst,
die erwachsenenpsychia­
trischen Abteilungen des

rung der Zusammenarbeit.
So hieß es am Schluss:
»Innovativ, sinnvoll, bitte
weiterführen! Danke«.
Wir arbeiten bereits daran.
Johanna Gernentz

Historie

Dezember 2018 | KEH-Report
Seite 19

Jubiläumsfeierlichkeiten 1968
125 Jahre KEH und 75 Jahre Herzberge

Die versammelte Fest­
gemeinde beim Jubiläum
von Herzberge im Juni
1968

» Es sind mancherlei Gaben,
aber es ist ein Geist«
Unter dieser Überschrift brachte die Pfingstausgabe der Kirchenzeitung am 2./.3 Juni 1968 einen einseitigen Bildbericht zur Jubiläumsfeier des KöniginElisabeth-Hospitals. Über das 125jährige Bestehen
des Krankenhauses im April war bereits in einer der
vorherigen Ausgaben berichtet worden – der Artikel befindet sich aber leider nicht im Archiv des KEH.
»Wir bringen heute einen Bildbericht von diesem Jubiläum«, heißt es in dem knapp gehaltenen Text, «um
daran zu erinnern, dass
der diakonische Einsatz
der Ärzte, Schwestern
und der vielen anderen
Mitarbeiter in unseren
Krankenhäusern
stellvertretend für die ganze
Gemeinde
geschieht.«
Die Jubiläumsfestlichkeiten begannen mit einem Festgottesdienst, der von Pastor Erwin Kunert, dem Vorsteher des Königin-Elisabeth-Hospitals (1955 bis 1976
am KEH), geleitet wurde und in dem Generalsuperintendent D. Albrecht Schönherr predigte, der zu dem
Zeitpunkt Verwalter des Bischofsamtes war. Zwei der
abgedruckten Fotos zeigen, dass für die Feierlichkeiten
der Festsaal im Verwaltungsgebäude genutzt werden
durfte, das zum Städtischen Krankenhaus gehörte. Ein
Baugerüst vor dem Eingang belegt die umfangreichen
Renovierungsarbeiten, über die Prof. Hagemann später
berichtete (s. u.). Über den genauen Ablauf des Tages
liegen keine Informationen vor. Aber es gab eine abwechslungsreiche Festveranstaltung, zu der auch die
Leitung von Herzberge eingeladen und erschienen war.
Pech und Pannen – und doch gelungen
Besser belegt sind Vorbereitungen und Ablauf der
75-Jahr-Feier des Städtischen Krankenhauses. Bereits 1967 wurde eine Jubiläumskommission einberufen. Der Leitung von Herzberge war das Ereignis so
wichtig, dass der Kommission der Ärztliche Direktor
Professor Hagemann, die stellvertretende Ärztliche
Direktorin Frau Dr. Blumenthal, die Verwaltungsdirektorin, die Oberin sowie Vertreter der Gewerk-

Im Jahr 1968 feierten
das evangelische
Königin-ElisabethHospital 125jähriges
und das Städtische
Krankenhaus Herzberge
75jähriges Bestehen.
Beide Jubiläen wurden
auf je eigene Weise
festlich begangen.

Bei der Festveranstaltung
125 Jahre KEH im Festsaal im April 1968

Professor Hagemann
(stehend), Ärztlicher
Direktor des Fachkrankenhauses, als Gast beim
Festbankett des KEH.
Neben ihm sitzt Oberin
Gabriele Trebesius (KEH).

schaftsleitung und der Parteileitung angehörten.
Neben der Programmplanung standen zudem die
Instandsetzung des Verwaltungsgebäudes, die Säuberung der Gartenanlagen und Arbeiten an anderen Bereichen des Hauses auf der Agenda. Der umfangreiche Bericht, den Professor Hagemann später
verfasste, legt beredtes Zeugnis von den zahllosen
Problemen ab, die dabei entstanden. Auch über eine
Namensänderung des Krankenhauses war nachgedacht worden, zu der es aber nicht gekommen ist.
Als der Festtag näher rückte, hatten einige der namhaften Gäste absagt und zudem beschädigte ein
schwerer Sturm kurz vor Beginn die bereits angebrachten Schilder und Plakate. Doch irgendwie ging es dann
doch: »Der Springbrunnen, jahrelang verfallen, rauscht
und die Turmuhr geht. Kosten über Kosten! Aber Herzberge soll leben« schrieb Professor Hagemann.
Der 26. Juni 1968 war ganz dem Thema »Rehabilitation in der Erwachsenen- und Kinderpsychiatrie« gewidmet, mit einem wissenschaftlichen Symposium am Vormittag sowie Vorträgen und Rundtischgesprächen am
Nachmittag. Am Abend tagte die Berliner Gesellschaft
für Neurologie und Psychiatrie in Herzberge, um Stand
und Probleme der psychiatrischen Rehabilitation im
internationalen Rahmen zu diskutieren. Die Veranstaltungen am 27. Juni waren für Mitarbeiter, Veteranen und
Freunde des Krankenhauses gedacht mit Beiträgen zu
Geschichte und Perspektiven des Hauses, am Nachmittag
mit einem Platzkonzert, mit Musik und Tanz am Abend.
»Trotz mancher kleinen und mittelgroßen Panne hat das
Jubiläum seine Rolle in dem Stück ›Herzberge‹ gut gespielt«, so Professor Hagemann. »Es hat erstmalig unsere Vergangenheit sichtbar und unseren Weg deutlicher
erkennbar gemacht.« Ina Herbell/Johannes Lehmann

