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Full text: Jahresbericht ... Issue 2015

Jahresbericht 2015

Teil A Einführung
Inhalt
Teil A
Einführung
1. Leitbild und Profil
2. Schlüsselprozesse
3. Berichterstattung
4. Lehr-Lernprozesse
5. Evaluation und Controlling
6. Weiterentwicklung
Teil B
Fachübergreifende/verbindende Themen
1. Konzept und Ziel
2. Bedarfserhebung
3. Angebot und Nachfrage
4. Einblick in ausgewählte Bereiche der Fortbildung
5. Ausblick und Schlussfolgerungen

Seite 3

Seite 9

Arbeitsfeld 1 Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit
1. Fachliche Ausrichtung auf dem Hintergrund der Bedarfserhebungen
2. Einblicke in ausgewählte Bereiche der Fortbildung
3. Gremienarbeit und Kooperationen
4. Ausblick und Schlussfolgerungen

Seite 12

Arbeitsfeld 2 Kindertagesbetreuung und Kindertagespflege
1. Fortbildungsplanung und Konzeption
2. Zielsetzungen
3. Einblicke in ausgewählte Bereiche der Fortbildung
4. Evaluation des Programmangebots
5. Ausblick

Seite 22

Arbeitsfeld 3 Hilfen zur Erziehung und Fachdienste der Jugendämter
1. Einblicke in ausgewählter Bereiche des Fortbildungsangebotes
2. Gremienarbeit und Kooperation
3. Schlussfolgerungen und Perspektiven

Seite 31

Teil C
Statistische Übersicht
Daten aus der Seminar- und Teilnehmerstatistik

Seite 42

2
SFBB Jahresbericht 2015

Teil A Einführung

Teil A

1. Leitbild - Profil
Auf Grundlage des Sozialgesetzbuch VIII (Kinder- und Jugendhilfe) qualifiziert das SFBB die
sozialpädagogischen Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe in Berlin und Brandenburg, damit
sie in ihren pädagogischen Arbeitsfeldern Mädchen und Jungen fördern, junge Menschen vor
Gefahren für ihr Wohl schützen, Eltern bei der Erziehung beraten und unterstützen, sowie
dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für Kinder , Jugendliche und Familien zu erhalten.
Grundhaltung der Fortbildungsarbeit ist eine systemische, ressourcenorientierte Sichtweise auf
alle sozialpädagogischen Fragestellungen. Ohne Bildungsinvestitionen in die tätigen Fachkräfte
laufen fachpolitische Ansätze leer.
In vielfältigen Veranstaltungsformen bietet das SFBB die Möglichkeit Wissen zu aktualisieren
und zu erweitern, die Kompetenzen der Fachkräfte zu sichern. Das SFBB berät und unterstützt
in Einrichtungen und Diensten, initiiert und entwickelt thematische Diskurse, moderiert
Prozesse, kooperiert mit Ausbildungs- und Fortbildungseinrichtungen. Methodisch orientiert sich
das SFBB an modernen Formen der Jugend- und Erwachsenenbildung und setzt fachliche
Inhalte in Bezug zum beruflichen Alltag der Teilnehmenden.
Das Fortbildungsprogramm ist geprägt durch einen ständigen Qualitätskreislauf von
Bedarfserhebung, Analyse der Entwicklungsanforderungen, Themendefinition, Durchführung der
Veranstaltungen und Evaluation. Das SFBB greift Impulse aus Wissenschaft und Praxis auf und
fördert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. Interkulturelle, inklusive und Gender Fragestellungen durchlaufen das Angebot. Wichtig bleiben die Wirksamkeit der Angebote für
die Praxis und der Transfer für die Praxis.
Zielgruppe sind alle Fachkräfte mit ihren unterschiedlichen sozialpädagogischen Ausbildungen
und in ihren verschiedenen Funktionen. Die Fortbildung setzt in der Regel auf dem Niveau des
Deutschen Qualitätsrahmens Level 6 (Fachschule / Bachelor) auf. Darüber hinaus werden auch
ehrenamtlich und nebenberuflich tätige Fachkräfte beteiligt und insbesondere Quer- und
Seiteneinsteiger /-innen gefördert.
Das SFBB nimmt die Aufgaben der überörtlichen, landesweiten Fortbildung für die Länder
Berlin und Brandenburg und die Aufgaben aus der gesamtstädtischen Verantwortung Berlins
wahr. Fachliche Impulse werden aus beiden Ländern aufgegriffen und das Profil als
gemeinsamer Lernort für Flächenstaat und Stadtstaat ausgebaut. Als landeseigene
Fortbildungseinrichtung wird die Umsetzung jugendhilfepolitischer Entwicklungen
gewährleistet. Durch die Mitarbeit in Gremien und Fachausschüsse ist der Transfer der fachliche
Innovation und Kooperation gesichert.
Das Programm richtet sich an ca. 69.000 tätige Personen in der Berliner und Brandenburger
Kinder- und Jugendhilfe, im Wesentlichen die Berufsgruppen der Erzieher/-innen, Sozialarbeiter/innen, sonstige pädagogisch/ psychologische Fachkräfte, teilweise Verwaltungsmitarbeiter/innen.
Die Veranstaltungen finden bedarfsgerecht an unterschiedlichen Standorten statt. Das
Jagdschoss Glienicke ist zentraler Sitz und wegen der Lage in der Potsdam – Babelsberger
Weltkulturerbe Landschaft von besonderer Bedeutung.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil A Einführung
2. Schlüsselprozesse im SFBB
1. Bedarfserschließung
Gesetzliche
Vorgaben,
parlamentarische
Auftragslagen,
fachpolitische
Anliegen,
Trägererfordernisse oder aktuelle Ereignisse beeinflussen die Programmgestaltung des SFBB.
Die fachlichen Ziele der Fortbildung sind orientiert an den Vorgaben und Rahmenbedingungen
der Landesregierungen. Der Bedarf für das Fortbildungsangebot wurde und wird bei allen
öffentlichen und vielen freien Trägern erhoben. Einschätzungen zu Entwicklungsanforderungen
der Fachbereiche, Handlungskompetenzen der Fachkräfte und thematische Anforderungen an
die Arbeitsfelder werden aufgegriffen, in Veranstaltungsformate übersetzt und zu einem
Programm zusammengeführt. Der Programmentwurf wird im Beirat der Jugendämter Berlins
und im Brandenburger Landesjugendhilfeausschuss abgestimmt, bevor Ministerium und
Senatsverwaltung die Veröffentlichung autorisieren. Das Programmheft wird in einer Auflage
von 10.000 Exemplaren in beiden Ländern über die eingeführten Verteiler verbreitet.
Aktualisierungen sind unter: www.sfbb.berlin-brandenburg.de ersichtlich.

