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Periodical volume

Full text: KEH Report Issue 26.2012

Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité

KEH  REPORT
 26 | September 2012

WAS ZUR HEILUNG DAZU GEHÖRT
Langer Tag der StadtNatur 2012	 20 Jahre KEH: Die Arbeitszweige zukunftssicher machen	 Defiziten vorbeugen – demenzfreundliches Essen im KEH	 Das Intensivmedizinische Zentrum am KEH	

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KEH-Report | September 2012 Seite 2

| Editorial |

Liebe Leserinnen und Leser, »Mens sana in corpore sano« – diese lateinische Redewendung nach einem Ausspruch des römischen Dichters Juvenal, galt als Inbegriff des antiken Schönheitsideals: wo ein »gesunder Geist in einem gesunden Körper« wohnt, da findet sich ein »vollkommener« Mensch. Bereits in der Antike war bekannt, dass eine »gesunde Seele« ebenso dazu gehört – aber die Psyche galt damals noch als Domäne der Götter. Erst in der Neuzeit wurden wirksame Methoden zur Behandlung von seelischen Störungen entwickelt. In der jüngeren Vergangenheit ist der Aspekt der »gesunden Umwelt« hinzugetreten, nachdem erkannt wurde, dass soziale und urbane Bedingungen ebenso krank machen können. Durch bessere Lebensumstände, höheren Lebensstandard und eine umfassendere medizinische Versorgung werden Menschen in unserer Gesellschaft deutlich älter als in früheren Generationen. Und dass zur Gesundheit mehr gehört als nur die Abwesenheit von Schmerz ist zu einer Art Volksweisheit geworden. So werden Krankenhäuser in verschiedenen Konzepten als »Gesundheitshäuser« oder »Wellness-Anstalten« gedacht. Dennoch wird das auch in Zukunft wohl nur für die wenigsten Kliniken gelten. Wenn es sich nicht eine Art Kurklinikum handelt, sondern die alltägliche Behandlung von Akutpatienten im Vordergrund steht, dann besteht schon allein in der Wahrnehmung der Behandelten der Wunsch, die Krankheit »loszuwerden« und so schnell wie möglich wieder in die eigenen vier Wände zurückzukommen. Im Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) sollen alle genannten Aspekte bei der Behandlung berücksichtigt werden. Im Gegensatz zum »klassischen Ideal« aber gilt die Sorge nicht der Realisierung einer Wunschvorstellung, sondern der Therapie für Menschen, wie sie tatsächlich sind: ob mit oder ohne Beeinträchtigung, ob sie einem Schönheitsideal entsprechen oder nicht. In den zwanzig Jahren seines Bestsehens als »Gesamtkrankenhaus« sind sowohl in den somatischen als auch in den psychiatrisch, psychotherapeutischen und psychosomatischen Abteilungen umfassende Modernisierungen erfolgt. Die beiden Bereiche, die in dieser Aus		 Inhalt 	 2 	 Editorial 	 3 	 Auf der Höhe der Zeit 	 4 	 Langer Tag der StadtNatur 2012 	 5 	 »Gedenken fühlbar machen...« 	 6 	 Entspanntes Miteinander 	 6 	 Beim Jahresfest in Lobetal 	 7 	 Märchenhafter Nachmittag 	 8 	 Die Arbeitszweige zukunftssicher machen 	 10 	 Zertifizierung im Blick 	 11 	 Defiziten vorbeugen 	 12 	 Die Ausnahme ist der Normalfall

gabe des KEH-Report vorgestellt werden, sind Beispiele dafür: die Neurologie mit ihrem Chefarzt Dr. Andreas Kauert, dessen offizielle Einführung wir begehen konnten, wie auch das moderne Intensivmedizinische Zentrum. Um den Standards der Behandlung gerecht zu werden, ist fortlaufende Weiterbildung nötig, so wie sie uns in den Beiträgen zum »Pflegefachtag intensiv« oder im Kongressbericht der Krankenpflegeschule begegnet. Dass in diesem Zusammenhang die Bedürfnisse älterer Patienten besondere Berücksichtigung finden, zeigt das Beispiel aus der Abteilung Gerontopsychiatrie.
Michael Mielke Geschäftsführer

Der vollkommene Mensch spielt wohl derzeit nur noch in obskuren GenLaboratorien oder in Science Fiction-Filmen eine Rolle. Die Themen »Gesundheit« und »Inklusion« aber nehmen im öffentlichen Diskurs immer breiteren Raum ein. Hinter die Ansprüche an eine ganzheitliche Behandlung, die Körper, Geist, Seele und Umwelt einbezieht, können Krankenhäuser – im Interesse der Patientinnen und Patienten – nicht mehr zurück.

Welche Bedeutung darüber hinaus die spirituelle Ebene hat, belegen die Ausführungen von Frau Kirchenrätin Susanne Kahl-Passoth, die in einer schwierigen Phase des Krankenhauses als Theologin in verantwortlicher Position viele Weichenstellungen für die zukünftige Entwicklung unseres Hauses begleitet hat. Einer gesunden Umwelt dienen das Engagement des KEH für das Projekt »Landschaftspark Herzberge« und die vielfältigen kulturell-künstlerischen Aktivitäten. Die Teilnahme an der diesjährigen, inzwischen traditionellen »Langen Nacht der Bilder« im Bezirk hat bereits im Vorfeld zu einer denkwürdigen Ausstellungseröffnung geführt. Rück- und Vorausschau auf Feste und Veranstaltungen bezeugen die Bedeutung eines gesunden Arbeitsklimas für das Zusammenarbeiten und -leben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Moderne Medizin und Psychotherapie, Seelsorge, gesunde Umwelt und kulturvolles Miteinander für jeden Patienten gehören im KEH zusammen. Ich bin dankbar für die Bereitschaft vieler, an dieser Entwicklung mitzuwirken. Sie bildet die Grundlage für gemeinsames, erfolgreiches Handeln. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine interessante Lektüre. 
Michael Mielke Geschäftsführer

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Vielfältige Herausforderungen Exotische Kaktusblüte Strategisches Controlling und Unternehmensentwicklung (Teil 2) Wir waren dabei! Aktuelles Baugeschehen Blindheit heilen helfen Personalia Kunst-Workshop unter freiem Himmel Konzertreihe wird fortgesetzt Aktuelle Termine

Impressum Herausgeber: Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH, Geschäftsführung und Kranken­ ausbetriebsleitung, h Herzbergstr.79, 10365 Berlin Gestaltung/Produktion: Baumgardt Consultants, Gesellschaft für Marketing & Kommunikation bR Bildnachweis: Elbracht (Bethel) S. 10 (o.), 20; J. Lehmann (KEH) S. 1–7, 10 (m./u.), 11–15, 17 (u.), 18; DWBO S. 8; Hist. Archiv des KEH S. 9; Privat: S. 16; KPS S. 17 (o.); Privat: S. 19. V.i.S.d.P.: Johannes Lehmann Anregungen und Kritik an: j.lehmann@keh-berlin.de Der KEH-Report erscheint viermal jährlich.

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| Aktuelles |

Auf der Höhe der Zeit
Einführung von Dr. med. Andreas Kauert als Chefarzt der Abteilung Neurologie

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ls Leitender Oberarzt hatte Dr. med. Andreas Kauert bereits seit einiger Zeit Verantwortung für die Abteilung getragen und war im März 2011 zum Chefarzt der Abteilung Neurologie berufen worden. Im Rahmen eines Gottesdienstes wurde er am 18. Juni 2012 offiziell als Chefarzt eingeführt. Beim anschließenden Empfang dankte ihm Geschäftsführer Michael Mielke für sein Engagement und gab gute Wünsche für die Abteilung und persönlich für den Chefarzt weiter. Dabei nannte er Dr. Kauert einen »Preußen im besten Sinne«, der die übertragenen Aufgaben mit hoher Motivation angenommen und auch schwierige Situationen ohne Murren mitgetragen hätte. Die Fachvorträge beim darauf folgenden wissenschaftlichen Symposium beleuchteten aktuelle Entwicklungen in der Neurologie sowie die weitreichenden Therapiemöglichkeiten im Rahmen des Gefäßzentrums Berlin am KEH. Prof. Dr. Karl-Ludwig Schulte, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin am KEH, stellte im Rahmen seines Beitrags »Stent-PTA der Karotisstenose« einen Vergleich an von operativen Verfahren, medikamentöser Behandlung und Stent-Setzung bei Verschlüssen der das Hirn mit Blut versorgenden Arterie (Carotis). Dabei galt sein Hauptaugenmerk der Frage, welchem Verfahren bei über 75jährigen Patienten der Vorzug zu geben sei. Modern Gefäßstützen (Stents), wie sie auch im KEH verwendet werden, passen sich der Form des Blutgefäßes an und setzen auch nicht so schnell wieder zu – sind aber auch sehr teuer. Dennoch wäre dieses Verfahren bei einer höheren Lebenserwartung durchaus anwendungswert, sollte aber nur von erfahrenen Zentren mit hohem Patientendurchlauf durchgeführt werden. »Shuntverfahren bei der Rekonstruktion hirnversorgender Arterien« war das Thema des Vortrags von PD Dr. Hans Scholz, Chefarzt der Gefäßchirurgie am KEH. Lebendig schilderte er die Problemlagen bei der operativen Behandlung einer Carotis-Stenose. Filigrane und innovative Techniken sind nötig, um z.B. den Einschluss von Blutbläschen oder das Abdriften gelöster Teile eines Thrombus zu verhindern. Für die Behandlung stehen viele Formen künstlicher Blutgefäße (Shunts) zur Verfügung, die z. T. in der Abteilung entwickelt worden sind und international eingesetzt werden. Dr. Dimitre Staykov von der Neurologischen Klinik der Universitätsklinik Erlangen betrachtete »Aktuelle Aspekte zur Hypothermiebehandlung bei akutem Hirninfarkt«. Er stellte verschiedene Verfahren zur Kühlung der Patienten vor, die angewendet werden, um bei

Der Ärztliche Direktor des KEH, Dr. Manfred Lang (l.), und Geschäftsführer Michael Mielke (r.) im Gespräch mit Dr. Andreas Kauert

akutem Schlaganfall Nekrosen und ihre Ausbreitung im Gehirn zu vermeiden. Die Universitätsklinik forscht auf diesem Gebiet, da bislang wenig gesichertes Studienmaterial zur Verfügung steht. Es wird immer wichtiger, auf verlässliche Werte bei unterschiedlichen Verfahren der Kühlung, zu Dauer und Schnelligkeit ihrer Anwendung, zugreifen zu können, um die Folgen eines Schlaganfalls zu mindern. Zum Abschluss berichtete Dr. Andreas Kauert unter der Überschrift »Entwicklung der Neurosonologie am KEH« über hochauflösende Sonografieverfahren, die in der Abteilung Neurologie des KEH Anwendung finden.

