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Periodical volume

Full text: Adlershof-Journal Issue 2012, Mai/Juni

ADLERSHOF JOURNAL

MAI/JUNI 2012

Vom E-Mobil zum Energieversender: DBM-Energy arbeitet am größten Akkukraftwerk Europas Minilabor: Neue Untersuchungsmethoden für neue Materialien Wohnen am Campus: Neues Quartier entsteht

Familienunternehmen:
Eingespielte Teams im Technologiepark

www.adlershof.de

ADLERSHOF JOURNAL

ESSAY

MAI/JUNI 2012

INHALT
01 ESSAY
Die Kraft der Familien: Mittelstand prägt neues Wertesystem

AUS DER REDAKTION

Familiäre Manager
Noch druckfrisch sind die Adlershofer Jahresberichte 2011 mit den aktuellen Zahlen für den Standort: 922 Firmen und wissenschaftliche Einrichtungen, knapp 15.000 Mitarbeiter und über 8.000 Studierende – so die erfolgreiche Bilanz. Die Umsätze und Forschungsbudgets summierten sich auf 1,6 Milliarden Euro, das ist ein Zuwachs von 5,5 Prozent im gesamten Gebiet. Doch wer sind die Wachstumstreiber des letzten Jahres, fragten wir uns. Es sind nicht nur die Zuzügler, die für den Anstieg maßgeblich verantwortlich sind. Das deutliche Plus generierten die Adlershofer Bestandsunternehmen. Dazu gehört unter anderen die seit sechs Jahren in Adlershof tätige Fuss-Gruppe, die Mitte April den Grundstein für ihr drittes Firmengebäude gelegt hat. Dazu zählt die ebenfalls seit 2006 ansässige Limmer Laser GmbH, die Präzisionslaser für den medizinischen Einsatz baut. Und schließlich die im Oktober 2000 gegründete ASCA GmbH, die vor allem für die Pharmaindustrie neue Wirkstoffe herstellt. Was die drei Unternehmen – abgesehen vom Umsatzzuwachs – eint? Es sind Familienunternehmen. Unsere Recherche zum Thema ergab: Es gibt noch viel mehr Familienunternehmen am Standort quer durch alle Branchen. Was sie auszeichnet? Besonderes Engagement, sie denken langfristig, kümmern sich um ihre Mitarbeiter, haben wenig Personalfluktuation. Wir wollten wissen, wie es funktioniert, Familie und Unternehmen gleichzeitig zu steuern? Die Antworten lesen Sie in unserer Titelgeschichte. Wenn Sie aus Ihrem Unternehmensalltag auch noch ein paar gute Zutaten für das Familienrezept beisteuern können, freuen wir uns über Ihren Input. Schreiben Sie doch mal einen Kommentar unter www.adlershof.de/journal. Ihre

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NETZWERKE
Wo sich Talente tummeln: Jobmesse am 13. Juni im Technologiepark

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MENSCHEN
Der Steuermann: Molekularbiologe Jan Michel ist Freizeitkapitän

Die Kraft der Familien
Die Grabreden für Deutschlands Familienunternehmer waren So geht die Zeit des Hire and Fire ihrem Ende zu. Angesichts des imschon geschrieben. Zwischen globalen Weltkonzernen und angriffs- mer dramatischeren Fachkräftemangels können es sich Firmen schon lustigen Newcomern, das galt als ausgemacht, hätten sie keinen Platz. bald gar nicht mehr leisten, ihre Mitarbeiter vor allem als KostenfaktoÜberkommen schienen ihre beschaulichen Firmenstrukturen. Fami- ren zu betrachten. Sie werden zwangsläufig loyaler, nicht nur zu ihren lienbande und Loyalitäten, über Generationen gewachsen, wollten Beschäftigten, sondern auch zu ihren Standorten. Denn qualifizierte nicht passen in die sprunghaften Zeiten der Globalisierung. Mitarbeiter bleiben, aller Gegenrede zum Trotz, an Orte gebunden. Doch die Wirklichkeit straft die Pessimisten Lügen. Produkte und Standorte rund um den Globus sind eben nicht austauschbar. HeimeDienstleistungen von deutschen Unternehmern sind weltweit gefragt. ligkeit hat Wert. Sie schafft Vertrauen, zeigt Kontinuität. Vielen FamilienEs sind traditionsreiche Firmen wie der Hausgerätehersteller Miele aus unternehmen war das lange bekannt. Gütersloh oder Europas führender Werkzeugmaschinenbauer Trumpf Eine weitere Veränderung bringt das neue Wertesystem: Die Unteraus dem schwäbischen Ditzingen genaunehmen der Zukunft müssen durchlässiger so wie Tausende von Neugründungen, die werden, weniger hierarchisch. Gute Ideen Deutschland besonders machen. Kein andemüssen gehört und umgesetzt werden, egal Deutschlands Mittelstand prägt res Land der Welt hat einen so starken, exportvon welcher Ebene sie kommen. In Konzernen ein neues Wertesystem für die orientierten Mittelstand. Kaum sonst irgendgibt es dafür immer noch viele Hürden. Viele gesamte Wirtschaft. wo ruht der volkswirtschaftliche Erfolg auf so Familienunternehmen dagegen haben relativ vielen kräftigen Schultern. Im Wettbewerb kurze Entscheidungswege und durchlässige der Systeme – Familien versus Börse – haben Strukturen. Das macht sie wendiger im Wettdeutsche Familienunternehmen nicht nur ihren Platz behauptet. Sie bewerb und offen für Innovationen. Erfolgreiche Familienunternehmer sind zum Vorbild geworden. So haben sie einen grundlegenden Wan- im Land leben die neuen Werte bereits vor: Sie haben langfristige Ziele del in der Wirtschaftswelt angestoßen: Den Wandel der Werte. im Blick, sind verlässlich für Mitarbeiter und Kunden, in ihrer Heimat Jahrzehnte waren es die Großkonzerne, die das Wertesystem dominier- verwurzelt und offen für Ideen. Das macht sie stark im In- und Ausland. ten. Sie prägten die neuen Trends, vom Kult der Veränderung über die Rund 60 Jahre nach dem Wirtschaftswunder, um das uns die Welt beBegeisterung für Größe bis hin zum Primat der Effizienz über alte Lo- neidete, gibt es ein neues Erfolgsmodell made in Germany: Deutschyalität zu Standorten und Mitarbeitern. Fälle von Korruption und Miss- lands Familienunternehmertum. Es genießt längst internationales wirtschaft in großen Konzernen wie Siemens haben das Vertrauen der Ansehen und ist auf dem besten Weg zum Exportschlager – kopiert Menschen in diese Werte angekratzt. Die Finanzkrise, die Milliarden an von aufstrebenden Ländern in Asien und den einst unangefochteden Börsen vernichtete, stürzte den Konzernkapitalismus endgültig in nen Industriestaaten, die jetzt gegen ihren Abstieg in die zweite Liga die Krise. kämpfen. Deutschlands Familienunternehmer können das Land in eine Ausgerechnet die Familienunternehmen weisen nun den Weg aus die- prosperierende Zukunft führen. Mehr als das: Sie begründen eine neue ser Vertrauenskrise. Sie sind es, die ein neues Wertesystem begründen. Kultur des Wirtschaftens und liefern damit die Grundlage für nachhaltiIn der neuen Wirtschaftswelt ändert sich zu allererst die Perspektive: ges Wachstum in Deutschland. Der Blick wird weiter, langfristiger. Wirtschaftsführer der Zukunft denken in Jahren und Jahrzehnten, nicht in Quartalszahlen. Erfolgreiche Die Autorin: Inga Michler ist promovierte Volkswirtin und Journalistin. Seit 1998 arbeitet sie bei Unternehmen müssen verlässliche Partner sein, für ihre Kunden, für der Welt-Gruppe. Ihr Buch „Wirtschaftswunder 2010 – Deutschlands Familienunternehmer ihre Zulieferer, aber auch für ihre Mitarbeiter. erobern die Weltmärkte“ erschien 2009 im Campus Verlag.

