Path:
Jugendliche bewegen Berlin - Visionen für eine jugendgerechte Stadt

Full text: Jahresbericht Issue 2006 Jugendliche bewegen Berlin - Visionen für eine jugendgerechte Stadt

Landesjugendring Berlin e.V.

Jahresbericht 2006
Jugendliche bewegen Berlin Visionen für eine jugendgerechte Stadt

Vorwort
Jugendliche bewegen Berlin – Visionen für eine jugendfreundliche Stadt
Mit unserem Projekt „Beweg was!“ haben Schüler/-innen ihre Forderungen an eine jugendfreundliche Stadt erarbeitet. Mehrere hundert Forderungen sind im Rahmen von Projekttagen und Seminaren zusammengetragen und der Berliner Politik überreicht worden. Sie decken sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf die Umsetzungsebene eine große Bandbreite ab. Berliner Jugendliche haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie politische Forderungen haben, für die sie sich auch einsetzen wollen. Einer der Orte, an denen Jugendliche sich für ihre Forderungen engagieren können, sind die selbstorganisierten Kinder- und Jugendverbände, die sich im Landesjugendring zusammengeschlossen haben. Nach unserem erfolgreichen Projekt „Beweg was!“ wollen wir als Landesjugendring an dem Thema „Anforderung und Realisierung eines jugendfreundlichen Berlin“ weiterarbeiten. Junge Menschen in dieser Stadt brauchen eine Perspektive. Bildung, Arbeit, Integration, Kultur und Stadtentwicklung sind Themenfelder, zu denen junge Menschen Ideen und Vorstellungen haben, wie sie gestaltet werden müssten, damit diese Stadt ein lebenswerter Ort für junge Menschen ist. Diese Forderungen zu entwickeln und zusammenzutragen, das wird die Aufgabe der nächsten Monate sein. Die Mitgliederversammlung wird dazu den Auftakt bilden. Nach diesem Ausblick auf unseren nächsten thematischen Schwerpunkt ein Rückblick auf die Aktivitäten im letzten Jahr, deren ausführliche Beschreibung ihr auf den nächsten Seiten finden werdet. Rund um die Wahlen zum Abgeordnetenhaus haben wir uns als Landesjugendring mit zahlreichen Aktivitäten engagiert. Wahl-O-Mat, U18, Sonderausgaben des LJR-Newsletters, Stellungnahme zum Koalitionsvertrag des Senats sind nur einige der Stichworte hierbei. Seit dem Sommer haben zudem unsere Projekttage und Seminare von „Beweg was!“ stattgefunden, hunderte von Forderungen wurden von Berliner Jugendlichen erarbeitet und der Berliner Politik übergeben. Im Rahmen eines gut besuchten Fachtages haben wir in Berlin der Diskussion über Kompetenzerwerb durch ehrenamtliches Engagement neue Impulse geben können. Durch diesen Fachtag hat der LJR neue Diskussionspartner wie etwa die IHK gewinnen und seine Fachkompetenz im Bereich des ehrenamtlichen Engagements unter Beweis stellen können. Der LJR Berlin erarbeitet zur Zeit Materialien, mit denen ehrenamtlich und beruflich Tätige in der Jugendverbandsarbeit für die Auseinandersetzung mit sexuellem Missbrauch qualifiziert werden können. Zu diesem Thema hat der LJR im Januar einen Fachtag durchgeführt. Gleichzeitig verhandelt er mit der Senatsverwaltung eine Vereinbarung zu den Veränderungen im Kinder- und Jugendhilfegesetz durch das KICK-Gesetz, insbesondere zu den §§ 8a und 72a (Stichworte Führungszeugnispflicht und Kindeswohlgefährdung). Im Sommer letzten Jahres haben wir nach langer, oft mühseliger und anstrengender Diskussion das neue Fördermodell für die Jugendverbandsarbeit im Land Berlin verabschiedet. Mittlerweile ist das Modell auch mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport abgestimmt, so dass es für die Zukunft ein transparentes Verfahren für die Förderung der Verbände gibt. Nach den Wahlen zum Abgeordnetenhaus und den BVVen waren auch die Jugendhilfeausschüsse neu zu besetzen. In vielen bezirklichen JHAs sitzen auch Vertreter/-innen von Kinder- und Jugendverbänden. Der Vorstand will diese Personen enger miteinander vernetzen und für ihre Tätigkeit qualifizieren. Gerade angesichts der Umstellung auf eine sozialraumorientierte Berliner Jugendhilfe ist darauf zu achten, dass Jugendverbände als Orte der Selbstorganisation auch weiterhin die entsprechenden Rahmenbedingungen für ihre Arbeit bekommen. Das letzte Jahr war in der Geschäftstelle des LJR durch personelle Veränderungen geprägt. Mit Tilmann Schröder und Candida Splett haben wir zwei neue Mitarbeiter/-innen gewinnen können, die den Vorstand in der strategischen Ausrichtung des Landesjugendrings unterstützen und dazu beitragen, dass der Landesjugendring wieder stärker als Interessenvertretung der Berliner Kinder und Jugendlichen wahrgenommen wird. Für ihre langjährige Mitarbeit und ihr Engagment für die Interessen der Berliner Kinder und Jugendlichen möchten wir Gregor Ziese-Henatsch und Sandra Schulte herzlich danken. Sie haben ihre Tätigkeit für den LJR im Juni bzw. im Oktober 2006 beendet. Ein Jahr der Amtszeit des Vorstandes ist vorbei, daher kann der Bericht auch nur ein Zwischenbericht sein. Vieles ist angegangen worden, noch nicht alles konnte beendet werden. So lässt sich vielleicht ein Resumé der Arbeit im letzten Jahr ziehen. Wir möchten uns bei allen Mitarbeiter/-innen der Landesjugendring-Geschäftsstelle und allen ehrenamtlichen und beruflichen Mitarbeiter/-innen in den Kinder- und Jugendverbänden bedanken: Ihr habt viel mit und für die Berliner Kinder und Jugendlichen bewegt! Euer Vorstand des Landesjugendring.

Jahresbericht 2006 | 1

Inhalt Vorwort 1. Schwerpunkte 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6 2. 2.1 2.2. 2.3 „Beweg was!“ - Peer Education und politische Partizipation KICK Weiterentwicklung der Jugendverbandsfinanzierung Förderung ehrenamtlichen Engagements Wahlen Historisch-politische Bildung Vorstand Hauptausschuss Kommissionen und Arbeitsgemeinschaften 2.3.1 2.3.3 2.3.4 2.4 2.5 Kommission Jugendhilfe Arbeitskreis politisch-historische Stadterkundung Arbeitsgemeinschaft außerschulische Jugendbildung und Bildungsurlaub (AGBU) 2.3.2. Kommission JuleiCa 1 3 3 4 6 7 8 10 11 11 12 12 12 13 14 15 15 16 17 17 19 21 21 26 28

Mitbestimmung im LJR

Geschäftsstelle Interessenwahrnehmung in Außenvertretungen 2.5.1 2.5.2 2.5.3 2.5.4 2.5.5 DBJR Konferenz der Landesjugendringe Landesjugendhilfeausschuss Landesarbeitsgemeinschaften nach § 78 KJHG Sonstige Außenvertretungen

2.6 3.

Sonstige Gremien

Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden

2 | Jahresbericht 2006

1. Schwerpunkte 1.1 Peer Education und Politische Partizipation
Ein politisches Schulprojekt unter dem Motto „Beweg was! Politik made in Berlin“
„Politik? Politik ist scheiße!“ „Politik ist nichts für mich!“ „Ich halte nichts von Politik“. Mit solchen und ähnlichen Kommentaren wurden die Teamenden oft von Schulklassen empfangen. Bei vielen Jugendlichen lässt sich ein sehr abstraktes Politikverständnis und eine damit verbundene Ablehnung von Politik feststellen. Vor allem diese Grundstimmung war für den Landesjugendring Berlin e.V. ausschlaggebend, sein peer-education-Projekt unter dem Motto „Beweg was! Politik made in Berlin“ zu initiieren. Ziel war es, Jugendliche für gesellschaftliche Prozesse zu interessieren und sie zur Einmischung in politische Zusammenhänge zu ermutigen. Durch das aktive sich Einbringen sollte der diffusen Ohnmachtserfahrung entgegengewirkt und das politische Selbstvertrauen der Schülerinnen und Schüler gestärkt werden. Die Umsetzung dieser Ziele erfolgte mit Hilfe ein- bis dreitägiger Workshops an Berliner Schulen einerseits und in mehrtägigen Seminaren an den sieben im Landesjugendring organisierten Jugendbildungsstätten andererseits. Die dort veranstalteten Seminar konnten dank des weiter gefassten Zeitrahmens, der Lernsituation außerhalb von Schule und Familie und einer gezielten inhaltlichen Schwerpunktsetzung besonders nachhaltige Ergebnisse erzielen. Insgesamt fanden in den Jugendbildungsstätten 41 mehrtägige Workshops statt. Die Workshops an den Schulen wiederum erreichten auf direktem Wege eine große Anzahl von Jugendlichen, die nur selten die Gelegenheit haben, an Angeboten der außerschulischen Bildung teilzuhaben. Mit diesen Schülerinnen und Schülern ab Klasse 8 diskutierte das Schulteam über politische und gesellschaftliche Themen. Die einzelnen Phasen der Workshops orientierten sich dabei am Konzept der Zukunftswerkstatt. Zunächst wurde mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam gesammelt, was sie an Schule, Familie und ihrem gesellschaftlichen Umfeld stört. Anschließend konnten die Jugendlichen ihrer Phantasie für die Gestaltung einer kinder- und jugendgerechten Gesellschaft freien Lauf lassen. Gestärkt durch diesen positiven Blick auf die Dinge überlegten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schließlich konkret, was von Seiten der politisch Verantwortlichen geschehen müsste, damit diese Wünsche nicht nur Utopien bleiben, sondern Realität werden, und entwickelten ihre konkreten Forderungen für Verbesserungen in ihrem Lebensumfeld. Die Fotos mit den Jugendlichen und ihren Forderungen bildeten in vielen Fällen schließlich den Ausgangspunkt für eine gezielte Aktionsplanung. Gemeinsam wurde überlegt, wie den eigenen Wünschen an den richtigen politischen Stellen Nachdruck verliehen und zu öffentlicher Aufmerksamkeit verholfen werden konnte. Zum Ende des Projektes zeugen hunderte Forderungsfotos von der Vielfalt der jugendlichen Wünsche an die Politik.

Grundlegender Gedanke für die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern war die Idee der Peer Education, d.h. Jugend für Jugend. Die Vorzüge dieses traditionellen Jugendverbands-Ansatzes liegen klar auf der Hand: Es muss nicht erst die „Distanz“ zwischen Erwachsenem und Jugendlichem überwunden werden. Mit Gleichaltrigen oder als ungefähr gleichaltrig wahrgenommen Personen lernt es sich ungehemmter und aufgeschlossener. So wird eine besondere Ebene der Auseinandersetzung miteinander und mit dem zur Diskussion stehenden Thema erreicht. Gleichzeitig nehmen die jugendlichen Teamenden eine Vorbildfunktion gegenüber den Schülerinnen und Schülern ein. Das positive Beispiel ermutigt, selbst aktiv zu werden. Ein weiterer für die persönliche Entwicklung sehr fruchtbarer Aspekt ist die Gegenseitigkeit des Austauschs. Denn auch für die „Lehrenden“ bringt ihre Tätigkeit wichtige Lernerfahrungen und die Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten mit sich. Unsere Teamenden bestätigten dies regelmäßig nach Durchführung der Workshops und betonten in der gemeinsamen Projektauswertung, dass auch sie viel aus diesem Projekt für sich gelernt hätten. Den Abschluss des Projektes bildete die Veranstaltung im Abgeordnetenhaus am 17. November, in deren Rahmen die Jugendlichen ihre Forderungen an Politikerinnen und Politiker überreichten. Vorher diskutierten sie mit diesen über Themen wie Schule und Ausbildung, Arm und Reich, Bekämpfung des Rechtsextremismus, Generationengerechtigkeit sowie Politikkritik. Bei der durchaus lebhaften Diskussion zeigte sich, dass die Jugendlichen zu vielen Themen einen klaren Standpunkt haben und diesen auch gegenüber Politikerinnen und Politikern vertreten (können).

Jahresbericht 2006 | 3

1. Schwerpunkte
Natürlich bleibt die Frage nach der Nachhaltigkeit und der Fortsetzung des Projektes über den von Aktion Mensch geförderten Zeitraum hinaus. Wir als Landesjugendring müssen in eine Diskussion darüber einsteigen, wie wir die gewonnen Ehrenamtlichen, das erarbeite Konzept sowie die Kontakte zu den Schulen weiter nutzen, um Jugendliche zu erreichen. Denn dass es sinnvoll ist, hat das Projekt „Beweg was!“ deutlich gezeigt. Jugendliche, die bisher noch nicht mit Jugendverbänden in Berührung gekommen sind, nehmen Jugendverbände positiv wahr und haben über die aufgestellten Forderungen vielleicht auch einen Anknüpfungspunkt für ihr Leben entdeckt. Sie haben gelernt, dass Politik nicht nur „von denen da oben“ gemacht wird, sondern dass sich Jugendverbände für ihre Interessen einsetzen. Schon deshalb muss über eine Fortsetzung diskutiert werden. Schade war nur, dass es uns nicht in dem Maß gelang wie geplant, Jugendliche aus den Mitgliedsverbänden zu motivieren, Workshops an den Schulen durchzuführen. Die Mehrheit der Teamenden hatte zu Beginn des Projektes keinen Bezug zu Jugendverbänden. Bei einer Fortsetzung müsste – gerade wenn wir das Ziel verfolgen, Jugendlichen Jugendverbände näher zu bringen – auch eine stärkere Einbindung der Mitglieder der Jugendverbände angestrebt werden. Abschließend bleibt zu sagen, dass dieses Projekt ein wirkungsvoller Erstaufschlag war. Wir müssen als Landesjugendring in dieser Richtung weiterarbeiten. Mit diesem Projekt haben wir nicht nur Jugendliche, sondern auch Politikerinnen und Politiker erreicht. Durch die Abschlussveranstaltung samt Podiumsdiskussion war es zum einen möglich, als Landesjugendring in der Öffentlichkeit aufzutreten, und zum anderen, in lockerem Rahmen mit den Politikerinnen und Politikern der einzelnen Fraktionen ins Gespräch zu kommen. Dieser Weg muss fortgesetzt werden.

1.2 KICK
Gravierende, auch öffentlich verstärkt wahrgenommene Vorfälle von Kindesvernachlässigungen - z. T. mit Todesfolge – veranlassten den Bundesgesetzgeber bereits im Herbst 2005 zu einer Gesetzesinitiative, den Kinder- und Jugendschutz in der Kinder- und Jugendhilfe zu verbessern. Im Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz (abgekürzt: KICK) wurden zwei neue gesetzliche Regelungen eingeführt: Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung (§ 8a KJHG), Kriterien für geeignetes Personal (§ 72a KJHG).

§ 8a Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung (1) Werden dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder Jugendlichen bekannt, so hat es das Gefährdungsrisiko im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte abzuschätzen. Dabei sind die Personensorgeberechtigten sowie das Kind oder der Jugendliche einzubeziehen, soweit hierdurch der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird. Hält das Jugendamt zur Abwendung der Gefährdung die Gewährung von Hilfen für geeignet und notwendig, so hat es diese den Personensorgeberechtigten oder den Erziehungsberechtigten anzubieten. (2) In Vereinbarungen mit den Trägern von Einrichtungen und Diensten, die Leistungen nach diesem Buch erbringen, ist sicherzustellen, dass deren Fachkräfte den Schutzauftrag nach Absatz 1 in entsprechender Weise wahrnehmen und bei der Abschätzung des Gefährdungsrisikos eine insoweit erfahrene Fachkraft hinzuziehen. Insbesondere ist die Verpflichtung aufzunehmen, dass die Fachkräfte bei den Personensorgeberechtigten oder den Erziehungsberechtigten auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinwirken, wenn sie diese für erforderlich halten, und das Jugendamt informieren, falls die angenommenen Hilfen nicht ausreichend erscheinen, um die Gefährdung abzuwenden. Obwohl das KICK schon fast anderthalb Jahre alt ist, sind die einzelnen Bundesländer - wenn überhaupt - erst jetzt dabei, die rechtlichen Vorgaben umzusetzen.

4 | Jahresbericht 2006

§ 72a Persönliche Eignung Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen hinsichtlich der persönlichen Eignung im Sinne des § 72 Abs. 1 insbesondere sicherstellen, dass sie keine Personen beschäftigen oder vermitteln, die rechtskräftig wegen einer Straftat nach den §§ 171, 174 bis 174c, 176 bis 181a, 182 bis 184e oder § 225 des Strafgesetzbuches verurteilt worden sind. Zu diesem Zweck sollen sie sich bei der Einstellung und in regelmäßigen Abständen von den zu beschäftigenden Personen ein Führungszeugnis nach § 30 Abs. 5 des Bundeszentralregistergesetzes vorlegen lassen. Durch Vereinbarungen mit den Trägern von Einrichtungen und Diensten sollen die Träger der öffentlichen Jugendhilfe auch sicherstellen, dass diese keine Personen nach Satz 1 beschäftigen. Als Jugendverbände, in denen tagtäglich Kinder und Jugendliche zusammenkommen, um ihre Freizeit sinnvoll miteinander zu verbringen, begrüßen wir jede Veränderung, die dazu beiträgt, den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. So betrachten wir die Neuregelung als Herausforderung für eine geschärfte Aufmerksamkeit auf Kinder und Jugendliche, die in ihren Familien physisch oder psychisch vernachlässigt oder misshandelt werden und denen wir in unseren Gruppen, in Seminaren oder auf Reisen begegnen. Dies betrifft auch den Umgang mit sexueller oder sexualisierter Gewalt unter Kindern und Jugendlichen oder sogar Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Ehrenamtliche und berufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Verbänden sind unbewusst oder bewusst in Kontakt mit Opfern von Vernachlässigung, Misshandlung und sexueller Gewalt. Auch wenn sexueller Missbrauch zu 90% in Familienzusammenhängen stattfindet, müssen wir uns als Jugendverbände darüber hinaus der Tatsache stellen, dass Täter – selten sind es Täterinnen – strategisch vorgehen und sich auch an unseren Vertrauensorten für Kinder und Jugendliche befinden können. Für all diese Gefährdungen für Kinder und Jugendliche gilt es, wirksame präventive Maßnahmen zu ergreifen und Interventionsverfahren zu entwickeln. Aus Sicht der Jugendverbände im Landesjugendring sind dies vor allem: die Sensibilisierung der beruflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Themenfeld Kinder- und Jugendschutz durch Information und Qualifizierung, die Aufnahme des Kinder- und Jugendschutzes in die JuleiCa-Ausbildung Ehrenamtlicher, die Entwicklung und der Einsatz von Methoden für einen präventiven Kinder- und Jugendschutz in Kinder- und Jugendgruppen,

die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses von beruflich Beschäftigten, Honorarkräften und MAE-Beschäftigten, der Hinweis auf bestehende Hilfemöglichkeiten bei Anhaltspunkten einer Kindeswohlgefährdung. In diesem Sinn haben wir als Landesjugendring gemeinsam mit der Senatsverwaltung für (damals noch) Bildung, Jugend und Sport bereits im Frühjahr 2006 eine Informationsveranstaltung zum KICK durchgeführt. Im Januar 2007 folgte die Fachtagung „Sexuelle Gewalt – Ein Thema in der Kinder- und Jugendarbeit“. Im Frühjahr 2007 werden Module für die JuleiCa-Schulung zum Kinder- und Jugendschutz als Ergänzung unseres JuleiCa-Praxishandbuchs veröffentlicht. Während die inhaltliche Beschäftigung mit den Herausforderungen rund um den Kinder- und Jugendschutz sowohl im Landesjugendring als auch in den meisten Jugendverbänden aus unserer Sicht sehr intensiv und profiliert verläuft, waren in der konkret geplanten Umsetzung der §§ 8a und vor allem 72a SGB VIII in Berlin deutliche Streitpunkte vorhanden: 1. Welche Freien Träger in der Kinder- und Jugendhilfe sind konkret von den Neuregelungen betroffen?

Im Gesetz sind nur die „Träger von Einrichtungen und Diensten“ aufgeführt, mithin jene Träger, die Leistungen nach § 78a KJHG erbringen, Einrichtungen der Kindertagesbetreuung und Träger der Jugendarbeit, soweit diese Einrichtungen mit beruflichen Fachkräften unterhalten werden. Träger von „Diensten“ beschreibt (nicht nur) der Deutsche Verein als jene, die regelmäßig Leistungen nach §§ 13f, 16f, 28-31, 33, 35 und 35a KJHG mit beschäftigten Fachkräften erbringen. Demnach sind Jugendverbände zunächst nur in den Bereichen betroffen, in denen sie Träger von Einrichtungen (z. B. Jugendfreizeiteinrichtungen) oder Diensten (z. B. Ferienreisen im Auftrag eines Bezirkes) sind, nicht aber für den Teil der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit (Gruppen, Seminare, Ferienreisen u.a.). Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport nahm in ihrem Rundschreiben 34/2006 hingegen keinerlei Differenzierung für Träger mit und ohne Einrichtungen und Diensten vor. 2. Auf welche Personengruppen soll sich die Führungszeugnispflicht erstrecken?

Der Fachkräftebegriff in § 72a bezieht sich durch Bezug auf § 72 KJHG ausdrücklich auf Personen, die in der Kinder- und Jugendhilfe hauptberuflich tätig sind. Einigkeit bestand darin, diesen auch auf Honorarmitarbeiterinnen und -mitarbeiter und MAE-Kräfte auszuweiten. Dem Ansinnen der für Jugend zuständigen Senatsverwaltung aber, die Pflicht auch auf Ehrenamtliche in der Kinder- und

Jahresbericht 2006 | 5

1. Schwerpunkte
Jugendarbeit auszudehnen, trat der Landesjugendring Berlin energisch entgegen. Er sieht darin ein wenig wirksames und geeignetes Instrument mit unzumutbarem bürokratischem, ehrenamtlich zu tragenden organisatorischem Aufwand für die einzelnen Jugendverbände, der abschreckt und notwendiges zivilgesellschaftliches Engagement junger Menschen behindert. Dass die Vorlage von Führungszeugnissen einzelne Täter abschrecken und abhalten kann, ist unbestritten. Unbestritten ist aber auch, dass die Vorlagepflicht trotzdem nur eine scheinbare Sicherheit bietet. Insbesondere Ersttätern und bislang nicht verurteilten Mehrfachtätern muss anders entgegengewirkt werden. Sensibilisierte und qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie eine offene Gesprächskultur, die auch Fragen von Sexualität mit einschließt, sind den Präventionsempfehlungen von Beratungsstellen zufolge wirksame und notwendige Ansätze, die wir Jugendverbände in den oben bereits genannten Maßnahmen konkret umsetzen wollen. Nachdem wir nach intensiven Verhandlungen mit der Referentenebene der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung eine tragfähige Vereinbarung zum § 72 a SGB VIII erarbeitet hatten, die auch im Hauptausschuss bestätigt wurde, rudert die Senatsverwaltung mittlerweile wieder zurück. Während der Kompromiss noch darin bestand, die Einbeziehung Ehrenamtlicher in die Führungszeugnispflicht auf ausschließlich von Ehrenamtlichen geleitete Ferienreisen und Internationale Begegnungen sowie Maßnahmen der außerschulischen Bildung, die länger als zwei Übernachtungen dauern, zu konzentrieren, stehen Wochenendveranstaltungen nun wieder zur Disposition. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Jahresberichtes ist der Ausgang der Verhandlungen noch offen. Sollte es nicht zu einer Verständigung mit der Senatsverwaltung kommen, werden wir die politische Ebene wieder stärker einbeziehen. Weitere Aktivitäten, die im Zusammenhang mit KICK nun anstehen, sind aus unserer Sicht u.a.: Der Abschluss einer Vereinbarung nach § 8a SGB VIII, der Workshop KICK-Module für JuleiCa-Schulungen, die Erstellung einer Handreichung für alle Jugendverbände, wie im Verdachts- und/oder Notfall zu agieren ist, die Einrichtung eines entsprechenden Servicebereiches auf unserer Homepage.

1.3 Weiterentwicklung der Jugendverbandsfinanzierung
Nachdem zum 1.1.2005 die Förderung der Jugendverbände in Berlin für eine zweijährige Erprobungsphase auf eine neue Grundlage gestellt wurde, musste in Analyse der Stärken und Schwächen des Erprobungsmodells ein langfristiges Fördermodell entwickelt und mit dem Landesjugendhilfeausschuss und der (damals noch) Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport abgestimmt und vereinbart werden. Das war keine leichte Aufgabe. Als Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände können wir stolz darauf sein, diese Herausforderung mit der notwendigen Solidarität und Kompromissbereitschaft gemeistert zu haben. In offenen Diskussionsrunden des Hauptausschusses wurden neue und alte Kritikpunkte aufgearbeitet, gänzlich neue Modelle beraten und schließlich eine Weiterentwicklung des Erprobungsmodells favorisiert. Hier fanden sich die meisten für ein Fördermodell formulierten Ansprüche wieder. Ansprüche an ein Fördermodell für die Berliner Jugendverbände 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. Die Förderung der Jugendverbände insgesamt ist verbunden mit einer Vereinbarung zu Qualität und Quantität bestimmter Leistungen, Transparenz, welcher Verband aufgrund welcher Leistungen wie gefördert wird, Eine einzelne Leistung behält ihren Preis und wird nicht modellbedingt abgewertet, Eine Umverteilung der Fördermittel begründet sich auf die Nichterbringung von vereinbarten Leistungen, Leistungssteigerung ist von Vorteil, Begründeter Leistungsabfall wird begrenzt abgefedert, Handhabbarkeit, Flexibler Einsatz der Mittel, Kontrollmöglichkeit, Planungssicherheit, Regelung der Anspruchsberechtigung, Berücksichtigung der gewachsenen und in der Erprobungsphase veränderten Fördersummen, Politisch durchsetzbar, Übertragbarkeit auf Verbände, die nicht Mitglied im LJR sind.

16.3.06 LJR-Steuerungsgruppe und LJR-Vorstand Nachdem der Hauptausschuss im Juni alle wesentlichen Eckpunkte eines weiterentwickelten Fördermodells mit großer Mehrheit entschied, war der Weg für Verhandlungen

6 | Jahresbericht 2006

mit der Senatsverwaltung geebnet. Kleine Änderungen im Detail wurden in der gemeinsamen Steuerungsgruppe zum „Fördermodell Jugendverbände“ und durch den Landesjugendhilfeausschuss (LJHA) noch eingearbeitet. Nachdem auch der LJHA im Oktober das weiterentwickelte Fördermodell befürwortete, kann der fast fünfjährige Prozess um die Förderung der Jugendverbände in Berlin als abgeschlossen bezeichnet werden. Die wichtigsten Eckpunkte der Förderung der Jugendverbände in Berlin sind nunmehr: 1. Klare Festlegung einer Anspruchsberechtigung auf Förderung nach § 12 KJHG durch die für Jugend zuständige Senatsverwaltung anhand der Kriterien: demokratische Strukturen, Selbstbestimmung, bezirksübergreifendes Wirken sowie Partizipation und Größe. Die Grundlagen für die Berechnung der Förderhöhe eines anerkannten Jugendverbandes bilden die von den Jugendverbänden zu liefernden Leistungsdaten der letzten drei abgeschlossenen Haushaltsjahre. Erhobene Leistungsparameter sind die Anzahl von JuleiCas, die Anzahl von Teilnahmetagen in der außerschulischen Bildung, die Anzahl von Teilnahmetagen bei Internationalen Jugendbegegnungen sowie die Anzahl von Teilnahmetagen bei Ferienmaßnahmen. Wenn ein Jugendverband im Kriterium „JuleiCa” und mind. einem der Maßnahmenbereiche im Mittel von drei Jahren nicht die Förderstufe 1 erreicht, hat er - bei Feststellung der grundsätzlichen Förderberechtigung auf Landesförderung - Anrecht auf eine Einstiegsförderung von 2.000 Euro für Maßnahmen. Jugendverbände, die nicht Mitglied im Landesjugendring sind, werden spätestens ab 2009 nach denselben Kriterien wie Jugendverbände im Landesjugendring gefördert. Der Landesjugendring Berlin hat die Möglichkeit, in seinen Gremien interne Steuerungsvereinbarungen zu treffen.

1.4 Förderung ehrenamtlichen Engagements
Die Förderung ehrenamtlichen Engagements schlägt sich für den Landesjugendring Berlin vor allem in Aktivitäten zur Verbesserung von Rahmenbedingungen ehrenamtlichen Engagements zum einen und der Organisation fachlichen Austauschs zum anderen nieder. In diesem Sinne hat der Landesjugendring Berlin im Rahmen der Kampagne „JuleiCa macht startklar!“ im März 2006 die Fachtagung „Erwerb sozialer Kompetenzen durch ehrenamtliches Engagement. Wem nutzt es?“ veranstaltet. Die Fachtagung richtete sich an Vertreterinnen und Vertreter aus Jugendarbeit, Politik und Wirtschaft. Zunächst wurden die Ergebnisse des Freiwilligensurveys 2004 zum Engagementpotenzial Jugendlicher vorgestellt. „Welche spezifischen Interessen stehen hinter der Nutzbarmachung ehrenamtlichen Engagements durch Politik und Wirtschaft?“, „Wie können diese aus Sicht der Jugendarbeit bewertet werden und was nutzen die Diskussionen den Jugendlichen?“, „Wie kann es zur sinnvollen Kooperation von Wirtschaft, Politik und Jugendarbeit im Sinne der Jugendarbeit kommen?“ waren Fragen, denen in Referaten, Foren und Diskussionen nachgegangen wurde. Die aus der Wissenschaft transportierten Würdigungen der Verdienste der Jugendverbände waren Balsam auf die Seele und sind in der Dokumentation der Fachtagung nachzulesen. Die Fachtagung war der Auftakt zu einem Diskussionsprozess mit der IHK über deren mögliche Unterstützung der JuleiCa. Es ist jedoch bisher noch nicht gelungen, die entsprechende Hierarchieebene innerhalb der IHK zu erreichen und von den Qualitäten der JuleiCa zu überzeugen. Die Baustelle also, die JuleiCa von der IHK anerkennen zu lassen bzw. durch einen befürwortenden Begleittext der IHK aufzuwerten, bleibt uns auch im Jahr 2007 erhalten. Die Aussicht, dass evtl. ein werbewirksamer Artikel zur JuleiCa in der Mitgliederzeitschrift der IHK erscheint, ist uns als Vorstand zu wenig, zumal die Veröffentlichung an die Bedingung gekoppelt ist, dass wir ein Unternehmen finden, dass den Umgang mit der JuleiCa und deren Inhaber/-innen auf ganzer Linie unterstützt und dies in dem Artikel darlegt. Die Flut von neuen Zertifikaten und Anerkennungsurkunden hat sich bundesweit fortgesetzt (z.B. „Kompetenznachweis international“), auf Landesebene gab es zum Glück keine neuen Zertifikate, Nachweise oder ähnliches. Als Landesjugendring setzen wir weiterhin darauf, die JuleiCa in unserer Stadt besser zu positionieren. Um Rahmenbedingungen ehrenamtlichen Engagements zu verbessern bzw. die Perspektiven von Ehrenamtlichen aus der Kinder- und Jugendarbeit ausreichend zu berücksichtigen, wirkt der Landesjugendring derzeit in zwei landeswei-

2.

3.

4.

5.

6.

Nun gilt es, die Hauptkritik des Fördermodells – nämlich die Deckelung der Gesamtfördersumme – wieder aufzugreifen und politisch darauf hinzuwirken, dass erstens die steigende Leistungsfähigkeit der Berliner Jugendverbände auch mehr finanzieller Unterstützung bedarf und zweitens die Aufnahme neuer Jugendverbände in die Förderung ebenfalls eine Aufstockung der Mittel nach sich ziehen muss, so wie es der LJHA am 11.10.06 schon darlegte. Auch eine Anpassung der Förderung an die gestiegenen Kosten, wie sie für die Hilfen zur Erziehung für die Jahre 2008 (plus 2%) und 2009 (plus 1,5%) im neuen Rahmenvertrag vereinbart wurde, ist für die Jugendverbandsarbeit mehr als überfällig.

Jahresbericht 2006 | 7

1. Schwerpunkte
ten Zusammenhängen mit. „aktiv in Berlin – Landesnetzwerk Bürgerengagement“ (aib), vormals Berliner Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement, kommt nur langsam in Schwung, da es sich im ersten Jahr nach der Gründung noch in der Strukturentwicklung, Leitbildfindung und auf der Suche nach der richtigen Position in der Gesellschaft befindet. Das aib sucht derzeit nach einer Finanzierungsmöglichkeit für eine Geschäftsstelle inkl. Personal. Es soll ausgelotet werden, ob eine Finanzierung über ESF-Mittel möglich ist. Inhaltlich möchte das aib zum Sprachrohr aller Ehrenamtlichen in Berlin werden, ohne Einzelinteressen von Mitgliedsverbänden zu vertreten. Im Jahr 2007 stehen Wahlen zum Sprecherrat an. Es zeichnen sich Veränderungen ab, die sich allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht inhaltlich beurteilen lassen. In jedem Fall sollte der Landesjugendring in diesem Gremium vertreten bleiben, um die Interessen der Jugendverbände bezüglich der Ehrenamtsförderung vertreten zu können. Dazu bedarf es der Bewusstseinbildung in den entsprechenden Kreisen, in denen vielfach ein anderer Ehrenamtsbegriff vorherrscht als in der Jugendverbandsarbeit. Aus dem Arbeitskreis FreiwilligenPass bei der Senatskanzlei ist im Laufe des Jahres 2006 die Kommission FreiwilligenPass geworden. Diese wurde im Vorfeld der Wahlen von der Ebene der Senatskanzlei zurück ins Ressort Soziales gestuft. Die Kommission tagt zurzeit ca. halbjährlich. Inhaltlich ist die Kommission damit befasst, neue antragsberechtigte Verbände und Initiativen für den Berliner FreiwilligenPass zuzulassen und die Vergabevorschriften weiterzuentwickeln. Aus Sicht des Vorstandes sollen die Mitgliedsverbände zwar auf die Möglichkeit, für ihre Ehrenamtlichen FreiwilligenPässe zu beantragen, hingewiesen werden, sobald das Antragsverfahren vereinfacht worden ist, jedoch wird der Landesjugendring sich im Bereich der Ehrenamtsförderung weiterhin schwerpunktmäßig auf die bessere öffentliche Wahrnehmung und Anerkennung der JuleiCa konzentrieren und entsprechend deren Qualität und Verbreitung fördern. Angesichts der Flut immer neuer Zertifikate ist dies aus unserer Sicht der sinnvollste Weg.