2. Programmentwicklung
Das Angebot des SFBB wird grundsätzlich für beide Bundesländer geplant, grundsätzlich sind
alle Veranstaltungen des SFBB für Fachkräfte aus beiden Bundesländern zugänglich.
Ausgenommen davon sind: Veranstaltungen, die im gesamtstädtischen Auftrag Berlins nur für
Beschäftigte Berlins angeboten werden,
•
•

Veranstaltungen, die sich wegen unterschiedlicher landesgesetzlicher Regelungen nur an
Fachkräfte eines Landes wenden,
Veranstaltungen zu landesspezifischen Konzepten, Programmen etc., die vorrangig auf
Fachkräfte des jeweiligen Landes zielen.

Die Veranstaltungsplanung liegt in den Händen der hauptamtlichen Fortbildungsreferenten
(Dozenten /-innen). Der Planungsprozess erfolgt aufgrund der Bedarfsmeldungen auf fachlicher
Grundlage in Abstimmung mit den verantwortlichen Ministerien und / oder kooperierenden
öffentlichen und / oder freien Trägern. Die Veranstaltungen werden in verschiedenen Formaten
angelegt:
• Fachtagungen
richten
sich
als
Tagesveranstaltungen
mit
hohem
Informationscharakter an Zielgruppen von 50 bis zu 600 Personen,
• Seminare umfassen idR 12 bis 25 Teilnehmer /-innen, sind 2 bis 5 tägig und
werden methodenvielfältig, teilnehmerorientiert, themenzentriert durchgeführt.
• Reihen bestehen aus mehreren Veranstaltungsmodulen für eine „geschlossene“
Teilnehmergruppe, oftmals mit dem Ziel ein Zertifikat der Weiterbildung zu
erwerben.
• Trainings verstärken „vorgegebene“ Verfahrensabläufe in Arbeitseinheiten (zB
Kinderschutz, Fallteamarbeit, Hilfeplanung) Workshops und Supervisionen ergänzen
das Angebot.
3. Berichterstattung
Mit diesem vorgelegten Jahresbericht werden die Leistungen des Jahres 2015
zusammenfassend dargestellt. Unterjährig berichtet das SFBB über den Fortbildungsverlauf dem
SFBB Lenkungsgremium, dem Beirat der bezirklichen Jugendämter und auf Anfrage den
Landesjugendhilfeausschüssen.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil A Einführung
4. Lehr – Lern – Prozess
Damit die Fachkräfte die an sie gerichteten Ansprüche erfüllen können, benötigen sie laufend
bedarfsgerechte Fortbildungen, die sich sowohl auf die individuelle Kompetenzentwicklung als
auch auf fachliche Themen orientieren. Wirksamkeit und Transfer für die Praxis der
Arbeitsfelder ist oberste Leitlinie der Fortbildung. Das SFBB bündelt erprobte Konzepte und
setzt Impulse für innovative Verfahren. Das „gelungene Lernen“ braucht eine motivierende
Atmosphäre in der Lerngruppe. Wesentlich ist eine gute Balance von Themenbezug,
Gruppenbezug und Subjektbezug. „Gelungenes Lernen“ gründet auf einer Kultur der
gegenseitigen Wertschätzung, entwickeltem Feedback und der Wechselwirkung mit dem
Praxisfeld. Die angebotenen Lerninhalte werden mit den subjektiven Lerninteressen verbunden,
sie bieten Gelegenheit Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen. Gute
Bedingungen für die Lernenden drücken sich aus in Methodenvielfalt, Methodenwechsel,
Gelegenheit zum Üben, Erproben, durch eine erwachsenengerechte Atmosphäre und
Gestaltung, durch hochwertige Seminar- und Medienausstattung und ein gutes Verpflegungsund Übernachtungsangebot.
Die Veranstaltungen werden von den hauptamtlichen Fortbildungsreferent/-innen fachlich
gemanagt und mit Gastdozenten /-innen, Referenten /-innen, Moderatoren und Honorarkräften
verantwortlich durchgeführt.
Fortbildung richtet sich auf die wichtigen Vorhaben einer umfassenden Qualitätsentwicklung in
Einrichtungen in freier und öffentlicher Trägerschaft und in den Diensten der Jugendämter. Die
Qualifizierung zielt im Wesentlichen auf die Förderung der Handlungskompetenz der Fachkräfte
zur Stärkung für ihre professionelle Arbeit in der Kindertagesbetreuung, in Einrichtungen der
Jugendarbeit und der Erziehungshilfe, aber auch auf die Aufbau- und Ablauforganisation der
Jugendämter.
Im vergangenen Jahr hat die Fachkräftedebatte auch das SFBB beschäftigt. Da über eine zu
geringe Anzahl an Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt (d.h. staatlich anerkannte Erzieherinnen,
Sozialpädagogen) auf dem Arbeitsmarkt vorhanden ist, haben Berlin und Brandenburg die
Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten für „Quereinsteiger/ -innen“ geöffnet. Das SFBB
hat für die bestimmten Berufsgruppen Seminare und Reihen ausgewiesen, die notwendiges
Basiswissen vermitteln.
Im Jahr 2015 wurde das SFBB mit einem Sofortprogramm zu Flüchtlingsthemen beauftragt. In
kurzer Zeit wurden Tagungen und Seminare für die Zielgruppen entwickelt, die mit Kindern,
Jugendlichen und Familien mit Fluchterfahrung zu tun haben.
Das Aufgabengebiet „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ (UMF) hat erhebliche rechtliche
Implikationen für die zuständigen Fachbereiche der Kinder- und Jugendhilfe, die Integration
von Kindern in die Tagesbetreuung und von Jugendlichen in die stationären Einrichtungen und
Wohngemeinschaften hat überwiegend pädagogische Fragestellungen. Hier setzen sich die
Kinderschutzdebatte und die Bildungsdiskussion in fortbildnerisches Handeln um.
Vormundschaften haben für die Zielgruppe der UMF eine erweiterte Bedeutung bekommen,
interkulturelle Kompetenz wird zu einem verstärkten Element im Erziehungshandeln. Die
Hilfeplanung erhält für die Zielgruppe der Minderjährigen angesichts der neuen
bundesgesetzlichen Regelungen zur vorläufigen In Obhutnahme von ausländischen Kindern und
Jugendlichen nach unbegleiteter Einreise einen hohen Stellenwert. Die Fachkräfte der Kinderund Jugendhilfe wurden plötzlich mit Asylrecht, Aufenthaltsregelungen, Verteilungsquoten und
differenzierten
Vormundschaftsverfahren
konfrontiert,
deren
Inhalte
in
Fortbildungsveranstaltungen erarbeitet werden. Große Bedeutung hat ebenso die Schulung zur
Haltung gegenüber geflüchteten Familien aus anderen Kulturkreisen, mit anderem
Erziehungsverhalten, fremder Rollenzuschreibung und Geschlechterbilder.
Überlegt werden weiterhin berufliche Weiterbildungsmaßnahmen für „anerkannte“ Flüchtlinge,
die helfen könnten, den Fachkräftemangel insbesondere im Erziehungsbereich zu beheben.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil A Einführung
Aufgrund von Ausbildungs- und Sprachbarrieren Folgerungen für die Fortbildungsaktivitäten
gezogen werden.
Themen der großen Tagungen mit „um die“ 100 Teilnehmenden, die den Anspruch einer
fachpolitischen Steuerungsfunktion hatten, waren auszugweise:
Netzwerkarbeit im Kinderschutz,
Konstituierung einer AG § 78 SGB VIII zu Flüchtlingsfragen,
Jugendarbeit im Bezirk
Projekte in Kitas planen: Erfahrungen im deutsch – polnischen Austausch,
Gute Schule: Die Inklusion kommt
10 Jahre gelebte Sozialraumorientierung in Berlin
Kick off – Jugendberufsagentur
Salutogenese in der Schulsozialarbeit
Multiplikatoren zur Begleitung interner Evaluation in Kitas
Kinder- und Jugendhilfebedarf von Flüchtlingsfamilien
Interkulturelles Konfliktmanagement mit Jugendlichen
Fachdialog Leiter /-innen in stationären Einrichtungen in Brandenburg
Jugendhilfetag in Frankfurt Oder,
Prävention von häuslicher Gewalt
Fachtag Jugendhilfe und Schule
Jugendkulturen zwischen Islam und Islamismus
Lotsenfachtag: Zusammenarbeit mit Eltern
Zielerarbeitung in der Hilfeplanung
Fortbildungsworkshops auf dem Spielemarkt Hermannswerder
Systemsprenger – Kinder und Jugendliche, an denen die Jugendhilfe scheitert,
Medienkompetenz verbindet
Förderung gesellschaftlichen Engagements in der Jugendarbeit
Bundesinitiative Frühe Hilfen: Netzwerke und interdisziplinäre Zusammenarbeit
Geschlossene Unterbringung alternativlos?
5 Jahre bezirkliche Rahmenkonzepte zur Kooperation von Schule und Jugendhilfe
Bundestagung zum Video Home Training
Das neue Elterngeld und Betreuungsgeld
Familienförderung in Berlin: Diskurs zum § 16 SGB VIII
Qualitätsentwicklung – Umsetzung des § 79 a SGB VIII – aber wie?
Jugendarbeit baut Brücken. Geflüchtete Kinder und Jugendliche sind Kinder und Jugendliche.
Fachtag für externe Evaluator /-innen zum BBP für Kitas und Kindertagespflege: Schwerpunkt
„Projektarbeit“
Perspektiven unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Brandenburg im Kontext der
Jugendhilfe
Außerdem informierten sich Delegation aus Litauen, Österreich, Russland und Tschechien über
die Arbeit des SFBB und die Fortbildungskonzeption. Es gab interessante Fachgespräche im
europäischen und internationalen Vergleich. Aufgrund des Bologna – Prozesses sind erheblich
mehr Anknüpfungspunkte festzustellen, als in früheren Jahren.
4. Evaluation und Controlling
1. Die Teilnehmenden aus Berlin und Brandenburg haben sich auf die Angebote eingelassen,
sie werden nach Abschluss der Veranstaltung befragt. Die Evaluationsergebnisse des Jahres
2015 fließen in die anlaufende Planung für 2017 ein.
Inhaltlich wird jedes Seminar ausgewertet, darüber hinaus werden Einzelfragen (Anfangszeiten,
Aufenthalt, Verkehrsanbindung uä) mit Sondererhebungen befristet evaluiert.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil A Einführung
Eine Befragung zum Thema „Freistellung und Kostenträgerschaft“ für die Fortbildung ergab,
dass die Teilnehmenden überwiegend in ihrer Arbeitszeit zur Fortbildung gehen und dass das
Teilnahmeentgelt überwiegend vom Arbeitgeber übernommen wird. Fahrtkosten und
Übernachtungskosten werden überwiegend nicht übernommen.
2. Die Mengen der Teilnehmenden, der Teilnahmetage und Teilnehmerkursstunden stellen sich
als Zeitreihe von 2007 bis 20141 folgendermaßen dar:

