Publication:
2019
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15364819
Path:
Jahresbericht 2018

|

Landesjugendring Berlin

N
E
D
R
I
W
W I E MENHALT
M
A
N
S
E
U
T
Z
T
RE


INHALTSVERZEICHNIS
JUGENDBEGEGNUNGEN
22| INTERNATIONALE
Von Ulan Bator an die Ostsee

5| GRUSSWORT
6| WER WIR SIND UND WAS WIR MACHEN

VON JUGENDVERBÄNDEN
24| FÖRDERUNG
Ein bisschen durchpusten

8| DER LANDESJUGENDRING BERLIN 2018 26| Ein Tag älter als die Currywurst

70 JAHRE LANDESJUGENDRING BERLIN

UND
12| DEMOKRATIEBILDUNG
JUGENDVERBÄNDE

Wenn Werkstätten der Demokratie
angegriffen werden

ZEIT UND ANERKENNUNG FÜR
14| MEHR
JUNGES EHRENAMT

5 Erkenntnisse aus der EhrenamtsKampagne

MIT JUNGEN GEFLÜCHTETEN
16| ARBEIT
Freizeit mit Empowerment verbinden

SOZIALES JAHR
18| FREIWILLIGES
Viel Engagement für wenig Geld

28| ORGANIGRAMM
Mitmachen mit Struktur
WIR UNS EINBGRINGEN
29| WO
Außenvertretungen 2018

DER JUGENDVERBÄNDE
31| BERICHTE
Was Jugendverbände leisten

IM
44| MITGLIEDSVERBÄNDE
LANDESJUGENDRING BERLIN

46| IMPRESSUM UND KONTAKT

FÜR JUGENDARBEIT SCHWINDEN
20| RÄUME
„Die Jugendarbeit hat beim Kampf
um Räume in dieser Stadt schlechte
Startchancen“

3

„

BERLIN ER JUG ENDVERB ÄN D E STEH EN G EME I N S AM
EIN FÜR TOLERAN Z, SELBSTORG AN IS ATI O N ,
V IELFALT UN D EINE STARKE ZIVILG ESELLSCH AF T.“
Marcel Hoyer, Vorsitzender Landesjugendring Berlin

GRUSSWORT DES
VORSITZENDEN

In der politischen Debatte wird
der Begriff „Zusammenhalt“
heute immer häufiger verwendet. Mit unserem Jahresbericht
laden wir dazu ein, dem Begriff
aus der Perspektive junger
Menschen, die sich in Jugendverbänden und darüber hinaus
engagieren, nachzuspüren. Aus
einer Worthülse werden
Respekt, Solidarität und
Gleichberechtigung.

Mein Dank gilt den ehrenamtlich und hauptberuflich
Aktiven in den Berliner Jugendverbänden, den Mitarbeiter_‑
innen in unserer Geschäftsstelle und meinen Kolleg_innen

Gerade in politisch bewegten Zeiten, in denen Populist_‑

im Vorstand für ihr Engagement und ihre Einsatzbereit‑

innen mit stumpfen Parolen und menschenfeindlichen Vor‑

schaft. Allen Unterstützer_innen der Berliner Jugendver‑

urteilen in die Öffentlichkeit drängen, stehen die Berliner

bände möchte ich ebenfalls herzlich danken. Ich freue mich

Jugendverbände gemeinsam ein für Demokratie, Selbst‑

darauf, dass wir im kommenden Jahr alle gemeinsam den

organisation, Vielfalt und eine starke Zivilgesellschaft. Wir

70. Geburtstag des Landesjugendring Berlin feiern können.

sind in unseren Positionen klar und leben sie mit echten
Beteiligungsmöglichkeiten und kreativen Bildungsangebo‑

Ich wünsche allen Leser_innen eine aufschlussreise Lektüre!

ten.
Marcel Hoyer
Als Landesjugendring ist es uns wichtig, das ehrenamtli‑
che Engagement junger Menschen in unserer Stadt sicht‑
bar zu machen und für dessen Anerkennung zu kämpfen.
Jugendliche brauchen Freiräume, in denen sie selbstbe‑
stimmt eigene Ideen verwirklichen können. Jugendver‑
bände benötigen Räume, in denen sich junge Menschen
treffen und austauschen können. Dieser Bedarf wird in der
Jugendhilfeplanung zu selten wahrgenommen. Freiräume
für junge Menschen sind in Berlin heute bedroht und wer‑
den in der schnell wachsenden Stadt allzu leicht verdrängt.
Das wollen wir ändern und uns für eine ausgewogene sozi‑
ale Infrastruktur in Berlin einsetzen.

5

WER WIR SIND

Der Landesjugendring Berlin ist der Zusammenschluss der Jugendverbände im Land Berlin. Wir setzen uns dafür ein, dass Jugendliche
ihr Recht auf gesellschaftliche Teilhabe in der demokratischen
Gesellschaft verwirklichen können. Gesellschaftliche Teilhabe
beruht auf Mitbestimmung, Selbstorganisation und ehrenamtlichem
Engagement. Unsere Arbeit orientiert sich an diesen Prinzipien.
Mitbestimmung

33
50.943
Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, alle Vorgänge

mitzugestalten, die sie betreffen oder die sie interessieren.

Mitbestimmung ist Ausdruck des Bürger_innenstatus von Kin‑

dern und Jugendlichen. Sie nimmt Kinder und Jugendliche als

gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft ernst und redu‑

ziert sie nicht auf „unfertige Objekte“, die in die Gesellschaft

„integriert“ werden müssen.

Jugendverbände

sind Mitglied im Landesjugendring Berlin

Ehrenamtliche
engagieren sich in den Jugendverbänden

Ehrenamt

Mitbestimmung und Selbstorganisation von Kindern und

Jugendlichen führt vielfach dazu, dass sie Verantwortung
übernehmen und sich ehrenamtlich engagieren. In Jugend‑

verbänden verbinden junge Menschen ehrenamtliches Enga‑

Selbstorganisation

gement mit der Vertretung ihrer Interessen. Dieser wertvolle

Jugendverbandsarbeit bedeutet Selbstorganisation junger

Beitrag gestaltet unsere Gesellschaft und sorgt für Zusam‑

Menschen. Kinder und Jugendliche schließen sich in Jugend‑

menhalt.

verbänden zusammen und gestalten diese. In Jugendver‑
bänden und Jugendringen bringen sie ihre Anliegen zum
Ausdruck und vertreten ihre Interessen.

2.380

Berliner_innen
haben die Jugendleiter_innen-Card Juleica

6

906
Seminare

Kurse, Internationale Begegnungen und
Ferienangebote gab es in den Jugendverbänden

WAS WIR MACHEN



Interessen von Kindern und
Jugendlichen vertreten und
jugendpolitisch Stellung beziehen

innen drängende Fragen der Kinder- und Jugendpolitik,
finden Lösungen und schaffen neue Impulse. In regelmäs‑
sigen Weiterbildungen vermittelt der Landesjugendring

Um die Interessen von jungen Menschen und Berliner

Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen aus der Jugend- und

Jugendverbänden zu vertreten, pflegt der Landesjugend‑

Jugendverbandsarbeit notwendige Kenntnisse zu aktuel‑

ring Berlin engen Kontakt zu Politik, Verwaltung und Fach‑

len Fachfragen.

öffentlichkeit. Mit Stellungnahmen und Positionen mischt
er sich in aktuelle politische Fragen ein, ergreift Partei für
Kinder und Jugendliche und bringt die Anliegen der Mit‑
glieder in politische und öffentliche Debatten sowie Gre‑
mien ein.





Fördergelder an Jugendverbände
vergeben

Die öffentlichen Fördergelder für Jugendverbände und
Jugendbildungsstätten des Landes Berlin vergibt der Lan‑
desjugendring als beliehenes Unternehmen des Landes. Er

Jugendverbände vernetzen, beraten
und unterstützen

prüft die Förderanträge, stellt die Zuwendungsbescheide
im Auftrag des Landes aus und prüft die Verwendungs‑

Egal ob in Förderfragen, Fragen zur Jugendleiter_innen-

nachweise – in enger Zusammenarbeit mit der Senatsver‑

Card Juleica oder bei jugendpolitischen Anliegen: Für

waltung für Bildung, Jugend und Familie.

Jugendverbände ist der Landesjugendring Ansprechpart‑

!|

ner an der Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung
und ihrer Arbeit für und mit jungen Berliner_innen. Der
Landesjugendring und seine 33 Mitgliedsverbände sind
ein lebendiges Netzwerk an Expert_innen für alle jungen
Angelegenheiten in Berlin.





Wofür wir stehen
 Eine nachhaltige Kinder- und
Jugendpolitik

Projekte durchführen

Trainer_innen schulen, junge Geflüchtete fördern oder

 Mitbestimmung und Partizipation

FSJ anbieten: Der Landesjugendring Berlin führt Projekte

von jungen Menschen in allen

durch, die Jugendverbandsarbeit weiterentwickeln. Aktu‑

gesellschaftlichen und sozialen

elle Themen, Ansätze und Methoden der Jugend- und

Bereichen

Jugendverbandsarbeit stehen dabei im Mittelpunkt. Die
Projekte ermöglichen neue Zugänge zu Kindern und

 Selbstbestimmte und

Jugendlichen und vernetzen Jugendverbände mit anderen

selbstorganisierte Jugendarbeit

Trägern der Jugendhilfe.

innerhalb demokratischer Strukturen



Fachveranstaltungen und
Weiterbildungen anbieten

 Die Förderung und Anerkennung
ehrenamtlichen Engagements

Aktuelle Bedürfnisse und Problemstellungen der Jugend‑
verbandsarbeit greift der Landesjugendring Berlin in

 Parteilichkeit und Werteorientierung

Fachveranstaltungen auf. Auf Tagungen diskutieren Akteur_‑

7

ZEITSTRAHL

Der Landesjugend
09.06.

Abschluss: Trainer_
innen-Ausbildung
2017/2018
05.01.

03.04.

Neue Förderrunde:
Jung, geflüchtet,
selbstbestimmt

Junge Geflüchtete
werden Jugend­
leiter_innen

56 neue Projekte mit
jungen Geflüchteten von
Berliner Jugendverbänden,
Jugendbildungsstätten und
Migrant_innenjugendselbst‑
organisationen unterstützt
der Landesjugendring von
Januar bis Dezember aus
Mitteln des Landes Berlin.

18 junge Erwachsene neh‑
men an der sechstägigen
Ausbildung für Jugend‑
leiter_innen im Rahmen
des Landesjugendring-Pro‑
jekts „Vom FÜR zum MIT“
teil. Schwerpunkt sind die
Themen Diversität und
Empowerment.

09.04.

Fortbildung:
Moderation
Mit welchen Techniken man
Veranstaltungen, Seminare
oder Gremien in Jugend‑
verbänden erfolgreich
moderiert erfahren Hauptund Ehrenamtliche in einer
Fortbildung.

Beim Kolloquium der Trainer_innen-Ausbildung für
außerschulische Jugendbildung in der Jugendver‑
bandsarbeit reflektieren
und präsentieren die 18
Absolvent_innen ihre
Lernergebnisse. In sechs
Modulen wurden sie in
Vermittlung, Methoden
und Moderation ausgebil‑
det – ein Angebot der Lan‑
desjugendringe Berlin und
Brandenburg in Kooperation
mit dem SFBB.

MAI
J
APRIL
MÄRZ
JUNI

FEBRUAR

JANUAR

8

28.02.

10.03

15.04.

Fortbildung: Das
Auge liest mit

Mitgliederversammlung 2018

Fancy Flipcharts selber
machen: Mit welchen Tipps
und Tricks man Inhalte visu‑
ell ansprechend gestaltet
lernen Haupt- und Ehren‑
amtliche bei der Landesju‑
gendring-Fortbildung.

Vertreter_innen aus 33
Jugendverbänden beschäf‑
tigen sich intensiv mit dem
Thema Jugendarmut. Bei der
Kundgebung im Rahmen
der Ehrenamts-Kampagne
setzen sie sich auf dem
Alexanderplatz auch für die
35-Stunden-Schulwoche
ein.

Kampagne „EAFortbildungsreihe:
TEAM: Mission gutes Junge Geflüchtete
Ehrenamt“
in der Jugend(verbands)arbeit
Bessere Rahmenbedin‑
gungen, mehr Zeit und
Anerkennung für junge
Ehrenamtliche: Nach acht
Monaten endet die Ehren‑
amts-Kampagne. Auch
danach wird sich der
Landesjugendring für eine
Umsetzung der sieben For‑
derungen weiter einsetzen.

24.05. 21.06. 06.10.

Drei Fortbildungen im
Rahmen des Projekts „Vom
FÜR zum MIT“ bietet der
Landesjugendring an.
Awareness, rassismuskriti‑
sche Jugendverbandsarbeit
und die rechtliche Situation
junger Geflüchteter stehen
im Fokus.

2018

ring Berlin

09.11.
01.07.

Berliner Sommerferienkalender
2018
Auf www.sommerferien‑
kalender-berlin.de stellt
der Landesjugendring
zusammen mit vier weite‑
ren Berliner Einrichtungen
die Sommerferienange‑
bote der Jugendverbände
für Berliner Kinder und
Jugendliche vor.

18.09.

01.09.

Start ins FSJ
40 Berliner_innen starten
über den Landesjugend‑
ring ins Freiwillige Soziale
Jahr in Jugendverbänden,
Jugendbildungsstätten
und anderen Trägern der
Jugendarbeit.

Juleica Netzwerkund Techniktreffen
Mit Demokratiebildung
durch Jugendverbände
beschäftigen sich Jugend‑
leiter_innen beim JuleicaNetzwerktreffen. Das
anschließende Technik‑
treffen informiert über das
Juleica-Online-Antragsver‑
fahren.

Die erfolgreiche Ausbildung
geht in die nächste Runde:
18 angehende Trainer_
innen für außerschulische
Jugendbildung lernen in
sechs Modulen über Metho‑
den, Gruppenprozesse und
Haltung. Ein Angebot der
Landesjugendringe Berlin
und Brandenburg, in Koope‑
ration mit dem SFBB.

DEZEMBER

OKTOBERNOVEMBER

SEPTEMBER
JULI
AUGUST

Start: Trainer_
innen-Ausbildung
2018/2019

01.10.

09.10.

Our Rights
in Action

Politischer Abend:
Fortbildung:
Jugendkongress
Grenzen überwinden Internationale
JugendmigrationsJugendbegegnungen beirat Berlin
fördern
In fünf Runden berichten

Mit kreativen Methoden
setzen sich beim neuen
Landesjugendring-Projekt
geflüchtete Kinder und
Jugendliche mit Kinder‑
rechten und Kinderschutz
auseinander. Auch ihre
Eltern werden für die
Themen sensibilisiert. Das
Projekt läuft bis Ende 2019
und wird vom Land Berlin
gefördert.

Berliner Jugendverbände
von ihren internationalen
Jugendbegegnungen. Mit
Politik und Fachorganisa‑
tionen tauschen sie sich
über die Wirkungen und
Rahmenbedingungen von
internationalen Begegnun‑
gen aus.

19.10.

Wie man erfolgreich
Anträge im Programm Eras‑
mus+ stellt und wie das
Förderprogramm funktio‑
niert erfahren Haupt- und
Ehrenamtliche bei der Fort‑
bildung.

03.11.

Stop Hate Speech @
School: Unter diesem Motto
diskutieren junge Berliner_‑
innen Diskriminierung und
Rassismus an Schulen und
arbeiten in kreativen Work‑
shops zum Thema.

9

DEMOKRATIEBILDUNG UND JUGENDVERBÄNDE
Wenn Werkstätten der Demokratie
angegriffen werden
Viele Berliner Jugendverbände werden inzwi‑
schen von der Alternative für Deutschland

|12

bedroht. Was bedeutet das für ihre Angebote?

