Path:
Periodical volume

Full text: Adlershof-Journal Issue 2016,[5/6] Mai/Juni

Adlershof
Journal
Mai | Juni 2016

Längst kein Drahtseilakt mehr:

Vielfalt macht
viel mehr aus uns!
Nullkommanullnullnull-Toleranzen:
Präzisionsbauteile vom Feinwerktechniker

Willkommenskultur an der Werkbank:
Jobs für syrische Flüchtlinge

Studieren mit Handycap:
Barrierefreier HU-Campus Adlershof

Adlershof
Journal

ESSAY

Mai | Juni 2016

INHALT
	 3	ESSAY
		

Schmerzensreiche Sprache: Habt Geduld miteinander

	 4	INTERVIEW

Im Gespräch mit Kezban Saritas und Ralph Langanke, den
		 freiwilligen Flüchtlingskoordinatoren im Technologiepark
		 Adlershof
		

	 5 	MENSCHEN

	 Jamals Pate: Henrik Kinnemann leistet Zukunftsarbeit für
		 Siemens und für einen Neunjährigen
	

	6 	 TITELTHEMA

Willkommenskultur an der Werkbank: In der AEMtec GmbH 	
		 arbeitet der syrische Flüchtling Basem Wabeh
		

	 8 	NACHGEFRAGT
	

	 Das Leid lindern: Ehemalige Flüchtlinge als Brückenbauer

	10	FORSCHUNG

	 Gut angekommen: Zwei Gastwissenschaftlerinnen berichten 	
		 über ihre Erfahrungen in Adlershof
	

	12	UNTERNEHMEN

	 Nullkommanullnullnull-Toleranzen: Der schmale Grat zwischen 	
		 Höchst- und Mindestmaß
	

	14 	MEDIEN

	 Poetry in Colour: Die Bilder des koreanischen Malers
		 Yongtak Choi sind Stimmungsmacher
	

	16 	 CAMPUS

	 Mit dem Rollstuhl in die Vorlesung: Studieren mit Handycap
		 an der Berliner Humboldt-Universität
	

AUS DER REDAKTION

Vielfalt leben
Das Thema Toleranz hat durch die aktuelle Flüchtlingspolitik an Brisanz
gewonnen. Vier Notunterkünfte sind in der Wissenschaftsstadt bzw.
angrenzend an diese in den vergangenen Monaten entstanden. Hunderte
Menschen verschiedener Nationen leben dort unter schwierigen Bedingungen. Fast alle haben die Hoffnung, sich in Deutschland ein neues
Leben aufzubauen. Wie Adlershofer Unternehmer und Wissenschaftler
sie bei der Integration in Deutschland unterstützen, dafür stehen die Beispiele in dieser Ausgabe. Vielleicht möchte der eine oder andere Leser sich
auch engagieren, Pate für ein Flüchtlingskind werden oder einen „Internationalen Abend“ besuchen. Unter www.adlershof.de/refugees/ finden Sie
dazu Informationen und Kontakte.
Toleranz zeigen, Menschen nicht auszugrenzen, das gilt in den verschiedensten Lebensbereichen. Da sind zum Beispiel mehr als zehn Millionen Menschen, die 2013 mit einer amtlich anerkannten Behinderung in
Deutschland lebten, das ist durchschnittlich etwa jeder achte Einwohner.
Der Bau eines modernen barrierefreien Campus wie der der HumboldtUniversität in Adlershof sowie zahlreiche Unterstützungsangebote
machen einer Rollstuhlfahrerin wie Nassim Dadkhah ein Studium erst
möglich.
Inklusion und Integration bedeutet natürlich weit mehr als Gebäude
und Orte mit Fahrstühlen und Rampen auszustatten, geschützte Räume
zu schaffen. Unsicherheit oder auch Vorbehalte gegenüber Menschen
mit Behinderungen, aus anderen Kulturkreisen, mit anderer Hautfarbe,
anderen Vorlieben lassen sich abbauen. Durch Begegnungen. Im Adlershofer Technologiepark gibt es Gastwissenschaftler aus der ganzen Welt.
Sie sind hier willkommen, ihre Arbeit und ihr Aufenthalt bereichern
Adlershof.

	17 	 GRÜNDER

		 Regenerativer Herzschlag für dörfliche Welten: Das Start-up
		 Boreal Light will Strom und Wasser in ländliche Regionen des 	
		 Nahen und Mittleren Ostens bringen

Schließlich haben wir, ganz wie es sich für einen Hightech-Standort
gehört, uns in einem Beitrag auch mit der technischen Toleranz beschäftigt. „Genauigkeiten bis auf vier Stellen hinter dem Komma“ erwarten
Kunden etwa von der Uwe Steingroß Feinmechanik.

	18	KURZNACHRICHTEN

Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe wünscht

Ausführliche Texte und Adlershofer Termine
finden Sie unter:

Sylvia Nitschke
Leiterin Adlershof Print

www.adlershof.de/journal

10
16

Schmerzensreiche
Sprache
„Mein Rücken schmerzt“, sage ich und weil man uns ehren-

amtlichen Lehrerinnen von Anfang an erklärt hat, wir sollten
mit unseren Schülern deutlich sprechen und langsam, dehne
ich die Worte, so gut ich kann: „Mein Rücken sch-m-e-r-z-t.“ Es
ist erstaunlich, was Zunge, Lippen und Atemluft bei diesem
kurzen Wort zustande bringen. „Mein Bauch
sch-m-e-r-z-t“, sage ich, halte mir den
Bauch und verziehe das Gesicht,
als hätte ich Krämpfe. Mir fehlt
nichts, aber unsere Schüler sind erst seit ein paar
Monaten in Berlin, sie
kommen aus Aleppo
und Damaskus und
manche von ihnen lernen zum ersten Mal
in ihrem Leben eine
Fremdsprache. Wie
geht es Ihnen? Wie viel
Uhr ist es? Wo wohnst
Du? So haben wir angefangen. Nun spielen
wir Arzt. Meine Schülerin
Rania sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Sch-m-e-r-z-t?“, wiederholt sie und
kann nicht glauben, dass dieses Wort tatsächlich ein richtiges Wort sein soll. Sie schaut
mich durch ihre großen Brillengläser an und sagt auf Arabisch,
wenn das so sei, dann werde ihr nie etwas schmerzen. Wer
solle das denn aussprechen? Ich verstehe kein Arabisch, aber
bestimmt hat sie genau das gesagt, so empört blickt sie mich an.
„Sch-m-e-r-z-t“, sagt sie noch einmal überdeutlich, springt vom
„r“ aufs „z“, vom „z“ aufs „t“ und tupft sich hinterher mit einem
Taschentuch die Lippen trocken, dabei gibt es da gar nichts zu
trocknen. Ahmed, neben ihr, fängt an zu prusten.
Mit einem Mal kommen mir Zweifel. Wann habe ich jemals
gesagt, dass mein Bauch schmerzt? Sagt man nicht, ich habe
Bauchschmerzen oder mir tut der Bauch weh? „Tut weh“, sage
ich, „das kann man auch sagen.“ Rania schüttelt langsam den

Kopf, wie über ein Kind, das schon wieder auf die Spülmaschine
geklettert ist, um Smarties aus dem Küchenschrank zu stibitzen. Entschuldigend öffne ich die Hände. Ich kann nichts dafür,
dass Deutsch klingt, wie es klingt: spitz und eckig und zischend.
Eben noch haben wir das „ch“ geübt, in „Bauch“ klingt es zwar
wie in „Dach“, aber nicht wie in „Licht“, einmal sitzt es
im Rachen und dann wieder im Mund. Rania
macht eine Geste mit der Hand, als wolle
sie sagen, diese Sprache macht mich
wahnsinnig. Arabisch ist auch nicht
leicht, denke ich, schon tätschelt
sie mir den Arm und schiebt das
Arbeitsheft ein Stück näher
zu mir heran. Ist schon gut,
komm, wir machen doch nur
Spaß, heißt das. Wir brauchen keine Worte. Unsere
Gesichter, unsere Hände,
unsere Stimme sind allemal
genug, um einander zu verstehen.
„Okay“, sage ich. „Okay“, wiederholt Rania. „Okay“, sagen Ahmed
und Mohamad gleichzeitig. Ich zeige auf die Zeichnungen im Heft, damit
nicht die ganze Gruppe denkt, sie müsse der
Reihe nach „okay“ sagen: eine Salbentube, eine
Flasche Hustensaft, Tabletten, Pflaster. Ich lese die Wörter vor,
Ahmed spricht sie nach. Mit arabischen Buchstaben notiert
er sich die Aussprache. „Flaster? Richtig?“, fragt er. „Pf“, mache
ich, „das Pf-laster“ und muss schon losprusten, bevor Rania die
Augen rollt. Ahmed, Mohamad und die anderen lachen mit. Ich
lege den Kopf in die Hände. Ahmed schubst mich an und hält
mir sein Handy vors Gesicht. „Frustriert?“, steht da auf Deutsch.
Google hat die Frage für ihn übersetzt. „Geduld!“, schreibt er.
Die brauchen wir wirklich, die Schüler mit mir, ich mit ihnen
und wir gemeinsam mit dem Deutschen. Und Toleranz, will ich
sagen, lasse es dann aber bleiben. Noch ein Wort mit „z“ vertragen wir in der heutigen Stunde alle nicht mehr.

