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Periodical volume

Full text: KEH Report Issue 24.2012

??? | KEH-Report Seite 1

Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité

KEH  REPORT
 24 | Februar 2012

20 JAHRE UROLOGIE IM KEH
Versorgungswirtschaft und Fahrdienst im Wandel der Jahre	 Neue Impulse für die Epileptologie	 Die Klinik im Landschaftspark Zwei Jahrzehnte Urologie am KEH 	 »Dienet dem Herrn mit Freuden« 125 Jahre Diakonissenmutterhaus	

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| Editorial |

Liebe Leserinnen und Leser, am Beginn dieses Jahres, der überschattet wird von Problemen im europäischen Währungsraum, wundert es nicht, dass manch einer im Dezember den Weltuntergang erwartet, der aus dem Maya-Kalender heraus-orakelt wird. Demgegenüber orientiert sich das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) eher an dem Martin Luther zugeschriebenen Wort: »Wenn ich wüsste, dass morgen der Jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen« und setzt auch zukünftig auf die bestmögliche Versorgung seiner Patienten. Im Dezember 2011 konnten wir Herrn Prof. Dr. Martin Holtkamp als neuen Chefarzt der Epileptologie begrüßen. Die Sanierungs- und Umbauarbeiten in Haus 2 schreiten unvermindert voran, so dass die Abteilung im Sommer 2013 umziehen und ihre Arbeit unter wesentlich verbesserten Bedingungen fortsetzen kann. Auf hervorragende Diagnostik und Therapie setzt auch die Abteilung Urologie, die im Februar auf ihr 20jähriges Bestehen zurückblickt. Ihre Einrichtung gehört zu den wichtigen Weichenstellungen im damals ebenfalls neu entstandenen KEH unter neuer Trägerschaft. Unter der Leitung von Hartmut Martwig ist aus einem beinahe unüberschaubaren Bereich eine effiziente Versorgungswirtschaft entstanden. Im März werden der Leiter der Abteilung, Hartmut Martwig, und Fahrdienstleiter Hans-Joachim Huhnhold in den Ruhestand verabschiedet. Wir sind dankbar für ihr Engagement und dürfen darauf vertrauen, dass ihre gute Arbeit von ihren Nachfolgern fortgesetzt werden wird. Den Ansprüchen aus sozialer Verpflichtung und Wirtschaftlichkeit stellt sich das KEH seit seinen Gründungsjahren: Die Diakonissen, deren Mutterhaus in diesem Jahr sein 125jähriges Jubiläum begehen kann, stehen für Jahrzehnte sozialen Engagements aus christlichem Glauben in unserem Haus. Soziales Engagement zeichnet ebenso die enge Zusammenarbeit klinischer Bereiche zu Einrichtungen des Bezirkes aus, wie sie sich in der Filmreihe »irrsinnig menschlich« zeigt. Zu diesen und anderen Themen finden Sie Beiträge in dieser Ausgabe des KEH-Report. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre. Mit Dank für die geleistete Arbeit lassen Sie uns die Aufgaben des Jahres 2012 angehen. Michael Mielke, Geschäftsführer
		Inhalt 	 2	Editorial 	 2	 IHK-Urkunde für gute Ausbildung 	 3	 »Gemeinsam träumen« und die Welt verändern Impressionen vom KEH-Neujahrsempfang 	 4	 Versorgungswirtschaft und Fahrdienst im Wandel der Jahre 	 6	 Konzepte und Perspektiven des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg 	 8	 Klinik im Landschaftspark. Zwei Jahrzehnte Die Urologie am KEH 	 9	 Harninkontinenz – oft noch ein Tabuthema

IHK-Urkunde für gute Ausbildung Ende Januar erhielt die Geschäftsführung einen unerwarteten Dankbrief. Darin schrieben der Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Berlin, Dr. Eric Schweitzer, und Hauptgeschäftsführer Jan Eder: »Sehr geehrte Damen und Herren, eine gute Ausbildung für junge Menschen zu ermöglichen, ist eine wichtige Aufgabe der Wirtschaft. Als aktiver Ausbildungsbetrieb fördern Sie jeden Tag den erfolgreichen Start vieler Jugendlicher ins Berufsleben und sorgen so dafür, dass die Berliner Wirtschaft auch in Zukunft auf qualifizierte Mitarbeiter hoffen kann. Für Ihren Einsatz möchten wir uns persönlich bedanken und ihr besonderes Engagement mit einer Urkunde ehren.« Mit 80 Plätzen bildet die Krankenpflegeschule am KEH künftige Pflegekräfte aus. Als Akademisches Lehrkrankenhaus der Berliner Charité sorgt das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge sowohl für die praxisnahe Ausbildung angehender Ärzte wie auch für die nötigen praktischen Erfahrungen von Gesundheitsund Krankenpflegern und Verwaltungsfachkräften.

Michael Mielke Geschäftsführer

	 	 10	 Die richtige Entscheidung 	 11	 »Partnership for Mental Health« 	 12	 »Mein Lohn ist, dass ich darf«. Vor 125 Jahren wurde das KEH-Diakonissenmutterhaus gegründet 	 14	 Neue Patientenverfügung im KEH 	14	 Personalia 	 15	 Aktuelles Baugeschehen: Keine Winterpause 	 15	 Kenntnisse auf breite Basis stellen. Zum Start der Filmreihe »irrsinnig menschlich« 2012 	 16	 Aktuelle Termine 	 16	 Museum Kesselhaus im Kesselhaus

Impressum Herausgeber: Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH, Geschäftsführung und Kranken­ ausbetriebsleitung, h Herzbergstr.79, 10365 Berlin Gestaltung/Produktion: Baumgardt Consultants, Gesellschaft für Marketing & Kommunikation bR Bildnachweis: Elbracht (Bethel) S.  , 8 (u.), 9, 10, 11; J.  Lehmann (KEH) 1 S. 2–7; Privat: S. 8 (o.); Abt. Technik S. 15 (o.); BA Lichtenberg S. 15 (u.); Histor. Archiv des KEH S. 1, S. 12–13; Museum Kesselhaus S. 16. V.i.S.d.P.: Johannes Lehmann Anregungen und Kritik an: j.lehmann@keh-berlin.de Der KEH-Report erscheint viermal jährlich.

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| Aktuelles |

»Gemeinsam träumen« – und die Welt verändern
Impressionen vom KEH-Neujahrsempfang am 6. Januar 2012

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raditionell mit dem Gottesdienst begann der diesjährige Neujahrsempfang des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH) am Freitag, dem 6. Januar 2012. Pfarrerin Ulrike Trautwein, Generalsuperintendentin des Sprengels Berlin, zeigte in ihrer Predigt, wie Träume die Lebenswege, ja letztlich die Welt verändern können. Wie in der biblischen Erzählung von den drei Weisen gelte es, auf den Fingerzeig zu achten und neue Wege zu gehen. Musikalisch-festlich umrahmt wurde die Feier von der Kantorei aus Lobetal. Beim anschließenden Empfang im Festsaal beschrieb Geschäftsführer Michael Mielke die vergangenen 20 Jahre als »Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge« wie Jahre einer Ehe; es gäbe gute und schlechte Zeiten. Inzwischen sei das KEH in der BerlinBrandenburger Versorgungslandschaft fest verankert. Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Oelkers belegte die guten Bilanzen. Mit der Einrichtung der Geriatrie sei der richtige Weg eingeschlagen worden, und das KEH werde auch zukünftig auf die Zeichen der Zeit antworten. In seinem Grußwort beschrieb Gesundheitssenator Mario Czaja die stärkere Verzahnung von ambulanten und stationären Bereichen als wichtige Aufgabe für die
Generalsuperintendentin Pfarrerin Ulrike Trautwein

(v.l.n.r.): Pastor Dr. Johannes Feldmann, Theologischer Geschäftsführer des KEH; Uwe Kropp, KEH-Pflegedirektor; Gesundheitssenator Mario Czaja; Bezirksbürgermeister Andreas Geisel; Dr. Manfred Lang, Ärztlicher Direktor des KEH; Michael Mielke, Kaufmännischer Geschäftsführer; Thomas Oelkers, Aufsichtsratsvorsitzender und Hans-Georg Furian, Superintendent des Kirchenkreises Lichtenberg-Oberspree

Gesundheitssenator Mario Czaja

Amtsärztin Frau Dr. Wein und der neue Lichtenberger Bezirksbürgermeister Andreas Geisel

kommende Zeit. Insbesondere die Aufwertung der Pflege sei ein Vorhaben des neuen Senats – konfessionelle Häuser könnten hier beispielhaft vorangehen. Der neue Lichtenberger Bezirksbürgermeister Andreas Geisel dankte für die gute Zusammenarbeit und stellte Vorhaben der Bezirkspolitik vor. Er schloss ab mit dem Hinweis auf den Fachärztemangel im Bezirk, den er als Konflikt von Arm und Reich, von privat- und kassenversichert beschrieb und den nur eine solidarische Krankenkasse lösen könne. Nach einem Grußwort des Vorsitzenden des Kirchenkreises Lichtenberg-Oberspree, Superintendent HansGeorg Furian, eröffnete Dr. Johannes Feldmann das Büfett und damit die Möglichkeit zum zwanglosen Austausch. Unter den zahlreichen Gästen waren auch Frau Kirchenrätin Susanne Kahl-Passoth, die Bundestagsabgeordnete Dr. Gesine Lötzsch, die Bezirksstadträtin und stellvertretende Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf Dagmar Pohle, der Lichtenberger Bezirksstadtrat Dr. Andreas Prüfer und der Bürgermeister von Bernau, Hubert Handke.