MEHR ZEIT UND ANERKENNUNG
FÜR JUNGES EHRENAMT
5 Erkenntnisse aus der
Ehrenamts-Kampagne

|14

„EA-TEAM: Mission gutes Ehrenamt“: Sieben Forderungen für
mehr Zeit und Anerkennung für junge Ehrenamtliche hat der
Landesjugendring in einer Kampagne verpackt. Im April 2018
ging sie zu Ende. Und nun?

ARBEIT MIT JUNGEN
GEFLÜCHTETEN
Freizeit mit Empowerment
verbinden

|16

Jaqueline Kauka ist Referentin für Jugendverbandsar‑
beit mit jungen Geflüchteten beim Landesjugendring
Berlin. Sie hat am Gesamtkonzept zur Integration und
Partizipation Geflüchteter des Berliner Senats mitge‑
wirkt. Hier spricht sie über die aktuelle Situation und
Perspektiven für junge Geflüchtete in der Stadt.

18|

FREIWILLIGES SOZIALES JAHR
Viel Engagement für wenig Geld
Seit September 2018 macht Simon ein Freiwilliges Soziales Jahr

über den Landesjugendring. Seine Einsatzstelle ist der Bund der
Deutschen Katholischen Jugend Berlin. Einen typischen Alltag kennt
er dort eigentlich nicht. Nur eine Sache ärgert Simon am FSJ.

10

RÄUME FÜR JUGENDARBEIT SCHWINDEN
„Die Jugendarbeit hat beim Kampf um Räume in dieser Stadt schlechte Startchancen“
Wohnungsnot, Schulbauoffe­nsive, KitaKrise. In Berlin verschärft sich der Wettbe‑
werb um Flächen und Freiräume, auch für
Jugendverbände.

|20
22|

INTERNATIONALE JUGENDBEGEGNUNGEN
Von Ulan Bator an die Ostsee
Jedes Jahr bieten Berliner Jugendverbände bis zu
130 internationale Jugendbegegnungen für rund
3.500 Teilnehmende an. Die Begegnungen sind weit
mehr als eine Urlaubsreise.

FÖRDERUNG VON JUGENDVERBÄNDEN
Ein bisschen durchpusten
Über Jahre stagnierte die Förderung der Jugend‑
verbände – trotz steigender Kosten und einer

|24

Zunahme von Kindern und Jugendlichen in Berlin.
Nun gibt es mehr Geld und ein Jugendförderge‑
setz ist auf dem Weg. Ist damit jetzt alles gut?

26|

70 JAHRE LANDESJUGENDRING BERLIN
Ein Tag älter als die Currywurst
Im September 1949 startete der Landesjugendring
Berlin offiziell. 70 Jahre später, am 2. September
2019, feiert der Landesjugendring das Jubiläum im
frannz Club.

DEMOKRATIEBILDUNG UND JUGENDVERBÄNDE

WENN WERKSTÄTTEN
DER DEMOKRATIE
ANGEGRIFFEN WERDEN

„Geile Demo(kratie) – Wie komme ich an
die Vollversion?“: Beim Juleica-Netzwerktreffen 2018 ging es um Demokratie­
bildung durch Jugendverbände.

A

ls die Anfrage kam, waren sie eigentlich wenig

Viele Berliner Jugendverbände
werden inzwischen von der
Alternative für Deutschland
bedroht. Was bedeutet das für
ihre Angebote?

überrascht. Zu viele ihrer Landesverbände waren
bereits ins Visier der Alternative für Deutschland

Berliner Register auch Herausgeber der Broschüre „Macht‑

geraten. „Steuergelder für den Sozialismus und Kommunis‑

ergreifung beim Mettbrötchen“, die über die Neue Rechte

mus“ lautet der Titel der schriftlichen AfD-Anfrage an den

im Berliner Westen informiert. Auch das Heft ist der AfD ein

Senat. Die Landesregierung soll sich für die Förderung des

Dorn im Auge. „Wir wollen uns auf keinen Fall einschüch‑

Jugendverbands SJD-Die Falken Berlin rechtfertigen. Was

tern lassen“, sagt Malte. „Unsere Angebote richten sich wei‑

macht das mit einem 115 Jahre alten Jugendverband, der

terhin gegen rechts. Die AfD will mit den Anfragen extreme

sich die demokratische Erziehung und Bildung junger Men‑

Positionen in der Gesellschaft verhärten – und politisch

schen auf die Fahnen geschrieben hat?

Andersdenkende kriminalisieren.“

„Auf eine Schlammschlacht wollten wir uns nicht ein‑

Auch andere Jugendverbände sind inzwischen zur Ziel‑

lassen“, sagt Malte. Der 20jährige ist seit zwei Jahren im

scheibe der rechtspopulistischen Partei geworden, darun‑

Vorstand der Falken aktiv. Inzwischen gehörten Anfragen

ter das Landesjugendwerk der AWO, das Jugendnetzwerk

der Partei schon zum Geschäft. Statt Ressourcen in eine

Lambda oder die Junge Europäische Bewegung. In allen

öffentliche Kampagne zu stecken habe man sich entschie‑

Jugendverbänden schließen sich junge Menschen mit

den, die Energie lieber in Angebote für Kinder und Jugend‑

gleichen Interessen zusammen und setzen sich demo‑

liche zu investieren. Auf Feriencamps und Workshops der

kratisch, selbstorganisiert, selbstbestimmt und zumeist

Falken beschäftigen sich junge Menschen zum Beispiel

ehrenamtlich für andere Menschen ein. Muss eine Demo‑

mit Rassismus, Empowerment, Sexismus oder hinterfragen

kratie Angriffe auf engagierte Kinder und Jugendliche von

den Neoliberalismus. Die Falken sind gemeinsam mit dem

einer Partei wirklich aushalten, die Schlagzeilen mit men‑
schenverachtenden, ausgrenzenden und rassistischen Aus‑

12

„

DIE A FD WILL MIT D EN ANFR AGEN EXTREME POSIT I O N EN
IN DE R G ESELLSCH AFT VER H ÄRTEN – UND POL I TI S CH
AN D ER SD EN KEN D E KR IM IN ALISIER EN .“
Malte, SJD-Die Falken

sagen macht, gegen Geflüchtete hetzt, die Gleichheit der
Geschlechter in Frage stellt und antisemitische und homo‑

geschulte Rückgrat der Verbände. Diese Jugendleiter_‑

phobe Positionen vertritt?

innen, aber genauso auch andere Aktive, ob haupt- oder
ehrenamtlich, bindet der Landesjugendring Berlin in seine

Die Reaktion auf den gesellschaftlichen Rechtsruck kann

Arbeit ein: Beim Juleica-Netzwerktreffen im September

man bei vielen der 33 Jugendverbände beobachten, die

2018 ging es darum, wie Demokratiebildung durch Jugend‑

im Landesjugendring Berlin zusammengeschlossen sind:

verbände gestärkt werden kann und welche Strategien

Sie haben ihre politische Arbeit gegen Rechtspopulismus,

gegen Angriffe von rechts es gibt. Für die Ausbildung von

Rechtsextremismus oder Diskriminierung von Minderhei‑

Jugendleiter_innen überarbeitet der Landesjugendring

ten noch einmal verstärkt. So positioniert sich der Bund

Berlin derzeit das Modul „Rechtsextremismus“ im Julei‑

Deutscher Pfadfinder_innen klar zum Umgang mit der AfD

ca-Handbuch gemeinsam mit dem Mobilen Beratungsteam

und rechten Positionen, das Berliner Jugendrotkreuz nutzt

für Demokratieentwicklung. Das Thema Rechtspopulismus

Handlungsempfehlungen der Amadeu Antonio Stiftung

rückt darin in den Vordergrund. Der Anstoß dazu kam aus

zum Umgang mit der AfD in der eigenen Arbeit. Weitere

der Kommission Juleica, einem Gremium aus engagierten

Beispiele bieten der Bund der Deutschen Katholischen

Expert_innen der Jugendverbände.

Jugend Berlin mit dem Bildungsprogramm „Talmidim. Mutig
für Menschlichkeit“, bei dem Projekttage zu gruppenbezo‑

Fortbildungen des Landesjugendring Berlin informie‑

gener Menschenfeindlichkeit durchgeführt werden sowie

ren über Argumentieren gegen rechts, rassismuskritische

der Verband Christlicher Pfadfinder_innen mit der Kampa‑

Jugendverbandsarbeit oder Awareness und interkulturel‑

gne „Auf die Plätze gegen Hetze“ – inklusive Aufnäher für

len Selbstcheck. Auch in der Trainer_innen-Ausbildung für

die Pfadi-Kluft.

außerschulische Jugendbildung gemeinsam mit dem Lan‑
desjugendring Brandenburg spielen die Themen Diversität,

Schon immer gelten Jugendverbände als Werkstätten der

Haltung und interkulturelle Öffnung eine tragende Rolle.

Demokratie. Hier lernen Kinder und Jugendliche, sich für

All diese Angebote gab es auch schon bevor die AfD 2016

ihre Interessen einzusetzen und mitzuentscheiden, egal ob

mit 14 Prozent krachend ins Abgeordnetenhaus einzog –

im Lagerrat der Ferienfreizeit oder mit kreativen Abstim‑

doch ihre Relevanz und ihre Anzahl ist seitdem erheblich

mungsformen in Gremien. Sie erfahren hier, dass sie aktiv

gestiegen.

mitgestalten können und was Vielfalt, Solidarität und
Menschlichkeit bedeuten. „Jugendverbände bieten ideale

Klar ist: Berliner Jugendverbände verteidigen unsere

Strukturen, um Demokratie ‚erlernen‘ zu können“, sagt

Demokratie. Sie sind die „junge Stimme der Vernunft“ in

Laura Reiser, Referentin für Jugendverbandsarbeit beim

einer Zeit, in der die Spaltung der Gesellschaft vorange‑

Landesjugendring Berlin. „Doch diese Strukturen fühlen

trieben wird und rechte Parolen wieder salonfähig gewor‑

sich immer mehr von rechts bedroht.“

den sind. Oder wie Malte von den Falken sagt: „Es wird
nicht weniger, wenn wir keinen Widerstand leisten. Alle

Eine zentrale Rolle in Jugendverbänden spielen die 2.380

Jugendverbände müssen sich mit dem Rechtsruck ausein‑

ehrenamtlich engagierten Berliner_innen, die die Jugend‑

andersetzen.“ Übrigens: Die zweite Auflage der Broschüre

leiter_innen-Card „Juleica“ haben. Sie sind quasi das

„Machtergreifung beim Mettbrötchen“ ist bereits im Druck.

„

Soviel zum Thema Einschüchterung.

B ER L I N E R JU GE NDVE RBÄ NDE VERTEID IG EN UN SERE
D E M O K RATIE . S IE S IND DIE „JUNGE STIMME D ER VERN UN FT“.
13

MEHR ZEIT UND ANERKENNUNG FÜR JUNGES EHRENAMT

5 ERKENNTNISSE AUS DER
EHRENAMTS-KAMPAGNE

„EA-TEAM: Mission gutes Ehrenamt“:
Sieben Forderungen für mehr Zeit
und Anerkennung für junge Ehrenamtliche hat der Landesjugendring
in einer Kampagne verpackt. Im April
2018 ging sie zu Ende. Und nun?

1|

 ie Idee ist gut, doch die Politik noch
D
nicht so weit

„Die Gleichstellung der Jugendleiter_innen-Card Juleica
und der Ehrenamtskarte wird kommen!“ So oder so ähn‑

schlecht, dass dieser Punkt im Rahmen des Jugendför‑

lich haben wir den Satz einige Male von der Politik gehört,

dergesetzes verbessert wird. Dann würde auch in Berlin

zum Beispiel auf unserem Politischen Abend 2017 oder

aus dem „soll“ ein „muss“: Allen Ehrenamtlichen in der

im Parlamentsausschuss für bürgerschaftliches Enga‑

Jugendarbeit muss dann vom Arbeitgeber ein Sonder‑

gement. Ohnehin soll die Berliner Ehrenamtskarte

urlaub gewährt werden. Bis dahin müssen allerdings wohl

weiterentwickelt werden und dann auch allen Juleica-In‑

weiterhin viele berufstätige Engagierte in Jugendverbän‑

haber_innen zur Verfügung stehen. Nur der Zeitpunkt ist

den ihr Ehrenamt absagen.

wohl noch unklar. Auch wenn es 2018 nicht geklappt hat,
bleiben wir dran.

2|
14

Sag alles ab!

3|

Unter der Schnellstraße

Wie Bundesjugendministerin Franziska Giffey verkündet
hat, soll es in Zukunft mehr Taschengeld für Freiwilligen‑

Berlin ist weiterhin das einzige Bundesland, in dem man

dienstleistende und einen monatlichen Zuschuss von

sich nicht verbindlich für Ehrenamt in der Jugendarbeit

25 Euro für den öffentlichen Nahverkehr geben. Unsere

freistellen lassen kann. Doch die Chancen stehen nicht

FSJler_innen waren laut und mittendrin bei der bundes‑

!|

Auf der Kampagnen-Website stellen „ausgebremste Superheld_innen“ die sieben Forderungen für mehr Zeit und

7

Anerkennung für junge Ehrenamtliche vor. Dazu gibt es Hintergründe und Stimmen. 33 Berliner Jugendverbände
haben die Forderungen beschlossen. www.team-junges-ehrenamt.berlin

weiten Aktion #freiefahrtfuerfreiwillige im November, wo
sie mit der Ministerin sprechen konnten. Die Pläne klingen
gut, aber was ist mit ehrenamtlichen Jugendleiter_innen?
Sie unternehmen Ausflüge mit jungen Geflüchteten, fah‑
ren zu Gruppenstunden oder müssen für die Betreuung
einer Ferienfreizeit mobil sein. Daher müssen auch sie
Vergünstigungen im ÖPNV bekommen.

4|

Im Zweifel für das Studium

für Ehrenamt von der Arbeit!

Berlin ist das einzige Bundesland ohne verbindliche
Freistellungsregelung in der Jugendarbeit

Freistellung von Schule und

für

Gleich drei Forderungen der Kampagne widmen sich bes‑
seren Bedingungen für ehrenamtlich engagierte Studie‑
rende. „Als Student_in wird man eher bestraft, wenn man
sich engagiert“, stellte eine Ehrenamtliche fest. Nicht so
an der Hochschule für Technik und Wirtschaft: Hier gibt
es teilweise sogar Credits für Engagierte. Ein Vorbild für
andere Hochschulen in Berlin? Die Forderung nach einem
Ferienschutz für Studierende in der Zeit der schulischen
Sommerferien stieß allerdings auf wenig Resonanz, genau
wie eine verbindliche Freistellungsregelung für Studie‑
rende.

5|

!|
Freistellung
1
Hochschule
2
3Schüler_innen!
Ferienschutz
4
öffentliche
5
Juleica
6
7Praktika

Die 7 Forderungen
der Kampagne

Ehrenamt!

In Berlin gibt es hierfür noch immer keine Regelung
für Ehrenamt in der Jugendarbeit.

35-Stunden-Schulwoche für

…inklusive Hausaufgaben, Lernen für Klassenarbeiten,
Nachhilfe und weiteren Anforderungen.

für Studierende!

Kapitulation?

Eine 35-Stunden-Schulwoche für Schüler_innen – inklu‑
sive Hausaufgaben, Lernen und Nachhilfe: Das haben
Berliner Jugendverbände im März bei einer Aktion am
Fernsehturm gefordert. Typische ehrenamtliche Tätigkei‑
ten von jungen Menschen in Jugendverbänden waren bei
der Kundgebung auf einem vier Meter langen, übervollen
Stundenplan angebracht – und landeten auf dem Müll, weil
die Zeit dafür fehlt. Laut UNICEF investieren Schüler_innen
ab Klasse 9 mehr als 45 Stunden pro Woche für die Schule.
Bei den letzten Änderungen am Schulgesetz spielte der
Zeitfaktor aber keine Rolle.