TN2
TNT3
TNKst

2007
23.986
53.108
371.389

2008
28.791
42.400
367.501

2009
27.686
41.441
372.340

2010
27.913
42.723
324.990

2011
26.557
41.701
324.160

2012
27.404
43.397
324.941

2013
27.774
41.528
315.681

2014
27.362
42.424
318.526

2015
26.242
41.241
320.819

4

Für das Berichtsjahr 20155 liegen auswertbare Daten aus zwei IT Erfassungssystemen vor.
3. Bezogen auf die möglichen zu erbringenden Fortbildungsmengen ist festzustellen, dass die
vorhandenen Kapazitäten6 ausgelastet sind und die vorgegebenen Ziele erfüllt wurden.
Die personellen Kapazitäten sind soweit ausgereizt, dass die Fortbildungsmenge bei
gleichbleibendem Personal- und Honorarbestand nicht weiter gesteigert werden kann.
4. Leistungen für Übernachtung und Verpflegung
Innerhalb des SFBB läuft eine Kosten – Leistung – Rechnung für die Produkte Fortbildung,
Verpflegung, Übernachtung und Weltkulturerbe.
Fortbildung am Standort Glienicke ist ohne das Angebot von Mahlzeiten nicht denkbar.
Verpflegung und Übernachtung sind integrale Bestandteile des Aufenthalts zum Zweck der
Fortbildung.
Die Lage der Bildungsstätte, die Wohnorte der TN in Berlin und Brandenburg, die Fahrzeiten,
die Dauer der Veranstaltungsformate spielen bei der Betrachtung des Gesamtkonzepts von
Bildung, Verpflegung und Übernachtung eine wesentliche Rolle. Diese Betrachtungen haben
auch im Zuge der Verhandlungen zum Staatsvertrag dazu geführt, dass die Versorgung mit
Übernachtung und Verpflegung (Küche, Service, Hauswirtschaft) im Eigenbetrieb als die der
Erfüllung des gesetzlichen Fortbildungsgebots am besten dienende Alternative beibehalten
wurde.
5. Die Teilnahmeentgelte sind nicht beliebig steigerbar. Die Entgelte werden in Abstimmung
mit dem MBJS Brandenburg festgesetzt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die
Teilnehmerentgelte an den allgemeinen Einkommensverhältnissen des Adressatenkreises
orientiert und „angemessen“ gestaltet sein müssen. Der überwiegende TN-Kreis setzt sich aus
der Berufsgruppe der Erzieherinnen zusammen, die in Entgeltgruppe E 6 bis E 8 und (auch) in
Teilzeit beschäftigt ist. Das Teilnahmeentgelt musste 2015 angehoben werden, der Standard
wurde gesenkt. Auch die Preise für Übernachtung wurden um 15% angepasst. Die Frage der
Kostendeckung unterliegt parlamentarischen Beratungen, für die hoffentlich im Interesse der

1

Daten der HSM Auswertung und der Kosten – Leistung - Rechnung
Beendete Teilnahmen einzeln erfasster natürlicher Personen
3
Teilnahme x Dauer (in Tagen)

2

4

5

Bereinigung der Erfassung ab 2010: Ohne Fremdseminare, Ohne Doppelzählung bei Reihen, ohne Dozenten.

Daten aus dem HSM und der neuen Bildungsmanagementsoftware „Antrago“
6
12 zügiger Seminarbetrieb, 240 Tagesteilnehmer, 220 Öffnungstage pro Jahr, max. 10% Fremdbelegung.

7
SFBB Jahresbericht 2015

Teil A Einführung
Berufsgruppe der Erzieher /-innen und Sozialpädagogen /-innen laufend sozialverträgliche
Lösungen gefunden werden. Für 2016 wird lediglich die Tagungspauschale erhöht.
6. Die Beschäftigten sind arbeitsvertraglich verpflichtet, an dienstlicher Fortbildung
teilzunehmen, wobei die Kosten dienstlicher Fortbildung regelmäßig der jeweilige Arbeitgeber/
Dienstherr tragen sollte. Dieser Verpflichtung wird durch die Länder Berlin und Brandenburg
im Falle des SFBB Rechnung getragen, indem zur Steigerung der Inanspruchnahme der
Fortbildung die eigentliche Bildungsleistung für die TN entgeltfrei gestaltet wird.
Es besteht der Wille der verantwortlichen Behörden, den Zugang zur Fortbildung kostenseitig
so niedrigschwellig und die Rahmenleistungen so zielgruppenverträglich wie möglich zu
gestalten. Kostendeckende Preise für Übernachtung und Verpflegung würden dem Ziel zur
Erreichung von hohen TN-Quoten zuwiderlaufen.
7. Die Kapazitäten und die Infrastruktur des SFBB sind auf einen maximal 12-zügigen
Dauerbetrieb (max. 240 Teilnehmer/-innen pro Tag) am Standort Glienicke ausgerichtet. Die
räumlichen Verhältnisse, das Verhältnis von Seminar- zu Arbeitsgruppenräumen, die Kapazitäten
im Speisesaal geben den Rahmen für die Veranstaltungsmenge vor. Mehr Züge einzurichten ist
jedoch bereits aufgrund der baulichen Voraussetzungen und mit Blick auf die Qualität der
Fortbildung nicht durchführbar. Da an Orten außerhalb (dezentral / regional) kein TN Entgelt
anfällt, werden die Kapazitäten „inhouse“ bedarfsgerecht in Anspruch genommen.
5. Weiterentwicklung
Im Jahr 2015 wurden die Vorgaben und Quoten7 des Staatsvertrags auf der
organisatorischen, fachlichen und finanziellen Ebene vollständig erfüllt. Der Stellenplan des
Staatsvertrags ist stabil, die Stellen sind besetzt bzw. werden im Zuge der natürlichen
Fluktuation laufend nachbesetzt. In Bezug auf Abwesenheiten, Krankenstände,
Vertretungssituationen ist nach 8 jährigem SFBB Betrieb festzustellen, dass die Personaldecke
nur dann ausreicht, wenn alle Stellen durchgängig besetzt sind und die Abwesenheitsquote
(Krankheit, Erziehungsurlaub, Fortbildung, u.ä ) gleich Null ist. Krankenstand, Teilzeitanteile und
Besetzungslücken führen jedoch spürbarer Vertretungslast.
Die Entwicklungsaufgaben innerhalb des SFBB beziehen sich vor allem auf den verbesserten
Einsatz
technischer
Möglichkeiten
der
Seminarplanung,
im
Anmeldeverfahren,
Qualitätsentwicklung für Lehre und Didaktik in der Erwachsenenbildung.
Die Software „Antrago“ wird aktuell ausgebaut, um den Planungs- und
Bearbeitungskreislauf des Jahresprogramms zu vereinfachen, anzupassen, um Doppelarbeiten zu
vermeiden und Lücken in der Datenerfassung und Datenweiterverarbeitung im System zu
schließen. Die Teilnehmer/ -innen erhalten komfortablere Möglichkeiten der „web-Anmeldung“.
Die interne Qualitätsentwicklung orientiert sich an dem Konzept der „Lernerorientierten
Qualitätsentwicklung“ (LQW) des Hannoveraner Instituts ArtSet. Es gibt einen Leitfaden
Fortbildung, Ablaufpläne für die Schlüsselprozesse und ein Leitungskonzept.
Die Bauarbeiten der Investitionsmaßnahme wurden abgeschlossen, Maßnahmen der
baulichen Unterhaltung werden laufend durchgeführt. Die Zweckbindung der eingesetzten
Investitionsmittel für die berufliche Fort- und Weiterbildung schreibt die Nutzung der mit GRW
Finanzierung errichteten Gebäude auf 20 Jahre fest, so dass der Standort und Nutzung bis
2030 stabil bleiben dürfte.
7