Prof. Dr. Karl-Ludwig Schulte (l.), KEH, und Dr. Dimitre Staykov von der Universitätsklinik Erlangen Gute Wünsche für Dr. Andreas Kauert aus der Abteilung

Beim Gottesdienst in der Alten Kapelle

PD Dr. Hans Scholz, Chefarzt der Gefäßchirurgie am KEH, bei seinem Vortrag

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| Aktuelles |

Langer Tag der StadtNatur 2012

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as Wetter meinte es nicht so gut am Wochenende des 16. und 17. Juni 2012 zum »Langen Tag der StadtNatur«. Dennoch wurde im Rahmen des stadtweiten Veranstaltungsprogrammes an der benachbarten Schafweide über den »Landschaftspark Herzberge« informiert. An verschiedenen Ständen konnten sich die Besucher ein Bild über den Fortgang des Projekts machen – und natürlich waren auch die Schafe mit dabei. Parallel dazu hatte die Berliner Galerie Tammen & Partner ins Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) eingeladen: zu einem Besuch der Freiluftausstellung »Balance« mit dem Künstler und Stahlbildhauer Pit Kroke, dessen Werke derzeit gemeinsam mit Plastiken von Werner Pokorny auf dem Gelände zu sehen sind. Führung mit Pit Kroke Pit Kroke, 1940 in Fürstenwalde geboren, stellte sich gern den Fragen der Besucher. Der Absolvent der Berliner Hochschule der Künste hatte seine Studien als Meisterschüler bei Hans Uhlmann abgeschlossen. Er lebt und arbeitet auf Sardinien und in Berlin. Seine großen raumgreifenden Skulpturen sind seit 1980 in öffentlichen Stadträumen von München, New York, Duisburg, Hannover, Dortmund oder Berlin mit großer Beachtung gezeigt worden. Auf dem KEH-Gelände sind seine Werke »2 TTRO« und »Sanoa«, »Danao« (Rondell) und »TEU« zu sehen.

»Ich mache alles, wozu Handwerker in der Lage sind« lautet sein Credo. Auf Sardinien entworfen, können seine großen Stahlplastiken überall hergestellt werden, wo eine Metallwerkstatt entsprechend ausgestattet ist. Die Gebilde aus Sechs-Millimeter-Blechen werden gebogen, verschweißt und mit einem Spezialanstrich versehen. »Ich mag es matt«, sagt er. Pit Kroke lässt sich von der Natur inspirieren, entwickelt die Entwürfe zweidimensional, um sie dann in seiner Phantasie in die räumliche Dimension zu überführen. Dabei ist seine Frau sein wichtigstes Korrektiv: »Sie hat einen guten Blick«, meint er und lässt ihre Kritik jederzeit zu. Pit Kroke bevorzugt Orte, an denen seine Werke mit der Umgebung korrespondieren und so »sprechen« können. Gemeinsam mit dem Galeristen Werner Tammen hatte er die Standorte für seine Plastiken auf dem KEH-Gelände ausgewählt. Kunst zur Heilung Das ab 1888 errichteten denkmalgeschützte Parkgelände des KEH mit seinen historischen Backsteingebäuden ist eingebunden in den großflächigen Freizeitund Erholungsraum »Landschaftspark Herzberge«. Die Begegnung von Medizin mit heiler Umwelt und Kunst auf dem großartigen Gelände soll den Heilungsprozess unterstützen. Denn alle Impulse, die dem Alltagsleben Sinn und Halt geben: Kommunikation, Kultur und Lebensfreude können zur Heilung beitragen. So war parallel zur Führung auch der Festsaal im Hauptgebäude gut gefüllt. Für Patienten und Gäste sangen der Seniorenchor Bella musica aus Berlin Karlshorst und der Pankower Jugendchor an diesem Nachmittag gemeinsam. Es war ein gelungener Auftakt für einen Sommer mit zahlreichen Begegnungen von Medizin und Kunst in heiler Umwelt, die Im KEH stattfanden.

Plastik von Werner Pokorny auf dem Rondell vor dem Hauptgebäude

Chorkonzert im Festsaal

Pit Kroke vor seinem Werk DANAO

»Mittagsgespenst« – Plastik von Trak Wendisch vor dem Hauptgebäude (links) Entsorgung Markante CortenstahlKompositionen von Herbert Mehler

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| Aktuelles |

»Gedenken fühlbar machen...«

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m Vorfeld der diesjährigen Lichtenberger Langen Nacht der Bilder wurde auf dem Gelände des KEH eine außergewöhnliche Ausstellung eröffnet. Michael Gollnow, Mitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft für Seelische Gesundheit, hatte ein Arrangement von Schaukästen, Fotos und Texten in die seit langen Jahren leerstehenden Räume der alten Pathologie des KEH (Haus 28) gebracht. Allgegenwärtig dabei die grauen Busse, die Menschen mit Beeinträchtigungen im Rahmen der T4-Aktion in den Tod chauffiert hatten, und graue Züge – mit Endstation in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten. Bei der Eröffnung am 7. September 2012 sagte Pfr. Winfried Böttler, dass sich das Krankenhaus mit seiner traditionsreichen Psychiatrie in der Verantwortung sehe, immer wieder auf diese schrecklichen Verbrechen hinzuweisen. Nach Dankworten von Dr. Werner Baumgart, Kulturring e.V., an alle Beteiligten, erinnerte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse in seiner Ansprache an Artikel 1 des Grundgesetzes: Die unantastbare Würde des Menschen sei nicht abhängig von Reichtum, Schönheit oder der Eleganz des Ellenbogeneinsatzes. Sie sei gesetzliche Verpflichtung und zugleich ein ständiger Auftrag an Christen, Humanisten, letztlich an alle. Er äußerte seine Freude darüber, dass der Deutsche Bundestag endlich ein Denkmal für die Opfer der T4-Aktion beschlossen habe. »Angesichts des Grauens der Euthanasie, das im Bereich des kaum Vorstellbaren liegt, hat es vielleicht deshalb so lange gedauert.« Dr. Nils Pörksen, Vorstand der Deutsch-Polnischen Gesellschaft für Seelische Gesundheit und ehemaliger Chefarzt der Psychiatrie in Bethel, berichtete über die Zusammenarbeit mit Psychiatrie und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in Polen und in der Ukraine. Im Beisein von Delegationen aus beiden Ländern verdeutlichte er anhand des Projekts »Partnership for Mental Health«, mit dem (seit 1990) in beiden Ländern am Aufbau tragfähiger Hilfe-Strukturen mitgearbeitet würde, dass nicht allein der Starke und Gesunde Anrecht auf ein Leben in Gemeinschaft habe, sondern alle.

Die kalten, gefliesten Räume der Pathologie gaben den passenden Rahmen für die Ausstellung. Allgegenwärtig: die grauen Busse der T4-Aktion (Detail eines Schaukastens) Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse bei seiner Ansprache Dr. Nils Pörksen, Vorstand der Dt.-Poln. Gesellschaft für Seelische Gesundheit

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland Artikel 1 (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Zum Abschluss überreichte Michael Gollnow in Anwesenheit des Gesandten Botschaftsrates der Republik Polen, Ryszard Szklany, einen Schaukasten an eine Delegation des Krankenhauses aus Miedzyrzecz. Mit seinen Arrangements wolle er »Gedenken emotionalisieren«, sagte er. Zutiefst betroffen nach einem Besuch mit der Dt.-Poln. Gesellschaft für Seelische Gesundheit in Ausschwitz, habe er das Unvorstellbare visualisieren müssen, um zu zeigen, dass sich hinter all dem bürokratisch erzeugten Grauen Schicksale von Menschen verbergen. Musikalisch wurde die Veranstaltung umrahmt von Olaf Ruhl, und die Schauspielerin Savita Woydt las Gedichte und Texte von Nelly Sachs. Die Ausstellung ist bis zum 5. Oktober 2012 zu besichtigen.

Bei der Übergabe des Schaukastens: Michael Gollnow (l.), der Gesandte Botschaftsrat Ryszard Szklany (m.) und der Leiter der polnischen Ärztedelegation

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| Aktuelles |

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chäfer Matthias Breutel hatte am 23. August 2012 extra die Schafe auf der Weide vor der Kita »Waldhäuschen« postiert, als ab 14.00 Uhr das diesjährige Sommerfest des KEH begann. Schnell füllte sich die Festwiese hinter der Kita. Nach der Eröffnung durch Geschäftsführer Michael Mielke gab es wieder viel Köstliches vom Grill, entspannte Gespräche und als Besonderheit das hervorragende Joghurt-Eis aus Lobetal.

Entspanntes Miteinander

Beim Jahresfest in Lobetal Am Sonntag, dem 17. Juni 2012, fand das 107. Jah­­ resfest der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal statt. Wie im vergangenen Jahr wurde ein umfangreiches Programm geboten, und die zahlreichen Veranstaltungen, Stände und Pavillons waren gut besucht. Auch das KEH und das Epilepsie Zentrum Berlin Brandenburg waren mit einem Stand vertreten.

Prof. Dr. Holtkamp, Chefarzt der Epileptologie, und Chefsekretärin Cordula Hegemann.

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| KJP |

Märchenhafter Nachmittag
Sommerfest 2012 in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

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er große Festsaal des KEH war fast bis auf den letzten Platz gefüllt, als es am Nachmittag des 1. August 2012 hieß: »Vorhang auf« für eine Märchenvorstellung der besonderen Art. Das Berliner Galli-Theater erzählte das Märchen von der Prinzessin und dem »Froschkönig« und die Kinder im Publikum durften mitmachen: Obwohl ihr Vater, der König, der jungen Prinzessin wichtige Ratschläge gibt, wie sie sich verhalten soll, verliert sie dennoch ihre goldene Kugel. Sie fällt in den Brunnen und wird von einem Frosch wieder hochgeholt. Zwar hat die Prinzessin dem Frosch eine Belohnung versprochen, aber sie will sich nicht daran halten. Doch der Frosch findet den Weg ins Schloss, und der König bestimmt, dass die Prinzessin ihre Versprechen halten muss. An das wunderbare Ende der Geschichte werden sich sicher alle noch erinnern. Nach dem Theaterstück hatte Marion Martinez, die Leiterin des Galli-Theaters, noch eine Überraschung mitgebracht: zwei Clowns zeigten, auf welche Art sich die Rotnasen begrüßen. Dann konnten alle, die wollten, zusammen mit den Clowns die Begrüßung üben. Im Anschluss daran ging es in den weitläufigen Garten der Abteilung Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters hinter Haus 7. Hier standen Spiel und Spaß im Schatten großer Bäume auf dem Programm – bei den tropischen Temperaturen an diesem Tag eine durchaus willkommene Erfrischung. »Die Sommerfeste haben in der Abteilung eine lange Tradition«, sagte Chefärztin Dr. Rita May. »Je nachdem, ob die Kinder und Jugendlichen Spaß daran haben, werden manchmal auch eigene Stücke geprobt und aufgeführt.« Auf jeden Fall bietet das Fest Gelegenheit, zwanglos miteinander ins Gespräch zu kommen und einen entspann­ ten Nachmittag zu verbringen.

König und Prinzessin holten auch Zuschauer auf die Bühne

Blick in den gefüllten Festsaal

Der festlich geschmückte Eingang zum Garten (V.l.n.r.) Oberärztin Marion Müller, der ehemalige Bezirksstadtrat Michael Räßler-Wolff, Chefärztin Dr. Rita May und Schwester Ute Tautz (i.R.)

