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Full text: Revitalisierung urbaner Brachen / Kather, Markus

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Revitalisierung urbaner Brachen –
Der Landschaftspark Herzberge auf dem Weg zum multifunktionalen Freiraum?

Bachelorarbeit von Markus Kather Geographie 6. Semester Institut für Geographie und Geologie Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald Matrikelnummer: 119333 Gützkower Straße 59 17489 Greifswald markus.kather@googlemail.com
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Abstract

The area of urban wastelands is increasing in cities that face problems like deindustrialization and declining population. Besides inducing problems like vandalism these areas provide space for urban nature. Against the background of weak demand and a scarcity of the municipality`s financial resources the re-use of the wastelands as urban open spaces becomes more frequent. Experts consider those revitalizing-projects more sustainable that are characterized by a multifunctional approach, like urban farming. This paper presents a case study from Berlin, the “Landschaftspark Herzberge”. This is a project that aims for the revitalization of a 100 Hectare wide area in the east of Berlin. It features a mixture of urban farming, recreation, nature conservation and, in a later phase, therapies. The structure of the project-area, the resources as well as the barriers to progress are presented. With literature research, expert-interviews and a survey among the users of the park, information about the use and the different functions of the park is generated. Functions for different usergroups are presented as well as the function of different parts of the project-area. The paper discusses different areas of activity of the “Landschaftspark” in order to demonstrate that the project can be seen as a pattern for the development of multifunctional urban open spaces.

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Inhalt  Abbildungen  1. Einleitung .................................................................................................................................... 1  2. Urbane Brachflächen und ihre Revitalisierung....................................................................... 2 2.1 Entstehung und Charakteristik von Brachflächen ................................................................. 2 2.2 Brachflächen in Berlin ........................................................................................................... 3 2.3 Nachhaltige Stadtentwicklung durch Brachflächenrevitalisierung ....................................... 4 2.4 Revitalisierung unter erschwerten Bedingungen ................................................................... 5 2.5 Neue Formen der Brachflächenrevitalisierung - akteursbasierter Freiraum und urbane Landwirtschaft ............................................................................................................................. 6  3. Fallbeispiel Landschaftspark Herzberge ................................................................................. 9 3.1 Methodik................................................................................................................................ 9 3.2 Beschreibung von Projekt und Projektgebiet ...................................................................... 13 3.2.1 Lage und Kontext im Stadtgebiet ............................................................................... 13 3.2.2 Struktur des Geländes ................................................................................................. 14 3.2.3 Projektentwicklung und Akteurskonstellation ............................................................ 18 3.3 Der Landschaftspark Herzberge als multifunktionaler Freiraum ........................................ 22 3.3.1 Nutzergruppen und Nutzerbefragung ......................................................................... 22 3.3.2 Funktionsbereich Landwirtschaft ............................................................................... 24 3.3.3 Funktionsbereich Erholung ......................................................................................... 26 3.3.4 Funktionsbereich Stadtentwicklung ............................................................................ 31 3.3.5 Funktionsbereich Naturschutz .................................................................................... 40 3.3.6 Nutzung des Nordteils ................................................................................................ 44  4. Fazit….. ..................................................................................................................................... 50  5. Quellenverzeichnis ................................................................................................................... 52  6. Anhang. ..................................................................................................................................... 55  

 Abbildungen  Abb. 1: Umfragegebiet und zu revitalisierende Brachflächen im Landschaftspark ………………..11 Abb. 2: Struktur des Landschaftsparks……………………………………………………………...15 Abb. 3: Schafe auf dem ehemaligen VEG-Gelände.………………………………………………..19 Abb. 4: Wege im Landschaftspark………………………………………………………………….19 Abb. 5: Wohnstandort Herzberge ..…………………………………………………………………19 Abb. 6: Hochstaudenflur im Landschaftspark ...……………………………………………………19 Abb. 7: Verteilung der weiblichen und männlichen Besucher des Landschaftsparks ……………...21 Abb. 8: Altersverteilung der Befragten …………………………………………………………….22 Abb. 9: Wohnorte der Befragten …………………………………………………………………...22 Abb. 10: Aktivitäten im Landschaftspark zum Zeitpunkt der Befragung ………………………….26 Abb. 11: Seit wann besuchen „Erholungsnutzer“ den Landschaftspark? ………...………………..27 Abb. 12: Südteil: Seit wann besuchen „Erholungsnutzer“ den Landschaftspark? …………………28 Abb. 13: Wohnorte der Erholungsnutzer …………………………………………………………...29 Abb. 14: Wie häufig besuchen die Befragten den Landschaftspark? ………………………………33 Abb. 15: Seit wann besuchen die Befragten den Landschaftspark? ………………………………..33 Abb. 16: Aktivitäten der Anwohner im Landschaftspark …………………………………………..34 Abb. 17: Mögliche Beteiligung an der Projektentwicklung ………………………………………..35 Abb. 18: Besuchshäufigkeit von Befragten, die an einer Beteiligung an der Projektentwicklung interessiert sind ……………………………………………………………………………………..35 Abb. 19: Was sich Besucher für den Landschaftspark wünschen ………………………………….37 Abb. 20: Begleitung der Befragten …………………………………………………………………38 Abb. 21: Frauen besuchten den Landschaftspark… ………………………………………………..38 Abb. 22: Die Befragten schätzen gegenüber „normalen“ Parks am Landschaftspark besonders ….42           

1.
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Einleitung

Die Stadt wächst. Was aus der Sicht von Demographen und Städtebauern1 nach Vergangenheit klingt, ist für die Stadtnatur Realität. Neben Stadtparken und anderen bekannten öffentlichen Freiraumkategorien, erobert die Natur zunehmend vom Menschen verlassene Räume. Zufällige städtische Landschaften entstehen auf Brachflächen. Diese sind oft erstaunlich artenreich, werden jedoch nicht immer als Bereicherung gesehen. Das Landschaftswachstum in der Stadt wird als Verlust empfunden, da die Flächen keinen ökonomischen Wert zu haben scheinen und ihnen auch der soziale abgesprochen wird. Von Niemandsländern in der Stadt ist die Rede, die dem Alltag der Bewohner entzogen sind. Darum sollen Brachflächen, wenn es nach den Stadtentwicklern geht, schnellstmöglich revitalisiert werden. Manche von ihnen stellen als Flächenressourcen ein großes Potential für die Stadtentwicklung dar. Gleichzeitig besitzen aber auch die Brachflächen ökologische und soziale Funktionen, die es zu beachten gilt. Brachen können jedoch auch wiedergenutzt werden und zugleich als städtischer Freiraum bewahrt werden. Wie dieser Prozess gestaltet werden kann, soll diese Arbeit zeigen. Nach einer kurzen Einführung in die Charakteristik von Brachen und ihre Revitalisierung, soll am Beispiel des Landschaftsparks Herzberge in Berlin Lichtenberg die Möglichkeit erläutert werden, Natur in der Stadt als solche zu bewahren und zu entwickeln. Dabei soll geklärt werden, welche Potentiale das Gelände hat und welche Altlasten und Probleme seiner Entwicklung im Wege stehen sowie welche Akteure diesen Prozess steuern. Zentral ist die Frage nach der Art der Nutzung des Geländes und seiner Funktionen. Verschiedene Nutzergruppen und die Unterschiede auf unterschiedlichen Teilen des Landschaftsparks sollen dabei Erwähnung finden. Viele Projekte zur Entwicklung urbaner Brachen sind gekennzeichnet vom Anspruch auf Multifunktionalität, insbesondere wenn es um die Bewahrung städtischer Freiräume geht. Die Arbeit soll zeigen, dass der Landschaftspark Herzberge, mit seiner charakteristischen Mischung aus Erholung, Landwirtschaft und Naturschutz, beispielhaft für diese Entwicklung stehen kann.

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Soweit nicht anders angegeben, beziehen sich personenbezogene Formulierungen auf Frauen und Männer.

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2. Urbane Brachflächen und ihre Revitalisierung
 Eingangs soll erläutert werden, wie Brachen in Städten entstehen und was diese kennzeichnet. Dabei sollen sowohl die Probleme, die mit Brachflächen verbunden sind angesprochen werden, als auch ihre Potentiale. Zudem wird auf die Flächenressourcen auf Brachen im Berliner Stadtgebiet eingegangen. Anschließend werden Möglichkeiten und Hemmnisse der Revitalisierung von Brachflächen geschildert.

2.1 Entstehung und Charakteristik von Brachflächen

Brachen sind Flächen, deren formelle Nutzung aufgegeben wurde. Ihre Anzahl ist in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Städten gewachsen. Gründe dafür sind in den tiefgreifenden Umbruchsprozessen zu suchen, welche die europäischen und nordamerikanischen Städte im letzten Jahrhundert durchlaufen haben. Die Deindustrialisierung durch den sozio-ökonomischen Strukturwandel und die damit verbundene Aufgabe von Produktionsstandorten und Infrastrukturen hat zahlreiche Freiräume in der Stadt hinterlassen. In jüngerer Zeit trägt auch die Perforierung von Wohngebieten durch demographische Veränderungen dazu bei. (vgl GISEKE 2007) Die Entstehung und damit auch die Lage und der Kontext der frei werdenden Flächen folgen keinen planerischen Vorstellungen, sondern sind Produkt ökonomischer Verwertungslogik. Brachen entstehen also ungewollt und ungeplant. Der Perforierungsprozess hinterlässt keine klar formulierten Räume, sondern „amorphe Raumgefüge“ (GISEKE 2007, S.191), welche sich nur schwer mit städteplanerischen Zielen und Leitbildern vereinen lassen. Brachen stellen durch ausbleibende Bodenrente und Vandalismus Probleme für die Stadt dar und sollen darum so schnell wie möglich einer neuen Nutzung zugeführt werden. (vgl. GISEKE 2007; SENATSVERWALTUNG FÜR STADTENTWICKLUNG BERLIN 2007) Jenseits der Probleme, die mit Brachen verbunden sind, werden die nicht mehr genutzten Flächen seit Beginn der Umweltbewegung in den 70er Jahre nicht mehr nur eindeutig negativ bewertet. Sie werden zunehmend als ökologisch bedeutsame, oft erstaunlich artenreiche, Lebensräume sowie als wahrhaft freie Räume betrachtet. (vgl. KOWARIK 2003) Oft sind Brachen intensiver genutzt, als man erwarten würde. Sie werden von Erwachsenen, wie auch von Kindern als unreglementierter Raum, als Abenteuerspielplatz, genutzt. (vgl. KOWARIK 2 

2003). Die Flächen können als „dysfunktionale Freiräume“ wichtige Funktionen erfüllen. Diese Räume sind keiner Nutzung eindeutig zuzuordnen. Sie sind gekennzeichnet durch ihre Offenheit für verschiedene alternative Möglichkeiten des Funktionierens und bilden einen bedeutsamen „Gegensatz zur funktional gebundenen und im sozialen Konsensus kontrollierten Wohnumwelt“ (HEINEMANN; POMMERENING 1989, S.2). Es handelt sich dabei also um Niemandsländer, die zur spontanen Improvisation und Interpretation, je nach dem gerade aktuellen Bedürfnis der Nutzer auffordern. Besonders für Kinder und Jugendliche ist das Entdecken und die Nutzung solcher Räume eine wichtige Erfahrung. Aber auch für Erwachsene kann die Nutzung dysfunktionaler Freiräume wichtig sein, da sie sich "freier" nutzen lassen, das heißt auch für Aktivitäten, die an anderen Orten nicht möglich wären. Diese Funktionen gilt es bei der Revitalisierung von Brachflächen besonders zu beachten. (vgl. HEINEMANN; POMMERENING 1989)

2.2 Brachflächen in Berlin

Berlin weist im Vergleich zu anderen Hauptstädten und Metropolen einen außerordentlichen Reichtum an brachgefallenen Flächen auf. Die hohe Zahl von Brachen birgt auch eines der wichtigsten Potentiale der Stadt, beispielsweise für die Ansiedlung von Wohnungen und Unternehmen aber auch für die Sicherung und Entwicklung von neuen Räumen für Natur und Erholung. (vgl. GISEKE 2007) Die wichtigsten Flächenressourcen Berlins sollen im Folgenden kurz angesprochen werden. Im Stadtgebiet, zumeist am Stadtrand und am Rand der Innenstadt, existieren über 500 Hektar aufgegebene Gewerbegebiete. Sie entstanden durch den Strukturwandel, insbesondere nach der Wende, der mit dem Wegfall von Arbeitsplätzen und Betrieben im produzierenden Gewerbe verbunden war. Aufgegebene Infrastrukturflächen stellen eine der flächenmäßig bedeutsamsten Raumressourcen Berlins dar. Es handelt sich um ehemalige Bahnhöfe und Hafenanlagen, Freiflächen entlang von Bahnlinien und im Bereich des Mauerstreifens. Der Flughafen Tempelhof ist ein prominentes Beispiel. Mit einer Größe von 356 Hektar übertrifft das Gelände das des Tiergartens um ein Drittel. Durch den demographischen Wandel und die Suburbanisierung fielen zahlreiche Flächen in den Großwohngebieten Berlins brach. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf verlor in den Jahren 1995 bis 2002 17% seiner Bevölkerung. Daraus resultieren überschüssige Wohnbebauung, aber auch leer 3 

stehende Gemeinbedarfseinrichtungen wie Kitas und Schulen. Diese werden durch das Bundesprogramm Stadtumbau Ost zurückgebaut, so entstehen Freiflächen. Im Jahr 2007 waren es 140 Hektar in den Großwohngebieten. Durch die gegenwärtige Bevölkerungsentwicklung und Veränderungen im Bestattungsverhalten werden zudem weniger Friedhofsflächen benötigt. Langfristig wird hier ein Flächenüberschuss von 320 Hektar prognostiziert. Baulücken, oft in attraktiven innerstädtischen Lagen und in den Gründerzeitvierteln, boten im Jahr 2007 weitere Brachflächen von insgesamt 170 Hektar, verteilt auf rund 1000 Standorte. (SENATSVERWALTUNG FÜR STADTENTWICKLUNG BERLIN 2007)

2.3 Nachhaltige Stadtentwicklung durch Brachflächenrevitalisierung  Brachflächen bergen ein bedeutendes Umstrukturierungspotential. Ihre Wiedernutzung, also die Revitalisierung, ist auch ein Prinzip der nachhaltigen Stadtentwicklung. Um den Flächenverbrauch gering zu halten gilt das Prinzip der Innenentwicklung, also auch die Wiedernutzung von Brachen. Dies wird dementsprechend auch durch die Gesetzgebung im BauGB gefördert. Der Verzicht auf zusätzlichen Flächenverbrauch und die damit verbundene Bewahrung der ökologischen und sozialen Funktion des Freiraums sind der offensichtlichste Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Nur durch die Wiedernutzung von Brachen kann das Ziel des Bundes, die zusätzliche Flächeninanspruchnahme für Siedlung und Verkehr von derzeit 95 Hektar am Tag auf 30 Hektar am Tag bis 2020 zu senken, eingehalten werden. Nicht nur durch die bauliche Nutzung von Brachflächen soll dies erreicht werden, sondern auch durch die Entwicklung von städtischen Freiräumen und Stadtnatur, welche die weitere Suburbanisierung bremsen soll. (vgl. BMVBS 2009) Der oftmals mit der Revitalisierung verbundene Rückbau von Industrieschäden und die Sanierung von Altlasten sind ein weiteres Beispiel für ökologische Beiträge zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Darüber hinaus wird in vielen Fällen mit der Wiederbelebung von Brachen die Schaffung neuer Tätigkeitsfelder und Beschäftigungsmöglichkeiten an Orten, die auch vorher durch Arbeit geprägt waren, angestrebt. Dies gilt besonders für die Revitalisierung ehemaliger Industrieareale. Durch die Nutzbarmachung von Räumen für soziale und kulturelle Aktivitäten können außerdem soziale Milieus stabilisiert werden. (vgl. ZLONICKY 2000) 4 

Engelbert Lütke Daldrup, ehemaliger Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, kommt so auch zu dem Schluss: „Nachhaltige Stadtentwicklung bedeutet die Weiternutzung der vorhandenen Stadt als Ressource in baulicher und kultureller Hinsicht“ (LÜTKE DALDRUP 2001, S.53).

2.4 Revitalisierung unter erschwerten Bedingungen

Das Angebot an Freiflächen übersteigt jedoch oft genug die Nachfrage. Zu fehlendem ökonomischen Verwertungsdruck kommt zudem in vielen Fällen der Finanzmangel der Kommunen. Probleme bei der Wiedernutzung von Brachen bereiten in vielen Fällen eine heterogene Eigentümerschaft und divergierende Entwicklungsvorstellungen. Auch Altlasten stehen oft einer Revitalisierung im Wege. Die im Rahmen der genannten Transformationsprozesse entstandenen Brachflächen haben zudem keine klar definierten Nutzungsprofile, sondern sind zunächst „nutzungsoffene, diffuse Teile des städtischen Gewebes“ (GISEKE 2007, S. 192). Dies gestaltet die Wiedernutzung mit Hilfe klassischer stadtplanerischer Konzepte schwierig. Zunehmend müssen passende Programme für Flächen gefunden werden und nicht wie früher, geeignete Flächen für ein vorher erdachtes Programm. Den neuen Freiräumen der schrumpfenden Stadt kommt daher eine veränderte Rolle zu. Neue Formen von Freiräumen werden dadurch möglich und nötig. (vgl. GISEKE 2007) Die mangelnde Nachfrage bietet jedoch auch die Chance, Freiräume in der Stadt zu sichern und zu entwickeln. Eine Kommunalbefragung im Statusbericht zum Stadtumbau-Ost dokumentiert, dass es sich bei 85% der Nachnutzungen von Rückbauflächen in Altbau- und Neubaubeständen nicht um bauliche Nutzungen handelt. Freiräume als dauerhafte Nachnutzungsform von Brachen rücken dadurch immer mehr in den Fokus. (vgl. BMVBS 2009) Es bedarf jedoch einer Neuprägung des städtischen Freiraumbegriffs. Eine starke Funktionalisierung des Stadtgrüns, zum Beispiel in den Kategorien Platz, Park, Sportplatz oder Spielplatz war die Antwort der Freiraumplanung auf das rasante Wachstum der Städte im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zusätzliche entstehende Freiräume treffen heute jedoch aufgrund der demographischen Entwicklung auf eine sich verringernde Zahl potentieller Nutzer. Verschärft wird dies durch steigende Kosten für die Anlage, die Pflege und den Unterhalt der wachsenden Anzahl an frei werdenden Flächen. (vgl. BMVBS 2009; GISEKE 2007) 5 

Freiraum kann unter heutigen Bedingungen nicht mehr nur Kompensation für Urbanisierung sein. Die Nachnutzungen erfordern vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und eines erhöhten Angebots an Freiflächen neue Freiraumtypologien. Es sind zunehmend weitere, innovative Funktionen nötig, um die wachsende Zahl von Brachflächen einer neuen Nutzung zuzuführen. Synergien zwischen Stadt und Freiraum müssen bei der Revitalisierung hergestellt werden, diese gelten als Qualitätsmerkmal der nachindustriellen Stadtentwicklung. (vgl. BMVBS 2009) Freiräume und Grünflächen sollen daher zunehmend dazu dienen, eine lokale Identität zu kreieren, dies wird zum Beispiel mit hochwertig gestalteten Grünanlagen und übergeordneten Freiraumkonzepten erreicht. Auch als Stadtentwicklung Instrument der Standortentwicklung und zur pädagogische und Standortvermarktung können urbane Freiräume laut Bundesministerium für Verkehr, Bau und zukünftig dienen. Grünflächen können Raum für aktivierende Angebote sein und damit bürgerschaftliches Engagement stärken. Die Nutzung durch innerstädtische Land- und Forstwirtschaft zählt ebenfalls zu diesen erweiterten Funktionen, die Grünflächen übernehmen sollen, sie wird derzeit erprobt. Multifunktionalität ist folglich eines der Ziele der „neuen“ Stadtentwicklungspolitik bei der Verwertung von Brachen, insbesondere wenn es darum geht sie als städtischen Freiraum zu erhalten. Neben ökologischen werden soziale, ökonomische und kulturelle Auswirkungen der Revitalisierung erhofft, welche das umliegende Quartier oder die ganze Stadt in ihrer Entwicklung stützen. Eine Diversifizierung der Themen und Handlungsfelder eröffnet zudem einen größeren Spielraum für Fördermittel: Programme aus unterschiedlichsten Bereichen, wie dem Naturschutz, dem Bildungsbereich und der sozialen Stadt, können durch den Multifunktionalitätsanspruch genutzt werden. (vgl. BMVBS 2009)

2.5 Neue Formen der Brachflächenrevitalisierung - akteursbasierter Freiraum und urbane Landwirtschaft

Wenn eine Fläche durch zu geringen Verwertungsdruck keiner baulichen Nutzung zugeführt werden kann und ihre „Bespielung“ oder Nutzung aus den oben genannten Gründen auch nicht mehr durch die Kommune realisiert werden kann, sind zunehmend alternative Formen der Brachflächenentwicklung gefordert. Beispiele, wie dies geschehen kann, sind der „akteursbasierte Freiraum“ und die urbane Landwirtschaft. 6 

Es findet hierbei eine Aufgabenverlagerung statt, aus Nutzern und „normalen“ Bürgern sollen Akteure werden, die in der Wahrnehmung ihrer Interessen bestärkt und unterstützt werden. Die Zivilgesellschaft soll die Revitalisierung städtischer Restflächen organisieren und durchführen. Angestrebt wird dadurch neben der Wiedernutzung städtischer Brachen eine identitätsstiftende Wirkung des bürgerschaftlichen Engagements, die unter anderem in einer höheren Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld resultiert. Die Bewohner sollen in diesem Prozess Pionierleistungen erbringen, es handelt sich bei den städtischen Aktivisten also um sogenannte Raumpioniere. Insbesondere in Berlin, aber auch in vielen anderen Städten organisieren Raumpioniere vielfach Zwischennutzungen urbaner Brachen. Sie bespielen die Fläche unter Erhaltung der Option einer baulichen Nutzung. Werden dadurch vormals ungenutzte Flächen wieder in das städtische Leben integriert und entstehen in diesem Zusammenhang sich selbst tragende Räume, kann die Entwicklung durch Raumpioniere als ein Beitrag zur kreativen, innovativen Stadtentwicklung gelten. (vgl. GISEKE 2007) Dieser Prozess kommt jedoch nicht auf allen städtischen Brachen in Gang. Sind die Flächen peripher gelegen, zu groß oder befinden sich zu viele Altlasten darauf, ergibt sich in den meisten Fällen keine „quasi-automatische“ Entwicklung durch Raumpioniere. Eine Möglichkeit solche Flächen wieder zu nutzen, bietet die urbane Landwirtschaft. Damit verbunden ist die zeitweise oder dauerhafte Umnutzung von Bauland zu Grün- und Freiflächen. Ein Problem stellt dabei das oft noch geringe Erfahrungswissen dar. Gerade mit der urbanen Landwirtschaft betreten die Projektentwickler oft Neuland, sie befindet sich zurzeit auf mehreren Flächen in der Phase der Erprobung. (vgl. BMVBS 2009) Die Nachbesserung der Freiraumversorgung ist auch hier nur ein Aspekt. Ergebnis sind neue städtische Erholungsflächen, die auch als produktive Landschaften mit land-, forst- oder energiewirtschaftlicher Nutzung fungieren. Die Flächen können dadurch ein Beitrag zu einem effektiven Ressourcenmanagement sein. Dies ist beispielsweise durch die Gewinnung nachwachsender Rohstoffe, die Verbesserung des Stadtklimas oder durch aktiven Bodenschutz möglich. Urbane Landwirtschaft kann, wenn sie dem Standort angepasst ist, zum kostengünstigen Freiraumproduzenten werden. Offene Wiesenflächen, die auf Brachen oft artenreiche Lebensräume bilden, können so bewahrt werden. (vgl. SENATSVERWALTUNG STADTENTWICKLUNG BERLIN 2006) Es geht bei der Etablierung städtischer Landwirtschaft nicht um eine Nachbildung ländlicher Idylle, sondern um die Schaffung „neuer urbaner Landschaften“ (BMVBS 2009, S.1), die 7 
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innerhalb der Stadt neue Qualitäten bilden. Die entstehenden Landschaften sollen in engem Zusammenhang mit anderen städtischen Nutzungen stehen. Die Landwirtschaft muss daher an den Standort, das heißt an die umgebende Stadt, angepasst sein. Sie bezieht sich in ihren Angeboten im Idealfall auf das umliegende Gebiet und seine Nachfrage. Die landwirtschaftliche Nutzung bietet die Möglichkeit, neue Wertschöpfungsprozesse in Gang zu bringen und kann so auch die ökonomische Inwertsetzung von Brachflächen fördern. Produkte und Dienstleistungen urbaner Landwirtschaftsbetriebe können von Beweidung, also der Pflege der Landschaft, Reiten und Selber-Pflück-Feldern bis zur Direktvermarktung der landwirtschaftlichen Produkte reichen. (vgl. BMVBS) Auch diese Form der Brachflächenrevitalisierung ist geprägt durch Multifunktionalität. Neben der Primärproduktion gibt es oft Freizeit-, Erholungs- und Bildungsangebote, Gastronomie und Partnerschaften mit sozialen Einrichtungen, die das Produktions- und Dienstleistungsspektrum ergänzen. Die urbane Landwirtschaft kann so zu einem integralen Bestandteil des städtischen Lebens werden. Sie stößt zudem oft auf eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz, da es sich um eine sichtbare Nutzungsänderung handelt und dadurch sinnstiftend wirkt. (vgl. SENATSVERWALTUNG FÜR STADTENTWICKLUNG BERLIN 2006) Organisiert werden kann die landwirtschaftliche Nutzung urbaner Brachen, wie auch ihre Renaturierung, als dauerhafte oder als Zwischennutzung, wobei das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung die Verstetigung empfiehlt. Insbesondere für Landwirte im urbanen Kontext kann so Planungssicherheit geschaffen werden. Die Bedingungen für sie sind ohnehin schwieriger als für rurale Landwirte. Auf Brachflächen müssen in vielen Fällen Altlasten beseitigt werden, auch bereiten bauliche Anlagen und die Kleinteiligkeit des Geländes Probleme. Ein finanzieller Ausgleich durch Förderung ist daher besonders in der Anfangsphase nötig. Hinzu kommen erschwerend ein momentan geringes Erfahrungswissen, Fragen der Finanzierung sowie Einschränkungen durch Planungs- und Baurecht. Insbesondere für landwirtschaftliche (vgl. BMVBS 2009) Zwischennutzungen fehlt das rechtliche Instrumentarium. Flächennutzungspläne und diverse Förderprogramme stellten sich dafür als zu unflexibel heraus.

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3. Fallbeispiel Landschaftspark Herzberge
Wie die Revitalisierung einer Brachfläche gestaltet werden kann und zugleich städtischer Freiraum bewahrt werden kann, soll im Folgenden am Beispiel des Landschaftsparks Herzberge in Berlin Lichtenberg erläutert werden. Zunächst wird dabei die Methodik vorgestellt, mit der diese Untersuchung vorgenommen wurde. Das Gelände wird dann anhand von Lagekontext und Struktur charakterisiert, dabei sollen Potentiale und Entwicklungshemmnisse des Geländes deutlich werden. Anschließend werden die verschiedenen Funktionsbereiche des Landschaftsparks besprochen. Dies soll den Aspekt der Multifunktionalität verdeutlichen, der als Erfolgsfaktor der Brachflächenrevitalisierung gehandelt wird.