Dilek Güngör ist Journalistin und Autorin. Ehrenamtlich engagiert sie
sich im Verein Flüchtlingspaten Syrien e. V., Berlin.

5

12

17
14

Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

3

INTERVIEW

Im Gespräch mit

Kezban Saritas und
Ralph Langanke

MENSCHEN
Langanke: Ich war neugierig und habe Mitte der 1990er-Jahre
an einem Camp der Stiftung Weltethos teilgenommen. In den
Tiroler Bergen trafen eine Gruppe Juden, Christen, Muslime aufeinander. Wir haben viel über Toleranz diskutiert, das hat meine
Sichtweise auf die Menschen und Religionen erweitert. Migration war auch ein Thema, als ich nach dem Mauerfall Erziehungswissenschaften an der Technischen Universität Berlin studiert habe.
Wie entstand die Idee für den Internationalen Abend?
Saritas: Das war im November 2015 beim Lunch Club des Vereins
Forum Adlershof. Wir wollten das Flüchtlingsthema proaktiv
angehen und haben uns gefragt: Wie können wir als Adlershofer gemeinsam helfen? Auch als Standortbetreiber wollten wir
Flagge zeigen. Zu den Initiatoren zählten mehrere Mitglieder des
Forum Adlershof e. V., die das Projekt auch begleiten. Das Kernteam sind heute Rechtsanwalt Ulrich Zacharias, Ralph Langanke
und ich.
Langanke: Am Anfang ging es ums Sondieren und Aufbereiten:
Welche Notunterkünfte haben wir im und rund um den Technologiepark? Was gibt es schon für Hilfsinitiativen?
Was ist Ziel der Internationalen Abende?
Langanke: Unser Schwerpunkt ist die Integration von Flüchtlingen in den Berufs- und Bildungsmarkt. Wir laden Flüchtlinge
aus Unterkünften in Treptow-Köpenick und potenzielle Arbeitgeber des Technologieparks ein, um beim Anbahnen von Kontakten
zu unterstützen. Ein von uns entwickelter Fragebogen, mit dem
wir Ausbildungsgrad, Sprachkenntnisse und Berufswünsche der
Bewerber erfassen, hilft dabei.

Name: Kezban Saritas | Ralph Langanke
Jahrgang: 1971 | 1971
Wohnort: Berlin-Johannisthal | Wilmersdorf
Beruf: Diplom-Kauffrau | Maschinenbauingenieur

Seit etwas mehr als einem halben Jahr sind Kezban Saritas
und Ralph Langanke ein starkes Team, wenn es in der Wissenschaftsstadt Adlershof um die Integration von Flüchtlingen
geht. Sie organisieren monatlich Internationale Abende als
Begegnungsplattform, koordinieren Hilfsangebote, werben für
Patenschaften. Ein Mammutprojekt, das die beiden neben ihrem
Vollzeitjob bei der WISTA-MANAGEMENT GMBH (WISTA) stemmen. Saritas leitet das Zentrum für Photovoltaik und Erneuerbare Energien, Langanke ist Projektleiter eines Inkubatorlabors
für Gründungsvorhaben aus der Chemie, kurz Inkulab. Hoffnung
und Motivation an die Flüchtlinge weiterzugeben, sind für die
Wirtschaftswissenschaftlerin Saritas, die gern ein Polyglott wäre,
und den Maschinenbauingenieur Langanke, der in seiner Freizeit
das Tanzbein schwingt, eine Herzensangelegenheit.
Was war Ihre erste Berührung mit Migranten?
Saritas: Ich bin selbst Migrantin, geboren in der Türkei. Mit neun
Jahren kam ich im Rahmen der Familienzusammenführung nach
Dortmund, besuchte dort eine Willkommensklasse in der Schule
und lernte schnell Deutsch. Dennoch, das Gefühl, dass man
anders ist, begleitete mich lange.

4

Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

Gibt es schon erste Erfolge?
Saritas: Erste Kontakte sind geknüpft, aber um einen Flüchtling
zu beschäftigen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein.
Das erfordert Geduld. Die Helmholtz-Gemeinschaft sowie die
AEMtec GmbH haben bereits Flüchtlinge integriert. Ich weiß
von einigen Adlershofer Firmen, dass sie in diesem Jahr die Einstellung von Flüchtlingen geplant haben. Auch die WISTA will in
diesem Jahr zwei Auszubildende in ihrem Unternehmensverbund aufnehmen.
Langanke: Das Projekt hat große Strahlkraft nach außen: Es gibt
Kooperationsangebote von außen und einen enormen Zulauf
über Treptow-Köpenick hinaus.
Was nehmen Sie mit aus Ihrer Flüchtlingsarbeit?
Saritas: Auch wenn es viel Arbeit ist, ich möchte in der Gegenwart Spuren für die Zukunft setzen, den Menschen Motivation
und Zuversicht geben.
Langanke: Wir erleben eine Zeit des Umbruchs. Ich finde es
spannend, einen Ansatz zu wählen, der den Menschen neue
Wege aufzeigt. Dazu gehört es, offen zu sein für eine andere
Kultur und voneinander zu lernen.
Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Saritas: Ich habe parallel noch einen Intensivlehrgang zur Energiemanagerin gemacht, da blieb kaum Muße. Wenn Luft ist,
fordert mich meine siebenjährige Tochter. Hobbys habe ich
viele, Sprachen lernen gehört dazu. Neben Türkisch, Deutsch,
Englisch spreche ich etwas Italienisch und Spanisch. Jetzt lerne
ich Französisch im Selbststudium. Sprachen verbinden – das ist
mir wichtig.
Langanke: Ich spiele regelmäßig Beach Volleyball und tanze
gern, am liebsten Tango und Salsa. Fotografieren ist eine weitere
Leidenschaft.

Haben Spaß zusammen und
lernen voneinander: Henrik
Kinnemann bei seinem Patenkind Jamal in Lichtenrade

Jamals Pate
S

ie waren im Oderbruch mit dem Kanu „auf den Spuren des
Bibers“ unterwegs. Zum Angeln an der Havel. In der Deutschen
Oper bei einer Aufführung des Kinder-Musikspiels „Das schlaue
Füchslein“. Den Rixdorfer Weihnachtsmarkt haben sie gemeinsam erkundet. Etwa zweimal im Monat fährt Henrik Kinnemann
von Rudow nach Lichtenrade, um sich mit Jamal zu treffen.
Jamal ist neun Jahre alt, ein virtuoser Schwimmer und Taucher,
begeisterter Angler. „Wir ergänzen uns prima“, sagt Kinnemann.
Zum Gespräch hat er sich in der „Kamee caffé & espresso bar“
in der Rudower Chaussee verabredet, unweit der Adlershofer
Siemens-Niederlassung, wo er seine Werktage verbringt. Hier
entwickeln 60 Mitarbeiter Prototypen für die elektromobile
Zukunft, Ladestationen für Elektrobusse, Stromabnehmer für
Lastwagen. Kinnemann, Informatiker mit Hochschulabschluss,
ist Quality Manager, verantwortet die Produktsicherheit. Zur
beruflichen Seite seines Lebens ist damit das Wesentliche
gesagt. Für die außerberufliche stehen drei Stichworte: Singen,
Tanzen, biffy.
Kinnemann ist Mitglied im Chor „Männer-Minne“, der ein
deutsch- und fremdsprachiges Popsongrepertoire pflegt. Ist
seit gut zwei Jahren regelmäßiger Gast in der Tanzschule
„Traumtänzer“, übt Walzer, Rumba, Cha-Cha-Cha, europäischen Tango. Schließlich biffy: Nicht zuletzt, vielleicht sogar in
erster Linie biffy liegt ihm am Herzen. Biffy hat ihm vor einem
Jahr den Kontakt zu Jamal vermittelt.