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| 20 Jahre KEH |

Versorgungswirtschaft und Fahrdienst im Wandel der Jahre

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ass in einem Krankenhaus nicht nur Ärzte und Pflegekräfte tätig sind, ist kein Geheimnis. Aber mit den vielen »unsichtbaren« Mitarbeitern im Hintergrund kommen Patienten in der Regel selten in Kontakt. Dabei ist das Krankenhaus wie ein Organismus, in dem alle Teile ineinandergreifen und mit ihrer Arbeit dazu beitragen, dass eine qualitativ hochwertige und den modernen Gegebenheiten angepasste medizinisch-pflegerische Versorgung der Patienten möglich ist. Der Bereich Versorgungswirtschaft zeichnet dafür verantwortlich, dass alle Materialien und Geräte, die neben Medikamenten benötigt werden, rechtzeitig vorhanden sind und dass Patienten und Güter im Haus an den richtigen Ort gelangen. Zum März übergeben zwei langjährig Verantwortliche die Leitung an ihre Nachfolger. Hartmut Martwig, Leiter des Bereichs Versorgungswirtschaft, und Hans-Joachim Huhnhold, Leiter des Fahrdienstes, berichten aus zwanzig Jahren KEH. Als sie ihre Tätigkeit im damaligen »Evangelischen Diakoniewerk Königin Elisabeth« (EDKE) begannen, existierten noch zwei Krankenhäuser nebeneinander auf dem Herzberger Gelände. Das EDKE hatte in den Häusern 1 und 2 nur etwa 240 Betten und war das einzige evangelische Krankenhaus im Ostteil der Stadt. Demgegen­ ber ü verfügte das große städtische »Fachkrankenhaus für Neurologie und Psychiatrie Berlin-Lichtenberg« über etwa die dreifache Bettenanzahl. »Das EDKE war wie ein großer Familienbetrieb«, erinnert sich Hartmut Martwig. »Es gab einen engen Zusammenhalt; teilweise war es wie auf einer Insel.« Die technischen Bereiche waren zu diesem Zeitpunkt – dem Höhepunkt der Ausreisewelle aus der ehemaligen DDR – auch ein Sammelbecken für viele, die aufgrund ihres Ausreiseantrages anderweitig nicht beschäftigt wurden und deshalb Arbeit in einem konfessionellen Haus gesucht hatten. Das brachte nicht nur positive Effekte mit sich – z.  für die Arbeitsmoral. »Die technischen Bereiche B. mussten wieder professionalisiert werden«, fährt er fort.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung

Einkauf Hartmut Martwig (Jahrgang 1947) kam 1987 vom Kabelwerk Oberspree (KWO) als Werkstattleiter ins EDKE. Der gelernte Maschinenschlosser und Maschinenbau-Ingenieur wechselte 1992 aus der Technikabteilung in die Abteilung Wirtschaft und Versorgung, deren Leitung er 1994 übernahm.

Evelyn Strehmann (Jahrgang 1965) ist seit 1998 stellvertretende Abteilungsleiterin. Die Diätassistentin mit einem Fachschulabschluss der Betriebswirtschaft begann im Dezember 1995 im KEH als Mitarbeiterin im Einkauf. Angang März wird sie die Verantwortung für die Abteilung übernehmen.

Vor allem, da ab 1985 die Bauplanungen für Sanierung und Neubau im Bereich der Häuser 1, 3 und 5 begonnen hatten. Das eigens dafür eingerichtete Architekturbüro Wallis leitete die Planungen. Die Häuser mussten vorbereitet und diverse Umzüge organisiert werden. »Der Fahrdienst im EDKE war mit drei Mitarbeitern damals sehr klein«, sagt Hans-Joachim Huhnhold, der seit 1986 den Fahrdienst leitet. »Zwei der drei Häuser hatten einen Aufzug, so dass die Transporte für uns weniger problematisch waren.« Dagegen verfügte das städtische Krankenhaus nur im Haus 2 über einen Aufzug. »Ein Großteil der Patienten und alle Materialien mussten über die Treppenhäuser bewegt oder transportiert werden«, fügt er hinzu. »Da haben z.  auch Patienten mitgeholT. fen.« Das sollte sich bald ändern. Als sich im Jahr 1992 beide Häuser unter dem Dach der Diakonie zusammenschlossen und das »Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge« (KEH) mit 850 Betten entstand, wurden alle Wirtschafts- und Transportbereiche zu den »Zentralen Diensten« zusammengefasst. Leiter der Abteilung war zu dieser Zeit Jürgen Schöning; ab 1994 übernahm Hartmut Martwig die Leitung des Bereiches Versorgungswirtschaft. Der Zusammenschluss machte große Umgestaltungen nötig. Viele Bereiche wa-

Entsorgung

Historisches Archiv

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| 20 Jahre KEH |

Dispatcher und Krankentransport

Bibliothek

Haus 31

Poststelle

Haus 41, Fahrdienst

ren doppelt vorhanden und sollten organisatorisch zu einer Abteilung werden. »Alles musste schnell zusammenwachsen«, so Hartmut Martwig, »klare Strukturen sollten entstehen, die den neuen Gegebenheiten angepasst waren: Transport, Einkauf, Lager, die Bereitstellung aller medizinischen und sonstigen Materialien, Ver- und Entsorgung – und die Arbeitsmoral sollte gehoben werden.« »Der Fahrdienst hatte – gerade im Rahmen der Sanierungsarbeiten – eine Fülle von Aufgaben zu bewältigen« erinnert sich Hans-Joachim Huhnhold. »Ausräumen, Entsorgen, Umzüge – alles wurde dort selber gemacht, wo heute externe Firmen anliefern oder abfahren. Dabei waren in der Umbruchzeit Alkoholprobleme und Arbeitsausfälle unschöne Begleiterscheinungen.« Einige Bereiche gehörten in der Anfangszeit zur Abteilung, wurden aber später anderweitig angebunden, darunter die Wäscheausgabe (mit damals 6 bis 8 Mitarbeitern, heute in der externen Wäscherei), das Krankenblattarchiv (damals vier Mitarbeiter, heute dem Ärztlichen Direktor unterstellt), Einkauf und Lager für Medikalprodukte (heute als Stabsstelle direkt dem Kaufmännischen Geschäftsführer unterstellt) und die Telefonzentrale (mit ca. 8 Mitarbeitern), die nun zur Zentralen Aufnahme und Diagnostik (ZAD) gehört. Auch der Küchenbereich sollte der Versorgungswirtschaft zugeschlagen werden, da der Fahrdienst bereits die Transporte dafür übernommen hatte. Doch der Caterer gründete eine eigene Firma und übernahm damit die Speisenversorgung am KEH. Heute umfasst die Abteilung folgende Aufgabenfelder: • der Einkauf (mit ehemals acht, heute mit drei Mitarbeitern) bearbeitet Investitionen (Möbel, med. Geräte o. a.), Wirtschaftsgüter, die ständig benötigt und im Lagerbereich vorgehalten werden, sowie so genannte Durchläufer (Bestellungen z. B. von Büroartikeln u. a.); • der Fahrdienst (mit ehemals mehr als 30 Mitarbeitern)

Hans-Joachim Huhnhold (Jahrgang 1948) begann 1970 als Kraftfahrer im ev. Krankenhaus. 1986 übernahm der gelernte Betonbauer die Leitung des EDKE-Fahrdienstes, der bis 1992 zur Abteilung Technik gehörte. Peter Busse (Jahrgang 1954) begann 1979 in der Wäscherei des städtischen Krankenhauses. Der gelernte Berufskraftfahrer wechselte zum Fahrdienst, als die Wäscherei an den staatlichen Konzern REWATEX gehen sollte. Seit 1992 ist er stellv. Leiter des Fahrdienstes und übernimmt den Bereich zum 1. März.

ist auch heute mit 21 Mitarbeitern der personalintensivste Bereich der Abteilung. Der Fahrdienst arbeitet als Hol- und Bringedienst rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche. 1992 war zudem der innerbetriebliche Krankentransport aufgebaut worden, um den Pflegebereich zu entlasten. • seit Januar 2012 gehört auch die Dispatcherstelle zur Abteilung, die alle internen Krankentransporte koordiniert; • die Poststelle (ehemals 4 bis 5 Mitarbeiter, heute zwei) besorgt den Ein- und Ausgang der Post für das gesamte Haus, • die Bibliothek gehörte früher zum Bereich des Ärztlichen Direktors und kam vor zehn Jahren zur Versorgungswirtschaft; • im Jahr 2004 wurde das Historische Archiv des KEH eingerichtet und • seit 2007 gehört das Raum- und Veranstaltungsmangement dazu. Trotz weitgehend sozialverträglichen Arbeitsplatzabbaus ist der Bereich immer noch größte Verwaltungsabteilung im KEH. Ende Februar werden die beiden »Chefs« den »Staffelstab weitergeben«. Mit Evelyn Strehmann und Peter Busse übernehmen dann ihre langjährigen Stellvertreter die Verantwortung. »Ich werde in der kommenden Zeit wieder mehr Sport treiben«, freut sich Hartmut Martwig, denn er liebt Bewegung, z.  Tischtennis mit den Interessierten vom B. Museum Kesselhaus, – »und am Haus ist auch genug zu machen«, fügt er hinzu. Für Hans-Joachim Huhnhold heißt die Devise: »Gartenarbeit ohne Ende«. Seinem Hobby will er sich in der kommenden Zeit noch mehr widmen – »und auch mal mit ehemaligen Kollegen ein Bier trinken«.