Quote der Aufgaben: kommunal Berlin zu länderspezifisch Berlin – Brandenburg: 34%:66%
Quote im länderspezifischen überörtlichen Aufgabenbereich: Berlin 61% - Brandenburg 39 %

8
SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Teil B
Fachübergreifende und verbindende Themen
1. Konzept und Ziel
Das fachübergreifende Fortbildungsangebot ergänzt und flankiert die Qualifizierungsangebote
für die Arbeitsfelder im Programm des SFBB. In der Planung des Jahresprogramms fragen wir
stets: Welche der genannten Bedarfe beziehen sich auf Themen und Kompetenzen, die
arbeitsfeldunabhängig zu qualifizieren sind?
Mit einem arbeitsfeldübergreifendem
Fortbildungsangebot können Wissen und Können für Querschnittsthemen und für
sozialpädagogische Schlüsselkompetenzen vermittelt werden. Gleichzeitig können - durch die
heterogene Gruppe der Teilnehmenden - explizit und implizit Themen der Zusammenarbeit und
Vernetzung (mit-) bearbeitet werden. Die Teilnehmenden schätzen diese fachlichen
Begegnungen „über den Tellerrand“ der Arbeitsfelder, der Bundesländer, der Professionen. Die
Entscheidung über die Platzierung von Themen, in den Angeboten der Arbeitsfelder oder im
fachübergreifenden Programmbereich, wird vom Team des SFBB in seinen Programmklausuren
getroffen. Das Programmangebot ist also immer arbeitsfeld- und länderübergreifend konzipiert
und legt den Fokus auf grundlegende Schlüsselkompetenzen sozialpädagogischer Fachkräfte.
2. Bedarfserhebung für 2015
Die wichtigste Quelle für die Bedarfsermittlung ist die stabile Nachfrage für alle
Veranstaltungen im Fachübergreifenden Bereich. Wir verstehen dies auch als Aufforderung, im
Kern, das entwickelte Programmangebot fortzuschreiben. Viele Fachkräfte gehen den Weg einer
systematischen Qualifizierung ihrer Schlüsselkompetenzen, in dem sie über einen längeren
Zeitraum Seminarthemen bewusst auswählen. Im Zentrum stehen dabei die Themen „Leiten
und Führen“ sowie „Gesprächsführung und Beratung“ und „Moderation“.
Einführungs- und Basiskurse werden ebenso gebraucht wie Vertiefungs- und
Spezialisierungsseminare. Weiterhin mischen sich in die Nennung der „Fachthemen“ auch die
Bedarfe und Bedürfnisse der Fachkräfte, sie in ihrer Selbstsorge (präventiv) zu unterstützen Themen wie Zeit- und Selbstmanagement, Work-life-balance, Burnout-Prophylaxe und auch
Supervision werden genannt. Weiterhin aktuell ist der Bedarf der Fachkräfte, die in den
Einrichtungen „Anleitungsaufgaben“ für die Neu- und Seiteneinsteiger/innen übernehmen. Dies
betrifft insbesondere die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher an Fachschulen, verstärkt
aber auch die Begleitung von Praktikanten/-innen der Fachhochschulen, hier insbesondere der
Fachhochschulen aus Berlin.
In der zweiten Jahreshälfte 2015 erreichte uns mit ziemlicher Vehemenz das Thema: wie
reagiert die Kinder- und Jugendhilfe auf die gesellschaftliche Herausforderung, die mit einer
„großen Zahl“ von geflüchteten Kindern Jugendlichen und Familien in Deutschland - in Berlin
und Brandenburg, einhergehen. Die erste Idee: wir müssen sofort Qualifizierungsangebote „auf
den Markt“ bringen, das war und ist inhaltlich völlig zutreffend. Aber „nicht sofort“. Die Praxis
signalisiert(e) Qualifizierungsbedarf, hat aber direkt und unmittelbar „keine Zeit“ dafür. Bis zum
Jahresende ist einiges angelaufen, was dann 2016 in eine systematischere Planung übergeht.
3. Angebot und Nachfrage
Für die 91 geplanten Seminare im SFBB-Programm und die 6 zusätzlichen Fachtage und
Seminare war die Nachfrage unterschiedlich stark. Nur sechs Veranstaltungen mussten wegen
zu geringer Nachfrage oder kurzfristigem Ausfall der Dozentinnen abgesagt werden. Zwischen
den sieben Themenschwerpunkten wurde eine bedarfsgerechte Umverteilung der Mittel