Henrik Kinnemann leistet Zukunftsarbeit für
Siemens und für einen Neunjährigen
„Big Friends for Youngsters“, dafür steht der Name des Vereins,
der sich zur Aufgabe gemacht hat, Berliner Kinder mit Erwachsenen zusammenzubringen, die Zeit für sie haben. „Ich hatte
riesiges Glück, dass ich Supereltern und Supergroßeltern
hatte“, sagt Kinnemann. „Viele Kinder leben nicht in solch
behüteten Verhältnissen.“ In Berlin wachsen 32 Prozent der
Kinder bei nur einem Elternteil auf, in der Regel der Mutter, ein
Drittel mehr als im Bundesdurchschnitt. Ihnen möchte biffy ein
Angebot machen.
Als begeisterter Sportler ist Jamal für Kinnemann ein Vorbild:
„Da kann ich nicht mithalten.“ Andererseits: „Er bekommt durch
mich Impulse, die er sonst nicht hätte“ – Kultur, Wissenschaft,
Technik. Der Opernbesuch war für den begabten und interessierten Jungen eine Premiere. Ein Ausflug zur diesjährigen „Langen
Nacht der Wissenschaft“ in Adlershof ist fest verabredet.
Seit der Gründung im Jahr 2004 hat Biffy über 900 solcher
Patenschaften gestiftet. Die Nachfrage ist größer als die Verfügbarkeit der derzeit 230 ehrenamtlichen Paten. Kinnemann:
„Männer sind sehr gefragt, weil die meisten Kinder bei alleinerziehenden Müttern leben.“
Nicht zuletzt die Finanzlage des Vereins, der eine Geschäftsstelle
mit zwei Halbtagskräften unterhält und keinen Cent an staatlicher Förderung bezieht, ist eine stete Sorge. Viel verspricht sich
Kinnemann von einer Benefizauktion gespendeter Kunstwerke
im Juni in der Kreuzberger Urbanstraße, unweit des Vereinssitzes. wid
ANZEIGE

Technische Gebäudeausrüstung  Gesamtplanung HLSKE mit DDS-CAD
 BIM [Building Information Modeling]  Gebäudeautomation  Elektroanlagen


www.rusz.de

engineering

info@rusz.de 12489 Berlin Am Studio 20 A +49 30 44 37 70 30
Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

5

TITELTHEMA

Freunde: Der Syrer Basem Wabeh (l.)
ist froh, dass AEMtec Geschäftsführer
Jan Trommershausen ihn eingestellt hat

Wie an vielen Orten in Berlin gibt es auch in Adlershof zahlreiche Bemühungen, Flüchtlingen zu helfen.
Ein wichtiges Anliegen ist es, den Neuankömmlingen Arbeit in der Wissenschaftsstadt zu verschaffen.
Jan Trommershausen, Geschäftsführer der Firma AEMtec, hat erste positive Erfahrungen mit syrischen
Mitarbeitern gemacht.

Wir wollen als Unternehmen einen
Beitrag leisten, diese Menschen zu
integrieren, die auf der Flucht oft einen
großen Teil ihres Selbstbewusstseins
einbüßen.

Willkommenskultur
an der Werkbank
Basem Wabeh sieht etwas müde aus, aber zufrieden. Seit

wenigen Wochen arbeitet er im Schichtdienst in der Fertigung
der AEMtec GmbH in Adlershof. Das Unternehmen mit etwa
160 Mitarbeitern stellt Miniaturelektronik für Anwendungen
in der Medizin oder der Daten- und Telekommunikation her.
Für Wabeh ein neues Metier, doch der Syrer bringt gute Voraussetzungen mit: In seiner Heimat war der Maschinenbauingenieur als Produktionsleiter einer Lebensmittelfabrik für 600
Mitarbeiter zuständig. „Hier ist vieles noch neu für mich“,
sagt der 43-Jährige. „Aber es ist gut, dass ich endlich arbeiten
kann.“

Mit seiner Frau und seinen drei Töchtern – vier, acht und zehn
Jahre alt – lebt Wabeh derzeit in einer Einraumwohnung in
Adlershof. Am Standort sind in den vergangenen Monaten mehrere Flüchtlingsunterkünfte entstanden, verschiedene Initiativen kümmern sich um die Neuankömmlinge. Unter anderem
engagieren sich die WISTA-MANAGEMENT GMBH, die Berliner
Humboldt-Universität, kirchliche und studentische Gruppen
dafür, ihnen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt zu helfen. Zu
den Aktivitäten gehört auch der monatliche „Internationale
Abend“, an dem sich potenzielle Arbeitgeber und Flüchtlinge
kennenlernen können.

Auch einen Nachrichtentechniker aus Syrien beschäftigte
Trommershausen für einige Wochen als Praktikanten. „Es stellte
sich heraus, dass die Sprache für den Kollegen noch eine zu
hohe Hürde war“, sagt der Manager. Doch er will dem jungen
Mann eine neue Chance geben, wenn dieser weitere Sprachkurse absolviert hat. „Wir wollen als Unternehmen einen Beitrag
leisten, diese Menschen zu integrieren, die auf der Flucht oft
einen großen Teil ihres Selbstbewusstseins einbüßen.“
PERSPEKTIVE DEUTSCHLAND
Zuwanderer mit Aufenthaltstitel als Bildungs- bzw. Erwerbsmigrant

6.439
Arbeitsplatzsuche
8.955
Niederssungserlaubnis für
Erwerbstätige
9.170
Selbständige,
Freiberufler,
Forscher

155.285
Studium,
Ausbildung

283.000*

13.653
Blaue Karte EU 

89.191
Beschäftigte

*ca. 6-7 %  aller Drittstaatenangehörigen mit dt. Aufenthaltstitel
Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2013

Basem Wabeh beim elektrischen Funktionstest von einem Multi-Chip-Modul

6

Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

Jan Trommershausen hat sich früh für Flüchtlinge eingesetzt:
Der Geschäftsführer von AEMtec gründete in Steglitz-Zehlendorf eine Nachbarschaftsinitiative, hier lernte er vor etwa einem
Jahr auch Wabeh kennen. „Wir wurden Freunde, Basems Deutsch
machte schnell Fortschritte, da habe ich beschlossen, ihn einzustellen.“ Auch die Belegschaft sei sofort dabei gewesen, habe
den neuen Kollegen herzlich aufgenommen. „Die Mitarbeiter
sind ganz begeistert von Basem Wabeh.“ Kulturelle Vorurteile
seien schnell ausgeräumt, wenn es nicht mehr nur abstrakt um
„Flüchtlinge, sondern einen konkreten Menschen geht“.

Basem Wabeh spricht nicht gerne über die dramatische Bootsfahrt, die ihn von Ägypten nach Italien brachte. Die zehn Tage, die
er fast ohne Wasser und Nahrung mit fast 200 anderen Flüchtlingen auf einem winzigen Schiff auf dem Mittelmeer verbrachte, möchte er lieber vergessen. „Ich hatte damals keine Wahl“,
erzählt er. Aus seiner Heimat in einem Vorort von Damaskus war
er zuerst nach Ägypten geflohen, nachdem eine Bombe auf die
Schule seiner Tochter niederging. Anderthalb Jahre schlug sich
die Familie in Kairo durch, bis die Revolutionswirren auch dort
das Leben für Flüchtlinge unerträglich machten. Nach der Flucht
nach Deutschland half ihm Trommershausen, die Familie nachzuholen. Wabehs Töchter sind bis heute traumatisiert: „Sie wachen weinend auf, wenn sie nachts Feuerwerke oder ähnliches
hören – sie denken dann, das sind Schüsse oder Bomben.“
Im Herbst, so hofft er, beginnen für die Mädchen Kita und Schule
und ein normales Kinderleben. Die Ereignisse in Syrien sieht
Wabeh mit Sorge. „Ich glaube nicht, dass wir in absehbarer Zeit
nach Hause zurückkehren können. Deshalb sollen meine Kinder
hier eine Chance haben.“ Sein Traum für die Zukunft: Besser
Deutsch lernen und seine Berufsabschlüsse anerkannt bekommen – „damit ich eines Tages wieder richtig als Ingenieur arbeiten kann“.
Hohe Eigenmotivation, hohe Leistungsbereitschaft, so beschreibt Trommershausen besonders die syrischen Flüchtlinge.
Viele seien beruflich gut qualifiziert und ihre kulturellen Kenntnisse des Nahen und Mittleren Ostens könnten womöglich neue
Geschäftsfelder eröffnen. „Ich kann auch anderen Unternehmen nur empfehlen, sich unter den Syrern hier einmal umzugucken.“cw

Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

7

NACHGEFRAGT
Weiß, was es bedeutet, Heimat und
Familie zurückzulassen:
AZBA-Chef Andrés Jirón kam 1980
aus Nicaragua in die DDR

„Immens wichtig ist, Flüchtlingen gute Kontakte zur deutschen
Gesellschaft zu ermöglichen, weg vom illegalen Leben und
falschen Hoffnungen“, sagt Makki. Man müsse ihnen zeigen,
dass man hier mit Würde und in Freiheit leben kann, selbst wenn
man nur eine einfache Arbeit bekommt. „Aber auch die Anforderungen, die die deutsche Gesellschaft an Migranten stellt,
müssen vermittelt werden“, sagt der Perser. „Dabei sehe ich mich
als eine Art Brückenbauer zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. Sie glauben mir, da ich ihren Weg gegangen bin und mich
in sie einfühlen kann.“ Allein schon zwischen unterschiedlichen
Mentalitäten zu vermitteln sei eine Aufgabe, meint Jirón. Es gehe
nicht darum, die eine oder andere Kultur besser zu finden, sondern sich anzupassen und das Beste aus beiden Welten für sich
mitzunehmen, sagt er. „Entscheidend ist, die Sprache zu lernen“,
betont der AZBA-Chef.

