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Periodical volume

Full text: Adlershof-Journal Issue 2013,11/12 Nov./Dez.

Adlershof Journal

Nov./Dez.	 2013

	 „Wer wagt, gewinnt“: 	 Ideen in die Wirklichkeit übersetzen 	 Ein Hotspot für die Erneuerbaren: 	 Neues Technologiezentrum am Start 	 Die Aktivistin: 	 Auszubildende mit Ehrenamt

Ein starkes Team
Wie unsere Forscher und 	 Unternehmer kooperieren

www.adlershof.de

Adlershof Journal
Nov./Dez. 2013

ESSAY

„Wer wagt, gewinnt“
INHALT
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AUS DER REDAKTION

Wissen ist nur Macht, wenn man etwas daraus macht
Ihre Firma, Xerox, hielt das Ganze für Spielerei. Steve Jobs und auch Bill Gates, die dort erstaunlicherweise ein- und ausgehen durften, übersetzten das brachliegende Xerox-Wissen in den Apple Macintosh und in Microsoft Windows. Steve Jobs war ein Macher. Und solche Leute braucht die Welt. Wissen ist nur Macht, wenn man etwas daraus macht. Gerade wir Deutschen bräuchten Leute wie ihn, denn wir sind zu viel Denker und zu wenig Macher. Ja, ein Musikkomprimierungsalgorithmus ist wundervolle Mathematik. Aber vielleicht rechnet er sich ja auch finanziell? Vielleicht sollte man eine Firma gründen und die Menschheit mit MP3-Playern beglücken? Es war nicht das Fraunhofer Institut, Erfinder des MP3-Kompressionsformats, sondern der Ideenübersetzer Jobs, der der Welt den iPod gab. MP3 ist nicht das einzige Beispiel für die fehlende Witterung deutscher Erfinder und Unternehmer. Genauso Tomaten auf den Augen hatten sie, als sie den Fernseher, den Computer, das Fax, den Hybridmotor und den Walkman erfanden und das wirtschaftliche Potenzial darin nicht erkannten. Die Liste ließe sich fortsetzen. Im Rohstoff Wissen den Rohdiamanten zu erkennen, ist das eine. Dann auch den Mut zu haben, ihn herauszuschleifen, das andere. Unternehmensgründer gehen ein hohes Risiko ein, jedes dritte Start-up überlebt die ersten drei Jahre nicht. Auch Jobs wäre um ein Haar gescheitert, als ihn 1985 seine eigene Firma hinausschmiss. Und um ein Haar hätte auch Apple den Sprung in das 21. Jahrhundert nicht mehr geschafft. Die Angst zu scheitern, hält viele vom Gründen ab – hierzulande ist es jeder Zweite, wie Umfragen ergeben. In den USA ist es nur jeder Dritte. Das macht sich bemerkbar: In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland halbiert. Das liegt auch an unserem Umgang mit dem Scheitern und den Gescheiterten, sowohl gesetzlich als auch gesellschaftlich. Während ein amerikanischer Gründer auf Partys stolz von seinen ganzen ehemaligen Firmen erzählt, gilt eine Insolvenz hierzulande als persönlicher Makel, den man in seinem Lebenslauf gerne verschweigt. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele MP3-Megaerfolge und damit Arbeitsplätze die Angst bereits zerstört hat, noch bevor sie überhaupt entstehen konnten! Und wie viel wertvolle Erfahrung, die eine Firmengründung mit sich bringt, vergeudet wird, weil ein einmal gescheiterter Gründer es nicht noch einmal versucht. Da war er wieder, der ungenutzte Rohstoff Wissen. „Der Gescheiterte ist der Gescheitere – sofern er kein Dummkopf ist“ lautet das Motto von Sascha Schubert, der selbst bereits einen dritten Anlauf gewagt hat. Schubert hat daher die Failcon nach Deutschland geholt, eine Messe für gescheiterte Firmengründer, die dort von ihren Erfahrungen offen berichten und sich austauschen können. In den USA gibt es sie natürlich schon viele Jahre. In Deutschland findet sie in diesem November zum zweiten Mal statt. Hoffentlich scheitert sie nicht – an uns.
Jens Lubbadeh ist Redakteur bei Technology Review und Kolumnist für Spiegel Online und Jolie.

ESSAY
„Wer wagt, gewinnt“: Wissen ist nur Macht, wenn man etwas daraus macht

Auf Augenhöhe
Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wo oft die besten Ideen entstehen? Für manche beim Stammtisch, für andere am Küchentisch. Und bei Ihnen? Im stillen Kämmerlein oder am Schreibtisch? Wenn Sie kein Eigenbrötler sind, werden Sie den Austausch suchen: mit Freunden, Kollegen und Fachleuten, die wie Sie im Thema stecken. Aber vielleicht auch mit gänzlich Fachfremden, die Ihre Ideen unter einem ganz anderen Fokus betrachten. Aus dem anfänglichem „Rumspinnen“, dem „offen sein“ für neue Wege, entspringen durchaus tragfähige Projekte. Es kommt also auf die Zutaten an. Deren Qualität ist nicht nur für einen schmackhaften Braten oder leckeren Kuchen entscheidend, sondern auch für das Funktionieren eines Technologieparks. Das Konzept, Forscher, Unternehmer und auch Studenten Tür an Tür anzusiedeln, Gelegenheiten für Begegnung und ein innovationsfreudiges Klima zu schaffen, hat sich längst bewährt. Die Beispiele in unserer Titelgeschichte zeigen, dass und vor allem wie Wissenschaft und Wirtschaft in Adlershof zusammenarbeiten. Neue Ideen werden wir auch aus unserer Leserumfrage ableiten. Danke an alle, die daran mitgewirkt haben. Ihre Änderungsanregungen werden wir fließend in das Journal integrieren. Dass die Mehrheit der Antwortenden uns bei Themenauswahl, Aktualität und Informationswert der Beiträge sowie auch bei der gestalterischen Umsetzung ein gut bis sehr gut bescheinigt hat, spornt uns an, dranzubleiben an den Themen. Auch zukünftig werden wir Sie sowohl mit einer Printausgabe als auch mit einer Onlinefassung auf dem Laufenden halten, denn so viele Stammtische könnten Sie womöglich gar nicht besuchen. Viel Spaß beim Lesen unserer Jahresendausgabe 2013 wünscht Ihre

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EINBLICKE

	 Gemeinsam erneuern: 	 Deutsch-Türkisches Innovationsforum 	Energie

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MENSCHEN
Die Aktivistin: Auszubildende mit Ehrenamt

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TITELTHEMA

	 Gute Ideen gibt es gleich um die Ecke: 	 Wie funktionieren erfolgreiche 	Forscher-Unternehmer-Teams

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NACHGEFRAGT
Wachstumskern Diodenlaser: Schneiden, schweißen, sintern oder bohren mit nur schuhkartongroßen Systemen

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UNTERNEHMEN
Ein Hotspot für die Erneuerbaren: Neues Technologiezentrum am Start

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Tischgespräch
mit Grischa Puls, Hotelmanager des Dorint Berlin-Adlershof

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MEDIEN
Das Abenteuer Leben: Spannende TV-Geschichten im Gepäck

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CAMPUS
Adlershofer Wissen kompakt: Forschungsforum am 12. November

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GRÜNDER
Mit Laserpower Richtung China: Halbleiterlasermodule vom FerdinandBraun-Institut als Türöffner

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FORSCHUNG
Körnerfutter für die Energiewende: Neue Siliziumkristallzüchtungsverfahren für Solarzellen

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KURZ NOTIERT Sylvia Nitschke Leiterin Adlershof Print

Apple ist heute ein Superlativ: eine der wertvollsten Firmen der Welt und aller Zeiten, geschaffen von einem Mann, den viele als genialsten Erfinder unserer Zeit sehen. Steve Jobs‘ eigentliches Talent lag aber vor allem darin, Ideen in die Wirklichkeit zu übersetzen. Sein Partner, Steve Wozniak, wäre wahrscheinlich völlig glücklich mit der hölzernen Kiste voller Drähte, Chips und Platinen gewesen, die er gebaut hatte. Aber es war Jobs, der das Potenzial des ersten Apple-Rechners erkannte. Auch die Forscher am Xerox Palo Alto Research Center waren stolz auf die Maus und die grafische Benutzeroberfläche, die sie erfanden.