3.1 Methodik

Ausgangspunkt dieser Forschung waren Recherchen zur Geschichte und dem aktuellen Stand des Projekts "Landschaftspark Herzberge" sowie zum Lagekontext des Projekts. Aufgrund der dadurch erhaltenen Informationen und durch eine 2009 durchgeführte Exkursion in den Landschaftspark wurde der Projektentwickler Karlheinz Riedel als erster Ansprechpartner ausgewählt. Ein leitfadengestütztes Experteninterview mit Herrn Riedel, in dem es schwerpunktmäßig um die Geschichte der Projektentwicklung, die aktuelle Nutzung des Geländes und um die Akteurskonstellation ging, fand am 11.07.2010 im Landschaftspark Herzberge statt. Mit Hilfe der im Experteninterview gewonnenen Informationen konnten erste Nutzungsschwerpunkte und Nutzergruppen ausgemacht werden, auf deren Grundlage der Fragebogen für die Nutzerbefragung im Landschaftspark entwickelt wurde. Zunächst wurde ein Prätest durchgeführt in dessen Folge die Reihenfolge der Fragen, um das Verständnis zu erleichtern, leicht abgeändert wurde. Es wurden dann an fünf Terminen insgesamt 83 Nutzer des Landschaftsparks befragt. Aufgrund der momentan noch relativ geringen Besucherzahl scheint diese Anzahl eine kritische Größe für das Gelände zu sein. Es konnten nahezu alle im Park angetroffenen Personen befragt werden. Als Nutzer des Geländes gilt in dieser Arbeit jeder, der auf dem Gelände angetroffen wurde. 9 

Da die Grundgesamtheit der Parknutzer nicht bekannt war, kann die Erhebung keinen Anspruch auf Repräsentativität erheben. Sie vermittelt lediglich einen Eindruck der aktuellen Nutzung des Landschaftsparks. Die Erhebung wurde nicht auf den gesamten 100 Hektar des Landschaftsparks durchgeführt, sondern nur auf den sich im Revitalisierungsprozess befindlichen Brachflächen. Dies schließt die Flächen im südlichen Teil, auf denen die Projektentwicklung bereits begonnen hat, ebenso mit ein, wie die Flächen im Nordteil, auf denen die Entwicklung des Landschaftsparks noch in der Planungsphase ist. Abbildung 1 zeigt die zu revitalisierenden Brachen und das Umfragebiet. Die jeweils mehrstündigen Befragungen fanden an 7 Terminen vom 31.07.2010 bis zum 29.08.2010 statt. So konnten Werktage und Wochenenden repräsentiert werden sowie Tage während und nach den Sommerferien. Die Befragung wurde anonym durchgeführt. Neben demographischen Daten der Nutzer wurde dabei ihre momentane Aktivität im Landschaftspark aufgenommen sowie die Besuchshäufigkeit und seit wann sie das Gelände nutzen. Zusätzlich sollten die Nutzer nennen, was sie am Landschaftspark gegenüber herkömmlichen Parks und Grünflächen schätzen und was ihnen auf dem Gelände fehlt. Den Antworten auf diese eher offenen Fragen wurden bei der Auswertung Kategorien zugewiesen. Der Fragebogen und die Rohdaten der Erhebung befinden sich im Anhang.  Kategorien wurden bei den Fragen nach der Aktivität der Nutzer gebildet. Hierbei wurden die Antworten „mit dem Rad zur Arbeit fahren“, „zur Arbeit laufen“ oder „vom Einkaufen nach Hause laufen“ zur Kategorie „Erledigungswege“ zusammengefasst, um den Gegensatz zur Freizeitnutzung darzustellen. Zudem wurden alle Aktivitäten, die sich unmittelbar auf den Schafbestand bezogen, der Kategorie „Schafe angucken/Schafe füttern“ zugeordnet.  Bei der Frage, was die Nutzer am Landschaftspark gegenüber normalen Parks besonders schätzen, wurden die Kategorien wie folgt gebildet: Zur Kategorie „Wildnis“ wurden im Gegensatz zur Kategorie „unberührte Natur/Naturschutz“ jene Antworten gezählt, die direkt die Wildnis ansprachen sowie jene, die den Wald hervorhoben. Zur Kategorie „Multifunktionalität“ zählen Antworten, die sich auf die Therapien und den Gesundheitsstandort bezogen oder die direkt lauteten „viele verschiedene Funktionen“.  Den Antworten auf die Frage „Was wünschen sie sich für das Gelände oder was fehlt ihnen?“ wurden ebenfalls Kategorien zugewiesen. Die Kategorie „völlig zufrieden“ beinhaltet Antworten wie „alles gut“, „passt so“ oder auch „es soll so ruhig bleiben“. In der 10 

Kategorie „Infrastruktur“ sind die Wünsche nach mehr oder besseren Wegen, Zugängen, Beschilderung, Bänken und Toiletten repräsentiert. Die Kategorie „Angebote für Kinder“ umfasst sowohl den Wunsch nach Spielplätzen als auch nach Umweltbildung und Angeboten für Schulklassen. Parallel zu der Erhebung im Landschaftspark fanden weitere Experteninterviews statt. Um eine eher kritische Position zum Landschaftspark zu dokumentieren, wurde Frau Becker von der Abteilung für Stadtplanung in der Bezirksverwaltung Berlin Lichtenberg am 15.07.2010 befragt. Sie ist zuständig für die Bereichsentwicklungsplanung und sonstige städtebauliche Planungen in Alt-Lichtenberg. Herr Riedel und Frau Becker empfahlen zudem Herrn Nabrowsky, Leiter des Bereichs Naturschutz und Landschaftsplanung im Amt für Umwelt und Natur des Bezirks Lichtenberg, als zusätzlichen Ansprechpartner. Er ist von Seiten des Bezirks ebenfalls mit der Entwicklung des Landschaftsparks beschäftigt. Das Experteninterview wurde am 31.08.2010 geführt. Inhaltlich ging es in den beiden letztgenannten Experteninterviews um die Nutzung des Geländes und um die Akteurskonstellation sowie im Fall von Herrn Nabrowsky um den Naturschutz. Die Experteninterviews mit Herrn Riedel und Herrn Nabrowsky wurden mit einem Diktiergerät aufgezeichnet und anschließend transkribiert, das Experteninterview mit Frau Becker wurde stichpunkthaft wiedergegeben. Alle Interviews befinden sich im Anhang. Auf der Grundlage der genannten Informationen werden in den folgenden Kapiteln zunächst die Ausgangssituation auf dem zu revitalisierenden Gelände, Altlasten und Ressourcen beschrieben. Anschließend sollen die verschiedenen Funktionsbereiche des Landschaftsparks erläutert werden.

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N

Maßstab: 1:10.000

Quelle: Bezirksamt Lichtenberg von Berlin
http://www.landschaftspark-herzberge.de/index.php?id=13

Abb. 1: Zu revitalisierende Brachflächen im Landschaftspark, Umfragegebiet

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3.2 Beschreibung von Projekt und Projektgebiet Gegenstand meiner Forschungsarbeit ist das Gelände des „Landschaftsparks Herzberge“ in Berlin Lichtenberg. Es handelt sich dabei um ein 100 ha großes Areal aus Frei-, Gewerbe-, Wirtschafts- und Wohnflächen. Von diesen sind rund 25 ha Brachflächen, welche seit 10 bis 15 Jahren nicht mehr genutzt werden. Das Projektgebiet des Landschaftsparks Herzberge soll im Folgenden anhand seiner Struktur und seiner Lage im Stadtgebiet charakterisiert werden.

3.2.1 Lage und Kontext im Stadtgebiet

Das Areal gehört zum Bezirk Lichtenberg und liegt in dessen östlichem Teil. Durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung wird die Lage des Projektgebietes als „Innenstadtrand“ innerhalb einer Metropole bezeichnet. (BMVBS 2009) Das Gelände ist sowohl über Straßenverbindungen als auch durch den öffentlichen Personennahverkehr vergleichsweise sehr gut angebunden. An zentraler Stelle auf dem Gelände befindet sich zwischen dem Krankenhaus und den Weideflächen für die Schafe im Südteil des Landschaftsparks die Straßenbahnhaltestelle „Evangelisches Krankenhaus KEH“, von der aus Innenstadt, S-Bahnring und die Großwohngebiete in Berlin Marzahn ohne umzusteigen zu erreichen sind. Am westlichen Rand des Geländes befindet sich die Tram-Haltestelle „Herzbergstraße/Siegfriedstraße“, welche den Park an den Fernbahnhof Berlin Lichtenberg anbindet. Östlich liegt die Tramhaltestelle „Rhinstraße/Allee der Kosmonauten“, von der die Besucher des Parks den S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost erreichen können. Ergänzt wird dies durch mehrere Bushaltestellen. Das Gelände des Landschaftsparks Herzberge kann demnach gut mittels des umweltschonenden ÖPNV erreicht werden, was die Attraktivität des Areals für naturbezogene Nutzungen umso mehr steigert. Der Bezirk Lichtenberg ist wie der Standort Herzberge gekennzeichnet durch eine stagnierende oder rezessive Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung und die daraus resultierende Einbuße von Nutzungsfunktionen. Dies hat in der Nachwendezeit zu entscheidenden Entwicklungshemmnissen geführt, die es bei der Projektentwicklung im Gebiet zu beachten gilt. (vgl. BEZIRKSAMT LICHTENBERG 2007 ) In seinem zentralen Teil umschließt der Landschaftspark das evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge, welches selbst in einem Park mit altem Baumbestand liegt, der vom 13 

Krankenhaus gepflegt wird. Im Westen wird der Park vom Gewerbegebiet Herzbergstraße begrenzt, welches seit der Wende stark unter dem Strukturwandel leidet. Das Gebiet ist geprägt von hohem Leerstand, vielen Brachen und dadurch induziertem Vandalismus. (vgl. BEZIRKSAMT LICHTENBERG 2007) Trotz dieser schwierigen Lage sind dort auch heute noch einige größere Firmen, insbesondere Speditions- und Logistikunternehmen und kleinere Gewerbe ansässig. Gerade der östliche Teil des Gewerbegebietes, der zum Landschaftspark hin liegt, gilt heute als weitgehend stabil. (vgl. Experteninterview Becker 15.07.2010) Im Süden grenzt der Landschaftspark an das Quartier Rüdigerstraße, ein Wohnviertel des Bezirks Lichtenberg, welches zurzeit jedoch noch nicht vollständig an den Landschaftspark angebunden ist. Im Osten und Norden des Landschaftsparks liegen an der Rhinstraße und südlich der Landsberger Allee Wohnsiedlungen in Plattenbauweise. Am östlichen Rand des Parks entstehen momentan Wohnungen aus recycelten Plattenbauten. Durch dieses Vorhaben könnte die Bevölkerungsstruktur durch den Zuzug von Familien verändert werden. Im östlichen Teil des Geländes befinden sich mehrere Bildungseinrichtungen, darunter die Gebäude der Oberstufenzentren für Körperpflege und Energietechnik sowie die Hochschule für Technik und Wirtschaft, welche jedoch im Oktober 2009 den Standort verlassen hat. (vgl. HTW 2010) Neben dem Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge, welches mit 607 Betten in neun Fachabteilungen und zwei Tageskliniken (vgl. KEH 2005) zu den großen Krankenhäusern im Osten von Berlin zählt, ist der Standort Herzberge durch weitere Gesundheitseinrichtungen geprägt. Im Süden des Projektgeländes befindet sich das Krankenhaus Lindenhof für Kinderund Jugendmedizin, welches jedoch ebenfalls demnächst den Standort verlassen wird. Weitere Therapieeinrichtungen, die sich auf dem Gelände oder angrenzend an dieses befinden, sind das Rehabilitationszentrum Berlin Ost und die Leben Lernen Wohnstätten gGmbH. (vgl. BEZIRKSAMT LICHTENBERG 2007) Des Weiteren ist der Landschaftspark Teil eines großflächigen Grünzugs, der durch mehrere Kleingartenkolonien und den Zentralfriedhof Friedrichsfelde fortgeführt wird.

3.2.2 Struktur des Geländes

Das Projektgebiet ist 100 Hektar groß und umfasst ein sehr heterogenes Gebiet aus Frei-, Gewerbe-, Wirtschafts- und Wohnflächen. In den letzten 10 bis 20 Jahren war das Projektgebiet durch zunehmenden Leerstand gekennzeichnet. 25 Hektar sind, teilweise schon seit vielen 14 

Jahren, brachgefallen. Vandalismus und Müllablagerungen waren die Folge dieser Entwicklung. Nicht mehr genutzte Gleisanlagen, Heiztrassen und Gebäude bildeten und bilden zum Teil noch immer problematische Altlasten, die einer Wiedernutzung des Geländes lange entgegenstanden. Auf rund 20 Hektar dieser Flächen bildete sich durch natürliche Sukzession eine artenreiche Flora und Fauna. Insbesondere die Amphibienbiotope auf dem Gelände wurden als schutzwürdig eingestuft. Auf den Brachflächen sind zum Teil ruderale Trockenrasen und artenreiche Hochstaudenfluren zu finden, die jedoch zunehmend von Verbuschung bedroht sind. (vgl. BEZIRKSAMT LICHTENBERG 2007) Das Gelände lässt sich grob in einen südlichen, einen nördlichen und einen zentralen Teil gliedern. Der zentrale Teil wird durch das Krankenhaus und den dazugehörigen Park gebildet. Dieser Teil, der ebenfalls in die Projektentwicklung eingebunden ist, aber seit jeher vom Krankenhaus selbst gepflegt wird, kann deshalb, wenn es um die Revitalisierung von Brachflächen geht, außen vor gelassen werden. Die beschriebene Struktur lässt sich auch in Abbildung 2 nachverfolgen. Im südlichen Teil, nahe der Straßenbahnhaltestelle, befindet sich der 2,5 Hektar große „Lagerplatz“. Auf diesem wurde als erster Fläche im Landschaftspark mit der Beweidung begonnen. Hier soll eine weitgehend offene Wiesenfläche entwickelt und erhalten werden. Es führt ein Rundweg um die Weide herum, von der aus die Schafe beobachtet werden können. Der Weg und das Gelände sind von der Straßenbahnhaltestelle gut einsehbar und leicht zugänglich, weshalb die Fläche auch als Standort für einen Informationspavillon vorgesehen ist. (FÖRDERVEREIN LANDSCHAFTSPARK HERZBERGE o.J. ) Ebenfalls im südlichen Teil liegt das rund 12 Hektar große Gelände des ehemaligen VEG Gartenbau, welches seit Mitte der 90er nicht mehr bewirtschaftet wurde. Heute wird nur noch der südlichste Teil des Geländes durch einen Gartenbau-Betrieb, die In-vitro-tec GmbH, genutzt. Bevor von 1996 bis 2001 Teile des VEG Gartenbau-Geländes durch das Berufsfortbildungswerk genutzt wurden, wurde die Gewächshausanlage aus 31 Treibhäusern oberirdisch rückgebaut. Dabei wurde die oberste Bodenschicht des Geländes teilweise mit Asbest kontaminiert. Es blieben Verbindungswege, Fundamente, Kleinbauwerke der Heizungsanlage und unterirdische Heizkanäle bestehen. (vgl. BEZIRK LICHTENBERG 2007) Mit Mitteln aus dem Umweltentlastungsprogramm konnte die Fläche inzwischen saniert werden.

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Maßstab: 1:10.000

Quelle: Bezirksamt Lichtenberg von Berlin
http://www.landschaftspark-herzberge.de/index.php?id=11

Abb. 2: Struktur des Landschaftsparks Herzberge

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Inzwischen befindet sich auf dem Gelände ebenfalls eine Weidefläche für die Schafe. Das Gebäude des ehemaligen Berufsfortbildungswerkes, das sich ebenfalls auf diesem Teil des Geländes befindet und bereits entkernt wurde, soll zukünftig Räumlichkeiten des Landwirtschaftsbetriebs beherbergen. Östlich an das VEG-Gelände angrenzend befindet sich der 5 Hektar große ehemalige Rangierbahnhof. Hier lagen seit der Wende nicht mehr genutzte Gleisanlagen, die im Rahmen der Projektentwicklung zurückgebaut wurden. Kontaminierter Altschotter, der sich ebenfalls auf dem Gelände befand, wurde inzwischen aufbereitet. Die Fläche ist ein offener und trockener Standort und soll diesen Charakter durch die extensive Beweidung beibehalten. Zudem sollen Wege auf dem Gelände den Landschaftspark nach Süden an das Quartier Rüdigerstraße anbinden. Die Radwegverbindung im nördlichen Teil des Geländes zwischen Siegfriedstraße und Herzbergstraße wurde bereits realisiert und wird stark frequentiert. Angrenzend an Rangierbahnhof und Fahrradweg befindet sich eine Kleingartenanlage, die ebenfalls zum Projektgebiet gehört. Der nördliche Teil des Geländes besteht mitunter nur aus einem relativ schmalen Streifen, der entlang ehemaliger Heiztrassen das Gelände des Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge umschließt. Er ist geprägt durch Wildwuchs, Müllablagerungen, einige versiegelte Flächen und verfallene Gebäude. Durch den Projektkoordinator Karlheinz Riedel wurde das Gelände als sehr unerschlossen und durch verfallene Infrastruktur teilweise gefährlich beschrieben. Viele Flächen sind unzugänglich und wildnisartig. Angesichts dieser Situation beschreibt Karlheinz Riedel den Nordteil des Landschaftsparks als „echten Freiraum“, der momentan vor allem informell genutzt wird. In diesem Bereich befindet sich ein verlassenes Stadion, das zuletzt als Zeltlager der Jungen Pioniere genutzt wurde. Diese im Vorwaldstadium befindliche Brache soll zukünftig als Waldweide genutzt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden im nördlichen Geländeteil einige Räumungsarbeiten durchgeführt, es wurden zum Beispiel Gleise entfernt. Derzeit werden die Heiztrassen entfernt. Der „Rohrdammweg“, ein Verbindungsweg zwischen den Wohnsiedlungen an der Landsberger Allee und der Rhinstraße, befindet sich ebenfalls im nördlichen Teil des Landschaftsparks. (vgl. FÖRDERVEREIN LANDSCHAFTSPARK HERZBERGE o.J, Experteninterview Riedel am 11.07.2010) Insgesamt kann man den nördlichen Teil des Landschaftsparkgeländes als wesentlich unerschlossener bezeichnen. Derzeit werden lediglich Flächen im Südteil für die Beweidung genutzt. Durch seine nutzungsbedingt sehr vielfältige Struktur ist das Gelände in der Lage verschiedene Funktionen für unterschiedliche Nutzer zu erfüllen. 17 

3.2.3 Projektentwicklung und Akteurskonstellation

Ausgangspunkt für die Entwicklung des Landschaftsparks Herzberge waren mehrere schutzwürdige Amphibienbiotope am Standort. Das Amt für Umwelt und Naturschutz Berlin Lichtenberg trat aufgrund des schlechten Zustands der Biotope mit der Anfrage an die Agrarbörse Deutschland Ost e.V. heran, diese zu restaurieren. Von der Agrarbörse wurde jedoch eine großräumigere Landschaftsgestaltung, ein Landschaftspark, angeregt. Da Gelder für die Entwicklung einer Fläche dieser Größenordnung nicht vorhanden waren, kam die Idee einer landwirtschaftlichen Nutzung ins Spiel, welche die Flächen ökonomisch nutzt und gleichzeitig zur Landschaftsentwicklung beiträgt. Dadurch soll das Gelände für den Bezirk kostenneutral entwickelt und gleichzeitig der gesamte Standort Herzberge stabilisiert und aufgewertet werden. Der Landwirtschaftsbetrieb soll perspektivisch nicht nur Aufgaben der Produktion von Tier- und Pflanzenerzeugnissen erfüllen, sondern gleichzeitig Funktionen im Bereich von Naturschutz, Biotopentwicklung, Umweltbildung und Beschäftigung wahrnehmen. (vgl. BEZIRK LICHTENBERG 2007, Experteninterview Riedel 11.07.2010) Der Landschaftspark und die urbane Landwirtschaft waren ursprünglich als Zwischennutzung geplant, haben sich aber inzwischen durch den vom Umweltentlastungsprogramm vorgeschriebenen Schutzstatus verstetigt. Mit der Projektentwicklung wurde die Agrarbörse Deutschland Ost e.V. beauftragt. 2004 startete das Projekt „Landschaftspark Herzberge – behutsame ökologische Entwicklung des Standortes mit integrierten Naturschutzmaßnahmen bei gleichzeitiger landwirtschaftlicher und landschaftsnaher ökonomischer Standortnutzung“. In diesem und in den Folgeprojekten wurde mit der Beräumung von Altlasten und mit dem Aufbau des Landwirtschaftsbetriebes begonnen. Seit 2004 wurde unter anderem eine detaillierte Bestandsuntersuchung des Geländes durchgeführt und verschiedene Teilgebiete auf ihre Eignung für landwirtschaftliche und Erholungsnutzung untersucht. Es wurde ein Freiflächenentwicklungsplan ausgearbeitet, der auch den Investitionsbedarf ermittelte. Seit 2008 sind die Projektakteure aktiv auf dem Gelände mit der Umsetzung des Projektes beschäftigt. Für die Durchführung der Aufgaben wurden Fördermittel bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, unter anderem aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung beantragt und bewilligt. (vgl. BEZIRK LICHTENBERG 2007) Es wurde zudem ein Förderverein gegründet, der interessierte Anlieger, darunter das Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge und einige der umliegenden Unternehmen, in die Projektentwicklung mit einbezieht. 18 

Durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen und mit Hilfe von Vergabe-ABM wurden Boden- und Landschaftsbauarbeiten auf dem ehemaligen VEG-Gartenbau-Gelände im südlichen Teil des Landschaftsparks durchgeführt. Hier entstanden durch Beräumung, Bodenentsiegelung und – sanierung Weideflächen für Schafe (siehe Abbildung 3), eine Streuobstwiese ist ebenfalls vorgesehen. Derzeit wird das Areal mit Mitteln aus dem Umweltentlastungs-programm weiter saniert und entwickelt (vgl. Experteninterview Riedel 11.07.2010). Auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofes wurden die Gleisanlagen zurückgebaut. Das Gelände soll nach der Fertigstellung der Freiflächengestaltung das Quartier Rüdigerstraße und eine Kleingartenanlage mit dem Landschaftspark verbinden, zudem sollen weitere Schafweiden entstehen. Die Heiztrassen, die das Gelände auf rund 1.500 Metern durchziehen wurden ebenfalls bereits zum Teil abgebaut. Einige Betonträger der Heizleitungen blieben als sichtbare Zeugnisse der Nutzungsgeschichte des Geländes erhalten. (vgl. BEZIRK LICHTENBERG 2007) Der Landschaftspark erhält so einen narrativen Charakter. Es wurden zudem mehrere Rad- und Fußwege angelegt (siehe Abbildung 4), welche die Grün- und Erholungsflächen mit den landwirtschaftlichen Nutzflächen vernetzen und Besuchern den Zugang und die Bewegung im Landschaftspark ermöglichen. Die Vernetzung der neuen Rad- und Skatewege mit bestehenden sowie mit empfohlenen Routen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ist eines der wichtigen Ziele des Projekts. (vgl. BEZIRK LICHTENBERG 2007) Seit Sommer 2009 werden die ersten Flächen im Südteil des Landschaftsparks mit Rauwolligen Pommernschafen beweidet. (vgl. UGOLJEW 2009). In Zukunft sollen weitere Flächen auf dem Gelände in die Beweidung integriert werden. Perspektivisch soll die landwirtschaftliche Nutzung des Geländes mit anderen Nutzungen kombiniert werden. Der Standort und die Beweidung bieten gute Voraussetzungen für therapeutische Angebote. Neben tiergestützten Therapien wurden unter anderem Nutzungen durch Imkerei, die Aktion Tier, den Verein zum Erhalt und zur Rekultivierung von Nutzpflanzen, die Integration alternativer Energiegewinnung oder die Einrichtung von Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie angeregt. Ein weiterer Schwerpunkt der Nutzung wird in Zukunft mit Sicherheit auch die Umweltbildung sein. In der momentanen Phase der Projektentwicklung sieht Karlheinz Riedel von der Agrarbörse Deutschland Ost e.V. jedoch den Aufbau des Landwirtschaftsbetriebs als prioritär an. (vgl. BEZIRK LICHTENBERG 2007, Experteninterview Riedel 11.07.2010)

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Abb. 3: Schafe auf dem ehemaligen VEG-Gelände

Abb.4: Wege im Landschaftspark

Abb. 5: Wohnstandort Herzberge

Abb. 6: Hochstaudenflur im Landschaftspark

(Quelle: alle Fotos selber angefertigt) Die Akteurskonstellation des Projekts weist eine recht heterogene Struktur auf. Federführend bei der Projektentwicklung ist die Agrarbörse Deutschland Ost e.V. Ursprünglich wurde die Entwicklung des Landschaftsparks und der urbanen Landwirtschaft als Planungsprojekt, unter anderem durch die EU finanziert, realisiert. Heute handelt es sich dabei um ein Vergabe-Projekt, beauftragt durch den Bezirk Berlin Lichtenberg. (vgl. BEZIRK LICHTENBERG 2007, Experteninterview Riedel 11.07.2010) Auf Seiten des Bezirks ist als Fachplanung besonders das Amt für Umwelt und Natur involviert. Die Projektentwickler haben bei ihrer Arbeit jedoch weitgehend freie Hand. Die Agrarbörse hat in Zusammenarbeit mit dem Amt für Umwelt und Natur Lichtenberg die Konzeption des 20 

Landschaftsparks entwickelt und kümmert sich um die Umsetzung vor Ort sowie um die Koordination mit Dritten. Der Landwirtschaftsbetrieb, die Agrar GmbH, ist ebenfalls eine Gründung der Agrarbörse. Projektentwickler Karlheinz Riedel ist dort gleichzeitig aktiver Geschäftsführer. Zudem entscheidet die Agrarbörse in ihrer Rolle als Projektkoordinator über ergänzende Nutzungen auf dem Gelände. (vgl. Experteninterview Riedel 11.07.2010, Experteninterview Nabrowsky 31.08.2010) So kam zum Beispiel eine Kooperation mit „Aktion Tier“ zustande, die von Seiten des Bezirks kritisch gesehen wird. Die Tatsache, dass die Projektentwickler bei der Planung und Umsetzung des Landschaftsparkkonzeptes und bei der Etablierung der urbanen Landwirtschaft relativ viel Spielraum haben, ist unter anderem dem Umstand geschuldet, dass die offiziellen Planungsdokumente für das Gebiet sehr unscharf sind. Es existieren keine Bebauungspläne und die Bereichsentwicklungsplanung ist lediglich blockscharf. Der Informationsfluss zwischen Behörden und Projektentwicklern gestaltet sich zudem oft schwierig. (vgl. Experteninterview Becker 15.07.10) Der Bezirk nimmt heute hauptsächlich über die Erteilung von Genehmigungen Einfluss. Konflikte gab es unter anderem über die Verstetigung des Projektes durch die Inanspruchnahme einer Förderung durch das Umweltentlastungsprogramm, dies war von der Stadtplanung des Bezirkes nicht gewünscht. Auch über die Nutzung der Gebäude des ehemaligen Berufsfortbildungswerkes im Südteil gibt es aktuell Konflikte. Der Bezirk ist jedoch als Auftraggeber dem Projekt insgesamt wohlwollend gesinnt und erkennt die Fortschritte in der Entwicklung des Landschaftsparks zunehmend auch öffentlich an. Abstimmen muss sich die Agrarbörse bei der Entwicklung des Landschaftsparks außerdem mit unterschiedlichen Grundstückseigentümern auf dem Gelände. Die Flächen gehören dem Bezirk, der formell gesehen Auftraggeber des Projektes ist, dem Liegenschaftsfond, der wenig Interesse zeigt und privaten Eigentümern. Dazu zählen unter anderem der Wohnungsbauer Saxum und die Wohnungsbaugesellschaft der Sana-Kliniken. Mit diesen Flächeneigentümern müssen sich die Projektentwickler zum Beispiel bei Fragen des Wegerechts einigen. Einfluss nehmen können Flächeneigentümer, wie auch Anlieger und Anwohner des Landschaftsparks durch die Mitarbeit im Förderverein. In diesem wurde unter anderem das Konzept für das Umweltentlastungsprogramm diskutiert. Hauptaufgabe des Fördervereins ist im Moment jedoch die Öffentlichkeitsarbeit. (vgl. Interview Riedel 11.07.2010)

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3.3 Der Landschaftspark Herzberge als multifunktionaler Freiraum

3.3.1 Nutzergruppen und Nutzerbefragung

Durch die sehr heterogene Struktur des Geländes wird der Landschaftspark von verschiedenen Gruppen genutzt. Wie herkömmliche Parks und Grünflächen wird das Gelände unter anderem zur Erholung genutzt, die „Erholungsnutzer“ stellen eine wichtige Nutzergruppe dar. Kleingärtner sind innerhalb dieser Gruppe besondere Nutzer, wie sie nicht in jedem Park zu finden sind. Darüber hinaus ist die landwirtschaftliche Nutzung des Geländes prägend. Die landwirtschaftlichen Nutzer sind gleichzeitig mit der Projektentwicklung beschäftigt. Da der Landschaftspark auch Wohnstandort ist, sind Menschen, die im oder direkt am Park wohnen, besonders zu beachten. Die Nutzung des Landschaftsparks als Gesundheitsund Therapiestandort, zum Beispiel durch Personal und Patienten des Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge, ist ebenfalls kennzeichnend. In dieser Arbeit soll diese Art der Nutzung allerdings nicht weiter untersucht werden, da sie nicht durch die Revitalisierung der Brachflächen und die Projektentwicklung induziert wird. Um die Nutzung des Landschaftsparks zu untersuchen, wurde auf dem Gelände des Landschaftsparks eine Nutzerbefragung durchgeführt. Demographische Daten der Befragten sollen im Folgenden kurz präsentiert werden. Da im Allgemeinen alle auf dem Gelände angetroffenen Personen auch befragt wurden, spiegeln die Daten ungefähr das Bild wider, das sich an den Tagen der Erhebung im Landschaftspark zeigte.

Abb.7 (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010) 22 

Die Mehrheit der im Landschaftspark Befragten ist, wie Abbildung 7 zeigt, männlich. Bei der Altersverteilung fällt auf, dass die Gruppe der jüngeren Erwachsenen mit über der Hälfte der Befragten einen besonders großen Anteil stellt. Die Wohnorte der Befragten deuten an, dass der Landschaftspark Herzberge eine große Bedeutung als wohnungsnahes Grün hat. Er zieht jedoch bereits auch Besucher aus anderen Stadtteilen, sowie aus Brandenburg an.

Abb.8 (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010)

Abb.9 (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010) 23 

3.3.2 Funktionsbereich Landwirtschaft

Der Aufbau des Landwirtschaftsbetriebes auf dem Gelände des Landschaftsparks Herzberge hat derzeit Priorität, berichtet Projektentwickler Karlheinz Riedel im Experteninterview. Erst wenn dieser in zwei bis drei Jahren ökonomisch tragfähig wirtschaftet, sollen andere Dienstleistungen, wie Umweltbildung und Therapien, angeschlossen werden. Die Schaffung der Voraussetzungen für die Arbeit des Landwirtschaftsbetriebes, also die Ausarbeitung eines Wirtschaftskonzeptes, die Sanierung der Flächen von Altlasten und die Errichtung von Infrastruktur waren daher in den ersten Jahren der Projektentwicklung einer der Nutzungsschwerpunkte des Geländes. Im Sommer 2009 wurde mit der Beweidung des ehemaligen Lagerplatzes mit Skudden und Rauwolligen Pommernschafen begonnen (vgl. UGOLJEW 2009). Mittlerweile befinden sich 90 Tiere auf dem Gelände, womit der Landschaftspark, zumindest im Augenblick, seine Kapazitätsgrenze erreicht hat. Das gesamte Gelände war ursprünglich für 100 Tiere ausgelegt, aktuell steht jedoch nicht einmal die Hälfte der geplanten Fläche für die landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung. In nächster Zeit wird das Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofes als Weidefläche hinzukommen. Perspektivisch soll auch das ehemalige Zeltlager im Nordteil zu einer Waldweide umgenutzt werden. Derzeit werden also ausschließlich Flächen im Südteil des Geländes landwirtschaftlich genutzt. Projektentwickler Riedel sieht für den Tierbestand ein „beschränktes Wachstum" vor: „Mehr geht da nicht. Und wenn man nicht will, dass jeder, der kommt, über ein Schaf fällt, sondern dass man auch noch spazieren gehen kann, dann muss man es auch dabei belassen". (Experteninterview Riedel 11.07.2010) Dies weist auf die besondere Aufgabe der urbanen Landwirtschaft hin, die erreichen muss, die landwirtschaftliche Primärproduktion mit der Erholungsnutzung zu kombinieren. Bei nicht standortangepasster Projektentwicklung könnten sich dadurch Nutzerkonflikte ergeben. Nur in zwei Fällen wurden jedoch bei der Umfrage negative Effekte durch die Schafe genannt. Der Landwirtschaftsbetrieb schränkt vor allem Hundebesitzer, die den Südteil des Landschaftsparks nutzen, ein. Von 5 Befragten, die im Südteil ihren Hund ausführten, gaben 2 an, das Gelände durch die Einzäunung der Schafweiden nur noch eingeschränkt nutzen zu können. Die urbane Landwirtschaft erfüllt auf dem Gelände mehrere Funktionen. Durch den Landwirtschaftsbetrieb als Flächennutzer soll das Gelände für den Bezirk kostenneutral gepflegt und gleichzeitig der Parkcharakter entwickelt werden. Die extensive Beweidung mit Schafen ist 24 

für die Freiflächengestaltung geeignet. Ihr „goldener Tritt“ dämmt den Gehölzaufwuchs ein und fördert das Wachstum der artenreichen Krautschicht. Im Zuge der Projektentwicklung wurde auch der Baumbestand neu entwickelt sowie Hecken und Wege angelegt und das Gelände auf diese Weise geformt. (vgl. FÖRDERVEREIN o.J.) Für die gewerbliche Landwirtschaft am Standort Herzberge gibt es drei Optionen: der Verkauf von Schafen, das Selberpflücken von Obst, wobei die Nutzer pro gepflückten Korb eine Abgabe bezahlen und der Verkauf von Bioprodukten. Es soll auf dem Gelände ein Schlachtraum eingerichtet werden, um das Fleisch der Schafe verkaufen zu können. Außerdem soll ab nächstem Jahr in Kooperation mit einer Biobäckerei Brot im Landschaftspark Herzberge verkauft werden. Der Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse wurde bei der Erhebung im Park durch mehrere Nutzer gewünscht. Eine bedeutende ökonomische Perspektive des Landwirtschaftsbetriebes bilden Pflegeaufträge für Standorte außerhalb des Landschaftsparks. Durch die große Anzahl von Brachflächen auf dem Berliner Stadtgebiet schätzt Projektentwickler Karlheinz Riedel die Nachfrage danach als hoch ein. Angedacht ist es zum Beispiel im Wuhletal eine Wanderschäferei einzurichten. Auch für das Tempelhofer Feld gibt es ein Angebot für eine Beweidung durch die Agrarbörse. Momentan fehlen jedoch noch Flächen für bezahlte Pflegeaufträge. Bereits 10 Hektar zusätzliche Pflegefläche an anderen Standorten würden ausreichen, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Landwirtschaftsbetriebes zu gewährleisten. (vgl. Experteninterview Riedel 11.07.2010) Angesichts der Größenordnung von brachgefallenen Flächen in Berlin, wie sie in Kapitel 2.2 beschrieben wurde, erscheint dies tatsächlich im Rahmen des Möglichen. Durch den Landwirtschafts- und Landschaftspflegebetrieb wird auch Beschäftigung am Standort erhofft. Momentan hat der Landwirtschaftsbetrieb noch keine eigenen Angestellten, zwei Schäfer sind bei der Agrarbörse beschäftigt und wechseln zu einem späteren Zeitpunkt zum Landschaftspark. Im Rahmen eines Beschäftigungsprojektes arbeiten zudem 12 weitere Personen am Standort. (vgl. Experteninterview Riedel 10.09.2010) Der Schafbestand bildet darüber hinaus einen der Hauptanziehungspunkte des Landschaftsparks. „An so einem Standort mitten in der Stadt gibt es auch noch andere Funktionen, die so ein Tierbestand noch haben kann", erklärt Karlheinz Riedel. Auch jenseits tiergestützter Therapien kann die Herde wichtige soziale Funktionen erfüllen. Gerade in innerstädtischen Gebieten wie Berlin Lichtenberg ist es wichtig, Kindern den Kontakt zu Tieren zu ermöglichen. Die Befragung der Parkbesucher hat dies bestätigt. 12% der Besucher gaben an, den Landschaftspark unter 25 

anderem für das Anschauen oder Füttern der Schafe zu nutzen. Hier zeigt sich der Schnittpunkt zwischen landwirtschaftlicher und Erholungsnutzung, aber auch zur sozialen Funktion. Hemmnisse für die urbane Landwirtschaft am Standort Herzberge sind die derzeit mangelnden Pflegeaufträge sowie ein Streit um die Nutzung der Gebäude des ehemaligen Berufsfortbildungswerkes. Die Gebäude sind derzeit in sehr schlechtem Zustand. Der Landwirtschaftsbetrieb müsste Wasser- und Stromversorgung komplett selbst installieren und im Anschluss zudem Miete für die Gebäude zahlen. Um Verträge, die sowohl für die Verwaltung als auch für die Projektentwickler eine faire und tragfähige Lösung bilden, wird derzeit noch gerungen. Die Nutzung der Gebäude und die dortige Einrichtung von Büro- und Seminarräumen sind auch für den Aufbau von Umweltbildungsprojekten, die in Verbindung mit der urbanen Landwirtschaft stehen sollen, unerlässlich. (vgl. Experteninterview Riedel 11.07.2010) In beiden Fällen, der Suche nach Pflegeflächen und der Nutzung der Gebäude wären flexible Lösungen in den Verwaltungen gefragt, welche die Projektentwickler beim Aufbau der urbanen Landwirtschaft unterstützen.

3.3.3 Funktionsbereich Erholung

Der Landschaftspark ist als Naherholungsgebiet für die Bewohner des Bezirkes Lichtenberg und anderer Bezirke konzipiert. Das Leitmotiv „Landschaftspark Herzberge – Das grüne Herz von Lichtenberg“ (ADO 2005a) zeigt den Anspruch des Projektes, das verwilderte Gebiet in den Alltag der Menschen zu reintegrieren. Eine naheliegende Form, Freiflächen für Bewohner einer Stadt aufzuwerten, ist die Schaffung von Räumen für Freizeit und Erholung. Der Standort ist dafür gut geeignet, da das Gelände des Landschaftsparks Teil eines größeren Verbundes von Grün- und Erholungsflächen ist. Im Nordwesten grenzt das Projektgebiet an das ein Sportstadion der BVG, im Süden befindet sich das stark durchgrünte Gelände des Kinderkrankenhauses Lindenhof, das ebenfalls zu Spaziergängen einlädt. Ebenfalls im Süden sowie im Südwesten liegen Kleingartenanlagen und der große, von alten Bäumen bestandene Zentralfriedhof Friedrichsfelde. Die Nutzerbefragung im Landschaftspark hat diese bestätigt. In dieser frühen Phase der Projektentwicklung ist es hauptsächlich die Erholungsfunktion des Geländes, die Besucher anzieht und die sie nutzen. Im Rahmen der Erhebung wurde die Aktivität der Nutzer dokumentiert, der sie zum Zeitpunkt der Befragung nachgingen (siehe Abbildung 10). 26 

Abb. 10: Aktivitäten im Landschaftspark zum Zeitpunkt der Befragung (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010)

Die Graphik zeigt, dass 74% der Befragten Aktivitäten aus dem Bereich Freizeit und Erholung nachgingen. Es zeigen sich darunter klassische Nutzungen von städtischen Grün- und Freiflächen, wie das Spazierengehen, Radfahren, Joggen, das Verweilen oder den Hund ausführen. Der Landschaftspark wird jedoch auch für Aktivitäten genutzt, die erst durch spezifische Form der Projektentwicklung möglich werden. 5 % der Befragten waren dabei die Schafe zu beobachten oder diese zu füttern und 7% nutzten Kleingärten, die ebenfalls auf dem Projektgebiet liegen und die in die Entwicklung des Landschaftsparks mit einbezogen werden. So sind die Kleingartenvereine, wie Projektentwickler Karlheinz Riedel berichtete, mittlerweile im Förderverein des Landschaftsparks vertreten. Die 26 % der Aktivitäten, die nicht zum Bereich Freizeit- und Erholung zählen, sind zum einen die Erledigungswege, also die bloße Durchquerung des Geländes um einen anderen Ort zu erreichen. Zum anderen sind es Arbeit, also Befragte, die zum Zeitpunkt der Erhebung ihrer

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Erwerbstätigkeit im Landschaftspark nachgegangen sind und die „unklaren“ Aktivitäten, wenn also Befragte keine Auskunft über ihre Aktivitäten geben wollten. Der Frage, ob die Nutzer des Landschaftsparks diese Aktivitäten schon vor der Projektentwicklung ausüben konnten, als das Gelände noch Brachfläche war, ist nur schwer nachzugehen. Offensichtlich ist dies bei Aktivitäten, die sich auf den Schafbestand beziehen. Dieser Aktivität gingen zum Zeitpunkt der Befragung nur 5% der Nutzer nach. Als jedoch die Besucher des Landschaftsparks aufzählen sollten, für welche Aktivitäten sie das Gelände insgesamt nutzen, gaben schon rund 12% an, den Park unter anderem für das Anschauen oder Füttern der Schafe zu nutzen. Der Unterschied zwischen beiden Zahlen erklärt sich darin, dass die Tiere immer nur auf einer kleinen Fläche des im Vergleich viel größeren Landschaftsparkgeländes weiden. Mit dem Tierbestand hat der Landschaftspark also einen Anziehungspunkt gewonnen, der die Erholungsfunktion des Geländes gestärkt hat. Die Freizeitbeschäftigung Radfahren, der 13% der Befragten nachgingen, ist ebenfalls durch die Entwicklung des Landschaftsparks gestärkt worden. Durch den Bau von Rad- und Fußwegen durch das Parkgelände ist für Nicht-Mountainbiker die Nutzung des Geländes für das Radfahren erst möglich geworden. Die Besucher des Landschaftsparks wurden, um eine möglichen Nutzungszuwachs durch die Entwicklung des Landschaftsparks zu belegen, gefragt, seit wann sie das Gelände schon nutzen. Für die Gruppe der „Erholungsnutzer“, also der Befragten, die Aktivitäten aus dem Bereich Sport und Erholung nachgingen zeigte sich folgendes Bild:

 Abb. 11 (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010) 28 

63% der Befragten aus dieser Gruppe nutzen das Gelände des Landschaftsparks demzufolge erst, nachdem die Projektentwicklung eingesetzt hat. 19% gaben sogar explizit an, das Gelände seit Projektbeginn zu nutzen, seitdem also Wege angelegt werden das Gelände gepflegt wird. Knapp die Hälfte der Erholungsnutzer, 44%, besucht das Gelände erst seit relativ kurzer Zeit. Dies zeigt deutlich, dass sich die Zahl der Nutzer durch die Entwicklung des Landschaftsparks erhöht, das Areal also für sie erst durch das Projekt nutzbar geworden ist. Wenn man dies auf den Südteil bezieht, wo das Gelände bereits entwickelt wurde, zeigt sich die Stärkung der Erholungsfunktion durch die Entwicklung des Landschaftsparks noch deutlicher (siehe Abbildung 12).

Abb. 12 (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010) Ein Blick auf das Einzugsgebiet der Erholungsnutzer zeigt, dass es sich beim Landschaftspark Herzberge, zumindest im Augenblick noch, vorrangig um ein Naherholungsgebiet handelt. Bei knapp der Hälfte der Erholungsnutzer, die als Wohnort den Bezirk LichtenbergHohenschönhausen angaben, handelt es sich um direkte Anwohner des Landschaftsparks. Für diese erfüllt das Gelände offenbar eine besonders wichtige Freizeit- und Erholungsfunktion (siehe Abb. 13).

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Abb. 13 (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010) Insgesamt ergab die Befragung also einen Funktionszuwachs durch vermehrte

Erholungsnutzung. Es hat sich nicht nur die reine Zahl der Nutzer erhöht, die Möglichkeiten das Gelände für Freizeit- und Erholungsaktivitäten zu nutzen, haben sich durch die Anlage von Wegen und den Tierbestand auch verbreitert. Die Zahl der Erholungsnutzer wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren noch erhöhen. Bedingt durch den Baustellenstatus, den große Teile des Geländes im Moment noch haben und die fehlenden Zugänge hat das Gebiet eher den Status eines „Geheimtipps“. (vgl. Experteninterview Riedel 11.07.2010) Wenn der Landschaftspark in Zukunft stärker beworben wird, wird sich die Zahl der Erholungsnutzer und das Einzugsgebiet des Parks vergrößern.

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3.3.4 Funktionsbereich Stadtentwicklung

Durch die Revitalisierung sollen Brachflächen in das bestehende Stadtgefüge integriert werden, Synergien zwischen Stadt und Freiraum sollen vermehrt auftreten. Verschiedene Gruppen sollen von der Entwicklung profitieren und an ihr teilhaben. (vgl. BMVBS 2009) Einige dieser sozialen Funktionen, die in Experteninterviews und in der Nutzerbefragung untersucht wurden und im weiteren Sinne zur sozialen Stadtentwicklung zählen, sollen im Folgenden angesprochen werden. Der Landschaftspark als stabilisierender Faktor des Standortes Der Wohn- und Gewerbestandort Lichtenberg hat in den letzten Jahren durch demographische, ökonomische und soziale Verwerfungen einen Abwärtstrend erlebt. Ergebnis sind nicht nur die im Revitalisierungsprozess befindlichen Brachflächen im Landschaftspark, sondern auch zahlreiche Leerstände in den umliegenden Quartieren und die dadurch induzierten Probleme. Als schwerwiegender Standortnachteil wurde von den anliegenden Unternehmen der durch den Leerstand hervorgerufene Vandalismus genannt. (vgl. ADO 2005b) Durch den Aufbau des Landschaftsparks wird erhofft, den Standort zu stabilisieren. Projektentwickler Karlheinz Riedel sieht dieses Ziel bestätigt. Die umliegenden Unternehmen verzeichnen Rückläufe des Vandalismus. „Man ist nicht mehr unbeobachtet“, erklärt Herr Riedel diesen Effekt. Durch die Nutzung des Geländes sowohl durch die Projektentwickler und nun verstärkt auch durch Besucher findet Kontrolle statt. Insbesondere die Fahrrad- und Spazierwege sind inzwischen stark frequentiert und tragen zur öffentlichen Kontrolle bei. Auch durch die Einbindung der Anwohner und die zunehmende Identifikation mit dem Gebiet kann diese „sanfte“ Kontrolle, also ohne professionelle Sicherheitskräfte oder verstärkten Polizeieinsatz, gestärkt werden (vgl. Experteninterview Riedel 11.07.2010). Weitere positive Effekte, die sich die Unternehmen erhoffen, sind eine Belebung des Standortes durch Laufkundschaft, bessere Erreichbarkeit durch den Ausbau von Wegen und die Verbesserung des Außenwahrnehmung durch die Aufwertung und den wachsenden Bekanntheitsgrad des Standortes. (vgl. ADO 2005b) Eine Verbesserung des Image des Standortes zeichnet sich bereits durch mehrere Auszeichnungen ab, die das Projekt Landschaftspark Herzberge gewinnen konnte. Unter

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anderem wurde der Park, wie Karlheinz Riedel berichtete, als einer von 365 Orten im „Deutschland – Land der Ideen“ – Wettbewerb ausgezeichnet. Eine mögliche Form, wie die Standortaufwertung auch Nutzen für die Entwicklung des Landschaftspark stiften könnte, wäre die umliegenden Unternehmen in Form von Spenden an der Projektentwicklung zu beteiligen. Da durch positive Effekte, wie die Reduzierung von Vandalismus oder die Belebung des Standortes, die Akzeptanz bei den Anliegern gesteigert wird, können diese in der Zukunft besser für Sponsoring gewonnen werden. Auch als Wohnstandort erfahren das Gelände und seine Umgebung, insbesondere durch den gesteigerten Erholungswert, eine Aufwertung. Besonders das Wohnquartier an der Rhinstraße im östlichen Teil des Landschaftsparks konnte stabilisiert werden. Dies konnte Frau Becker vom Referat für Stadtplanung im Bezirk Lichtenberg in einem Experteninterview bestätigen. Das Immobilienunternehmen Saxum, das dort zahlreiche Wohneinheiten sanierte und nun auch neu errichtet, bewirbt den Standort mit dem „Wohnen im Landschaftspark“. (vgl. SAXUM GMBH 2010) Das Gelände des Kinderkrankenhauses Lindenhof, das ebenfalls den Standort verlässt, soll als Gebiet für hochwertiges Wohnen entwickelt werden. Auch durch die Nähe zum Landschaftspark hat dieses Vorhaben gute Chancen. Die räumliche Nähe zum Wohnort wurde im Rahmen der Erhebung von 10 Befragten genannt und lag damit auf Platz 7 der Eigenschaften, die den Landschaftspark gegenüber anderen Parks auszeichnen (siehe Abbildung 22, Seite 42). Damit das „Nibelungenviertel“ und seine Bewohner im Süden des Landschaftsparks in höherem Maße von der Projektentwicklung profitieren können, muss eine Anbindung geschaffen werden. Es ist geplant eine Rampe zu errichten, die das Viertel mit dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofes verbindet (vgl. BEZIRK LICHTENBERG 2007). Insbesondere ältere Menschen im Viertel sind auf die Rampe angewiesen und haben laut Karlheinz Riedel auch schon Interesse am Landschaftspark angemeldet. Die Altersstruktur der Parknutzer zeigt, dass die Gruppe der über 60-Jährigen bislang noch relativ schwach im Landschaftspark vertreten ist. Im Sinne einer integrierten Stadtentwicklung wäre dieses Bauvorhaben wichtig. Auch von den befragten Nutzern gaben fünf an, bessere Zugänge zu wünschen. Da das Gelände momentan jedoch noch Baustelle ist, beabsichtigt die Projektentwicklung mit der weitergehenden Öffnung des Geländes noch zu warten, bis die Vorarbeiten abgeschlossen sind. (vgl. Experteninterview Riedel 11.07.2010)

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Anwohner im Landschaftspark und Partizipation Der Landschaftspark Herzberge ist auch Wohnstandort. Das Gelände erfüllt somit für die Menschen, die im oder direkt am Landschaftspark wohnen, die Funktion des wohnungsnahen Grüns. Rund ein Drittel der im Landschaftspark befragten Menschen gab an, direkter Anwohner des Parks zu sein. Durch die angestrebte enge Verflechtung des Parks mit den umliegenden Quartieren und dem erhofften Beitrag zu ihrer Stabilisierung, kommt dem Gelände für die Gruppe der Anwohner eine besondere Bedeutung zu. (vgl. BEZIRK LICHTENBERG 2007) Der Landschaftspark wertet das direkte Wohnumfeld der Anwohner auf und wird von diesen entsprechend stark frequentiert. Wie die Umfrage ergab, nutzen über zwei Drittel der befragten Anwohner den Landschaftspark mehrmals in der Woche. Unter allen Befragten gab dies nur rund die Hälfte an. Die übrigen Anwohner nutzen den Park mehrmals im Monat, während die anderen Kategorien, mehrmals im Jahr, seltener oder zum erste Mal, von den Anwohnern überhaupt nicht genannt wurden (siehe Abbildung 14). Anwohner nutzen das Gelände also relativ häufiger. Auch wurde die räumliche Nähe zum Wohnort von zehn Befragten als Merkmal genannt, das sie am Landschaftspark besonders schätzen. Die Hälfte der Anwohner besuchte das Gelände schon vor Beginn der Projektentwicklung. Da das Gelände schon lange Wohnstandort ist und auch Brachflächen für Anwohner anziehend sind (vgl. HEINEMANN; POMMERENING 1989), verwundert dies nicht. Die anderen 50% jedoch nutzen die Flächen erst, seitdem der Landschaftspark entwickelt wird oder seit Kurzem (siehe Abbildung 15).

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 Abb. 14 (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010)

 Abb. 15 (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010) Auch unter den Anwohnern zeigt sich ein breites Spektrum von Aktivitäten (siehe Abbildung 16). Das Gelände ist für über zwei Drittel der befragten Anwohner Raum für Freizeit und Erholung. Ein relativ zu der Gesamtmenge der Befragten höherer Anteil benutzte das Gelände für Erledigungswege, also um zu Fuß oder mit dem Rad von einem Ort zum anderen zu 34 

gelangen. Dies verdeutlicht, dass das Areal des Landschaftsparks in hohem Maße Bestandteil des Alltags der Menschen ist und dass der Freiraum eng mit der umgebenden Stadt verflochten ist.

 Abb. 16 (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010) Bürger und insbesondere Anwohner in die Projektentwicklung zu integrieren, ist ein Grundsatz moderner Stadtentwicklungspolitik und kann zur Steigerung der Akzeptanz und zum Gelingen der Projekte führen. Im Fall des Landschaftsparks Herzberge wird diese Funktion hauptsächlich durch den Förderverein gewährleistet, in dem anliegende Unternehmen und Organisationen aber auch Anwohner vertreten sind. Auch von Bürgern, die nicht Mitglied im Förderverein sind, kommen des Öfteren Anfragen und Vorschläge, sich an der Projektentwicklung zu beteiligen. In der momentanen Phase der Projektentwicklung wird dies allerdings noch nicht stark gefördert. Zunächst sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um dann nach und nach Bürger einzubinden. (vgl. Experteninterview Riedel 11.07.2010)

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 Abb. 17 (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010)

 Abb. 18 (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010) Auch im Rahmen der Nutzerberfragung wurde erhoben, ob sich die Befragten in irgendeiner Form eine Partizipation an der Projektentwicklung vorstellen könnten. Dies schließt neben der Mitarbeit im Förderverein auch Aktivitäten ein, die weniger Bereitschaft erfordern, wie der Besuch von Informationsveranstaltungen. 25% der Befragten konnten sich eine Partizipation vorstellen, darunter waren rund ein Drittel Anwohner (siehe Abbildung 17). Dies entspricht etwa 36 

dem Anteil von Anwohnern, die insgesamt unter den Befragten vertreten waren. Die befragten Anwohner waren also nicht in höherem Maße bereit an der Projektentwicklung teilzuhaben. Da eine mögliche Partizipation jedoch bereits ein recht hohes Maß an Identifikation mit dem Projekt voraussetzt und es darüber hinaus gar nicht Ziel sein kann, jeden aktiv in die Projektentwicklung einzubinden, deutet das Ergebnis darauf hin, dass das Projekt gut akzeptiert ist und eine Identifikation damit stattfindet. Auch eine Grundlage für eine größere Einbindung der Bürger in späteren Phasen der Projektentwicklung scheint aufgrund dieses Ergebnisses gegeben. Die Befragung ergab zudem, dass Nutzer, die den Landschaftspark häufiger besuchen, in höherem Maße bereit sind, an der Projektentwicklung teilzuhaben (siehe Abbildung 18). Des Weiteren wurden alle Befragten, die sich eine Partizipation vorstellen können, im Südteil angetroffen. Die Identifikation mit dem Landschaftspark und seine Akzeptanz zeigen sich auch an einer kritischen Reflexion des Projektes, zu der die Befragten im Rahmen der Erhebung aufgefordert wurden. Über die Hälfte der Befragten konnte Dinge nennen, die ihnen im Landschaftspark fehlen oder die sie sich für seine Zukunft wünschen. Unter den 31 Teilnehmern, die sich nicht dazu äußern konnten oder wollten, befanden sich mit 10 Personen überdurchschnittlich viele Menschen, die den Landschaftspark zum ersten Mal besuchten. Die Antworten, die genannt wurden, lassen auf ein hohes Maß an Akzeptanz für das Projekt schließen. 14 Befragte gaben an, mit dem Landschaftspark völlig zufrieden zu sein. Weitere 26 Nennungen konnten der Kategorie „Ausbau der Infrastruktur“ zugeordnet werden. Darunter fallen der Ausbau von Zugängen und Wegen auf dem Landschaftsparkgelände, aber auch eine bessere Beschilderung, Bänke und Toiletten. Es handelt sich also ebenfalls um eine Fortsetzung der Entwicklung des Landschaftsparks. Zehn Befragte gaben an, sie wünschten sich eine Erweiterung des Landschaftsparks. Dies schließt sowohl „mehr Tiere“ ein, als auch eine Erweiterung der Flächen. Bei den vier Antworten, die den Landschaftspark als störend empfinden, handelt es sich in zwei Fällen um Hundebesitzer, die sich durch die Einzäunung von Flächen behindert fühlen (siehe Abbildung 19). Auch Projektentwickler Karlheinz Riedel schätzt im Experteninterview die Akzeptanz des Projektes bei Anwohnern und umliegenden Unternehmen hoch ein und berichtete von fast durchweg positivem Feedback.

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Abb. 19: Mehrfachnennungen möglich. (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010)

Frauen im Landschaftspark Bei der Befragung fiel auf, dass sich auf dem Gelände des Landschaftsparks deutlich mehr Männer als Frauen befinden. Von 83 Befragten waren 33 weiblich und 50 männlich. Ursache hierfür sind möglicherweise Sicherheitsbedenken, die auf Seiten der Frauen verstärkt auftreten. Viele Teile des Landschaftsparks machen zum jetzigen Zeitpunkt, verglichen mit anderen Parks und Grünflächen, einen „wilden“ Eindruck, zudem ist der Park nicht sehr stark frequentiert. Beides wird von vielen Parkbesuchern geschätzt, vermittelt aber möglicherweise kein großes Sicherheitsgefühl.