Das Leid
lindern
Sie flohen einst selbst nach Deutschland, hatten
es anfangs nicht leicht, haben aber viel erreicht.
Heute engagieren sie sich selbst für Flüchtlinge.
Zwei Beispiele, die Mut machen.

D

Was empfinden Jirón und Makki mit Blick auf Flüchtlinge, die
jetzt nach Deutschland kommen? „Ich denke immer daran, wie
hart der Start in einem fremden Land ist“, sagt Jirón. Makki fühlt
sich an seine Landung in Deutschland erinnert. Er sagt: „Wir
können das Leid der Flüchtlinge nicht wegradieren, wir können
es nur lindern.“ cl
Der Geologe Mohsen Makki: Hier im HU-Institut für Geographie mit
einem Granit in Händen, engagiert sich in der Flüchtlingsintegration.

ie Landung in Deutschland war für Mohsen Makki hart: „Im
Nachhinein betrachtet, fühlten sich für mich die ersten Monate
so an, wie für einen Fisch im Ozean, der zwar schwimmt, aber
das Wasser nicht fühlt“, erinnert sich der Perser. Er flüchtete mit
22 Jahren aus dem Iran. Heute ist er Lehrbeauftragter am Geographischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin, wo er
auch promovierte. 1985 kam Makki in ein Westberliner Aufnahmelager. Anschließend wurde er in ein zur Sammelunterkunft
umfunktioniertes ehemaliges Krankenhaus in einer bayerischen
Kleinstadt geschickt, indem 600 Flüchtlinge lebten. Makki teilte sich mit 16 Leidensgenossen ein Zimmer, das ursprünglich
als Operationssaal diente. „Das OP-Licht war gleichzeitig unsere
Zimmerbeleuchtung – zwei Jahre lang.“

Als die Sporthalle an der Merlitzstraße in Adlershof zu einer
Flüchtlingsunterkunft für 350 Menschen umfunktioniert wurde,
fragten ihn Studierende, ob er nicht als Übersetzer helfen könne.
Zusammen mit Institutskollegen hat Makki einen Aufruf gestartet, wer noch unterstützen möchte. „Der Rücklauf war enorm“,
sagt er, „mittlerweile bieten 80 Angehörige des Geographischen
Instituts Begegnungskurse für gut 60 Geflüchtete aus der nahe
gelegenen Sporthalle an.“ Hier werden unter anderem Deutschkurse gegeben, Wissen vermittelt über Berlin und wie Studieninteressierte möglichst rasch eine akademische Laufbahn starten
können. Makki: „Die meisten Teilnehmer sind Männer. Wir bieten
aber auch einen Kurs von Frauen für Frauen an, wobei es eine
Kinderbetreuung während der Kurszeit gibt.“

Draußen die dunklen Wälder des Bayerischen Waldes. „Der Frühnebel im Tal war für mich beängstigend“, erinnert sich Makki.
Aber nicht nur das. Die Einheimischen waren den Neuankömmlingen nicht gerade wohlgesonnen: „An vielen Geschäften waren
Zettel an den Schaufenstern angebracht, dass Asylanten unerwünscht sind. In einigen Kneipen sind wir nicht bedient worden
oder wurden erst gar nicht reingelassen.“ Dennoch hat Makki
sehr offenherzige Menschen kennengelernt: „Durch sie haben
wir guten Kontakt zur deutschen Gesellschaft bekommen.“

Einen derartigen Service hat Andrés Jirón nicht erlebt, als er 1980
aus Nicaragua in die DDR kam. Der damals 19-Jährige ließ seine
Familie zurück und strebte ein Studium an. Ohne deutsch sprechen zu können. „Die Integration in das Bildungssystem der DDR
war gut, die in die Gesellschaft eher weniger“, erinnert sich der
heutige Geschäftsführer der Adlershofer Firma für Umweltanalytik AZBA GmbH. „Ich weiß, was es bedeutet, Heimat und Familie
zurückzulassen“, sagt er. Deshalb möchte er sich für Flüchtlinge
engagieren und regt eine konzertierte Aktion Adlershofer Unternehmen und Institute an.

Diese Erinnerungen vor Augen, war es für ihn keine Frage,
Geflüchteten zu helfen, die jetzt nach Berlin kommen.

8

Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

ANZEIGE

Aus Wissenschaft wird Wirtschaft.
IBB für Unternehmen: Die Innovationsförderer in Berlin.

Ihr Unternehmen soll weiter wachsen – wir haben das Förderprogramm. Mit einem
maßgeschneiderten Finanzierungsangebot unterstützen wir Sie dabei, Innovationen
umzusetzen und Ihre Wachstumsziele zu erreichen. Sprechen Sie mit uns!
Telefon: 030 / 2125-4747
E-Mail: wachsen@ibb.de
www.ibb.de/wachsen

IBB_AZ_185x121_Adlershof Journal_wachsen_2_2.indd 1

28.09.15 16:45

Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

9

FORSCHUNG

Gut aufgenommen
Zwei Gastwissenschaftlerinnen berichten über ihre Erfahrungen
mit etwa einer dreiviertel Million Einwohnern liegt im Westen
der Ukraine. Kmit hat in Lemberg studiert und promoviert und
dann an der Universität Kiew habilitiert. Vor sechs Jahren kam
sie zusammen mit ihrem Mann, ebenfalls Mathematiker und
Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, nach Adlershof. „Die Stiftung hat uns perfekt betreut, wir haben uns sehr
gut eingewöhnt“, sagt sie. Damals arbeitete Irina Kmit als
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Informatik der
Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Heute ist sie, auf drei Jahre befristet, am Mathematik-Institut der HU aktiv. Sie beschäftigt sich mit „hyperbolischen“ Differentialgleichungen, speziell
solchen, die „Singularitäten“ beschreiben. Darunter versteht
man Punkte, in denen kleine Ursachen große Wirkungen hervorrufen können. Dabei hat Kmit Analogien etwa zu Vulkanausbrüchen entdeckt. Sie hält auch Vorlesungen, gibt Seminare und
nimmt an Forschungskolloquien teil.
Die Chinesin Xiaofang Qi arbeitet am Leibniz-Institut für Kristallzüchtung an ihrer Doktorarbeit

„I

ch fühle mich in Berlin zu Hause. Es ist eine wunderbare
Stadt“, sagt Xiaofang Qi. Ihr Nachname „Qi“ sei wie „Tschi“ auszusprechen. Wie der Anfang von „chicken“, sagt die 27-jährige
Physikerin lachend. Sie kommt aus Luoyang, einer Industriemetropole im Nordwesten Chinas mit nahezu sieben Millionen Einwohnern und vielen Umweltproblemen.

bekam, war ihr schnell klar, wo sie den einjährigen Auslandsaufenthalt verbringen wollte: in Deutschland, in Berlin und speziell
in Adlershof. Die deutschen Forscher seien berühmt für ihre
konsequente Arbeit und das IKZ sei hochangesehen in ihrer
Disziplin, sagt Qi.

Jetzt freut sich Qi über die gute Berliner Luft, denn seit Anfang
Oktober arbeitet sie im Adlershofer Leibniz-Institut für Kristallzüchtung (IKZ) an ihrer Doktorarbeit. Die Menschen in Berlin seien sehr nett zu ihr. Unterwegs bekomme sie oft Orientierungshilfe von Passanten, meist sogar auf Englisch. Qi hat noch in
China einen sechswöchigen Deutschkurs besucht. Nun geht sie
einmal in der Woche zum Unterricht im Internationalen Begegnungszentrum (IBZ), wo sie auch wohnt.

Hier untersucht sie im Team von Wolfram Miller, wie sich Kristallkeime beim Erstarren einer Siliziumschmelze entwickeln. „Die
Leute im Institut sind sehr freundlich, arbeiten meist alleine und
reden nicht viel“, sagt sie. In China gehe es am Arbeitsplatz wie
auch in Kino oder Konzert viel lauter zu. Obwohl Qi deutsche Kost
mit Fleisch und Kartoffeln schätzt, kocht sie täglich und nimmt
das Essen mit ins Institut. Zurück in Xi‘an will sie die Dissertation
abschließen, um dann eine wissenschaftliche Karriere starten zu
können, in China oder gerne auch in Deutschland.

Als Qi nach Abschluss ihres Studiums an der Jiaotong-Universität in Xi‘an eine Zusage vom „China Scholarship Council (CSC)“

Diesen Weg ist Irina Kmit bereits gegangen. Die arrivierte
Mathematikerin kommt aus Lwiw, ehemals Lemberg. Die Stadt

Zusammen mit ihrem Mann, der jetzt in einem Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft tätig ist, und den beiden Kindern, acht und 15 Jahre alt, wohnt sie seit sechs Jahren in Adlershof, derzeit im IBZ. „Mit Kindergarten und Schule ist es hier gut
gelaufen“, erzählt Kmit. Die Kinder seien so herzlich empfangen
und betreut worden, „wie wir es gar nicht erwartet hatten“.
Die Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, war fachlich
begründet. „Auf meinem mathematischen Gebiet gibt es hier
sehr gute Spezialisten“, sagt Kmit. Mittlerweile hat die Familie
die deutsche Kultur und Lebensart schätzen gelernt und zahlreiche Freunde gefunden, mit denen sie auch in der Freizeit viel
unternehmen. „Die Kinder spielen gerne Schach, sie haben schon
mehrere Pokale gewonnen.“ Der Sohn nimmt an einer Arbeitsgemeinschaft der HU für mathematisch begabte Schüler teil, bei
der diesjährigen Mathematik-Olympiade belegte er den dritten
Platz im Landeswettbewerb.
Problematisch sieht die Forscherin allerdings die Befristung der
Stellen im Wissenschaftsbereich. Das mache es schwer, für die
Zukunft der Familie zu planen. pj

Kurzer Arbeitsweg: Die Mathematikerin Irina Kmit wohnt im
Internationalen Begegnungszentrum Adlershof

ANZEIGE

ANZEIGE

Nachfolge Betriebswirtschaft

Bilanz
Controlling
Europa

Existenzgründerberatung
Rechnungswesen
Umsatzsteuer

Steuern

Beratung

Finanzamt
Fachberater für internationales Steuerrecht

10

Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

ZYMA Steuerberatungsgesellschaft mbH

Ihr Partner in Adlershof
12489 Berlin Volmerstr.7 Tel. 030/ 63 92 32 00 www.zyma-steuerberatung.de
Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

11

UNTERNEHMEN

Brauchen Adlershofer Hightechfirmen und
Forschungsinstitute Präzisionsbauteile, geht
es zum Feinwerktechniker von nebenan.

Fasern, Linsen oder Spiegeln, die Laserlicht in maximaler Präzision auf Proben und Bauteile lenken müssen, kommen diese
Differenzen Welten gleich.

Es brummt. Aus seiner Fertigungshalle voll 5-Achs-Fräsen und

Das Einhalten der Fertigungstoleranzen zu behaupten, genügt
nicht. Kunden verlangen Dokumentationen und Messprotokolle.
Die Qualitätssicherung beginnt bei Astrofein vor der eigentlichen Fertigung. Erst wenn genau vermessene Muster alle Anforderungen erfüllen, fängt der Serienprozess an. Abgenutzte
Werkzeuge sind Tabu. Werkzeugmessvorrichtungen stellen sicher, dass die Maschinen beginnenden Verschleiß ausgleichen.
Den Abschluss bilden automatisierte hochpräzise optisch-taktile Messungen im klimatisierten Messlabor.

8-Achs-Drehautomaten kommt Uwe Steingross ins Büro. „Toleranzen sind bei uns das A und O“, sagt er und wiegt eine hochkomplexe metallische Baugruppe in der Hand. Sie gehört zu
einem Rastersondenmikroskop. Im Vakuum bei Temperaturen
nahe dem absoluten Nullpunkt fährt eine Spitze aus nur
einem leitenden Atom darin im Raster über ebenfalls leitende
Proben. Über Elektronenflüsse zwischen Spitze und Probe lassen
sich Oberflächen nanometergenau vermessen. Was der Chef
der Uwe Steingross Feinmechanik GmbH in Händen hält, ist
die Übersetzung zwischen Nanokosmos und grobmotorischem
Anwender. Zwei Drehknöpfe erlauben es, die Proben über ein
halbes Dutzend verwinkelter Zahnrädchen und Metallgelenke
ganz langsam zu drehen und zu kippen. Im eingebauten Zustand
liegt diese Mechanik im Vakuum, die Knöpfe außerhalb. „Bei der
Fertigung solcher Highend-Bauteile erwarten unsere Kunden
teils Genauigkeit bis auf vier Stellen hinter dem Komma“, erklärt
er. Ein menschliches Haar wirkt in diesen Größenordnungen wie
ein Baumstamm gegenüber Nähnadeln.

Auch Scheidings Firma stößt an Grenzen. „Wichtig ist, dass man
seine Limits erkennt, bevor man einen Auftrag annimmt“, sagt
er. Bei Astrofein gibt es keine Ultrapräzisionsmaschinen und
gearbeitet wird auch nicht in klimatisierter Umgebung. „Unsere Maschinen kosten so viel wie ein Einfamilienhaus. Der Wert
mancher Ultrapräzisionsmaschinen entspricht eher einem
Schloss“, sagt er. Aktuell plane Astrofein nicht, in solche Anlagen und die dann nötige Highend-Mess- und Prüftechnik zu investieren. „Noch nicht. Eine Option für die Zukunft ist das aber
durchaus“, verrät Scheiding. Genau wie der Technologiepark sei
auch Astrofein noch lange nicht ausgewachsen. pt
Ralf Steyer, stellvertretender Geschäftsführer bei Steingross
Feinmechanik, mit einen Bauteil für das Rastersondenmikroskop
der Firma Specs, für die Aufnahme von Nanopartikeln

Nullkommanullnullnull - Toleranzen
Feinmechaniker arbeiten oft am Limit. Als ein Beispiel zeigt
Steingross winzige Edelstahlstifte, kaum halb so lang wie ein
Streichholz. Sie verbinden Herzschrittmacher mit dem Herzmuskel. Die Stifte sind außen fein gestuft und von innen hohl.
Mit bloßem Auge ist die Bohrung, die von innen poliert und
an einer innen liegenden Kante zuverlässig entgratet sein soll,
kaum erkennbar. Mit benachbarten Fraunhofer-Forschern hatten
Steingross und sein Team ein Strömungsschleifverfahren so
weit optimiert, dass sie die geforderte Innenpolitur umsetzen
konnten. Doch letztlich hat er den Auftrag, bei dem es um
eine zweistellige Millionensumme ging, abgelehnt. „Wir hätten 1.000 Teile die Woche liefern sollen, mit einer Fehlerquote
von Nullkommanullnullnull“, berichtet er. Verständlich, da die

Grate im Innern die lebensrettende Funktion der Schrittmacher beeinträchtigten. Weil die Qualität im Inneren der Stifte
weder mit optischen noch mit taktilen Messverfahren zu überprüfen war, sondern nur durch zerstörende Prüfung in Stichproben, waren Steingross die haftungsrechtlichen Risiken
zu groß. „Es kommt sehr selten vor, dass wir an solche Grenzen stoßen“, sagt er. Die Vorarbeiten sind dennoch nicht umsonst gewesen. „Wir können jetzt Dinge, die wir vorher nicht
konnten, etwa Löcher von nur 0,05 mm Durchmesser in hochfeste Metalle oder 0,3er-Löcher in Saphirlinsen einbringen.“
Rein mechanisch versteht sich. Konkurrenz durch Laser fürchtet
er nicht. „Die machen ja keine Löcher, sondern Krater“, so Steingross selbstbewusst.

ANZEIGE

20 Jahre

HYDRAULIK-SERVICE

… feiert die HSR-Filiale in Berlin-Adlershof am
10. Juni 2016 von 10 bis 16 Uhr.
Das HSR-Team lädt Sie herzlich ein vorbei zu kommen.

