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Periodical volume

Full text: Infobrief Issue 07.2010

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Senatsverwaltung für Integration,
Arbeit und Soziales

Nr.07

Infobrief Februar 2011

Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung

LADS TOP Thema
Ein Jahr Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz
sexueller Vielfalt!“
Vor einem Jahr hat der Berliner Senat die Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“ beschlossen. Sie wird über ein Maßnahmenpaket umgesetzt, dessen
Ziel es ist, einen umfassenden Prozess der Auseinandersetzung mit Homophobie in der Gesellschaft zu initiieren und einen positiven Wandel hin zu Toleranz, Akzeptanz und Respekt vor sexueller Vielfalt zu erwirken. An der Umsetzung der Initiative sind verschiedene Senatsverwaltungen
beteiligt. In den Umsetzungsbereich der LADS, die die Federführung für den Gesamtprozess übernommen hat, fallen insbesondere die Aufgaben Diskriminierung und Gewalt bekämpfen, den Wandel in
der Verwaltung vorantreiben, die Erkenntnisgrundlagen verbessern, den Dialog fördern und der rechtlichen
Gleichstellung bundesweit zum Durchbruch verhelfen.
Die LADS zieht eine erste, positive Zwischenbilanz zu den von ihr angestoßenen Maßnahmen: So
wurde das bisherige Engagement der Zivilgesellschaft für mehr Zivilcourage und im Kampf gegen
Diskriminierung gestärkt. Dazu tragen auch Projekte bei, die durch Sensibilisierungsmaßnahmen
die Akzeptanz sexueller Vielfalt in spezifischen Berufsgruppen, in den Bereichen Sport und Musik
sowie in Institutionen befördern. Auch die Stärkung der psychologischen Betreuung von Opfern
von homo- und transphober Gewalt gehört dazu. Mit einem neu entwickelten Rahmenkonzept
wird die LADS in diesem Jahr Führungskräfte und Mitarbeitende der Berliner Verwaltung für Diversity und sexuelle Identität sensibilisieren. Ende des Jahres ist mit den Ergebnissen der Studien zu
Konflikten zwischen der lesbisch-schwulen-Community und gesellschaftlichen Teilgruppen der
Gesellschaft, zur Lebenssituation und zu Diskriminierungserfahrungen schwuler und bisexueller
Männer sowie zur Wirksamkeit von Strategien und Methoden zur Bekämpfung von homophoben
Diskriminierungen zu rechnen.
Der gesamtgesellschaftliche Dialog wurde mit der Fortführung des Bündnisses gegen Homophobie,
zu dem bereits über 30 Mitglieder aus Kultur, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zählen und der Fortführung der Runden Tische zu Akzeptanz sexueller Vielfalt, an denen Vertreter/innen aus den LSBTI Communities, der Verwaltung, von Selbsthilfe- und Migrant/innenorganisationen sowie Religionsgemeinschaften regelmäßig teilnehmen, weiter gestärkt. Und schon jetzt möchten wir Sie neugierig machen: die LADS stellt in Kürze eine berlinweite Akzeptanzkampagne auf die Beine, die
schon sehr bald visuell, auditiv und mit mehrsprachigen Bestandteilen die breite Öffentlichkeit in
Berlin zu Respekt, Akzeptanz und Solidarität gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen sowie
trans- und intergeschlechtlichen Personen aufruft. Mehr dazu ab März auf unserer Website.

LADS im Gespräch mit Justine Wodtke
Mein Tag ist gelungen, wenn… ich mich abends im Tagesrückblick
an Momente erinnern kann, die mich glücklich machten. Sei es ein
unverhofft geschenktes Lächeln von einem mir fremden Menschen,
ein Danke, wenn ich jemandem behilflich war oder einfach eine Amsel, die nur „für mich“ gepfiffen hat.
Ich unterstütze die „Initiative sexueller Vielfalt“, weil… jeder
Mensch die Möglichkeit haben sollte, die im Grundgesetz Artikel 2
und 3 garantierte Selbstbestimmung zur Selbstverwirklichung zu
leben, und die Gesellschaft nicht das Recht hat, aus der „Norm“ fallende Lebensmodelle zu ächten, sondern die Pflicht hat, alle Menschen als Mitglieder der Gemeinschaft zu achten.
Antidiskriminierungspolitisch halte ich es für notwendig, dass… die Gesellschaft endlich lernen
muss, auch außerhalb der sogenannten Norm lebenden Menschen mit Respekt zu begegnen. Denn
es gibt keine „Normalität“, da diese immer nur Durchschnitt bedeutet, und kein Mensch durchschnittlich ist. Alle sind wir dank unserer unterschiedlichen Stärken und Schwächen, unserer unterschiedlichen Biografien und Hintergründe einmalig. Was also soll der Unsinn mit dem Streben nach
Normalität? Die Welt ist bunt und zu der Buntheit der Welt gehören auch transidente Menschen,
deren körperliches Geschlecht von ihrem gefühlten abweicht. Denn nichts ist so schwer zu definieren wie das gefühlte Geschlecht, da dieses ein Kontinuum ist, denn wir alle tragen beide Geschlechter in uns, egal, wie eindeutig das körperliche Geschlecht ist.
Justine Wodtke, 70 Jahre, ist Rentnerin und noch lange nicht im Ruhestand. Früher war sie im IT-Bereich
Software-Entwicklerin und Unternehmensberaterin, heute ist sie sehr engagiert im sozialen Bereich,
Schwerpunkt „Transsexuelle/ Transidente Menschen“.