Ausführliche Texte und Adlershofer Termine finden Sie unter www.adlershof.de/journal

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Einblicke

Menschen in Adlershof

Die Aktivistin
Gemeinsam erneuern
Erfahrungsaustausch, Technologietransfer, Investitionen – Zusammenarbeit: Beim „Deutsch-Türkischen Innovationsforum Energie“ beraten Experten aus beiden Ländern zwei Tage lang über die Erschließung erneuerbarer Energien in der Türkei. nächst vielleicht ja in der Türkei, auch wenn Giese meint: „Für uns ist die Türkei Terra incognita“, unbekanntes Gelände also. Das muss aber nicht so bleiben, es könnte sich schon in knapp drei Wochen ändern, beim „Deutsch-Türkischen Innovationsforum Energie“, das am 20. und 21. November im Haus des Wirtschaftsministeriums und in Adlershof tagen wird. Die DEIG, die „Energietechnik-Insumma“, ist eines der auf dem Feld der erneuerbaren Energien tätigen Adlershofer Unternehmen, die ihr Interesse an der Veranstaltung bekundet haben. Je 100 deutsche und türkische Unternehmer, Wissenschaftler, Wirtschaftsförderer und Regierungsvertreter sollen über Themen wie Energieeffizienz, Netzintegration, Speichertechnik, Gebäudesanierung ins Gespräch kommen. Warum die Türkei? Warum Adlershof? „Auf dem türkischen Energiemarkt ist viel in Bewegung“, sagt Beate Mekiffer, die für den Standortbetreiber WISTA-MANAGEMENT GmbH an der Vorbereitung des Treffens mitwirkt. Die Wirtschaft entwickelt sich „rasant“, der Energiesektor werde „massiv ausgebaut“, dabei steige die Nachfrage nach „deutschen Lösungen“. Im November vorigen Jahres vereinbarten die Wirtschaftsminister beider Länder eine verstärkte Zusammenarbeit in Sachen Energie. Für Besucher gibt es in Adlershof auch einiges zu sehen und zu lernen: das neue Zentrum für Photovoltaik und Erneuerbare Energien etwa, in dem sich vom November an junge Firmen einmieten können. Oder das seit 2011 vom Wirtschaftsministerium geförderte, gemeinsam mit der TU Berlin und dem lokalen Versorger BTB entwickelte „Gesamtkonzept Energieeffizienz“, mit dem sich die Hoffnung verbindet, den Primärenergieverbrauch in Adlershof bis 2020 um 30 Prozent zu verringern – ein in Deutschland einmaliges Pilotprojekt, sagt Mekiffer. Sie sieht die Chance, dass sich türkische Technologiefirmen für den Standort interessieren, verweist auf den Reichtum Berlins an engagierten türkischstämmigen Fachkräften: „Wenn nicht hier in Adlershof, wo denn dann?“ Für die Stromerzeugung aus Wind und Sonne bietet die Türkei beste Voraussetzungen. Auch die Geothermie lässt sich hier noch ergiebiger nutzen als etwa am Alpennordrand, weiß der gelernte Tiefbohrer und Maschinenbauer Giese: „Die Türkei verfügt im Gegensatz zu Deutschland über Hochenthalpie-Erdwärmelagerstätten.“ wd Schon die Freizeitgestaltung der ehemaligen Gymnasiastin hatte Tiefgang: Als ihre Herder-Schule in Lichtenberg 2005 den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (SORSMC)“ erwarb, begann die damals 13-Jährige, sich mit dem Thema aktiv auseinanderzusetzen. Sie veranstaltete gemeinsam mit einer Freundin jährliche Demokratie-Workshops für ihre 850 Mitschüler und auch den sogenannten „Wahltag“, an dem sich zur Beibehaltung des Titels „SOR-SMC“ mindestens 70 Prozent aller an der Schule Lernenden, Lehrenden und Arbeitenden mit ihrer Unterschrift gegen Diskriminierung, Rassismus und Gewalt wenden müssen. Immer mehr verdrahtete sich Linda Jentsch mit Berliner Aktivisten für eine vorurteilsfreie Stadt, organisierte mit Gleichgesinnten den Projekttag „Berlin – ein Mikrokosmos“, der aus einzelnen Tanzworkshops bestand und, unter anderem, jungen Leuten die Vielfalt der Religionen näherbringen sollte. Aus dem Nachdenken, das Thema breiter unter die Altersgenossen zu streuen, entstand die Idee, mit Workshops, wie Skaten, Rappen, Theater, Folkmusik oder Streethockey, den Gedanken des Fairplay zu vermitteln. Gemeinsam mit „SOR-SMC“ und dem Verein „LICHT-BLICKE Netzwerk für Demokratie & Toleranz“ veranstaltet Linda Jentsch schließlich seit 2011 das dreitägige Event „Lichtenberg mit Courage“. Und das so erfolgreich, dass dem Projekt 2011 für das Engagement eine Auszeichnung vom Bündnis für Demokratie und Toleranz verliehen wurde. Linda Jentsch ist mittlerweile Brandenburgerin, aber der alten Heimat nach wie vor fest verbunden. Derzeit arbeitet sie im Lichtenberger Vergabegremium, bei dem Bürger, Politik und Verwaltung gemeinsam über einen Teil des bezirklichen Haushalts entscheiden. Aktiv ist sie auch beim Lokalen Aktionsplan Lichtenberg-Mitte, wo Projekte, die sich mit Demokratie und Toleranz beschäftigen, unterstützt werden. Es gibt sie also doch noch, die Alltagshelden. pm Alltagshelden sind Mangelware: Studien besagen, dass gerade die Bereitschaft junger Erwachsener für freiwillige, ehrenamtliche Arbeit seit Jahren zurückgeht. Linda Jentsch, angehende Veranstaltungskauffrau bei Adlershof con.vent., ist seit ihrer Schulzeit im Einsatz für eine tolerante Stadt. „Selbstverständlich“ findet das die 22-Jährige. Glück für den Technologiepark, solchen Nachwuchs zu gewinnen. Denn ab Februar kommenden Jahres wird die fröhliche junge Frau den Adlershofer Veranstaltungs- und Besucherservice als festes Teammitglied unterstützen und sich hier speziell um Jugendevents und die Delegations- und VIPBetreuung kümmern. Linda Jentsch freut sich auf diese Aufgaben und könnte mit einem „reinen Partyumfeld“ wenig anfangen.