Keine verpflichtenden Leistungsnachweise für
Studierende in den Schulsommerferien.

Mehr
Vergünstigungen!

Zum Beispiel ein günstigeres ÖPNV-Ticket für
Ehrenamtliche mit Jugendleiter_innen-Card.

und Ehrenamtskarte

gleichstellen!

Die Vergünstigungen der Ehrenamtskarte sollen
für alle gelten, die eine Jugendleiter_innen-Card haben.

Credits, Wartesemester und

für junge

Ehrenamtliche!

Studierende sollen ihr Engagement an Berliner
Hochschulen anrechnen lassen können.

15

ARBEIT MIT JUNGEN GEFLÜCHTETEN

FREIZEIT MIT
EMPOWERMENT
VERBINDEN
Jaqueline Kauka ist Referentin für
Jugendverbandsarbeit mit jungen
Geflüchteten beim Landesjugendring Berlin. Sie hat am Gesamtkonzept zur Integration und
Partizipation Geflüchteter des
Berliner Senats mitgewirkt. Hier
spricht sie über die aktuelle Situation und Perspektiven für junge
Geflüchtete in der Stadt.
Was hat sich 2018 für Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund in Berlin verbessert?
Zwei Dinge fallen mir sofort ein: Es klingt eigentlich

zum Beispiel werden Mitarbeitende zum Thema Kin‑

selbstverständlich, aber seit Oktober 2018 dürfen

derschutz geschult. Das heißt aber natürlich nicht, dass

jugendliche Geflüchtete nicht nur ihre Eltern, sondern

damit alles gut ist. Eine Gemeinschaftsunterkunft ist

auch ihre jüngeren Geschwister nach Berlin nachho‑

nach wie vor kein Ort, an dem Menschen leben sollten,

len. Es ist auch positiv, dass unbegleitete minderjährige

insbesondere keine Kinder, Jugendliche oder andere

Geflüchtete weiter nur noch in regulären Jugendhilfe‑

besonders Schutzbedürftige.

einrichtungen untergebracht werden sollen. Das hält
tion Geflüchteter des Berliner Senats fest, an dem wir

Welchen Problemen oder Herausforderungen
stehen junge Geflüchtete gegenüber?

mit vielen anderen Initiativen aus der Praxis über zwei

Man muss besser sicherstellen, dass die jungen Men‑

Jahre mitgewirkt haben.

schen hier Perspektiven für ihr Leben entwickeln und

das neue Gesamtkonzept zur Integration und Partizipa‑

einen sinnvollen Lebensabschnitt für sich gestalten

Wie ist das Berliner Gesamtkonzept zur
Integration und Partizipation Geflüchteter
einzuschätzen?

nach Deutschland gekommen sind und jetzt volljährig
geworden sind, fallen plötzlich aus dem Jugendhilfe‑

Dort steht ganz klar, dass das Kindeswohl bei allen

system raus. Dabei ist das so eine entscheidende Phase

Entscheidungen, die Kinder und Jugendliche mitbe‑

im Leben, in der viele Weichen gestellt werden: Man

treffen, an erster Stelle steht – ungeachtet der Blei‑

braucht Weiterbildungen, einen Ausbildungs- oder Stu‑

beperspektive. Das galt bisher nicht in der Form. Das

dienplatz oder muss sich durch den Berliner Wohnungs‑

Gesamtkonzept macht deutlich, dass der Kinderschutz

markt kämpfen – all das sind existenzielle Fragen, die

in Unterkünften gewährleistet werden muss. Darum gel‑

schnell zu Frustration führen können. Deshalb braucht

ten dort jetzt auch verpflichtende Qualitätsstandards,

16

können. Gerade Jugendliche, die mit unter 18 Jahren

„

ES BR AUCH T BESSER E B ERATUN G SSTELLEN
UND INFORM ATION SAN G EBOTE, D IE J U N G E
GEFLÜCH TETE WIR KLICH ERR EI CH EN .

es bessere Beratungsstellen und Informationsangebote,

angeboten. Wir bringen aber natürlich auch Leute aus

die junge Geflüchtete wirklich erreichen. Sie müssen

Jugendverbänden zum Fachaustausch zusammen oder

auch genau wissen, wie das Jugendhilfesystem funktio‑

bieten in Rücksprache mit den Verbänden Weiterbildun‑

niert. Im Gesamtkonzept fehlt mir hierbei die Tiefe, wie

gen und Beratungen an.

man das erreichen will.

Welche Perspektiven bieten Jugendverbände
und der Landesjugendring jungen Geflüchteten?

Wie wichtig sind Freizeitangebote für
geflüchtete Kinder und Jugendliche?
Freizeitangebote sind für alle Kinder und Jugendliche
enorm wichtig. Bei unserem neuen Projekt „Our Rights

Jeder Mensch braucht Orte, an denen man Freund_–

in Action“ wollen wir das mit Empowerment verbinden:

innen treffen kann, Freizeit verbringt und auch mal über

In kreativen Workshops und Projekttagen beschäftigen

andere Dinge reden kann – wo man sich sicher fühlt

sich geflüchtete Kinder und Jugendliche aus unter‑

und nicht hinterfragt wird. Jugendverbände sind genau

schiedlichen Berliner Unterkünften mit ihren eigenen

solche Orte. Hier können junge Menschen gemeinsame

Rechten und dem Thema Kinderschutz. Uns ist wichtig,

Themen und Interessen teilen, egal woher sie kommen.

dass sie diese Rechte auch einfordern, ein Bewusstsein

Über unser Projekt „vom FÜR zum MIT“ wollen wir jungen

für Diskriminierung bekommen und wissen, wen sie im

Geflüchteten nachhaltige Zugänge zu Jugendverbänden

Notfall ansprechen können. Aber auch die klassischen

ermöglichen. Ganz direkt geht das zum Beispiel, wenn

Freizeitangebote von Jugendverbänden spielen weiter‑

man Jugendleiter_innen schult: 18 Teilnehmende mit

hin eine wichtige Rolle. Wir sehen gerade bei unserem

Fluchterfahrung konnten so über eine Woche Metho‑

Förderprojekt „Jung, geflüchtet, selbstbestimmt“ immer

den und Handwerkszeug lernen, um in Zukunft selbst

mehr, dass Jugendverbände nicht mehr Angebote für

Jugendgruppen zu leiten. Die Schulung haben die Mal‑

junge Geflüchtete machen: Die jungen Neu-Berliner_‑

teser Jugend, djo-Regenbogen Berlin und das Landesju‑

innen sind inzwischen viel mehr an der Planung beteiligt

gendwerk der AWO gemeinsam im Rahmen des Projekts

und initiieren selbst Angebote.

!|

Vom FÜR zum MIT
Um junge Geflüchtete nach‑
haltig in Berliner Jugendver‑
bände einzubeziehen, hat
der Landesjugendring Berlin
2017 das Projekt „Vom FÜR
zum MIT“ ins Leben gerufen.
Vier Jugendverbände er‑
arbeiten und erproben darin
neue Konzepte, Formate
und Strategien, um junge
Geflüchtete langfristig in
Angebote und Mitwirkungs‑
strukturen der Jugendver‑
bandsarbeit einzubeziehen.
So finden zum Beispiel
Jugendleiter_innen-Schulun‑
gen und Fortbildungen statt.
„Vom FÜR zum MIT“ wird
vom BMFSFJ und der Stiftung
Demokratische Jugend ge‑
fördert.

!|

J ung, geflüchtet,
selbstbestimmt
Film-Workshops, Begeg‑
nungsseminare oder Ferien‑
freizeiten: Seit Juni 2015
unterstützt der Landesju‑
gendring Berlin Angebote
von Jugendverbänden und
Jugendbildungsstätten mit
jungen Geflüchteten. Bis
Dezember 2018 sind durch
das Förderprogramm bereits
189 Projekte und Werkstät‑
ten entstanden, in denen die
Neu-Berliner_innen ihr Recht
auf persönliche Entfaltung
ausleben und Zugang zu
den Lebenswelten Gleich‑
altriger finden können. Das
Projekt wird vom Land Berlin
gefördert.

!|

Our Rights in Action

Mit spielerischen und krea‑
tiven Methoden von Theater
bis Fotografie setzen sich
junge Geflüchtete in Unter‑
künften und Freizeitein‑
richtungen mit den Themen
Kinderschutz und Kinder‑
rechte auseinander. Denn
viele geflüchtete Kinder und
Jugendliche wissen gar nicht,
welche Rechte sie haben.
Ihre Eltern werden durch das
Empowerment-Projekt eben‑
falls für die Themen sensibi‑
lisiert. „Our Rights in Action“
läuft bis Ende 2019 und wird
vom Land Berlin gefördert.

17

FREIWILLIGES SOZIALES JAHR

VIEL ENGAGEMENT
FÜR WENIG GELD

E

Freie Fahrt für Freiwillige: Im November 2018
demonstrierten die 40 FSJler_innen des Landesjugendring-Programms bei einer bundesweiten
Aktion für kostenlosen ÖPNV für Freiwillige.

Seit September 2018 macht Simon
ein Freiwilliges Soziales Jahr über
den Landesjugendring. Seine
Einsatzstelle ist der Bund der
Deutschen Katholischen Jugend
Berlin. Einen typischen Alltag
s sind nur ein paar Meter vom Oranienplatz: Mitten
kennt er dort eigentlich nicht. Nur
in Kreuzberg hat der Bund der Deutschen Katholi‑
eine Sache ärgert Simon am FSJ.
schen Jugend (BDKJ) Berlin sein Büro. Hier macht

Simon im „Jugendverbändebüro“ ein FSJ. Von dort aus
werden die die BDKJ-Mitglieder „Katholische Studierende
Jugend (KSJ)“ und die „Jugendverbände der Gemeinschaft

Auch das Thema Selbstverwirklichung spielt eine Rolle.

Christlichen Lebens (J-GCL)“ koordiniert. „Ich fühl mich

„Zusammen mit einer Lehrerin habe ich dort eine Gruppe

hier total wohl“, sagt Simon. In seinem Freiwilligen Sozia‑

selbst geleitet“, erzählt Simon. „Vor allem Teamwork und

len Jahr ist er für beide Verbände mit zuständig, bereitet

Zwischenmenschliches stehen da im Vordergrund – Dinge,

die ­Diözesan-Leitungsrunden vor und protokolliert die

die in der Schule eigentlich kaum eine Rolle spielen. Eine

Treffen – oder unterstützt Gruppenstunden mit Ehrenamtli‑

Schülerin hatte anfangs überhaupt keine Lust mitzuma‑

chen an Berliner Schulen, die die KSJ anbietet. „Einen typi‑

chen. Aber nach einer Weile war sie plötzlich Feuer und

schen Tag gibt es hier eigentlich nicht“, sagt der 20-jährige.

Flamme und total motiviert. Sowas ist schön mitzuerleben

„Ich sitze auch nicht nur hier im Büro, sondern bin auch auf

und zu sehen.“

Fahrten unterwegs und setze Projekte um.“

Das einzige, was Simon am FSJ stört, ist die finanzielle
Anerkennung. Wie viele Freiwillige fährt er morgens mit

18

Das FSJ ein Privileg?

Bus und Bahn zu seiner Einsatzstelle. Für die Fahrkarte

Zweimal ist der FSJler zum Beispiel schon als Betreuer

zahlen die Freiwilligen jeden Monat 57 Euro. Von den 300

bei den Klassenfahrten von „Tage Ethischer Orientierung“

Euro Taschengeld fürs FSJ bleibt da nicht mehr viel übrig.

mitgefahren. Bei dem Projekt arbeitet der BDKJ Berlin mit

„Ich finde es in Ordnung, dass man für den sozialen Dienst

Schulklassen und Lehrkräften zusammen. Mit unterschied‑

nicht viel Geld bekommt. Aber warum müssen FSJler_innen

lichen Methoden sollen die Schüler_innen gestärkt werden.

das Ticket für die Öffis selbst bezahlen, um dorthin zu kom‑

„

WARUM MÜSSEN FSJLER _INNEN DAS TI CK ET
FÜR D IE ÖFFIS SELBST BEZAHLEN ?“
Simon, Freiwilligendienstleistender

men, wo sie ihren Dienst machen möchten?“, wundert sich
der Freiwillige. Auch findet er ungerecht, dass man für ein

„Beim U18-Projekt kümmere ich mich um die Absprachen

Freiwilliges Ökologisches Jahr mehr Taschengeld bekommt,

mit den Schulen und die Organisation der Wahllokale mit

nämlich 480 Euro. Seine Eltern müssen ihn neben Taschen‑

Wahlzetteln, Wahlbox und Flyern.“ Durchführen will er die

geld und Kindergeld noch zusätzlich unterstützen. „Es ist

U18-Wahl am 17. Mai dann zusammen mit Ehrenamtlichen

schon fast ein Privileg, ein FSJ machen zu können. Und das

und den Gruppenleiter_innen an den Schulen.

finde ich schade.“
Und auch sonst plant der 20-jährige schon für die nächsten

Von der U18-Wahl aufs Fahrrad

Monate: „Über Himmelfahrt möchte ich zusammen mit den

Über das Jahr verteilt nimmt Simon wie alle 40 Freiwilli‑

anderen FSJler_innen vom BDKJ eine Tour für junge Leute

gen im FSJ-Programm des Landesjugendring an FSJ-Semi‑

aus unseren Stadtgruppen organisieren.“ Mit Fahrrädern,

naren teil. An insgesamt 25 Bildungstagen bekommen die

Gaskochern, Zelten und Isomatten soll es dann zur Ostsee

Jugendlichen hier das Rüstzeug für ihren Dienst. Dort ler‑

gehen. „Ich bin richtig froh, dass ich sowas während mei‑

nen sie, auf was es in der Arbeit mit Kindern und Jugend‑

nem FSJ umsetzen kann. Für ein Freiwilliges Soziales Jahr

lichen ankommt, wie man Konflikte lösen kann oder welche

würde ich mich wieder entscheiden – nur die gesellschaft‑

erlebnispädagogischen Methoden es gibt. „Besonders was

liche Anerkennung und Wertschätzung des Dienstes sollte

Selbstreflexion angeht, sind die Seminare sehr hilfreich für

besser sein.“

mich“, sagt Simon. Auch Thementage bietet der Landes‑
jugendring im Rahmen der Seminare an, zum Beispiel zu
Visualisierung, Inklusion oder Ideenfindung und Projekt‑
management. Die FSJler_innen können hier Anregungen
finden, die sie in ihre tägliche Arbeit einfließen lassen kön‑
nen.
Besonders freut sich Simon auf die anstehende U18-Wahl
zu den Europawahlen im Mai 2019. Bei der Kinder- und
Jugendwahl können auch unter 18-jährige ihre Stimme
abgeben. Viele Jugendorganisationen richten dafür Wahl‑
lokale ein. Auch die katholischen Jugendverbände möch‑
ten sich an ihren Kooperations-Schulen daran beteiligen.
„Ich finde es gut, dass die U18-Wahl Schüler_innen die

!|

Das FSJ-Programm
Der Landesjugendring Berlin vermittelt jedes
Jahr junge Berliner_innen zwischen 16 und 24
Jahren an Jugendverbände, Jugendbildungs‑
stätten, Träger der offenen Kinder- und Jugend‑
arbeit, Schulsozialstationen oder Stiftungen. Im
September 2018 sind 40 Jugendliche und junge
Erwachsene in das FSJ gestartet. Die Freiwilligen
unterstützen mit ihrem Dienst Einrichtungen der
Jugend- und Jugendverbandsarbeit in Berlin,
orientieren sich beruflich im pädagogischen
und sozialen Bereich und können sich persönlich
weiterentwickeln. Das Netzwerk der 33 Einsatzstellen ist über ganz Berlin verteilt –
von Spandau bis Marzahn und von
Neukölln bis Reinickendorf.