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TITELTHEMA
Gutes Familienrezept: Wie enge Bande den Unternehmenserfolg beflügeln

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EINBLICKE
Die Familie und das Filter: Fuss-Gruppe im Baufieber

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UNTERNEHMEN
Vom E-Mobil zum Energieversender: DBM-Energy arbeitet am größten Akkukraftwerk Europas

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TISCHGESPRÄCH
mit Heike Legler: Büro- und Objekteinrichterin, die in die Antarktis reisen will

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NACHGEFRAGT
Wohnen mit Blick auf den Anger: Neues Quartier mit 1.000 Wohnungen

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FORSCHUNG
Robuster Rechner für den Einsatz im All: MUSE vor der Feuerprobe

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MEDIEN
Damit der Deckel auf den Topf passt: Mediensystemspezialisten sorgen für Kompatibilität

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CAMPUS
Minilabor sorgt für Spannung: Neue Untersuchungsmethoden für neue Materialien

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GRÜNDER
Künftige Triebwerksgenerationen auf dem Prüfstand: Luftfahrtspezifische Lehrmittel entwickelt

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KURZ NOTIERT

Sylvia Nitschke, Leiterin Adlershof Print

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NETZWERKE

MENSCHEN IN ADLERSHOF

Wo sich Talente tummeln
Sind Jobmessen in Zeiten von Internetstellenbörsen ein Auslaufmodell? Das Gegenteil beweist die T5 JobMesse, die es seit zwölf Jahren in verschiedenen Städten gibt. Zum zweiten Mal gastiert sie am 13. Juni im Technologiepark Adlershof. Unternehmen wie beispielsweise der Pharmakonzern Berlin-Chemie nutzen das Format, um dem spürbaren Fachkräftemangel erfolgreich zu begegnen. Unternehmen und Dienstleister vermarkten, die Menschen etwas Gutes tun: Aus diesem zunächst etwas romantisch klingenden Anspruch entwickelte Klaus-Peter Kaas mit seinen Kollegen eine Jobmesse für Unternehmen und Institute, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen für Mensch und Natur einen konkreten Nutzen schaffen. Vertreter aus den Branchen Biotechnologie, Chemie, Life Sciences, Medizintechnik, Pharmazie, Erneuerbare Energien und Gesundheitswesen versammeln sich dort und können in direkten Kontakt mit Fachkräften und Bewerbern treten. Auf der T5 JobMesse finden beide Seiten schnell zusammen, weil die Profile von PerAnzeige

sonal- und Jobsuchenden genau zusammenpassen. „Wir haben uns als exklusive Veranstaltung positioniert“, sagt Kaas, der mit zwei Partnern die Agentur T5 Interface in Böblingen leitet. Das heißt, potenzielle Bewerber müssen sich schon vor der Messe unter www.t5-jobmesse.de anmelden, ihr Profil und ihre Qualifikation angeben. Passt das zu den suchenden Firmen, wird der Bewerber zur Jobmesse eingeladen. So wird sichergestellt, dass wirklich nur Naturwissenschaftler, Ingenieure und Bewerber mit verwandten Qualifikationen anwesend sind. „Betriebswirtschaftler sprechen wir zum Beispiel gar nicht an“, erklärt Kaas. Die Kandidaten werden über die ausstellenden Unternehmen und die offenen Positionen gezielt informiert und können sich schon vorab auf Gespräche mit dem Personalverantwortlichen ihrer Wunschunternehmen vorbereiten. Einige bringen ihre Bewerbung gleich mit auf die Messe. „Die T5 JobMesse ist eine echte Recruitingmesse“, sagt Kaas. Diese Erfahrung konnte auch Uwe Heyer machen. Der Personalreferent bei der Berlin-Chemie AG sagt: „Wir haben grob geschätzt bisher rund zehn neue Mitarbeiter auf den T5 JobMessen rekrutiert." Der Phar-

mahersteller Berlin-Chemie sitzt selbst am Standort Adlershof. Trotz zahlreicher Studenten und Bewerber in Berlin ist der Fachkräftemangel schon spürbar. „Noch bekommen wir alle Stellen besetzt, doch die Bewerbungen sind weniger geworden“, sagt Heyer. Die T5 JobMesse hält er deshalb für eine hilfreiche Ergänzung zur Fachkräftesuche. „Man muss als Personaler heute deutlich aktiver sein als früher. Wenn man ein Talent gefunden hat, gilt es, sehr schnell zu handeln”, erklärt er. Bisher haben sich für die T5 JobMesse am 13. Juni in Berlin 18 Aussteller angekündigt. Für zehn weitere, sagt Kaas, ist noch Platz. ut

Seit der Schulzeit ist Jan Michel ein begeisterter Segler. Nachdem er seinen Wohnsitz aus beruflichen Gründen ins wasserreiche Köpenick verlegt hatte, musste einfach ein Boot her, mit dem man die zahlreichen Berlin umgebenden Seen und Kanäle erkunden kann. Das aus den 1970er-Jahren stammende Glastron Carlson Powerboot fand Michel letztes Jahr im Internet. Er ersetzte den defekten Motor und sanierte den heruntergekommenen Motorraum. Im Moment widmet sich der promovierte Molekularbiologe der Überholung des Unterwasserschiffs und der Hydraulikanlage, um ab Mai endlich wieder die Boots- und Badesaison eröffnen zu können. In die Luft zog es Michel aus technischem Interesse an der Fliegerei und um zu sehen, ob Selbststeuern sein leichtes Unbehagen beim Fliegen kurieren könnte, was er bis dahin bei jeder Flugreise spürte. Zwischen zwei Jobs tat sich ein passendes Zeitfenster auf, um den Pilotenschein zu erwerben und nach fünf Unterrichtsstunden fasste er langsam Vertrauen in das Fluggerät und die eigenen Fähigkeiten. Gern nutzt Jan Michel seither das Flugzeug, um Eltern und Freunde zu besuchen und auch für weiter entfernte Reiseziele, wie zum Beispiel Schweden oder England. Nach England zieht es den ursprünglich aus Hannover stammenden Michel bald wieder, wenn sich Flugbegeisterte aus ganz Europa zur „Flying Legends Airshow” in Duxford einfinden. Beruflich steuert Jan Michel seit 2010 bei der Adlershofer 3B Pharmaceuticals, die Therapeutika und Diagnostika insbesondere für die Onkologie entwickelt, die Bereiche Finanzen und Unternehmensentwicklung. Für Firmengründer Ulrich Reineke war Biologe Michel, mit dem er seit der gemeinsamen Dienstzeit bei der Bundeswehr in lockerem Kontakt stand, der ideale Mann, um gemeinsam die Aufnahme des Geschäftsbetriebs zu organisieren. Jan Michel arbeitete nach seinem Studium in Göttingen, der anschließenden Promotion im Fachgebiet Molekulare Immunologie in Regensburg und einer Finanzausbildung bereits als Branchenanalyst bei der Deutschen Bank, als Produktmanager bei einer Bioinformatikfirma und als Unternehmensberater. Dabei hätte der freundliche und sehr in sich ruhende Jan Michel fast eine musikalische Laufbahn eingeschlagen. „Heute komme das Saxophon fast nicht mehr zum Einsatz“, sagt er und klingt dabei nicht unglücklich.

Bei der T5 JobMesse suchen auch Unternehmen wie BerlinChemie nach geeignetem Nachwuchs.

Jan Michel fliegt an den Wochenenden gern mit einem Kleinflugzeug umher und restauriert in seiner Freizeit ein OldtimerPowerboot.

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TITELTHEMA

TITELTH M TI ELTHEMA

Es gibt Investoren, die vor von Familien geführten Firmen zurückschrecken. Ihre Befürchtung: Beim Ehekrach fliegt gleich das ganze Unternehmen mit auseinander. Ein Blick in den Alltag Adlershofer Familienunternehmen beweist das Gegenteil: Gerade enge Bande befruchten und lassen Zweifler borniert dastehen.