9
SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
vorgenommen: Zugunsten einer Stärkung der Leitungs- und Beratungsthemen. Ergänzt wurde
der Themenschwerpunkt „Vielfalt von Lebenswelten gestalten“ - wie in den Vorjahren auch durch über 60 Seminare, die der Projektträger Queerformat im Rahmen des SFBBKooperationsprojektes „Initiative Sexuelle Vielfalt“ in Berliner Bezirken für Fachkräfte aus Berlin
angeboten hat.
Für 2015 liegen uns - wegen der Einführung der neuen Datenbank - keine differenzierten
Daten aus der Seminar- und Teilnehmerstatistik für das Programmangebot im
fachübergreifenden Bereich vor. Da sich die Rahmendaten für das Programmangebot 2015
nicht verändert haben, können wir im Hinblick auf Angebot, Nachfrage und Inanspruchnahme
von ähnlichen Werten wie 2014 ausgehen und verweisen an dieser Stelle auf den Jahresbericht
2014.
Das fachübergreifende Programmangebot verfolgt drei Schwerpunkte: a) Aktuelle Themen und
Konzepte der Kinder- und Jugendhilfe, b) Qualifizierung der agogischen Kompetenzen: Leiten,
Beraten, Moderieren, c) Selbstmanagement und Selfcare der Fachkräfte.
4. Einblick in ausgewählte Bereiche der Fortbildung
Zum Schwerpunkt a) „Aktuelle Themen und Konzepte der Kinder- und Jugendhilfe“
zählen wir die Themen: „Strukturentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe“, „Vielfalt von
Lebenswelten gestalten“ und „Mit Eltern im Dialog - Stärkung der Bildungs- und
Erziehungskompetenz“.
„Strukturentwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe“: Insgesamt wächst die Nachfrage
für die Fortbildungsreihe zur Praxisanleitung (88 Ustd.) weiter an, weil die Zahl der Quer-und
Seiteneinsteiger/innen in den Einrichtungen (Kindertagesbetreuung und Hilfen zur Erziehung)
zunimmt. Damit wachsen auch die Ansprüche an eine qualifizierte Anleitung oder Mentoren.
Ende 2015 ist es gelungen, einerseits Ressourcen für eine Verstärkung des Angebotes 2016 zu
akquirieren und gleichzeitig den Dozent/-innenpool zu verdoppeln. Damit kann das erfolgreiche
Kurskonzept 2016 bedarfsgerechter angeboten werden. Das Kurskonzept versteht sich
didaktisch und methodisch auch als ein „Modelllernen“ für die Teilnehmenden, die in der
Seminarreihe eine Bildungsbegleitung und Herausforderung durch die Kursdozenten/-innen
erfahren, die sie übertragen können auf ihre Aufgabe der Praxisanleitung in ihrer Einrichtung.
Hier stehen die Stärkung der Reflexionskompetenzen und das selbstorganisierte Lernen stark im
Mittelpunkt. Unterstützt wird die Transfersicherung durch ergänzende Praxisaufgaben und
einen Follow-up-Tag. Zusätzlicher Bedarf kam - ebenso wie in den Vorjahren - aus der Gruppe
der „Konsultationseinrichtungen Fachkräfteausbildung“ in Brandenburg. Für diese Zielgruppe
wurde 2015 ein zusätzlicher Kurs zur Praxisanleitung mit sehr guter Resonanz durchgeführt.
Die Nachfrage für das Thema „Praktikanten/-innen sozialpädagogischer Hochschulen qualifiziert
anleiten“, erfolgt insbesondere von Fachkräften aus Berlin. Auch hier zeigt sich für 2015/2016
ein erhöhter Bedarf, weil die systematische Begleitung der zusätzlich eingestellten
Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in den Bezirken geplant ist. In der Entwicklung eines
„neuen“ Qualifizierungskonzeptes kann die 2012/2013 mit dem SFBB erarbeitete Handreichung
zum Thema einfließen. Diese Handreichung beschreibt Ziele und Aufgaben, Verfahrenswege
und Instrumente zur Praktikantenanleitung und wird über die Homepage des SFBB der Praxis
zur Verfügung gestellt.
Das Themenfeld „Vielfalt von Lebenswelten gestalten“ vereint 16 Fortbildungsangebote,
die sich auf der einen Ebene mit den Dimensionen von Diversity (Alter, Geschlecht, sexuelle
Orientierung oder Identität, Behinderung, ethnische Zugehörigkeit, Religion und
Weltanschauung, soziale Herkunft) und damit einhergehenden Ausgrenzungs- und
Diskriminierungsmechanismen beschäftigen.

