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Berlin braucht Jugendarbeit, Berlin braucht Jugendverbände!

Full text: Jahresbericht Issue 2010 Berlin braucht Jugendarbeit, Berlin braucht Jugendverbände!

Landesjugendring Berlin e.V.

Jahresbericht 2010
Berlin braucht Jugendarbeit, Berlin braucht Jugendverbände!

Landesjugendring Berlin e.V. | Lehrter Straße 26 a | 10557 Berlin Tel. 030 - 81 88 61 00 | Fax 030 - 211 66 87 info@ljrberlin.de | www.ljrberlin.de

Jahresbericht 2010 Landesjugendring Berlin e.V.

INHALT:
	 1.1	 1.2	 1.3	 1.4	 1.5	 1.6	 2.1	 2.2	 2.3	 V 	 orwort	 Runder Tisch Jugend	 Kooperation Jugendverbände und Schule	 Kinderschutz	 Netzwerk Wahlalter 16	 Berlin braucht Jugendarbeit	 Weiterentwicklung Landesjugendring	 Vorstand	 Hauptausschuss	 Kommissionen und Arbeitsgemeinschaften	 5 7-12 7 8 9 10 10 11 13-31 13 15 15-18 1.		 Schwerpunkte	

2.		 Mitbestimmung im LJR	

2.3.1	 2.3.2	 2.3.3	 2.3.4	

K 	 ommission Jugendhilfe 	 Kommission Juleica	 Arbeitsgemeinschaft Berliner Jugendbildungsstätten (ABJ)	 AG Kooperation Jugendverband und Schule	

15 16 17 17

2.4	 2.5	
2.5.1	 2.5.2	 2.5.3	 2.5.4	 2.5.5	 2.5.6	 2.5.7	 2.5.8	 2.5.9	 2.5.10	 2.5.11	 2.5.12	 2.5.13	 2.5.14	 2.5.15	 2.5.16	 2.5.17	 2.5.18	 2.5.19	

Geschäftsstelle	 Interessenvertretung in Außenvertretungen	
AGJ-MV und Säule Jugendverbände	 „aktiv in berlin“ Landesnetzwerk Bürgerengagement	 Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus 	 Bildungsverbund für die IJBS Sachsenhausen e.V.	 DBJR – Vollversammlung	 Initiativkreis der IJBS Sachsenhausen e. V.	 Kommission für den Berliner FreiwilligenPass	 Konferenz der Landesjugendringe	 Landesarbeitsgemeinschaften nach § 78 KJHG	 Landesausschuss für Jugendarbeitsschutz	 Landesjugendhilfeausschuss (LJHA)	 Landesarbeitskreis „Kinder- und Jugendpartizipation in Berlin“ (LaKoK)	 Musikschulbeirat	 Netzwerk Wahlalter 16	 Rundfunkrat des Senders rbb	 Steuerungsgruppe „Fördermodell Jugendverbände“	 Steuerungsgruppe respectABel 	 Stiftungsrat der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin (jfsb)	 WannseeFORUM	

18 19-31
21 21 22 22 23 23 23 24 24 26 26 28 28 29 29 29 30 30 30

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3.		 Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden	
Die Mitgliedsverbände des Landesjugendring Berlin e. V.	 Berliner Jugendfeuerwehr	 Berliner Jugendrotkreuz	 Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Diözesanverband Berlin	 Bund Deutscher PfadfinderInnen (BDP)Landesverband Berlin e.V.	 BUNDjugend Berlin	 CVJM-Ostwerk e.V. Landesverband Berlin-Brandenburg	 Deutsche Schreberjugend Berlin           Landesverband Berlin e.V.	 Esperanto-Jugend Berlin e.V. 	 Evangelische Jugend Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (ejbo)	 jubel3 e.V.                                      	 Jugendbund djo-Regenbogen Landesverband Berlin e.V.	 Jugendnetzwerk Lambda Berlin-Brandenburg e.V.	 JungdemokratINNen/Junge Linke Berlin	 Junge Europäische Bewegung Berlin Brandenburg e.V.	 Junge HumanistInnen (JuHu) 	 KINDERRING BERLIN e.V.	 Landesjugendwerk im AWO Landesverband Berlin e.V.	 LandesSchülerVertretung Berlin 	 Naturschutzjugend Berlin (NAJU) Berlin	 NATURFREUNDEJUGEND Berlin 	 Pfadfinderbund Weltenbummler (PbW), Landesverband Berlin e. V.	 Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken, Landesverband Berlin e.V.	

33-83
34 37 40 43 45 47 50 52 54 56 58 59 61 63 65 67 70 73 75 77 78 80 81

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Berlin braucht Jugendarbeit - Berlin braucht Jugendverbände! Liebe Freundinnen und Freunde,

Es gibt nichts Gutes außer: man tut es. (Erich Kästner)

Jugendarbeit und besonders die Jugendverbände sind die erste Adresse, wenn es darum geht, Kindern und Jugendlichen Freiräume für Partizipation, selbstbestimmte Bildung und die Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu schaffen. Dies haben die Vorträge und Debatten bei unserem gemeinsam mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband sehr erfolgreich durchgeführten Fachtag „Berlin braucht Jugendarbeit!“ eindrucksvoll aufgezeigt. Deshalb wird der Landesjugendring auch weiterhin Partei für Jugendliche ergreifen und dafür streiten, die Rahmenbedingungen der Berliner Jugendarbeit zu verbessern. Mit unseren 34 Mitgliedsverbänden im Rücken sind wir für diese Aufgabe gut gerüstet! Der Landesjugendring Berlin konnte im Jahr 2010 seine erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre fortsetzen und weiterentwickeln. In unserem Jahresbericht bekommt Ihr einen umfassenden Überblick über unsere Aktivitäten, darunter so zukunftsweisende Weichenstellungen wie die Einrichtung des „Runden Tisches Jugend“ auf Landesebene oder der Start unseres FSJ-Projekts zur Unterstützung von Kooperationen zwischen Jugendverbänden und Schulen. Blicken wir in die Zukunft, haben wir uns für das Wahljahr 2011 Einiges vorgenommen. Eine Auswahl: - 	 U18-Wahlen: Anlässlich der Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus beteiligt sich der Landesjugendring an den U18-Wahlen und deren Begleitung mit Angeboten der politischen Bildung. Wie schon zur Bundestagswahl 2009 hat der Landesjugendring die Koordinierung des Projektes in Berlin übernommen. Angesichts des großen Erfolgs der bisherigen U18-Wahlen strebt der Landesjugendring die Regelfinanzierung einer Koordinierungsstelle in Wahljahren durch das Land Berlin an. - 	 Ausbau der Kooperation zwischen Jugendverbänden und Schulen: Wir setzen uns dafür ein, Schule als ganzheitlichen Ort der Bildung zu begreifen, an dem die non-formalen Bildungsangebote der Jugendverbände ganz selbstverständlich ihren Platz haben. Dadurch kann zielgerichteter Wissenserwerb mit persönlichkeitsbildendem, partizipationsorientiertem Lernen an einem Ort zusammengeführt werden – ein großer Gewinn für die Schülerinnen und Schüler, der auch finanziell stärker untermauert werden muss. - 	 Ehrenamtliches Engagement stärken: Am „Runden Tisch Jugend“ haben wir mit verschiedenen Partnern vereinbart, uns gemeinsam für die Verbesserung der Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement Jugendlicher einzusetzen. Dazu gehört eine Kultur der Wertschätzung genauso wie erleichterte Freistellungsregelungen in Betrieben und die Anrechnung des Engagements als Studienleistung. - 	 Integration: Der Landesjugendring will die Potenziale der Jugendverbände zur Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund stärker entfalten. Er möchte jungen Migrant/-innen zudem darin unterstützen, sich selbst zu organisieren. Partizipation, die Stärke der Jugendverbände, schafft Integration. Um Jugendliche mit Migrationshintergrund besser ansprechen zu können, haben wir ein Projekt konzipiert und dessen Förderung beantragt. Das Thema „Ehrenamtliches Engagement von Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ wird auf der Tagesordnung des Runden Tisches Jugend 2011 stehen. An dieser Stelle danken wir allen ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/-innen in den Jugendverbänden für ihren Einsatz. Auch den Unterstützer/-innen aus Politik und Verwaltung, die sich für eine starke Jugendverbandsarbeit in Berlin engagieren, möchten wir danken. Besonderer Dank gilt den Mitarbeiter/-innen der LJR-Geschäftsstelle für ihre erfolgreiche Arbeit, die sie nun in unseren neuen, schönen Räumlichkeiten leisten: Der Landesjugendring ist im März 2010 in die Lehrter Str. 26 a in Tiergarten gezogen. Es grüßt Euch sehr herzlich Euer Vorstand

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Vorwort

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1.		 Schwerpunkte
1.1	 Runder Tisch Jugend

•	 •	 •	 •	

und Jugendpolitik (Stiftung SPI) Jugendpolitische Sprecher/-innen der Fraktionen im Abgeordnetenhaus Liga der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtsverbände (Der/die Vorsitzende des geschäftsführenden Verbandes in dem jeweiligen Jahr) Der/die Präsident/in der Industrie- und Handelskammer Berlin Der/die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Berlin

Themenabhängig können im gegenseitigen Einvernehmen weitere Teilnehmende eingeladen werden. Thema der ersten Sitzung war die Förderung des ehrenamtlichen Engagements von Berliner Jugendlichen. Die Teilnehmer/-innen haben sich auf Vorhaben geeinigt, die im Rahmen des „Europäischen Jahrs der Freiwilligentätigkeit“ 2011 umgesetzt werden sollen: 1.	 Die Anerkennungskultur und die Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement Jugendlicher im Land Berlin sollen weiterentwickelt werden. Es wird eine öffentliche Verleihung von Jugendleiter/innencards (Juleicas) bzw. des Kompetenznachweises Kultur durch Senator Zöllner und Staatssekretärin Helbig vereinbart. Ferner werden sich der Landesjugendring und die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung mit Unterstützung durch das Land Berlin für weitere Vergünstigungen für Inhaber/-innen der Juleica bzw. des Kompetenznachweis Kultur einsetzen. 2.	 Die Öffentlichkeitsarbeit für Engagementstrukturen Jugendlicher soll verbessert werden. Dazu gehört die Einrichtung eines eigenen Bereichs „Jugend“ auf www.berlin.de/buergeraktiv, in dem Jugendlichen Möglichkeiten des Engagements aufgezeigt werden. In einer gemeinsam durch den Landesjugendring Berlin, die Drehscheibe Kinder- und Jugendpolitik und die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung, die LIGA der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege Berlin sowie die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und die Beauftragte für Bürgerschaftliches Engagement zu veranstaltenden Fachtagung soll die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements von Jugendlichen auf Bezirks- und Landesebene für die Berliner Zivilgesellschaft öffentlich gemacht werden.

Im „Abkommen für die Jugend“ haben das Land Berlin und der Landesjugendring die Einrichtung eines „Runden Tisches Jugend“ vereinbart. Am 10. Juni 2010 war es dann soweit: der Runde Tisch konstituierte sich in seiner ersten Sitzung. Intention des Runden Tisches ist es, jugendpolitische Impulse zu geben. Dabei spielen Fragen der Verbesserung der Lebenssituation und der Partizipationsmöglichkeiten aller in Berlin lebender Kinder und Jugendlichen eine herausragende Rolle. Bereiche wie Selbstorganisation und Engagement junger Menschen, Integration, Bildung, Arbeit und Ausbildung, soziale Sicherheit, Kultur und Stadtentwicklung stehen im Mittelpunkt der Aktivitäten des Runden Tisches. Gleichzeitig versteht es der Runde Tisch als seine Aufgabe, das Engagement und die wichtige Rolle, die junge Menschen in der Stadt spielen, deutlich zu machen und für eine „jugendfreundliche Stadt“ zu werben. Der Runde Tisch tagt einmal jährlich. Die jeweiligen Sitzungsthemen werden zwischen der für Jugend zuständigen Senatsverwaltung und dem Landesjugendring Berlin vereinbart und vorbereitet. Dabei werden Anregungen der Mitglieder des Runden Tisches und Forderungen des Berliner Jugendforums berücksichtigt. Die Geschäftsführung des Runden Tisch Jugend wird durch den Landesjugendring wahrgenommen. Vertretene Institutionen / ständige Mitglieder: •	 Der/die für Jugend zuständige Senator/-in (Vorsitz) •	 Der/die Vorsitzende/r des Landesjugendrings (LJR) (stellvertretender Vorsitz) •	 Ein/e für Jugend zuständige/r Bezirksstadtrat / Bezirksstadträtin •	 Der/die Vorsitzende/r der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) •	 Der/die Projektleiter/in der Drehscheibe Kinder-

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Schwerpunkte

Schwerpunkte

3.	 Zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements Jugendlicher werden sich die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und der Deutsche Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg für erleichterte Freistellungsregelungen für ehrenamtliches Engagement in der Jugendarbeit in Schule, Ausbildung, Hochschule und Beruf einsetzen. Hierzu soll unter anderem die „Vereinbarung über die Gewährung von Sonderurlaub bei ehrenamtlicher Jugendpflegearbeit“ vom 17. März 1993 bekannter gemacht und für ihre Anwendung in der Privatwirtschaft geworben werden. 4.	 Der Landesjugendring wird sich mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung gegenüber der Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten (LKRP) für die Anrechnung ehrenamtlichen Engagements bei der Bewerbung um einen Studienplatz (z.B. als Wartesemester), für die Anerkennung ehrenamtlichen Engagements außerhalb der Hochschule als Praktikum und für die Anrechnung ehrenamtlichen Engagements als Credit Points einsetzen. Es wird angeregt, an einer Hochschule ein Pilotprojekt zum service learning zu implementieren. 5.	 Der Runde Tisch Jugend bittet die Mitglieder des Abgeordnetenhauses, sich für die Weiterentwicklung der Anerkennungskultur und der Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen einzusetzen und die notwendigen Ressourcen zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements Jugendlicher zur Verfügung zu stellen. 6.	 Der Runde Tisch Jugend bittet die Bezirksämter, sich in den Bezirken für die Weiterentwicklung der Anerkennungskultur und der Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen einzusetzen. Der Runde Tisch regt an, dass die Jugendhilfeausschüsse sich im „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit“ 2011 mit der Förderung des ehrenamtlichen Engagements Jugendlicher beschäftigen.

1.2	

Kooperation Jugendverbände und Schule

Zum Schuljahr 2010/2011 konnte nach einer längeren Erarbeitungs- und Ausgestaltungsphase eine verbindliche Rahmenvereinbarung zur Kooperation von Schule und freien Trägern im Rahmen des Ganztags der neuen Sekundarschule und von Gymnasien zwischen dem Land Berlin, der LIGA und dem Landesjugendring unterzeichnet werden. Dies stellt für uns in unserer Arbeit mit Schülerinnen und Schülern einen wahren Meilenstein dar, auf dessen Umsetzung wir lange und beharrlich hingearbeitet haben. So wird es uns in Zukunft möglich sein, als freie Träger einen festen Platz im Alltag der Sekundarschule einzunehmen und unsere Ansätze der non-formalen Bildung einzubringen. Durch diese Schulreform kann sich die Schule von einem Ort der Lehre zu einem Ort der Bildung entwickeln. Besonders wichtig bei der Rahmenvereinbarung war neben der Vereinbarung von Richtlinien für inhaltliche und fachliche Standards die finanzielle Absicherung des Angebots durch Mittel, die die Schulen zur Ausgestaltung des Ganztags zur Verfügung haben. Des Weiteren wurden im Jahr 2010 erstmals Sondermittel für die Kooperation von Schulen und Jugendverbänden in Höhe von 75.000 € für die Jugendverbände und 75.000 € für die Jugendbildungsstätten zur Verfügung gestellt. Mit diesen Mitteln konnten eine ganze Reihe neuer Kooperationsprojekte zwischen Schule und Jugendverbänden umgesetzt und bestehende Kooperationsprojekte ausgebaut werden. Dies ist als Erfolg unseres kontinuierlichen Werbens um Anerkennung der Wichtigkeit des Anteils von Jugendverbänden an der Bildung junger Menschen zu werten. Die Sondermittel werden auch im Jahr 2011 zur Verfügung gestellt. Ziel sollte es in 2011 sein, eine Verstetigung der Mittel für die Jugendverbandsarbeit zu erreichen.

Viele Jugendverbände haben in den vergangenen Jahren bereits mit unterschiedlichen Schulen und Schulformen auf unterschiedliche Weise zusammengearbeitet. Die neue Rahmenvereinbarung Ganztag stellt die Kooperationen jedoch auf eine völlig neue, höhere Stufe. Nun wird die Bildungsarbeit der Jugendverbände auch durch die Integration in den Schulalltag als wichtiger und notwendiger Bestandteil der Bildung junger Menschen anerkannt. Durch die neue Rahmenvereinbarung werden die Kooperationsformen verbindlich und auch auf Dauer leistbar, denn: sie sind finanziell

Entwicklung der Kooperationen zwischen Jugendverbänden und Schulen

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abgesichert. Selbstredend braucht solch eine große Reform ihre Anlaufzeit. Sowohl die Schulen als auch die Jugendverbände müssen sich mit diesem neuen Terrain erst vertraut machen. Im Frühjahr 2010 wurden Informationsveranstaltungen in fast allen Berliner Bezirken durchgeführt, deren Zielgruppe ansässige Schulen bzw. Schulleiter/-innen und Lehrer/-innen waren. Ziel dieser Veranstaltungen war es, den Schulen die Rahmenvereinbarung Ganztag und die darin vorgesehen Kooperationen zwischen freien Trägern und Schulen bekannt und greifbar zu machen. Auf den Veranstaltungen war der LJR stets durch eine Reihe von Verbänden vertreten, die ihre Kooperationsangebote präsentierten. In einem Input-Vortrag des Landesjugendrings wurden auf die Wichtigkeit non-formaler Bildung auch im Schulalltag verwiesen und konkrete Beispiele von Jugendverbandsarbeit an Schulen anschaulich vorgestellt.

1.3	

Kinderschutz

Seit Jahren engagiert sich der Landesjugendring Berlin im Bereich Kinderschutz und insbesondere in der Prävention sexualisierter Gewalt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Qualifizierung ehrenamtlicher und beruflicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Berliner Jugendverbandsarbeit, die Beratung der Jugendverbände hinsichtlich präventiver Rahmenbedingungen und die jugendpolitische Interessenvertretung. Zu den Aktivitäten und Publikationen gehörten seitdem: •	 Fachtagung „Sexuelle Gewalt“ mit anschließender Dokumentation •	 Entwicklung von Modulen für die Juleica-Ausbildung „Sexuelle Gewalt“ •	 Schließen einer Vereinbarung mit dem Land Berlin zur Führungszeugnispflicht Ehrenamtlicher •	 Durchsetzung der kostenfreien Ausstellung von Führungszeugnissen für Ehrenamtliche in Berlin •	 Schulung von Vertrauensleuten in der Jugend(verbands)arbeit in Kooperation mit dem Kinderschutzbund Landesverband Berlin •	 Herausgabe der Broschüre „Kinder- und Jugendschutz in Berlin. Informationen für Jugendleiterinnen und Jugendleiter in Jugendverbänden“ •	 Einrichtung eines Servicebereiches auf         www.ljrberlin.de mit Download-Bereich •	 Train-the-Trainer Fortbildungsreihe mit dem Modul „Rechtliche Grundlagen und Kindeswohlgefährdung“ Das Thema Missbrauch nahm im vergangenen Jahr angesichts der Enthüllungen über sexuellen Missbrauch an katholischen und reformpädagogischen Schulen und den damit einhergegangenen gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen einen breiten öffentlichen Raum ein. Im Landesjugendring setzten wir in diesem Zusammenhang insbesondere drei Akzente.

FSJ-Projekt

Seit dem Schuljahr 2010/2011 ist der Landesjugendring Träger von 20 FSJ-Stellen, die in Jugendverbänden im Bereich der Kooperation von Schule und Jugendverband eingesetzt werden. Insgesamt waren die FSJ-Plätze trotz der wegen der kurzfristigen Mittelbewilliung späten Ausschreibung sehr gut nachgefragt, es gab mehr als zwei Bewerber/-innen pro Platz. Auch auf Seiten der Jugendverbände gab es ein reges Interesse an den zu vergebenden Plätzen, so dass auch hier eine Auswahl vorgenommen werden musste. Seit September arbeiten die FSJlerInnen in ihren Einsatzstellen und sind in den Jugendverbänden für den Aufbau neuer und den Ausbau bestehender Kooperationen mitverantwortlich. Sie kommen neben ihrer Arbeit im Verband zu regelmäßigen Reflektionsrunden zusammen, bei denen unter Anleitung der LJR-Referentin für das Freiwillige Soziale Jahr Erfahrungen ausgetauscht und Probleme besprochen werden. Die Laufzeit des Projektes beträgt insgesamt drei Jahre, wir werden uns aber um eine Fortsetzung des Projektes bemühen.

Neu erarbeitet und herausgegeben wurde die Broschüre „Was tun bei (Verdachts-)fällen von Kindeswohlgefährdung im Jugendverband? Ein Handlungsrahmen für berufliche Mitarbeiter/-innen in Jugendverbänden und deren Einrichtungen“. Mit dieser Broschüre gibt der Landesjugendring Berlin e.V. beruflichen Mitarbeiter/-innen von Jugendverbänden wichtige Hinweise zum Umgang mit (Verdachts-)fällen von Kindeswohlgefährdung an die Hand.

Kindeswohlbroschüre für berufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

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Schwerpunkte

Schwerpunkte

In Kooperation mit dem Kinderschutzbund Landesverband Berlin und der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit wurde die Fortbildung „Schaffung präventiver Strukturen in Jugendorganisationen“ durchgeführt, an der 14 Personen aus 6 Jugendverbänden teilgenommen haben. Die eigens für den Landesjugendring konzipierte Fortbildung zielte auf die Unterstützung von Jugendverbänden, sich wirksam vor sexuellen Gewaltübergriffen eigener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Kinder und Jugendliche zu schützen. Deutlich wurde, dass die Fortbildung eine gute Grundlage legte, zur Implementierung entsprechender Strukturen aber weitergehende Beratungsleistungen notwendig sind. Der Änderung des Bundeszentralregistergesetzes und der damit verbundenen Einführung des „erweiterten Führungszeugnisses“ zum 01.05.2010 folgte in Zusammenhang mit der öffentlich geführten Missbrauchsdebatte erneut die jugendpolitische Auseinandersetzung um die Führungszeugnisvorlagepflicht. Den aktuellen Entwürfen bundesgesetzlicherÄnderungsvorhaben nach wird die Vorlagepflicht nicht auf Ehrenamtliche ausgeweitet, was der Landesjugendring Berlin ausdrücklich begrüßt. Mit der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung haben wir allerdings vereinbart, dass bei Neuanstellungen und Neuvorlagen von Führungszeugnissen ab 01.01.2011 bereits die sogenannten erweiterten Führungszeugnisse eingeholt werden müssen. Ein aktualisiertes Schreiben der Abteilungsleiterin Jugend soll gewährleisten, dass diese für Ehrenamtliche weiterhin kostenlos ausgestellt werden.

Fortbildung: Präventive Strukturen

Netzwerk durch den LJR-Vorsitzenden Mark Medebach vertreten. Beim JugendFORUM am 20.11.2010 wurde durch das Netzwerk eine Diskussionsrunde zum Thema Wahlalter organisiert. Trotz der intensiven Arbeit des Netzwerks und des breiten Medienechos scheint eine Verfassungsänderung noch vor der nächsten Wahl zum Abgeordnetenhaus unwahrscheinlich. Nachdem sich Bündnis 90/ Die Grünen und die Linkspartei für eine Absenkung des Wahlalters ausgesprochen hatten, hat die SPDFraktion beschlossen, in dieser Legislaturperiode das Thema nicht weiter zu verfolgen. Damit scheint eine für die Verfassungsänderung notwendige 2/3-Mehrheit unmöglich. Das Netzwerk wird sich weiterhin für die Absenkung des aktiven Wahlalters auf der Landesebene auf 16 Jahre einsetzen.

Erweiterte Führungszeugnisse

1.5	

Berlin braucht Jugendarbeit

1.4	

Netzwerk Wahlalter 16

Im März 2010 gründete sich in Berlin das Netzwerk „Wahlalter 16“, dessen Mitglied der Landesjugendring ist. Das überparteiliche Netzwerk setzt sich für die Absenkung des aktiven Wahlalters auf 16 Jahre auf Landesebene ein. Im Netzwerk sind politische Jugendorganisationen, Jugendverbände, Partizipationsprojekte und weitere Organisationen vertreten. Sie alle setzen sich für eine entsprechende Änderung der Berliner Landesverfassung ein. Das Netzwerk hat einen Flyer „wählen ab 16“ veröffentlicht, sich an alle Mitglieder des Abgeordnetenhauses gewandt und öffentlich für das Thema „Wahlalter 16“ geworben. Eine Pressekonferenz des Netzwerks am 5. Oktober 2010, bei der auch der LJR vertreten war, hat für ein breites mediales Echo gesorgt, nicht zuletzt durch die Mitwirkung von Prof. Dr. Klaus Hurrelmann. Bei einer Anhörung im Ausschuss für Bildung und Jugend im Abgeordnetenhaus am 18.11.2010 war das

In diesem Jahr stehen Neuwahlen zum Abgeordnetenhaus an: Da gilt es, unsere jugendpolitischen Perspektiven für die kommenden Jahre zu klären und in das Gespräch mit den politischen Parteien einzubringen. Das hat der Vorstand auf unterschiedliche Weise getan und ist dabei von folgenden Überlegungen ausgegangen: Schule beansprucht einen immer größeren Teil des Zeitbudgets von Kindern und Jugendlichen. Hier droht eine Einengung ihrer Lebenswelt, droht der Verlust von Räumen und Möglichkeiten zur eigenständigen Gestaltung. Damit Jugendliche selbstbestimmt und engagiert ihren persönlichen Weg in die Gesellschaft finden, müssen außerschulische Jugendarbeit und Jugendbildungsarbeit weiter verstärkt und finanziell besser ausgestattet werden – auch mit Blick auf die Kooperation von Jugendarbeit und Schule. Von Jugendlichen wird freiwilliges Engagement neben Schule und Ausbildung oder Studium erwartet, zum Erwerb und zum Nachweis sozialer Kompetenz, ohne die eine erfolgreiche Bewerbung kaum mehr möglich ist. Engagement von Jugendlichen ist aber nicht unbedingt selbstlose Hilfe für andere und kann auch nicht auf den Erwerb sozialer Schlüsselkompetenzen reduziert werden. Engagement von Jugendlichen ist vielmehr immer auch und zu aller erst Vertretung der eigenen Interessen, ist ein Stück gelebte Demokratie in einer pluralistischen Gesellschaft. Das gilt nicht zuletzt auch für jugendliche Migrantinnen und Migranten. Dass sie ihre Interessen artikulieren und auch in kritischer Distanz zur Aufnahmegesellschaft vertreten, ist kein Hindernis für Integration, sondern eine notwendige Voraussetzung für deren Gelingen. Jugendarbeit vernetzt sich also immer stärker mit anderen gesellschaftlichen Bereichen. Schule, Zi-

Jugendpolitische Interessenvertretung

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vilgesellschaft, Engagement oder Soft Skills sind einige der Stichworte aus den aktuellen Debatten. Für Jugendpolitik bedeutet diese Entwicklung die enorme Herausforderung, sich im Interesse von Kindern und Jugendlichen in immer mehr gesellschaftspolitische Bereiche einzumischen und diese entscheidend mit zu gestalten. Gemeinsam mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband hat der Landesjugendring am 26. Januar 2011 die Fachveranstaltung „Berlin braucht Jugendarbeit!“ durchgeführt. 160 Teilnehmende, mehr als 100 weitere Interessierte, denen   abgesagt werden musste: Die Zahlen belegen, dass an einer jugendpolitischen Perspektivdiskussion aus Blick der Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit großes Interesse besteht. Bei der Veranstaltung wurden die Felder Bildung, Integration, Zivilgesellschaft und Wirtschaft durch externe Referent/-innen und Berliner Expert/-innen in Vorträgen und Diskussionsforen in den Blick genommen. Die Ergebnisse der Fachveranstaltung werden am 5. April mit einer Diskussionsveranstaltung im Abgeordnetenhaus in den Dialog mit den Fraktionen eingebracht. Nicht zuletzt dient auch die anstehende Mitgliederversammlung und der vom Vorstand erarbeitete Leitantrag der Weiterentwicklung unserer jugendpolitischen Positionierung in den kommenden Monaten und Jahren. Im Jahr 2010 hat der Vorstand des Landesjugendrings Berlin Gespräche mit den jugendpolitischen Sprecher/-innen der Fraktionen im Abgeordnetenhaus aufgenommen und setzt diese im Jahr 2011 fort. Die Gespräche werden in Hinblick auf die Abgeordnetenhauswahlen 2011 geführt mit dem Ziel, unsere Positionen im Vorfeld der Wahl zur Geltung zu bringen. Außerdem sind die Gespräche der Startschuss für die Haushaltsverhandlungen 2012/2013. In den Bereichen außerschulische Jugendarbeit, Kooperation von Jugendverbänden und Schulen, ehrenamtliches Engagement von Jugendlichen und Integration von jungen Menschen mit Migrationshintergrund sollen die Leistungen, Möglichkeiten und Forderungen der Jugendverbände deutlich werden. Dabei geht es insbesondere darum, die finanzielle Ausstattung der Jugendverbände zu sicher und auszubauen, die politische Akzeptanz der Jugendarbeit in Jugendverbänden zu stärken und die Rahmenbedingungen für junge Menschen im ehrenamtlichen Engagement zu verbessern.  

1.6	

Weiterentwicklung Landesjugendring

Fachtag „Berlin braucht Jugendarbeit“

Im Zuge des 2009 begonnenen Organisationsentwicklungsprozesses haben wir im Jahr 2010 zwei Bereiche des Landesjugendrings besonders unter die Lupe genommen: Den Hauptausschuss und die Öffentlichkeitsarbeit. Bei unserer Beschäftigung mit dem Hauptausschuss verfolgten wir erstens das Ziel, die Funktion des Hauptausschusses für Landesjugendring und Mitgliedsverbände klarer zu bestimmen. Zweitens sollten die Sitzungen attraktiver gestaltet, um die Beteiligung der Verbände zu erhöhen. Um verschiedene mögliche Funktionen und damit Arbeitsweisen des Hauptausschusses praktisch zu erproben, haben wir zwei Sitzungen mit sehr unterschiedlichen Profilen durchgeführt: Im April sollten der Austausch und die Ideenentwicklung („Think Tank“) im Mittelpunkt stehen, während im Juni der Schwerpunkt auf der Entscheidungsfindung und der Kontrolle des Vorstands lag. Beide Sitzungen haben wir schriftlich evaluiert, und die Ergebnisse wurden bei der Vorstandsklausur sowie der Hauptausschusssitzung im September ausgewertet. Für die weitere Arbeit hat der Hauptausschuss folgende Schlussfolgerungen gezogen: Sitzungen mit reinem „Think Tank“-Charakter können zwar gelegentlich anregend und sinnvoll sein, sind jedoch als grundlegende Arbeitsweise ungeeignet, da andere wichtige Aspekte zu kurz kommen. Auch die Funktionsbestimmung als reines Entscheidungs- und Kontrollgremium konnte die Hauptausschussmitglieder nicht voll überzeugen, da der damit einhergehende Formalismus die Sitzung zu unattraktiv werden lässt. Im Hauptausschuss sollen vielmehr - wie bisher - beide Modelle kombiniert und somit folgende Funktionen erfüllt werden: •	 •	 •	 •	 •	 Weitergabe nützlicher Informationen, auch zwischen den Verbänden Kontrolle des Vorstands Politische Willensbildung, auch Abstimmung von Reaktionen auf gemeinsame Probleme Wichtige Beschlüsse zwischen Mitgliederversammlungen Einrichtung von AGen und Kommissionen  

Jugendpolitische Gespräche

Um die Sitzungen attraktiver zu gestalten, haben wir einige Änderungen des Ablaufs vereinbart. So soll beispielsweise die Sitzungsdauer auf zwei Stunden begrenzt und die Tagesordnung auf das Wichtigste reduziert werden. Die Mitgliedsverbände werden re-

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Schwerpunkte

Schwerpunkte

gelmäßig in einer „aktuellen Viertelstunde“ über ihre Arbeit berichten. Bei der Klausurtagung im Juli haben sich der Vorstand und Mitarbeiter/-innen mit der Entwicklung der Öffentlichkeitsarbeit des LJR beschäftigt. Dabei stellten wir zunächst fest, dass der LJR auf eine bereits sehr erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit aufbauen kann. Ziel der Weiterentwicklung war vor allem die Klärung des Profils des Landesjugendrings sowie die Ausarbeitung eines Kommunikationskonzeptes. Mit professioneller Moderation und Beratung wurden dann verschiedene Möglichkeiten und Strategien diskutiert. Für die weitere Arbeit haben wir uns darauf geeinigt, ein ganzheitliches „Markenprofil“ des LJR zu entwickeln, um uns noch besser als kompetenter Ansprechpartner für Jugendfragen in Berlin zu präsentieren. Die Erarbeitung eines entsprechenden Konzepts haben wir uns für 2011 vorgenommen.

12 | Jahresbericht 2010

2.		 Mitbestimmung im LJR
2.1	
Wer?

Vorstand

•	

Seit der Mitgliederversammlung im März 2010 sind im Vorstand (auf dem Foto von rechts nach links): Mark Medebach (Landesjugendwerk der AWO) als Vorsitzender, Burkhard Rooß (BDKJ), Kolja Schumann (SJD – Die Falken), Thomas Koch (Ev. Jugend), Steffi Schieferdecker (djo-Regenbogen) und Miriam Bürger (DGB-Jugend)

•	

•	

•	 •	 •	 •	 •	 •	

Wann?

Der Vorstand trifft sich alle drei Wochen, eine zweitägige Klausur fand im Juli statt.

Was?