Familie Limmer agiert auch geschäftlich auf der gleichen Wellenlänge

Felicitas (62), Lothar (65) und Björn-Frederic Limmer (29) treten durchaus auch mal gemeinsam eine Reise an, die allerdings meist geschäftlicher Natur ist. Die drei sind eine Familie und führen die Limmer Laser GmbH, die medizinische Laser entwickelt, fertigt und vertreibt. Dass Vater, Mutter und Sohn auch beruflich zum Team geworden sind, wundert Felicitas Limmer nicht: „Es gab bei uns schon immer einen stark technischen Schwerpunkt in der Familie.“ Björn-Frederic Limmer ist nach seinem Studium wegen der „deutlich größeren Gestaltungsmöglichkeiten im familieneigenen Unternehmen“ eingestiegen. „Ein wichtiger Aspekt ist darüber hinaus die Tatsache, dass sich die drei Familienmitglieder im Unternehmen durch Wissensschwerpunkte ergänzen“, betont Lothar Limmer. „Dies ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass es zu keinen Streitigkeiten hinsichtlich der Zuständigkeit kommt.“ Entscheidungen und Innovation würden aufgrund der sehr engen Vertrauensbasis deutlich direkter diskutier- und umsetzbar. „Hinzu kommt, dass durch die zumindest ähnlichen Grundansichten in vielen Punkten auch ein ‚stilles Einverständnis‘ herrscht“, sagt Felicitas Limmer. Gut organisiert navigieren auch Ira (42) und Raymond Horn (44) durch den Alltag. Die beiden Geschäftsführer der Audio- und Videotechnikfirma Optimists, die spezielle Geräte unter anderem für die Abwasserkanalinspektion anbietet, führen nicht nur ein knappes Dutzend Mitarbeiter, sondern haben auch noch zwei junge schulpflichtige Töchter. „Von Vorteil ist, dass wir uns die Zeit relativ frei einteilen können und die Kinder nach der Schule auch mal in der Firma ihre Hausaufgaben erledigen“, sagt das Unternehmerpaar. Nachteil: „Insgesamt arbeiten wir deutlich mehr als etwa ein Angestellter“, sagt Raymond Horn.
Fühlen sich sichtlich wohl im Büro der Eltern: die Töchter von Ira und Raymond Horn

Der studierte Elektrotechniker hatte sich bereits selbstständig gemacht, als das erste Kind kam. Seine Frau, die damals gerade ihr Studium der Umwelttechnik abgeschlossen hatte, stieg einfach in das Geschäft ein – eine naheliegende und, wie sich schnell herausstellte, gute Lösung. „Man kennt und vertraut sich, was vieles vereinfacht“, sagt Raymond Horn. Berufliches und Privates zu trennen, halten beide nicht für erforderlich. Und Ira Horn sieht in dieser Konstellation noch einen weiteren Vorteil: „Dann sehe ich meinen Mann wenigstens manchmal!“, scherzt sie. cl

Privat und beruflich ein ausgeglichenes Team: Christine Wedler und Hans Schick von der ASCA GmbH

Professor Hans Schick und Christine Wedler sind seit mehr als 25 Jahren ein Paar und haben in dieser Zeit einiges durchgemacht. Sie haben gemeinsam an dem von Schick geleiteten ehemaligen Zentralinstitut für Organische Chemie der Akademie der Wissenschaften geforscht, haben gemeinsam die Wende- und Nachwendewirren überstanden (Arbeitslosigkeit inklusive) – Turbulenzen, die schließlich dazu führten, dass beide ihre eigene Firma gründeten: die ASCA GmbH. An der privaten Forschungseinrichtung stellen 32 Chemiker und Techniker vor allem für die Pharmaindustrie neue Wirkstoffe her. Das Familienunternehmen floriert – wahrscheinlich gerade weil es familiär geführt ist. Das Ehepaar pflegt eine offene Kommunikation, was ein Schlüssel für ihren privaten wie beruflichen Erfolg ist. „Die Partnerschaft muss in Ordnung sein, sonst sickern private Schwierigkeiten in den Berufsalltag“, sagt Wedler.

Die beiden ASCA-Chefs legten bereits bei der Firmengründung ein solides Fundament – entgegen des Rates vieler Freunde. Die rieten nämlich, dass einer der beiden Gesellschafter mehr Anteile an der Firma halten sollte, damit im Streitfall einer das Sagen hat. „Doch das kam für uns nicht infrage“, sagt Wedler, „wir wollten unbedingt gleichberechtigt sein, wie wir es auch sonst halten. Das verpflichtet, sich zu einigen.“ Natürlich gibt es auch mal gegenseitig Kritik, doch zu einem Zerwürfnis käme es nie. „Wir wissen, wie viel für die Firma auf dem Spiel steht“, betont Wedler. Mal abschalten können beide mit ihren Hobbys: Hans Schick bei der Vogelbeobachtung und Christine Wedler bei guter Literatur, einem Theaterstück oder einem Sprachkurs im Ausland. Einen gemeinsamen Urlaub erlauben sich beide nur einmal im Jahr, und dann möglichst kurz, damit nicht beide Kapitäne allzu lange die Brücke verlassen.

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EINBLICKE

EINBLICKE

Familie Keddig bei der Grundsteinlegung für ihr drittes Firmengebäude

Christoph Keddig war da noch h Teenager. Er jobbte beim Vater, betreute Webseiten und Warenwirtschaftssysteme. Heute, nach Lehre, BWL-Studium und sechs Jahren n bei einem Automobilzulieferer sitzt er als Juniorchef mit am Tisch – und wirft sich im Gespräch die Bälle mit seinem Vater zu. Mutter Katharina bleibt nur kurz. Termine rufen. Sie hat in den letzten Jahren n die Personalabteilung der Gruppe zu einer eigenen Firma ausgebaut.. Ihre GESAA Service GmbH rekrutiert ständig Ingenieure und spezialisierte Facharbeiter für die Fuss-Gruppe und für externe Kunden. Teils bleiben sie für einzelne Projekte dort, teils für immer. „Für uns ist das eine Möglichkeit, Personalentwicklung wie ein sehr viel größeres Unternehmen zu betreiben“, sagt sie. Im Firmengebäude finden regelmäßig Trainings und Schulungen statt. Gute Mitarbeiter brennen auf Entwicklungschancen. Die Keddigs haben das erkannt und räumlich wie organisatorisch die Voraussetzungen dafür geschaffen. Gemeinsam leben, lernen und arbeiten. Das ist das Leitmotiv ihrer Firma. Sommermöbel auf den Dachterrassen laden zum Pausenschnack oder abendlichen Zusammensitzen ein. In Gängen und Räumen stellen regelmäßig junge Künstler aus – was das Betriebsklima laut Vater Keddig spürbar belebt hat. Den Bau hat die Familie zusammen mit Experten der Vollack GmbH geplant. Gut 300 Mitarbeiter, die Hälfe davon Architekten und Ingenieure, sind darauf spezialisiert, die Pläne und Ideen – ja das Unternehmerleben von Familien wie den Keddigs in Baupläne und letztlich in Gebäude zu übersetzen. Das fängt oft mit einem weißen Blatt Papier an und endet nicht bei der Auswahl der Möbel oder der Beleuchtung. Vollack baute und plante einst das Schiffshebewerk Niederfinow. Die Wirren des Krieges trieben das Unternehmen von Stettin nach Karlsruhe. Seit 1. Januar ist es zurück im Osten. Die frisch eröffnete Niederlassung in Adlershof soll das Grundkonzept der Partnerschaft auf Augenhöhe verstärkt für Berliner und ostdeutsche Fa-

Bernd Haase von der neuen Vollack-Niederlassung

Die Familie und das Filter
Sie wächst und wächst. Seit Familie Keddig vor 14 Jahren die Max Fuss GmbH übernahm, hat sie die darbende Traditionsfirma zur dynamischen Unternehmensgruppe entwickelt. Gleich neben dem neuen Firmensitz im Technologiepark Adlershof wird schon die nächste Baugrube ausgehoben. Geplant hat den Neubau wie schon die vorigen Bauabschnitte die Vollack GmbH – ein weiteres Erfolgsunternehmen in Familienhand. 60er-Jahre waren seine im Millisekundentakt klickernden Regler gefragt. Dann kam der Transistor. Statt mechanisch wurde ab diesem Zeitpunkt elektronisch geschaltet, um Spannungsschwankungen im 50-Hz-Netz zu beheben. Der Betrieb sattelte notgedrungen auf andere Produkte wie Transformatoren und Funkentstörfilter um. Diese wurden mit dem Durchbruch leistungselektronischer Antriebe auf einmal ganz wichtig. Denn ungefiltert verursachen deren Frequenzregler Störungen im Netz, die sich unter anderem beim Radioempfang bemerkbar machen. Als dann in den 90er-Jahren die CE-Kennzeichnung kam, war die Fuss-Expertise gefragt. Gerätehersteller mussten nun die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – oder auch Funkentstörung – ihrer Geräte nachweisen. „Damals brauchten plötzlich alle Filter, die es nicht von der Stange gab“, so Volker Keddig. Jedes Filter müsse auf Basis vorheriger Messungen an „sein“ Gerät angepasst werden. „Diesen Aufwand zu rechtfertigen, war in etwa so schwer, wie den Kunden klarzumachen, dass es in der Elektrotechnik das Filter und nicht der Filter heißt“, lacht er. Angesichts der günstigen Rahmenbedingungen war Volker Keddig 1998 überzeugt, dass die Max Fuss GmbH mehr Potenzial hatte, als ihr damaliger Eigentümer herausholte. Mit 14 Mitarbeitern und kaum zwei Millionen D-Mark Umsatz ging es ums Überleben. Keddig bot sich nach reiflicher Überlegung und langen Gesprächen mit seiner Frau als Käufer an. „Ein halbes Jahr später hatten wir unser eigenes Unternehmen“, berichtet er.