1.5 Wahlen
Der Landesjugendring hat zu den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 17. September 2006 verschiedene Aktivitäten durchgeführt. Das Peer-Education-Projekt „Beweg Was!“ beschränkte sich zwar nicht auf die Wahlen, machte aber gerade auch zu den Wahlen deutlich, wie wichtig politische Partizipation für Jugendliche ist (siehe 1.1.). Zusammen mit der Bundeszentrale für politische Bildung und der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin übernahm der Landesjugendring die Trägerschaft für den Wahl-O-Mat. Über 141.000 mal wurde der Wahl-O-Mat in Berlin gespielt. Anhand von dreißig Thesen konnten Nutzer/-innen feststellen, welche Partei ihren Positionen am nächsten liegt. Die Thesen wurden an zwei Seminarwochenenden von Jugendlichen, unter anderem aus Mitgliedsverbänden des Landesjugendring, entwickelt. Die öffentliche Resonanz auf den Wahl-O-Mat war sehr positiv, der Landesjugendring konnte sich durch die Beteiligung am Wahl-O-Mat als wichtiger Akteur im Bereich der politischen Jugendbildung positionieren. Der Landesjugendring hat sich zudem in das Organisationsteam der U18-Wahl eingebracht und so weitere Impulse zur Partizipation Jugendlicher gegeben. Der Hauptausschuss des Landesjugendring hat zu den Abgeordnetenhauswahlen jugendpolitische Forderungen an die kandidierenden Parteien beschlossen. Darin standen die Förderung ehrenamtlichen Engagements, der außerschulischen Jugendbildung, von Freizeiteinrichtungen und von Ferienmaßnahmen im Mittelpunkt. Zudem gab es vier Sondernewsletter zur Wahl, in denen die Positionen der Parteien zu den genannten Themen vorgestellt wurden. Zur Koalitionsvereinbarung hat der Landesjugendring eine Stellungnahme beschlossen:
Stellungnahme des Landesjugendring Berlin e.V. zur Koalitionsvereinbarung zwischen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands-Landesverband Berlin und der Die Linkspartei. PDS-Landesverband Berlin Der Landesjugendring Berlin, als Zusammenschluss von 35 Jugendverbänden, versteht sich als Vertreter der Interessen von Kindern und Jugendlichen im Land Berlin. Aus dieser Position heraus nimmt der Landesjugendring Berlin zu ausgewählten Themen in der Koalitionsvereinbarung Stellung.

8 | Jahresbericht 2006

Der Landesjugendring begrüßt, dass das Politikfeld „Jugend“ an prominenter Stelle im Koalitionsvertrag genannt ist. Die Koalition macht damit deutlich, dass Jugendpolitik zukünftig einen hohen Stellenwert in der Landespolitik haben soll. Der Landesjugendring geht davon aus, dass die Streichung des Begriffs „Jugend“ aus der neuen Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung in diesem Sinn zu verstehen ist. Allerdings ist Jugendpolitik auch eine Querschnittsaufgabe. Daher sollten die Interessen von Kindern und Jugendlichen in allen Politikfeldern in der Koalitionsvereinbarung deutlicher berücksichtigt werden. Themenfeld „Jugend“ Der Landesjugendring unterstützt das Bemühen der Regierungskoalition, den Kinder- und Jugendschutz zu verbessern. Daher beabsichtigt der Landesjugendring Berlin, sobald wie möglich eine im Kinder- und Jugendhilfeerweiterungsgesetz (KICK) vorgesehene Vereinbarung zur Umsetzung des Gesetzes mit dem Land Berlin abzuschließen. Die Aussagen zur außerschulischen Jugendarbeit in der Koalitionsvereinbarung machen die Wertschätzung der außerschulischen Jugendarbeit und die Anerkennung als Bildungsort durch die Koalitionsparteien deutlich. Die Beibehaltung des Ausgabenniveaus von 2006 in der Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit wird durch den Landesjugendring begrüßt. Der Landesjugendring ist erleichtert, dass die in den letzten Jahren immer wieder problematisierte Einnahmen-Ausgaben-Differenz in der Jugendarbeit endlich voll ausfinanziert ist. Die Absichtserklärung, freie Träger in der Finanzierung der Jugendfreizeitstättenarbeit dem öffentlichen Träger gleichzustellen, und die Festlegung von Qualitätsstandards und das Ziel, Leistungsvereinbarungen und Zuwendungsverträge mit mehrjähriger Laufzeit abzuschließen, werden durch den Landesjugendring voll unterstützt. Bei der geplanten Verstetigung der Sozialraumorientierung muss berücksichtigt werden, dass Jugendverbände mit ihrer spezifischen Form der selbstorganisierten Jugendarbeit zum einen sozialraumorientierte Angebote machen, die bei der Förderung aus Sozialraumbudgets Berücksichtigung finden müssen, zum anderen aber auch ein gesamtstädtisches Angebot darstellen, das auch aus Landesmitteln gefördert werden muss. Die Maßnahmen der Jugendberufshilfe in den U-25-Teams werden vom Landesjugendring begrüßt. Der Landesjugendring begrüßt die Senkung der Zugangsschwelle zu Kindertagesstätten durch Kostenfreiheit für die Eltern. Das Land Berlin wird hier seinem Bildungsauftrag gerecht. Genauso notwendig ist es aber auch, in die Betreuungsqualität zu investieren. Die Beibehaltung des Super-Ferien-Pass für Kinder und Jugendliche in Berlin halten wir für eine Entscheidung, die gerade Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien unterstützt.

Themenfeld „Schule“ Der Landesjugendring begrüßt, dass die Kooperation zwischen Schule und außerschulischer Jugendarbeit verstärkt werden soll. Allerdings müssen hier zukünftig die Finanzierung und die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur für Kooperationen zwischen Schulen und Trägern der außerschulischen Jugendarbeit gesichert sein. Zudem fordert der Landesjugendring, im Bereich der Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Partnern, Ansätze der partizipativen Selbstorganisation stärker zu berücksichtigen. Dies ist bisher nicht der Fall. Themenfeld „Rechtsextremismus bekämpfen“ Der Landesjugendring begrüßt ausdrücklich das Vorhaben der Koalition, den Kampf gegen Rechtsextremismus weiter zu verstärken. Die Einrichtung einer Steuerungsstelle in einer Senatsverwaltung und eines „Berliner Ratschlag für Demokratie gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus“ hält der Landesjugendring für ein geeignetes Steuerungsinstrument. Der Landesjugendring geht davon aus, dass die Beteiligung von Jugendverbänden als Vertretern der Interessen von Kindern und Jugendlichen in Berlin und anerkannten Akteuren im Bereich der Demokratiebildung durch den Landesjugendring an diesem Gremium gesichert wird. Die Fortführung des respectABel-Programms wird vom Landesjugendring begrüßt, genau so wie das Bemühen des Landes, sich auf Bundesebene für die kontinuierliche Finanzierung von Strukturprojekten einzusetzen. Die Intensivierung der politischen Bildungsarbeit als Möglichkeit der Förderung von Demokratie und Toleranz wird vom Landesjugendring unterstützt. Allerdings stellen Schulen und die Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit nicht die einzigen Akteure in diesem Bereich dar, Jugendverbände und andere freie Träger sind ebenso qualifizierte und erfahrene Akteure in der politischen Bildung. Themenfeld „Arbeitsmarkt“ Die Bemühungen der Koalitionsparteien, die Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitnehmer/-innen zu erhöhen, wird durch den Landesjugendring begrüßt. Gerade Angebote für Jugendliche müssen dabei Formen formalen, nonformalen und nichtformellen Lernens berücksichtigen. Der Landesjugendring setzt sich daher für den Ausbau der Freiwilligendienste im Land Berlin ein. Gerade Freiwilligendienste sind in besondere Weise geeignet, das Qualifikationsniveau junger Menschen in Bezug auf Ausbildung und Beschäftigung zu erhöhen, haben sie doch hier die Möglichkeit, sich berufsfeldspezifische Basisqualifikationen anzueignen und ihre Chancen am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt so zu erhöhen. Der Landesjugendring hält die Schaffung von öffentlich finanzierten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen für eine geeignete Alternative zu Ein-Euro-Jobs, spricht sich aber dagegen aus, die geplanten 2.500 Beschäftigungsverhältnisse ausschließlich für ältere Arbeitnehmer/-innen vorzusehen. Vielmehr ist es notwendig, gerade für jüngere Arbeitnehmer/-in-

Jahresbericht 2006 | 9

1. Schwerpunkte
nen öffentliche Beschäftigungsverhältnisse und Qualifizierungen bereitzuhalten, um sie (wieder) in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zudem kann die Bereitstellung öffentlich finanzierter Beschäftigungsverhältnisse nur eine kurzfristige Lösung des Problems der Langzeitarbeitslosigkeit darstellen, langfristig müssen nachhaltigere Strategien der sozialen Sicherung entwickelt werden. Eine Möglichkeit stellen hier die verschiedenen Konzepte eines bedingungslosen Grundeinkommens dar. Der Landesjugendring fordert das Land Berlin auf, hier auf der Bundesebene Initiativen zu ergreifen. Themenfeld „Soziales“ Der Landesjugendring begrüßt das Vorhaben, ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement fördernde Infrastrukturen weiter zu entwickeln. Die Jugendleiter/-innencard JuleiCa, als Nachweis ehrenamtlichen Engagements in der Jugendverbandsarbeit stellt ein hervorragendes Instrument der Förderung dieses Engagements dar. Der Landesjugendring fordert den Senat auf, die Spezifik ehrenamtlichen Engagements in Jugendverbänden anzuerkennen, weiterhin zu fördern und für die Anerkennung der JuleiCa in der Gesellschaft neue Impulse zu setzen. Themenfeld „Verwaltungsmodernisierung“ Die weiterzuführende Verwaltungsmodernisierung darf nach Ansicht des Landesjugendrings nicht dazu führen, Beteiligungsrechte von Betroffenen abzubauen. Der Landesjugendring spricht sich daher dringend für die Beibehaltung des zweigliedrigen Jugendamtes mit den Jugendhilfeausschüssen in den Bezirken und auf der Landesebene aus. Gerade im Zuge der Sozialraumorientierung dürfen die Kompetenzen der bezirklichen Jugendhilfeausschüssen nicht abgebaut werden. 16. November 2006

1.6 Historisch-politische Bildung
Der Bereich historisch-politische Bildung ist seit jeher ein wichtiger Arbeitszweig des Landesjugendring Berlin. Zu der langjährige Tradition der Stadterkundungen, die durch den gleichnamigen Arbeitskreis im Landesjugendring organisiert und durchgeführt werden (siehe 2.3.3), ist in den letzten Jahren das Engagement um die Jugendbegegnungsstätte Sachsenhausen dazugekommen. Zudem hat der Landesjugendring die Begleitung des Jugendprogramms ZEITENSPRÜNGE der Stiftung Demokratische Jugend übernommen. Der Vorstand plant eine Intensivierung und Neustrukturierung des Bereiches historisch-politische Bildung. a) Internationale Jugendbildungs- und Begegnungsstätte (IJBS) Jugendherberge „Haus Szczypiorski“ Sachsenhausen Die Internationale Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Jugendherberge „Haus Szczypiorski“ wurde am 21./22. Oktober 2006 eröffnet. Das Haus befindet sich in Trägerschaft des Deutschen Jugendherbergswerk und kooperiert mit der Gedenkstätte Sachsenhausen. Das Haus ist ein Selbstversorgerhaus und soll Gruppen mit pädagogischem Programm aufnehmen. Der Landesjugendring ist Mitglied im Initiativkreis zur Errichtung einer internationalen Jugendbegegnungsstätte Sachsenhausen und im Bildungsverbund für die Jugendbegegnungsstätte Sachsenhausen. Der Initiativkreis bemüht sich vor allem um eine regionale Einbindung der Jugendbegegnungsstätte, so führt er Veranstaltungen, die sich an Jugendliche im Landkreis Oberhavel und im Bezirk Reinickendorf richten, durch. Der Initiativkreis war maßgeblich an der Entstehung der IJBS Sachenhausen beteiligt. Der Bildungsverbund, dem neben den Landesjugendringen Berlin und Brandenburg einige Jugendverbände und Jugendbildungsstätten sowie die RAA Brandenburg angehören, bemüht sich um die Bildungsarbeit in der IJBS Sachsenhausen. Neben der Mitwirkung bei der Eröffnung betraf dies vor allem ein Ende des Jahres 2006 durchgeführtes Projekt „Geschichte erinnern – Begegnung gestalten – Zukunft entwerfen“, das aus dem CIVITAS-Programm gefördert wurde. Im Rahmen des Projektes wurden Bildungsbausteine für die pädagogische Arbeit von Gruppen in der IJBS entwickelt.

10 | Jahresbericht 2006

2. Mitbestimmung im LJR
b) „Zeitensprünge“ Der Landesjugendring hat für das Land Berlin die Begleitung des Jugendprogramms ZEITENSPRÜNGE, das die Stiftung Demokratische Jugend in Kooperation mit dem Land Berlin durchführt, übernommen. Das Programm wird in allen neuen Bundesländern in Kooperation mit der jeweiligen Landesregierung durchgeführt. Aus dem Programm können im Jahr 2007 in Berlin 25 Projekte, in denen sich Jugendliche mit der Geschichte ihres Sozialraums beschäftigen, gefördert werden. Der Landesjugendring unterstützt die Projekte bei ihrer Arbeit, führt eine Auftakt- und eine Abschlussveranstaltung durch und verantwortet gemeinsam mit der Stiftung Demokratische Jugend die Öffentlichkeitsarbeit für das Programm. c) Treffen historisch-politische Bildung Am 12. November fand ein Treffen der an historisch-politischer Bildung Interessierten aus den Mitgliedsverbänden statt. Ziel des Treffens war es, eine Vernetzung zwischen den Verbänden in diesem Bereich anzustoßen. Neben der Information über das ZEITENSPRÜNGE-Projekt und die IJBS Sachsenhausen wurde diskutiert, welche Möglichkeiten und Methoden historisch-politischer Bildung es in den Verbänden gibt. Im Ergebnis des Treffens wurde eine Fachtagung „Historisch-politische Bildung in Berliner Jugendverbänden“ für den Herbst 2007 angeregt. Eine Einbindung der Tagung in das ZEITENSPRÜNGE-Programm wird angestrebt. Zur Vorbereitung dieser Tagung soll es weitere Treffen der Interessierten geben.

2.1 Vorstand
Wer? Seit der Mitgliederversammlung im März 2006 sind im Vorstand: Tim Scholz (SJD-Die Falken) als Vorsitzender sowie Carla Dietrich (DGB-Jugend), Ece Yildirim (VIA), Anne Steckner (DGB-Jugend), Burkhard Rooß (BDKJ), Oliver Gellert (Schreberjugend) und Thomas Koch (Ev. Jugend). Aufgrund eines Auslandsaufenthaltes ruht die Vorstandstätigkeit von Anne Steckner seit November 2006, sie wird im Sommer 2007 wieder in die Vorstandsarbeit einsteigen. Wann? Der Vorstand trifft sich 14täglich, zudem haben eine eintägige und eine zweitägige Klausur stattgefunden. Was? Grundsätzlich hat der Vorstand: die inhaltlichen Entwicklungen im Landesjugendring koordiniert, begleitet oder selber vorangeschoben, jugendpolitische Interessenvertretung wahrgenommen, die Gremien im Landesjugendring geleitet, neue Projekte für den Landesjugendring befördert, die finanzielle Absicherung der Arbeit der Geschäftsstelle im Blick und die eigene Zusammenarbeit reflektiert und die Themenschwerpunkte für die Amtszeit bis 2008 festgelegt. Vieles von dem, was konkret erreicht oder durchgeführt wurde, ist nachzulesen in den einzelnen Abschnitten dieses Jahresberichtes, als Schnelldurchlauf dienen folgende Stichworte: Begleitung und Umsetzung des Projektes „Beweg was!“, Wahl-O-Mat zur Abgeordnetenhauswahl, Stellungnahme zur Koalitionsvereinbarung des SPD/ Linkspartei-Senats, Gespräche mit den jugendpolitischen Sprecher/-innen der Abgeordnetenhaus-Fraktionen, den bildungspolitischen Sprecher/-innen der Regierungskoalition und Oppositionsparteien und andere Gespräche, Verhandlung mit der Senatsverwaltung über die Umsetzung des KICK-Gesetzes, insbesondere des Kinder- und Jugendschutzes, für den Bereich der Kinder- und Jugendverbände, Begleitung des Prozesses der Bildung der bezirklichen JHAs und Überlegungen zu einer engeren Vernetzung von Jugendverbandsvertreter/-innen in den JHAs, Benennung von Mitgliedern für den LJHA, Einstellung eines neuen Geschäftsführers und einer neuen Referentin für Ehrenamtsförderung und Öffent-

Jahresbericht 2006 | 11

2. Mitbestimmung im LJR
lichkeitsarbeit verbunden mit Neustrukturierungen der Arbeit in der Geschäftsstelle, Erstellung neuer Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit des LJR Berlin, Mittelfristige Finanzplanung für die LJR Geschäftsstelle, Verabschiedung des Fördermodells, Überarbeitung und Neuherausgabe der Broschüre „Kooperationsmöglichkeiten für Schulen mit Jugendverbänden“, Vorbereitung eines Projektantrags für Comp@ss, Begleitung des Programms „Zeitenspünge“ und Vorbereitung eines Antrages für das Programm „Jugend für Vielfalt,Toleranz und Demokratie“, Treffen mit Aktiven aus den Jugendverbänden zum Thema „Historisch-politische Bildung“ in der Jugendverbandsarbeit, Weiterverfolgung der Projektidee „Youth in Global Cities“, Mitwirkung beim 6. Berliner Jugendforum, Entwicklung von Ideen zu Projekten im Rahmen der neuen ESF-Förderperiode und Vorbereitung von Anträgen, Workshop zu Fördermöglichkeiten im Rahmen des neuen ESF-Förderperiode 2007-2013. Wohin? Für das nächste Jahr im Vorstand stehen an: Realisierung der oben beschriebenen Projekte, Initiativen für weitere Projekte, Anregungen, die Rahmenvereinbarung zur Kooperation von Schule und Jugendverbänden mit weiterem Leben zu füllen, die Weiterentwicklung von Service im Landesjugendring. Zudem besetzt der Hauptausschuss Außenvertretungen, die vakant sind, für die Zeit bis zur nächsten Mitgliederversammlung nach. Um über die Arbeit des Vorstands zu berichten und alle Mitgliedsverbände auf dem Laufenden zu halten und Anregungen aufnehmen zu können, berichtet hier auch der Vorstand aus seiner Arbeit. Daneben hat sich die Vorstellung eines Mitgliedsverbandes des Landesjugendring am Anfang jeder Hauptausschusssitzung bewährt um das Wissen übereinander zu verbessern. Wichtige Beschlüsse und Positionierungen des Hauptausschusses waren 2006: Beschluss über die Unterzeichnung einer Rahmenvereinbarung zur Kooperation von Schule und Jugendverbänden mit dem Land Berlin (23. Februar), Beschluss über die Verbandsförderung 2006 (23. Februar), Beschluss einer Grundsatzposition zur Weiterentwicklung der Jugendverbandsfinanzierung in Berlin (22. Juni), Beschluss zum Thema „Jugendarbeitsschutz” (7. September), Beschluss über eine Grundsatzposition zur Umsetzung des Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetzes (KICK) in Berlin (7. September), Beschluss von jugendpolitischen Forderungen an die zur Abgeordnetenhauswahl kandidierenden Parteien (7. September), Beschluss über die Verbandsförderung 2007 (7. Dezember).

2.3 Kommissionen und Arbeitsgemeinschaften 2.3.1 Kommission Jugendhilfe

2.2. Hauptausschuss
Wer? Jeder Mitgliedsverband im Landesjugendring hat im Hauptausschuss eine Stimme, die Mitglieder in Arbeitsgemeinschaften haben als Arbeitsgemeinschaft gemeinsam eine Stimme und ansonsten beratenden Sitz. Als regelmäßige Gäste im Hauptausschuss arbeiteten Eberhard Landwehr und Ilona Fenzlau von der Senatsjugendverwaltung und Manfred Schulz als Vertreter der Bezirke mit. Wann? Der Hauptausschuss hat sich 2006 sieben Mal getroffen. Was? Die Aufgabe des Hauptausschusses ist es, wichtige Beschlüsse des Landesjugendrings zu fällen und die Arbeit der Mitgliedsverbände zu bündeln und zu vernetzen.

Wer? Vorsitz: Burkhard Rooß, BDKJ und Vorstand des LJR Stellv. Vorsitz: Norbert Kapinos, djo Regenbogen Sandra Bautzer, Schreberjugend Oliver Gellert, Schreberjugend Peter Ogrzall, BDP-Jugendbildungsstätte Tim Scholz, SJD - Die Falken Daniel Wucherpfennig, DGB-Jugend Von der LJR Geschäftsstelle begleitete bis Juni 2006 Gregor Ziese-Henatsch die Kommission. Ab August hat der neue Geschäftsführer Tilmann Schröder diese Aufgabe übernommen. Wann? Die Kommission trifft sich in der Regel einmal monatlich für zwei Stunden, zeitnah zu den Plenumssitzungen des

12 | Jahresbericht 2006

Landesjugendhilfeausschusses. In 2006 hat sich die Kommission insgesamt neunmal getroffen. Was? Die Kommission Jugendhilfe leistet die inhaltliche Vor- und Nachbereitung der kinder- und jugendpolitischen Interessenvertretung des Landesjugendring Berlin, insbesondere der im Landesjugendhilfeausschuss Berlin und dessen Unterausschüssen. Darüber hinaus arbeitet sie dem Hauptausschuss und dem Vorstand inhaltlich zu und entwickelt eigene jugendpolitische Vorhaben. Schwerpunkte der Kommissionsarbeit im letzten Jahr waren: Die Entwicklung von Beschlussempfehlungen im Themenfeld Kinder- und Jugendschutz für den Landesjugendring und den Landesjugendhilfeausschuss sowie einer Vereinbarung mit der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung zum § 72a SGB VIII (Geeignetes Personal, Stichwort „Führungszeugnis”), Die Erarbeitung einer Stellungnahme zur Koalitionsvereinbarung von SPD und Die Linke, Fragen rund um die Sozialraumorientierung und ihre Auswirkung auf Jugendverbände, Die Reform des Gemeinnützigkeits- und Spendenrechts, Die Lottofinanzierung der Berliner Jugendarbeit, Die Positionierung zum Berliner Jugendfreizeitstättenbericht, Kinder- und Jugendmitbestimmung in den Berliner Bezirken. Wohin? Wir rechnen damit, dass bis zur Mitgliederversammlung des LJR eine tragfähige Vereinbarung zur Umsetzung des § 72a SGB VIII geschlossen sein wird, ansonsten gilt es, auf politischer Ebene weiter zu insistieren. Sodann steht die Erarbeitung einer Vereinbarung nach § 8a SGB VIII (Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung) an. Die Kommission hat den Anstoß gegeben, die Jugendhilfepolitik in den Bezirken stärker in den Blick zu nehmen. Im März wird ein erster Versuch unternommen, Jugendverbandsmenschen aus den Bezirken zu einem Austausch mit Fortbildungscharakter zusammen zu holen. Des Weiteren ist eine Positionierung zur Sozialraumorientierung geplant.

2.3.2.Kommission JuleiCa
Wer? Vorsitz: Mary Prinzler, Jugendbildungsstätte „Helmut Gollwitzer Haus“ Sandra Bautzer, Schreberjugend Carla Dietrich, DGB-Jugend und Vorstand des LJR Berlin Ronald Friedemann, Sportjugend Oliver Gellert, Schreberjugend und Vorstand des LJR Anne Katrin Pusch, DGB-Jugend / ver.di-Jugendbildungsstätte Konradshöhe Von der LJR Geschäftsstelle begleitete bis Oktober 2006 Sandra Schulte die Kommission. Ab Januar 2007 hat die neue Referentin für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit Candida Splett diese Aufgabe übernommen. Wann? Die Kommission tagt in der Regel alle vier bis sechs Wochen. Was? Im Jahr 2006 war die Kommission JuleiCa mit der Weiterführung der im Jahr 2005 begonnenen Kampagne „JuleiCa – macht startklar!“ befasst. Nach einer offenen Sitzung im Januar, in der die Ziele, Inhalte und Methoden der einzelnen Ausbildungsinhalte zur Diskussion gestellt wurden, wurde im Rahmen der JuleiCa-Kampagne ein Praxishandbuch zur Durchführung der Jugendleiterschulung entsprechend den Berliner Ausführungsvorschriften erarbeitet und veröffentlicht. Das Praxishandbuch wird von den Berliner Jugendverbänden als eine konstruktive Maßnahme zur Qualitätssicherung der JuleiCa-Ausbildung sehr gut angenommen und hat bundesweit eine positive Resonanz erfahren. An einem Praxistag wurden Überlegungen zur Rolle und dem Berufsbild Hauptamtlicher in der Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen thematisiert und Workshops zu den Themen „Train the Trainer“, „Jugendleiter/-innen managen“ und „Arbeit mit ehrenamtlich aktiven Migrant/-innen“ durchgeführt. Mit der Fachtagung „Erwerb sozialer Kompetenzen durch ehrenamtliches Engagement. Wem nutzt es?“ wurde die Bedeutung von jugendlichem Engagement anhand der Ergebnisse des Freiwilligensurveys erörtert und der Stellenwert von freiwilligem Engagement als gesellschaftliches Lernfeld herausgearbeitet. In Foren wurde über den Wert der in ehrenamtlicher Tätigkeit erworbenen Kompetenz für den beruflichen Bereich einerseits und für die Gesellschaft andererseits diskutiert. Bei einer Podiumsdiskussion wurde kontrovers die Frage der Bedeutung einer Zertifizierung von im Ehrenamt erworbenen Kompetenzen über die Tätigkeit in der Jugendarbeit hinaus, z.B. in Politik und

Jahresbericht 2006 | 13

2. Mitbestimmung im LJR
Wirtschaft, diskutiert. An einem „Workshop-Tag“ im Roten Rathaus haben sich junge Ehrenamtliche best-practice Beispiele gegenseitig vorgestellt. Ingesamt wertet die Kommission die JuleiCa-Kampagne als einen großen Erfolg für den Landesjugendring. Die Kommission wurde vom Hauptausschuss gebeten, im Landesjugendring die während der Fachtagung begonnene Diskussion zur Zertifizierung weiter voranzutreiben. Diese Diskussion wird im Rahmen eines Workshops im Jahr 2007 fortgesetzt. In Reaktion auf die aktuelle Diskussion um Führungszeugnisse in der Jugendarbeit im LJHA hat die Kommission die Durchführung einer Fachtagung zum Thema „Sexuelle Gewalt - ein Thema in der Kinder- und Jugendarbeit“ angeregt, die im Januar 2007 stattgefunden hat. Erschreckend viele Fälle von Kindesvernachlässigung und Kindesmissbrauch sind in den letzten Wochen und Monaten auch in Berlin bekannt geworden. Grund genug für die Jugendverbände und andere Träger der Kinder- und Jugendarbeit, sich noch stärker der Prävention zu widmen. Dass mehr als 100 Fachkräften der Kinder- und Jugendarbeit an der Fachtagung des LJR teilgenommen haben, zeigt, wie dringend dieses Thema auf der jugendpolitischen Tagesordnung steht. Die Tagung ermöglichte den Teilnehmenden einen intensiven Einstieg ins Thema sowie Austausch und Beratung durch Expertinnen. Die angeregten Diskussionen zeigten, wie groß der Bedarf bei den Fachkräften der Kinder- und Jugendarbeit ist, sich mit dem Thema sexuelle Gewalt auseinanderzusetzen. Die insgesamt sehr positive Resonanz hat den Landesjugendring weiter darin bestärkt, sich an der Entwicklung und Etablierung wirksamer präventiver Maßnahmen und Interventionsverfahren zu beteiligen. Wohin? Neben der Durchführung von Fachveranstaltungen werden wir als Landesjugendring im Frühjahr 2007 Module für die JuleiCa-Schulung zum Kinder- und Jugendschutz als Ergänzung unseres JuleiCa-Praxishandbuchs veröffentlichen. Was? Die Nachfrage nach den Angeboten des Arbeitskreises hat sich im Berichtszeitraum trotz Werbung an Grund- und Oberschulen deutlich zurück entwickelt. Die Ursachen hierfür können wir nur schwer einschätzen, da diejenigen, die keine Rundfahrten und –gänge mehr buchen, uns nicht mitteilen, warum sie dies nicht tun. Im Hinblick auf die Fußballweltmeisterschaft in 2006 hatte der Arbeitskreis begonnen, ein Rundgang-Angebot für das Olympiagelände zu planen. Dieses Angebot kann seit den Sommerferien 2006 abgerufen werden. Das jährliche Seminar gemeinsam mit den Arbeitskreisen des LJR Hamburg und des SJR Stuttgart hat in 2006 in Verantwortung des Berliner AK stattgefunden. Bestandteil des Seminars war u.a. eine Führung über das ehemalige Olympiagelände sowie ein Besuch des Glockentrums und der Langemarckhalle. Der Schwerpunkt des Seminars war jedoch die Auseinandersetzung mit der Frage, ob und wie durch neue Angebotsformen die Stadterkundungen (wieder) attraktiver gemacht werden können. Im Erfahrungsaustausch erwiesen sich jedoch die Verhältnisse in Berlin als von den Hamburgern sehr verschieden. In Hamburg besteht von Oberschulen, die als offene Ganztagsschulen für die Nachmittage nach Angeboten suchen, eine rege Nachfrage. Alle Teilnehmenden profitierten jedoch von den Anregungen, die eine Referentin von „City Bound Berlin“ auch mit praktischen Übungen vorstellte. Rundgänge, die bisher auf passiv zuhörende Teilnehmende ausgerichtet sind, können so die Teilnehmenden stärker in die Erarbeitung des Wissens einbeziehen und aktivierend wirken. Wann? Der AK trifft sich monatlich, insgesamt ca. zehn Mal im Jahr. Zusätzlich treffen sich Arbeitsgruppen zu den o.a. Arbeitsthemen. Wohin? Der Vorstand möchte historisch-politische Bildung zukünftig zu einem Schwerpunkt der Arbeit des Landesjugendring entwickeln (siehe 1.6). Neue Zielgruppen sollen angesprochen und die Arbeit soll näher an die Mitgliedsverbände heran gerückt werden. Innovative Methoden sollen entwickelt und neue Kooperationen eingegangen werden. Der Vorstand hat deshalb beschlossen, die Trägerschaft über diesen Arbeitskreis und somit das Angebot der Stadtrundfahrten und -rundgänge zum Jahresende 2007 einzustellen.

2.3.3 Arbeitskreis politisch-historische Stadterkundung
Wer? An der Zusammensetzung des Arbeitskreises hat sich in 2006 nichts geändert. Weiterhin arbeiten dort Menschen mit, die Interesse am Thema haben und i.d.R. schon seit mehreren Jahren im AK mitarbeiten.

14 | Jahresbericht 2006

2.3.4 Arbeitsgemeinschaft außerschulische Jugendbildung und Bildungsurlaub (AGBU)
Wer? In dieser Arbeitsgemeinschaft des Landesjugendring haben sich die Jugendbildungsstätten der Jugendverbände zusammengeschlossen, um in einem regelmäßigen Fachaustausch untereinander in Zusammenarbeit mit der zuständigen Senatsverwaltung die inhaltliche Arbeit weiterzuentwickeln und zu qualifizieren und für adäquate Rahmenbedingungen der Arbeit zu sorgen. Wann? Die Arbeitsgemeinschaft tagt in der Regel einmal monatlich. Was? Außer mit der finanziellen Situation der Jugendbildungsstätten beschäftigte sich die Arbeitsgemeinschaft vorrangig mit der weiteren Qualifizierung der Arbeit und der Organisation gemeinsamer Projekte. So wurde auch im Jahr 2006 wieder ein Fachtag veranstaltet, der einen regen Zuspruch durch die Fachöffentlichkeit fand. Die Veranstaltung beschäftigte sich diesmal unter dem Titel „Beschäftigungsfähigkeit fördern – Lebensperspektiven entwickeln“ mit dem Konzept der „Employability“ und den pädagogischen Herausforderungen an Schule und außerschulische Bildung beim Übergang Jugendlicher in das Erwerbsleben. Daneben beteiligten sich die Jugendbildungsstätten in einem erheblichen Maße am Projekt „Beweg was!“ des Landesjugendring. Die weiteren inhaltlichen Schwerpunkte der Arbeit waren die Diskussion der neuen Bundesprogramme gegen Rechtsextremismus, die Frage der polizeilichen Führungszeugnisse im Rahmen des KICK und die Beteiligung am Jugendforum 2006. Zudem wurde in der AGBU die Zielvereinbarung zwischen der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport und den Jugendbildungsstätten überarbeitet. Wohin? Die Arbeitsgemeinschaft wird sich weiterhin mit der inhaltlichen Weiterentwicklung der Jugendbildungsarbeit beschäftigen. Die Ausrichtung eines gemeinsamen Fachtages „Kompetenzen für die Einwanderungsgesellschaft. Beiträge der außerschulischen Jugendbildung in Kooperation mit Schule“ am 15.05.2007 ist dabei genauso vorgesehen wie die weitere inhaltliche Kooperation in unterschiedlichen Arbeitszusammenhängen. Auch die Akquise zusätzlicher Mittel wird die Arbeitsgemeinschaft weiter beschäftigen. Geplant ist darüber hinaus die gemeinsame Herausgabe einer neuen Broschüre, in der die Angebote der Jugendbildungsstätten vorgestellt werden.