Bohren bis in 5.000 Meter Tiefe: „Das ist schon was, das kann nicht jeder“, sagt KlausDieter Giese. So tief unter der Erde liegt die Wärmequelle, aus der sich noch in diesem Jahr die neue geothermische Heizzentrale im südbayerischen Traunreut speisen soll. Seit 2007 hat die von Giese vertretene Firma, die in Adlershof ansässige DEIG, Federführer des Netzwerks Renergiepartner Group, das Tiefengeothermieprojekt entwickelt und begleitet seit 2010 den Investor, die Firma Grünwald Equity Geothermie GmbH, bei der Realisierung des Projekts. Außer Wärme wird es, einmal fertiggestellt, auch Strom liefern. Windkraft und Geothermie sind die Betätigungsfelder der DEIG – nicht nur am Alpennordrand oder in Adlershof. In Aserbaidschan ist das Unternehmen seit Jahren im Geschäft. Und, wer weiß, demAnzeige

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Mit vollem Einsatz: Linda Jentsch mobilisiert für eine tolerante Stadt

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Titelthema
Neue Wege beim Nachweis von Tumoren erfordern auch disziplinenübergreifende Kooperationen

Titelthema

Gute Ideen gibt es gleich um die Ecke
Ein paar Schritte nur, und schon können Forscher und Unternehmer in Adlershof gemeinsam Ideen für Innovationen aushecken. Ein Blick auf Kooperationsprojekte zeigt, wie wichtig die Nähe von Wissenschaft und Wirtschaft für fruchtbare Synergien ist. Ein Plausch unter Partnern am Mittagstisch kann die Keimzelle für den Erfolg von morgen sein.
In einer globalisierten Welt spielen Entfernungen keine Rolle mehr. Wirklich? Christian Scheler, Chef der Proteome Factory AG, einem Spezialisten für Proteomik und Proteinanalytik, sieht das etwas anders: „Ein Grund für unseren Umzug aus der Innenstadt nach Adlershof war, dass wir hier mit Wissenschaftlern auf kurzem Wege zusammenarbeiten können“, sagt er. Vor allem die enge Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) lockten. Unter anderem lotet Scheler gemeinsam mit der BAM Möglichkeiten der molekularen Bildgebung mittels Massenspektrometrie aus. Damit erschließen sich neue Anwendungsmöglichkeiten für ein patentiertes Verfahren der Proteome Factory, durch das Proteine und Peptide mit Metallen markiert werden können, was es vereinfacht, zuverlässig und zügig bösartige Tumoren nachzuweisen. „Hier am Standort lassen sich unkompliziert Synergien nutzen, ohne viel Zeit für Reisen und deren Planung aufwenden zu müssen“, betont Scheler. Letztlich sei das ein Baustein für den Unternehmenserfolg wie auch die Möglichkeit, direkt Mitarbeiter rekrutieren zu können, indem Studierende in der Proteome Factory Praktika und ihre Abschlussarbeiten machen können. Und das schon seit zehn Jahren. „So lernt man früh potenzielle Mitarbeiter kennen, merkt, ob sie ins Team passen und was sie können“, merkt Scheler an. Er erachtet räumliche Nähe gar für eine wichtige Voraussetzung, wenn Partnerschaften aus Wissenschaft und Wirtschaft für beide Seiten befruchtend sein sollen. Dirk Rondeshagen, der bei Environics-IUT unter anderem den Verkauf und Förderprojekte verantwortet, sieht das genauso: „Es ist schon ein Unterschied, ob man sich mal schnell an einen Tisch setzen kann, um Probleme zu lösen und Projekte anzuschieben, oder man erst durch die ganze Republik fahren muss.“ Das auf Gasspurenanalyse und Sensorik spezialisierte Unternehmen hat ein neues Produkt in der Pipeline, das aus einer Partnerschaft mit der BAM hervorIdeen für neue Projekte und Produkte“, berichtet Rondeshagen. Und so finden sich die passenden Partner durch die engen Kontakte wie von selbst. Aktiv suchen muss in Adlershof kaum ein Forscher oder eine Firma. Selbst wenn sie international aufgestellt ist wie die FMB Feinwerk- und Messtechnik GmbH, ein Anbieter für Ausrüstungen zur Forschung mit Synchrotronstrahlung. Ungeachtet weltweiter Kontakte schätzt FMB-Geschäftsführer Wolfgang Drewitz die Möglichkeiten, die sich aus der Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB) ergeben: „Die Zusammenarbeit ist vielschichtig. Von der Auftragsfertigung bis hin zum Erwerb von LiFür die Entwicklung neuer Materialien unverzichtbar ist die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft

gehen wird: der Gewürzsensor. Bislang wird die Qualität von Gewürzen vor allem anhand der feinen und geschulten Nase sowie dem kritischen Blick von Testern überprüft. Meist mögen sie richtig liegen – objektiv messen geht aber anders. Genau dafür sorgt der Gewürzsensor, der automatisierte und reproduzierbare Ergebnisse darüber liefert, wie gut Pfeffer und Paprika wirklich sind. Dafür sorgt ein neuartiges gaschromatographisches Verfahren mit einem speziellen hochempfindlichen Detektor, das mobil einsetzbar ist. „Im übertragenen Sinne kann man von einer elektronischen Nase sprechen“, sagt Rondeshagen. Die schlaue Nase erkennt zum Beispiel, ob vermeintlich hochwertiger Pfeffer mit Senfmehl gestreckt worden ist. Dafür haben Forscher der BAM Standards definiert, so dass die Messtechnik von EnvironicsIUT ihre Stärke ausspielen kann. „Das ist nicht unser erstes gemeinsames Projekt mit Forschungseinrichtungen“, berichtet Rondeshagen. Solche Kooperationen, etwa auch mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), seien nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Das Schöne daran: „So ergeben sich im Gespräch auch immer wieder

zenzen ist alles dabei“, berichtet Drewitz. „Im Moment arbeiten wir gemeinsam mit dem HZB an der Entwicklung und Konstruktion eines kryogenen Undulators.“ Dahinter verbirgt sich ein Gerät, mit dem Synchrotronstrahlung erzeugt werden soll, die noch brillanter sein wird als die elektromagnetische Strahlung bisheriger Speicherringe, wovon unter anderem die Materialforschung profitieren wird. FMB und HZB profitieren bereits seit Jahren von ihrer beständigen Zusammenarbeit. Wie alle Adlershofer Institute und Unternehmen. Dirk Rondeshagen bringt die Sache so auf den Punkt: „Befruchtend an integrierten Projekten ist am Ende der Erfolg. Nur das zählt.“ cl

Feine Nasen: Bisher eine Sache für Geruchstester, jetzt haben Adlershofer für Gewürze eine „elektronische Nase“ entwickelt

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Nachgefragt

wollen. Alternativ wird das Projekt KupferDiamant-Senken erprobt. Die Leistungserhöhung der Dioden allein reicht aber nicht. „BrightLas“ muss die Kraft der Einzeldioden mit ausgefeilter Optik vervielfachen. Dichtes Wellenlängen-Multiplexing nennt sich das Vorhaben, bei dem Lumics, DPI und der vierte Adlershofer Partner C2Go inprocess solutions die Lichtwellen übereinander lagern wollen. „Ideal wäre es, dafür die Phasen aller Dioden gleichzuschalten“, so Projektsprecher Kirstaedter. Doch das ist steuerungstechnisch kaum realisierbar. Alternative sind die vorab patentierten dichten Wellenlängen-Multiplexe. Das Überlagern der Wellen kompensiert das eingeschränkte Spektrum der Laserdiode. „Sie emittiert Licht in der Regel mit sechs Nanometern (nm) Wellenlänge. Das Wellenlängenband guter Dioden reicht von 900 bis 1030 nm. Im Spektrum von 130 nm sind bei 6-nm-Wellen ganze 20 Wellenlängen möglich. Das ist viel zu wenig“, sagt er. Minimum sei das Fünffache. Durch gezieltes Einengen der Wellenlängenbreite wollen es die Partner erreichen. Den Schlüssel dazu steuern die Dresdener AOS GmbH und das Otto-Schott-Institut (OSI) der Uni Jena bei: Ein höchst aufwendiges Glas, in das ein lichtbrechendes Gitter