milienunternehmen zugänglich machen. Laut Bernd Haase, Leiter der neuen Niederlassung, unterscheiden sich die Familienunternehmen-Kunden in vielerlei Hinsicht von anderen Bauherren: „Sie denken langfristiger, bringen mehr Emotionen in Projekte ein und legen großen Wert auf lebenswerte Arbeitsräume“. Nachvollziehbar. Auch für die Keddigs ist ihr Firmengebäude eine Art zweites Zuhause. Aber wie schaff t eine Familie den Spagat zwischen Beruf und Privatleben? –„Es ist kein Spagat. Arbeit und Leben sind eine Einheit“, sagen Vater und Sohn unisono. Die Firma profitiert von der Vertrautheit ihrer Lenker und den kurzen Entscheidungswegen. Einen Abend im Monat sitzen sie zu dritt beisammen und reden nur übers Geschäft. Tauschen aus, was in den vier Unternehmen der Gruppe läuft. Besprechen etwaige Probleme. Und entwickeln Strategien. Aus einst 14 sind heute 165 Mitarbeiter in der Firmengruppe geworden. Tendenz steigend. Das Kerngeschäft EMV brummt. Dezentralisierung der Energieversorgung, Elektromobilität, die immer weitere Ausbreitung elektrischer Antriebssysteme sorgen für Nachfrage nach der Expertise und nach den in Adlershof gefertigten Filtern der Fuss-Gruppe. Ob in Lasern, Wechselrichtern für Solaranlagen oder Windenergieanlagen, ob in Hochgeschwindigkeitszügen, Hybridfahrzeugen oder Ladesäulen für Elektroautos – überall steckt die Technik der Adlershofer drin. pt

Drei Unternehmer an einen Tisch zu bekommen – das kann dauern. Diesmal geht es fix. Volker, Katharina und Christoph Keddig arbeiten alle in der Johann-Hittorf-Straße 6. Alle drei, also Vater, Mutter und Sohn, führen jeweils Unternehmen der Fuss-Gruppe. Angefangen hat es 1998. Nach Stationen als Fertigungs-, Technischer Leiter und zuletzt Geschäftsführer in verschiedenen Berliner Technologieunternehmen besann sich Volker Keddig auf seinen alten Traum vom eigenen Unternehmen. Die Gründung wurde aber eine Übernahme. Er nahm einen Kredit auf und kaufte die Max Fuss GmbH. Der Berliner Traditionsbetrieb hatte bessere Tage gesehen. Gründer Max Fuss trieb Anfang des 20. Jahrhunderts dem elektrischen Licht das Flackern aus, er ertüftelte einen Spannungsregler, der Stromgeneratoren nachgeschaltet wurde. Der Spannungsregler war seine Erfindung, darauf hatte er ein Reichspatent. Bis tief in die

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UNTERNEHMEN

ADLERSHOFER TISCHGESPRÄCH
gawatt-Leistungsspeichers, dem dann größten Akku-Kraftwerk Europas, südlich von Treuenbrietzen als Puffer für Windstrom vor. Die Baugenehmigung wurde gerade erteilt. „Der Bau solcher Speicher war ein wichtiger Grund für uns, nach Adlershof zu kommen“, erklärt Mirko Hannemann. Neben Infrastruktur, Verkehrsanbindung und Wissenschaftsumfeld biete die neue Halle mit Solardach gute Voraussetzungen etwa für den Aufbau solcher Kolibri-Container. Adlershof soll das neue Entwicklungszentrum der Holding von DBM-Energy werden. Im Laufe des Jahres will die Firma die Mitarbeiterzahl stetig erweitern. „Bei uns werden dann bis zu 60 Mitarbeiter beschäftigt sein“, sagt Mirko Hannemann. Die Personalsuche nach Verfahrenstechnikern, Produktionsleitern, Chemikern oder Anlagenbauern läuft gerade an. Die neue Holding wird Kolibri Power Systems AG heißen, für deren Aufsichtsrat Hannemann erfahrene Geschäftsleute ins Boot holen konnte. Neben dem ehemaligen BMW-Kommunikationsdirektor Richard Gaul zählt auch der einflussreiche Deutsche-Bank-Manager Thomas Rüschen, u. a. Gründungsmitglied des Wüstenstrom-Projektes Desertec, dazu. Die Personalie ist auch ein Fingerzeig auf den künftigen Kurs. „Wir wollen uns zum Transporteur mobiler Energie entwickeln.“ Hannemann gibt sich überzeugt: Nicht nur stationäre Akkuspeicher können einen Beitrag zur Energiewende leisten. Auch der Netzausbau über Tausende Kilometer ließe sich kostengünstiger gestalten. „Warum sollen nicht Akkuschiffe die Öltanker ablösen?“, fragt er. Für entsprechend anwendungsreif hält er seine Lithiumtechnik. Sie sei wirtschaftlich, benötige keine seltenen Rohstoffe, besitze eine hohe Abgabeleistung. Und sie funktioniere stabil. Tatsächlich zeigten sich die Messtechniker der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), die seine Technik 2011 auf Herz und Nieren prüften, erstaunt über die kaum vorhandenen Messwertunterschiede diverser Kolibri-Akkus. „Wir liefern bei plus 100 Grad Celsius die gleichen Werte an der zehnten Stelle hinter dem Komma wie bei minus 40 Grad Celsius“, sagt Mirko Hannemann. Das sei gelungen, „weil der Speicher ohne Flüssigkeiten im Zellaufbau auskommt. Dadurch konnten wir Umgebungseinflüsse wie etwa Druck und Temperatur nahezu ausschalten.“ mw

Vom E-Mobil zum Energieversender

... mit Heike Legler, Inhaberin der Heike Legler-Objekt und Konzept GmbH. Die energische Mittfünfzigerin, die vor fünf Jahren mit einem eigenen Einrichtungsunternehmen noch mal erfolgreich einen Neuanfang meisterte, sucht auch privat die Herausforderung: Ihr großes Ziel innerhalb der nächsten fünf Jahre ist eine Antarktisreise. Adlershof Journal: Was ist Ihr Lieblingsplatz in Adlershof? Ich habe gleich drei davon: meine Dachgeschosswohnung in der Friedenstraße, mein Büro in der Rudower Chaussee 29 und den etwa 15-minütigen Fußweg zwischen den beiden Orten, den ich am Wochenende manchmal gehe. Wie verbringen Sie Ihre Mittagspause? Eine regelmäßige Mittagspause mache ich nicht. Manchmal habe ich belegte Brote von zu Hause dabei, ein anderes Mal bringe ich nach einem Kundentermin eine Quiche vom Wochenmarkt mit und esse diese zusammen mit meinen Kolleginnen. Was war Ihre erste Begegnung mit Adlershof? Das weiß ich noch hundertprozentig: Nach dem IT-Studium in Sachsen bekam ich 1981 eine Stelle im Rechenzentrum der Interflug, das war die Fluggesellschaft der DDR, in Schönefeld. Ich suchte eine Sparkasse, um ein Konto zu eröffnen. Die nächste erreichbare war in der Dörpfeldstraße. Mein Mann und ich fuhren hin, parkten das Motorrad in der Friedenstraße in Adlershof und ich dachte spontan: keine schlechte Wohngegend. Ein Jahr später sind wir genau dort hingezogen, und ich wohne noch heute in dieser Wohnung. Wie kommen Sie zur Arbeit? Aus Bequemlichkeit mit dem Auto. Vielleicht sollte ich aber auch mal das Fahrrad nehmen, mit dem ich in der Freizeit ganz viel unterwegs bin.