2.4 Geschäftsstelle
Wer? Die Arbeit in der Geschäftsstelle war im Jahr 2006 vor allem durch zwei Personalwechsel geprägt. Im Juni verließ der Geschäftsführer Gregor Ziese-Henatsch den Landesjugendring, als sein Nachfolger begann Tilmann Schröder im August seine Arbeit. Im Oktober verließ dann Sandra Schulte als Referentin für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit den Landesjugendring, ihre Nachfolgerin Candida Splett begann am 1. Januar 2007 ihre Arbeit mit einer 80%-Teilzeitstelle. Niels Petring als Finanzreferent (80%-Teilzeitstelle) und Swetlana Nikitenko als Sachbearbeiterin arbeiten weiterhin als feste Mitarbeiter/innen in der Geschäftsstelle, zudem waren Emine Basak als Reinigungskraft und Marko Grahl (von September bis Dezember) als Administrator der PCs auf der Basis geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse angestellt. Franziska Danz und Martina Nees waren von April 2006 bis Januar 2007 als Mitarbeiterinnen im Projekt „Beweg Was!“ angestellt. Was? Die Geschäftsstelle ist für die Administration aller laufenden Vorgänge des Landesjugendring zuständig. Hierzu zählt insbesondere die Betreuung der internen Gremien, die täglichen Geschäftsabläufe, Beratungen, Kontaktpflege mit der Jugendverwaltung und der Politik (soweit sie nicht durch den Vorstand direkt wahrgenommen wird). Außerdem muss sie die organisatorischen Bedingungen und die Detailabsprachen für öffentliche Aktivitäten des Landesjugendring sicherstellen. Hinzu kommt die Erarbeitung und Koordination von Projektanträgen und die dazu gehörigen Abstimmungen mit den Projektmittelgebern und anderen Beteiligten. Das zweite Halbjahr 2006 war in der Geschäftstelle durch einige Umstrukturierungen gekennzeichnet. Der Aufbau eines serverbasierten PC-Netzwerks wurde realisiert, einige Veränderungen in der Büroeinrichtung und in den Arbeitsabläufen wurden vorgenommen. Das Corporate Design des Landesjugendring wurde weiterentwickelt und bei den Print-Produkten umgesetzt. Die Umstrukturierungen wurden zu Beginn des Jahres 2007 abgeschlossen. Durch Einsparungen konnte die im vergangenen Jahr drohende Insolvenz des Landesjugendring abgewendet werden. Weiterhin fehlt aber eine finanzielle Rücklage, so dass mittelfristig die Unterfinanzierung der Geschäftsstelle zu weiteren Einsparmaßnahmen zwingen wird, es sei denn, die Einnahmen können erhöht werden. In der Regel ist die Geschäftsstelle von Montag bis Donnerstag von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr und am Freitag bis 15.00 Uhr besetzt.

Jahresbericht 2006 | 15

2. Mitbestimmung im LJR
Wohin? Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit ist eine Überarbeitung der Homepage und des Newsletters geplant. Mittelfristig soll ein Umzug der Geschäftsstelle in attraktivere Räume erwogen werden, da das Haus Gottschedstr. 4 möglicherweise verkauft wird.

LJHA-Unterausschüsse
UA-Etatfragen Peter Ogrzall, JBS Kaubstr. (BDP) Burkhard Rooß, LJR-Vorstand (BDKJ) UA-Jugendarbeit / außerschulische Jugendbildung / Jugendsozialarbeit Peter Ogrzall, JBS Kaubstr. (BDP) Burkhard Rooß, LJR-Vorstand (BDKJ) Peter Knoop (Stellvertr.), Ev. Jugend UA-Gesamtjugendhilfeplanung und Neue Steuerungsmodelle Norbert Kapinos, djo-Regenbogen UA-Tagesbetreuung Norbert Kapinos, djo-Regenbogen UA-Erzieherische Hilfen und Familienpolitik Norbert Kapinos, djo-Regenbogen Peter Knoop (Stellvertr.), Ev. Jugend

2.5 Interessenwahrnehmung in Außenvertretungen
Der Landesjugendring ist für die auf Landesebene tätigen Jugendverbände und -gruppen der Zusammenschluss, dem nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz die Aufgabe zukommt, Anliegen und Interessen junger Menschen zum Ausdruck zu bringen und zu vertreten (KJHG § 12 Abs. 2). Um dieser Aufgabe im Querschnitt aller Politikfelder wirksam nachkommen zu können, benennt der Landesjugendring in zahlreichen Gremien und Arbeitsgemeinschaften in Politik, Verwaltung und Gesellschaft Vertreterinnen und Vertreter, die zur Berücksichtigung der Interessen von Kindern und Jugendlichen in den jeweiligen Themenbereichen und Politikfeldern beitragen sollen. Neben der Gesamtübersicht der Außenvertretungen sind die Themen und Inhalte des letzten Jahres außerdem in Kurzberichten nachzulesen.

Landesarbeitsgemeinschaften nach § 78 KJHG
LAG Jugendberufshilfe Michael Heinisch, Ev. Jugend Kristian Liedemit (Stellvertr.), Ev. Jugend LAG Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen Oliver Gellert, LJR-Vorstand (Schreberjugend)

Gesamtübersicht Außenvertretungen Deutscher Bundesjugendring - DBJR
Vollversammlung Oliver Gellert, LJR-Vorstand (Schreberjugend) Hauptausschuss Oliver Gellert (Stellvertr.), LJR-Vorstand (Schreberjugend)

Sonstige Außenvertretungen
Arbeitsgemeinschaft Jugendhilfe – AGJ Oliver Gellert, LJR-Vorstand (Schreberjugend) AK Zielgruppenspezifische Methoden und Materialien zur Sexualaufklärung Baykan Sahin, djo-Regenbogen Berliner Justizvollzugbeirat Mariann Szabo, Junge HumanistInnen „aktiv in Berlin – Landesnetzwerk Bürgerengagement“ (aib) Oliver Gellert, LJR-Vorstand (Schreberjugend) Initiativkreis der IJBS Sachsenhausen e. V. Thomas Koch, LJR-Vorstand (Ev. Jugend) Bildungsverbund der IJBS Sachsenhausen Tilmann Schröder, LJR-Geschäftsführung

Konferenz der Landesjugendringe
Oliver Gellert, LJR-Vorstand (Schreberjugend) Tilmann Schröder, LJR-Geschäftsführung

Landesjugendhilfeausschuss – LJHA
Peter Ogrzall, JBS Kaubstr. (BDP) Daniel Wucherpfennig (Stellvertr.), DGB-Jugend Norbert Kapinos, djo-Regenbogen Sandra Bautzer (Stellvertr.), Schreberjugend Burkhard Rooß, LJR-Vorstand (BDKJ) Peter Knoop (Stellvertr.), Ev. Jugend

16 | Jahresbericht 2006

Kuratorium der Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialwesen - ASFH Peter Bohl, ver.di JBS Carla Dietrich (Stellvertr.), LJR-Vorstand (DGB-Jugend) Landesausschuss für Jugendarbeitsschutz Andreas Nareuisch, DGB-Jugend Alexander Fischer (Stellvertr.), DGB-Jugend Musikschulbeirat Richard Schubert, Ev. Jugend Rundfunkrat des Senders rbb Tino Kunert, LJR-Brandenburg Steuerungsgruppe „Fördermodell Jugendverbände“ Burkhard Rooß, LJR-Vorstand (BDKJ) Norbert Kapinos, djo-Regenbogen Daniel Wucherpfennig, DGB-Jugend Stiftungsrat der Jugend- und Familienstiftung (jfsb) Burkhard Rooß, LJR-Vorstand (BDKJ) Verwaltungsrat Jugendaufbauwerk Wolfram Geisenheyner, Ev. Jugend Vorstand des Deutschen Jugendherbergswerkes (DHJ) in Berlin und Brandenburg Alexander Fritzke, Sportjugend Brandenburg Wannseeforum für Jugendarbeit e. V. Tilmann Schröder, LJR-Geschäftsführung

Börsengang der Deutschen Bahn, gegen die geplante Aufweichung des Jugendarbeitsschutzgesetzes, zum Ausbildungsmarkt und zum demographischen Wandel gefasst. Darüber hinaus wurde eine Vorstandsposition nachgewählt. Für den ausgeschiedenen Veit Dieterich wurde Sven Frye (beide SJD–Die Falken) in den Vorstand in die Funktion des stellv. Vorsitzenden gewählt. Weiterhin ist Hannah Piotter aus dem Vorstand ausgeschieden, für diese vakante Position konnte jedoch keine Kandidatin gefunden werden, so dass diese Position unbesetzt bleibt.

2.5.2 Konferenz der Landesjugendringe
Konferenz der Landesjugendringe Saarland, 19.– 21. März 2006
Die Konferenz begann am Sonntag mit einem Festakt zum 50. Jubiläum des Landesjugendring Saar. Im Rahmen der Festveranstaltung gab es Redebeiträge des Vorsitzenden, der Jugendministerin, vom Geschäftsführer des Landesjugendring Schleswig-Holstein, eine kurze Talkrunde mit ehemaligen Vorstandsmitgliedern und eine Filmpräsentation. Am Montag begann die Konferenz mit einer Diskussion zum Thema Wahlalter. In die Diskussion führte Dr. Kurt-Peter Merk (Jurist & Privatdozent für Politikwissenschaft) ein. In diesem Beitrag schilderte Herr Merk, dass im Grundgesetz zwei verschiedenen Volksdefinitionen existieren, die sich am Punkt Wahlrecht widersprechen. Denn im Artikel 20 GG ist geregelt, dass das Volk alle BürgerInnen Deutschlands umfasst. Im Artikel 38 GG ist das Wahlvolk definiert, das alle Bürger/-innen ab 18 Jahren umfasst. Daraus lässt sich ein Verstoß gegen die UN-Kinderrechte ableiten, da hier Kinder und Jugendliche diskriminiert werden. Damit liegt in diesem Sinne auch ein Verstoß gegen das Grundgesetz vor, da man das Wahlrecht als Grundrecht ansehen kann und es somit ein Teil der im Grundgesetz geregelten Menschenwürde ist. Im Anschluss stellte Martina Kobriger Argumente für das Wahlalter ab 14 vor, die sich im allgemeinen an dem Alter für Strafmündigkeit und Religionsmündigkeit entlang hangelten. Zum Ende stellte Florian Dallmann Argumente für das Wahlalter ab 16 vor, und dann ging es in eine Diskussion. Das Ergebnis dieser war, dass alle Jugendringe gebeten wurden, sich mit der Wahlalterthematik bis zur Herbstkonferenz zu beschäftigen und nach Möglichkeit zu einer Meinung kommen sollten. Im Anschluss wurde über die Jugendhilfestatistik des DJI diskutiert. In diesen TOP führte ein Mitarbeiter des DJI ein. Die Daten wurden vorgestellt und besprochen und sollen bis 7.4.06 unter länderspezifischen Gesichtspunkten ausgewertet werden und die hierbei gewonnenen Erkenntnisse bzw. Fehler oder Erklärungsansätze für mögliche Verzerrungen an das DJI gemeldet werden. Weiterhin wurde darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit besteht,

Sonstige Gremien
Offener AK Jugendinformation und comp@ss-Plenum Niels Petring, LJR-Geschäftsstelle Beirat Ehrenamt Oliver Gellert, LJR-Vorstand (Schreberjugend) Candida Splett (Stellvertr.), LJR-Geschäftsstelle Kommission für den Berliner FreiwilligenPass Candida Splett, LJR-Geschäftsstelle Steuerungsgruppe respectAbel Peter Ogrzall, JBS Kaubstr. (BDP)

2.5.1 DBJR
DBJR-Vollversammlung Die Vollversammlung tagte im Berichtsjahr in Berlin. Inhaltlich wurden Beschlüsse zum Wahlalter, zum geplanten

Jahresbericht 2006 | 17

2. Mitbestimmung im LJR
halbjährlich Daten zugesandt zu bekommen. Hierfür muss man sich unter der Adresse: komdat@fb12.uni-dortmund. de anmelden. Am Dienstag stellte Gunda Voigts in groben Zügen das geplante JuleiCa-Projekt des DBJR vor. Hierbei soll es um die Schaffung eines einheitlichen Online- Antragsverfahrens gehen, wozu eine Datenbank geschaffen werden muss. Zusätzlich soll es zu einer Layout-Veränderung kommen und es soll eine Kampagne gestartet werden, die in die Politik und die Gesellschaft hineinwirken soll. Für dieses Projekt wird eine Eigenbeteiligung von den Mitgliedsorganisationen des DBJR eingefordert. Für die zweijährige Laufzeit müssen 55.000 € Eigenmittel als Co-Finanzierung zum Stiftung Jugendmarkeantrag erbracht werden. Die Jugendringe haben eine Unterstützung zugesagt, wobei über genaue Summen noch nicht gesprochen wurde. Zusätzlich wurde hier auch über juleica.net gesprochen, wo es in diesem Jahr wieder zu einer Finanzierungslücke kommt. Alle Jugendringe sind aufgefordert, sich am Erhalt der Seite zu beteiligen. Weiterhin berichtete Florian Dallmann zum Stand der Förderalismuskommission. Es wird eine Veränderung des Artikels 84 GG angestrebt. Dieser Satz 1 erlaubt den Ländern, von bestehendem Recht der Bundesebene abzuweichen. Hiermit böte sich für die Länder die Möglichkeit, Veränderungen in der Behördenausstattung (zweigleisiges Jugendamt) und in den Verfahrensbestimmungen (Abschaffung der JHAs) vorzunehmen. Diese GGÄnderung wird sich wohl nicht mehr stoppen lassen bzw. ist eine Ausnahme für das KJHG nicht in Sicht. Die einzige Chance, die auf Bundesebene noch bleibt, ist der Kampf für eine dreijährige Übergangszeit, die im Artikel 125 GG festgeschrieben werden könnte. Für die Landesebene bedeutet dies, dass wir uns neben unserem Engagement gegen die Grundgesetzänderung in der jetzigen Form auf einen Kampf zum Erhalt der JHAs einstellen sollten. Als weitere Informationen aus dem DBJR wurde auf die Kampagne „all equal – all different“, die beim DNK angesiedelt sein wird, hingewiesen. Das Bundespräsidentenprojekt wird unter Beteiligung einer Gruppe aus jedem Bundesland stattfinden. Im Rahmen einer dreistündigen Audienz werden Jugendliche Fragen des Bundespräsidenten zum Thema Jugend und Bildung beantworten. Diese Antworten sollen dann in eine Rede des Bundespräsidenten einfließen. Weiterhin wurde darauf hingewiesen, dass in den nächsten Wochen Evaluationsfragebögen zum Projekt P durch das Bundesministerium verschickt werden sollen. Einer wird sich an die hauptamtlichen Mitarbeiter/ -innen richten und der andere an die Jugendlichen Projektteilnehmer/-innen. Abschließend wurde berichtet, dass ein neues Beteiligungsprojekt in Planung ist. Dieses Projekt soll aus drei Säulen bestehen, Europa, Migration und eine, die „Come in Contract“ ähnelt. Die Berichte aus den Landesjugendringen mussten aus Zeitmangel entfallen, unter diesem TOP wurde ausschließlich ein Antrag des LJR BaWü zur Sponsorenkritik am DFB behandelt, der im DBJR-HA eingebracht wurde. Hierbei wird der DFB aufgefordert, die Sponsoren zu wechseln, da er zurzeit nur für ungesunde und nicht kindgerechte Ernährungsprodukte wie z.B. Bier, Süßgetränke, Fastfood etc. wirbt. Dieser Antrag wurde positiv bewertet und die Antragsstellung im DBJR wurde befürwortet. Die LJR-Vertreter im DBJR-HA wurden gebeten, diesen Antrag während des DBJR-HA beschließen zu lassen und zu vertreten. Zum Abschluss der Konferenz wurde das Thema Jugendarbeitslosigkeit und Ausbildungssituation bearbeitet. Hierzu führte ein Mitarbeiter des DGB anhand einer Präsentation ein. Diese Präsentation soll den Jugendringen via EMailversand zugänglich gemacht werden. Die Diskussion brachte als Ergebnis hervor, dass alle Jugendringe gebeten sind, ein weiteres Mal zu prüfen, ob sie die Möglichkeit haben selbst auszubilden, damit sie mit gutem Beispiel voran gehen und sich ihre Glaubwürdigkeit bei Forderungen nach Ausbildungsstellen erhalten.

Konferenz der Landesjugendringe Esslingen, 18.-19. September 2006
TOP 4 Aktuelle Berichte aus dem DBJR Gemeinnützigkeits- und Spendenrecht Trotz der umfassenden Überlegungen vor allem im Finanzministerium ist kurzfristig nur mit Veränderungen im Detail zu rechnen. So werden vermutlich einheitliche Kriterien für gemeinnützige, mildtätige u.ä. Zwecke eingeführt werden. Eine grundsätzliche Änderung in diesem Bereich ist mittelfristig aber nicht auszuschließen. Geschäftsführer DBJR Der HA hat sich für Daniel Grein als 75%-Elternzeitvertretung für Gunda Voigts entschieden. Gunda Voigts wird selbst mit 25% Prozent angestellt bleiben. Eine klare Aufgabenteilung soll durch den Vorstand vorgenommen werden. Daniel Grein ist bisher als Grundsatzreferent für Jugendpolitik und Bildung beim Bund der Deutschen Landjugend (BDL) angestellt. Sein ehrenamtlicher Verbandshintergrund ist die Katholische Junge Gemeinde (KJG). Er ist 27 Jahre alt, kommt aus Kempten und lebt seit 2004 in Berlin. Nachfolge „Projekt P“ Im Jahr 2007 wird eine Nachfolge von „Projekt P“ starten, mit einer Laufzeit bis 2009. Folgende Elemente dürften für Jugendverbände besonders relevant sein: Fortsetzung von „Come in Contract“ und ein Paket von 30 dezentralen Veranstaltungen zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft im 1. Halbjahr 2007. Dabei werden lokale und regionale Veranstaltungen mit mindestens einem Referenten aus dem europäischen Ausland (Partnerorganisation, Partnerstadt o.ä.) und zu den Themenschwerpunkten der EU-Ratsprä-

18 | Jahresbericht 2006

sidentschaft (Social Inclusion, Europäischer Pakt für die Jugend) mit bis zu 2000.- € gefördert. Eine Handreichung zur Unterstützung bei der Vorbereitung befindet sich in der Planung. Für alle Interessierten gilt: Bitte diesen Projektteil in die Planungen für das 1.Halbjahr 2007 einbeziehen. Hanna Piotter hat ihr DBJR-Vorstandsmandat niedergelegt und hat sich auf die Projektleitungsstelle des Beteiligungsprojektes beworben. Sie wird vermutlich noch im Laufe dieses Jahres ihre Stelle im DBJR-Büro antreten. TOP 6 JuleiCa-Kampagne Die AGOLJB wird am 29.9. über die finanzielle Beteiligung der Länder an der Qualifizierung der JuleiCa entscheiden. Das Ergebnis der Entscheidung ist noch nicht vorauszusehen. Wenn die AGOLJB zustimmt, wird es einen Antrag des DBJR an die Stiftung Jugendmarke geben. Falls die AGOLJB nicht zustimmt, muss das ganze Konzept überarbeitet werden. TOP 5 Berichte aus den LJRen Bayern Bayern möchte eine Vernetzung der LJR, die sich mit der Frage der Integration von Migrant/innen in Jugendverbände beschäftigen, erreichen. Eine Einladung an LJR zu einem Treffen ist in Vorbereitung. Brandenburg Der LJR Brandenburg legt eine Vorlage für eine gemeinsame PM zum neuen Bundesprogramm für Toleranz und Demokratie vor. Die zeitliche Verzögerung des Programmbeginns wird darin gerügt. Die PM wird beschlossen. TOP 8 Jugend und Arbeit Eine Beschlussvorlage zur Ausbildungsplatzsituation der LJRe Saarland und Rheinland-Pfalz wird beschlossen, in der zusätzliche außerbetriebliche Ausbildungsplätze gefordert werden. TOP 9 Studiengebühren Eine Beschlussvorlage des LJR Baden-Würtemberg gegen Studiengebühren wird beschlossen. TOP 12 Termine 2007: 26./27.02. Hamburg 24./25.09. Sachsen-Anhalt 2008: 03.-04.03. Berlin 29.-30.09. Nordrhein-Westfalen

2.5.3 Landesjugendhilfeausschuss
Wer? Burkhard Rooß (BDKJ), Stellvertretung Peter Knoop (Evangelische Jugend) Peter Ogrzall, BDP, Stellvertretung Daniel Wucherpfennig (DGB-Jugend) Norbert Kapinos (djo-Regenbogen), Stellvertretung Sandra Bautzer (Schreberjugend) Wann? Der LJHA tagt in der Regel monatlich. Was? Der LJHA befasst sich mit den Aufgaben der Jugendhilfe. Er hat Beschlussrecht in Angelegenheiten der Jugendhilfe nach §85 Abs. 2 SGB VIII mit Ausnahme der laufenden Geschäfte, im Rahmen der vom Abgeordnetenhaus bereitgestellten Mittel und der von ihm gefassten Beschlüsse. Die Schwerpunktthemen im Jahr 2006 waren: Förderung der Jugendverbände, Veränderungen in der Jugendberufshilfe, Kooperation mit JobCenter, Gender Budgeting in der Jugendhilfe, Gesetz zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe, Qualitätsentwicklung in der Jugendhilfe, Sozialraumorientierung der Berliner Jugendhilfe, Entwicklung der Kindertagesbetreuung. Wohin? Anfang des Jahres 2007 wird der neue Landesjugendhilfeausschuss zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommen und die Schwerpunkte seiner Arbeit festlegen.

Unterausschuss Etatfragen
Wer? Der Unterausschuss ist ein vom Landesjugendhilfeausschuss (LJHA) eingerichtetes Gremium, dem Fachkräfte aus den verschiedenen Arbeitsbereichen angehören. Der LJR wird durch die Vertreter im LJHA vertreten. Wann? Der UA Etatfragen tagte im Jahr 2006 insgesamt fünf Mal. Was? Der UA befasst sich mit den Finanzierungsfragen der Jugendhilfe und erstellt Beschlussempfehlungen für den LJHA. Die Schwerpunktthemen im Jahre 2006 waren: Neues Finanzierungsmodell für die Jugendverbände Gender Budgeting Umsetzung des Doppelhaushaltes 2006/2007

Jahresbericht 2006 | 19

2. Mitbestimmung im LJR
Wohin? Der Unterausschuss wird sich auch im Jahr 2007 schwerpunktmäßig mit der zukünftigen Förderung der Jugendhilfe in Berlin und der haushaltsmäßigen Umsetzung beschäftigen. Wann? Die UA´s tagen in der Regel monatlich in Vorbereitung auf das Plenum des LJHA. Was? Als Vertreter des LJR halte ich es für wichtig, dass die Jugend(verbands)arbeit zu den Bereichen inhaltliche Kenntnisse und Zugänge hat, zu denen sie inhaltliche Berührungspunkte aufweist und möglicherweise Schnittmengen hat. Nachfolgend einige Themenschwerpunkte aus den UA´s: weitere Entwicklung der ISBJ („Integrierte Software Berliner Jugendhilfe”); hier vor allem: Kita-Finanzierung als mögliches Erprobungsfeld für weitere Anwendungen der ISBJ, mögliche Auswirkungen für die künftige Förderung von Jugendfreizeitstätten, Fortgang des Projektes zur Einführung der Sozialräumlichen Orientierung (SRO) in die Berliner Jugendhilfe; hier: mögliche Konsequenzen für die „überbezirkliche” Jugend(verbands)arbeit und die Arbeit von Jugendfreizeitstätten, Entwicklung von „Ausführungsvorschriften über eine am sozialen Raum orientierte Organisation der Berliner Jugendämter (AV-OrgJugendämter)”, Sachstandsfeststellung zur „Verankerung geschlechtsbewusster Ansätze der pädagogischen Arbeit mit Mädchen und Jungen in der Jugendhilfe / Gender Mainstreaming”; Konsequenzen aus den Berliner Leitlinien v. 2004, Gründungsprozesse der Kita-Eigenbetriebe der Bezirke; Abschluss des Übertragungsprozesses von Kitas auf Freie Träger; Erarbeitung eines Konzeptes „Netzwerk Kinderschutz” in Konsequenz der in letzter Zeit gehäuft bekannt gewordenen Fälle von Kindesvernachlässigung bzw. –misshandlung; hier besonders: Indikatoren für die Feststellung möglicher Kindeswohlgefährdungen, Umsetzung der Festlegungen aus der Novelle des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (genannt: KICK) in Bezug auf den Kinderschutz (§§8a und 72a); hier: das Für und Wider von „Führungszeugnissen” und deren Einforderung als Voraussetzung für ehrenamtliche Kinder- und Jugendarbeit, modellhafte Vorstellung einer „Kooperationsvereinbarung zwischen JobCenter, Agentur für Arbeit Berlin, Jugendamt/Bezirksamt, Wirtschaftsförderung und Schulaufsicht” zur gezielten Förderung von Jugendlichen unter 25 Jahren für den Einstieg ins Berufsleben (Fördersystem U25); und vieles mehr. Wohin – aus Jugendverbandssicht? Für die Verbände wird die weitere Entwicklung der sozialräumlichen Steuerung, Planung und - möglicherweise - Budgetierung wichtig werden. Jugendverbandsarbeit

Unterausschuss Jugendarbeit, außerschulische Jugendbildung und Jugendsozialarbeit
Wer? Der Unterausschuss ist ein vom LJHA eingerichtetes Gremium, dem Fachkräfte aus den verschiedenen Arbeitsbereichen angehören. Der LJR ist mit fünf Personen vertreten und stellt mit Peter Ogrzall den Vorsitzenden. Wann? Der Unterausschuss tagt in der Regel monatlich. Was? Der Unterausschuss hat die Aufgabe, vom LJHA an ihn überwiesene Themen fachlich zu diskutieren und entsprechende Beschlussempfehlungen für den LJHA zu erarbeiten. Die Schwerpunktthemen im Jahr 2006 waren: Neues Fördermodell für die Jugendverbände, Gender mainstreaming und gender budgeting in der Jugendhilfe, Qualitätsentwicklung in der Jugendarbeit, Jugendarbeit und Schule, Kooperation Jugendarbeit und Arbeitsagentur/ JobCenter, Jugendfreizeitstättenbericht, Gesetz zur Weiterentwicklung der Kinderund Jugendhilfe, Jugendmigrationsdienste. Wohin? Der Unterausschuss wird sich im Jahr 2007 u.a. mit Fragen der Jugendberufshilfe und der Qualitätssicherung und –entwicklung beschäftigen.

Unterausschüsse Gesamtjugendhilfeplanung und Neue Steuerungsmodelle, Tagesbetreuung, Erzieherische Hilfen und Familienpolitik
Wer ? Die Unterausschüsse setzen sich zumeist aus Einzelfachleuten, Vertretern der Fachverbände (vor allem aus der Liga der Wohlfahrtsverbände) und vereinzelt aus Fachpolitikern des Abgeordnetenhauses zusammen. Alle UA´s beklagen, wie in den Jahren zuvor, dass zu wenige Fraktions- und Parteipolitiker an den Sitzungen teilnehmen.

20 | Jahresbericht 2006

muss als wesentlicher Bestandteil der Jugendhilfe in ihrer selbstbestimmten Besonderheit erhalten bleiben. Kinder- und Jugendschutz muss und wird auch in den Verbänden des Berliner LJR groß geschrieben werden, deshalb werden die JugendleiterCard-Ausbildungen in dieser Hinsicht weiter qualifiziert. Was jedoch nicht passieren soll, ist, dass jede freiwillig und ehrenamtlich ausgeführte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unter den Generalverdacht der Kindeswohl-Gefährdung gestellt wird, welcher nur über die Vorlage eines aktuellen Führungszeugnisses ausräumbar wäre. Hier die richtigen Wege zu finden, daran arbeiten wir z.Zt. noch in verschiedenen Unterausschüssen.

in Zeiten der Sozialraumorientierung der Berliner Jugendhilfe angeschoben. Unterstützungssysteme für junge Menschen an der Schwelle in das Erwerbsleben sind mit den in der Sozialraumorientierung vorgesehenen Methoden (so wie Berlin Sozialraumorientierung versteht) nicht von vornherein kompatibel. Hier wird in den nächsten Monaten das Gespräch fortzuführen sein.

2.5.5 Sonstige Außenvertretungen
„aktiv in Berlin – Landesnetzwerk Bürgerengagement“ (aib)

2.5.4 Landesarbeitsgemeinschaften nach § 78 KJHG
Jugendberufshilfe
Wer? Die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendberufshilfe (LAG) wurde im Oktober 2005 für einen Zeitraum von 2 Jahren vom Landesjugendhilfeausschuss (LJHA) eingesetzt. Seitdem arbeiten in der LAG 21 Mitglieder zusammen: 9 Vertreter Freier Träger in Berlin, 8 Vertreter der Senatsverwaltung für Jugend und der Bezirke, die anderen Vertreter kommen aus der Arbeitsagentur sowie von mehreren Jobcentern Berlins. Wann? Die LAG hat sich im Jahr 2006 fünfmal im Plenum getroffen, zwischen den Sitzungen tagten Arbeitsgruppen zu einzelnen Themen. Was? Die Arbeitsfelder der LAG sind: Zusammenarbeit der Arbeitsagenturen/Jobcenter mit den bezirklichen Jugendämtern / Träger der Jugendberufshilfe, Informationsaustausch insbesondere zu bezirklichen Zusammenarbeitsmodellen Jugendberufshilfe/ Arbeitsagentur/Jobcenter, Zusammenarbeit Schule und Jugendberufshilfe. Als ein wesentliches Arbeitsergebnis der LAG ist eine gemeinsame Empfehlung der LAG an alle Bezirke hervor zu heben. Es wird empfohlen, bezüglich des „Fördersystems U 25“ in den Bezirken zu kooperieren, damit die Unterstützungsleistungen tatsächlich bei den jungen Menschen „ankommen“. Hierfür wurde eine Muster-Kooperationsvereinbarung erstellt, die für Jobcenter, Jugendamt, Wirtschaftsförderung, Schulamt und Arbeitsagentur in den Bezirken Arbeitsgrundlage sein kann. Außerdem hat die LAG die Diskussion um die Verortung des Arbeitsfeldes der Jugendsozialarbeit/Jugendberufshilfe

Im „aktiv in Berlin – Landesnetzwerk Bürgerengagement“ kommt die Arbeit nur langsam in Schwung, da es sich im ersten Jahr nach der Gründung noch in der Strukturentwicklung, Leitbildfindung und auf der Suche nach der richtigen Position in der Gesellschaft befindet. Derzeit wird nach einer Finanzierungsmöglichkeit für eine Geschäftsstelle inkl. Personal gesucht, wobei auch hier der Versuch über ESF-Mittel gestartet wird. Zusätzlich versucht aib zum Sprachrohr aller Ehrenamtlicher in Berlin zu werden, ohne dabei Einzelinteressen von Mitgliedsverbänden zu vertreten. Im Moment bleibt nur zu sagen, dass der Weg das Ziel ist und der Weg holprig werden könnte, da in 2007 Wahlen zum Sprecherrat anstehen und sich jetzt schon Veränderungen innerhalb des Sprecherrates abzeichnen, die sich allerdings noch nicht inhaltlich beurteilen lassen. Nur eins lässt sich feststellen: wenn der Landesjugendring nicht in diesem Gremium vertreten bleibt, dann werden uns wieder Informationen aus den anderen Arbeitsfeldern des bürgerschaftlichen Engagements verloren gehen und wir werden wieder in die Situation kommen, dass die Interessen des Ehrenamtes in der von uns ausgeübten Form nicht vertreten werden.

Jahresbericht 2006 | 21

2. Mitbestimmung im LJR
Initiativkreis der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Sachsenhausen
Im Oktober 2006 konnte die Internationale Jugendbegegnungsstätte – Jugendherberge Sachsenhausen „Haus Szczypiorski“ eröffnet werden. Die frühere Dienstvilla des „Inspekteurs der Konzentrationslager“ ist jetzt nach dem polnischen Schriftsteller und ehemaligen SachsenhausenHäftling Andrzej Szczypiorski (1928-2000) benannt. Der Initiativkreis hat sich nunmehr die Aufgabe gestellt, durch Projekte mit Jugendlichen aus der Region (Landkreis Oberhavel, Berlin-Reinickendorf) Akzeptanz für Begegnungsstätten zu schaffen. Zielgruppen unserer Arbeit in den kommenden Jahren werden einerseits Jugendliche in der Berufsvorqualifikation, andererseits zivilgesellschaftlich engagierte Jugendliche aus Schule und Jugendarbeit sein. Insbesondere wollen wir versuchen, gedenkstättenpädagogische Angebote für Jugendliche mit Migrationshintergrund zu entwickeln. Aktuell ist es gelungen, einige Menschen neu für die Mitarbeit im Initiativkreis zu gewinnen. Für unsere neue Aufgabenstellung brauchen wir jedoch deutlich mehr aktive Mitglieder aus der Region. Auch die Finanzierung unserer Vorhaben ist noch offen; entsprechende Förderanträge werden gerade erarbeitet. wichtige Personalentscheidungen im Bereich der Leitung der Hochschule, aber auch Richtungsentscheidungen bezüglich der Bildung von Fachbereichen, Zweckbestimmung von Professorenstellen und anderes. Die Mitwirkungsrechte des LJR sind darin begründet, dass wir dazu beitragen können, die Fachhochschule als Ort der Qualifizierung für die Kinder- und Jugendarbeit und der außerschulischen Jugendbildung zu erhalten und weiter zu entwickeln. Leider allerdings – ein Blick ins Vorlesungsverzeichnis belegt dies – ist die Fachhochschule mit ihrer Ausbildung fast nur noch auf intervenierende und resozialisierende Wirkungen der Sozialarbeit ausgerichtet. Jugendarbeit kommt vor allem als „Jugendhilfe“ für junge Menschen mit (vorhandenen oder zu erwartenden) Defiziten vor. Wann? Das Gremium hat seit 1999 auf Wunsch der Hochschulleitung - gegen unsere Stimme - fünf Jahre lang im Sinne der Erprobung effizienterer Verwaltungsprozesse nicht in der o.g. gesetzlich vorgesehenen Besetzung getagt: Jugendverbände, Abgeordnete oder Gewerkschaftsvertreter/innen waren seit dem ohne Stimmrecht. Im Zuge einer turnusmäßig vorgeschriebenen Überprüfung dieser fünfjährigen Erprobung wurde durch neuerlichen Beschluss des Kuratoriums im November 2004 – besonders auch durch unsere intensive Bemühung – die ursprüngliche Besetzung wieder hergestellt. Wohin? Darüber haben wir uns aber zu früh gefreut: Dieser Beschluss hatte bisher keine Wiederherstellung unserer Mitwirkungsrechte zur Folge, da die Senatsverwaltung in Abstimmung mit der Hochschulleitung ein im Dezember 2004, also später erst in Kraft getretenes Gesetz über die Möglichkeit des Fortbestehens von Erprobungsregeln dahingehend interpretiert hat, dass der gefasste Beschluss des Kuratoriums hinfällig sei. Dieser offensichtliche Bruch mit demokratischen Prinzipien wäre meines Erachtens nicht zu dulden und ordnet sich den Machtinteressen einer Minderheit um die Hochschulleitung unter. Die verärgerten Kuratoriumsmitglieder müssten sich über die ihnen zur Verfügung stehenden Kräfte einsetzen, um die Partizipationsrechte wieder durchzusetzen. Erst 2009 ist mit einer neuerlichen Überprüfung zu rechnen.