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| 20 Jahre KEH |

Die Arbeitszweige zukunftssicher machen

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eit zwanzig Jahren besteht das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH – seitdem sich 1992 das Fachkrankenhaus für Neurologie und Psychiatrie Berlin-Lichtenberg und das Evangelische Diakoniewerk Königin Elisabeth unter dem Dach der Diakonie zu einem Krankenhausbetrieb zusammenschlossen. Zum 1. Mai 2000 wurde Pfarrerin Susanne Kahl-Passoth – in der Nachfolge von Pastor Thomas Passauer und nach der Interimsleitung von Dr. Rainer Bookhagen – durch das Kuratorium des Evangelischen Diakoniewerkes Königin Elisabeth (EDKE) als Theologische Direktorin und Vorstandsmitglied des EDKE berufen. Von 2001 bis 2002 war sie als Theologische Geschäftsführerin der KEH gGmbH tätig. Bereits davor hatte sie u.a. in der Verantwortung für das geriatrische Krankenhaus der Ev. Frauen-und Familienarbeit in Berlin-Brandenburg Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln können. Sie übernahm diese Aufgabe in einer Phase der Krankenhausentwicklung, als die beiden Häuser noch nicht zur inneren Einheit gelangt waren. Zudem wurde am 1. Januar 2001 der Krankenhausbetrieb in eine gemeinnützige GmbH mit neuer Gesellschafterstruktur überführt: die Stiftung EDKE wurde Gesellschafter – neben den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal und dem Ev. Diakonieverein Berlin-Zehlendorf. Im folgenden Interview gibt Frau Kirchenrätin Kahl-Passoth einen lebendigen Einblick in diese spannende Zeit. Susanne Kahl-Passoth: In den Vorstand des EDKE wurde ich in einer Krisensituation der Stiftung berufen. Insbesondere den Diakonissen fiel es schwer, eine Frau als theologischen Vorstand zu akzeptieren. Zusammen mit Herrn Riener, kaufmännischer Vorstand und Vorsitzender des Vorstandes, ging es vor allem darum, die Arbeitszweige zukunftssicher zu machen. So kam es zur Übergabe der Mehrheitsanteile des Krankenhauses an die v.  Bodelschwinghschen Stiftungen Bielefeld. Da nicht sicher war, ob die Stiftung EDKE bestehen bleiben würde, kam es zur Gründung der gGmbH für das Krankenhaus. In der Stiftung EDKE verblieb damals nur die Kindertagesstätte, die einen für alle Beteiligten schwierigen und vollständigen Veränderungsprozess durchlaufen musste. Sie äußerten in der Anfangszeit, dass innerhalb des Krankenhauses zwischen dem ehemals städtischen und dem kirchlichen Teil »eine unsichtbare Mauer« zu spüren war. Wie zeigte sich das und wie konnte diese Barriere abgebaut werden? Es waren zwei Welten, die da auf einmal zusammengeschoben wurden. Jetzt war man mit denen ge-

meinsam unterwegs, die man bekämpft hatte bzw. vor denen man sich in Acht nehmen musste. Zudem hatte jetzt Kirche den »Hut« auf. Nicht wenige trieb die Sorge um, zur Mitgliedschaft gezwungen zu werden. Wir benutzten etwas scherzhaft das Bild von der gefürchteten Massentaufe im Springbrunnen. Ich habe zu Andachten auf den Stationen eingeladen, in denen ich versucht habe, aktuelle Themen mit christlichen Aussagen zu verbinden, um die Mitarbeitenden vertraut zu machen mit den christlichen Grundlagen. Zudem habe ich versucht, Orte und Ereignisse auf dem Gelände oder in der Welt aufzunehmen und in Andachten, in Gottesdiensten zur Sprache zu bringen. Dazu gehörten u.a. Andachten an der Gedenkstätte 8. Mai, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Am Tag nach dem Geschehen des 11. September 2001 haben wir zu einer Andacht eingeladen. Dabei haben wir uns bemüht, Formen zu entwickeln, die auch nichtkirchlichen Mitarbeitenden eine Teilnahme ermöglichten. Das galt im Übrigen auch für Gottesdienste am Gründonnerstag und in Verbindung mit dem Neujahrsempfang. So ein Prozess des Abbaus von Distanz, Misstrauen, Ängsten brauchte einfach Zeit. Heute kann sich kaum noch jemand vorstellen, dass das Krankenhaus nicht immer eins war. In kirchlich-diakonischen Einrichtungen wirken Theo­ logen in Leitungsgremien mit, wo an anderer Stelle ausschließlich Betriebswirtschaftler und Rechtsanwälte das Sagen haben. Was macht für Sie die Mitwirkung von Theologen in Häusern mit »diakonischem Profil« so wichtig? Theologen/Theologinnen müssen, wenn eine diakonische Einrichtung die Botschaft des Evangeliums auch leben will, in die Leitung eingebunden sein. Bei allen Entscheidungen im Umgang mit dem Geld, in Perso-

Kirchenrätin Susanne Kahl-Passoth In Goslar im Harz geboren, studierte sie Theologie in Göttingen und Berlin, wo sie seit den 1970er Jahren lebt und arbeitet. Nach einer Tätigkeit als Religionslehrerin – mit begleitendem Studium der Erwachsenenbildung und Politik – folgten berufliche Stationen als Gemeindepfarrerin in Steglitz, Landesjugendpfarrerin im ehemaligen Westberlin und geschäftsführende Pfarrerin der Ev. Frauen- und Familienarbeit Berlin-Brandenburg. Im Jahr 2000 wurde sie Theologin im Vorstand des Evangelischen Diakoniewerkes Königin Elisabeth (EDKE) und war 2001 bis 2002 als Theologische Geschäftsführerin der KEH gGmbH tätig. Am 23. August 2002 wurde sie im KEH offiziell verabschiedet und übernahm im September die Aufgabe der Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO).

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| 20 Jahre KEH |

Diakonischer Bildungstag und Einführung von Frau Kahl-Passoth im November 2000

Diakonie waren eine sehr gute Grundlage für die Arbeit im Dachverband. Mit Gründung der KEH gGmbH hat die Stiftung EDKE die direkte Verantwortung für das Handeln des Krankenhauses abgegeben. Sie sind in der Stiftung geblieben und seit 2011 auch Vorsitzende des Kuratoriums. Welche Aufgaben hat die Stiftung behalten und wohin wird sie sich entwickeln? Die Stiftung hat Anteile am Krankenhaus, am Hospiz, ist Mehrheitsgesellschafter bei lebenlernen e.V. und Träger der Kita sowie der Arbeit mit trauernden Menschen. Zudem ist sie verantwortlich für die Diakonissen. Aufgrund noch ungeklärter Probleme mit dem Gelände ist die Stiftung noch im Schwebezustand, was ihre Zukunft betrifft. Kritische Geister beklagen eine zunehmende Kommerzialisierung des Miteinander, des Sozialen, und damit auch des Gesundheits- und Hilfebereichs. Welche gesundheits- und sozialpolitischen Entwicklungen erkennen Sie und was können Sie dem KEH für seine zukünftige Arbeit auf den Weg geben? Die Diakonie befindet sich in einer dauernden Auseinandersetzung zwischen ihren Ansprüchen und der Wirklichkeit. Die immer enger werdenden finanziellen Rahmenbedingungen stellen eine ernstzunehmende Herausforderung dar, aber auch die sinkende Bereitschaft junger Menschen, einen Pflegeberuf zu ergreifen. Die Zusammenarbeit mit der Kirche zur Gewinnung von Ehrenamtlichen für Besuchsdienste, für Modelle diakonischen Lebens in Religionsunterricht und Konfirmandenunterricht sind Möglichkeiten, ergänzende Angebote zu machen, Menschen vertraut zu machen mit den Chancen, die ein Beruf in der Diakonie bietet. Zudem sollte man sich deutlicher in die sozialpolitische Diskussion einbringen!

nalfragen, bei Entscheidungen in der Pflege und medizinischer Versorgung hat der Theologe/die Theologin seine/ihre Sicht der Dinge zu reflektieren und einzubringen. Im September 2002 übernahmen Sie die Aufgabe der Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO) und verließen das KEH. In welcher Weise können Sie Ihre KEH-Erfahrungen für die Arbeit im DWBO nutzen? Schon bevor ich im Vorstand des EDKE und dann des KEH mitgearbeitet habe, war ich mitverantwortlich für die Arbeit in einem kleinen geriatrischen Krankenhaus. Hier kam nun ein großes Krankenhaus, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen dazu, KitaArbeit kannte ich schon aus der Gemeinde. Diese Praxis und eine eineinhalbjährige Fortbildung für Leitung in der

Patientenfest im Juli 2001

KEH-Report | September 2012 Seite 10

| Neurologie |

Zertifizierung im Blick

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icht allein Schlaganfall oder Demenz – eine Vielzahl von Krankheitsbildern wird in der Neurologie am KEH behandelt. Ein hoch qualifiziertes Team sorgt – mit entsprechender Ausstattung und in enger Kooperation mit anderen Abteilungen des Hauses – auf der Station (NE1) und in der Stroke Unit für die optimale Behandlung seiner Patienten. Darüber hinaus bietet die 2010 eröffnete Tagesklinik fachgerechte Therapien für chronisch Schmerzkranke. Wichtig ist die fachliche Zusammenarbeit vor allem bei älteren, multimorbiden Patienten. Bei Bedarf können sie zur geriatrischen Komplexbehandlung innerhalb des Krankenhauses verlegt werden und müssen nicht mehr in eine externe Klinik. Die Neurologie steht weiterhin konsiliarisch zur Verfügung. Unterstützung im ambulanten Bereich Eine definitive Notwendigkeit für die medizinische Versorgung im Bezirk ist das ambulante Behandlungs­ angebot im »MVZ –Ärztehaus für psychische Gesundheit und Epileptologie am KEH« in der Herzbergstraße 82. Nachdem seit einiger Zeit Neurologenpraxen aus der Region in lukrativere Gegenden abwandern, sollte das Angebot im MVZ der besseren Versorgung vor Ort dienen. Bei neurologischen Störungen ist in der Regel eine ambulante fachärztliche Weiterbetreuung notwendig. Leider hat sich die Situation inzwischen noch nicht entscheidend verbessert. Durch weitere

Chefarzt Dr. med. Andreas Kauert

Abwanderung beträgt die Wartezeit für Patienten immer noch Monate. Derzeit teilen sich drei Neurologen im MVZ einen Kassensitz, wo begrenzt ambulante Patienten versorgt werden können. Für die Patienten der Region allerdings wäre eine Erweiterung des Angebots wünschenswert. Beste Schlaganfall-Behandlung Fortschritte in der Medizin und der Einsatz modernster Verfahren ermöglichen bei neurologischen Erkrankungen bessere Heilungschancen. Die nach modernsten Maßstäben ausgestattete Stroke Unit sichert die Akutversorgung von Schlaganfall-Patienten. Im September konnte ein neues »interdisziplinäres« Ultraschallgerät für die Stroke Unit und die Intensivstationen in Betrieb genommen werden: Neurologen, Anästhesisten und Internisten nutzen es gemeinsam. Das spart nicht nur Kosten, es fördert auch das Zusammenwirken. Zur Qualitätssicherung in der Schlaganfall-Behandlung hat sich die Abteilung zum Ziel gesetzt, eine Zertifizierung nach den Kriterien der Deutschen SchlagAnfallgesellschaft zu erhalten. Zwar wird schon lange nach diesen Vorgaben gearbeitet, aber es fehlt noch die fachspezifische Schulung des Pflegepersonals. Sobald diese erfolgt ist, wird das Zertifikat beantragt.