HSR GmbH
Filiale Berlin-Adlershof
Volmerstr. 25, 12489 Berlin
Telefon: (030) 6 71 51 61
E-Mail: hsr-adlershof@hsr.de

Der 3-fach Service der HSR: Werkstatt§Service Mobil§Service Beschaffung§Service
HSR-Print-Anzeige_Adlershof_185x30mm_final.indd 2

12

Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

www.hsr.de

Seine Kunden kommen meist aus der Nachbarschaft. Hightechfirmen und Forschungsinstitute, die hier Komponenten für Laser,
optische Geräte, für Medizin- und Biosystemtechnik oder für
Vakuum und Weltraumtechnik fertigen lassen. „Wir arbeiten sieben Tage die Woche in drei Schichten und müssen dennoch 30
Prozent der Aufträge ablehnen“, berichtet Steingross. Ein geplanter Firmenneubau soll das ändern.
Viel zu tun hat auch Michael Scheiding, Geschäftsführer der
Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH. Maßhaltigkeit ist
ihm ein Bedürfnis, doch er ist tolerant für das Chaos des Alltags.
Beide Eigenschaften braucht er in seiner Firma, die etwa zur
Hälfte mit Hochpräzisionstechnik für die Raumfahrt ausgelastet
ist und daneben Spezialanfertigungen und Kleinserien für Kunden aus der Laser- und Halbleiterbranche sowie aus der Luftfahrt
umsetzt. Das Gros kommt aus der Adlershofer Nachbarschaft.
„Wir sind mit dem Standort gewachsen“, so Scheiding.
Wenn nötig, fertigt Astrofein auf 5-Achs-CNC-Fräsen mit Fertigungsgenauigkeiten von 5 µm, also einem halben Hundertstelmillimeter. „Mit viel Erfahrung, genauer Kenntnis der Maschineneigenschaften sowie mehreren Arbeitsgängen“, erklärt
Scheiding. Dieses Know-how mache den Unterschied aus zwischen üblichen Genauigkeiten von hundert bis dreihundert µm
und den möglichen 5 µm. Bei der Einpassung von optischen

Michael Scheiding mit einem bei Astrofein entwickelten RW90
(Reaktionsrad 90), das die Lage eines Kleinsatelliten steuern, den
Satelliten ausrichten kann

04.04.16 10:31

Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

13

MEDIEN

Poetry in Colour
Seit der Antike streiten Gelehrte und Philosophen um den Begriff der Poesie und darum, ob die Malerei oder
die Dichtung bedeutender sei beim Erschaffen von Bildern. Schwesternkünste für die einen. Malerei, die Kunst
mit den engeren Grenzen, für die anderen. Poesie, erklärt der Dichter Gotthold Ephraim Lessing, ordne Worte
in der Zeit, während Malerei sie durch Farben und Formen im Raum anordne. Für Yongtak Choi bedeutet
Malen „mit Farben Poesie schreiben“. Und so hieß seine letzte Ausstellung auch folgerichtig „Poetry in Colour“.

Liebt Farbe: Yongtak Choi in seinem Atelier in der Hans-Schmidt-Straße in Adlershof

Im Dezember 1999 kommt Yongtak Choi zu Verwandten nach

Deutschland. Kalt und grau findet er es, und meint damit nicht
unbedingt das Wetter, sondern die Atmosphäre. Im Gegensatz
zu seinem Heimatland Korea, in dem bunte Kleidung beliebt
ist, tragen hier alle dunkle Sachen. Doch die Menschen, die ihm
begegnen, nimmt er ganz anders wahr. Hilfsbereit, nett und offen – Choi knüpft viele neue Kontakte. Fast 30 Jahre alt war der
Maler damals bereits, hatte den Militärdienst und ein Kunststudium in Seoul absolviert. Nach bestandener Aufnahmeprüfung
an der Kunsthochschule Kassel studiert er bei den Malern Kurt
Haug und Jörn Stoya, wird Meisterschüler beim Schweizer Fotograf, Maler, Video-, Performance- und Installationskünstler Urs
Lüthi. Selbstbewusst waren die Studenten, die durchweg alle
jünger waren als er, fand Choi. Alle hatten Pläne und, wie er sagt,
„eigene Gedanken“. Viel Raum hatte er als Student, es ging nicht
um „Scheine machen“, er konnte sehr viel und sehr frei künstlerisch arbeiten in Kassel, erinnert er sich. Den Schock der neuen
Umgebung, der neuen Kultur hat er so gleich produktiv verarbeitet. Dass er begabt sei, diese Überzeugung hat sich bei Choi,
im Gegensatz zu seiner Mutter, recht langsam gefestigt. Aber
gemalt habe er schon immer.
Yongtak Choi, Jahrgang 1973, modelliert in seinen Bildern oft Gesichter, die in Szenen wie schillernde Seifenblasen eingebettet
sind, zeitlos und ohne definierbaren Ort. Dem koreanischen Maler, der sein Atelier in Adlershof hat, bescheinigen die Kritiker „altmeisterliche Perfektion“ und „Optimismus“, seine Bilder nennen
sie „Stimmungsmacher“. Lucian Freud, der „Maler des Fleisches“,

der in seinen realistischen Porträts seine Modelle nicht nur gemalt, sondern ergründet und teilweise seziert hat, ist für Choi
Inspiration. Ebenso der magische Realismus des schottischen
Malers Peter Doig, der auf seinen Gemälden herkömmliche Gegenstände mit kräftigen Farben und abstrakten Elementen eigenwillig bekannt und doch seltsam fremd darstellt. Oder die
gleichaltrige deutsch-niederländische Malerin Miriam Vlaming,
die den Menschen mit seinen Hoffnungen, Neigungen und Erwartungen in den Mittelpunkt ihrer Bilder stellt und mit kräftigen, manchmal erstaunlich grellen Tönungen fragt: Was macht
uns lebendig?
Das Mädchen auf dem Bild „All + Ein 16“ ist in einen Schlafanzug gekleidet. Ängstlich und scheu blickt es auf den Betrachter.
Schützend umklammert es ein Kuscheltier. Etwas, das wie
Engelsflügel aussieht, stellt sich bei genauerer Betrachtung
als Quallententakel heraus. Sie schützen das Mädchen und
das Wertvolle, das sie in den Armen hält. Kinder in Nachtkleidern assoziieren Schlaf, Träume und Traumwelten, die
einerseits Sicherheit bedeuten können, aber auch absolute
Verletzlichkeit und Schutzbedürfnis. Aus den fast schwerelosen, farbenfrohen Bildnissen wächst so eine spürbare Bedrohung, zweideutig und ungenau. Alle Bilder Yongtak Chois entwickeln dieses intensive Eigenleben, erlauben viel Raum für
die Vorstellungskraft des Betrachters und Poesie im Sinne
eigener Geistesgeburten. Sie sind großformatige, manchmal fantastische Seelenbildnisse wie unter einer Wasseroberfläche, die den Begriff der Realität ergründen. rb
ANZEIGE

14

Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

15

CAMPUS

Für Deutschland selbstverständlich: Sauberes Trinkwasser will Hamed Beheshti für
ländliche Regionen des Nahen
und Mittleren Ostens möglich
machen

Mit dem R llstuhl in die Vorlesung

Wasserressourcen der Welt

Studieren mit Handycap ist heute keine Seltenheit mehr, aber auch hürdenbehaftet. An der Berliner
Humboldt-Universität (HU) gibt es viel Unterstützung für Studenten mit Einschränkungen im
Studienalltag. Ein barrierefrei gebauter Campus wie der in Adlershof macht jungen Menschen wie
Nassim Dadkhah ihr Studium möglich.

braunen Augen. Ihre Fröhlichkeit und ihr
Optimismus stecken sofort an. Nassim
Dadkhah studiert Psychologie an der Berliner Humboldt-Universität im zweiten
Mastersemester. Das ist nicht selbstverständlich. Die in Münster Geborene leidet
seit ihrem zweiten Lebensjahr an einer
Tetraparese. Sie sitzt im Rollstuhl, kann
ihre Arme und Beine kaum bewegen. Das
Psychologiestudium hat sie besonders interessiert, erzählt sie: „Ich bin ein kreativer
Mensch und kann viele Probleme lösen,
auch was mein eigenes Leben betrifft.
Eine gute Voraussetzung, um anderen
Menschen zu helfen, finde ich.“
Vor Beginn ihres Studiums kamen Nassim Dadkhah und ihre Mutter zu einem
Gespräch mit Jochen O. Ley in die Studierendenberatung der HU. Er ist Beauftragter für chronisch kranke und behinderte
Studenten und leitet das Referat Studienberatung. Er betreut etwa 300 Studie-

rende mit Handicap. Insgesamt gibt es an
der HU etwa 1.500 Studenten mit chronischen Krankheiten oder Behinderungen.
Auf dem Campus Adlershof, so schätzt Ley,
studieren etwa 300–400 Studenten mit
einer Einschränkung, sei es Diabetes oder
eine psychische Erkrankung. Sie erhalten
zum Beispiel Unterstützung beim Zugang
zum Studium und können einen Härtefallantrag stellen: Fünf Prozent der Studienplätze eines Studiengangs werden in einer Vorabquote vergeben. Außerdem gibt
es einen sogenannten Nachteilsausgleich,
der konkret Schreibhilfen, Schreibzeitverlängerungen bei Prüfungen oder Anwesenheit einer Vertrauensperson bedeuten
kann. Jochen O. Ley berät Studieninteressierte und Studierende in diesen Fragen,
kümmert sich insgesamt um den Prozess
der Inklusion an der Uni, prüft und verbessert die Begehbarkeit von Gebäuden und
berät außerdem Geflüchtete, die an der
HU studieren.