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Abb. 20 (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010)

Abb. 21 (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010) Dies bestätigt ein Blick auf die Begleitung der weiblichen Befragten (siehe Abbildungen 20 und 21). Sie besuchten den Landschaftspark deutlich seltener alleine. Da die Integration verschiedener Gruppen ein Aspekt nachhaltiger Stadtentwicklung ist, wird es in Zukunft Aufgabe sein, das Sicherheitsempfinden im Park noch zu steigern. Der südliche Teil, der in den letzten Jahren bereits entwickelt wurde und mittlerweile teils recht intensiv genutzt wird, scheint auf einem guten Weg. Hier waren mit 43,3% mehr Frauen unter den Befragten als im Gesamtschnitt, wo es 39,8% waren. 39 

3.3.5 Funktionsbereich Naturschutz

Städtische Grünflächen erfüllen wichtige Funktionen für den ökologischen Haushalt der Stadt. Neben positiven Effekten auf das kleinräumige Klima durch eine erhöhte Verdunstung und die luftreinigende Wirkung der Vegetation (vgl. FEZER 1995), tragen sie wesentlich zur Biodiversität in der Stadt bei. Die Artenvielfalt ist durch die Ausbreitung und Verdichtung von Städten und die damit verbundene Flächenversiegelung und Flächenzerschneidung in hohem Maße bedroht. Es ist jedoch erwiesen, dass Biodiversität in der Stadt das menschliche Wohlbefinden steigert und zudem ökonomische Möglichkeiten, zum Beispiel im Bereich der Umweltbildung, eröffnet. Durch Naturschutz können diese Funktionen der Stadtnatur bewahrt werden und gegenüber anderen Nutzungen durchgesetzt werden. (vgl. GORDON; SIMONDSON 2009) Auf dem Gelände des Landschaftsparks kommen 46 vom Aussterben bedrohte Arten vor. Insbesondere wird auf die Amphibienarten Kammmolch, Teichmolch, Erdkröte, Wechselkröte, Teichfrosch, Knoblauchkröte und Moorfrosch hingewiesen. Hinzu kommen seltene Vogelarten wie Dohle, Habicht, Braunkehlchen, Wiesenpieper, Flussuferläufer und Schafstelze. (vgl. FÖRDERVEREIN o.J.) Der Lebensraum der Amphibienarten sind die auf dem Gelände verteilten Feuchtbiotope. Diese werden als besonders schützenswert eingestuft und sollten ursprünglich als kleinräumige Naturschutzgebiete mit jeweiligen Pufferzonen aus Landschaftsschutzgebieten ausgewiesen werden. Es wäre so jedoch ein Flickenteppich von Schutzgebieten entstanden, der weder von den Fachplanungen des Bezirks noch vom Berliner Senat als sinnvoll erachtet wurde. (vgl. Experteninterview Nabrowsky 31.08.2010) Der gesamte Landschaftspark Herzberge wird nun als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden. Der Schutzstatus wird laut Projektentwicklern und Bezirksverwaltung in Kürze in Kraft treten. So können nicht nur die Amphibienbiotope geschützt werden, sondern auch die Trockenrasen und artenreichen Hochstaudenfluren, die sich auf dem Gelände gebildet haben. Die Binnendüne mit einem Eichen- Kiefernwaldbestand im Nordteil des Landschaftsparks bildet ein weiteres wertvolles Biotop. (vgl. Experteninterview Nabrowsky 31.08.2010) Im Rahmen der Entwicklung des Landschaftsparks wurden zudem Trittsteinbiotope und Drainagegräben angelegt, um die bestehenden Feuchtbiotope zu vernetzen. Zusätzliche Lebensräume entstanden durch die Anlage von Totholzhecken und Trockenmauern. Hier wurde auch die Möglichkeit genutzt den bei der Geländeentwicklung anfallenden Gehölzschnitt und steiniges Abbruchmaterial ökologisch wieder zu verwerten. (vgl. FÖRDERVEREIN o.J.) 40 

Durch das Landschaftsschutzgebiet unterscheidet sich der Landschaftspark Herzberge entscheidend von herkömmlichen Parks und Grünflächen. Die Ausweisung eines großflächigeren Schutzgebietes war nicht von Beginn an vorgesehen. Das Gelände des Landschaftsparks wird seit einiger Zeit mit Mitteln aus dem Umweltentlastungsprogramm saniert. Diese Förderung verlangt die Ausweisung eines Natur- oder Landschaftsschutzes. Der Bezirk müsste ohne die Ausweisung des Schutzgebietes 2,7 Millionen Euro Fördergelder zurückzahlen, weshalb eine Ausweisung als sicher gilt. Es kommt durch den Schutzstatus zu einer Verstetigung des ursprünglich als Zwischennutzung angelegten Projektes Landschaftspark Herzberge. Der Freiraum wird gesichert und der Landwirtschaftsbetrieb erhält Planungssicherheit. Nun „kommt da auch keiner mehr raus und auch die Träume von manchen Leuten, dass, wenn dann mal alles saniert ist, doch wieder eine Wohnbebauung hier hin gebracht werden könnte, kann man dann mit Landschaftsschutz von vornherein vergessen“, erklärt Karlheinz Riedel die Situation. (vgl. Experteninterview Riedel 11.07.2010) In der Tat gab es von Seiten der Stadtplanung Berlin Lichtenberg Bedenken gegen den Schutzstatus und die damit verbundene Verstetigung des Landschaftsparks. Die Zwischennutzung war ursprünglich auf 10 Jahre angelegt, der Standort sollte dadurch beworben werden, Flächen entsiegelt und saniert werden, was auch im Interesse der Stadtplanung lag. Im Südteil des heutigen Landschaftspark sollte dann jedoch ein Wohngebiet mit hohem Grünanteil entstehen. Die Nachfrage danach schätzt Frau Becker von der Bezirksstadtplanung als hoch ein, da es generell ein hohes Potential für lockere Bebauung im Bezirk Lichtenberg gibt. Auch die Abtrennung des Industriebahnnetzes im Gewerbegebiet Herzberge durch die Umwidmung der Verkehrsflächen im Zuge der Entwicklung des Landschaftsparks wird kritisch gesehen. Durch den Schutzstatus „Landschaftsschutzgebiet“ müssen die Gleise dauerhaft entwidmet werden. Der Bahnzugang war ein wichtiger Standortvorteil des Gewerbegebietes. Durch das Schutzgebiet wurde die Möglichkeit das Netz nach Süden hin wieder an den Gleisverkehr anzubinden, getilgt. (vgl. Experteninterview Becker 31.08.2010) Eine Straßenverbindung zwischen der Siegfriedstraße im Westen und der Rhinstraße im Osten wird in der Unternehmensbefragung von mehreren Firmen gewünscht. (vgl. ADO 2005b). Diese war vor Beginn des aber Projekts als ebenfalls Landschaftspark nicht mehr Herzberge Die noch in der des Bereichsentwicklungsplanung Landschaftsschutzgebiet Option enthalten, ist nach der Ausweisung als Erschließung

möglich.

Gewerbegebietes Herzbergstraße ist durch den Schutzstatus also schwieriger geworden. Auch 41 

der Ausbau des Wohnstandortes Herzberge erfährt durch das Landschaftsschutzgebiet und die damit verbundene Verstetigung des Projektes Einschränkungen. Wie jedoch die gelungenen Beispiele für die Aufwertung von angrenzenden Wohngebieten durch den Landschaftspark aus Kapitel 3.3.4 zeigen, bietet das Projekt auch Chancen für den Wohnstandort. Hier zeigen sich typische Probleme des innerstädtischen Naturschutzes, aber auch die Möglichkeit durch Schutzgebiete in der Stadt Freiräume für die Natur, aber auch für die Bürger zu sichern Als weitere Problemfelder benennt Heinz Nabrowsky vom Amt für Umwelt und Natur im Bezirk Lichtenberg den teilweise starken Vandalismus auf dem Gelände, der die Schutzziele mitunter gefährden könne. Die zunehmende Wohnnutzung des Umfeldes auch durch Ein- und Zweifamilienhäuser, kann durch verstärkte Katzenhaltung ebenfalls auf dem Gelände vorkommende Arten gefährden. Für die Landwirtschaft werden keine Einschränkungen durch den Schutzstatus erwartet, da diese sehr extensiv und speziell für den Standort ausgelegt ist. Für die schützenswerten Biotope müsse im Einzelfall geklärt werden, inwieweit eine landwirtschaftliche Nutzung möglich ist. (vgl. Experteninterview Nabrowsky 31.08.2010) Es gibt weiterhin Auflagen für die Landwirtschaft am Standort, die eine ökologisch verträgliche Produktion und die Einpassung in das Landschaftsbild verlangen. Die wertvollen Biotope sollen von den Landwirten gepflegt werden und die regionale Flora und Fauna erhalten werden. Diese Aufgaben und Anforderungen gehörten von Beginn an zum Programm der urbanen Landwirtschaft im Landschaftspark Herzberge. (vgl. Experteninterview Riedel 10.09.2010) Die unberührte Natur, der Wildnischarakter des Geländes und der Naturschutz in der Stadt werden indes von den Nutzern des Parks positiv bewertet. Die Nutzerbefragung ergab, dass die Besucher des Landschaftsparks vor allem die unberührtere, teils wildere Natur und die größere Ruhe schätzen (siehe Abbildung 22). Die spezielle Art der Projektentwicklung, mehr Natur zuzulassen, aber auch die Erhaltung von Nutzungsspuren der Industrievergangenheit und der Tierbestand machen für die Befragten die Einzigartigkeit des Parks aus.

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Abb. 22: Mehrfachnennungen möglich (Quelle: eigene Erhebung, Juli/August 2010) Trotz der Besonderheiten, welche die Nutzer wahrnehmen, ist das Projekt, die Entwicklung des Landschaftsparks, verbunden mit dem Schutz der Natur, nur 53% der Befragten bekannt. Der Anteil der Befragten, denen die Projektentwicklung bekannt ist, erhöht sich jedoch auf 63%, wenn man nur die Nutzer im bereits entwickelten Südteil befragt. In diesem Teil wird das Projekt durch seine sichtbaren Fortschritte bewusster wahrgenommen. Zudem befanden sich unter den Befragten, die angaben, das Projekt nicht zu kennen, mit 41% der Befragten überproportional viele, die den Landschaftspark zum ersten Mal besuchen. Insgesamt waren dies nur 18%. Unberührte, geschützte Natur in der Stadt ist also ein Alleinstellungsmerkmal des Parks, das auch durch die Nutzer wahrgenommen und wertgeschätzt wird.

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3.3.6 Nutzung des Nordteils

Der Nordteil umfasst das alte Stadion, zuletzt als Zeltlager genutzt, und die umgebenden Brachflächen sowie den Rohrdammweg (siehe Abbildung 26). Das Gelände liegt momentan noch zu großen Teilen brach. In der Nähe der Herzbergstraße hat die Sanierung bereits begonnen, hier werden die Heiztrassen entfernt, in Kürze soll laut Karlheinz Riedel mit dem Ausbau des Rundweges begonnen werden. Der Rohrdammweg wird als Spazier- und Joggingweg bereits lange genutzt und ist von der Rhinstraße und von den Wohngebieten südlich der Landsberger Allee aus gut zu erreichen. Die restlichen Geländeteile im Norden des Landschaftsparks, insbesondere das alte Stadion, sind schwer zugänglich und werden hauptsächlich informell genutzt. Das Gelände soll in Zukunft durch den Landschaftspark als Waldweide genutzt werden. Die Entwicklung des Landschaftsparks und der urbanen Landwirtschaft konzentriert sich momentan jedoch auf den südlichen Teil. Im nördlichen Teil besteht ein hoher Pflegebedarf, die Flächen sind für den Landwirtschaftsbetrieb nur mit hohem Anfangsaufwand nutzbar. Teilweise dichte Vegetation, das alte Stadion beispielsweise befindet sich im Vorwaldstadium, zahlreiche Ruinen und sonstige Altlasten erschweren die Entwicklung des Geländes. „Es gibt da wirklich gefährliche Stellen“ sagt auch Projektentwickler Karlheinz Riedel. Um die Sicherung des Geländes kümmert sich jedoch im Moment niemand. Dies liegt zum Teil auch an der komplizierten Eigentümerstruktur, welche die Entwicklung hemmt. Die Flächen im ehemaligen Stadion gehören zurzeit dem Liegenschaftsfond, das heißt dem Land Berlin. Der Bezirk Lichtenberg würde die Flächen gern in den Landschaftspark einbinden, kann aber nicht die Gebäude übernehmen, diese gehen an das Facility Management, also die Immobilienverwaltung. Diese jedoch scheut sich ungesicherte Flächen zu übernehmen. Der Liegenschaftsfond kann nichts mit dem Gelände anfangen und die Projektentwickler des Landschaftsparks sind mit den Flächen im Südteil ausgelastet. So entstand unkontrollierter Freiraum, der nun durch andere Nutzergruppen genutzt wird. „Das ist ein echter Freiraum. Da gibt es keinen, der Vorschriften macht“ urteilt auch Projektentwickler Karlheinz Riedel. (vgl. Experteninterview Riedel 11.07.2010) Diese Art von städtischem Freiraum, der durch den Entzug ehemaliger Nutzungen und ein geringes administratives Interesse geprägt ist, wird von den Wissenschaftlern der Kasseler Schule „dysfunktionaler Freiraum“ genannt. Diese Freiraumkategorie lässt sich keiner 44 

Nutzergruppe eindeutig zuordnen und ist geprägt durch informelle und „Nebenbei-Nutzungen“ (HEINEMANN; POMMERENING 1989, S.4) Diese Flächen erfüllen als wahrhaft freie Räume wichtige Funktionen für viele Bewohner der Stadt, da sie durch ihre Offenheit für verschiedene Nutzungen zur spontanen Interpretation aufrufen. Der nördliche Teil des Landschaftsparks weist hohe Anteile von Dysfunktionalität auf. Dies definiert sich nicht als „nicht-Funktionalität oder gestörte Funktion, sondern durch ein geringes Maß an ordnenden Kräften und eine geringe funktionale Bindung. (vgl. HEINEMANN; POMMERENING 1989) Die Funktionen und Nutzungen dieses Teils des Landschaftsparks Herzberge zu untersuchen ließ sich nicht allein durch die Befragung realisieren. Der Nordteil ist zum einen aufgrund seiner Unzugänglichkeit schwächer frequentiert als der südliche Teil, zum anderen wurde weit häufiger ein Interview abgelehnt und Fragebögen nur unvollständig beantwortet. Während im Südteil nur 9% die Teilnahme an der Umfrage abgelehnt haben, war es im Nordteil mit 41% fast die Hälfte aller angesprochenen Personen, insgesamt konnten hier 16 Personen befragt werden. Dies ist charakteristisch für die Nutzung dysfunktionaler Räume, da die Nutzungen oft solche sind, „die nicht so recht eingestanden werden – und eigentlich auch nicht akzeptiert sind“ (HEINEMANN, POMMERENING 1989, S.5). Die Nutzer schätzen gerade die Ungestörtheit, im Sinne von geringer Kontrolle. Um die Funktion des Geländes besser erforschen zu können, wurde zusätzlich zur Nutzerbefragung eine Kartierung der Nutzungsspuren vorgenommen. Diese Methode nutzt sichtbare Veränderungen und Spuren, die der Gebrauch eines Raumes hinterlässt. Diese sind Signal dafür, dass der Raum genutzt wird. (vgl. HEINEMANN; POMMERENING 1989) Bereits im Experteninterview wies Karlheinz Riedel auf die informelle Nutzung des Geländes durch Kinder und Jugendliche aus der Landsberger Allee hin, die das Gelände als Abenteuerspielplatz nutzen. Dies hat sich durch die Befragung bestätigt. Es wurden zwei kleinere Kinder angetroffen, welche die urbane Wildnis zum Spielen und Toben nutzten. Zudem wurden mehrere Jugendliche gesehen, die, oft in Gruppen, auf dem Areal ihre Zeit verbrachten. Heinemann und Pommerening weisen in „Struktur und Nutzung dysfunktionaler Freiräume“ auf die besondere Bedeutung dieser Spielräume für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hin. Sie können sich hier der Kontrolle der Gesellschaft ein Stück weit entziehen, können Neues und „abenteuerliches“ ausprobieren. Dadurch können sie sich fordern, prüfen und Selbstbewusstsein aufbauen. (vgl. HEINEMANN; POMMERENING 1989) Das Gelände um das ehemalige Stadion eignet sich dafür hervorragend. Die wilde Vegetation, die Ruinen und das stark gegliederte Relief laden zu Mutproben und Abenteurspielen ein. Es gebe hier „mehr zu 45 

machen“ als an anderen Plätzen, gaben zwei Befragte im Alter von etwa 12 Jahren an und erklärten, damit die Ruinen und die Berge zu meinen, die einer von beiden zum BMX-fahren nutzte. Für die jungen Bewohner der angrenzenden Großwohngebiete scheint der nördliche Teil des Landschaftsparks dahingehend wichtige Funktionen zu erfüllen. Zudem berichtete Herr Riedel von der Nutzung des alten Stadions durch eine Gruppe von FKKAnhängern. Für solche Nutzungen, die von manchen Teilen der Gesellschaft oder zumindest in der Öffentlichkeit nicht voll akzeptiert sind, sind dysfunktionale Freiräume sehr wichtig. Die FKK-Nutzer wurden im Rahmen der Erhebung nicht angetroffen. Es wurden jedoch fünf Personen befragt, die ihre Aktivität nicht verraten wollten. „Das möchte ich nicht sagen“ oder „das ist schwierig zu sagen“, waren die Antworten. Einer der Befragten wurde konkreter: „Ich bin zu einer Party eingeladen, es ist was Schwules“, gab er an. Das Gelände dient scheinbar auch als Treffpunkt für Homosexuelle. Dies belegt auch eine Kreidezeichnung auf dem Weg zum alten Stadion hin (siehe Abbildung 27). Was dieser Nutzerkreis an dem Gelände besonders schätzt, war in drei Fällen dann auch die Ungestörtheit und Ruhe auf dem Gelände. Auch illegale Nutzungen des Areals lassen sich aufgrund der hohen Anzahl von Personen, deren Aktivität nicht bestimmt werden konnte, nicht ausschließen. Zwei angetroffene Hundebesitzer schätzten an dem Gelände zudem, dass sie ihre Hunde unangeleint laufen lassen können. Dies ist ebenfalls eine Art der Nutzung, die auf funktional gebundenen, also rein für Sport und Erholung gedachten Grünflächen, nicht möglich ist. Insgesamt gaben acht Personen, also die Hälfte derer, die im Nordteil befragt werden konnten, an, dass sie die Ruhe und Ungestörtheit, beziehungsweise die Tatsache schätzen, dass sich kaum Menschen auf dem Gelände befinden. Der halböffentliche Charakter der Fläche, der ein großes Maß an Privatheit offeriert und trotzdem Begegnungen mit anderen Menschen möglich macht, ist also für die Nutzer entscheidendes Merkmal dieses Raumes. Zwei Personen gaben zudem als Wunsch für die zukünftige Entwicklung des Geländes an, dass es so bleiben möge und wiesen explizit darauf hin, dass sie keine Bebauung oder Ähnliches wollen. Zwei andere Befragte wünschten sich dagegen einen Ausbau von Wegen, einer von ihnen auch eine verbesserte Sicherheit auf dem Areal.

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Abb. 23: altes Stadion

Abb. 24: Ruine mit Trampelpfad Abb. 25 Zugang zum Nordteil

N Maßstab: 1:10.000
Abb. 26: Nordteil des Landschaftsparks (Quelle: Bezirksamt Lichtenberg)

Abb. 27: Kreidezeichnung

Abb. 28: Rückbau der Fernwärmeleitungen

Abb. 29: Großer Herzbergteich

(Quelle: alle Fotos selber angefertigt)

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Durch die Kartierung der Nutzungsspuren konnte dieser Charakter des Geländes und die vorgefundene Nutzung bestätigt werden. Für das Gelände wurden vier Zugänge aufgenommen. Sie befinden sich im südlichen Teil an der Herzbergstraße, wo man sich an einem Bauzaun vorbeizwängen muss und in der Nähe des Krankenhauses, wo man ein altes Tor passiert (siehe Abbildung 25). Im nördlichen Teil erreicht man die Brachflächen von den Wohngebieten an der Landsberger Alle aus über einen Trampelpfad und vom Rohrdammweg aus. Diese Zugänge, von denen die ersten drei mehr oder weniger versteckt und für manchen auch unheimlich wirken mögen, machen den halböffentlichen Charakter und die Verstecktheit des Geländes aus. Die Vegetation ist gekennzeichnet durch eine teils sehr weit vorangeschrittene Sukzession. Besonders im Stadion findet man teils undurchdringliche Wildnis im Vorwaldstadium, die viel Privatheit suggeriert. Dort befinden sich zahlreiche Birken, das gesamte Gelände ist stark verbuscht. Das Erscheinungsbild von Brachflächen, also die spontane Vegetation, lässt potentielle Nutzer darauf schließen, dass auf diesem Gelände keine festgelegten Nutzungsansprüche existieren. Es gibt keine „Deutungsregeln“, wie es Heinemann und Pommerening formulieren. Die Standorte können durch diese unschwer erkennbaren Spielräume leichter angeeignet werden. (vgl. HEINEMANN; POMMERENING 1989) Nur entlang des Rundweges um das Gelände ist die Vegetation gezähmt, hier wurden auch Hecken angelegt. Erste Spuren der beginnenden Entwicklung des Landschaftsparks zeigen sich außerdem in der Nähe der Herzbergstraße, wo Bauarbeiten Fernwärmeleitungen im Gange sind (siehe Abbildung 28). Die dichte Vegetation ist an vielen Stellen durch Lichtungen und freie Flächen unterbrochen. Diese bilden oft sichtbare Überreste der früheren Nutzung und sind asphaltiert. Auch die Hauptwege, von denen aus man zum alten Stadion gelangen kann, sind zum Teil asphaltiert. Von den Freiflächen und Wegen aus erschließen immer wieder Trampelpfade das Gelände (siehe Abbildungen 23 und 24). Sie verbinden in vielen Fällen die Ruinen miteinander und deuten auf deren Nutzung hin. Die Ruinen, die sich auf dem gesamten Gelände befinden, weisen starke Spuren von Vandalismus auf. Die Scheiben sind nahezu alle zerbrochen, Türen existieren nicht mehr und Graffiti sind allgegenwärtig. Die meisten Nutzungsspuren wurden im Bereich südlich des alten Stadions um einen Pavillon herum und im Bereich der beiden großen Ruinen nördliche des Stadions (siehe Abbildung 24) aufgenommen. In beiden Fällen wurden zahlreiche Zigarettenkippen, Bierflaschen und Graffiti kartiert. Am Pavillon jedoch war auch eine Mülltüte angebracht. Von beiden Orten aus geht eine 48  zur Beseitigung der

große Zahl von Trampelpfaden ab, durch die unter anderem das Stadion erreicht werden kann. Das Stadion selber ist durch seine Zugänge in Form von Trampelpfaden und Zaunlöchern (siehe Abbildung 23) noch versteckter. Hier konnten jedoch ebenfalls zahlreiche Trampelpfade aufgezeichnet werden, die das Gelände von der Stadionrunde aus erschließen. Zudem wurden auch hier Spuren wie Glasflaschen, Becher, Zigarettenschachteln und Taschentücher gefunden. Insbesondere der Weg über die nördliche Böschung zu den beiden großen Ruinen hin ist stark ausgetreten. Dies deutet auf einen regen Austausch zwischen den Plätzen hin. Die Befragung und die Kartierung konnten also zeigen, dass die Brachflächen im Nordteil des Geländes keineswegs ungenutzt sind, sondern wichtige Funktionen für zahlreiche Nutzer erfüllen. Der Bereich bietet durch kleinteilige Unterschiede, wie Wald und Freiflächen, Ruinen, den Pavillon oder steile Böschungen, ein sehr heterogenes Angebot für potentielle Nutzer. Der Geländeteil weist zudem durch die üppige Vegetation im alten Stadion und das Feuchtbiotop „großer Herzbergteich“ (siehe Abbildung 29), das vom Krankenhaus sowie vom Rohrdammweg aus durch Trampelpfade und Zaunlöcher zu erreichen ist, eine hohe landschaftliche Attraktivität auf. Brachflächen besitzen außerdem im Vergleich zu anderen städtischen Grünflächen, auch nutzungsbedingt, eine hohe Biodiversität (vgl. HEINEMANN; POMMERENING 1989). Der größere Vogelreichtum des Nordteils, der von zwei Personen genannt wurde, belegt dies. Die Meinungen über diesen Teil des Geländes gingen auseinander. Während acht Personen die Ruhe und Ungestörtheit schätzten, nannte ein Befragter das Gelände „wild und unheimlich“. Mehr Sicherheit in diesem Geländeteil wurde im Nordteil nur von einem Befragten gewünscht. Zwei im Südteil angetroffene Personen gaben jedoch an, dass der Nordteil sehr unsicher sei, einer wurde vor kurzem dort zusammengeschlagen, und wünschten sich hier mehr Sicherheit und Kontrolle.

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4. Fazit
Die Entwicklung des Landschaftsparks Herzberge zeigt, wie Freiräumen in der Stadt durch eine Diversifizierung der Nutzungen eine neue Bedeutung zukommen kann. Das hohe Angebot an urbanen Freiräumen durch viele brachgefallene Flächen kann so Nutzern zugeführt werden. Brachen können in die Stadt integriert werden und Räume für die Natur offen gehalten werden. Die urbane Landwirtschaft zeigt zudem ökonomische Perspektiven auf. An den in dieser Arbeit erläuterten Funktionsbereichen zeigt sich, dass der Landschaftspark Herzberge schon heute verschiedene Funktionen für unterschiedliche Nutzergruppen erfüllt. Auch dass das Gelände und der gesamte Standort durch die Entwicklung des Landschaftsparks bereits heute einen Funktionszuwachs und damit eine Aufwertung erfahren haben, wird deutlich. Spätestens wenn der Landwirtschaftsbetrieb in wenigen Jahren fertig aufgebaut ist, können weitere Funktionsbereiche für das Gelände erschlossen werden. In erster Linie kann dies die tiergestützte Therapie sein. Von dieser erhoffen sich zwar die Projektentwickler keine großen ökonomischen Gewinne, der Standort jedoch ist hervorragend dafür geeignet. Weniger das Krankenhaus als insbesondere die Therapieeinrichtungen und Wohnheime am Standort, durch die langen Aufenthaltszeiten der Patienten und Bewohner, können Partner dafür sein. (vgl. Experteninterview Riedel 11.07.2010) Ein erstes Angebot im Landschaftspark, das in diese Richtung zielt, ist durch die Einrichtung eines Natur- und Gesundheitspfades entstanden, der bereits mit einem Preis ausgezeichnet wurde. (vgl. LUTZ 2009) Eine koordinierende Rolle kann bei der Ausarbeitung dieser Angebote der Förderverein übernehmen, da dieser Projektentwickler und Unternehmen im Therapiebereich am Standort zusammenbringt. Ein weiterer Schwerpunkt wird in Zukunft der Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung sein. Durch die Projektentwickler werden bereits Konzepte für Bildungs- und Erlebnistourismus aber auch für landwirtschaftliche Ausbildung am Standort, wie die Schafschur oder das Sensenmähen, ausgearbeitet. Die Zusammenarbeit mit Schulen im Bereich der Umweltpädagogik ist ebenfalls in Planung. (vgl. Experteninterview Riedel 11.07.2010) Diese Konzepte können dazu beitragen, Stadtnatur erlebbar zu machen. Dadurch kann auch die Akzeptanz für urbanes Landschaftswachstum gefördert werden, das in manchen Fällen noch als Verlust angesehen wird. (vgl. GISEKE 2007) Gerade durch die innerstädtische Lage des Landschaftsparks kann ihm auf diesem Gebiet eine wichtige Funktion zukommen.