Themen Demokratie und Politik näherbringt“, so der FSJler.

Das FSJ-Projekt wird gefördert aus Mitteln der Europäischen Union (Europäischer Sozialfonds) sowie des Bundesministe‑
riums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

19

RÄUME FÜR JUGENDARBEIT SCHWINDEN

„DIE JUGENDARBEIT HAT
BEIM KAMPF UM RÄUME IN
DIESER STADT SCHLECHTE
STARTCHANCEN“

Das Jahr 2019 hat mit der Schließung der
selbstverwalteten Jugendzentren Potse &
Drugstore begonnen. In Berlin steigt der
Druck auf soziale Einrichtungen, auch auf
Jugendverbände. Woran liegt das?

Wohnungsnot, Schulbau­
offensive, Kita-Krise.
In Berlin verschärft sich der
Wettbewerb um Flächen und
Freiräume, auch für Jugendverbände. Über Verdrängung
und schwindende Räume für
Jugendarbeit spricht Landesjugendring-Geschäftsführer
Tilmann Weickmann.

Die Jugendarbeit hat beim Kampf um Räume in dieser Stadt

der Jugendarbeit als Jugendliche_r nicht einklagen. Wenn

Heißt das, Jugendverbände werden bei Flächenplanungen nicht berücksichtigt, weil sie
oft keine bezirklichen, sondern landesweitete Angebote machen?

Bezirke soziale Infrastruktur-Konzepte entwickeln, haben

Ja, denn Jugendverbände werden nicht durch die Bezirke,

daher Schule und Kindertagesbetreuung immer Vorrang

sondern durch das Land gefördert. Eine Berücksichtigung

vor Einrichtungen der Jugendarbeit. Die Bezirke sind auch

von selbstorganisierten Angeboten der Jugendverbände

nicht verpflichtet, Jugendarbeit bei der Entwicklung der

findet in der Flächenplanung auf Landesebene nicht statt,

sozialen Infrastruktur-Konzepte zu berücksichtigen. Ange‑

da diese Planung in die Zuständigkeit der Bezirke fällt. In

bote der Jugendarbeit wie Jugendfreizeiteinrichtungen,

der bezirklichen Jugendhilfeplanung hingegen werden

aber auch notwendige Büroräume mit Gewerbemietver‑

Jugendverbände aufgrund ihrer landesweiten Förderung

trägen stehen zudem vor dem Problem, Mietsteigerungen

oft nicht oder nur unzureichend wahrgenommen. Ent‑

nicht mehr finanzieren zu können, weil die Zuwendungen

sprechend werden Bedarfe der Jugendverbände bei der

nicht an die Mietpreisentwicklung angepasst werden.

bezirklichen Planung der notwendigen Flächen für die

schlechte Startchancen, weil es für sie keine sogenannten
individuellen Rechtsansprüche gibt. Das heißt: Anders als
beispielsweise bei einem Kitaplatz kann man ein Angebot

20

„

IN DE R BE ZIR KLICH EN JUG END H ILFEPLANUNG WER DEN
JU GE NDVERB ÄN D E AUFG R UN D IH R ER LAND ESWEI TEN
FÖ RDE RUNG OFT NICH T OD ER NUR UNZUREICHEN D
WAH RG ENOM M EN .“

soziale Infrastruktur kaum berücksichtigt. Betroffen sind
hier sowohl Freiflächen als auch Gruppenräume für päd‑
agogische Angebote an Jugendliche aber auch Büroräume.
Das gleiche Problem haben wir bei der entgeltfreien Über‑
lassung von Flächen und Räumen, die sich im Vermögen
des Landes Berlin befinden.

Und was könnte man dagegen tun?

echtes Hindernis. Ein dritter Verband steht gerade vor der
Frage, wie er eine angekündigte Mieterhöhung stemmen

Flächen und Immobilien für Einrichtungen und Angebote

kann und ob dafür das Seminarangebot verschlankt werden

der Jugendarbeit müssen erhalten werden oder besser

muss. Auch eine Jugendfreizeit­einrichtung in Trägerschaft

ausgebaut werden, denn die Zahl der Jugendlichen in Ber‑

eines Jugendverbandes in Mitte musste den Standort auf‑

lin wächst ja seit einigen Jahren. Ganz wichtig ist da das

geben und umziehen.

Jugendfördergesetz, das zurzeit erarbeitet wird. Hier muss
klar gesetzlich geregelt werden, wie viele Angebote der
Jugendarbeit es geben soll – gemessen an der Zahl der

Und was will der Landesjugendring gegen
die Verdrängung tun?

Kinder und Jugendlichen. Mit so einer gesetzlichen Grund‑

Wir versuchen verstärkt, auf das Problem aufmerksam zu

lage wäre dann auch die Planung von dazu notwendigen

machen, vor allem im politischen Raum. Mit der Jugend­

Flächen verbindlich. Bei Neubauvorhaben im Wohnungs‑

senatorin Sandra Scheeres und Staatsekretärin Sigrid

bereich müssen Räume und Flächen für Einrichtungen und

Klebba stehen wir dazu bereits in Kontakt. Im Landes‑

Angebote der Jugendarbeit verbindlich mitgeplant werden.

jugendhilfeausschuss haben wir bereits sehr deutlich

Jugendverbände müssen außerdem in der bezirklichen

gemacht, wie wichtig das Thema für die Jugendarbeit und

Planung berücksichtigt werden, auch wenn sie vom Land

die Jugendverbände ist. Auch unsere Mitgliederversamm‑

gefördert werden. Und die Zuwendungen für Jugendver‑

lung 2019 hat das Thema zum Schwerpunkt: Wir treffen

bände müssen an die steigenden Mieten angepasst wer‑

uns an einem „symbolischen Ort“, nämlich auf einer von

den.

einer Pfadfinder_innengruppe genutzten Freifläche in
Tempelhof. Hier soll ein neues Wohngebiet entstehen, was

Welche Folgen haben denn die massiven
Mietsteigerungen der letzten Jahre für Angebote der Jugendarbeit?

die Fortsetzung der Arbeit der Pfadfinder_innen in Frage

Zwei unserer Mitgliedsverbände mussten in den letzten

Arbeit zu entwickeln – das kann also ein positives Beispiel

Jahren bereits ihre, für Ehrenamtliche gut erreichbaren, zen‑

dafür werden, wie man mit dem Problem der fehlenden

tralen Standorte aufgeben und an schlechter erreichbare

Räume für Jugendverbände umgehen kann.

gestellt hat. Der Bezirk bemüht sich hier aber sehr, gemein‑
sam mit den Pfadfinder_innen eine Perspektive für ihre

Standorte umziehen, weil sie die Miete nicht mehr bezah‑
len konnten. Das ist für das ehrenamtliche Engagement ein

„

B EI N E U B AU VO RHA BE N IM WOH N UN G SB EREICH M ÜSSEN R ÄUM E
UN D F L ÄCHE N FÜ R E INRIC HTUNGEN UND ANGEB OTE D ER
J U G E N DARBE IT VE RBINDLICH MITG EPLAN T WERD EN . “
21

INTERNATIONALE JUGENDBEGEGNUNGEN

VON ULAN BATOR
AN DIE OSTSEE

E

ine riesige, handgezeichnete Weltkarte mit unzäh‑
ligen kleinen grünen Fähnchen begrüßte die Besu‑
cher_innen des Politischen Abends mit dem Titel

„Grenzen überwinden“ am 9. Oktober 2018 in der Forum
Factory. „Wo Berliner Jugendverbände junge Menschen mit
der Welt zusammenbringen“ war über der Karte zu lesen.
Aber was bedeutet es eigentlich, an einer internationalen
Begegnung teilzunehmen? Menschen aus Jugendverbän‑
den, Politik und Fachöffentlichkeit tauschten sich dazu

Jedes
Jedes Jahr
Jahr bieten
bieten Berliner
Berliner
Jugendverbände
bis
Jugendverbände etwa
130 internationale
internationale
zu 130
Jugendbegegnungen für rund
3.500 Teilnehmende an. Die
Begegnungen sind weit mehr
als eine Urlaubsreise. Gerade
in diesen Zeiten brauchen
sie gute Förderung, so
Staatsekretärin Sigrid Klebba
beim Politischen Abend des
Landesjugendrings.

beim Politischen Abend aus, in Runden präsentierten fünf
Jugendverbände ihre Begegnungen.
in der Mongolei eine gemeinsame Steppentour machen

Augenhöhe statt Urlaub

und zusammen ein zweisprachiges Lied komponieren oder

„Begegnungen mit jungen Menschen anderer Länder

Jugendliche der BUNDjugend ökologische Aktionen mit

sind viel mehr als eine Urlaubsfahrt“, sagt Marcel Hoyer,

jungen Umweltgruppen aus Ägypten planen und durchfüh‑

Vorsitzender des Landesjugendring Berlin. „Jugendliche

ren liegt das auf der Hand.

begegnen sich hier auf Augenhöhe. Lokales und globa‑
les Handeln der Jugendverbände verbinden sich dabei.“

Solche Begegnungen stehen immer auch für Vielfalt, Tole‑

Wenn Pfadfinder_innen aus Berlin mit Pfadfinder_innen

ranz und Weltoffenheit. „Erfahrungen im Ausland beugen
Ressentiments und Ausgrenzen des Fremden vor“, betonte

22

388

internationale



Jugendbegegnungen von 2015 bis 2018

Sigrid Klebba, Staatssekretärin für Jugend und Familie in
Berlin, in ihrer Eingangsrede. Sie selbst sei in den 80er

In weiteren Runden berichtet der Bund der Deutschen

Jahren bei Jugendbegegnungen in Georgien und Ungarn

Katholischen Jugend (BDKJ) Berlin über den Israel-Aus‑

gewesen – und habe sich hierbei unter anderem intensiv

tausch „Shaping Identities“, bei dem Jugendliche beider

mit Genderthemen auseinandergesetzt. „Anders als im

Länder ein Theaterstück auf die Beine gestellt haben und

Urlaub ermöglichen Jugendbegegnungen auch immer sozi‑

die Sportjugend Berlin über den Simultanaustausch mit

alen Austausch“, so Klebba, die sich anschließend in der

Japan, bei dem jedes Jahr rund 125 Jugendliche die Pers‑

Kugellager-Diskussion mit den anderen Gästen über Erfah‑

pektive und die Länder tauschen. Die BUNDjugend Berlin

rungen, Erinnerungen und bessere Rahmenbedingungen

erzählt in einer weiteren Runde vom Ägypten-Austausch,

solcher Austausche auseinandersetzte.

den ehemalige Teilnehmende mittlerweile mit knappem
Budget komplett selbstorganisiert durchführen.

Steppentour, Öko-Aktivismus oder Sport in
Japan

Sind die Jahre des Sparens vorüber?

Teilnehmende
14.000

„Nach unserem gemeinsamen Zeltlager mit der mongo‑
lischen Pfadfinder_innen-Partnergruppe bei Ulan Bator
haben wir eine Nomad_innenfamilie besucht und eine Tour
durch die Steppe gemacht“, erzählt Sebastian vom Bund
der Pfadfinderinnen und Pfadfinder Berlin in einer von fünf



Stuhlkreis-Runden bei der Veranstaltung. Auf einem Moni‑

in vier Jahren

tor läuft eine Fotoshow mit Bildern der Begegnung. Dar‑
auf sind viele lachende Gesichter zu sehen. Drei Wochen

„Unser Ägypten-Austausch wird vom Auswärtigen Amt

lang sei die Gruppe in der Mongolei unterwegs gewesen –

gefördert, was schon ziemlich gut ist“, sagt Björn von der

organisiert hätten die Fahrt ausschließlich Ehrenamtliche.

BUNDjugend. „Mittel, die man über Erasmus+ bekommen

„Bei der Rückbegegnung sind wir mit den mongolischen

kann, würden für die vier Wochen kaum reichen.“ Um

Jugendlichen an die Ostsee gefahren. Viele von ihnen hat‑

zusätzlich Kosten zu sparen und die Teilnahme-Gebühr

ten noch nie das Meer gesehen.“

wenigstens etwas zu senken, hatten sie eine nachhaltige
wie kreative Idee: Das Essen der Begegnung wird zu 80

Doch nicht nur interkulturell lernen junge Menschen viel

Prozent aus weggeworfenen Lebensmitteln hergestellt.

über das Leben gleichgesinnter Jugendlicher in anderen

Trotzdem sind die Teilnahmekosten bei internationalen

Ländern. Gerade Gemeinsamkeiten zu entdecken verbindet

Begegnungen für Jugendliche häufig recht hoch, nicht jede

über Grenzen hinweg. Bettina von der Jugendbildungsstätte

Familie kann das stemmen.

Kurt Löwenstein berichtet von den deutsch-polnischen
Mädchenbegegnungen, die es nun schon seit zehn Jahren

„Internationale Jugendarbeit ist aufwändig. Dafür braucht

gibt. Die Mädchen setzen sich bei „Girls Bite“ mit Rollenbil‑

es gute Rahmenbedingungen“, betont Marcel Hoyer. „Daran

dern, Empowerment und Selbstbehauptung auseinander –

teilzunehmen kann sich nicht jede_r Jugendliche leisten.“

und analysieren dabei zum Beispiel Geschlechterrollen in

In den Jahren des Sparens sei der Bereich internationale

der Werbung oder von YouTuber_innen beider Länder.

Jugendbegegnungen politisch vernachlässigt worden, gab

6

auch Sigrid Klebba zu. „Es ist ein Bereich, der heute mehr
Belebung erfährt und gerade in diesen Zeiten gefördert
werden muss.“

Internationale Jugendbegegnungen auf



Kontinenten

- die Antarktis fehlt noch
23

FÖRDERUNG VON JUGENDVERBÄNDEN

EIN BISSCHEN
DURCHPUSTEN

Über Jahre stagnierte die
Förderung der Jugendverbände
– trotz steigender Kosten und
einer Zunahme von Kindern
und Jugendlichen in Berlin.
Nun gibt es mehr Geld und ein
Jugendfördergesetz ist auf dem
Weg. Ist damit jetzt alles gut?
pusten“, sagt Thomas Deutsch, Geschäfts‑

„W

Tatsächlich konnte der Landesjugendring Berlin für die

führer des Christlichen Vereins Junger

Jahre 2018 und 2019 insgesamt 200.000 Euro mehr Lan‑

Menschen in Berlin und Brandenburg, dem CVJM-Ost‑

desmittel an die Mitgliedsverbände weiterleiten. Da Berlin

werk. „Die bessere Förderung erleichtert maßgeblich die

wächst und weiterhin viele Kinder und Jugendliche neu in

Finanzierung unserer Kinder- und Jugendarbeit. Dadurch

die Stadt kommen, gibt es mehr Nachfrage nach Jugend‑

können wir unter anderem Beiträge für unsere Angebote

gruppen, Seminaren, internationalen Jugendbegegnungen

niedrig halten und auch Mädchen und Jungen, deren Fami‑

oder Ferienfreizeiten der Jugendverbände. Die erhöhte För‑

lien mitunter mit wenig Geld auskommen müssen, die Teil‑

derung soll das auffangen. Davon unabhängig hat das Land

nahme ermöglichen“, sagt Thomas Deutsch. „Das ist zum

mehr Geld bereitgestellt, damit die Jugendverbände ihre

Beispiel der Fall bei unserer TEN SING Ostwerkstatt, einem

Mitarbeiter_innen nun annähernd tarifgerecht bezahlen

einwöchigen Musikseminar, bei dem die Teilnehmenden

können. Außerdem bekommt Berlin ein Jugendförderge‑

mit Tanz, Theater und Gesang eine eigene Bühnenshow

setz, das in Zukunft für eine bedarfsgerechte Finanzierung

entwickeln.“

in den Bezirken und auf Landesebene sorgen und verbind‑

ir können jetzt endlich ein bisschen durch‑

liche Standards für die Jugendarbeit festlegen soll.