integriert ist, das aber zugleich lichtdurchlässig ist. Dank exakter Brechungsindexmodulation überlagern sich die Wellen. Es entsteht eine stehende Welle mit der benötigten Leistung. Das Know-how habe Christian Rüssel, OSI-Professor für Glaschemie, noch in Projekten mit Sowjetwissenschaftlern erarbeitet, berichtet Kirstaedter. Weltweit wisse nur eine Handvoll Menschen um die hochkomplexe Fertigung des Glases. C2Go kommt es zu, Dioden und Optikbaugruppen zu kW-Systemen zu montieren. Weitere Partner werden diese mit Unterstützung der TU Berlin in Maschinen und Anlagen integrieren. Zielbranchen: Automobil-, Batterie- und Halbleiterindustrie sowie Zukunftsmärkte wie 3-D-Druck oder das Schweißen und Fügen von Leichtbauwerkstoffen. „In Summe ein schöner Wachstumskern, der die Wertschöpfungskette von der Einzelkomponente bis zur Maschine abdeckt“, bilanziert der Projektsprecher. Allerdings birgt die Breite Herausforderungen. Es gilt, 13 Partner zu koordinieren. „Das ist bei den kurzen Wegen in Adlershof natürlich einfacher als zu den Partnern in Jena, Chemnitz, Dresden oder Radeberg“, sagt er. Für Koordination und Administration sei die Förderung ein Segen. Vor allem aber müssen nun die Forscher ihre Köpfe zusammenstecken, damit der „Vollblut-Ackergaul“ bis 2016 wirklich ins Laufen kommt. pt

Das Förderprojekt „BrightLas“ trimmt Direktdiodenlaser für die industrielle Oberflächenbearbeitung. Dafür werfen zehn Unternehmen, zwei Hochschulen sowie das Ferdinand-BraunInstitut für Höchstfrequenztechnik geballtes Laser-Know-how zusammen. Ein Drittel der Akteure stammt aus Adlershof.

und Strahlqualität von Diodenlasern derart zu steigern, dass sie teure, große und energieintensive Festkörper-, Faser- und Scheibenlaser aus industriellen Prozessen verdrängen können. Gelingt es tatsächlich, mit Dioden zu schneiden, schweißen, sintern oder bohren, wäre wahrlich ein Wachstumskern gesät. Noch reicht die Leistung der günstigen Dioden dafür nicht. Die Energie muss aufwendig konvertiert werden. Folge: Industrielaser sind groß wie Kühlschränke, übertragen Licht über lange Fasern auf bewegliche Roboterarme und ziehen dreimal mehr Strom, als zur Oberflächenbearbeitung benötigt wird. Bei Leistungen um zehn Kilowatt (kW), die oft im Dreischichtbetrieb abgerufen werden, sorgt das für enorme Kosten. „BrightLas“ möchte nicht nur die Konvertierung in Festkörpern und die Übertragung über Fasern überflüssig machen, sondern die robusten und preiswerten

Diodensysteme auf Schuhkartongröße bringen. Dann könnten sie direkt auf Bearbeitungsmaschinen oder auf Roboterarme montiert werden. Kirstaedter lässt keinen Zweifel daran, dass die Ziele des Projekts hochgesteckt sind. „Alle Projektpartner müssen in ihrem Bereich das Optimum herausholen“, sagt er. Das beginnt bei seiner Lumics GmbH. Um satte 50 Prozent will sie die Leistung marktüblicher Laserdioden binnen drei Jahren steigern und setzt dabei auf Unterstützung und Know-how der Adlershofer Nachbarn vom Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH) und der DirectPhotonic Industries (DPI) GmbH. „Die Leistungssteigerung ist möglich, wenn es uns gelingt, den State of the Art auszureizen“, ist er überzeugt. Zentrale Voraussetzung dafür ist es, entstehende Wärme aus dem System abzuführen. Hier kommen Forscher der TU Berlin ins Spiel, die Nanosilberlote für Hochleistungswärmesenken nutzbar machen

Das Adlershof-Laser-Quartett gehört zu den 13 Partnern im „BrightLas“-Projekt: Wolfgang Gries, Claus Heitmann, Goetz Erbert, Nils Kirstaedter (v. l. n. r.)

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Kräftige Zugpferde braucht die Region. Geht es nach Nils Kirstaedter, Geschäftsführer der Lumics GmbH und Sprecher von „BrightLas“, dann wird dieses frisch bewilligte Projekt in den nächsten drei Jahren einen Ackergaul mit Vollblutqualitäten schaffen. Gefördert im Programm „Innovative regionale Wachstumskerne“ der Innovationsinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für die Neuen Länder, Unternehmen Region, treten 13 Partner an, die Leistung

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Unternehmen
Das ZPV ist bezugsfertig für bis zu 250 Mitarbeiter von kleinen und mittleren Technologieunternehmen

Tischgespräch Adlershofer Tischgespräch
... mit Grischa Puls, Hotelmanager des Dorint Berlin-Adlershof, der nach Stationen in Afrika, Thailand, der Schweiz und mehreren deutschen Städten seine beruflichen Zelte jetzt im Südosten Berlins aufgeschlagen hat. Im Business und auf dem Wasser will der gebürtige Kieler und Exleistungsruderer immer eine Schlaglänge voraus sein. Als Pendant zum Hotelleben ist der dreifache Vater ein ausgesprochener Familienmensch, der das Brandenburger Landleben genießt.

Mitte November eröffnet nach zweieinhalb Jahren Bauzeit das Zentrum für Photovoltaik und Erneuerbare Energien in Adlershof. Die ersten Mieter sind schon da.

Ein Hotspot für die Erneuerbaren
Die Kantine ist wichtig, das weiß Bernd Ludwig aus seiner zwölfjährigen Erfahrung im Aufbau von Technologiezentren, von denen es in Adlershof bald fünf geben wird. „Das ist einfach ein zentraler Ort, an dem Kontakte entstehen“, sagt der Leiter der Zentren für Photonik und Optik (ZPO) und des neuen Zentrums für Photovoltaik und Erneuerbare Energien (ZPV) vom WISTAMANAGEMENT. Vor der Eröffnung des ZPV am 18. November wird in dem luftigen Glasbetonbau an der Johann-Hittorf-Straße noch eifrig gewerkelt. An der Glasfront im Eingangsbereich fehlen noch die Solarpanele, die einmal zumindest einen Teil der Stromversorgung übernehmen sollen. Mehr als 33 Millionen Euro hat der Neubau gekostet, die Finanzierung besorgten zu 90 Prozent der Bund, das Land Berlin und der Europäische Fonds für regionale Entwicklung. „In Adlershof wird die Energiewende Wirklichkeit“, heißt es auf der AdlershofWebsite mit Blick auf die etwa 40 im Technologiepark angesiedelten Unternehmen aus dem Bereich. Das ZPV soll dazu auch beitragen: Bis zu 250 Mitarbeiter von kleinen und mittleren Technologieunternehmen sollen hier einmal tätig sein, wie Ludwig hofft. Anlocken will der WISTA-Manager dabei nicht nur auf Photovoltaik spezialisierte Firmen, sondern verschiedene Akteure der Erneuerbare-Energien-Branche. Ob Entwickler von Brennstoffzellen, Energiespeichern oder Experten für Netzintegration – sie alle sollen sich auf den 8.000 Quadratmetern des ZPV ganz nach ihren Bedürfnissen einrichten können. „Flexibilität wird bei uns groß geschrieben“, sagt Ludwig. Dabei legt er Wert darauf, dass sich in den Büros, Laborräumen und Produktionshallen möglichst Spezialisten der gesamten Wertschöpfungskette aus dem Bereich erneuerbare Energien ansiedeln. „Es kommt auf die richtige Mischung an, wir wollen ja schließlich Synergien erzeugen.“ Er selbst sehe sich nicht nur als Vermieter, sondern vor allem als Vermittler von Kontakten. Im dritten Stock des ZPV bezieht gerade Jens Hanke seine Büros. Seine 2010 gegründete Firma Graforce Hydro gehört zu den ersten drei Mietern. Hanke und seine 20 Mitarbeiter entwickeln preisgünstige und effiziente Methoden zur Gewinnung von Wasserstoff – eine Schlüsseltechnik für die Entwicklung