10
SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Zum anderen werden Themen aufgegriffen, die die vielfältigen Lebenswelten und
Lebensthemen aufgreifen, in denen Jugendliche sich bewegen, bzw. Lebenswelten, die ihren
Alltag prägend strukturieren, beeinflussen oder auch beeinträchtigen.
Weitere Informationen zum Fortgang des Projektes „Initiative Sexuelle Vielfalt“ (Projektträger
Queerformat) finden sich in Berichtsteilen der Arbeitsfelder Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit und
Kindertagesbetreuung.
„Mit Eltern im Dialog - Stärkung der Bildungs- und Erziehungskompetenz“: Das SFBB
unterstützte den gemeinsamer Fachtag „Familienförderung in Berlin: Was ist möglich Was ist nötig? Diskurs zum § 16 SGB VIII“, der einen Auftrag der Arbeitsgemeinschaft
Berliner Öffentliche Jugendhilfe (AGBÖJ) beinhaltete, zur Durchführung eines Fachdiskurs, um
strategischer Ziele für die Weiterentwicklung des § 16 SGB VIII abzustimmen und daraus
ableitend Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Federführend dabei waren die
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft und die UAG Familienförderung. Zur
Analyse der Situation in den Berliner Bezirken unternahmen die Jugendämter mit Unterstützung
der Senatsverwaltung eine Bestandserhebung der Angebote. Ziel des Fachtags war neben einer
wissenschaftliche Darstellung der Wirksamkeit von Familienförderung, den Dagmar Müller als
wissenschaftliche Referentin des Deutschen Jugendinstituts referierte, Familienförderung als
Kernaufgabe des Jugendamtes zu formulieren und eine Vorlage an die AG BÖJ mit
entsprechenden Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Die Vorlage zu § 16 SGB VIII wurde
zwischenzeitlich in der AG BÖJ mit breiter Zustimmung angenommen, weitere Arbeitsschritte
sind geplant.
Die zweite Fachtagung Familienzentren in Berlin: Konkrete Unterstützung für Familien!
fand wiederum als Kooperationsveranstaltung mit der Servicestelle Berliner Familienzentren, der
Stiftung SPI statt. Frau Klebba, Staatssekretärin für Jugend und Familie würdigte die
Entwicklung und die Bedeutung der Berliner Familienzentren. Wichtige Entwicklungslinien und
einen Paradigmenwechsel in der Zusammenarbeit mit Eltern thematisierte Frau Prof. Dr. Sigrid
Tschöpe-Scheffler in ihrem Vortrag mit dem Fokus auf der besonderen Qualität in der
Zusammenarbeit mit Eltern. Dr. Frank Gesemann stellte die Ergebnisse der Evaluation der
Berliner Familienzentren aus dem Landesprogramm vor, welche vom Institut für Demokratische
Entwicklung und Soziale Integration (DESI) erarbeitet wurden. Ziel des Fachtags war es, alle
Akteure im Feld der Berliner Familienzentren anzusprechen - unabhängig von ihrer Förderung
und Finanzierung und in eine aktive Kooperation und einen konkreten Austausch zu bringen.
Das SFBB unterstützt weiterhin die Netzwerktreffen der Berliner Familienzentren als Fachund Austauschgremium aller Akteure im Feld mit Moderation und Fachreferenten/-innen.
Themenschwerpunkte waren die Bedeutung von Familienförderung und Aufgaben eines
Familienzentrums, z. B. wurde das Positionspapier des Bundesverbandes der Familienzentren
diskutiert sowie die Erfahrungen mit Familien, die geflohen sind, ausgetauscht.
Der jährliche „FuN“ Fachtag fand zum Thema Resilienz und Bindung: Was Kinder und
Eltern stärkt statt. Das SFBB führt seit 2011 die „FuN“- Qualifizierungen zum FuN
Teamer/in für die drei unterschiedlichen „FuN“-Programme erfolgreich in Kooperation mit dem
praepaed-Institut und den im SFBB ausgebildeten Trainer/-innen durch. Jedes Jahr wurden
bisher die Programmvarianten FuN-Familie und Nachbarschaft, FuN-Baby und FuN-Beruf und
Lebensplanung durchgeführt. Der Fachtag bietet sowohl einen fachlich-thematisch
ausgerichteten Austausch als auch die Gelegenheit, in verschiedenen Arbeitsgruppen das FuNProgramm praktisch kennenzulernen. Ebenso findet der Praxisaustausch bereits qualifizierter
Teamer/innen statt.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Arbeitsfeld Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit
1. Fachliche Ausrichtung auf dem Hintergrund der Bedarfserhebungen
2. Einblicke in ausgewählte Bereiche der Fortbildung in Berlin und Brandenburg
3. Kooperationspartner und Gremien, Ausblick und Schlussfolgerungen
1. Fachliche Ausrichtung auf dem Hintergrund der Bedarfserhebungen
Laut SGB VIII (KJHG, §11,1) sind „jungen Menschen die zur Förderung ihrer Entwicklung
erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen an den
Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden,
sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu
sozialem Engagement anregen und hinführen“. Die Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit
stellen somit Bildungsorte non-formaler, informeller Bildung und demokratischer
Bildungsprozesse dar, deren Stellenwert nach wie vor nicht entsprechend berücksichtigt wird.
Die Sicherung und Finanzierung der bestehenden Einrichtungen und Angebote der
Jugendarbeit stellt in den Bezirken und Landkreisen weiterhin eine große Herausforderung dar.
In den Bedarfsmeldungen wird diese Sachlage immer wieder thematisiert in dem Anspruch auf
Weiterentwicklung und Qualitätsentwicklung des Arbeitsfeldes trotz immer „dünneren
Finanzen“, die oft nur noch stark reduziert in kurzfristige Projekte fließen und damit nicht die
notwendige Stetigkeit, Ruhe, Kontinuität und Nachhaltigkeit bieten können.
Das Fortbildungsprogramm des SFBB orientiert sich bei der Angebotsplanung sowohl an den
gesetzlichen Grundlagen als auch an den jährlichen ermittelten Bedarfen und gestaltet sein
Fortbildungsangebot entsprechend, wobei die Bedarfserhebungen ein wesentlicher Baustein zur