24

„

U M A K TU E LLE H ERAUSFOR D ER UN G EN D ER JUG ENDAR B EI T
A NGEH EN ZU KÖN N EN, BR AUCH T ES AUCH M EH R
FACH LICH EN INP U T.“

Natürlich hat die Arbeit mit inhaltlichen Schwerpunkten
wie Demokratiebildung, Integration oder Inklusion mit
Kosten zu tun. Inwieweit Jugendverbände beispielsweise
Seit 2011 war die Förderung der Jugendverbände relativ

inklusive Angebote machen können, hängt schließlich

zu Tarifsteigerungen und Preisindex stetig geschrumpft.

davon ab, ob finanzielle Mittel für einen barrierefreien

Für viele war die Förderung von Bildungs- und Ferienmaß‑

Zugang zur Freizeiteinrichtung, eine inklusive Website

nahmen nicht mehr kostendeckend. Auf diesen Missstand

oder qualifizierte Betreuung vorhanden sind. Die Förde‑

hatte der Landesjugendring Berlin die Politik immer wie‑

rung muss auch 2020 und 2021 mit der Stadt mitwachsen.

der aufmerksam gemacht. Jetzt können die Teilnahmebei‑

Denn die Zahl junger Menschen in Berlin wird weiter stei‑

träge für einzelne Angebote geringer gehalten werden.

gen, bis 2030 sollen 36.000 Kinder und Jugendliche neu

Das ermöglicht zum Beispiel mehr sozial benachteiligten

dazukommen.

Kindern und Jugendlichen an Angeboten teilhaben zu
können. Auch aktuelle Themenfelder wie Inklusion, Demo‑

Die 200.000 Euro mehr für 2018 und 2019 haben dafür

kratiebildung, die Integration von Geflüchteten, politische

gesorgt, dass Jugendverbände ihre Angebote an Kinder und

Bildung oder Kooperation mit Schule zu bearbeiten wird

Jugendliche in der Stadt einigermaßen finanzieren können.

den Jugendverbänden durch die gestiegenen finanziellen

Die erhöhte Förderung kann jedoch nicht die gestiege‑

Mittel erleichtert.

nen Gewerbemieten ausgleichen, die viele Verbände für
ihre Räume heute bezahlen müssen. Das zusätzliche Geld

Geld ist das eine. Doch um aktuelle Herausforderungen der

reicht auch nicht, um die allgemeinen Preissteigerungen

Jugendarbeit angehen zu können, braucht es auch mehr

auffangen zu können. Die neuen Zelte für die Sommerfrei‑

fachlichen Input – die Themen müssen analysiert und auf‑

zeit sind in den letzten zehn Jahren nämlich auch nicht bil‑

bereitet werden, zum Beispiel durch den Landesjugendring.

liger geworden.

„Für uns wäre es enorm wichtig, noch mehr thematische
Impulse vom Landesjugendring bekommen zu können, ob
es dabei um Inklusion, Digitalisierung oder Angebote für
sozial Benachteiligte geht“, sagt Eva Jende von den Jungen
Humanist_innen. „Bei unseren Kinder-Erlebnis-Camps wol‑
len wir zum Beispiel gerade sozial benachteiligte Kinder
erreichen. Die Zielgruppe hat ganz eigene Bedarfe – und
darauf müssen wir auch eingehen können. Dafür wünschen
wir uns mehr konzeptionelle Unterstützung vom Landes‑
jugendring“, so die Jugendbildungsreferentin.

„

!|

 ie der Landesjugendring
W
Berlin fördert
Die öffentlichen Fördergelder für Jugendver‑
bände und Jugendbildungsstätten des Landes
Berlin vergibt der Landesjugendring seit 2015
als beliehenes Unternehmen des Landes. Er be‑
rät und begleitet seine Mitgliedsverbände, wenn
es Fragen zur Förderung gibt, prüft die Anträge
und stellt die Zuwendungsbescheide im Auftrag
des Landes aus. Auch die Auszahlung der Mittel
sowie die Prüfung der Verwendungsnachweise
übernimmt der Landesjugendring.

D I E F Ö R DE RU NG MU SS A U C H 2020 UN D 2021 MIT D ER STADT
M I T WAC H S E N. DE NN DIE Z A HL JUNGER MEN SCH EN IN BERLIN
WI R D WE ITE R S TE IGE N.“
25

70 JAHRE LANDESJUGENDRING BERLIN

EIN TAG ÄLTER ALS DIE
CURRYWURST

Im September 1949 startete
der Landesjugendring Berlin
offiziell. 70 Jahre später, am
2. September 2019, feiert der
Landesjugendring das Jubiläum
im frannz Club.

K

eine goldgerahmte Urkunde, kein feierlich unterzeich‑
netes Gründungsdokument. Das einzige im Landesju‑
gendring-Archiv vorhandene Papier zur Gründung ist

bulente Zeit, wie aus dem Bericht eines ­Alfred Teichmann aus

die erste Satzung. Unterzeichnet wurde sie am 3. September

dem Jahr 1950 hervorgeht: „Im Anfang hemmte die FDJ durch

1949 von sechs Berliner Jugendverbänden im Rahmen einer

ihre Propagandareden die sachliche Arbeit“, heißt es da. Nach

außerordentlichen Sitzung. Einen Tag später erfand Herta

der ersten Berlin-Krise 1948/1949 mit der sowjetischen Blo‑

Heuwer in ihrem Kiosk auf der Kantstraße die Currywurst.

ckade Westberlins wurde dann unter Ausschluss der FDJ der
Landesjugendring Berlin am 3. September 1949 gegründet.

Eigentlich war der Zusammenschluss der Berliner Jugendver‑
bände bei Gründung schon zwei Jahre alt: Bereits im Herbst

Zu den Gründungsverbänden gehörten bereits der Berli‑

1947 wurde der „Jugendring Groß-Berlin“ gegründet – unter

ner Landesverband der Sozialistischen Jugend Deutsch‑

Einschluss der Freien Deutschen Jugend (FDJ), die sich

lands – Die Falken, die Evangelische Jugend und die

damals noch als parteipolitisch unabhängig ausgab. Eine tur‑

Katholische Jugend, die Demokratische Jugend, ein Pfad‑
finder_innen-Verband sowie der Vorläufer der DGB-Jugend.
Während der 70 Jahre sind viele weitere Jugendverbände

26

„

B I S H E U TE GILT: JU GE NDVE RBÄN D E SIND WERKSTÄTTEN D ER D EMOKRATI E.“

Der Landesjugendring-Vorstand 1951

dazugekommen, heute sind 33 Verbände im Landesju‑
gendring Berlin zusammengeschlossen. Und bis heute gilt:
Jugendverbände sind Werkstätten der Demokratie, ob in
der jungen Bundesrepublik oder im Jahr 2019. Das hat die
Currywurst noch nicht geschafft.

Der Landesjugendring-Vorstand 2018

!|

 er Landesjugendring Berlin
D
feiert 70. Geburtstag!
Seit 70 Jahren vertreten wir die Interessen
junger Menschen, mischen uns in aktuelle
politische Diskussionen ein, setzen uns für
bessere Förderung und für Partizipation und
Mitbestimmung junger Menschen in allen
gesellschaftlichen Bereichen ein. Das ist ein
Grund zu feiern! Am 2. September 2019 ab
18 Uhr diskutieren wir im Berliner frannz
Club mit Politiker_innen über Demokratiebildung
durch Jugendverbände, wollen uns austauschen
und einen netten Abend mit Euch und Ihnen ver‑
bringen. Anmelden kann man sich bereits unter
www.ljrberlin.de/70JahreLJR.

27

ORGANIGRAMM

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WO WIR UNS EINBGRINGEN

AUSSENVERTRETUNGEN 2018
Der Landesjugendring Berlin
setzt sich in zahlreichen
Netzwerken, Ausschüssen
und Arbeitsgruppen für
die Interessen von Kindern
und Jugendlichen ein und
vertritt hier ihre Anliegen.
Eine Auswahl der wichtigsten
Außenvertretungen
im Jahr 2018:

(LJHA)
| Landesjugendhilfeausschuss
des Landes Berlin

„Kinder| Landeskoordinierungskreis
und Jugendpartizipation in Berlin“
(LAKOK)

in Berlin (aiB) – Landesnetz| aktiv
werk Bürgerengagement

für Kinder| Arbeitsgemeinschaft
und Jugendhilfe (AGJ)

| Landesnetzwerk U18 Berlin
| Musikschulbeirat

gegen Rechts
| Rundfunkrat des Senders rbb
| Beratungsnetzwerk
extremismus der Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen
Diskriminierung

Jugend-Demokra| Steuerungsgruppe
tiefonds

| Deutscher Bundesjugendring
Berlin – Fachbeirat des Berliner
| Jup!
Jugendportals

für Jugendarbeits| Landesausschuss
schutz

der Jugend- und
| Stiftungsrat
Familienstiftung (jfsb)

der Stiftung
| Kuratorium
Demokratische Jugend

29

WAS
JUGENDVERBÄNDE
LEISTEN

BERICHTE DER JUGENDVERBÄNDE

WAS JUGENDVERBÄNDE
LEISTEN
Jugendverbände sind Orte,
an denen Jugendarbeit von
jungen Menschen selbst organisiert, gemeinschaftlich
gestaltet und mitverantwortet
wird. Kinder und Jugendliche
lernen in Jugendverbänden,
Verantwortung für sich und
andere zu übernehmen. Sie
vertreten hier ihre eigenen
Interessen und setzen sich für
andere ein.

651

Kurse,

Seminare und Weiterbildungen
boten die Jugendverbände an*

Jugendverbände sind Orte nicht-formalen Lernens, an
denen sich Kinder und Jugendliche Wissen, Werte, Selbstund Sozialkompetenz aneignen. In Berliner Jugendverbän‑
den sind junge Menschen ehrenamtlich aktiv. Sie gestalten
Kinder- und Jugendgruppenarbeit, bilden Jugendleiter_‑
innen aus, organisieren Ferienfreizeiten, Bildungsseminare,
internationale Begegnungen oder Gedenkstättenfahrten
und kooperieren mit Schulen. Diese Angebote richten sich
an alle jungen Menschen, nicht nur an die Verbandsmit‑
glieder.

106

Internationale
Jugendbegegnungen organisierten
die Jugendverbände*

Alle Jugendverbände stehen für eine nachhaltige Kinderund Jugendarbeit, für Mitbestimmung und Partizipation von
jungen Menschen in allen gesellschaftlichen, politischen
und sozialen Bereichen. Sie stehen für selbstbestimmte
und selbstorganisierte Jugendarbeit innerhalb demokrati‑
scher Strukturen, für die Förderung und Anerkennung von
ehrenamtlichem Engagement sowie für Parteilichkeit und
Werteorientierung.

189

149

Projekte

und Werkstätten mit
jungen Geflüchteten haben
Berliner Jugendverbände
und Jugendbildungsstätten
von 2015-2018 im Rahmen
von „Jung, geflüchtet,
selbstbestimmt“
durchgeführt.

Ferienangebote
und Freizeitangebote machten Jugendverbände
Kindern und Jugendlichen in Berlin*

32

*Zahlen der Maßnahmestatistik 2017

Arbeiter-Samariter-Jugend Berlin

Berliner Jugendrotkreuz

Schulsanitätsdienst

Das Berliner Jugendrotkreuz heißt als Jugendverband und
Nachwuchsorganisation für Kinder und Jugendlichen von
6 bis 27 Jahren alle willkommen – freiwillig und kostenlos.
Im Zeichen der Menschlichkeit beschäftigen sich in Ber‑
lin aktuell über 800 Kinder und Jugendliche intensiv mit
Erster Hilfe, übernehmen selbstbestimmt Verantwortung,
leben Demokratie und setzen sich für andere ein.

Ein wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit in 2018 war die
Weiterführung eines Schulsanitätsdienstes an einer Neu‑
köllner Schule. Bei einem Unfall gilt es, schnell und ziel‑
gerichtet zu reagieren. Diese Rolle können Schüler_innen
als ausgebildete Schulsanitäter_innen selbst übernehmen.
Die Mitarbeit im Schulsanitätsdienst stärkt die Verantwor‑
tungsbereitschaft und fördert das Selbstbewusstsein und
die soziale Kompetenz der beteiligten Schüler_innen. In
2018 wurde bereits die zweite Generation von Schulsani‑
täter_innen ausgebildet.

Rettungsbienchen
Auch für kleine Kinder hat die ASJ Berlin in 2018 wieder
mehrere „Rettungsbienchen“-Kurse durchgeführt. Unser
ASB-Rettungsbienchen will den Kleinsten nicht nur die
Angst vor notfallmedizinischen Maßnahmen nehmen, son‑
dern die Kinder motivieren selbst Hilfe zu leisten.
In unserem Kurs erlernen die Kinder spielerisch, dass selbst
sie schon in der Not helfen können. Unsere speziell dafür
ausgebildeten Trainer_innen zeigen Kindern in Kitas und
Grundschulen in Berlin, wie wichtig es ist, Hilfe zu holen
und wie man kleine Wunden mit Pflastern selbst versorgt.
Ganz nebenbei stärken wir auch die soziale Kompetenz der
Kinder und sensibilisieren für Gefahrensituationen.

Weitere Schwerpunkte 2018
• Durchführung einer Multiplikator_innen Schulung,
um weitere Trainer_innen für die RettungsbienchenSchulungen auszubilden
• Unterstützung der Ferienfreizeiten unserer Regional­
jugenden
• Planung und Organisation von Aktionen und Seminaren
(z. B. Bowlingturnier, Juleica)

In den Berliner Bezirken gibt es Kinder- und Jugendgrup‑
pen, die sich wöchentlich treffen und sich mit Erster Hilfe,
Zivilcourage und mit den Inhalten der Rotkreuzbewegung
beschäftigen. Daneben bieten aktuell 42 Schulen in Ber‑
lin eine Schulsanitätsdienst-AG an, in denen die Jugend‑
lichen lernen, wie sie ihre eigene Schule sicherer machen
können und im Notfall helfen können.
Regelmäßige Veranstaltungen auf Landesebene sorgen
für gemeinsamen Spaß, gegenseitiges Kennenlernen und
sich ausprobieren, zum Beispiel bei Wettbewerben, beim
Rollstuhlschiebedienst auf der Messe oder bei Katastro‑
phenschutzübungen.
Im Jahr 2018 haben sich wieder über 20 Jugendliche ab
16 Jahren zu Sanitäter_innen ausbilden lassen und es
konnte eine Juleica-Schulung durchgeführt werden.

Weitere Schwerpunkte 2018
• Unser Neu-Berliner_innen-Projekt ging in sein erfolg‑
reiches zweites Jahr
• Für vier Krankenhausübungen stellte das JRK Verletztenmimen zur Erprobung der Katastrophenschutzpläne
• Auf dem Landeswettbewerb für alle Altersstufen haben
sich gut 80 JRKler_innen in Erster Hilfe und Rot-KreuzWissen gemessen

33

BERICHTE DER JUGENDVERBÄNDE

Berlin

Bund der Deutschen Katholischen Jugend
(BDKJ), Diözesanverband Berlin
Der BDKJ ist der Dachverband der katholischen Jugend‑
verbände. Unsere Mitgliedsverbände sind eigenständige
Verbände mit eigenen Zielsetzungen und Strukturen.
Gemeinsam stehen sie ein für Freiwilligkeit, christliche
Werteorientierung, Selbstbestimmung innerhalb demo‑
kratischer Strukturen, Selbstorganisation und qualifizierte
Ehrenamtlichkeit. Im Land Berlin vertritt der BDKJ die Inte‑
ressen von über 65.000 katholischen Kindern und Jugend‑
lichen im Alter von 6 bis 27 Jahren.
Das Erstarken rechtspopulistischer Gruppen und frem‑
denfeindliche öffentliche Diskurse veranlassten den BDKJ
Berlin zur Initiierung des Projektes »Talmidim. Mutig für
Menschlichkeit.« Das Bildungsprogramm setzt sich aus
christlicher Perspektive mit unterschiedlichen Facetten
Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auseinander
und bildet Teamer_innen für rassismuskritische Projekt‑
tage aus. Dabei setzten wir auf verständliches Fachwissen,
kreative Methoden und eine Arbeitsatmosphäre, in der
sich die Teilnehmenden und die Teamer_innen als gleich‑
berechtigte Mitwirkende am gemeinsamen Lernprozess
verstehen.