•	

Grundsätzlich hat der Vorstand: •	 die inhaltlichen Entwicklungen im LJR koordiniert, begleitet oder selber vorangetrieben •	 die jugendpolitische Interessenvetretung wahrgenommen •	 die Gremien des LJR geleitet •	 an neuen Projekten für den LJR gearbeitet •	 Personalangelegenheiten geregelt •	 die finanzielle Absicherung der Arbeit der Geschäftsstelle im Blick. Vieles von dem, was konkret erreicht oder durchgeführt wurde, ist nachzulesen in den einzelnen Abschnitten dieses Jahresberichts, als Schnelldurchlauf dienen folgende Stichpunkte: •	 Die Konstituierung des „Runden Tisches Jugend“ mit Vereinbarungen zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements von Kindern und Jugendlichen •	 Start eines ESF-geförderten FSJ-Projekts an der Schnittstelle von Jugendverbänden und Schule •	 Abschluss einer dreijährigen Fördervereinbarung

2011-2013 für die Jugendverbände und die LJRGeschäftsstelle mit der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung Die Erarbeitung und Unterzeichnung einer Rahmenvereinbarung zur Kooperation mit Trägern der freien Jugendhilfe bei der Ausgestaltung und Sicherstellung des Ganztagsbetriebes in der Sekundarstufe I Die Erarbeitung und Unterzeichnung einer Rahmenvereinbarung zur Kooperation von Schule und Jugendverbänden außerhalb des Ganztagsbetriebs in der Sekundarstufe I Begleitung eines mit Sondermitteln der Senatsverwaltung geförderten Prozesses zur Initiierung und Weiterentwicklung von Kooperationen zwischen Schulen und Jugendverbänden Die aktive Beteiligung im Netzwerk „Wahlalter 16“ Gespräche mit den jugendpolitischen Sprecher/innen aller Fraktionen des Abgeordnetenhauses Erfolgreicher Abschluss der Projekte „Meine Deine Unsere GeschichteN“ und „Zeitensprünge“ Umzug der Geschäftsstelle in die Lehrter Straße Herausgabe einer Broschüre zum Thema Kindeswohl und Kinderschutz für berufliche Mitarbeiter/innen in Jugendverbänden Durchführung einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Schaffung präventiver Strukturen in Jugendverbänden“ in Kooperation mit dem Kinderschutzbund Landesverband Berlin Durchführung des Fachtags  „Berlin braucht Jugendarbeit! Bestandsaufnahme – Herausforderungen – Perspektiven“

Für das Jahr 2011 stehen an: •	 Realisierung des Projekts „FreiRäume“ •	 Erneute Koordinierung des U18-Projekts für die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus •	 Durchführung eines Fachtags zum Thema „„Potenziale nutzen: Förderung des ehrenamtlichen Engagements Jugendlicher“ •	 Der zweite „Runde Tisch Jugend“ •	 Eine öffentliche Juleica-Verleihung durch Senator Zöllner und die Beauftragte für das Bürgerschaftliche Engagement Monika Helbig •	 Realisierung eines Projekts zum Thema Integration vorbehaltlich einer Finanzierung •	 Jugendpolitische Lobbyarbeit vor den Wahlen zum Abgeordnetenhaus •	 Entwicklung eines Kommunikationskonzeptes inkl. einer „Marke Landesjugendring“ •	 Umsetzung der Vereinbarungen der „Runden

Wohin?

Jahresbericht 2010 | 13

Mitbestimmung im LJR

Mitbestimmung im LJR
Stand: 06.07.2010

14 | Jahresbericht 2010

Landesjugendring Berlin Zuständigkeiten im Vorstand Kolja
•	 AG Jugendverbände und Schule •	 Kommission •	 ABJ Juleica •	 Kommission Juleica •	 •	 •	 •	 Kommission Jugendhilfe: Tilmann Kommission JuleiCa: Candida ABJ: Candida, Tilmann LJR Steuerungsgruppe: Evelyn

Bereiche

Burkhard

Mark

Miriam

Steffi

Thomas

Geschäftsstelle

Kommiss. und AGen
•	 Jugendpol. Gespräche •	 Runder Tisch •	 Runder Tisch •	 Integration •	 Jugendpol. 	 •	 U 18 Gespräche •	 Juleica •	 Wahlalter 16 •	 Integration •	 Historisch-Polit. Bildung •	 Juleica •	 FreiRäume •	 JugendFORUM

•	 Kommission Jugendhilfe (f) •	 LJR Steuerungsgruppe •	 AG JV u. Schule

Projekte, Themenfelder, Kampagnen

•	 Jugendverbands- •	 Jugendpol. arbeit und SchuGespräche le/ FSJ-Projekt •	 Jugendver•	 Kinder- und bandsarbeit Jugendschutz und Schule/ •	 Jugendpol. FSJ-Projekt Gespräche •	 Ehrenamt

•	 Runder Tisch: Tilmann •	 Integration: Tilmann •	 Jugendverbandsarbeit und 	 Schule: Tilmann •	 FSJ-Projekt: Britta •	 Ehrenamt: Candida •	 Historisch-Polit. Bildung: Tilmann •	 Kinder- und Jugendschutz: Candida •	 U18: Candida •	 Jugendpolitische Gespräche: Tilmann •	 Juleica: Candida •	 Wahlalter 16: Tilmann •	 FreiRäume: Tilmann •	 Öffentlichkeitsarbeit: Candida •	 Finanzen: Tilmann, Evelyn •	 Personal: Tilmann

LJR-GS
•	 DBJR-VV •	 DBJR-VV

•	 Finanzen •	 Weiterentwicklung •	 Personal (f) •	 Öffentlichkeitsarbeit •	 Personal

Außenvertretungen

•	 Steuerungsgruppe Fördermodell •	 Stiftungsrat jfsb •	 LAG Kinderschutz •	 (LJHA) •	 (LJHA UA Jugendarbeit)

•	 Initiativkreis IJBS Sachsenhausen •	 AGJ-MV und Säule JV •	 Konferenz LJRe

•	 LAG Partizipation und Mitbestimmung und LAKOK: Tilmann •	 Landesnetzwerk Bürgerengagement: Candida •	 respectABel Steuerungsgruppe: Tilmann •	 LJHA: Tilmann •	 UA Etat: Tilmann •	 UA Gesamtjugendhilfeplanung: Tilmann •	 Bildungsverbund der IJBS Sachsenhausen: Tilmann •	 Wannseeforum: Tilmann •	 Kommission Berliner Freiwilligenpass: Candida •	 Konferenz der LJRe: Tilmann

f = federführend

Tische“ zur Ehrenamtsförderung

2.2	
Wer?

Hauptausschuss

Jeder Mitgliedsverband im Landesjugendring hat im Hauptausschuss eine Stimme, die Mitglieder in Arbeitsgemeinschaften haben als Arbeitsgemeinschaft gemeinsam eine Stimme und ansonsten beratenden Sitz. Als regelmäßige Gäste nehmen Sandra Hildebrandt, Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, und Christiane Wildner, Vertreterin der bezirklichen Jugendämter, an den Sitzungen teil.

Wann? Was?

Der Hauptausschuss hat 2010 fünfmal getagt. Die Aufgabe des Hauptausschusses ist es, wichtige Beschlüsse des Landesjugendrings zu fällen und die Arbeit der Mitgliedsverbände zu bündeln und zu vernetzen. Zudem besetzt der Hauptausschuss Außenvertretungen, die vakant sind, für die Zeit bis zur nächsten Mitgliederversammlung nach. Um die Mitgliedsverbände auf dem Laufenden zu halten und Anregungen aufnehmen zu können, berichtet hier auch der Vorstand von seiner Arbeit. Im Jahr 2010 wurde die Arbeitsweise des Hauptausschusses intensiv diskutiert. Es wurden zwei „Erprobungssitzungen“ mit jeweils unterschiedlichem Schwerpunkt durchgeführt, eine zur Entwicklung neuer Konzepte für die Arbeit des LJR und eine mit dem Ziel der Entscheidungsfindung und der Kontrolle des Vorstands. Die Auswertung ergab ein grundsätzliches Beibehalten des Charakters der Hauptausschuss-Sitzungen mit einer stärkeren Konzentration auf wesentliche Themen, einer zeitlichen Straffung, wechselnden Wochentagen und einer zeitlichen Verschiebung der Sitzungen. Zudem wurden im Hauptausschuss der Satzungsentwurf des Vorstands für die Abstimmung in der Mitgliederversammlung diskutiert. Die Themen „Kooperation Jugendverbände und Schule“ und Kinderschutz nahmen zudem breiten Raum ein. Die Fördermitteltabelle und die Vergabe der Steuerungsmittel wurden beschlossen.

Jahresbericht 2010 | 15

Mitbestimmung im LJR

Mitbestimmung im LJR

2.3	

Kommissionen und Arbeitsgemeinschaften

•	

2.3.1	 Kommission Jugendhilfe
Die Kommission setzt sich hauptsächlich aus den Vertreter/-innen des LJR im Landesjugendhilfeausschuss und deren Stellvertreter/-innen zusammen. Darüber hinaus können alle Mitglieder des Landesjugendhilfeausschusses teilnehmen, die für oder in Jugendverbänden des LJR tätig sind, auch wenn sie im LJHA nicht über den LJR mandatiert sind. Zudem können auch weitere jugendpolitisch interessierte Menschen aus den Verbänden teilnehmen. Den Vorsitz der Kommission übte Norbert Kapinos (djo-Regenbogen) aus. Für die Geschäftsstelle des LJR begleitete Tilmann Weickmann die Kommission, der selbst auch LJR-Vertreter im LJHA ist.

die Vorbereitung einer gemeinsamen Fachtagung   von LJR und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband zu Fragen der Jugendarbeit 20 Jahre nach Einführung des KJHG

Wer?

Im Rahmen der Kommissionsarbeit fand ein Treffen zwischen Vertreter/-innen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands und des Landesjugendringes statt, in dem es um eine erste Bestandsaufnahme der Kooperation Jugendhilfe – Schule am Beispiel der Gestaltung des Ganztagsbetriebes an Integrierten Sekundarschulen ging, um die weitere Ausgestaltung einer Rahmenvereinbarung zur Finanzierung von Jugendfreizeiteinrichtungen sowie um die Positionen der Verbände zur weiteren Haushaltsaufstellung 2012/13. Im Wahljahr 2011 wird die Kommission besonders die Profilierung der Parteien mit jugendpolitischen Themen im Wahlkampf verfolgen und auf erste Auswirkungen für die Arbeit des LJHA abklopfen. Auch in 2011 wird die Kommission die Themen „Zusammenarbeit Jugendhilfe und Schule“ sowie „Weiterentwicklung der Struktur und Finanzierung der Kinderund Jugendarbeit in Berlin“ weiter begleiten.

Wohin?

Wann?

Die Kommission trifft sich in der Regel monatlich, meist in der Woche der LJHA-Sitzungen für ca. 2 Stunden. Die Diskussion innerhalb der Kommission dient zumeist der Vor- und Nachbereitung der jugendpolitischen Außenvertretung des LJR im LJHA. Darüber hinaus bringen die Mitglieder der Kommission hier jugendpolitische Themen zur Sprache, die aus ihrer Sicht für die Verbände des LJR Relevanz entwickeln könnten und prüfen diese auf möglichen Handlungsbedarf. Damit versteht sich die Kommission auch als politisches Beratungsgremium zur Unterstützung von Vorstand und Hauptausschuss. Themen in der Kommission waren 2010 u.a. •	 die Umsteuerung des Mittelansatzes für schulbezogene Jugendarbeit von einer modellprojektbezogenen hin zu einer Verteilung, die sich an den bezirklichen Einwohner/-innen im Alter von 11–16 Jahren orientiert •	 die Etablierung eines Projekts zur Einrichtung von jugendverbandlich getragenen und angeleiteten FSJ-Stellen an Schulen •	 die Gesamtstrukturen der Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule, wie z.B. die rahmenvertraglich geregelte gemeinsame Arbeit im Ganztagsbereich der Integrierten Sekundarschulen sowie die Entwicklung bezirklicher Rahmenstrategien für die Zusammenarbeit •	 die weitere Entwicklung des sozialräumlich organisierten Musterjugendamts

Was?

2.3.2	 Kommission Juleica
An der Kommission Juleica nehmen Interessierte aus den Mitgliedsverbänden des LJR teil. Den Vorsitz haben Steffi Schieferdecker und Thomas Koch vom LJRVorstand übernommen. Von der LJR Geschäftsstelle begleitet Candida Splett die Kommission.

Wer?

Wann?

Die Kommission hat im ersten Halbjahr 2010 ca. alle sechs Wochen, im zweiten Halbjahr gar nicht getagt. Im Berichtszeitraum hat die Kommission wieder die „Train the Trainer“-Fortbildungsreihe begleitet, die gemeinsam mit LJR Brandenburg und dem Sozialpägogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg durchgeführt wird. In Fällen einzelner Module werden Konzepte an die Praxiserfahrungen angepasst. Allerdings wird der Arbeitsaufwand für die Kommission hier zunehmend geringer, da die Fortbildungsreihe nun schon zum zweiten Mal durchgeführt wurde und eine gewisse positive Routine eingetreten ist. Im Jahr 2011 erfolgt ein dritter Durchlauf. Im Rahmen der Qualitätsentwicklung in der JuleicaAusbildung hat die Kommission eine Veranstaltung konzipiert, bei der interessierte Verbände sich über innovative Ausbildungskonzepte einzelner Verbände informieren können (z.B. Deutsch-russische Juleica

Was?

16 | Jahresbericht 2010

von djo-Regenbogen oder Juleica für Jugendliche in offenen Jugendeinrichtung des Jugendrotkreuz). Leider kam diese Veranstaltung aufgrund zu weniger Anmeldungen nicht zustande. Die Kommission hat sich mit individuellen Tätigkeitsnachweisen für Ehrenamtliche in Jugendverbänden beschäftigt. Sie hat die „Grundsätze zum Umgang mit Nachweisen und Zertifizierungen in der Evangelischen Jugend“ als empfehlenswerte Grundlage auch für die Praxis in anderen Jugendverbänden  eingeschätzt. Inzwischen können diese gemeinsam mit eigens entwickelten Textbausteinen für die Erstellung individueller Ehrenamtsnachweise auf www.ljrberlin.de im Menüpunkt „Juleica“ heruntergeladen werden. Schließlich hat sich die Kommission mit der Überarbeitung der Ausführungsvorschriften (AV) für die Vergabe der Juleica auseinandergesetzt, da die aktuellen AV Ende 2011 auslaufen. Ergebnis war ein Entwurf, der der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung zur Beratung vorgelegt wurde. Im Jahr 2011 wird sich die Kommission mit Fragen der Öffentlichkeitsarbeit für die Juleica befassen, insbesondere mit den Zielgruppen Jugendleiter/innen, Träger der Jugendarbeit und Politik bzw. Verwaltung. Auch soll es einen Austausch über bereits vorhandene und ggf. notwendige Ausbildungskonzepte geben, die sich an unterschiedliche Zielgruppen unter den potenziellen Jugendleiter/-innen richten. Dauerthema der Juleica ist die Qualitätsentwicklung in der JuleicaAusbildung. Ggf. soll, begleitet durch die Kommission, ein Praxishandbuchmodul „Diversity“ bzw. „Vielfalt in Jugendverbänden“ entwickelt werden. Hierfür müsste zunächst eine Finanzierung eingeworben werden. Die Kommission freut sich weiterhin über neue Mitglieder! Wer Interesse hat, möge sich bitte in der Geschäftsstelle des Landesjugendrings melden, damit er / sie die entsprechenden Einladungen erhält.

2.3.3	 Arbeitsgemeinschaft Berliner Jugendbildungsstätten (ABJ)
In dieser Arbeitsgemeinschaft des Landesjugendrings haben sich die Jugendbildungsstätten der Jugendverbände und das WannseeFORUM zusammengeschlossen, um in einem regelmäßigen Fachaustausch untereinander und in Zusammenarbeit mit der zuständigen Senatsverwaltung die inhaltliche Arbeit weiterzuentwickeln und zu qualifizieren und für adäquate Rahmenbedingungen der Arbeit zu sorgen.

Wer?

Wann?

Die Arbeitsgemeinschaft tagt in der Regel einmal monatlich. Neben einem regelmäßigen fachlichen Austausch hat sich die ABJ im Jahr 2010 mit folgenden Themen befasst: •	 Mit SenBWF ist über die Veränderung von Zielund Fördervereinbarung beraten worden. Beides liegt nun in einer neuen Fassung vor. Das Thema „Kooperation mit Schulen“ stand auch 2010 auf der Agenda. Dies einerseits im Zusammenhang mit der Beantragung und Verwendung der Sondermittel für die Kooperation mit Schulen; andererseits im Rahmen der Beteiligung der Jugendbildungsstätten am FSJ-Projekt des Landesjugendrings: einzelne Bildungsstätten sind FSJ-Einsatzstellen. Auch kooperieren einzelne Jugendbildungsstätten bei der Durchführung der FSJ-Bildungsseminare mit dem LJR. Die Jugendbildungsstätten haben ihren gemeinsamen Fortbildungsbedarf ermittelt und sind auf dieser Grundlage eine Kooperation mit dem Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut BerlinBrandenburg (SFBB) eingegangen, das einen Teamer für eine Streitschlichter-Fortbildung finanziert. Die dreiteilige Fortbildung, die sich an die Bildungsteams der Berliner und Brandenburger Jugendbildungsstätten richtet, findet in der ersten Jahreshälfte 2011 in der ver.di Jugendbildungsstätte und dem wannseeFORUM statt. Höhepunkt des Jahres war wie üblich der Fachtag, der am 02.11.2010 in alter Tradition in Kooperation mit der Landeszentrale für politische

Was?

Wohin?

•	

•	

•	

Jahresbericht 2010 | 17

Mitbestimmung im LJR

Mitbestimmung im LJR

Bildungsarbeit durchgeführt wurde. Tagungsort war die Alte Feuerwache in Kreuzberg. Die rund 60 Teilnehmenden befassten sich dieses Jahr mit „Diversity-Konzepten in der außerschulischen politischen Jugendbildung“. Mit dem Fachtag ist ein Überblick über Entstehung und Inhalt verschiedener Diversity-Ansätze und ihre Übertragbarkeit auf die Praxis der außerschulischen politischen Bildungsarbeit gegeben worden. Es ging um kritische Reflexion, um Chancen, die DiversityAnsätze bieten, aber auch um ihre „blinden Flecken“. Schließlich ist der Frage nachgegangen werden, welche Rolle die konzeptionellen Grundlagen der eigenen Praxis und die eigenen Haltungen für das Gelingen diversitätsbewusster Bildungsprozesse spielen und diese hinterfragt und ggf. verändert werden können. Im Februar 2011 soll die Dokumentation des Fachtages erscheinen. •	 Die Bildungsstätten präsentierten sich beim JugendFORUM im Abgeordnetenhaus am 20.11.2010.

Ganz allgemein kann aus der Arbeitsgruppe heraus festgestellt werden, dass es in den Jugendverbänden eine ganze Reihe von bestehenden Kooperationen gibt, die insgesamt ein großes Themenspektrum abdecken. In der Arbeitsgruppe wurden wiederholt Schwierigkeiten diskutiert, die u.a. auf das frühe Stadium der Schulreform, die Einführung der Sondermittel und den Start des FSJ- Projekts zurückzuführen sind. Mitunter hatten die Verbände Probleme, in ihren Kooperationen Rahmenvereinbarungen auf der Grundlage der „Rahmenvereinbarung Ganztag“ abzuschließen. Dies hat unseres Erachtens vor allem drei Gründe: 1.	 Da sich die Rahmenvereinbarung parallel mit der sich kontinuierlich „heranwachsenden“ Sekundarschule entwickelt, sind die finanziellen Möglichkeiten der Schulen im Schuljahr 2010/11 erst bei ¼ ihrer Sollgröße; der volle Umfang der Finanzierung wird erst im Schuljahr 2014/15 erreicht, wenn die Schultypen Haupt- und Realschule vollständig aus der Mittelstufe ausgewachsen sind. Dadurch ist die Möglichkeit der Finanzierung von inhaltlichen Angeboten durch Schulen zurzeit noch stark beschränkt. 2.	 Die Kontaktaufnahme zu Schulen stellt sich weiterhin als schwierig für die Jugendverbände dar. Auf Grund eines sehr engen Rahmenplans sehen viele Schulen oftmals keinen Raum für die Generierung von Angeboten non-formaler Bildung. Hier wünschen sich die Verbände verstärkte Kooperationsbereitschaft durch die Schulen. 3.	 Auf Grund der vorangegangenen beiden Punkte sind die Jugendverbände oftmals froh, überhaupt in irgendeiner Weise mit Schulen kooperieren zu können, so dass sie oft vor der Wahl stehen: keine Kooperation oder so weiter, wie bisher, was in der Regel ein kostenloses Bildungsangebot durch den Verband bedeutet.

Was?

Die Jugendbildungsstätten werden sich weiter mit dem Thema „Diversity“ befassen. Darüber hinaus wird das Thema Kooperation JBS - Schulen, vor allen Dingen Kooperation mit den neuen Sekundarschulen, ein wichtiges Thema für die Arbeitsgemeinschaft bleiben. Auch im Jahr 2011 wird es wieder einen Fachtag geben.

Wohin?

2.3.4	 AG Kooperation Jugendverband und Schule
Wer?
In der Arbeitsgruppe tauschten sich Vertreter/-innen einer Vielzahl von Verbänden beständig über die jeweiligen verbandsspezifischen Erfahrungen der Jugendverbände in ihrer Kooperation mit Schule und den daraus resultierenden Erfahrungen, Chancen und Problemen aus. In Vorbereitung auf den Start des FSJ-Projektes und das Inkrafttreten der Rahmenvereinbarung Ganztag tagte die Arbeitsgruppe regelmäßig im 2-MonatsRhythmus, nach Beginn des neuen Schuljahres haben sich die Teilnehmenden auf einen 4-monatigen Sitzungsturnus verständigt. Insgesamt tagte die AG bisher fünf Mal.

Wohin?

Wann?

Insgesamt sind wir jedoch einen ganzen Schritt weiter gekommen, sowohl in der Anerkennung des Beitrags von Jugendverbänden in der Bildungslandschaft durch das Land Berlin als auch ganz konkret in der Bildungsarbeit mit jungen Menschen im Bereich “Schule“. Diese Entwicklung gilt es fortzusetzen.

2.4	
Wer?

Geschäftsstelle

In der Geschäftsstelle waren im Jahr 2010 Tilmann Weickmann als Geschäftsführer, Candida Splett als Referentin für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit

18 | Jahresbericht 2010

(95%), Evelyn Kröll als Finanzreferentin (50%) und Swetlana Nikitenko als Sachbearbeiterin beschäftigt. Emine Basak als Reinigungskraft war auf der Basis eines geringfügigen Beschäftigungsverhältnisses angestellt. Uwe Danker arbeitete bis 31.10. als Berliner Projektkoordinator für das Projekt „Meine Deine Unsere GeschichteN“ in der Geschäftsstelle. Seit 1.7. ist   Britta Höke als Referentin (75%) und seit 1.9. Eva Billen als Sachbearbeiterin (50%) für das FSJ angestellt. Michael Baumann war von März bis Juli Praktikant in der Geschäftsstelle. Von Januar bis Oktober 2011 ist Milena Feingold auf Werkvertragsbasis Koordinatorin des Kinder- und Jugendwahlprojektes U18 in der Geschäftsstelle. Die Geschäftsstelle ist für die Administration aller laufenden Vorgänge des Landesjugendrings zuständig. Hierzu zählen insbesondere die Betreuung der internen Gremien, die täglichen Geschäftsabläufe, Beratungen, Kontaktpflege mit der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und der Politik (soweit sie nicht durch den Vorstand direkt wahrgenommen wird). Außerdem muss sie die organisatorischen Bedingungen und die Detailabsprachen für öffentliche Aktivitäten des Landesjugendrings sicherstellen. Eine immer wichtigere Aufgabe für die Mitarbeiter/-innen der Geschäftsstelle stellt die Erarbeitung von Vorlagen für die Gremien des Landesjugendrings dar. Hinzu kommt die Erarbeitung und Koordination von Projektanträgen und die dazu gehörigen Abstimmungen mit den Projektmittelgebern und anderen Beteiligten. Der Haushalt des Landesjugendrings konnte auf niedrigem Niveau ausgeglichen gestaltet werden. Durch die dreijährige Zuwendungsvereinbarung mit dem Land Berlin konnte bis 2010 die Förderung der Geschäftsstelle auf gleichbleibender Höhe sichergestellt werden. Eine neue Fördervereinbarung sichert die Förderung bis 2013. Weiterhin gibt es aber nur eine geringe finanzielle Rücklage, so dass mittelfristig die Unterfinanzierung der Geschäftsstelle zu weiteren Einsparmaßnahmen zwingen wird, es sei denn, die Einnahmen können erhöht werden. Am 24.3. ist die Geschäftsstelle in die Lehrter Straße in Tiergarten umgezogen. Dank einer Förderung durch PS-Sparen konnten die Räume an die Nutzung durch den LJR gut angepasst werden. In der Regel ist die Geschäftsstelle von Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr besetzt.

2.5	

Interessenvertretung in Außenvertretungen

Was?

Der Landesjugendring ist für die auf Landesebene tätigen Jugendverbände und -gruppen der Zusammenschluss, dem nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz die Aufgabe zukommt, Anliegen und Interessen junger Menschen zum Ausdruck zu bringen und zu vertreten (KJHG § 12 Abs. 2). Um dieser Aufgabe im Querschnitt aller Politikfelder wirksam nachkommen zu können, benennt der Landesjugendring in zahlreichen Gremien und Arbeitsgemeinschaften in Politik, Verwaltung und Gesellschaft Vertreterinnen und Vertreter, die zur Berücksichtigung der Interessen von Kindern und Jugendlichen in den jeweiligen Themenbereichen und Politikfeldern beitragen sollen. Neben der Gesamtübersicht der Außenvertretungen sind die Themen und Inhalte des letzten Jahres außerdem in Kurzberichten nachzulesen.

Übersicht Außenvertretungen: AGJ-MV und Säule Jugendverbände
•	 Thomas Koch, LJR-Vorstand (Ev. Jugend)

aktiv in Berlin – Landesnetzwerk Bürgerengagement (aib)
•	 Candida Splett, LJR-GS

Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus
•	 •	 •	 •	 •	 •	 •	 •	 •	

Tim Scholz, JBS Kurt-Löwenstein Tilmann Weickmann, LJR-GS

Bildungsverbund der IJBS Sachsenhausen DBJR-Vollversammlung

Miriam Bürger, LJR-Vorstand (DGBjugend) Thomas Koch, LJR-Vorstand (Ev. Jugend) Candida Splett, LJR-GS

Initiativkreis der IJBS Sachsenhausen e. V. Kommission für den Berliner FreiwilligenPass Kuratorium der ASFH (ruhend)

Peter Bohl, DGB-Jugend Carla Dietrich (Stellvertr.), DGB-Jugend Thomas Koch, LJR-Vorstand (Ev. Jugend) Tilmann Weickmann, LJR-GS

Konferenz der Landesjugendringe

Wohin?

Der Landesjugendring wird im Jahr 2011 die Koordinierungsfunktion für U18 übernehmen.

Jahresbericht 2010 | 19

Mitbestimmung im LJR

Mitbestimmung im LJR

Landesarbeitsgemeinschaften nach § 78 KJHG
LAG Jugendberufshilfe •	 Kristian Liedemit, Ev. Jugend •	 Peter Bohl (Stellvertr.), DGB-Jugend LAG Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen •	 Tilmann Weickmann, LJR-GS LAG Kinderschutz •	 Thomas Wesenberg, SJD-Die Falken •	 Burkhard Rooß (Stellvertr.), LJR-Vorstand (BDKJ)

Musikschulbeirat
•	 •	

Richard Schubert, Ev. Jugend Steffi Schieferdecker, LJR-Vorstand (djo-Regenbogen) Markus Weber, BDKJ

Netzwerk Wahlalter 16

Rundfunkrat des Senders rbb
•	

Steuerungsgruppe „Fördermodell Jugendverbände“
•	 •	 •	 •	

Burkhard Rooß, LJR-Vorstand (BDKJ) Norbert Kapinos, djo-Regenbogen Daniel Wucherpfennig, DGB-Jugend Tilmann Weickmann, LJR-GS

Landesausschuss für Jugendarbeitsschutz
•	 •	 Andreas Nareuisch, DGB-Jugend Christin Richter (Stellvertr.), DGB-Jugend

Steuerungsgruppe respectABel Stiftungsrat der Jugend- und Familienstiftung (jfsb)
•	 •	 Burkhard Rooß, LJR-Vorstand (BDKJ) Tilmann Weickmann, LJR-GS

Landesjugendhilfeausschuss – LJHA •	 Peter Ogrzall, Alte Feuerwache(BDP) •	 Kolja Schumann (Stellvertr.), SJD-Die Falken •	 Norbert Kapinos, djo-Regenbogen •	 Sandra Böhme (Stellvertr.), Schreberjugend •	 Tim Scholz, JBS Kurt-Löwenstein •	 Tilmann Weickmann (Stellvertr.), LJR-GS UA-Jugendarbeit / außerschulische Jugendbildung / Jugendsozialarbeit •	 Peter Ogrzall, Alte Feuerwache(BDP) •	 Tim Scholz, JBS Kurt-Löwenstein •	 Sandra Böhme, Schreberjugend UA-Etatfragen •	 Peter Ogrzall, Alte Feuerwache(BDP) •	 Tilmann Weickmann, LJR-GS UA-Gesamtjugendhilfeplanung •	 Norbert Kapinos, djo-Regenbogen •	 Tilmann Weickmann, LJR-GS UA-Erzieherische Hilfen •	 Norbert Kapinos, djo-Regenbogen UA-Tagesbetreuung •	 Norbert Kapinos, djo-Regenbogen •	 Kolja Schumann, SJD-Die Falken

WannseeFORUM für Jugendarbeit e. V.

Landeskoordinierungskreis „Kinder- und Jugendpartizipation in Berlin“ (LAKOK)
•	 Tilmann Weickmann, LJR-GS

20 | Jahresbericht 2010

2.5.1	 AGJ-MV und Säule Jugendverbände
Wer?
Die AGJ ist ein bundesweiter Fachverband, der die Jugendverbände und Landesjugendringe, die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege, weitere Fachorganisationen der Jugendhilfe, die obersten Landesjugend- und Familienbehörden sowie die Arbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter angehören. Die AGJ führt regelmäßige Fachveranstaltungen zu aktuellen Fachthemen der Jugendhilfe durch; sie verantwortet den Jugendhilfetag, der alle vier Jahre stattfindet, und leistet eine umfangreiche internationale Arbeit (Vernetzung, Fachkräfte-Programme). Der 14. Deutscher Kinder- und Jugendhilfetag findet vom 7. bis 9. Juni 2011 in Stuttgart statt unter dem Motto: „Kinder. Jugend. Zukunft: Perspektiven entwickeln - Potenziale fördern!“ Im Mittelpunkt steht das Aufwachsen junger Menschen, deren Förderung, Schutz und Teilhabe. Es wird danach gefragt, wie die Potenziale junger Menschen gefördert und wie Benachteiligungen und soziale Ungleichheiten abgebaut werden können. Der Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag besteht aus Fachkongress und Fachmesse und versteht sich als die zentrale fachliche Plattform der Kinder- und Jugendhilfe. Konzeptionelle Entwicklungen und innovative Modelle der Kinder- und Jugendhilfe werden vorgestellt und die Öffentlichkeit über die Arbeit, die Leistungen und die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe informiert. Der DJHT zielt auf die gemeinsame Durchsetzung verbesserter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen für Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Die Landesjugendringe sind mit einem Gemeinschaftsstand auf der Messe vertreten; aufgrund der hohen Kosten und der weiten Anreise wird der LJR Berlin in diesem Jahr nicht dabei sein. Weiteres Schwerpunktthema in der Arbeit der AGJ war der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch. Insbesondere in der Debatte um die Führungszeugnis-Pflicht für Ehrenamtliche konnte in der AGJ die differenzierte Sichtweise der Jugendverbände und Jugendringe verdeutlicht werden. Welche Entscheidung auf der politischen Ebene letzlich getroffen wird, bleibt abzuwarten.

2.5.2	 „aktiv in berlin“ Landesnetzwerk Bürgerengagement
„aktiv in berlin“ Landesnetzwerk Bürgerengagement (aib) ist ein im Jahr 2005 gegründeter Zusammenschluss von Organisationen aus allen gesellschaftlichen Bereichen Berlins, die sich dem Bürgerschaftlichen Engagement verbunden fühlen. Der Landesjugendring gehört zu den Gründungsmitgliedern von aib. Zurzeit gehören dem aib 68 Organisationen an.   Die Mitgliederversammlung von aib tagt in der Regel vier Mal im Jahr. Im Jahr 2010 hat sie fünf Mal getagt.

Wer?

Wann?

Wann?

Was?

Was?

Ziel des Netzwerkes ist der fachliche Austausch zwischen den Mitgliedern, deren Weiterbildung sowie die Verbesserung der Rahmenbedingungen für freiwilliges, ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement im Land Berlin. Zudem sollen gemeinsame Projekte und Kooperationen initiiert werden. Gemeinsam mit dem Treffpunkt Hilfsbereitschaft e.V. führte aib im Berichtszeitraum die dritte Berliner Freiwilligenbörse durch, die am 17. April 2010 im Berliner Rathaus stattfand. Hier stellten sich Organisationen, die Freiwillige benötigen, vor und trafen auf Menschen, die an einem freiwilligen Engagement interessiert sind. Unter den zahlreichen Besuchern sind jeweils nur wenige Jugendliche, weshalb sich der Landesjugendring auch künftig dort nicht präsentieren wird. Einzelne Jugendverbände, bei denen sich auch erwachsene Freiwillige engagieren, waren jedoch vertreten. Die 4. Berliner Freiwilligenbörse wird am 07. Mai 2011 stattfinden.   aib finanziert sich bis auf Weiteres lediglich aus Mitgliedsbeiträgen und leidet entsprechend an einer Unterfinanzierung. Die Arbeit in der Geschäftsstelle, die beim Treffpunkt Hilfsbereitschaft angesiedelt ist, erfolgt ausschließlich ehrenamtlich, was dauerhaft in dieser Form nicht tragbar ist. Im Berichtszeitraum wurde daher im Sinne der Herstellung der Förderfähigkeit weiter an einer Institutionalisierung des aib gearbeitet. Es ist nun eine Satzung für das aib als nicht eingetragener Verein verabschiedet worden. Die Satzung sieht unter anderem vor, dass das gleichberechtigte Kollegialorgan „Sprecherrat“ (anstelle eines Vorstandes) erhalten bleibt. Auch wird Wert auf eine demokratieförderliche und transparente Struktur gelegt. Im Rahmen eines Entwicklungsworkshops am 28.09.2010 haben Expertinnen und Experten aus der

Jahresbericht 2010 | 21

Mitbestimmung im LJR

Mitbestimmung im LJR

Berliner Engagementszene, darunter Candida Splett für den Landesjugendring, Forderungen an eine Berliner Engagementstrategie entwickelt, die in Form von Wahlprüfsteinen in die Politik kommuniziert werden sollen. Dies erfolgte methodisch in Anlehnung an das „Nationale Forum für Engagement und Partizipation“ des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE), das die Bundesregierung bei der Entwicklung einer nationalen Engagementstrategie unterstützt hat. Im Berichtszeitraum hat sich eine neue AG „Europäisches Jahr der Freiwilligentätigkeit“ mit der Beteiligung des aib an den EU-Aktivitäten in Berlin, insbesondere mit Möglichkeiten der Bespielung des EU-Zeltes befasst, das vom 07.-20.10.2011 in Berlin Station macht. Weitere Arbeitsgruppen, die im Rahmen des aib zur Zeit tagen, sind die AG Freiwilligendienste, die AG Freiwilligenbörse sowie die AG Satzung. Im Jahr 2011 werden die Berliner Aktivitäten im „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit“ im Mittelpunkt der Arbeit des aib stehen. Die Vorbereitung und Ausrichtung der 4. Freiwilligenbörse sowie die Bespielung des EU-Zeltes im Oktober werden hierbei wichtige Schwerpunkte sein. Ziel des Landesjugendrings ist es, die Besonderheiten des Engagements Jugendlicher und die hierfür erforderlichen Rahmenbedingungen im Rahmen des aib und mit Zielrichtung Politik und Verwaltung immer wieder ins Gespräch und damit weiter ins Bewusstsein der Fachöffentlichkeit zu bringen.