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| Epileptologie |

Konzepte und Perspektiven des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg
Das Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg (EZBB) ist ein seit April 2001 bestehendes Netzwerk des ehemaligen Epilepsie-Zentrums Berlin am Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge in Berlin und des ehemaligen Epilepsie-Zentrums Lobetal (seit 2003 Epilepsieklinik Tabor) in Bernau – unter Wahrung der jeweiligen Besonderheiten – im Verbund der von Bodelschwinghschen Stiftungen. Seit Anfang 2012 ist Prof. Dr. Martin Holtkamp als Chefarzt der Abteilung für Epileptologie und des Instituts für Diagnostik der Epilepsien am Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) Medizinischer Direktor des EZBB, sein Stellvertreter ist Prof. Dr. Hans-Beatus Straub als Chefarzt der Epilepsieklinik Tabor. Der Medizinische Direktor des EZBB ist Inhaber der durch die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel gestifteten und an der Klinik für Neurologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin eingerichteten »Friedrich von Bodelschwingh-Professur für Epileptologie«, in dieser Funktion ist er auch Leiter des dortigen klinischen und wissenschaftlichen Bereichs Epileptologie.

en Konzepten und Perspektiven des Epi­­­lepsie-Zentrums BerlinBrandenburg (EZBB) liegt das übergeordnete Ziel zugrunde, die Lebensqualität aller Patienten mit Epilepsie nachhaltig zu verbessern. Die seit vielen Jahren auf hohem natio­ alem und n internationalem Niveau bestehende Krankenversorgung soll mit klinischer, experimenteller und translationaler Forschung weiter vernetzt werden, um so neue Ansätze in Diagnostik und Therapie der Epilepsien zu entwickeln. Voraussetzung hierfür ist die konsequente praktische und wissenschaftliche Ausbildung von Studenten, Ärzten, Neurowissenschaftlern und Mitgliedern weiterer Berufsgruppen, die in der Versorgung von Patienten mit Epilepsie direkt und indirekt engagiert sind. Die medizinische Versorgung von Patienten mit Epilepsie erfolgt komplementär an den beiden Standorten des EZBB, dem KEH und der Klinik Tabor in Bernau. Die Bereiche Allgemeine Epileptologie für Erwachsene und Spezielle Epileptologie für Patienten mit mehrfachen Behinderungen sind an beiden Standorten vertreten. Die epileptologische Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie der gesamte Bereich der prächirurgischen Diagnostik ist an den Standort Berlin gebunden, während einer der Schwerpunkte in Bernau die psychotherapeutische Behandlung von Patienten mit Epilepsie und anderen Anfallserkrankungen darstellt. Wichtiger Teil des Versorgungskonzepts ist die ambulante Betreuung der Patienten, die am KEH und in Bernau in Medizinischen Versorgungszentren und – als Teil der erweiterten Netzwerkstruktur des EZBB – am Nervenzentrum Potsdam durch Prof. Dr. Straub sowie an den Hochschulambulanzen an allen drei Standorten der Charité – Universitätsmedizin Berlin unter Leitung von

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Prof. Dr. Holtkamp erfolgt. Komplettiert wird das medizinisch-epileptologische Angebot durch rehabilitative Maßnahmen. Die medizinische Rehabilitation erfolgt in enger Kooperation mit der Neurologischen Rehabilitationsklinik Beelitz-Heilstätten, die berufliche Rehabilitation in enger Kooperation mit dem Berufsbildungswerk »Annedore Leber« in Berlin-Britz. Schwerpunkte der künftigen Arbeit Perspektivisch soll am Institut für Diagnostik der Epilepsien das prächirurgische Monitoring dahingehend intensiviert werden, dass verstärkt Kinder mit pharmakoresistenter Epilepsie hinsichtlich der Möglichkeit eines epilepsiechirurgischen Eingriffs untersucht werden. Ein weiterer Schwerpunkt wird der Ausbau des invasiven Monitorings sein, also die intracranielle EEG-Ableitung mit subduralen und Tiefenelektroden. Ziel ist hier die Bündelung der hochspezialisierten Kompetenzen für den gesamten ostdeutschen Raum. Kooperationspartner im Epilepsiechirurgieprogramm ist die Klinik für Neurochirurgie der Charité. Die mittelfristige Etablierung des Spezialbereichs Neurologische Schlafmedizin in Kooperation mit der Klinik für Neurologie der Charité erscheint aus medizinischer Sicht sinnvoll. Vor dem Hintergrund dieser Perspektiven freuen wir uns auf den Umzug in das dann renovierte und den aktuellen Gegebenheiten angepasste Haus 2 im KEH im Frühjahr 2013. Die enge personelle und strukturelle Verbindung zwischen EZBB und der Charité – Universitätsmedizin Berlin bietet vielfache Möglichkeiten, in Kooperation mit den dortigen neurowissenschaftlichen Einrichtungen die pathophysiologischen Grundlagen der Erkrankung Epilepsie sowie neue Wege in Diagnostik und Therapie zu erforschen. Die sächliche und personelle Ausstattung der Epilepsie-Stiftungsprofessur an der Charité wird zunächst zur Anschubfinanzierung der experimentell-neurophysiologischen Forschung eingesetzt. Ziel ist hier u.  ein a.

Der neue Medizinische Direktor Prof. Dr. Martin Holtkamp

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| Epileptologie |

Chefarztvisite im Erwachsenenbereich

besseres Verständnis der Mechanismen der Anfallsentstehung und -ausbreitung anhand der Untersuchung des Hirngewebes, das Patienten bei den epilepsiechirurgischen Eingriffen entfernt wird. Zur Umsetzung dieses Projektes konnte ein erfahrener Neurowissenschaftler, der bisher im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch tätig war, für die experimentelle Epileptologie an der Charité gewonnen werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die translationale Erforschung der tiefen Hirnstimulation als neues Therapieverfahren in der Epileptologie. Hier besteht ein enges Kooperationsprojekt mit der Klinik für Neurologie und Stereotaktische Neurochirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg, das Projekt wird zudem über vier Jahre finanziell von der Stiftung Charité gefördert. Die klinische Forschung umfasst Studien zur Lebensqualität bei Epilepsie, zu Gender-Aspekten, zum Konsum von Genussmitteln wie Alkohol, zu Gedächtnisfunktionen und zur Neurokognition sowie zur Langzeitprognose der Erkrankung. Da bei chronischen Erkrankungen gerade das Aufzeigen der Prognose wichtiger Teil der Beratung ist, besteht ein mittelfristiges Ziel in der Etablierung einer überregionalen prospektiven Studie zur langfristigen Prognose neu aufgetretener Epilepsien. Letztlich sind wir als Kooperationspartner in eine große klinische Studie zur Validität von Autoantikörperbefunden bei Patienten mit Epilepsie, die der ärztliche Leiter des Epilepsie-Zentrums Bethel, Herr PD Dr. Christian Bien, durchführen wird, eingebunden. Bildung und Öffentlichkeitsarbeit Die Fort- und Weiterbildung von Ärzten und nichtärztlich tätigen Berufsgruppen in klinischen und weiteren Fragen der Epileptologie ist die Voraussetzung, die Qualität der Krankenversorgung zu erhalten und zu verbessern. So sind wir als EZBB maßgebliche Ausrichter von regelmäßigen Fortbildungsveranstaltungen für

Professionelle wie dem Berlin-Brandenburger EpilepsieKolloquium in der Heinrich-Böll-Stiftung sowie – in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Epilepsie Berlin Brandenburg e.  – von Informationsveranstaltungen V. wie dem Epilepsie-Forum für Betroffene und deren Angehörige in der Katholischen Akademie in Berlin-Mitte. Die zentrale Veranstaltung zum »Tag der Epilepsie« wird am 27. Oktober 2012 unter dem Thema »Epilepsie im frühen Kindesalter« im EZBB (Berlin) begangen werden. Als Epilepsie-Zentrum in der Region Berlin-Brandenburg sehen wir unsere Aufgabe auch darin, die Informationsarbeit in Richtung breiter Öffentlichkeit und Politik mit dem Ziel zu betreiben, die Akzeptanz und das Verständnis für die Erkrankung Epilepsie und für die von ihr Betroffenen weiter zu erhöhen. Perspektivisch wird das Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg gemeinsam mit seiner Schwester-Einrichtung, dem Epilepsie-Zentrum Bethel, jährlich an alternierendem Orte ein internationales Epilepsie-Symposium ausrichten. Neben dem wissenschaftlichen Austausch und der vertieften Weiterbildung auf dem Gebiet der Epileptologie werden diese Treffen die führende Rolle der beiden epileptologischen Bodelschwingh-Einrichtungen in Deutschland und darüber hinaus unterstreichen. Zusammengefasst bietet das Epilepsie-Zentrum BerlinBrandenburg zurzeit und zukünftig ein umfassendes medizinisches Angebot für alle Patienten mit Epilepsie. Die »Friedrich von Bodelschwingh-Professur für Epileptologie« ermöglicht die hierzulande einzigartige enge Verbindung eines Comprehensive-CareZentrums für Epileptologie mit einer akademischen Institution. Diese eröffnet die Perspektive, die dargestellten Schwerpunkte einer exzellenten Krankenversorgung und einer herausragenden Epilepsieforschung über einen stabil langen Zeitraum zu realisieren.  Prof. Dr. Martin Holtkamp

Prof. Dr. Straub leitet die Epilepsieklinik Tabor in Bernau Prof. Dr. Holtkamp im Kreis der Mitarbeiter (re.)

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| 20 Jahre Urologie |

Die Klinik im Landschaftspark
Zwei Jahrzehnte Urologie am Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge

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ls ich am 1. Februar 1992 meinen Dienst als ers­ ter Urologe im KEH antrat, tat ich dies zunächst auf einer chirurgischen Station. Doch bereits vier Wochen später betreuten wir 31 urologische Patienten. Für Schwestern und Pfleger war dies ein völlig neues Arbeits- und Aufgabengebiet, jedoch »bekannte« sich das gesamte Team zur Urologie und begann mit Fortbildungen und Hospitationen. In den folgenden Monaten bauten wir, gemeinsam mit Dr. Hahn und unter der Leitung von Prof. Dr. Althaus, eine moderne urologische Abteilung auf. Dazu gehörte nicht nur die aktuellste medizintechnische Ausstattung wie Endoskopie, Elektrochirurgiegeräte, Urodynamik- und Röntgenmöglichkeiten, sondern auch die Einrichtung der Operations- und Arbeitsräume. Sehr wichtig war uns von Beginn an der gute Kontakt zu den ambulant tätigen Kollegen in der Umgebung, mit denen wir gemeinsam die Patienten behandeln und die wir durch die Qualität unserer Arbeit überzeugen konnten. Unterstützend für die Arbeit der Urologie war die Etablierung weiterer Fachabteilungen im Hause; insbesondere Dialyse, Gefäßchirurgie und große Abdominalchirurgie gaben uns die Möglichkeit, das operative Spektrum zu erweitern. Mit externen Onkologen und Strahlentherapeuten finden heute interdisziplinäre Tumorkonferenzen statt. Bessere Verfahren Die Urologie als medizinische Fachrichtung hat sich aber auch in den vergangenen 20 Jahren enorm weiterentwickelt. Wurde beispielsweise Prostata- oder Nierenkrebs im fortgeschrittenen Stadium Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts überwiegend durch Beschwerden festgestellt, die Metastasen verursachen, ist heute oft eine Früherkennung dank gerätetechnischer und labormedizinischer Entwicklungen möglich. Neue, immer nebenwirkungsärmere Operationsmethoden entsprangen dem Erkenntnisgewinn der letzten 20 Jahre. Die Radikaloperation des Prostatakarzinoms ist nicht nur auf verschiedenste Weise möglich, sondern auch zu einem Standardeingriff mit unwesentlichem Blutverlust, guter Kontinenz und teilweise möglichem Potenzerhalt geworden. Kleinere Nierentumore können durch Ultraschall-Schnitt-Technik, Infrarotkoagulation und haemostatische Medikamente organerhaltend operiert werden. Zur Behandlung von Harnsteinen stehen uns durch die Entwicklung dünnster, flexibler, endoskopischer Instrumente in Kombination mit den millimeterdünnen