Gestaltung des Jahresprogramms sind. Die Ansprechpartner bei der Bedarfserhebung sind
sowohl die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft des Landes Berlin, das
Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) des Landes Brandenburg als auch freie
Träger von Jugendfreizeiteinrichtungen und Jugendprojekten, Mitarbeitende der
Jugendämter/Jugendförderung der Bezirke und Landkreise wie die Regionalen
Sachbearbeitungen Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit, Praxisberater/innen und Fachberater/innen
bei öffentlichen und freien Trägern. Hinzu kommen die Rückmeldungen aus den
Evaluationsbögen der Seminarteilnehmenden und die Empfehlungen der Honorardozenten/innen sowie der Teilnehmenden der Fortbildungsveranstaltungen.
Ein großer Teil der Bedarfsmeldungen erfolgt auch unterjährig und wird dann entsprechend
regional vor Ort in den Bezirken oder Landkreisen umgesetzt.
Bedarfsmeldungen waren u.a.: Werteorientierung, - diskussion, -vermittlung, Kenntnisse der
Grundlagen von Partizipation (Ziele, Stufen, Methoden), Vermittlung und Durchsetzung von
Regeln, Qualitätsentwicklung (Arbeit mit dem Qualitätshandbuch u.a.), Arbeit mit Zielen, Nähe
und Distanz bei der „Beziehungsarbeit“, Aufgaben der Jugendarbeit / Aufgaben der Schule Wie gestalte ich die Kooperation? Arbeit mit stark verhaltensauffälligen (ggf. aggressiven)
Kindern und Jugendlichen, Gewaltprävention, Umgang mit politisch extrem orientierten
(gewaltbereiten) Jugendlichen, Risiken und Gefahren von Medien(-konsum) für Kinder u.
Jugendliche, Identität und Identifikation in/mit PeerGroups, Kinderschutz, Arbeit mit
geflüchteten Kindern und Jugendlichen, Kooperationsmanagement, Umgang mit neuen Medien,
Sucht- und Gewaltprävention, Basiswissen Kinderschutz, Ressourcenblick, Akquise von
Drittmitteln/ Antragstellung, Elternarbeit.
Für Brandenburg: Methoden der Lebensweltanalyse, Grundlagen sozialpädagogischer Beratung,
Medienkompetenz, Suchtprävention und -intervention, Umgang mit Rechtsextremismus im
ländlichen Raum, Gewinnung von unterstützenden Kräften, Entwicklung von Ehrenamt und
Erreichbarkeit der Jugendlichen im ländlichen Raum.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Einblicke in ausgewählte Bereiche der Fortbildung für Berlin und Brandenburg
Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit in Berlin
Zum Abschluss des Projektes Multiplikatorenfortbildung zur „Förderung gesellschaftlichen
Engagements von benachteiligten Jugendlichen“ (GEBe) im Rahmen von „jung bewegt“ der
Bertelsmann Stiftung fand im Januar 2015 ein Trägertreffen und ein Fachtag am 23. April
2015 statt, um die Verstetigung des Ansatzes zu diskutieren. Seit März 2014 wurden 23
Berater/innen im Hinblick auf die Zielgruppe theoretisch und praktisch ausgebildet Die
Grundidee ist dabei, dass ausgebildeten Peer-Multiplikatoren/-innen pädagogische Teams
anderer Jugendfreizeiteinrichtungen bei der Umsetzung der GEBe-Arbeitsweisen beraten. Zu
zweit oder dritt wurde je ein Team einer Jugendfreizeiteinrichtung begleitet, wobei das Team
dabei unterstützt wurde, ein eigenes Projekt gesellschaftlichen Engagements mit den
Jugendlichen im Haus zu deren Themen umzusetzen. Der Fachtag mit 100 Teilnehmenden
vermittelte diese dabei erworbenen Methoden und Praxiserfahrungen an die Fachkräfte. Einige
Bezirke setzen die Multiplikatoren/-innen bereits z.B. träger- oder bezirksintern erfolgreich ein,
wobei die Finanzierung immer wieder ein Hindernis darstellt.
Das SFBB förderte eine weitere Qualifizierung der Multiplikatoren/-innen zur Profilschärfung und
besseren Verbreitung ihres Angebots. Für 2016 ist eine Seminarreihe zur Methodik mit den
Multiplikatoren/-innen als Dozenten/-innen geplant, um die Verstetigung weiter voranzubringen.
Die Fachtagung Medienkompetenz verbindet - Ideenwerkstatt zur Kooperation von
Jugendarbeit und Schule für Berlin und Brandenburg im April in Kooperation mit MBJS,
SenBJW, Lisum, Landesfachverband Medienbildung Brandenburg e.V. und weiteren Partnern aus
Berlin wie bits 21 fand im SFBB statt. Schwerpunkt war insbesondere die praktische
Anwendung der vorgestellten Methoden und Medien mittels YouTube, Musik-Apps etc. sowie
eine Ideenbörse zum direkten Kontakt mit möglichen Kooperationspartnern für gemeinsame
Projekte. Die Fachtagung wird in 2016 weiterhin als Kooperationsprojekt angeboten.
Austauschtreffen der Sozialraumkoordinatoren/-innen/
der regionalen pädagogischen Sachbearbeitungen für Jugendarbeit (RSB)
Das SFBB unterstützt die Zusammenarbeit und Koordination des Gremiums. Ziel ist,
Jugendarbeit in den Bezirken zu stärken. Im Mittelpunkt der Austauschtreffen stand der
Erfahrungs- und Fachaustausch unter den Verantwortlichen der Berliner Bezirke sowie die
Erarbeitung und Diskussion eines Arbeitspapiers zur Situation der Jugendarbeit in den Berliner
Bezirken insbesondere auch die Auseinandersetzung mit der Kosten- und Leistungsrechnung als
Steuerungsinstrument. In weiteren Treffen sollen die Struktur der Treffen und die weitere
fachliche Ausrichtung bearbeitet werden.
Unterstützt wurden im Oktober zwei Kick-off Veranstaltungen zur Implementierung der
Jugendberufsagentur für die Bezirke Tempelhof-Schöneberg und Spandau.
Ebenso fand die 10. Fachtagung der Jugendberatungshäuser und
Kompetenzagenturen statt zum Erfahrungsaustausch und dem Sachstand der
Implementierung einer Jugendberufsagentur(JBA) in Berlin.
Seminare, die neu ins Programm aufgenommen wurden (Auswahl):
• Basiskompetenzen in der Jugendarbeit als sechstägige Reihe zu den Themen:
Lebenswelten von Jugendlichen, Sozialraumorientierung, Methoden der Beteiligung,
Interkulturelle Kompetenz, Gesprächsführung und Beratung sowie Umgang mit
Konflikten
• Humor als Haltung in Beruf und Alltag