Bildungsverbund der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Sachsenhausen e.V.
siehe 1.6 Historisch-politische Bildung

Kuratorium der Alice-SalomonFachhochschule für Sozialwesen
Wer? Das Kuratorium der ASFH setzt sich zusammen aus 4 Senator/-innen (vertreten durch deren Staatssekretäre), Mitgliedern der Hochschule, darunter neben Professor/ -innen auch alle anderen Gruppen von Mitarbeiter/-innen sowie studentische Vertreter/-innen. Darüber hinaus sind Vertreter/-innen der Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses sowie wichtiger gesellschaftlicher Organisationen dabei, da diesen durch das Hochschulgesetz ein legitimes Interesse an der fachlichen und hochschulpolitischen Entwicklung im Bereich des Sozialwesens zugestanden wird – so auch Vertreter/-innen der Jugendarbeit über den LJR. Insgesamt bildet sich das Kuratorium aus 22 Personen mit Stimmrecht. Was? Das Gremium arbeitet auf der Grundlage des Berliner Hochschulgesetzes und nimmt steuernde Mitwirkungsrechte wahr; hierzu zählen z.B. Haushaltsentscheidungen,

Landesausschuss für Jugendarbeitsschutz bei der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen
Wer? Arbeitgeber (Vertreter von Unternehmensverbänden, IHK, Handwerksverbänden, Ausbildungsleiter) – 6 Personen Arbeitnehmer (DGB-Jugend, IG-Metall, IG Bau, Ge-

22 | Jahresbericht 2006

werkschaft NGG, Verdi – vorwiegend Hauptamtliche ) – 6 Personen 1 Vertreter des Landesjugendring 1 Vertreter des Landesarbeitsamtes 1 Vertreter des Landesjugendamtes 1 Vertreter der für das Gesundheitswesen zuständigen obersten Landesbehörde (zur Zeit vakant) 1 Vertreter der für die berufsbildenden Schulen zuständigen obersten Landesbehörden 1 Ärztin/Betriebsärztin Wann? Die Sitzung findet – nach Änderung der Geschäftsordnung – nur noch nach Bedarf statt („wenn die Aufgaben des Landesausschusses es verlangen“). Die letzte Sitzung fand auf Wunsch der DGB-Jugend und des LJR im September 2004 statt. Was? Steigende Zahl der Anträge zur Bewilligung von Kinderarbeit, insbesondere für Film- und Fernsehproduktionen. Wegen Personalmangels konnten die Anträge kaum intensiv geprüft werden und wurden deshalb alle genehmigt. Eine hohe Dunkelziffer nicht beantragter Kinder- und Jugendarbeit wird vermutet. Vermehrte Prüfung der Beschäftigung von Auszubildenden in Gaststätten, da dort seit Jahren zahlreiche Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz erfolgen. Die Ordnungswidrigkeiten und Beschwerden häufen sich (u.a. Kinderarbeit ohne Erlaubnis beim Film; keine Berufsschulfreistellung, 23 Stunden ununterbrochene Arbeit und keine Pausen im Hotel- und Gaststättengewerbe), nur in den seltensten Fällen hat dies für die Betriebe Konsequenzen! Wohin? Stärkere Kontrolle der Auflagen bei Genehmigung der Kinder- und Jugendarbeit geplant Zusammenlegung des Landesausschusses für Jugendarbeitsschutz mit dem Beratenden Fachausschuss für Arbeitsschutz wird geprüft. Fachtagung „Kinderarbeit in der Medienbranche” und Aufklärungskampagne geplant Im September 2007 soll Daniel Wucherpfennig (DGBJugend) den Ausschussvorsitz übernehmen ⇒ Der Landesjugendring soll darauf achten bzw. sich stark machen, dass im Zuge der Sparmaßnahmen des Berliner Senats genügend finanzielle Mittel für die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen zur Verfügung stehen, um mit ausreichend Personal die gesetzlichen (Prüfungs-)Aufgaben erledigen zu können. die Anträge des Hotel- und Gaststättenverbandes

auf Änderung des Jugendarbeitsschutzgesetzes (Beschäftigung von Azubis nach 23 Uhr, vor Berufsschultagen bis 21 Uhr) abgewehrt werden und internationale Normen zur Kinder- und Jugendarbeit auch in die deutsche Gesetzgebung überführt werden das Ergänzungsbegehren zum § 52 JarbSchG im Bundestag unterstützt wird (Lohnsteuerkosten für Kinder sollen mit Arbeitgeberanschriften versehen werden, um bessere Überwachung zu ermöglichen). baldmöglichst eine erneute Sitzung (gemeinsam mit der Arbeitnehmerbank) angeregt wird, um die Arbeit des Landesauschusses weiter zu forcieren!

Musikschulbeirat
Der Musikschulbeirat (MBR) bei der Senatsverwaltung für Bildung Jugend und Sport berät den zuständigen Senator in allen grundsätzlichen Belangen zum Betrieb der Berliner Musikschulen. Folgende Themen waren im Berichtszeitraum von besonderer Bedeutung und Beratungsgegenstand im MBR: 1. 2. Personalausstattung, Kooperation von Musikschulen mit allgemeinbildenden Schulen.

Zu1. Im Zusammenhang mit einer negativen Personalentwicklung insbesondere durch Abbau oder die nicht erfolgte Wiederbesetzung von Funktionsstellen äußert der Musikschulbeirat große Bedenken in Bezug auf die Einhaltung von Qualitätsstandards im Musikschulunterricht. Der Musikschulbeirat bittet deshalb die LAG der Berliner Musikschulleiter, einen Konzeptentwurf für die Personalausstattung und Organisationsstrukturen von Musikschulen zu erarbeiten. Die Beratung und Bewertung dieser Ergebnisse wird in der nächsten Legislaturperiode vorgenommen. Zu 2. Die Zusammenarbeit zwischen freien Trägern der Jugendhilfe und Schulen wurde durch Rahmenvereinbarungen zwischen Senat und einzelnen Berliner Dachorganisationen (u.a. auch Landesjugendring Berlin) beschlossen. Für die Zusammenarbeit zwischen Musikschulen und allgemeinbildenden Schulen wurde vom Senat eine Rahmenregelung für das Schuljahr 2005/2006 in Kraft gesetzt. Eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung des Musikschulbeirates erstellte hierzu einen Evaluationsbericht mit folgenden Ergebnissen: Eine Befragung zeigt, dass Schulen eine sinnvolle pädagogische Ergänzung der Unterrichts- und Freizeitangebote wünschen und perspektivisch in das Ganztagsangebot einbauen wollen. Eine Evaluation bereits durchgeführter Zusammenarbeit zeigt aber deutlich, dass Probleme hinsichtlich der Erzielung von Entgelteinnahmen ins-

Jahresbericht 2006 | 23

2. Mitbestimmung im LJR
besondere in sozialen Brennpunkten (Finanzierung), der Sachmittelausstattung (fehlende Instrumente), des eigeschränkten Raumangebots an Schulen und in erhöhtem hohen zusätzlichen Verwaltungsaufwand bestehen. In einer Resolution fordert der Musikschulbeirat das Land Berlin und den Senat auf, die für die Kooperation notwendigen finanziellen und personellen Voraussetzungen zu schaffen. Die Verordnung für die Zusammenarbeit wird vom Senat auf das Schuljahr 2006/2007 ausgedehnt. Hörspielen und Interviews beschäftigte man sich mit dem Leben ohne bzw. mit weniger Erdöl. Relaunch bei radioBerlin 88.8 In einer repräsentativen Hörerbefragung wurde in Berlin und Brandenburg nach dem Neustart des Stadtradios geforscht – die Reaktion auf den Neustart war außerordentlich positiv. In Berlin-Information und musikalische Ansprache gab es sehr gute Reaktionen, eine Ost-WestKluft sei nicht feststellbar. Antenne Brandenburg, Radioeins und Inforadio Antenne Brandenburg, Radioeins und Inforadio sind nach wie vor überdurchschnittlich gut akzeptierte Radioprogramme in der Region. Radiomultikulti Radiomultikulti bleibt die interkulturelle Servicewelle in Berlin und Brandenburg, jedoch muss über den Programmaufwand für die Radiowelle neu nachgedacht werden. rbb-Fernsehen Das rbb-Fernsehen konnte als einziges drittes Fernsehprogramm Zuschauer/-innen gewinnen. Im bundesdeutschen Vergleich liegt es (mit Schwankungen) auf Platz 5, vor den Angeboten des Hessischen Rundfunks und des Südwestrundfunks. Die Akzeptanzunterschiede zwischen Berlin und Brandenburg sind nahezu aufgelöst (Berlin 6,4 %, Brandenburg 6,3 % Marktanteil). Die neuen Formate Die Jury hilft und das Kinomagazin Filmvorführer werden von ihrem programmlichen Angebot vom Rundfunkrat durchaus begrüßt. Der neue Talk Thadeusz hingegen stieß auch noch nach Monaten der Einführung auf große Kritik. Erst zum Jahreswechsel 2006 / 2007 konnten Sendungen beobachtet werden, die im Gesprächsinhalt interessant aufbereitet waren. Die Kritik an rbb-café in der Beobachtung ist noch im Rundfunkrat zu führen. Ebenso werden die neuen Formate „Gesichter Berlins“, „Monolux“, „popsplits“ (Fernsehen) und „Berliner Nacht-Taxe“ beobachtet werden. Gebühren und Hartz IV Ein besonderes Problem für rbb und mdr. Hier wohnen die meisten wegen ihrer schlechten Einkommenssituation gebührenbefreiten Menschen. Es kommt innerhalb der ARD Sendefamilie zu großen Finanzverschiebungen: Während SWR, BR und WDR deutliche Gebührenzuwächse erfahren, kämpfen mdr und rbb mit immer größeren Gebührenverlusten. Zudem bleibt Berlin mit Abstand die Hauptstadt der Schwarzseher/-innen. Die Intendantin fordert daher die Wiedereinführung einer Art Finanzausgleich zwischen den Anstalten, um so größere Einnahmegerechtigkeit herstellen zu können. ARD-Themenwoche Erstmals gab es vom 3. bis 9.4.2006 eine ARD Themenwoche. Alle Hörfunk- und Fernsehprogramme der ARD

Rundfunkrat des Senders rbb
Wer? Der rbb-Rundfunkrat setzt sich gem. §14 Abs. 1 des „Staatsvertrags über die Errichtung einer gemeinsamen Rundfunkanstalt der Länder Berlin und Brandenburg“ (rbb-StV) aus 30 Mitgliedern zusammen. Sie werden aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, z.B. den Kirchen, dem Sport, den Parteien und auch den Landesjugendringen Berlin und Brandenburg entsandt. Ihre Wahlperiode dauert vier Jahre. Am 02. Februar 2007 begann mit der Konstituierung eines neuen Rundfunkrates eine neue Wahlperiode. Die Hälfte der bisherigen Mitglieder hat gewechselt. Was? Schlagwortartig möchte ich zu den wichtigsten Entwicklungen in 2006 Stellung nehmen: Unternehmensziel 2006 - kulturradio Die Auswertung des Unternehmensziels in den Gremien steht zum Berichtszeitpunkt noch aus. Bisher sieht der Rundfunkrat das Gelingen des kulturradios aber kritisch. Moderatoren bleiben in Ansagerrollen stecken, es mangelt an freundlicher Ansprache, Wort- und nachfolgender Musikbeitrag sind zu häufig zusammenhanglos. Die Musikauswahl ist auch Klassikliebhabern zu eng. Ein Lichtblick: Die Zuschauerverjüngung griff ein wenig. Das bedeutet hier nicht Jugendwahn, sondern das Durchschnittsalter liegt jetzt bei 52 Jahren. Fritz Fritz leidet unter dem Problem „nachwachsender Rohstoffe“. Im Schnitt erreicht es täglich 317.000 Hörer/-innen, davon 127.000 in Berlin und 190.000 in Brandenburg. Von 2004 bis Mitte 2006 sank der Marktanteil allerdings knapp um 2 %. In demselben Zeitraum liegt der Hörerverlust insgesamt bei 75.000 Menschen. Damit wird die Stabilisierung der Fritz-Hörerschaft mit die wichtigste Aufgabe im Radio 2007 darstellen. In diesem Zusammenhang muss auch auf das Bereitstellen des Angebots mittels neuer Technologien besonderer Wert gelegt werden (Livestreaming, MP3, Podcasting). In Aktionswochen will Fritz gesellschaftliche Themen jugendgerecht aufbereiten. 2006 wurde der Anfang mit der Aktionswoche „Leben ohne Öl“ gemacht – in

24 | Jahresbericht 2006

und deren online-Angebote widmen sich einem Thema von besonderer gesellschaftlicher Relevanz. Dies war zur Premiere unter dem Slogan „Leben – was sonst?“ das Thema Krebs. 2007 werden Kinder im Mittelpunkt der Themenwoche stehen. Leitlinien Für die Jahre 2007 und 2008 sind für den rbb und auch für die ARD insgesamt jeweils neue Leitlinien und Programmschwerpunkte formuliert worden. Bildung bildet dabei einen wesentlichen Themenschwerpunkt. Fritz wird unter anderem wegen der Diskussion um schulisch Bildung eine regelmäßige Reihe zur deutschen Sprache konzipieren. Ferner entwickelt der Sender ein Format für das Lebensgebiet Partnerschaft / Liebe / Sexualität, welches zunächst einmal monatlich ausgestrahlt werden soll. Der „Ohrenbär“ soll noch stärker zum Markenzeichen des rbb-Programms ausgebildet werden.Ferner strebt der rbb in Zusammenarbeit mit externen Partner eine Veranstaltungsreihe zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses an. Das Kinderprogramm bleibt fester Bestandteil des Ersten. Das Erste und Ki.Ka sollen ihre Aufgabe verstärkt darin sehen, junge Menschen an das Fernsehen als Informationsmedium heranzuführen.

Stiftungsrat der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin (jfsb)
Wer? Im Stiftungsrat sitzen fünf vom Abgeordnetenhaus gewählte sachkundige Persönlichkeiten, Herr Penkert als Leiter der Abteilung Jugend und Familie, Landesjugendamt, Herr Nachmann für das Referat Familienpolitik in der Senatsverwaltung, Herr Brocke für den Landesjugendhilfeausschuss, Frau Schöttler für den Rat der Bürgermeister, Frau Janik für die Familienverbände und Burkhard Rooß für den Landesjugendring Berlin. Vorsitzender des Stiftungsrates ist Herr Prof. Gries. Wann? Der Stiftungsrat hat sich neben einer zweitägigen Klausur in 2006 dreimal getroffen. Was? Der Stiftungsrat beschließt den Haushalt der Stiftung und andere Grundsatzfragen, außerdem befindet er über ZweitWidersprüche von Antragstellenden, wenn im Vorstand der Stiftung ein erster Widerspruch nicht zur Förderbewilligung geführt hat. Zur strategischen Ausrichtung der Stiftung hat es in 2006 eine gemeinsame Klausur von Stiftungsvorstand und Stiftungsrat gegeben. Folgende Fragen standen im Mittelpunkt: Programmförderung als Konkurrenz oder als Ergänzung zur allgemeinen Projektförderung? jfsb-Förderung als Verstärkung oder als Ergänzung von Programmen? Grundsatzentscheidung zu Sonderprogrammen. Während es prominente Stimmen in der Stiftung gibt, die die Tendenz, themenbezogene Sonderprogramme aufzulegen, gerne noch ausweiten würden, setze ich mich als LJR-Vertreter bisher für die stabile Absicherung der allgemeinen Jugendarbeitsförderung ein, die durch einzelne gezielte Sonderausschreibungen unterstützt wird (z. B. Schule & Co). Auf der Klausur selber wurden keine Beschlüsse zur Förderpraxis gefasst, Ergebnisse sollten in nachfolgenden Sitzungen vereinbart werden. Wegen Terminverschiebungen und unbefriedigenden Vorlagen ist dies allerdings (noch) nicht geschehen. Wohin? Da sich der Stiftungsrat parallel zur Neubildung des Abgeordnetenhauses neu konstituiert, ist es fraglich, ob eine Auswertung der Klausur noch stattfinden wird. Die gegenwärtige Finanzierung von Sonderprogrammen durch die Stiftung sowie niedrige Erlöse führen schon in 2007 zu einem relativ niedrigen Fördervolumen für die allgemeine Jugendarbeit. Im Landesjugendring sollten wir überlegen, ob durch den LJR weiterhin der allgemeine Förderbereich gestützt und/oder selber Initiativen für spezielle Sonderpro-

Steuerungsgruppe „Fördermodell Jugendverbände“
Wer? In der Steuerungsgruppe sitzen für den Landesjugendring Norbert Kapinos (DJO-Regenbogen), Burkhard Rooß (BDKJ) und Daniel Wucherpfennig (DGB-J), für den Landesjugendhilfeausschuss Peter Ogrzall und von der (alten) Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Beate Isringhausen, Dieter Wilde und Eberhard Landwehr. Wann? Die Steuerungsgruppe hat sich 2006 einmal getroffen. Was? Aufgabe der Steuerungsgruppe war es im letzten Jahr, Ergebnisse der Erprobungsphase festzustellen und Empfehlungen für eine endgültige Umsetzung zu geben. Auf Grundlage der im LJR-Hauptausschuss erarbeiteten Analyse und Vorschläge zur Weiterentwicklung konnte einvernehmlich ein Vorschlag für das langfristig wirkende Fördermodell entwickelt und dem LJHA vorgelegt werden. Wohin? Die Steuerungsgruppe wird künftig nur im Bedarfsfall zusammen kommen müssen. Unabhängig davon sind die drei LJR-Mitglieder in der regelmäßigen Umsetzung des Fördermodells innerhalb des Landesjugendring involviert.

Jahresbericht 2006 | 25

2. Mitbestimmung im LJR
gramme gestartet werden sollten. historischen Ort ermöglicht. Die Nähe zu Berlin mit seinen vielen zeitgeschichtlichen Gedenkstätten und Museen sowie weiteren Kultur- und Freizeitangeboten macht das besondere Profil dieser Jugendherberge aus. Das DJH kooperiert hier mit der Stiftung Brandenburgischer Gedenkstätten und dem Bildungsverbund, den Jugendverbände und Bildungsstätten hierfür gründeten, in inhaltlicher Hinsicht. In Zukunft wird die Errichtung einer neuen Herberge auf dem Gelände des FEZ Wuhlheide Priorität besitzen. Die Finanzierung der 2,7 Mio EUR erfolgt zu 45% über Mittel der Klassenlotterie. In inhaltlicher Kooperation mit der Landesmusikakademie werden dort 150 Plätze geschaffen, die zu einem Drittel speziell auf die Bedürfnisse von Rollstuhlnutzer/-innen ausgerichtet sind. Der Verband rechnet mit der Eröffnung 2009.

Verwaltungsrat Jugendaufbauwerk (JAW)
Mit den Änderungen des „Gesetz zur Neuausrichtung des Jugendaufbauwerkes Berlin“ vom 27.01.2005 ist bestimmt, dass die Anstalt des öffentlichen Rechts bis zum 31.12.2007 abgewickelt wird. Das dann noch vorhandene Personal wird vom Land Berlin übernommen. Die Einrichtungen werden an freie Träger abgegeben. Gleichzeitig wurde mit diesem „JAW Gesetz“ der Verwaltungsrat der Anstalt drastisch verkleinert. Damit ist der Verwaltungsrat u.a. seine „penetranten Nörgler“ wie den Paritäter und den Landesjugendring los, und der Landesjugendring ist seine Außenvertretung im Verwaltungsrat los. Im „neuen“ Verwaltungsrat ist nur noch: Herr Thomas Härtel, Vorsitzender (Staatssekretär der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport) Herr Klaus Feiler, Stellv. Vorsitzender (Abteilungsleiter bei der Senatsverwaltung für Finanzen) Frau Carola von Braun, Stellvertretende Vorsitzende, Abteilungsleiterin bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen Frau Angelika Schöttler, Bezirksstadträtin TempelhofSchöneberg Herr Joachim Stahr, Bezirksstadtrat TreptowKöpenick Herr Peter Hofmann, Gewerkschaft Ver.di

2.6 Sonstige Gremien
Offener AK Jugendinformation und comp@ss-Plenum
Wer? Das comp@ss-Plenum besteht weiterhin aus ca. 60-80 Einrichtungen, die im Rahmen ihrer Angebote den Erwerb des Kinder- und Jugend-Computer-Führerscheins „comp@ss“ anbieten. Dabei können auf Grund der Teilnahme an den Sitzungen in der Regel gut 20 Projekte als Kern dieses Prozesses bezeichnet werden. Anbieter und somit Teil dieses Prozesses sind Einrichtungen der freien und offenen Jugendarbeit, aber auch Kitas und Schulen. Inzwischen hat der Kreisjugendring München Stadt offiziell die Übernahme des Berliner Modells beschlossen und wird den comp@ss in gut zehn Einrichtungen in München anbieten. Wann? Das comp@ss-Plenum trifft sich ca. 6 Mal im Jahr; außerdem treffen sich Arbeitsgruppen zu bestimmten Themen bzw. zur Erledigung bestimmter Aufgaben. Hierzu zählt u.a. ein Fachtag, der einmal im Jahr durchgeführt wird. Was? Der comp@ss-Prozess befindet sich in Berlin in einer Phase der Verstetigung und Verfestigung. Dies bedeutet vor allem, dass für die Initiativen, die nun schon länger in diesem Prozess engagiert sind und dies auch weiter betreiben, die „Mühen der Ebene“ prägender für die Arbeit sind als der Enthusiasmus des Aufstiegs bzw. des Wachstums. Entsprechend ist der geplante „große“ Antrag an die Stiftung Jugendmarke für eine Ausweitung und Qualifizierung, den der Landesjugendring Berlin für das comp@ss-Plenum stellen wollte, schon vor der eigentlichen Antragstellung auf Eis gelegt worden.

Vorstand des Deutschen Jugendherbergswerkes (DJH) in Berlin und Brandenburg
Stabile Übernachtungszahlen und neue Jugendherberge Unsere Gäste aus dem In- und Ausland übernachteten 397.000 mal in den Jugendherbergen des Landesverbandes. Die Berliner Jugendherbergen stellen dabei weiterhin den größten Teil der Übernachtungen im Landesverband. Im Mai wurde die Jugendherberge Bremsdorfer Mühle feierlich wiedereröffnet. Die deutsch - polnische Jugendbegegnungsstätte im Schlaubetal wird 2007 der erste Umweltstudienplatz des Lvb werden. Die neuen Bettenhäuser bieten 136 Gästen in idyllischer Umgebung Übernachtungsmöglichkeiten mit modernstem Standard. Tagesräumen mit Tagungstechnik stehen insbesondere den Seminargruppen zur Verfügung. Nach der 2004 eröffneten Jugendherberge in Ravensbrück verfügt der Lvb mit der im Oktober 2006 eröffneten Internationalen Jugendbegegnungsstätte - Jugendherberge Sachsenhausen über ein weiteres Haus, das Internationale Jugendbegegnungen und längerfristiges Lernen am

26 | Jahresbericht 2006

Wohin? Comp@ss-Plenum und LJR verfolgen für 2007 eine Strategie, Teile aus dem großen Projektantrag als Einzelanträge bei anderen Geldgebern zu platzieren. Als erstes und wichtigstes Ziel wird die Herstellung eines Handbuchs angestrebt, das einerseits praktische Arbeitshilfe und andererseits (dadurch) Instrument der Qualitätsentwicklung und –sicherung sein soll.

Kommission für den Berliner FreiwilligenPass
Im Laufe des letzten Jahres ist aus dem Arbeitskreis FreiwilligenPass die Kommission FreiwilligenPass geworden. Diese wurde mit einer Handreichung an das Abgeordnetenhaus zum 30.06.06 an das Ressort Soziales angekoppelt. Am 21.08.06 hat schließlich die konstituierende Sitzung der Kommission stattgefunden. Mit der Gründung der Kommission, tagt diese zurzeit ca. halbjährlich. Inhaltlich ist diese Kommission damit befasst neue antragsberechtigte Verbände und Initiativen zuzulassen und die Vergabevorschriften weiterzuentwickeln. Da die Kommission seit den Wahlen nicht mehr getagt hat, ist die Weiterführung des FreiwilligenPasses und der Umgang mit diesem Projekt zumindest von Senatsseite weiterhin ungeklärt.

Steuerungsgruppe respectAbel
Die Steuerungsgruppe setzt sich zusammen aus der VertreterInnen der Bereiche Jugend und Schule der Senatsverwaltung, der freien Träger und aus der Jugendund Familienstiftung des Landes Berlin und der Stiftung Demokratische Jugend. Aufgabe ist die Umsetzung, Steuerung und Weiterentwicklung des Landesprogramms respectAbel, die Vernetzung mit anderen Programmen, die Organisation der Verteilung der Mittel und die Begleitung des Jugendforums.

Jahresbericht 2006 | 27

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden
LANDESJUGENDRING Berlin e.V. Gottschedstraße 4, 13357 Berlin Fon: 211 82 64 Fax: 211 66 87 E-Mail: info@ljrberlin.de Homepage: www.ljrberlin.de Mitgliedsverbände des Landesjugendring Berlin und deren Arbeitsschwerpunkte (siehe Ende der Liste): Gewerkschaftliche Jugendverbände:
DGB-Gewerkschaftsjugend Keithstraße 1-3, 10787 Berlin - Schöneberg Arbeitsschwerpunkte: a, b, c, d, e, f, j, k: Berufsorientierung, Arbeitsrecht Tel.: 21240310 Fax: 21240315 kontakt@dgb-jugend-bb.de www.dgb-jugend-bb.de

Konfessionelle Jugendverbände:
Bund der Deutschen Katholischen Jugend Waldemarstr. 8-10, 10999 Berlin - Kreuzberg Arbeitsschwerpunkte: a, b, c, d, f, j, k: Berufsorientierung Evangelische Jugend Goethestr. 26-30, 10625 Berlin-Charlottenburg Arbeitsschwerpunkte: a, b, c , d, e, f, h, i, j, k: z.B. Kriegsdienstverweigerung, Umwelt und Ökologie Jugendwerk der Evangelischen Freikirchen Rudolfstraße 14, 10245 Berlin Arbeitsschwerpunkte: a, b, d, j Tel.: 7569030 Fax: 75690370 info@bdkj-berlin.de www.bdkj-berlin.de Tel.: 31910 Fax: 3191100 amt@ejbo.de www.ejbo.de Tel.: 78702514 Fax: 78705557 info@gjw-bb.de

Weltanschauliche Jugendverbände:
Junge HumanistInnen Danziger Str. 50, 10435 Berlin – Prenzlauer Berg Arbeitsschwerpunkte: a, b, c, d, e, j, k: Lebensberatung, Sexualität, Weltanschauungsfragen, Kirchenaustritt Tel.: 4427216 Fax: 4423493 info@juhu-berlin.de www.juhu-berlin.de

Jugendverbände der Hilfsorganisationen:
Arbeiter-Samariter-Jugend Bülowstraße, 6, 10783 Berlin - Schöneberg Arbeitsschwerpunkte: a, d, e, i Berliner Jugendrotkreuz Bachestraße 11, 12161 Berlin - Friedenau Arbeitsschwerpunkte: a, d, j Berliner Jugendfeuerwehr Direktion Nord / N 112 Märkische Allee 181, 12681 Berlin THW Länderjugend Berlin - Brandenburg - Sachsen-Anhalt Soorstraße 84, 14050 Berlin Tel.: 21307-0 Fax: 21307119 info@asj-berlin.de www.asj-berlin.de Tel.: 85005-0 Fax: 85005-425 jrk@drk-berlin.de www.drk-berlin.de/jrk Tel.: 38760218 Fax: 387998366 fa-presse@berliner-jugendfeuerwehr.de www.jugendfeuerwehr-berlin.de Tel.: 306 82 295 Fax: 306 82 297 info@thw-jugend-bebbst.de www.thw-jugend-bebbst.de

Internationale Jugendverbände:
Verband für interkulturelle Arbeit (VIA) Petersburger Str. 92, 10247 Berlin - Friedrichshain Arbeitsschwerpunkte: e, i, k: Berufsorientierung Tel.: 29006950 Fax: 29007154 dip@via-in-berlin.de www.via-in-berlin.de

28 | Jahresbericht 2006

Esperanto-Jugend Einbecker Str. 36, 10317 Berlin - Lichtenberg Arbeitsschwerpunke: b, j Junge Europäische Bewegung Berlin Sophienstr. 28/29 10178 Berlin Arbeitsschwerpunkte: e, f, j Verein Berliner Austauschschüler e. V. Adalbertstraße 4, 10999 Berlin -Kreuzberg Arbeitsschwerpunkte: d, e, j

Tel.: 42857899 Fax: 42857899 ej.berlin@esperanto.de www.esperanto.de

Tel.: 303 62 01 60 Fax:303 62 01 59 info@junge-europaeische-bewegung.de  www.junge-europaeische-bewegung.de Tel.: 25295133 Fax: 25295132 vba@austausch-berlin.de www.austausch-berlin.de Tel.: 8611418 Fax: 8614026 lv.berlin@bdp.org www.bdp-berlin.org Tel.: 75690354 Fax: 75690357 info@rdp-bbb.de www.rdp-bbb.de Tel.: 79786617 Fax: 79786619 LV.Berlin-Brandenburg@pbw.org www.pbw.org Tel.: 30002-0 Fax. 30002107 sjb@sportjugend.org ww.sportjugend.org Tel.: 3928280 Fax: 809414177 info@bundjugend-berlin.de www.bundjugend-berlin.de Tel.: 30099152 Fax: 30099154 info@schreberjugend-berlin.de www.schreberjugend-berlin.de Tel.: 4325155 Fax: 4325155 lvberlin@nabu-berlin.de www.nabu-berlin.de Tel.: 0179/9126558 info@berlin-djr.de www.berlin-djr.de

PfadfinderInnen-Verbände:
Bund Deutscher PfadfinderInnen Kaubstraße 9-10, 10713 Berlin - Wilmersdorf Arbeitsschwerpunkte: a, b, c, d, e, h, j, RdP Berlin-Brandenburg e. V. Waldemarstr. 10, 10999 Berlin-Kreuzberg Arbeitsschwerpunkte: a, b, d, e, j Pfadfinderbund Weltenbummler, LV Berlin-Brandenburg e.V. Bergstr. 51, 12169 Berlin – Steglitz-Zehlendorf Arbeitsschwerpunkte: a, d

Sportjugend:
Sportjugend im Landessportbund Jesse-Owens-Allee 1-2, 14053 Berlin - Charlottenburg Arbeitsschwerpunkte: a, b, c, d, e, f, h, i, j k: Vereinsberatung, Gewaltprävention

Umwelt- und Naturschutz-Verbände:
BUNDjugend Berlin Erich-Weinert-Str. 82, 10439 Berlin-Mitte Arbeitsschwerpunkte: a, c, d, e, f, g, h, j Deutsche Schreberjugend Kirschenallee 25, 14050 Berlin - Charlottenburg Arbeitsschwerpunkte: a, b, c, d, e, f, g, j NAJU Berlin Wollankstr. 4, 13187 Berlin

Weitere Interessenverbände:
Deutsche Jugend aus Russland Landesgruppe Berlin c/o Alexander Jelzow Unter den Eichen 121, 12203 Berlin Arbeitsschwerpunkte: a, c, i, j, Jugendbund djo-Regenbogen Elberfelder Str. 18, 10555 Berlin - Tiergarten Arbeitsschwerpunkte: a, b, c, d, e, f, h, j, k: Berufsorientierung, Familienbildung, Migrationsfragen Jugendnetzwerk::lambda::berlin-brandenburg e. V. Straßmannstr. 25, 10249 Berlin-Friedrichshain Arbeitsschwerpunkte: a, d, f, h, j

Tel.: 2521153 Fax: 25296085 djo.regenbogen@berlin.de www.djo-regenbogen.de Tel: 2827990 Fax: 089 1488156141 info@lambda-bb.de www.lambda-bb.de

Jahresbericht 2006 | 29

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden
Jugendwerk der AWO Albrechtstr. 110, 12103 Berlin Arbeitsschwerpunkte: a, b, c, d, e, j JungdemokratInnen / Junge Linke Kopenhagener Straße 47, 10437 Berlin-Prenzlauer Berg Arbeitsschwerpunkte: d, f, j Junge Presse Berlin e.V. Grolmanstraße 52, 10623 Berlin Arbeitsschwerpunkte: a, f, j, k KINDERRING BERLIN e. V. Schwedter Str. 232-234, 10435 Berlin - Mitte Arbeitsschwerpunkte: b, c, d, e, f, g, h, i, j Landesschülervertretung Rodenbergstr. 53 10439 Berlin - Prenzlauer Berg Arbeitsschwerpunkte: f, j, k: SchülerInnenrecht Naturfreundejugend Deutschlands Gryphiusstr. 23, 10245 Berlin-Friedrichshain Arbeitsschwerpunkte: a, b, c, d, e, h, Sozialistische Jugend Deutschlands SJD - Die Falken Rathenower Str. 16, 10559 Berlin - Moabit Arbeitsschwerpunkte: a, b, c, d, e, f, j Welt der Jugend e.V. c/o Harald Podzuweit Hessenring 3, 12101 Berlin Junge Briefmarkenfreunde Berlin e.V. c/o Holger Haak Stockholmer Str. 2, 13359 Berlin-Wedding Arbeitsschwerpunkte: a Tel.: 72 00 66 97 kontakt@jugendwerkberlin.de www.jugendwerkberlin.de Tel.: 24729747 Fax: 23459626 info@jungdemokraten.de www.jungdemokraten.de Tel.: 45086554 Fax: 45086559 jpb@jpberlin.de www.jpb.de Tel.: 4406214 Fax: 4406254 info@kinderring-berlin.de www.kinderring-berlin.de Tel.: 49 85 32 52 Fax: 44 34 01 27 mail@lsv-berlin.de www.lsv-berlin.de Tel.: 32532770 Fax: 32532771 info@naturfreundejugend-berlin.de www.naturfreundejugend-berlin.de Tel.: 2805127 Fax: 2826498 info@falken-berlin.de www.falken-berlin.de Tel.: 6641125 Fax: 6518094 wdj@gmx.de Tel.: 49908476 h.haak@dphj-berlin-brandenburg.de www.dphj-berlin-brandenburg.de

Arbeitsgemeinschaft der Bezirksjugendringe:
BJR Reinickendorf c/o Amt f. Jugendarbeit Alt-Wittenau 29a, 13437 Berlin-Wittenau BJR Steglitz-Zehlendorf c/o Paulusgemeinde Teltower Damm 4-8, 14169 Berlin BJR Mitte Tel.: 4112777 Fax: 4144074 Tel.: 81299562 www.bezirksjugendring.de.ki Tel.: 396 26 13 bjrmitte@gmx.de

Arbeitsschwerpunkte der Mitgliedsverbände: a) Kinder- und Jugendgruppen b) Kinder- und Jugendreisen c) Jugendzentren, Jugendclubs, Jugendcafés d) Ausbildungen für JugendleiterInnen e) Interkulturelle Jugendarbeit f) Politische Aktivitäten g) Ökologie/Umweltschutz h) Jugendkultur i) Sport j) Seminarangebote, Bildungsarbeit k) Beratung

30 | Jahresbericht 2006

Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Diözesanverband Berlin
www.bdkj-berlin.de

Selbstorganisation, Interessenvertretung, Qualifizierte Ehrenamtlichkeit, Christliche Ziel- und Werteorientierung.