Holmium-Laserfasern Geräte zur Verfügung, mit denen auch Steine aus der Niere endoskopisch entfernt werden können. Eine Schnittoperation zur Steinentfernung, vor 20 Jahren noch Routine, wird heute fast nicht mehr notwendig. Bei gutartiger Prostatavergrößerung gilt die transurethrale Elektroresektion der Prostata (TUR) immer noch als »goldener Standard«. Daneben wird die Resektion mit dem Holmium-Laser eingeführt. Schnellere Genesung Die Verweildauer unserer Patienten im Krankenhaus hat sich mehr als halbiert, die Zahl der behandelten Patienten verdoppelt. Dies bringt auch enorme organisatorische Herausforderungen mit sich. Neue Strukturen wurden geschaffen. Die Gebäude werden bis heute unter Berücksichtigung des Denkmalsschutzes umgebaut und weiter modernisiert. In der Zuwendung zum Patienten, auf modernstem wissenschaftlich-technischem Stand, in Einheit mit intakter Natur und Umwelt sehen wir die beste Möglichkeit für eine schnelle Genesung.
Dr. Robert Kössler

Dr. Robert Kössler, leitender Oberarzt der Urologischen Abteilung

Bösartige Neubildungen der Niere, des Nierenbeckens und des Harnleiters Krankenhausfälle mit Operation
Fallzahl 120 100 80 60 40 20 0 1 KEH 3 4 5 6 7 8 79 71 108

65 65 62

56

52 49

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3 2 1 1 1 1 1 1 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22

Krankenhäuser
SenGesUmV Krankenhausplanung, ID2 Quelle: InEK Daten, Berlin 2010

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| 20 Jahre Urologie |

Harninkontinenz – oft noch ein Tabuthema
Urologische Diagnostik und Therapie im KEH as Symptom des unfreiwilligen Urinverlustes wird von Ärzten und Fachgesellschaften als »Harninkontinenz« bezeichnet und ist ein noch oft stark tabuisiertes Leiden, welches bei Männern und Frauen in allen Altersstufen vorkommen kann, wobei Frauen drei- bis viermal häufiger betroffen sind, als Männer. Allein in Deutschland leiden mehrere Millionen Menschen daran, so dass zu Recht von einer Volkskrankheit gesprochen werden kann – und durch zunehmende Lebenserwartung kommt der Harninkontinenz eine immer größere medizinische und gesellschaftliche Bedeutung zu. Der einzelne Betroffene ist nicht fähig, den Zeitpunkt des Wasserlassens selbst zu bestimmen. Dies kann verschiedene Ursachen haben wie z. B. Störungen des Speicherorgans Harnblase, des Kontinenzorgans Harnröhre, Harnblasenschließmuskel und Beckenbodenmuskulatur, der Nerven, welche diese Organe versorgen, oder eine vergrößerte Vorsteherdrüse beim Mann. Da Harninkontinenz also durch unterschiedliche Störungen anatomischer und neurologischer Funktionen verursacht werden kann, werden verschiedene Inkontinenzformen unterschieden, woraus sich zum Teil auch unterschiedliche therapeutische Möglichkeiten ableiten. Formen der Inkontinenz Besonders häufig sind Drang- und Belastungsinkontinenz sowie eine Mischform dieser beiden. Unter Belastungsinkontinenz, früher auch als Stressinkontinenz bezeichnet, versteht man den unwillkürlichen Harnverlust bei körperlicher Belastung, Niesen, Husten oder Lachen. Sie ist die vorherrschende Inkontinenzform bei Frauen und ist durch eine Funktionsstörung des Harnverschlussapparates bedingt, wie z. B. bei einem geschwächten Beckenboden nach Entbindungen oder durch Übergewicht. Beim Mann tritt die Belas­ tungsinkontinenz eher selten auf, hier vor allem nach operativen Eingriffen an der Vorsteherdrüse oder nach Unfällen. Dranginkontinenz ist die vorherrschende Inkontinenzform bei Männern und gekennzeichnet durch ein starkes Harndranggefühl im Zusammenhang mit einem unwillkürlichen Harnverlust. Der Betroffene leidet an einem ständigen Harndrang, der nicht unterdrückbar ist und zu häufigen Toilettengängen zwingt, wobei nur geringe Harnmengen entleert werden, es aber oft bereits auf dem Weg zur Toilette zum Harnverlust kommt. Bei dieser Form der Inkontinenz ist der Verschlussmechanismus der Harnröhre eigentlich intakt, jedoch liegt eine Fehlfunktion der Blase vor, die vor allem durch ungehemmte Kontraktionen des Blasenmuskels oder aber durch eine übersteigerte Blasensensibilität verursacht werden. Als Mischharninkontinenz wird jede Inkontinenz bezeichnet, die sowohl Symptome der Drang- als auch solche der Belastungsinkontinenz aufweist. Als weitere

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Kathrin Triebe

Inkontinenzformen sind Überlaufinkontinenz und neurogene Inkontinenz/Reflexinkontinenz erwähnenswert. Bei der Überlaufinkontinenz liegt häufig eine Abflussbehinderung im Bereich des Blasenausgangs vor, wie z.  B. eine Prostatavergrößerung beim Mann oder ein Vorfall von Scheide, Blase oder auch Gebärmutter bei der Frau. Aber auch eine verminderte oder fehlende Kontraktilität des Blasenmuskels durch Alterungsdegeneration oder medikamentöse Nebenwirkungen können häufig eine Überlaufinkontinenz verursachen. Der Blasenmuskel wird hierbei langfristig überdehnt, es kommt zum Überlaufen der Harnblase, wobei der Patient ein ständiges Tröpfeln beschreibt. Bei der neurogenen Inkontinenz, auch Reflexinkontinenz genannt, liegt die Ursache in einer Störung der blasenversorgenden Nerven, des Rückenmarks oder des Gehirns, so dass es zu einer Fehlfunktion der Blase mit erhöhter Blasenaktivität oder auch geringerer Blasenaktivität mit Restharnbildung und Überlaufinkontinenz kommt. Erkrankungen, die mit dieser Inkontinenzform einhergehen, können beispielsweise Wirbelsäulenverletzungen mit Querschnittslähmung, Schlaganfall oder langjähriger Diabetes sein. Zur Diagnose bei Inkontinenz Sorgfältige Diagnostik hat zum Ziel, die Harninkontinenz bezüglich kausaler Faktoren, der Inkontinenzform und -menge sowie des Patientenleidensdruckes zu objektivieren. Am Beginn steht das ausführliche Gespräch zwischen Urologen und Patienten zur Erhebung der Symp­ ome und t Begleitumstände sowie des Ausmaßes des unwillkürlichen Urinabganges einschließlich der Auswertung eines Trink-, Miktions- und Inkontinenztagebuches. Dazu gehört auch die Erfassung der Krankengeschichte mit der Dokumentation von Operationen, chronischen Erkrankungen und Medikamenteneinnahmen, ergänzt durch eine gründliche allgemeine, urologisch-gynäkologische sowie neurologische körperliche Untersuchung. Es folgen eine Harnuntersuchung zur Beurteilung von Zellmaterial und Bakterien im Urin und eine Ultraschalluntersuchung, die mit Zugang über den Bauch, teilweise aber auch über Scheide und Rektum durchgeführt wird und Informationen über die Organe im Bauch und Becken einschließlich des Restharnes nach Miktion liefert. Gegebenenfalls kommen spezielle Röntgenaufnahmen der Blase und der ableitenden Harnwege (z.  Miktionszysturethrographie), eine BlasenspieB. gelung (Zystoskopie), eine Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie) und eine Blasendruckmessung (Zystomanometrie/ Urodynamik) zum Einsatz, wobei letztere ein wichtiges Instrument zur Differenzierung der Inkontinenzform darstellt.  	 (weiter auf der nächsten Seite)

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| 20 Jahre Urologie |

Behandlung der Inkontinenz In der Bewertung aller erhobenen Befunde wird eine individuell angepasste Behandlung entwickelt. Allen Inkontinenzdiagnosen gemeinsam ist, dass zunächst konservative Therapiemaßnahmen ausgeschöpft werden sollten. Dabei kommen einerseits der Gebrauch von Vorlagen und Inkontinenzhilfen (z.  Urinalkondom) oder B. Urinableitsystemen zum Einsatz wie andererseits eine Verhaltenstherapie mit Optimierung des Trinkverhaltens und gezieltem Toilettentraining, d. h. Einüben einer regelmäßigen und willkürlich gesteuerten Blasenentleerung. Gezielte krankengymnastische Übungen (Beckenbodengymnastik) mit dem Ziel der Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur und eine vaginale oder rektale Elektrostimulationstherapie sind weitere Behandlungsoptionen. Bei der medikamentösen Therapie kommen lokale vaginale Östrogenanwendungen, Präparate zur Stärkung des Schließmuskels (Duloxetin), Medikamente mit dämpfender Wirkung auf die Harnblase zur Verbesserung der Drangsymptomatik und Blasenkapazität bei überaktivem Blasenmuskel (Anticholinergika) sowie Medikamente zur Senkung des Blasenauslasswiderstandes (z.  Alphablocker) bei Blasenentleerungsstörung mit B. Restharn/Überlaufinkontinenz zum Einsatz. Operative Methoden Zur operativen Therapie der Harninkontinenz kommen in unserer Klinik entsprechend der Patientensituation und der Inkontinenzform verschiedene moderne OPMethoden zum Einsatz. Bei der Dranginkontinenz steht z. B. die Botox-Injektion zur Wahl. Botulinum-Toxin ist das stärkste bekannte Gift, aber in richtiger Dosierung auch als Medikament einsetzbar, dabei wird das Medikament stark verdünnt
Die richtige Entscheidung Als erster Chefarzt der Urologie am KEH hatte Prof. Dr. med. Peter Althaus im Jahr 1992 die Aufgabe übernommen, die neue Abteilung einzurichten. Dabei kamen ihm seine Erfahrungen beim Aufbau der Urologie im Neubau der Berliner Charité zugute, wo er als Leiter und Chefarzt der Urologischen Fachabteilung fast zwanzig Jahre (1973 – 1991) tätig war. Gemeinsam mit Dr. Michael Hahn und Dr. Robert Kössler, die aus dem Krankenhaus Friedrichshain ans KEH gewechselt waren, gelang es, innerhalb von zwei Monaten eine moderne urologische Abteilung einzurichten, die es im HInblick auf das Leistungsspektrum mit großen urologischen Abteilungen in Berlin aufnehmen konnte. »Wir haben beim Aufbau der Abteilung immer großzügige Unterstützung erfahren«, erinnert er sich gern. »Die ›Chemie‹ stimmte von Anfang an, und neben dem eindrucksvollen Gelände war für mich wirklich bemerkenswert, was im Haus von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geleistet wurde.« Weniger angenehm

Seit 2009 leitet Chefarzt Dr. Michael Hahn die Abteilung Urologie am KEH.

bei einer Blasenspiegelung über eine dünne Nadel an sehr vielen Stellen in den überaktiven Blasenmuskel eingespritzt, der somit »ruhig gestellt« wird. Diese Behandlung führt bei vielen Patienten zu einer deutlichen Besserung ihrer Beschwerden für einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten, danach muss die Behandlung wiederholt werden. In schweren Fällen einer Dranginkontinenz mit anatomisch oder funktionell kleinkapazitärer Blase kann vereinzelt eine Harnblasenaugmentation zur Vergrößerung der Blasenkapazität bei erhaltener Kontrolle des Sphinkterapparates gute Ergebnisse erzielen, wobei eine Autoaugmentation mit Spaltung des Blasenmuskels (Detrusormyotomie) und Erhalt der Blasenschleimhaut oder eine Augmentation mit Darmanteilen zum Einsatz kommt. Von der Überlaufinkontinenz sind vorwiegend Männer betroffen, bei denen eine Abflussbehinderung im Bereich des Blasenausgangs z. B. durch eine Prostatavergrößerung vorliegt. Diese wird bei uns durch eine klassische »Ausschabung« der Prostata (TUR-P) oder eine Laserresektion der Prostata (HOLEP) operativ behandelt. Bei einer Belastungsinkontinenz der Frau ist die Kolposuspension nach BURCH, bei der das seitliche Scheidengewölbe über Halte-Nähte an einer festen körpereigenen Bandstruktur im kleinen Becken angehoben wird, über Jahre hinweg die wichtigste Korrekturoperation gewesen. Die spannungsfreien Vaginalbänder haben die Behandlung der Belastungsinkontinenz seit Mitte der 1990er Jahre als minimal invasive Operationen

waren die Ereignisse, die den renommierten Arzt und Wissenschaftler zum Wechsel aus dem größten Berliner Klinikum ins viel kleinere Allgemeinkrankenhaus bewogen. Nachdem er – aufgrund sich später als haltlos erweisenden Verdächtigungen – fristlos entlassen worden

war, äußerte er in einem Zeitungsinterview, sich vorstellen zu können, in einem konfessionellen Krankenhaus zu arbeiten. Daraufhin hatte ihn der damalige Krankenhauschef, Pastor Thomas Passauer, angesprochen. Kurze Zeit später erklärte sich Prof. Althaus bereit, die Urologie am KEH aufzubauen und zu leiten – unterschrieb den Vertrag als Chefarzt aber erst, als alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe aus dem Weg geräumt waren. Mit dem Aufbau der Urologie konnte das KEH nicht nur das Versorgungsspektrum für seine Patienten

erweitern, sondern hat auch an Attraktivität gewonnen. »Mit dem Neubau von Haus 105 standen drei hochmoderne OP-Säle zur Verfügung, die durch die urologischen Operationen auch besser genutzt werden konnten«, fährt Prof. Althaus fort. Die Urologie leistet mit einer Auslastung von ca. 90 % einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität des Krankenhauses. »Die Hauptsache aber ist für die Patienten und für mich, dass wir Urologie auf hohem Niveau praktizieren können und sich die Abteilung dadurch einen guten Ruf erworben hat.«

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| 20 Jahre Urologie |

Urologie auf hohem Niveau und operative Erfahrung begründen den guten Ruf der Abtei­lung.

mit hervorragenden Langzeitergebnissen revolutioniert. Die Abkürzung TVT steht dabei für »tension free vaginal tape« (deutsch: spannungsfreies Vaginalband). Bei diesem Verfahren wird ein Gewebeband unter der Harnröhre eingelegt und im Bereich des Unterbauches ausgeleitet. Ziel des Bandes ist es, die Harnröhre bei Belastung zu stabilisieren und den unwillkürlichen Urinverlust aufgrund eines insuffizienten Verschlussmechanis»Partnership for Mental Health« Kooperationstreffen mit Gesundheitspolitikern und Psychiatern aus der Ukraine Im Rahmen des Modellprojekts »Partnership for Mental Health« war vom 14. bis 19. November 2011 der Gesundheitsminister der Region Odessa, Mykhaylo Bartko, zu Gast in der Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Begleitet wurde er vom Direktor des psychiatrisch-neurologischen Dispensairewesens, Herrn A. Voloshchuk, und dem Professor für Psychosomatik an der Medizinischen Universität Odessa, Herrn M. Pustovoy. Die Gäste aus der Ukraine waren gekommen, um die gesetzlichen Regelungen für die Versorgung psychisch kranker und behinderter Menschen in Deutschland sowie die Strukturen und Einrichtungen der gemeindenahen, komplementären psychiatrischen Angebote kennenzulernen. Der Austausch zwischen ukrainischen und deutschen Psychiatern hat im Jahr 2008 begonnen. Seit 2010 wird das Modellprojekt »Partnership for Mental

mus zu verhindern. Alternativ zum TVT kann auch ein so genanntes TOT-Band eingesetzt werden. TOT steht dabei für »trans-obturator tape«. Im Unterschied zum TVT erfolgt bei diesem Band die Ausleitung nicht im Unterbauch, sondern seitlich in den Oberschenkelbeugen auf Höhe der Schamlippen. Der Vorteil dieser Variante ist, dass es zu weniger Verletzungen der Harnblase kommt. Als ultima Ratio kommt bei der hochgradigen Belas­ tungsinkontinenz in unserer Klinik seit vielen Jahren der künstliche Blasenschließmuskel (AMS 800) zum Einsatz, der die Funktion eines gesunden Schließmuskels imitiert und die Harnröhre solange geschlossen hält, bis der Patient urinieren will. Dies geschieht durch die Bewegung von Kochsalzlösung durch die drei Systemkomponenten: eine Manschette, die bei der Frau um den Blasenhals, beim Mann meist um die hintere Harnröhre implantiert wird, eine Pumpe und einen Druck regulierenden Ballon. Die Komponenten sind durch flexible Schläuche miteinander verbunden. Will der Patient Wasser lassen, wird die Pumpe betätigt, die beim Mann im Hodensack, bei der Frau in der großen Schamlippe platziert ist. Dadurch wird die Flüssigkeit aus der Manschette in den Ballon gepumpt. Die leere Manschette drückt die Harnröhre nicht länger zusammen und der Urin kann aus der Blase fließen. Nachdem die Blase geleert ist, wird die Flüssigkeit automatisch aus dem Ballon zurück in die Manschette geleitet, die sich wieder füllt und damit die Harnröhre erneut schließt. Die Harninkontinenz stellt an uns Urologen hohe Anforderungen, denen wir im KEH mit Jahrzehnte langer Erfahrung und einer patientenorientierten Diagnostik und Therapie erfolgreich begegnen.
Kathrin Triebe Fachärztin für Urologie am KEH

Prof. Diefenbacher Health« des Bundesgesundheitsministeriums durch regelmäßige Kooperationstreffen verwirklicht, um den Reformprozess der ukrainischen Psychiatrie zu unterstützen, der in vielem der Situation zur Zeit der bundesdeutschen Psychiatrie-Enquete ähnelt.

Es geht um die Verlagerung aus großen Fachkliniken fern der Wohnorte, hin zur Behandlung in wohnortnahen ambulanten Netzwerken der psychiatrischen Behandlung und Hilfen. Dafür müssen noch viele – auch materielle – Voraus­ setzungen geschaffen werden. Vor allem aber geht es um die Anerkennung und Stärkung der Rechte von psychisch kranken Menschen. Dafür sind realistische Reformziele zu definieren und das multiprofessionelle Handeln der beteiligten Berufsgruppen muss entwickelt werden.

Das Arbeitsprogramm war sehr vielfältig und dicht gefüllt mit Kontakten und Besuchen von Einrichtungen. Höhepunkte waren dabei die Gespräche mit dem Psychiatriebeauftragten des Berliner Senats, Heinrich Beuscher, mit der Berliner Patientenbauftragten, Karin Stötzner, sowie die Besuche beim Sozialpsychiatrischen Dienst Lichtenberg und bei der Berliner Informations- und Beschwerdestelle Psychiatrie (BIP). Der Abschied war verbunden mit dem Versprechen, den Erfahrungsaustausch rege fortzusetzen.

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| Diakonissenjubiläum |

»Mein Lohn ist, dass ich darf«
Vor 125 Jahren wurde das KEH-Diakonissenmutterhaus gegründet Gründung am 20. März 1887 Im rasch wachsenden Berlin wurde für den 1844 errichteten Neubau des »Elisabeth Kinder-Hospitals« am Halleschen Tor eine Erweiterung nötig. An der Rixdorfer Allee, an der Hasenheide, konnte ein Grundstück gefunden werden, und am 8. Juli 1885 fand die Grundsteinlegung statt. Vor dem Umzug sollte eine lange geplante Veränderung der inneren Organisation zum Abschluss gebracht und das Hauspersonal nach Kaiserswerther Vorbild zu einer evangelischen Schwesternschaft zusammengefasst werden. Dazu war eine neue Dienstordnung erstellt, beraten und angenommen worden. Am Sonntag, dem 20. März 1887 fand im alten Hospital eine Abschiedsfeier statt. Dabei wurden die Oberin Anna von Lancizolle und neun Schwestern, die bereits längere Zeit in der Anstalt tätig waren, auf die neue Hausordnung verpflichtet und erhielten durch Hofprediger Stöcker den kirchlichen Segen als Schwes­ tern des Elisabeth-Kinder-Hospitals. Die neu gegründete Diakonissenschaft gab sich als Losung für ihre Arbeit das biblische Motto »Dienet dem Herrn mit Freuden« (Psalm 100,2). Als Lebens- und Dienstgemeinschaft im evangelischen Glauben prägten die Diakonissen über 100 Jahre die Krankenpflege im Haus. Die feierliche Einweihung des Neubaus in der Hasenheide fand am 21. März 1887 statt. Am 23. März 1887 konnten die Patienten in Droschken oder – wenn sie liegen mussten – in großen Möbelwagen umziehen. Mittelpunkt des Lebens und Wirkens Das Mutterhaus war Lebensmittelpunkt der Diakonissen. Hier lebten und arbeiteten sie, hier verbrachten sie ihre Freizeit und ihren Lebensabend. Bevor eine Schwes­ er Diakonisse werden konnte, musste sie in der t Regel fünf bis sieben Jahre als Probeschwester arbeiten. Die Oberin wies ihr dabei ihre Tätigkeit im Mutterhaus zu. Schwestern, die jünger als 18 Jahre waren, wurden zunächst mit Haus-, Küchen- und Näharbeit beschäftigt. Erst später arbeiteten sie in der Krankenpflege. War die Probezeit bestanden, wurde auf Antrag der Oberin im Hausvorstand über die Aufnahme in die Schwesternschaft beraten. Gab es keine Bedenken, wurde die Schwester, die dazu bereit war, auf die Ordnung des Hauses verpflichtet und erhielt den kirchlichen Segen. Eine Schwester sollte bei ihrer Einsegnung nicht unter 21 Jahre und nicht älter als 32 Jahre sein – aber es gab auch Ausnahmen. Der Diakonisse wird im Rahmen des Einsegnungsgottesdienstes ein kirchliches Amt übertragen. Die daran gebundene Aufgabe nimmt die Diakonisse im Auftrag Jesu Christi und in der Gemeinschaft des Mutterhauses wahr.

Die Diakonissentracht Der Begriff »Diakonie« (grch. diakonia) bedeutet »Dienst«. Im 19. Jahrhundert gehörten grenzenlose Armut, Kinderarbeit, katastrophale Wohnbedingungen, mangelnde Ernährung und Hygiene zum Alltag. Der evangelische Theologe Theodor Fliedner schuf Abhilfe. Mit der Gründung der Bildungsanstalt für evangelische Pflegerinnen in Kaiserswerth bei Düsseldorf am 13. Oktober 1836 begann die Pflegediakonie und … zugleich die öffentliche Akzeptanz der berufstätigen Frau. Nach Kaiserswerther Vorbild entstanden viele Diakonissenhäuser in Deutschland. Diakonissen sollten durch einheitliche Tracht als Trägerinnen eines kirchlichen Amtes erkenn-

Zahlreiche Aufgabenfelder Am 13. und 14. September 1898 wurde das Diakonissenmutterhaus des EKH in den Kaiserswerther Dia­ konissenmutterhausverband aufgenommen. Diakonis­ senmutterhäuser bildeten die Schwestern aus und entsandten sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben auch an andere Orte. Diakonissen wirkten als Kindergärtnerinnen oder als Gemeindeschwester, die neben der Versorgung der Kranken zugleich verschiedene Tätigkeiten in der Kirchengemeinde ausübte, Gruppen und Veranstaltungen betreute oder die Orgel spielte. Im Jahr 1890 hatte Pfarrer Johannes Erdmann Lenz das Erholungsheim Kolberger Deep in Pommern gegründet, in dem sich arme und kränkliche Großstadtkinder an der Ostsee erholen konnten und das ebenfalls von Diakonissen geleitet wurde. Doch die Krankenpflege mit ihren Spezialisierungen war der Arbeitsschwerpunkt der Diakonissen im Haus. 1907 wurde die Krankenpflegeschule des Elisabeth-Kinder-Hospitals gegründet. Dort erhielten die Schwestern in allen Gebieten der Krankenpflege ihre Ausbildung. Probemeisterinnen begleiteten die praktische Ausbildung der Probeschwestern. Neben der Krankenpflegeausbildung hatte die Schwes­ ter sich selbstverständlich an allen Arbeiten im Haushalt zu beteiligen. Oberin Anna von Lancizolle leitet das Mutterhaus bis 1903. Ihr Amt übernahm Gräfin Lilli Reventlow. Umzug nach Oberschöneweide 1908 wurde der Grundstein für einen weiteren Neubau in der Karlshorster Chaussee (heute Treskowallee) in Oberschöneweide gelegt. Über die Behandlung von Kindern hinaus sollte nun auch die Versorgung Erwachsener in den Bereichen Chirurgie und Innere Medizin übernommen werden. Die offizielle Einweihung und Umbenennung in »Königin Elisabeth Hospital« (130 Betten) fand nach dem Umzug am 25. November 1910 statt. Diakonissen stellten das Pflegepersonal im neuen Allgemeinkrankenhaus und leiteten das Erholungsheim Kolberger Deep. In den Kriegsjahren 1914     wurden – 18

bar sein. Zum Diakonissenkleid gehörte die in der Biedermeierzeit verbreitete Rüschenhaube der verheirateten Frau: als äußeres Sinnbild ihrer »Vermählung mit Christus« – sie waren gewissermaßen »unter die Haube« gekommen.

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| Diakonissenjubiläum |

sämtliche Ärzte des Hauses ins Feld geschickt. Auch Diakonissen leisteten Pflegedienste an der Front. Zusätzlich entstand in der Treskowallee ein Reserve-Lazarett mit 150 Betten. Im Kolberger Deep wurden Verwundete betreut. In der Nachkriegs- und Inflationszeit hatte das Haus mit starken Einschränkungen zu kämpfen. Erst ab 1924 besserten sich die Bedingungen wieder. 1936 wurde das Haus umfangreich saniert. Mit dem Nationalsozialismus brachen für Mutterhaus und Krankenhaus unruhige Zeiten an. Nach dem Ausscheiden von Gräfin Lilli Reventlow folgte Adelheid Crome 1936 im Amt der Oberin, das sie jedoch nur bis 1937 wahrnahm. Ihre Nachfolgerin war ab 1938 Thea von Prittwitz und Gaffron als kommissarische Oberin bis 1939. Mit Kriegsbeginn am 1. September 1939 wurde eine Luftschutzrettungsstelle eingerichtet. Die Versorgung gestaltete sich immer schwieriger, da durch Einberufungen ein erheblicher Mangel an Schwestern und Ärzten auftrat. Mitte Januar 1940 wurde Gertrud Wüstenhagen das Amt der Oberin übertragen, das sie krankheitsbedingt nur bis zum Mai des Jahres ausüben konnte. Anfang 1941 starb Pfarrer Otto Hegner. Damit war das Haus praktisch führungslos. Das Kuratorium versuchte – so gut es ging – alle Geschäfte zu erledigen. Eine geänderte Satzung wurde beschlossen. Schwes­ ter Luise Schulze leitete die Diakonissen als stellvertretende Oberin. Bemühungen um eine neue Oberin blieben ohne Erfolg. So wurde Schwester Helene Retzlaff am 14. März 1941 der Titel übertragen, den die über Siebzig­ jährige bis 1944 trug – den Hauptanteil der Arbeit erledigte Schwester Luise Schulze. Mitte August 1943 kam der Krieg auch nach Berlin. Krankenhäuser wurden evakuiert und an sichere Orte verlegt. Erst im Februar 1944 wurde die Diakonisse Elisabeth Schwarzkopff zur neuen Oberin berufen. Das Seehospiz in Kolberger Deep betreute in dieser Zeit viele Kinder aus gefährdeten Gebieten. Als die Front das Gebiet erreichte, wurde die Versorgung im März 1945 eingestellt und die Schwestern kamen nach Berlin. Nach Kriegsende 1945 wurde ein Teil des Krankenhauses von der Roten Armee besetzt und als Lazarett genutzt. Ende 1945 zogen Mutterhaus und Krankenhaus in eine Schule in Berlin Friedrichshagen. Ende 1946 erfolgte der Umzug auf das Gelände des Städtischen Krankenhauses in BerlinLichtenberg. Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 kam es zu einem besonderen Engpass: Außer den zwei Chefärzten waren fast alle Ärzte aus Westberlin und konnten ihren Dienst nicht mehr ausüben. Für den inneren Zusammenhalt sorgten in dieser Zeit die Diakonissen, bis sich die Lücken wieder schlossen. Dennoch wurde

Die Diakonissen beim 25jährigen Dienstjubiläum von Oberin Reventlow 1928 in Oberschöneweide. Seite 12: Der Kindergarten in Oberschöneweide um 1930