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
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Fachgespräch: Jugendkulturen zwischen Islam und Islamismus. Zur Prävention
von Radikalisierungsprozessen in der pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen"
in Kooperation mit ufuq e.V. Das Fachgespräch war sehr nachgefragt. Die
Veranstaltung wird als Seminar in 2016 fortgeführt.
Das Seminar zur ePartizipation hat großes Interesse geweckt ebenso wie der
Methodenkoffer in der alltäglichen Beratungsarbeit
Fundraising in der Kinder- und Jugendarbeit, Fundraising als strategische Aufgabe,
Darstellung verschiedener fundraising-Quellen wie Stiftungen
Wir-Ihr-Die: Umgang mit Identitäten und Diversitäten in der Arbeit mit
Jugendlichen
Konfliktbearbeitung mittels Playbacktheater und Mediation
Große Nachfrage war bei dem Thema: Kulturelle Wertekonflikte, interreligiöse
Konflikte und deren Bearbeitung in der Jugendarbeit
Kinder in unsicheren Lebenslagen: (Drohende) Kindeswohlgefährdung erkennen und
handeln
Neu ist auch ein Seminar für Leistungskräfte in der Jugendarbeit, welches mit
18 TN auf viel Interesse stieß, daraus soll eine Themenreihe entwickelt werden.
Wegen der hohen Nachfrage wurden folgende Seminare gedoppelt:
Umgang mit eskalierenden Situationen in der Arbeit mit Kinder und Jugendlichen
Systemischer Umgang mit Angst, Wut und Gewalt.

Fachforen, Tagungen und Workshops für die bezirkliche Jugendförderung und die
Jugendfreizeiteinrichtungen der Träger
Fortbildungsziele der Fachforen und Tagungen waren der Erwerb von handlungsorientiertem
Wissen und speziellen Kompetenzen. Folgende Themen standen u.a. im Mittelpunkt:
•
Fachtag zum Umgang mit traumatisierten geflüchteten Kindern und
Jugendlichen und Ihren Familien in Kooperation mit dem Institut für
Traumapädagogik Berlin als inhouse Veranstaltung des BA Reinickendorf im Dezember.
•
Fachtag zur Erarbeitung eines Rahmenkonzepts zur Jugendarbeit
„Jugendarbeit wirkt“ mit Prof. Deinert“ im Bezirk Tempelhof/Schöneberg
•
QM-Seminare in Marzahn-Hellersdorf.
Konzept- und Teamentwicklung als Qualitätsentwicklung
Weiterhin werden unterjährig Im Bereich Qualitätsentwicklung in Jugendfreizeiteinrichtungen
sehr viele Anfragen und Bedarfe abgedeckt. Insbesondere wurden Nachfragen zu Team- und
Konzeptentwicklung und zur Prozessbegleitung beantwortet. Die Zusammensetzung der Teams
in „Jugendclubs“, der bezirklichen und regionalen Jugendförderung hat sich - vor allem durch
die Übertragung an freie Träger - vielfach verändert, neue Kollegen/-innen wurden eingestellt
und andere versetzt. Teams wurden fusioniert oder geteilt. Die Umsetzung der regionalen
Anfragen erfolgt weiterhin sehr termin- und themennah. Auf Anfrage wurden ein- bis
dreitägige Teamtage, Zukunftsworkshops und Klausurtage der Einrichtungs- oder Regionalteams
begleitet. Dabei wurde häufig nach ein paar Monaten noch einmal ein zusätzlicher Tag für die
„Wirksamkeitsprüfung“ angeboten.
Es fanden u.a. folgende Teamtage für Teams aus Jugendfreizeitzentren statt:
Im JFE Metronom, JFE Uno; JC Feuerwache; Konzeptentwicklung Mädchentreff Szenenwechsel;
Konzeptentwicklung Kinderclubhaus Sternschnuppe; Teammoderation Streetwork - BA MarzahnHellersdorf; Tietzia; Mädchenladen Alia: meredo - