Path:
INAM – Eine Allianz für neue Materialien

Full text: Adlershof-Special Issue 46.2016 INAM – Eine Allianz für neue Materialien

46
INAM – Eine Allianz
für neue Materialien
INAM – An alliance
for new materials

>	 Inkubator Adlershof
	 Adlershof incubator

> Das Beste aus zwei Welten
	 The best of both worlds

>	 Wie gedruckte Bilder laufen lernen

	 How printed images learned to swim

Adlershof

special

Den Weg in die
Anwendungen finden

46

Discovering paths from
research to potential applications

INHALT // CONTENT

IMPRINT // IMPRESSUM

	 3 	 Den Weg in die Anwendungen finden
		 Discovering paths from research to
		 potential applications

Herausgeber // Publisher:
WISTA-MANAGEMENT GMBH

	 4 	 Inkubator Adlershof
		 Adlershof incubator

Autoren // Authors:
Jennifer Giwi (jg), Mirko Heinemann (mh),
Andreas Heins (ah), Paul Janositz (pj),
Chris Löwer (cl), Klaus Oberzig (ko)

Redaktion // Editorial staff:
Rico Bigelmann, Sylvia Nitschke

	 8	 Ein Leuchtturm für neue Materialien
		 A beacon for advanced materials

Übersetzung // Translation:
Lost in Translation?, Endingen

	 10	 Das Beste aus zwei Welten
		 The best of both worlds

Layout und Herstellung // Layout and production:
Medienetage Anke Ziebell
Telefon: 030/609 847 697, Fax: 030/609 847 698
E-Mail: aziebell@medienetage.de;
www.ziebell-medienetage.de

	 12 	 INAM-Netzwerk
		 INAM network
	 14	 Von Mutigen, Machern und Mentoren
		 Of movers, makers, and mentors

	 16	 Brücken bauen
		 Building jointly
	 18	 Wie gedruckte Bilder laufen lernen
		 How printed images learned to swim
	 20	
		
		
		

Networking von der Forschung
bis zur Vermarktung
Networking from research
to marketing

	 23	 Adlershof in Zahlen
		 Adlershof in figures

Ihre Ansprechpartner // Your contact person
WISTA-MANAGEMENT GMBH
Dr. Helge Neumann
Bereichsleiter Customer
Service / Geschäftsentwicklung
Phone:	+49 (0)30 6392-2231
Fax:	 +49 (0)30 6392-2204
helge@wista.de
www.adlershof.de

IRIS Adlershof
Dr. Nikolai Puhlmann
Geschäftsführer IRIS Adlershof
Phone:	+49 (0)30 2093-66352
Fax:	 +49 (0)30 2093-66351
puhlmann(at)iris-adlershof.de
www.iris-adlershof.de

Redaktionsadresse // Editorial staff address:
WISTA-MANAGEMENT GMBH, Bereich Kommunikation
Rudower Chaussee 17, 12489 Berlin
Telefon: 030/63 92-22 38, Fax: 030 / 63 92-22 36
E-Mail: nitschke@wista.de; www.adlershof.de/special
Anzeigenverkauf // Ad sales:
WISTA-MANAGEMENT GMBH, Bereich Kommunikation
Marina Salmon, Telefon: 030 / 6392-2283
E-Mail: salmon@wista.de
Druck // Print:
BGZ Druckzentrum GmbH
www.bgz-druckzentrum.de
© Fotos // © Photos:
Sofern nicht anders gekennzeichnet/unless otherwise
specied: Tina Merkau; Titel/Title: Colin Anderson/
Mediabakery; Inhalt/Content: Science Photo Library/Mediabakery (oben/top), Patrick Foto/Shutterstock (Mitte/center),
Pilotfish GmbH (unten/bottom); S./p. 4/5 Photomontage:
LdF/iSock by Gettyimages (Spider), Shutterstock;
S./p. 4 + 6: Shutterstock; S./p. 10/11: Nickl & Partner
Architekten AG, Berlin; S./p. 14: volatiles lighting GmbH;
S./p. 18: INURU GmbH; S./p. 20: Pilotfish GmbH;
S./p. 23: Katy Otto

Nachdruck von Beiträgen mit Quellenangabe gestattet.
Belegexemplare erbeten.
// Contributions indicated by name do not necessarily
represent the opinion of the editorial staff. Reprinting
of contributions permitted with source references.
Specimen copies requested.
2016

Ausführliche Texte und Adlershofer
Termine finden Sie unter:

www.adlershof.de/special

I

ntelligenter, effizienter und zunehmend integrierter:	
	
Der rasante Fortschritt in Elektronik, Optik und Photonik,
sowie den eng damit verbundenen Materialwissenschaften bestimmt das Tempo zukünftiger Innovationen, und
damit deren Einfluss auf Wohlstand und Lebensqualität in
unserer Gesellschaft. Doch die etablierte, über Jahrzehnte
entwickelte Siliziumtechnologie stößt an ihre Grenzen.
Der Übergang zu Verbundsystemen aus organischen und
anorganischen Materialien, die auf der Nanoebene strukturiert sind, erschließt dagegen neue Eigenschaften und
damit neue Anwendungsperspektiven. In Adlershof werden	
derartige Hybridsysteme grundlegend am Integrative	
Research Instititute for the Sciences IRIS Adlershof der	
Humboldt-Universität zu Berlin erforscht, das hierzu eng mit
zahlreichen Partnern kooperiert.
Damit die hier gewonnenen Erkenntnisse der Grundlagenforschung schneller den Weg in mögliche Anwendungen finden, haben sich Wissenschaftler und Vertreter der Wirtschaft
nun zu einem neuen Netzwerk zusammengeschlossen. Ziel
des Innovation Network for Advanced Materials (INAM) ist	
es, innovative Konzepte zum Einsatz neuer Materialien und
Technologien in Elektronik, Optik und Photonik zu entwickeln
und umzusetzen. Eindrucksvolle Beispiele dafür finden Sie in
diesem „Adlershof Special“.
Die Wissenschaftler vom IRIS Adlershof verknüpfen mit den
Aktivitäten des Netzwerkes die Hoffnung, Partner in der
Wirtschaft zu finden, deren Produktideen neue Forschungs-	
fragen aufwerfen oder die sich auch von Ergebnissen der
Grundlagenforschung zu neuen Produkten inspirieren lassen.
Als erste große auch international sichtbare Aktivität ver-	
anstaltet INAM die Advanced Materials Competition	
(AdMaCom), einen sechswöchigen Workshop zur Entwicklung
innovativer Produktkonzepte mit internationalen Startups
für die Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller die
Schirmherrschaft übernommen hat.

I

	
ntelligence, efficiency, and growing integratability: The
rapid progress in micro- and optoelectronics, optics, photonics, and the closely related material sciences defines the rate
of future innovations and hence their effects on our prosperity and quality of life. Yet, the established silicon technology	
after decades of outstanding development is coming up
against its limits. On the other hand, the transition to	
structured composite systems of various organic and	
inorganic materials on the nanolevel is revealing new properties and hence new prospects for applications. In Adlershof,
thorough basic research is being conducted into these hybrid
systems at the Integrative Research Institute for the Sciences
(IRIS Adlershof) of the Humboldt-Universität zu Berlin, here in
close cooperation with numerous partners.
With a view to accelerating the integration of these basic
research findings in potential applications, scientists and
science representatives have now come together to set up a
new network. The objective of this Innovation Network for	
Advanced Materials (INAM) is to develop and realise innovative concepts for the application of new materials and technologies in electronics, optics, and photonics. Read about
some striking examples in this Adlershof Special.
By coordinating and pursuing activities on this network, the
scientists at IRIS Adlershof are hoping to find trade partners whose product ideas give rise to research questions or
who have found inspiration for new products in the findings	
returned by this basic research.
From 28 August to 10 October, INAM will be hosting as its	
A first major and visible activity of INAM is the Advanced
Materials Competition (AdMaCom), a six week workshop for
developing innovative product concepts with international
startup under the auspices of Berlin’s mayor Michael Müller.

Prof. Dr. Jürgen P. Rabe	
Sprecher | Chairman	
Integrative Research Institute for the Sciences IRIS Adlershof
Adlershof special 46

3

Adlershof
incubator
In June 2016, the Innovation Network for Advanced Materials
(INAM) was set up in Berlin with the collaboration of several
Adlershof partners. Helge Neumann, Divisional Head of Business
Development at WISTA-MANAGEMENT GMBH (WISTA), the
operator of the Adlershof Technology Park, talks about the role
Adlershof adopted in the process.
> more on page 7

Inkubator
Adlershof
Im Juni 2016 wurde in Berlin das Innovationsnetzwerk für neue
Materialien (Innovation Network for Advanced Materials, INAM)
gegründet. Mehrere Adlershofer Partner sind daran beteiligt.
Helge Neumann, Bereichsleiter Geschäftsentwicklung des
Adlershofer Technologieparkbetreibers WISTA-MANAGEMENT
GMBH (WISTA), spricht über die Rolle Adlershofs dabei.
	

4

> weiter auf Seite 6

Adlershof special 46

Adlershof special 46

5

// Inkubator Adlershof
INAM ist ein neues Netzwerk in Adlershof und über dessen
Grenzen hinaus. Was ist INAM?
Hier entsteht ein Kompetenzzentrum für die Erforschung
und Entwicklung neuer Materialien, das es sich zur Aufgabe	
gemacht hat, Anwendungsgebiete für neue Materialien	
herauszufinden.
Warum in Adlershof?
Adlershof fußt auf den drei Säulen: Universitäre sowie	
außeruniversitäre Lehre, Forschung und Wirtschaft. Hier
gibt es fruchtbaren Boden für Ideen. Der Standort ist ein
Kompetenzknotenpunkt für neue Technologien. Adlershof
hat langjährige Erfahrung – über diverse Technologiefelder
– im Zusammenführen verschiedenster Akteure für innovative Netzwerke. Er verbindet seit langem Forschung und
Wirtschaft erfolgreich und hat das bei zahlreichen Querschnittstechnologien immer wieder unter Beweis gestellt.
Netzwerke gibt es viele. Was macht INAM anders?
Wir beobachten, dass eine Lücke zwischen Forschungs- und
Bildungseinrichtungen, Start-ups und Hightech-Unternehmen klafft. Erstere wollen einen Anwendungsbezug in
Forschung und Lehre einbringen. Für kleinere Start-ups, die
sich in Adlershof ansiedeln wollen, ergeben sich dagegen
viele Fragen zur Infrastruktur, zum Zugang zu Laboren und
Messtechnik. Fragen zu Patentrechten, Markteintritt oder
Produktdesign. Größere Industrieunternehmen hingegen
schauen sich nach neuen Geschäftsfeldern um, suchen	
Partner unter den Newcomern, um möglichst frühzeitig	

6

Adlershof special 46

// Incubator Adlershof
Innovationen und Trends aufzuspüren. Sie bringen sich nicht
nur finanziell ein, sondern stehen auch kleinen Unternehmen mit ihrer Markterfahrung zur Seite. Hier setzen wir als
Netzwerk an.
Wie bringen Sie die Partner zusammen?
Mit regelmäßigen Veranstaltungen, Workshops, Pitches,
bei denen sich die Akteure treffen und kennenlernen	
können. Hinzu kommen auch Accelerator- und Coaching-	
Programme. Ein erstes Beispiel dafür ist der international ausgeschriebene Wettbewerb AdMaCom, der den
Wissensaustausch besonders berücksichtigt. Die Hoch-	
schule – hier vor allem das Integrative Research Institute for
the Sciences IRIS Adlershof – erarbeitet Forschungsergebnisse zu Eigenschaften von neuen Materialien. Die Start-ups
entwickeln auf dieser Grundlage Ideen für deren Nutzung in
neuen Produkten.
Welche Rolle spielt die WISTA für INAM?
Wir stellen die Umgebung, Kontakte, die Infrastruktur zur
Verfügung und bringen potenzielle Partner zusammen.	
Die Initiative muss jedoch von den Unternehmen selbst
kommen. Dabei sind wir ein Mittler, der bewusst Neutralität zwischen den Partnern wahrt. Natürlich sind wir auch	
daran interessiert, über das INAM-Netzwerk neue Firmen im
Technologiepark Adlershof anzusiedeln. Langfristig soll sich
der Verein aus den Mitgliedsbeiträgen und Projekten selbst
finanzieren. ah