von Hybridfahrzeugen und Energiespeichern. Stolz zeigt Hanke das physikalische und das chemische Labor – ausgestattet mit speziellen Stromanschlüssen, Gaszuleitungen und Luftabzugssystem. „Für mich ist das ein Traum, wenn ich das selber einrichten müsste, würde das weit mehr als 100.000 Euro kosten.“ Für das Jahr 2016 peilt das junge Unternehmen den Markteintritt an. Bis dahin profitiert es von den preiswerten Mieten im ZPV, die auch für die Laborräume unter zehn Euro pro Quadratmeter liegen. Hanke ist schon länger in Adlershof und begeistert von den Möglichkeiten der Kooperation: Weil der Forschungsstandort immer bekannter werde, gebe es regelmäßig hochkarätige Konferenzen – wie kürzlich zum Thema Speichertechnologien. „Eine

Adlershof Journal: Was ist Ihr Lieblingsplatz in Adlershof? Grischa Puls: Seit ich Anfang September am 1. Adlershofer Firmenstaffellauf teilgenommen habe, bin ich Fan des Landschaftsparks hier. Es war eine super Stimmung und wir sind als Hotel nächstes Jahr sowohl als Sponsor als auch als Aktivteam sicher wieder mit dabei. Wie verbringen Sie Ihre Mittagspause? Ich esse selten Mittag. Wenn doch mal, sitze ich an der Quelle und gehe in unser Hotelrestaurant Olivenbaum. Ich mag bodenständige Küche: Suppen, Eintöpfe, Hausmannskost. Was war Ihre erste Begegnung mit Adlershof? Vor eineinhalb Jahren bekam ich die Leitung des Dorint Hotels Adlershof angeboten. „Undercover“ sah ich mir das Haus an, das mir gleich gut gefiel. Adlershof kannte ich bis dato nicht. Das hat sich – auch dank unserer monatlichen Hotel-Stammtische – geändert. Ich finde es schön, dass der Standort ein eigener Kiez ist. Wie kommen Sie zur Arbeit? Ich wohne in Stahnsdorf und fahre mit dem Auto nach Adlershof. Worüber haben Sie sich kürzlich am meisten gefreut? Immer wieder über positives Gästefeedback. Das motiviert.

… und am meisten geärgert? Die fortwährende Verschiebung der Eröffnung des Hauptstadtflughafens nervt. Die an den BER geknüpfte Erwartungshaltung der Dorint-Gruppe ist hoch: Das touristische Potenzial würde sich weiterentwickeln, die Hotelauslastung unserer 120 Zimmer insbesondere an den Wochenenden gesteigert werden. Was ist Ihr nächstes Ziel? Ein Arbeitsfeld ist unser Restaurant, für das ich mir zur Mittagszeit mehr Gäste wünsche. Hier muss unser Angebot beispielsweise für Geschäftsessen der Unternehmer und Wissenschaftler noch attraktiver sein. Daneben wollen wir die Catering-Schiene ausbauen und den Standortfirmen bei Eigenveranstaltungen gastronomisch zur Seite stehen. Als Drittes möchte ich gemeinsam mit den anderen Hotelbetreibern und dem Veranstaltungsservice Adlershof con.vent. das Projekt „Destination Adlershof“ beleben und neue Klientel für den Standort begeistern. Wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Hauptsächlich gemeinsam mit der Familie und ländlich. Meine Jungs haben Hühner, mein Vater züchtet Hochlandrinder. Zum Fitbleiben rudere ich. Bis zu meinem 20. Geburtstag habe ich das als Leistungssport betrieben, danach pausiert und erst vor kurzem wieder in einem Ruderclub angefangen.

Jens Hanke gehört zu den ersten Mietern im ZPV

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perfekte Vertriebsplattform“, schwärmt der Graforce-Chef. Bald kann Hanke im ZPV auch seine eigenen Konferenzen veranstalten – repräsentative Räume dafür stehen den Mietern zur Verfügung. Zu etwa einem Fünftel ist das ZPV jetzt vermietet, das Interesse ist nach Angaben Ludwigs groß. „Ich hoffe, dass wir hier einen richtigen Hotspot für erneuerbare Energien bekommen“, sagt auch Hanke. Vor der Eröffnung im November, zu der sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit angesagt hat, hat Ludwig nur eine kleine Sorge: Die Kantine wird noch nicht fertig sein. „Da müssen wir wohl noch einmal mit Catering auskommen.“ cw

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Medien
Berliner Spitzenkoch Tim Raue sucht in Bangkok nach frischem Gemüse

Medien

Das Abenteuer Leben
Ein Trance-Festival in Venezuelas Urwald, eine Londoner Olympia-Wurst, ein WünscheErfüller für das ganz Ausgefallene oder kulinarische Entdeckungsreisen mit dem Berliner Spitzenkoch Tim Raue – für Birgit Hoyer gibt es immer etwas zu entdecken. Mit ihrer Firma TV MScout aus Adlershof produziert sie Beiträge und Reportagen für unzählige TV-Magazin-Formate. Gerade ist Hoyer von einem Dreh aus Bangkok zurückgekehrt – in der Tasche drei neue spannende Geschichten. Und bald soll es für Teil 3 nach Singapur gehen. Vor der Reise steht die Recherche. Alles muss vorbereitet, die Details mit dem Protagonisten besprochen und geplant, Drehgenehmigungen beantragt werden. Oft schauen Vertreter des Filmboards oder andere „Aufpasser“ beim Dreh zu, so auch in Bangkok. „Die wollen genau wissen, was wir da machen.“ Und trotz perfekter Vorbereitung: „Für vier Tage mit drei bis vier Leuten nach Thailand fliegen für 20 Minuten Reportage, das funktioniert heute nicht mehr“, sagt Hoyer. Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis. Schon im Vorfeld macht sich das Team darum Gedanken, „welche Geschichten können wir noch machen.“ „Bei solchen Reisen“, sagt Hoyer, „machen auch wir immer wieder neue Entdeckungen für spätere Sendungen oder andere Fernsehformate.“ So wird das 5-Sterne-Hotel zum Schauplatz für eine Geschichte zum Thema Luxus und Ökologie.

„Bangkok mit Tim Raue“ steht an der Magnettafel in der Küche des Adlershofer Redaktionsbüros. Wenn Birgit Hoyer vom Sternekoch Raue erzählt, dann gerät sie ein wenig ins Schwärmen. Ein Perfektionist, ein liebenswerter Mensch sei er und ein Traum für eine TVProduzentin wie sie. „Denn Raue“, erklärt Hoyer, „ist Mr. One-Shot.“ Vor der Kamera könne er druckreif präsentieren. Dabei ist er keiner dieser Fernsehköche, steht noch täglich selbst in der Küche seines eigenen Restaurants „Tim Raue“. Kennengelernt haben sich beide für eine Begleitreportage bei einem Gourmetfestival in der Schweiz. Raue war gerade als „Koch des Jahres“

ausgezeichnet und zum Festival eingeladen worden. „Eine halbe Stunde hat der erste Annäherungsversuch gedauert“, erinnert sich Hoyer. Inzwischen sind mit ihm zwei kulinarische Reisereportagen über seine panasiatische Küche für das Fernsehen entstanden. Erst in Hongkong und nun in Bangkok geht Raue darin auf Entdeckungsreise – begleitet vom Hoyer-Team. Einen Tag hinfliegen, zwei Tage drehen, einen Tag zurückfliegen. Fachsimpeln mit einem thailändischen Küchenguru, Besuch bei seinem ehemaligen Souschef, der sich in Bangkok selbstständig gemacht hat, Stippvisite im 5-Sterne-Hotel, das nach einem ganz neuartigen ökologischen Konzept entstanden ist und arbeitet. Am Ende wird es ein 20-minütiger Beitrag für das TVMagazin „Abenteuer Leben“ werden.

Sie hat den besten Job der Welt, meint ihr Mann, erklärt Birgit Hoyer. Gelernt hat sie ihren Beruf in Adlershof. Hier begann die Abiturientin Hoyer vor ihrem Journalistikstudium ein Volontariat beim Kinderfernsehen. Später wechselte sie zum Jugendfernsehen für das Magazin „Paula“ mit der Schauspielerin Anja Kling. Anfang der 1990er-Jahre wechselte sie zum Privatsender SAT.1, bewarb sich einfach, denn „die kochen auch nur mit Wasser“. Ihr damaliger Chef war begeistert: „Eine Frau aus dem Osten – super!“ Noch heute ist Hoyer dem Sender sehr verbunden, arbeitet immer wieder für ihn – nun mit der eigenen
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Firma – unter anderem für das Frühstücksfernsehen. „Hier habe ich den Beruf in allen seinen Facetten kennengelernt“, sagt sie. Und noch eine andere Sendung hat sie und ihre Arbeit geprägt. Für „Mit Dubinski reisen“, eine Sendung des Mitteldeutschen Rundfunks, die von 1992 bis 2004 ausgestrahlt wurde, lernt sie die Welt, die Menschen und deren Kultur „mal anders kennen“. „Wir sind sehr viel gereist“, sagt Hoyer, „haben unzählige Menschen getroffen. Alles Kontakte und Erfahrungen, die auch heute noch für meine Arbeit von großem Nutzen sind.“ Und die sie vielleicht vorbereitet haben: Zum Beispiel für den „Höllentrip“ in die Urwaldberge in Venezuela. „Schwer bewaffnete Soldaten“, erzählt Hoyer, „haben das Drehteam und Pilger damals zu einem Trance-Festival eskortiert.“ In den TranceZeremonien sollten die Pilger von ihren Traumatas befreit werden. Faules Obst und zuckende, sich unnatürlich bewegende Menschen spielten darin eine Hauptrolle. Einige Pilger seien „ausgerastet“. Wie im Horrorfilm habe sich das angefühlt. „Nur Whiskey-Cola hat beim Einschlafen im Hotel

geholfen“, sagt Hoyer. Und ergänzt: „Manchmal ist es besser, blauäugig an die Sachen heranzugehen.“ Doch meist geht es weit weniger gruselig zu. „Mich begeistern Menschen, die ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge haben“, erklärt Hoyer. Menschen wie David Rundel, ein bayerischer Wurstverkäufer in London und Erfinder der Olympia-Wurst 2012. „Macht die fit oder fett?“ war der griffige Titel für den Beitrag. Oder Rafaele Sorrentino, ehemaliger Chef-Concierge im Berliner Hotel Adlon und heute als eine Art Wünsche-Erfüller selbstständig. „Und bei diesen Wünschen“, sagt Hoyer, „geht es nicht um das nächste CélineDion-Konzert.“ „Reisen und Kulinarisches, auf dem Gebiet bewegen wir uns sehr gut“, sagt sie. Daily Soaps oder Formate, bei denen Menschen vorgeführt werden, das will Birgit Hoyer nicht machen. Muss sie auch nicht, denn Themen, die sie den TV-Sendern anbieten kann, findet Hoyer täglich: von der Bouillabaisse über den Bordeaux-Marathon, bei dem verkleidete Läufer durch Weinberge laufen, bis zum teuersten Ski der Welt. Und weil es auf dem Fernsehmarkt immer auf und ab geht, dreht das Unternehmen auch Imagefilme. Aber erst einmal geht es erneut zum Gourmetfestival in die Schweiz, denn Tim Raue ist als erster deutscher Koch zum zweiten Mal dorthin eingeladen worden. rb

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Brennen für ihre Arbeit: Birgit Hoyer und Team von TV MScout

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Campus

Gründer

Mit Laserpower Richtung China Adlershofer Wissen kompakt
Zielgruppe der Veranstaltung sind diejenigen, die das Adlershofer Wissen erzeugen und mehren. Auch wenn die Technologiestadt für die kurzen Wege zwischen den universitären und außeruniversitären Einrichtungen und den Unternehmen bekannt ist, so kann bei der Fülle des Angebots Orientierungshilfe doch nützlich sein. „Nicht jeder der mehr als 2.000 Wissenschaftler in Adlershof weiß, woran der Forscherkollege ein paar Straßen weiter arbeitet“, sagt Panne. „Auch die Unternehmer vor Ort sollen sich auskennen, was in den Adlershofer Instituten geforscht wird“, betont Frensch. Die Veranstaltung im Erwin Schrödinger-Zentrum soll neues Potenzial für die Zusammenarbeit am Standort aufzeigen. So wurden vier Workshops festgelegt, die als besonders zukunftsträchtig für Kooperationen gelten. Das sind die Bereiche Materialien und Analytik, optische Charakterisierung, Solarenergie sowie Verkehr und urbane Systeme. „Neuer Standort, andere Mobilität?“ lautet etwa die Frage, die der Ingenieur und Stadtplaner Dirk Heinrichs vom Institut für Verkehrsforschung der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR), stellt. Speziell
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Es ist nicht nur eine Nabelschau des Adlershofer Wissens. Es geht vor allem darum, neue Kontakte über die Disziplin- und Institutionsgrenzen hinaus zu initiieren – das soll mit der Standortkonferenz am 12. November erreicht werden. „Wir haben die Idee gemeinsam entwickelt“, sagt Peter Frensch, Vizepräsident für Forschung an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Sein Mitstreiter ist Ulrich Panne, Präsident der Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) und Vorsitzender der Initiativgemeinschaft Außeruniversitärer Forschungseinrichtungen (IGAFA).

Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umsteigen könne. Nachhaltige Forschung betreibt auch Bernd Rech, Leiter des Instituts für Silizium-Photovoltaik am Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) und TU-Professor. Wo stehen Photovoltaik und Solarenergie heute und was sind die Perspektiven? Dass die Photovoltaik zur Energieversorgung taugt, steht außer Frage, wie ein großer – wenn auch in Deutschland mittlerweile problematischer – Industriezweig beweist. Doch Photovoltaik könne noch viel mehr leisten, sagt Rech. So lasse sich der Wirkungsgrad für Solarzellen gewaltig steigern, von derzeit 15 bis 20 Prozent auf theoretisch 80 Prozent. Neue Werkstoffe und Produktionsverfahren werden erforscht. In Kopplung mit Katalysatoren lassen sich aus Sonnenlicht direkt chemische Energieträger wie Wasserstoff erzeugen. Bei der Photovoltaik-Forschung gibt es intensive Kooperationen mit der Wirtschaft, auch eine Existenzgründung plant das Team um Rech. Im Anschluss an Vorträge und Diskussion gibt es ein Get-together, wo auf das nächste Adlershofer Forschungsforum in ein, zwei Jahren angestoßen werden darf. pj

BFB ist eine Ausgründung aus dem Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik in Berlin (FBH) und eine Tochter des chinesischen Elektronikherstellers Sino Nitride Semiconductor (SNS), das hier über zwei Millionen Euro investiert. „Dessen Geschäftsführer Zhang Guoyi, der gleichzeitig Professor an der Universität Peking ist, gab zusammen mit dem FBH-Direktor Professor Günther Tränkle den Anstoß für die Unternehmensgründung“, berichtet Wang. Zhang war daran interessiert, die vom FBH entwickelte Spitzentechnologie für Halbleiterlaserdioden in seinem Unternehmen zu nutzen. „Das funktioniert rein rechtlich gesehen nur über den Umweg dieser Unternehmensgründung“, erläutert Wang. Ein Gewinn auch für das FBH, das so seine Technologie zu marktreifen Produkten entwickeln kann. „Außerdem ist das ein guter Türöffner für den zurzeit noch sehr unspezifischen chinesischen Markt“, betont Wang. Unterstützt wird die Ausgründung auch vom Bundeswirtschaftsministerium und der EU. Der Kontakt zwischen Zhang und dem FBH kam über Wang zustande. Der Ingenieur kam 2000 als Anglist aus China, zunächst nach Bochum, wo er nach einem intensiven Deutschkurs beschloss, noch Elektrotechnik und Informationstechnik zu studieren. „Wenn man schon mal in so einem Hightechland ist, dann muss man das auch ausnutzen“, sagt Wang. Für seine Doktorarbeit, die er in Kürze abschließen wird, ging er dann an das FBH und forschte über Halbleiterlaser. Bereits 2011 gab es erste Besuche von Zhang in Berlin und eine Gegeneinladung für Tränkle nach China. Was die Halbleiterlaserdioden des FBH so attraktiv macht, ist ihre besonders energiesparende und kompakte Bauweise. Damit sind sie ideal für den Einsatz in verschiedenen Bereichen, unter anderem in großflächigen Bildschirmen. Aber auch für künftige Displaytechnologien, die 3-D-Sehen ohne Brille ermöglichen, ist die Qualität des kohärenten Laserlichts unerlässlich. „SNS ist sehr von der

Zukunft dieser Technologie überzeugt und strebt die spätere Marktführerschaft an“, berichtet Wang. Deshalb habe man in China bereits mit der Planung der künftigen Fertigungsstätten begonnen. Zunächst jedoch müssen Wang und Schwertfeger in Adlershof die Prototypenfertigungsanlage aufbauen, mit maßgeschneiderter Montagetechnik. Ab dem kommenden Jahr werden sie dabei von zwei chinesischen Doktoranden unterstützt. Ziel ist es, die zurzeit am FBH noch benötigten zwölf Stunden Zeitaufwand für die Fertigung von Lasermodulen aus den Dioden auf 30 Minuten zu reduzieren. Keine ganz leichte Aufgabe, denn es sind Präzision und Flexibilität gefordert. Auf der Modulfläche von 5 x 2,5 Quadratzentimetern müssen rund 20 optische Elemente wie Gitter, Linsen und Spiegel platziert werden, mit einer Genauigkeit von unter einem halben Mikrometer. Außerdem soll die Herstellung variabel sein, um für verschiedene Anwendungen produzieren zu können. Neben Modulen für künftige Laserdisplaytechnologien will BFB auch Halbleiterlasermodule für die photodynamische Krebstherapie bauen. Dabei kann Laserlicht mit genau definierter Wellenlänge die Haut durchdringen und medizinische Wirkstoffe, die sich in Krebszellen anreichern, gezielt aktivieren. Darüber hinaus gilt auch die Ramanspektroskopie als vielversprechend, um FBH-Spitzentechnologie zu vermarkten. Sie ermöglicht über die spektrale Analyse des zurückgestreuten Laserlichtes eine elementgenaue Bestimmung der chemischen Zusammensetzung von Materialien. Bis zur Auslieferung der ersten Lasermodule, so schätzt Wang, werden noch etwa zwei Jahre vergehen. Bis dahin agiert BFB bereits als Händler für SNS-Produkte auf dem europäischen Markt. Im Angebot sind beispielsweise LED-Leuchtmittel oder optische Elemente und Halbleitermaterial wie SiC-Wafer, an denen auch das FBH interessiert ist. ud

Noch sind die Labor- und Produktionsräume leer, doch in wenigen Wochen werden Xiaozhuo Wang und Sven Schwertfeger im Zentrum für Mikrosysteme und Materialien in Adlershof ihre ersten Maschinen aufbauen. Mit ihrem im Mai 2013 gegründeten Unternehmen Brilliance Fab Berlin (BFB) wollen sie Lasermodule fertigen, zunächst einmal hauptsächlich für den chinesischen Markt. Dort sollen sie zum Beispiel als Lichtquelle in großen Fernsehbildschirmen oder riesigen Werbedisplays eingesetzt werden.

geht es in seinem Referat darum, wie sich die Wahl des Wohnstandorts auf die Mobilität im Alltag auswirkt. Die DLR-Experten nehmen das Phänomen der Re-Urbanisierung unter die Lupe und untersuchen neue Standorte in Innenstädten, in Berlin etwa die Rummelsburger Bucht oder den Alten Schlachthof. „Ich werde die Ergebnisse empirischer Untersuchungen vorstellen“, sagt Heinrichs. Positiver Faktor für die Standortwahl sei es beispielsweise, wenn man vom

Hat noch viel vor: Jungunternehmer Xiaozhuo Wang

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Forschung

Forschung

belschicht-Granulat‘ wird also viel schneller abgeschieden und man spart mehr als zwei Drittel der Energie ein“, erklärt Riemann. Das Verfahren könnte damit auch für die Herstellung von Solarzellen interessant sein. Jedoch: Krümel sind eben kein Stab – das klassische Zonenschmelzverfahren funktioniert mit ihnen nicht. Und würden nicht etwaige Gefäße zur Aufnahme der Krümel diese verunreinigen? Zusammen mit der Firma Siltronic in Burghausen haben die Forscher des IKZ ein neues Verfahren mit einem „Teller“ aus reinem Silizium entwickelt, der die Silizium-Krümel aufnimmt. Er wird von einem ersten Hochfrequenzinduktor so erwärmt, dass die eingestreuten Krümel aufschmelzen. Die Schmelze fließt dann durch ein kleines Loch im Teller nach unten. Dort erwartet sie das Feld einer zweiten Spule, die dann – so wie beim normalen Zonenschmelzen – für die

Kristallisation sorgt. Der aus der Schmelze wachsende hochreine Einkristall wird auch hier kontinuierlich nach unten bewegt und kühlt dabei ab. „Der Wirkungsgrad einer Silizium-Solarzelle aus solchem FZ-Silizium ließe sich kostengünstig von 22 auf 25 Prozent steigern, das ist in der Photovoltaik recht viel“, sagt Riemann. Momentan ist das Verfahren in der Erprobung. Auch andere Hersteller von Solarzellen oder Silizium-Wafern greifen gern auf das Know-how aus Adlershof zurück, denn das IKZ ist ein einzigartiges unabhängiges Forschungsinstitut, das Kristallzüchtung auf Augenhöhe mit der Industrie betreibt. So lässt seit 2010 auch die norwegisch/ US-amerikanische Firma REC Solar Grade Silicon ihr Silizium-Granulat in Adlershof auf seine Zuchteigenschaften hin testen. wr
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Energiesparend hergestellte Silizium-Krümel können durch ein spezielles Kristallzuchtverfahren zu effizienten Solarzellen werden. Das Leibniz-Institut für Kristallzüchtung (IKZ) in Adlershof ist führend auf diesem Gebiet.