Worüber haben Sie sich kürzlich am meisten geärgert? Über rücksichtslose Hundebesitzer. Die von der Grünpflege sauber geharkten Flächen rund um die Bäume in unserer Straße waren nur einen Tag später wieder mit Hundehaufen verdreckt. … und am meisten gefreut? Als mein Sohn Benno mich zum Prosecco eingeladen hat, nachdem er den Schlüssel für seine erste Wohnung in der Hand hielt. Was ist Ihr nächstes Ziel? Ich liebe meine Arbeit und will weiterhin einen richtig guten Job machen. 2011 war geschäftlich kein berauschendes Jahr, daher heißt es netzwerken, um neue Kunden zu gewinnen. Deshalb bin ich unter anderem auch in dem im letzten Herbst neu gegründeten Adlershofer Dienstleistungsnetz integriert. In meiner Firma sind wir zu dritt und arbeiten bundesweit, aber auch viele Anrainer des Adlershofer Technologieparks nutzen unser Angebot. Wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Vor allem sportlich: Ich fahre gern Rad – auch längere Touren, gehe regelmäßig zum Pilates, liebe Fernreisen und Berge bezwingen. 2006 war ich auf dem Allalin, einem Viertausender in den Schweizer Alpen. Vor drei Jahren hatte ich atemberaubende Panoramablicke in Patagonien. Meine dort entstandenen Fotos hingen auch mal in einer Ausstellung im Umwelttechnikzentrum. Und im letzten Oktober war ich auf einer Höhe von 4.800 Meter am Cotopaxi in Ecuador, einem der meistbesuchten Gipfel Südamerikas. /sn

Hat große Pläne: Mirko Hannemann von DBM-Energy

Weil Automobilbauer mit dem Einsatz eines von DBM-Energy entwickelten Superakkus noch zögerlich sind, arbeitet das Unternehmen derweil am Bau des größten Akkukraftwerks Europas.

„An der Batterie liegt es nicht“, sagt Mirko Hannemann, gefragt nach einer Erklärung für die mickrigen Zulassungszahlen von Elektroautos. Und als wollte er ein Ausrufezeichen hinter diesen Satz machen, drückt er aufs „Gas“ seines elektrischen Audi A2. Surrt mit Tempo 100 auf der Stadtautobahn Richtung Adlershof. Seit letztem Sommer sind drei dieser Fahrzeuge mit Hannemanns Kolibri-Akkus beim Oldenburger Energieforschungszentrum Next Energy im Dauereinsatz. „Keinerlei Fehlverhalten“, attestieren voll des Lobes die Oldenburger seinen Speichern. „Auch bei der Kälte im Februar nicht“, ergänzt der Chef von DBM-Energy beim Abbiegen an der Rudower Chaussee. „Aber das ...“ – den Satzverlauf müssen wir

uns selber ausmalen, während der 29-Jährige abbricht – „... ist seinen Kritikern an der 600-Kilometer-Weltrekordfahrt von München nach Berlin keine Zeile wert? „Ich habe verstanden, dass es den Autobauern viel zu schnell geht“, sagt Hannemann beschwichtigend und schiebt das Thema beiseite. Längst hat er seinen Fokus verlagert. Über Ostern musste sein erstes Akkukraftwerk einsatz- und versandfertig werden. Mitten in der neuen bolzplatzgroßen Produktionshalle an der Stadtautobahn Richtung Flughafen steht ein blauer Industriecontainer. Davor wartet eine Palette schwarzer KolibriAkkus auf ihre Montage. Mehrere Mitarbeiter verbauen sie in Schaltschränken im Innern der Stahlhülle. „Wir können darin eine Kapazität von bis zu fünf Megawattstunden

installieren“, erklärt Hannemann. „Mit anderen Speichern fasst so ein Container derzeit etwa eine Megawattstunde.“ Das KolibriKraftwerk wird in einem Umspannwerk in Rheinlandpfalz nahe der französischen Grenze seinen Betrieb aufnehmen. Es soll als Notstromreserve dienen, ist aber auch mit dem Netz der umliegenden Gemeinden verbunden. So ein Akkucontainer könnte fast 500 Haushalte 24 Stunden unabhängig versorgen. Die Energieversorger zeigen wenige Berührungsängste. Mitte des Jahres will DBM-Energy über die Einzelheiten dieses und weiterer Projekte informieren. Mit der brandenburgischen Energiequelle GmbH bereitet man derzeit den Bau eines 10-Me-

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Bei aller Vielfalt haben diese Projekte eines gemeinsam: Sie setzen auf kompakten, städtischen Wohnungsbau; frei stehende Einfamilienhäuser wird es also nicht geben. Grundsätzlich eigne sich Adlershof vorzüglich als Wohnstandort, ist Karin Stammer von First Home überzeugt. Die hervorragende Verkehrsanbindung mit Autobahn und S-Bahn sowie die gute Infrastruktur sprechen nach Ansicht der Immobilienexpertin ebenso für den Standort wie das stabile soziale Umfeld, das großzügige Grünflächenangebot und die Lage entlang der Südostachse, die mit der Eröffnung des Großflughafens weiter an Bedeutung gewinnen wird – wobei trotzdem kein Fluglärm zu befürchten ist. „Den Schwerpunkt legen wir auf Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen mit einer Wohnfläche zwischen 95 und 111 Quadratmeter“, sagt Stammer. Die Käufer der Eigentumswohnungen dürfen eine Tiefgarage, schwellenfreie Erreichbarkeit der Wohnung, großzügige Balkone und eine hohe Energieeffizienz (KfW-Standard 55) erwarten. Wer bereits vor Baubeginn den Kaufvertrag unterschreibt, erhält sogar fünf Prozent Rabatt auf den Kaufpreis. Derweil treibt die Adlershof Projekt GmbH die Erschließung voran: Bereits im Mai, stellt Ute Hübener in Aussicht, wird man den Verlauf der neuen Straßen im Baugebiet erkennen können. ch

„Wohnen am Campus heißt Sie willkommen“
Am 2. Juni 2012 laden die Adlershof Projekt GmbH sowie die Investoren ins künftige Wohngebiet „Wohnen am Campus” ein. Die Veranstaltung für Wohninteressenten findet zwischen 14 und 17 Uhr (und damit vor der anschließenden Langen Nacht der Wissenschaften) in der Abram-Joffe-Straße statt und bietet neben Informationen auch Unterhaltung für Groß und Klein.

Niedrigenergiehäuser, entworfen vom Architekturbüro13

Ein erfolgreicher Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort ist Berlin Adlershof schon lange. Jetzt entwickelt sich Adlershof auch zum attraktiven Wohnort: Südwestlich des Groß-Berliner Damms entsteht in den nächsten Jahren das neue Quartier „Wohnen am Campus“ mit gut tausend Wohnungen für unterschiedliche Ansprüche – vom Studentenapartment bis zur großzügigen Eigentumswohnung.
Im September 2012 soll es losgehen: Dann will Karin Stammer, Geschäftsführerin des Bauträgers First Home Wohnbau GmbH, mit den Arbeiten an einem Gebäude mit 24 Eigentumswohnungen an der Abram-Joffe-Straße 4 beginnen. Damit tritt die Entwicklung des Wissenschafts- und Technologiestandorts in eine neue Phase, die der großen Nachfrage nach Wohnen in Arbeitsplatznähe gerecht wird. Nachdem die Adlershof Projekt GmbH in den vergangenen Jahren bereits das Gebiet Wohnen Am Landschaftspark erfolgreich an Bauherren von Einfamilienhäusern vermarktet hat, entstehen in Adlershof jetzt auch Geschosswohnungen und Townhouses. Mehr als tausend Wohneinheiten werden in den nächsten Jahren auf dem 14 Hektar großen Areal zwischen Groß-Berliner Damm und Karl-Ziegler-Straße in die Höhe wachsen. Für einen erheblichen Teil der Baufelder konnte Ute Hübener, Vertriebsleiterin bei Adlershof Projekt, bereits Investoren finden. Diese setzen auf unterschiedliche Konzepte. Neben Eigentumswohnungen, wie sie die First Home errichtet, entstehen auch Mietwohnungen – dafür hat sich neben der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft degewo auch ein privater Investor ein Grundstück gesichert. Die Genossenschaft Studentendorf Schlachtensee ihrerseits plant an der Karl-Ziegler-

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Straße 390 Apartments für Studierende. Als Plusenergiequartier konzipiert sind neun Baukörper mit insgesamt 100 Wohnungen, die drei Architekturbüros im Rahmen einer Baugemeinschaft namens Newtonprojekt realisieren wollen. Hinzukommen etwa 70 Townhouses, also städtische Reihenhäuser, die der Baukonzern NCC und ein weiterer Bauträger errichten werden. 30 davon entstehen am künftigen Anger an der Katharina-BollDornberger-Straße. „Diese Straße wird eine grüne Achse zwischen dem Campus und dem Landschaftspark bilden und dem Gebiet eine besondere Qualität verleihen“, sagt Ute Hübener.

Exklusives Wohnen mit der First Home Wohnbau GmbH

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FORSCHUNG O SCHUN

FORSCHUNG OR H N

Robuster Rechner für den Einsatz im All
FIRST-Forscher Samuel Pletner arbeitet seit fast zwei Jahren an dem neuen Weltraumrechner MUSE, im September endet der erste Teil des Projekts Die Herausforderung für die Rechnerarchitektur eines Raumfahrzeugs besteht darin, eine hohe Rechenleistung bei gleichzeitiger Fehlertoleranz bereitzustellen und dies bei minimalen Anforderungen an Stromversorgung, Kühlung, Gewicht und Platz Der MUSE-Bordrechner verwendet modernste Multicore-Technologie, die für eine hohe Rechenleistung sorgt

Ob Satelliten in der Erdumlaufbahn oder Raketenfahrzeuge für die Mondlandung – das Herz eines jeden Weltraumfahrzeugs ist der Computer. Am Fraunhofer-Institut FIRST in Adlershof entwickeln I Informatiker und Elektrotechniker Informatiker und Elektrotechniker einen Prozessor der m iker n oe h Prozessor, o o den hohen Anforderun n an die Rechenleistung im All hohe d rungen n i tung g ec gerecht wird – und dabei auch extremen Temperaturd e c e e r schwankungen und Weltraumstrahlung tro . hwa k n w umstr l g rotzt.

Noch steht MUSE gemütlich und warm auf einem Tisch in einem Testlabor des Fraunhofer-Instituts FIRST in Adlershof. Kabel verbinden den Prozessor mit einem Computer und Bildschirm, der die Auslastung und Temperatur der zentralen Recheneinheit anzeigt. Über den Bildschirm laufen Aufnahmen der Mondoberfläche, ein weißes Rechteck streift über graue Krater und Geröll. MUSE übt hier schon mal in einer simulierten Umgebung, was künftig einmal sein Hauptjob sein könnte: Landeflächen für Raumfahrzeuge auf dem Erdtrabanten suchen. „Wir arbeiten jetzt daran, unseren Rechner einsatzfähig zu machen”, sagt Samuel Pletner, Leiter des Projekts MUSE – in voller Länge: „Multicore Architektur zur sensorbasierten Positionsverfolgung im Weltraum”. Stolz zeigt Pletner einen Plastikprototyp des Gehäuses, das seinen neuen Rechner künftig im All vor Überhitzung schützen und über spezielle Metallzungen die beim Rechnen entstehende Wärme ableiten soll. Der seit 1992 bei Fraunhofer FIRST arbeitende Elektrotechniker hat Erfahrung: Er entwickelte bereits die Steuerrechner für den seit 2001 im Orbit kreisenden Brandbeobachtungssatelliten BIRD und für TET-1, einen Satelliten, der ab Juni neue Weltraumtechnologien im All erproben soll. Mit MUSE haben Pletner und seine Kollegen ein Stück weit Neuland betreten: Denn MUSE soll künftig mehr machen, als ein Raumfahrzeug lenken. Der Prozessor mit acht Kernen soll Daten aus Kameras und Sensoren an Raumfahrzeugen oder Robotern auswerten und diese richtig positionieren – etwa um eine perfekte Mondlandung hinzulegen oder durch das All rasenden Weltraummüll aufzusammeln. „Bei solchen Einsätzen, in denen schnelles Handeln wichtig ist, macht es keinen Sinn, die entstehenden großen Datenmengen erst zur Erde zu schicken und dort rechnen zu lassen”, erklärt Pletner. Das Verarbeiten der Daten – etwa von dreidimensionalen Bildern der Mondoberfläche – ist allerdings nicht das Hauptproblem des Rechnereinsatzes im All. „Am meisten zu kämpfen haben wir mit der Weltraumstrahlung”, sagt Pletner. Diese Strahlung, die auf

der Erde durch die Atmosphäre nur stark abgeschwächt ankommt, schädigt die Elektronik auf den Platinen im All und kann auch Rechenfehler auslösen. Die Forscher fertigten MUSE deshalb nicht nur aus besonders strahlungsresistenter Hardware, sie bauten auch auf der Softwareseite Sicherungen ein, indem sie mehrere Kerne gleichzeitig dieselbe Rechnung machen lassen. Eine sogenannte VotingEinheit bewertet die Ergebnisse und sorgt dafür, dass nur eine Rechnung, die als plausibel erkannt wird, als Befehl an das Raumfahrzeug geht. „Auf diese Weise verhindern wir unkontrollierte Bewegungen durch falsche Steuerbefehle”, erklärt Pletner. Sparsam ist der Prozessor auch, was angesichts der schwierigen Stromversorgung im Orbit lebenswichtig ist: Wo ein normaler TischAnzeige

rechner in Aktion eine Verlustleistung von 300 Watt produziere, seien es beim MUSE-Rechner gerade einmal um die 20 Watt, sagt Pletner. Auch mit den extremen Temperaturen kann das Gerät umgehen, „es hält von minus 40 bis plus 85 Grad Celsius Umgebungstemperatur alles aus”. 70 Prozent der Kosten eines Satelliten werden in der Regel auf das Prozessordesign verwandt, an den Rechnerkomponenten sollen die teuren Weltraummissionen nicht scheitern. Im warmen Testlabor hat sich Pletners neue Entwicklung gut geschlagen. In einem nächsten Schritt soll der Multitaskingprozessor sein Können auf einem Testsatelliten des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums beweisen. Die wahre Feuerprobe steht MUSE also noch bevor. cw

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MEDIEN

MEDIEN

Damit der Deckel auf den Topf passt
Kompatibilität: So unaussprechlich das Wort, so unbeschreiblich das Dilemma. Zwei Geräte, wie geschaffen für eine gemeinsame Benutzung, und doch können sie, wie zwei Königskinder, zueinander nicht kommen. Die Stecker passen nicht. Das beschriebene analoge Problem verschärft sich in der digitalen Welt. Dateiformate, Übertragungsformen, Speicherkonfigurationen. Was A aufnimmt, muss B nicht speichern und C nicht unbedingt abspielen können. Eine Horrorvorstellung besonders für Medienunternehmen und ein Geschäft für die Media Logic aus Berlin.

„Kompatibilität ist unser Geschäft“, sagt Robert Trebus, Geschäftsführer der Media Logic GmbH, die vor Kurzem ihren neuen Firmensitz in Adlershof bezogen hat. Kunden des Unternehmens, das vor sechs Jahren gegründet wurde, sind t Film- und Fernsehproduktionen, Rundfunkn, studios und Sendeanstalten europaweit. Der opaweit. umentarfi für den Oscar nominierte Dokumentarfilm „Pina“ von Wim Wenders ist mit Produkten von MediaLogic – einem 3-D-fähigem -D-fähigem Bild-Zuspielsystem – nachbearbeitet und beitet die alpine Skiweltmeisterschaft 2011 mit einem von Media Logic gelieferten und erten ystem konfigurierten Zentralspeichersystem in High Definition (HD) übertragen worden. Die Studenten und Mitarbeiter der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin mie (dff b) bearbeiten, sichern und verwalten erwalten nternehihre Projekte über ein vom Unternehmen konfiguriertes festplattenbasiertes asiertes Speicher- und Archivsystem. Dabei ist es ei ganz egal, welches Gerät mit welchem elchem Betriebssystem in dieser vernetzten etzten Umgebung zum Einsatz kommt. „Kunden kaufen heute keine Geräte eräte mehr“, erklärt Trebus, „Kunden kaufen aufen Workflows.“ Also Arbeitsabläufe. Und mplidie sollen möglichst schnell, komplikationslos und verlustfrei vonstatten tten gehen. Trebus ist Kaufmann, interesres-

Beim Hitradio Ö3 vom ORF hat Media Logic einen hochperformanten DDP-Zentralspeicher von Ardis implementiert, der die anspruchsvollen Workflows des täglichen Sendebetriebs erheblich vereinfacht.

siert sich aber seit seiner Kindheit für elektronische Musik und Softelektro ware für Audio- und Videoanwendungen. Heute, sagt er, ist das Videoanwendunge alles verschmo verschmolzen und alles digital. Die Herausforderung d digitalen Produktider on sei das „Dateihando ling“ – die Handhabung li d der Ursprungsdateien mit Musik, Ton und Film m und deren Verwaltung. un Die Normen dafür sind nicht sehr eng gefasst und nic jed jeder Hersteller, beispielsweise von Aufzeichnungswei geräten, interpretiert diese gerä Normen auf eigene Weise. Norm Hier setzt Media Logic an, entw entwickelt Software für die Kompatibilität zwischen den Komp einzelnen Herstellern. einzel Ein erster großer Meilenstein ers für das Unternehmen waren Aufträge im Zuge der UmstelAufträg lung der öffentlich-rechtlichen de Sender auf HD. Die gesamte Produktionskette musste auf Produkti

magnetbandloses, nun file-, also dateibasiertes Arbeiten umgestellt werden. Die Ausstrahlung der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2010 in HD im ZDF wurde zum Lackmustest, auch für Media Logic – und ein großer Erfolg. Die Winterolympiade in Vancouver, die FußballWeltmeisterschaft in Südafrika, die Alpine Skiweltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen 2011 folgten. In diesem Jahr ist Media Logic mit Produkten, Software- und Integrationslösungen auch an der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Sommerspielen in London beteiligt. „Die Dateihandhabung – also die Frage, wie mit produzierten Daten verfahren werden soll – ist zunehmend die bestimmende Frage in der Planung von Medienstätten, wie Produktionsstudios“, erklärt Trebus. Wie möchte ich arbeiten, die Daten einspeisen, verwalten, bearbeiten, vernetzen, Zugriffsrechte gestalten und speichern. Letzteres gewinnt auch aus anderen Gründen an Bedeutung. Während des Drehs zum 3-D-Action-Spektakel „Judge Dredd“ in Südafrika betreute die auf Postproduktionslösungen spezialisierte Firma THE POST REPUBLIC die Produktionsprozesse direkt am Drehort. Ein wichtiger Punkt war hierbei die fast zeitgleiche Absicherung und Archivierung des von den Kamera-Units aufgenommenen Filmmaterials. Die Vorstellung, dass Filmsequenzen kurzfristig nur auf der Kamera und ohne „Spiegel“ gespeichert würden, sagt Trebus, bereitete grundsätzliches Unbehagen. Dank eines DDP-Hochleistungsspeichersystems von Media Logic blieb die Produktion vom Datenverlust verschont. Im November kommt der 3-D-Film dann in die deutschen Kinos. rb

Muss nicht über Auftragsmangel klagen: Robert Trebus von der Media Logic GmbH

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CAMPUS

CAMPUS

Sie wäre – zusammen mit ihren Forschungspartnern – Kandidatin für das Guinnessbuch der Rekorde. Schließlich hat vorher noch niemand ein so kleines und komplexes Labor gebaut, mit dem sich bei Nanodrähten Wärme- und Stromleitfähigkeit wie auch die Thermospannung messen lassen. Seit gut eineinhalb Jahren ist Fischer Professorin an der HU Berlin, Lehrgebiet Neue Materialien. Die Definition sei einfach, sagt die 40-jährige Forscherin und blickt in den begrünten Innenhof des modernen Physikgebäudes in Adlershof. Jede neue Verbindung, jeder neue Stoff gehöre dazu. Fischer macht es Spaß, Materialien so zu kombinieren, dass neue Eigenschaften entstehen. „Es ist ein spannendes Gebiet“, sagt die Physikerin, die sich bei der Promotion am Stuttgarter Max-Planck-Institut für Metallforschung mit dem magnetischen Verhalten von Festkörpern beschäftigt hat. Auch jetzt arbeitet sie mit Festkörpern, allerdings im Nanoformat. Bei Abmessungen von millionstel Millimetern ändern sich auch die elektrischen Eigenschaften. Im Nanobereich gelten die Gesetze der klassischen Physik nicht mehr uneingeschränkt, Quanteneffekte werden wichtig.

Die Physikerin Saskia Fischer untersucht neue Materialien mit neuen Methoden

Trickreiche Anordnungen sind nötig, um das Quantenverhalten zu untersuchen. Halbleitermaterialien werden geschichtet, dazu ist gezieltes atomares Wachstum nötig. Um die Elektronen zu lenken, werden Schikanen in die Leitungsbahnen eingebaut. „An der dünnsten Stelle“, sagt Fischer, „sind die Elektronen gezwungen, sich wie Wellen zu verhalten.“ Die Kunst ihres etwa 15-köpfigen Adlershofer Teams zeigt sich nun darin, die Eigenschaften von Nanomaterialien zu messen. Die Forscherin zieht eine Plexiglasschachtel aus der Schublade. Darin liegen goldglänzende Teile, geformt wie abgeflachte Kaffeebohnen. Im Innern sind Nanomaterialien verschlossen ebenso wie die Bausteine des Chips, mit dem elektrische Eigenschaften wie Spannung und Stromstärke gemessen werden. Nach und nach werde die Komplexität der Schaltung für ein Experiment erhöht, erzählt Fischer. Quantenpunkte, -drähte oder -ringe werden integriert. „In unserem Experiment schaffen wir es, Quanteninterferenzen von Elektronenwellen zu beobachten“, sagt die HU-Physikerin. Derartige Untersuchungen von Quanteneigenschaften können auch für die Industrie interessant sein, denn in Handys oder Computern finden sich schon Abmessungen im Nanobereich, erklärt Fischer, die sich jedoch als Grundlagenforscherin sieht. Nützliche Anwendung verspricht andererseits die Idee, Temperaturdifferenzen zur Erzeugung von elektrischer Spannung zu nutzen und so Abwärme in Strom zu verwandeln. So könnten neue Materialien im Nanoformat dazu dienen, Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schonen. Doch bei der Suche gilt es, Methoden zu finden, mit denen sich eine Erhöhung des thermoelektrischen Effekts im Millionstel-Millimeter-Maßstab zuverlässig messen lässt. Bei der Installation eines Minilabors für diesen Zweck sind die Adlershofer Physiker weltweit vorn. Dabei kooperieren sie mit Forschern aus Freiburg und Hamburg. Die atomare Struktur der Nanodrähte enthüllen Elektronenmikroskope. So kann man den Wachstumsprozess der winzigen Materialien beeinflussen, um die chemische Zusammensetzung und die Anordnung der Atome zu optimieren. „Für solche komplexen Untersuchungen ist Adlershof ein idealer Standort”, sagt Fischer. Hier liegen Spitzenforschungseinrichtungen wie das Helmholtz-Zentrum Berlin mit seinem Elektronen-Synchrotron oder das Leibniz-Institut für Kristallzüchtung vor der Haustür. Insgesamt registriert die von der Ruhr-Uni Bochum abgeworbene Physikerin in Berlin eine riesige und anregende Forschungslandschaft. pj

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GRÜNDER

GRÜNDER

Künftige Triebwerke auf dem Prüfstand
Mit rund 95.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 24 Milliarden Euro ist die deutsche Luftfahrtindustrie ein Technologie- und Konjunkturmotor, von deren Innovationen zahlreiche andere Branchen profitieren. Kein Wunder, dass die Ausgaben für Forschung und Entwicklung mit durchschnittlich 17 Prozent deutlich höher sind als in anderen Industriezweigen. Im Fokus aktueller Forschungs- und Entwicklungsprojekte stehen künftige Triebwerksgenerationen, die deutlich leiser, umweltfreundlicher und energieeffizienter sein sollen. „Um neue Flugzeugtriebwerke entwickeln und bauen zu können, müssen angehende Ingenieure bereits im Studium mit Lehrmitteln arbeiten, die dem aktuellen Stand der Technik entsprechen“, macht Fréderic Le Moullec, Geschäftsführer der Price Induction GmbH deutlich. Das neu gegründete Adlershofer Unternehmen ist eine Tochter der französischen Price Induction S.A. Spezialisiert ist das Mutterunternehmen auf innovative Turbofan-Triebwerke für eine neue Klasse von Privatflugzeugen, den sogenannten Personal Light Jets. Aus dem Know-how des DGEN-380-Triebwerks entwickelte das Unternehmen Prüfstände und Triebwerkssimulatoren für Universitäten und Forschungsinstitute, die Studenten aus den Bereichen Maschinenbau sowie Luft- und Raumfahrttechnik optimal auf den späteren Berufsalltag vorbereiten. Eingesetzt werden die interaktiven Lehrmittel bereits an französischen und brasilianischen Universitäten.
Bild oben: Montage des Triebwerksverdichters im Werk in Südwestfrankreich; Bild mitte: DGEN380-Triebwerk auf Price Inductions Prüfstand in Tarnos; Bild unten: DGEN380 in seiner Triebwerksgondel Anzeige

seines geringen Gewichts und seiner kompakten Bauweise perfekt für Lehr- und Forschungszwecke geeignet. Die Produktpalette von Price Induction besteht aus einem Triebwerksprüfstand, einem virtuellen Prüfstand und einem Originaltriebwerk mit Wartungsequipment. Auf erstgenanntem können Fragestellungen zur Thermodynamik, dem Turbinendesign, den Triebwerkskomponenten und der Triebwerkskontrolle untersucht werden. Der virtuelle Prüfstand bietet Zugang zum FADEC-Regler. Hinter dem Begriff FADEC verbirgt sich die vollelektrische Triebwerksregelung, bei der sämtliche Komponenten, wie die Öl- und Kraftstoffpumpen sowie der Elektroanlasser, zentral über den Regler kontrolliert und gesteuert werden. Der virtuelle Prüfstand bietet die Möglichkeit, den FADEC-Regler umzuprogrammieren und somit alle thermodynamischen und aerodynamischen Parameter, die Motorleistungen sowie alle Arten von Motorfehlern zu simulieren. Das Üben von Standardwartungsarbeiten schließlich kann am Originaltriebwerk erfolgen. Aufgrund des einfachen Designs und des geringen Gewichts kann das Triebwerk von zwei Personen innerhalb von vier Stunden auseinandergebaut und in fünf bis sechs Stunden wieder komplett zusammengebaut werden. „Unsere Produktpalette ist ganz bewusst modular aufgebaut. Alle Produkte können einzeln eingesetzt werden, ergänzen sich jedoch im Zusammenspiel zu einer einzigartigen Lösung, die wirklich alle für den Triebwerksbau relevanten Themenbereiche und Fragestellungen abdeckt”, erklärt Le Moullec. Das Turbofan-Triebwerk DGEN 380 wurde speziell für vier- bis fünfsitzige Privatmaschinen und eine Flughöhe von 10.000 Fuß konzipiert. Zehn Jahre Entwicklungsarbeit stecken darin. „DGEN 380 ist das erste für die allgemeine Luftfahrt optimierte Turbofan-Triebwerk, das die technischen Highlights großer Passagierflugzeuge auf Personal Light Jets überträgt”, bringt Le Moullec die Besonderheiten des Triebwerks auf den Punkt. So bildet ein FADEC-Regler das „Gehirn” des Triebwerks. Darüber hinaus ist das Triebwerk besonders leise. Weitere Pluspunkte sind sein mit 85 Kilogramm geringes Gewicht, sein niedriger Kraftstoff verbrauch, seine niedrige Umweltbelastung, seine niedrigen Betriebskosten und seine einfache Wartung. Eingesetzt werden kann das innovative Triebwerk in Privatmaschinen, Lufttaxis und Schulungsflugzeugen für die Pilotenausbildung. as

Neu-Adlershofer: der Franzose Fréderic Le Moullec

Ausbildung von Luftfahrtingenieuren werden bislang ausrangierte Triebwerke und Prüfstände eingesetzt, die für die besonderen Anforderungen der Forschung und Lehre von den Universitäten selbst umgebaut wurden. Das Ergebnis sind improvisierte Lösungen, die mit großem Aufwand verbunden sind und trotzdem viele Fragestellungen unbeantwortet lassen. „Wir sind weltweit der einzige Anbieter von Triebwerksprüfständen und Simulatoren, die speziell für die Ausbildung, Lehre und Forschung konzipiert wurden und alle Bereiche abdecken, die für die Entwicklung und Konstruktion von Turbomaschinen wichtig sind", sagt Le Moullec. Das der Whole Engine Simulator Turbine Technology, kurz WESTT, zugrunde liegende Triebwerk bietet alle wichtigen Komponenten und Funktionen größerer Turbofans aus der Zivilluftfahrt. Außerdem ist es aufgrund
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KURZ NOTIERT

Nachgewiesen
Forscher des Max-Born-Institutes für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie (MBI) in Berlin verfolgten die räumliche Schwingungsbewegung von Elektronen in einem Kristall. Dazu wurden Fotos nach dem Start der Schwingung mithilfe von ultrakurzen Röntgenblitzen geschossen, die zusammen einen kurzen Film bilden. Die neu entwickelte Pulvermethode kann auf viele andere Systeme angewendet werden, um ultraschnelle chemische und physikalische Strukturänderungen abzubilden. Den Film gibt es unter: www.fv-berlin.de/news/videos/ roentgenfilm/view.

Neuer Service
Leckere Kaffeespezialitäten, ein individuelles Frühstück und hausgebackenen Kuchen gibt es jetzt auch samstags ab 9.00 Uhr im Kamee Café. Mehr unter: www.kamee-caffe.de

Lang ist die Nacht
Am 2. Juni 2012 ab 17 Uhr lädt Adlershof wieder zur Langen Nacht der Wissenschaft ein. Auf der „Meile der Ideen“ können Sie unter anderem einen „Blick in den Himmel“ wagen, sich erklären lassen, wie „Analytiker ermitteln“, oder einfach über den „Markt der Wissenschaft“ schlendern und sich über das Gelände führen lassen. Mehr Informationen unter: www.adlershof.de/lndw/.

Public Viewing zur Fußball-EM
Fußballbegeisterte sind auch in diesem Jahr wieder zum Public Viewing im IBZ Adlershof in der Wilhelm-Oswald-Str. 3–7 willkommen: • Freitag, 08.06.12 18.00 Uhr: Eröffnungsspiel (Polen – Griechenland) • Mittwoch, 27.06.12 20.45 Uhr: 1. Halbfinale • Donnerstag, 28.06.12 20.45 Uhr: 2. Halbfinale (Achtung: Public Viewing findet im IBZ Köpenick in der Grünauer Straße 101 a statt.) • Sonntag, 01.07.12 20.45 Uhr: Finale www.igafa.de

Tischtennisspieler gesucht
Jeden Dienstag ab 15 Uhr glühen die Tischtennisplatten in der Albert-EinsteinStraße 9. Trainiert wird für ein Turnier gegen die Humboldt-Universität zu Berlin in Adlershof. Dafür werden noch mehr Teilnehmer benötigt. Interessenten melden sich bitte bei Dr. Stephan Mory (s.mory@wista.de) oder Claudia Arndt (arndt@wista.de).

In eigener Sache
Premiere für Standortprofile auf iversity. Zum Semesterstart gibt es bei der akademischen Arbeitsplattform iversity eine Neuerung. Erstmals geht unter www.iversity.org/adlershof gleich ein ganzer Wissenschaftscluster online.

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IMPRESSUM
Herausgeber: WISTA-MANAGEMENT GMBH Redaktion: Sylvia Nitschke (V.i.S.d.P.) Redaktionsadresse: WISTA-MANAGEMENT GMBH Bereich Kommunikation Rudower Chaussee 17, 12489 Berlin Tel.: 030/6392-2238, Fax: 030/6392-2236 E-Mail: nitschke@wista.de www.adlershof.de/journal Autoren: Rico Bigelmann (rb); Christian Hunziker (ch); Paul Janositz (pj); Chris Löwer (cl); Inga Michler (igm); Sylvia Nitschke (sn); Ariane Steffen (as), Peter Strunk (pst); Peter Trechow (pt); Martin Woldt (mw) Layout, Gesamtherstellung und Anzeigenverkauf: zielgruppe kreativ GmbH Tel.: 030 / 6 780 413 - 11, Fax: 030 / 6 780 413 - 16 E-Mail: info@zielgruppe-kreativ.com, anzeigen@zielgruppe-kreativ.com www.zielgruppe-kreativ.com Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. Nachdruck von Beiträgen mit Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erbeten. Das „Adlershof Journal“ erscheint sechs Mal pro Jahr in einer Auflage von 3.000 Exemplaren. Die nächste Ausgabe erscheint Anfang Juli 2012. Bildquellen: Sofern nicht anders gekennzeichnet: Tina Merkau; Titel: Fotolia; S. 1 – oben: Mahnkopf; S. 2: iStock; S. 10 – oben: Arge Solaris; S. 10 – unten: NCC Deutschland GmbH; S. 11: First Home Wohnbau GmbH; Inhalt – oben, S. 12 – oben, S. 13: Fraunhofer FIRST/Matthias Heyde; S. 12 – unten: Fotolia; S. 18: Price Induction GmbH; S. 20: Dreamstime

Ausführliche Texte und Adlershofer Termine finden Sie unter: www.adlershof.de/journal

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