Drei Beispiele aus dem Jahr 2006
Die Jugendverbände im BDKJ bilden das weite Spektrum verbandlicher Jugendarbeit mit Fahrten, Gruppenstunden, JuleiCa-Schulungen, Seminaren, Wochenenden, Internationalen Begegnungen usw. ab, jeweils im Spektrum einer christlichen Jugendspiritualität. Exemplarisch dafür wollen wir euch von drei Einzelaktionen unserer Verbände berichten.

1. „Youth Community“ der CAJ in Berlin Schöneweide
Der Jugendladen Zollstock der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) ist seit einiger Zeit in der Bürgerplattform Organizing Schöneweide aktiv. In dieser spezifischen Methode der Gemeinwesenarbeit wird im Stadtteil ehrenamtliches Engagement zu konkreten Themen wie Bildung oder Verkehrsentwicklung gebündelt. Um die Methode genauer kennen zu lernen und zu erfahren, was damit alles erreicht werden kann, haben wir im vergangenen Oktober eine Bildungsreise nach London organisiert. Ziel war es dabei, die dort schon gewachsenen Organizing-Strukturen zu erleben. Wir lebten in East-London, wo viele Emigranten und sozial Schwache beheimatet sind, und lernten dort insbesondere Aktionen für einen Mindestlohn für Reinigungskräfte im Öffentlichen Dienst kennen. Um nach der Organizing Methode zu arbeiten, musst du an Entscheidungsträger herantreten. Es ist wichtig zu wissen, wen ich konkret ansprechen muss oder an wen ich Forderungen formuliere. So laufen wir auch nicht Gefahr, unspezifische Kritik vom Stammtisch zu verbreiten, sondern Missstände konkret zu benennen. Dabei sollte man immer die drei Säulen der Macht, nämlich Staat und Politik, Wirtschaft und Markt, Menschen und Zivilgesellschaft einbeziehen.

Basics
Der BDKJ ist der Dachverband der katholischen Jugendverbände. Dazu zählen: Christliche Arbeitererjugend (CAJ), Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) (kirchenpolitische Vertretung über den BDKJ, jugendpolitische Vertretung über den RdP), Jugendverbände der Gemeinschaft Christlichen Lebens (J-GCL), Katholische junge Gemeinde (KjG), Katholische Studierende Jugend (KSJ), Kolpingjugend, Katholische Landjugendbewegung (KLJB), DJK Sportjugend als assoziiertes Mitglied (kirchenpolitische Vertretung über den BDKJ, jugendpolitische Vertretung über die Sportjugend), sowie 15 Dekanatsverbände (regionale Zusammenschlüsse), acht davon in Berlin. Der Diözesanverband Berlin erstreckt sich über Berlin, fast ganz Brandenburg und Vorpommern. Die im BDKJ organisierten Jugendverbände stehen ein für: Freiwilligkeit, Selbstbestimmung innerhalb demokratischer Strukturen,

Jahresbericht 2006 | 31

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden
In Berlin haben wir dann bei der Eröffnung des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers in Schöneweide zu einer Gedenkstätte eine Grafitty -Ausstellung erarbeitet und präsentiert. Dabei wollten wir zeigen, wie Jugendliche mit ihrer Kultur eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit führen. Dadurch, dass bei uns der Jugendladen seit drei Jahren in Eigenverantwortung geführt wird und wir Partner und Unterstützergruppen haben, wollen wir uns weiterhin gemeinsam in die Entwicklung des Stadtteils einbringen und versuchen, durch Aktionen und Freizeit noch möglichst viel gemeinsam zu erleben und zu gestalten. Zum Valentinstag am 14. Februar haben wir das gesamte Hohelied in der Jugendkirche durch professionelle Stimme in der Jugendkirche zu Gehör gebracht. Die Schauspielerinnen Birgit Pelz und Tanja Baur sowie Ludwig Dobe gestalteten den Text auf eindrucksvolle Art. Illustriert wurde die Lesung mit Bildern von Marc Chagall, der dem „Lied der Lieder“ einen eigenen Zyklus gewidmet hat. Zwischen den einzelnen Textabschnitten erklangen von der Empore der Jugendkirche Saxophonimprovisationen und kirchliche Lieder. Im Lied der Puhdys „Wenn ein Mensch lebt“ tönten Textbausteine vom Hohelied wieder. Der angezündete Weihrauch verströmte in der Jugendkirche sinnlichen Duft und brachte den ganzen Raum förmlich zum Knistern. „Süßer als der Wein ist deine Liebe. Köstlich ist der Duft deiner Salben“ (Hohelied 1, 2-3).

2. Erotisches zum Valentinstag
„Mit Küssen seines Mundes bedecke er mich … denn ich bin krank vor Liebe.“ Schwer vorstellbar, dass dieses Zitat aus der Bibel stammt. Es ist dem so genannten Hohelied des Alten Testaments entnommen, das die Annäherung zweier sich liebender junger Menschen in bildreicher Sprache beschreibt. Dass dabei eine gewisse Erotik im Spiel von Nähe und Abstand, Sehnsucht und Verlangen ist, bleibt nicht verborgen. Erotik und Bibel – zwei Begriffe, die man selten in einem Satz vermutet. Das jedoch machte den Reiz aus, dieses Buch der Bibel mit seiner erotischen Sprache einmal durch sich selbst klingen zu lassen. Was lag da näher, als den Valentinstag – den Tag der Verliebten – zum Anlass zu nehmen. Schließlich geht dieser Tag auf einen christlichen Ursprung zurück: Der heilige Valentin soll der Legende nach im dritten Jahrhundert heimlich Liebespaare getraut haben.

3. Engel gegen Unrecht
Wenn zwölf Engel, Heilige, Helden, Retter und Feen gemeinsam Bowlen gehen, dann nur für einen guten Zweck. Die Katholische Studierende Jugend (KSJ) lud ein zu ihrer Spendenaktion „Bowling gegen Unrecht“. Die StudentInnen und Auszubildenden gewannen zuvor Sponsoren, die sich bereit erklärten, pro gefallenem Kegel einen Festbetrag an die Hilfsorganisation NAFGEM in Tansania zu spenden. Unter der Schirmherrschaft der Bundestagsabgeordneten Mechthild Rawert (SPD) wurden insgesamt 940 Euro eingespielt. NAFGEM ist eine Hilfsorganisation in Tansania, die mit Aufklärungsgesprächen in den Dörfern Tansanias gegen die dort immer noch praktizierte rituelle Geschlechtsverstümmelung an Mädchen und Frauen kämpft. Zwar verbietet ein Gesetz schon seit Jahren diese Tradition der Körperverletzung, trotzdem sind in Tansania immer noch etwa 1,4 Millionen Mädchen und Frauen von diesem grausamen Ritual betroffen. Die Folgen sind Schmerzen, lebensgefährliche infektiöse Wunden und letztendlich die Unterdrückung der weiblichen Würde. Im Rahmen ihrer Ak-

32 | Jahresbericht 2006

tion „Die Weltbessermacher“ hat sich die KSJ intensiv mit dieser Problematik auseinandergesetzt und die BowlingSpendenaktion ins Leben gerufen. Mit dem erspielten Geld will die KSJ NAFGEM ermöglichen, Aufklärungsarbeit zu leisten, medizinische, soziale und psychologische Hilfe zu bieten, vor allem aber die Beschneiderinnen zu Hebammen umzuschulen, damit das schreckliche Ritual endlich beendet wird. Nach einem einjährigen Sensibilisierungsprogramm sind bereits 73 Beschneiderinnen von ihrem Amt zurückgetreten und 30 ehemalige Beschneiderinnen für eine Ausbildung zur Dorfhebamme gewonnen worden. Wenn zwölf Engel, Heilige, Helden, Retter und Feen gemeinsam Bowlen gehen...

Der Bezirksjugendring Mitte (BJR Mitte) ist der Zusammenschluss der Kinder- und Jugendverbände im Bezirk Mitte.
Mitglieder im Bezirksjugendring Mitte sind: Deutscher Pfadfinder Bund, Deutsche Schreberjugend, DLRG-Jugend, Evangelische Jugend, Berliner Jugendrotkreuz, Jugendwerk der AWO, Jugendwerk der Evangelischen Freikirchen, SJD - Die Falken, Sportjugend. Darüber hinaus gibt es folgende Kontakte Arbeiter-Samariter-Jugend, Deutsche Pfadfinder Sankt Georg. Die Hauptaufgabe des BJR Mitte ist es, koordinierend die Jugendverbandsarbeit im Bezirk zu vertreten. Außerdem arbeiten Vertreterinnen und Vertreter des BJR Mitte im Jugendhilfeausschuss und in der Spielplatzkommission im Bezirk Mitte mit. Der BJR trifft sich monatlich in den verschiedenen Jugendverbandseinrichtungen des Bezirks Mitte, um sich inhaltlich auszutauschen und ggf. Aktionen zu planen. Einen Schwerpunkt bilden die Berichte aus den verschiedenen Verbänden und die Diskussion aktueller Themen und Probleme. An den Sitzungen nehmen Vertreterinnen und Vertreter aus den Mitgliedsverbänden, anderer Jugendverbände und der Fraktionen der BVV teil. Mitarbeiterinnen der Jugendverwaltung werden zu ausgewählten Diskussionen eingeladen (z.B. Sozialraumorientierung, Leitbild des Jugendamts Mitte). Der BJR Mitte arbeitet mit öffentlichen Jugendfreizeiteinrichtungen und anderen freien Trägern der Jugendhilfe zusammen.

Jahresbericht 2006 | 33

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden Bund Deutscher PfadfinderInnen - BDP Landesverband Berlin
Kaubstr. 10, 10713 Berlin-Wilmersdorf, Telefon 030-861 14 18, www.bdp-berlin.org Erfahrungen liegen vor, eine ausführliche Betrachtung wird im Jahresbericht 2007 veröffentlicht.

Fortbildung für pädagogische Fachkräfte mit Güner Yasemin Balci
„Warum suche ich mein Glück nicht in Deutschland?“ Unter diesem Titel veranstalteten wir am 14. September 2006 im BDP-Schülerclub „Downtown“ eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung für pädagogische Fachkräfte aus Schule, Kita, Jugendfreizeitheim, sozialem Projekt, Verein und Verwaltung. Mangelnde Bildung, tradierte Wertvorstellungen und das ewige Gefühl des „fremd seins“ sind nur einige Faktoren, die den Alltag und das Leben vieler Migranten bestimmen. Bedingt durch Erfahrungen mit Diskriminierung, aber auch aufgrund einer selbst gewählten Isolation und Abschottung gegenüber unserer Gesellschaft verschanzen sich besonders muslimische Migranten oft in einer Opferrolle, die eine Integration erschwert oder gar unmöglich macht. Bei dieser Veranstaltung sollte genauer beleuchtet werden, warum das so ist. Welche Mechanismen führen dazu? Welche Auswirkungen haben die tradierten Rollenmuster bei Mann und Frau, bei Jungen und Mädchen? Was sind die Gründe für das oft beklagte „Elend der dritten Generation“? Welche Rolle spielen dabei Familie und Gesellschaft? Eingeladen war die Journalistin Güner Yasemin Balci. Einer ihrer TV-Beiträge, die zuvor in der ZDF-Sendung „Frontal 21“ gesendet wurden, eröffnete ihren lebhaften Vortrag, der sich den oben gestellten Fragen fundiert und angereichert mit persönlichen Erfahrungen stellte. Güner Yasemin Balci ist selbst Migrantin der zweiten Generation, arbeitet und lebt seit vielen Jahren als Pädagogin in Neukölln und konnte überzeugend einen Einblick in die Lebenswirklichkeit geben. So war eine gute Grundlage geschaffen für eine ebenso lebhafte und erkenntnisreiche Diskussion mit und zwischen den zahlreich erschienenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieser Veranstaltung.

Im Laufe des Jahres 2006 hat unsere neue Mitarbeiterin in der Landesgeschäftsstelle, Maren Sterzik, die BDPInternetpräsenz einer Renovierung unterzogen. Wir laden herzlich dazu ein, sich ein eigenes Bild zu machen. Deshalb konzentrieren wir uns an dieser Stelle kurz auf einige Punkte, die neben unserer alltäglichen Kinder-, Jugend- und Bildungsarbeit sowie unseren Reisen, Seminaren, Projekten im Berichtszeitraum eine besondere Rolle gespielt haben:

Schulsozialarbeit an Spandauer Hauptschule
Seit einigen Jahren gibt es an der Wilhelm-LeuschnerOberschule in Berlin-Spandau den BDP-Schülerclub „Downtown“, der im Verbund mit „Koeltze“, der Kinder- und Jugendfreizeitstätte des BDP am Koeltzepark und dem BDP-Mädchenladen in der Lasiuszeile ein umfangreiches Freizeit-, Bildungs- und Beratungsprogramm bietet. Seit dem Jahr 2000 besteht zwischen der Schule und dem BDP eine Kooperationsvereinbarung, die am 10. Februar 2006 per Unterschrift durch den Landesgeschäftsführer des BDP, Thomas Leiberg, und den Schulleiter der Wilhelm-Leiter-Oberschule, Rainer Haßelmann, um einen gewichtigen Punkt erweitert wurde: Kooperationsmodell an der Schnittstelle zwischen Schule und Berufswelt – Jugendsozialarbeit an Berliner Hauptschulen. Unter diesem Titel ist die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport im Januar 2006 mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit getreten, um die Jugendsozialarbeit an Hauptschulen zu verstärken und leistungsschwache Schülerinnen und Schüler zu unterstützen, „bevor es zu spät ist“. Mit der Umsetzung des Programms, das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) je eine Sozialarbeiterstelle an allen Berliner Hauptschulen vorsieht, wurde die Stiftung SPI beauftragt. Dort haben wir unser Konzept eingereicht, das zuvor vom Jugendamt Spandau positiv bewertet wurde. Nach den Sommerferien konnten wir am 1. September 2006 mit der Arbeit beginnen. Erste

Deutsch-brasilianischer Jugendaustausch
Ein Fachkräfteaustausch für Pädagogen aus der Kinderund Jugendarbeit wurde vom BDP im September/Oktober 2006 in Salvador da Bahia in Brasilien unter dem Titel „Interkulturelle und pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen – Kennen lernen der brasilianischen Jugendund Sozialarbeit“ durchgeführt. Bei diesem interessanten Begegnungsprogramm hat der BDP seine Kontakte und Verbindungen zu einer in der Kinder- und Jugendarbeit erfahrenen und erfolgreichen brasilianischen Partnerorganisation ausbauen und festigen können. Gemeinsame Projekte sind in Planung und sollen 2008 in Berlin durchgeführt werden.

34 | Jahresbericht 2006

„Dem Antisemitismus entgegentreten!“
Schon in den beiden vergangenen Jahren war die Aufklärungsarbeit über den verstärkt auftretenden „neuen“ Antisemitismus in unserer Gesellschaft und der damit einhergehenden Israelfeindlichkeit ein wichtiger Schwerpunkt in unserer Verbandsarbeit. Diese Arbeit wurde fortgesetzt und durch praktische Projekte für Jugendliche, junge Erwachsene und pädagogische Fachkräfte erweitert:

Mit der Vergangenheit in die Zukunft - Neue Formen der Erinnerung
Vom 8.–10. September 2006 präsentierte der BDP „stateless“ – ein Hip-Hop-Theaterstück aus San Francisco/USA mit fünf Aufführungen in der Alten Feuerwache in Berlin-Kreuzberg und einer Aufführung in der Carl-ZeissOberschule in Berlin-Lichtenrade. Am 10. September 2006 wurde zur Matinee der dazugehörige Dokumentarfilm „return of the tüdelband – Gebrüder Wolf Story“ von Jens Huckeriede im Kino „Babylon“ in Berlin-Mitte gezeigt. An alle Vorführungen schlossen sich Diskussionen mit den Darstellern und dem Regisseur an. Worum es geht: In der Zeit von 1895 bis 1933 waren die „Gebrüder Wolf“ Sänger und Autoren von populären Hamburger Liedern, Komödianten und Revuestars, die berühmte Operettenmelodien mit ihren eigenen komödiantischen Texten verbanden. Ein Deutsch-Jüdisches Schicksal mit Berufsverbot, Ermordung im Konzentrationslager, Flucht über Shanghai in die USA. Ihr Urenkel Dan Wolf (Rapper) und der Afroamerikaner Tommy Sheperd (Beatboxer) aus San Francisco reisen nach Deutschland, um ihre Musik auf Straßen und in Clubs aufzuführen. Dabei benutzen sie die Kunstform der „Gebrüder Wolf“, um ihre verlorene Identität wieder zu finden. Mit der Melodie eines traditionellen Liedes (das „Tüdelband-Lied“ ist bis heute Hamburgs heimliche Hymne) und einem 42-seitigen Brief von Dans Großvater verändert sich die Reise in ein HipHop-Theater. „stateless“ ist eine schauspielerische Entdeckungsreise, die zeigt, wie ein Schicksal die Kreativität vorantreibt, um die Erinnerung wach halten, die Vergangenheit bewältigen und die Folgen des Naziterrors verarbeiten zu können. „stateless“ bedeutet im doppelten Wortsinn: „staatenlos“ und „ohne Status“. Hintergrund-Infos: www.gebruederwolf.de

Deutsch-israelischer Jugendaustausch
1.) Sechs junge BDP-Frauen nahmen im Februar/März 2006 an einer 10-tägigen Israelreise teil, die ein umfangreiches Begegnungs- und Besuchsprogramm beinhaltete. Teil dieses Programms war ein siebentägiges Theaterseminar zum Konfliktmanagement unter dem Titel „Arts without Boundaries“. Ibrahim Abu Shindi ist der Leiter des Arab-JewishCommunity-Centres in Tel Aviv/Jaffa. Ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen setzen sich Abu Shindi und das AJCC für den Dialog zwischen den Konfliktparteien im Nahen Osten ein und überzeugen besonders durch ihre praktischen Angebote, die sich an Muslime, Juden, Christen richten. Das AJCC ist eine der Partnerorganisationen des BDP in Israel. Vom 1.-5. Juni 2006 war Abu Shindi zu einem Gastbesuch bei uns Berlin, in dessen Verlauf zahlreiche Gespräche mit Bezirks- und Senatsvertretern, Besuche von Jugendzentren und dem FEZ stattfanden. Auf der Ehrentribüne beim „Karneval der Kulturen“ kam es auch zu einer Begegnung mit dem Regierenden Bürgermeister, einigen Bundestags- und Landtagsabgeordneten und anderen Würdenträgern der Stadt. “Challenges and New Methods for Youth Work in the 21st Century” war der Titel eines Fachkräfteprogramms für Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter sowie Multiplikatoren der Jugendarbeit, zu dem der BDP vom 3.–10. Oktober 2006 nach Berlin einlud. Je zehn Personen aus Israel und aus Deutschland nahmen an dieser arbeitsintensiven und erfolgreichen Begegnung teil, aus der weitere Begegnungsprojekte hervorgehen werden. Im November 2006 war der BDP Gastgeber einer Delegation von zehn Jugendlichen aus Tel Aviv-Jaffa vom Arab-Jewish-Community-Centre – AJCC. Über 30 Berliner Jugendliche und Schülerinnen und Schüler der Carl-Zeiss-Oberschule in Berlin-Lichtenrade beteiligten sich aktiv an dieser einwöchigen Begegnung in der Jugendbildungsstätte Kaubstraße.

2.)

3.)

4.)

Jahresbericht 2006 | 35

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden BUNDjugend Berlin

Größtmögliche Selbstbestimmung und Partizipation der SchülerInnen ist dabei großgeschrieben. Neben den inhaltlichen Themen ist das auch der Hauptlerninhalt – methodische Kompetenzen: wie organisiere ich ein Projekt, wie raufe ich mich im Team zusammen, wie finden wir ein gemeinsames Ziel? Mit solchen hohen Ansprüchen lassen wir die Umwelt-AGs jedoch nicht alleine – von uns intensiv geschulte ModeratorInnen lotsen die Gruppe durch das unvermeidliche Chaos und umschiffen gemeinsam wichtige Klippen. Bisherige Umwelt-AGs beschäftigen sich u.a. mit Schulhofbegrünung (John-Lennon-Gymnasium) oder Naturpädagogik (Grundschule am Teltowkanal). 2006 wurden folgende zusätzliche Aktivitäten unternommen, um den Schwerpunkt „Lebensumfeld Schule“ voranzutreiben: Projekttage zu den Themen Atom, Klimawandel und erneuerbare Energien. Diese werden von jungen Ehrenamtlichen durchgeführt, die wir vorher im Rahmen von Kursen inhaltlich und didaktisch geschult haben, Schulbesuche von Gästen aus Weißrussland um den Jahrestag von Tschernobyl, die hautnah vom Leben mit den Folgen der Katastrophe erzählten und aufzeigten, wie Unterstützung möglich ist, SchulUmweltWettbewerb gestartet! (Preisverleihung im März 2007), Zukunftsfähige Projektideen werden gesucht, sollen ausgezeichnet und im Rahmen von Projekt Z durch uns bei der Umsetzung unterstützt werden. Es wurden über 50 Beiträge von insgesamt über 1.700 TeilnehmerInnen eingereicht.

1. Es geht um unsere Zukunft!
... und die nehmen wir selbst in die Hand. Die BUNDjugend Berlin setzt sich seit mittlerweile 20 Jahren für die Umwelt ein. Sie bietet Raum für Jugendliche, sich mit Umweltthemen auseinanderzusetzen, wichtige Kompetenzen fürs Engagement zu lernen, diese in eigenen Projekten aktiv umzusetzen und die eigenen Überzeugungen mit Hilfe kreativer Aktionen kundzutun. Dabei lernen die Aktiven eine ganze Menge – über Ökologie, alternative Konsum- und Lebensstile, wie die eigenen Ideen im Team verwirklicht werden und viel über sich selbst.

2. Umzug und personelle Basis
Neben unserem Jugendbildungsreferenten gibt es bis Ende 2007 noch eine durch Aktion Mensch finanzierte Projektleiterstelle für „Projekt Z - Zukunft in die Schule“. Mittlerweile arbeiten bei uns in der Geschäftsstelle zusätzlich vier TeilnehmerInnen des Freiwilligen Ökologischen Jahres, zwei TeilnehmerInnen des generationenübergreifenden Freiwilligendienstes und bis zu vier PraktikantInnen. Diese gewachsene Zahl sowie die Notwendigkeit eines größeren Raumes für Treffen und kleinere Seminare haben einen Umzug im Sommer 2006 nötig gemacht - in den Prenzlauer Berg, Erich-Weinert-Str. 82. Besucher herzlich willkommen!

3.2 berlin global – die globalisierungskritische Stadtführung

3. Schwerpunkte 2006 3.1 Lebensumfeld Schule - Zukunft in die Schule
„Zukunft in die Schule“ - der Name ist Programm bei den gemeinsamen Bemühungen der BUNDjugenden Berlin und Brandenburg, das Thema Umwelt und Bildung für Nachhaltige Entwicklungen in Schulen umzusetzen. Konkret gründen wir Umwelt-AGs, die dann in ihrem Lebensumfeld Schule herumwirbeln, mitgestalten, verändern oder sich einfach mit für sie wichtigen Fragen auseinandersetzen. Seit kurzem sind wir dabei anerkanntes Projekt der UNDekade Bildung für Nachhaltige Entwicklung.

36 | Jahresbericht 2006

berlin global ist die Stadtführung mit einem anderen Blickwinkel: Statt bekannte Sehenswürdigkeiten abzulaufen, richten wir unser Augenmerk auf die Dinge, die sonst im Verborgenen bleiben: Die zumeist unerwünschten und vielen von uns (noch!) unbekannten Nebenwirkungen, die unsere Konsumprodukte und Lebensweisen in anderen Teilen der Welt haben. Wo, wie und warum werden die Produkte produziert? Wer spielt in den Prozessen welche Rolle? Wir wollen zeigen, dass viele alltägliche Dinge mit Globalisierung zu tun haben und wie Jugendliche einige der negativen Aspekte durch ihr Verhalten beeinflussen können. Unsere Führung gibt einen Einstieg in das kritische Nachdenken über aktuelle Vorgänge, denn erst dann kann sich etwas ändern. Wir machen Führungen mit Schulklassen und anderen interessierten Gruppen. Dieses Jahr konnten ca. 40 Stadtführungen ehrenamtlich umgesetzt und neue Leute zum Mitmachen gewonnen werden. Zudem informiert eine eigene Homepage www. berlinglobal.net über die inhaltlichen Hintergründe und die nächsten Termine. Maßgeblich von den Aktiven selbst wurde eine Internationale Begegnung in Athen organisiert, bei dem die Teilnehmenden sich am Rande des Europäischen Sozialforums mit griechischen Jugendlichen über Themen wie Globalisierung und Gentechnik austauschten und sich vernetzten.

heute kaum noch präsent. Grund genug für die BUNDjugend Berlin, aktiv zu werden - um aufzuklären und um konkrete Möglichkeiten zum Mitmachen zu bieten! Direkt zum Jahrestag begegneten Jugendliche aus Berlin jungen Menschen aus Weißrussland, die aus einer hochverstrahlten Region kommen. Beide nahmen am YES 2006 (Youth Energy Summit) teil, den der Bundesverband der BUNDjugend organisierte, und tauschten sich über Atom und zukunftsfähige Energien aus. Besonders die persönlichen Geschichten unserer Gäste haben uns tief berührt, die schwierigen Bedingungen, die Gefahren für die Gesundheit durch mangelnde Möglichkeit, verstrahlte Nahrung als solche zu identifizieren, aber vor allem der ungebrochene Optimismus und die belarussische Lebensfreude. Für 2007 ist ein Gegenbesuch geplant, bei dem wir auch mithelfen wollen, ein Umweltkinderfest zu organisieren. Im Rahmen einer Schulung „Mythos Atom“ bildeten wir junge Menschen zu Multiplikatoren aus, die das inhaltliche und didaktische Know-how besitzen, Energieprojekttage an Schulen durchzuführen. In diesem Rahmen wird das Ereignis Tschernobyl anschaulich beleuchtet, Fakten und Mythen der Atomenergie diskutiert sowie mögliche Alternativen wie erneuerbare Energien und Stromsparen anschaulich durch Stationenlernen von den SchülerInnen selbst erarbeitet. Wir haben in Kooperation mit Bildungsteam 21 ein hochwertiges Konzept mit den nötigen Materialien und Hintergrundinformationen entwickelt, das den Aktiven alles an die Hand gibt, was sie für so einen Projekttag brauchen. Im November gab es dann wieder einen aktuellen Anlass, um aktiv zu werden: Im Rahmen mehrerer Jugendumweltcafés „erneuerBAR“ informierten wir über den bevorstehenden Castor-Transport. In dem von uns unterstützten Bus zur Großkundgebung in Lüneburg waren auch dieses Jahr wieder viele Engagierte der BUNDjugend mit dabei.

4. Seminare 4.1 Umweltbildung und Methodenschulung
Der Schwerpunkt unserer Seminararbeit im Jahr 2006 lag - neben weiterhin bestehenden informativen Bildungsangeboten der Reihe „Kurs Econautix“ zu den Themen Energie, Globalisierung, biologisch-dynamische Landwirtschaft, solidarische Ökonomie - vor allem in der Qualifizierung unserer Aktiven. Es ist unser erklärtes Ziel, ihnen dabei Kompetenzen zu vermitteln, die für die Mitgestaltung in einer demokratischen Gesellschaft zentral sind - und ihnen in unseren Projekten den Raum und den Spaß anzubieten, das auch praktisch umzusetzen. Für alle größeren Projekte (Projekt Z - Umwelt-AGs an Schulen begleiten, berlin global - globalsierungskritische Stadtführungen durchführen und Bildungs-Agenten - Energieprojekttage an Schulen) wurden unsere Ehrenamtliche weitergebildet und geschult.

3.3 20 Jahre Tschernobyl - für eine zukunftsfähige Energieversorgung
Vielen der Älteren unter uns ist es als einschneidendes Erlebnis in Erinnerung - im Sommer 1986 durften wir nicht auf Spielplätzen spielen, keine Pilze sammeln - die Angst vor den Folgeschäden war groß. Die Kritik an einer so gefährlichen und letztlich unkontrollierbaren Technik wie der Atomenergie hat hier einen wichtigen Ursprung. Aus Altersgründen ist dieses Ereignis vielen Jugendlichen von

Jahresbericht 2006 | 37

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden
4.2 JuLeiCa
Zur Qualifizierung der Aktiven wurden in enger Kooperation mit der BUNDjugend Brandenburg zwei Durchgänge angeboten - für uns zum ersten Mal in einem zusammenhängenden Wochenformat, was v.a. wegen der Gruppendynamik positiv aufgenommen wurde - die beide auf großes Interesse stießen. Tradition und moderner Zivilisation - wobei letzere ersterer oft nur wenig Respekt entgegenbringt. Die Kontakte zur Partnerorganisation „Zukunft der Erde“ sollen ausgebaut werden, und unsere TeilnehmerInnen haben viel über sanften, ökologisch vertretbaren und respektvollen Tourismus gelernt. Besuch in Deutschland für 2007 geplant.

4.3 Medien Selber Machen
In diesen Seminaren lernen Jugendliche einen kritischen Umgang mit Medien und üben sich darin, selber journalistisch aktiv zu werden.

5.3 Umwelt erleben und Wasser ohne Grenzen mit tschechischen Partnern
Auch in Deutschland gibt es noch Wildnis - im Naturpark Märkische Schweiz bei „Drei Eichen“. Deren Motto „Natur, Ökologie, Survival“ passte gut für die Internationale Begegnung mit tschechischen Gästen, die dort stattfand. Viele der Besucher nutzten die Zeit nach der Begegnung, um in verschiedenen deutschen Organisationen (v.a. auch im Umweltbereich) ein Praktikum zu machen und so noch mehr über die konkrete Arbeit vor Ort zu erfahren. Bei der Rückbegegnung im Herbst stand dann das Thema Wasser im Mittelpunkt, das keine Grenzen hat und als Quell der Verständigung zwischen den Ländern dienen könnte.

5. Internationale Begegnungen
Den eigenen Horizont erweitern, junge Menschen aus anderen Kulturen kennenlernen und dabei eine Menge Spaß haben – diese Möglichkeit gab es bei der BUNDjugend im letzten Jahr gleich dreimal. Im Mittelpunkt stand dabei immer der interkulturelle Austausch, das sich Hineinfühlen und Teilhaben an anderen Lebensumständen, die Auseinandersetzung mit anderen Sichtweisen. Selbstverständlich als Fokus das Thema Umwelt und Globalisierung – sei es durch gemeinsames Umwelterleben (wie bei den deutsch-tschechischen Begegnungen), Kennenlernen von Jugendlichen, die von ökologischen Fragestellungen direkt betroffen sind (Belarus, Ureinwohner Sibiriens) oder durch gemeinsames Lernen und Aktivwerden zu globalen Fragestellungen (IBs im Umfeld des Youth Energy Summit 2006 und des Europäischen Sozialforums).

6. Projekte 6.1 Projekt Z
„Projekt Z - Zukunft in die Schule“ - der Name ist Programm bei unseren Bemühungen, das Thema Umwelt und Bildung für Nachhaltige Entwicklungen in Schulen umzusetzen. Konkret gründen wir Umwelt-AGs, die dann in ihrem Lebensumfeld Schule herumwirbeln, mitgestalten, verändern oder sich einfach mit für sie wichtigen Fragen auseinandersetzen. Um Umweltprojekte an Schulen zu initiieren wurde unter der Schirmherrschaft von Schulsenator Klaus Böger ein landesweiter Wettbewerb gestartet. Dieser wurde in zwei Kategorien unterteilt. Die Rubrik „Bestes Umweltprojekt“ sollte die Vielfalt bereits bestehender Projekte aufzeigen. Die Kategorie „Beste Projektidee“ will Schüler motivieren, eigene Projekte im Umweltbereich zu entwickeln. Unser Bestreben ist es, mit den teilnehmenden Schulen auch nach dem Wettbewerb weiter zusammen zu arbeiten. Der Anmeldeschluss für diesen Wettbewerb war der 30. November 2006. Es gab über 50 Anmeldungen mit insgesamt über 1700 Teilnehmern. Die Preisverleihung ist für den 16. März 2007 geplant.

5.1 Jugendliche aus Belarus - Energiefragen aus unterschiedlichen Perspektiven
Gleich mit zwei belarussischen Partnerorganisationen konnten wir (teilweise in Kooperation mit anderen Organisationen) Austausche durchführen. Das Thema Tschernobyl und Energie stand dabei neben dem kulturellen Austausch mit unterschiedlichen Herangehensweisen immer wieder im Zentrum - sei es bei gemeinsamen Aktionen in Deutschland zum Jahrestag, Schulbesuchen oder auch bei einem gemeinsam aufgeführten Theaterstück zum Thema im „Bunker“. Weitere Vertiefung wird angestrebt.

5.2 Fahrt zu den Ureinwohnern Sibiriens
Über Moskau immer weiter nach Sibirien geht die Fahrt. Dort verbrachten Jugendliche viel Zeit mit jungen Mensch der Chantys, den dortigen Ureinwohnern. Neugieriges gegenseitiges Bestaunen, Gespräche mit den Dorfältesten, das Erlernen von traditionellem Handwerk. Teilnahme an einem Jugendcamp dort und eine lange gemeinsame Flussfahrt mit viel Naturerleben und Zeit für Diskussionen. Und immer wieder Spuren des Zusammenpralls von alter

6.2 berlin global
Projektbezogene Weiterbildung wird bei unserer globalisierungskritischen Stadtführung großgeschrieben. Es werden Vernetzungstreffen und inhaltliche Schulungen organisiert, die Interessierten das Einsteigen ermöglichen soll. Mittlerweile gibt es einen festen Kreis von jungen Menschen, die sich regelmäßig treffen, um sich inhaltlich auszutauschen,

38 | Jahresbericht 2006

konzeptionell an den Stationen der Stadtführung zu arbeiten und um die Öffentlichkeitsarbeit zu koordinieren.