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Wie können die deutschen Solarhersteller wieder Boden gewinnen gegenüber der billigen Konkurrenz aus Asien? Wie können die erneuerbaren Energien so effizient gemacht werden, dass die Energiewende gelingt? Experten sehen die Antwort auf beide Fragen in der Kombination vieler einzelner, hochtechnologischer Erfindungen. Die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Kristallzüchtung spielen dabei eine wichtige Rolle. Es geht hier um die Frage, wie möglichst energieeffizient besonders reine Einkristalle aus Silizium hergestellt werden können. Aus denen fertigt die Photovoltaikindustrie dann Solarzellen und die Elektronikindustrie Schaltkreise. Das Problem dabei: Der Ausgangsstoff Siliziumdioxid ist zwar als

Quarz oder Sand allgegenwärtig. Doch um aus ihm hochreines Silizium zu gewinnen, ist ein aufwendiges Verfahren nötig. An dessen Ende wird das noch verunreinigte Silizium mit Chlorwasserstoff umgesetzt, es bildet sich die Flüssigkeit Trichlorsilan, die sehr rein destilliert werden kann. Um aus Trichlorsilan nun reines Silizium zu gewinnen, sind Temperaturen von über 1.000 Grad nötig. Bringt man in das TrichlorsilanGas einen elektrisch aufgeheizten dünnen „Docht“ aus Silizium ein, scheidet sich an ihm hochreines Silizium aus dem umgebenden Gas ab – und der Docht wächst langsam zum armdicken polykristallinen Siliziumstab heran. „Solch einen Stab können Sie wunderbar für das berührungslose Zonenschmelzen verwenden, quasi die Königsklasse der Kristallzüchtung“, sagt Helge Riemann vom IKZ. Dabei werden mithilfe eines hochfrequenten Magnetfeldes Wirbelströme am unteren Ende eines Siliziumstabes induziert, die

ihn dort schmelzen lassen. Den anhängenden Schmelztropfen bringen die Kristallzüchter nun mit einem bleistiftgroßen monokristallinen Wachstumskeim in Kontakt. Dann lassen sie den Stab und Keim langsam nach unten wandern. Dabei kühlen sich die Schmelzzone ab und am Keim beginnt mit der vorgegebenen Ausrichtung der Einkristall zu wachsen. „Die hohen Reinheiten, die wir mit diesem Verfahren erzielen, würden zu Solarzellen mit höheren Wirkungsgraden führen“, sagt Riemann. „Doch vor allem wegen der großen Herstellungskosten des Rohstabes wird dieses zonengeschmolzene FZ- (engl. Floating Zone) Silizium für die Photovoltaik kaum eingesetzt.“ Benutzt man alternativ zur Abscheidung des Siliziums aus dem Trichlorsilan-Gas keinen „Docht“, sondern kleine aufgeheizte Krümel aus Silizium, ist das Verfahren wesentlich effektiver. Die vielen Krümel bieten insgesamt eine wesentlich höhere Oberfläche, um Silizium anzulagern. „Dieses ‚Wir-

Impressum
Herausgeber: WISTA-MANAGEMENT GMBH Redaktion: Sylvia Nitschke (V. i. S. d. P.) Redaktionsadresse: WISTA-MANAGEMENT GMBH, Bereich Kommunikation Rudower Chaussee 17, 12489 Berlin Tel.: 0 30 / 63 92 - 22 38, Fax: 0 30 / 63 92 - 22 36 E-Mail: nitschke@wista.de; www.adlershof.de/journal Autoren: Rico Bigelmann (rb); Uta Deffke (ud); Dr. Winfried Dolderer (wd); Paul Janositz (pj); Chris Löwer (cl); Jens Lubbadeh; Peggy Mory (pm); Sylvia Nitschke (sn); Wolfgang Richter (wr); Peter Trechow (pt); Claudia Wessling (cw) Layout, Gesamtherstellung und Anzeigenverkauf: zielgruppe kreativ GmbH Tel.: 030 / 6 780 413 - 11, Fax: 030 / 6 780 413 - 16 E-Mail: info@zielgruppe-kreativ.com, anzeigen@zielgruppe-kreativ.com www.zielgruppe-kreativ.com Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. Nachdruck von Beiträgen mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. Das „Adlershof Journal“ erscheint sechs Mal pro Jahr in einer Auflage von 3.000 Exemplaren. Die nächste Ausgabe erscheint Anfang Januar 2014. Bildquellen: Sofern nicht anders gekennzeichnet: Tina Merkau; Titel: Ralph Stegmaier; Essay: Dorothee Mahnkopf; Inhaltsverzeichnis (oben): Les Cunliffe – Fotolia; S. 02: Bildmontage – zielgruppe kreativ Gesellschaft für Marketing und Kommunikation mbH, Landschaft – VRD – Fotolia, Fahnen – daboost – Fotolia (2); S. 04–05: Javier Larrea – gettyimages.com, Sebastian Kaulitzki – Fotolia, bonninturina – Fotolia; S. 11: Vajanat Tangsubkul © dpa; S. 14 (2): IKZ-Berlin; FZ/CZ Group; S. 15: Rulan – Fotolia, kirillkaverin – Fotolia

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Kurz Notiert

Junge Gebrauchte von Volkswagen.
Adlershof im Lauffieber
Gute Stimmung und großer Andrang herrschten am 5. September beim ersten Adlershofer Firmenstaffellauf. Auf dem ehemaligen Flugfeld Johannisthal gingen 82 Teams an den Start. In 3er-Teams legten sie jeweils eine Strecke von 8,7 Kilometern zurück. Auf den 1. Platz rannte das Team des Geographischen Instituts der Humboldt-Universität zu Berlin. Initiiert und organisiert wurde der Firmenstaffellauf vom Gesundheitssport Berlin-Brandenburg e. V. Eine Neuauflage des Laufes ist für das Jahr 2014 in Planung. http://gsbb-ev.de

Kochwerkstatt
In eine neue Runde geht die Adlershofer Kochwerkstatt. Wer beim Kochen zuschauen, mitmachen und es sich hinterher auch schmecken lassen möchte, kommt am 14. November ins Kochatelier in der Rudower Chaussee 14. Das Team des Kochateliers zeigt in zwei Durchgängen à 45 Minuten (12.00 und 13.00 Uhr), wie mit wenigen und preiswerten Zutaten aus dem Supermarkt jederzeit schnell etwas Schmackhaftes und Gesundes zubereitet werden kann. Nachkochen erwünscht! Anmeldungen über E-Mail: pr@wista.de

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Ulrich Panne ist seit 1. September 2013 Präsident der BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung. Der 49-jährige Chemiker und Professor für Instrumentelle Analytische Chemie an der Humboldt-Universität zu Berlin löst Professor Manfred Hennecke ab, der in den Ruhestand geht. Panne will die Verbindung von Ingenieurwissenschaften und Naturwissenschaften der BAM weiter ausbauen. www.bam.de
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