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Es wäre mit Sicherheit interessant, diese Funktionsbereiche in einer späteren Phase der Projektentwicklung noch einmal zu untersuchen. Mit einer größer angelegten Befragung ließen sich dann auch vermehrt quantitative Aussagen zu verschiedenen Nutzungen und Funktionen des Landschaftsparks treffen, die den Rahmen dieser Arbeit überschritten hätten. Eine solche Untersuchung nach abgeschlossener Projektentwicklung könnte jedoch auf die Ergebnisse dieser Arbeit zurückgreifen. Hemmnis für den Aufbau solcher multifunktionaler Freiräume sind die hohen Startkosten. Gerade bei der Revitalisierung von Brachen sind, wie das Beispiel des Landschaftsparks zeigt, zahlreiche Altlasten zu beseitigen, bevor mit der eigentlichen Projektentwicklung erst begonnen werden kann. Auch der Aufbau einer urbanen Landwirtschaft dauert, durch besondere Hemmnisse im innerstädtischen Bereich, wie in Kapitel 2.5 genannt, meist Jahre. Akteure sind oft nicht mehr die Kommunen, die nicht die Kapazitäten haben, um die hohe Zahl von Brachen zu entwickeln. Wichtig für die Etablierung von innovativen Nutzungen sind eine geeignete Förderkulisse und flexible rechtliche Lösungen, die in der Zusammenarbeit mit Behörden gefunden werden müssen. Ein langer Atem ist hier von allen Akteuren gefordert. Erst auf lange Sicht können so ökonomisch tragfähige Projekte entstehen. Schutzgebiete in der Stadt können ein Weg sein, Räume für die Natur aber auch Freiräume für die Bewohner der Stadt, zu sichern. Im Fall des Landschaftsparks Herzberge wird der Schutzstatus zu einer Verstetigung des Projektes führen, das so gegenüber anderen Interessen durchgesetzt werden konnte. Innerstädtische Schutzgebiete können dabei neben ökologischen auch vielfältige soziale Funktionen erfüllen. Insbesondere die Bildung für nachhaltige Entwicklung sollte dabei eine wichtige Rolle spielen. Die Nutzer des Landschaftsparks schätzen, wie die Umfrage zeigt, die unberührte Natur, Wildnis in der Stadt kann so zu einem Alleinstellungsmerkmal werden. Angebote für Kinder wurden von acht der befragten Nutzer angeregt, wobei auch mehrmals auf Umweltbildung hingewiesen wurde. Nicht zuletzt zeigt sich die vielfältige Nutzbarkeit städtischer Freiräume am noch brachliegenden Nordteil des Landschaftsparks. Dieser ist keineswegs ungenutzt, sondern weist neben einer artenreichen Flora und Fauna zahlreiche soziale Funktionen für die Bewohner der Stadt auf. Solche freien Räume und ihre vielfältige Nutzbarkeit zu erhalten und für alle Stadtbewohner nutzbar zu machen, ist auch eine Aufgabe bei der Revitalisierung von Brachen. Der Landschaftspark Herzberge zeigt modellhaft, wie urbane Freiräume abseits herkömmlicher funktionaler Kategorien wichtiger Bestandteil der Stadt werden können. 51 

5. Quellenverzeichnis
Literatur: ADO (Agrarbörse Deutschland Ost e.V.) (2005a): Konzept zum Standortmarketing „Landschaftspark Herzberge“. Agrarbörse Deutschland Ost e.V. ADO (Agrarbörse Deutschland Ost e.V.) (2005b): Bericht zur Unternehmensbefragung im Einzugsgebiet „Landschaftspark Herzberge“. Agrarbörse Deutschland Ost e.V. Bezirksamt Lichtenberg, Amt für Umwelt und Natur; Agrarbörse Deutschland Ost e.V. (2007): Abschlußbericht. Herzberge – Modell einer urbanen Landwirtschaft als Standortmotor. Berlin BMVBS (Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung) (Hrsg.) (2009): Renaturierung als Strategie nachhaltiger Stadtentwicklung. Ergebnisse des Forschungsprojekts. BBSR: Bonn. Seiten: 72 – 75. Fezer, Fritz (1995): Das Klima der Städte. Perthes: Gotha. Giseke, Undine (2007): Und auf einmal ist Platz. Freie Räume und beiläufige Landschaften in der gelichteten Stadt. In: Giseke, Undine; Erika Spiegel (Hrsg.) (2007): Stadtlichtungen. Irritationen, Perspektiven, Strategien. Birkhäuser: Basel. Seiten: 187 – 217. Gordon, Ascelin; Simondson, David; White, Matt et. al. (2009): Integrating conservation planning and landuse planning in urban landscapes. In: Landscape and Urban Planning. Vol. 91. Seiten: 183 – 194. Heinemann, Georg; Pommerening, Karla (1989): Struktur und Nutzung dysfunktionaler Freiräume. Dargestellt an Beispielen der Stadt Kassel. Arbeitsgemeinschaft Freiraum und Vegetation: Kassel. (=Notizbuch der Kasseler Schule; 12)

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Kowarik, Ingo (2003): Stadtbrachen als Niemandsländer, Naturschutzgebiete oder Gartenkunstwerke der Zukunft. In: Müller, Heidi (Hrsg.) (2003): Stadtentwicklung rückwärts! Brachen als Chance? Dortmunder Vertrieb für Bau- und Planungsliteratur: Aachen. Seiten: 102 – 117. Lütke Daldrup, Engelbert (2001): Die perforierte Stadt – eine Versuchsanordnung. In: Müller, Heidi (Hrsg.) (2003): Stadtentwicklung rückwärts! Brachen als Chance? Dortmunder Vertrieb für Bau- und Planungsliteratur: Aachen. Seiten: 48 – 54. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin (Hrsg.) (2007): Urban Pioneers. Berlin: Stadtentwicklung durch Zwischennutzung. Jovis Verlag: Berlin. Zlonicky, Peter (2000): Nachhaltige Entwicklung Städtebaulicher Brachflächen. In: Müller, Heidi (Hrsg.) (2003): Stadtentwicklung rückwärts! Brachen als Chance? Dortmunder Vertrieb für Bau- und Planungsliteratur: Aachen. Seiten: 73 – 76. Virtuelle Quellen: HTW (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin) (2010): Geschichte. http://www.htw-berlin.de/Die_HTW/Profil/Geschichte.html. Eingesehen am: 05.09.2010. Förderverein Landschaftspark Herzberge (o.J.): Homepage des Landschaftspark Herzberge. http://www.landschaftspark-herzberge.de. Eingesehen am: 07.09.2010. Lutz, Susanne (2009): Natur und Gesundheitspfad im Landschaftspark Herzberge im Bezirk Berlin-Lichtenberg. http://www.intersport.de/25jahreoutdoor/static/uploads/146/Intersport_Bericht_kurz1.pdf. Eingesehen am: 10.08.2010. KEH (Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH) (2005): Porträt. http://www.keh-berlin.de/portraet/31.aspx. Eingesehen am: 05.09.2010.

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Senatsverwaltung

für

Stadtentwicklung

Berlin,

Gartenamtsleiterkonferenz,

Agrarbörse

Deutschland Ost e.V. (2006): Neue Felder für die Stadt. Urbane Landwirtschaft als Instrument der Stadtentwicklung? http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/landschaftsplanung/stadtland/download/workwor kwork_neue_felder.pdf. Eingesehen am: 29.07.2010. Ugoljew, Maria (2009): Schwarze Schafe im Auftrag der Behörde. http://www.tagesspiegel.de/berlin/schwarze-schafe-im-auftrag-der-behoerde/1573868.html. Eingesehen am: 11.08.2010.

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6. Anhang
Interview-Protokolle […] kennzeichnet Auslassungen von Passagen, die für die Thematik nicht relevant sind. Experteninterview mit Karl-Heinz Riedel (Agrarbörse Deutschland Ost e.V.) Im Landschaftspark Herzberge am 11. Juli 2010 Beschreiben Sie bitte kurz ihre Position und ihre Aufgaben im Projekt. Erst einmal arbeite ich bei der Agrarbörse und bin von Seiten der Agrarbörse zuständig für die Gesamtkoordination, Antragsverfahren und Ähnlichem für den Landschaftspark. Dann bin ich zusammen mit dem Chef der Agrarbörse Geschäftsführer der Agrar GmbH, die haben wir auch gegründet. Ich bin der aktive Geschäftsführer. Wir wollen dann, sobald wir die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen haben, dass der Landwirtschaftsbetrieb auch als solcher existent bleiben darf. Voraussetzung dafür sind eben Gebäude, Flächen, Tierbesatz, ein entsprechendes Wirtschaftskonzept und so weiter, diese Sachen haben wir alle schon, bis auf die Verträge, also Mietverträge. Dann werden wir den Landwirtschaftsbetrieb ganz normal in die Bahnen schicken und die entsprechenden anderen Angebote angliedern, damit der Landwirtschaftsbetrieb auch so langsam wirtschaftlich auch die Beine kommt. Perspektive ist, dass er sich so in drei bis vier Jahren selber tragen kann. Dann bin ich gleichzeitig noch Vorstand vom Förderverein Landschaftspark Herzberge. Zusammen mit dem Chef vom Königin Elisabeth Krankenhaus, dem Herrn Dr. Norden und mit Frau Hecht vom Rehabilitationszentrum. Da bin ich eher für das Allgemeine zuständig. Wie platziert sich der Landschaftspark in der Öffentlichkeit, auch Wettbewerbe, an denen wir teilnehmen. Auch da dürfen wir noch nicht so richtig an die Öffentlichkeit gehen, weil alles ja noch Baustelle ist. Eigentlich dürfen die Leute nicht auf eine Baustelle, wenn etwas passiert, sind wir die Doofen. Also ist das immer so ein Seiltanz, zu gucken, dass das schon bekannt wird, aber noch nicht so von den Horden gestürmt wird, weil dann garantiert was passiert. Auch da erst, so richtig offiziell, wenn die baulichen Arbeiten in dem Gebiet, also unten am Bahnhof, soweit abgeschlossen sind. 55 

Wir haben trotzdem schon Preise kassiert, zum Beispiel diesen Intersport-Preis für den Gesundheitspfad. Am 18.08. ist hier eine Auszeichnung, da werden wir als einer von 365 Orten im „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet. Dann gibt es noch einen Landschaftsplanungswettbewerb, den unsere ehemalige Landschaftsplanerin eingereicht hat, da geht es um Brachenmanagement, da bin ich gespannt, was dort noch rauskommt. Das sind die Sachen, wo dann immer der Landschaftsförderverein reingeht. Oder wenn man mal Leute braucht, die hier in die Fläche gehen, auch mal mit aufräumen, dann holen wir die auch über den Förderverein. Das sind meine Rollen eigentlich.

Welche Nutzungen waren dem Gelände vor der Entwicklung des Landschaftsparks zugedacht? Zur Historie vielleicht: Auf dem unteren Teil, wo wir jetzt gerade waren, war früher ein VEG Gartenbau-Betrieb. Das Gelände wurde damals von einem großen Projekt, auch mit ABM ausgerüstet, beräumt, der obere Teil wurde schon von Gewächshäusern freigeräumt. Das Berufsfortbildungswerk ist dann dort drin gewesen, BfW, und hat dort Garten- und Landschaftsbau ausgebildet, in diesem Gebäude, was wir jetzt entkernt haben. Die waren ab 1996 auf dem Gelände bis 2001. Dann hat irgendwann mal das Landesamt für technischen Gesundheitsschutz festgestellt, dass bei dem Rückbau der Gewächshäuser viel Asbest in den Boden gelangt ist. Das Verfahren ist wohl so gewesen, dass man Asbest-Platten einfach eingebuddelt hat und die sind dann zum Teil zerbröselt, wenn man darauf gelaufen ist. Jedenfalls wurde das ganze Gelände gesperrt. Nur Frau Dr. Dathe durfte noch drauf bleiben, war dann so zu sagen komplett isoliert. In der Woche gab es zwei bis drei Einbrüche dort unten. Dann ist Nabrowsky, der Chef vom Naturschutzamt, wegen einiger geschützter Biotope am Standort an die Agrarbörse herangetreten. Die liegen im nördlichen Teil hier und im südlichen Teil am Friedhof, hinter dem Gelände von Frau Dr. Dathe, ob wir da nicht was machen könnten, die würden so verkommen. Wir haben dann gesagt, es nützt nichts, wenn man sich um die kleinen Biotope kümmert und rund herum verkommt alles und haben dann die Idee entwickelt,

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das landschaftsgestalterisch in den Griff zu bekommen, den ganzen Müll wegschaffen, die Flächen aufräumen. Der Bezirk meinte dann, das sei eine schöne Idee. Gewidmet ist das Ganze als „öffentliche Fläche mit überwiegend Grünanteil“. Bedeutet im Prinzip, kein Bebauungsgebiet, sondern ein Gebiet, das als Grünfläche genutzt werden dürfte. Dann haben wir gesagt, gut, machen wir das. Der Bezirk hatte aber kein Geld für Landschaftspflege. Dann haben wir gesagt, wir müssen das anders machen, wir müssen dort einen Betrieb einrichten, der die Flächen braucht. Wer braucht Flächen? Ein Landwirtschaftsbetrieb. Also beschlossen wir, einen Landwirtschaftsbetrieb einzurichten. Damit wir aber gleichzeitig auch den Parkcharakter mit reinbringen, müssen das Nutzungen sein, die sehr extensiv sind und die ein bisschen mit dem Modellieren von dem Gebiet anfangen. Also Baumbestand neu entwickeln, die Hecken neu entwickeln, die Flächen entwickeln, also mit Gras oder Wiesen. Und dann kann man gucken, dass man auch noch ein paar Schafe dazu stellt. Das war die Grundidee und dann müssen wir gucken, dass wir dann einen Landwirtschaftsbetrieb haben, der dann von der Pflege lebt. Das geht nicht am Standort, aber der Bezirk sicherte zu, dass der Betrieb dann andere Flächen übertragen bekommt, die gepflegt werden müssen. Wir haben jetzt die erste Herde da, aber immer noch keine Pflegstandorte. Die kommen, es gibt mehrere, das Wuhletal zum Beispiel soll mit einer Wanderschäferei versehen werden. Diese Sachen entstehen im Moment, aber das dauert natürlich, wir können wahrscheinlich frühestens in zwei Jahren auf andere Flächen rauf. Die Bezirke müssen das erst einmal intern soweit klären. Wir haben auch für das Tempelhofer Feld ein Angebot abgegeben. „Grün Berlin“ hatte jetzt einen Wettbewerb veranstaltet „Fläche gegen Idee“, […], bis jetzt ist noch nichts passiert, aber das werden wir mal sehen. Wir gehen davon aus, dass, wenn wir die Flächen nicht wirtschaftlich nutzen, nicht wenigstens ordentlich Heu mähen, wie es auf dem Tempelhofer Feld beispielsweise möglich wäre, wollen wir dann wenigstens bezahlt werden, für die Flächen, die wir mit den Schafen pflegen. Da habe ich auch eine Kalkulation gemacht und gehe davon aus, dass, wenn wir irgendwann 10 ha zusammen haben, dann kann der Landwirtschaftsbetrieb gut leben. Und dann sind wir immer noch billiger als alles andere an Landschaftspflege in Berlin. Das muss als Konzept erst einmal entwickelt werden. Wenn wir eine stabile Herde haben, dann können wir noch eine zweite dazu nehmen. 57 

Wir sind jetzt schon am Anschlag, wir können die Herde im Moment eigentlich nicht ausbauen, weil wir einfach nicht genug Nahrungsmittel für die Viecher zur Verfügung haben. Der ganze Landschaftspark war eigentlich mal für 100 Tiere ausgelegt und jetzt sind wir schon bei 90 und haben noch nicht einmal die knappe Hälfte von der Fläche. Wenn dann mal der Bahnhof dazu kommt und irgendwann auch das wilde Gelände oben dazu kommt, dann sind wir komplett, das sind dann noch einmal 10 Hektar. Dann wird es interessant, dann funktioniert das auch. Aber eben beschränktes Wachstum, mehr geht da nicht. Und wenn man nicht will, dass jeder der kommt über ein Schaf fällt, sondern, dass man da auch noch spazieren gehen kann, dann muss man es auch dabei belassen. Da kann man dann gucken, wie man noch andere Sachen zum Einkommenserwerb daran ankoppelt, Therapien und so. Welche Nutzungen, insbesondere gewerbliche, sollen auf dem Gelände etabliert werden? Gewerblich wollen wir tatsächlich gucken, dass wir richtig in die Flächenpflege reingehen. Es gibt genügend Brachen in Berlin. Wir haben mal eine Erhebung gemacht, mit der Senatsverwaltung zusammen, und sind, glaube ich, auf 1200 Hektar insgesamt gekommen. Davon sind allerdings viele Flächen zu klein, zum Beispiel zwischen Häusern, wo mal ein Haus rausgerissen wurde und dann nichts passierte. Könnte man vielleicht auch mit einem Landwirtschaftskonzept hingehen, aber dann eher als Mietergärten orientiert. Pflege in der Fläche, da gibt es genügend Modelle, wir haben Reinickendorf angeboten bekommen, oben das Tegeler Fließ. Das ist für Schafe ein bisschen sumpfig, da müsste man überlegen, wie man da hingeht, könnte man dann schauen. (Und hier auf dem Gelände?) Hier auf dem Gelände können wir letztendlich nur drei Sachen machen. Die eine Sache ist, ein paar Schäfchen zu verkaufen. Selbstpflückanlagen, wenn das Obst irgendwann mal reif ist und die Bäume groß genug sind. Dann dürfen Leute pflücken gehen und entrichten pro Korb einen Obolus. Die dritte Sache ist der Verkauf von Bioprodukten am Standort. Wir werden dann auch mit den Leuten aus dem Barnim zusammenarbeiten, die dort Nahrungsmittel produzieren, zum Beispiel Honig. Das würden die dann am Standort verkaufen. Wir sind im Moment auch im Gespräch mit einem Biobäcker und wollen hier am Standort auch noch einen Pavillon einrichten, an der Ecke oben, gegenüber vom Kindergarten. Die würden dann dort einen Brotverkauf machen und eine kleine Pacht für die Fläche zahlen. Da geht es aber eher darum noch ein 58 

bisschen Infrastruktur dort zu bekommen. Da bin ich mal gespannt, ob das klappt, dieses Jahr wahrscheinlich nicht mehr, höchstens im Frühjahr, Sommer nächsten Jahres. Und dann eben dieser Wiederverkauf. Das sind die Sachen, die im Landwirtschaftlichen Kontext passieren könnten. Dazu kommen diese ganzen umweltpädagogischen Geschichten, die man an dem Standort gut machen kann. Ich bin im Gespräch mit dem Ökowerk, mit dem Landschaftspark Nuthe-Liebnitz, die haben auch schon Tourismuskonzepte in dieser Hinsicht. Ich bin mit der Demritzer Heide im Gespräch, das ist ja in Spandau, mit den Bauern dort bin ich öfter mal in verschiedenen Gremien zusammen und die sind an einer Kooperation interessiert. Da ließen sich schöne Sachen machen, da ginge dann eher in Richtung Erlebnistourismus und Bildungstourismus. Das wäre dann ein Austausch zwischen verschiedenen Standorten. Und das Ökowerk würde tatsächlich ein echtes pädagogisches Konzept entwickeln, wo man kleine landwirtschaftliche Ausbildungen an den Standort bringt. Also Schafschur, Klauenpflege, Sensenmähen, Traktorfahren und so etwas. Eine richtige Ausbildung werden wir da nicht hinkriegen, dazu fehlen zu viele Sachen. Die gesamte Felderwirtschaft fehlt, das müsste man dann mit anderen Standorten koordinieren. Das wäre eine interessante Sache. Da könnte man dann in der Endausbaustufe einen „Back to the Nature“ – Ausbildungsgang anhängen. Die andere Sache wäre mit Schulen. Die zum Kennenlernen auf das Gelände bringen, zum Kennenlernen von Tieren, die könnten zum Beispiel lernen, wie man Honig aus Waben holt, ohne, dass man gestochen wird. Das haben wir schon einmal mit Kindern gemacht, die hatten erst Angst und nachher haben sie die Bienen sogar angefasst und es ist nie etwas passiert. Wenn man sich nicht aggressiv verhält sind die ja eigentlich harmlos. Oder Umweltpädagogik im Zusammenhang mit den Schutzbiotopen, wegen dieser ganzen Regenwasserrückhaltebecken und der Funktion, die sie mal hatten und wieder mehr und mehr bekommen, nämlich die Naturschutzfunktionen. Wir haben in der Zwischenzeit 46 vom Aussterben bedrohte Arten auf dem Gelände, wovon der größte Teil Mikrolebewesen sind und in den Gewässern vorhanden sind. Das ist eigentlich ein kleiner Schatz, den kennt nur keiner. Das kann man dann kontinuierlich mit entwickeln. Das hängt, gerade auch im pädagogischen Bereich, auch ein bisschen an der zukünftigen Gestaltung der Gebäude. Wir bräuchten dann einen Bildungsraum. Wir müssen auch sehen, wie eng wir mit „Aktion Tier“ zusammenarbeiten können, die machen ja auch Bildung, da kann man sicherlich ganz viele Synergien erzielen. Wir werden auch einen eigenen Tierarzt auf dem Gelände haben. 59 

Unter langfristigen Gesichtspunkten gesehen, sehe ich dafür eigentlich ganz rosa. Unter kurzfristigen Gesichtspunkten gesehen, also mit dem ganzen Vertragsärger, sehe ich da jede Menge Probleme. Und mittelfristig gehe ich davon aus, dass wir noch einmal ordentlich Arbeit in den Landwirtschaftsbetrieb stecken, um den dann auf die Beine stellen zu können. Aber das ist eine realistische Sache, das kriegen wir auch hin. Ich denke mal zwei bis drei Jahre in landwirtschaftliche Konzepte, in landwirtschaftliche Tätigkeit und Akquisition von weiteren Flächen stecken, dann funktioniert das. (Und die ganzen therapeutischen Sachen kommen dann auch?) Dahingehend haben wir schon verhandelt. Die sind für uns weniger wirtschaftlich interessant, sondern eher durch den Kontext, in dem der Landschaftspark existiert. Wir werden da ein bisschen über Pacht und Miete und so etwas reden können, aber das werden keine immensen Summen sein. Da geht es darum, dass solche Angebote hier gebündelt werden können, dass man dann langfristig eine zusätzliche kleine Einrichtung an dem Standort hat, die in so eine Richtung arbeitet. Davon erhoffen wir uns keine großen Gewinne, aber an so einem Standort mitten in der Stadt, gibt es auch noch andere Funktionen, die so ein Tierbestand noch haben kann. Das muss ja auch nicht nur im Tierbereich sein, man kann ja auch in die Grünpflege gehen und auch dort Beschäftigungstherapien schaffen und so weiter. Wir sind hier ja auch mit dem KEH zusammen, das Krankenhaus hat gesagt, dass sie kein richtiges Interesse daran haben. Die meisten Patienten haben eine Aufenthaltsdauer von maximal drei Monaten und in dieser Zeit kann man keine richtige Therapie anhängen. Aber es gibt ja auch die Wohnheime, die hier angeschlossen sind, da ist das dann schon besser. Da kann man schon eher ran.

Welche Strategien gibt es um Nutzer ins Boot zu holen? Also im Moment sprechen wir die Leute einfach konkret an. Wenn wir sagen, wir suchen jemanden, der Therapieerfahrung hat, dann gehen wir zu dem hin, den wir uns ausgesucht haben und reden mit dem. (Das heißt, Ihr überlegt euch die Konzepte und geht dann auf die Leute zu?) Richtig. Wir haben auch schon Leute gehabt, die mit eigenen Ideen hier gewesen sind, es wollte zum Beispiel einer mal ein Wildniscamp einrichten. Das kann man überlegen, nur so richtiges 60 

Wildniscamp haben wir hier eigentlich nicht. Es ist trotz allem mitten in der Stadt, wenn man mal von der Definition „Wildnis“ ausgeht und sagt, dass man drei Tage in der Wildnis wandern muss, um draußen zu sein, dann ist es erst Wildnis. Alles andere ist keine Wildnis. Man kann schon so ein bisschen Pfadfinder spielen oder sowas, das geht. Aber wir haben dann auch gesagt, hört sich spannend an, vom Konzept her, aber ist für uns erst einmal noch nicht so wahnsinnig interessant, wegen der Baustellen. Wir können im oberen Teil, also dem Stadionteil, der ja noch wild ist, keine Sicherheit garantieren, wir wissen nicht, was da noch alles in den Müllbergen drin ist. Das müsste man erst noch genauer untersuchen und tatsächlich alles Schädliche mal rausholen. Irgendwo mitten drin rennt man gerade aus und dann hat man eine alte Stahlstange im Bauch oder so. Die stehen da einfach auf einmal aus dem Boden raus und keiner weiß, was da war. So Sachen sind da immer mal und darum sind wir dann ganz vorsichtig. Wenn wir selber dort reingehen, gehen nur die eingetretenen Wege und nie quer. Und da muss man halt aufpassen. Von daher haben wir gesagt, sowas noch nicht, vielleicht später einmal, irgendwann. Dann hatte mal der Schwarze Kanal bei uns angefragt. Das ist ein Wagendorf an der Köpeniker Straße, Köpi. Mit denen war ich hier, das hätte mir gefallen. Das waren zehn eher der Natur zugewandte Leute, ein bisschen weniger der Politik, aber die haben dann gesagt „Wagendorf ist Wagendorf, wir bleiben zusammen“ und gehen jetzt alle nach Neukölln. Da habe ich auch noch einen Standort gefunden. Das wäre auch für den Park interessant gewesen, man wollte so langsam anfangen kleine Flächen zu entwickeln. (Warum hat das dann hier nicht geklappt?) Naja, das war zu abgelegen und die wollen eben trotz allem in der Innenstadt bleiben. Die sind ja auch so ein bisschen Anlaufpunkt für Antifa und Anarchos und so weiter und wollen das auch bleiben, logischerweise. Und da kommen sie nicht hierher. Wer hatte sich denn noch so nebenher beworben? Nebenher beworben hatte sich noch jemand, der einen Hundeauslaufplatz machen wollte, das haben wir gleich vergessen. Dann gab es hier noch jemanden, der wollte hier mit einem Campingplatz auf das Gelände. Auch da haben wir gesagt, bringt mittelfristig für das Gebiet gar nichts. Ansonsten, wenn sich jemand für das Gebiet interessiert, der kann gern mit uns reden. […] Was wir noch hatten, waren zwei Schulen, Montessori-orientiert, die überlegt haben, ob sie nicht an den Standort komplett mit einer jungen Klasse gehen und hier auch das ganze Jahr über unterrichten. Die hätten dann einen Teil von der Fläche gemietet. Haben das aber dann 61 

umorientiert auf eine andere Fläche, die näher an ihrer Kernschule dran ist. Ich bin ja dann auch so fair und gebe den Leuten dann einen Katalog, wo es noch alles so Möglichkeiten gibt. Wenn dann eine ist, die weniger stressig ist und nicht so weit weg, dann nehmen sie halt die, das ist auch in Ordnung. Aber so etwas kann man immer hinkriegen, da mache ich mir auch nicht solche Gedanken drum. Wir wollen jetzt erst einmal gucken, dass wir die Sachen auf die Beine stellen, die ich vorhin genannt habe, also dass der Landwirtschaftsbetrieb aktiv wird, dass wir auch mit den Tieren mal raus kommen aus dem Landschaftspark. Und dann mal sehen, was passiert. Gibt es Unterschiede in der Nutzungsintensität verschiedener Geländeteile? Hier auf dem Gelände findet die Nutzung erst einmal nur im südlichen Teil statt. Die bauen zwar jetzt hier oben im nördlichen Teil den Rundweg weiter aus, wird jetzt auch im Juni, Juli angefangen, also hier der gesamte alte Rohrdammweg hinter dem Königin Elisabeth Krankenhaus. Da gibt es auch jede Menge Pflegebedarf, aber da müssen wir erst abwarten, bis der Bezirk sich äußert, wie das ganze einmal aussehen soll. Wir halten uns da sehr dezent im Hintergrund, wir haben im Moment genug zu tun. Aber wenn es dort zu irgendwas kommt, werden wir sicherlich diejenigen sein, die das dann machen werden. Aber wir gehen jetzt auch nicht hin und reißen uns darum Flächen zu pflegen, von denen wir eigentlich sonst nichts haben, außer, dass wir sie pflegen, und dann auch keinen Pfennig Geld dafür kriegt. (Aber es sind ja bezirkseigene Flächen, hat der nicht auch Auflagen, dass er sich darum kümmern muss?) Natürlich. Das ganze Stadion gehört dem Liegenschaftsfonds und die sind eigentlich für die Verkehrssicherung zuständig. Wenn man sich das heute mal angucken würde, Zäune gibt es da nicht mehr, das gesamte Brandgebiet ist in der Zwischenzeit – also da hat ein Haus gestanden, das ist abgebrannt – nicht mehr gesichert. Da spielen die Kiddies aus der Landsberger Allee drin. Abenteuer. Also ich find das okay, ich gönn das auch den Kindern, dass die da mal so etwas haben, nur es ist tatsächlich so, dass man da total aufpassen muss, es gibt das wirklich gefährliche Stellen. Eigentlich müsste man solche Sachen ein bisschen sichern, dann kann man da immer noch verrücktspielen, das ist okay. Also echter Freiraum ist das dann eben, wo es keine Regelungen gibt.

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Es ist ja in dem Stadion hinten ganz schön, da gibt es dann verschiedene Nutzergruppen. Die einen haben sich da ein FKK-Gebiet geschaffen und haben einen Weg reingelegt und haben rundherum die Dornenhecken so gelegt, dass da keiner durchkommt. Das ist auch Landschaftsparkgelände. Das gehört noch dem Liegenschaftsfonds, das kriegen wir aber erst, wenn wir sagen, dass wir es haben wollen. Wir halten uns aber damit erst einmal zurück, weil wir im Moment genug haben. Wenn sich jemand anderes darum bemüht, dann soll er das ruhig tun, da haben wir auch kein Problem mit. Aber das wird nicht passieren, da sind wir uns schon relativ sicher. Das gehörte früher dem Bezirk, der Bezirk hat es aber in den Liegenschaftsfond gegeben, weil sie nichts damit anfangen konnten. Es gab da die Grundidee, dass alles, was der Bezirk nicht braucht, in den Liegenschaftsfonds zurückgeht, die verwalten das bloß und fertig. Damit belastet es den Bezirk nicht mehr finanziell. Jetzt möchte der Bezirk das aber gern wieder zurück haben, weil wir ja das Landschaftsparkkonzept haben, da gehören die Flächen natürlich mit rein. Aber das Grünflächenamt, beziehungsweise das Amt für Natur und Umwelt in Lichtenberg übernimmt das nur, wenn dort keine Gebäude drauf sind, sonst geht es an den Facility Service, also an das Facility Management, mit denen haben wir schon Ärger genug. Die haben aber gesagt, sie übernehmen so eine Fläche nicht, die ist nicht gesichert, da können sie nichts mit anfangen. Also bleibt der Liegenschaftsfonds darauf sitzen, weiß aber auch nicht, was er damit anfangen soll. Dann haben wir gesagt, okay, wenn ihr das alle nicht wollt, dann nehmen wir das für einen Euro und fertig. Das kostet nur Geld das Ding. Wir werden das relativ schnell umwidmen, als Wildweide oder so, dann haben wir wenigstens keine BSR-Gebühren und andere mehr, die da drauf liegen. Dann hat der Bezirk gesagt so nicht, erst soll es an den Bezirk und dann an uns. Dann haben wir uns gesagt, okay, dann lehnen wir uns zurück, unser Angebot ist da, wenn sie das nicht wahrnehmen wollen, müssen sie halt warten. Und ich habe da auch in der Zwischenzeit nicht den Bedarf mich zwischen den verschiedenen Verwaltungen aufreiben zu lassen. Am Ende müssen wir es sowieso machen und da kann ich auch noch zwei Jahre warten. Wenn das da unten mal fertig ist, dann können wir gucken.

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Gibt es außer dem Bezirk und dem Liegenschaftsfond noch weitere Flächeneigentümer im Landschaftspark? Im Landschaftspark gibt es da noch die Ein oder Anderen. Wie wir schon gesagt hatten, es gibt ja hinten Saxum, die haben die alten Gebäude erworben und bauen die jetzt für Familien um. Dann gibt es diese Fläche, ein ehemaliges Vietnamesisches Wohnheim, das ist auch umgebaut worden. Da ist der Wohnstift Lichtenberg drin, das ist auch privat. Dann gibt es, wenn man hinter unsere Dreiecksfläche geht, ein Gebäude, wo wir vorhin über den Zaun geguckt haben, das gehört dem Sanaklinikum, dem dort unten auch der Lindenhof noch gehört. Die haben das ausgegliedert in eine Sana-Wohnbaugesellschaft und die verwalten das Gebäude. Es geht also um diesen Wald, wo wir vorhin durchgelaufen sind. Bis vorn an die Spitze geht das ran. Die müssen wir dann immer mit einbeziehen, wenn wir dort irgendetwas machen, Stichwort Wegerecht und ähnliches. Ich kenne auch den Adrian, das ist der Chef von dieser Wohnungsbaugesellschaft und gleichzeitig Justiziar vom Sanaklinikum, mit dem könnte man auch reden, dass er uns dann die Flächen zuschlagen würde, aber das wollen wir im Moment gar nicht. Es liegt außerhalb und es ist so ein kleiner Zipfel und wenn die da draußen mit ihren Liegestühlen liegen, dann ist das okay. Solange man mit den Leuten reden kann und sich abstimmen kann, dass das in das Gebiet rainpasst, dann ist das auch okay. Ich muss jetzt nicht alle Flächen so zu sagen unter mir haben, das habe ich hier auch nicht. Herr Dr. Norden hat auch gesagt, wenn ihr mal Zeit und Lust habt, könnt ihr die Schafe mal hier rein treiben, da freuen sich die Patienten. Aber da haben wir gesagt, das machen wir irgendwann später. Da hinten ist dann auch noch eine Schule, die Schule im grünen Grund. Da hat uns Nabrowsky, also der Naturschützer vom Bezirk, gefragt, ob wir da nicht hinten reingehen wollen mit den Schafen, das wär auch für die Schüler schön. Da sagt aber unser Schäfer im Moment, so lang das da oben nicht einigermaßen gestaltet ist, auch der Weg einigermaßen wieder in Ordnung ist, können wir die kaum da hin treiben. Wenn, dann müsste man die dort dauerhaft stehen lassen können, oder eine Weile wenigstens und dann muss man dort oben beaufsichtigen und dann ist keiner mehr unten auf dem Gelände. Also lauter Wenn und Aber hat er da gefunden, damit er da nicht hoch muss. Aber das werden wir sicherlich irgendwann machen. Im Moment haben wir es noch nicht so eilig damit. Das Problem ist nur, dass Herden, wie wir sie haben, relativ standorttreu sind. Die lernen ein Gelände kennen und dann bleiben sie dort und gehen auch nicht mehr weg. Wenn die weglaufen, 64 

dann kommen die automatisch auf die Standfläche zurück und wissen auch genau wo es reingeht. Die könnte ich jetzt überall wild weiden lassen und dann komme ich abends und bimmel und dann kommen die aus allen Ecken angezischt. Das Problem ist nur, wenn wir sie wirklich frei laufen lassen würden, dann würden sie auch oben auf der Landsberger Allee stehen und auf der Rhinstraße und das wollen wir eben nicht. Von daher also, wenn man so eine standorttreue Herde hat, dann ist das okay, wenn man der aber zu viele Flächen zumutet, dann wird sie eben nicht standorttreu. Wenn dann nachher der Bahnhof noch dazukommt, dann reicht das für die Herde, dann müssen wir schauen, dass wir eine zweite kleine Herde aufbauen, die dann von vorn herein an anderen Standorten steht. Die Herde war jetzt schon viel zu lange auf der Weide dort, die können wir jetzt nicht mehr einfach als freiweidende Herde irgendwo anders hinsetzen. Die würden immer wieder versuchen hierher zurück zu kommen. Wie frei agiert die Agrarbörse in der Projektentwicklung und welche Vorgaben kommen vom Bezirk? Ursprünglich war das ja so, dass wir uns ein Planungsprojekt verschafft hatten, auch finanziert über EU-Mittel damals. Da haben wir die komplette Abstimmung mit den Ämtern und die kompletten Planungen mit allen Ämtern durchgezogen, denen ist das alles bekannt, was und wie das laufen soll. Wir müssten jetzt als nächstes in eine Bauantragstellung für das Gebäude dort unten gehen. Das wird ein ganz normaler Bauantrag werden, ich gehe davon aus, dass wir nicht allzu viele Schwierigkeiten vom Bezirk kriegen werden, das genehmigt zu bekommen. Das Problem ist eher folgendes: Wir sind ja dann Nutzer und Mieter des Gebäudes und als Mieter eines Gebäudes miete ich das normalerweise mit den entsprechenden Ver- und Entsorgungen. Die müssen wir aber alle selber bauen. Also miete ich eigentlich bei mir selber und das einzige, was ich vom Bezirk bekomme, ist eine Ruine. Da gibt es dann Diskussionen. Die kriegen dann immerhin in 15 Jahren von uns fast 200.000 Euro Miete und andere Sachen, eigentlich für nichts. Dafür, dass sie uns die Ruine zur Verfügung gestellt haben und wir die schöner machen. Wir müssen da Abwasser ins Gelände legen, den Strom neu legen und das Trinkwasser neu legen und so weiter. Das machen wir alles selber, auf eigene Kosten. Das ist dann schwer zu vermitteln. Da trifft dann so zu sagen das kameralistische Haushaltssystem der Bundesrepublik auf Projektentwicklerinteressen. Ich weiß natürlich, dass der Bezirk entweder ausschreiben muss oder er macht das über eine Vergabe, wie wir das im Moment haben, eine direkte Vergabe. Weil 65 

wir uns auch sehr stark finanziell da rein hängen, braucht der Bezirk nicht ausschreiben, da dürfen wir das nutzen. Ich denke, die überziehen da in manchen Sachen ein bisschen, aber okay, das sind eben Schwierigkeiten, die einfach da sind. Wir haben dann auch gesagt, okay, wenn wir in 15 Jahren hier runter gehen vom Gelände, falls wir das tun sollten, dann müssen sie uns natürlich die Abwasseranlagen bezahlen. Das wollen die nicht machen, dann haben wir gesagt, gut, bauen wir sie wieder aus. Was natürlich nicht gemacht wird, aber das sind dann so die Vorstellungen. Oder wir bauen da einen Stall, Büroräume und so weiter in das Gebäude und haben am Ende die Auflage in dem Standartvertrag, dass wir das alles rückbauen müssen, wenn wir mal nicht mehr auf dem Gelände sind. Da haben wir gesagt, wir bauen doch nicht wieder eine Ruine dort hin. Das sei ein Standartvertrag, aber dann unterschreibe ich das nicht, manche Sachen haben sie dann tatsächlich raus gestrichen. Oder ganz banale Sachen, wir haben einen Pachtvertrag abgeschlossen, mit dem Amt für Umwelt und Natur und haben dann im Nachhinein erfahren, dass das Amt für Umwelt und Natur gar nicht hätte unterschreiben dürfen, das gehörte denen noch gar nicht. Die haben einen Vertrag mit dem Facilitymanagement gemacht, dass sie die Flächen nicht. (Aber hat nicht der Bezirk ursprünglich das Landschaftsparkprojekt initiiert?) Wir haben hier so zu sagen die Idee rein getragen. Vom Bezirk, also vom Amt für Umwelt und Natur, kam die Idee des Biotopschutzes und auch die Idee von Schutztonen rund um die Biotope. Da haben wir gesagt, macht doch aus dem ganzen eine Schutzzone. Deswegen jetzt auch die Diskussion Natur- oder Landschaftsschutz für das ganze Gebiet. Als wir dann diesen Antrag auf Umweltentlastung gestellt haben, da wird man verpflichtet, dass man es als Landschafts- oder Naturschutz ausweist. Also kommt da auch keiner mehr raus und auch die Träume von manchen Leuten, dass wenn dann mal alles saniert ist doch wieder eine Wohnbebauung hier hin gebracht werden könnte, kann man dann mit Landschaftsschutz von vornherein vergessen. Das haben die inzwischen, glaube ich, sogar bei der Stadtplanung gemerkt und waren dementsprechend sauer. Die Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet ist noch nicht durch, aber die ist Pflicht, ansonsten wird der Bezirk verdonnert 2,7 Millionen Euro zurückzuzahlen, die er natürlich nicht hat. Das führt dann dazu, dass er es trotzdem ausweisen muss, selbst wenn er es nicht wollte. (Das heißt, der Schutzstatus führt zu einer Verstetigung des Projekts?) übernehmen, wenn die Bebauung geklärt ist, dann hatte aber das Facilitymanagement noch nicht unterschrieben und das Amt für Umwelt und Natur auch noch

66 

Ja natürlich, das kann man nicht direkt machen. Wenn wir von vorn herein gesagt hätten, wir machen hier einen Landschaftspark hin, der Landschaftsschutzgebiet wird und dementsprechend den Landschaftschutz in dem Gebiet für die nächsten 50 Jahre festschreiben oder von mir aus auch noch länger, dann hätte der Bezirk natürlich abgewunken. Hätte gesagt, das sind potentielle Bauflächen oder da könnten wir doch auch dies oder jenes machen. Das geht dann eben alles nicht mehr. Vorher hatten wir ja auch schon gesagt, dass wir die Biotope entsprechend schützen müssen. Das sind zum Teil Rote-Liste-Arten, die dort drin sind. Da kam der Bezirk dann auch nicht drum herum, wollte das Gebiet aber möglichst klein halten. Dann hat der Senat irgendwann gesagt, so kleine Kleckergebiete wollen wir nicht, ein Gebiet oder gar nichts. Und da sie in der Zwischenzeit auch die 2,7 Millionen Euro schon gut zur Hälfte verbaut hatten und Aufträge für die nächsten 500.000 ausgelöst hatten, kommen sie dann auch nicht mehr drum herum, dass es dann weitergeht. Welchen Einfluss hat der Förderverein auf die Entwicklung des Landschaftsparks? Wir nehmen da nicht so richtig Einfluss im Moment. Eigentlich passiert das ohnehin. Dadurch, dass ich als Vorsitzender des Fördervereins in den anderen Projekten auch noch mitmache und Frau Hecht und auch andere an dem Pavillon mit planen, aber dann aus anderen Interessen, sie wollen da einen Behindertenservice einrichten, vermischen sich dann die Interessen von den Leuten, die im Förderverein sind, mit den Interessen für das Gebiet. Da ist auch ganz gesund, weil man dann hingehen kann und sich austauschen kann, auch zum Beispiel mit den Kleingärtenvereinen, die sind jetzt auch Mitglied bei uns und da passiert dann auch was. Man trifft sich, man tauscht sich aus. Der Chef vom Kleingartenverein Bielefeldt ist auch gleichzeitig Chef vom Ordnungsamt, die fahren abends regelmäßig mit den Ordungsämtlern über das Gelände um zu gucken, ob auch alles in Ordnung ist und die Schafe nicht wegrennen. Das kann uns ja nur gut tun. (Aber direkt Vorgaben für die Projektentwicklung kann der Förderverein nicht machen?) Wir könnten das machen, aber wir wollen das nicht. Wir haben ja in der Agrarbörse das Konzept für das Umweltentlastungsprogramm entwickelt und auch alle Vorplanungen gemacht und so lange es einigermaßen in diesem Rahmen bleibt, den wir damals vorgegeben haben, ist das auch im Sinne der Fördervereins. Das habe wir ja lang und breit entwickelt und geprüft und diskutiert 67 

mit allen möglichen Leuten. Wir haben zwar nie irgendeine negative Kritik bekommen, sondern immer nur zusätzliches „macht doch noch mehr davon“. Da gibt es auch eigentlich bisher noch kein negatives Echo. Höchstens mal in der Bauphase, dass die meckern, dass bei ihnen immer noch ein Bauzaun vor dem Garten steht oder dass sie weniger Parkplätze haben und nicht mehr mit ihren Autos direkt vor die Kleingärten fahren dürfen, aber okay, dann sollen sie die Fläche dazu pachten, da hätte ich gar nichts dagegen. Das wollen sie aber auch nicht, das kostet ja zusätzlich Geld. Wurde ein starkes Interesse der Anwohner und umliegenden Unternehmen bemerkt? Wir haben anfangs schon Interesse bemerkt, auch wohlwollendes, die haben uns aber erst einmal für verrückt erklärt. Als ich das erste Mal mit allen Projektleitern der Agrarbörse durch die Fläche gegangen bin, wir haben ja viele Projekte, haben die mich auch für verrückt erklärt. Jetzt aber, wo so zu sagen die Bilder entstehen, mit der Wiese dort drüben, mit dem Klatschmohn drin und auch mit den kleinen Holzhütten, die wir dort rein bauen, dass man sich dann auch dort hinein setzen kann, fangen die Leute plötzlich an zu sagen „ wir wussten ja immer, dass das ganz toll wird“. Jetzt ist sogar der Umweltstadtrat bei uns und auf einmal sind wir das tollste Projekt im Bezirk gehören zu den fünf Sehenswürdigkeiten Lichtenbergs. Das führt dann dazu, dass alle Anwohner, die wir kennen, das ziemlich wohlwollend wahrnehmen. Die, die im Verein sind sowieso und die, die nicht im Verein sind zumindest interessiert und sind immer ganz überrascht, was es alles noch gibt hier. Ich bin hier auch schon mit dem Polizeiabschnittsleiter rumgefahren, der hier aufgewachsen ist, der wusste gar nicht, wie das hier aussieht. Der kennt die Strecke, der kennt sogar dort oben die Brache und dann sind wir mal in den Wald gegangen und haben uns die anderen Sachen angeguckt, da war er völlig geplättet. Das kannte er alles nicht. Aber nun fährt er regelmäßig mit dem Rad alles ab und erkundet. Ich hab ihm dann geraten mal oben in das alte Stadion zu gehen und zu gucken, was da so wild entsteht. Dann soll er seine Uniform weglassen, nicht, dass die Leute gleich Schiss kriegen. Aber eben einfach mal gucken, weil das ist wirklich interessant. Das ist ein echter Freiraum. Da gibt’s keinen der Vorschriften macht. Und da sich der Liegenschaftsfonds dafür nicht interessiert, weil er da nie ein wirtschaftliches Interesse heraussaugen können wird, der Bezirk auch nicht, alle anderen ebenso wenig, also gut.

68 

Gibt es von Seiten der Anwohner Interesse an der Projektentwicklung mit zu wirken? Ja das gibt es. Wir haben zwei Anwohner aus der neuen Siedlung dort hinten, er und sein Sohn, die kommen regelmäßig und helfen ein bisschen im Landschaftspark. Die haben auch ihre Telefonnummer dagelassen, man kann sie also auch anrufen, wenn sie mal aufpassen sollen, dann gehen sie auch mal über das Gelände. Dann gibt es die Frau Eier. Dann die Leute aus dem Nibelungenviertel, unten im Süden, das mit der Rampe angeschlossen werden soll. Da gibt es eine kleine Wanderinitiative, das sind auch ältere Herrschaften, die andauernd an uns herantritt, ob wir nicht einen Weg finden können um das mit der Rampe zu beschleunigen, damit die dann da rein könnten, sie würden gern mehr im Landschaftspark sein. Die würden sich auch gern einbringen, ob wir sie da auch bei der Pflege und bei den Obstbäumen mitmachen dürften, einer von denen hat auch schon Obstbäume geschnitten und kennt sich damit aus. So Leute gibt es dann, das kriege ich immer mal auf der Webseite mit. Aber auch da gehen wir noch nicht so richtig raus. Ich schreibe denen immer, dass das nett ist, aber wir müssen jetzt erst einmal die Projekte, also die Rahmenbedingungen fertig stellen, dann kann man sehen, dass man die Leute mit einbezieht, sonst wird das zu chaotisch. Wenn dann auch noch externe Architekten, mit denen wir uns immer mal kabbeln, den Weg planen und auch noch private, ehrenamtliche Mitarbeiter Hecken schneiden und dazwischen auch noch einer Vogelkästen annagelt, also das machen wir erst später. Das hört sich ein bisschen doof an, weil es ist ja schon ziemlich lang so dieser Phase, aber ich gehe mal davon aus, wenn das UEP-Projekt abgeschlossen ist, so in 2011, 2012, kann ich auch mit dem Landwirtschaftsbetrieb offensiver umgehen. Dann kann man auch strikt zuweisen, welche Bereiche von Ehrenamtlichen gemacht werden können, wie man Unterstützung organisiert und so etwas. Wir organisieren jetzt immer den Tag der offenen Tür, mit ein paar Lebensmittelständen von Ökohöfen noch dazu, da weiß ich jetzt schon wieder, wie es ausgeht. Da wird es heißen, so etwas müssten wir dort dauerhaft haben, weil hier gibt es nirgends etwas zum Einkaufen. Das können wir alles noch nicht machen, da müssen wir abwarten.

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Wie schätzen sie die Auswirkungen auf die umliegenden Unternehmen ein? Da haben wir schon Rückläufe, alle Unternehmen stellen fest, dass der Vandalismus stark zurückgegangen ist. Dadurch, dass es keine Fläche mehr gibt, die so unkontrolliert ist, unkontrolliert in dem Sinne, dass da keiner hingeht, aber inzwischen geht dort der Radweg durch, der wird ganz stark frequentiert. Dadurch, dass wir die öffentliche Kontrolle verstärkt haben und wir nun auch Leute hier drin haben, die sich für den Landschaftspark interessieren, auch die Anwohner sich dafür interessieren, gehen diese Sachen zurück. Man ist nicht mehr unbeobachtet und die Leute fragen auch „was machst du denn da gerade?“ Unsere Sprayer haben schon jede Menge Fragen beantworten müssen, warum sie dort die ganzen Gebäude besprühen. Die sagen dann, dass sie dort üben und es ist doch besser hier zu sprayen, als in der U-Bahn. Das können dann auch alle einsehen und sind dann auch ganz interessiert. Die Sprayer kriegen dann immer ein Feedback, wie gut oder wie schlecht irgendein Muster aussieht. Jetzt stehen sie also nicht mehr heimlich nachts irgendwo und sprayen, sondern auf einmal stehen die Leute dabei und kritisieren auch noch. Die beiden Schäfer kennen inzwischen auch Gott und die Welt, es ist inzwischen ihr Landschaftspark, logischerweise, weil sie die ganze Zeit da sind. Sie haben sich inzwischen auch zu so einer kleinen Institution entwickelt. Die kennen sich aus, fahren auch mal die Kinder runter, wenn sie irgendwo schnell hin müssen. Also von der Anwohnerschaft, von den Unternehmen her ist das Feedback da und fast alle sagen „wunderbar“. Siehe zum Beispiel BVG, die haben gesagt, wir müssen keinen zusätzlichen Zaun ziehen, wir könnten ihren Zaun nutzen. Wir müssen nur aufpassen, dass wir eine kleine Schutzzone davor haben, mit Hecken oder ähnlichem, damit die Bewegungsmelder nicht andauernd angehen, wenn die Schafe dort langlaufen. Da sind die alle ganz offen und unterstützen uns auch soweit sie können. Was wir bislang noch nicht gemacht haben, wir haben zwar den Förderverein gegründet, haben sogar ein Konto eingerichtet, waren aber noch nicht so richtig offensiv in der Akquisition von zusätzlichen Geldmitteln. Können wir tun, werden wir aber auch erst machen, wenn man die Flächen nach außen hin, öffentlich und offiziell betreten und auch nutzen darf. Und nicht, wenn noch Baustellen sind oder jetzt wieder die Tieflader rumfahren und dort unten gebaut wird. Also danach, langsam.

70 

Es ist auch immer ärgerlich, ich weiß, wir hatten ja auch schon mehrere Angebote von Spenden und anderem, ich habe dann gesagt, „machen sie das doch in zwei Jahren, das ist besser“. Im Moment wüssten wir gar nicht, wie wird das Geld sinnvoll unter die Leute bringen sollten und ansparen können wir es auch nicht, da kriegen wir Ärger mit dem Finanzamt.

Nachträgliche Befragung via E-Mail am 10.09.2010 Gibt es durch den Schutzstatus "Landschaftsschutzgebiet" Einschränkungen für die Landwirtschaft? Nein zunächst gibt es Auflagen, nämlich ökologisch verträgliche Produktion und Einpassung ins entstehende Landschaftsbild. Schutzbiotope sollen gepflegt und regionale Flora und Fauna erhalten werden. Das ist auch schon mit einfachen landwirtschaftlichen Mittel möglich. Wie viele Menschen beschäftigt der Landwirtschaftsbetrieb in Herzberge im Augenblick? Direkte Angestellte hat der Landwirtschaftsbetrieb noch nicht. Die beiden Schäfer sind noch bei der Mutter (Agrarbörse e.V.) beschäftigt, wechseln aber zum Betrieb wenn wir "aktiviert" sind (abhängig von Gebäuden und Flächen). Zusätzlich haben wir bereits 2 ehrenamtliche Helfer und über den Verein ein Beschäftigungsprojekt (12 AN) am Standort.

71 

Experteninterview

mit

Herrn

Nabrowsky,

Leiter

des

Bereichs

Naturschutz

und

Landschaftsplanung im Amt für Umwelt und Natur Berlin Lichtenberg Alt Friedrichsfelde 60, 31.08.2010, 14:00

Bitte beschreiben Sie zunächst kurz ihre Aufgaben in der Bezirksverwaltung und wie Sie bereits mit dem Landschaftspark zu tun hatten. Mein Name ist Heinz Nabrowsky, ich leite seit 2001 den Fachbereich Naturschutz und Landschaftsplanung im Amt für Umwelt und Natur. Das Amt für Umwelt und Natur ist 2001 neu geschaffen worden, nach der Bezirksfusion. So gesehen bin ich von der Verwaltungsseite seit 2001 mit dem Thema befasst. Mit dem Landschaftspark Herzberge habe ich aber schon seit 1981 zu tun. Das hängt damit zusammen, dass ich in den 80er Jahren im damaligen Kulturbund der DDR ehrenamtlich im Naturschutz tätig war und eines unserer Projekte war die Erhaltung von Kleingewässern im damals geschützten Park Herzberge. […] Heute ist es ja das Königin Elisabeth Krankenhaus. Wir hatten damals festgestellt, dass in den Gewässern sehr seltene und wertvolle Amphibienarten vorkommen und hatten dann gemeinsam mit der Krankenhausleitung die Pflege der Gewässer übernommen im ehrenamtlichen Naturschutz. Aufgrund der Bedeutung, da kommt zum Beispiel der Kammmolch vor, der ist heute auch als FFH-Art eingestuft, hatten wir damals, diese Objekte auch eingereicht zur Unterschutzstellung als Flächennaturdenkmal. Dem ist auch der Rat der Stadt Lichtenberg gefolgt und die wurden dann in Berlin sogar als Flächennaturdenkmal Nummer 2 und 3 ausgewiesen. So gesehen bin ich da schon sehr lange integriert. Damals war der Park vom KEH geschützt nach dem Naturschutzrecht der DDR und wir haben eigentlich nur innerhalb der Grenzen von dem Krankenhaus gearbeitet. Außerhalb des Krankenhauses gab es ja andere Nutzungen, die damals fest etabliert waren. Im Süden des Krankenhauses beispielsweise befand sich das Gelände des VEG Gartenbau Berlin. Mit dem habe ich auch schon gearbeitet, als die Gewächshausanlage damals geplant worden ist. Die wurde 1980 etwa eröffnet, da gab es eigentlich schon eine ganz klar umrissene Flächennutzung. Drum herum gab es die Industriebahntrassen, die waren ja auch klar genutzt und von Osten her hat sich die Bebauung immer weiter an das Gelände heran geschoben. Anfang der 80er hatte das Krankenhaus schon Flächen abtreten müssen, für bauliche Nutzung. Das war für uns damals 72 

auch schon problematisch, dass manche Gebäude fast in den Park reingebaut worden sind. Wenn sie sich heute die Ostseite angucken, Alle der Kosmonauten, da stehen ja die Gebäude fast schon in den Gewässern drin. Das war damals nicht zu verhindern gewesen, das waren die Rahmenbedingungen. In den 90ern habe ich dann mal als Besucher dort hingeschaut, da hatte ich dann auch die ehrenamtlichen Aufgaben abgegeben und hatte aber doch immer mit den Kollegen vom Grünflächenamt Kontakt. Es gab damals als Ergänzung noch den Schulteich, der angelegt worden ist und es gab auch den Landschaftsplan Herzberge, den die Kollegen ins Leben gerufen hatten. Das ist also auch eine Arbeit unseres Amtes, die Freiflächen zu entwickeln mit dem Landschaftsplanverfahren damals. Es war in Lichtenberg schwierig, diesen Landschaftsplan weiter zu verfolgen, das Bezirksamt hat auch nicht dahinter gestanden, hinter den fachlichen Inhalten und deswegen ist das Verfahren mehr oder weniger zum Stillstand gekommen. Kurz nach 2001 gab es dann die Notwendigkeit, im gesamten Bezirk die Bereichsentwicklungsplanung zu überarbeiten. Man hat dann mit dem Altbezirk Lichtenberg angefangen und in dem Zusammenhang gab es auch in dem Raum mehrere Dinge, die zu berücksichtigen waren. Zum einen ist die Nutzung der Gewächshausanlage ganz stark geschrumpft, es gibt heute nur noch einen ganz kleinen Betrieb, der ist aus diesem VEG entstanden. Die haben vielleicht noch 20 oder 15% der Gewächshäusernutzung, der Rest wurde damals schon nicht genutzt. Der ist dann sehr verkommen. Die bauliche Nachnutzung war nicht geklärt, die Stadtplanung hatte immer vor, in dem Bereich eine bauliche Nutzung vorzunehmen. Dazu gab es auch für den ehemaligen Rangierbahnhof keine klaren Vorstellungen mehr. Auch da hatten sich dann die Planungsvorstellungen aufgrund der fehlenden Nachfrage aufgelöst. Und wir standen vor der Situation gemeinsam im Bezirk eine Lösung zu finden, was mit den Flächen geschehen soll. Wir haben das damals auch als Chance empfunden, den Landschaftsraum nochmal durchzuarbeiten und als einen Raum zu entwickeln. Vorher konnte ich immer bloß für das Krankenhaus denken, bis zum Zaun, das hat sich dann als größere Fläche erwiesen. […] Wir haben dann im Rahmen der Bereichsentwicklungsplanung nochmal alle Interessen zusammengetragen und waren uns einig, dass wir auf jeden Fall erst einmal die wichtigen Biotope und die wichtigen Freiflächen sichern sollten, als Schutzgebiet. Wir haben 2004 dann einen Antrag gestellt zur Ausweisung eines NSG und eines LSG. Die Flächenkulisse war erst einmal relativ klein gewesen. Das Bezirksamt hatte tatsächlich diese Vorlage beschlossen, die wir erarbeitet hatten, die wurde in der Bezirksverordnetenversammlung sogar ohne