Weitere Schwerpunkte 2018
• Mehrere hundert Jugendliche erlebten unseren Bistumsjugendtag mit Großgruppenspiel, Workshops und StrandGottesdienst.
• Unter dem Motto »Crossing Borders!« fand unsere dritte
deutsch-israelische Jugendbegegnung statt, bei der sich
die Teilnehmenden mit individuellen, gesellschaftlichen
und nationalen Grenzen beschäftigten.
• Auf unserer Diözesanversammlung haben wir nicht nur
eine neue Diözesanordnung beschlossen, sondern auch
drei katholische Jugendverbände aufgenommen.

34

BUNDjugend Berlin
„Mitmischen und laut werden“ war 2018 das Motto der
BUNDjugend Berlin. Mit vielen Aktionen und Demonstrati‑
onen haben wir auf unsere Meinung aufmerksam gemacht:
Gleich zu Beginn des neuen Jahres waren wir wie immer
in großer Zahl auf der „Wir-haben-es-satt!“-Demonstration
in Berlin dabei und haben uns in Tierkostümen für eine
gerechte und ökologische Landwirtschaft stark gemacht.
Beim Trashmob hat unser Arbeitskreis „Landwirtschaft
& Ressourcen“ mit selbstgebastelten und upgecycelten
Kostümen gegen den Plastikwahnsinn demonstriert. Beim
„PlastikFasten“ haben die Aktiven selbst ausprobiert über
sechs Wochen möglichst wenig Müll zu verursachen. Nach‑
dem wir schon auf der Anti-Kohle-Demo in Berlin mit‑
gemischt haben, ging es im Herbst zur Großdemo in den
Hambacher Wald, um vor Ort für den schnellen Kohleaus‑
stieg in Deutschland einzustehen.
Ein weiteres Highlight war eine große Kleidertauschparty
zur Eröffnung eines Fast-Fashion-Geschäfts. Denn wer
braucht schon neue Klamotten, wenn man auch tauschen
kann? Zum Ende des Jahres hat uns außerdem Greta Thun‑
berg dazu inspiriert, unsere Freitage lieber mit Demonst‑
rieren für das Klima als mit Schule oder Uni zu verbringen,
und so waren wir bei den „Fridays for Future“ dabei.

Weitere Schwerpunkte 2018
• das FRE!LAUF DIY BIKE CAMP mit 200 Fahrradaktivist_‑
innen aus ganz Deutschland
• eine Ringvorlesung zu „Postwachstum & Du“ an der
Beuth-Hochschule mit jeweils 60 bis 80 Teilnehmenden
• Vielseitige Seminare, Workshops und Exkursionen

CVJM-Ostwerk e.V., Landesverband
Berlin-Brandenburg

Deutsche Schreberjugend,
Landesverband Berlin e.V.

„Hässlich willkommen“ – Junge Geflüchtete schreiben ein
Buch: Über Geflüchtete ist viel geredet worden, dafür zu
wenig mit ihnen. Wie sieht ihr „neues“ Leben nach der
Flucht aus? Wovon träumen sie? Antworten lieferte 2018
das Buch „Hässlich willkommen. Texte über Flucht und
Heimat“, in dem junge Erwachsene mit Fluchthintergrund
einen Einblick in ihr Leben, Fühlen und ihre Hoffnungen
geben. Der Christliche Verein Junger Menschen in Berlin
und Brandenburg, das CVJM-Ostwerk, hat das Buchprojekt
initiiert, um jungen Geflüchteten eine Stimme zu geben.

Patenförsterprojekt Schule im Wald®: Ein Schwerpunkt
unserer Arbeit in 2018 bestand in der Etablierung und dem
Ausbau des erfolgreichen Patenförsterprojektes Schule im
Wald®. Dieses seit 2008 bestehende, bisher einzigartige
Kooperationsprojekt bietet Neuköllner oder Weddinger
Vor- und Grundschulkindern kontinuierlich für mehrere
Stunden die Möglichkeit, sich den Wald als Lern-, Spielund Rückzugsraum zu erobern.

Hervorgegangen sind die Texte aus der Schreibwerkstatt
des CVJM-Ostwerk, einer Workshopreihe für junge Geflüch‑
tete aus Berlin, die die Poetry Slammerin Petra Lampe lei‑
tete und die der Landesjugendring im Rahmen des Projekts
„Jung, geflüchtet, selbstbestimmt“ förderte. Gemeinsam mit
Lesebühnenautor Karsten Lampe gab das Autorenpaar den
Erzählband heraus. Darin beschreiben die Geflüchteten auch
das Spannungsverhältnis, in dem sie sich in Deutschland
wiederfinden: die Erleichterung ob der geglückten Flucht,
aber auch die Sorgen danach, die Frage nach dem Zurück‑
gelassenen und der neuen Heimat, die Hilfsbereitschaft der
Deutschen, aber eben auch das Wissen darum, nicht bei
allen willkommen zu sein. Das Buch „Hässlich willkommen.
Texte über Flucht und Heimat“ ist im Satyr-Verlag erschienen
und trägt die ISBN-Nummer: 978-3-947106-08-0.

Weitere Schwerpunkte 2018
• „Klinkenkids“: Der CVJM Region Bad Belzig bietet Spielan‑
gebote für Kinder, die aus sozial benachteiligten Familien
stammen.
• „CVJM Outdoor Guide“: Frischen Wind in die Jugendarbeit
will das CVJM-Ostwerk mit einer neuen erlebnispäda‑
gogischen Fortbildung für ehrenamtliche Mitarbeitende
bringen.
• „Ick brauch keen Hawaii“: Das Christliche Jugendfestival
auf dem Tempelhofer Feld begeisterte bei hawaiihaft som‑
merlichen Temperaturen. Mitorganisiert vom CVJM Berlin.

Die Kinder entdecken, erforschen und erfahren gemein‑
sam mit zwei Waldpädagog_innen den Forst Grünau, Tegel
oder Blankenfelde. Für die meisten Kinder sind dies erste
Begegnungen mit einem Wald und seinen Bewohnern. Hier
können sich die Kinder frei bewegen, durchatmen und zur
Ruhe kommen, was sich positiv auf ihre seelische Gesund‑
heit auswirkt.
Weitere Schulen und Kitas sowie neue Kooperationspart‑
ner konnten gewonnen werden. Die Weiterfinanzierung
ist gesichert, sowie ein Ausbau des Projektes angedacht,
um dem anhaltend großen Interesse an Schule im Wald®
gerecht zu werden. Außerdem haben wir 2018 unser Kin‑
der- und Jugendzentrum „InSideOut“, das Familiencafé im
Quartier Mosse und das Sonnenhaus weitergeführt.

Weitere Schwerpunkte 2018
• Ferienreisen in Bayern und an der Ostsee. Internationale
Jugendbegegnung mit Griechenland
• Juleica- Ausbildungen und weitere Seminare
• Fortführung des Kids-Kiezgarten. Mehr Raum für Kids
• Verwaltung des Jugendfonds Demokratie Leben für
Partnerschaft für Demokratie im Bezirk Charlottenburg –
Wilmersdorf und Verwaltung des Jugendfonds Demokra‑
tiefonds „stark gemacht“ der jfsb.

35

BERICHTE DER JUGENDVERBÄNDE

DGB Jugend Berlin-Brandenburg
Bezahlbarer Wohnraum ist in Berlin ein knappes Gut gewor‑
den. Auch für Auszubildende, Studierende und Berufsein‑
steiger_innen wird es immer schwieriger ein Dach über
dem Kopf zu finden. Die DGB Jugend Berlin-Brandenburg
hat sich 2018 daher das Schwerpunktthema „Bezahlba‑
rer Wohnraum, auch für junge Menschen“ gesetzt. Neben
Veranstaltungen und Artikeln zu dem Thema wurde auch
ein Fragebogen konzipiert, mit welchem wir gezielt Azubis
angesprochen haben um mehr über ihre Lage zu erfahren.
Die Auswertung dieser Bögen wird 2019 erfolgen.
Auch 2018 hat uns der gesellschaftliche Rechtsruck weiter‑
hin vor große Herausforderungen gestellt. Bündnisarbeit,
um gemeinsam starke Zeichen gegen rechte Aufmärsche
und Demos zu setzen, war eine zentrale Aufgabe für uns,
ebenso wie eine Ausweitung unserer demokratiefördern‑
den, anti-rassistischen und anti-sexistischen Projekttage.
Insgesamt wurden 2018 134 Projekttage an allgemeinbil‑
denden Schulen sowie Berufsschulen durchgeführt.
Auch 100 Jahre nach Erkämpfung des Frauenwahlrechts
gab es 2018 noch viel im Rahmen der Geschlechtergerech‑
tigkeit sowie der sexuellen Selbstbestimmung und Viel‑
falt zu tun. Die DGB Jugend Berlin-Brandenburg hat einen
Arbeitskreis LGBTIQ* gegründet, die den 8. März politisch
mit Aktionen begleitet und erstmals am CSD teilgenom‑
men.

36

Evangelische Jugend Berlin-Brandenburgschlesische Oberlausitz (EJBO)
„Wellness after Dark“, so lautete das Motto des Landes­
jugendcamps, das vom 08.06.-10.06.2018 im Familien­
garten Eberswalde stattfand. Rund 450 Teilnehmende
sorgten für eine abwechslungsreiche und bunte Atmo‑
sphäre. Mit der Gruppe „Camp barrierefrei“ wurde auch
das Thema Inklusion in die Vorbereitung des Camps inte‑
griert und so Jugendlichen mit körperlichen oder geistigen
Beeinträchtigungen eine möglichst barrierefreie Teilnahme
ermöglicht.
Viele unterschiedliche Angebote aus den Kirchenkreisen
sorgten für ein lebhaftes Treiben auf dem Gelände. So gab es
beispielsweise die Möglichkeit an Workshops teilzunehmen,
künstlerisch tätig zu werden, sich an einer Schwarzlichtbar zu
erfrischen oder an einer Fotoaktion teilzunehmen.
Auch die Freilichtbühne des Familiengartens wurde in das
Camp integriert. Tagsüber luden mehrere Akrobatik-Tücher
die Jugendlichen dazu ein, sich in artistischen Übungen
auszuprobieren. An den Abenden klang dann Musik unter‑
schiedlicher Bands. Ein Höhepunkt der Bühnengestaltung
war dabei ein Hörspielgottesdienst, welcher durch Gebär‑
dendolmetscher_innen auch für nicht-hörende Jugendli‑
che erlebbar wurde.

Weitere Schwerpunkte 2018

Weitere Schwerpunkte 2018:

• Ausbau der Studierendenarbeit: Durchführung einer
Ringvorlesung an der TU Berlin zum Thema „Transforma‑
tion der Arbeitswelt“
• BBiG-Novellierung und gute Ausbildungsbedingungen:
Das Berufsbildungsgesetz bedarf einer Überarbeitung.
Vor allem eine Mindestausbildungsvergütung muss her
und wurde von uns offensiv gefordert.
• Mobile Erreichbarkeit und stressbedingte Krankheiten:
Unser Ausbildungsreport 2018 hat aufgezeigt, dass von
vielen Azubis auch nach der regulären Arbeitszeit eine
Erreichbarkeit verlangt wird, was zu mehr Stress und
weniger Ruhephasen führt. Hiergegen spricht sich die
DGB Jugend aus.

• März 2018: Fotoshooting zu unserem bald erscheinenden
JugendVerbandsKasten, einem 360°-Ratgeber zur Jugend‑
verbandsarbeit.
• September 2018: Landesjugendversammlung zu den
Themen Interreligiöser Dialog und Gender / Diversität.
• Dezember 2018: Mit dem Filmdreh der „ejboschau“ wird
das Thesenprojekt #rEJBOmation abgeschlossen.

Jugendbund djo­Deutscher Regenbogen,
Landesverband Berlin e.V.

Jugendnetzwerk Lambda Berlin
Brandenburg e.V.

Entdecke mit uns (d)ein spannendes Land!

Im vergangenen Jahr ist für uns ein lang gehegter Traum
in Erfüllung gegangen. Das Jugendnetzwerk Lambda Ber‑
lin-Brandenburg e.V. durfte im September Berlins erstes lan‑
desweites queeres Jugendzentrum eröffnen. Dafür haben
wir uns seit 2012 stark gemacht, über 2.000 Unterschriften
für eine Petition gesammelt, mit Politiker_innen und Verwal‑
tungsangestellten gesprochen und den Bedarf für ein quee‑
res Jugendzentrum bei allen Gelegenheiten thematisiert.

Mit Blick auf seine Verbandsgeschichte und die euro‑
päischen Werte versteht der djo-Regenbogen Berlin die
Internationale Jugendarbeit als Beitrag zur Verständigung
zwischen jungen Menschen sowie als Brückenschlag zwi‑
schen Ost und West. Deshalb fördern wir die Begegnung
von Jugendlichen aus Deutschland und Russland, und dar‑
über hinaus.
Viele junge Berliner_innen leben in Familien, die aus rus‑
sischsprachigen Ländern nach Deutschland kamen. Diese
Jugendlichen beschäftigen sich oft intensiv mit ihrer kultu‑
rellen Zugehörigkeit. Der internationale Jugendaustausch
ermöglicht ihnen, ihre kulturellen Wurzeln zu erforschen
und ihre sprachlichen Kompetenzen als Ressource zu
nutzen. Für diese Jugendliche ist ihr Engagement im
deutsch-russischen Austausch eine Herzensangelegenheit.
2018 fand der erste internationale Jugendaustausch der
Meinungsmacher.innen statt. In den Sommerferien erkun‑
deten die Berliner Jugendlichen die russische Stadt Samara.
In den Herbstferien luden sie ihre neuen Freund_innen
aus Russland dazu ein, gemeinsam Berlin zu entdecken.
Dabei entstand die Postkartenserie „Samara entdecken!“,
die die Meinungsmacher.innen verbreiten, um auch andere
Jugendliche für internationale Jugendarbeit zu begeistern.

WEITERE SCHWERPUNKTE 2018
• Projekt „meinungsmacher.in international“: Förderung der
Chancengleichheit in der Internationalen Jugendarbeit
• Mitwirkung im Projekt „Vom FÜR zum MIT“: Stärkung der
Selbstorganisation von jungen Geflüchteten unter dem
Dach des djo-Regenbogen Berlin
• MJSO-Projektförderung: Professionalisierung der Jugend‑
arbeit von Vereinen junger Migrant_innen unter dem Dach
des djo-Regenbogen Berlin
• Projekt „KulTourMobil“: kulturelle Bildungsarbeit zu den
Themen Migration, Integration und kulturelle Vielfalt an
Schulen und bei Straßenfesten

Um alle Ideen in die Tat umzusetzen, haben wir neue Kol‑
leg_innen einstellen können, die sich, zusammen mit unse‑
rem ehrenamtlichen Team, daran gemacht haben, zwei
neue Jugendgruppen (für trans* Jugendliche unter 16 und
für queere Jugendliche mit Lernschwierigkeiten), Jugend‑
fahrten und viele tolle Angebote, wie z. B. einen offenen
Jugend-Kochabend, zu planen und umzusetzen.
Neben der ganzen Arbeit rund um das queere Jugendzen‑
trum sind natürlich auch unsere Tätigkeiten als queerer
Jugendverein nicht zu kurz gekommen. So hatten wir im
letzten Jahr mehrere Treffen mit nationalen und internatio‑
nalen Jugendgruppen, bei denen wir uns ausgetauscht und
neue Freundschaften geschlossen haben. Allerdings sto‑
ßen wir inzwischen massiv an unsere räumlichen Grenzen.

Weitere Schwerpunkte 2018
• In Zusammenarbeit mit dem Landesverband AndersARTiG
e.V haben wir das 20. Jahr der LesBI*Schwulen T*our
durchgeführt, einer Akzeptanzkampagne in Brandenburg.
• In Kooperation mit Gladt e.V. trifft sich nun zweiwöchent‑
lich die „As you are“-Gruppe bei uns, die sich an queere
BpoC Jugendliche richtet.
• Über unser Projekt „queer@school“ ist das spannende
Leseheft „Zwergenaufstand beginnen – Riesenansprüche
platt machen“ zum Thema „gesellschaftlicher Druck und
wie du mit ihm umgehen kannst“ entstanden.

37

BERICHTE DER JUGENDVERBÄNDE

JungdemokratINNen/Junge Linke (JD/JL)
Berlin

Junge Europäische Bewegung BerlinBrandenburg e.V. (JEB)

Während wir uns 2018 weiterhin mit dem gesellschaft‑
lichen Rechtstruck sowie der zunehmenden Digitalisie‑
rung befasst haben, stellten (Queer-)Feminismus und
Geschlechterfragen sowie der Umgang mit Rassismus in
und außerhalb der Jugendverbandsarbeit einige unserer
Schwerpunkte dar. Die Auseinandersetzung mit antisexis‑
tischen und antirassistischen Praxen stärkte dabei das soli‑
darische Miteinander unserer Aktiven und eröffnete auch
2018 wieder neue Perspektiven darauf, wie eine radikal‑
demokratische Gesellschaft aussehen könnte.

Europa erleben – Europa verstehen – Europa gestalten!
Dies waren auch im Jahr 2018 die Leitmotive unserer Akti‑
vitäten. Im Januar und Februar konnten insgesamt 400
Schüler_innen alle drei Ziele in unserer jährlichen Simu‑
lation Europäisches Parlament (SIMEP) im Berliner Abge‑
ordnetenhaus vereinen. Die Teilnehmenden schlüpften in
die Rollen von Europaabgeordneten und diskutierten über
die Zukunft der EU sowie Themen des internationalen Ter‑
rorismus und lernten politische Prozesse somit hautnah
kennen.

Diese und viele weitere Themen nahmen wir auf unser
diesjähriges Sommercamp in den Schwarzwald mit, wo wir
zudem über Klima- und reproduktive Gerechtigkeit disku‑
tiert haben und viel Wissens- bzw. Skill-Sharing betrieben
haben.

Europa erleben stand im Mittelpunkt verschiedener Aus‑
tausche mit unseren Partnersektionen. Im Mai haben wir in
Paris gemeinsam mit unseren Freund_innen aus Warschau
und Paris während eines Seminars im Format des Weimarer
Dreiecks neue europäische Visionen zu Fragen der Wirt‑
schaft, der Sozialen Säule, der Sicherheits- sowie Klima‑
politik entworfen – Europa also auch fleißig gestaltet.

Antifaschismus hat sowohl unsere Debatten über Erinne‑
rungspolitik in Deutschland begleitet, als auch bei unserer
internationalen Begegnung in Italien eine wichtige Rolle
gespielt, wo wir auf den Spuren der Partisan_innen viel
über den dortigen Widerstand gelernt haben.
Auch in diesem Jahr konnten wir unser Programm durch
die Kooperation mit „Jung, geflüchtet, selbstbestimmt“ mit
jungen Geflüchteten in Berlin gemeinsam gestalten und
verstetigen.

Weitere Schwerpunkte 2018
• Führung durch die Gedenkstätte Sachsenhausen
• spontane selbstorganisierte Yoga- und Thaibox-Works‑
hops beim Sommercamp

38

Darüber hinaus haben wir anlässlich des polnischen Natio‑
nalfeiertags am 11. November unsere Partnersektion in
Poznań für ein Wochenende besucht. Zu guter Letzt, um
Europa besser zu verstehen, organisierten wir verschie‑
dene Diskussionsveranstaltungen zu aktuellen europapoli‑
tischen Themen.

Weitere Schwerpunkte 2018
• Verbandsarbeit, u. a. Fahrt zum Bundeskongress in Halle
(Saale)
• Beteiligung am March for a New Europe
• Vorbereitung des Europawahlkampfs 2019

Junge Humanist_innen (JuHu) Berlin

Junge Presse Berlin

Wir sind ein freiwilliger Zusammenschluss junger und
überwiegend konfessionsloser Menschen. In unserem
Verbandsleben diskutieren und leben wir humanistische
Werte. Dabei bilden Selbstbestimmung, Solidarität und
Partizipation die Basis für all unsere Angebote.

Talkshow „Gestern trifft Morgen“

Wir konnten im Jahr 2018 über 500 Kinder und Jugend‑
liche bei verschiedenen erlebnispädagogischen und
bildungspolitischen Wochenendaktionen, Kursen und Feri‑
encamps begleiten – dank unserer etwa 80 ehrenamtlich
aktiven Teamenden. Besonders unsere Camps zeichnen
sich dabei durch ein hohes Maß an Selbstorganisation und
Demokratie aus: Im CampRat wird gemeinsam mit allen
über die Programmgestaltung entschieden. Zusätzlich ist
es uns gelungen, vermehrt Angebote so zu gestalten, dass
sich Kinder und Jugendliche in den unterschiedlichsten
Lebenssituationen (Fluchterfahrung, Beeinträchtigung, und
andere) begegnen und gemeinsam lernen können.

Weitere Schwerpunkte 2018
• Zukunftswerkstatt mit allen Interessierten zum Thema
Inklusion und Verbandsstrukturen
• Organisation eines großen Sommerfestes für Familien,
Ehrenamtliche und JuHu Mitglieder
• Engagement im Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung
(Mobilisierung und Workshops)

Auch im Jahr 2018 hat die Junge Presse Berlin ihre Talk‑
show „Gestern trifft Morgen“ zusammen mit ALEX Berlin
fortgesetzt. Im November fand hierzu mit einer Förderung
des Fonds Soziokultur ein großer TV-Produktionsworkshop
statt. Die Teilnehmenden haben dabei die theoretischen
Grundlagen einer Fernsehproduktion kennengelernt, um
sie am nächsten Tag im Studio praktisch anzuwenden.

Jugendmediencamp
Zu Pfingsten kamen wieder rund 90 Jugendliche auf einer
Wiese bei Kratzeburg zum Jugendmediencamp zusammen.
In Workshops konnten sich die Teilnehmenden in Boule‑
vardjournalismus, Video, analoger und digitaler Fotografie
und vielem mehr üben. Wie immer fand das Jugendmedien‑
camp mit unserem Partnerverbänden aus Brandenburg und
Mecklenburg-Vorpommern, dem JPVB und dem JMMV statt.

Berliner Schülerzeitungswettbewerb
Anfang Januar strömten wieder rund 300 junge Redak‑
teur_innen zur Preisverleihung des Berliner Schülerzei‑
tungswettbewerb ins Rote Rathaus. In Kooperation mit der
Senatsverwaltung für Bildung und der Berliner Morgenpost
wurden dabei wieder die besten Schüler_innen-Zeitungen
Berlins ausgezeichnet.

Weitere Schwerpunkte 2018
• Junger Medientreff: Im Jahr 2018 konnten junge Medien‑
machende bei unserem Medientreff unter anderem mit
Tarek Tesfu vom Online-Format „Jäger und Sammler“
diskutieren.
• Medienstreifzüge: Bei unseren Medienstreifzügen
besuchten wir im vergangenen Jahr unter anderem ZeitOnline.
• Politikcafé: Unser monatlicher Politikcafé-Stammtisch im
„Aufsturz“ war auch in 2018 häufig gut besucht. Debattiert
wurde unter anderem z. B. über die Themen innere Sicher‑
heit, Freihandel oder Political Correctness.

39

BERICHTE DER JUGENDVERBÄNDE

KINDERRING Berlin e.V

LandesSchüler*innen-Vertretung Berlin

"Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine
Kraft zum Kämpfen"

Auch in diesem Jahr war einer unser Schwerpunkte der
Umgang mit jungen Schutzsuchenden und ihre Förderung.
In Kooperation mit anderen Strukturen haben wir zum Bei‑
spiel eine Schwerpunktzeitschrift mit ihren Erfahrungen
hergestellt, die europaweit verteilt wurde.

Sally Perel in der Fritz-Carsen-Schule: Für Zeitzeug_innen‑
veranstaltungen konnten wir 2018 unter anderem wieder
den „Hitlerjungen Salomon“ Sally Perel gewinnen, der an
mehreren Berliner Schulen den jungen Leuten von seiner
Lebensgeschichte erzählte. Er las aus seinem Buch: „Ich
war Hitlerjunge Salomon“ und stand den Schüler_innen für
ihre vielen spannenden Fragen und Gespräche geduldig
zur Verfügung.
Geboren in Peine 1925, geflüchtet nach Osten und kurz
vor Minsk von deutschen Soldaten festgenommen, konnte
er als Josef Perjell in Nazi-Uniform seine jüdische Identi‑
tät verschleiern und überlebte. Nach dem Krieg und bis
heute in Israel lebend, reist er mehrmals im Jahr nach
Deutschland. Warum?„Mein Hauptinteresse sind bei die‑
sen Besuchen die jungen Leute. An die wende ich mich
mit meiner Geschichte“, erklärt Sally Perel. Zeitzeug_innen
sind für ihn die besten Geschichtslehrkräfte. Seine wich‑
tigste Botschaft: „Das Leben ist das Allerheiligste - alles ist
ihm untergeordnet.“

Weitere Schwerpunkte 2018
• Das Riff im Oktopus in Pankow schließt sich dem Kinder‑
ring an
• Veranstaltungsreihe des Jufuhaus: Raise your voice! –
Deine Stimme gegen Homo-, Bi-, und Trans*feindlichkeit
im April und Mai
• Unsere Projektwerkstatt „Jung fragt Alt - Leben im 20. Jahr‑
hundert“ endete im April mit der festlichen Präsentation
des entstandenen Projektfilms im Steglitzer Kino Adria

40

Dabei und auch in unseren weiteren Seminaren und Work‑
shops ging es um die Stellvertreterpolitik und die zuneh‑
mende Entmündigung von immer mehr Menschen; und
dies nicht nur durch das rechte Spektrum.
Die sogenannten Fake-News und die generelle Wirkung
von Medien wurden in unseren Workshops viel diskutiert,
was auch zu kritischen Betrachtungen der Berliner Medien‑
landschaft führte.

Weitere Schwerpunkte 2018
• Graffiti ist Kunst!
• Was hat mein Konsum mit Ausbeutung zu tun?!
• Selbstorganisation - Stärkung von Gruppen

Landesverband Berlin

Naturfreundejugend Berlin

Pfadfinderbund Weltenbummler

Demokratisch. Herrschaftskritisch. Selbstbestimmt.

Der Pfadfinderbund Weltenbummler ist ein interkonfes‑
sioneller, parteipolitisch unabhängiger Jugendverband mit
zurzeit einer Ortsgruppe in Berlin. Wir gehen regelmäßig
auf Fahrten, wobei die Kinder und Jugendlichen sich in
der Gruppe organisieren und durch gemeinsam erlebtes
zusammenrücken. So auch dieses Jahr, als unsere älteren
Mitglieder (12 Jahre und aufwärts) auf das WFIS Euro‑
Camp18 fuhren. Dort begegneten sie Pfadfinder_innen aus
dem gesamten europäischen Raum, die eine Woche lang
gemeinsam wanderten, sangen und ihr Lagerleben genos‑
sen.

Die Naturfreundejugend Berlin ist ein unabhängiger, herr‑
schaftskritischer Jugendverband, in dem Jugendliche
selbstorganisiert Politik machen und Seminare, Veranstal‑
tungen sowie öffentliche Aktionen und Reisen organisieren.
2018 hatten wir die Freude, Besuch von Ray Goodspeed,
einem Aktivisten der Londoner Gruppe „Lesbians and Gays
Support the Miners“ (LGSM), zu bekommen. Während des
einjährigen Bergarbeiterstreiks 1984/85 in Wales wurde
LGSM von schwulen und lesbischen Aktivist_innen gegrün‑
det, um die streikenden Arbeiter und ihre Familien zu
unterstützen. Diese Geschichte ist durch den 2014 erschie‑
nenen Film „Pride“ bekannt geworden und ein wunder‑
schönes Beispiel für Solidarität über Klassengrenzen und
Geschlechterkonstruktionen hinweg. In einer Podiumsdis‑
kussion mit Ray und verschiedensten Berliner Initiativen
konnten wir besprechen, inwieweit die vergangenen Pro‑
teste ein Vorbild für heutige politische Praxis sein können.
Unsere neue Input-Reihe zum Thema Liebe, Sex und Femi‑
nismus ist dieses Jahr gestartet und auch in unserem Semi‑
narprogramm waren feministische Themen sehr gefragt.
Viele haben an unserem Argumentationstraining gegen
Sexismus teilgenommen.

Weitere Schwerpunkte 2018
• Gedenkstättenfahrt nach Lublin
• Das alljährliche herrschaftskritische Sommercamp
• Internationale Begegnung in Paris zum Thema soziale
Kämpfe

Fahrtenfonds
In den vergangenen Jahren konnten vereinzelt Mitglieder
nicht an Camps teilnehmen, weil der Fahrtenbeitrag für die
Familien zu hoch war. Deshalb haben wir in diesem Jahr
einen ‘Fahrtenfonds’ eingerichtet, aus dem Teilnahmebei‑
träge bezuschusst werden können. Am EuroCamp18 konn‑
ten dadurch alle Interessierten teilnehmen.

Kunterbund
Das Jahresmotto 2018 des Pfadfinderbund Weltenbumm‑
ler war „kunterbund“. Auf einem Themenlager gemeinsam
mit einem anderen Bund haben alle Altersstufen sich auf
unterschiedliche Weise mit den Themen Vielfalt, Demokra‑
tie und Gesellschaft auseinandergesetzt.

Weitere Schwerpunkte 2018
• Aus- und Weiterbildung: Viele unserer Jugendleiter_‑
innen besuchten Kurse zu Pädagogik oder Themen wie
Grundlagen der Pfadfinder_innenarbeit
• Stammestag: Einen Tag lang kochen, essen, Lagerbauten
zaubern und dabei die anderen Gruppen kennenlernen
• Stufenaktionen: Überbündische Musikwochenenden,
eine Wanderung im sagenumwobenen Bielefeld und ein
Wettkampf mit anderen Gruppen

41

BERICHTE DER JUGENDVERBÄNDE

RDP - Ring Deutscher Pfadfinderinnenund Pfadfinderverbände AG BerlinBrandenburg e.V.
Das Jahr begann für den RDP mit dem alljährlichen Singe‑
wettstreit, bei dem Kinder- und Jugendgruppen ihr musi‑
kalisches Können unter Beweis stellten. Neben den
wöchentlichen Gruppenstunden gab es in den Verbänden
auch wieder viele von Jugendlichen selbst organisierte
Fahrten. Diese führten die Pfadfinder_innen quer durch
Europa. Ergänzt wurden die Großfahrten mit Bildungsange‑
boten, sowohl für Kleingruppen als auch für Großgruppen.
Ein Mitgliedsverband konnte eine Zwischennutzung für ein
leerstehendes Gelände am Insulaner in Steglitz-Zehlen‑
dorf vereinbaren. Dieses wird jetzt wieder für vielfältige
Angebote der Kinder- und Jugendarbeit, Schulungen und
Tagungen genutzt.
Ein Highlight in diesem Jahr war das Ringelager in Groß‑
zerlang zu Pfingsten. Hier trafen sich über 1.200 Pfadfin‑
der_innen aus unseren Mitgliedsverbänden. Neben Spiel
und Spaß konnten die Teilnehmenden das Lagerleben und
die inhaltliche Arbeit der anderen Verbände kennenlernen.
Den Abschluss des Jahres bildet das Friedenslicht. Eine
Delegation des RDP AG BBB e.V. konnte in Linz das Frie‑
denslicht aus der Geburtsgrotte Christi in Betlehem abho‑
len. Dieses wurde in einem Aussendungsgottesdienst
in Mariendorf vorgestellt und von dort in die restlichen
Bezirke der Stadt verteilt.