KEH-Report | Dezember 2018
Seite 20

Aktuelle Termine

Kammerkonzerte am EpilepsieZentrum Berlin-Brandenburg
Kenji Miura – konzentriert und furios

Konzertreihe 2018/2019
Seit mehr als 20 Jahren bringen die »Kammerkonzerte am EpilepsieZentrum Berlin-Brandenburg« klassische und moderne Musik ins
Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH). Im
Herbst 2018 wurde die Reihe fortgesetzt mit einem Klavierkonzert
des herausragenden japanischen Pianisten Kenji Miura, der mit
Werken von Frédéric Chopin das Publikum im gefüllten Festsaal
begeisterte. Am 30. November 2018 (nach Redaktionsschluss) überzeugte das ARVES KLAVIERTRIO mit Davit Khachatryan (Violine),
Rahel Weymar (Violoncello) und Hratschya Gargaloyan (Klavier) mit
Werken von Sergei Rachmaninow, Ludwig van Beethoven, Franz
Schubert und Jean Françaix.
Am Freitag, dem 14. Dezember 2018, klingt die Reihe für dieses
Jahr aus mit einem KONZERT IM ADVENT mit Theresa Pilsl (Sopran),
Caroline Schnitzer (Mezzosopran), Pierre Chastel (Bass) und Marlene
Heiß am Klavier. Beginn um 19 Uhr im Festsaal, Haus 22.
Der Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen.
Am 25. Januar 2019 wird die Konzertreihe fortgesetzt mit dem
»Therapie Jazz Quartett«.

Zehn Jahre Filmreihe
IRRSINNIG MENSCHLICH
Was vor zehn Jahren im Festsaal des KEH ins Leben gerufen wurde,
ist inzwischen fester Bestandteil im Kinoprogramm des CineMotion
Berlin-Hohenschönhausen: die Filmreihe IRRSINNIG MENSCHLICH.
Leider sind auch heute noch Vorurteile bei psychischen Erkrankungen
weit verbreitet. Deshalb wird auch im zehnten Jahr der Filmreihe das
Thema »Seelische Gesundheit« mit seinen vielschichtigen Aspekten
wieder aufgegriffen. Bei ausgewählten Kinofilmen soll der Umgang
mit psychischen Krisen offen diskutiert werden, um gleichzeitig
mögliche Unterstützungsangebote aufzuzeigen. Im Anschluss an
jede Vorstellung stehen professionell und ehrenamtlich Tätige sowie
Expertinnen und Experten aus eigener Erfahrung und Angehörige als
kompetente Gesprächspartner zur Verfügung.
Ansprechpartnerin: Johanna Gernentz
Telefon: (030) 5472 2212, j.gernentz@keh-berlin.de.
•P
 remiere: »Neben der Spur – Von der Depression
aus der Bahn geworfen«, Mittwoch, 13. Februar 2019
Dokumentation, Deutschland 2018, ca. 90 Minuten
• »Treppe aufwärts«, Mittwoch, 13. März 2019
	Drama zum Thema Spielsucht, Deutschland 2016, 98 Minuten, FSK 12
Beginn: 17.30 Uhr, Eintritt: 5 EURO (je Vorstellung)
Kino CineMotion Berlin-Hohenschönhausen
Wartenberger Straße 174, 13051 Berlin
Telefonische Kartenreservierung: (03871) 2 11 41 09
www.cinemotion-kino.de

Orgelkonzerte
im KEH 2019
Ab Februar sind Patienten und Gäste jeweils am ersten Dienstag im
Monat herzlich eingeladen zum Konzert an der historischen TurleyOrgel.
Dienstag, 5. Februar 2019
Konzert für Orgel und Violine
mit Hartmut Angermüller und Steve Hertel
Dienstag, 5. März 2019
An der Orgel: Sebastian Erdmann
Beginn jeweils 16 Uhr. Alte Kapelle, Haus 22.
Der Eintritt ist frei.

Einladung zum Neujahrsempfang
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
wie das Labyrinth auf dem Gelände unseres Krankenhauses, so führte
der Pfad der Erinnerung in diesem Jubiläumsjahr zurück und zugleich
nach innen: zur Mitte unseres diakonischen Auftrags. Ein Labyrinth
ist kein Irrgarten. Wird das Zentrum erreicht, der Mittelpunkt neu
justiert, leitet der Weg zielgerichtet nach außen. Aus der Mitte des
Glaubens heraus gestärkt, setzen wir unseren Versorgungsauftrag im
kommenden Jahr mit erweitertem Angebot fort.
Mit den guten Wünschen für die Weihnachtsfestzeit und das neue
Jahr laden wir Sie herzlich ein zum
Neujahrsempfang, Mittwoch, 9. Januar 2019, 13 Uhr
Geschäftsführung und Krankenhausbetriebsleitung
Ort: Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge
Herzbergstraße 79 10365 Berlin
                            
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