September 2012 | KEH-Report Seite 11

| Altersmedizin |

Defiziten vorbeugen
Demenzfreundliches Essen in unserem Krankenhaus nter der Überschrift »Demenzfreundliches Krankenhaus« hat der Bereich Gerontopsychia­trie und -psychotherapie im Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) unter Leitung von Prof. Dr. Torsten Kratz bereits vor einiger Zeit ein Projekt etabliert, dass sich mit der Entwicklung von verbesserten Versorgungsstrukturen für Demenzkranke im Allgemeinkrankenhaus befasst. Vor dem Hintergrund einer steigenden Häufigkeit des Phänomens der Mangelernährung von Demenzkranken – mit gravierenden negativen körperlichen und seelischen Folgen für die betroffenen Menschen – haben wir uns im Rahmen eines interdisziplinär und multiprofessionell besetzten Teams dieser Problematik angenommen. Mangelernährung bezeugt eine negative Bilanz zwischen Aufnahme und Bedarf und bedeutet ein anhaltendes Defizit an Energie und Nährstoffen mit entsprechenden Konsequenzen und Einbußen für den Ernährungszustand, die physiologischen Funktionen und den Gesundheitszustand im Allgemeinen. Der Impuls zur Durchführung einer empirischen Untersuchung kam aus dem Pflegebereich der Gerontopsychiatrie. Im Jahr 2008 haben wir begonnen, dort ein Ernährungsassessment einzuführen. Dies erschien uns deshalb so wichtig, da bei der Mehrheit der demenziell erkrankten Menschen im Verlauf der Erkrankung Untergewicht, Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel auftreten können. Mangelernährung hat gerade bei älteren Patienten einen großen Einfluss auf die Dauer stationärer Krankenhausaufenthalte, führt häufig zu einer erheblichen Verlängerung der Liegedauer und einer signifikanten Zunahme der Pflegebedürftigkeit der Betroffenen. Somit sind die Prävention zur Verhinderung von Gewichtsverlust bzw. die Verbesserung der bestehenden Ernährungssituation wichtige Aufgaben in der Betreuung von demenziell erkrankten Patienten. Ernährungsprobleme müssen frühzeitig erkannt werden, wenn die Interventionen erfolgreich sein sollen. Ein Ernährungsteam, bestehend aus zwei Mitarbeitern des Pflegepersonals, einer Sprach- und Sprechtherapeutin, zwei Ernährungsberaterinnen und einem Arzt, hat diese Entwicklung maßgeblich vorangetrieben. Die Daten wurden über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren erhoben. Zu Beginn dieses Jahres ist dazu ein entsprechender Artikel in der Fachzeitschrift »Psych. Pflege Heute« mit dem Titel: »Erfahrungen mit der Anwendung eines Ernährungsassessment auf einer gerontopsychiatrischen Station – eine empirische Untersuchung« erschienen (PPH Heft 1/2012).

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Kathrin Franke, Fachkrankenschwester in der Gerontopsychiatrie, hat die Entwicklung des »Demenzfreundlichen Essens« engagiert vorangetrieben.

Im Ergebnis dieser empirischen Untersuchung haben wir eine »altersgerechte Kost – Demenzfreundliches Essen« eingeführt, sowie einen Schnelltest zur Feststellung von Kau- und Schluckproblemen (Schluckscreening) etabliert. Menschen mit Demenzerkrankung entwickeln aufgrund des Hirnschrumpfungsprozesses Veränderungen in ihren Geschmacksempfindungen. Die klassischen Geschmackssinne werden reduziert, nur der Geschmack für Süßes bleibt lange erhalten. Aus diesem Grund wurde mit der Küche des Krankenhauses ein spezieller Speiseplan entwickelt, der eben diesem reduzierten Geschmackssinn der Patienten entgegenkommt. Der Speiseplan enthält viele süße Speisen, die von Demenzkranken gern angenommen werden. Darüber hinaus wird das normale Essen kräftiger und spezieller gewürzt, um die verlorengegangenen Geschmackssinne wieder auszugleichen. Zusätzlich entwickeln Patienten im Rahmen der Demenzerkrankung Schluckstörungen. Deshalb ist es wichtig, dass das demenzfreundliche Essen sich in seiner Konsistenz diesen Schluckstörungen anpasst. Insbesondere kleine und feste Nahrungsbestandteile (z.  Erbsen) müssen gemieden werden. Letztendlich B. muss man bedenken, dass Menschen mit Demenzerkrankung in ihrer eigenen Vergangenheit leben, d.  h. demenzfreundliches Essen muss der Biographie des Menschen angepasst sein. Es müssen Speisen sein, die der Betroffene noch erkennt. Bei unseren heute an Demenz Erkrankten orientiert sich also der Speiseplan an den 1960er und 1970er Jahren. Das demenzfreundliche Essen ist aber keine Schluckdiät, sondern trägt nur den beginnenden Schluckproblemen Rechnung. Es konnte so ein Speiseplan entwickelt werden, der den Geschmack der Demenz-Patienten mit den Möglichkeiten der Küche in Übereinstimmung gebracht hat. Kathrin Franke, Fachkrankenschwester in der Gerontopsychiatrie unseres Krankenhauses, hat sowohl die praktische Umsetzung des Ernährungsassessments und des Schluckscreenings als auch des Demenzfreundlichen Essens engagiert vorangetrieben. In unserem Krankenhaus wurde damit ein Demenzfreundliches Speisenangebot entwickelt, das unter dem Begriff »altersgerechte Kost« von der Firma Thrun Catering angeboten wird. Dieses Essen ist in das Speisenangebot eingefügt worden und kann somit in allen Abteilungen des Krankenhauses bestellt werden. Wir halten dies für einen wichtigen Beitrag, der dazu dient, unser Projekt des »Demenzfreundlichen Krankenhauses« weiter zu etablieren.
Eckehard Schlauß Altenpfleger und Dipl.-Gerontologe Funktionsbereich Gerontopsychiatrie am KEH

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| Intensivmedizin |

Die Ausnahme ist der Normalfall
Das Zentrum für interdisziplinäre Intensivmedizin im KEH

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n der Nachbarwohnung rührt sich nichts. Es bleibt still, auch nach lang anhaltendem Klingeln wird die Wohnungstür nicht geöffnet. Die aufgeregte Frau, die seit Minuten versucht hatte, durch Klingeln, Klopfen und lautes Rufen Einlass zu bekommen, ist sich sicher: Hier muss etwas passiert sein. Auf ihr Drängen öffnet eine ältere Nachbarin, die für den Notfall den Schlüssel hat, die Wohnung. Als sie die Räume betreten, sehen sie, dass die Befürchtungen berechtigt waren. Der Nachbar liegt bewusstlos im Wohnzimmer. Sofort rufen sie einen Rettungswagen, und der wenig später eintreffende Notarzt erkennt anhand der auf dem Tisch verstreuten Medikamentenschachteln, dass ein Fall schwerer Vergiftung vorliegen muss. Über die Leitzentrale ruft er das am nächsten gelegene Krankenhaus an. Dort bereiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Intensivstation sofort alles vor, um eingreifen zu können: Beatmungsgerät, Defibrillator, Katheter werden vorbereitet, auch für eine evtl. Dialyse stehen die Geräte bereit.

Marie Utpatel (l.) und die Pflegerische Abteilungsleiterin Cornelia Heidgen

Intensivmedizin steht im KEH rund um die Uhr zur Verfügung. Sie ist immer erforderlich, wenn der Körper die Organfunktionen allein nicht mehr aufrechterhalten kann. Koordinationstelefon App. 1515 Reanimationstelefon App. 4040 Angehörigen stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentrums jederzeit für Auskünfte zur Verfügung. Die Beachtung des Patientenwillens bzw. von Patientenverfügungen hat einen sehr hohen Stellenwert. Seelsorgerischer Beistand sowohl für Patienten als auch für ihre Angehörigen ist ebenfalls gewährleistet.

wovon er spricht: »Heute gibt es eine viel engere Verzahnung zwischen den Fachbereichen – und manches klappt einfach auf Zuruf. Langwierige Konsile und Vorabsprachen im Vorfeld sind entfallen. Vor allem können die Patienten umfassender behandelt werden.« Ein kleiner Wermutstropfen besteht darin, dass die beiden Stationen des Zentrums derzeit auf zwei Etagen in Haus 3 arbeiten müssen. Im Interesse eines reibungsloseren Ablaufes wäre es wünschenswert, den Intensivbereich auf einer Etage zu platzieren. Hohe Qualifikation Das Zentrum wird gemeinsam durch je einen intensivmedizinisch qualifizierten Anästhesisten und Internisten sowie eine Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin geleitet. Cornelia Heidgen ist die Pflegerische Abteilungsleitung und seit 1996 im Intensivbereich des KEH tätig. Ihr Hauptaugenmerk richtet sich nicht allein darauf, dass die Schichten besetzt und die notwendigen Materialien bereitgestellt sind. Wichtig ist ihr vor allem auch die Qualifikation der Pflegekräfte, um die hohen Qualitätsstandards im Intensivbereich gewährleisten zu können. »Eine Pflegekraft betreut in der Regel nicht mehr als zwei schwerstkranke Patienten und kooperiert eng mit weiteren Fachkräften unseres Hauses, z. B. mit Physiotherapeuten und Ernährungsberatern«, erläutert sie. »Die Pflegekräfte nehmen selbstverständlich an den Visiten teil, haben umfassenden Einblick in die Krankengeschichte und wissen, worauf es bei jedem Patienten ankommt.« Für die Qualifikation zur Fachpflege Anästhesie und Intensivmedizin ist nicht nur ein hohes Maß an Erfahrung, sondern auch ein zweijähriger Lehrgang notwendig. Durch Wechsel oder Weggang älterer Fachkräfte arbeitet derzeit ein sehr junges Team im Zentrum. »Um den Qualifikationsstand zu erhöhen, schicken wir die betreffenden Pflegekräfte im Halbjahres-Rhythmus zur Weiterbildung«, sagt Frau Heidgen. »Darüber hinaus besucht eine Schwester derzeit den entsprechenden einjährigen Lehrgang, um die Zertifizierung der Stroke Unit durch die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) zu ermöglichen.« Neben dem Versorgungsauftrag für die Patienten besteht auch eine Ausbildungsermächtigung für Fachärzte sowie für die Ausbildung in der Subspezialisierung »Intensivmedizin«: Internisten, Anästhesisten, Chirurgen und Neurologen absolvieren im Intensivzentrum