Im vergangenen Wintersemester waren
rund 100 Geflüchtete an der HU als Gasthörer eingetragen. Sie können sich Studienleistungen bescheinigen lassen und sie
für spätere Bewerbungen nutzen. Ab dem
Sommersemester gibt es auch Mentorenprogramme mit dem Ziel, das akademische Leben in Deutschland vorzustellen,
Kontakte zu knüpfen und einen Einblick
in das deutsche Bildungssystem zu geben.
Jochen O. Ley, der im Hauptgebäude
der HU am Campus Mitte sein Büro hat,
kommt regelmäßig zur Sprechstunde
nach Adlershof. Er kommt gern: „Es ist so
familiär, man kennt sich gegenseitig und
alles liegt nah beieinander. Es ist, sagen
wir, smoother.“ Für die Studentin Nassim
Dadkhah hat der Standort einen ganz entscheidenden Vorteil: Es ist der modernste
HU-Campus und er ist barrierefrei. Rampen, Automatiktüren, Fahrstühle. Deshalb
war auch schnell klar, dass der Studienwunsch Psychologie an der HU zumindest
in dieser Hinsicht möglich sein würde.
„Ja“, bestätigt die Studentin lachend, „da
habe ich hier wirklich keine Probleme. Viel
weniger als an der Schule. Es ist alles da,
was ich benötige, funktionell, modern, gemütlich. Und ich brauche keinen Schnickschnack.“
Die Herausforderungen in ihrem Studium? „Ich muss viel zusätzlich organisieren, zum Beispiel den Fahrdienst.“ Dies
wird nicht über die Uni geregelt. Von der
HU bekommt Studentin Dadkhah aber
eine finanzielle Unterstützung, Studienassistenz genannt, und den Nachteilsausgleich. Ganz konkret finden ihre Prüfungen in einem separaten Raum statt
und sie erhält Schreibzeitverlängerung.
Nassim Dadkhah ist ehrgeizig und nimmt
die Herausforderungen an: „Es macht mir
großen Spaß und ich bin froh, dass ich
hier studieren kann. Das ist nicht in jedem
Land selbstverständlich.“ jg

Die Psychologiestudentin Nassim Dadkhan fühlt
sich auch dank der Unterstützung von Studienberater Jochen O. Ley am modernen Adlershofer
HU-Campus wohl

16

Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

4,5 %
Andere Quellen
1 % zugängliches
Trinkwasser

95,5 %

Ozeane, Meere und Buchten

Regenerativer Herzschlag
für dörfliche Welten

Quelle: US Geological Survey

Sie lacht aus herzlichen, sympathischen

GRÜNDER

Strom und sauberes Trinkwasser in ländliche Regionen des Nahen und Mittleren Ostens zu bringen – dieser
Mission hat sich Hamed Beheshti mit seinem 2013 gegründeten Unternehmen Boreal Light verschrieben.
Dafür setzt er auf die Kraft von Sonne und Wind und auf kleine Anlagen, die Meerwasser entsalzen, Trinkwasser
aufbereiten und Strom für die lokalen Bedürfnisse produzieren. „Das Potenzial ist enorm“, glaubt Beheshti. Der
33-jährige gebürtige Iraner hat zu Beginn des Jahrtausends an der American University of Beirut Regenerative
Energien studiert.

Sein praktisches Engagement begann mit einer Autopan-

ne. Mit einem Freund war er in der nicht ganz ungefährlichen
Grenzregion des Libanon zu Israel unterwegs, als das Auto liegen blieb – kein Licht, kein Strom weit und breit. „So sieht es in
vielen ländlichen Regionen der Welt aus. Dabei bedeutet Licht
nicht nur Helligkeit, sondern auch Sicherheit und Gesundheit“,
sagt Beheshti. Das war der Start für seine ersten Wind- und
Solarprojekte in der Region „Bei den Menschen, die das wirklich
brauchen“, wie er betont.
Nach Deutschland kam er erstmals 2008. Mit einem UNEPStipendium belegte er einen Kurs zu erneuerbaren Energien
an der TU Dresden. Es hat ihm gefallen, sodass er 2010 zurückkehrte – diesmal an das „Forschungszentrum für Umweltpolitik“
der Freien Universität Berlin, wo er seine Doktorarbeit schrieb.
Nur um dann schnell wieder unternehmerisch tätig zu werden.
Boreal Light – übrigens der englische Ausdruck für Polarlichter,
die ihn bei einem Besuch in Island sehr faszinierten – hat er mit
einem befreundeten Maschinenbauingenieur zusammen gegründet. „Wir wollen robuste, preisgünstige Anlagen deutscher
Qualität herstellen – ‚made in Berlin‘.“ Als Standort haben sie
sich ganz bewusst Adlershof und das Zentrum für Photovoltaik
(ZPV) ausgesucht. Rundum finden sich Kollegen aus derselben
Branche für Austausch und Zusammenarbeit. Außerdem gibt
es die Perspektive, in den benachbarten Räumen eine Produktion aufzubauen. Wenn es die Auftragslage erlaubt, sollen dafür
möglichst bald drei Mitarbeiter eingestellt werden.

Auf dem Schreibtisch in Hamed Beheshtis Büro liegen schon einige UV-Filter für die Trinkwasseraufbereitung, die in künftige
Anlagen verbaut werden sollen. Das Prinzip: „Wir entwickeln
Anlagen, die wir aus fertigen Komponenten zusammenbauen“,
erläutert Beheshti. Für technische Aufgaben, die sie selber nicht
leisten können, sucht sich Boreal Light Kooperationspartner. Das
können einzelne Ingenieure sein oder ganze Firmen, zum Beispiel Siemens für die Steuerung der Wasseraufbereitung.
Im Bereich Windkraft ist Boreal Light kürzlich eine Partnerschaft
mit dem Serviceanbieter MD Wind aus Luxemburg eingegangen.
Sofort nach dem Atomdeal mit dem Iran zu Beginn diesen Jahres
haben die beiden Unternehmen MD Wind Iran gegründet. Von
der Zentrale in Teheran aus wollen sie Windkraft-Services europäischer Qualität im Mittleren Osten anbieten. Für diese Aufgabe werden im Sommer sechs junge iranische Ingenieure für drei
Monate in Deutschland und Frankreich qualifiziert.
Neben dem Nahen und Mittleren Osten sieht Beheshti auch
in Zentralasien und Lateinamerika einen attraktiven Markt für
Windenergie. Vor kurzem ist ein indischer Investor eingestiegen,
der sich mit 30 Prozent am Unternehmen beteiligt. Für die solargetriebene Wasseraufbereitung sind Lateinamerika und Afrika
südlich der Sahara ein wichtiger Zielmarkt. Aktuell läuft ein Projekt in Tansania, wo zusätzlich flüssiger Wasserstoff hergestellt
werden soll – als Brennstoff für den Haushalt. „Das müssen
keine großen Mengen sein“, meint Beheshti. „Sie sollen reichen,
um ein Quartier zu versorgen. Damit liefern wir mehr als nur
Technik, nämlich das neue Herz für eine Nachbarschaft.“ ud
Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

17

KURZNACHRICHTEN

ANZEIGE

AUFGEFRISCHT

AUFGEBAUT

AUFGEWACHSEN

IMPRESSUM

Adlershof Online neu

Parkhaus

HSR in Adlershof wird 20

H ERAUSGEBER
WISTA-MANAGEMENT GMBH

Der Adlershofer Internetauftritt (www.
adlershof.de) erscheint seit Mitte April
im neuen Look und „full-responsive“, das
heißt optimiert für alle Arten von Endgeräten, ob Smart-TV, Desktop-Computer, Pad,
Notebook oder Smartphone. Keine Platzverschwendung auf großen Bildschirmen,
kein umständliches horizontales Scrollen
auf kleinen Screens mehr.

Im April eröffnete in der Albert-EinsteinStraße das erste Parkhaus im Technologiepark Adlershof. Mit seinen 580 Stellplätzen, davon 80 für Kurzzeitparker, die
restlichen zur Daueranmietung, wird das
Europa-Center-Parkhaus die angespannte
Parkplatzsituation am Standort verbessern.