Entwicklung der Landeskonzeption gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Schwerpunkt im Jahr 2010 war die externe Evaluation der aus dem Berliner Landesprogramm geförderten Projekte und die Diskussion, in welchen Bereichen des zivilgesellschaftlichen Handelns gegen Rechtsextremismus noch Lücken bestehen und wie diese gefüllt werden können. Zudem wurden auch die Entwicklungen auf Bundesebene im Bereich des Programms „VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ zusammengetragen. Aufgrund der Zunahme von Übergriffen auf Moscheen und andere muslimische Einrichtungen will das Beratungsnetzwerk diskutieren, wie stärker gegen Islamfeindlichkeit vorgegangen werden kann.  Im Blickfeld wird auch das Bundesprogramm „„VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ bleiben, da 2011 neue, aus dem Programm geförderte Modellprojekte starten werden. Außerdem werden neue lokale Aktionspläne gegen Rechtsextremismus in Berlin finanziert, wohingegen die bisher aus dem Programm geförderten lokalen Aktionspläne nach 3-4 Jahren auslaufen.

Wohin?

Wohin?

2.5.4	 Bildungsverbund für die IJBS Sachsenhausen e.V.
Ziel des Bildungsverbunds ist die Förderung der Bildungsarbeit in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Sachsenhausen. Mitglieder im Bildungsverbund sind neben den beiden Landesjugendringen Berlin und Brandenburg die RAA Brandenburg, die LKJ Brandenburg, Bildungsstätten, Jugendverbände und weitere Träger aus dem Bereich der Jugendarbeit. Zentrales Thema der Arbeit des Bildungsverbunds im Jahr 2010 war die Durchführung eines Projektes „kunst-raum-erinnerung. zur verbindung von historischem lernen, kulturpädagogischer praxis und zeitgenössischer kunst“. Das Projekt wurde im Rahmen des Bundesprogramms „VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ realisiert. Gemeinsam mit der IJBS Auschwitz (Oswiecim/Polen) wurden exemplarisch Methoden der zeitgemäßen Vermittlung bzw. Aneignung der Geschichte des Nationalsozialismus entwickelt. Schwerpunkte stellen dabei die rassistische und politische Verfolgung, die Konzentrationslager und der Holocaust dar. Im Rahmen des Projekts wurden Dokumente mit Zeitzeugen erstellt und gesichert, Material für die Arbeit mit Gruppen zu den genannten Schwerpunkten entwickelt, modulare Methoden erprobt und Fortbildungen für Multiplikator/innen angeboten. Bei allem standen vor allem künst-

Wer?

2.5.3	 Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus
Der Berliner Integrationsbeauftragte hat vor einigen Jahren das Berliner Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus berufen, um Organisationen und Einrichtungen im Bereich der Rechtsextremismusbekämpfung besser zu vernetzen und gleichzeitig den Senat zu beraten. Ca. 20 Organisationen und Landesbehörden sind dort vernetzt. Das Beratungsnetzwerk trifft sich alle 2-3 Monate zu einer dreistündigen Sitzung. Im Berichtszeitraum haben drei Sitzungen stattgefunden Ziel des Beratungsnetzwerkes ist die Vernetzung von Akteur/-innen im Bereich der Rechtsextremismusbekämpfung und die Beratung des Senats in diesem Bereich. Darüber hinaus geht es um die (Weiter)-

Wer?

Was?

Wann?

Was?

22 | Jahresbericht 2010

lerische Ansätze im Mittelpunkt. Das Projekt wurde im Sommer 2010 abgeschlossen.   

Staatssicherheitsdienst vorgeworfen wird, ist seine Person in Polen sehr umstritten.

Wohin?

Mittelfristig soll eine Bildungsreferentenstelle in der IJBS geschaffen werden.

2.5.7	 Kommission für den Berliner FreiwilligenPass
Die Kommission für den Berliner FreiwilligenPass setzt sich aus Vertretern der Zivilgesellschaft und des Senats zusammen. Die Geschäftsstelle des Berliner FreiwilligenPasses ist bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz (SenSoz) angesiedelt.

2.5.5	 DBJR – Vollversammlung
Die 83. DBJR-Vollversammlung fand am 29./30.10.2010 in Berlin statt. Es wurden unter anderem zu den Themen, „Bundesfreiwilligendienst“, „Hartz IV-Regelsätze“, „Jugendverbandsarbeit und Integration“ und „Umwandlung der Programme gegen Rechtsextremismus“ Beschlüsse gefasst. Außerdem wurde die Satzung geändert. In Zukunft wird der DBJR von einer Doppelspitze geleitet. Alle Beschlüsse können unter www.dbjr.de nachgelesen werden.

Wer?

Wann? Was?

Die Kommission hat im Jahr 2010 einmal getagt. Aufgabe der Kommission ist die Gesamtsteuerung des Freiwilligenpasses. In diesem Jahr befasste sie sich jedoch vor allem mit einem anderen Instrument der Anerkennung freiwilligen Engagements - der EhrenamtsCard. Die Karte ist zum 1. Januar 2011 eingeführt worden und ist mit zahlreichen Vergünstigungen aus den Bereichen Sport, Kultur und Freizeit verbunden. Eine Vergabe erfolgt an überdurchschnittlich engagierte Bürger/-innen, die •	 •	 •	 •	 •	 sich in den vergangenen drei Jahren mindestens 20 Stunden monatlich oder 240 Stunden jährlich ehrenamtlich engagiert haben oder sich in den vergangenen fünf Jahren 10 Stunden monatlich oder 120 Stunden jährlich ehrenamtlich engagiert haben, ihr Ehrenamt in Berlin ausüben, die Absicht haben, das Ehrenamt fortzusetzen, ohne Entgelt und ohne Aufwandsentschädigung, die über die Erstattung von Auslagen hinausgehen, tätig sind.

2.5.6	 Initiativkreis der IJBS Sachsenhausen e. V.
Wer?
Der Initiativkreis ist ein gemeinnütziger Verein und anerkannter Träger der freien Jugendhilfe, dem die Landesjugendringe Berlin und Brandenburg sowie Einzelpersonen angehören. Der Initiativkreis ist Mitglied im Bildungsverbund Sachsenhausen.

Wann?

Der Vorstand des Initiativkreises trifft sich regelmäßig alle sechs Wochen; außerdem findet die jährliche Mitgliederversammlung statt. Im Jahr 2010 hat der Initiativkreis eine Reihe kleinerer Veranstaltungen angeboten, alle mit Bezug auf die Biographie und das literarische Schaffen von Andrzej Szczypiorski, dem polnischen Literaten und überlebenden Sachsenhausen-Häftling, der zum Namensgeber der Internationalen Jugendbegegnungsstätte wurde. Da es aber wiederum nicht gelungen ist, neue aktive Mitglieder zu gewinnen, und der kleine Kreis um den Vorstand herum nicht ausreicht, um die vielen Projektideen umzusetzen, hat die Mitgliederversammlung im Oktober 2010 beschlossen, die Arbeit des Initiativkreises zu beenden. Vor der geplanten Auflösung des Vereins werden wir gemeinsam mit der Gedenkstätte Sachsenhausen ein abschließendes biographisches Projekt zu Szczypiorski realisieren, mit dem Material für die pädagogische Arbeit bereitgestellt wird. Dabei geht es um die Zeit im von den Deutschen besetzten Warschau und die Haftzeit Szczypiorskis in Sachsenhausen sowie um deren literarische Aufarbeitung in den Romanen und Erzählungen; es geht aber auch um seine Rolle im Polen der Nachkriegszeit. Seit ihm die langjährige Zusammenarbeit mit dem polnischen

Was?

Die Festlegung eines Mindestalters für Karteninhaber gibt es nicht. Es sollen jährlich bis zu 4.500 Karten mit einer Laufzeit von zwei Jahren ausgegeben werden. Die Kartenausgabe soll durch die Träger erfolgen, bei denen die Ehrenamtlichen tätig sind. Die Senatskanzlei wird den Trägern entsprechende Kontingente zur Verfügung stellen. Der Landesjugendring bemühte sich um die Zuteilung eines Kontingentes für jugendliche Ehrenamtliche, erhält nun allerdings lediglich 20 Cards. Die Kommission hat eine Diskussion über die bessere Koordinierung von Anerkennungsinstrumenten im Land Berlin angeregt. Im Gespräch waren in diesem

Jahresbericht 2010 | 23

Mitbestimmung im LJR

Mitbestimmung im LJR

Zusammenhang die Ehrennadel, der FreiwilligenPass, die EhrenamtsCard und die Juleica. Es soll geklärt werden, ob ein abgestimmter Einsatz der Instrumente sinnvoll ist, und wenn ja, ob die organisatorischen Strukturen sinnvoll sind und wie die Instrumente gemeinsam beworben werden können.

Wohin?

Aufgabe des Landesjugendrings in der Kommission ist weiterhin die Beobachtung aktueller Entwicklungen bei der Anerkennung ehrenamtlichen Engagements im Zusammenhang mit dem (Schüler-)FreiwilligenPass / der EhrenamtsCard und anderen Anerkennungsinstrumenten und die Beurteilung, inwiefern etwaige Entwicklungen eine Konkurrenz für die Juleica darstellen können, sowie die weitere Profilierung der Juleica als eigenständiges Instrument auf der Ebene von SenSoz / der Senatskanzlei.

Bei der Konferenz in Gauting standen Fragen des Kinderschutzes im Mittelpunkt. Zudem wurde über die Frage der Wirksamkeit von Jugendarbeit diskutiert sowie über die Kooperation von Jugendverbandsarbeit und Schule. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die geplante Kampagne des DBJR „Starke Verbände – starke Jugend“. Zudem wurde die Mitgliederversammlung des DBJR vorbereitet.   

Wohin?

Die nächsten Konferenzen finden am 28./29.03.2011 im Saarland und am 26./27.09.2011 in Hannover statt.

2.5.9	 Landesarbeitsgemeinschaften nach § 78 KJHG
LAG nach § 78 „Jugendberufshilfe“
In der LAG Jugendberufshilfe arbeiten verschiedene Vertreter/-innen zu unterschiedlichen inhaltlichen Themenkomplexen. Sie setzt sich aus ca. 20 Mitgliedern zusammen: Vertreter/-innen freier Träger in Berlin und Vertreter/-innen der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und der Bezirke. Weitere   Vertreter/-innen kommen aus der Agentur für Arbeit sowie von mehreren Jobcentern in Berlin. Im vergangenen Jahr traf sich die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendberufshilfe (LAG) dreimal im Jahr.

2.5.8	 Konferenz der Landesjugendringe
An der Konferenz der Landesjugendringe nehmen für jeden Landesjugendring 1-2 Vertreter/-innen teil. Jeder LJR hat eine Stimme. Außerdem nehmen je ein Vertreter des DBJR-Vorstands und der DBJR-Geschäftsstelle an den Sitzungen teil.

Wer?

Wer?

Wann?

Wann?

Die Konferenz tagt zweimal jährlich, im Berichtszeitraum tagte sie am 8./9. März 2010 in Bremen und am 20./21.9.2010 in Gauting bei München. Auf der Konferenz informieren sich die Landesjugendringe gegenseitig über ihre Aktivitäten und stimmen ihr Vorgehen ab. Die Konferenz kann keine für einzelne Landesjugendringe bindenden Entscheidungen treffen. Im Mittelpunkt der Konferenz in Bremen stand die Auswertung des Online-Antragsverfahren für die Juleica und des Gesamtprojekts „Weiterentwicklung der Juleica“. Generell wurden das neue Verfahren und das Projekt als sehr positiv beurteilt. Inhaltlicher Schwerpunkt der Konferenz waren die europäische Jugendpolitik und die Frage der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Es wurde vereinbart, die Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik erneut mit einer Sonderauswertung der amtlichen Kinderund Jugendhilfestatistik zu den öffentlich geförderten Maßnahmen der Kinder- und Jugendarbeit unter besonderer Berücksichtigung der Bundesländer zu beauftragen.  

Was?

Was?

Die LAG setzte sich unter anderem mit den Auswirkungen der Sparmaßnahmen und deren Folgen für   junge Menschen in Berlin auseinander. Sie begleitete kritisch die pädagogische Arbeit mit den Jugendlichen bei den Trägern der Jugendberufshilfe. Folgende Hauptarbeitsfelder hat die LAG im Jahr 2010 bearbeitet: •	 Ausgrenzungsprozessen entgegentreten •	 Neujustierung von Hilfen für Jugendliche und junge Erwachsene •	 Zusammenarbeit der Arbeitsagenturen/Jobcenter mit den bezirklichen Jugendämtern / Trägern der Jugendberufshilfe •	 Informations- und Kommunikationsplattform im Internet zum Thema Jugendberufshilfe (www. jbh-berlin.de) In seinem aktuellen Positionspapier fordert der PARITÄTISCHE, einen „harten“ Rechtsanspruch in § 13 SGB VIII auf Leistungen der Jugendsozialarbeit für Jugendliche und junge Erwachsene zu schaffen,

24 | Jahresbericht 2010

deren berufliche und soziale Integration gefährdet ist. Dringend erforderlich ist auch eine Abmilderung der rigiden Sanktionsregelungen im SGB II für Jugendliche. Junge Menschen mit seelischen Erkrankungen, Straffälligkeiten, Inhaftierungen und Überschuldungen, die auf Angebote der Jugendsozialarbeit angewiesen wären, scheitern oftmals in Versuchen, einen schulischen Abschluss oder einen Ausbildungsplatz zu erreichen. Viele junge Menschen sind wohnungslos. Perspektiven zu selbstgewählten Vorstellungen werden von diesem Personenkreis in der Jugendsozialarbeit kaum bewältigt. Eine soziale Integration findet in den seltensten Fällen allein mit dem Ausbildungsplatz und den Lohnarbeitsangeboten statt. Vielmehr ist eine spezifische Verknüpfung mit freiwilligen sozialpädagogischen Inhalten und mit kontinuierlicher Begleitung in jedem Einzelfall notwendig. Viele Jugendliche neigen zu einem Alltag des Abtauchens, weil sie genug von den Bevormundungen der Behörden und den Erwachsenen haben. Es sind zumeist junge Menschen, die sich selbst mit niedrigschwelligen Jugendhilfeangeboten in unserer Stadt nicht mehr erreichen lassen. Hier zu benötigen wir einen Neugewichtung und insbesondere eine Neuregelung in den §§ 13 SGB VIII und 31 SGB II. Die Hilfen müssen dringend verbessert werden, um sozialen Ausgrenzungsprozessen von jungen Menschen entgegenzuwirken und möglichst allen jungen Menschen Teilhabe an Beruf und Gesellschaft zu ermöglichen!

Wann?

Die LAG trifft sich zweimonatlich. Zwischendurch tagen Unter-Arbeitsgruppen.

Was?

Die LAG hat im Herbst einen Zwischenbericht über ihre Arbeit an den LJHA gegeben. Sie entwickelte für die Bereiche „Hilfen zur Erziehung“, „Jugendhilfeplanung“ und „Kindertagesbetreuung“ Vorschläge für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Das Vorhaben, Vorschläge für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei der Planung von Straßenquerungen zu entwickeln, hat die LAG abgeschlossen. Zum Juni 2011 muss dem LJHA ein Abschlussbericht vorgelegt werden.

Wohin?

LAG nach § 78 „Kinderschutz“
Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Kinderschutz setzte sich aus Vertretern/-innen der landesweit tätigen Beratungsstellen des Kinderschutzes, der freien und öffentlichen Jugendhilfe, der Jugendverbände, der Liga der freien Wohlfahrtspflege, des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, sowie des Bereiches Schule zusammen.

Wer?

Wann?

Wohin?

Die Jugendberufshilfe als Aufgabe der Jugendhilfe in Berlin erfordert – nachdem die seit Jahren etablierten und funktionierenden Instrumente der Jugendberufshilfe in Berlin durch den einseitigen Rückzug der Jugendämter faktisch nicht mehr existent sind – eine völlige Neuorientierung im Rahmen der Jugendsozialarbeit. In der LAG sind fachliche Ressourcen unserer Stadt gut zusammenfasst, so dass  wir weitere Weisungen für den Weg geben können. Als Landesjugendring ist unsere Mitarbeit in der LAG Jugendberufshilfe weiterhin wichtig und hilfreich für die thematische Arbeit an dem Thema   Jugendberufshilfe und Jugendsozialarbeit in unserer Stadt.

Die LAG hat sich am 07.10.2008 konstituiert. Seither hat die LAG vierteljährlich getagt und acht Sitzungen durchgeführt. Auf Beschluss des Landesjugendhilfeausschusses wurde die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Kinderschutz befristet auf zwei Jahre beauftragt. Auf der Grundlage des vom Senat im Februar 2007 beschlossenen „Konzept für ein Netzwerk Kinderschutz“ wurden von der LAG die Entwicklung und der Ausbau bezirklicher Netzwerke, die landesweite Vernetzung bezirklicher Kooperationen im Arbeitsfeld Kinderschutz und die Auswertung dieser Kooperationen erwartet. Die Mitglieder der LAG haben sich in einem ersten Schritt dazu verständigt, ihren Arbeitsauftrag auf der Grundlage einer Befragung zu erfüllen. Es wurde eingeschätzt, dass die Datenlage über den Stand der Entwicklung bezirklicher Netzwerke und Kooperationen im Kinderschutz lückenhaft ist. Es wurde daher ein Fragebogen entwickelt, um dazu eine verlässliche Einschätzung geben zu können. Die entwickelten Fragebögen wurden im Dezember 2008 an die bezirklichen Jugendhilfeausschüsse versendet mit der Bitte, diesen auszufüllen und auch anderen Gremien (Arbeitsgemeinschaft nach § 78 SGB VIII)

Was?

LAG nach § 78 „Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen in Berlin“
In der LAG arbeiten Kinder- und Jugendbeteiligungsbüros aus den Bezirken, Bezirksämter und landesweite freie Träger der Jugendarbeit mit.

Wer?

Jahresbericht 2010 | 25

Mitbestimmung im LJR

Mitbestimmung im LJR

und weiteren wichtigen Partnern/Trägern zur Beantwortung zuzuleiten. Ein Rücklauf war im Wesentlichen durch die Jugend- und Gesundheitsämter sowie die Kindertageseinrichtungen und weniger durch Träger der freien Jugendhilfe zu verzeichnen. Trotz Rückmeldung aus den Bezirken war das Ergebnis der Befragung nicht aussagekräftig genug. Daher wurde eine weitere Befragung durchgeführt, die sich gezielt an die Kinderschutzkoordinator/-innen der bezirklichen Jugend- und Gesundheitsämter richtete. Aus den Antworten der Bezirke wird deutlich, dass die „Netzwerkarbeit“ offenbar sehr unterschiedlich interpretiert wird. Hierbei finden die Sichtweisen der jeweiligen Fachverwaltungen zum Thema Kinderschutz und die vorhandenen Erfahrungen in der Netzwerkarbeit ihren Ausdruck. Die Verknüpfung der Systeme Gesundheitshilfe und Jugendhilfe stehen im Vordergrund und sind durch das „Netzwerk Kinderschutz“ weiterentwickelt worden. Daher empfiehlt die LAG Kinderschutz die Entwicklung eines berlineinheitlichen Rahmenkonzepts für die bezirklichen Kinderschutznetzwerke. Die LAG Kinderschutz kommt zu der Einschätzung, dass insbesondere die Verankerung verbindlich strukturierter Rückmeldesysteme und eine strukturierte Fehleranalyse aller Beteiligten notwendig zu vereinbaren sind, wenn die vernetzte Arbeit gelingen soll. Die Hotline-Kinderschutz ist als unverzichtbarer Baustein des reaktiven und protektiven Kinderschutzes gut etabliert, jedoch muss die Hotline personell erweitert werden. Es sind Ansätze für ein mehrsprachiges Angebot zu entwickeln. Die LAG Kinderschutz schätzt selbstkritisch ein, dass die Umsetzung des Arbeitsauftrages nicht in ausreichendem Maß gelungen ist. Diese Einschätzung rührt u.a. daher, dass der Arbeitsauftrag für die LAG zu umfangreich war, um diesen angemessen zu erfüllen. Im Hinblick auf die Begleitung der Umsetzung der o.g. Maßnahmen schätzt die LAG Kinderschutz realistisch ein, dass die damit verbundenen notwendigen Aufgaben nicht durch die LAG geleistet werden können. Dem Landesjugendhilfeausschuss wird daher empfohlen, dazu eine entsprechende wissenschaftliche Begleitung anzuregen.

2.5.11	Landesjugendhilfeausschuss (LJHA)
Wer?
Tim Scholz (JBS Kurt Löwenstein), Stellvertretung Tilmann Weickmann (LJR-GS), Peter Ogrzall, BDP, Stellvertretung Kolja Schumann (SJD – Die Falken), Norbert Kapinos (djo-Regenbogen), Stellvertretung Sandra Böhme (Dt. Schreberjugend)

Wann? Was?

Der LJHA tagt in der Regel monatlich. Der LJHA befasst sich mit den Aufgaben der Jugendhilfe. Er hat Beschlussrecht in Angelegenheiten der Jugendhilfe nach §85 Abs. 2 SGB VIII mit Ausnahme der laufenden Geschäfte, im Rahmen der vom Abgeordnetenhaus bereitgestellten Mittel und der von ihm gefassten Beschlüsse. Im Jahr 2010 wurden u. a. folgende Themen behandelt: Kooperation Jugendhilfe/ Jugendarbeit und Schule, Übertragung von Jugendfreizeiteinrichtungen, Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren, Entwicklung der Hilfen zur Erziehung, Förderung der Jugendverbandsarbeit, Entwicklung der Jugendkriminalität, Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen, Personalausstattung der Jugendämter. Im Jahr 2011 wird sich der Landesjugendhilfeausschuss vorrangig mit den Themen Gesamtkonzept Jugendarbeit/Jugendhilfe und Schule, Finanzierung der Jugendarbeit, Entwicklung im Bereich Hilfen zur Erziehung und den Folgen der Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren beschäftigen.

Wohin?

Wohin?

Unterausschuss Jugendarbeit, außerschulische Jugendbildung und Jugendsozialarbeit
Der Unterausschuss ist ein vom LJHA eingerichtetes Gremium, dem Fachkräfte aus den verschiedenen Arbeitsbereichen angehören. Der LJR ist mit drei Personen vertreten und stellt mit Peter Ogrzall den Vorsitzenden.

Wer?

2.5.10	Landesausschuss für Jugendarbeitsschutz
Der Landesausschuss für Jugenarbeitsschutz hat im Berichtszeitraum nur einmal getagt. Bei der Sitzung ist nichts besprochen worden, das für den Landesjugendring von Belang wäre.

Wann? Was?

Der Unterausschuss tagt in der Regel monatlich. Der Unterausschuss hat die Aufgabe, vom LJHA an ihn überwiesene Themen fachlich zu diskutieren und entsprechende Beschlussempfehlungen für den LJHA zu erarbeiten. Im Jahr 2010 wurden folgende

26 | Jahresbericht 2010

Schwerpunkte behandelt:   Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, Situation der Jugendberufshilfe, Förderung der Jugendverbände, Gesamtkonzept Kooperation Jugendhilfe/Jugendarbeit und Schule, Finanzierung Jugendarbeit an Schulen, Übertragung von Jugendfreizeitstätten an freie Träger, Struktur und Finanzierung der Jugendarbeit, Kinder- und Jugenddelinquenz. Der Unterausschuss wird sich im Jahr 2011 u.a. mit folgenden Themen beschäftigen: Kooperation Jugendhilfe/Jugendarbeit und Schule, Sicherstellung der Finanzierung der Jugendarbeit in Berlin, Jugendberufshilfe in den Bezirken.

Für den LJR ist es wichtig, dass die Jugend(verbands) arbeit inhaltliche Kenntnisse und Zugänge zu Bereichen hat, mit denen sie inhaltliche Berührungspunkte aufweist. Nachfolgend einige Themenschwerpunkte aus den Unterausschüssen: •	 •	 •	 •	 •	 •	 •	 •	 Musterrahmenkonzeption zur Erarbeitung einer bezirklichen Rahmenstrategie zur Zusammenarbeit Jugendhilfe – Schule Gelingensbedingungen für und Wirkungsfaktoren von Hilfen zur Erziehung (Workshops) Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren Zusammenarbeit mit Jugend- und Familiengerichten unterhalb der Eingriffsschwelle Zugangsvoraussetzungen für den Erwerb der Qualifikation einer Erzieherin / eines Erziehers Vergleich von fördernder und intervenierender Jugendhilfe (Ausgaben und Mengen) Sozialräumliche Orientierung, Quartiersmanagement und Bildungsnetzwerke und vieles mehr

Was?

Wohin?

LJHA-Unterausschuss Etat Wer?
Der Unterausschuss Etat setzt sich aus Mitgliedern des LJHA und weiteren durch den LJHA berufenen sachkundigen Bürger/-innen zusammen.

Wann?

Der Unterausschuss tagte im Berichtszeitraum viermal.

Was?

Der Unterausschuss berät die für die Jugendhilfe relevanten Kapitel des Landeshaushalts und beschäftigt sich mit der sachgerechten Umsetzung der Beschlüsse des LJHA. Im Mittelpunkt der Beratungen stand der Projektbericht „Gesamtstruktur Schule-Jugendhilfe“ und das daraus resultierende Programm „Jugendarbeit an Schulen“.

Unterausschüsse Gesamtjugendhilfeplanung und neue Steuerungsmodelle, Kindertagesbetreuung und Hilfen zur Erziehung und Familienpolitik
Die Unterausschüsse setzen sich zumeist aus Einzelfachleuten, Vertreter/-innen der Fachverbände (vor allem aus der Liga der Wohlfahrtsverbände) und vereinzelt aus Fachpolitiker/-innen des Abgeordnetenhauses zusammen. Im UA Hilfen zur Erziehung und Familienpolitik stellt die ständige Beteiligung einer Amtsrichterin (für die Familiengerichte) eine wichtige Brücke zwischen den Ressorts Justiz und Kinder- und Jugendhilfe dar.

Für die Verbände bleibt abzuwarten, ob das sogenannte „Musterjugendamt“ Wirkung entfalten wird, was noch nicht geklärt ist. Außerdem bleibt es weiter aktiv zu begleiten, ob es gelingt, eine Rahmenvereinbarung zur Strukturierung und Finanzierung der Jugendarbeit zwischen Land, Bezirken und Anbietern auszuhandeln. Aus LJR-Sicht muss es uns wichtig sein, Jugendverbandsarbeit als wesentlichen Bestandteil der Jugendhilfe in ihrer selbstbestimmten Besonderheit zu erhalten. Dies gilt umso mehr, je mehr eine zunehmende Fremdstrukturierung der Tagesabläufe von Kindern und Jugendlichen – aus durchaus unterschiedlichen, auch positiven Gründen – zu verzeichnen ist. Die Jugendverbände sind weiterhin gefordert, in  den nächsten Jahren verbandsspezifische Antworten auf Fragen zu finden, die sich ihnen in Themenfeldern wie „Mitbestimmung in allen für Kinder und Jugendliche relevanten Gesellschaftsbereichen“, „Ausweitung der zeitlichen Bindung von Kindern und Jugendlichen durch veränderte Schulstrukturen“ oder „Profilierung außerschulischer Bildungsangebote“ stellen.

Wohin – aus Jugendverbandssicht

Wer?

Wann?

Die Unterausschüsse tagen in der Regel monatlich in Vorbereitung auf das Plenum des LJHA.

Jahresbericht 2010 | 27

Mitbestimmung im LJR

Mitbestimmung im LJR

2.5.12	Landesarbeitskreis „Kinder- und Jugendpartizipation in Berlin“ (LaKoK)
Im LaKoK arbeiten Kinder- und Jugendbeteiligungsbüros aus den Bezirken, Bezirksämter und landesweite freie Träger der Jugendarbeit mit.

Wer?

Wann? Was?

Der LaKoK trifft sich zweimonatlich. Der LaKoK hat das Ziel, als kontinuierliches Fachgremium zur fachlichen Weiterentwicklung und Beförderung der Kinder- und Jugendpartizipation in Berlin beizutragen, fachliche Standards zu sichern und landesweite Konzepte und Projekte zu initiieren und abzustimmen. Zudem dient er dem Austausch der bezirklichen Akteure. Der LaKoK hat sich vor allem mit einem Leitbild für seine Arbeit beschäftigt. Dafür wurden ein Workshoptag durchgeführt und ein Leitbild beschlossen. Der LaKoK will sich 2011 verstärkt mit den Themen „Netzwerk Schule“ und Öffentlichkeitsarbeit beschäftigen.  

fehlungen, mit der Maßgabe, die Musikschulen zu sichern und zukunftsfähig zu machen. Hierzu erarbeitete und verabschiedete der Musikschulbeirat eine Stellungnahme und forderte die sofortige Umsetzung seiner Empfehlungen. U.a. soll laut Empfehlung des Musikschulbeirates ein gesamtstädtisches Steuerungsgremium für die außerschulische Bildungsarbeit eingerichtet werden. Von der Senatsbildungsverwaltung ist auf dieser Grundlage eine Stellungnahme erarbeitet worden, die mittels eines Senatsbeschlusses umsetzungsreif gemacht werden soll. Die Senatsverwaltung für Finanzen hat eine Mitzeichnung bis heute verweigert. Die dringende Umsetzung steht somit in den Sternen. 2.	 Der Musikschulbeirat hat eine Stellungnahme zur im August veröffentlichten Rahmenvereinbarung über die Kooperation von integrierten Sekundarschulen, Gemeinschaftsschulen und Ganztagsgymnasien mit bezirklichen Musikschulen und Volkshochschulen verabschiedet. Begrüßt werden insbesondere die damit verbundenen zusätzlichen finanziellen Mittel für die Kooperationsaufgaben, die die entgeltfreie Teilnahme ermöglichen. Die Kooperationsangebote haben ergänzenden Charakter und dürfen deshalb den Musikunterricht an den Schulen nicht ersetzen. Der Musikschulbeirat empfiehlt, die Vereinbarung analog schnellstmöglich auf andere Schulformen zu übertragen. 3.	 Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung hat eine Ausführungsvorschrift (AV) über Honorare für Veranstaltungen, Prüfungen und sonstige Tätigkeiten für die Berliner Musikschulen erlassen. Der Beirat begrüßt die AV. 4.	 Der Musikschulbeirat beteiligte sich am Runden Tisch „Musikalische Bildung“, einberufen vom Landesmusikrat Berlin, und schloss sich einer Resolution zur Zukunft der musikalischen Bildung in Berlin mit großer Mehrheit an. Satz 1 dieser Resolution lautet: „Jedes Kind muss in den Klassenstufen 1-10 zwei Wochenstunden Musikunterricht durch einen voll ausgebildeten Musiklehrer erhalten.“

Wohin?

2.5.13	Musikschulbeirat
Die Mitglieder des Musikschulbeirates werden vom Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung berufen und kommen aus der Musikschularbeit, den dazugehörigen Verbänden, den Parteien im Abgeordnetenhaus, dem Rat der Bürgermeister und der Senatsverwaltung. Auf Vorschlag des Landesjugendrings Berlin wurde Richard Schubert in den Beirat berufen.

Wer?

Wann?

Der Musikschulbeirat hat im Berichtszeitraum fünfmal getagt.

Was?

Der Musikschulbeirat fungiert als kritischer Begleiter und Berater des zuständigen Senators zur politischen Gestaltung dieser im Berliner Schulgesetz (§ 124) mit einem Bildungsauftrag ausgestatteten Einrichtungen. Aus der Arbeit des Beirates 2010: 1.	 Bereits 2009 entwickelte eine vom Senator einberufene Expertenkommission Leitlinien und Emp-

2.5.14	Netzwerk Wahlalter 16
Siehe Kapitel 1. Schwerpunkte (Seite 10)

28 | Jahresbericht 2010

2.5.15	Rundfunkrat des Senders rbb
Der rbb-Rundfunkrat setzt sich aus 30 Mitgliedern zusammen. Sie werden aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, z.B. den Kirchen, dem Sport, den Parteien und auch den Landesjugendringen Berlin und Brandenburg entsandt. (Zusammensetzung: www.rbbonline.de/rundfunkrat/mitglieder/rbb_rundfunkrat_mitglieder.html)

Wer?

Der Rundfunkrat hat nun Ende 2010 beschlossen, seinen Programmausschuss mit der (nach-) laufenden Programmkontrolle über die Telemedienangebote rbbonline, rbbtext, ARD Text / ARD Portal/iTV und EPG zu beauftragen. Neuer Rundfunkrat Im Februar 2011 konstituierte sich der neue Rundfunkrat, der für die kommenden vier Jahre seine Arbeitstätigkeit aufnimmt. Insgesamt werden von den 30 Mitgliedern 17 neue Vertreter und Vertreterinnen mit ihrer Arbeit beginnen. Dies bedeutet für den Rundfunkrat einen großen personellen Umbruch, insbesondere da sehr langjährig Engagierte nun ihre Tätigkeit beendet haben. So kann mit großer Spannung erwartet werden, wie sich der Rundfunkrat in der Zukunft aufstellt und wie die Arbeit in den Gremien vonstatten geht. Aus Sicht des Landesjugendrings müssen die Interessen der Kinder– und Jugendlichen im Rundfunkrat und seinen Gremien immer wieder hervorgehoben und eingebracht werden. Denn leider ist das Programm oft nicht für jüngere Zielgruppen konzipiert, hier gibt es Nachholbedarf. Gleichzeitig muss aber unbedingt auch an der Stellung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Wahrnehmung der Jugendlichen gearbeitet werden.

Wann? Was?