INAM is a new network in and beyond Adlershof.
What is INAM?
This is the birthplace of a competence centre for the	
research and development of advanced materials and the
identification of their applications.
Why in Adlershof?
Adlershof is based on three pillars, i.e. research, teaching,
and business. This provides fertile ground for ideas. The	
location is a node of expertise for new technologies.	
Adlershof embodies many years of experience – over various
fields of technology – in bringing together the most diverse
players for innovative networks. It has long been a successful union of research and business, and has proven this	
repeatedly with other cross sectional technologies.
There are networks galore. What’s so special about INAM?
We observe a yawning gap between startups, high tech	
companies, and research and educational institutions. The
last of these want to introduce a reference application in
research and theory. Smaller startups wanting to set up in
Adlershof, on the other hand, are faced with many questions
regarding infrastructure, access to laboratories and instrumentation, patent rights, market entry, or product design.
Larger industrial enterprises, in contrast, are keeping an eye
out for new business fields and seeking potential partners
among the newcomers for the purpose of identifying innovations and trends at the earliest possible time. In return, they

not only bring with them the financial support, but also assist
small companies with their experience on the market. Here is	
where we stand as a network.
How do you bring the partners together?
With regular events, workshops, and pitches where the	
players can meet and get to know each other. These
are joined by accelerator and coaching programs. One	
example of an initial step is the AdMaCom competition
open to participants all over the world that places particular	
emphasis on knowledge exchange. The university, above all	
the Integrative Research Institute for the Sciences IRIS	
Adlershof, processes research findings on the properties
of advanced materials. The startups take these findings as
their basis to develop ideas for their use in new products.
What role does WISTA play for INAM?
We provide the environment, contacts, and infrastructure and bring together potential partners. The companies
themselves must take the initiative. In the process, we are
a mediator that deliberately maintains neutrality between
the partners. Of course, we are also interested in using the	
INAM network to set up new companies in the Adlershof
Technology Park. Over the long term, this association is
to finance itself from membership subscriptions and the	
projects themselves.

Adlershof special 46

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Ein Leuchtturm für
neue Materialien

A beacon for
advanced materials

Das neu gegründete INAM-Netzwerk will brillante
Ideen in die Praxis überführen – hin zu marktreifen
Produkten in Elektronik, Optik und Photonik.

A recent setup, the INAM network intends to introduce brilliant ideas to the field – and to marketable
products in electronics, optics, and photonics.

	 Ohne Grundlagenforschung keine neuen Materialien.

Doch allzu oft bleiben bahnbrechende Erkenntnisse in den
Labors stecken, weil Wissenschaftler den Schritt zum Produkt scheuen. Es ist wichtig, dass alle Akteure im Prozess
von der Idee zur vermarktbaren Innovation an einem Strang
ziehen. Deshalb haben sich im Wissenschafts- und Technologiepark Berlin-Adlershof unlängst Forscher und Vertreter der
Wirtschaft zum Innovationsnetzwerk für neue Materialien
(Innovation Network for Advanced Materials, INAM) zusammengeschlossen.
„Ziel ist es, innovative Konzepte zum Einsatz neuer Materialien und Technologien in Elektronik, Optik und Photonik
zu entwickeln und umzusetzen“, erklärt INAM-Interims-	
vorstand Nikolai Puhlmann. Dabei handelt es sich zum	
Beispiel um kostengünstige Produktionsprozesse dank	
neuer Drucktechnologien, transparente, leitfähige Beschichtungen für Dünnschichtsolarzellen oder die Weiter-	
entwicklung organischer Leuchtdioden (OLED) für die	
Automobilbranche. „Besonders wichtig ist uns dabei, Grundlagenforschung und Anwendung so weit wie möglich	
zusammenzubringen“, betont Puhlmann.
Entsprechend finden sich im INAM Partner entlang der	
gesamten Wertschöpfungskette, unter anderem die OSRAM	
GmbH, die Ledvance GmbH, das Integrative Research	
Institute for the Sciences (IRIS Adlershof) der Humboldt-	
Universität zu Berlin, die Wirtschaftsfördergesellschaft
Berlin Partner und die WISTA-MANAGEMENT GMBH. Die
Kompetenzen sind breit gefächert: Das Spektrum weiterer
Netzwerker reicht von der auf Produktdesign spezialisierten
Agentur Pilotfish GmbH über die offene Entwicklungswerkstatt Fab Lab Berlin bis zur Patent- und Technologietransferberatung durch die Humboldt-Innovation GmbH sowie
Weitnauer Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft.
Initiiert wurde das zunächst auf drei Jahre angelegte Netzwerk von Vordenkern aus Adlershof und Berlin Partner. Das
kommt nicht von ungefähr, denn in Adlershof haben rund
um das IRIS etliche außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und innovative Unternehmen ein Kompetenzzentrum	
der optischen Analytik und der Materialwissenschaften	
entstehen lassen. mh

in electronics, optics, and photonics,” explained Nikolai	
Puhlmann, interim INAM chair. These include, for example,
new printing technologies for reducing production process
costs, transparent, electrically conducting coatings for thinfilm solar cells, and the further development of organic light
emitting diodes (OLEDs) for the automotive sector. “We find
it particularly important to combine basic research and	
application to the maximum possible extent,” stressed	
Puhlmann.

INAM-Interimsvorstand Nikolai Puhlmann (r.) und INAM-Geschäftsführer
Jonas Pauly vor einem Plan des IRIS-Forschungsneubaus.
Nikolai Puhlmann (right), interim INAM chair and INAM CEO Jonas Pauly in
front of a visualisation of the new IRIS research building.

	 N

o basic research, no advanced materials. Yet all too
often, pioneering knowledge fails to leave the laboratory because scientists shun the step to the product. It is important
that all players join forces in the process from the idea to
the marketable innovation. For this reason, researchers and
industry representatives recently came together in the Adlershof Science and Technology Park to take part in the Innovation Network for Advanced Materials (INAM).
“The objective is to develop and realise innovative concepts
for the application of advanced materials and technologies

8

Adlershof special 46

Accordingly, the INAM partners along the entire value chain
include OSRAM GmbH, Ledvance GmbH, the Integrative	
Research Institute for the Sciences (IRIS Adlershof) of HU	
Berlin, the business promoter Berlin Partner, and WISTA-	
MANAGEMENT GMBH. The expertise these embody presents itself over a broad front: other network users are the
specialised product design agency Pilotfish GmbH, the open
development workshop Fab Lab Berlin, and patent and technology transfer consultants at Humboldt-Innovation GmbH
and Weitnauer Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft.
Initially conceived for three years, the network was initiated by guiding intellectual forces from Adlershof and Berlin
Partner. This should not come as a surprise. After all, the
many non-university research institutes and innovative
companies nestled around the IRIS in Adlershof have given	
rise to a competence centre for optical analytics and	
material sciences.
Adlershof special 46

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Das Beste aus zwei Welten

Im IRIS-Forschungsneubau werden auf 4.500 Quadratmetern
140 Wissenschaftler interdisziplinär forschen.
140 Scientists will work interdisciplinary at the new IRIS research
facility with 4.500 square metres of lab and office space.

© Nickl & Partner Architekten AG

// The best of both worlds

Was sollen die neuen Materialien können, die die zukünftige Elektronik dringend benötigt? „Schneller, heller,
effizienter – und vor allem multifunktionaler sollen sie sein“, sagt Jürgen P. Rabe, Professor am Institut für Physik
der Humboldt-Universität zu Berlin und Sprecher von IRIS (Integrative Research Institute for the Sciences) Adlershof.
Mit Silizium, dem traditionellen Werkstoff der Halbleitertechnologie, alleine sind diese Eigenschaften schwer zu
erreichen. Es gelte, neue Stoffe zu finden, die beispielsweise leitfähig und trotzdem transparent, großflächig und
zudem flexibel seien. Dieser Herausforderung stellt sich das 2009 gegründete, derzeit rund 100 Mitarbeiter starke
Institut mit seinem Forschungsfeld „Hybridsysteme für Optik und Elektronik“.

What are the advanced materials supposed to have that the electronics of the future so desperately needs?
“More speed, more brightness, more performance – and above all more multifunctionality,” replied Jürgen Rabe,
Physics Professor at the Humboldt-Universität zu Berlin and chairman of IRIS (Integrative Research Institute for
the Sciences) Adlershof. Silicon alone, the traditional material of semiconductor technology, can help to achieve
these properties only with great difficulty. New substances must now be found that, for example, are electrically
conducting, yet transparent, exhibit large areas, and yet are flexible. Set up in 2009 and now employing a workforce
of about 100, the institute specialising in hybrid systems for optics and electronics took up this challenge.

	 „Wir

	 ”Our work involves combining the properties of	

arbeiten daran, Eigenschaften klassischer	
Halbleitermaterialien mit denjenigen von neuartigen Werkstoffen zu kombinieren“, sagt Professor Rabe. Aussichts-	
reiche Kandidaten sind zweidimensionale Materialien
wie das Graphen. Die aus einer ultradünnen Schicht von	
Kohlenstoffatomen bestehende anorganische Substanz
leitet Strom, ist extrem reißfest und zugleich dehnbar. Das	
Material lässt sich großflächig mit organischen Stoffen –
Molekülen und Polymeren – mischen. Der Einbau von Stickstoffatomen verleiht Halbleitereigenschaften. Die Herstellung eines solchen Kohlenstoffnitrids gelang vor kurzem
erstmals einer Gruppe um Rabe.
„Wir wollen die kurzen Wege in Adlershof nutzen und zudem neue Player herholen“, sagt Rabe. Dazu wird auch der
angrenzende Forschungsneubau beitragen, der bis 2018

10

Adlershof special 46

fertig sein soll. Auf rund 4.500 Quadratmetern werden	
etwa 140 Wissenschaftler Platz finden und sich der inter-	
disziplinären Forschung an den anorganisch-organischen
Hybridmaterialien widmen: Chemiker, Physiker oder Materialwissenschaftler – auch Theoretiker, die für die Berechnung
großer Moleküle an den Grenzflächen unverzichtbar sind.
Rabe sieht die Aufgabe des Teams auch darin, Synergien
zu schaffen zwischen dem Verständnis der wissenschaft-	
lichen Grundlagen und der technischen Anwendung in
neuen Produkten. Dazu dient der Kontakt zu Start-ups und
zu etablierten Unternehmen, die neue Geschäftszweige	
aufbauen, sowie die Kooperation mit strategischen Partnern
auch auf nationaler und internationaler Ebene. So wundert	
es nicht, dass IRIS einer der federführenden Partner im	
neuen Materialien-Netzwerk INAM ist. pj

classical semiconductors with those of advanced materials,” explained professor Rabe. Highly promising candidates
are 2D materials like graphenes. Consisting of an ultra thin
sheet of carbon atoms, this inorganic substance conducts
electricity, is extremely resistant to tearing, and is also	
elastic. The material can be mixed over a large area with
organic substances – molecules and polymers. Integrating
nitrogen atoms lends the substance semiconductor properties. Recently, a group headed by Rabe was the first to	
manufacture this carbon nitride.
“We intend to utilise the short paths in Adlershof and also
fetch new players on board,” claimed Rabe. Contributions
will also be supplied by the new, adjoining research building
whose completion is planned for 2018. Approximately 4500

square metres will provide the workspace for about 140	
scientists dedicated to interdisciplinary research into	
organic-inorganic hybrid materials. These will include	
chemists, physicists, material scientists, and even theorists
who are indispensable for the calculations involving macromolecules at the boundary surfaces.
Rabe also sees his team’s tasks in generating synergies	
between the understanding of scientific principles and their
technical application in new products. This is helped by	
contacts with startups and established companies building up new lines of business and by joint ventures with	
strategic partners, also on the national and international
levels. It therefore comes as no surprise that IRIS is one of
the chief partners on the new material network INAM.

Adlershof special 46

11

INAM-Netzwerk
INAM network

12

Adlershof special 46

Adlershof special 46

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Ultraflache Beleuchtungsmodule von volatiles
Ultrathin lightening modules by volatiles

Of movers, makers,
and mentors
LEDs, or light emitting diodes, that are so thin that they can be applied to
paper and packaging supply the light for prints and slogans. These and
other new products are based on research into new materials. With a view
to speeding up the transfer of research findings to the industrial field, the
Innovation Network for Advanced Materials (INAM) in Berlin-Adlershof
launched an accelerator programme that received applications from
startups all over the world.

	 M

Von Mutigen, Machern
und Mentoren
Leuchtende Dioden, die so dünn sind, dass sie auf Papier und Verpackungen angebracht werden
können bringen Aufdrucke oder Werbetexte zum Leuchten. Basis dieser und anderer neuer Produkte
ist die Forschung an neuen Materialien. Um Ergebnisse aus der Forschung schneller in die industrielle
Praxis zu überführen, startete das Innovationsnetzwerk für neue Materialien in Berlin-Adlershof ein
Accelerator-Programm, für das sich Start-ups aus aller Welt bewarben.

	

Praxisnahe Materialforschung: Was sich einfach	

anhört, hat viele Facetten. Um Ideen zu fördern, wurde in	
Adlershof Im Sommer 2016 mit dem „Advanced Material
Competition“ (AdMaCom) ein internationaler Wettbewerb
für Start-ups mit dem Schwerpunkt Hightechprodukte
ausgerufen. „Wir verbinden Forschung und Wirtschaft und
suchen Start-ups mit marktnahen Produktideen, deren	
Potenzial wir gemeinsam ausloten.“ Bewerbungen für den
Wettbewerb“, freut sich Danny Krautz, Project Manager	
Photonics bei Berlin Partner, „kamen aus ganz Europa.“	
Interessenten gab es auch aus Brasilien und den USA.	
„Damit wollen wir auch erreichen, dass die Materialforschung am Standort Adlershof international besser sichtbar
wird“, erläutert der Projektmanager weiter. Krautz war selbst
lange genug in der Materialforschung tätig, um zu wissen,
dass die enge Zusammenarbeit von Forschung und Unternehmen eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung
neuer Produkte ist.
AdMaCom, ein sechswöchiges Programm, bringt Teams aus
Unternehmen, Start-ups mit innovativen Ideen und hohem

14

Adlershof special 46

Marktpotenzial mit Forschern und ausgewählten internationalen Mentoren zusammen. In Trainings und Workshops
erhalten die Teams und Start-ups Beratung auf dem Weg zur
Entwicklung neuer innovativer Produkte und Verfahren. Im
Laufe des Sommers konnten die jungen Unternehmer mit
Experten aus der Industrie diskutieren. Fünfzehn ausgewählten Start-ups werden Labore und Materialien zur Verfügung
gestellt, damit sie ihre Produkte auf die nächste Stufe heben
können. Besonders am Programm ist auch, dass die Teilnehmer keine – wie sonst üblich in Accelerator-Programmen –
Unternehmensanteile abtreten müssen sowie die Chance
erhalten, ihre Ideen auf führenden Branchenmessen wie der
EOSAM oder der Microphotonics 2016 zu präsentieren.
Welche davon besonders vielversprechend sein werden,
lässt sich heute noch nicht sagen. Das könnten Ideen aus
der Displaytechnik sein, aus der Batterietechnik oder der
Photovoltaik. Auch neuartige Fasern oder Anwendungsbeispiele für gedruckte Elektronik sind denkbar. „Im besten Fall	
erleben wir hier die Geburt ganz neuer Produkte“, hofft	
Danny Krautz. cl

aterial research relevant to the field – What
sounds so simple presents a wealth of facets. As a means to	
promote ideas, the Advanced Material Competition	
(AdMaCom) was called into being in the summer of 2016
in Adlershof, an international competition for startups
specialising in high tech products. “We unite research and
business and are seeking startups with marketable product
ideas whose potential we explore jointly,” explained Danny
Krautz, Photonics Project Manager at Berlin Partner, continuing with obvious pleasure: “Applications for the competition came from all over Europe.” Also Brazil and the USA
were among the interested parties.
“This is also to help us achieve better national visibility of
material research at the Adlershof location,” he concluded.	
Krautz himself has spent more than enough time in material
research to know that close cooperation between research
and industry is a key prerequisite for the development of
new products.
The six week programme AdMaCom brings together company and startup teams representing innovative ideas and
great market potential with researchers and select international mentors. Training courses and workshops offer
these teams and startups advice on their course towards
developing new innovative products and processes. Over
the summer, young entrepreneurs can discuss their ideas
with experts from industry. Fifteen selected startups will
be provided with laboratories and materials to elevate their
products to the next level. Yet another special feature of
this accelerator programme, unlike others of its kind, is that
the participants are not compelled to cede company shares
and are given the opportunity to present their ideas at leading exhibitions in the sector like EOSAM or Microphotonics
2016.
Which of these will prove especially promising cannot be
predicted today. They could be ideas for displays, batteries,
or photovoltaics. Also conceivable are innovative fibres or
example applications for printable electronics. “In the ideal
case, we shall experience the birth of all-new products,” said
Danny Krautz with hope.

Danny Krautz, Project Manager Photonics bei Berlin Partner, war selbst lange
in der Materialforschung tätig.
Danny Krautz is Project Manager Photonics at Berlin Partner, and has himself
worked in researching new materials for some time.

Adlershof special 46

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Brücken bauen

untersucht er deren Eigenschaften zunächst im Vakuum.
„Dann verändern wir die Einflüsse der Umgebung und	
beobachten, wie sich die Eigenschaften verändern“, erläutert Koch. Ziel: Prozesse in der Fertigung von Dünnschichtmodulen zu optimieren und effizienter zu machen. Damit
kann zum Beispiel die Bereitstellung von Solarenergie in	
Zukunft noch weitaus kostengünstiger werden. mh

Wer die Materialien der Zukunft entwickeln will, muss interdisziplinär
forschen. Dabei helfen Brückenprofessoren wie Emil List-Kratochvil und
sein Kollege Norbert Koch.
Brückenbauer: Norbert Koch ist
Professor für Struktur, Dynamik
und elektronische Eigenschaften
molekularer Systeme und fasziniert
von der molekularen Elektronik.
Bridgebuilder: Norbert Koch is
professor of structure, dynamics, and
electronic properties of molecular
systems and fascinated by molecular
electronics.

Building jointly
Developing the materials of the future needs
interdisciplinary research. This is provided by
joint professorial appointments in the persons
of Emil List-Kratochvil and his colleague
Norbert Koch.

T

	
he industrial production of photovoltaic cells or LEDs
requires temperatures as high as 1600 degrees Celsius. If
these temperatures were lower, manufacture might be conceived for flexible applications over wide areas. “The use of
flexible substrates in applications is possible only when the
process temperatures are no higher than 200 °C,” explained
Emil List-Kratochvil, Professor of Hybrid Componentry at the
Humboldt-Universität zu Berlin (HU). “Production becomes
more energy efficient, and therefore costs less. Furthermore,
the resulting products have a broader range of applications.”