LADS-Schlaglicht
Projekt Berlin - Stadt der Vielfalt

Viele Infobriefleser/innen kennen schon unser Projekt „Berlin- Stadt der Vielfalt. Implementierung
wirksamer Diversitystrategien durch die Berliner Verwaltung“. Neuestes Produkt des Projektes ist
die Dokumentation der Fachtagung vom Juni 2010 mit dem Titel „Diversity in der Verwaltung“.
Diese kann nun auf der LADS-Website abgerufen oder als Druckversion bestellt werden!
Inzwischen ist eine ganze Menge mehr passiert. Neben dem Fachtag und der Broschüre wurde
eine umfangreiche Bestandsaufnahme zum Thema „Stand der Diversity-Implementierung in der
Verwaltung“ erstellt, für die zahlreiche Schlüsselpersonen in der Verwaltung persönlich oder mittels eines Fragebogens befragt wurden. An die Bestandsaufnahme schloss sich das Modul Bedarfsanalyse an, deren Ziel es war, Fragen und Herausforderungen in Bezug auf den Umgang mit Vielfalt in der Verwaltung zu konkretisieren. Auf dieser Grundlage werden aktuell in vertiefenden
Workshops Diversitystrategien geplant und ein Instrument für einen „Diversity-Check“ entwickelt.
Dies alles wird dokumentiert und rund um die Abschlusskonferenz im November veröffentlicht.
Besonderes Highlight ist die Fortbildung „Diversity-Projektkoordinator/innen in der Verwaltung
und Zivilgesellschaft. Diese Langzeit-Fortbildung ist ein zusätzliches Modul, das die LADS gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit und Eine-Welt-der-Vielfalt durchführt.
Auf unsere Ausschreibung haben sich knapp 150 Personen gemeldet. Leider konnten wir aufgrund
der begrenzten Platzzahl nur 22 zusagen. Allen, denen wir absagen mussten, sei an dieser Stelle
versprochen, dass wir uns bemühen werden weitere solcher Angebote auf den Weg zu bringen.

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LADS in Aktion
Fachwerkstatt Altersdiskriminierung
Nachdem wir 2009 mit den seinerzeitigen Koordinierungsstellen rund um’s Alter – den heutigen
Pflegestützpunkten – eine zielgruppenbezogene Fortbildung durchgeführt haben, waren es diesmal vor allen Dingen die Mitglieder des Landesseniorenbeirats (LSB) und der bezirklichen Seniorenvertretungen, die wir für den 29.11.2010 zu einer ganztägigen Fachwerkstatt eingeladen hatten. Für die Moderation und für die fachlichen Inputs konnten mit Dr. Gisela Führing, Hanne
Schweitzer (Kölner Büro gegen Altersdiskriminierung) und Eva-Maria Andrades (ADNBAntidiskriminierungsnetzwerk Berlin) sehr renommierte und praxiserfahrene Dozentinnen gewonnen werden. Das Interesse an der Fachwerkstatt war
groß, die die Diskussionsbeiträge überaus engagiert
und die im World-Cafe entwickelten Ideen für die
weitere Arbeit gegen Altersdiskriminierung zahlreich.
Mit der Unterstützung zentraler Akteure und Mitstreiter/innen wie dem LSB ist es der LADS in den
zurückliegenden drei Jahren gelungen, Altersdiskriminierung auf der politischen Tagesordnung weiter
vorne zu verankern und ein themenbezogenes Netzwerk aufzubauen. Das ist wichtig, aber noch kein Ruhekissen. Wir dürfen da nicht locker lassen ...

Bündnis gegen Homophobie verleiht Respektpreis 2010
Am 9. Dezember 2010 hat das Berliner Bündnis gegen Homophobie den Respektpreis 2010 verliehen. Der Preis ging an die Hedwig-Dohm-Oberschule in Moabit und wurde am 5. Januar 2011 von
der Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Carola Bluhm, überreicht. Das Bündnis ehrt damit das vorbildhafte Engagement und den Mut der Schule, der Lehrerschaft, der Schulsozialarbeiter/innen sowie der Schülerschaft gegen Homophobie und für die Anerkennung schwullesbischer Lebensweisen einzutreten. Das Bündnis, das im Jahr 2008 vom LSVD initiiert worden
war, wird im Auftrag der LADS im Rah-men der
Initiative "Berlin tritt ein für Selbst-bestimmung
und Akzeptanz sexueller Vielfalt" vom Lesbenund Schwulenverband Berlin-Bran-denburg weiter fortgeführt. Inzwischen hat das Bündnis über
30 Mitglieder, darunter Unter-nehmen, Verbände
und kulturelle Institutionen.

Jahrestreffen Beratungsnetzwerk
Jedes Jahr im Dezember veranstaltet die LADS einen Empfang für das AntidiskriminierungsBeratungsnetzwerk in Berlin. Auch diesmal haben sich zahlreiche Partnerinnen und Partner die
Zeit genommen, mit uns zu diskutieren, kritisch auf das vergangene Jahr zu blicken und Pläne für
die bevorstehende Zeit zu schmieden. Die Veranstaltung wurde von Dr. Nina Althoff (Deutsches
Institut für Menschenrechte) mit einem Vortrag zum Thema „Diversity und Menschrechte“ eingeleitet. Vielen Dank dafür.

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LADS auf Tour
„LADS im Untergrund“ – Fortsetzung der Kampagne „Diskriminierung hat viele Gesichter“

Rund um den Internationalen Tag der Menschenrechte am 10.12.2010 setzte die LADS ihre Sensibilisierungskampagne fort. Über den gesamten Dezember 2010 wurden im „Berliner Fenster“ –
dem Fahrgastfernsehen der Berliner U-Bahn – Info-Spots der LADS gezeigt, die das Thema „Diskriminierung hat viele Gesichter“ für verschiedene Merkmalsbereiche aufgreifen. Sind Menschen
tatsächlich einfach
...zu alt für den Job ?
...zu lesbisch für die neue Wohnung ?
...zu behindert für den Restaurantbesuch ?
...zu religiös für den Ausbildungsplatz ?
...zu schwul für das Grundgesetz?
...zu weiblich für den Aufstieg?
.. zu schwarz für den Stadtteil?
Mit der Sensibilisierungskampagne verfolgt die LADS das Ziel, die Wahrnehmung für Diskriminierungen zu erhöhen, über das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zu informieren und Beratungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

LADS beim Jahrestreffen der „Schulen ohne Rassismus“
Erstmals war die LADS am 30.11.2010 beim Jahrestreffen der „Schulen ohne Rassismus – Schule
mit Courage“ und auf dem dortigen Markt der Möglichkeiten mit einem eigenen Informationsstand vertreten. Großen Erfolg hatte der „Diversity-Würfel“ der LADS, der die Schülerinnen und
Schüler auf spielerische Weise mit diskriminierenden Alltagserfahrungen konfrontierte.
Daraus entstanden zahlreiche Gespräche, in die
sich die Schüler/innen mit viel Neugierde, Engagement, und Ideenreichtum einbrachten. Ein
Markt der Möglichkeiten bietet sich natürlich
immer wieder zur Netzwerkpflege an, wovon
die LADS, die anderen SOR-Kooperationspartner
sowie auch Staatssekretär für Soziales, RainerMaria Fritsch, der vorbei kam, reichlich Gebrauch machten. Mehr Infos über die Berliner
„Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“ finden Sie unter http://www.schule-ohnerassismus.org/aktiv-lk-berlin.html

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LADS Schriftenreihe
Druckfrisch sind sie – die drei „Neuen“ der LADS:
• Broschüre: "Ist das Diskriminierung?"
• Fachexpertise: "Altergrenzen auf dem Prüfstand"
• Tagungsdokumentation: "Diversity in der Verwaltung"
Sie können hier bestellt oder heruntergeladen werden.

LADS Merkzettel
Die LADS lädt zum Boys’ Day am 14.4.2011 ein
Beim Boys’ Day wie beim Girls’ Day geht es darum, das jeweilige Rollenverhalten in der Berufswahl
zu hinterfragen und Interesse für Ausbildungsbereiche zu wecken, in denen entweder die Mädchen oder die Jungen unterrepräsentiert sind. So lernen Jungen am Boys’ Day z. B. Dienstleistungsberufe in den Bereichen Erziehung, Soziales, Gesundheit und Pflege kennen. Auch die LADS
wird sich dieses Jahr erstmals daran beteiligen. Den eingeladenen Jungen wird ein aktueller und
praxisorientierter Einblick in das Themenfeld der Antidiskriminierungsberatung und -politik geboten und somit in ein Berufsfeld, das auch für sie noch einigen Platz bietet. Mehr dazu unter
http://www.boys-day.de/

Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales
Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung
Oranienstr. 106, 10969 Berlin, Tel. 90 28 18 66, www.berlin.de/lads
        
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