Der rbb-Rundfunkrat trifft sich ca. siebenmal im Jahr. Zukunft rbb In der letzten Zeit war in Presseartikeln immer wieder von einem Papier die Rede, in dem über Streichungen von Fernsehsendern und Radiosendern spekuliert wurde. Tatsächlich ist es so, dass eine interne Strategiegruppe „Zukunft rbb“ verschiedene Szenarien entwickelt, um auf zukünftige Entwicklungen der Höhe der Rundfunkgebühren reagieren zu können. Ziel dieser Strategiegruppe ist es auch, die Stärken und Schwächen des rbb zu benennen. Ob am Ende des Prozesses die Streichung von Hörfunksendern und Fernsehformaten stehen wird, ist bislang offen. Rundfunkgebühren Ein weiteres Thema ist die Problematik der gerechten Verteilung der Rundfunkgebühren zwischen den Sendeanstalten. Hier hat gibt es einen klaren Standortnachteil, da der rbb im Vergleich zu den anderen Rundfunkregionen auch weiterhin eine überproportional hohe Quote von Gebührenbefreiungen in seiner Region zu verzeichnen hat. Die Ministerpräsidenten der Länder stimmten auf ihrer Jahrestagung in Magdeburg im Jahr 2010 für den neuen Staatsvertrag zur Rundfunkfinanzierung. Danach soll die Gebühr ab 2013 pro Haushalt und nicht mehr pro Gerät erhoben werden. Dreistufentest Dieses sehr aufwendige und langjährige Verfahren konnte nun endlich zum Abschluss gebracht und somit die regelmäßige Überprüfung der Telemedienangebote in die vorhandenen Gremien integriert werden. Seit 2009 war von den Anstalten der ARD darzulegen und entsprechend von den Gremien zu prüfen, ob das Telemedienangebot den demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Gesellschaft entspricht und ob es in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb beiträgt. Auch war der Aufwand, der für die Erbringung des Angebotes vorgesehen ist, darzulegen.

Wohin?

2.5.16	Steuerungsgruppe „Fördermodell Jugendverbände“
In der Steuerungsgruppe sitzen für den Landesjugendring Norbert Kapinos (djo-Regenbogen), Burkhard Rooß (BDKJ) und Daniel Wucherpfennig (DGBJugend), für den Landesjugendhilfeausschuss Peter Ogrzall und von der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung Beate Isringhausen, Sandra Hildebrandt und Simone Schwuchow. Die Steuerungsgruppe hat sich 2010 zweimal getroffen. Neben der Verteilung der Mittel für die Jugendverbandsförderung entsprechend der „Grundsätze über die Förderung der Jugendverbandsarbeit im Land Berlin“ standen im letzten Jahr zusätzlich die Erarbeitung von „Richtlinien“ für die Kooperationsmittel von Jugendverbandsarbeit/Jugendbildungsstättenarbeit und

Wer?

Wann?

Was?

Jahresbericht 2010 | 29

Mitbestimmung im LJR

Mitbestimmung im LJR

Schule an. Außerdem wurde begonnen, die Formulare für die Antragstellung und den Verwendungsnachweis noch benutzerfreundlicher zu machen. Im Jahr 2011 stehen routinemäßig die Anerkennung der Förderung der Jugendverbände für 2012 sowie die Begleitung der Umsetzung der Kooperationsmittel auf dem Programm. Die Überarbeitung der Formulare soll endlich abgeschlossen werden. Die drei LJRMitglieder sind außerdem verantwortlich für die regelmäßige Umsetzung des Fördermodells innerhalb des Landesjugendrings.

Wohin?

2.5.18	Stiftungsrat der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin (jfsb)
Im Stiftungsrat sitzen fünf vom Abgeordnetenhaus gewählte sachkundige Persönlichkeiten, Frau Klebba als Leiterin der Abteilung Jugend und Familie, Landesjugendamt, Herr Nachmann für das Referat Familienpolitik in der Senatsverwaltung, Herr Brocke für den Landesjugendhilfeausschuss, Frau Meys für den Rat der Bürgermeister, Frau Janik für die Familienverbände und Burkhard Rooß für den Landesjugendring Berlin. Vorsitzender des Stiftungsrates ist Herr Prof. Gries.

Wer?

2.5.17	Steuerungsgruppe respectABel
(Berliner Jugendprogramm für Demokratie und Toleranz – gegen Gewalt und Rechtsextremismus)
In der Steuerungsgruppe arbeiten durch die Träger des Programms (Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Stiftung Demokratische Jugend, Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin) berufene Personen aus dem Bereich der Jugendhilfe mit.

Wann?

Der Stiftungsrat hat sich im Jahr 2010 zweimal getroffen. Der Stiftungsrat beschließt den Haushalt der Stiftung und andere Grundsatzfragen, außerdem befindet er über Zweit-Widersprüche von Antragstellenden, wenn im Vorstand der Stiftung ein erster Widerspruch nicht zur Förderbewilligung geführt hat. Angesichts der Finanzkrise und den damit verbundenen niedrigen Zinserträgen hat der Stiftungsrat entschieden, auch im Jahr 2011 wieder Mittel aus der Freien Rücklage einzustellen, um wenigstens ein hinreichendes Fördervolumen für 2011 zur Verfügung zu haben.

Wer?

Was?

Wann? Was?

Wohin?

Die Steuerungsgruppe trifft sich ca. viermal im Jahr. Schwerpunkt der Steuerungsgruppe ist die Strategieentwicklung und Programmabstimmung von respectABel. Dazu gehören die Begleitung der Förderprogramme, die Vernetzung und Qualifizierung im Rahmen von respectABel und die Öffentlichkeitsarbeit. Schwerpunkte des letzten Jahres waren das respectABel-Coaching der Lokalen Aktionspläne (LAP) in den Bezirken und die Förderprogramme AKTION BERLIN und ZEITENSPRÜNGE. Breiten Raum nahm die Weiterentwicklung des Konzepts des JugendFORUMs ein. Im Jahr 2011 sollen aus respectABel wieder U18-Projekte gefördert werden. ZEITENSPRÜNGE wird es im Jahr 2011 nicht mehr geben.

2.5.19	WannseeFORUM
Wer?
Das WannseeFORUM ist eine vom Land Berlin geförderte Jugendbildungsstätte in freier Trägerschaft. Träger ist der „Wannseeheim für Jugendarbeit e.V.“. Der Landesjugendring ist Mitglied im Trägerverein. Am 27. Mai 2010 fand die jährliche Mitgliederversammlung des „Wannseeheim für Jugendarbeit e.V.“ statt.

Wohin?

Wann?

Was?

Das Haushaltsjahr 2009 konnte positiv abgeschlossen werden. Bei der Mitgliederversammlung informierte der Vorstand über den aktuellen Stand der Stiftungsgründung. Da es noch größere Prüfnotwendigkeiten und Diskus-

30 | Jahresbericht 2010

sionen gibt, zieht sich der Prozess länger hin als zunächst geplant. Der durch die Mitgliederversammlung eingesetzte Stiftungsausschuss soll erneut tagen. Als neue Leiterin des Hauses fungiert Bettina Heinrich.

Wohin?

Die Frage der Stiftungsgründung wird im Jahr 2011 weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Jahresbericht 2010 | 31

Mitbestimmung im LJR

32 | Jahresbericht 2010

3.		 Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Jahresbericht 2010 | 33

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Die Mitgliedsverbände des Landesjugendring Berlin e. V.
Arbeiter-Samariter-Jugend Berlin Stargarder Str. 49 10437 Berlin Tel.: 030 - 213 07 0 Fax: 030 - 213 07 119 www.asj-berlin.de jugendleiter@asj-berlin.de Bund Deutscher PfadfinderInnen (BDP)                        Kaubstraße 9-10 10713 Berlin Fon: 030 - 861 14 18 Fax: 030 - 861 14 026 www.bdp-berlin.org lv.berlin@bdp.org

Berliner Jugendfeuerwehr Geschäftsstelle Märkische Allee 181 12681 Berlin Fon: 030 - 38 76 02 18 Fax: 030 - 38 79 98 366 www.berliner-jugendfeuerwehr.org info@berliner-jugendfeuerwehr.de

BUNDjugend                                                                                            Ericht-Weinert-Straße 82 10439 Berlin Fon: 030 - 392 82 80 Fax: 030 - 809 41 4177 http://berlin.bundjugend.de info@bundjugend-berlin.de

Berliner Jugendrotkreuz Bachestraße 11 12161 Berlin Fon: 030 - 850 05 315 Fax: 030 - 850 05 318 www.jrk-berlin.de jrk@drk-berlin.de

                                                               

CVJM-Ostwerk e. V.                                                                           LV Berlin-Brandenburg Sophienstr. 19 10178 Berlin Fon: 030 - 284 97 70 Fax: 030 - 284 97 717 www.cvjm-ostwerk.de info@cvjm-ostwerk.de Deutsche Jugend aus Russland Britzer Str. 60e 12109 Berlin Fon: 0179 - 912 65 58 www.berlin-djr.de djrberlin-info@berlin-djr.de                                                           

Bezirksjugendring Mitte c/o Thomas Brandt Gierkezeile 15 10585 Berlin emailanthomas@online.de

BJR Steglitz-Zehlendorf Herrn Uwe von Pokrzywnicki Postfach 460407 12214 Berlin Fon/Fax: 03212 103 25 45 www.bezirksjugendring.de.vu bezirksjugendring@gmx.net

Deutsche Schreberjugend                                                           Kirschenallee 25 14050 Berlin Fon: 030 - 300 99 152 Fax: 030 - 300 99 154 www.schreberjugend-berlin.de info@schreberjugend-berlin.de

Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)                   Waldemarstraße 8-10 10999 Berlin Fon: 030 - 756 90 30 Fax: 030 - 756 90 370 www.bdkj-berlin.de info@bdkj-berlin.de

DGB-Jugend                                                                                           Keithstraße 1-3 10787 Berlin Fon: 030 - 212 403 10 Fax: 030 - 212 40 315 www.dgb-jugend-bb.de jugend-bbr@dgb.de 	

34 | Jahresbericht 2010

Esperanto-Jugend                                                     Einbecker Straße 36 10317 Berlin Fon: 030 - 428 57 899 Fax: 030 - 428 57 899 www.esperanto.de ej.berlin@esperanto.de

JungdemokratInnen / Junge Linke                               
Haus der Demokratie und Menschenrechte

Greifswalder Str. 4 10405 Berlin Fon: 030 - 24 729 747 Fax: 030 - 23 459 626 www.jungdemokraten.de info@jungdemokraten.de

Evangelische Jugend Goethestr. 26-30 10625 Berlin Fon: 030 - 31 91 0 Fax: 030 - 31 91 100 www.ejbo.de amt@ejbo.de

                                                    

Junge Briefmarkenfreunde Berlin    www.dphj-berlin-brandenburg.de

jubel³                                                                                     Jugend Berlin lacht, lernt und lebt mit Gebärdensprache c/o Martin Zierold Weserstr. 88 12059 Berlin www.jubel3.de

www.junge-europaeische-bewegung.de     info@junge-europaeische-bewegung.de

Junge Europäische Bewegung Sophienstraße 28/29 10178 Berlin Fon: 030 - 303 62 01 60 Fax: 030 - 303 62 01 59

                                       

Jugendbund djo-Regenbogen Elbersfelder Straße 18 10555 Berlin Fon: 030 - 25 21 153 Fax: 030 - 25 29 60 85 www.djo-regenbogen.de djo.regenbogen@berlin.de

                                                      

Junge HumanistInnen                                                            Danziger Str. 50 10435 Berlin Fon: 030 - 442 72 16 Fax: 030 - 442 34 93 www.juhu-berlin.de info@juhu-berlin.de

Jugendnetzwerk::lambda                                                  Manteuffelstraße 19 10997 Berlin-Kreuzberg Fon: 030 - 28 27 99 0 Fax: 030 - 67 12 26 72 www.lambda-bb.de info@lambda-bb.de 	 Jugendwerk der Evangelischen Freikirchen                            Rudolfstraße 14 10245 Berlin Fon: 030 - 78 70 25 14 Fax: 030 - 78 70 55 57 www.gjw-bb.de info@gjw-bb.de

Junge Presse Berlin                                                          Wöhlertstr. 18 10115 Berlin Fon: 030 - 450 86 555 Fax: 030 - 450 86 559 www.jpb.de jpb@jpb.de

KINDERRING Berlin e. V.                                                             Schwedter Straße 232-234 10435 Berlin Fon: 030 - 440 62 14 Fax: 030 - 440 62 54 www.kinderring-berlin.de info@kinderring-berlin.de

Jahresbericht 2010 | 35

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Landesjugendwerk der AWO in Berlin                                           Albrechtstr. 110 12103 Berlin Fon: 030 - 72 00 66 97 Fax: 030 - 72 01 38 96 www.landesjugendwerk-berlin.de jugendwerk@awoberlin.de

Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken Schlossstr. 19 14059 Berlin tel. 030 - 280 51 27 fax  030 - 282 64 98 info@falken-berlin.de www.falken-berlin.de Sportjugend Berlin Jesse-Owens-Allee 1-2 14053 Berlin Fon: 030 - 30002-0 Fax: 030 - 30002 107 www.sportjugend-berlin.de sjb@sportjugend-berlin.de

LandesSchülerVertretung                                                                  im KuBiZ Bernkasteler Str. 78 13088 Berlin Fon: 030 - 49 85 32 52 Fax: 030 - 44 34 01 27     www.lsv-berlin.de     briefkasten@lsv-berlin.de NAJU Berlin                                                                              Wollankstraße 4 13187 Berlin Fon: 030 - 432 51 55 Fax: 030 - 432 51 55 www.naju-berlin.de mail@naju-berlin.de

Technisches Hilfswerk - THW Jugend Soorstraße 84 14050 Berlin Fon: 0163-3416801 Fax: 030 - 306 82 297 www.thw-jugend-bebbst.de info@thw-jugend-bebbst.de

Naturfreundejugend Berlin Gryphiusstraße 23 10245 Berlin Fon: 030 - 325 327 70 Fax: 030 - 325 327 71 www.naturfreundejugend-berlin.de info@naturfreundejugend-berlin.de

Verein Berliner Austauschschüler Chausseestr. 15a 14109 Berlin Fon: 030 - 36 75 21 46 Fax: 030 - 36 75 21 47 www.austausch-berlin.de vba@austausch-berlin.de

Pfadfinderbund Weltenbummler Bergstraße 51 12169 Berlin Fon: 030 - 79 78 66 17 Fax: 030 - 79 78 66 19 www.pbw.org     lv.berlin-brandenburg@pbw.org

Ring deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände (RdP) Waldemarstraße 8-10 10999 Berlin Fon: 030 - 75 69 03 54 Fax: 030 - 75 69 03 57 www.rdp-bbb.de kontakt@rdp-bbb.de

36 | Jahresbericht 2010

JUGE N

Berliner Jugendfeuerwehr
Vorwort

DFEUER

Woran müssen wir uns am Ende des Jahres 2010 erinnern? An eine WeltBE IN wirtschaftskrise, die ganze Staaten RL pleite gehen lässt? An die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA? An die verheerenden Waldbrände in Russland? An das tragische Loveparade-Unglück in Duisburg, an die dramatische Rettung der Bergleute in Chile, an eine spannende Fußball-WM in Afrika, an Integrationsdebatten, Kinderarmut und Terrorwarnungen? Vor dem Hintergrund der großen Themen das Jahres 2010 erscheint der Jahresbericht eines Jugendverbandes mit 844 Mädchen und Jungen vergleichsweise unbedeutend. Dennoch werden auch wir uns erinnern. Daran, dass es auch in der Millionenstadt Berlin 58 Freiwillige Feuerwehren gibt, von denen 45 aktiv Jugendarbeit leisten. Daran, dass mehr als 20% ihrer über 1.300 Mitglieder direkt aus der Jugendfeuerwehr kommen. Und auch daran, dass es bei einer Personalstärke von 25 Mitgliedern pro Wehr ohne den Nachwuchs aus der Jugendfeuerwehr fast 11 Freiwillige Feuerwehren in Berlin weniger geben würde.

wir mit der Zeit gehen, uns gesellschaftlichen Herausforderungen stellen und Verantwortung übernehmen. Es bleibt daher wichtigste Aufgabe, unseren jungen Mitgliedern die Ideale der Feuerwehr zu vermitteln. Einsatzbereitschaft, Teamgeist, Respekt und Menschlichkeit sind schließlich Qualifikationen, die man auch im Privat- und Berufsleben bestens gebrauchen kann. Wir möchten mit diesem Jahresbericht nun auf unsere Aktionen des vergangenen Jahres  zurückblicken. In der Berliner Jugendfeuerwehr waren 2010 in 45 Gruppen 844 Jugendliche, davon 127 Mädchen, organisiert. Rund 60 Mitglieder haben einen Migrationshintergrund. Damit konnten wir entgegen des bundesweiten Trends auch im zweiten Jahr in Folge eine Steigerung unserer Mitgliederzahlen (Vorjahr: 811) erreichen.

Aktion Brückenschlag erreichte Berlin

Die Aktion Brückenschlag der Deutschen Jugendfeuerwehr ist am 6. März 2010 in Berlin angekommen. Mit der Aktion zeigen die 16 Landesjugendfeuerwehren in Deutschland ihre Verbundenheit. Die Landesjugendfeuerwehr Brandenburg übergab die Schlauchstafette auf der Glienicker Brücke an die Berliner Jugendfeuerwehr. Die Brücke führt über die Havel und trennte die Städte Berlin und Potsdam vor dem Fall der Mauer. Sie wurde zu einem Symbol der Teilung zwischen Ost und West. Bevor die Jugendlichen aus beiden Bundesländern ihre selbst gestalteten Schläuche zusammenkuppelten, schilderten führende Vertreter aus Politik und Feuerwehr ihre persönlichen Erfahrungen zum Thema Mauerfall und betonten die Rolle der Jugendfeuerwehr als sinnvolles Hobby und wichtige Nachwuchsorganisation für die Freiwilligen Feuerwehren.

Jeder kann sich nun ausmalen, was das für Umweltkatastrophen, Waldbrände, Großschadensfälle, Rettungsaktionen, Mega-Events und Terroranschläge bedeuten würde. Berlin braucht seine ehrenamtlichen Retter, um für solche Fälle vorbereitet zu sein, Reserven bilden zu können, die Umwelt zu schützen und Menschenleben zu retten. Und Jugendliche brauchen in Zeiten von wirtschaftlicher Not einen Jugendverband, der integriert statt provoziert, der sie für ein paar Stunden in der Woche aus der Armut holt und der ihnen ein sinnvolles Hobby bietet.   Die großen Themen des Jahres gehen uns wahrscheinlich näher, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Als lebendiger Jugendverband müssen

Aktion Brückenschlag – Berlin sagt tschüss!

Nach 14 Tagen Aufenthalt in der Hauptstadt verabschiedete die Berliner Jugendfeuerwehr die Schlauchstaffel der Aktion Brückenschlag. Am 20. März kuppelten Jugendliche aus Sachsen-Anhalt und Berlin ihre selbst gestalteten Schläuche vor dem Brandenburger Tor zusammen. Rund um das Wahrzeichen

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

HR WE

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Berlins versammelten sich neben den vielen Nachwuchs-Feuerwehrleuten auch einige Zuschauer und Touristen, die sich trotz des Regenwetters über das ungewöhnliche Fotomotiv freuten.

Mehr als 150.000 Menschen lockten der 28. Deutsche Feuerwehrtag und die Messe "Interschutz" vom 7. bis zum 13. Juni nach Leipzig. Ein Großevent, bei dem sich natürlich auch die Deutsche Jugendfeuerwehr als moderner, weltoffener und schlagkräftiger Verband präsentierte. Mit einer Aktionsmeile in der Leipziger Innenstadt zeigten Mädchen und Jungen aus Jugendfeuerwehren in ganz Deutschland ihre Vielfältigkeit. Mit dabei: Das Jugendforum der Berliner Jugendfeuerwehr. Insgesamt sechs Mitglieder gestalteten den Toughest Youth Fire Fighter Alive Contest, bei dem Schnelligkeit und Geschick gefragt waren. Die Gewinner wurden mit einer Urkunde und einem kleinen Preis ausgezeichnet. Die Landesjugendsprecher Ruben Ruschin und Lukas Janisch sowie Landesjugendwart Reinhard Wolf vertraten die Berliner Jugendfeuerwehr bei der Delegiertenversammlung der Deutschen Jugendfeuerwehr im Congress Centrum Leipzig. Dort wurde eine Resolution gegen demokratiefeindliches Verhalten verabschiedet. Während des Deutschen Feuerwehrtages fand auch der internationale Wettbewerb des CTIF statt. Die Jugendfeuerwehr Lichtenrade belegte einen passablen 19. Platz

Berlin goes Leipzig: 28. Deutscher Feuerwehrtag

Neben einem Erste-Hilfe-Lehrgang (63 Teilnehmer) wurde auch wieder der Lehrgang Ersthelfer von Morgen (67 Teilnehmer) angeboten, der speziell auf die Altersgruppe der 8- bis 10-Jährigen zugeschnitten ist. Auf dem Plan standen auch ein Maschinistenlehrgang (16 Teilnehmer), bei dem der Umgang mit Feuerwehrpumpen und Geräten geübt wurde, sowie ein Sprechfunkerlehrgang (6 Teilnehmer). Den Lehrgang Fahrzeuge und Geräte der Feuerwehr besuchten 59 Jugendliche. Während des Schulungslagers wurden auch 18 neue Jugendleiterinnen und Jugendleiter ausgebildet, die ihre Qualifikation jetzt mit der bundeseinheitlichen Jugendleiter-Card (JuleiCa) nachweisen können und ihren Jugendfeuerwehren als Betreuer und Betreuerinnen zur Verfügung stehen.

Jugendfeuerwehr erhält eigenes Brandschutzmobil

Am 13. August, dem bundesweiten Rauchmeldertag, konnte die Berliner Jugendfeuerwehr ihr erstes eigenes Brandschutzmobil in Empfang nehmen. Das dreirädrige Rollerfahrzeug, eine Piaggio Ape (ital. Biene), wurde am Brandenburger Tor von Gerd Abeln (Team Brandschutzerziehung) an Brigitte Schiffel vom Landesverband der Freiwilligen Feuerwehren Berlins e.V. und Landesjugendwart Reinhard Wolf übergeben.

Schulungslager

Bereits zum 5. Mal fand in den Sommerferien das Schulungslager im Jugenddorf am Müggelsee statt. Vom 8. bis 18. Juli trafen sich Kinder und Jugendliche aus Berlins Jugendfeuerwehren, um dort gemeinsam in Zeltlageratmosphäre Lehrgänge zu besuchen und ihr erlerntes Wissen unter Beweis zu stellen. Für die Nachwuchs-Feuerwehrleute wurden verschiedene Themen angeboten.

Bei der vorangegangenen Pressekonferenz betonten Ulrich Freise, Staatssekretär für Inneres, und Landesbranddirektor Wilfried Gräfling den Nutzen von Rauchwarnmeldern im privaten Bereich. Rauchmelder retten Leben, denn Brandtote sind zum allergrößten Teil Rauchtote, die durch die Warnung der kleinen Lebensretter hätten gerettet werden können. Der Geruchssinn schläft mit ein und bereits drei Atemzüge des giftigen Brandrauches sind tödlich. Auch die Präventionsarbeit in Schulen und Kindergärten wurde thematisiert, denn die kindliche Faszination für das Feuer führt leider immer wieder zu tragischen Unglücken. Durch die Brandschutzerziehung lernen

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Kinder den verantwortungsvollen Umgang mit Feuer, das richtige Absetzen eines Notrufes, das Verhalten im Brandfall und die Arbeitsweise der Feuerwehr. Bereits seit über 30 Jahren wird von der Berliner Jugendfeuerwehr Brandschutzerziehung geleistet. Das Brandschutzmobil ist mit vielen Materialen ausgestattet, um den Themenbereich Brandschutz kindgerecht näher zu bringen - und rückt ab sofort zu seinen wichtigen Präventionseinsätzen aus.

Wasser, Wasser, Wasser! Mit über 100 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern versorgte die Berliner Jugendfeuerwehr die über 40.000 Sportler beim diesjährigen Berlin Marathon. Wasser gab es dabei nicht nur für die durstigen Teilnehmer. Bei stundenlangem Dauerregen wurden auch die unermüdlichen Helfer ziemlich nass. Am Erfrischungspunkt bei Kilometer 22,5 füllten die Kinder und Jugendlichen rund 36.000 Becher mit Trinkwasser, gaben sie an die Sportler aus und stellten Wannen für die Schwämme der Läufer, Walker, Handbiker und Rollstuhlfahrer bereit. Natürlich musste die Straße im Anschluss auch wieder von den Bechern befreit werden, also war Aufräumen angesagt. s Während im vergangenen Jahr mit Temperaturen um die 26 Grad bei einigen Erschöpfungszuständen Erste Hilfe geleistet werden musste, blieb es dieses Jahr an der Strecke relativ ruhig. Die Witterungsbedingungen waren für alle Beteiligten trotzdem eine große Herausforderung.

Berlin Marathon 2010: Jugendfeuerwehr im Großeinsatz

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Berliner Jugendrotkreuz
Wir über uns

Das Berliner Jugendrotkreuz (JRK) ist der eigenverantwortliche Jugendverband des Deutschen Roten Kreuzes für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von sechs bis 27 Jahren. Jede und jeder kann mitmachen – freiwillig und kostenlos. Im Zeichen der Menschlichkeit treffen sich engagierte Kinder und Jugendliche in außerschulischen und schulischen Gruppen, um in ihrer Freizeit Engagement, Spaß, persönlichen Gewinn und die Übernahme von Verantwortung miteinander zu verbinden. Sie üben Erste Hilfe, leben Demokratie, engagieren sich in sozialen Projekten, lernen neue Freunde kennen und sind kreativ. Sie helfen sich gegenseitig und anderen Menschen in Notsituationen und übernehmen verbindlich Verantwortung. Dieses Angebot nehmen in Berlin aktuell über 1.150 Kinder und Jugendliche wahr.

Neben der traditionellen Gruppenarbeit mit unterschiedlichen Schwerpunkten haben sich in einigen KVs Angebote bzw. soziale Projekte wie Hausaufgabenhilfe oder eine Weihnachtsfeier für sozial benachteiligte Kinder etabliert. Gruppenzeiten können direkt an den Standorten erfragt werden.

JRK-Standorte
Landesverband Bachestraße 11 – 12161 Berlin – Tel: 85 005 315 KV Müggelspree e. V. - JRK Müggelspree Weitlingstraße 2 - Postfach 630102 - 10266 Berlin Libauer Str. – 10245 Berlin KV Wedding / Prenzlauer Berg e. V. - Geschäftsstelle Neue Hochstr. 21 - 13347 Berlin - Tel. 469 019–48 Kreisverband Steglitz-Zehlendorf e. V. - JRK Zehlendorf Berlepschstraße 36 - 14165 Berlin JRK Steglitz Klingsorstraße 4 - 12167 Berlin KV Spandau e.V. - JRK und Geschäftsstelle Galenstr. 29 - 13597 Berlin - Tel: 35 39 37-0 KV Berlin-City e. V. - JRK Charlottenburg Sophie-Charlotten-Str. 51-52 - 14059 Berlin - Tel. 30111569 JRK Mitte Chausseestraße 84 - 10115 Berlin

In den Kreisverbänden (KVs) des Berliner Jugendrotkreuzes treffen sich Kinder und Jugendliche mit ihren GruppenleiterInnen an 14 verschiedenen Standorten. Die rund 80 ehrenamtlich engagierten GruppenleiterInnen geben den verschiedenen Gruppen gemeinsam mit den Mitgliedern eine klare Prägung: Während die eine Jugendgruppe sich schwerpunktmäßig mit der Ersten Hilfe und der Planung und Durchführung von Einsätzen in diesem Bereich beschäftigt, liegt der Schwerpunkt der nächsten Kindergruppe eher in der kreativen Umsetzung von Inhalten. Eine Schulsanitätsdienst-Gruppe setzt sich neben den Einsätzen an und aus der Schule heraus im Rollstuhlschiebedienst ein. Eine andere Kindergruppe bereitet sich intensiv auf den bevorstehenden Wettbewerb vor und beschäftigt sich dementsprechend mit Themen wie RotkreuzGeschichte, Humanitärem Völkerrecht und auch Natur und Umwelt.

Engagement in den Kreisverbänden

KV Berlin-Nordost e. V. - Marzahn/Hellersdorf - JRK Sella-Hasse-Str. 19-21 - 12687 Berlin - Tel. 935 23 423 Weißensee - JRK Herbert-Baum-Str. 13 - 13088 Berlin Kreisverband Schöneberg/Wilmersdorf e. V. - JRK Schöneberg Ebersstr. 80 - 10827 Berlin - Tel. 567 307 35 KV Berlin-Reinickendorf e. V. - JRK Königshorster Str. 11 - 13439 Berlin - Tel. 407 167 97 - Fax 407 167 98 KV Tempelhof/Kreuzberg e. V. - JRK Nunsdorfer Ring 13 - 12277 Berlin - Tel. 757 923 0

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Auch auf Landesebene ist die Arbeit des Berliner Jugendrotkreuzes durch Ehrenamtlichkeit geprägt und getragen. Die Landesjugendleitung legt hier nach Beschluss des Landesdelegiertentages die strategische Richtung fest und setzt Ziele für die JRK-Arbeit. 2010 war geprägt durch den Beginn einer strategischen Überlegung, ob und wie das JRK zukunftsträchtig ist. Ob die Landesleitung hier auf dem richtigen Wege ist, wird die Zukunft zeigen. Innerhalb der Jahresplanung werden weiterhin insbesondere traditionelle Angebote von den Mitgliedern angenommen. Neben Sanitätsdienstlehrgängen gehörte hier wieder der Gruppenleiter/innen-Lehrgang zu den erfolgreich durchgeführten Seminaren. Der 2009 diskutierte und beschlossene „Gruppenleiter/innenLehrgang Modul“ hat nun das erste Mal stattgefunden und ist auf sehr positive Resonanz gestoßen. So gibt es in unserem Verband zukünftig im wichtigen Bereich der Gruppenleiter/innen-Ausbildung zwei Varianten mit unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen. Neben einem Tag der offenen Tür hat das JRK den 60. Geburtstag des Berliner Roten Kreuzes 2010 auf ganz besondere Weise gefeiert: 50 RotkreuzlerInnen haben sich für einige Tage nach Solferino / Italien aufgemacht, um dort am traditionell vom Italienischen Roten Kreuz veranstalteten Fackellauf in Erinnerung an die Schlacht von Solferino 1859 teilzunehmen. Diese Schlacht gilt als Wurzel der Gründung des Roten Kreuzes überhaupt. Alle Teilnehmer waren begeistert vom Rotkreuz-Spirit, den sie dort im Austausch mit tausend anderen Rotkreuzlern aus aller Welt erleben konnten. Im Bereich der Wettbewerbe fanden im Jahr 2010 der Landeswettbewerb für dreizehn- bis sechzehnjährige Kinder und Jugendliche sowie für sechzehn- bis siebenundzwanzigjährige Mitglieder und der Schulsanitätsdienst-Wettbewerb statt. Die Wettbewerbe sind für die TeilnehmerInnen immer eine gute Gelegenheit, andere JRK-Mitglieder kennenzulernen, sich mit den jeweils aktuellen Themen intensiv zu beschäftigen und im Team zu beweisen, was sie können. Auch das nun schon traditionelle Kinderseminar erfreute sich erneut großer Resonanz und war in diesem Jahr mit einem bunten Programm rund um das Thema Zirkus prall gefüllt. Daneben gibt es weiterhin mehrere Projekte innerhalb des Berliner JRKs. Im Bereich des Engagements für Menschen mit Behinderungen hat sich das JRK wiederum mit dem JRKMesseservice auf der Internationalen Grünen Woche,

JRK-Arbeit auf Landesebene

auf der Internationalen Tourismusbörse und auf der Internationalen Funkausstellung engagiert. Menschen, die die langen Wege und die Menschenmassen auf den Messen nicht alleine bewältigen können, haben hier die Möglichkeit sich – zumeist in einem Rollstuhl - von freundlichen JRK-Mitgliedern über die Messe begleiten zu lassen. Dieses Angebot wird nicht nur von einigen jahrelangen Stammkunden genutzt, sondern auch von MitbürgerInnen, die neu von dem Angebot erfahren. Die gute Resonanz auf unser Projekt „Erste-HilfeUnterweisungen an Grundschulen“ zeigt sich auch weiterhin. In 2010 konnten mit rund 350 Erste-HilfeUnterweisungen über 8.750 Kinder erreicht werden. Ziel des Projektes ist es weiterhin, neben der Vermittlung von kindgerechtem Erste-Hilfe-Wissen und der damit verbundenen Sicherheit bei den SchülerInnen im Notfall, zur Verbesserung des sozialen Klimas in der Schule beizutragen. Im Projekt „Schulsanitätsdienst“ (SSD) gibt es rund 25 Gruppen, die eine Erste-Hilfe-AG in Kooperation mit dem Berliner JRK durchführen. Hier steigert die Ausbildung in Erster Hilfe das Selbstbewusstsein der Schüler und nimmt die Angst vor Notfällen. Die Mitgliedschaft in der Schulsanigruppe fördert das Verantwortungsbewusstsein der Schüler untereinander. Das Gefühl, „helfen zu können“, stärkt das Wertegefühl der Jugendlichen. „Hinschauen statt Wegsehen“ wird gefördert. So ist dieses Projekt eine Weiterführung der „Erste-Hilfe-Unterweisung an Grundschulen“ und fördert die Bereitschaft der Jugendlichen zu bürgerschaftlichem Engagement.

Um die Aktivitäten an Schulen, die dem JRK sehr am Herzen liegen, noch auszuweiten, hat auch das Berliner JRK eine Kooperation mit einer Integrierten Sekundarschule begonnen. Seit dem Sommer 2010 findet an einer Schule in Neukölln eine Streitschlichter-AG statt, deren Verlauf zeigen wird, wie sich solche Kooperationen gestalten.

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Nun schon etabliert ist das Projekt „Moby Dick“, ein Gesundheitsprogramm für übergewichtige Kinder und Jugendliche, welches nun vom Berliner JRK durchgeführt wird. Innerhalb von 12 Monaten erlernen übergewichtige Kinder und Jugendliche andere Ernährungs- und Verhaltensmuster und üben sich in Bewegung. Hier gibt es eine positive Resonanz der TeilnehmerInnen und eine stetige Nachfrage nach neuen Plätzen, so dass nun schon zwei Gruppen intensiv bei der Arbeit sind.

Wichtige Informationen über die einzelnen Aspekte der JRK-Arbeit können auch im Internet gefunden werden: www.drk-berlin.de/jugendrotkreuz und www. jrk-berlin.de. Wir hoffen, auch in der Zukunft einen guten Weg im Sinne der Menschlichkeit miteinander einzuschlagen.

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Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Diözesanverband Berlin
Der BDKJ ist der Dachverband der katholischen Jugendverbände. Die Mitgliedsverbände im BDKJ sind eigenständige Verbände mit eigenen Zielsetzungen und Strukturen. Gemeinsam stehen sie ein für •	 •	 •	 •	 •	 •	 Freiwilligkeit Christliche Ziel- und Werteorientierung Selbstbestimmung innerhalb demokratischer Strukturen Selbstorganisation Qualifizierte Ehrenamtlichkeit und Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen

Der Diözesanverband Berlin erstreckt sich über Berlin, fast ganz Brandenburg und Vorpommern. Im Land Berlin vertritt der BDKJ die Interessen von 67.700 Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 26 Jahren.