Interdisziplinäre Arbeit So oder so ähnlich spielt es sich ab, wenn ein Notfall an das Zentrum für interdisziplinäre Intensivmedizin im Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) gemeldet wird. Der im Juli 2011 gegründete Bereich im Haus 3 verfügt über 16 Behandlungsplätze auf zwei Stationen sowie eine Stroke Unit zur Schlaganfallüberwachung mit vier Betten. Letztere wird fachlich durch den Chefarzt der Abteilung für Neurologie geleitet. »Vorher bestanden getrennt eine internistische und eine operative Intensivstation (ITS)«, erinnert sich Oberarzt Dr. Bodo Klee, der leitende Anästhesist und Intensivmediziner des Bereiches, »aber bereits im Vorfeld gab es eine enge Zusammenarbeit.« Um die vorhandenen Kompetenzen zu bündeln und organisatorische Hürden abzubauen, sei der Bereich eingerichtet worden. »Das Zentrum ist organisatorisch selbstständig«, sagt er. »Wir behandeln in enger Zusammenarbeit mit den beteilig­ ten Fachdisziplinen jährlich mehr als 1900 intensivüberwachungs- bzw. -behandlungspflichtige Patienten aller Abteilungen unseres Hauses, in erster Linie der Inneren Medizin, Chirurgie, Gefäßchirurgie, Urologie, Neurologie und Psychiatrie.« Die Vorteile dieser Form der Organisation haben sich schnell gezeigt: die interdisziplinäre Zusammenarbeit wurde dadurch intensiviert; es gibt keine »Animositäten« mehr zwischen einzelnen Abteilungen. Dr. Klee, der von 1992  1997 seine Zeit als bis Assis­enzarzt am KEH absolviert hat und seit 1999 im t intensivmedizinischen Bereich des KEH tätig ist, weiß,

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| Intensivmedizin |

Fachärztin Dagmar Breitenbach bereitet den Defibrillator vor

am KEH ihre Ausbildungszeiten. »Unter anderem auch daraus resultiert der hohe fachliche Kenntnisstand im Zentrum«, sagt Oberarzt Heribert Fingerhut. Er leitet das Zentrum von internistischer Seite als Kardiologe und Notfallmediziner. Nach beruflichen Stationen in Bonn, Würzburg, Leipzig und Berlin ist er seit 2009 im intensivmedizinischen Bereich des KEH tätig. Breites Behandlungsspektrum »Im interdisziplinären Intensivzentrum des KEH stehen alle Arten der Herz-Kreislauf-Überwachung und moderne Therapieverfahren wie z.B. unterschiedliche Beatmungstechniken, verschiedene Nierenersatzverfahren und temporäre Herzschrittmacher zur Verfügung«, erläutert er. Dabei weist Oberarzt Fingerhut auf spezielle Leistungen im Rahmen des breiten Behandlungsspektrums hin: »Wir behandeln intensivmedizinisch nicht nur Patienten mit Störungen des Herz-Kreislauf-Systems (z.B. bei schwerem Herzinfarkt) oder nach schweren Operationen, wenn Komplikationen auftreten bzw. zu erwarten sind.« Zum Patientenkreis gehören auch Menschen mit Erkrankungen der Atemwege, so bei Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung – mit differenzierten Beatmungstechniken bis hin zu »interventional lung assist« (iLA), ein Verfahren, bei dem zusätzlich Kohlendioxid aus dem Körper entfernt werden kann. Patienten mit Nierenerkrankungen erhalten kontinuierliche Nierenersatzleistungen (24-Stunden-Dialyse) – in enger Zusammenarbeit mit der Nephrologie.

Im Schockraum können Patienten umgehend mit lebenswichtigen Systemen, wie z.B. Herzschrittmachersonden, versorgt werden

OA Dr. Bodo Klee und Schwester Iris Adam

Besonderes Augenmerk liegt im Intensivzentrum auf der Behandlung von Sepsispatienten, bei denen mehrere Organe betroffen oder ausgefallen sind und deren Organismus mit Keimen überschwemmt ist. Es stehen alle maschinellen Detoxikationsverfahren und auch spezielle Immunabsorptionsverfahren (u.a. zur Behandlung von Myasthenia gravis) zur Verfügung. »Natürlich können wir auch Hypothermieverfahren anwenden, wenn ein Patient nach einer Reanimation gekühlt werden muss«, ergänzt Dr. Klee. Insgesamt können 12 bis maximal 14 Beatmungs-Patienten parallel versorgt werden. Darüber hinaus befindet sich ein Reanimations-Team in ständiger Bereitschaft. »Es besteht auch eine enge fachliche Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern – z.B. dem Unfallkrankenhaus Berlin (UKB), der Berliner Charité, dem benachbarten Oskar-Ziethen-Krankenhaus und dem Fachkrankenhaus für Lungenheilkunde und Thoraxchirurgie (FLT) in Buch.« Hygiene- und Dokumentationsstandards »Die Einhaltung höchster Hygienestandards und der rationale Einsatz von Antibiotika ist für uns als Behandlungs-Team eine grundlegende Aufgabe«, heißt es auf der Internetseite des Zentrums. Seit vielen Jahren gibt es eine enge Kooperation mit einem mikrobiologischen Labor. Wöchentlich werden gemeinsame Fallbesprechungen mit den Mikrobiologen durchgeführt. »Seit mehr als zehn Jahren beteiligt sich der Intensivbereich zusammen mit den Hygiene-Fachkräften des KEH an einem nationalen Überwachungssystem für Infektionen, die auf Intensivstationen erworben werden«, sagt Cornelia Heidgen. »So kann die Rate der seltenen, aber gefährlichen Komplikation möglichst gering gehalten werden.« Ein wichtiges Instrument ist die im Zentrum für interdisziplinäre Intensivmedizin im Einsatz befindliche »Elektronische Krankenakte«. Dabei erfolgt die Dokumentation der Behandlungsprozesse mit Hilfe eines modernen, am Bett befindlichen IT-Systems (Copra). So stehen alle medizinischen Daten zur ständigen Qualitätskontrolle zur Verfügung. Derzeit wird das Update auf Version 6 vorbereitet. Ist das Copra-System eher für den intensivmedizinischen Einsatz geeignet, wird im KEH daran gearbeitet, den Einsatz einer elektronischen Krankenakte auch in den anderen Abteilungen des Krankenhauses zu ermöglichen.

OA Fingerhut (r.) und Schwester Iris Adam bei einer endoskopischen Untersuchung

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| Pflege | 

Vielfältige Herausforderungen
Zweiter Pflegefachtag Intensiv am 15. Juni 2012 »Wir lieben die Vielfalt und die Herausforderungen. Gerade Kontraste sind die Quellen des Glücks. Der Wechsel aus Gewohntem und Ungewohntem, aus Vorhersehbarem und Überraschendem ist ein probates Mittel gegen Unzufriedenheit…. Neues Erleben und Lernen lassen der Langeweile keine Chance, sondern bringen Lebenslust pur.“ (Feng Shui von Nadja Nollau) nsere Erkenntnisse gewinnen wir durch Erfahrungen, Intuition, Weisheit und Reflexion. Unser theoretisches Wissen erwerben wir durch Lernen.« Unter diesem Gesichtspunkt hatten wir für unsere Gäste auch in diesem Jahr wieder ein lebendiges Programm zu den Bereichen Intensivmedizin, Management und Kommunikation zusammengestellt und freuten uns, es in den wunderschönen Räumen unseres Krankenhauses präsentieren zu dürfen. Erschöpfung im Privat- und Berufsleben stellt Leitungskräfte vor große Herausforderungen. Zu diesem Thema referierte Kommunikationstrainerin Barbara Fußy-Böhme aus Straubing und bot am Vormittag zusätzlich den Workshop »Time-out statt Burn-out« an. Das Thema Personalmanagement oder Personalentwicklung erscheint auf den ersten Blick vielleicht ein wenig nüchtern. Dass es jedoch alles andere als nüchtern ist, merken wir, wenn es um die Verbindung von Rotation und Teambildung auf der Intensivstation oder auch auf peripheren Stationen geht. Dieses spannende Thema präsentierte uns Frau Bentz, Referentin für Personalmanagement, aus Heilbronn. Welche Chancen Patienten mit oder ohne mildes therapeutisches Hypothermieverfahren haben, wurde von Ursula Walter, pflegerische Leitung der kardiologischen Intensivstation aus dem Leipziger Herzzentrum, nach einer kurzen Pause vorgetragen. Michel Götze, angehender Intensivfachpfleger aus dem DRK-Klinikum Berlin, gab uns zu den neuesten evidenzbasierten Hilfsmitteln zur Überwachung der hämodynamischen Parameter Auskunft. Diese dienen der schnellen und unterstützenden Diagnose des Gesamtzustandes des Patienten und damit der raschen Entscheidungsfindung für eine optimale Therapie. Ein ebenso aktuelles Thema ist das Delir bei Intensivpatienten. Prof. Dr. Torsten Kratz, der Leiter der Gerontopsychiatrie am KEH, hat sich intensiv mit Demenzerkrankungen, auch dem Delir bei Demenz, auseinandergesetzt. Es gab Informationen über die Ursachen zur Entstehung des Delirs, über Demenz und eine Aufstellung verschiedener Therapiestrategien bei der, aufgrund der multifaktoriellen Genese entstandenen Erkrankung. Der Dipl.-Gerontologe Eckehard Schlauß

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»Die heutige Zeit stellt hohe Anforderungen an jeden Einzelnen. Nicht selten wünschen wir uns mehr Kraft, innere Ruhe und Balance. Diese Auszeit gibt Ihnen zahlreiche Impulse für authentisches Handeln und einen guten Umgang mit sich selbst.« (Barbara Fußy-Böhme)

begleitet im KEH eine Studie zum Thema »Delir bei Demenz« und leitete am Nachmittag einen Workshop zum Thema. Die Intensivstation gilt als ein Arbeitsbereich mit vielen Risiken und Zwischenfällen. Mit dem Ziel, Risiken zu minimieren und kritische Zwischenfälle zu verhindern, wurde in unserem Haus das CIRS Critical Incident Reporting System – Risikomanagement in der klinischen Medizin etabliert und von Pflegedirektor Uwe Kropp vorgestellt. Als fester Bestandteil im Arbeitsalltag kann es helfen, die Arbeit qualitativ zu verbessern und Patienten vor Fehlern zu schützen. Krankenhäuser sind komplexe Service-Organisa­ tionen – gute Managementfähigkeiten wirken sich positiv auf Effizienz und Qualität der Pflege aus. Einen Überblick über betriebswirtschaftliche Aspekte der Krankenhausfinanzierung gab Birgit Guhlke, pflegerische Leitung aus Eckernförde. S  eit vielen Jahren macht die Notfallmedizin riesige Fortschritte. Die Delegation von ärztlichen Tätigkeiten an das Fachpflegepersonal hat zivil-, versicherungs-, arbeitsund sozialrechtliche Aspekte, bei denen strukturelle, ökonomische, gesundheitspolitische und rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten sind. Eine gesetzlich implementierte Neureglung der Aufgaben- und Zuständigkeitskompetenzen für die Gesundheits- und Pflegeberufe ist notwendige Voraussetzung, um das sich verändernde Berufsbild der Pflege auch berufsrechtlich abzusichern. Dabei stellen sich zahlreiche Fragen: Ergeben sich tatsächlich – wie erwartet – erhebliche ökonomische Ressourcen und qualitative Vorteile durch die Verlagerung von Tätigkeiten aus dem ärztlichen Bereich? Wie sieht die Delegation im Intensivbereich aus? Welche Tätigkeiten sind delegationsfähig? Wo sind die Grenzen der Delegation? Wer darf, wer muss zustimmen? Hilft

Gruppenbild in der Pause (v.l.n.r.): Ruth ToblerHärri, Dirk Brenner, Doris Bentz, Birgit Guhlke, Michel Götze, Cornelia Heidgen, Christiane Lübke, Bernd Schaper, Dr. Bodo Klee, Jens Guhlke