6.3 Bildungs-Agenten im Auftrag des Klimaschutzes
Die Bildungs-Agenten sind junge Leute, die gemeinsam Projekttage an Schulen durchführen, um über den Klimawandel und die Alternativen aufzuklären und zum Handeln zu motivieren. Dazu gibt es bereits ein mehrfach erprobtes Konzept, ausgearbeitet vom Bildungsteam 21. Nachdem das Projekt wegen des Umzuges ins Stocken geriet und danach auch noch ein Einsteigerseminar ausfallen musste, sah es zunächst nicht so gut aus. Mit vereinten Kräften, neuem Schwung und einem neuen Namen konnten dann aber doch wieder neue Bildungs-Agenten gewonnen werden, die im Auftrag des Klimaschutzes Projekttage an Schulen durchführen.

6.4 Die erneuerBAR – unser Jugendumweltcafé
Ein gemütlicher Ort, eine nette Atmosphäre, bei dem man Gleichgesinnte trifft, einen Impuls über ein spannendes Thema oder Berichte über interessante Erlebnisse bekommt. Danach darüber angeregt diskutieren, sich austauschen, entspannt neue Pläne schmieden. Das sollte sie sein, die erneuerBAR – und sie ist auf dem besten Wege, es zu werden. Natürlich braucht es Zeit, bei den vielen Konkurrenzangeboten für Jugendliche so eine Veranstaltung zu etablieren, aber die erneuerBAR hat fast kontinuierlich regelmäßig stattgefunden, es gab einige erneuerBAR-Spezials außerhalb der Reihe, und so langsam wächst ein fester Kern von Jugendlichen, die die Räume im RAW-Tempel einmal im Monat als ihr persönliches Wohnzimmer ansehen – ein Ort, an den man gerne kommt, um Leute zu treffen, die einem wichtig sind.

Jahresbericht 2006 | 39

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden djo-Regenbogen „Wir sitzen alle in einem Boot“
AGIJ in VIA Club Dialog/Schalasch Publicata/Plexus Respekt FITA/Omayra JunOst - Verband der russischsprachigen Jugend in Deutschland e.V. JunOst Berlin „Nota Bene” JunOst Brandenburg Komciwan – Vereinigung der Jugendverbände aus Kurdistan und der Prinzengardejugend Berlin.

1. „Wer sind wir“

2. Bildung & Freizeiten 2006 2.1. Bildungsprojekte
Die Mitgliedsgruppen und Projekte veranstalteten in Selbstorganisation Seminare, Bildungswochen und -wochenenden mit politischer, berufsorientierender oder interkultureller Ausrichtung. Einige Themen: MigrantInnen in Bildung & Ausbildung Alles rund um Zucker Medienberufe – ist das was für mich? Formen jugendlicher Selbstpräsentation Miteinander leben & Integration Jüdisches Leben in Berlin Die Auswertung der Aktionen für alle hält noch an. Darüber hinaus gab´s wieder einige Freizeiten:

Der Jugendbund djo-Deutscher Regenbogen, Landesverband Berlin e.V. (kurz: djo-Regenbogen) ist ein Jugendverband, der sich aus einem west- und einem ostberliner Verband entwickelt hat. Die djo - als Teil der „djo- Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V.“ – wurde bereits 1951 von jungen Flüchtlingen und Vertriebenen aus ehemals deutschen Siedlungsgebieten gegründet. Ihr Ziel war es, in der bundesdeutschen Gesellschaft an zu kommen, eine neue Heimat zu finden und sich zu integrieren. Den ostdeutschen „Regenbogen“ gründeten 1989 wende-bewegte Jugendliche in Ostberlin. Ihr Ziel war es, Jugendarbeit anders machen zu wollen, als bisher in der DDR üblich, und später dann, anzukommen in der – für sie neuen – bundesdeutschen Gesellschaft. Nachdem beide Verbände 1990 zusammen gingen, liegen die Schwerpunkte des Engagements heute bei kultureller und interkultureller Jugendbildung, Integration von jungen Zuwanderern, Internationaler Jugendbegegnung und sozialem (fürsorglichem) Engagement für Bedürftige. Der Verband entwickelt zunehmend Dachverbandsstrukturen. So schloss sich 2006 die AG Interkulturelle Jugendarbeit in VIA dem Verband an. Heute gehören zu ihm – neben einzelnen nicht-selbstständigen Kinder- und Jugendgruppen – die Gruppen von

2.2. Kanu Camp – Abenteuer- und Erlebnisferien
Eine Gruppe Abenteuerlustiger hat für zehn Tage Europas größtes geschlossenes Seengebiet (Mecklenburger Seenplatte) erkundet. Das Projektcamp befindet sich in der Nähe des kleinen Örtchens Schwarz. Die Unterbringung erfolgte in bereitstehenden Igluzelten, und bei der Mitmach-Vollverpflegung entdecken viele den Spaß am gemeinsamen Kochen.

40 | Jahresbericht 2006

2.3. Ahlbeck – ein Klassiker, der nicht fehlen darf

der russischen Aeroflot einstieg. Eigentlich hätte von da an klar sein müssen, dass dieser turbulente Flug nur ein Vorgeschmack sein konnte – manchmal ist es doch gut, wenn man Schritt für Schritt der Zivilisation entrückt. Nach der Ankunft in Moskau hatten wir einen halben Tag zur freien Verfügung. Die russische Hauptstadt zeigte sich an diesem warmen Sommertag von ihrer besten Seite: Keiner von uns, der schon einmal dort war, hat je einen entspannteren und ruhigeren Eindruck von der sonst so hektischen Stadt bekommen. Besser war´s, denn nun standen über 30 Stunden Zugfahrt nach Astrachan an – wer wusste schon, worauf er sich da einlässt? Es folgte eine Reise ohne Zeit, ohne Gedanken an Termine und Aufgaben – all das wurde automatisch ausgeblendet. In Astrachan wurden wir am Bahnhof von Jugendlichen des JdR abgeholt. Gemeinsam fuhren wir ins Zeltlager, wo wir mit Brot und Salz empfangen wurden: „Herzlich Willkommen“ in typisch russischer Tradition. Wir hatten nun drei Tage im Camp Zeit, uns auf die Wildnis vorzubereiten, die Boote zusammenzubauen und die Möglichkeit, uns mit der russische Gruppe bekannt zumachen. Es folgte eine zehntägige Tour auf den Nebenflüssen der Wolga Richtung Kaspisches Meer, eine Fahrt, oft ganz ohne menschliche Begegnung – weit und breit nur die Wolga. Ein Ziel unserer Reise - die Lotusblumenfelder, fast einmalig auf der Welt - war allein schon den mitunter mühevollen Kampf mit der gewaltigen Wolga wert.

Alle Jahre wieder führt uns eine Reise nach Ahlbeck! Vor allem für die jüngeren Mitreisenden ist es oft die erste Ferienfreizeit, die sie fern von zu Hause verbringen. Was konnte es da auch Schöneres geben, als 10 Tage lang die Sonne zu genießen und an fast nichts anderes zu denken, als: baden, baden, baden und natürlich baden!

3. Orientierung im Sozialen Raum – Schulstation an der Hufeland-Hauptschule Buch
Kinderarmut, Chancenlosigkeit durch Leistungsschwächen durch soziales Versagen – all das sind Themen, die uns umtreiben und die uns bewegt haben, an der HufelandHauptschule Buch eine Schulstation einzurichten. Seit dem 01.05.2006 verknüpfen wir dort soziales, freiwilliges Engagement mit dem Einsatz für Erziehung und Bildung. Ziele der Arbeit: Soziale Kompetenzen der Schüler stärken, die Abgängerquote „ohne Abschluss“ halbieren und die positive Einbindung der Schule in der Region kräftigen.

4. Europatag – „Europa beflügelt“
Bundesweit feierte die djo-Deutsche Jugend in Europa am 09. Mai 2006 den Europatag. In Berlin stieg die Party bei „Ómayra“ (AGIJ in VIA). Nach dem zeitgleichen Start postkartenbestückter Luftballons zeigten wir den Film „Gedächtnis für den Frieden – Frieden für das Gedächtnis“. Gekommen waren, neben den jugendlichen Produzenten des Films, auch Zeitzeugen, mit denen alle gemeinsam ins Gespräch kommen konnten.

5. Jugendaustausch Berlin – Astrachan
Erlebnisbericht: Eine Reise – lange geplant und doch voller Überraschungen; wir werden sie nie vergessen. Im Zeitraum vom 06.08.06 bis 22.08.06 führten wir, Jugendclub „Nota Bene“ beim djo-Regenbogen LV Berlin, mit dem Jugendclub „Einigung“ des Jugendring der Russlanddeutschen (JdR) einen Jugendaustausch in Astrachan durch. Unsere Erlebnisreise begann bereits in Berlin, als unsere Gruppe aus zwölf deutschen Teilnehmern in die TU-154

Seit der Rückkehr der Deutschen Teilnehmer haben wir alle ein gemeinsames Ziel: den Rückaustausch im August 2007 für die russischen Teilnehmer zu einem mindestens genauso großen Erlebnis werden zulassen.

Jahresbericht 2006 | 41

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden
6. Hospitationsprogramm mit russischem Jugendring der Russlanddeutschen („JdR“)
Im September waren wir für zwei Monate am Hospitationsprogramm zwischen „Jugendring der Russlanddeutschen“ und der „djo-Deutsche Jugend in Europa“ beteiligt. Ziele des Programms sind: Vernetzung der Aktivitäten der Partnerverbände, methodischer Austausch zur verbandlichen Kinderund Jugendarbeit, Wissenstransfer zu Organisationsstrukturen der Partnerverbände, Informationsaustausch über Finanzierungsmöglichkeiten von internationalen Maßnahmen und Projekten (Antragswesen, Projektwettbewerbe), unmittelbarer Wissenserwerb über das Umfeld der Jugendarbeit im Partnerland, Entwicklung künftiger gemeinsamer Projekte. Ein erster Stein, der hierdurch ins Rollen kam: Wir werden mit der Stadt (Pskov), aus der unsere Hospitantin nach Berlin kam, im Jahr 2007 einen Jugendaustausch durchführen.

Evangelische Jugend

25. Ökumenisches Bandtreffen 10.-12. März 2006 Jugendbildungsstätte Hirschluch/Storkow
Das Ökumenische Bandtreffen ist ein Forum für Bandmusiker aus Einrichtungen der Jugend- und Gemeindearbeit der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

7 . 5Days4Cultures – „Wir sitzen alle in einem Boot“ (29.09.–03.10.06)
Ziel des Projektes „5Days4Cultures“ war es, drei (Einwanderungs-) Kulturkreise in Deutschland kennen zu lernen und dabei gemeinsam eine „vierte Kultur“ zu thematisieren und zu entwickeln: eine „Kultur des Miteinanders“. Jeden Tag waren die jugendliche Teilnehmer/innen verschiedener kultureller Herkunft mithilfe von Theater, Tanz, Gastronomie und Video in Workshops mit allen Sinnen in einen anderen Kulturkreis eingetaucht. Die Ergebnisse der Workshops flossen in den deutschen, kurdischen sowie in den russischen Themenabend ein und wurden am 3. Oktober, dem Tag des Miteinanders, präsentiert.

Ziel ist die Förderung von musikinteressierten Jugendlichen und der christlichen Rock- und Pop-Szene. Die einmal jährlich stattfindende Veranstaltung bietet insbesondere jungen Bands und neuen Musikformationen die Möglichkeit, Auftrittserfahrungen zu sammeln und in Workshops das künstlerische und technische Know-how zu erweitern. Weitere Informationen unter www.bandtreffen-hirschluch.de.

42 | Jahresbericht 2006

eFUNgelisch@EJBO.de Das Internetportal von Jugendlichen für Jugendliche

50 Jahre Ökumenische Jugenddienste 1956 – 2006
Die ökumenischen Jugenddienste sind ein WorkcampProgramm in Deutschland. 1956 in der DDR entstanden, ist heute das Amt für kirchliche Dienste der EKBO Träger des ÖJD.

Seit April 2005 existiert das Jugendportal der Evangelischen Jugend Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EJBO) „eFUNgelisch“ und kann nun schon auf weit über eine halbe Million Besucher zurückschauen. eFUNgelisch ist ein Internetangebot der Jugendkammer von Jugendlichen für Jugendliche. eFUNgelisch berichtet über Veranstaltungen aus der Landeskirche, der Kirchenkreise oder über den Jugendgottesdienst aus Deiner Gemeinde – vorausgesetzt Du machst mit! Interaktivität wird auf eFUNgelisch ganz groß geschrieben. In wenigen leicht verständlichen Schritten erhält jede und jeder sein persönliches Profil und hat so die Möglichkeit, nicht nur Termine aus Gemeinde oder dem Kirchenkreis, sondern auch Berichte z.B. über Jugendgottesdienste oder Rezensionen zu christlichen Büchern oder Filmen selber zu veröffentlichen. Das Herz von eFUNgelisch ist das Forum, in dem man in über 500 Themen mit anderen Jugendlichen aus der Landeskirche und der Welt diskutieren kann. Als Internetseite der EJBO liefert eFUNgelisch aber natürlich auch aktuelle Infos aus und über Jugendkammer, Landesjugendkonvent, Stadtjugendversammlung oder auch das Jugenddankopfer und das Förderwerk der Evangelischen Jugend Berlin-Brandenburg e.V. Das Fotoalbum liefert Impressionen vom Landesjugendcamp, von der Jugendmesse YOU oder vom Mädchencamp. Natürlich kommt auch der Spaß nicht zu kurz: eFUNgelisch bietet neben einem Fußballtippspiel auch mehrere OnlineGames. Hier guckst du: www.ejbo.de

Unsere Workcamps sind Arbeitseinsätze von jungen Menschen aus ganz Europa. Wir engagieren uns in sinnvollen, gesellschaftlich relevanten Projekten und bieten Gelegenheit zum internationalen Austausch. Unser Motto lautet “United we work”. Darunter verstehen wir: sich gemeinsam an sinnvollen Projekten ehrenamtlich zu beteiligen, sich einer ökumenischen, internationalen Gruppe anzuschließen und sich selbstständig und eigenverantwortlich einzubringen, im Campalltag gleichberechtigtes Handeln zwischen Männern und Frauen zu praktizieren, den Dialog zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen zu suchen, um gegenseitiges Verständnis zu wecken und Achtung zu fördern, in einer Gruppe Entscheidungen gemeinsam zu treffen und Solidarität zu erfahren, die Chance zu nutzen, sich mit Gläubigen aus anderen Konfessionen und Nichtgläubigen über das Leben und den Glauben auseinander zu setzen.

Jahresbericht 2006 | 43

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden
RUHIG, BRAUNER! Internationaler Spielmarkt Potsdam 05. und 06. Mai 2006
Wir wollen mit dem Internationalen Spielmarkt die Qualität in der spielpädagogischen Arbeit mit Kindern- und Jugendlichen steigern. Für dieses Ziel haben wir über Jahre eine Veranstaltung entwickelt, die auf mehreren Ebenen wirkt, unterschiedliche Methoden verwendet und nationale sowie internationale Partner zusammenbringt. Dieses Ziel ist auch dieses Jahr wieder erreicht worden. Der Spielmarkt ist eine Veranstaltung für Besucher. Insgesamt 1.800 Gäste hatten wir an den beiden Tagen, viele von ihnen auch über die ganze Zeit. Der Spielmarkt erreicht alle Berufsgruppen, Geschlechter und Altersgruppen so, wie sie in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind. Damit ist es uns gelungen, mit einem weiten Spektrum von Angeboten uns an alle zu wenden, die mit Kindern und Jugendlichen pädagogisch arbeiten. Dennoch sind wir nicht zufrieden, was den Besuch von Lehrerinnen und Lehrern angeht. Der Spielmarkt ist auch eine Veranstaltung, bei der sich Spezialisten der Spielpädagogik treffen. Diese kommen zu uns als Referent/-innen, Aussteller/innen und Besucher/-innen. Der Spielmarkt bietet ausreichend Raum und Gelegenheiten für diese Gruppen, sich kennen zu lernen und auszutauschen. Um dies zu verdeutlichen, ist es wichtig zu erwähnen, dass die Veranstaltung eben nicht mit der Schließung des Marktes um 18 Uhr zuende ist, sondern sich von Donnerstag bis Samstag bis weit in den Abend erstreckt. Der Spielmarkt nutzt internationales Knowhow und wirkt international zurück. Dieses ist eigentlich schon seit dem ersten Spielmarkt so. Unsere Gäste kamen diesmal aus Schweden und Österreich. Unsere schwedischen Partner haben sich im letzten Jahr für eine weitere Kooperation entschieden und planen für 2007 eine Sommerakademie zum Spielmarktthema des kommenden Jahres. So war der Spielmarkt bereits eine gute Möglichkeit, Ideen dazu zu besprechen. Der Spielmarkt bringt Menschen, zumeist Fachkräfte, zusammen. Neben den 33 % brandenburger Besucher/-innen kommen auch bis

Ist eine Mit-Mach-Aktion. Sie richtet sich gegen RECHTES GEDANKENGUT. Sie will dich ermutigen, nicht stillschweigend zu zusehen, sondern mit Phantasie eindeutig dagegen Position zu beziehen. „RUHIG, BRAUNER!“ startete mit vier kreativ gestalteten Postkarten, die über die Aktion informierten, aber auch schon einen ersten Beitrag darstellten. Über das Internet stehen die Motive als e-card zur Verfügung. Jede/r kann sich mit den Motiven Buttons, T-Shirts usw. selbst herstellen oder bei uns mit den Postkarten bestellen. Mach mit! Wir wünschen uns viele Ideen, Entwürfe und fertig gestaltete Motive, die eindeutig Position gegen RECHTES DENKEN beziehen. Diese Entwürfe sollen möglichst einfach, klar und nicht verbissen sein. Besonders gelungen sind sie, wenn sie auch zum Lächeln ermutigen. Die Einsendungen könnt Ihr im Internet betrachten. Einsendungen bitte an: Verbund e.V., Goethestr. 26-30, 10625 Berlin oder per Mail: verbund@ejbo.de. Beim 6. JugendFORUM im Berliner Abgeordnetenhaus wurden aus den Einsendungen neue Postkarten präsentiert. Am Stand herrschte großes Gedränge. Die beliebten Buttons zur Aktion konnten von den BesucherInnen selbst hergestellt werden.

44 | Jahresbericht 2006

zu 20 Prozent aus Berlin (19,2 %), Sachsen-Anhalt (17,7 %) und Sachsen (16,5 %). Und noch mehr als 12,5 % kommen aus anderen Bundesländern! (alle Zahlen aus der Befragung 2005). Der Spielmarkt wirkt bundesweit und vernetzt ähnliche Angebote. Wir sind der Spielmarkt im Osten der Republik. Seit Jahren arbeiten wir eng mit dem Wiesbadener und dem Remscheider Spielmarkt zusammen, besuchen uns regelmäßig und besprechen uns. Gemeinsam arbeiten wir an einer Werbebroschüre und nutzen die Verlinkung im Internet. Der Spielmarkt verbindet zudem regionale Partner für die Qualitätssicherung in der Kinder- und Jugendarbeit. Zuerst sind da die Träger, Ämter für evangelische Kinder- und Jugendarbeit der Landeskirchen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg, die sich seit Jahren gemeinsam diesem Ziel verschrieben haben. Dazu kommen als Träger die Hoffbauer-Stiftung Hermannswerder aus Potsdam und die Stephanus-Stiftung aus Berlin, zwei diakonische Einrichtungen, die auch Schulträger und Jugendhilfeträger sind. Wir haben Partner gefunden, die uns in diesem Vorhaben nach ihren Möglichkeiten unterstützen, ohne eine Gesamtverantwortung anzustreben.

gekommen, um neben Sport, Spaß und Musik sich bei Andacht und Gottesdienst, Aktionen und Bibelarbeit, Gesprächen und Diskussionen mit diesen Fragen zu beschäftigen. Auch Fußballfans kamen auf ihre Kosten. An diesem Wochenende wurde die Fußball-WM eröffnet - klar, dass alle Spiele auf Leinwand miterlebt werden konnten. Ein Höhepunkt: Am Samstag Abend animierte Yellow Umbrella (Reggae & Ska Band aus Dresden) die Campbesucher zum Tanzen. Das LandesJugendCamp der Evangelischen Jugend ist durch Vielfalt ohne Beliebigkeit geprägt. Ernsthaft aber mit Spaß wird die christliche Botschaft deutlich. Jugendclubs, Bands, Junge Gemeinden und Gruppen aus der Evangelischen Jugend präsentieren sich und gestalten das Camp mit. Das Programm: Freitag, 9. Juni Nachmittags Anreise und Zeltaufbau. 18:00 Fußball: Deutschland – Costa Rica. 20:00 Eröffnung. Anschließend Nacht der Begegnung mit Kleinkunst, Theater, Livebands, Talkrunde, Disco, Kino, Meditation und ... Sonnabend, 10. Juni 10:00 Bibelarbeit, Ort der Stille, Workshops, Markt der Jugend, Cafés, Sport, Spiel, Musik, 20:00 Yellow Umbrella (Reggae & Ska), Nachtprogramm mit Theater, Musik, Lagerfeuer, Kino, Meditation ... Sonntag, 11. Juni 10:00 Jugendgottesdienst 13:00 Abreise

„Willst du mit mir gehen?“ LandesjugendCAMP 2006 9.-11. Juni in Mötzow

Evangelische Jugendkirche Berlin eröffnet: „Gott – entdecke die Möglichkeiten“
Gottesdienst, Konzert und Holocaust-Gedenken
Was hat ein wackeliger Stuhl mit der Jahreslosung zu tun? Im Anspiel diente er den Jugendlichen aus der Evangelischen Jugend Frohnau als Symbol für das Neue, das gerade erst anfängt, das noch unfertig ist, an dem wir noch weiter arbeiten werden. Seit diesem Wochenende gibt es sie nun, die Evangelische Jugendkirche Berlin – und in Anlehnung an die Werbung eines schwedischen Möbelhauses forderte Landesjugendpfarrer Karsten Minkner alle auf, die Möglichkeiten dieses neuen Ortes herauszufinden

„Willst du mit mir gehen?“ war das Motto unseres LandesjugendCAMPs 2006. Die Frage drängt auf eine Positionsbestimmung. Bei was kann ich mitgehen, bei welchen Dingen werde ich „Nein“ sagen? „Vielleicht“ geht nicht. Nach welchen Werten bestimme ich meine Position? Was gibt mir Orientierung? Rund 1200 Jugendliche aus allen Bereichen der Evangelischen Jugend sind nach Mötzow

Jahresbericht 2006 | 45

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden
und aktiv zu nutzen. Rund 130 Menschen waren zum Gottesdienst in die Dankes-Kirche in den Wedding gekommen. „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“, mit diesem Leitwort erinnerte Generalsuperintendent Martin-Michael Passauer an den oft schwierigen Entstehungsprozess und dankte besonders dem Kirchenkreis Wedding, der das Kirchengebäude zur Verfügung stellte, und dem Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte, der Rainer Hennekes als Mitarbeiter in die Jugendkirche abgeordnet hat, und besonders auch diesem persönlich für seine Entscheidung, sich auf das Projekt Jugendkirche einzulassen. Nachdem Thorsten Schatz, der Vorsitzende unserer Jugendkammer, bei strömendem Regen in der gebotenen Kürze das neue Türschild enthüllt hatte, gab es viele neugierige Blicke in die noch leeren Räume des Gemeindezentrums – und erste Ideen, was hier in den kommenden Monaten und Jahren entstehen soll. Mit einem Konzert der Gruppe „Bluejam“ der Evangelischen Jugend Frohnau ging der Nachmittag zu Ende. Bereits am Vortag, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und Holocaust-Gedenktag, hatte die Evangelische Jugend Wilmersdorf ihre Gesangscollage „Mein Koffer – Erinnern und nicht vergessen“ in der Jugendkirche aufgeführt. Das intensive Erlebnis konnte eindrucksvoll beweisen, welche Gestaltungsmöglichkeiten in diesem Raum stecken. Am Rande des Gottesdienstes wurden einige weitere Spenden für die Jugendkirche bekannt. Unter anderem hat der Kirchenkreis Pankow sich bereit erklärt, die Heizkosten für einen Monat zu übernehmen. Bis zum 1. April läuft noch der „Talent-Wettbewerb“: Frei nach Lukas kann jeder aus einer Spende fünf Euro erhalten – um mit viel Kreativität damit zu wuchern und das Beste für die Jugendkirche daraus zu machen. Der Kalender beginnt langsam, sich mit Angeboten und Veranstaltungen zu füllen. Viele neue Möglichkeiten zeichnen sich ab – die Evangelische Jugendkirche Berlin ist gestartet.

46 | Jahresbericht 2006

Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken.
Wer wir sind
Die SJD - Die Falken ist ein Kinder- und Jugendverband, der sich für die Interessen und Rechte von Kindern und Jugendlichen einsetzt. Wir organisieren Gruppenarbeit im Stadtteil, Zeltlager und Ferienfreizeiten, internationale Begegnungen und Feste, politische Seminare und Aktionen. Bei uns verbringen Kinder und Jugendliche ihre Freizeit und machen gemeinsam mit anderen Politik. Politik hat etwas mit uns zu tun, mit unseren Interessen und Bedürfnissen. Auch wenn wir nicht für jedes Problem eine Lösung kennen, versuchen wir, gemeinsam unsere eigene Vision einer Gesellschaft zu entwickeln. In der festen Überzeugung, dass andere Formen des Zusammenlebens möglich sind, kämpfen wir für eine nicht ausgrenzende und friedliche Gesellschaft, für eine Gesellschaft, in der alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Geschlecht gleichberechtigt leben können: eine sozialistische Gesellschaft!

gehörten 2006 Tanzkurse, Samba-Trommelgruppe, Theater, Kochen, Gitarrenunterricht, Kinderdisco, Freiluftkino, kostenlose Hausaufgabenhilfe, Selbstbehauptung / Selbstverteidigung für Mädchen und eine Probenmöglichkeit für Bands. Auch 2006 gab es einen festen Mädchentag pro Woche. Falkenburg in Lichtenberg In der Falkenburg finden regelmäßig politische Veranstaltungen wie Antifa-Liederabende und -Filmnächte sowie Transpi(-Mal)-Partys statt. Außerdem beteiligen wir uns an Veranstaltungen des antifaschistischen Jugendbündnisses „Alkalij“ aus Lichtenberg, in dem der Kreisverband Mitglied ist. Die Falkenburg ist ein offener Kinder- und Jugendclub, in dem sich Kids im Alter von 6 bis 14 Jahren treffen. Viele der regelmäßigen BesucherInnen haben einen Migrationshintergrund. 2006 haben wir verschiedenste Angebote gemacht, vom Kochen und Basteln über Hausaufgabenhilfe bis hin zu regelmäßigen Vollversammlungen und Übernachtungsfahrten. Bülowladen in Schöneberg Neben den wöchentlich im Bülowladen stattfindenden politischen Jugendgruppenstunden wird die Einrichtung vom Landesverband für Seminare, Themenabende und politische Filmabende genutzt. Villa Freundschaft in Wedding Die Villa Freundschaft ist das Falkenhaus im Wedding. Auch 2006 gab es eine allwöchentliche „Volxküche“ (Gerichte zu Niedrigpreisen). Ebenfalls in der Villa Freundschaft fand unser kostenloses von der jfsb gefördertes Hausaufgabenhilfe-Projekt statt. Bereits seit 2005 trifft sich in der Villa ARA Reinickendorf, eine Gruppe des Verbandsprojektes ARA Berlin - Jugendradio gegen Rassismus. Neu in der Villa Freundschaft war das wöchentliche „Café Bohne“ am Freitag Abend. Neben einem Kicker und gemütlichen Sofas zum Chillen gibt es dort Getränke zum Fast-Selbstkostenpreis und monatliche Film- und Themenabende.

Unsere Einrichtungen

Die Falken unterhalten in Berlin 14 verschiedene Einrichtungen bzw. Gruppentreffpunkte, in denen ehren- und hauptamtliche Arbeit geleistet wird. Falkenarbeit findet vor Ort in den Falkengruppen statt, die sich regelmäßig treffen und z.T. über viele Jahre bestehen. Neben den Gruppenstunden gibt es in einigen Häusern besondere Angebote, zum Beispiel: Das Anton-Schmaus-Haus in Neukölln Das Anton-Schmaus-Haus in Britz ist ein Kinder- und Jugendzentrum der Falken für junge Menschen zwischen 6 und 24 Jahren. Zu unserem Haus gehört ein großer Außenbereich mit Abenteuerspielplatz sowie ein Basketball- und Fußballplatz. Regelmäßig treffen sich feste Kinder- und Jugendgruppen. Zu den laufenden Angeboten

Veranstaltungen / Seminare
Seminare und Themenabende Auf vielen Veranstaltungen und Seminaren, in Gruppenstunden und im Zeltlager haben wir uns mit unserem Jahresthema „Freundschaft ist international, Sozialismus ist antinational“ und anderen Themen der politischen Bildung befasst. Highlights 2006 waren das bereits traditionelle „Rosa und Karl“-Seminar im Januar und Wochenenden zu Inter- und Antinationalismus im März und November.

Jahresbericht 2006 | 47

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden
Inselrock 2006 Am 1. Juli gab es auf der Insel im Tegeler See ein linksalternatives Konzert von Jugendlichen für Jugendliche, das von ca. 1.000 Jugendlichen besucht wurde. Das Falkenprojekt ARA-Reinickendorf sowie der Reinickendorfer Kreisverband der Falken waren Mitveranstalter. Antifaschistisches Straßenfest im Weitlingkiez Am 16. September fand ein von den Falken mitorganisiertes Straßenfest im Weitlingkiez statt. Diese Gegend unweit des Bahnhofs Lichtenberg ist berühmt-berüchtigt für die hohe Konzentration von Neonazi-AktivistInnen, die dort wohnen, und immer wiederkehrende rassistische Übergriffe. Das Straßenfest mit Livemusik, Reden und Diskussionen und diversen Infoständen setzte ein Zeichen gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. GruppenleiterInnen-Kampagne und Schulungen Im Jahr 2006 haben die Berliner Falken eine GruppenleiterInnenkampagne begonnen und intensiv junge Leute dafür begeistert, Kindergruppen und politische Jugendgruppen aufzubauen. Höhepunkt war eine GruppenleiterInnenschulung mit über 40 TeilnehmerInnen in den Herbstferien. zum ESF, diesmal nach Athen, um über Globalisierung, soziale Gerechtigkeit und Prekarität zu diskutieren. Sylvesterfahrt nach Amsterdam 2006 haben wir unsere Tradition der Sylvesterfahrten wieder aufgenommen und sind mit über 20 jungen Menschen nach Amsterdam gefahren. In bewährter Weise verband die Fahrt Entspannung, Spaß und inhaltliche Auseinandersetzung, diesmal zu Themen wie Prekarisierung, Schule und den Ereignissen in Oaxaca (Mexico).

Unsere Projekte
ARA-Berlin, das Jugendradio gegen Rassismus Das Falkenprojekt ARA-Berlin machte in seiner Arbeit rassistische Diskriminierung, rechtsextreme Umtriebe und die nationalsozialistische Vergangenheit zum Thema und erarbeitete mit Jugendlichen Möglichkeiten, sich zu engagieren. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Medium Radio, und es wurden regelmäßige Sendungen, Projektschultage und Veranstaltungen organisiert. Zusätzlich entstanden mehrere Videofilme von und mit Jugendlichen. KidsCourage Das Falkenprojekt KidsCourage wurde im Jahr 2003 entwickelt. Mittlerweile gibt es fünf verschiedene Projekttage zum Thema Kinderrechte, die von Berliner Grundschulen für die 1.-6. Klassenstufe gebucht werden. Die Projekttage werden in der Regel von zwei jugendlichen KidsCourage-TeamerInnen durchgeführt, die regelmäßig geschult werden. Zurzeit umfasst das KidsCourageTeam ca. 30 Personen, die zwischen 16 und 25 Jahre alt sind. Kalender 2007 „Globalisierung“ Im Kontext der Debatten um eine gerechte Globalisierung und den kommenden Gipfel der G8-Staaten 2007 in Deutschland haben die Berliner Falken einen Taschenkalender 2007 zum Thema „Globalisierung und G8“ herausgebracht, der im Jahr 2006 von Jugendlichen erarbeitet und in einer Auflage von 10.000 Stück kostenlos an Berliner SchülerInnen verteilt wurde. Zusätzliche 1.500 Stück kamen den Falkengliederungen in den neuen Bundesländern bzw. deren Mitgliedern und Interessenten zugute. Das Kalenderprojekt wurde von der „Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt“, von der „Stiftung Umverteilen“ sowie aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Falken-Spielmobil Mit unserem Spielmobil haben wir auch dieses Jahr wieder die VeranstalterInnen von Kinder- und Straßenfesten unterstützt. Wir bieten zwei Hüpfkissen, eine Rollenrutschbahn, Clownschminken, das Basteln von Gipsmasken und mehr an. www.falken-berlin.de

Fahrten
Jugendbegegnung in Israel Die Berliner Falken pflegen einen intensiven Kontakt zur „Hanoar Haoved Vehalomed“ – kurz: „Noar Oved“, der „Lernenden und Arbeitenden Jugend“ in Israel. Jährlich treffen sich Jugendgruppen in Israel und Berlin. In den Osterferien 2006 fuhr eine Gruppe der Berliner Falken nach Israel, wo sie Seminare in einem Kibbutz genauso erwarteten wie Begegnungen mit verschiedenen Gruppen und dem Besuch historischer Stätten. Pfingstcamp und Kinderwochenenden In alter Tradition waren wir über Pfingsten mit Kindern und Jugendlichen zelten, dieses Jahr auf unserem traditionellen Zeltplatz in Berlin-Heiligensee. Wir haben regelmäßig Kinderwochenenden in der näheren Umgebung Berlins durchgeführt. Zeltlager in Masuren, Polen Das alljährliche Sommerzeltlager fand dieses Jahr in Polen, in der Region der Masurischen Seenplatte statt. Es stand unter dem Motto „Wir wollen kein Stück vom Kuchen, wir wollen die ganze Bäckerei!“ und stellte das Thema Globalisierung und Kapitalismus in den Mittelpunkt. Während des Zeltlagers trafen wir uns mehrfach mit Mitgliedern unserer polnischen Partnerorganisation. Internationale Begegnung beim Europäischen Sozialforum (ESF), Athen Nach der Teilnahme am Europäischen Sozialforum 2004 in London fuhr auch 2006 eine Delegation der Berliner Falken

48 | Jahresbericht 2006

JungdemokratInnen / Junge Linke

JD/JL sind ein emanzipatorischer und parteiunabhängiger, politischer Jugendverband. Wir beschäftigen uns mit tagespoltischen Geschehnissen, aber auch mit politischen Theorien und Utopien. Politisch verorten wir in uns in der außerparlamentarischen, sozialen und antikapitalistischen Bewegung.