Basics

Drei Beispiele aus dem Jahr 2010
Die Jugendverbände im BDKJ bilden das weite Spektrum verbandlicher Jugendarbeit mit Fahrten, Gruppenstunden, JuleiCa-Schulungen, Seminaren, Wochenenden, Internationalen Begegnungen usw. ab, jeweils im Spektrum einer christlichen Jugendspiritualität. Im Jahresbericht des Landesjugendring Berlin stellen wir exemplarisch drei Aktionen des BDKJ als Dachverband vor.

1.	 Katholisches Netzwerk Kinderschutz gegründet
Nach der Offenlegung der Missbrauchsfälle an katholischen Schulen in Berlin wurden wir als BDKJ innerkirchlich häufig angefragt, Gemeindeabende u. ä. zum Thema Prävention zu gestalten. Hintergrund dafür ist, dass sich die katholischen Jugendverbände im BDKJ seit Jahren mit dem Thema beschäftigen und entsprechende Module bereithalten. Unser Merkblatt „Wenn dir etwas komisch vorkommt...“ ging in die 3. Auflage.

Mitglieder im BDKJ Berlin sind:
Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) Jugendverbände der Gemeinschaft Christlichen Lebens (J-GCL)

	

                 Katholische junge Gemeinde (KjG)
Katholische Studierende Jugend (KSJ)

	                             Kolpingjugend
Katholische Landjugendbewegung (KLJB) Malteser Jugend

  
DJK Sportjugend als assoziiertes Mitglied

sowie 15 regionale Dekanatsverbände, davon 9 in Berlin

Um Synergieeffekte zwischen einzelnen katholischen Trägern zu schaffen und die Vernetzung zu fördern, ging der BDKJ in die Offensive und gehörte mit zu den Initiatoren und Gründungsmitgliedern des am 5.1.2011 gegründeten Katholischen Netzwerkes Kinderschutz. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Akteuren aus der Gemeindearbeit, der Caritas, der Jugend(verbands)arbeit, der Hochschule und den katholischen Schulen im Erzbistum Berlin u.a. Die Initiative für das Netzwerk ist mit dem Ziel entstanden, die Prävention von sexueller Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung in den Angeboten, Diensten und Einrichtungen der Katholischen Kirche im Erzbistum Berlin zu fördern, Transparenz im Erkennen, Einschätzen und Handeln herzustellen und Empfehlungen zum Kinderschutz zu erarbeiten. Das Netzwerk hat sich den fachlichen Austausch, gegenseitige Information und Vernetzung aller Akteure sowie

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Fortbildungen zum Themenfeld Kinderschutz zum Ziel gesetzt. Mit dem Fachtag „Handlungsstrategien gegen sexuelle Gewalt“ am 13.1.11, an dem ca. 140 ehrenamtliche und berufliche Fachkräfte teilnahmen, nahm das Netzwerk seine Arbeit auf. Näheres unter www. katholisches-netzwerk-kinderschutz.de.

2.	 Mastery of Light
Im Reality-Game „Mastery of Light“ machten sich über 630 Jugendliche aus Berlin, Brandenburg und Vorpommern als WaldläuferInnen, GauklerInnen, ProphetInnen und andere Charaktere auf den Weg, eine verschollene und in einer Truhe verschlossene lebensrettende Maschine zu entdecken. In Skillings konnten die Jugendlichen ihre Fähigkeiten verbessern und Energy-Pellets sammeln. Mit GPS-Geräten ging es auf die Suche nach den verloren gegangenen Schlüsseln zur Truhe. Zum großen Showdown kam es, als am Ostseestrand das letzte Schloss geöffnet und die Maschine in Funktion gesetzt wurde: Eine SolarLichtmaschine für eine Krankenstation in Ghana, die Menschenleben retten wird! Auf spektakuläre Weise wurde sie von zwei Wasserflugzeugen abgeholt, die Lichtbox ist mittlerweile in ihrer Gesundheitsstation in Ping, einem kleinen Dorf im äußersten Nordwesten Ghanas, im District Jirapa, installiert worden. Eindrücke von Mastery of Light gibt es unter: www.bistumsjugendtag.de

wegs. Die Aktion ist ein prima Beispiel und eine tolle Gelegenheit für entwicklungspolitisches Engagement von Kindern und Jugendlichen, die Verantwortung für Gleichaltrige in den ärmeren Ländern der Welt übernehmen. In Berlin gingen wieder ca. 2.500 Kinder und Jugendliche rund um den 6. Januar von Tür zu Tür, auf die Straßen und in die Rathäuser. Abgeordnetenhauspräsident Momper und Staatssekretärin Kisseler empfingen wieder eine Gruppe von Sternsingerinnen und Sternsingern im Roten Rathaus.

3.	 „Kinder zeigen Stärke“
Die Sternsinger-Aktion der katholischen Kinder- und Jugendarbeit, organisiert vom   BDKJ und dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ ist die weltweit größte Solidaritätsaktion, bei der sich Kinder für Kinder in Not engagieren. Jährlich können mit den Mitteln aus der Aktion rund 3.000 Projekte für Not leidende Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt werden. Letzten Winter waren die kleinen Königinnen und Könige unter dem Motto „Kinder zeigen Stärke!“ überall in Deutschland unter-

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Bund Deutscher PfadfinderInnen (BDP) Landesverband Berlin e.V.
Der Bund Deutscher PfadfinderInnen, 1948 gegründet, bundesweit tätig und anerkannt als freier Träger der Jugendarbeit, ist ein Verband, der interessierten Kindern und Jugendlichen den Raum mit entsprechenden Rahmenbedingungen öffnet, ihre Ideen und Wünsche in größtmöglicher Eigenständigkeit und Eigenverantwortung umzusetzen. Der BDP arbeitet basisdemokratisch, konsum- und gesellschaftskritisch, natur- und erlebnisorientiert, antirassistisch und geschlechterbewusst. Der BDP Berlin ist in der Jugend(-sozial)arbeit aktiv, führt Ferienlager durch und organisiert politische Aktionen. Einrichtungen des BDP Berlin •	 Abenteuerspielplatz Märkisches Viertel, Reinickendorf •	 Alte Feuerwache/KiJuKuz, Kreuzberg •	 Bildung & Integration, Wilmersdorf •	 Betreutes Jugendwohnen, Lübars •	 Chance, Kreuzberg •	 Freizeitstätte Koeltze, Spandau •	 Gästeetage, Wedding •	 Haus der Jugend „Bunte Kuh“, Weißensee •	 Integrationsprojekt, Kreuzberg •	 Jugendbildungsstätte Kaubstraße, Wilmersdorf •	 Jugendzentrum Luke, Reinickendorf •	 Mädchenladen,Spandau •	 Geschäftsstelle des Landesverband Berlin Neben der Arbeit in den Einrichtungen des BDP engagieren sich Jugendliche und junge Erwachsene ehrenamtlich auf Landesebene, organisieren Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche und mischen sich gesellschaftspolitisch ein.

Selbstdarstellung

In Berlin leben viele Menschen mit türkischem Hintergrund. Viele Kinder und Jugendliche der 3./4. Generation wachsen hier auf und nehmen Angebote der Kinder- und Jugendarbeit für sich in Anspruch. Auf der Bildungsreise vom 8.-15. Mai wurde der Frage nachgegangen, welche Angebote für Kinder und Jugendliche eigentlich in der Türkei existieren und an wen diese sich richten. Inwieweit unterscheiden sich Deutschland und die Türkei in Fragen der Erziehung und der Sichtweise auf Kinder und Jugendliche. Sieben Teilnehmer_innen begaben sich mit vielen Fragen im Handgepäck auf den Weg in die Türkei. Fünf Tage verbrachte die Gruppe in der Nähe von Izmir. Die Begegnungsstätte Afacan bildete die Basis für verschiedene Ausflüge. Besucht wurden eine türkische Grundschule, die mehrheitlich von Sinti und Roma besucht wird, ein deutsch-türkischer Kindergarten, das Goethe Institut sowie das Eurodesk Büro, in dem die Mitarbeiter_innen sich um internationale Partnerschaften auf EU-Ebene kümmern. Die letzten zwei Tage fuhr die Gruppe dann nach Istanbul, wo sie einen Jugendverband besuchte und in einer „Lebendigen Bibliothek“ abschließend Vertreter_innen verschiedener Minderheitengruppen traf, die in der Türkei diskriminiert werden. Trotz der wenigen Zeit war es möglich, unterschiedlichste Facetten des Landes wahrzunehmen und mit sehr verschiedenen Menschen über Kinder und Jugendliche ins Gespräch zu kommen.

Bildungsreise für Jugendarbeiter_innen in die Türkei

Unsere Arbeit in 2010

Der BDP hat sich 2010 bundesweit „Interkulturelle Jugendarbeit“ als Schwerpunktthema gesetzt. Neben der Mitarbeit an der Entwicklung von 6 Postkartenmotiven sowie 2 Postern zum Thema Schubladen-Denken wurde vom Berliner Team eine Bildungsreise in die Türkei sowie eine von insgesamt drei Fachveranstaltungen geplant und durchgeführt.

Vom 11.-13. Juni organisierte der Berliner BDP eine Tagung mit Experten aus den Niederlanden und Österreich. Auch Migrantenselbstorganisationen wurden zur Fachtagung angesprochen und eingeladen. Das Programm für die Tagung stand kurz vor knapp: ein einführender Vortrag des Sozialwissenschaftlers Ste-

Fachtagung „Jugendarbeit im Spannungsfeld der Integrationsdebatte“ im europäischen Vergleich

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

fan Schneider über das Thema „Integration“ und die Vorstellung einiger Ergebnisse der TIES Studie, einer europaweiten Studie über die 2. Generation türkischer Migrant_innen, an der Dr Schneider mitgewirkt hatte.

Es folgten je zwei parallel stattfindende Vormittagsund Nachmittagsworkshops, abschließend eine Gesprächsrunde mit unseren europäischen Nachbarn. Inhaltlich ging es an dem Wochenende um das gerade vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Migration und Integration veröffentlichte Integrationsbarometer 2010, offene Kinder- und Jugendarbeit in Österreich sowie Erfahrungen junger Menschen mit Migrationshintergrund aus muslimischen Ländern mit dem Thema Integration (Beispiel Österreich). Einen besonderen Workshop hielt Mourad Taimounti auf der Tagung: Der Amsterdamer mit marokkanischem Hintergrund ist in frühen Jahren in die niederländische Politik gegangen und war für die konservative CDA (vergleichbar mit der CDU) im Stadtrat aktiv, als der niederländische Filmemacher Van Gogh ermordet worden ist. Opfer und Täter waren ihm beide persönlich bekannt, so dass er nach der Ermordung häufig in der Presse interviewt wurde und sein Name und seine Sichtweise auf Migration und Integration auch in den deutschen Medien mehrmals auftauchte. Heutzutage ist Taimounti Projektleiter eines Straßensozialarbeitprojektes, das mit den Berliner Vereinen Outreach und Gangway vergleichbar ist. Präventiv durchgreifen, wenn Jugendliche in der Öffentlichkeit negativ auffallen, heißt die Devise. Streetworker und Polizei arbeiten hier mit dem Jugendamt u.a. Trägern eng zusammen. Einen besonderen Stellenwert stellt die Einbeziehung der Eltern im Projekt dar, denn Taimountis Meinung nach haben die Eltern häufig keine Ahnung davon, was ihre Kinder in ihrer Freizeit so machen, vor allem aber wissen sie nichts darüber, wenn ihr Kind auffällig wird. Am Sonntag Vormittag endete die Tagung am Kreuzberg-Museum, wo die Spuren der Integration nochmal im Raum Berlin genauer verortet werden konnten, genauer genommen im Kreuzberg 36 Kiez, in dem auch heute noch viele ehemalige Gastarbeiter_innen und ihre Nachfahren leben.

„Wir sind die ohne Kluft“ – kurz zusammengefasst ist dies eine häufig angewandte Aussage des BDP, um zu verdeutlichen, um welchen der Pfadfinderverbände es sich handelt. Das Integrationsprojekt mit Sitz in Kreuzberg startete im Sommer 2010 mit seinen „Stadtcamper(n)“ ein neues Projekt, in dem man zwar ähnlich untraditionell bleiben will, jedoch gleichzeitig einige zeitlose Elemente der Pfadfinderei übernommen werden. Denn die Kluft ist ja nicht das Einzige, was die Pfadfinderei ausmacht. Neben den „Softskills“ wie Erlernen respektvollen Miteinanders, Kommunikationsfähigkeit, Übernahme von Verantwortung etc. soll das Beschränken aufs Wesentliche nicht als Einschränkung begriffen, sondern auch als Freiheit erlebt werden. Vor allem in einer immer pluralistischeren, schnelleren Gesellschaft inmitten der Globalisierung, weltweiten Krisen aufgrund unüberschaubarer Konstruktionen der Zivilisation und im Kommunikationszeitalter wird das Wesentliche – die Wahrnehmung des Selbst und der Umwelt – oft vernachlässigt.

Stadtcamper im BDP-Integrationsprojekt

Das Erleben existentieller, grundlegender Fertigkeiten und Fähigkeiten soll nicht nur durch Aktivitäten in der Natur, sondern auch in der Stadt ermöglicht werden. Welche Möglichkeiten bieten neue Geräte, um sich zu orientieren? Wie können Kenntnisse über die Natur die Orientierung in der Stadt erleichtern? Wie lassen sich Kenntnisse über die Natur in der Stadt anwenden? Wie mache ich mir das Wissen über „einfaches“ Kochen über dem Lagerfeuer am heimischen Herd zunutze? Wie wird das Wetter? Und was mache ich, wenn mir ein Berliner Wildschwein begegnet?

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BUNDjugend Berlin
1.	 Es geht um unsere Zukunft!
Die BUNDjugend Berlin ist der Berliner Jugendverband des BUND und bietet jungen Menschen unter dem Motto „... und jetzt noch die Erde retten!“ die Möglichkeit, aktiv für Klima, Umwelt und Gerechtigkeit zu werden. Dies geschieht in Projekten und wir bieten Freiräume, um neue Ideen und Aktionen zu entwickeln. Wir wollen aufklären und uns einmischen. Auf Infotreffen und in Arbeitskreisen diskutieren wir auch selber lebhaft, wie wir uns eine bessere Welt vorstellen.

3.	 Aufklärung und Diskussion
eneuerBAR – der monatliche Cocktail aus Infotainment und Gemütlichkeit Manchmal ist es schwer bei aktuellen, kritischen Themen den Durchblick zu behalten. Der sagt dies, die sagt das... Wer hat Recht? Wie ist das denn jetzt genau? Meist monatlich finden in der erneuerBAR Themenabende zu den verschiedensten Umwelt- und Globalisierungsthemen statt, zu denen wir ReferentInnen eingeladen haben, einen Kurzfilm zeigen und diskutieren. Pro und contra Emissionshandel, Funktioniert Grüner Kapitalismus, Guerilla Gardening, Carrotmob, Transition Towns, Castortransport waren einige der Themen, zu denen wir neue Einblicke erhielten, uns die Köpfe heiß diskutierten – und danach in gemütlicher Atmosphäre mit anderen Aktiven zusammenkamen. Das Ganze findet seit diesem Jahr im Laika, Emser Str. 131, Neukölln statt. Das nächste Mal auch mit Dir als Gast? berlin gobal – die globalisierungskritische Stadtführung Viele Produkte, die wir konsumieren, werden in einem globalen Zusammenhang hergestellt. Dabei ist es oft schwer, die Übersicht zu behalten. Wo? Wie? Warum? Unter welchen Bedingungen? Und mit welchen Folgen wird dieses oder jenes produziert? Die Themenfelder reichen von landwirtschaftlichen Produkten wie Kaffee, Schokolade, Tabak und Obst über Handy, Textilien und Sportwaren bis hin zu den internationalen Finanzmärkten. In einem zweistündigen Spaziergang durch die Berliner Innenstadt erkunden wir die Welt in unserem Einkaufswagen: Wir wollen zeigen, was unser täglicher Konsum mit Globalisierung zu tun hat und was wir anders machen können. Wir laufen verschiedene Geschäfte und relevante Orte in Berlin an, wo wir mit den Teilnehmer_innen spielerisch die globalen Zusammenhänge erarbeiten, die wir zu verantworten haben. So regen wir zum Nachdenken an und wollen Alternativen aufzeigen.

2.	 LandesJugendLeitung und Geschäftsstelle
Die LandesjugendLeitung sind unsere gewählten Aktiven, die die Richtlinien bestimmen, die Projekte begleiten und weiterentwickeln und – gemeinsam mit den anderen Aktiven und der Geschäftsstelle – die Arbeit der BUNDjugend Berlin inhaltlich gestalten. 2010 waren das Patricia Bohland, Lea Conzelmann, Timo Jung, Josephine Pasura, Laura Schnelle und Tim Spiegel. Die Geschäftsstelle koordiniert die Projekte und die laufende Arbeit - neben unserem Jugendbildungsreferenten gibt es eine Assistenzkraft für Finanzen und Verwaltung. Wir sind sehr froh, mit Linda Knauer seit Oktober unsere Trainee-Stelle wiederbesetzt zu haben, die schwerpunktmäßig die Projekte „HotSpots – GeoCaching und Stadtentwicklung“ sowie den Carrotmob betreuen soll. In der Geschäftstelle arbeiten zusätzlich 4-5 TeilnehmerInnen des freiwilligen ökologischen Jahres und bis zu 2 PraktikantInnen. Unsere Räume im Prenzlauer Berg sind lebendig - Aktive treffen sich, tüfteln an neuen Projekten und Aktionen, wir führen Infoveranstaltungen und hin und wieder auch Seminare durch. Wir freuen uns auf Besuch!

4.	 Kooperationen mit Schulen
Projekt Z – Zukunft in die Schule – kontinuierliche Zukunfts-AGs 2010 war ein wichtiges Jahr für die Berliner Schullandschaft – die Schulstrukturreform wurde zu Beginn des Schuljahres 2010/11 umgesetzt. Beginnend mit Klasse 7 werden neben dem Gymnasium alle Schulformen zur integrierten Sekundarstufe zusammengefasst und flächendeckend ein Nachmittagsangebot eingeführt. Auch wenn wir Einiges mit Skepsis sehen (noch weniger Zeit für junge Menschen, sich frei ehrenamtlich zu engagieren, ein teilweise holpriger Start), wollen wir diese Entwicklung auch als Chance begreifen, junge Menschen zu erreichen, die sonst nicht zu uns ge-

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

kommen wären. Aufbauend auf unserer langjährigen Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Schulen wollen wir verstärkt wieder kontinuierliche AGs anbieten. Wir konnten eine Multiplikatorenschulung mit großer Nachfrage durchführen und erste Kooperationen starten. Das Konzept entwickeln wir laufend weiter. Unser Ziel ist es, durch einen erlebnisorientierten Ansatz unsere Hauptthemen (Globalisierung, Klima, Ernährung, Biodiversität) vorzustellen und Impulse zu geben, selber ins Handeln zu kommen – anhand eines kleinen Projekts. Ein Diskussionsabend, eine Straßentheateraufführung, eine kleine Ausstellung ... Die Entwicklung von sogenannten Gestaltungskompetenzen, also wie können wir die Welt von morgen mitgestalten, steht dabei im Mittelpunkt. Bildungs-Agenten klären in Projekttagen über Klimawandel auf Was steckt genau hinter dem Klimawandel? Ist Atomkraft ein vertretbarer Ausweg? Kann es saubere Kohlekraftwerke geben? Und kommt aus meiner Steckdose wirklich Öko-Strom? Durch Kompetenztrainings werden interessierte Jugendliche zu Bildungs-Agenten ausgebildet und erhalten dabei eine professionelle und praxisorientierte Schulung in Sachen Inhalt, Methodik und Didaktik. Themen sind u.a. Grundlagen des Klimawandels, Atomenergie und erneuerbare Quellen, Klima und Ernährung sowie Folgen des Klimawandels (Flucht, Ökosystem Wald etc.). Ein Rahmenkonzept steht zur Verfügung, und dann nichts wie los zu einer Jugendgruppe oder Schulklasse und den Projekttag halten. artenReich – der Kreativwettbewerb zu Biodiversität Anlässlich des Internationalen Jahres der Biodiversität 2010 haben wir für die Jahrgangsstufen 7 bis 9 einen Wettbewerb gestartet. Es galt, über bedrohte Arten zu recherchieren, herauszufinden, warum sie gefährdet sind, was ihre Bedeutung ist, wie sie bewahrt werden können. Und die Antworten kreativ und gestalterisch auszudrücken. Wir haben uns sehr über die Einsendungen gefreut!

5.	 Aktion und Veränderung
Carrotmob Drei tolle Events, viel Resonanz in der Presse und vor allem im Web 2.0, viel Spaß und handfeste Veränderung für den Klimaschutz – das waren die Carrotmobs 2010 der BUNDjugend. Ein Carrotmob ist die Weiterentwicklung eines Boykotts. Ein Geschäft (bei uns waren es ein Blumenladen, ein Eisladen und der Berliner Büchertisch) wird durch einen Wettbewerb ausgewählt und dann an einem bestimmten Tag „gestürmt“. Alle Läden bieten einen Prozentsatz des Tagesumsatzes, den sie bereit sind, in Energiesparmaßnahmen zu investieren. Zusammen mit anderen Kriterien wir auf diese Weise ein Laden ausgesucht. Am Tag X wird dieser nun „gestürmt“ - und wir kaufen Dinge, die mensch sich meist ohnehin gekauft hätte. Nur mit dem Unterschied, dass oft 80 bis 100% des Geldes in konkreten Klimaschutz fließen. Vor- und Nachbereitung sind dabei wichtig – die Energiechecker des BUND führen eine professionelle Beratung durch und kontrollieren gemeinsam die Umsetzung.

Anti-Atom-Demo und Menschenkette Wort des Jahres 2010 war der „Wutbürger“. Wir würden eher von „Mut-Jugendlichen“ sprechen. Kreativ und mit viel Engagement waren wir bei den großen Aktionen mit von der Partie – haben einen Bus zur großen Menschenkette mitorganisiert und betreut, zur Anti-Atom-Demo am 18.9. mobilisiert und kreativ

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unseren Protest gegen die unhaltbare Atompolitik von Schwarz-Gelb gezeigt. Wut? Ja, auch. Aber auch viel Mut und Kreativität.

6.	 Internationale Begegnungen und Freizeiten
Den eigenen Horizont erweitern, junge Menschen aus anderen Kulturen kennenlernen und dabei eine Menge Spass haben – diese Möglichkeit gab es bei der BUNDjugend im letzten Jahr viermal. Im Mittelpunkt stand dabei immer der interkulturelle Austausch, das Teilhaben an anderen Lebensumständen, die Auseinandersetzung mit anderen Sichtweisen.   KlimaCamp nahe dem Braunkohlebagger – Garzweiler II Auf dem von der BUNDjugend NRW organisierten Klimacamp haben wir eine internationale Begegnung mit jungen Aktiven von Friends of the Earth Ungarn durchgeführt – und somit die Vielfalt erhöht und eigene Impulse gesetzt.

erneuerbarer Energien besichtigt und diskutiert. Und uns intensiven miteinander ausgetauscht, um voneinander zu lernen. Ein weitere Begegnung mit einer deutsch-russischen Jugendgruppe in Kooperation mit Grüner Grashalm e.V. beschäftigte sich praktisch mit dem Nutzen und der konkreten Arbeit in Naturparks in Deutschland und Russland. Partizipative Selbstorganisation ausprobieren Auf dem Jugendumweltkongress JUKSS über die Jahreswende erprobten junge Menschen ganz praktisch die Selbstorganisation – Programm und Workshops wurden gemeinsam entwickelt, und auch die sonstige Organisation von Kochen über Raumaufteilung bis hin zu Kommunikation und Dokumentation wurde gemeinsam geleistet. Nicht immer alles reibungsfrei – aber mit viel Lernspaß.

In verschiedenen Workshops haben wir uns intensiv mit sinniger und unsinniger Energiepolitik auseinandergesetzt, eine Fahrraddemo organisiert, selber einen nachhaltigen und alternativen Lebensstil gelebt und viele Menschen, Initiativen und Aktivitäten kennengelernt. Und mit offenem Mund vor dem riesigen Baggerloch gestanden. Internationale Austausche mit Osteuropa / GUS Insgesamt drei internationale Begegnungen konnten wir mit Ländern Osteuropas und Russland/Sibirien durchführen. Schwerpunkt war auch dieses Jahr der schon traditionelle Austausch mit Belarus – mit einer Jugendorganisation und Studierenden eines progressiven Instituts, das zu den Folgen von Tschernobyl forscht und praktische Hilfe anbietet. Tschernobyl war jedoch nicht Schwerpunkt – dem Partner war es wichtig, das Augenmerk auf vorbildliche ökologische Projekte zu richten. Und die gibt es, obwohl die Rahmenbedingungen schwieriger sind als in Deutschland. Wir haben Projekte der ökologische Landwirtschaft und

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

CVJM-Ostwerk e.V. Landesverband BerlinBrandenburg
Was?	 	 Der CVJM ist der „Christliche Verein Junger Menschen“, der es sich zum Ziel gemacht hat, jungen Menschen aus allen Völkern, Konfessionen und sozialen Schichten auf der Basis christlicher Werte in ihrem Leben zu begleiten, sie zu stärken und in der Entfaltung ihrer Fähigkeiten zu unterstützen. Wo?	 	 Der CVJM ist eine weltweit tätige Jugendorganisation. In über 120 Länder gehören 45 Millionen Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Erwachsene zum CVJM. In Deutschland ist der CVJM mit über 2.200 Vereinen und 330.000 Mitgliedern der größte christlich-ökumenische Jugendverband. Der nationale Dachverband ist der CVJM-Gesamtverband in Deutschland e.V., in dem 13 selbstständige Mitgliedsverbände zusammen geschlossen sind. Wir sind einer davon. Wie?	 	 Der CVJM-Ostwerk e.V. ist ein eingetragener Verein. Unsere Hauptaufgabe ist die Vernetzung, Betreuung und Begleitung der 28 Ortsvereine und Gruppen der Region Berlin und Brandenburg mit ihren 30 Hauptamtlichen und 200 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Im CVJM-Ostwerk sind zur Zeit neun Berliner Vereine und Gruppen Mitglied. Wozu? 	 Auf der Basis unseres christlichen Glaubens möchten wir Angebote für junge Menschen schaffen, die ihnen Freude machen und sie im Leben voran bringen. Wir möchten ihre Bedürfnisse, aber auch ihre Ressourcen wahrnehmen, ihre Talente und Begabungen fordern und fördern und so ihre Persönlichkeit zur Entfaltung bringen.

zen. Die meist jugendlichen MitarbeiterInnen erlernen dadurch eine Vielzahl an Kompetenzen, die sie für ihren Beruf und ihr weiteres Leben ausrüsten. Die Seminare und Schulungen sind für alle Berliner Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ausgeschrieben und finden über das ganze Jahr verteilt statt. Freizeiten Über das gesamte Jahr verteilt bieten wir Freizeiten und Reisen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an. Die Dauer der Freizeit, der Zielort und die Konzeption sind immer auf die jeweilige Zielgruppe und ihre Bedürfnisse und Wünsche angepasst und abgestimmt. Entscheidener Punkt dabei sind die sozialen Hintergründe der Kinder und Jugendlichen, die unsere Einrichtungen besuchen. Auf unseren Freizeiten sollen wir Kinder und Jugendliche auch herausfordern. Soziale Herausforderungen finden sie u.a. in unseren Camps mit vielen Gleichaltrigen (7 Tage oder 14 Tage), körperliche Herausforderungen finden sie u.a. in Sportcamps oder Workcamps, bei denen sie ihre handwerklichen Fähigkeiten austesten und erweitern können, und geistige Herausforderungen finden sie u.a. in unseren musisch-kreativen Freizeiten. Bei unseren Freizeiten bieten wir stets eine reizvolle Relation zwischen Erleben und Entspannen.

Teile des Programms stehen fest, einige sind wählbar und andere freiwillig. Alle Freizeiten sind für alle Berliner Kinder und Jugendlichen ausgeschrieben. Für die Teilnahme ist eine Mitgliedschaft im CVJM nicht nötig. Die Reisen und Freizeiten werden jeweils von den selbstständigen Ortsvereinen oder vom Landesverband selbst veranstaltet und finden in den kleinen und großen Ferien statt. Offene Arbeit und Gruppenarbeit Der besondere Stellenwert der Offenen Arbeit ist der niedrigschwellige Zugang, durch den wir Klienten erreichen, die meist aus sozial benachteiligten Schichten kommen oder denen solche Angebote sonst verwehrt sind. In unseren Ortsvereinen (Schwerpunkt u.a. in Berlin-Marzahn, Berlin-Märkisches Viertel und Berlin-Kaulsdorf) nehmen sowohl Kinder als auch Jugendliche die Angebote der Offenen Arbeit mit großem

Schwerpunkte und Aktivitäten im Jahr 2010
Schulungen und Seminare Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Schulung von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Ihr Einsatz in Projekten, Freizeiten oder Seminaren ist von hohem Wert für Teilnehmende und für sie selbst. Von daher haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, konkret ihre Ressourcen zu ermitteln, diese zu stärken und einzuset-

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Interesse wahr. Oftmals können wir diese Kinder und Jugendlichen auch für unsere Gruppen motivieren, sodass es uns möglich ist, sie längerfristig zu begleiten.  Durch die Gruppenangebote unserer Vereine schaffen wir bedürfnis- und zielgruppenorientierte Strukturen, durch die wir nicht nur längerfristig, sondern vor allem intensiver mit Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Erwachsenen arbeiten können. Geschlechtsspezifische Arbeit Im Bereich der geschlechtsspezifischen Arbeit, die mit besonderen Anforderungen der Zielgruppen einher geht, ist es uns gelungen, die Teilnehmer-Zahlen zu stabilisieren. Erlebnispädagogik Im letzten Jahr konnten wir unsere erlebnispädagogische Arbeit immer weiter ausbauen und erfreuen uns hoher Teilnehmerzahlen und des hohen Interesses. Wir bieten Erlebnispädagogik für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an und können ihnen somit erlebbar und spürbar wichtige Impulse für ihre Lebensgestaltung und zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit geben.

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Deutsche Schreberjugend Berlin Landesverband Berlin e.V.
macht Spaß und bildet grenzenlos!!!
Als parteipolitisch und konfessionell ungebundener Verband sind wir offen für Jede/n und arbeiten schwerpunktmäßig in folgenden Bereichen: •	 •	 •	 •	 •	 ehrenamtlich betreute Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen offene Kinder– und Jugendarbeit in Einrichtungen und Projekten pädagogisch betreute Ferienfreizeit- und Ferienerholungsmaßnahmen für   Kinder- und Jugendliche Internationale Jugendbegegnungen Aus– und Fortbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter

Wie auch in den Jahren zuvor präsentierte sich die Deutsche Schreberjugend im Januar mit einem Stand auf der Internationalen Grünen Woche. Dort gestalteten JugendleiterInnen zehn Tage einen Stand mit Informationen und diversen Aktivitäten. So hatten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, Buttons zu basteln, Informationen über die Schreberjugend mitzunehmen und bekamen neue Ideen für den Bereich Kleingartenwesen präsentiert. Zusätzlich stellten wir uns auf der Reisebörse des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf vor. Traditionsgemäß gab es auch 2010 – im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit – diverse Aktivitäten durch die Bezirksgruppen und Einrichtungen. Bei vielen bezirklich organisierten Kinderfesten sowie einem großen Fest im Quartier Mosse waren viele Freiwillige involviert, die Kinderaugen zum Strahlen brachten. Ohne die hilfreiche Unterstützung so vieler engagierter und ehrenamtlicher Kräfte wären diese Aktivitäten sicher nicht so erfolgreich durchzuführen gewesen. Auch bei unseren Maßnahmen war wieder für jede/n etwas dabei. In den Osterferien stand wieder unsere traditionelle Fahrt nach Kronach im Frankenwald an, wo die Kinder und Jugendlichen in einer alten Burg untergebracht waren. Vor Ort bot unser erfahrenes BetreuerInnenteam ein abwechslungsreiches und interessantes Programm für alle TeilnehmerInnen an. Im Sommer konnten wieder viele Berliner Kinder und Jugendliche einen Teil ihrer Ferien in einem unserer Sommercamps im Süden Deutschlands verbringen. Dieses Angebot wurde von zahlreichen Mädchen und Jungen genutzt. Sie genossen es, sich in der freien Natur bei einem abwechslungsreichen Programm zu erholen und auszutoben. Von Lagerfeuer über Kreativangebote bis hin zum Nachtspiel war für jeden etwas dabei.

Aktivitäten

Leitgedanke unserer Kinder- und Jugendarbeit ist die Unterstützung, Förderung und Initiierung selbstbestimmter und selbstorganisierter Prozesse sowie kontinuierliches ehrenamtliches Engagement. Unsere Aktivitäten sind regional organisiert. Wir sind in vielen Berliner Bezirken mit eigenen Bezirksgruppen, Einrichtungen und Projekten vertreten. Die ehrenamtlich betreute Gruppenarbeit findet bei uns auf regional-bezirklicher und Landesebene statt. Wichtig sind uns unsere landesweiten selbstorganisierten Arbeitsgruppen zu verbands- und jugendpolitischen Themenfeldern. Diese AGs sind niedrigschwellige Angebote, die für alle interessierten Jugendlichen offen sind. Jeder, der Lust hat, ist eingeladen, an der AG-Arbeit teilzunehmen. Stark engagiert sind wir in der Kinder- und Jugendarbeit durch hauptberuflich betreute Einrichtungen wie dem Abenteuerspielplatz; dem Naturpädagogischen Kinder- und Jugendzentrum sowie die Einrichtung zur sozialintegrativen Gruppenarbeit. Besonders viel Herzblut steckt in unseren ehrenamtlich organisierten Projekten wie der Jugendangelgruppe und dem Kinderbauernhof. Darüber hinaus beteiligen wir uns aktiv an der Arbeit des Bundesverbandes der Deutschen Schreberjugend, in dem wir u. a. ein Mitglied des Bundesvorstandes stellen. Zusätzlich arbeiten wir eng mit dem Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V. zusammen.

Maßnahmen

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Um die Entscheidungsprozesse der TeamerInnen für die TeilnehmerInnen transparenter zu gestalten, gab es Wahlen zur Zeltlagersprecherin und zum Zeltlagersprecher. Die demokratisch Gewählten hatten die Möglichkeit, neben der Einflussnahme auf die Programmplanung, d.h. wann soll geweckt werden, wann soll es Frühstück geben, was sollen die TeamerInnen für Aktivitäten anbieten etc., auch mit der Küchencrew über die Essensplanung zu reden und somit auch Einfluss auf die Gerichte zu nehmen. Alle TeilnehmerInnen merkten auf diese Weise, wie schwer es ist, es allen recht zu machen, Entscheidungen zu treffen und diese weiterzuvermitteln.

Zusätzlich zu unseren Fortbildungsangeboten trafen sich Arbeitsgruppen zu den Themen Öffentlichkeitsarbeit, Internationale Grüne Woche, Ehrenamtsförderung, Internationale Jugendarbeit, Internet, Gedenkstättenpädagogik sowie die Steuerungsgruppe Jugendarbeit. Letztere befasst sich mit der Gesamtplanung, Entwicklung und Umsetzung unserer ehrenamtlichen Kinder- und Jugendarbeit. Die Arbeitsgruppen haben eine zentrale Bedeutung für unsere Ju-gendarbeit im Verband, da eine Vielzahl von Aktivitäten in diesen Arbeitszusammenhängen entwickelt, vorbereitet und gesteuert werden. Die Arbeitsgruppen wirken somit als „Think Tanks“ für unseren Verband.

Arbeitsgruppen

Projektarbeit

Seit vielen Jahren schon existieren unsere ehrenamtlich betreuten Projekte, die über die jewei-ligen Bezirksgruppen weiterentwickelt werden. Der Kinderbauernhof in Kreuzberg bietet Kindern und Jugendlichen mitten in der Großstadt die Gelegenheit, sich mit naturnahem und umweltbewusstem Handeln auseinanderzusetzen und über die Pflege der Tiere Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen. Die Angelgruppe am Jugendangelgewässer im Spektegrünzug/ Spandau vermittelt Kindern und Jugendlichen den richtigen Umgang mit Tier und Natur. Ein weiterer wichtiger Bereich unserer Bildungsarbeit sind seit vielen Jahren Internationale Begegnungen im In- und Ausland. Im letzten Jahr waren viele Jugendliche um die Ausgestaltung des Bereichs Internationales bemüht. Eine Berliner Gruppe besuchte Jugendliche unserer finnischen Partnerorganisation. Je eine Gruppe unseres griechischen und nordirischen Partners erlebte ein interessantes und erlebnisreiches Berlinprogramm, bei dem interkultureller Austausch zwischen den Jugendlichen im Vordergrund stand, aber auch Kultur, Stadterkundung und die Geschichte der Stadt nicht zu kurz kamen.

Internationale Jugendarbeit

Einrichtungen

Seit vielen Jahren ist die Deutsche Schreberjugend Landesverband Berlin e. V. Träger von Einrichtungen in Kreuzberg-Friedrichshain, Steglitz-Zehlendorf sowie Charlottenburg-Wilmersdorf und arbeitete dort auch im Jahr 2010 erfolgreich mit vielen Kindern und Jugendlichen zusammen. •	 	 „Grenzräume in SO 36“                           Schwerpunkt: sozialintegrative Gruppenarbeit mit Jugendlichen insbesondere arabischer Her-      kunft in enger Zusammenarbeit mit einer Schule aus dem Kiez. •	 Sonnenhaus                                                Schwerpunkt: Naturpädagogische Kinder- und Jugendarbeit •	 Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung „InSideOut“ im Quartier Mosse mit Abenteuerspielplatz        Schwerpunkt: offene Kinder- und Jugendarbeit

Fortbildungsangebote

Im Bereich der außerschulischen Bildung führten wir über 20 Seminare durch, die von den JugendleiterInnen gern angenommen wurden. Mit vielen hundert TeilnehmerInnen und kompetenten Referenten konnten so wieder vielfältige Fortbildungsangebote realisiert werden. Die Inhalte gingen dabei von der klassischen JuleiCa-Ausbildung, über Fortbildungen in den Bereichen Recht, Ehrenamtsförderung, Projektmanagement, Rechtsextremismus bis hin zu kreativen Seminaren wie Foto, Lehmbau oder Naturkosmetik.

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Esperanto-Jugend Berlin e.V.
Wer wir sind Auf der Welt sprechen ein paar hunderttausend Menschen Esperanto, eine internationale geplante Sprache, deren Grundzüge vor 123 Jahren veröffentlicht wurden. Heute kann man mit Esperanto Jugendliche aus einigen Dutzend Ländern kennenlernen: Man kann zu internationalen Treffen fahren, private Gastgeber besuchen, Musik in Esperanto hören oder InternetSeiten besuchen. Auf lernu.net kann man Esperanto lernen und in internationaler Runde gleich anwenden, die Wikipedia informiert in Esperanto und der private Gastgeberdienst "Pasporta Servo" vermittelt Adressen von Esperantosprechern, bei denen man ein paar Tage wohnen kann. Die Esperanto-Jugend Berlin ist der Berliner Landesverband der Deutschen Esperanto-Jugend und besteht daher aus allen Mitgliedern der Deutschen Esperanto-Jugend, die in Berlin wohnen. Geschäftsstelle der Deutschen Esperanto-Jugend Im Esperanto-Haus in Lichtenberg befindet sich seit einigen Jahren die Geschäftsstelle der Deutschen Esperanto-Jugend e.V. Wir profitieren davon, da wir so einen Treffpunkt und Seminarraum haben, der zudem auch anderen Esperantosprechern als Anlaufpunkt dient. Hier finden auch unsere Kurse statt.

nahme war ein voller Erfolg und soll im nächsten Jahr unbedingt wiederholt werden. Internetseiten Die Internetseiten der Esperanto-Jugend Berlin dienten nach ihrer Renovierung 2009 als zentraler Anlaufpunkt für die Information nach außen. Mehrere Autoren haben regelmäßig Veranstaltungen angekündigt und über diese berichtet. Die Seiten sind erreichbar unter www.esperanto.de/ej.berlin Esperantokurse Ein Arbeitsfeld der Esperanto-Jugend Berlin sind natürlich Esperantokurse, da Esperanto die häufigste Verkehrssprache im Verein ist. Dazu fanden 2010 fünf Sprachkurse statt, die im Durchschnitt je 10 Teilnehmer hatten. Veranstaltungsort war jeweils das Esperanto-Haus in Lichtenberg, einmal wurde aufgrund eines Heizungsschadens in ein privates Wohnzimmer ausgewichen. Die Unterrichtsmethode beruhte auf einer Weiterentwicklung des Lehrwerks "Esperanto en dialogo" von Rudolf Fischer für Jugendliche und kam durch ihre interaktive Art, die auch viele musikalische Beiträge beinhaltet, gut bei den Teilnehmern an. Das Konzept hat sich bewährt und soll 2011 fortgesetzt werden. Die Werbemaßnahmen für die Esperantokurse waren sehr erfolgreich und wurden dokumentiert, so dass in Zukunft auch andere Esperanto-Ortsgruppen davon profitieren können.

Einrichtungen

Wir geben unseren Aktivitäten meist einen Bezug zu Esperanto, und sei es bloß, dass wir Esperanto sprechen, wenn wir uns treffen. Das ist in der Regel kein Selbstzweck, da wir auch Mitglieder in unserer Ortsgruppe haben, die nicht so gut Deutsch können. Für diese Art von Situationen wurde Esperanto geschaffen und wir können feststellen: Es funktioniert sehr gut! Unsere Aktivitäten lassen sich grob in die drei Felder Information, Unterricht und Anwendung unterteilen. Informiert haben wir zum Beispiel auf der Expolingua, unterrichtet bei unseren Esperantokursen und die Anwendung in der Gruppe findet eigentlich ständig statt. Öffentlichkeitsarbeit auf der Expolingua Wie jedes Jahr fand auch diesmal wieder die Expolingua im Russischen Haus statt. Die Esperanto-Liga Berlin hatte einen Stand gemietet, der zu großen Teilen von der Esperanto-Jugend Berlin betreut wurde. So konnten zahlreiche Leute über Esperanto informiert werden und die Adressen von rund 30 Interessenten für Kurse in der Region gesammelt werden. Die Teil-

Inhaltliche Schwerpunkte und Aktivitäten 2010

Die Esperantokurse wurden durch eine internetbasierte Umfrage am Ende ausgewertet. Im Ergebnis waren die Teilnehmer mit den Kursen sehr zufrieden, und einige sind bereits auf Esperanto-Treffen gefahren, um tiefer in die Esperanto-Welt einzutauchen. Gemeinsame Fahrt zur Jugend-Esperanto-Woche nach Burg (Spreewald) Über Silvester findet immer ein großes Esperanto-Jugendtreffen im deutsch-polnischen Grenzgebiet statt, dieses Jahr in Burg (Spreewald). Eine ukrainische Gruppe aus Jalta war bereits im Vorfeld des Treffens

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nach Berlin gekommen, und gemeinsam mit ihnen fuhren wir dann nach Burg zur Jugend-EsperantoWoche. Die Jugend-Esperanto-Woche war 2010 das größte Esperanto-Treffen für Jugendliche in Europa. Durch die gemeinsame Fahrt zu diesem bedeutenden Esperantotreffen konnten auch Jugendliche aus Berlin motiviert werden mitzufahren, die sonst vielleicht nicht gefahren wären. Tage des interkulturellen Dialogs Das antirassistisch-interkulturelle Informationszentrum Berlin (ARIC) hatte zu den Tagen des interkulturellen Dialogs im November aufgerufen mit dem Thema "Umdenken fordern - Partizipation fördern". Dabei sollte das interkulturelle Leben in Berlin diskutiert werden. Die Esperanto-Jugend Berlin hatte als Thema "Sprachverständnis als Beitrag zur Integration fremdsprachiger MitbürgerInnen" gewählt. Ziel der Veranstaltung war es zu diskutieren, ob z.B. deutsche Behörden auch Formulare in anderen Sprachen als Deutsch anbieten sollten, um die Integration zu erleichtern, und welche Wege es noch gibt, sprachliche Barrieren abzubauen. Leider kamen nur zwei Besucher zu unserem Dialogtisch, die sich zudem mehr für Esperanto als für das Dialogtisch-Thema interessierten. Möglicherweise sind die angesprochenen Probleme in Berlin-Lichtenberg vergleichsweise gering.    Jahreshauptversammlung im März Auf der Jahreshauptversammlung im März wurde ein neuer Vorstand gewählt, der mit frischer Energie die Vereinsarbeit vorantreibt. Das Treffen anlässlich der JHV wurde auch genutzt, um das Archiv aufzuräumen und verschiedene anliegende Arbeiten in der Geschäftsstelle zu erledigen. Gruppentreffen Neben diesen herausragenden Ereignissen gab es eine Fülle kleinerer Aktivitäten, die aufzuzählen den Rahmen sprengen würde.

Einige Beispiele •	 Wandern in der Sächsischen Schweiz •	 Programmierwochenende •	 Ukrainischer Abend •	 Esperanto-Filmabende •	 Esperanto-Party •	 Gemeinsame Kino-Besuche •	 Kochen auf Esperanto •	 Picknick •	 Vorträge, z.B. des technischen Leiters der Wikipedia

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Evangelische Jugend BerlinBrandenburgschlesische Oberlausitz (ejbo)
Die Evangelische Jugend Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EJBO) ist der selbstbestimmte, evangelische Jugendverband auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz (EKBO). Er hat auf Gemeinde-, Kreis- und Landesebene demokratische Strukturen, in denen Jugendliche selbst darüber entscheiden, was in der EJBO passieren soll und was nicht. Wir stellen uns der Vergangenheit und übernehmen Verantwortung für die Zukunft. Wir finden uns nicht ab mit der Ohnmacht der kleinen Leute, mit der Inkonsequenz der Vielen und mit der Macht der Wenigen; wir ergreifen Partei für die Armen und Schwachen, für die Benachteiligten und Unterdrückten. Wir setzen Gemeinschaft, Respekt für das Gegenüber und soziales Engagement gegen Leistungs- und Konkurrenzdenken. Wir setzen ökologisches Bewusstsein gegen blindes Wachstumsdenken. Wir verlangen einen verantwortlichen Umgang mit unserer Umwelt und mit den Ressourcen unserer Erde. Wir suchen nach Wegen, mit den Grenzen unseres Lebens umzugehen: sie anzunehmen oder zu überwinden. Dabei verleihen wir unserer vielfältigen Spiritualität Ausdruck und geben ihr einen Platz in unserem Leben. Das Jugenddankopfer (JDO) 2010 unterstützte die Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten in Uganda. Über 20 Jahre herrschte im Norden Ugandas ein grausamer Bürgerkrieg: Nachdem es den Rebellen der „Lords Resistance Army“ nicht gelang, die Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen, terrorisierten sie die Bevölkerung, raubten, plünderten, - und entführten massenweise Kinder und Jugendliche, direkt von den Feldern, Dörfern und aus Schulen. Diese zwangen sie in ihre Armee und richteten sie zu grausamen Kämpfern ab. Viele mussten Mitbewohner und Familienangehörige töten - so wurde jede Verbindung brutal abgeschnitten. Nach dem Ende des Bürgerkriegs können diese Kinder und Jugendlichen nun aus dem Busch zurückkehren – aber Familien und Dorfgemeinschaften weigern sich häufig, sie wieder aufzunehmen. Beatrice Amony, eine 30-jährige Sozialarbeiterin aus der Region, hat mit bescheidenen Mitteln ein Projekt zur Wiedereingliederung dieser ehemaligen Kindersoldaten aufgebaut. Unter psychologischer Betreuung können sie ihre Erlebnisse bearbeiten und ein ziviles Leben ohne Gewalt einüben. Die fehlende Schulbildung wird nachgeholt, und eine praktische Berufsausbildung als Tischler, Maurer, Schneider oder Landwirt schafft eine neue Lebensgrundlage. Währenddessen

geht Beatrice immer wieder in die Dörfer und bereitet Familien und Dorfbewohner darauf vor, dass die ehemaligen Kindersoldaten nun zurückkehren werden. Gemeinsam werden Schritte zur Versöhnung und Wiedereingliederung beraten und umgesetzt.

Das Jugenddankopfer ist ein entwicklungspolitisches Projekt der EJBO, ein kleiner, aber wichtiger Beitrag für eine gerechtere Welt. Ein Jahr lang sammeln wir Spenden für ein konkretes Projekt - denn wir wollen Menschen unterstützen, die etwas verändern. Ein Jahr lang informieren wir über dieses Projekt in Jugendgruppen, Schulklassen und Jungen Gemeinden - denn wir wollen mehr wissen vom Leben der Menschen in Ländern, die von den globalen Strukturen in Wirtschaft und Politik abhängig sind. „Fass dir ein Herz“ – das war unser Jahresthema 2010. Studien haben ergeben, dass heutzutage die Jugendliche vielen Ängsten gegenüberstehen. Bekomme ich einen Ausbildungsplatz, Arbeit, wie sieht meine Zukunft aus? Habe ich eine feste und langlebige Beziehung? Wir als evangelische Jugend wollen helfen, diese Angst zu mindern, und die Jugendlichen stärken. Gemeinsam gestärkt durchs Leben gehen! – Viele bunte Gemeinschafts-Aktionen haben in Gemeinden und Kirchenkreisen unter dem Logo des Jahresthemas stattgefunden, das auch als Postkarte weite Verbreitung gefunden hat. Größte Aktion war das LandesJugendCamp, das unter dem Motto „Da steckt Power drin“ vom 3.-6. Juni in Boxberg am Bärwalder See stattfand.

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Wunsch nach mehr Gemeinsamkeit, nach einer noch stärkeren basisdemokratischen Orientierung und nach einer schlankeren Gremienstruktur, die für aktive Jugendliche aus Kirchenkreisen und Gemeinden leichter zugänglich ist. Wir sind sehr gespannt auf die Erfahrungen mit der neuen Struktur. Die entsprechenden Ordnungen und Kirchengesetze müssen nun erst einmal erarbeitet werden. Seit mehreren Jahren hat die EJBO immer wieder die Abschaffung der Residenzpflicht für Asylbewerber gefordert, die Flüchtlinge diskriminierte und in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkte. Im Juli 2010 konnte der Vorstand der EJBO mit Befriedigung die Aufhebung der Residenzpflicht durch Innensenator Erhart Körting (und zeitgleich auch durch den Brandenburgischen Innenminister Rainer Speer) begrüßen. “Die Residenzpflicht für Asylbewerber und geduldete Personen hebelt das Recht auf Freizügigkeit aus, das Art. 26 der Genfer Flüchtlingskonvention allen Flüchtlingen zuspricht, die sich rechtmäßig in einem Staat aufhalten. Selbst die Erklärung der Menschenrechte spricht in Artikel 13 gegen die Residenzpflicht. Deutschland ist das einzige Land, das für Asylsuchende eine Residenzpflicht vorschreibt. International ist Deutschland damit isoliert. Daher fordern wir auch die übrigen Bundesländer auf, die Residenzpflicht abzuschaffen", heißt es in der Erklärung des EJBO-Vorstands. Jugendarbeit war das zentrale Thema bei der Herbsttagung der Landessynode der EKBO im Oktober 2010. Offene Jugendarbeit, Neue Medien, Jugendarbeit und Schule und die Verbindungen von Jugendarbeit und Konfirmandenarbeit waren die zentralen Themen. Viele Jugendliche, ehrenamtliche und berufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahmen aktiv an den Beratungen und Diskussionen teil. Das Einführungsreferat zum Synodenthema: „Jugend. Gemeinde. Bildung. Lern- und Lebensorte Jugendlicher“ hielt Prof. Richard Münchmeier. Gut vorbereitet, nutzten die Jugendlichen die Gelegenheit, aktive Gestaltungsmöglichkeiten einzufordern – zum Beispiel für Teamerinnen und Teamer in der Konfirmandenarbeit. Von allen Beteiligten wurde die Synodaltagung als ein Erfolg gewertet, der die Bedeutung der Jugendarbeit in den Gemeinden und Kirchenkreisen gestärkt und wichtige neue Akzente gesetzt hat. Nur eine Landesjugendversammlung ist noch schöner!

Im Schatten eines großen Braunkohlekraftwerks, am Tagebaurestloch ging es konkret um Braunkohle, um Arbeitsplätze und nachhaltige Energiewirtschaft; und es ging besonders auch um die Power in den Jugendlichen, die Kraft christlichen Glaubens in einer starken Gemeinschaft von Jugendlichen. Talkrunden und kreative Angebote, Musik, Theater und Tanz, Gottesdienst und Meditation ergaben ein buntes und dichtes Wochenende, zu dem mehr als 800 Jugendliche aus allen Teilen der Landeskirche angereist waren. Eröffnet wurde das LandesJugendCamp 2011 von Landesbischof Dr. Markus Dröge.

Am 19. Juni 2010 beschlossen die beiden Landesjugendvertretungen (Stadtjugendversammlung Berlin und Landesjugendkonvent Brandenburg-schlesische Oberlausitz) für den Jugendverband eine Strukturreform. Kernstück ist die Aufhebung der bisherigen Regionalstruktur und die Bildung einer gemeinsamen Jugendvertretung („Landesjugendversammlung“) als oberstem Leitungsgremium des Jugendverbandes. Sie besteht aus den Vertreter/innen der Kreisjugendkonvente; auch die Verbände (VCP, Schülerarbeit, EC, CVJM) sind vertreten. Sie wählt die Jugendkammer und den Vorstand. Die Beiräte – gegenwärtig für Jugendpolitik, Öffentlichkeitsarbeit und für die Bewahrung der Schöpfung – sorgen für das inhaltliche Profil der EJBO auf der Landesebene. Die Initiative für diese Strukturentwicklung kam von den Jugendlichen; die Konferenzen der Hauptamtlichen haben diese Veränderung nachvollzogen. Ausschlaggebend war der

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

jubel3 e.V.

Jugend Berlin lacht, lernt und lebt mit Gebärdensprache
Wir sind seit 2010 neu im Landesjgendring dabei und wollen uns vorstellen: jubel3 ist ein Verein für taube sowie gebärdensprachige hörende Jugendliche, der sich im Februar 2009 gegründet hat. Wir wollen den Jugendlichen aus der gesamten Hauptstadt Berlin und dem Umland die Möglichkeit geben zusammen zu kommen, Spaß zu haben, neue Leute zu treffen und Neues zu lernen. Wir bieten ihnen Angebote in Freizeit und Bildung, stärken ihr Selbstbewusstsein und ihre Sozialkompetenzen und bringen ihnen die vielfältige Taubenkultur näher. Taube und Hörende können sich über ihre Kulturen austauschen und in die jeweils andere eintauchen. Im Jahr 2010 haben wir viele Aktivitäten im Bereich Freizeit sowie Bildung angeboten, z.B. eine Kanu- sowie eine Fahrradtour, eine Führung durch ein ehemals besetztes Haus oder ein Volleyballturnier. Zusätzlich haben wir fünf große Veranstaltungen selbst- oder mitorganisiert, bei denen es um das Erleben der Taubenkultur ging:

Das Gebärdensprachfestival, Jugend – auf dem junge Taube ihre eigene Poesie und Performances vortragen konnten. Das Festival findet alle vier Jahre in Berlin statt und wird für Kinder, Jugendliche und Erwachsene angeboten. Die Türkisparade – ein bunter Umzug durch Berlin, auf dem die Taubengemeinschaft ihre Stärke und Fröhlichkeit demonstrierten. Die Farbe der Gebärdensprachgemeinschaft ist Türkis, deshalb der Name Türkisparade. Sie fand 2010 das erste Mal statt.

Sowie SignMob – angelehnt an einen FlashMob, trafen sich am Brandenburger Tor gebärdensprachige Menschen, die in einer halbstündigen Aktion den Passanten ihre bewegten Hände zeigten. Ein besonderes Projekt war das zur Dokumentation der Deaf Week: jubel3TV. Der jubel3-Vorstand besuchte alle angebotenen Veranstaltungen, filmte Ausschnitte aus diesen und machte kleine Interviews. Diese wurden dann in geschnittener Fassung als Filme auf der jubel3-Homepage (www.jubel3.de/jubel3tv) veröffentlicht. Ziel war es, allen Jugendlichen, die nicht selbst dabei sein konnten, einen Einblick in das aktuelle Geschehen der Deaf Week zu geben.

Sencity – ein multisensorisches Eventkonzept der Skyway Foundation, das sich an Taube und Hörende richtet. Bei diesem werden alle fünf Sinne angesprochen. Es standen verschiedene taube Stars auf der Bühne, z.B. Signmark aus Finnland. Die Deaf Week – eine Woche zum Thema Taub in Berlin, auf der sich sämtliche Vereine und Institutionen, die mit Tauben und Gebärdensprache in Zusammenhang stehen, präsentierten. Immer der letzte Samstag im September ist der Tag der Gehörlosen. Anlässlich dieses Tages wurde die Deaf Week organisiert.

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Jugendbund djoRegenbogen Landesverband Berlin e.V.
1.	 2.	 3.	 4.	 5.	 6.	 7.	 Wer wir sind Gliederungen Sommerferienfreizeiten Jugendaustausch/ Fachkräfteaustausch Deutsch-russische Juleica-Schulung Kurse der außerschulischen Bildung Ahlbeck – ein Jugenddorf wird weiter umgestaltet

•	 	 	 	 	 •	 •	 •	 •	

AGJ in Via - Club Dialog/ Schalasch - Publicata/ Plexus - Respekt - Jugend- und Kulturgemeinschaft Berlin e.V. Prinzengardejugend Berlin Jugendgruppe „Dankezu“ AJM Berlin (Assyrische Jugend) Amaro Drom e.V.

3.	 Sommerferienfreizeiten
Mittlerweile können wir auf 20 Jahre Ferienreisen mit dem djo-Regenbogen zurückblicken, dabei nutzten 2010 über 90 Kinder und Jugendliche die Möglichkeit in den Sommerferien wegzufahren. Die Ferienfahrten gingen in den Norden nach Kiel und auf die Ostseeinsel Usedom nach Ahlbeck. Die Kinder und Jugendlichen, die an der Ferienfreizeit in Kiel teilnahmen, beteiligten sich an verschiedenen Projektgruppen wie z. B. an einer multikulturellen Musikgruppe, einer Zeitungs- und Radiogruppe oder nahmen an Tanz- bzw. Theaterworkshops teil. Die Kinder und Jugendlichen, die ihre Ferienzeit in Ahlbeck verbrachten, nutzten die Gelegenheit, um auch die nahegelegene polnische Umgebung zu erkunden. Bestes Sommerwetter unterstützte das vielseitige Programm und gab oft genug die Chance der Ostsee einen Besuch abzustatten.

1.	 Wer sind wir
Der Jugendbund djo-Deutscher Regenbogen, Landesverband Berlin e.V. (kurz: djo-Regenbogen) ist ein Jugendverband, der sich aus einem west- und einem ostberliner Verband entwickelt hat. Die heutige „djoDeutsche Jugend in Europa“ wurde bereits 1951 von jungen Flüchtlingen und Vertriebenen aus ehemals deutschen Siedlungsgebieten gegründet. Ihr Ziel war es, in der bundesdeutschen Gesellschaft anzukommen, eine neue Heimat zu finden und sich zu integrieren. Den ostdeutschen „Regenbogen“ gründeten 1989 wende-bewegte Jugendliche in Ostberlin. Ihr Ziel war es, Jugendarbeit anders machen zu wollen, als bisher in der DDR üblich und, später dann, anzukommen in der für sie neuen bundesdeutschen Gesellschaft. Nachdem sich beide Verbände 1990 zusammen schlossen, liegen die Schwerpunkte des Engagements heute auf •	 •	 •	 •	 kultureller und interkultureller Jugendbildung Integration von jungen Zuwanderern Internationalen Jugendbegegnungen und sozialem (fürsorglichem) Engagement für Bedürftige

4.	 Jugendaustausch/ Fachkräfteaustausch
Jugendaustauschprogramme mit: Astrachan (Russland), St. Petersburg (Russland), Antony (Frankreich), Izmir (Türkei), Cordoba (Spanien), Prag (Tschechien) Neben den Jugendaustauschprogrammen mit unseren Partnern in Russland und Frankreich, die bereits in den vergangenen Jahren durchgeführt wurden, kamen 2010 neue Jugendbegegnungen mit der Türkei, Spanien und Tschechien dazu. Insgesamt nahmen ca. 250 Jugendliche an den Jugendbegegnungen teil. Die Programme der Begegnungen reichen dabei über politische Seminare, Wanderungen, Kanutouren und Theaterprojekte. Zum Programm gehört natür-

2.	 Gliederungen
Der djo-Regenbogen entwickelt zunehmend Dachverbandsstrukturen. Zu ihm gehören heute – neben einzelnen nicht-selbstständigen Kinder- und Jugendgruppen – die Gruppen: •	 	 	 •	 JunOst - Verband der russischsprachigen Jugend in Deutschland e.V. - JunOst „Nota Bene“ - JunOst „Walenki“ Komciwan – Vereinigung der Jugendverbände aus Kurdistan

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

lich auch, dass die Teilnehmer/innen die Möglichkeit haben, das jeweilige Land und dessen Kultur besser kennenzulernen. Die Unterbringung in Gastfamilien, aber auch die Teilnahme am Schul– bzw. Freizeitalltag der Teilnehmer/innen des Gastgeberlandes unterstützen den Austausch und wecken das Interesse. Für das Jahr 2011 werden bereits die Rückbegegnungen sowie neue Projekte mit weiteren Partnerländern geplant. Fachkräfteaustausch mit Astrachan Die Partnerschaft zum Jugendclub in Astrachan besteht nun schon seit fünf Jahren, viele der Jugendlichen haben den Wunsch, neue Projekte zu entwickeln. Deswegen fand im August ein Fachkräfteaustausch mit zwölf Teilnehmer/innen in Astrachan statt. Dabei wurden neue Ideen & Konzepte entwickelt, neue Kontakte geknüpft und Absprachen für die Begegnungen im kommenden Jahr getroffen. Zudem wurde die Chance genutzt, Vertreter verschiedener Jugendeinrichtungen aus Astrachan und weiteren russischen Städten kennenzulernen.

bildung von Mädchen / Frauen türkischer Herkunft. Zudem gab es Workshops zur Gewalt- und Konfliktbewältigung und zur Förderung des friedlichen Miteinanders, bei denen die Teilnehmer verschiedene Kommunikationsstrategien kennenlernten und gleichzeitig erfuhren, wie man mit unterschiedlichen Kulturen, Lebensweisen und Religionen umgehen kann. Die eintägigen Seminare fanden überwiegend in Berlin statt, mehrtägige Seminare fanden z.B. in Winterberg, Köln, Ahlbeck, Neuendorf oder Trebnitz statt.

7.	 Ahlbeck – ein Jugenddorf wird weiter umgestaltet
Viele engagierte Jugendliche halfen auch 2010 wieder im „Jugenddorf Ahlbeck“, um sowohl die Außenanlagen zu verschönern als auch die Räumlichkeiten zu gestalten. Neben dem Arbeiten stand auch wieder viel Abwechslung auf dem Programm, denn gerade in den Sommermonaten bot die nahegelegene Ostsee viel Freizeitspaß. Vor allem durch den tatkräftigen Einsatz der Jugendlichen konnten viele Begegnungen anderer Gruppen im „Jugenddorf Ahlbeck“ stattfinden. Ziel der Umgestaltung ist es, das Objekt vermehrt Jugendgruppen mit Migrationshintergrund anzubieten – dabei arbeiten wir zunehmend auch mit anderen Migrantenjugendgruppen aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen. Zudem wollen wir das „Jugenddorf Ahlbeck“ zukünftig auch für Familienbildungsprojekte konzeptionell entwickeln und diese dann auch durchführen. Für das kommende Frühjahr gibt es schon wieder neue Ideen, so wird ein separater Aufenthaltsbungalow umgebaut, der auch für Gruppenarbeit genutzt werden kann.

5.	 Deutsch – russische Juleica-Schulung
Nach dem Erfolg im Vorjahr fand im November bereits zum zweiten Mal die „Deutsch–russische Jugendleiterausbildung für internationale Jugendarbeit“ statt. Junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund kamen zu einem Austausch. Die dabei entstandene kulturelle Vielfalt gab den Beteiligten die Möglichkeit, ihre interkulturelle Kompetenz sowohl im nationalen als auch im internationalen Kontext zu erweitern. Die Gruppe, die aus je zehn deutschen und russischen Teilnehmer/innen bestand, absolvierte die 14-tägige Juleica-Schulung. In der ersten Woche wurden die theoretischen Grundlagen in Berlin und Bahratal vermittelt, in der 2. Woche reiste die gesamte Gruppe dann nach St. Petersburg. In der russischen Großstadt konnten die Teilnehmer/innen das Erlernte dann in vielen praktischen Übungen ausprobieren und anwenden. Ziel der Ausbildung war und ist es, junge Menschen auf die Aufgaben als Jugendgruppenleiter einer deutsch-russischen Jugendbegegnung vorzubereiten, damit sie diese Tätigkeit effektiv und verantwortungsvoll ausüben können. Viele der deutschen Teilnehmer/ innen werden bereits 2011 bei der Organisation und Gestaltung von internationalen Begegnungen mithelfen.

6.	 Kurse der außerschulischen Bildung
Im Jahr 2010 gab es wieder eine Vielzahl von Kursen der außerschulischen Bildung, wobei der Schwerpunkt dabei u.a in Seminaren mit geschichtlicher und kultureller Bildung wie Tanz und Theater lag. Eine wichtige Bedeutung hatte auch wieder die Aus- und Weiter-

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Jugendnetzwerk Lambda BerlinBrandenburg e.V.
Wer wir sind Das 1990 gegründete Jugendnetzwerk Lambda Berlin-Brandenburg e.V. ist mit etwa 500 Mitgliedern der einzige Jugendverband von und für lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Jugendliche (im Folgenden „lsbt“ genannt) bis einschließlich 26 Jahre in Berlin und Brandenburg. Wir sind Mitglied im Landesjugendring Berlin und anerkannter Träger der freien Jugendhilfe in Berlin. Unsere Jugendlichen arbeiten auf einem hohen und sozial kompetenten Niveau. Dieser Qualitäts-Standard wird durch kontinuierlich stattfindende Weiterbildungsmaßnahmen und Schulungen ständig gesichert und verbessert. Jedoch wird schon jetzt die meiste Arbeit von ehrenamtlich aktiven Jugendlichen ausgeführt, und zugleich schränkt der Berliner Senat seine Hilfe im Jugendbereich leider mehr und mehr ein. Unsere Ziele Unser Ziel ist es, Akzeptanz und Unterstützung von lsbt Lebensweisen in unserer Gesellschaft zu fordern und zu fördern und lsbt Jugendliche auf nationaler und internationaler Ebene zu vernetzen. Kurz- und mittelfristig verfolgen wir das Ziel, diesen Jugendlichen einen diskriminierungsfreien Raum zu bieten, sowie die Möglichkeit, Freundschaften aufbauen und pflegen zu können.

breites Spektrum bieten. Im Zentrum unserer Angebote standen zunächst die verschiedenen, wöchentlich stattfindenden Jugendfreizeitgruppen. 2010 sind sogar noch zwei neue Gruppen hinzugekommen: Die Trans*Zeit sowie die Kuschelgruppe. Zu unseren weiteren Angeboten gehörten außerdem regelmäßig stattfindende Ferienfreizeiten, welche nicht nur die Möglichkeit zur gemeinsamen Freizeitgestaltung und Selbstverwirklichung bieten, sondern auch die soziale Kompetenz unserer Jugendlichen fördern und stärken.

2010 ging es unter anderem nach Paris, außerdem lud Lambda BB zusammen mit der AHA lsbt Jugendliche aus ganz Deutschland nach Berlin ein. Darüber hinaus gibt es für Jugendliche bei uns die Möglichkeit, in unterschiedlichen Teams, wie z.B. dem In&Out Beratungsprojekt, dem Bibliotheksteam oder dem Projekt „Öffentlichkeitsarbeit“ mitzuarbeiten und Veranstaltungen ebenso zu organisieren wie durchzuführen. 2010 kamen zwei neue Projekte hinzu: 1. Lambda² - ein integratives Projekt für lsbt Jugendliche mit und ohne Handicap – und 2. unser Bildungsprojekt in::progress, welches Aufklärungsworkshops an Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen (JFE) anbietet und eng mit jungen AkteurInnen im Bereich Schule / JFE zusammenarbeitet. Beide neuen Projekte haben durch eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit große Resonanz erfahren und konnten darüber neue KooperationspartnerInnen gewinnen. Nach außen Sichtbarkeit demonstrierten wir auch 2010 durch unsere Teilnahme an verschiedenen Großevents in Berlin

Gleichzeitig vertreten wir die Interessen von lsbt Jugendlichen in der Öffentlichkeit und Politik. Darüber hinaus haben wir uns zur Aufgabe gemacht, lsbt Jugendliche in Ihrem Selbsterkennungsprozess sowie in psychosozialen Notsituationen zu unterstützen und Hilfe anzubieten. Unsere Schwerpunkte / Angebote 2010 Auch 2010 konnten wir lsbt Jugendlichen wieder ein

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

(z.B. dem alljährlichen CSD) sowie durch unsere LesBiSchwule Tour Berlin-Brandenburg zusammen mit andersartig e.V. Bei allen Projekten Lambda BB’s stehen die HauptamtlerInnen den Jugendlichen beratend und unterstützend zur Seite. Ferner gibt es bei uns auch Bildungsangebote in Form von unterschiedlichen, über das Jahr verteilten Seminaren im Rahmen der Lamb-

da Akademie. So veranstalteten wir auch 2010 eine JuleiCa-Schulung. Schließlich verfolgten wir in verschiedenen Gremien, wie auch die Jahre zuvor, die Interessen von lsbt Jugendlichen und leisteten zudem wichtige Aufklärungsarbeit, die sich auch und insbesondere an heterosexuelle Jugendliche und Erwachsene richtet, darunter vor allem PolitikerInnen, JournalistInnen und Angehörige von Jugendlichen.