Die Adlershofer Filiale des Hydraulikspezialisten HSR GmbH feiert am 10. Juni ihren
20. Geburtstag. Seit 2007 hat HSR einen
Standort im Technologiepark Adlershof.
Labore, Forschungs- und Produktionsbetriebe nutzen den HSR-Thekenservice für
die Auswahl, Beschaffung und Anfertigung von Hydraulik- und Druckluftkomponenten.

www.europa-center.de

www.hsr.de

www.adlershof.de

AUFGEWECKT

Klügste Nacht

Einblick MiT
Ausblick –
ErlEbEn siE ihr
nEuEs büro






Büro- und
Gastronomieflächen
Ca. 110 – 5.200 m²
Individuell, nachhaltig
und gekühlt

Vereinbaren Sie einen Besichtigungstermin in unserem Musterbüro.

Am 11. Juni 2016 heißt es wieder: „Lange
Nacht der Wissenschaften“ im Technologiepark Adlershof. Besucher können
Forschern über die Schulter blicken, in
Reinraumanzüge schlüpfen, selber experimentieren, geheime Orte entdecken,
mathematische Knobelaufgaben lösen,
einen Film drehen und noch vieles mehr.
Wer will, kann im Deutschen Zentrum
für Luft- und Raumfahrt den Mars bei
einem virtuellen 3D-Flug kennenlernen
oder Verkehrsexperten befragen, wie
der „Next Generation Train“ aussieht.
Gleich nebenan, im Helmholtz-Zentrum
Berlin, gibt es den Elektronenbeschleuniger BESSY II zu bestaunen, der Forschern
dabei hilft, neue Materialien für umweltfreundliche Energiespeicherung und
-umwandlung zu entwickeln. Neugierige
können Kristallen beim Wachsen zu-

Vermietung 0800 271 271 0
www.europa-center.de

18

Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

AUTOREN
Autoren: Rico Bigelmann (rb); Dr. Uta Deffke (ud);
Dr. Winfried Dolderer (wid); Jördis Götz ( jd);
Paul Janositz (pj); Dilek Güngör; Chris Löwer (cl);
Sylvia Nitschke (sn); Peter Trechow (pt);
Claudia Wessling (cw)

Arbeiten im Weltlabor

1. Poetry Slam Adlershof

Multikulturelle Teams leisten mehr. Wie
können die Mitarbeiter aus unterschiedlichen Kulturen so kooperieren, dass die
Differenzen zu einem Innovationsgewinn
beitragen?

Slam-Poet Felix Römer lädt zum ersten
Adlershofer Poetry Slam ein und bringt einige der besten deutschen Slammer mit.
Felix Römer steht seit 1999 mit seinen Texten auf der Bühne und beherrscht mühelos
den Spagat zwischen Unterhaltung und
Ernsthaftigkeit. Bei ihm treffen sich Pathos
und Melancholie, Ernst und Komik, analytischer Scharfsinn und bissige Pointen.
Termin: 16. Juni 2016, 20.00 – 22.00 im
Theater Adlershof (Moriz-Seeler-Straße 1),
Eintritt: 10 Euro, Vorverkauf/ermäßigt:
8 Euro
www.theater-adlershof.de

DRUCK
BUD – Brandenburgische Universitätsdruckerei und
Verlagsgesellschaft Potsdam mbH
BI LDQU ELLEN	
Fotos: Tina Merkau;
Titelillustration: Jaqueline Urban;
S. 3: Dorothee Mahnkopf

Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht
unbedingt die Meinung der Redaktion dar. Nachdruck von
Beiträgen mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare
erbeten. Das „Adlershof Journal“ erscheint sechs Mal pro
Jahr in einer Auflage von jeweils 3.000 Exemplaren.
Die nächste Ausgabe erscheint Anfang Juli 2016.

Ausführliche Texte und Adlershofer
Termine finden Sie unter:
www.adlershof.de/journal

ANZEIGE

RADFAHREN MACHT FREU(N)DE

Eine echte Innovation für brillantes
Sehen bei Tag und bei Nacht.

RADFAHREN
MACHT FREUDE

www.LNDW.adlershof.de

AUFGETRETEN

Telefon: +49 30 20 93 93 30

REDAKTIONSADRESSE
WISTA-MANAGEMENT GmbH, Bereich Kommunikation
Rudower Chaussee 17, 12489 Berlin
Telefon: 030 63 92 - 22 38 , Fax: 030 63 92 - 22 36
E-Mail: nitschke@wista.de
www.adlershof.de/journal

Informationen zum Adlershofer
Programm ab 15. Mai 2016 unter

AUFGEPASST

Ein Innovationscamp zum Thema „Interkulturelles Konfliktmanagement und
Verhandlungsführung“ für Fach- und Führungskräfte findet am 18./19. Juni 2016 am
Institut für Psychologie der Humboldt-Universität in Kooperation mit der Trainergemeinschaft Berlin statt.

REDAKTION
Sylvia Nitschke (V. i. S. d. P.)

LAYOUT U N D H ERSTELLU NG
Medienetage Anke Ziebell
Telefon: 030 609 847 697, Fax: 030 609 847 698
E-Mail: aziebell@medienetage.de
www.ziebell-medienetage.de

schauen; versuchen, einen Laserstrahl
zu justieren, oder ihr Handy auf Elektrosmog prüfen lassen. Lebensmittel untersuchen und Atemalkohol bestimmen,
heißt es bei der Expedition Analytik.
Lachmuskeltraining ist garantiert beim
Science Slam; Physik einmal ganz anders
präsentiert wird bei der PhysikantenFußballshow.
Insgesamt 73 wissenschaftliche Einrichtungen in Berlin und Brandenburg öffnen
am 11. Juni 2016 ihre Türen. Beginn 17.00
Uhr, Ende 24.00 Uhr, Tickets (14 Euro/
ermäßigt 9 Euro) sind ab 9. Mai 2016
über die Fahrkartenautomaten, Verkaufsstellen der BVG und S-Bahn Berlin sowie
CTS Eventim erhältlich.

ANZEIGEN BETREUU NG
WISTA-MANAGEMENT GMBH, Bereich Kommunikation
Marina Salmon, Telefon: 030 6392 - 2283,
E-Mail: salmon@wista.de

über

6
00
F
ahrräde
r

… und damit es rund läuft finden Sie
hier alles was das Radler-Herz begehrt.
KOMMEN SIE VORBEI,
WIR BERATEN SIE GERNE

DÖRPFELDSTRASSE 73 | 12489 BERLIN
MO - FR 10 BIS 19 UHR | SA 10 BIS 14 UHR
WWW.FAHRRADWELT-BERLIN.DE

Dörpfeldstraße 23, 12489 Berlin | T 677 0014 | F 677 5330
Mo - Fr 9-19 Uhr | Sa 9-13 Uhr | www.augenoptik-hidde-mietke.de

TESTHÖRER GESUCHT!



030/678 06 06

• Häusliche (Kranken-)Pflege
• Ambulante Versorgung von
Menschen mit Demenz in
Wohngemeinschaften
Pflege-Vital Beate Langer GmbH
Florian-Geyer-Str. 97
12489 Berlin

• Pflegeberatung
• zusätzliche Betreuungsleistungen
für Menschen mit und ohne eingeschränkte Alltagskompetenz
Fax 030/678 06 07 0
pdl@pflege-vital.com
www.pflege-vital.com

Für neueste Signia und Siemens Hörgeräte
Werden Sie Teil der bundesweiten Praxisstudie!
Signia GmbH ist eine
Markenlizenznehmerin
der Siemens AG
Qualitätshörsysteme

Gleich anmelden unter:
Tel. 030 - 639 22 437
Albert-Einstein-Str. 4 | Adlershof | Tel. 030 - 639 22 437
Dörpfeldstr. 36 | Adlershof | Tel. 030 - 209 53 833
Brückenstr. 2 | Schöneweide | Tel. 030 - 636 4646

www.hoerakustik-lehmann.de

Adlershof Journal | Mai_Juni 2016

19

intelligente lösungen
für ihre energieversorgung.
Lösungen für die Energieversorgung von morgen entwickeln.
Das ist unser Anspruch. Und dafür steht unser Heizkraftwerk Adlershof:

>

Mit hocheffizienten Blockheizkraftwerken erzeugen wir Strom und Heizwärme

>

Unsere Power-to-Heat-Anlagen nutzen Überschussstrom zur Erzeugung von Wärme

>

Unsere Heißwasserspeicher schaffen Flexibilitäten und stellen eine
unterbrechungsfreie Fernwärmeversorgung sicher

Das passt zu Adlershof. Das passt zu Berlin.
Und das passt zu Deutschland als Land der Energiewende.

Mehr Informationen finden Sie unter

www.btb-berlin.de
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.