Die Oberinnen Anna von Lancizolle (1835–1916) war die erste Oberin im Diakonissenmutterhaus. 1887 zusammen mit neun Schwestern eingesegnet – gehörten im Lauf der Jahre über 140 Diakonissen zum Mutterhaus. Sie leitete die Schwesternschaft bis 1903. Gräfin Lilli Reventlow (1903 – 1935) Adelheid Crome (1936 – 1937) Thea v. Prittwitz u. Gaffron (kommiss. 1938 – 1939) Gertrud Wüstenhagen (kommiss. 1940) Helene Retzlaff (Titularoberin 1941 – 1944) Elisabeth Schwarzkopff (1944 – 1953) Hildegard Duchstein (1954 – 1958) Gabriele Trebesius (1959 – 1978) Gudrun Schaele (1978 – 1981) Brigitte Krause (1982 – 1989) Margot Strachotta (1995 – 2011)

ihr Kreis immer kleiner. Waren es 1945 noch mehr als 50 Diakonissen, ging ihre Zahl im Lauf der Jahre stetig zurück. Die älteren Schwestern konnten ab 1955 ihren Ruhestand im Feierabendheim in Ravenstein bei Berlin verleben, einer Villa, die dem KEH 1953 geschenkt worden war. 1980 waren noch fünf Diakonissen im aktiven Dienst, von den ehemals zwölf Gemeindeschwestern nur noch eine. 1945 gehörten drei von Diakonissen geleitet Kindergärten zum Haus – 1961 wurde der letzte in andere Hände gegeben. Das Amt der Oberin in dieser schwierigen Zeit hatte Hildegard Duchstein inne (1954 – 1958). Als ihre Nachfolgerin wurde 1959 Gabriele Trebesius als letzte Diakonisse in das Amt der Oberin berufen, das sie bis 1978 ausübte. Abgabe der Verantwortung Im Gegenzug stieg jedoch die Zahl der Verbandsschwes­ tern und des Pflegepersonals. Da schließlich der Nachwuchs für das Mutterhaus als Träger des Krankenhauses fehlte, änderten sich auch die Leitungsstrukturen: es wandelte sich vom Diakonissenmutterhaus zum Diakoniewerk. 1976 wurde Pfarrer Thomas Passauer zum Vorsteher berufen. 1978 übernahm mit Gudrun Schaele erstmalig eine diakonische Schwester das Amt der Oberin eines Diakonissenmutterhauses. Am 15. Juni 1980 wurde in der neuen Satzung des Diakoniewerks, das bereits in den 1950er Jahren eingerichtet worden war, der Name »Evangelisches Diakoniewerk Königin Elisabeth« (EDKE) beschlossen. Im gleichen Jahr gab das Diakonissenmutterhaus die Verantwortung für das Krankenhaus an das EDKE ab. 1992 erfolgte die Zusammenführung des KEH und des Städtischen Krankenhauses zum Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge. Bis 1994 verbrachten die Diakonissen des KEH ihren Ruhestand im Feierabendheim Ravenstein. Heute leben sie im Diakonissenmutterhaus Lazarus in Berlin. Von 1982  1989 war Brigitte Krause Oberin. Letzte Oberin –  des Diakonissenmutterhauses wurde 1995 Margot Strachotta, die das Amt bis 2011 innehatte und derzeit die pensionierten Diakonissen betreut.

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| Personalia |

Neue Patientenverfügung im KEH

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as Krankenhaus ist der Ort, wo sich die Menschen mit Recht Heilung von einer Krankheit oder zumindest Linderung von Beschwerden erhoffen. Die moderne Medizin hat uns selbst bei schwersten Erkrankungen Behandlungsmöglichkeiten verschafft, die noch vor kurzer Zeit unvorstellbar waren. Zahlreiche Krankheiten, die für unsere Vorfahren den sicheren Tod bedeuteten, sind heute heilbar. Mit den Möglichkeiten der Medizin können aber auch Menschen am Leben erhalten werden, die sich in einem Zustand befinden, den sie überhaupt nicht für lebenswert halten. Nicht wenige Menschen haben daher Angst vor einer »Apparatemedizin«, die sie künstlich am Leben erhält. Immer erzeugen Gedanken an schwere Krankheiten oder gar an das Lebensende sorgenvolle Fragen: Werde ich große Schmerzen haben? Werde ich vor mich hindämmern und ohne Bewusstsein sein? Kann ich zuhause sterben, oder wird man mich ins Krankenhaus oder eine Pflegeeinrichtung bringen? Werden Menschen da sein, die mir beistehen? Es ist hilfreich, solchen Fragen nicht auszuweichen. Sprechen Sie mit Nahestehenden und Angehörigen darüber. Wenn Sie sterbenskrank sein sollten, oder aus anderen Gründen nicht selber Ihren Willen äußern können, brauchen Sie einen Menschen, der Ihre Interessen und Wünsche kennt und der für Sie in dieser Situation sprechen und handeln kann. Seit dem 1. September 2009 ist ein Gesetz über Patientenverfügungen und für eine Vorsorgevollmacht in Kraft. Das Gesetz unterscheidet zwischen verbindlichen Patientenverfügungen und Behandlungswünschen. Verbindliche Patientenverfügungen, also die im Vorhinein erteilte Einwilligung oder Ablehnung bestimmter Maßnahmen für bestimmte Situationen, sind

Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité

Patientenverfügung

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Wir stellen die neue Ausgabe der Patientenverfügung vor am Donnerstag, 26. April 2011, um 15 Uhr im Clubraum, Haus 22. Ein Richter vom Betreuungsgericht Lichtenberg wird zum Thema Betreuungsrecht sprechen, der amtierende Vorsitzende unseres Ethik-Komitees Rechtsanwalt Dr. Börgers wird die neue Ausgabe der Patientenverfügung vorstellen. Wir laden herzlich zur Veranstaltung ein.

genauso bindend wie eine aktuelle Willensäußerung einwilligungsfähiger Patienten. Dies gilt allerdings nur für schriftliche Verfügungen volljähriger Patienten. Sie sind von allen Beteiligten unbedingt zu beachten. Aber auch allgemeiner formulierte Behandlungswünsche, selbst wenn sie keine verbindliche Patientenverfügung sind, sind wichtig. Niemand kann im Vorhinein alle möglichen Krankheitsbilder und -situationen aufschreiben. Häufig sind konkrete Festlegungen in der Patientenverfügung nicht exakt zutreffend. Da helfen allgemeine Behandlungswünsche zur Ermittlung des mutmaßlichen Patientenwillens. Ärzte, Betreuer und Vorsorgebevollmächtigte haben in diesen Fällen zwar einen größeren eigenen Beurteilungsspielraum als bei der verbindlichen Patientenverfügung. Der kann aber gerade in unklaren Situationen eine wichtige Entscheidungshilfe für die Therapie sein. Um einen früher geäußerten wirklichen oder mutmaßlichen Patientenwillen des einwilligungsfähigen Patienten durchzusetzen, wird ein Vorsorgebevollmächtigter oder Betreuer benötigt. Daher ist die Erteilung einer Vorsorgevollmacht und einer Betreuungsverfügung von zentraler Bedeutung. Sie dokumentieren damit, dass im Notfall dieser Mensch für Sie entscheiden darf. Sinnvoll ist es, alle Möglichkeiten zu kombinieren, d. h. • eine konkrete Patientenverfügung zu treffen; • allgemeine Behandlungswünsche zu äußern; •  ine Vorsorgevollmacht mit Betreuungsverfügung e zu erteilen. Das Ethik-Komitee im Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge hat vor einigen Jahren eine Patientenverfügung erstellt, die von vielen gerne genutzt wurde. Wir haben eine neue und überarbeitete Fassung erarbeitet. Da nicht selten eine Krankheit der Auslöser ist, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, bieten wir unseren Patienten und ihren Angehörigen mit dieser Patientenverfügung eine Möglichkeit, ihren Patientenwillen festzulegen und Behandlungswünsche zu äußern.  Winfried Böttler

Wir begrüßen als neue Mitarbeiterinnen und Mit­ rbeiter im KEH a ■	 Seit Januar 2012 Dr. Michael Braun Facharzt Geriatrie Lou Giuliani Ärztin Chirurgie Dr. Miriam Gottberg Ärztin Kinder/Jugendpsychiatrie Pina Nadine Grühn Ärztin Kinder/Jugendpsychiatrie Karoline Hintze Gesundheits-/ Krankenpflegerin Station CH 1 Frank Hübner Fachkraft f. Arbeitssicherheit, Technik Abt. IV Nina Naroditski Krankenschwester Intensivmedizin Grit Perlick Operationsschwester Chirurgie Gesine Schau Ärztin Intensivmedizin Frank Stolze MA Controlling Controlling Andreas Tabbert Oberarzt Zentrale Aufnahme und Diagnostik Gunter Weiß Arzt Anästhesie Silvia Woy Casemanagerin Controlling ■	 Seit Februar 2012 Carsten Adam Assistenzarzt Neurologie Stefanie Bubath Sozialarbeiterin Soziale Dienste Claudia Dambacher Diplom-Psychologin Psychiatrie/Psychotherapie Dr. Annika Magdalena Hahn Assistenzärztin Neurologie Katrin Herberger Diplom-Pädagogin Spezialambulanz Felix Kirschnick Gesundheits-/ Krankenpfleger Station CHG 1 Dr. Julia Rack Fachärztin ZAD/Notaufnahme

Das KEH haben verlassen ■	 Im Januar 2012 Dr. Jürgen Grabow Assistenzarzt ZAD/Notaufnahme Antje Jenster Fachärztin Intensivmedizin Franziska Luxenburger Ergotherapeutin Institutsambulanz KJP Monika Neumann Mediatorin Pflegedienstleitung Phil-Malte Niggemann Assistenzarzt Intensivmedizin Bianca Saß Gesundheits-/Krankenpflegerin Station EP 3 Dr. Bettina Wächter Assistenzärztin Epileptologie Dr. Evelin Witkowski EDV-Koordinatorin IT-Abteilung ■	 Im Februar 2012 Wiebke Haberbeck Diplompsychologin Neurologie (im März 2012) Hans-Joachim Huhnhold Leiter Fahrdienst Wirtschaft/Versorgung Hartmut Martwig Abteilungsleiter Wirtschaft/Versorgung Dr. Daniel Pach Assistenzarzt Neurologie Eva Weiß Psychologin Psychiatrie/Psychotherapie