	 Bei der Produktion von photovoltaischen Zellen oder

Leuchtdioden werden im industriellen Fertigungsprozess
Temperaturen von bis zu 1.600 Grad Celsius erreicht. Wären
die Temperaturen niedriger, könnte man an die Herstellung
von flexiblen und großflächigen Anwendungen denken.
„Erst Tieftemperaturprozesse von höchstens 200 Grad Celsius machen den Einsatz von flexiblen Substraten in den
Anwendungen möglich, etwa auf Kunststoff-Folien“, erläutert Emil List-Kratochvil, Professor für Hybride Bauelemente
an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). „Die Fertigung
wird energieeffizienter und damit auch kostengünstiger.
Überdies sind solche Produkte vielseitiger einsetzbar.“
List-Kratochvil wurde 2015 von der Technischen Universität Graz und der NanoTechCenter (NTC) Weiz Forschungs-	
gesellschaft mbH an die HU berufen. Er ist ein sogenannter	
Brückenprofessor, seine Professur ist an zwei Instituten an-	
gesiedelt: am Institut für Physik und am Institut für Chemie.	
Brückenprofessuren sollen Transferprozesse zwischen den
Disziplinen unterstützen. Um die interdisziplinäre Erforschung von bislang unbekannten Eigenschaften hybrider
Materialien zu stärken, wurde eigens am Campus Adlershof	
das Integrative Research Institute for the Sciences IRIS	
gegründet, dem auch List-Kratochvil angehört.

16

Adlershof special 46

In den Materialwissenschaften sind fächerübergreifende
Kenntnisse das A und O. „Besonders im Umgang mit elektroaktiven hybriden Materialien ist es für Wissenschaftler
hilfreich, die Begrifflichkeiten der jeweils anderen Disziplin
zu verstehen“, so List-Kratochvil. „Studierenden eröffnet sich
mit der Erweiterung ihrer Kenntnisse in zwei Fächern zudem
eine hohe berufliche Flexibilität.“

In the material sciences, interdisciplinary expertise is the beall and end-all. “Specifically when dealing with electroactive
hybrid materials, scientists find it helpful to understand
the terminology used by the other discipline,” explained
List-Kratochvil. “And, in this manner, by expanding their
skills in two disciplines, students also find the door open to
greater professional flexibility.”
His colleague Norbert Koch – likewise with a joint professor-	
ial appointment at the HU and a member of IRIS Adlershof
– is also a native Austrian like List-Kratochvil himself. Koch
studied in Graz and then conducted research at Princeton
University before returning to Berlin in 2003. This professor
of structure, dynamics, and electronic properties of molecular systems is fascinated by molecular electronics. Behind
this is the idea of realising one day the operations of electronic components with single or a small number of molecules engaging in specific interactions.
Koch is dedicated to boundary surfaces, or very thin material
structures in the nanometre or, at most, micrometre range.
External influences like air, temperature, or humidity induce
huge changes in the electrical properties of these sensitive
materials. The scientist first investigates their properties
in vacuum. “Then we change the ambient influences and
observe how the properties change,” explained Koch. The
goal is to optimise processes in the production of thin film
modules and enhance their efficiency. This can, for example,
reduce the costs even further of providing solar energy in
future.

List-Kratochvil was called to the HU in 2015 from the Graz
University of Technology and the research company NanoTechCenter (NTC) Weiz Forschungsgesellschaft mbH. He
holds a so called joint professorial appointment, or chairs
at two institutes, here the Physics and Chemistry Institute.
Joint professorial appointments are to support the transfer
processes between the disciplines. Mandated to promote interdisciplinary research into previously unknown properties
of hybrid materials, the Integrative Research Institute for the
Sciences IRIS Adlershof was set up specifically on the Adlers-	
hof Campus whose members also include List-Kratochvil.

Sein Kollege Norbert Koch – ebenfalls Brückenprofessor
an der HU und Mitglied des IRIS Adlershof – stammt wie
List-Kratochvil aus Österreich. Koch hat in Graz studiert und
danach an der Princeton University geforscht. Er kam bereits
2003 nach Berlin. Den Professor für Struktur, Dynamik und
elektronische Eigenschaften molekularer Systeme fasziniert	
die molekulare Elektronik. Dahinter steckt die Idee, die
Funktion von elektronischen Bauteilen eines Tages mithilfe
von einzelnen oder nur wenigen gezielt wechselwirkenden	
Molekülen zu realisieren.
Koch widmet sich den Grenzflächen, sehr dünnen Materialstrukturen im Nano- oder höchstens Mikrometerbereich.
Äußere Einflüsse wie Luft, Temperatur und auch Feuchtigkeit verändern die elektrischen Eigenschaften dieser
empfindlichen Materialien immens. Als Wissenschaftler	

Will Brücken bauen: Emil List-Kratochvil ist
Professor für Hybride Bauelemente an der
Humboldt-Universität zu Berlin (HU).
Attempts to build bridges: Emil List-Kratochvil
is Professor of Hybrid Componentry at
Humboldt-Universität zu Berlin (HU).

Adlershof special 46

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Wie gedruckte Bilder
laufen lernen

Marcin Ratajczak (links) und
Patrick Barkowski von Inuru
bringen Papier zum Leben.
Marcin Ratajczak (left) und
Patrick Barkowski of start-up
Inuru bring paper to life.

launched their project idea in 2012,
and a year later founded their start-up.
Using OLED technology, they print animations on paper, making possible, for
instance, moving pictures in a printed
magazine. “We didn’t just want promotional packaging, but an actual
integration of OLEDs in everyday routines. Every magazine, every item of
packaging can integrate electronics,”
explained Barkowski, who had specialised in organic electronics even before
graduating from university. Together
with their industrial partner OSRAM
GmbH, they are a member of the innovation network INAM in their preparations for launching this product on the
market. “We are endeavouring to reduce costs by industrialising the manufacturing process. In return, Inuru is
winning over new customers,” said
Thomas Waldmann, Energy Management Director at the Berlin Spandau
site of OSRAM GmbH.

Das Start-up Inuru bringt Papier zum Leben, indem Licht und Animationen
dank simpler Displays auf Papier gedruckt werden. Und das energieautark,
umweltschonend und preisgünstig.