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| Pflege |

Die Organisatoren unter den Zuhörern: Cornelia Heidgen und Pflegedirektor Uwe Kropp

Blick in den gefüllten Festsaal

der »Befähigungsnachweis« oder »Spritzenschein« haftungsrechtlich? Und wie sieht es mit dem notwendigen personellen Ausgleich aus? Wer geeignet ist und unter welchen Aspekten eine Delegation möglich wird, diskutierte mit uns Bernd Schaper, Bereichsleitung für Pflege- und Servicemanagement des Münchener Klinikums Harlaching. Die Abkürzung LEP® steht für »Leistungserfassung und Prozessdokumentation im Gesundheitswesen«. Die wissenschaftlich fundierte Methode besteht aus statistischen Erfassungs- und Darstellungsverfahren sowie der elektronischen Prozessdokumentation für Berufe im Gesundheitswesen. Sie vereinfacht administrative Prozesse und wird den hohen Qualitätsansprüchen einer ausführlichen Dokumentation und Leistungstransparenz gerecht. Die Schweiz ist seit vielen Jahren führend auf diesem Gebiet, und so war ich froh, zu diesem Thema Ruth Tobler-Härri aus dem Uniklinikum Zürich begrüßen zu dürfen. Trotz einschränkender gesetzlicher Rahmenbedingungen erfreut sich Aromapflege, die Erhaltung der Gesundheit und Linderung von Beschwerden mittels natürlicher Duftstoffe, in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Christiane Lübke, Stationsleitung der Intensivstation in Weilheim, zeigte nach der Mittagspause in ihrer ausführlichen Darstellung, wie Aromapflege auch auf einer Intensivstation zum Einsatz kommen kann. Die Methode der Evidenz-basierten Pflege wird auch anhand der Pflege von mechanisch beatmeten Patienten an der Problematik der Entwöhnung von der Beatmung (»Weaning«) aufgearbeitet. Welche Entwöhnungsmethode (»Weaningstrategie«) ist am effektivsten? Dieses Thema, mit seinen Konzepten oder auch alternativen Möglichkeiten, wurde uns von Dirk Brenner, Intensivleitung aus dem Uniklinikum in Essen, präsentiert. Im Rahmen der Qualitätssicherung sollten sich Mediziner, Pflegende (und auch Atemtherapeuten) gemeinsam auf ein Protokoll einigen und es im Sinne einer Leitlinie oder eines Standards für die Entwöhnung mechanisch ventilierter Patienten implementieren. Fast schon in Vergessenheit geratene Pulmonalarte-

rienkatheter wurden weitestgehend von der PiCCOMethode abgelöst. Welche Messmethoden sind noch möglich und wie viel Erfahrung ist nötig, um eine Interpretation der Messergebnisse als Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen, klinischen Einsatz darzustellen? Das Thema Hygiene spielte hierbei eine wichtige Rolle. Die Gefahren einer Sepsis werden oft unterschätzt. Dr. Bodo Klee beantwortete Fragen zum Thema, von der Definition über die »S2-Leitlinien: Diagnose und Therapie der Sepsis« bis zur wichtigen Einhaltung hygie­ nischer Regeln. Es kommt darauf an, erste Symptome richtig zu interpretieren und rechtzeitig zu reagieren. Wenn das nicht geschieht, wird sehr schnell eine schwere Sepsis daraus. Das Programm unseres »Pflegefachtages Intensiv« konnte sich auch in diesem Jahr wieder sehen lassen. Ich möchte mich bei allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit bedanken.
Cornelia Heidgen Organisatorin und pflegerische Leitung des interdisziplinären intensivmedizinischen Zentrums

Exotische Kaktusblüte Mit großem Aufwand und Engagement stellen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gärtnerei in jedem Frühjahr den Kaktusgarten neben Haus 105 zusammen, denn natürlich würden die Kakteen den Winter im Freien nicht überleben. Als kleines Dankeschön für ihre Mühen und zur Freude der Dialysepatienten, die von ihren Zimmern aus direkt darauf schauen konnten, zeigte der Säulen-Kaktus (Trichocereus Pachanoi) in diesem Jahr zum ersten Mal seine Blüten. Leider gehen sie nur in der Nacht auf, so dass die Blüte am Morgen nicht mehr ganz geöffnet zu sehen war.

KEH-Report | September 2012 Seite 16

| Controlling | 

ls Antwort auf die geänderten Rahmenbedingungen und um einen besseren Informationsfluss zu erzielen, sind verschiedene Bereiche des Controlling, der Qualitätssicherung, des Patienten- und Beschwerdemanagement und des medizinischen Marketings in einer Abteilung zusammengeführt worden. In Ausgabe 23 wurden Strategisches Controlling und Leitung Unternehmensentwicklung sowie das (kaufmännische) Controlling vorgestellt. R  eferat Ärztliche Direktion, Medizincontrolling und Medizinische Unternehmensentwicklung Seit Juli 2011 hat Frau Ines Fieber die anspruchsvolle Aufgabe übernommen, drei organisatorisch getrennte medizinische Teilbereiche in Einklang zu bringen: sie leitet das Medizincontrolling, unterstützt den Ärztlichen Direktor und arbeitet im Bereich Medizinisches Marketing der Geschäftsführung zu. Im Referat Ärztliche Direktion sind die Unterstützung der Fachabteilungen bei der Umsetzung neuer gesetzlicher Vorschriften, die Organisation der zentralen ärztlichen Fortbildung, die organisatorische Betreuung von Ärzten im Praktischen Jahr und die weitreichende Unterstützung des Ärztlichen Direktors bei seinen Managementaufgaben die wichtigsten Aufgabenbereiche. Das Medizincontrolling ist als Kontroll- und Steuerungsinstrument die Schnittstelle zwischen Medizin und Verwaltung. Es nimmt als strategisches Medizincontrolling direkten Bezug auf die medizinischen Leistungen des Hauses und erarbeitet aus den Fallanalysen Vorschläge zu konkreten Handlungsoptionen für die medizinischen Bereiche. Entwicklungstendenzen, Auffälligkeiten und Handlungsoptionen werden regelmäßig mit den Fachabteilungen besprochen, um bei Veränderungen im gesellschaftlichen, politischen und Marktumfeld die Leistungsstrukturen und Behandlungskonzepte des Hauses anzupassen. Zu den operativen Aufgaben im Medizincontrolling gehören sowohl Dokumentation, Kodierung und Abrechnung der medizinischen Leistungen als auch die die Bearbeitung der Prüfungsergebnisse des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Aus dem Projekt- und Qualitätsmanagement (PQM) kommend, hat Frau Anke Keil als wesentliche Aufgabenfelder die Erstellung des gesetzlich vorgegebenen Qualitätsberichts, die Mitarbeit im Deutschen Netz Gesundheitsfördernder Krankenhäuser, die Erarbeitung und Kommunikation der Qualitätsziele und der damit verbundenen Qualitätsindikatoren bzw. -kennzahlen der medizinischen Abteilungen sowie deren Umsetzung im KEH mitgebracht. Darüber hinaus koordiniert und betreut sie das zentrale Beschwerdemanagement. Patientenmanagement Der Bereich Patientenmanagement in Verantwortung von Frau Careen Wünsch fungiert als wichtige Schnittstelle zwischen dem Krankenhaus, seinen Patienten und

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Strategisches Controlling und Unternehmensentwicklung
Teil 2
Die Abteilung: •  trategisches Controlling S und Leitung Unternehmensentwicklung • kaufmännisches) ( Controlling •  edizincontrolling M (»Casemanagement«) •  atienten- und BeschwerP demanagement • Referat ärztliche Direktion

den Kostenträgern aber auch zwischen den Mitarbeitern und den Bereichen des Krankenhauses selbst. Der Bereich verwaltet und koordiniert die Patientendaten und rechnet die stationär, teilstationär und ambulant erbrachten Leistungen gegenüber den entsprechenden Kostenträgern (Krankenkassen) oder Selbstzahlern ab und sorgt ggf. für die Durchsetzung der Forderungen. Das Patientenmanagement umfasst die zentrale Patientenaufnahme im Haus 103. Hier wird der Verwaltungsverlauf definiert und damit auch die spätere Abrechnungsart. Medizinische Leistungsdaten werden über IT-Schnittstellen vorwiegend aus Medicare in das Abrechnungsprogramm SAP eingelesen. Daraus wird die Rechnung erstellt, überprüft und mit den zugrundeliegenden Leistungsdaten verschlüsselt an die Kostenträger übermittelt. Darüber hinaus ist das Patientenmanagement verantwortlich für die Anpassung der Abrechnungsregeln im System – entsprechend den gesetzlichen Vorgaben – und die Überleitung der Erlöse aus den Rechnungsstellungen in die Finanzbuchhaltung. Seit 2010 sind die Krankenhäuser mit der Einziehung der gesetzlichen Eigenbeteiligung nach § 39 Abs. 4 SBG V beauftragt (10,00 € pro Tag für max. 28 Kalendertage im Jahr). Auch dies gehört zu den Aufgaben des Patientenmanagements wie die Erstellung von Statistiken im Rahmen des internen Berichtswesens und weitere organisatorische Aufgaben.

Andrea Mockenhaupt Seit September 2012 hat Andrea Mockenhaupt (39) die Leitung der Abteilung Strategisches Controlling/ Unternehmensentwicklung im KEH übernommen. Geboren und aufgewachsen in der Nähe von Siegen,

war sie nach Abschluss der Studiengänge Volks- und Betriebswirtschaftslehre im Bereich Controlling verschiedener Krankenhäuser und Altenhilfeeinrichtungen der Malteser in Bonn und anschließend als stellv. Abteilungsleiterin in einem städtischen Krankenhaus im Raum Frankfurt tätig. 2007 wechselte sie nach Berlin und war zunächst für das Kaufmännische Controlling im HELIOS Klinikum BerlinBuch zuständig. Zuletzt arbeitete sie als Referentin im Bereich »Zentraler Dienst Medizin Qualitätsmanagement« in der HELIOS Konzernzentrale. »Ich freue mich auf meine

neuen Aufgaben im KEH«, sagt sie. »Ich wünsche mir, den geänderten Rahmenbedingungen adäquat begegnen und dabei unsere Aufgabe, den Menschen als Ganzes in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen, gemeinsam erfüllen zu können.« Neben der Leitung der verschiedenen Bereiche zählen die Begleitung und Durchführung der Pflegesatzverhandlungen mit den Krankenkassen, die Verhandlung neuer Entgeltformen mit den Kostenträgern sowie das Schnittstellenmanagement der verschiedenen medizinischen und Verwaltungs-Bereiche zu ihren Hauptaufgaben.