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| Aktuelles |

Aktuelles Baugeschehen: Keine Winterpause Trotz der hereingebrochenen Kältephase werden die laufenden Sanierungsarbeiten nicht unterbrochen. Wenn auch Instandsetzung und Erneuerung der Infrastruktur im Außenbereich witterungsbedingt so lange ruhen, bis mildere Temperaturen die Fortführung ermöglichen, schreitet der Ausbau in Haus 2 unvermindert voran. Die Bemusterung ist inzwischen abgeschlossen. Die künftigen Nutzer haben anhand des Musterzimmers Ihre Vorstellungen äußern können, und die Bestellung der Möbel etc. wurde entsprechend modifiziert. Inzwischen sind die beteiligten Firmen mit dem Innenausbau beschäftigt. Entsprechend den Vorgaben des Denkmalschutzes müssen Fassaden, Fenster und Dach sowie im Innenbereich Treppenhäuser

und Farbskizzen erhalten werden. Die anderen Bereiche des Hauses werden nach neuesten Erkenntnissen und gemäß Krankenhausbetriebsordnung um- und ausgebaut. Fertigstellung und Bezug von Haus 2 für den Bereich Epileptologie sind für 2013 geplant. Die Kosten für die gesamten Baumaßnahmen (Sanierung der Häuser 2 und 4 und Erneuerung der Infrastruktur) werden rund 22 Mio. Euro betragen. Aus der vom Senat bereitgestellten Fördermittelsumme von 20 Mio. Euro und dem Eigenanteil des Krankenhauses von ca. 1,8 Mio. Euro beträgt der Auftragswert der vergebenen Bauleis­ tungen derzeit etwa vier Millionen Euro. Davon wurden 2009/10 etwa 700.000 Euro und im Jahr 2011 zwei Mio. Euro an Fördermitteln gezahlt. Für das Jahr 2012 wird ein Fördermittelbetrag von fünf Haus 2 Blick ins Musterzimmer

Millionen Euro erwartet. Trotz einer leichten Bauverzögerung, die durch Planungs- und Ausschreibungsmodifikationen entstanden ist, liegt die Gesamtmaßnahme im Terminund Kostenplan, da dieser zeitweilige Rückstand keine Auswirkungen auf die Endfertigstellung haben wird. Mario Menzel

Kenntnisse auf breite Basis stellen
Zum Start der Filmreihe »irrsinnig menschlich« 2012
»Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen unserer Zeit. Nach Angaben der WHO durchleben mindestens 27 Prozent der EU-Bevölkerung mindestens eine Krankheitsperiode, Tendenz steigend. Die Behandlungskosten für psychische Erkrankungen betragen drei bis vier Prozent des Bruttosozialprodukts... Das Wissen über psychische Erkrankungen scheint jedoch nur langsam anzusteigen« – so hieß es in einer Information des Bezirksamts Lichtenberg zur Pressekonferenz am 6. Februar 2012 zum diesjährigen Start von »irrsinnig menschlich«. Denn um die Kenntnisse über psychische Erkrankungen und ihre Symptome zu verbessern, gibt es seit 2009 diese Filmreihe – ein Gemeinschaftsprojekt des Bezirksamts Lichtenberg und des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH) mit dem Kino CineMotion. Im Rahmen der Reihe werden bekannte und attraktive Kinofilme zu bestimmten zum Thema: Psychose. Erstmalig ist in diesem Jahr auch der Verein »Freunde fürs Leben« mit Fachleuten dabei »Es geht um Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen», erläuterte Dr. Christina Hennig vom KEH. »Wir wollen zeigen, dass psychische Krankheiten behandelbar sind.« Das KEH als Teil des Gemeindepsychiatrischen Verbundes GPV engagiert sich – zusammen mit anderen Akteuren – nicht nur in diesem Projekt. Bereits davor hatte sich die Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik unter der Leitung von Prof. Dr. Diefenbacher gemeinsam mit der Berliner Charité bei einer Filmreihe im EISZEIT Kino engagiert. Dr. Sandra Born, Leiterin der Planungs- und Koordinierungsstelle Gesundheit im Bezirksamt, verwies auch auf die Vortragsreihe »Psychiatrie im Alltag«, die im Vorfeld vom KEH angeboten und durch die Filmreihe erweitert worden ist. Einmalig in Berlin sei auch das Engagement des Kinos. »Die Filmreihe ist gut angekommen«, bestätigte Chris Töpfer vom Kino CineMotion. »Es gibt für den aktuellen Film bereits Kartenreservierungen.«

Filmreihe »irrsinnig menschlich« Das weitere Programm für 2012 Kino CineMotion Wartenberger Str. 174 13051 Berlin-Hohenschönhausen Beginn: jeweils um 17.30 Uhr, Eintritt: 4,50 € •  ittwoch, 14. 3., »Candy« M (Sucht/Heroinabhängigkeit) •  ittwoch, 18. 4., M »Small World« (Demenz) •  ittwoch, 13. 6., M »Die anonymen Romantiker« (Angst/Phobie) •  ittwoch, 12. 9., M »Ordinary People – Eine ganz normale Familie« (Depression) •  ittwoch, 14. 11., M »Snow Cake« (Autismus)

Krankheitsbildern gezeigt. Im Anschluss besteht für das Publikum die Möglichkeit, sich in einer moderierten Gesprächsrunde mit Fachärzten, Psychologen und Soziologen im »geschützten Rahmen« eines Kinosaals über psychiatrische Krankheitsbilder zu informieren. Die diesjährige Reihe startete am 8. Februar mit dem Film »Black Swan«

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| Veranstaltungen | 
Termine Aktuelle Ausstellung »Rückschau« Ölgemälde von Volker Thomas 19. Januar – 8. März 2012, Museum Kesselhaus Donnerstag, 8. März 2012, 19 Uhr Finissage Orgelkonzert Matthias Suschke an der historischen Turley-Orgel Dienstag, 6. März 2012 16 Uhr, Alte Kapelle, Haus 22
Eintritt frei.

Orgelkonzert Ulrike Schindler an der historischen Turley-Orgel Dienstag, 3. April 2012 16 Uhr, Alte Kapelle, Haus 22
Eintritt frei.

Kammerkonzert Die Camerata musica »Jean Baptiste Loeillet« spielt Werke der Barockzeit Donnerstag, 19. April 2012 19 Uhr, Alte Kapelle, Haus 22
Eintritt frei.

Vernissage Bilder und Skulpturen der Künstlergruppe KLIN Donnerstag, 31. Mai 2012 19 Uhr, Museum Kesselhaus Die Ausstellung ist vom 31.5. bis zum 2.7.2012 zu sehen. Lange Nacht der Bilder Kunstaktionen zu den zehn deutschen Literatur-Nobelpreisträgern 15 – 1 Uhr KEH und Museum Kesselhaus Orgelkonzert Matthias Elger an der historischen Turley-Orgel Dienstag, 5. Juni 2012 16 Uhr, Alte Kapelle, Haus 22
Eintritt frei.

Berlin Brandenburger Epilepsie Kolloquium Mittwoch, 21. März 2012 17.30 – 19 Uhr Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin Fallvorstellung und Vortrag von Ingrid Coban, Bielefeld: »Epilepsie in der Arbeitswelt – Beratung anhand praktischer Beispiele«
Die Veranstaltungsreihe ist durch die Ärztekammer Berlin mit 2 Fortbildungspunkten und durch die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie mit 1 Punkt zertifiziert.

Vernissage »Geschichtenbilder – Gegensätze und Verbindungen« Ölmalerei und Enkaustik von Claudia Clemens und Constance Schrall Mittwoch, 4. April 2012 19 Uhr, Museum Kesselhaus Die Ausstellung ist vom 4.4. bis zum 22.5.2012 zu sehen. Evangelische Gottesdienste zum Osterfest Karfreitag, 6. April 2012 10 Uhr, Alte Kapelle, Haus 22 Pfarrer Dr. Reich Ostersonntag, 8. April 2012 10 Uhr, Alte Kapelle, Haus 22 Pfarrer Böttler Berlin Brandenburger Epilepsie Kolloquium Mittwoch, 18. April 2012 17.30 – 19 Uhr Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin Fallvorstellung und Vortrag von Heidrun Potschka, München: »Warum Antiepileptika bei manchen Patienten nicht wirken – experimentelle Erklärungen«

Ethik-Café Zum Betreuungsrecht und Präsentation der neuen Patientenverfügung im KEH Donnerstag, 26. April 2012 15 Uhr, Clubraum, Haus 22 Orgelkonzert Beate Kruppke an der historischen Turley-Orgel Dienstag, 8. Mai 2012 16 Uhr, Alte Kapelle, Haus 22
Eintritt frei.

Internationaler Abend »Bornholm« (Werner Junge) Dienstag, 22. Mai 2012, 19 Uhr, Museum Kesselhaus,
Kostenbeitrag: 3 €

Internationaler Abend »Aids, Malaria, Tuberkulose – die großen Seuchen der Gegenwart« (Prof. Sieghart Dittmann) Dienstag, 27. März 2012 19 Uhr, Museum Kesselhaus (Vereinsraum)
Kostenbeitrag: 3 €

Berlin Brandenburger Epilepsie Kolloquium Mittwoch, 23. Mai 2012 17.30 – 19 Uhr Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin Fallvorstellung und Vortrag von Thomas Mayer, Radeberg: »Epilepsie online – Anfälle im Netz«

Großes Chorkonzert Der Seniorenchor Bella musica aus Berlin Karlshorst und der Pankower Jugendchor singen gemeinsam Samstag, 16. Juni 2012 16 Uhr, Haus 22, Festsaal
Eintritt frei.

Museum Kesselhaus im Kesselhaus Seit Januar ist im Museum Kesselhaus (Blankensteinsaal) eine Attraktion zu bewundern: das Kesselhaus als originalgetreues und detailgenaues Modell im Maßstab 1:25. Bis zum zeitigen Frühjahr kann es hier besichtigt werden. Danach wird es zusammen mit den Modellen zahlreicher anderer Bauten aus Berlin und dem Umland im Modellpark Berlin/Brandenburg in der Wuhlheide aufgestellt werden. Der Park ist wie eine Landkarte der Region angelegt und zeigt seit 2007 Bauwerke aus den Berliner Bezirken

und den Brandenburger Landkreisen. Das Kesselhaus wurde in den Jahren 1889 bis 1893 als Wärmezentrale für das Gelände der damaligen psychiatrischen Anstalt Herzberge gebaut und ist heute technisches und Psychiatrie-Museum. Neben drei Generationen von Dampfkesseln zeigt es Ausstellungen zum Architekten Hermann Blankenstein, zur Geschichte des Krankenhauses und bietet Raum für die Ausstellung von Werken bildender Künstler. Das Museum ist dienstags von 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt 2 €, ermäßigt 1 €.
        
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