1. Kleiner, nicht ganz vollständiger Jahresrückblick-Überblick
Einbürgerungstest, Fahnenschwenk-WM, Rütli-Hauptschuldebatte – das sind die Themen, zu denen wir im letzten Jahr nicht schweigen wollten. Auf dem Potsdamer Platz haben Bürgerinnen und Bürger gefragt: Sind Sie deutsch genug? Nur wenige erwiesen sich als „echte“ Deutsche, als sie den Hessischen Einbürgerungsfragebogen beantworten sollten. In unserer Kritik an der WM haben wir uns auf den Grundrechtsaspekt konzentriert, also die Beschränkung des öffentlichen Raums und den Ausbau von Überwachung und Kontrolle. Unser Seminar dazu war gut besucht. Dort wurde unter anderem die Idee für unsere Schultoraktion, bei der wir vor Schulen ein public viewing area abgesperrt haben, geboren. JD/JL beteiligte sich darüber hinaus am Kick-it-Bündnis gegen die rassistischen, unsozialen, sexistischen, kommerziellen und sicherheitspolitischen Auswüchse der Fußball-WM. In der Debatte um die RütliSchule wurden unserer Meinung nach zwar eine Reihe von richtigen und wichtigen Fragen aufgeworfen, allerdings oft verkürzt oder falsch beantwortet. In unserer kleinen Veranstaltungsreihe zum Bildungssystem sind wir deshalb als erstes genau diesem Phänomen nachgegangen: Wenn es nach Pisa und Rütli doch so offensichtlich ist, dass das dreigliedrige Schulsystem nicht funktioniert, warum wird es dann trotzdem nicht abgeschafft? Zwei Wochen später kam eine hessische Referentin nach Berlin und wir diskutierten über die Reproduktionsfunktion von Schule im Kapitalismus. Über Umwege gelangten wir mal wieder zur Schulpflicht, und diesmal wurde von einer Mitdiskutantin sogar Schule abschaffen gefordert (was natürlich nicht bei allen auf Gegenliebe stieß). Die dritte Veranstaltung widmete sich den alten, aber leider immer noch aktuellen Studiengebühren. Hier wurde klar, dass wir auch in Berlin besonders wachsam sein müssen, wie sich die Debatte nach den Wahlen entwickelt. Denn die Befürworter und Umkipper in der Koalition wachsen, je mehr in anderen Bundesländern Gebühren eingeführt werden.

Unsere Diskussionen machten mal wieder deutlich, dass Schulkritik weiter angebracht ist und Zeugnisse verbrennen auch. Das haben wir deshalb diesmal sogar zwei Mal getan (am Tag der Zeugnisvergabe vor dem Roten Rathaus und einen Tag später bei einer Veranstaltung in der Lichtenberger Parkaue). JD/JL machten ansonsten beim Schulstreik-Bündnis mit und waren – wie alle Veranstalter – überrascht und erfreut, wie erfolgreich die Demo war. Dazwischen diskutierten wir ein Wochenende lang die klassische Kontroverse, auf welchem Wege der Kapitalismus überwunden werden kann: über Revolution oder Reform? Nach Lektüre von Lenin, Luxemburg, Bernstein und Hirsch war vor allem klar, dass einiges noch länger diskutiert werden muss. Bei unserem Vorhaben, ein „Rütli-Seminar“ zu Integration und Bildung durchzuführen, stellte sich heraus, dass das Thema viel spannender als einfach vorzubereiten ist :-) Es wurde daher auf Februar verschoben. Unser zweiwöchentlicher Montags-Stammtisch erfreut sich weiterhin großen Zuspruchs. Außerdem gab’s Infostände beim Kontrollverluste-Festival, Tag der Erinnerung und Mahnung und beim Berliner Jugendforum. Das Sommercamp war super. Die neuen Postkarten sind grandios und in ganz Berlin verteilt worden.

2. Das linke Camp zur rechten Zeit
Das linke Camp zur rechten Zeit 2006 fand in diesem Jahr zum ersten mal als Kooperationsprojekt von JD/JL-Berlin und dem Bundesverband statt. Von insgesamt über 250 TeilnehmerInnen waren 40 BerlinerInnen angereist. Das AG-Programm war breit gefächert und ging von Weltfriedenspolitik, Radikaldemokratie und Antisemitismus über Haare schneiden und Gitarre spielen bis hin zu Familienkritik, Drogenpolitik und Schulkritik. Wie jedes Jahr wurde das Camp durch zahlreiche Internationale bereichert: Finnen, Dänen, Polen und Franzosen hatten in Beckerwitz ihren Spaß. Inhaltlich beeindruckten sie vor allem bei der Podiumsdiskussion mit dem Titel: Von PiSA bis Bologna - europäische Bildungspolitik. Je ein/e Vertreter/in von unseren internationalen Partnerorganisationen sowie Jana von der Linken SchülerInnen Aktion erzählten von den verschiedenen europäischen Bildungssystemen und welche Konsequenzen PiSA und Bologna in den jeweiligen Ländern mit sich bringen. Natürlich wurde in den zehn Tagen nicht nur diskutiert, sondern hier und da auch ein wenig gefeiert. Am letzten Abend gab es dann sogar eine richtige Party, wo zu guter Musik das Tanzbein geschwungen, Biogrillfleisch geschlemmt und mit Spezialcocktails angestoßen werden durfte. Der Abend war lang und endete auch nicht damit, dass die Cocktailbar geschlossen wurde. So waren am letzten Tag viele traurig, das Camp schon wieder verlassen zu müssen. Doch trotz des tränenreichen Abschieds gab es den Trost, dass schon in einem Jahr sich alle wieder sehen würden. Denn das nächste Sommercamp kommt bestimmt!

Jahresbericht 2006 | 49

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden
3. Kick Control! - Gegen Überwachung und Sicherheitswahn
Bericht von den Schultoraktionen während der Fußball-WM 2006 in Deutschland
Deutschland – ein Sommermärchen? Für die einen war’s der reine Freudentaumel: 30 Tage Sommer, Sonne und Fußball satt. Euphorische Stimmung in den Biergärten, ausgelassene Freude auf den Straßen und an jeder Ecke ne Fußballparty. Doch für andere war das sportliche Großereignis Anlass zu Beunruhigung. Die Angst vor dem internationalen Terrorismus, der organisierten Kriminalität und den randalierenden Fußballfans wurden zum Anlass genommen, mal wieder die Sicherheitskeule auszupacken und eine ganze Reihe alter und neuer Grundrechteinschränkungen zu installieren. Die Öffentlichkeit im Freudentaumel bekam davon kaum was mit. „Public viewing“ vor dem Schultor JD/JL haben deshalb u.a. im Mai 2006 ein Seminar zur Fußball-WM und ihren sicherheitspoltischen Auswirkungen durchgeführt. Auf dem Seminar ist dann die Idee entstanden, „public viewing“ vor die Schulen zu bringen und damit auf Kontrolle von Fußballfans und MitarbeiterInnen der WM, den Einsatz privater Sicherheitsdienste anstelle ausgebildeter Polizeibeamter und auf die Privatisierung öffentlicher Plätze während der WM und der damit verbundenen Videoüberwachung aufmerksam zu machen. Kick Conrol! – Mit Dosenwerfen gegen Videoüberwachung 7:30Uhr. Langsam füllt sich der Schulhof. Vor dem Schultor stehen wir: grüne T-Shirts an, auf denen weiß „Sicherheitsdienst“ zu lesen ist. Mir Stöcken und Absperrband haben wir einen Bereich abgesteckt. Drinnen gibt’s Kaffee und Waffeln. Wer rein will, muss sich am Eingang abtasten lassen. Wer drin ist, wird videoüberwacht. Außerdem gibt’s Kaffee und Waffeln für diejenigen, die sich am Grundrechtsabbaudosenschießen beteiligen. Wer nicht rein kommen will, bekommt Flyer, die über die Sicherheitsmaßnahmen während der WM informieren. Die Stimmung ist gut. Ein paar gehen vorbei, ein paar machen mit, alle sind auf uns aufmerksam geworden, und in der Pause wollen plötzlich alle Waffeln und Kaffee und mit uns diskutieren. Und, was hat’s gebracht? Für manche SchülerInnen war die Aktion nur Anlass zum schmunzeln, andere haben uns ganz ignoriert. Für viele war’s aber ‘ne willkommene Abwechslung im Schulalltag, und es hat jede Menge Spaß gemacht. Schultoraktionen sind vielleicht nicht die effektivste Art, möglichst viele SchülerInnen zu erreichen, dafür hat man einen intensiven Kontakt mit den SchülerInnen vor Ort. Insgesamt also ‘ne gelungene Sache!

4. „Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!“
Der Berliner Schulstreik in der Woche vor den Abgeordnetenhauswahlen war mit (nach unterschiedlichen Angaben) acht- bis zehntausend Teilnehmern ein großer Erfolg. Seit März hatten sich etwa zehn Schüler aus verschiedenen Schulen zusammengesetzt, um für die Woche vor den Abgeordnetenhauswahlen bildungspolitische Proteste zu organisieren. Die Forderungen, die sie ausgearbeitet hatten, trafen sich genau mit unseren politischen Vorstellungen: kleinere Klassen, Wiederherstellung der Lernmittelfreiheit, keine Studiengebühren, Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, Abschaffung von Noten. Auch wenn (gegen unter anderem unsere Einwände) auf die letzte Forderung am Ende verzichtet wurde, um ein breiteres Spektrum ansprechen zu können, doch ein Forderungskatalog, der vor den Abgeordnetenhauswahlen die wichtigsten Punkte zusammenfasste. So war es für uns, JD/JL Berlin, selbstverständlich, uns daran zu beteiligen. Nach den Sommerferien liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Immer mehr Schülerinnen und Schüler beteiligten sich, auch immer neue Organisationen: neben der LSV auch die „unabhängige kommunistische Jugendorganisation“ Revolution oder die Jugendantifa Berlin. Die Beteiligung an der Demo am Tag X, dem 13. September überraschte dann allerdings alle: Statt der angemeldeten 500 Teilnehmer kamen fast 10.000 Schüler und Schülerinnen. Besonders erfreulich war, dass nicht nur Gymnasiasten da waren, auch wenn die natürlich in der Überzahl waren. Trotz einiger organisatorischer Pannen (zu kleine Bühne am Anfang, das Konzert zum Abschluss fiel faktisch aus) erreichte die Demonstration ihren Zweck. In den Schulen in Berlin waren die Demonstration und ihre Forderungen Thema, an vielen Schulen kam es statt Repressionen (die es auch gab) zu Solidarisierungen der Lehrer. Auch die etablierte Politik in Berlin musste auf uns reagieren, wenn auch mit zum Teil abwegigen Stellungnahmen. Von verschiedenen Parteien gab es Unterstützung (manche, wie die CDU, hatten wohl aber die Forderungen nicht extra gelesen), der damalige Bildungssenator Böger fand, dass die Demonstration „Wahlkampf“ gewesen sei. Angesichts der Wahlaussagen und erst Recht der Politik der Parteien bleibt aber unklar, welche Partei die Forderungen der Demonstrierenden eigentlich vertritt. Aber zumindest ist es ja auch gut zu wissen, dass Böger wohl davon ausgeht, dass es seine Partei nicht ist. Nach dem schönen Erfolg kommt es jetzt darauf an, die inhaltliche Auseinandersetzung um die Forderungen weiterzuführen und in den Klassen und Schulen über ein besseres Bildungssystem zu diskutieren.

50 | Jahresbericht 2006

Berliner Jugendrotkreuz

Wir über uns
Das Berliner Jugendrotkreuz (JRK) ist der eigenverantwortliche Jugendverband des Deutschen Roten Kreuzes für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von sechs bis 27 Jahren. Jede und jeder kann mitmachen – freiwillig und kostenlos. Im Zeichen der Menschlichkeit übernehmen die Kinder und Jugendlichen selbstbestimmt Verantwortung, leben Demokratie und setzen sich für andere ein. Dieses Angebot nehmen aktuell um die 900 Kinder und Jugendliche wahr.

als in den letzten Jahren, welche sich mit Themen wie der neuen JRK-Bundesordnung ebenso befassten wie mit Projektmanagement oder Präsentationstechniken. Trotz der Erfahrung, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeitlich sehr eingebunden sind und es ihnen oft schwer fällt, weitere Termine in ihre Kalender zu integrieren, hat sich so die Anzahl der Teilnehmertage verdoppelt. Dabei kamen Angebote für die Kinder des Verbandes nicht zu kurz. Insbesondere das Kinderseminar zum Thema „Gesunde Ernährung und Bewegung“ fand großen Anklang bei den 25 Kindern, so dass eine Weiterführung im nächsten Jahr geplant ist. Durch die persönliche Ansprache, die in der Beziehungswelt des Jugendverbandes eine große Rolle spielt, war es möglich, für diese vielfältigen Angebote neue ehrenamtliche TeamerInnen zu gewinnen, die mit viel Einfühlungsvermögen, Wissen und Elan an ihre Aufgabe herangegangen sind.

Internationale Arbeit
Nach jahrelanger Pause ist das JRK im Jahr 2006 mit einer Internationalen Begegnung mit Luxemburg wieder in die Internationale Arbeit eingestiegen. Eine Gruppe von 15 JRKlerInnen verbrachte eine Woche in den Herbstferien in Luxemburg, um sich vor Ort ein Bild von der Rotkreuzarbeit im Nachbarland zu machen und um über neue Wege im ehrenamtlichen Engagement zu diskutieren. Weitere Begegnungen sind geplant.

Engagement in den Kreisverbänden
In den Kreisverbänden des Berliner Jugendrotkreuzes treffen sich Kinder und Jugendliche mit ihren GruppenleiterInnen an 13 verschiedenen Standorten. Neben der traditionellen Gruppenarbeit mit unterschiedlichen Schwerpunkten hat sich in einigen Kreisverbänden das Angebot einer Hausaufgabenhilfe, teilweise finanziert durch Aktion Mensch dieGesellschafter.de, etabliert. Hier erhalten Kinder aus umliegenden Schulen eine kostenlose Unterstützung bei ihren Hausaufgaben, sind betreut und werden an den Jugendverband herangeführt. Ebenfalls im Zuge der bundesweiten JRK-Kampagne „Armut: Schau nicht weg!“ lief bis zum Sommer 2006 in einem Kreisverband das Projekt „Feste feiern – möglich machen“, bei dem Kindern aus sozial schwachen Familien ein Angebot von kostenfreien Geburtstagsfeiern mit ehrenamtlichen OrganisatorInnen wahrnehmen können. Das Projekt wurde durch 5000 x Zukunft finanziert. Das Engagement der ehrenamtlichen JRK-Mitglieder zeigt auch in diesen Projekten das Interesse am anderen Menschen und am Helfen.

Fußball-WM
2006 war auch im Berliner JRK geprägt durch die Fußball-WM. Auch wenn das JRK-eigene Projekt „Mobil zur WM“ nicht realisiert werden konnte, waren viele Mitglieder auf der Fan-Meile und im Olympiastadion im Einsatz und zeigten dort gemeinsam mit SanitäterInnen des DRK ihr Können und Wissen im Sanitätsdienst. Die begeisterte Stimmung der Fans machte sich auch im JRK positiv bemerkbar, so dass ein gutes Gemeinschaftsgefühl und ein stolzes Gefühl, dem Berliner JRK anzugehören, verzeichnet werden konnten.

Krankenhausübung
Aufgrund der Konzentration auf die Fußball-WM insgesamt für die Stadt Berlin hat das Berliner JRK im letzten Jahr lediglich an einer Krankenhausübung mitgewirkt. Diese insgesamt erste Übung unter dem neuen Senat

Bildungsarbeit
Passend dazu lagen die Schwerpunkte der Bildungsarbeit auf Landesebene auch im Jahr 2006 auf den traditionellen Angeboten des JRK. Neben Sanitätsausbildungen und den Lehrgängen zur Realistischen Unfalldarstellung gehörte hier wieder der Gruppenleiter/innen-Lehrgang zu den erfolgreich durchgeführten Seminaren. Aufgrund von Nachfragen insbesondere aus den Reihen der Kreisjugendleitungen kam es zu einer größeren Anzahl von Fortbildungen

Jahresbericht 2006 | 51

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden
mit rund 60 Mimen, Schminkern, RettungsdienstdarstellerInnen und AngehörigendarstellerInnen fand sehr positiven Anklang in der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz und kann als gelungener Auftakt für eine weitere Zusammenarbeit gesehen werden.

Kooperation mit Schulen
Die gleichbleibend gute Resonanz auf unser Projekt „Erste Hilfe-Unterweisungen an Grundschulen“ hat das JRK dazu bewogen, über eine Ausweitung des Projekts nachzudenken. Neben der Unfallkasse Berlin, die das Projekt schon seit Jahren unterstützt, konnte nun ab 2007 die Deutsche Herzstiftung als weiterer Kooperationspartner gewonnen werden. So werden die 365 Unterweisungen im Jahr 2006 in Zukunft hoffentlich weit übertroffen werden. Ziel des Projektes ist es weiterhin, neben der Vermittlung von kindgerechtem Erste-Hilfe-Wissen und der damit verbundenen Sicherheit bei den SchülerInnen, im Notfall zu helfen, zur Verbesserung des sozialen Klimas in der Schule beizutragen. Im Projekt „Schulsanitätsdienst“ (SSD) haben weitere Oberschulen Interesse gezeigt, so dass sich die Zahl der SSD-Gruppen auf 32 erhöht hat. Hier steigert die Ausbildung in Erster Hilfe das Selbstbewusstsein der Schüler und nimmt die Angst vor Notfällen. Die Mitgliedschaft in der Schulsanigruppe fördert das Verantwortungsbewusstsein der Schüler untereinander. Das Gefühl „Helfen zu können“ stärkt das Wertegefühl der Jugendlichen. „Hinschauen statt Wegsehen“ wird gefördert. So ist dieses Projekt eine Weiterführung der „Ersten Hilfe-Unterweisung an Grundschulen“ und fördert die Bereitschaft der Jugendlichen zu bürgerschaftlichem Engagement.

Realistische Unfalldarstellung
Nicht nur zur Krankenhausübung kamen die ausgebildeten Mimen (VerletztendarstellerInnen) und Schminker mit der traditionellen Aufgabe der Realistischen Unfalldarstellung zum Zuge. Das mittlerweile 30 Personen umfassende RUD-Team gibt den Übungen ebenso wie den Erste-HilfeStationen bei Wettbewerben mit ihren Wunden und der Darstellung von Verletzungen den realistischen Rahmen. Durch eine weiterführende Ausbildung der Teamer ist hier eine Steigerung der Qualität auch von externen Beobachtern bemerkt worden.

Öffentlichkeitsarbeit
Zum Weltkindertag war das JRK ebenso öffentlichkeitswirksam vertreten wie mit dem Rollstuhlschiebedienst zur Langen Nacht der Museen im Januar und mit einem Kinderfest im August. Das Berliner Jugendrotkreuz präsentiert sich seit mehreren Jahren im Internet. Die Internetpräsenz teilt sich in zwei Bereiche, zum einen in den Öffentlichkeitsbereich, welcher unter der Adresse www.drk-berlin.de/jugendrotkreuz zu finden ist, zum anderen in den Mitgliedsbereich unter der Adresse www.jrk-berlin.de. Immer mehr Anfragen finden ihren Weg über dieses Medium mit den zahlreichen informativ gestalteten Seiten über die Arbeit des JRK. Beide Bereiche werden von einem ehrenamtlichen Mitglied betreut und in erster Linie gestaltet.

Gremienvertretung
Zur Alltagsarbeit gehören auch die zahlreichen Gremiensitzungen, in denen das JRK inner- und außerverbandlich vertreten ist. Neben den eigenen Sitzungen – Landesdelegiertentag, Landesjugendausschuss, Landesarbeitskreis und Landesleitung ebenso wie Bundesausschuss und Bundesdelegiertentag – ist das JRK im Landesausschuss und im Rechtsausschuss des Berliner Roten Kreuzes vertreten. Auch im Hauptausschuss des Landesjugendrings gibt es weiterhin eine Vertretung über Irina Radtke. Präsenz zeigte das JRK darüber hinaus auf den Mitgliederversammlungen des Landesjugendrings, des Deutschen Jugendherbergswerks und des Deutschen Bundesjugendrings.

JRK-Messeservice
Im Bereich des Engagements für Menschen mit Behinderungen hat sich das JRK traditionell mit dem JRK-Messeservice auf der Internationalen Grünen Woche, auf der Internationalen Tourismusbörse und auf der Internationalen Funkausstellung engagiert. Menschen, die die langen Wege und die Menschenmassen auf den Messen nicht alleine bewältigen können, haben hier die Möglichkeit sich - zumeist in einem Rollstuhl - von freundlichen JRK-Mitgliedern über die Messe begleiten zu lassen. Dieses Angebot wird nicht nur von einigen jahrelangen Stammkunden genutzt, sondern auch von MitbürgerInnen, die neu von dem Angebot erfahren – wie in diesem Jahr von einer Gruppe blinder Jugendlicher, denen so einen Besuch auf der Grünen Woche möglich war.

52 | Jahresbericht 2006

Junge Presse Berlin e.V. 60 Jahre JPB - mit Liebe gebacken

(www.berliner-jugendforum.de). Für politikorange, das Magazin der Jugendpresse, berichten junge Medienmacher aus dem Bundestag, von den Abgeordnetenhaus-Wahlen, von Parteitagen oder der Internationalen Funkausstellung (www.politikorange.de).

Hilfe bei Zensur- und Rechtsfragen
In Berlin werden Schülerzeitungen offiziell nicht mehr zensiert. Doch immer noch versuchen Lehrer/innen und Direktor/inn/en, auf den Inhalt von Schülerzeitungen Einfluss zu nehmen. In Zensur- und Rechtsfragen hilft die JPB aus langjähriger Erfahrung mit unverbindlichen Ratschlägen weiter.

Wir machen Medien...
...und das seit 60 Jahren. Seitdem ist die Junge Presse Berlin (JPB) der Zusammenschluss der Berliner Jugendmedienlandschaft, egal ob Schülerzeitung, Studentenradio oder Internetmagazin. Wir vertreten Jugendmedien unabhängig von Firmen, Parteien oder staatlichen Einrichtungen. Wir alle sind Schüler/innen und Student/inn/en, die selber aktiv an einer Schülerzeitung oder einem anderen Jugendmedium mitarbeiten oder mitgearbeitet haben und ehrenamtlich die JPB organisieren und gestalten. Im Laufe der Zeit haben sich fast 400 junge Medienmacher in unserem Verein zusammengeschlossen.

Archiv
Einen Einblick in die lange Tradition von Schülerzeitungen bietet unser Archiv. Über 60 Jahre Schülerzeitungsgeschichte sind dort gesammelt, rund 800 verschiedene Schülerzeitungen seit den 40er Jahren sind archiviert und stehen jeder/m auf Wunsch zur Verfügung.

Vorstand und Aktive
Mitglied im Vorstand waren Leo Lölhöffel (Vorsitz), Sabrina Schärf (Schriftführerin), Sebastian Haupt (Kassenwart) sowie Nemezjusz Kastelan und Christian Schloßnickel als Beisitzer. Nach dem Sommer trat Christian Schloßnickel aus privaten Gründen aus dem Vorstand zurück und aus dem Verein aus. Nach den Wahlen im November bilden jetzt Michael Metzger (Vorsitz), Shirine Issa (Schriftführerin) und Leo Lölhöffel (Kassenwart) den Vorstand. Inhaltliche Entscheidungen wurden vom Aktivenkreis getroffen. Hinzu kam der monatliche jugend.macht.berlinStammtisch, ein Netzwerk aktiver Berliner Jugendlicher, das von der JPB mitinitiiert wurde. Das Büro war, mit sehr wenigen Ausnahmen, mindestens einmal die Woche für die Mitglieder offen.

Seminararbeit
Wie schreibe ich den guten Artikel? Wie schieße ich das perfekte Foto? Wie sieht ein ansprechendes Layout aus? Ein Wochenende lang probieren und lernen junge Medienmacher/innen, tauschen Erfahrungen aus. Die JPB bietet in Zusammenarbeit mit der Servicestelle Jugendbeteiligung Tages-Workshops direkt an Schulen an.

Der Jugend-Presseausweis
JPB-Mitglieder können den Jugend-Presseausweis beantragen. Dieser wird sowohl von der Deutschen Journalisten-Union als auch dem Deutschen JournalistenVerband unterstützt. Durch den Jugend-Presseausweis kann mensch so bundesweit seine journalistische Tätigkeit nachweisen. Der Jugend-Presseausweis hilft, bei der Recherche einfacher an Informationen zu kommen.

Internationales und Projekte
Die Belarusfahrt bestand in einem Austausch zwischen jungen MedienmacherInnen aus ganz Deutschland und aus Belarus, es ging dabei um das Kennenlernen zweier vollkommen unterschiedlicher Mediensysteme. Ferner bekamen wir im Frühjahr Besuch einer Delegation der Educative Press Shanghai, die sich allerdings eher als Presse für Jugendliche, statt als Presse von Jugendlichen entpuppte. Wichtigste Projekte waren in diesem Jahr der Schreibwettbewerb zum AIDS-Kongress, die seit dem Frühsommer stattfindenden Jugendfotos-Streifzüge durch Berlin, die vierwöchige PolitikOrange zu den BerlinWahlen 2006, die sowohl online als auch als Printversion in einer Auflage von

Jugendmagazine
Mit mehreren Partnern hat die Junge Presse Berlin das Berliner Jugendforum auf die Beine gestellt, eine Homepage, auf der Berliner Jugendliche über Politik schreiben und mit Politikern aus der Hauptstadt diskutieren

Jahresbericht 2006 | 53

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden
über 20.000 Stück erschien (www.politkorange.de) sowie der Berliner Schülerzeitungswettbewerb in Kooperation mit dem Berliner Senat; der Einsendeschluss war Ende November. Ende November hat die JPB noch eine OnlinePolitikOrange (Veranstaltungsmagazin der Jugendpresse) zum Berliner Jugendforum gemacht, woraus www.berlinerjugendforum.de hervorgegangen ist.

Konflikte
Innerverbandlich war die JPB auch von starken inneren Konflikten geprägt, die zum Ende des Jahres hin aber immer stärker verebbten. Sie waren ein Resultat aus den Konflikten im vorangegangen Vorstand, die im Dezember 2005 zu Neuwahlen geführt hatten. Wesentliche Konfliktfelder waren das Protokoll der letzten Mitgliederversammlung, wofür eine Lösung gefunden werden konnte, mit der alle Konfliktparteien einverstanden waren. Weiteres Dauerthema war der ehemalige Vorsitzende Laserstein, dem im Zusammenhang mit der Brüsselfahrt 2005 von einigen Mitgliedern grob fahrlässiges Verhalten vorgeworfen worden ist. Sein Ausschluss ist teilweise gefordert worden. Der Vorstand hat sich dagegen entschieden, ein Ausschlussverfahren einzuleiten, weil er keine nachweisbare grobe Fahrlässigkeit vorliegen sah, und hat das Thema nicht weiter verfolgt. Ein weiterer Streit ging ums JMC. Infolge von Meinungsverschiedenheiten und Kommunikationsproblemen zwischen Organisationsteam und Trägern sind JPB, JPVB und JMMV ausgestiegen. Das Organisationsteam hat neue Träger gefunden.

Seminare / Pressebesuche
Bereits Ende Januar fand ein Layoutseminar statt, in dem den TeilnehmerInnen das Layouten mit professionellen Programmen beigebracht wurde. Anfang April gab es ein zweitägiges Radioseminar in Kooperation mit Radio Fritz!, dort ging es um das Produzieren von Radiobeiträgen und sendungen sowie um den Aufbau einer Radioanstalt. Ende April gab es einen Pressebesuch im Berliner Ensemble, wo Max Frischs Andorra inszeniert wurde. Wir bekamen eine Führung durch das Theater, hatten ein Gespräch mit dem Regisseur und sahen abends gemeinsam das Stück. Im Frühsommer fand gemeinsam mit dem Jugendpresseverband Brandenburg (JPVB) ein Moderationsseminar statt. Wir veranstalteten ein kleines und ein großes Schülerzeitungs-Grundlagen-Seminar (GruLaSem). Ein weiteres GruLaSem fand im September für drei Schülerzeitungen statt und war auf deren Probleme zugeschnitten. Eine Betreuung der drei Schülerzeitungen ging bis zum Jahresende weiter. Anfang Oktober fand ein einwöchiges JugendleiterInnenCard-Seminar statt. Anfang Dezember hat ein Glossenseminar stattgefunden, dass die Tiefen der wohl schwierigsten Stilform praktisch erschlossen hat.

Finanzen (kurz)
Auf der JPB lasteten im Jahr 2006 Altschulden in Höhe von neuntausend Euro, die inzwischen aber auf sechstausend Euro reduziert werden konnten. Die endgültige Tilgung ist bis spätestens Ende 2008 geplant. Trotz der hohen Schulden war die JPB liquid und konnte alle Veranstaltungen finanzieren.

JugendMedienCamp
Das JugendMedienCamp (JMC) war über 13 Jahre die größte Veranstaltung der JPB, die in gemeinsamer Trägerschaft mit JPVB und Jugendmedienverband Mecklenburg-Vorpommern (JMMV) in letzter Zeit von einem separaten Organisationsteam geplant wurde. Dort treffen sich knapp 200 Jugendliche für fünf Tage in der südmecklenburgischen Pampa und besuchen Workshops rund um Jugendmedien; etwa vierzig Prozent der Workshops hatten freie Themen ohne direkten Medienbezug. Es haben im Frühjahr mehrere Vorbereitungstreffen zum JugendMedienCamp stattgefunden, an Pfingsten dann das JMC selbst. Auch ein Nachtreffen fand statt und schon das erste Vorbereitungstreffen für das JMC 2007. Die Zusammenarbeit hat geendet.

54 | Jahresbericht 2006

und einen FSJ´ler an der Kurt-Tucholsky-OS, die Neugestaltung und Organisation des SchülerInnenklubs an der Käthe-Kollwitz-OS durch zwei FSJ´ler. Neben den individuellen Engagements an den Schulen ist ein gemeinsames Projekt in Planung, voraussichtlich ein Konzert gegen rechts. Nächstes Jahr soll sich die Idee weiter multiplizieren. Mit neuen Schulen gibt es bereits Kooperationsgespräche.

KINDERRING BERLIN E.V.
„Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Kämpfen“
Das ist das Motto des KINDERRING BERLIN e.V. Unser Verein wurde 1990 von Eltern, Jugendlichen und Kindern gegründet. Schwerpunkt der Arbeit des Kinderrings ist die stadtteilorientierte und -übergreifende Kinder- und Jugendfreizeitarbeit und die Schaffung von Freizeit- und Erholungsangeboten. Unser Ziel es „...., in einer zunehmend verwalteten und verwerteten Welt Räume zu erhalten und zu schaffen, in denen sich eine Kindergesellschaft bilden und entfalten kann“ (§ 2 der Satzung des Vereins). Unsere Aktionen und Projekte werden so konzipiert, dass Kinder und Jugendliche zu eigenständigem und selbstbestimmtem Handeln ermutigt werden. Neben vielen anderen jugendverbandlichen Aktionen wollen wir hier exemplarisch Projekte und Veranstaltungen vorstellen:

Geburtstagsfeier im Mauerpark
Alle waren eingeladen, als wir am 07.05.2006 unseren 16. Geburtstag im Mauerpark feierten. Ein buntes Treiben bei jeder Menge Sonne und warmen Temperaturen lockte viele Familien auf die Wiese zum Mitmachen, bauen, malen, kreiseln, Stelzenlaufen, zuschauen, quatschen, Kuchenessen, Stockbrotgrillen oder einfach die Seele baumeln lassen. Ein voller Erfolg, den wir gern wiederholen und zwar am 06. Mai 2007!

U 18 Wahlen und Plakatkampagne
Unsere Einrichtungen aktivierten zahlreiche Kinder und Jugendliche, ihr politisches Engagement im Rahmen der Kampagne U 18 zu unterstreichen. Eine Woche vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 08. September in Kooperation mit diversen Schulen wählten sie ihre/n Kandidaten/ Kandidatin und ihre Partei unabhängig vom Alter und ihrer Staatszugehörigkeit. Im Vorfeld formulierten die Kinder und Jugendlichen ihre Wünsche auf Plakaten. Wir verfassten Briefe an die PolitikerInnen mit der Bitte, ihre Stellflächen für unsere Forderungen frei zu geben. Als die Plakate aus der Druckerei kamen, konnten wir die Plakatflächen von der SPD, der Linke.PDS, den Bündnis90/Grünen und der FDP überkleistern. Höhepunkt und Ausklang unserer Plakataktion war die abschließende Podiumsdiskussion auf dem Alexanderplatz. Die jugendpolitischen VertreterInnen der Parteien gaben ihre Ideen zur Verbesserung der Lebenssituation Jugendlicher vor großem Publikum zum Besten.

fsj@school – Schule verändern!
Das FSJ@SCHOOL weitet sich aus. Wieder konnten neue Schulen für die Idee begeistert werden, und so sind im Jahr 2006 bereits neun Ableistende des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ`ler/innen) als Teil der Initiative an sechs Schulen und im Bezirksamt Pankow tätig. Zwei FSJ´lerinnen engagieren sich mittlerweile für den Verein in der Schule. Die Finanzierung für sie konnte über das Bezirksamt Marzahn und über das American Jewish Committee sichergestellt werden. Im März konnte das Konzept vor dem Hintergrund des Abschlusses der „Rahmenvereinbarung Schule – Jugendverbände“ Senator Böger und ausgewählten VertreterInnen der beteiligten Institutionen in der Kurt-Tucholsky-OS vorgestellt werden. Beispielhaft sind zu nennen: die Fusion der Camille-Claudel mit der Pasteur-OS zur 13. OS Prenzlauer Berg wird durch einen FSJ´ler unterstützt, der Schülerklub der Kurt-Schwitters-OS wird durch einen FSJ´ler begleitet, ein FSJ´ler organisiert in Kooperation mit der Jugendförderung Pankow partizipative Projekte und den Schülerausschuss im Bezirk, die Unterstützung der SV-Arbeit durch eine FSJ´lerin

Internationale Begegnungen
Das Thema Menschenrechte spielte eine zentrale Rolle während den internationalen Jugendbegegnungen. An European Youth for Human Rights and European Identity, das vom 6.- 17. August in Berlin stattfand, nahmen 35 Jugendlichen aus fünf verschiedenen europäischen Ländern teil. Außerdem fand die Youth School for Human Rights vom 7.-13. Juli (in Polen) und vom 22.-28. August in Berlin statt. Hier nahmen 40 Jugendlichen aus Deutschland und Polen teil. Das Ziel der beiden Begegnungen war es, den Jugendlichen Wissen über die Menschenrechte zu vermitteln und Anstöße für zivilgesellschaftliches Engagement

Jahresbericht 2006 | 55

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden
zu geben. Darüber hinaus ist das Ziel, die Geschichte des Holocaust und Antisemitismus bewusst zu machen und dafür zu sensibilisieren.

Pension 11. Himmel in Marzahn
Die Pension 11. Himmel im 11. Stockwerk des Hochhauses in der Wittenberger Straße 85 hat sich als internationale Anlaufstelle für Interessierte des Quartiers etabliert. Jugendliche versorgen Gäste aus aller Welt als Pagen und Köche. In der Zeit der Weltmeisterschaft wurde sogar Prinz Charles von Wales eingeladen, in der Königlichen Suite zu nächtigen. Mittlerweile gibt es Überlegungen, den globalen Charakter der Besuche in Marzahn durch den Aufbau einer Internationale Begegnungsstätte zu festigen. Eine Machbarkeitsstudie wurde bereits beauftragt.

Adventsfeuer auf dem Abenteuerspielplatz „KUHFUß“
Ein großes Fest zum Abschluss des Jahres sind die Adventswochenenden auf dem ASP KUHFUß in Treptow. An vier Sonntagen lodern die Flammen für über 300 BesucherInnen. Ein Riesenspektakel mit vielen Aktivitäten für jung und alt rund ums Feuer. Hier konnten bei kulinarischen Spezialitäten entspannt Gespräche an der wärmenden Glut geführt werden, für die das ganze Jahr kaum Zeit war, und Kinder sausen von einem Spiel zur nächsten Bastelecke. Begleitet werden die Lagerfeuer mit Live-Klängen befreundeter Musikbands. Der Erlös der Einnahmen kam den BesucherInnen des Platz zu Gute: ein Kicker wurde angeschafft. Der ASP KUHFUß ist auch eine feste Instanz für die Rekrutierung von BetreuerInnen für unsere Ferienlager.

56 | Jahresbericht 2006

Jugendnetzwerk Lambda

Wer wir sind
Das 1990 gegründete Jugendnetzwerk Lambda BerlinBrandenburg e.V. ist mit etwa 500 Mitgliedern der größte und vor allem einzige Jugendverband von und für lesbische, schwule, bisexuelle und transgender-Jugendliche (im Folgenden „lsbt“ genannt) bis einschließlich 26 Jahre in Berlin und Brandenburg. Wir sind anerkannter Träger der freien Jugendhilfe in Berlin

bei uns die Möglichkeit, in unterschiedlichen Teams, wie beispielsweise dem Web-Team oder dem Filmprojekt HomoMovie, in ihren individuellen Interessensgebieten zu arbeiten und Veranstaltungen ebenso zu organisieren wie durchzuführen. Bei all diesen Projekten stehen wir den Jugendlichen beratend und unterstützend zur Seite. Ferner gibt es bei uns auch Bildungsangebote in Form von unterschiedlichen, über das Jahr verteilten Seminaren im Rahmen der Lambda Akademie. Schließlich verfolgen wir in verschiedenen Gremien die Interessen der lsbt Jugendlichen und leisten zudem Aufklärungsarbeit, die sich auch und insbesondere an heterosexuelle Jugendliche und Erwachsene richtet, darunter vor allem Politiker, Journalisten und Eltern.

Aktivitäten 2006
Lambda hat die Talsohle durchschritten. Nach zwei wirklich schweren Jahren, gekennzeichnet von massiven finanziellen Schwierigkeiten und aktutem Mitglieder- und EhrenamtlerInnenschwund, konnten wir in 2006 das Ruder rumreißen und machten uns nach interner Revision daran, das Angebot an Freizeitaktivitäten und ehrenamtlicher Mitarbeit wieder aufzubauen. Gekennzeichnet war das Jahr durch viele Bildungsmaßnahmen, denn nach einem schmerzhaften Generationswechsel war viel Know-how verloren gegangen. Unter anderem führten wir ein JuleiCaSeminar, Koordinations- und Organisationsseminare und Maßnahmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit erfolgreich durch. Wie jedes Jahr waren wir auch 2006 wieder

Unsere Ziele
Unser langfristiges Ziel ist es, Akzeptanz und Unterstützung von lsbt Lebensweisen in unserer Gesellschaft zu fordern und zu fördern und lsbt Jugendliche auf nationaler und internationaler Ebene zu emanzipieren. Kurz- und mittelfristig verfolgen wir das Ziel, lsbt Jugendlichen einen diskriminierungsfreien Raum zu bieten sowie die Möglichkeit, Freundschaften aufbauen und pflegen zu können. Gleichzeitig vertreten wir die Interessen dieser Jugendlichen in der Öffentlichkeit und Politik. Darüber hinaus haben wir uns zur Aufgabe gemacht, lsbt Jugendliche in ihrem Selbsterkennungsprozess sowie in psychosozialen Notsituationen eine Unterstützung zu sein.

Unsere Angebote
Wir bieten ein breites Spektrum an Angeboten für lsbt Jugendliche, denen wir zum einen ein ehrenamtliches Engagement bei uns ermöglichen und zum anderen die Dienstleistungen dieser ehrenamtlich Tätigen zur Verfügung stellen. Im Zentrum dieser Aktivitäten stehen zunächst die verschiedenen, wöchentlich stattfindenden Jugendfreizeitgruppen sowie Wochenendfahrten und Ferienfreizeiten, welche den Jugendlichen nicht nur die Möglichkeit zur gemeinsamen Freizeitgestaltung und Selbstverwirklichung bieten, sondern auch ihre sozialen Kompetenzen fördern und stärken. Darüber hinaus gibt es für die Jugendlichen

auf den lesbischwulen Events, also dem LesBiSchwulen Stadtfest, dem CSD und dem Parkfest Friedrichshain mit von der Partie. Ansonsten waren wir schwerpunktmäßig in Brandenburg aktiv. Hier waren wir auf der BrandenburgTour zusammen mit AndersArtig e.V. unterwegs in Potsdam-Mittelmark und haben eine Woche lang gemeinsam Infostände und Aufklärungsveranstaltungen durchgeführt. Die Krönung des Jahres war die Wiedereröffnung unseres Peerberatungsprojektes In&Out, für das wir inzwischen sogar eine halbe Stelle organisiert haben. Das Projekt hat bei Lambda eine mehr als zehnjährige Tradition und ist eine wichtige Ergänzung unserer Arbeit.

Jahresbericht 2006 | 57

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden Naturschutzjugend Berlin (NAJU) im Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V.
Eine Vernetzung bzw. ein Informationsaustausch zwischen Berliner Jugend- und Jugendumweltverbänden fand über das ganze Jahr statt. Leider erschienen zu diesen Treffen nur Vertreter der Greenpeace Jugend und der Jugendgruppe von attac. Neben diesem Austausch beteiligt sich die NAJU Berlin auch am bundesweiten Jugendbündnis Zukunftsenergie, dessen Ziel es ist, die Energieversorgung 100% aus Erneuerbaren Energien zu decken. Unser Naturerlebniscamp in der Storchenschmiede Linum fand nun bereits das fünfte Mal statt. Jeweils für eine Woche campierten 8bis 12-jährige Mädchen und Jungen in Zelten auf der Obstbaumwiese. Wir hatten megaviel Spaß und eine Menge über kleine und große Vögel und andere Tiere erfahren, ob beim Beringen von Kleinvögeln und Schleiereulen, der Storchenwanderung, beim Tümpeln und beim Reiten. „NABU-Camp in Linum bringt viele Abendteuer mit sich“ – so stand es sogar in zwei regionalen Zeitungen. Natürlich wollten alle diese Artikel haben und zeigten sie begeistert ihren Eltern. Unter dem Motto „Draußen ist was los! Das Abenteuer liegt vor der Haustür!“ treffen sich unsere sechs Kinderumweltgruppen in den Bezirken: Pankow, Marzahn, Reinickendorf, Schöneberg, Friedrichshagen und Steglitz regelmäßig zweimal im Monat. Durch einen Förderantrag an die Stiftung Naturschutz Berlin konnte eine Grundausstattung für alle Kinderumweltgruppen gekauft werden. „Stunde der Gartenvögel“, „Spinnen und ihre Netze“, „Lebensraum Boden“, „Wasseruntersuchungen in der Wuhle, im Tegeler Fließ, im Bürgerpark Pankow“ „Krötenzaun“ „Gewölleuntersuchungen“, „Wintergäste“ sind einige der Entdeckungstouren unserer jungen Naturforscher. Bei einem Arbeitseinsatz im „Biesenhorster Sand“ mit den „Großen“ standen wir auch unseren Mann! Wer Lust hat, mehr über uns zu erfahren, schaut unter www.nabu-berlin.de.

Wer sind wir?
Der NABU Berlin ist ein gemeinnütziger Verein in Berlin und als Landesverband Teil des NABU Deutschland N aturschutz A rtenschutz B iotopschutz U mweltschutz… …und wir, das sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter bis 27 Jahre und gehören der als NAJU im NABU e.V. bezeichneten Jugendorganisation des Landesverbandes an. Unsere Aufgabe ist es, Jugendlichen und Kinder die Ziele des NABU e.V. näher zubringen und die Vereinsarbeit zu unterstützen.

Was haben wir gemacht?
Auch in diesem Jahr stellte der portugiesische Jugendaustausch das wichtigste und größte Projekt der NAJU Berlin dar. Im Frühjahr 2006 wurde das zweite größere Projekt der NAJU in Angriff genommen, der Naturerlebnisgarten. Neben der Wiederherstellung des Naturerlebnisgartens wurde im zweiten Halbjahr innerhalb eines Praktikums ein Konzept für den Naturerlebnisgarten entwickelt. Neben der Naturnähe des Gartens soll auch Umweltbildung eine große Rolle spielen. Daher ist die Kindergruppe Pankow von der Schabracke in den Naturerlebnisgarten umgezogen. Während dieses Praktikums wurde auch der Aufbau der NAJU-Homepage überarbeitet. Sie gestaltet sich nun übersichtlicher, alte Informationen wurden durch neue ersetzt. Die Landesversammlung fand dieses Jahr im Mai statt. Hier wurden Kristian Klöckner, Änne Günther und Katrin Bohn in den Vorstand gewählt, welcher auch als Delegation zur Bundesdelegiertenversammlung im Oktober entsendet wurde, so dass Berlin in diesem Jahr mit drei Stimmen vertreten war.

58 | Jahresbericht 2006

NATURFREUNDEJUGEND BERLIN
Wer sind denn die Naturfreundejugend Berlin?
Die NATURFREUNDEJUGEND BERLIN ist ein Zusammenschluss linker Jugendlicher. Bei uns finden sich die unterschiedlichsten antiautoritären, emanzipatorischen und links-undogmatischen Positionen. Unser zentrales Ziel ist es, kritisches Denken von Kindern und Jugendlichen zu schärfen und ihnen zu vermitteln, dass politisches Handeln schon in unseren alltäglichen Kontakten beginnt. Partizipation, Selbstbestimmung und die Möglichkeit, Seminare und Reisen selber zu organisieren, lassen diesen Anspruch praktisch werden. Jugendliche sollen durch unsere Angebote befähigt werden, gesellschaftliche Zusammenhänge zu erkennen, ihre Lebenssituation zu beeinflussen und demokratische Verhaltensweisen in Gruppen zu erlernen. Respekt und Demokratie stehen dabei als inhaltliche Leitlinien im Vordergrund. Darüber hinaus möchten wir Kinder und Jugendliche in unseren sozialen Verbandszusammenhang integrieren, damit sie Teamarbeit, konkrete Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen und Verantwortungsübernahme erfahren. Mit all unseren unterschiedlichen Aktivitäten (Freizeiten, Kursen, Arbeitskreisen, Publikationen, Veranstaltungen) kämpfen wir aktiv gegen Rassismus in Staat und Gesellschaft, gegen Überwachung und Militarisierung der Gesellschaft. Wir streiten für den Ausbau demokratischer Rechte, offene Grenzen, soziale Rechte und die gerechte Verteilung von Lebenschancen.

Die Arbeitkreise treffen sich 14-tägig oder wöchentlich in der Geschäftsstelle der NFJ, um politische Aktionen zu planen und aktuelle Themen zu diskutieren. Im Jahr 2006 gab es AK’s zu Nationalismus, Fußball-WM, Rassismus, Internationale Zusammenarbeit, Reiseorganisation und –durchführung und Gryphiuskino. Die interne Kommunikation unter NFJ-Mitgliedern und Aktivist_innen wird weiterhin durch den monatlich erscheinenden email-Newsletter gefördert, und zwei Mal gab die LKJL die Mitgliederzeitung ‚kleine Naturfreundin’ heraus. Der Stammtisch findet alle zwei Woche im Gelegenheiten statt und wird immer besser besucht! Kontinuierlich pflegten wir den Kontakt zu den NFJ- Stadtteilprojekten. NFJ unterhält einen Abenteuerspielplatz mit Hort in Reinickendorf, ein Kinderfreizeitprojekt mit Kita in Neukölln, das Ferienzentrum am Plätlinsee und eine ökologische Bildungseinrichtung in der Wuhlheide. Im Kinderbereich arbeiten wir stark mit den Pädagogen vor Ort zusammen.

Was waren unsere Aktivitäten und inhaltlichen Schwerpunkte im Jahr 2006? I. Das ständige Geschäft II. Ein paar Highlights im Jahr 2006
Verband: Im Februar fand die Mitgliederversammlung der Naturfreundejugend Berlin in der Gryphiusstraße statt. Hier wurde das Arbeitsprogramm für das kommende Jahr diskutiert und ein neuer Vorstand gewählt. Es wurde der jüngste Vorstand der letzten zehn Jahre gewählt. Fünf Frauen und zwei Männer. Vier unter 18 Jahren, drei über 18 Jahren. Sie trafen sich 2-wöchentlich, um die anliegenden Probleme zu lösen, anstehende Aktivitäten zu planen und um politische Entwicklungen zu diskutieren. Solifahrt nach Warschau: Wie im letzten Jahr fuhr eine Delegation der NFJ zum Christopher Street Day nach Warschau. Hiermit drückten wir unsere Solidarität für Homosexuelle und deren Kampf gegen Diskriminierung in Polen aus. Mit einem „think queer“-Plakat zeigten wir Flagge gegen das dortige Verbot der Demonstration für

Im Jahr 2006 fanden verschiedene Jugendreisen nach Korsika, Österreich, Spanien, Mecklenburg-Vorpommern usw. statt. Wir erreichten bis zu 600 Jugendliche. Es wurden viele Teamer_innen ausgebildet. Wie im letzten Jahr war ein Schwerpunkt der Teamer_innenausbildung antirassistisches und antisexistisches Argumentationstraining. Es fanden viele, viele Seminare statt. Es wurden zwei Seminarprogramme herausgegeben. Auf den Seminaren wurde über Sexualität, Antimilitarismus, Antirassismus und Kolonialismus, Popkultur und Nationalismus, Rhetorik und Layout und noch viel mehr diskutiert. Jenseits dessen finden Vor- und Nachbereitungsseminare der Reisen statt und verschiedene Kinder- und Jugendseminare zu kreativen Themen.

Jahresbericht 2006 | 59

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden
gleiche Rechte und bunteres Leben. Leider verlief auch dieses Jahr der CSD nicht ohne Naziangriffe. Sommercamp: Ende Juli/Anfang August findet in Pepelow an der Ostsee das linke Sommercamp der Naturfreundejugend Berlin schon zum dritten Mal statt. Mit etlichen Workshops, heißen Diskussionen, kühlen Drinks und sonnigem Wetter lassen wir zehn Tage lang mit 100 Teilnehmer_innen zwischen 15 und 25 Jahren die Großstadt hinter uns und rocken die Provinz. Vorrundenaus 2006: Die meisten von euch werden von unserer Kampagne erfahren haben. Unser politischer Schwerpunkt im Jahr 2006 lag eindeutig auf der kritischen Begleitung der Männerfußball-WM. Wir setzten uns mit Sexismus, Nationalismus und Rassismus im deutschen Fußball und den Sicherheitsmaßnahmen rund um die WM auseinander. Wir produzierten mehrere tausend Aufkleber und Plakate, Flyer und Zeitungen. Wir zeigten in unseren Räumen Filme zum Thema Fußball und organisierten zwei Diskussionsveranstaltungen. Und was uns selbst überrascht hat: Wir wurden überrannt. Wir bekamen mehr als 700 E-Mails von Menschen in ganz Deutschland und teilweise auch über die deutschen Grenzen hinaus. Größtenteils positive Resonanz, aber auch wüste, unverschämte und beleidigende Beschimpfungen. Unsere Materialien mussten mehrmals nachgedruckt werden, da wir wöchentlich ca. hundert Infopakete verschickten. Unsere Kampagne wurde in mehreren überregionalen Zeitungen und mehreren regionalen Radiosendern erwähnt. Wir gaben Interviews und wurden sogar fürs Fernsehen eingeladen. Da unsere Kampagne eine der wenigen kritischen Initiativen zur MännerfußballWM war, war das öffentliche Interesse unerwartet hoch. Es war wohl die erfolgreichste Kampagne, die NFJ je gemacht hat. Und wir waren im Anschluss sehr erschöpft. Gedenkstättenfahrt: Im Herbst fuhren zwei NFJ-Gruppen nach Krakau und Auschwitz. Eine selbstorganisierte Gruppe von interessierten älteren zwischen 20 und 25 Jahren. Und eine Reise von Jugendlichen zwischen 14 und 16. Beide Reisen arbeiteten an einigen Punkten zusammen, bearbeiteten das Thema Holocaust und Konzentrationslager aber auch getrennt voneinander mit eigenen Schwerpunkten. Dispergo: Die Schüligruppe der NFJ arbeitet weiter fleißig an einer eigenen Zeitung „Black Out“, die in der Wir freuen uns drauf! ersten Hälfte des Jahres 2007 endlich erscheinen soll. Sie beteiligten sich auch mit vielen Diskussionen am Berliner Jugendforum. Bemerkenswert: Alle Gründungsmitglieder sind nun schon über 1,5 Jahre dabei und einige haben sich sogar für den Vorstand wählen lassen. Im März findet die erste Infoveranstaltung zu staatlichem Rassismus statt. IB’s: Im September und Oktober machten sich gleich zwei Delegationen auf nach Israel und in die USA, um dort mit unseren Partnerorganisationen und anderen politischen Gruppen über Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, die sozialen Verhältnisse, Queere Lebensweisen und Möglichkeiten emanzipatorischer Politik zu diskutieren. Und es geht weiter: Nach vielen Diskussionen und viel Organisation erscheint im Dezember das neue Reiseheft. Mit professionellem Layout und hübschen Texten werden Reisen in die ganze Welt angepriesen. Das Jahr 2006: Demokratisch wurde im Vorstand und in den Arbeitskreisen debattiert, gestritten und entschieden. Kontrovers wurden Themen bei den Seminaren zu aktuellen politischen Debatten diskutiert und politisch reflektiert. Selbstbestimmt wurden Reisen organisiert, durchgeführt und evaluiert. Mit neuen Plänen steigen wir ein ins Jahr 2007. Es soll eine Reise nach Italien – genauer Lampedusa geben, um die europäische Grenzpolitik zu behandeln. Hierzu hat sich schon ein Arbeitskreis gegründet, der mit Veranstaltungen auf Asylpolitik in Deutschland und Ausschluss an europäischen Grenzen aufmerksam machen möchte. Aber mehr dazu dann im nächsten Jahresbericht.

60 | Jahresbericht 2006

Pfadfinderbund Weltenbummler
Das Jahr vor dem Hundersten Geburtstag
60 Millionen Pfadfinder feiern 2007 ihren 100. Gründungstag. Es wird die größte und längste Geburtstagsparty der Welt. Natürlich sind wir mit dabei, und im kleineren Rahmen gibt es auch eine Unzahl von Veranstaltungen vor Ort. Das Jahr zuvor war auch nicht gerade ereignisarm und eignete sich partout nicht zum Erholen. Neben zahlreichen Neugründungen von Aufbaugruppen in Wilmersdorf und Reinickendorf waren wir mit 100 Mitgliedern beim 25. Jubiläumsfest des PbW (Pfadfinderbund Weltenbummler) dabei, welches eine Woche lang vor dem Schlossplatz die Coburger Mitbürger erfreute. Gezeltet wurde im Graben der Veste, und das Ereignis war mit über 1000 Pfadfindern aus dem In- und Ausland eine kleine, lockere „Vorübung“ für 2007. Unsere Kontakte im Kiez und in der Region konnten wir verstärken und vertiefen. Genießen wir doch nach über sechs Jahren immer mehr Anerkennung und Unterstützung benachbarter Ureinwohner beim Betreiben unseres Abenteuerspielplatzes (ASP – Pfadfinderreservat). Eine Nachbarin leitet seit vier Jahren ehrenamtlich unseren Gemüsegarten und bietet Kochkurse an. Andere helfen u.a. bei der Beschaffung von Baumaterialien und arbeiten auch mal mit. Auch gestaltet sich die Zusammenarbeit mit einzelnen, benachbarten Außenstellen des Gartenbauamtes als sehr segensreich. Ob es mal das Ausleihen von unhandlichen Geräten ist, Bäume und Sträucher zum Pflanzen oder „20 qm2 Komposterde“ vom Friedhof sind, erleichtert alles unser Dasein. Obwohl wir in einem „Problemkiez“ im Steglitzer Norden angesiedelt sind, haben wir bisher in all den Jahren noch keinen Vandalismus zu beklagen gehabt. So suchten wir auch den Kontakt zur nahen Feuerwache (wegen unserer Brauchtumsfeuer) und zum Krankenhaus gegenüber. Letzteres weniger zur Bettenreservierung für evtl. zukünftige, schwerverletzte Kinder ... Da wir für die Guten Taten in der Umgebung bekannt sind, schlugen wir wieder fürchterlich zu. Da das AugusteViktoria-Krankenhaus (eine Stiftung von „Kirchenguste“, der englischen Mutti von Wilhelm dem Letzten) genau gegenüber liegt und sich dort eine Pflegestation für ältere Menschen befindet, waren wir der Meinung sie bräuchten etwas Abwechslung. Mit rund zwanzig Pfadfindern im Nichtrentenalter brachten wir ein Ständchen und gaben

ein Livekonzert als Sonntagsnachmittagsnachtisch. Zuerst verschreckte unser Erscheinen die älteren Damenschaften, denn irgendwie hatte die leidende Oberschwester an der Vorankündigung gespart. Zwei Betreute reichten schon an die 94 Lenze auf diesem Erdenrund und viele auf dieser Dauerpflegestation waren von Alter und Krankheit gezeichnet. Nachdem die ersten Bedenken und Protest vom Personal niedergekämpft wurden, sangen wir tapfer gegen diese unwirschen Zeitgenossinnen an. Die Abstimmung der Lieder im Vorfeld war notwendig, denn wir wollten nicht mit einigen Texten missverstanden werden. So kamen wir auf sechs unverfängliche Liedlein, und wir merkten bald, dass mit jeder neuen Sangesnummer die Stimmung stieg. Im September machte ein Großteil unserer Gruppen bei der Kindersendung „Reläxxx“ mit. Es ging wie immer um das Überleben in der Wildnis. Auf neudeutsch Überleben für Anfänger (Survival). Im Schnitt wurde jede Szene drei- bis viermal gedreht, und der Star des Abends, der wohl immer die Sendung schmeißt, tauchte mit Tropenhelm und Anzug auf. Unsere mitgebrachte Fahne kam öfter in die Kamera, „nette wohlerzogne Kinder“ füllten die ersten Reihen, und Wanda übernahm die schwierige Übung, Nichtpfadfindern den Unterschied zwischen einer Kluft und einer Uniform zu erklären. Das machte sie sehr gut („wir sind doch nicht beim Militär ...“) und war mehr als überzeugend. Ich wäre sofort bei uns eingetreten, wenn ich es nicht schon wäre. Loui, der immer gerne Luidschie genannt werden wollte, gab seinen heilen Unterschenkel zum Verbinden her. Und mit fünf Halstüchern und drei mitgebrachten Stöcken bestand seine Aufgabe darin, die Schwerverletztennummer abzuziehen. Auch er ist offensichtlich ein Naturtalent aus unserem deutschen Jammertal. Als Julian dann noch im angedunkelten Studio um die Rettung seiner Seele morste, war ein Großteil des Auftritts geschafft.

Jahresbericht 2006 | 61

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden Deutsche Schreberjugend
– macht Spaß und bildet grenzenlos!!!
Zusätzlich arbeiten wir eng mit dem Landesverband der Gartenfreunde Berlin e.V. zusammen.

Aktivitäten
Wie auch in den Jahren zuvor präsentierte sich die Deutsche Schreberjugend im Januar mit einem Stand auf der Internationalen Grünen Woche. Dort gestalteten JugendleiterInnen zehn Tage lang einen Stand mit Informationen und diversen Aktivitäten. So hatten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, Buttons zu basteln, an unserem Glücksrad zu drehen oder sich an einem von uns entwickelten „Jugendspiel“ auszuprobieren. Traditionsgemäß gab es auch 2006 – im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit – diverse Aktivitäten durch die Bezirksgruppen und Einrichtungen. Bei vielen bezirklich organisierten Kinderfesten sowie einem großen Fest auf dem Abenteuerspielplatz waren viele Freiwillige involviert, die Kinderaugen zum Strahlen brachten. Ohne die hilfreiche Unterstützung so vieler engagierter und ehrenamtlicher Kräfte wären diese Aktivitäten sicher nicht so erfolgreich durchzuführen gewesen. Im Herbst lud unser Bundesverband zur Bundesjugendkonferenz nach Oberwesel. Auf dieser wurde neben inhaltlichen Themen wie Ehrenamtsförderung und Öffentlichkeitsarbeit auch eine Planungsgruppe für unser Bundesjugendtreffen in 2007 eingesetzt. Weiterhin wählten wir unseren Vorstand neu, wobei unsere beiden Berliner Vertreterinnen in ihren Ämtern bestätigt wurden. Auch unsere traditionelle Ehrenamtsparty fand wieder statt. Diesmal entschieden wir uns gegen einen Live-Act und für Karaoke und für das Kaffee Burger in Mitte. Diese neue Form der Party stieß auf ein gesteigertes Interesse durch die Möglichkeit, sich selbst beteiligen zu können beim Karaoke.

Als parteipolitisch und konfessionell ungebundener Verband sind wir offen für jede/n und arbeiten schwerpunktmäßig in folgenden Bereichen: ehrenamtlich betreute Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen, offene Kinder– und Jugendarbeit in Einrichtungen und Projekten, pädagogisch betreute Ferienfreizeit- und Ferienerholungsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche, Internationale Jugendbegegnungen, Aus – und Fortbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter. Leitgedanke unserer Kinder- und Jugendarbeit ist die Unterstützung, Förderung und Initiierung selbstbestimmter und selbstorganisierter Prozesse sowie kontinuierlichen ehrenamtlichen Engagements. Unsere Aktivitäten sind regional organisiert. Wir sind in vielen Berliner Bezirken mit eigenen Bezirksgruppen, Einrichtungen und Projekten vertreten. Die ehrenamtlich betreute Gruppenarbeit findet bei uns auf regional-bezirklicher und Landesebene statt. Wichtig sind uns unsere landesweiten selbstorganisierten Arbeitsgruppen zu verbands- und jugendpolitischen Themenfeldern. Diese AGs sind niedrigschwellige Angebote, die für alle interessierten Jugendlichen offen sind, d.h. jeder, der Lust hat, ist eingeladen, an der AG-Arbeit teilzunehmen. Stark engagiert sind wir in der Kinder- und Jugendarbeit durch hauptberuflich betreute Einrichtungen wie Abenteuerspielplatz; einem Naturpädagogischen Kinder- und Jugendzentrum sowie einer Einrichtung zur sozialintegrativen Gruppenarbeit. Besonders viel Herzblut steckt in unseren ehrenamtlich organisierten Projekten wie Jugendangelgruppe und Kinderbauernhof. Darüber hinaus beteiligen wir uns aktiv an der Arbeit des Bundesverbandes der Deutschen Schreberjugend, in dem wir u. a. zwei Mitglieder des Bundesvorstandes stellen.

Maßnahmen
Auch bei unseren Maßnahmen war wieder für jeden etwas dabei. In den Osterferien stand wieder unsere traditionelle Fahrt nach Kronach im Frankenwald an, wo die Kinder und Jugendlichen in einer alten Burg untergebracht waren.

62 | Jahresbericht 2006

Vor Ort bot unser erfahrenes BetreuerInnenteam ein abwechslungsreiches und interessantes Programm für alle TeilnehmerInnen an. Unsere zweite Osterfahrt führte eine Teamerin mit einer Gruppe nach Schleswig-Holstein zu einer erlebnisreichen Woche hoch zu Ross. Im Sommer konnten wieder viele Berliner Kinder und Jugendliche einen Teil ihrer Ferien in einem unserer Zeltlager im Süden Deutschlands verbringen. Insgesamt nutzten fast 200 Mädchen und Jungen die Möglichkeit, sich in der freien Natur bei einem abwechslungsreichen Programm zu erholen und auszutoben. Von Lagerfeuer über Kreativangebote bis hin zum Nachtspiel war für jeden etwas dabei.

Marokko in Berlin willkommen geheißen.

Gedenkstättenfahrt
Erfahrungsreiche Tage verlebte eine Gruppe JugendleiterInnen auf einer Fahrt ins polnische Krakau. Nach einer intensiven Vorbereitung auf das Thema wurden vor Ort verschiedene Punkte der Zeitgeschichte besucht und in Zusammenhang gebracht. Viel Wissenswertes wurde in Krakau vermittelt, insbesondere durch Zeitzeugen.

Fortbildungsangebote
Im Bereich der außerschulischen Bildung führten wir insgesamt 26 Seminare durch, die von den JugendleiterInnen gern angenommen wurden. Mit knapp 430 TeilnehmerInnen und kompetenten Referenten konnten so wieder vielfältige Fortbildungsangebote realisiert werden. Die Inhalte gingen dabei von der klassischen JuleiCa-Ausbildung über Fortbildungen in den Bereichen Recht, Ehrenamtsförderung, Projektmanagement, Rechtsextremismus bis hin zu kreativen Seminaren wie Foto, Lehmbau oder Naturkosmetik.

Arbeitsgruppen
Zusätzlich zu unseren Fortbildungsangeboten trafen sich Arbeitsgruppen zu denThemen Öffentlichkeitsarbeit, Internationale Grüne Woche, Ehrenamtsförderung, Internationale Jugendarbeit, Internet sowie die Steuerungsgruppe Jugendarbeit. Letztere befasst sich mit der Gesamtplanung, Entwicklung und Umsetzung unserer ehrenamtlichen Kinder- und Jugendarbeit. Die Arbeitsgruppen haben eine zentrale Bedeutung für unsere Jugendarbeit im Verband, da eine Vielzahl von Aktivitäten in diesen Arbeitszusammenhängen entwickelt, vorbereitet und gesteuert werden. Die Arbeitsgruppen wirken somit als „Think Tanks“ für unseren Verband. Im Rahmen einer Arbeitsgruppe entstand ebenfalls die unregelmäßig erscheinende Schreberpublikation „Wandzeitung“, in der über Durchgeführtes und Anstehendes berichtet wurde.

Um die Entscheidungsprozesse der TeamerInnen für die TeilnehmerInnen transparenter zu gestalten, gab es Wahlen zur Zeltlagersprecherin und zum Zeltlagersprecher. Die demokratisch Gewählten hatten die Möglichkeit, neben der Einflussnahme auf die Programmplanung, d.h. wann soll geweckt werden, wann soll es Frühstück geben, was sollen die TeamerInnen für Aktivitäten anbieten etc., auch die Möglichkeit, mit der Küchencrew über die Essensplanung zu reden und somit auch Einfluss auf die Gerichte zu nehmen. Alle TeilnehmerInnen merkten auf diese Weise, wie schwer es ist, es allen recht zu machen, Entscheidungen zu treffen und diese weiterzuvermitteln.

Internationale Jugendarbeit
Ein weiterer wichtiger Bereich unserer Bildungsarbeit sind seit vielen Jahren Internationale Begegnungen im In- und Ausland. Im letzten Jahr waren über hundert Jugendliche um die Ausgestaltung des Bereichs Internationales bemüht. Eine Berliner Gruppe besuchte Jugendliche unserer griechischen Partnerorganisation. Die Partnergruppe aus der Türkei erlebte ein interessantes und erlebnisreiches Berlinprogramm, bei dem interkultureller Austausch zwischen den Jugendlichen im Vordergrund stand, aber auch Kultur, Stadterkundung und die Geschichte der Stadt nicht zu kurz kamen. Weiterhin wurden unser Partner in Tunesien besucht sowie unsere Freunde aus Tunesien und

Projektarbeit
Seit vielen Jahren schon existieren unsere ehrenamtlich betreuten Projekte, die über die jeweiligen Bezirksgruppen weiterentwickelt werden. Der Kinderbauernhof in Kreuzberg bietet Kindern und Jugendlichen mitten in der Großstadt die Gelegenheit, sich mit naturnahem und umweltbewusstem Handeln auseinanderzusetzen und über die Pflege der Tiere Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen. Die Angelgruppe am Jugendangelgewässer im Spektegrünzug/ Spandau vermittelt Kindern und Jugendlichen den richtigen Umgang mit Tier und Natur.

Jahresbericht 2006 | 63

3. Schwerpunkte in den Mitgliedsverbänden
Einrichtungen
Seit vielen Jahren ist die Deutsche Schreberjugend Landesverband Berlin e. V. Träger von Einrichtungen in Kreuzberg-Friedrichshain, Steglitz-Zehlendorf sowie Charlottenburg-Wilmersdorf und arbeitete dort auch im Jahr 2006 erfolgreich mit vielen Kindern und Jugendlichen zusammen. „Grenzräume in SO 36“ Schwerpunkt: sozialintegrative Gruppenarbeit mit Jugendlichen insbesondere arabischer Herkunft in enger Zusammenarbeit mit einer Schule aus dem Kiez. Sonnenhaus Schwerpunkt: Naturpädagogische Kinder- und Jugendarbeit Abenteuerspielplatz - ASP Sodener Straße Schwerpunkt: offene Kinderarbeit Insgesamt werden für die Dauerbetreuung in den Projekten fünf fest angestellte MitarbeiterInnen und zwei freiberufliche Mitarbeiterinnen beschäftigt. Für die Einrichtungen „Grenzräume in SO 36“ und „Sonnenhaus“ wurden mit den zuständigen Jugendämtern Leistungs-/Zuwendungsverträge abgeschlossen.

64 | Jahresbericht 2006
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.