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| Aktuelles | Baugeschehen |

Wir waren dabei!
KEH-Krankenpflegeschule beim 3. Kongress »zukunft: pflegen + begleiten« für Lernende und Studierende in Pflege und Assistenz in Berlin

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om 25. bis 27. Juni 2012 fand der vom Evangelischen Krankenhausverband (DEKV) initiierte Kongress für Pflegeschülerinnen und -schüler in dia­ konischen Einrichtungen Deutschlands im Berliner Congress Centrum (BCC) am Alexanderplatz statt. An die 1000 Auszubildende aus ganz Deutschland waren mit Lehrerinnen und Lehrern angereist, um miteinander und mit Fachexperten aus Pflege, Diakonie, Kirche und Politik über die Zukunft der Pflege nachzudenken und zu diskutieren. Unsere Delegation aus dem KEH, bestehend aus 17 Schülerinnen und Schülern und zwei Lehrerinnen, war mit dabei und erlebte drei intensive und überaus interessante Tage, die angefüllt waren mit Vorträgen und Workshops. Der Vorsitzende des DEKV Manfred Witkowski betonte in seinem Eröffnungsreferat die Bedeutung der Pflege im gesamtgesellschaftlichen Kontext und ermutigte die Auszubildenden, sich für die Weiterentwicklung der Pflege zu engagieren. In den moderierten Workshops unter dem Motto »Veränderungen denken – wagen – gehen!« arbeiteten die Schülerinnen und Schüler in insgesamt drei Foren zu berufspolitischen Schwerpunkten, zu Fragen

des Selbstverständnisses von Mitarbeitenden in einer diakonischen Einrichtung sowie zu den eigenen Ansprüchen an eine professionelle Pflege. Vorschläge zur Verbesserung bestehender Defizite wurden abschließend in einem »Berliner Manifest« zusammengestellt, welches den Leitungen des DEKV und DWBO übergeben wurde. Prälat Dr. Bernhard Felmberg, Bevollmächtigter des Rates der EKD, dankte zum Abschluss allen Beteiligten, insbesondere den vielen Auszubildenden, für ihre engagierte Arbeit und nahm das »Berliner Manifest« mit dem Versprechen entgegen, dieses sehr ernst zu nehmen und den Leitungsgremien der diakonischen Einrichtungen zukommen zu lassen.
 Brigitte Poek

Aktuelles Baugeschehen Sanierungsarbeiten in Haus 2 Derzeit ist Haus 2 den Blicken entzogen: weiße Planen decken die Fassade ab, denn neben Dachdeckerarbeiten finden gegenwärtig auch Rohbau-, Maurer- und Putzarbeiten statt. Zugleich werden die Fenster bearbeitet und notwendige Tischlerarbeiten vorgenommen. Parallel dazu gehen die Installationsarbeiten für Elektrik, Heizung, Lüftung und Sanitär voran. Die so genannte Bemusterung, d.h. die Festlegung des Farbkonzepts sowie der Raumaufteilung und Möblierung der Patientenzimmer (anhand eines Musterzimmers), ist in Abstimmung mit dem Fördermittelgeber, dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo),

Das ist keine Kunstaktion von Christo – Haus 2 ist zur Fassaden­ sanierung verhüllt. der Amtsärztin und den künftigen Nutzern inzwischen abgeschlossen. Die dafür erstellten Entscheidungsvorlagen wurden bestätigt. Die daraus erwachsenen Mehrkosten in Höhe von ca. 183.000 können im Rahmen der Gesamtfinanzierung aus erzielten Vergabegewinnen getragen werden.

Angaben zur Restsanierung Aus dem Budget in Höhe von ca. 21,8 Mio. Euro wurden bislang Leistungen in Höhe von ca. 13 Mio. Euro vergeben. Leistungsvergaben für ca. 3,5 Mio. Euro befinden sich derzeit in der Ausschreibung. Der Fördermittelbetrag, der für das Jahr 2012 zur Verfügung steht, beträgt 4,3 Mio. Euro. Davon wurden (bis August) Leistungen im Umfang von 1,6 Mio. Euro erbracht. Somit sind bis Dezember 2012 noch Leistungen in Kostenhöhe von 2,7 Mio. Euro zu erbringen. Der Kostenmittelplan befindet sich im Soll/Ist-Bereich, d.h., es gibt keine Kostenüberschreitung. Aber der Zeitplan für die Sanierung von Haus 2 verzögert sich um ca. acht Wochen. Grund hierfür sind Vergabeschwierigkeiten durch Bud-

getüberschreitungen in einzelnen Vergabeeinheiten. Deshalb mussten Ausschreibungen aufgehoben und neu formuliert werden, um Überschreitungen im Gesamtbudget zu vermeiden. Aufgrund dieser Verzögerung ist der geplante Umzug der epileptologischen Bereiche in Haus 2 vom 16. April auf den 26. Juni 2013 verlegt worden. Der Endfertigstellungstermin der Gesamtbaumaßnahme ist dadurch nicht gefährdet. Mario Menzel, Leiter Technik/Bau

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| Personalia |

Blindheit heilen helfen
Zur Verabschiedung von Pfarrer Dr. Andreas Reich

m 3. August 2012 wurde Pfarrer Dr. Andreas Reich als Krankenhausseelsorger am KEH verabschiedet. Während des Gottesdienstes in der Alten Kapelle nahmen der Superintendent des Kirchenkreises Lichtenberg-Oberspree, Pfarrer Hans-Georg Furian, und KEH-Geschäftsführer Pastor Dr. Johannes Feldmann seine Entpflichtung vor. Pfarrer Dr. Reich (Jahrgang 1959) hatte 1977 sein Studium der Theologie in Berlin begonnen, das er 1984 mit dem Ersten Theologischen Examen abschloss. 1991 legte er das Zweite Theologische Examen ab und wurde zum Pfarrer der Evangelischen Kirche in Berlin und Brandenburg ordiniert. Nach Assistenten- und Vikariatszeit in verschiedenen Berliner Kirchengemeinden, promovierte er 1992 über Friedrich Schleiermacher. 1993 erhielt er eine Pfarrstelle in Beeskow (Brandenburg). Ab April 1999 wechselte er in die Krankenhausseelsorge und begann im gleichen Jahr seine Ausbildung zum Krankenhausseelsorger. Seit April 2007 war er als Krankenhausseelsorger am KEH tätig.

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So war er bekannt: mit Gitarre und Gesang

In seiner Abschiedspredigt zu Johannes 9,1–7 (Heilung eines Blinden), beschrieb er Krankenhausseelsorge als Beitrag zur Heilung: von der Blindheit für die Wahrheit, auch über einen selbst. Das aber ermögliche, zum Anblick des Lichtes zu gelangen, Heil und Wohltaten Gottes zu erwarten. Beim anschließenden kleinen Empfang war Gelegenheit zum Gespräch und zur Übermittlung guter Wünsche. Pfarrer Dr. Reich übernimmt ab September 2012 die Kreispfarrstelle für Seelsorge im Krankenhaus im Kirchenkreis Barnim (Eberswalde).

Krankenhausseelsorgerin Hella Thorbahn, Superintendent Hans-Georg Furian, Pastor André ZankWins (Hospiz), Pfarrer Dr. Andreas Reich, Pfarrer Winfried Böttler, Pfarrerin Regina Schulz und Pastor Dr. Johannes Feldmann

Wir begrüßen als neue Mitarbeiterinnen und Mit­ rbeiter im KEH a
■	 Seit Juni 2012 Regina Kania Ärztin, Station KP 1 ■	 Seit Juli 2012 Dr. Thomas Bengner Diplom-Psychologe Station EP 3 Annika Dorstewitz Ärztin, Neurologie Nicole Düring-Hauer Krankenschwester Notfallambulanz/ Notaufnahme Franziska Neumann Medizinische Schreibkraft Chirurgie Melanie Reiniger Gesundheits-/Krankenpflegerin, Station UR 1 Ines Stammberger Krankenschwester ITS 1 Tony Wismer Rettungsassistent Notfallambulanz/Notaufnahme Seit August 2012 Amed Ignace Adjayi Praktikant/AZUBI Kaufm. Geschäftsführung Cathrin Conrad Koordinatorin PIA Erwachsene Susann Hoffmann Ergotherapeutin Geriatrie Matthias Kolitzus Arzt Tagesklinik Boxhagener Str. Birgit Manski Pflegehelferin Station P 8 Dr. Kristina Schuricht Ärztin Psychosomat. Tagesklinik Kathrin Zachow Krankenschwester Anästhesie ■	 Seit September 2012 Linda Cruz Mendez Gesundheits-/Kranken­ pflegerin Station CH 1 Charlene Fischer Altenpflegerin Station P 5 Sarah Heinen Praktikantin Personal/Abt. I Saskia Kauert AZUBI/Kauffrau Kaufm. Geschäftsführung Dr. Thomas King Arzt Epileptologie Alexander Knoke Arzt Psychiatrie/Psychotherapie Andrea Mockenhaupt Leiterin Pflegesatzmangement/ Strategisches Controlling Unternehmensentwicklung, Strategie Tobias Musche Ergotherapeut Projekt TAN.go Erich Pfenninger Krankenpfleger Station IN 2 Beatrice Reetz AZUBI/Bürokauffrau Kaufm. Geschäftsführung Marie Utpatel Gesundheits-/Krankenpflegerin ITS 1

Das KEH haben verlassen ■	 Im Juni 2012 Elvira Deider MA Patientenmanagement Patientenmanagement Dr. Eva-Daniela Eberle Fachärztin PIA der KJP Thomas Haubner MA Qualitätsmanagement PQM Hans-Jürgen Recke Altenpfleger Station P 6 Bärbel Richter MA Rechnungswesen Rechnungswesen Diane Wunsch Ergotherapeutin Geriatrie ■	 Im Juli 2012 Elvira Klinghammer Erzieherpraktikantin Kinder-/Jugendpsychiatrie Ralf Krawczyk Gesundheits-/Krankenpfleger Station P 1 Marianne Roch MAV Mitglied Mitarbeitervertretung Stefan Schmidt Krankenpfleger Notfallambulanz/Notaufnahme Florian Schüler Gesundheits-/Krankenpfleger Station UR 1 Anka Zimmer Diplompsychologin Psychosomat. Tagesklinik ■	 Im August 2012 Boris Bronisch Arzt Psychiatrie/Psychotherapie Manuela Franz Krankenschwester Kinder-/Jugendpsychiatrie Jessica Heinrich Helferin FSJ Station KP 1 Dr. Ullrich Hildebrandt Arzt Psychiatrie/Psychotherapie Lisa Kannengießer Helferin FSJ Station EP 2 Jill Kraus Helferin FSJ Station P 10 Verena Kubisch Krankenschwester ITS 1 Nilophar Lafrai Fachärztin Station IN 4 Annegret Nockmann Krankenschwester Station CH 1 Dr. Julia Rack Fachärztin Notfallambulanz/ Notaufnahme Dr. Andreas Reich Krankenhausseelsorger Seelsorge Dr. Corinna Strenzke Ärztin Psychiatrie/Psychotherapie Alexandra Surnenko Helferin FSJ Station CH 2 Franziska Zühlke Helferin FSJ Station UR 1

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| Aktuelles |

Kunst-Workshop unter freiem Himmel
um zweiten Teil eines Kunst-Workshops sind 15 Künstler aus der Kunsttherapie des Ev. Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH) nach Bielefeld-Bethel gereist. Im Hotel Lindenhof trafen sie 15 Menschen aus dem Künstlerhaus Lydda. Unter der Überschrift »Unter freiem Himmel unterwegs« entstanden wieder eine Woche lang vielfältige Kunstwerke. Das »Hinspiel« fand vor genau einem Jahr statt: Im August 2011 war eine Gruppe des Künstlerhauses Lydda nach Berlin gereist, um Malerei und Skulptur zu gestalten. Die entstandenen Arbeiten waren im September im Museum Kesselhaus zu sehen. Organisiert wurden die Künstlertreffen von der Berliner Kunsttherapeutin Rosemarie Camatta und von Jürgen Heinrich, Leiter des Künstlerhauses Lydda in Bethel. Im kommenden Jahr werden die Ergebnisse des Workshops in einer großen Wanderausstellung zu sehen sein, die am 13. März im Europa-Parlament in Straßburg eröffnet wird.