	 Die

Erfolgsstory beginnt im	
Sushi-Laden. Patrick Barkowski und
Marcin Ratajczak beugen sich über
die Speisekarte, überlegen, was man
aus gedruckten asiatischen Zeichen
und Bilderchen alles machen könnte.
„Plötzlich hatten wir die Vision, dass
die kleinen Fische, die auf der Menukarte aufgezeichnet waren, anfangen zu schwimmen. Und dann dachten wir, das kann man doch wirklich	
machen”, sagt Unternehmensgründer
und Physiker Patrick Barkowski. Das
nötige betriebswirtschaftliche Knowhow brachte Marcin Ratajczak mit,
der bereits während seines Studiums	
unternehmerische Erfahrungen sammelte.
Fasziniert von der OLED (organic light
emitting diode)-Technik startete ihre
Projektidee 2012, ein Jahr später
gründeten sie ihr Start-up. Mittels der
OLED-Technik drucken sie Animationen
auf Papier und können so beispiels-	

18

Adlershof special 46

weise ein Printmagazin mit bewegten
Bildern herstellen. „Wir wollten nicht
nur eine Werbeverpackung, sondern
die OLEDs wirklich in den Alltag bringen. Jedes Magazin, jede Verpackung
kann mit Elektronik gemacht werden”,
sagt Barkowski, der sich schon während seines Studiums auf organische
Elektronik spezialisiert hattte. Gemeinsam mit dem Industriepartner
OSRAM GmbH sind sie im Innovationsnetzwerk INAM, um ihr Produkt
marktreif zu entwickeln: „Wir versuchen, den Preis zu halbieren, indem
wir industrialisieren. Auf der anderen
Seite gewinnt Inuru die Kunden”, sagt
Thomas Waldmann, Leiter Energiemanagement Werk Berlin Spandau
der OSRAM GmbH.
Die Idee des OLED – ein leuchtendes
Dünnschichtbauelement aus organischen halbleitenden Materialien – ist
nicht neu. Bereits in den 1960er-Jahren gab es erste Forschungen. Die	

Vorteile der OLEDs, im Gegensatz zu
anorganischen Leuchtdioden (LEDs),
lagen früh auf der Hand: hoher	
Kontrast, keine Hintergrundbeleuchtung, geringer Stromverbrauch. Der
Nachteil: kurze Lebensdauer. Inuru
strebt mit seinen OLEDs zehn Monate
Leuchtzeit und eine Lagerzeit von über
einem Jahr an.
Mit ihrer Firma haben die beiden Unternehmensgründer heute im Techno-	
logiepark Adlershof besten Austausch
mit Unternehmen, Wissenschaft und
Forschung. „Was wir entwickelt haben,
ist ein Prozess, der auf gängige Druckmaschinen transferiert werden kann”,
sagt Barkowski. Dieser kann so an	
Druckereien ausgelagert werden. Kunden müssen genau wissen, was bei
ihnen leuchten soll, dann übernimmt
Inuru die Einstellung der Druckparameter. Dieses Geheimnis haben die
beiden gelüftet, behalten es aber natürlich gut gehütet für sich. jg

How printed images
learned to swim
The startup Inuru brings paper to life by printing it with light and
animations on simple displays – a self sufficient, environmentally
friendly, and low cost solution.

	 This story of success began in a	

sushi bar. While poring over the menu,
Patrick Barkowski and Marcin Ratajczak pondered all the things they
could do with printed Asian characters and logograms. “Suddenly, we
pictured the little fishes depicted on
the menu starting to swim. And then
we thought that this could really be

done,” recounted founder and physicist Patrick Barkowski. The business
knowhow needed came in the person
of Marcin Ratajczak, who as a student
had already gained entrepreneurial
experience.
Fascinated by the OLED (organic light
emitting diode) technology, they

The idea behind the OLED, a light-emitting, thin-film component of organic
semiconducting materials, is not a
new one. Initial research was conducted as early as the 1960s. Compared
with inorganic LEDs, OLEDs offered
advantages that were recognised early on: high contrast, no backlight, low
power consumption. The drawback,
however, was the short service life.
Inuru OLEDs are to emit light for ten
months and have a shelf life in excess
of one year.
By setting up their company in the
Adlershof Technology Park, the two
founders today enjoy the best knowledge sharing contacts with companies, science, and research. “What we
have developed is a process that can
be transferred to conventional presses,” emphasised Barkowski. Customers need only know what they want
to light up, and Inuru configures the
printing parameters which then can
be applied at any print shop. This secret has revealed itself to the two
founders, who, of course, keep it closely to themselves.
Adlershof special 46

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Networking
von der Forschung bis
zur Vermarktung
Patentanwälte, ein fabelhaftes Laboratorium und Lotsenfische: Im Innovationsnetzwerk für neue Materialien (INAM) geht es auch um das Wissen um das
Wissen herum. Das stellen eine Menge kompetenter Partner zur Verfügung.

	 In den Ozeanen sind Pilotfische nützliche Begleiter	
großer Meeresbewohner, mit denen sie in einer Art Symbiose leben. Sie werden auch Lotsenfisch genannt. Im Innovationsnetzwerk für neue Materialien ist das Unternehmen	
Pilotfish in dieser Rolle durchaus richtig verortet.
„Wir haben gute Antennen“, sagt Marc Nagel über sein Verständnis von Technikentwicklung und Networking und „wir
schauen gern in unterschiedliche Küchen“. Er ist Gründungspartner bei Pilotfish, einem im Jahr 2000 entstandenen Unternehmen, das sich mit strategischem Design und mit der
Entwicklung intelligenter Produkte befasst. Ausgangspunkte
seien in der Regel die Vorstellungen der Kunden, die Pilotfish
beauftragen, ihre „Ideen in ein Produkt zu überführen“.

Neben einem breiten Instrumentarium interdisziplinärer Methoden sei es vor allem der andere Blickwinkel und
die Freiheit, anders zu denken, als es aus Binnensicht der	
Kunden möglich wäre. Pilotfish ist wie selbstverständlich in
vielen unterschiedlichen Marktbereichen unterwegs, von
der Mobilität, der Medizintechnik bis zur Kommunikation,
„unsere Aufträge erstrecken sich von Entwürfen bis zum	
Prototypenbau und der Vermarktung.
Inzwischen stehen vielfach neue Materialien und die Frage,
was man daraus machen könne, am Anfang innovativer Produktentwicklung. „Wir beschäftigen uns schon seit Jahren
mit Materialwissenschaften“, erläutert Nagel, und nennt als
Beispiele „intelligente Materialien bei Sport- oder Alltagsbekleidung, die mehr als nur eine Hülle für den Nutzer abgeben
können“. Um den Weg von der Forschung über die Umsetzung in Produkte bis zur Marktreife gerade bei neuen Materialien in Elektronik, Optik und Photonik mitbeschreiten zu
können, habe sich Pilotfish an der Gründung des Innovationsnetzwerkes INAM im Juni 2016 in Adlershof beteiligt.