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Gegenstimme zur Kenntnis genommen. Das war für uns schon ungewöhnlich, da haben wir geahnt, dass da noch mehr drin ist. Wirt hatten im Rahmen der Bereichsentwicklungsplanung ein Problem, dass unsere Kollegen vom Tiefbauamt eine Verkehrsplanung vorgenommen hatten. Die war noch nicht überbezirklich dargestellt. Die wollten die Orlopp-Straße durch diesen scheinbar ungenutzten Freiraum an die Alle der Kosmonauten anbinden. […] Da gibt es seit Anfang der 80er Jahre immer wieder den Kampf. Ich hatte damals mit der Krankenhausleitung zusammen auch verhindert, dass die Straße durch das Krankenhausgelände ausgebaut wird, das wollten die parallel zur Straßenbahntrasse bauen. Das haben wir vehement abgelehnt, der damalige Direktor vom Krankenhaus hatte auch eine sehr umweltfreundliche Auffassung. […] Durch dieses gemeinsame Engagement konnte man zu DDR-Zeiten diese Planung verhindern. Das war ja schon ungewöhnlich, es gab ja keine richtige Bürgerbeteiligung, das war einfach freies Spiel der Kräfte. Nun kam die gleiche Planung nochmal, zwar etwas freundlicher, nicht mehr durch den Waldbereich durch, aber wir hatten damals ja schon die räumlichen Zusammenhänge erkannt. Wir haben hier den größten unzerschnittenen Landschaftsraum im Bezirk und der hat eine sehr hohe Qualität und dafür haben wir dann auch gekämpft. Wir haben gesagt, wir machen Nägel mit Köpfen und machen aus dem Landschaftsschutzgebiet das Projekt Landschaftspark. Das ist vom Bezirksamt 2005 auch akzeptiert worden. Nach der Zusage, dass wir die Flächen bekommen würden, da gab es auch innerhalb des Amtes eine schwierige Auseinandersetzung, mussten wir überlegen, was machen wir damit. In den anderen Berliner Bezirken gibt man nur noch Grünflächen an, wir sind der einzige Bezirk, der in dieser Größenordnung Grünflächen weiter entwickelt. Wir hatten in den letzten Jahren 70 bis 80 Hektar Flächenzugänge, das ist ungewöhnlich. Das sind um die 10% Zugang und trotzdem wird unser Budget immer kleiner. Man muss sich stark engagieren, um diese Prozesse auch zu gestalten. Das haben wir auch gemacht, wir wollten so wenig Fläche, wie möglich, als öffentliche Grünanlage ausweisen und pflegen. Wir versuchen diese Flächen noch mit Nutzungen zu belegen, die kostengünstig sind und sind dabei auf die Idee gekommen, dass man auch landwirtschaftliche Nutzung etablieren könnte. Für uns ist das nicht ganz so neu, wir haben im Norden vom Bezirk, in Hohenschönhausen, so etwas schon einmal getan hatten. Da gab es mal ganz diffuse Vorstellungen, wie man so etwas machen könnte. Wir haben, dann mit der Naturschutzstation in Malchow einen Träger gefunden, der mit uns zusammengearbeitet hat. Wir haben dann 1995 erstmalig eine Grünanlage am Malchower See eine Grünanlage eingerichtet. […] Da hatten die auch dutzende von Besuchern ständig, die dann geguckt haben. 74 

Also vom Grundsatz her wussten wir, dass es funktionieren kann. Wir wollten eine Weisenutzung an der Stelle, etwas anderes kam für uns nicht in Frage. Wir haben dann gesagt, wir müssen irgendwann auch Fördermittel bekommen und wir wussten, dass es die Förderkulisse aus dem Umweltentlastungsprogramm gibt. Das jetzige Programm ist 2007 etwa angelaufen. Wir haben uns mit der Agrarbörse Deutschland Ost e.V. den passenden Partner gefunden. Wir haben mit denen auch schon bei anderen Projekten zusammengearbeitet und haben gesagt, landwirtschaftliche Nutzung, können sie sich das vorstellen? Wir wollten also nicht alles auf einen Träger konzentrieren. Über Beschäftigungsmaßnahem wurde eine Planungsgruppe etabliert. Zwischenzeitlich waren das mal 7 oder 8 Personen. Die haben dann die Planungsgrundlagen erarbeitet. (Die wurden vom Bezirk beauftragt?) Die wurden von uns beauftragt, haben auch Räume zur Verfügung gestellt bekommen. Eine Mitarbeiterin und ich haben die fachlichen Vorgaben gemacht. Es gab dann immer die entsprechende Steuerungsberatung, es wurde darüber geredet, was zu tun ist und das wurde abgearbeitet. Wir hatten damals auch angeregt einen Förderverein zu gründen. Wir hatten mit Herrn Riedel da auch jemanden, der da sehr engagiert war. Er hat ja dann auch 2006 den Förderverein gegründet und die ganze Nachbarschaft mit ins Boot geholt. Das ist sehr wichtig, weil das etwas ist, was wir als Bezirk nur schwer können. Wir haben im Bezirk an mehreren Stellen sehr gute Erfahrungen gemacht. […] In den ersten Fällen waren wir auch noch sehr engagiert in der Gründungsphase, das war hier nicht notwendig, Herr Riedel wusste, worum es geht und hat das selber alles geregelt. Das läuft soweit ganz gut. 2006 gab es den Antrag auf Förderung aus dem Umweltentlastungsprogramm, das ist auch bewilligt worden. Seit etwa 2008 arbeiten wir in der Projektgruppe an der Umsetzung. Die Agrarbörse ist da weiter involviert und hat inzwischen auch den Landwirtschaftsbetrieb gegründet und den Schafbestand etabliert. Wir haben von der Arbeitsleistung inzwischen rund 50% abgearbeitet. […] Welche Rolle spielt der Bezirk, insbesondere das Amt für Umwelt und Natur, heute bei der Projektentwicklung? Wir haben eine relativ scharfe Aufgabentrennung. Wir haben die Mittel aus dem Umweltentlastungsprogramm, die haben wir, 75  das Bezirksamt, bekommen, und die

bewirtschaften wir auch, das sind ja über 2 Millionen Euro. Da haben wir auch die Verantwortung für. Wir entwickeln Flächen und müssen nachher sehen, dass die Flächen, zumindest in Teilen, auch von anderen mit bewirtschaftet werden. Teilweise machen wir das über Pachtverträge, teilweise versuchen wir etwas über die ehrenamtliche Schiene etwas zu organisieren, also dass die Pflege über ehrenamtliche oder MAE geschieht. Wir haben vom NABU eine gute Unterstützung. Das hat also Netzwerkcharakter an der Stelle. Aber die planerischen Vorgaben, der Rahmen dafür, liegt bei uns in der Hand. Wie der ausgefüllt wird, müssen die Vereine und Träge dann selber sehen. Wir haben mit dem Verein „Aktion Tier“ einen weiteren Verein, der sich dort etabliert hat. Das ist etwas, das ein wenig schwierig ist. Ohne die Mitnutzung hätte die Agrarbörse die Bausubstanz nicht erhalten können, auf der anderen Seite sind wir mit solchen Tierschutzvereinen doch gebeutelt. […] Wir hatten mit Falkensee viele Probleme, schon während der Baumaßnahmen, so, dass man es heute unmöglich als Referenzbeispiel für Natur- und Landschaftsschutz ausweisen kann. Deswegen sind wir da ein bisschen skeptisch. Andererseits kommt der Chef von Verein aus der Naturschutzszene und den kenne ich auch schon seit 30 Jahren. Da hoffe ich doch, dass man Probleme, die auftreten, besser lösen kann. Probleme sind zum Beispiel Hundegebell. Das kann für die Nutzer vom Park, aber auch für die Anreiner ziemlich lästig sein. […] Was die Leute auf den Flächen machen, die sie zur Nutzung erhalten, da werden wir uns um Details nicht kümmern. Zum Beispiel der Gesundheitspfad, da haben wir Standorte festgelegt. Aber die Inhalte, ob die tragfähig sind, ob die so oder so gemacht werden, das überlassen wir denen, die das Nutzen wollen. Es sei denn, da etwas gegen die Rechtsvorschriften verstößt oder gegen andere Grundsätze, die wir haben. Wir haben da einen fließenden Übergang. Wenn die Sachen fertiggestellt sind, übernimmt die Agrarbörse mit dem Personal, das vorhanden ist, über Vergab-ABM und MAE, die Pflege. Das funktioniert im Große und Ganzen sehr gut, weil wir mit der Agrarbörse ja auch früher schon zusammengearbeitet haben. […] Welche offiziellen Planungsdokumente gibt es, die die Entwicklung des Landschaftsparks vorgeben? Rechtsverbindlichkeit hat im Augenblick nur die Bereichsentwicklungsplanung (BEP). Dann haben wir noch den Landschaftsrahmenplan (LRP), der eine Verbindlichkeit herstellt, der ist 76 

vom Bezirksamt auch beschlossen worden. Wobei der Landschaftsrahmenplan zurzeit auch überarbeitet wird. Wir haben im Plan auch nicht für alle Flächen aussagen treffen könne, da gibt es immer noch Lücken, die haben wir aber bei der Überarbeitung schon geschlossen. Der Landschaftsrahmenplan hat eine Verbindlichkeit innerhalb des Bezirks und bindet die Bezirksverwaltung an die Vorgaben. Der Immobilienservice kann Flächen dann zum Beispiel nicht anders verpachten. Auch der Liegenschaftsfond ist daran gebunden, die können auf den Flächen, die sie verwalten, keine baulichen Nutzungen etablieren. So gesehen haben wir erst einmal das Minimum. Dann kommt die Schutzgebietsausweisung, die muss auch kommen. Wir haben ja Fördermittel aus dem Topf für die Entwicklung von Schutzgebieten vorgesehen ist, bekommen. Daher muss die Senatsverwaltung die Schutzgebietsverordnung irgendwann auch in Kraft setzen. Da haben wir dann auch noch einmal ein recht starkes Instrument. Das Schutzgebiet mit der Verordnung und dem Pflegeentwicklungsplan, das ist schon eine recht harte Verbindlichkeit. Was Planungen betrifft, haben wir dann auch noch die Freianlagenplanung, wie die Freiflächen entwickelt werden. Das sind eigentlich die Instrumente, die wir an der Stelle haben. Entscheidend wird nachher für den Inhalt des Landschaftsparks der Pflegeentwicklungsplan sein. Der soll in der letzten Phase des UEP-Projektes erarbeitet werden. Da werden wir dann sicherlich noch die Fragen beantworten müssen, die wir bislang noch nicht beantworten konnten. Wir haben auch selber festgestellt, dass sich Meinungen innerhalb des Projekts ändern. Die Nutzung des ehemaligen Rangierbahnhofes zum Beispiel, da hatten wir zum Anfang gesagt, es gibt eine große Weide, die soll auch betretbar sein. Das wollte auch die Agrarbörse damals so machen, nur hatten sie damals noch keinen Experten für die Tierhaltung in ihren Reihen. Nachdem die Leute eingestellt wurden, haben die gesagt, man solle bloß die Flächen nicht betreten, da gebe nur Schwierigkeiten. Daher haben wir dann am Ende doch eine Wegeführung, die eigentlich durch die Mitte der Fläche geht, an den Rand gelegt, um eine große, eingezäunte Weidefläche zu haben. Im Augenblick geht das noch, wenn der Pflegeentwicklungsplan kommt, muss so etwas aber präzise festgelegt werden. Man muss natürlich sehen, dass man sich eine gewisse Flexibilität erhält, damit man nicht streng etwas verfolgt, das dann nicht umsetzbar ist. Offene Fragen sind zum Beispiel die Flächen auf dem ehemaligen Zeltlagerplatz. Da hätten wir uns alles Mögliche vorstellen können. Ich hatte mal angeregt, ein Elchgehege zu etablieren, als Publikumsmagnet, um auch eine Nutzung zu

77 

haben, die vielleicht auch eine höhere Akzeptanz hat. Aber damit hat sich der Förderverein sehr schwer getan. Die Folgekosten sind eben nicht überblickbar. […] Warum kam die ursprünglich geplante Ausweisung des Naturschutzgebietes nicht durch? Um die geschützten Biotope herum wurden große Pufferzonen ausgewiesen, wir hatten am Ende einen Flickenteppich gehabt. Wir hatten damals noch nicht alle Flächen zur Verfügung gehabt. Um das Krankenhaus als Kernbereich, das KEH wurde ja nie in die Schutzplanung mit einbezogen, hätten wir dann ein Patchwork von Naturschutzgebiet und Landschaftsschutzgebiet gehabt. In diesem ersten Szenario damals kamen dann auch noch Flächen hinzu, die gar nicht dazu gehört haben, also als öffentliche Grünanlagenausgewiesen werden sollten. Wir haben das dann noch einmal geprüft. Es sind ja bestimmte Zielarten dort vorhanden, eine der Zielarten ist der Kammmolch und für diesen ist es zum Beispiel unerheblich, ob der Schutzstatus so streng ist, dass die Flächen nicht betreten werden dürfen, das spielt keine Rolle. Auch das Fangen der Tiere, ganz so einfach ist das sowieso nicht. […] Das kann man als ausklammern als Gefährdungsfaktor. Wir haben zudem die Problematik, dass wir 3 Naturschutzgebiete im Norden des Bezirks haben. Wir waren zwischen 1990 und 1995 selbst verantwortlich für die Flächen und haben die Ziele verfolgt, die wir für richtig gehalten haben. Seitdem ist die Senatsverwaltung zuständig und da gehen wir fachlich nicht immer mit dem mit, was da entschieden wird. Im Schutzgebiet auf den Falkenberger Rieselfeldern gibt es da Probleme, die Senatsverwaltung sieht sich da nicht in der Lage die Schutzgebietsverordnung in der Pflege durchzusetzen. Das hat so weit geführt, dass das Schutzgebiet in der Malchower Aue mittlerweile die Schutzwürdigkeit der Bereiche weitgehend verloren gegangen ist, jedenfalls von den eigentlichen Schutzzielen. Zudem wird auf den Wiesenflächen nach wie vor mit schwerer Technik gemäht. Wenn in einem Naturschutzgebiet, in dem Grasfrösche geschützt werden sollen und dann auf den Feuchtwiesen mit einem Traktor gemäht wird, hat das mit der Pflege von Naturschutzgebieten aus meiner Sicht nicht wirklich was zu tun. Da sind wir inhaltlich noch ziemlich weit auseinander. Wenn die Senatsverwaltung das übernommen hätte, wären wir der Situation möglicherweise nicht mehr gewachsen gewesen. (Für Naturschutzgebiete ist also die Senatsverwaltung zuständig?) Ja, in der Pflege und Unterhaltung. Es gibt zwar im Berliner Zuständigkeitskatalog keine Aussage dazu und man könnte das möglicherweise in Frage stellen. Aber wir haben es deswegen 78 

nicht gemacht, weil wir als Außenbezirk natürlich Interesse daran haben, dass eine Pflege erfolgt auch wenn wir fachlich eine andere Auffassung haben. Hätten wir das in Frage gestellt, hätte man also den Topf für die Pflege von Naturschutzgebieten aufgelöst und auf die Bezirke verteilt, wäre es verschwunden gewesen. Wir haben dieses Jahr die Situation in der Kosten- und Leistungsrechnung, […] wir haben 2009 einen Budgetgewinn erwirtschaftet von 1 Million und die hat uns der Bezirk fast komplett abgezogen. Da macht der Bezirk andere Dinge damit, die er als wichtiger ansieht. Darum haben wir damals gesagt, dass wir den Topf nicht auflösen. Dann wären die 2 Millionen Euro, die damals da drin waren in alle Winde geweht worden, die Bezirke hätten was ganz anderes damit gemacht, nur keinen Naturschutz in den Schutzgebieten. Nichtsdestotrotz haben wir diesen fachlichen Konflikt, dass wir manche Sachen anders sehen. Die Ausweisung als Naturschutzgebiet in Herzberge hätte am Ende dazu führen können, dass wir eine Umzäunung von einzelnen Bereichen gehabt hätten oder Ähnliches, das wollten wir nicht. Ich befasse mich auch als Amphibienexperte seit 30 Jahren mit dem Thema und kann so ungefähr einschätzen, was dort gut ist und was nicht. Wir können da auch ohne Umzäunung leben auch mit dem Status Landschaftsschutzgebiet. Dafür sind wir dann zuständig. Da haben wir vor allem auch eine einheitliche, große Fläche und nicht so ein kleinteiliges Patchwork. Das wäre auch von der Verordnung her kaum zu stricken gewesen. Der Landschaftsschutz ist zwingend Notwendig, denn die Verordnung zum Landschaftsschutz kann nur der Senat aufheben und das ist schon relativ stark, da müssen auch die Verbände beteiligt werden, das kann der Bezirk nicht alleine machen. Unsere Zuständigkeit liegt nur in der Erarbeitung des Pflegeentwicklungsplanes und in seiner Umsetzung. Diese beiden Teile sind bei den Naturschutzgebieten bei der Senatsverwaltung noch geblieben, für die Landschaftsschutzgebiete bei uns. Aber die Verordnung können wir nicht einfach verändern. Wir können nicht sagen, dass wir jetzt etwas ganz anderes verbieten oder lassen bestimmte Handlungen zu. Wir müssen uns, wenn die erst einmal fertig ist, wir werden ja beteiligt an der Erarbeitung, auch daran orientieren. Sehen sie Probleme, Konflikte oder Einschränkungen, die mit dem Schutzstatus verbunden sein könnten? Das muss man erst einmal abwarten. Ein Problem ist sicherlich, dass dieses ganze Gebiet jahrelang verwahrlost ist und es daher einen starken Vandalismus gibt, der von einzelnen 79 

Personen ausgeht. Es gibt da Bereiche, wo sich scheinbar jeder verewigt. Das sind nur ganz kleine Personengruppen, die sind aber sehr rabiat und gehen auch gezielt vor. Wir hatten voriges Jahr im Dezember die Situation, es war sogar am 24., dass da jemand einen Bienenwagen angezündet hat. Der hat dieses Jahr noch einmal zugeschlagen, allerdings war der Bienenwagen nicht genutzt. Jetzt ist der Bienenwagen weg. Der Schäfer hatte auch den Verdacht, dass ein Lamm gestohlen wurde, ob das stimmt, weiß ich nicht. Ich hatte den Eindruck, dass er selbst nicht so genau weiß, was passiert war. Der Vandalismus spielt schon eine große Rolle, den werden wir aber sicher mit der geordneten Nutzung des Geländes weiter zurückdrängen können. Wir haben mit dem Krankenhausträger da einen sehr starken Verbündeten, die haben ja auch Interesse, dass da Ruhe und Ordnung besteht. Wo wir noch eine Nutzergruppe reinbekommen können, die uns Probleme bereitet, das sind die Hundehalter. Es gibt einen großen Konflikt zwischen Hundehaltung und Tierhaltung, da muss man abwarten, wie sich das regelt. Es gibt auch Hundehalter, die lassen ihre Hunde schon einmal über die Weide springen. Ein dritter Faktor ist der Diebstahl von den Nutztieren, auch, dass die Nutztiere getötet werden, so etwas gab es immer schon. Das hat die Schafhaltung in der Stadt und am Stadtrand auch schon in den 80er Jahren erschwert, das ist keine neue Entwicklung. […] Es gibt in der Stadt Verrückte und damit muss man rechnen. Wie die sich da platzieren, das muss man sehen. Es reichen schon ein oder zwei Leute, die Ärger machen, das kann das ganze Projekt gefährden. Noch eine vierte Kategorie wäre die Tatsache, dass sich die Stadt weiterentwickelt, es gibt neue Nutzungsansprüche. Wir merken das bereits in den Randbereichen, wo viele mit dem Landschaftspark werben, also „wohnen am Landschaftspark“. Wenn man den Standort sieht und wo da etwas entwickelt wird, ist das fast schon manchmal skurril, aber man wirbt damit. Der Landschaftspark wird förmlich umzingelt von solchen Projekten. Wenn die erst einmal alle etabliert sind und eventuell auch noch Ein- und Zweifamilienhäuser kommen, dann kommen auch wieder andere Probleme dazu, beispielsweise die Katzenhaltung. Derzeit haben wir noch einen relativ kleinen Katzenbestand, der könnte dann wachsen, was aus Naturschutzsicht nicht unbedingt erstrebenswert ist. Neben den Vögeln leiden vor allem die Feldhasen darunter, momentan haben wir da im Landschaftspark einen recht guten Bestand. Katzen und Feldhasen scheinen sich nicht wirklich zu vertragen. In vielen Siedlungsgebieten in Ostberlin ist der Feldhase fast komplett verschwunden, in den Großwohnsiedlungen, wo kaum Katzen vorkommen, ist er gut etabliert. 80 

Dann natürlich immer wieder der Versuch von den Verkehrsplanern, zu einem Ergebnis zu kommen. Ich gehe davon aus, dass die Pläne bei den Kollegen im Tiefbauamt irgendeiner Schublade liegen und wenn die Zeit günstig ist, dann holt man sie doch wieder heraus. Die Chancen dafür werden aber immer schlechter, durch die Schutzgebietsausweisung sind da jetzt auch Tatsachen geschaffen worden, an denen man schlecht vorbei kommt. Ich sehe das mit einer gewissen Gelassenheit, trotz des innerstädtischen Standortes, die ja immer hochgradig gefährdet sind durch andere Nutzungsarten. In den nächsten 10 oder 20 Jahren ist die Entwicklung dort abgeschlossen. Die Stadtplanung sieht das differenziert, der ein oder andere bedauert, dass dort ein schöner Wohnstandort verloren gegangen ist, aber dafür kann man nun auch den Freiraum erhalten und entwickeln. Für den Stadtteil Lichtenberg ist das jedenfalls ein ganz großer Erfolg geworden. Der Stadtrat war am Anfang sehr skeptisch, aber jetzt verkauft er es auch schon als Erfolg. Wenn die Schafe Lämmer bekommen ist die Presse dabei und er lässt sich fotographieren. Das wird von der Kommunalpolitik schon geschickt genutzt. Dabei stehen wir auch erst am Anfang, da wird sich sicherlich noch viel Schönes ergeben. (Bringt der Schutzstatus Einschränkungen für die Landwirtschaft mit sich?) Nein, die Landwirtschaft ist ja als Nutzungsart erwünscht. Wir werden auch soweit, wie möglich versuchen, die Landwirtschaft zu entwickeln, sofern sie nicht mit den Schutzzielen kollidiert oder sich Beschränkungen ergeben, die man aufgrund anderer Nutzungen, zum Beispiel der Krankenhausnutzung, akzeptieren muss. Aber wir wissen auch, dass sich so etwas tendenziell ausdehnt, wenn sich die Tierhaltung erst einmal etabliert hat. Dann überlegen viele, ob man hier noch ein Schaf hinstellen kann und dort, das wird sicherlich noch zunehmen. Ausnahme sind die geschützten Biotope, die nur in Teilen mit landwirtschaftlich genutzt werden können, wir wollen zum Beispiel auch den Schulteich mit einer Beweidung pflegen oder in den Waldbereichen auf der Binnendüne, das muss man sehen. Ich kann es mir nicht so wirklich vorstellen. Wir haben da ja Eichen-Kiefern-Wälder, die entsprechend naturnah entwickelt werden sollen, da kann man keine Schweine im Wald halten. Obwohl die Biotopform, die geschützt ist, so allgemein gehalten ist, selbst da wäre wahrscheinlich noch ein Spielraum vorhanden. Aber da gehen wir erst einmal davon aus, wenn wir die Fläche vom Zeltlager entwickeln und die anderen Bereiche, dann haben wir schon sehr viel geschafft. (Wo sind die Schutzziele festgelegt?)

81 

Die haben wir mit der BA-Vorlage präzisiert. Hauptsächliche Schutzziele waren ja der Schutz und die Entwicklung der Biotope, da gilt das Bundesnaturschutzgesetz. Wir haben auf der einen Seite die Pfuhle als wertvolle Biotope und auf der anderen Seite die Binnendüne. Und dann haben wir darüber hinaus diese Eichen-Buchenwald-Fragmente im Norden. Da ist ja ein recht guter Rotbuchenbestand. Auf der Düne haben wir dann den Eichen-Kiefernwald-Bestand. Das sind natürlich relativ kleine Teile und der Gesetzgeber hat in Berlin die geschützten Biotope nach unten nicht begrenzt, da könne auch zwei Quadratmeter schon geschütztes Biotop sein, was bei einem Wald natürlich nicht praktikabel ist. Botaniker und Forstwissenschaftler würden sich vor Ort wahrscheinlich über den Status dieser Waldfragmente streiten. Das war für uns aber erst einmal nebensächlich. Wir hatten dort die Chance, diese Waldbereiche naturnah weiter zu entwickeln. Das soll keine intensiv gestaltete Parkanlage werden, das werden wir im Norden so machen und auch im Süden, mit dem Waldbereich, den wir vom KEH übernommen haben. In Teilen gibt es auch noch Fragmente am Regenwasserrückhalte-becken Lindenhof. Wir haben die Schutzgebietsgrenzen auch so vorgeschlagen, dass da die Parkanlagen vom Krankenhaus Lindenhof mit integriert wären. Das wird dann sicherlich den Verkauf wieder etwas einschränken, da sehe ich schon die Diskussion auf uns zukommen. Aber die Flächen dort sind wirklich so naturnah, die kann man nicht für eine bauliche Nutzung oder eine intensive Freiflächennutzung zur Verfügung stellen. Dann haben wir auch gesagt, wir brauchen noch den Biotopverbund an der Stelle. Diese innerstädtischen Standorte sind ja außerordentlich isoliert, wir müssen sie erst einmal miteinander vernetzten. Das haben wir auch getan durch die Entwicklung, wir legen jetzt auch mehrere neue Kleingewässer an. Wir vernetzen die Flächen auch durch die Herstellung von Wiesen und kleineren Gehölzstreifen und damit wird die Sache funktionsfähig. Dann gibt es auch das Schutzgut der Erholung. Da haben wir gesagt, die Flächen sollen so gestaltet werden, dass man sich auch erholen kann. Man kann dann auch Bereiche queren, zum Beispiel auf diesen Radwegen, die wir bauen. Das ist auch ein Kompromiss, dass wir akzeptieren, dass es in der Stadt den Bedarf zum Radfahren gibt und separate Radwege sind einfach schöner als die Streifen am Straßenrand, wo man nicht genau weiß, ob man überlebt oder nicht. Und da haben wir die Chance, separate Radwege durch eine schöne Landschaft zu führen. Wir müssen auch da wieder nach Möglichkeiten suchen, wie wir die Erholungssuchenden vor den Radfahrern schützen können. Das gesamte Wegesystem ist in sich noch etwas grob, da muss noch im Einzelfall darüber nachgedacht werden, wie man Konflikte entschärft. Es gab da auch 82 

Diskussionen im Rahmen vom Gesundheitspfad, wo wir festgestellt haben, dass da unterschiedliche Vorstellungen existieren. Ein Teil der Projektgruppe dachte, wir haben doch jetzt diesen breiten Radweg angelegt, von der Herzbergstraße auf die Orlopp-Straße, da haben wir doch einen Weg, warum sollte da im Rahmen des Gesundheitspfades noch ein zweiter Weg daneben gebaut werden. […] Da habe ich mich dann auf die Seite der Planerin vom Gesundheitspfad gestellt, denn man kann ja diesen Radweg nicht für die Erholung nutzen. […] Da müssen wir eine Entflechtung vornehmen, um Unfälle zu vermeiden. […] Da sind wir noch dabei , das zu entwickeln.