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Gruppenbild vor dem Start 2012 in Bethel

Impressionen Rundum bestens versorgt und in reizvoller Umgebung konnten die kreativen Energien fließen. Und sie sind geflossen und haben ihren Ausdruck in einer Vielzahl von Bildern und Skulpturen gefunden. Dabei fiel öfter der Satz: »Das ist ja wie Urlaub.« Es war ein sehr arbeitsintensiver Workshop, der verbunden

war mit dem entspannten Wohlgefühl von Urlaub. Einige Zeilen aus einem Text der Lyddaraten zum Thema »Was ist liebenswert?« beschreiben dies für mich ganz treffend: »...wenn ich die Zeit finde einen Gedanken zu formulieren. ... Liebenswert ist: Wenn die Unruhe der Ruhe weicht, die Stimme der Musik mich erreicht,...

Wenn mich die Bewegung des anderen erreicht,...« (Markus Griebner »Was ist liebenswert?«) Diese lebendige Ruhe, die Kreativität und Begegnung miteinander und mit sich selbst ermöglicht, haben wohl alle Teilnehmer/innen als großes Geschenk empfunden. Man könnte sagen, es war eine euthyme Woche (euthym,

griech. = was der Seele gut tut). Dank an alle, die dies ermöglicht haben und ganz besonders an die Mitarbeiter/-innen des Künstlerhauses LYDDA, die mit dem »RundumWohlfühl-Paket« wesentlich dazu beigetragen haben! Ein Berliner Teilnehmer sagte am letzten Tag zu mir: »Ich glaube, diese Energie trägt mich be-

stimmt bis Weihnachten«. Zufrieden und dankbar, mit vielfältigen Eindrücke und neuen Kontakten im Gepäck sind wir wieder in Berlin gelandet. Diese Woche wird wohl noch lange nachwirken. Das ist eine besondere Form von Nachhaltigkeit! Johanna Gernentz Ergotherapeutin

KEH-Report | September 2012 Seite 20

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Konzertreihe wird fortgesetzt

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m Jahr 1977 wurde von dem berühmten Geiger Yehudi Menuhin der Verein »Live Music Now« gegründet. Er verbindet die Förderung von jungen Musikern mit der Organisation von kostenlosen Konzerten für Menschen, die kaum oder gar nicht mit live gespielter klassischer Musik in Berührung kommen können. Seit 14 Jahren existiert YEHUDI MENUHIN Live Music Now e.V. auch in Berlin. Seine Mitglieder organisieren Konzerte in Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen, Hospizen, Altersheimen, Gefängnissen und in Schulen an sozialen Brennpunkten. Die Arbeit des Vereins hat zwei Seiten: kranken, bedürftigen, isolierten Menschen wird mit Musik Freude geschenkt und zugleich erhalten hochbegabte junge Musiker aus Berliner Musikhochschulen eine Förderung. Die dafür nötigen Gelder werden ausschließlich über Spenden finanziert. Gemäß Menuhins Credo: »Musik heilt, Musik tröstet, Musik bringt Freude« war vor einigen Jahren die Konzertreihe »Kammerkonzerte am Epilepsie Zentrum Berlin Brandenburg« im KEH ins Leben gerufen worden. Sie brachte Musik zu den Patienten und zu Menschen, die nicht in ein Konzerthaus gehen können, denen der entspannende Klang der Musik ein besonderes, wohltuendes Erlebnis sein sollte. Nach einer Pause wird die Reihe im Herbst dieses Jahres in Zusammenarbeit mit »Jehudi Menuhin live music now« wieder aufgenommen. Die Konzerte werden mit einer kurzen Pause. etwa 90 Minuten dauern.
Termine Gottesdienste jeden Sonntag, 10 Uhr, Alte Kapelle, Haus 22 Dienstag, 9. Oktober 2012 13 – 14.30 Uhr, Krankenpflegeschule, Haus 69, Clubraum Fall- und Klinikkonferenz der Abteilung Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik* Schmerz im Alter und bei Demenz Referent: Prof. Dr. Torsten Kratz Donnerstag, 11. Oktober 2012 12.45 – 14 Uhr, Haus 22, Clubraum Ausstellung »Die Irrenanstalt Herzberge auf dem Reißbrett«. Zeichnungen aus den Jahren um 1890 von Hermann Blankenstein 15. Oktober bis 20. Dezember 2012 Museum Kesselhaus (Haus 29) Berlin Brandenburger Epilepsie Kolloquium Mittwoch, 17. Oktober 2012 17.30 – 19 Uhr, Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin Fallvorstellung und Vortrag von Günter Krämer, Schweizerisches Epilepsiezentrum, Zürich (CH): »Wie gefährlich sind epileptische Anfälle – Auto, Sport, Haushalt?« ** Fall- und Klinikkonferenz der Abteilung Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik* »Evaluation in der Ergotherapie« Referentin: Frau Heffter u.a. Donnerstag, 18. Oktober 2012 12.45 – 14 Uhr, Haus 22, Clubraum Fragen der aktuellen Wundversorgung Referentin: Frau Julia Schönrath, Wundmanagerin Donnerstag, 18. Oktober 2012 13 – 14.30 Uhr, Krankenpflegeschule, Haus 69, Club­ aum r Consultation-Liaison Psychiatry and Psychosomatics Internationaler Workshop zum Thema Konsiliar-Liaison Psychiatrie und Psychosomatik

Das erste Konzert findet statt am: Freitag, 19. Oktober 2012 Es spielt das Saxophon Quartett »Sax Solenne«. Beginn: 19 Uhr, Haus 22, Festsaal Die weiteren Termine in der vorläufigen Konzertplanung für 2012/13: Freitag, 23. November 2012 Es spielt das GAGLIANO STREICHQUARTETT. Haus 22, Alte Kapelle Freitag, 14. Dezember 2012 LIEDERABEND, Festsaal, Haus 22 Freitag, 25. Januar 2013 JAZZABEND, Festsaal, Haus 22 Freitag, 22. Februar 2013 KLASSISCHE PERCUSSION (u.a. Marimbaphon) Festsaal, Haus 22 Freitag, 22. März 2013 KLAVIERABEND, Festsaal, Haus 22

Aktuelle Ausstellung Andre Kiehtreiber: »Jahrhunderte fliegen dahin« – Ölbilder zu Werken Deutscher Literaturnobelpreisträger Finissage: 4. Oktober 2012 19.00 Uhr, Museum Kesselhaus Herzberger Notfalltreff »Ein Kessel Buntes: Notfallversorgung in der Gefäßchirurgie, Geriatrie und Urologie«* Mittwoch, 26. September 2012 15 – 17 Uhr, Clubraum Haus 22 Fall- und Klinikkonferenz der Abteilung Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik* Posttraumatische Belastungsstörung Referent: Prof. Dr. Diefenbacher MBA Donnerstag, 27. September 2012 15 – 17 Uhr, Clubraum Haus 22 Orgelkonzert Babora Yhee an der historischen Turley-Orgel Dienstag, 2. Oktober 2012 16 Uhr, Alte Kapelle, Haus 22, Eintritt frei. Fall- und Klinikkonferenz der Abteilung Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik* Psychologische Aspekte bei Personen mit Tätowierungen Referentin: Sylke Bartels Donnerstag, 4. Oktober 2012 12.45 – 14 Uhr, Haus 22, Clubraum Aktuelles rund um isolierungspflichtige Erreger (für Mitarbeitende auf den Stationen und Interessierte) Claudia Rattke, Katharina Hoffmann (Hygienefachkräfte )

18. – 20. Oktober 2012 Freitag, 14 Uhr bis Samstag 13.15 Uhr Haus 22, Clubraum In englischer Sprache. Anmeldung erforderlich, kostenpflichtig. Zertifizierung bei der ÄK Berlin beantragt. Zentrale Fortbildung Aktuelle Hygienefragen und die neue Hygieneverordnung Dozenten: Prof. C. Wendt und Dr. Bauermann Mittwoch, 31. Oktober 2012 15.30 – 17 Uhr, Haus 22, Festsaal Pflichtveranstaltung für alle Ärzte. Zertifizierungen (2 Punkte) durch die Ärztekammer sind beantragt. Bitte bringen Sie Ihre Barcodetiketten bzw. die EFN-Nummer zur Fortbildung mit. Fall- und Klinikkonferenz der Abteilung Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik * »Psychotherapeutische Verfahren: Akzeptanz- und Commitmenttherapie« Referentin: Dr. Maike Wolf Donnerstag, 1. November 2012 12.45 – 14 Uhr, Haus 22, Clubraum Orgelkonzert N.N. an der historischen Turley-Orgel Dienstag, 6. November 2012 16 Uhr, Alte Kapelle, Haus 22 Eintritt frei. Musiktherapie in der Psychiatrie Fachtagung des Musiktherapiezentrum UdK Berlin Samstag, 10. November 2012 9 – 16.30 Uhr, Haus 22, Festsaal Neurologische Fortbildung »Trachealkanülenmanagement« Mittwoch, 21. November 2012 14 – ca. 15 Uhr Röntgendemo-Raum (Keller Haus 3) Von der ÄK mit 1 Pkt. Zertifiziert.

Diakonischer Mitarbeitertag am Buß- und Bettag Ethik-Café: »Der ›schwierige‹ DemenzPatient« mit Professor Dr. Torsten Kratz und Schwester Ellen Baumann Mittwoch, 21.11.2012 um 15 Uhr, Clubraum Haus 22 Gospel-Konzert mit dem Berlin Community-Choir 17 Uhr, Alte Kapelle Berlin Brandenburger Epilepsie Kolloquium Mittwoch, 21. November 2012 17.30 – 19 Uhr, Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin Fallvorstellung und Vortrag von Christoph Baumgartner, Epilepsiezentrum Rosenhügel, Wien (A): »Klinische Anfallssemiologie und funktionelle Hirntopographie« ** Internationaler Abend Pfr. André Zank-Wins: »Hospizarbeit in Europa« Dienstag, 27. November 2012 Beginn: 19 Uhr, Museum Kesselhaus Kostenbeitrag: 3 Euro Musikalischer Auftakt zum Advent Konzert mit Anne-Kathrin Schenck und dem Barockensemble »Senza Sordini« Freitag, 30. November 2012 Beginn: 19 Uhr, Museum Kesselhaus Orgelkonzert Thomas Lanz an der Turley-Orgel Dienstag, 4. Dezember 2012 16 Uhr, Alte Kapelle, Haus 22 Eintritt frei. * 	 Fortbildung ist mit 2 Punkten von Die der Ärztekammer Berlin zertifiziert. **	 ie Veranstaltung ist durch die D Ärzte­­ kammer Berlin mit 2 Fortbildungspunkten und durch die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie mit 1 Punkt zertifiziert.
        
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