Aber INAM verknüpft nicht nur Wissenschaft und Wirtschaft,
Forschung und Entwicklung. Ihm gehört zudem als Partner
die Weitnauer Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft
an, die ihr Wissen im Umgang mit den rechtlichen Aspekten
geistigen Eigentums einbringt. „Es ist sinnvoll, sich frühzeitig über die rechtlichen Bedingungen zu unterhalten“, sagt
Sven Schilf, Leiter der Praxisgruppe Intellectual Property bei
Weitnauer, „idealerweise schon bei der Konzeptionierung
eines Projektes“. Denn das sichert den Erfolg beim Schutz
und der erfolgreichen Verwertung der Ideen, gewerblichen
Schutzrechte und geistigen Schöpfungen der Unternehmen.
ko

Networking
from research
to marketing
Patent agents, a fabulous laboratory, and Pilotfish:
The Innovation Network for Advanced Materials
(INAM) is constantly focused on the knowledge
leading to and from knowledge. And this is provided
by a lot of competent partners.

	 In the world’s oceans, pilot fish are the useful escorts	

of large sea dwellers with which they live in a kind of	
symbiosis. So the Innovation Network for Advanced Mate-	
rials is the right place for the role adopted by the company
Pilotfish.

Auch das FabLab in Berlin-Mitte gehört zum INAM-Netzwerk. Es ist eine offene Entwicklungswerkstatt, die nach
dem Vorbild des Bostoner MIT jungen Entwicklern und Studierenden einen freien Zugang zu Hightechwerkzeugen eröffnet. Hier stehen auch Industriepartner wie Otto Bock oder	
Makea Industries den Kreativen zur Seite, um den Einstieg
in die Nutzung innovativer Technologien zu ermöglichen. Für
das Berliner Büro von Pilotfish ist die Zusammenarbeit mit
dem FabLab, etwa beim Prototypenbau, eine selbstverständliche Kooperation im Netzwerk.

Marc Nagel Geschäftsführer von Pilotfish
Marc Nagel CEO of Pilotfish

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BOARDINGHAUS
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Adlershof special 46

Adlershof special 46

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medical engineering, and communication: “Our assignments cover the whole range of drafts, prototyping, and
marketing.”
In the meantime, there are many advanced materials at
the beginning of innovative product development, and
the question of what can be done with them. “We’ve been	
busying ourselves with material sciences for years,” explained Nagel, naming as examples “intelligent materials in
sports and everyday clothing that can serve as more than
just a covering for the user”. To prepare its course along the
path from product research to implementation to marketability, specifically with respect to advanced materials in
electronics, optics, and photonics, Pilotfish collaborated in
the setup of the innovation network INAM in June 2016 in
Adlershof.

//	Networking from research to marketing
“We have a good nose,” explained Marc Nagel when asked
to reveal how he understands technological progress and
networking, “and we like to take a look in many kitchens.”
He is the founding partner of Pilotfish, a 2YK setup specialising in strategic design and the development of intelligent
products. He explained that the starting points are generally
the ideas of customers who commission Pilotfish to “translate their ideas into a product”.
In addition to a wide portfolio of interdisciplinary methods,	
the key driving force is the different angle of view and
the freedom to think differently than possible within the	
customer’s own island. As a matter of course, Pilotfish tra-	
verses many different market segments, including mobility,	

Reges Treiben im
Schulungsraum im FabLab.
Hustle and bustle at the
FabLab-lecture room.

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Adlershof special 46

Also the FabLab in Berlin Mitte is a member of the INAM network. This is an open development workshop that, following
the example of the Boston MIT, provides young developers
and students with free access to high tech tools. Here, creative minds also find support in industrial partners like Otto
Bock or Makea Industries, and easier entry into the use of
innovative technologies. For the Pilotfish office in Berlin, the
collaboration with FabLab, e.g. in prototyping, is a matter of
course on the network.
Yet INAM not only links science and business, research
and development. Its partners also include the Weitnauer	
Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft that contributes	
its knowledge of legal aspects involved in intellectual	
property. “It makes sense to discuss the legal conditions
in advance,” said Sven Schilf, Director of the Intellectual	
Property Practice Group at Weitnauer. “Ideally as early as
the project’s conception phase.” This alone safeguards the	
protection and successful utilisation of ideas, industrial
property rights, and the companies’ intellectual works.

/ ADLERSHOF IN ZAHLEN

/ ADLERSHOF IN FIGURES

(Stand: 1.1.2016)

(As at: 1.1.2016)

STADT FÜR WISSENSCHAFT,
TECHNOLOGIE UND MEDIEN
Fläche: 4,2 km²
Beschäftigte: 15.996
Unternehmen und Institute: 1.013

CITY OF SCIENCE,
TECHNOLOGY AND MEDIA
Area: 4.2 km² (1,038 acres)
Staff: 15,996
Companies and Institutes: 1,013

WISSENSCHAFTS- UND
TECHNOLOGIEPARK
Unternehmen: 510
Mitarbeiter: 6.134
Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen: 10
Mitarbeiter: 1.680

SCIENCE AND TECHNOLOGY PARK
Companies: 510
Employees: 6,134
Non-university research institutes: 10
Employees: 1,680

HUMBOLDT-UNIVERSITÄT ZU BERLIN
Naturwissenschaftliche Institute: 7
(IRIS Adlershof, Institute für Chemie, Geographie,
Informatik, Mathematik, Physik und Psychologie)
Mitarbeiter: 1.055
Studierende: 6.524

HUMBOLDT-UNIVERSITÄT ZU BERLIN
Science departments: 7
(IRIS Adlershof, Institutes of Chemistry,
Geography, Computer Sciences, Mathematics,
Physics and Psychology)
Employees: 1,055
Students: 6,524

MEDIENSTADT
Unternehmen: 140
Mitarbeiter: 1.977
(inkl. freier Mitarbeiter)

MEDIA CITY
Companies: 140
Employees: 1,977
(including freelancers)

GEWERBE
Unternehmen: 363
Mitarbeiter: 5.150

COMMERCIAL AREA
Companies: 363
Employees: 5,150

LANDSCHAFTSPARK
Fläche: 66 ha

LANDSCAPE PARKLAND
Area: 66 ha

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intelligente lösungen
für ihre energieversorgung.
Lösungen für die Energieversorgung von morgen entwickeln.
Das ist unser Anspruch. Und dafür steht unser Heizkraftwerk Adlershof:
>

Mit hocheffizienten Blockheizkraftwerken erzeugen wir Strom und Heizwärme

>

Unsere Power-to-Heat-Anlagen nutzen Überschussstrom zur Erzeugung von Wärme

>

Unsere Heißwasserspeicher schaffen Flexibilitäten und stellen eine
unterbrechungsfreie Fernwärmeversorgung sicher

Das passt zu Adlershof. Das passt zu Berlin.
Und das passt zu Deutschland als Land der Energiewende.

Mehr Informationen finden Sie unter

www.btb-berlin.de
        
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