Experteninterview mit Frau Becker, Stadtplanung Berlin Lichtenberg, Nordlichtenberg Do. 15. Juli 2010, 10 Uhr, Alt Friedrichsfelde 60

Bitte beschreiben Sie kurz ihre Aufgaben in der Bezirksverwaltung Berlin Lichtenberg und in welcher Form sie bereits mit dem Landschaftspark zu tun hatten.    Vertritt nicht die Bezirksmeinung, sondern die Position der Stadtplanung Die Stadtplanung des Bezirks hat zum Projekt Landschaftspark Herzberge eine etwas andere Meinung, als der Bezirk (im Sinne des aktuellen politischen Willens) War für die Bereichsentwicklungsplanung (BEP) zuständig

Welche Vorgaben für die Entwicklung des Landschaftsparks kommen vom Bezirk Lichtenberg?  Durch die BEP („kleiner“ Flächennutzungsplan auf Bezirksebene, nicht parzellenscharf, aber blockscharf, darauf gibt es auch „Dissenzflächen“ = Konfliktflächen, bei denen sich die Planungen von Senat und Bezirk widersprechen)  In der BEP waren im Gebiet des Landschaftsparks lange Zeit Erweiterungsflächen für die Fachhochschule für Wirtschaft und Technik (FHTW) und das Krankenhaus freigehalten 83 

   

Es wurde jedoch festgestellt, dass diese nicht benötigt werden  2004 Idee des Landschaftsparks Anfangs sollte dies eine Zwischennutzung sein (auf 10 Jahre befristet) In diesem Zusammenhang sollte der Standort beworben werden und Flächen entsiegelt und saniert werden, was auch im Interesse der Stadtplanung lag Mit der Verstetigung der Nutzung war die Abteilung Stadtplanung nicht einverstanden, nach mehreren Dissenzrunden im Bezirk, entschieden sich die Stadträte für den dauerhaften Erhalt des Landschaftsparks

 

Einflussnahme des Weiteren über Argumentieren, Untersuchungen und Beplanung des Umfeldes (z.B. Genehmigung von Wohnungsbau in der Nähe) Interesse des Bezirks gilt vor allem der Stabilisierung der Wohngebiete, darum wird auch die Anbindung dieser an den Landschaftspark als sehr wichtig erachtet

Welches  

sind

die

offiziellen

Planungsdokumente,

die

die

Entwicklung

des

Landschaftsparks strukturieren? (Flächennutzungspläne, Stadtteilentwicklungspläne, etc.) BEP, Landschaftsplan des Amt für Umwelt und Natur In den Planungsdokumenten ist der Park „Außenbereichsinsel“  andere Nutzungen als im Innenbereich vorgesehen (darum kann zum Beispiel auch die Aktion Tier als „tierheimähnliche“ Einrichtung die Fläche nutzen)  Kein Bebauungsplan für das Gebiet

Wie flexibel sind die Planungen - Wie genau ist die Entwicklung vorgegeben und inwieweit kann auf aktuelle Veränderungen eingegangen werden?  Pläne sind in hohem Maße informell (BEP ist relativ unscharf (nur blockscharf) und mit der Zwischennutzung auf anderen Grundlagen geplant (also inzwischen inaktuell), keine Bebauungspläne für das Gelände)   Informationsfluss innerhalb der Behörde und mit der Projektentwicklung gestaltet sich oft schwierig, was ebenfalls die Planungssicherheit verhindert Steuerung liegt eher in Händen der Projektentwickler (Agrarbörse) und beim Amt für Umwelt und Natur

84 

Ist der Landschaftspark auf Dauer angelegt oder wird die Möglichkeit einer anderweitigen Nutzung offen gehalten?  Eigentlich als Zwischennutzung angelegt (ursprünglich für 10 Jahre), dann jedoch durch den Schutzstatus, den das Umweltentlastungsprogramm (UEP) vorschreibt Verstetigung des Landschaftsparks Gibt oder gab es von Seiten des Bezirks Wünsche, das Gelände noch anderweitig zu entwickeln? (Bebauung etc.?)      Generelles Interesse des Bezirks ist die Stabilisierung der angrenzenden Wohngebiete (insbesondere Rhinstraße)  Landschaftspark ist diesem Interesse zuträglich, ABER: Stadtplanung des Bezirks wollte im Südteil des heutigen Landschaftsparks ein „Wohngebiet mit hohem Grünanteil“ einrichten, welches in einen Park eingebettet ist Großes Potential für lockere Bebauung in Lichtenberg Außerdem: Abtrennung des Industriebahnnetzes des Gewerbegebietes vom restlichen Schienennetz Nördlicher Schienenzugang bereits vor ein paar Jahren durch die Planungen für IKEA Lichtenberg entwidmet  Gleise im Gewerbegebiet müssten jetzt von Süden angebunden werden  Diese Strecke führt durch das Gelände des Landschaftsparks und ist mit einer Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet ebenfalls nicht mehr machbar (Bahnflächen müssen freigestellt werden)  Zwischennutzung der Gleisanlagen als Rad- oder Fußweg wäre für die Stadtplanung des Bezirks in Ordnung, aber eine Entwidmung der Flächen würde einen wichtigen Standortvorteil des Gewerbegebiets Herzbergstraße beseitigen   Südanschluss wäre aber generell nur die „Notlösung“ gewesen, da die Strecke Wohngebiete beeinträchtigen würde („Der Fehler ist im Norden passiert“) Auf dem Gelände des Kinderkrankenhauses Lindenhof soll nach dessen Wegzug ein Standort für hochwertiges Wohnen entstehen, dafür wäre Schienenanbindung im Süden auch hinderlich gewesen  Straßenverbindung zwischen der Siegfriedstraße und der Rhinstraße, die in der BEP noch als Option enthalten ist, ist nach der Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet ebenfalls nicht mehr möglich 85 

     

Weiterer Konfliktpunkt: Mitnutzung des Gebäudes durch die „Aktion Tier“ Als „tierheimähnliche“ Nutzung durch die Stadtplanung als problematisch gesehen Beeinträchtigung der Erholungsfunktion des Landschaftsparks durch Lärm + Erschließungsprobleme Wird auch für die Entwicklung des Landschaftsparks nicht als zuträglich gesehen Die Stadtplanung des Bezirks Lichtenberg hat den „Antrag auf Vorbescheid“ der Aktion Tier abgelehnt, was allerdings vom Senat gekippt wurde Bezirksstadtplanung übergangen, Bezirk (die Stadträte) kann jetzt nur noch über Verträge Einfluss nehmen (und so z.B. die Haltung von Hunden verhindern)

Gab es in der Vergangenheit Konflikte mit der Agrarbörse oder sonstigen Akteuren bezüglich der Projektentwicklung?  Siehe oben, insbesondere die Notwendigkeit des Schutzstatus durch das Umweltentlastungsprogramm  „davon waren wir gar nicht begeistert“ und der Konflikt um „Aktion Tier“ Gab es Vorbehalte bezüglich des Schutzstatus?    Für Schutzgebietsausweisungen ist die Senatsverwaltung zuständig Oben angesprochene Konflikte durch die Verstetigung des Projekts Landschaftspark Möglicherweise auch schwierig für gewerblich landwirtschaftliche Nutzung und für Aktion Tier Gibt es Planungen das Projekt oder den Projektansatz zu rezipieren? (Insbesondere in der Herzbergstraße)  Nein, Gewerbegebiet Herzbergstraße, insbesondere der Rand auf der Seite des Landschaftsparks, wird als stabil erachtet

86 

Fragebogen der Nutzerbefragung im Landschaftspark Herzberge
1. Für welche Aktivitäten nutzen Sie den Landschaftspark? a. Im Augenblick? ________________________________________________________________________________________ b. Sonst? ________________________________________________________________________________________ ________________________________________________________________________________________ 2. Wie oft besuchen Sie den Landschaftspark? mehrmals in der Woche seltener

mehrmals im Monat

mehrmals im Jahr

ich besuche den Landschaftspark zum ersten Mal

Wenn mehrmals in der Woche, im Monat oder im Jahr: Seit wann kommen Sie in den Landschaftspark? erst seit diesem Jahr seit Projektbeginn

schon länger als 2008

3. Was schätzen Sie am Landschaftspark Herzberge gegenüber gewöhnlichen Parks und Grünflächen? ________________________________________________________________________________________________________ ________________________________________________________________________________________________________ _______________________________________________________________________ 4. Was wünschen Sie sich für das Gelände oder was fehlt Ihnen? ________________________________________________________________________________________________________ ________________________________________________________________________________________________________ ____________________________________________________________________ 5. dient? Wussten sie, dass auf dem Gelände gerade ein Landschaftspark entwickelt wird, der auch dem Schutz der Natur Ja Nein

6. Könnten Sie sich vorstellen, an der Entwicklung des Landschaftsparks teilzuhaben? (z.B. bei der Pflege von Flächen, Teilnahme an runden Tischen etc.) Ja Nein _____________________________________________________________________________________________ 7. Wo kommen Sie her? ____________________________________________________________________________________________ Einschätzung Altersgruppe (Nachfrage, wenn nicht eindeutig) jünger als 18 Geschlecht: männlich Besuchte den Park… allein als Paar als Familie in der Gruppe weiblich 18 bis < 40 40 bis < 60 60 und älter

Vermerk – Angetroffen im Nordteil oder im Südteil Nordteil Südteil

87 

Nutzerbefragung im Landschaftspark Herzberge
Termine: Sa. 31.07.2010 (15 bis 18 Uhr) – Prätest Fr. 06.08.2010 (16 bis 19 Uhr) Sa. 07.08.2010 (14 bis 19 Uhr) Mi. 25.08.2010 (15 bis 19 Uhr) Do. 26.08.2010 (15 bis 19 Uhr) Sa. 28.08.2010 (14 bis 19 Uhr) So. 29.08.2010 (14 bis 19 Uhr)

Rohdaten der Erhebung: je Tabelle 5 Befragte (Spalten) (Altersklassen mit AK abgekürzt)
Frage 1 Frage 2a Nein Radfahren (Arbeitsweg), zufällig besichtigen, -mehrmals in der Woche seit diesem Jahr mehr Naturschutz, Artenvielfalt, ruhiger dass es so bleibt, mehr Grün für Berlin Nein Prenzlauer Berg AK 2 m allein Süd Ja Entspannung, Sitzen, Lesen Nein Radfahren (Arbeitsweg, sonst anderer) -zum ersten Mal -mehr Natur Nein Radfahren (Besuch im KEH) -mehrmals im Jahr seit diesem Jahr sichtbare Geschichte, viele Funktionen Wegeausbau, Radwege, Zugänge Nein Lichtenberg AK 3 w allein Süd Nein Spazieren

Frage 2b Frage 3a Frage 3b Frage 4

Frage 5

Spazieren mit Kind mehrmals in der Woche seit diesem Jahr sichtbare Geschichte des Geländes, Vegetation Spielplatz, Springbrunnen Ja Lichtenberg (Anwohner) AK 2 w Familie Süd

-zum ersten Mal -mehr Natur, keine Grill- und Liegeflächen mehr Schilder, mehr Zugänge Nein Friedrichshain AK 2 m Paar Süd

--

Frage 6 Frage 7 statistische Angaben

Nein Hellersdorf AK 3 m allein Süd

88 

Frage 1 Frage 2a Frage 2b

Nein Radfahren (Arbeitsweg) --

Ja Entspannung, Sitzen, Sonnen Spazieren, Radfahren mehrmals in der Woche seit Projektbeginn Tiere

Ja Fußweg von der Straßenbahn --

Ja Joggen --

Frage 3a Frage 3b Frage 4

mehrmals in der Woche seit diesem Jahr mehr Natur, Artenvielfalt, keine Grill- und Liegeflächen --

mehrmals in der Woche seit diesem Jahr --

mehrmals in der Woche seit diesem Jahr mehr Natur, Vegetation

Ja Radfahren (Freizeit) Natur angucken, Hund ausführen mehrmals in der Woche länger als 2008 Ruhe, Natur, kein Müll und keine Partys Schilder und Wege, Café oder Imbiss Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 4 m allein Süd

Frage 5

Spielplatz für Kinder Ja Lichtenberg (Anwohner) AK 2 m allein Süd

Angebote für Kinder Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 1 w Familie Süd

Schafkacke stört

Frage 6 Frage 7 Statistische Angaben

Nein Friedrichshain AK 2 m allein Süd

Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 2 m allein Süd

Frage 1 Frage 2a Frage 2b

Ja Hund ausführen auf die Wiese legen, Entspannen, Spazieren mehrmals in der Woche seit diesem Jahr Ruhe, Tiere, Unzugänglichkeit

Ja Tiere füttern Freizeit, Spazieren

Nein Radfahren (Sport) --

Nein Radfahren (Arbeitsweg) --

Ja Radfahren (Freizeit) Joggen

Frage 3a Frage 3b Frage 4

Frage 5

passt so, soll so ruhig bleiben

Frage 6 Frage 7 statistische Angaben

Ja Lichtenberg (Anwohner) AK 2 m Paar Süd

mehrmals im Monat seit Projektbeginn Tiere, Revitalisierung, soziale Funktionen dass das Projekt weitergeht, Finanzierung gesichert ist Ja Lichtenberg (Anwohner) AK 4 m Familie Süd

mehrmals im Jahr seit diesem Jahr Tiere, wilder und natürlicher mehr Tiere

Zum ersten Mal -Therapien, Unzugänglichkeit

mehrmals in der Woche seit Projektbeginn wilder, Ruinen, abwechslungsreich

Verkauf von Bioprodukten

Erweiterung des Geländes, neue Wege Nein Marzahn AK 3 m allein Süd

Nein Friedrichshain AK 2 m allein Süd

Ja Hohenschönhausen AK 3 w allein Süd

89 

Frage 1 Frage 2a Frage 2b Frage 3a Frage 3b Frage 4

Ja Spazieren Vögel beobachten mehrmals in der Woche länger als 2008 Landwirtschaft stört: Bäume wurden abgesägt, „die haben alles totgemacht“, Ruinen stören mehr Bäume, Gastronomie Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 4 m allein Süd

Nein Hunde ausführen -mehrmals im Monat seit diesem Jahr Wildnis, mehr Natur

Nein Weg zur Bahn -mehrmals in der Woche länger als 2008 --

Nein Entspannung, Sitzen -mehrmals im Jahr seit diesem Jahr --

Ja Joggen Radfahren mehrmals in der Woche seit Projektbeginn mehr Natur, die Schaugärten, Ruhe, Schafe

Frage 5 Frage 6 Frage 7 statistische Angaben

-Nein Lichtenberg (Anwohner/Gast) AK 2 w allein Süd

-Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 2 m allein Süd

-Nein Kreuzberg AK 2 m allein Süd

soll so ruhig bleiben Ja Lichtenberg (Anwohner) AK 3 w allein Süd

Frage 1 Frage 2a Frage 2b Frage 3a Frage 3b Frage 4

Ja Hund ausführen, Besuch im Hospiz -seltener länger als 2008 seit Projektbeginn behindern die Zäune, kann nicht mehr mit Hund spielen weniger Zäune, mehr Wildnis, Picknickecke, Bänke Nein Prenzlauer Berg (eigentlich Teneriffa) AK 3 w allein Süd

Ja Sitzen und Entspannen Radfahren, Tiere angucken mehrmals in der Woche seit Projektbeginn Tiere, Vielseitigkeit, Ruhe, mehr Natur was für Kinder, Kontakt zu Tieren fördern, Umweltbildung Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 2 m Gruppe Süd

Nein Sitzen und Entspannen Radfahren mehrmals im Monat seit Projektbeginn Ruhe, Natur

Nein Kleingarten nutzen Spazieren, Tiere angucken mehrmals in der Woche seit diesem Jahr Ruhe, Tiere

Nein Spazieren, Besichtigen -zum ersten Mal -ungewöhnlich, vielseitig

Frage 5

--

Schaukel

mehr Schafe, Liegewiese

Frage 6 Frage 7

Nein Schöneberg

Nein Köpenick

Nein Schöneberg

statistische Angaben

AK 4 m Gruppe Süd

AK 2 w mit Familie Süd

AK 2 m Paar Süd

90 

Frage 1 Frage 2a

Nein Spielen, in der Wildnis toben

Nein Spielen, in der Wildnis toben

Nein Fahrrad (Freizeit)

Frage 2b Frage 3a Frage 3b Frage 4

-mehrmals im Monat ?? --

-mehrmals im Monat ?? „bisschen anders“ -Nein Berlin, Garten am Park AK 1 w Gruppe Nord

-zum ersten Mal -Tiere, Vergangenheit des Geländes -Nein MarzahnHellersdorf AK 3 m allein Süd

Nein vom Kindergarten nach Hause spazieren -mehrmals in der Woche seit diesem Jahr Tiere, Infos

Ja vom Einkaufen nach Hause

-mehrmals in der Woche seit Projektbeginn Schafe, Geblöke -Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 3 m allein Süd

Frage 5 Frage 6 Frage 7 statistische Angaben

-Nein Berlin, Garten am Park AK 1 m Gruppe Nord

-Nein Lichtenberg AK 2 m Familie Süd

Frage 1 Frage 2a Frage 2b Frage 3a Frage 3b Frage 4

Ja Kleingarten nutzen Schafe mit Enkeln angucken, füttern mehrmals in der Woche länger als 2008 Ruhe, räumliche Nähe

Frage 5

--

Ja Flächenpflege (berufliche) Erholung, Sitzen mehrmals in der Woche seit Projektbeginn Industrievergangenheit, Revitalisierung, der Job mehr Schilder, Zugänge, mehr Sicherheit Ja Lichtenberg (Anwohner) AK 3 m Gruppe Süd

Ja Kleingarten nutzen Spazieren mehrmals im Monat länger als 2008 überschaubare Größe, räumliche Nähe Straße vor den Kleingärten fertigstellen Ja Lichtenberg AK 3 w Familie Süd

Ja Kleingarten nutzen mit dem Hund gehen mehrmals in der Woche länger als 2008 Wald in der Stadt

Ja Kleingarten nutzen Joggen, Schafe angucken mehrmals in der Woche länger als 2008 wild, mehr Natur, Schafe

Frage 6 Frage 7 statistische Angaben

Ja Lichtenberg AK 4 w Paar Süd

Straße fertigstellen, kein Trubel oder Lärm Nein Köpenick AK 3 m Paar Süd

was für Schulklassen, Zugänge Ja Lichtenberg AK 2 m Familie Süd

91 

Frage 1 Frage 2a Frage 2b

Ja Kleingarten nutzen Spazieren, Schafe angucken mehrmals in der Woche länger als 2008 nahes Grün, unberührte Natur

Frage 3a Frage 3b Frage 4

Frage 5

Frage 6 Frage 7 statistische Angaben

Liegewiese, mehr Sicherheit, kein Trubel Ja Lichtenberg AK 2 w Familie Süd

Ja Schafe hüten (beruflich) Instandsetzung usw. (berufliches) mehrmals in der Woche seit Projektbeginn Tierbestand, Vielfalt der Nutzung, Einzigartigkeit passt so

Ja Radfahren (Freizeit) hat dort gearbeitet mehrmals im Monat länger als 2008 in Lichtenberg gibt es so etwas sonst nicht, Arbeit soll so ruhig bleiben, mehr Sicherheit Ja Lichtenberg AK 2 m Gruppe Süd

Nein Radfahren (Arbeitsweg) Radfahren (Freizeit) mehrmals in der Woche seit einem Jahr naturbelassen, Wildnis

Ja Arbeitsweg zu Fuß Spazieren

mehrmals in der Woche seit Projektbeginn was zum Angucken (Tiere, Ruinen) Bänke

--

Ja Hönow AK 2 m allein Süd

Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 2 m allein Süd

Ja Lichtenberg (Anwohner) AK 2 w allein Süd

Frage 1 Frage 2a Frage 2b

Nein Arbeitsweg mit Rad --

Nein Arbeitsweg mit Rad, erkunden --

Ja Spazieren Schafe streicheln, besichtigen zum ersten Mal -Tiere, insbesondere Schaf Alex, der Wald -Nein Nimwegen, in Berlin: Schöneberg AK 2 w Gruppe Süd

Ja Flächenpflege (beruflich) --

Ja Radfahren zum Friedhof --

Frage 3a Frage 3b Frage 4

mehrmals in der Woche seit diesem Jahr Landschaftspark ? versteckt, wild

zum ersten Mal -urwüchsig, versteckt, Geschichte erkennbar Schilder, Zugänge Ja Köpenick

mehrmals in der Woche seit Projektbeginn Schafe

mehrmals in der Woche länger als 2008 früher war es besser, Schafe

Frage 5 Frage 6 Frage 7

-Nein Biesdorf

-Ja Lichtenberg

mehr Ordnung, Ruinen weg Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 4 m allein Süd

statistische Angaben

AK 2 m allein Süd

AK 3 w allein Süd

AK 3 m Gruppe Süd

92 

Frage 1 Frage 2a

Ja Spazieren mit Heimbewohnern Radfahren mehrmals in der Woche seit Projektbeginn räumliche Nähe, Ruhe

Nein Spazieren

Ja Joggen

Ja Vögel beobachten Spazieren, Joggen mehrmals in der Woche länger als 2008 Ruhe, räumliche Nähe, Vielseitigkeit (Schafe, Vögle usw.) Sicherheit (insb. Nordteil), Toiletten, Bänke Nein Marzahn AK 4 m allein Süd

Frage 2b Frage 3a Frage 3b Frage 4

Schafe angucken zum ersten Mal -versteckt, Schafe

-mehrmals in der Woche seit Projektbeginn Nähe, besondere Natur, Ruhe

Nein Weg nach Hause (zu Fuß), Verbindungsweg -mehrmals im Monat länger als 2008 --

Frage 5

Toilette

Zugänge, Beschilderung, Infos Ja Hohenschönhausen AK 2 w Familie Süd

Erweiterung Rangierbahnhof, Wege dort Nein Lichtenberg AK 3 m allein Süd

--

Frage 6 Frage 7 statistische Angaben

Nein EJF, (Anwohner) AK 2 w Gruppe Süd

Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 2 m allein Nord

Frage 1 Frage 2a

Nein mit Freunden treffen BMX fahren mehrmals in der Woche länger als 2008 mehr zu machen (Ruinen, Berge), stört keiner --

Nein Freunde treffen, sitzen -mehrmals in der Woche länger als 2008 keiner stört, man kann mehr machen --

Nein „möchte ich nicht sagen“ -mehrmals im Monat länger als 2008 keine Leute, ungestört, Natur (wilder) kein Tamtam, soll ruhig bleiben Nein Lichtenberg AK 2 m allein Nord

Ja mit dem Hund spazieren -mehrmals in der Woche länger als 2008 keine Leute, Hund kann frei laufen, Wildnis alles gut

Frage 2b Frage 3a Frage 3b Frage 4

Nein Spazieren, Besichtigen (Neugier) -zum ersten Mal -naturbelassener, freier entwickelt --

Frage 5

Frage 6 Frage 7 statistische Angaben

Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 1 m Gruppe Nord

Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 1 w Gruppe Nord

Nein Lichtenberg AK 3 m Paar Nord

Nein Marzahn AK 2 w Gruppe Süd

93 

Frage 1 Frage 2a

Ja Spazieren, Entdecken -mehrmals im Monat seit diesem Jahr mehr Natur, Unbekanntheit

Ja Erholen, Vögel beobachten Fotographieren mehrmals im Monat seit diesem Jahr Tiere, Obstbäume, Naturbelassenheit, viele verschiedene Funktionen wenig Vögel, Verkauf von Obst oder Wolle am Standort Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 3 w allein Süd

Ja Gassi gehen, Spazieren Kleingarten nutzen mehrmals in der Woche seit Projektbeginn Wald, ruhiger

Frage 2b Frage 3a Frage 3b Frage 4

Nein Radfahren (Freizeit), Erkunden -zum ersten Mal -mehr Öko, Tiere, anderer Charakter --

Ja Radfahren (Freizeit) -zum ersten Mal -landwirtschaftlich geprägt

Frage 5

Frage 6 Frage 7 statistische Angaben

mehr verschiedene Tiere, Möglichkeiten für Schulklassen Nein Lichtenberg AK 2 w Gruppe Süd

Bänke

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Ja Lichtenberg AK 4 w allein Süd

Nein Biesdorf AK 3 w Gruppe Süd

Nein Biesdorf AK 3 m Gruppe Süd

Frage 1 Frage 2a Frage 2b Frage 3a Frage 3b Frage 4

Ja Hund ausführen -mehrmals in der Woche länger als 2008 „jetzt kann ich`s nicht mehr nutzen“ - alles abgezäunt (Hund!) mehr Wiesen, die man betreten darf Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 2 w allein Süd

Ja Schafe angucken Radfahren (Freizeit) mehrmals im Monat länger als 2008 Natur ist immer gut

Ja Spazieren -mehrmals im Monat seit Projektbeginn groß, übersichtlich, Schafe zum Angucken Bänke

Nein Spazieren Schafe angucken zum ersten Mal -Vielfältigkeit, Natur, Schafe, „unangetastet“

Ja Sitzen, Sonnen Radfahren mehrmals im Jahr erst seit diesem Jahr ruhig, versteckt, wenig Leute

Frage 5

Frage 6 Frage 7 statistische Angaben

alles fein, etwas Kontrolle im Nordteil Ja Lichtenberg AK 4 w Paar Süd

Bauruinen stören

--

Ja Marzahn AK 4 m allein Süd

Nein Wartenberg Siedlung AK 3 w Familie Süd

Nein Pankow AK 2 m Familie Süd

94 

Frage 1 Frage 2a

Frage 2b Frage 3a Frage 3b Frage 4

Ja Erholung, Entspannung, Sitzen Radfahren, Schafe angucken mehrmals im Jahr erst seit diesem Jahr ruhig, viele Bäume Wasser oder Tümpel, Verkauf von Landwirtschaftserzeugnissen Nein Friedrichshain AK 2 w Familie Süd

Ja Schafe füttern

Ja Radfahren (Freizeit) -mehrmals im Monat seit diesem Jahr Schafe, Radwege Ruinen beseitigen, Rangierbahnhof fertig stellen Ja Lichtenberg AK 3 w Familie Süd

Nein Vögel beobachten Radfahren mehrmals im Jahr länger als 2008 Ruhe, Wald, weniger Menschen alles gut so

Nein Klinikbesuch, Spazieren -zum ersten Mal ---

Spazieren mehrmals in der Woche länger als 2008 „Minitierpark“, Revitalisierung, Ruhe dass alles so bleibt, verschiedene Tiere Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 3 w Paar Süd

Frage 5

--

Frage 6 Frage 7 statistische Angaben

Nein Lichtenberg AK 4 m allein Süd

Nein Ahrensfelde AK 3 m Familie Süd

Frage 1 Frage 2a

Frage 2b Frage 3a Frage 3b Frage 4

Ja Spazieren mit Heimbewohnern, Erholen -mehrmals in der Woche seit diesem Jahr weniger Menschen, Nähe Bademöglichkeit, Bänke, Grillplatz, Kiosk Nein Lebensraum Herzbergstraße (Anwohner) AK 2 w Gruppe Süd

Nein Klinikbesuch, Spazieren, Chillen -zum ersten Mal -leerer, Schafe

Ja Erholen, Sitzen

Ja Spazieren

Schafe angucken mehrmals im Jahr seit diesem Jahr mehr Naturschutz, Schafe mehr Liegewiesen Nein Lichtenberg

Frage 5

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Frage 6 Frage 7

Nein Hohenschönhausen

Radfahren, Fotographieren mehrmals im Monat seit Projektbeginn interessanter, vielseitig, Ruinen, Graffiti was für Kinder (Infos, Naturlehrpfad) Nein Pankow

Nein „schwierig zu sagen“, einen Freund treffen -zum ersten Mal -ruhiger

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Nein Schöneberg

statistische Angaben

AK 1 w Gruppe Süd

AK 2 w Paar Süd

AK 2 m allein Süd

AK 2 m allein Nord

95 

Frage 1 Frage 2a

Nein will er nicht sagen, „nennen wir`s spazieren“ -zum ersten Mal -„unberührt“ dass es nicht bebaut oder entwickelt wird Nein Hohenschönhausen AK 2 m Gruppe Nord

Frage 2b Frage 3a Frage 3b Frage 4 Frage 5

Nein „bin zu einer Party eingeladen, ist was schwules“ -zum ersten Mal -Ruinen, Ruhe --

Nein „das möchte ich eigentlich nicht sagen“ -mehrmals im Monat seit diesem Jahr ---

Nein Treffpunkt, Sitzen, Rauchen

Nein Treffpunkt, Chillen

-mehrmals in der Woche länger als 2008 nah dran --

-mehrmals in der Woche länger als 2008 nah dran --

Frage 6 Frage 7 statistische Angaben

Nein Prenzlauer Berg AK 2 m allein Nord

Nein Friedrichshain AK 2 m allein Nord

Nein Lichtenberg AK 1 m Gruppe Nord

Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 1 w Gruppe Nord

Frage 1 Frage 2a Frage 2b Frage 3a Frage 3b Frage 4

Frage 5

Nein mit Hunden spazieren -mehrmals in der Woche länger als 2008 Ruhe, kann Hund laufen lassen, Nähe --

Nein Radfahren (hineinverirrt) -zum ersten Mal -wild, unheimlich (Rad-) Wege

Ja Arbeitsweg (laufend) -mehrmals in der Woche länger als 2008 --

Frage 6 Frage 7 statistische Angaben

Nein Lichtenberg (Anwohner) AK 2 w allein Nord

Nein Pankow AK 4 m allein Nord

bessere Wege, Sicherheit (Vandalismus) Nein Pankow AK 2 m allein Nord

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