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JungdemokratINNen/ Junge Linke Berlin
JungdemokratINNen/Junge Linke (oder kurz: JD/JL) sind ein parteiunabhängiger, emanzipatorischer, radikaldemokratischer Jugendverband. Wir sehen in der Demokratisierung aller gesellschaftlichen Verhältnisse, d.h. in der Überwindung autoritärer und hierarchischer Strukturen, die Voraussetzung für eine selbstbestimmte Gestaltung aller Lebensverhältnisse der Einzelnen. Weil entscheidende Bereiche demokratischer Kontrolle entzogen (wie z.B. in der Wirtschaft) oder autoritär organisiert (wie z.B. in der Schule) sind, kritisieren wir den undemokratischen Charakter dieser Gesellschaft und treten für ihre Veränderung ein. Wir sehen keine Möglichkeit, allein über Parlamente und Parteien tief greifende demokratische Änderungen zu bewirken. Parlamente sind unserer Ansicht nach zwar demokratische Errungenschaften, die es gegen die anti-demokratischen Tendenzen von Regierungen und Bürokratien zu verteidigen gilt, doch ist ihr Einfluss begrenzt. JungdemokratINNen/Junge Linke setzen sich für die Emanzipation der Einzelnen und für gesellschaftliche Verhältnisse ein, die Selbstbestimmung umfassend ermöglichen. Befreiung der Einzelnen von Herrschaft und Unterdrückung und die Schaffung einer emanzipatorischen Gesellschaft sind für uns untrennbar miteinander verbunden. Auch im Jahr 2010 haben wir uns auf vielfältige Weise in das politische Geschehen eingebracht. Kampagne „safer privacy“ Dieses Jahr konnten wir unsere Kampagne „safer privacy“ abschließen. In diesem Projekt setzen wir uns kritisch mit dem Thema Überwachung und Privatsphäre auseinander. Durch unabhängige Drittmitteleinwerbung produzierten wir Materialien, unter anderem sehr beliebte Flyer, Aufkleber, und Stofftaschen. Zum Abschluss der Kampagne nutzen wir die diesjährige Freiheit-statt-Angst-Demonstration, um uns nochmals mit Infomaterial zu präsentierten. Sommercamp Im Sommer fand das beliebte „Linke Camp zur rechten Zeit“ in Neuenheerse bei Bad Driburg in Nordrhein-Westfalen statt. Dieses Camp ist eine wichtige Plattform für den politischen Austausch, aber auch für die Kontaktpflege zwischen Mitgliedern aus den

verschiedenen Landesverbänden. Neben inhaltlichen Diskussionen, Workshops und Arbeitsgemeinschaften kam auch der Spaßaspekt bei Filmvorführungen, Fußballturnier und Grillabenden nicht zu kurz.

Wintercamp und Internationale Begegnung Am Ende des Jahres gab es  auch noch das Linke Wintercamp in Berlin, bei dem ebenfalls Politik, kritischer Austausch und inhaltliche Weiterentwicklung mit kulturellen Angeboten gemischt wurden. Das Besondere an diesem Wintercamp war, dass wir es gemeinsam mit unserer finnischen Partnerorganisation Vasemmistonuoret gestalteten, die uns mit einer Delegation von 10 Personen besuchen kam. In den gut besuchten AGen haben wir uns unter anderem mit den Themen Asyl, Migration, Integration – im europäischen Kontext auseinandergesetzt; einen zusätzlichen Schwerpunkt bildete das Thema „Geschlechterverhältnisse und Neoliberalismus“. Außerdem hatten einige unserer Berliner Mitglieder dieses Jahr Gelegenheit, bei einem vom Bundesverband organisierten Austausch unsere Partnerorganisation in Palästina und Israel zu besuchen. Neben dem Besuch bei verschiedenen befreundeten Organisationen, einem politischen SightseeingProgramm und spannenden inhaltlichen Diskussionen konnten so auch freundschaftliche Beziehungen verstärkt werden Seminare Auch in diesem Jahr war unser Verbandsleben geprägt von Tages– und Wochenendseminaren, bei denen wir uns aus radikaldemokratischer Sicht mit verschiedensten Themen auseinandersetzten. 2010 ging es vor allem um Rechts- und Psychiatiriekritik. Zu diesen Themen hatten wir insgesamt zwei Wochenend– und ein Tagesseminar. Außerdem beschäftigten wir uns mit Antisemitismus und Antiislamismus. Doch auch die methodische Bildung ist in diesem Jahr nicht zu kurz bekommen. So veranstalteten wir ein Tagesseminar zu Methoden der politischen Bildung. Zudem absolvierten einige unserer Mitglieder im Sommer erfolgreich die Juleica Schulung.

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Zur politischen Diskussion tragen weiterhin die vierzehntägigen radikaldemokratischen Treffen (raT) in unserer Landesgeschäftsstelle sowie der monatliche Polit-Stammtisch bei.

Broschüre gegen Arbeit Ein neues Projekt, das noch im Sommer seinen Anfang nahm, ist die Wiederauflage unserer Broschüre gegen Arbeit. In dieser Broschüre beschäftigen wir uns theoretisch mit dem Begriff Arbeit, informieren aber auch praktisch. Die Broschüre gegen Arbeit  wird durch Drittmittel finanziert und soll 2011 fertig gestellt werden.

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Junge Europäische Bewegung Berlin Brandenburg e.V.
Europa trifft dich – entscheide wie! Die Junge Europäische Bewegung Berlin-Brandenburg ist ein gemeinnütziger, unabhängiger und überparteilicher, aber keineswegs unpolitischer Jugendverband. Was uns verbindet und besonders am Herzen liegt, ist der europäische Gedanke. Europa ist unsere Zukunft. Und da wollen wir mitreden und mitgestalten. Denn das neue, vereinte Europa soll unser Europa werden! Als Berlin-Brandenburger Landesverband der deutschen Sektion der Jungen Europäischen Föderalisten sind wir Teil des europaweiten Netzwerks von über 25.000 aktiven JEF-Mitgliedern aus über 35 Ländern Europas. Gemeinsam werben wir auf unsere Art für Vielfalt und Einigkeit in Europa und bilden eine offene bunte Plattform für junge Menschen, die sich europapolitisch engagieren möchten. Mit zahlreichen Aktionen, Veranstaltungen und Projekten in Berlin und Brandenburg setzen wir uns ehrenamtlich für ein geeintes, demokratisches, bürgernahes, friedliches und solidarisches Europa ein. Der Schwerpunkt unserer Tätigkeit liegt in europapolitischer Bildungsarbeit. Wir organisieren Seminare, Workshops, Planspiele, Podiumsdiskussionen, Kundgebungen, Reisen und vieles mehr.

des Vorstands bezüglich der Europäischen Bürgerinitiative und der Situation in Belarus gelobt. Die Präsenz der JEB im Internet und auf Facebook ist im Jahr 2010 weiter ausgebaut worden. Insgesamt konnte die JEB in diesem Jahr 104 Neumitglieder gewinnen. Simulation Europäisches Parlament 2010 - besser als ein Jahr politische Weltkunde! Zum zwölften Mal lud die Junge Europäische Bewegung zur SIMEP in den Reichstag und ins Berliner Abgeordnetenhaus ein. Damit haben wir insgesamt 412 Schülern/innen die einzigartige Gelegenheit geboten, für zwei Tage in den Alltag von Europa-Abgeordneten einzutauchen. Sie konnten so selbst erleben, wie Europapolitik gemacht wird und wie viel Spaß man dabei hat.

Aufgrund der großen Nachfrage der vergangenen Jahre veranstalteten wir dieses Jahr wieder zwei Simulationen: Die SIMEP¹ am 31. Oktober und 1. November 2010 und die SIMEP² am 28. und 29. November 2010. Themen: Drei brisante Themen standen auf dem Programm und garantierten hitzige Diskussionen: die Ende November in Cancún stattfindende UN-Klimakonferenz, die europäische Migrationspolitik und die Reaktion der EU auf die Euro-Krise. Ablauf: Eingeteilt in sechs Fraktionen und 27 Mitgliedstaaten erarbeiteten die jungen Europa-Abgeordneten in Länder-, Fraktions- und Ausschusssitzungen eigene Positionen, suchten nach Kompromissen und feilten an Entschließungen. Am zweiten Tag trafen sie im Plenum zusammen. Eröffnet wurde dies vom ehem. EP-Präsidenten Hans-Gert Pöttering (SIMEP¹) bzw. vom stellv. SPD-Fraktionsvorsitzenden Axel Schäfer (SIMEP²). Nach der halbtägigen Plenardebatte trafen die Fraktionsvorsitzenden bei TV Berlin zu einem finalen Schlagabtausch aufeinander. Jungjournalisten: Während ihrer Beratungen wurden die jungen Abgeordneten auf Schritt und Tritt von einer

Europa fit machen für das 21. Jahrhundert Im Jahr 2010 konnte die JEB ihr Projektangebot bedeutend vertiefen und um zahlreiche Innovationen erweitern. Insbesondere die RallyEuropa, die Simulation des Rates der EU (RaSi) und die JEB-Zeitschrift konnten sich neu etablierten. Ebenso positiv gewürdigt wurde auf der Mitgliederversammlung im Dezember die starke Einbeziehung der JEB-Mitglieder über die Aktiven-Gruppe und die neuen Arbeitsgruppen der JEB, d.h. die AG Balkan, die AG Euro-Krise und die JEB International. Zudem wurde das politische Engagement

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

kleinen Schülerpressegruppe begleitet, die nicht nur über die Beratungsergebnisse und das Flurgeflüster berichtete, sondern auch hinter die Kulissen des Simulationsspiels schaute. Am Ende veröffentlichte sie eine Zeitung, die druckfrisch an alle Teilnehmenden verteilt wurde. Ziele: Als Projekt von Jugendlichen für Jugendliche ist die SIMEP eine einzigartige Methode, um Jugendlichen die Bedeutung und das Funktionieren der EU zu vermitteln und mit ihnen über Europapolitik zu diskutieren. Das kann kein Schulunterricht erreichen. So kommentierte ein Teilnehmer im letzten Jahr: „Was ich in den zwei Tagen SIMEP erfahren habe, habe ich in meiner ganzen Schulzeit noch nicht gelernt!“ Veranstalter: Eine Gruppe von 70 ehrenamtlichen Mitgliedern der Jungen Europäischen Bewegung bereitete die SIMEP über sechs Monate vor und führt sie an zwei Tagen durch. Vor 12 Jahren haben sie die SIMEP ins Leben gerufen. Finanziert wurde sie 2010 vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung.

und andere Jugendeinrichtungen. 2010 entfachte die JEB zahlreiche spannende europäische Debatten in Schulen in Berlin und Brandenburg, so etwa in BerlinReinickendorf, Berlin-Neukölln und Velten. RallyEUROPA - Berlin als europäische Metropole erfahrbar machen Brandneu im Projektportfolio der JEB und erstmals 2010 veranstaltet: Die RallyEUROPA! Wir wollen spielerisch vermitteln, wie Europa in Berlin erlebt werden kann. Hauptaugenmerk der Rallye liegt auf der Stimulation von eigenem, kreativem Erfahren: Die Jugendlichen sollen besonders weniger bekannte Berliner Europastätten in etwa fünf Stunden – ausgerüstet mit Plänen und Infomaterialien – zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln entdecken. Spürsinn, Kreativität und Teamgeist sind dabei gefragt! Mitmachen bei der JEB - Europa mitgestalten! Auch 2010 galt das Motto „Mitmachen bei der JEB Europa mitgestalten!“, das unseren Jugendverein zu einem lebendigen und dynamischen Europa-Forum macht: Bei der JEB kann jeder mitmachen, der Interesse oder gar ein bisschen Begeisterung für Europa mitbringt. Kommt zu unserem Jour Fixe am ersten Montag des Monats und lernt uns dort kennen, bringt eure Meinungen und Ideen ein oder macht bei unseren Aktionen und Projekten mit. Wir freuen uns auf euch!

EUre Debatte - Jugendliche diskutieren Europa EUre Debatte ist ein von der Jungen Europäischen Bewegung ins Leben gerufenes Projekt, mit dem wir Jugendliche über die Diskussion eines selbst gewählten europapolitischen Sachthemas an Europa heranführen möchten. Engagierte ehrenamtliche Moderatoren der JEB kommen dazu in Schulen, Jugendverbände

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Junge HumanistInnen (JuHu)
Wer wir sind Die „Jungen HumanistInnen“ (JuHu) sind der Jugendverband des Humanistischen Verbands Deutschland, Landesverband Berlin e. V. Wir sind ein freiwilliger Zusammenschluss junger, konfessionsloser Menschen, deren Lebensauffassung Offenheit, Selbstbestimmung und die Abkehr von Dogmen, Aberglauben und Mythen prägt. Die Juhus machen sich stark für Demokratie, Toleranz und Solidarität sowie für Gleichberechtigung und ein friedliches Zusammenleben der Menschen – unabhängig von Geschlecht, ethnischer oder nationaler Herkunft, sexueller Orientierung, Behinderung/Nicht-Behinderung oder konfessioneller Bindung. Gleichzeitig lehnen wir Gewalt als Mittel zur Lösung von Konflikten ab und distanzieren uns aktiv von rassistischen fremdenfeindlichen, ausgrenzenden und diskriminierenden Positionen. Die Abteilung „Jugend“ im HVD, LV Berlin e. V. ist wie folgt untergliedert: •	 •	 •	 •	 Kinder- und Jugendclub „AF70“ in Lichtenberg Kinder- und Jugendbüro in Marzahn Kinder- und Jugendgästehaus in Heilligensee Junge HumanistInnen

Einige Highlights aus dem Jahr 2010
Kinder Erlebnis Camps In diesem Jahr fanden zwei Kinder Erlebnis Camps (KEC’s) statt, bei denen ca. 50 Kinder aus sozial schwachen und benachteiligten Berliner Familien teilnahmen. Frei nach dem Motto „Raus aus der Stadt – rein ins Vergnügen“ erlebten die Kinder eine spannende und erlebnisreiche Zeit voller Action mit Grillen am Lagerfeuer, Kistenklettern, Geländespielen und vielen weiteren Aktionen und Projekten. Durch die finanzielle Unterstützung der Kreuzberger Kinderstiftung und der Humanismusstiftung war es möglich, die Kinder Erlebnis Camps für einen Großteil der Kinder kostenfrei anzubieten.

Die Jungen HumanistInnen kooperieren mit den einzelnen „Projekten“ des Fachbereichs Jugend. Ihr Hauptaufgabenfeld liegt jedoch in der Planung, Organisation und Durchführung von: •	 •	 •	 •	 Kinder- und Jugendreisen für alle in Berlin lebenden Kinder und Jugendlichen Integrationsfahrten für behinderte und nichtbehinderte Kinder und Jugendliche Berlins Internationale Begegnungen in Kooperation mit Trägern aus Spanien, Frankreich, Polen und Irland Wochenendfahrten und Workshops

Darüber hinaus organisieren die JuHu’s punktuell stattfindende Veranstaltungen wie Teamer- und Teilnehmer-Abende oder wöchentlich bzw. zweiwöchentliche Projekte wie den „Medientreff“, den „Selbstverteidigungsworkshop“, „Klettern“ oder den „Kreativkurs“. Seminare für Teamer/innen (JuLeiCa-Schulungen) oder Fahrten für Mitglieder (Ideenwerkstatt, Mitgliederfahrt) finden natürlich ebenso statt.

Das Jugenderlebniscamp am Liepnitzsee Dieses Jahr fand erneut das Jugenderlebniscamp am Liepnitzsee statt. Mit beinahe 40 Teilnehmern im Alter von 11 bis 16 Jahren konnte das Camp einen großen Zulauf verbuchen. Das Programm war sehr abwechslungsreich: Von Kennenlernspielen, einer Nachtwanderung mit Solo- und Akustiklauf über Kistenklettern und verschiedenste Aktionen im Wald bis hin zu diversen Spielen und Interaktionen in freier Natur konnte das Jugenderlebniscamp Einiges bieten. Für die Teilnehmer ist das Jugenderlebniscamp immer wieder eine tolle Möglichkeit, einmal aus der Stadt in die freie Natur zu kommen, andere Kinder kennenzulernen und vier Tage voller Action zu erleben. Medientreff Bei unserem 14-tägig stattfindenden Medientreff entsteht unsere Mitgliederzeitschrift, der JuHu-Flash. Hier werden neue Ideen gesammelt, Interviews geführt und gemeinsam Artikel verfasst. In diesem Jahr sind wie-

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

der viele Themen zusammengekommen, u. a. wurde der HVD einmal auf den Kopf gestellt und anschließend darüber berichtet. Des Weiteren wurden auch wieder Themen aufgegriffen, die unser soziales und politisches Umfeld betreffen, wie z.B. „Brauchen Werte Gott?“. Auch gab es einen Artikel zum Thema „Jugend macht Politik“. Jedes Jahr begleitet das Team des Medientreffs zweimal den JuHu-Flash bis zum Druck und ist für die Bearbeitung und das Zusammentragen der Beiträge und Artikel verantwortlich. Deutsch-französisch-bulgarische Jugendbegegnung Bei der Reise nach Carcassonne handelte es sich um einen interkulturellen Austausch für Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren. Diese Mission ist geglückt. Die Jugendlichen haben sich sehr gut miteinander verstanden und eine schöne Zeit miteinander verbracht, in mono- sowie multinationalen Gruppen. Das Thema der Woche war: Geschichte und Erinnerung für ein gemeinsames Europa. Die Teilnehmer haben sich in verschiedenen Kleingruppen mit verschieden kreativen Aufgaben mit dem Thema beschäftigt. Wie etwa beim historischen Stadtspiel, wo ihnen Fragen gestellt wurden, deren Antworten in der Stadt zu finden waren. Oder beim Bau eines Europa-Hauses für eine gemeinsame Zukunft in Europa. Die Thematik wurde von den Teilnehmern intensiv bearbeitet. Es gab auch jede Menge Freizeitmöglichkeiten. Die Teilnehmer konnten nachmittags Fußball spielen oder ei-

nen Stadtbummel machen und einmal auch ans Meer fahren. Selbstverteidigungswochenende Vom 22.-24.10.2010 fand in Heiligensee das Selbstverteidigungswochenende statt. In einer angenehmen Atmosphäre lernten die Teilnehmer im Alter von elf bis 18 Jahren sowohl die verschiedensten Techniken der Selbstverteidigung kennen als auch die jeweiligen Situationen, in denen die Techniken zur Anwendung kommen. Als Ausgleich zu den täglichen Trainingseinheiten wurden ein Kreativ- und ein Sportnachmittag angeboten, bei denen die Teilnehmer die Möglichkeit hatten, Taschen und Windlichter zu bemalen, Karten zu basteln oder sich einfach beim Fußball auszupowern. Am Ende des Wochenendes war die Resonanz der Teilnehmer so positiv, dass ein weiteres Selbstverteidigungswochenende im nächsten Jahr schon in Planung ist. Ideenwerkstatt Vom 01.-03.10.2010 fand dieses Jahr wieder unsere Ideenwerksatt im Harz statt. Diese wurde von den „Erlebnistagen Harz“ begleitet. Es war ein erlebnispädagogisches Wochenende voller Action, Spannung und natürlich jeder Menge Spaß.

Es war eine super Gelegenheit für die JuHu-TeamerInnen, selbst einmal in die Rolle eines Teilnehmers zu schlüpfen. Es wurden verschiedenste Kooperationsspiele und Interaktionen durchgeführt, welche immer wieder Teamgeist und Ausdauer von den TeamerInnen forderten. Alle Teilnehmer waren motiviert und begeistert mit von der Partie! Am Abend hatten dann alle die Möglichkeit, sich über vergangene Fahrten auszutauschen und neue Ideen für das kommende Jahr zu sammeln. Dabei sind tolle Projekte entstanden. Alles in allem war es ein erlebnisreiches und spannendes Wochenende, bei dem alle die Möglichkeit hatten, von ihren Erfahrungen des vergangenen Jahres zu berichten, sich näher kennenzulernen und das kommende Jahr gemeinsam mit neuen Ideen zu schmücken.

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Integrationsreisen Auch in diesem Jahr gab es wieder zwei Integrationsfahrten für Kinder und Jugendliche. Die Reise für die jüngeren Teilnehmer im Alter von 8 bis 12 Jahren ging im Sommer nach Frauensee und für die Jugendlichen von 13 bis 17 Jahren nach Spanien. In den zwei Wochen wurde den Teilnehmern eine spannende und erlebnisreiche Zeit mit vielen verschiedenen Aktionen geboten.

Dadurch, dass Menschen mit und ohne Behinderung an den Reisen teilnahmen, war es besonders wichtig, sich erst einmal kennenzulernen und Toleranz und Anerkennung füreinander zu entwickeln. Dabei kam es auf die körperliche Verfassung der Teilnehmer nicht an, sondern darauf, Vertrauen aufzubauen und sich gegenseitig zu unterstützen. Da die Beiträge für die Reise gestaffelt sind, haben auch Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Haushalten die Möglichkeit teilzunehmen.

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

KINDERRING BERLIN e.V.
Die Highlights im Jahr 2010
"Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Kämpfen" Das ist das Motto des KINDERRING BERLIN e.V. Unser Verein wurde 1990 von Eltern, Jugendlichen und Kindern gegründet. Schwerpunkt der Arbeit des Kinderrings ist die stadtteilorientierte und  übergreifende Kinder- und Jugendfreizeitarbeit und die Schaffung von Freizeit- und Erholungsangeboten. Unser Ziel es "..., in einer zunehmend verwalteten und verwerteten Welt Räume zu erhalten und zu schaffen, in denen sich eine Kindergesellschaft bilden und entfalten kann" (§ 2 der Satzung des Vereins). Unsere Aktionen und Projekte werden so konzipiert, dass Kinder und Jugendliche zu eigenständigem und selbstbestimmtem Handeln ermutigt werden. Neben vielen anderen jugendverbandlichen Aktionen wollen wir hier exemplarisch ein paar Projekte und Veranstaltungen vorstellen: 20. Geburtstag am 7. März 2010 Am Sonntag, dem 7. März 2010 beging der KINDERRING BERLIN e.V. sein zwanzigjähriges Jubiläum. Über hundert Mitglieder, Freunde und Weggefährten des Jugendverbandes folgten der Einladung des Vorstandes und genossen einen festlich entspannten Nachmittag über den Dächern von Berlin-Friedrichshain – in der Kuppel des Südturms am Frankfurter Tor. Das frische und freundliche Wetter bescherte den Gästen eine hervorragende Aussicht über die Stadt – passend zu den Jubiläumsreden, die sich den brennenden Fragen der Gegenwart und der weiteren Zukunft widmeten, während in den persönlichen Gesprächen viele gemeinsame Erinnerungen wach gehalten wurden.

Ein sehr schönes Geschenk des Vereins an sich selbst ist die gerade erschienene Broschüre „20 Jahre Kinderring“, in der von den Anfängen bis heute die wichtigsten Stationen und Ereignisse festgehalten und illustriert sind. Über die vielfältigen ehrenamtlichen Aktivitäten und Anstrengungen wird berichtet und auch über die Siege und Niederlagen im fortwährenden Kampf um die Entwicklung und den Erhalt von stadtteilbezogenen Einrichtungen und Projekten der freien Kinder- und Jugendarbeit. fsj@school – Schule verändern! Das FSJ@SCHOOL weitet sich trotz aller politischen Unwägbarkeiten immer weiter aus. Wieder konnten neue Schulen für die Idee begeistert werden, und so sind im Jahr 2010 bereits 29 Ableistende des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ`ler/innen) als Teil der Initiative an 18 Grund- und Sekundarschulen sowie Gymnasien, drei Klubs, dem Pankower Jugendamt und dem Kinder- und Jugendbüro Steglitz-Zehlendorf tätig. Mittlerweile sind wir in Pankow Süd an allen Schulen mit unseren FSJ’lerInnen unabkömmlicher Bestandteil der SchülerInnenvertretungsarbeit und vernetzen die Schulen miteinander durch unsere jugendverbandlichen Freizeitangebote und unsere Fahrten. Im Dezember führten die FSJ’ler eine Fragebogenaktion mit rund 500 Pankower SchülerInnen zu den Themen Freizeitgestaltung und Mitbestimmung durch. Nach deren Auswertung stellen wir euch die Ergebnisse zur Verfügung. Allerdings ist die Weiterbeschäftigung der jungen engagierten Menschen immer noch akut gefährdet. Bereits im März 2010 hatte das Bundesamt für Zivildienst

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2010 den größten Teil der monatlichen Zuschüsse der ab Sommer neuen Kriegsdienstverweigerer gestrichen und von 321,05 Euro auf 72,00 Euro reduziert - ohne gesetzliche Grundlagen und ohne dass der Träger davon erfahren hat. Dies wurde erst Ende Oktober bekannt, als die Bewilligungsschreiben des Amtes kamen. Gleichzeitig werden Zivildienstleistende ganz normal weiterfinanziert. Es ist skandalös. Ohne eine entsprechende Gesetzesänderung abzuwarten, wird seit Monaten ein Gesetz durch Verordnung eines Bundesministeriums missachtet! Noch im März 2010 hatte das zuständige Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf eine parlamentarische Anfrage zur Finanzierung des FSJ hin erklärt: "Die Bundesregierung kann diese Fragen daher gleichfalls erst nach Abschluss der dazu erforderlichen Überlegungen und Prüfungen beantworten." Mit der Änderung von Verordnungen und Gesetzespassagen ging einher, dass mit intern ausgewählten anderen Trägern im Frühjahr 2010 separate Vereinbarungen getroffen worden waren, die eine Finanzierung der dort als FSJ’ler Beschäftigten sicherten. Hier wurde von offizieller Seite der parlamentarische Wille missachtet. Das Ganze ist für uns ein unglaublicher Vorgang und riecht nach Lobbydemokratie und Klüngelei. Wo bleibt die allseits beschworene Transparenz, wenn politische Entscheidungen, wie hier geschehen, in undurchsichtigen Beziehungsgeflechten getroffen werden, um sie der öffentlichen Einflussnahme zu entziehen?

vernehmlichen Lösung in dieser Misere zu gelangen. Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Florian Bernschneider, machte sich kurz vor Weihnachten ein Bild von unserer Initiative, erlebte unsere FSJ’ler live bei ihrer Arbeit und diskutierte mit ihnen den o.g. Finanzierungsunsinn. Sämtliche Bundestagsfraktionen wurden von uns informiert, und die meisten sicherten uns Unterstützung in der Angelegenheit zu. Mehr: www.fsj-at-school.de Gedenkstättenfahrten Im letzten Jahr konnten wir immer mehr Interesse an den Gedenkstättenfahrten des KINDERRINGs verzeichnen. Insbesondere die viertägige Fahrt mit Burkhard nach Auschwitz kann nicht allen Nachfragen gerecht werden. Trotz der 10 Reisetermine   in 2010 mussten viele Interessenten auf das nächste Jahr vertröstet werden. Die Fahrt besteht neben den Führungen in Auschwitz und Birkenau - teils mit Zeitzeugen -  aus einem selbstorganisierten Rundgang durch Kazimierz und durch Krakau. Bereits auf der Busfahrt werden Medien  wie der Film "Mein Kampf" von Erwin Leiser  sowie eine Dokumentation über den Umgang mit Gedenkstätten als Vorbereitung und Information eingesetzt. Insbesondere Marzahner Gruppen über das Schülerbündnis MuT führen den Stadtrundgang selber durch. Die Teilnehmer sind immer freiwillig vor Ort und gemischt aus Schulen, Jugendgruppen und aus unseren Ferienlagern und Klubs.   Viele SchülerInnen fühlen sich durch die Art und Weise der Vermittlung der Geschehnisse sehr angesprochen. Uns geht es um eine Aufarbeitung der Vergangenheit und um den Abbau aktueller antipolnischer Ressentiments. Ebenso haben wir im Jahr 2010 diverse Zeitzeugengespräche in Berlin organisiert: mit Adam König, mit Sally Perel, dem "Hitlerjungen Salomon", mit Erika Rosenberg, der Biographin von Oskar und Emilie Schindler etc. Kinderfest im Mauerpark Das darf nicht mehr fehlen: die hüpfende, springende, balancierende, malende, tanzende, hämmernde, geschminkte sowie jonglierende Kinderschar und unsere Sympathisanten. Die Stimmung kochte wieder förmlich über. Am 8. Mai 2011 geht’s weiter. Wir erwarten euch alle! Gern schon ab 11 Uhr zum Aufbau.

Die meisten unserer als Kriegsdienstverweigerer anerkannten FSJ’ler arbeiten schon seit Anfang August 2010 an verschiedenen Berliner Schulen. Nur Dank engagierter SchulleiterInnen und der Unterstützung durch das Bezirksamt Pankow haben wir es bisher vermeiden können, auch nur einem FSJler kündigen zu müssen. Wir haben das Bundesamt mittlerweile auf Kostenerstattung sowie Weiterfinanzierung verklagt und erhoffen dadurch zu einer für alle Beteiligten ein-

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

„Auf der Mauer auf der Lauer““ Wir beschäftigten uns mit Zeit vor Glasnost und Mauerfall. Unsere Protagonisten hatten vor, sich im Camp intensiv in diese Geschichtsphase hineinzubeamen und die damalige Stimmung und Atmosphäre nachzuspielen. In St. Petersburg suchten wir die Spuren der damaligen Lebenswirklichkeit. Schließlich haben wir eine Skulptur aus vielen hundert durchsichtigen Wasserflaschen zu einer transparenten Mauer aufgestapelt. In die Flaschen steckten die Jugendlichen für sie wichtige Botschaften, ähnlich wie in Jerusalem an der Klagemauer. Für uns alle war das sehr beeindruckend. Die Woche danach war sehr improvisiert, was aber unserer Zielsetzung nicht wirklich widersprach, sondern auf ganz angenehme Weise neue Aspekte des Austauschs mit sich brachte. Mit Gitarre und Kerze gemeinsam Lieder zu spielen, mit Stift und Papier gegenseitig Lieder aufschreiben und singen, all das, was nunmehr wegen der leeren Akkus wieder nostalgisch funktionierte. Die russischen OrganisatorInnen glänzten mit teampädagogischen Spielangeboten, die auch gern in Assessment-Centern eingesetzt werden. Leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Planung: Freitag, 30.07.2010 Sechs Tote bei Unwetter: Trauriges Ende der Sommerhitze Im Leningrader Gebiet tobte in der Nacht ein richtiges Unwetter. Besonders schlimm erwischte es das Priosersker Gebiet im Norden. Dort wurden hunderte Bäume entwurzelt, was wiederum in vielen Orten zu Stromausfällen führte. Bei Priosersk fanden Helfer dann auch an verschiedenen Stellen die Leichen von sechs Menschen, unter ihnen sind auch Kinder. Sie wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen. Ferienlager schachmatt gesetzt Wegen Stromausfall soll bei Priosersk jetzt ein Kindersommerlager evakuiert werden. Während die Notversorgung mit Wasser gewährleistet ist, sind die Stromleitungen vorerst völlig außer Gefecht. Rund um das Lager liegen umgestürzte Bäume auf den Anfahrten, es gibt Beschädigungen an mehreren Gebäuden. In dem Ferienlager halten sich zurzeit 67 Kinder zwischen sechs und 15 Jahren auf. Sie sind erst gestern angereist. Die Lagerleitung berät zurzeit, wie sie die Kinder aus dem untauglich gewordenen Lager evakuieren kann. aus: http://www.petersburg.aktuell.ru Es war ein ausgesprochen reger Austausch. Auch die täglichen Planungsrunden mit den russischen TeamerInnen waren beeindruckend und von gegenseitigem Respekt und Neugierde geprägt. Etwas verwirrt waren wir alle von dem pädagogischen Leitungsstil der Campleiterin Olga Alexandrowna, der so gar nicht unseren Vorstellungen einer Mitbestimmungkultur entsprach. Dennoch konnten irgendwie jederzeit Lob und Kritik geäußert und gemeinsam Lösungswege gefunden werden.

Internationale Projekte

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Landesjugendwerk im AWO Landesverband Berlin e.V.
1.	 Wer wir sind
Das Jugendwerk der Arbeiterwohlfahrt ist der eigenständige Kinder- und Jugendverband der Arbeiterwohlfahrt. Wir organisieren uns über demokratische Entscheidungsstrukturen von unten nach oben. Als politische Interessenvertretung macht das Jugendwerk die Lebenslagen, Interessen und Rechte von Kindern und Jugendlichen sichtbar und bringt sie kontinuierlich in politische Diskussions- und Entscheidungsprozesse ein. Wir bekennen uns zu den Grundsätzen des Demokratischen Sozialismus mit seinen Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Im Jugendwerk engagieren sich Kinder und Jugendliche für Kinder und Jugendliche innerhalb eines demokratisch strukturierten, kontinuierlichen und verbindlichen Rahmens. Selbstorganisation, Freiwilligkeit, Ehrenamtlichkeit und professionelle Arbeit sind die Säulen unserer Tätigkeit. Unser Verband ist eine Vereinigung von jungen Menschen, basierend auf dem Prinzip der Mitgliedschaft und des Mitmachens. Unsere Angebote stehen allen Kindern und Jugendlichen offen. Traditionell richten sie sich jedoch vor allem auch an Kinder und Jugendliche, die von gesellschaftlicher Benachteiligung und von Armut betroffen sind. Kinder und Jugendliche erhalten im Jugendwerk die Möglichkeit, ihre Freizeit nach eigenen Vorstellungen gestalten zu können. Wir im Jugendwerk verschaffen Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten, ihre Interessen und Rechte wahrzunehmen und sich aktiv in die Gestaltung der Gesellschaft einzumischen.

Armutskonferenz im Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung auf dem Potsdamer Platz und bei der Kampagne der AWO „Jetzt geht’s ans letzte Hemd“ war das Jugendwerk dabei, um ein Zeichen gegen den Sozialabbau und für den Zusammenhalt in Deutschland zu setzen.

Im November waren wir in Halbe, um uns gemeinsam mit dem Jugendwerk Brandenburg an der Aktion „Vielfalt tut gut - im Schenkenländchen“ zu beteiligen. Der Schwerpunkt der Projektarbeit lag auch in 2010 auf der Spielmobilarbeit.

2.	 Untergliederungen
Das Jugendwerk ist wie die Arbeiterwohlfahrt auf Kreis- und Landesebene organisiert. In den Kreisverbänden Mahrzahn-Hellersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln und Mitte gibt es derzeit eine aktive Jugendarbeit.

3.	 Das Jahr 2010 - Inhaltliche Schwerpunkte und Aktivitäten
Das Jugendwerk der AWO hat sich auch in 2010 an politischen Aktionen und Demonstrationen beteiligt. So waren Jugendwerker/-innen im Februar in Dresden, um sich mit dem Bündnis „Dresden Nazifrei“ zu solidarisieren und gemeinsam mit mehreren zehntausend anderen Menschen eine Kette durch die Stadt zu bilden. Auch am Aktionstag im Rahmen der Nationalen

Wir sind mit insgesamt drei Fahrzeugen (u.a. das Feuerrote Spielmobil) in der Stadt unterwegs und betreuen Spielplätze, Schulhöfe und einen Skaterplatz. Nachmittags sind unsere Teamer wochentags auf insgesamt zwölf verschiedenen Plätzen mit Spiel- und Bewegungsangeboten präsent. Insbesondere in den Sommermonaten ist der Verleih von Spielgeräten stark nachgefragt.

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Ein schon langjähriges Projekt ist unser Jugendclub Lindenhof. Dieser ist ein sehr kleiner Kinder- und Jugendclub in der Lindenhofsiedlung in Tempelhof. Die Räume sind nach einer Grundsanierung 2006/07 nun von Jugendlichen nach eigenen Wünschen neu gestaltet worden. Im Sommer 2010 konnte der so „nagelneue“ Club wieder den vollen Betrieb aufnehmen. Das offene Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von ca. 8-15 Jahren. Der Jugendclub Lindenhof ist Montags bis Freitags nachmittags geöffnet. Dort fand z.B. ein Graffity-Art-Workshop statt. Ein weiteres, schon etabliertes Projekt des Landesjugendwerkes ist die Kinderuni in Kooperation mit der TU Berlin. Einen Tag lang konnten Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klassen den Universitätsbetrieb kennen lernen. Wir haben auch wieder verschiedene Seminare und JuleiCa-Schulungen durchgeführt. Ein sehr gefragtes Thema in Seminaren waren hier Strategien im Umgang mit Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Neu auf dem Programm war unsere Bildungsfahrt nach Weimar. Nach langer Zeit haben wir im letzten Sommer auch wieder ein Feriencamp für Kinder und Jugendliche gestaltet. Ziel war Beeskow in Brandenburg, wo eine Gruppe von 10- bis 15-Jährigen abenteuerlustige zehn Tage verbracht hat.

Das Landesjugendwerk hat 2010 begonnen, eine aktive Zusammenarbeit von Jugendverband und Schule aufzubauen. Ebenfalls im Jahr 2010 haben sich in Berlin zwei Kreisjugendwerke neu gegründet. Im Kreisverband Mahrzahn-Hellersdorf hat sich die Gruppe „InstinktivKreativ“ als Jugendwerk formiert, in Mitte sind die Jugendwerker/-innen im Jugendclub aktiv.

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LandesSchülerVertretung Berlin
Wer wir sind Die LandesSchülerVertretung Berlin ist mit dem Bildungswerk der Landesschülervertretung Berlin e.V. ein anerkannter Träger der freien Jugendhilfe und betätigt sich im Raum Berlin/Brandenburg in der außerschulischen Jugendbildung. In Seminaren und Workshops, Projekten und Großveranstaltungen - wie der LandesSchüler*innenKonferenz - und in der Unterstützung von politisch-sozial-kulturellen Initiativen Jugendlicher - in Form zum Beispiel der (mobilen) Projektwerkstatt - gestalten vor allem Schülerinnen und Schüler Bildung innerhalb und außerhalb von Schulen. Im Fokus unserer Arbeit stehen dabei die Themenfelder emanzipatorische Bildung und Pädagogik, Demokratie, gesellschaftliches Engagement, Partizipation, Medien und Antifaschismus. Projekte, Veranstaltungen sowie die Vereinsarbeit werden durch Jugendliche gemeinschaftlich und ehrenamtlich geleistet. Durch unsere Projekte wollen wir nicht nur spannende Freizeitaktivitäten anbieten, sondern in die Lebenswelt Jugendlicher hineinwirken. BildungsWerkstätten schaffen! Unser Umzug Ende 2009 in das Kultur- und Bildungszentrum „Raoul-Wallenberg“ in Weißensee markierte zugleich den Übergang zu einer neuen Form unserer Jugendarbeit. Bei der Jugendarbeit in Schulen trifft man schnell auf von außen festgesetzte Grenzen, in denen sich Jugendliche bewegen können. Vielfach wurde der Wunsch nach größerer kreativer Entfaltung geäußert. Es ist der Wunsch nach Freiräumen, denen die aktuelle Entwicklung des Bildungssystems nicht zuträglich ist. Nachdem wir mehrfach das Ringen um solche Freiräume miterlebt haben, entschlossen wir uns, mit den Bildungswerkstätten im KuBiZ einen solchen Freiraum eben selber zu schaffen. Der große Kritikpunkt des mangelnden Raumes für freie Entfaltung an der Schule wurde somit der Aufhänger für eine neue Praxis, die lokale wie soziale Räume schafft, statt ausschließlich ihr Fehlen zu kritisieren. Die Bildungswerkstätten stellen zum einen Raum dar, um Projekte zu entwickeln und politische Prozesse mitzugestalten. Doch sie sind mehr als das, die Bildungswerkstätten stellen zum anderen auch ein Organisationsprinzip dar, wie verschiedene Initiativen sich assoziieren können. Letztlich sind die Werkstätten aber nicht nur Raum, Infrastruktur und Organisationsprinzip, sondern sie sind eine Art und Weise, selbstbestimmte Lernprozesse und die Selbstorganisation von Bildung praktisch werden zu lassen.

Allen Interessierten steht der Zugang zu den verschiedenen Projektbereichen wie einer Bibliothek, einer Bastelecke, Filmvorführungen, dem Archiv der Schüler*innenzeitungen, PC-Arbeitsplätzen, Seminarräumen und vielem mehr offen. Das Spannende ist aber nicht nur die Vielzahl von Möglichkeiten, ohne Hürden einfach was zu machen, sondern die Gemeinschaftlichkeit der ganzen Projekte und Initiativen, die hier zusammentreffen. Sie alle schaffen die Bildungswerkstätten jeden Tag mit. Doch da die Partizipierenden ihre Projekte hier entwickeln, um in Schule oder Kiez etwas zu bewirken, wird der Gedanke der Bildungswerkstätten weit über die Mauern des KuBiZ hinausgesandt. Demokratisierung schaffen! Auch 2010 führten wir unser Projekt „Demoskratos“ weiter – in diesem Jahr schwerpunktmäßig an einem Gymnasium in Prenzlauer Berg. Mit dem Projekt „Demoskratos“ haben wir uns 2008 auf den Weg zu einem demokratischeren Bildungssystem gemacht. Das Projekt wird an interessierten Schulen durch die Gründung einer Politik-AG gestartet. Politisch interessierte und auch bereits engagierte Jugendliche kommen hier zusammen, um demokratisches Engagement im schulischen Kontext praktisch kennenzulernen. Es wird ein Klima für Engagement und Demokratie geschaffen, in dem jeder/m Schüler*in, Lehrer*in und Angestellten der jeweiligen Schule das aktive und passive Wahlrecht verliehen wird. Denn alle sollen sehen, dass die eigene Meinung und Stimme wichtig ist und von der Schulgemeinschaft wahrgenommen wird. Die Politik-AG stellt den kreativen Motor für den Demokratisierungsprozess dar. Sie besucht Schüler*innenVertretungssitzun gen und Schulgremien, Klassen und Kurse und fragt „Was willst du verändern?!“. So werden alle aufgerufen, Grundsätze einer guten Schule zu formulieren. Schrittweise werden so erste politische Forderungen aufgestellt. Das Fundament für die Gründung schulinterner Parteien und Wähler*innengemeinschaften wird so gelegt. Durch ein ergänzendes Seminarprogramm versuchen wir dabei über den „Tellerrand“ der Bildungspolitik in andere gesellschaftspolitische Bereiche zu schauen, womit wir nicht nur eine theoretische Grundlage für den Wahlkampf bilden wollen, sondern auch Themen in die Schule bringen, die sonst nicht auf dem Lehrplan stehen. Nachdem an unserer Projektschule Anfang 2010 die ersten bürokratischen und organisatorischen Hürden überwunden waren, legten wir mit den Schüler*innen gemeinsam los und machten so aus der eigenen Schule ein Experimentierlabor für Demokratie. Auch hier konstituierte sich nach einigen Monaten ein Parlament aus Schüler*innen, Lehrer*innen und Angestellten der Schule – das vierte dieser Art in Berlin!

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Doch wie schon bei den vorangegangenen drei Projektschulen zeigte sich, dass nach der Wahl des Schulparlaments das Experiment Demokratie erst richtig beginnt. Denn die Schüler*innen aus Prenzlauer Berg gingen ganz eigene Wege, um ihre Schule zu demokratisieren. Die individuellen Verläufe der Schulparlamente als Instrument schulinterner Partizipation verdeutlichen, wie viel Flexibilität und Gestaltungsfreiheit Mitbestimmungsstrukturen brauchen, wenn sie sich an den Bedürfnissen der Schüler*innen orientieren sollen und nicht umgekehrt. Im Rückblick zeigte sich für uns, dass jedes der bisher gegründeten Parlamente ganz eigene Wege geht. Somit stellt „Demoskratos“ für uns auch keinen Leitfaden für die Gründung von Schulparlamenten dar, sondern einen Weg, Demokratisierungsprozesse in der Schule zu initiieren. Insofern bleibt es in Prenzlauer Berg auch in 2011 spannend. Und die neue Politik-AG an unserer fünften Projektschule steht auch schon in den Startlöchern. Selbstbestimmung schaffen! Obwohl der Aufbau der Bildungswerkstätten ein breit angelegtes Arbeitsfeld in 2010 darstellte, sind wir keineswegs zu Stubenhocker*innen geworden, sondern waren das ganze Jahr über in Berlin und Brandenburg mit unserer mobilen Seminararbeit unterwegs. Mit unserem Vor-Ort Ansatz sind wir seit 2009 mit politischer Jugendbildungsarbeit direkt an den Schulen präsent und schaffen es so nicht nur auf theoretischer Ebene, über Mitbestimmung und Selbstermächtigung zu diskutieren, sondern dies anhand der Probleme vor Ort auch direkt zu erproben. Inhaltliche Schwerpunkte bilden nach wie vor die Themen selbstbestimmtes Handeln von Schüler*innen und die Schüler*innenVertretungsarbeit. Im Bereich Schüler*innenZeitung und Antifaschismus zeigte unser Engagement auf, dass Jugendarbeit keineswegs als generalisierte Grundversorgung verstanden werden darf. Jugendarbeit kommt erst durch die Freiheit individuell anzusetzen zum Erfolg. So konnten durch unsere bedürfnisorientierte Arbeit die Zensur von Schüler*innenZeitungen unterbunden und im von Neonazis ins Visier genommenen Schöneweide entscheidende Kontrapunkte zur „Sarrazin-Debatte“ gesetzt werden.

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Naturschutzjugend Berlin (NAJU) Berlin
Die Naturschutzjugend Berlin (NAJU Berlin) ist die eigenständige Jugendorganisation des NABU Berlin, in der sich junge Menschen im Alter von sechs bis 27 Jahren für den Schutz von Umwelt und Natur engagieren. Mit über 3000 Mitgliedern ist sie einer der größten Jugendumweltverbände Berlins. Im Jahr 2010 hat die NAJU Berlin einige positive Veränderungen durchlaufen. Auf der Landesversammlung wurden neue, motivierte junge Menschen in den NAJU-Vorstand gewählt. Damit einher ging auch eine Steigerung der Aktivitäten, die hauptsächlich in zwei Bereichen durchgeführt wurden: Ein Haupttätigkeitsschwerpunkt der NAJU Berlin war nach wie vor der Naturerlebnisgarten am S-Bahnhof Bornholmer Straße. Bei regelmäßigen, bis zu vier Mal pro Monat stattfindenden Treffen kamen dort Mitglieder und Interessierte zusammen, um Pflegearbeiten durchzuführen, Gedanken und Ideen auszutauschen sowie künftige Aktivitäten zu planen. Besonders zu erwähnen sind hier Veranstaltungen, die im Rahmen der Woche des Bürgerschaftlichen Engagements und im Satellitenprogramm des Berliner Umweltfestivals stattfanden. Im Herbst des Jahres zog ein Imker mit seinen Bienenvölkern in den Garten. Der andere Arbeitsschwerpunkt der NAJU Berlin war die AG Umweltpolitik. Die Aktiven diskutierten bei den monatlichen Treffen aktuelle politische Themen und planten verschiedene Aktionen. So wurde neben Teilnahmen an mehreren Demonstrationen wie der Anti-Atom-Menschenkette oder dem „Atom-Alarm im Regierungsviertel“ auch eine Aktion gegen die Ölsandförderung am internationalen „Stop the Tar Sands Day“ mitorganisiert, die nun regelmäßig wiederholt werden soll. Außerdem wurden Info-Stände auf passenden Veranstaltungen betreut – wie bspw. im Rahmen des Projektes „StadtKlimaWandel“ des NABU-Bundesverbandes. Die Arbeit der vier Kindergruppen konnte in bisherigem Umfang aufrechterhalten werden. Für diese Zielgruppe wurde von der NAJU Berlin auch eine Weihnachtsbastelaktion bei Globetrotter angeboten. Die Vernetzung mit der NAJU-Bundesebene sowie mit anderen Landesverbänden wurde verbessert. Gemeinsam mit der NAJU Brandenburg wurden bspw. zwei erfolgreiche Müllsammelaktionen durchgeführt, für die von der NAJU Berlin Drittmittel im vierstelli-

gen Bereich akquiriert werden konnten. Mehrere Vorstandsmitglieder vertraten die NAJU Berlin bei allen Veranstaltungen des NAJU-Bundesverbandes. Ebenso wurde die Vertretung im Vorstand des NABU Berlin sowie in den Gremien des Landesjugendringes Berlin wahrgenommen. Die NAJU Berlin gewann bei der bundesweiten Jugendkampagne der NAJU „Wildes Land Deutschland“ einen Projektpreis und nahm an der Pflanzung von 111 Alleenbäumen zum NABU-Jubiläum teil. Besonders erfreulich ist, dass die NAJU Berlin ab 2011 erstmals eine finanzielle Förderung durch das Land Berlin erhält. Mit diesen und weiteren, z. T. bereits eingeworbenen Drittmitteln soll die positive Jahresbilanz aus 2010 im nächsten Jahr fortgesetzt werden.

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

NATURFREUNDEJUGEND Berlin

nach Frankreich, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern statt, die durch das Reiseheft mit hübschen Texten und Bildern beworben wurden. Es wurden wieder viele Teamer*innen ausgebildet, wobei in diesem Jahr ein Schwerpunkt der Teamer*innenausbildung auf antirassistischen und antisexistischen Inhalte lag. Es fanden viele Seminare statt, zu deren Bewerbung zwei Seminarprogramme herausgegeben wurden. Inhaltlich drehten sich die Seminare beispielsweise um die Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie, die Einführung in die Kritische Psychologie, die Einführung in die Thematik Rassismus und Weißsein, um materialistischen Feminismus oder auch Antisemitismus. Jenseits dessen fanden Vor- und Nachbereitungsseminare der Reisen und verschiedene Kinderund Jugendseminare zu kreativen Themen statt. Die Arbeitkreise haben sich 14-tägig oder wöchentlich in der Geschäftsstelle der NFJ getroffen, um politische Aktionen zu planen und aktuelle Themen zu diskutieren. Im Jahr 2010 gab es Arbeitskreise zu den Themenbereichen Flucht, Migration und Antirassismus (AK „No Fortress Europe“), Antisemitismus in der DDR (AK „Stalin hat uns das Herz gebrochen“), Kritische Psychologie (AK zu Psychiatriekritik), Materialistischer Feminismus (AK Feminismus), Europakritik (Europa AK) und zu verschiedenen politischen Themen als Einführung (Basic Youth). Die interne Kommunikation unter NFJ-Mitgliedern und Aktivist*innen wird weiterhin durch den monatlich erscheinenden E-Mail-Newsletter gefördert. Außerdem treffen sich alle Aktiven monatlich im Verbandsplenum. Darüber hinaus nahmen die allermeisten Aktiven am diesjährigen herrschaftskritischen Sommercamp teil, und auch das Jahresabschlusswochenende vom 10.-12. Dezember 2010 war dem gegenseitigen Austausch zuträglich. Zum Ende des Jahres 2010 gab die Landeskinder- und Jugendleitung (kurz LKJL - der Vorstand) die Mitglieder-Info heraus. II.	 Ein paar Highlights im Jahr 2010 Sommercamp: Das nunmehr siebte herrschaftskritische Sommercamp der NFJ Berlin fand vom 6. bis 15. August 2010 auf dem Fusion-Gelände in Lärz statt. Neben dem fast schon traditionellen Kneipenquiz, Nachmittagen am See in der Sonne und einer rauschenden Party gab es auch eine gute Mischung aus „inhaltlichen“ und „praktischen“ Workshops. Da waren zum Beispiel: •	 Gemeinsames Lesen der Zeitung „Straßen aus Zucker“ •	 Bericht über die NFJ-Reise nach New York zum Thema Antisemitismus in den USA

Demokratisch. Herrschaftskritisch. Selbstbestimmt.

Die Naturfreundejugend Berlin ist ein herrschaftskritischer Jugendverband, in dem Jugendliche selbst organisiert Politik machen und Wochenendseminare, Veranstaltungen sowie öffentliche Aktionen organisieren. Neben all diesen Aktivitäten veranstalten wir auch viele Reisen für Kinder und Jugendliche. Unter der Idee der Herrschaftskritik verstehen wir die unterschiedlichsten antiautoritären, emanzipatorischen und links-undogmatischen Positionen. Dabei ist es ein wichtiges Ziel für uns, kritisches Denken und politisches Handeln zu fördern. Praktisches Mitmachen, Selbstbestimmung und die Möglichkeit, Seminare und Reisen selbst zu organisieren, lassen diesen Anspruch Wirklichkeit werden. In unseren Aktivitäten analysieren wir die gegenwärtige Gesellschaft und üben Kritik an den momentanen Herrschaftsverhältnissen. Hierbei geht es uns auch darum, das direkte Umfeld, die Schule, die Universität, den Ausbildungs- und Arbeitsbereich sowie Stadtteile als Orte der politischen Aktivität zu erkennen. Politik ist bei der Naturfreundejugend Berlin also nicht eine Sache von Parteien und Parlamenten. Vielmehr verstehen wir sie als ein Mittel zur Beeinflussung der eigenen Lebenssituation, der Selbstermächtigung und Emanzipation. Dies schließt eine selbstkritische Sicht auf Gruppendynamiken bei uns im Verband mit ein. Respekt, solidarisches Verhalten, Teamarbeit und gegenseitige Unterstützung spielen ebenso eine Rolle wie ein verantwortungsvoller Umgang mit übernommenen Aufgaben und Zuverlässigkeit bei der gemeinsamen politischen Arbeit. Kontinuierlich pflegen wir einen engen Kontakt zu unseren NFJ-Stadtteilprojekten. Die NFJ unterhält unter anderem einen Abenteuerspielplatz mit Hort in Reinickendorf, ein Kinderfreizeitprojekt mit Kita in Neukölln, das Ferienzentrum am Plätlinsee und eine ökologische Bildungseinrichtung in der Wuhlheide. Im Kinderbereich arbeiten wir stark mit den Pädagog*innen vor Ort zusammen.

Was waren unsere Aktivitäten und inhaltlichen Schwerpunkte im Jahr 2010?
I.	 Das ständige Geschäft Im Jahr 2010 fanden verschiedene Jugendreisen

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Einführungsworkshop: Rassismus und Weißsein Reclaim the city: My heart goes Street(he)art Ruanda – Kolonialismus, Genozid und Rassismus Sport, Gesundheit und normierte Körper Behinderung und bürgerliches Individuum Antisemitismus in der DDR Kritik am Extremismusansatz mit der INEX Web2.0 und Überwachung im Netz

Auch inhaltlich wollten wir gemeinsam der Frage nachgehen, warum es sich für Mädchen und Frauen immer noch nicht „schickt“, bestimmte Dinge zu tun, und was wir tun können, wenn wir diese Dinge trotzdem machen möchten. Mit vielen Workshops und Freizeitangeboten haben wir den Mädchen die Möglichkeit geboten, neue Seiten und Fähigkeiten an sich kennenzulernen, von denen sie vorher vielleicht gar nichts geahnt hatten.

Neben solchen „klassischen“ Workshops gab es auch den Film „abortion democracy“ gemeinsam mit der Regisseurin Sarah Diehl zu sehen, der sich mit Abtreibung in Polen und Südafrika beschäftigt. Außerdem haben einige sehr konsequente Seelen es tatsächlich durchgezogen, täglich in der „Dialektik der Aufklärung“ von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer zu lesen. Dazu kamen noch eine lange und grandiose Hörspielnacht, viele Abende am Lagerfeuer, Werwolfspiele und lange Diskussionen.

Internationale Begegnungen: 2010 organisierten wir bei der NFJ auch wieder internationale Begegnungen. Dabei waren folgende drei Reisen unsere Highlights: Die erste Gruppe von Delegierten reiste im Mai für drei Wochen nach New York, um sich dort mit linkem Antisemitismus zu beschäftigen. Dabei blieb ein Austausch mit linken jüdischen Organisationen nicht aus. Außerdem beschäftigte sich die Reisegruppe intensiv mit jüdisch-amerikanischer Migrationsgeschichte und dem Gedenken an die Shoa.

Das Mädchencamp: Ob Graffities sprayen, Schlagzeug spielen oder sich handwerklich betätigen, hier wurde die Möglichkeit geben, sich in verschiedensten Bereichen auszuprobieren, die vorher vielleicht unentdeckt waren. Zehn Tage lang waren wir mit vielen unterschiedlichen Mädchen in Gantikow in einem alten Gutshaus am See, um gemeinsam Urlaub zu machen, zu entspannen, mutig zu werden, uns auszuprobieren und uns mit Kampfsport zu stärken... genauso durften aber auch Nachtwanderungen und gutes Essen nicht fehlen.

Im September / Oktober machten sich gleich zwei Delegationen auf. Die eine fuhr nach Israel, um dort mit unserer Partnerorganisation und anderen politischen Gruppen über Nationalismus, Rassismus, alten und neuen Antisemitismus, die sozialen Verhältnisse und Möglichkeiten emanzipatorischer Politik zu diskutieren. Die andere Delegation reiste nach Capetown in Südafrika, wo sie sich vor allem mit Geschlechterfragen in der Postapartheid-Gesellschaft auseinandersetzte. Schwerpunktthemen waren hierbei geschlechtliche Selbstbestimmung, Männerarbeit sowie die Selbstorganisation von weiblichen Berufstätigen wie Haushaltsangestellten oder Sexarbeiter*innen. Die Beschäftigung mit Möglichkeiten der Geschichtsaufarbeitung blieb auch hier nicht aus. FÖJler*innen und Praktikant*innen: Das Jahr 2010 zeichnete sich durch rege Aktivitäten in unserem Büro aus. Wir hatten eine sehr aktive FÖJlerin, und seit September arbeitet ein ebenso engagierter FÖJler bei uns. Außerdem unterstützten zahlreiche Praktikant*innen unsere Arbeit mit Ideen und eigenen Projekten.

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Pfadfinderbund Weltenbummler (PbW), Landesverband Berlin e. V.
Wir sind ein kleiner Teil der weltweiten Gemeinschaft von rund 40 Mio. Pfadfindern. Unsere gemeinsamen Ziele und Ideale gehen auf die Gründung der Bewegung 1907 in England durch Robert Baden-Powell zurück. In Deutschland wurden die Pfadfinder daneben stark von der 1901 in Steglitz gegründeten Wandervogelbewegung geprägt. Gerade unsere musische Arbeit ist auf diese „Bündische Phase“ der Deutschen Jugendbewegung zurückzuführen. Wir arbeiten auf Bundes- und Landesebene mit unseren Schwestern und Brüdern in den anderen Bünden zusammen. Fast alle interkonfessionellen Pfadfinderbünde gehen auf den „Bund Deutscher Pfadfinder“ zurück, welcher sich 1948 nach dem Krieg gründete. Trotz verschiedener Bünde, Hemdfarben und Halstücher gibt es immer noch mehr Verbindendes als Trennendes.

(auf Bundes- und Landesebene) und führten im Herbst ein Märchen- und Singeseminar auf dem ASP durch. Im Juni fand auf dem ASP ein Landeslager mit rund

70 Teilnehmern statt. In den Sommerferien unternahmen die örtlichen Gruppen des LV Berlin-Brandenburg zweiwöchige Großfahrten, u. a. nach Sachsen und Nordfranken. Anfang Oktober nahmen wir mit drei Stämmen (örtlichen Gruppen) am bundesweiten Lauterburglauf, einer Art Pfadfinderolympiade, teil. Der ASP bietet neben dem offenen Freizeitbereich auch die Gelegenheit für Veranstaltungen der umliegenden Kitas, Grund- und Oberschulen und wurde dafür sogar von der Sudanesischen Botschaft genutzt. Darüber hinaus führten die Steglitzer Pfadfindergruppen des PbW Projekttage (Vermittlung von Pfadfindertechniken in der Natur) in Kooperation mit verschiedenen Lehrkräften aus dem Einzugsbereich des ASP durch.

Wir sind im Südwesten Berlins Träger von zwei Einrichtungen: dem Abenteuerspielplatz am Insulaner in Steglitz (ASP) und dem Abenteuerzentrum im Grunewald (AziG). Der Südwesten Berlins ist auch der Einzugsbereich von einem Großteil unserer Mitglieder. Weiterhin gibt es Gruppen in Reinickendorf und Mariendorf. Im Januar gibt es traditionell ein „Führerforum“ auf der Jugendburg Ludwigstein im Werra-Meißner-Kreis, an dem unsere Gruppenleiter teilnahmen. Mit unseren Gruppen nahmen wir dann am Berliner Singewettstreit im Wedding und am Bundessingewettstreit in Coburg teil. Außerdem veranstalteten wir Ausbildungskurse Kontinuierlich ergänzt werden unsere FerienlagerAngebote durch Fahrten des Veranstalters „FahrtenFerne-Abenteuer“, dessen Träger unser Bundesverband ist. Die Leiter dieser Unternehmungen sind in der Regel ältere, erfahrene Gruppenführer aus den Stämmen.

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Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken, Landesverband Berlin e.V.
SJD - Die Falken sind ein linker, demokratischer Kinder- und Jugendverband, der sich für die Interessen und Rechte von Kindern und Jugendlichen einsetzt. Wir organisieren ehrenamtlich Gruppenarbeit im Stadtteil, Zeltlager, Kinderwochenenden, Gedenkstättenfahrten, internationale Begegnungen, Feste, politische Seminare und Aktionen. Bei uns verbringen Kinder und Jugendliche ihre Freizeit und machen gemeinsam mit anderen Politik. Politik hat etwas mit uns zu tun, mit unseren Interessen und Bedürfnissen. Auch wenn wir nicht für jedes Problem eine Lösung kennen, versuchen wir, gemeinsam unsere eigene Vision einer freien und gerechten Gesellschaft zu entwickeln. In der festen Überzeugung, dass andere Formen des Zusammenlebens möglich sind, kämpfen wir für eine nicht ausgrenzende und friedliche Gesellschaft, für eine Gesellschaft, in der alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Geschlecht gleichberechtigt leben können: eine sozialistische Gesellschaft! SJD - Die Falken sind ein anerkannter, freier und gemeinnütziger Träger der Jugendhilfe und Mitglied im Landesjugendring Berlin e.V. Die SJD – Die Falken haben Kreisverbände in fast allen Berliner Bezirken und selbstverwaltete und offene Jugendeinrichtungen: •	 •	 •	 	 Reinickendorf Pankow Mitte Villa Freundschaft	 Nordbahnstr. 14	 13359 Berlin	 Selbstverwaltete Jugendeinrichtung mit offenem Betrieb, Hausaufgabenhilfe, Gruppenstunden und vielem mehr. Neukölln Anton-Schmaus-Haus Gutschmidtstr. 37 12359 Berlin Offene Kinder- und Jugendeinrichtung mit vielfältigem Programm in Britz.

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Friedrichshain-Kreuzberg Eiertanz Admiralstr. 17 10999 Berlin Kantina Laborista Lindenstr. 113 10969 Berlin Graefebüro Graefestr. 14 10967 Berlin Tempelhof-Schöneberg Bülowladen Bülowstr. 39 10783 Berlin Lichtenberg Jugendfreizeiteinrichtung Falkenburg Gensingerstr. 101 10315 Berlin Offene Kinder- und Jugendeinrichtung mit vielfältigem Programm für Kinder bis 15 Jahre. Steglitz-Zehlendorf Martin Niemöller- Haus Parcelliallee 61 14195 Berlin Charlottenburg

Das war in 2010 alles los bei uns!
Theorie & Praxis Im Jahr 2010 haben wir vielzählige Seminare und Fahrten durchgeführt, uns an Bündnissen beteiligt und Aktionen durchgeführt. Im Vordergrund standen verbandspolitisch vor allem die Themen Verbands- und Gruppenaufbau, Vernetzung mit anderen Organisationen und die  Kooperation mit Schulen. Einen weiteren Schwerpunkt unserer politischen Bildungsarbeit stellte auch in 2010 wieder unser mittlerweile schon in einer langjährigen Tradition stehende Taschenkalender für Schülerinnen und Schüler dar. Im vergangenen Jahr war das Thema des Kalenders “Musik und Politik’“ Unter dem Titel „Tanz die andere Welt“ wurden Jugendkulturen, Musikrichtungen und die Arbeit konkreter Künstler_innen mit gesellschaftlichen Fragestellungen verknüpft. So gab es z.B. Artikel zu Reggae, die einerseits die Geschichte des Reggae und seinen emanzipatorischen Gehalt vor allem als antirassistische und antikoloniale Musik

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Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

und Bewegung hervorhoben, andererseits wiederum auf homophobe, sexistische und antimoderne Inhalte hinwiesen. In diesem Stil wurden weitere Musikrichtungen und Jugendkulturen auf ihre Inhalte und Weltsichten überprüft und Artikel zu Nationalismus im HipHop, Punk in der DDR und Geschlechterverhältnis und Punk, die Geschichte des Ska und der Skinheadbewegung, Antisemitismus im Black Metal, Hardcore und Hatecore, Techno und Queerness geschrieben. In einem recht historischen Artikel zu den Swing Kids wurden deren Ablehnung des Nationalsozialismus und der Anpassungsdruck thematisiert, mit dem Anhänger dieser Jugendkultur konfrontiert waren. Auch ein eher theoretischer Artikel war Teil des Kalenders, der das Verhältnis von Vermarktung von (Jugend-) Kultur und Rebellion und den Möglichkeiten, die sich Jugendliche durch sie und in ihnen schaffen, reflektiert. Das organisationsübergreifende Pfingstcamp von uns, den Falken Brandenburg, der DGB- Jugend Berlin Brandenburg und der Linksjugend Solid Brandenburg erreichte im Jahr 2010 seinen vorläufigen Höhepunkt mit über 400 TeilnehmerInnen, diversen theoretischen und praktischen Workshopangeboten und einem sehr umfangreichen Kulturangebot. Sommercamp Ein weiterer Höhepunkt unseres Jahres war das dreiwöchige Sommerzeltlager in Österreich, in dem knapp hundert Kinder und Jugendliche von sechs bis 20 Jahren gemeinsam drei schöne Wochen erleben konnten, viele neue Freunde und Freundinnen fanden, gemeinsam lachten, chillten, tanzten, quatschten, diskutierten, feierten und versuchten, ein basisdemokratisches, solidarisches und partizipatives Leben einfach schon mal vorzumachen.

Die internationale Jugendbegegnungsarbeit hat bei uns eine sehr lange Tradition. Viele Partnerschaften mit anderen Organisation sind in den vergangenen Jahren gewachsen und werden von uns gepflegt. Die tiefste verbindet uns mit unserer Schwesterorganisation in Israel – der Hanoar Haoved Vehalomed. In 2010 haben wir insgesamt vier Begegnungsreisen nach Israel mit insgesamt über vierzig TeilnehmerInnen durchgeführt. Die Einblicke, die uns dabei gewährt wurden, sind sehr wertvoll für das Verständnis der israelisch-arabischen Gesellschaft mit all ihren Konflikten, aber auch für unsere eigene Verbandsarbeit. Spielmobil Unser Spielmobil, das Kinder- oder Stadtfeste mit unterschiedlichsten Spiel- und Spaßangeboten bereichert, hatte in 2010 wieder sehr viele Einsätze zu verzeichnen. Das Projekt wird auf ehrenamtlicher Basis durchgeführt. FSJ bei den Falken Durch zwei FSJ-Stellen, die wir als Einsatzstelle ab September anbieten konnten, haben wir verstärkt das Thema Kooperation mit Schule in Angriff genommen. Mit verschiedenen Angeboten aus den Bereichen „Historisch-politische Bildung“, „Neue Medien“ und „Antirassistische Bildungsarbeit“ haben wir unterschiedliche Kooperationen mit Grund- und Sekundarschulen sowie Gymnasien durchgeführt. Hier werden wir auch in 2011 an einer Verstetigung unserer Kooperationen arbeiten. Auch mit anderen Projekten wie z.B. dem LAP Reinickendorf oder Zeitensprünge waren wir an unterschiedlichen Oberschulen immer wieder präsent und haben uns in Form von Projektschultagen in die Bildungsarbeit mit Schülerinnen und Schülern einbringen können. Gruppenarbeit Und natürlich war auch in unseren wöchentlichen Gruppenstunden unserer mehr als 15 Kinder- und Jugendgruppen in fast allen Berliner Bezirken jede Menge los. Diese Gruppenarbeit bildet die Basis unseres Verbandes, denn in den Gruppen verbringen Kinder und Jugendliche Zeit miteinander und lernen ihren Alltag selbst zu gestalten, Akzente zu setzen. Hier können sie sich mit Dingen beschäftigen, die für sie wichtig sind, können sich gegenseitig bilden, unterstützen und auch Spaß haben.

Auf insgesamt vier großen Kinderwochenenden haben wir uns mit sehr unterschiedlichen Themen beschäftigt wie z.B. einem bewussten Umgang mit unserer Umwelt, dem schwierigen und spannenden Thema Migration und dem Thema Armut – lokal und global. Internationale Begegnungen

Wir begreifen non-formale Bildung als wichtigen Bestandteil der persönlichen Entwicklung junger Menschen zu kritischen, couragierten und selbstbewussten Individuen, die ihr Umfeld aktiv mitgestalten wollen, sich einsetzen gegen Ungerechtigkeiten, Dummheit, Hass und Gewalt. Ehrenamtliches Engagement ist

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dabei das leitende Prinzip unserer Arbeit. Wir sind immer offen für Kinder und Jugendliche, die uns kennen lernen möchten oder sich im Verband engagieren möchten.

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