Weiter Schwerpunkte 2018
• Teilnahme an der YOU-Messe 2018
• Reisen und Pfadfinder_innenlager in verschiedenste
europäische Staaten
• Gemeinsamer Auftritt auf dem Weltkindertag am
Potsdamer Platz
• Verschiedene Schulkooperationen

42

Sozialistische Jugend Deutschlands, SJD –
Die Falken Berlin
Wir sind ein linker, emanzipatorischer und parteiunabhän‑
giger Kinder- und Jugendverband, der mit machtkritischer
und diskriminierungssensibler Pädagogik versucht die
Vision einer freien, gerechten und solidarischen Welt her‑
zustellen.
Unser Sommercamp mit ca. 80 Personen fand dieses Jahr
auf Föhr statt. Drei Wochen lang haben wir mit viel Energie
daran gearbeitet, unserer Utopie ein Stück näher zu kom‑
men. Im Zeltlagerrat haben alle Teilnehmenden gemein‑
sam entschieden, was passieren soll. Es war eine sehr
schöne Mischung aus Kreativ- und Sportangeboten, baden,
im Watt wandern, Workshops, Ausflügen und Partys.
Um unseren Ansprüchen gerecht zu werden, versuchen wir
auf jeder Veranstaltung Empowerment- und Sensibilisie‑
rungskonzepte mit einer möglichst intersektionalen Pers‑
pektive umzusetzen. Dafür bilden wir uns regelmäßig als
Team in Fortbildung weiter.
Außerdem gab es mehrere Seminarfahrten zu unserem
Jahres­thema „Kapitalismus, Klasse und Klassismus inter‑
sektional begreifen“.

Weitere Schwerpunkte 2018:
• Erweiterung von Audream, der mobilen antirassistischen
Bibliothek und Kids-Courage
• Pfingstcamp, Internationale Bege

Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt

Sportjugend Berlin
In den Herbstferien 2018 boten wir erstmalig gemeinsam
mit sechs Sportvereinen kostenlose Schwimmintensivkurse
an. Die Kurse richteten sich an Kinder, die in der dritten
Klasse nicht schwimmen gelernt hatten. In kleinen Gruppen
wurden die Kinder behutsam an das Wasser gewöhnt und
lernten schnell die richtige Technik. Über 650 Schüler_innen
machten hoch motiviert mit, 410 von ihnen schafften ein
Schwimmabzeichen, darunter waren sogar 200 Schwimm‑
abzeichen in Bronze und 35 in Silber. Stolz und glücklich
und mit einer großen Portion Selbstbewusstsein konnten
alle nach den Ferien wieder in die Schule gehen.
Im Jahr 2018 wurden mit Unterstützung der Senatsver‑
waltung für Bildung, Jugend und Familie erstmals Fami‑
lienbildungsfahrten durchgeführt. In Zusammenarbeit mit
Familienzentren verlebten Familien aus sieben Bezirken
im Jugendferienpark Ahlbeck der Sportjugend jeweils drei
erlebnisreiche, sportliche und erholsame Tage. So standen
neben einem Lagerfeuer, Spielen und Erholen am Strand
auch Sport wie Volleyball, Fußball oder motorische Heraus‑
forderungen auf dem Aktivspielplatz oder dem Trampolin
auf dem Programmplan.

Weitere Schwerpunkte 2018
• Das Ferienprojekt „Mein bewegter Sommer in Berlin“
konnte in 2018 wiederum ausgebaut werden. Fast 300
Grundschulkinder erlebten in verschiedenen Sport‑
vereinen und Jugendeinrichtungen zwei erlebnis- und
bewegungsreiche Ferienwochen.
• Neben der Fortführung „Kooperation Schule und Sport‑
verein“ mit über 700 Kooperationsmaßnahmen konnten
gemeinsam mit Sportvereinen Bewegungsfördergrup‑
pen für Kinder mit motorischem Förderbedarf an Berli‑
ner Grundschulen eingerichtet werden.
• Im Jahr 2018 haben die meisten unserer Sportjugend‑
reisen erneut das Gut Drauf-Label der BZgA erhalten. GUT
DRAUF fördert einen gesunden Lebensstil von Mädchen
und Jungen im Alter von 5 bis 18 Jahren. Die Gesundheit
wird positiv durch Angebote zur gesunden Ernährung, aus‑
reichenden Bewegung und Stressregulation beeinflusst.

THW-Jugend Berlin, Brandenburg,
Sachsen-Anhalt e.V.
Alle drei Jahre findet das Landesjugendlager statt. Unsere
Jugendgruppen treffen sich, um gemeinsam eine Woche
lang Fachtechnik zu lernen, Workshops und Aktionen zu
bildungspolitischen Themen zu besuchen und Freizeitan‑
gebote wie Schwimmen, Klettern, Basteln etc. zu erleben.
Dieses Jahr war es vom 26.07.2018 bis 01.08.2018 soweit:
Der Kinder- und Jugendzeltplatz Friedensau war voll mit
Jugendgruppen aus Berlin, Brandenburg und Sachsen-An‑
halt. Das Wetter war fantastisch, der Landesjugendwett‑
kampf (das Highlight eines jeden Lagers) eine spannende
Kiste und die Stimmung super. Ein außerordentlicher
Landesjugendausschuss wurde ebenfalls einberufen und
dieser hat erstmals den Landesjugendsprecher und seine
beiden Stellvertreter gewählt.
Der Landesjugendsprecher vertritt mit Unterstützung
der Stellvertreter_innen die Belange aller Jugendspre‑
cher_innen der Ortsjugenden. Der Landesjugendsprecher
informiert die Jugendsprecher_innen der Ortsjugenden
regelmäßig über aktuelle Entwicklungen und Beratungs‑
ergebnisse auf Landesebene und ist zudem beratendes
Mitglied im Landesjugendvorstand.

Weitere Schwerpunkte 2018
• Abnahmen Leistungsabzeichen
• Tages- und Wochenend-Seminare
• Berlin-Marathon

43

MITGLIEDSVERBÄNDE IM LANDESJUGENDRI
A | Arbeiter-Samariter-Jugend Berlin
Rudolfstr. 9
10245 Berlin
Tel: (030) 213 070
Fax: (030) 213 071 19
asj@asb-berlin.de
www.asj-berlin.de

B | Berliner Jugendfeuerwehr

Voltairestr. 2
10179 Berlin
Tel.: (030) 387 109 23
Fax: (030) 387 998 366
info@berliner-jugendfeuerwehr.de
www.berliner-jugendfeuerwehr.org
Berliner Jugendrotkreuz
Bachestr. 11
12161 Berlin
Tel.: (030) 600 300 11 70
Fax: (030) 600 300 911 70
jrk@drk-berlin.de
www.jrk-berlin.de
Bezirksjugendring Mitte
c/o Robert Rostoski
robert.rostoski@yahoo.de
Bezirksjugendring Steglitz-Zehlendorf
c/o Uwe von Pokrzywnicki
Postfach 460407
12214 Berlin
Tel.: (03212) 103 25 45
bezirksjugendring@gmx.de
www.bezirksjugendring.org
Bund der Alevitischen Jugendlichen Landesverband Berlin
Waldemarstr. 20
10999 Berlin
Tel.: (030) 616 587 00
Fax: (030) 616 583 95
cemevi@alevi.org
www.alevi.org
Bund der Deutschen Katholischen
Jugend (BDKJ) Berlin
Waldemarstr. 8a
10999 Berlin
Tel.: (030) 756 90 30
Fax: (030) 756 903 70
info@bdkj-berlin.de
www.bdkj-berlin.de
Bund Deutscher Pfadfinder_ innen (BDP)
Kaubstr. 10
10713 Berlin
Tel.: (030) 861 14 18
Fax: (030) 861 40 26
lv.berlin@bdp.org
www.bdp-berlin.org

44

BUNDjugend Berlin
Erich-Weinert-Str. 82
10439 Berlin
Tel.: (030) 392 82 80
Fax: (030) 809 414 77
info@bundjugend-berlin.de
www.berlin.bundjugend.de

C | CVJM-Ostwerk e.V.

Sophienstr. 19
10178 Berlin
Tel.: (030) 284 97 70
Fax: (030) 284 977 17
info@cvjm-ostwerk.de
www.cvjm-ostwerk.de

D | Deutsche Schreberjugend Berlin
Kirschenallee 25
14050 Berlin
Tel.: (030) 300 991 52
Fax: (030) 300 991 54
info@schreberjugend.berlin
www.schreberjugend.berlin

DGB-Jugend Berlin-Brandenburg
Kapweg 4
13405 Berlin
Tel.: (030) 212 403 10
Fax: (030) 212 403 15
jugend-bbr@dgb.de
www.bb-jugend.dgb.de

E | Esperanto-Jugend

Katzbachstr. 25
10965 Berlin
Tel.: (030) 510 629 35
Fax: (030) 419 354 13
infozentrum@esperanto.de
www.esperanto.de/bb
Evangelische Jugend Berlin-Brandenburgschlesische Oberlausitz (EJBO)
Goethestr. 26-30
10625 Berlin
Tel.: (030) 319 11 61
Fax: (030) 419 354 13
amt@ejbo.de
www.ejbo.de

J | jubel³ mit Gebärdensprache e.V
Postfach 61 04 26
10927 Berlin
info@jubel3.de
www.jubel3.de

Jugendbund djo-Deutscher Regenbogen,
Landesverband Berlin e.V.
Elberfelder Str. 18
10555 Berlin
Tel.: (030) 288 867 780
Fax: (030) 288 867 777
info@djo-bb.de
www.djo-bb.de

NG BERLIN
Jugendnetzwerk Lambda
Berlin-Brandenburg e.V.
Sonnenburger Str. 69
10437 Berlin
Tel: (030) 282 79 90
Fax: (030) 671 226 72
info@lambda-bb.de
www.lambda-bb.de
Jugendwerk der Evangelischen
Freikirchen
Möllendorffstraße 53
10367 Berlin
Tel.: (030) 787 025 14
Fax: (030) 787 055 57
info@gjw-bb.de
www.gjw-bb.de
JungdemokratINNen/Junge Linke (JD/JL) Berlin
Greifswalder Str. 4
10405 Berlin
Tel.: (030) 247 297 47
info@jungdemokraten.de
www.jungdemokraten.de
Junge Briefmarkenfreunde Berlin e.V.
c/o Manfred Baltuttis
Fahrlander Weg 65
13591 Berlin
Tel.: (030) 364 82 70
m.baltuttis@dphj-berlin-brandenburg.de
www.dphj-berlin-brandenburg.de
Junge Europäische Bewegung
Sophienstr. 28/29
10178 Berlin
Tel.: (030) 970 054 92
Fax: (030) 288 774 87
info@jeb-bb.de
www.jeb-bb.de
Junge Humanist_innen Berlin
Neumagener Straße 25
13088 Berlin
Tel.: (030) 44 27 21 6
Fax: (030) 44 23 49 3
info@juhu-berlin.de
www.juhu-berlin.de
Junge Presse Berlin e.V.
c/o Jugendbüro Mitte
Scharnhorststraße 28/29
10115 Berlin
Tel.: (030) 308 784 555
Fax: (030) 308 784 559
jpb@jpb.de
www.jpb.de

K | KINDERRING Berlin e.V.

Schwedter Str. 232-234
10435 Berlin
Tel.: (030) 440 62 14
Fax: (030) 440 62 54
info@kinderring-berlin.de
www.kinderring-berlin.de

L | Landesjugendwerk der AWO Berlin
Otto-Marquardt-Str. 6-8
10369 Berlin P
Tel.: (030) 720 066 97
Fax: (030) 720 138 96
info@ljw-berlin.de
www.ljw-berlin.de

LandesSchüler*innenVertretung (LSV) Berlin
Lissabonallee 6 Haus 3
14129 Berlin
Tel.: (0151) 455 914 74
briefkasten@lsv-berlin.de
www.lsv-berlin.de

N | Naturfreundejugend Berlin

Weichselstr. 13/14
12045 Berlin
Tel.: (030) 325 327 70
Fax: (030) 325 327 71
info@naturfreundejugend-berlin.de
www.naturfreundejugend-berlin.de
Naturschutzjugend Berlin (NAJU)
Wollankstr. 4
13187 Berlin
Tel.: (030) 986 083 70
mail@naju-berlin.de
www.naju-berlin.de

P | Pfadfinderbund Weltenbummler
Eichhörnchensteig 3
14193 Berlin
Tel.: (030) 922 124 39
info@stamm-schwarzer-adler.de
www.stamm-schwarzeradler.de

R | Ring Deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderver-

bände (RDP) Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburg
e.V.
Waldemarstr. 8-10
10999 Berlin
Tel.: (030) 756 903 54
Fax: (030) 756 903 57
kontakt@rdp-bbb.de
www.rdp-bbb.de

S | Sozialistische Jugend Deutschlands, SJD – Die Falken
Schlossstr.19
14059 Berlin
Tel.: (030) 280 51 27
Fax: (030) 282 64 98
info@falken-berlin.de
www.falken-berlin.de

Sportjugend Berlin
Jesse-Owens-Allee 2
14053 Berlin
Tel.: (030) 300 020
Fax: (030) 300 021 07
info@sportjugend-berlin.de
www.sportjugend-berlin.de

T | THW-Jugend Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt
Soorstr. 84
14050 Berlin
Tel.: (030) 233 204 710
Fax: (030) 233 204 718
buero@thw-jugend-bebbst.de
www.thw-jugend-bebbst.de

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IMPRESSUM UND KONTAKT

Bildnachweis:
© LJR Berlin: Seiten 4, 10*, 11** , 12, 14, 18, 20, 22, 26,
27, 30
© DRK Landeverband Berliner Rotes Kreuz e.V.: Seite 33 r.
Herausgeber:

© Björn Obmann, BUNDjugend Berlin: Seite 34 r.

Landesjugendring Berlin e.V.

© Katja Heinemann: Seite 35 l.

Obentrautstr. 57

© Veronika Eilbacher: Seite 35 r.

10963 Berlin

© AKD: Seite 36 r.
© djo-Regenbogen Berlin: Seite 37 l.

Tel.: (030) 818 861-00

© Noel van den Heuvel: Seite 38 l.

info@ljrberlin.de

© Jacqueline Lorenz: Seite 40 l.

www.ljrberlin.de

© Micha Schmidt: Seite 40 r.
© Miriam Nowack: Seite 41 r.

landesjugendring.berlin

© SJB, Griebsch: Seite 43 l.

landesjugendring.berlin

© THW-Jugend BEBBST e.V.: Seite 43 r.

Verantwortlich (i.S.d.P.):

* Ausgenommen Bild „Bunte Hand“

Tilmann Weickmann, Geschäftsführer

** Ausgenommen Bild „Geld“

Redaktion: David Spitzl

Urheberrechte der Bilder liegen soweit hier nicht anders
gekennzeichnet bei den Jugendverbänden.

Layout und Satz: racken GmbH, Berlin
Druck: Umweltdruckhaus GmbH
Auflage: 2
­ 50 Exemplare
© Landesjugendring Berlin e.V. 2019

Der Landesjugendring Berlin wird gefördert
aus Mitteln der Senats­verwaltung für Bildung,
Jugend und Familie des Landes Berlin.

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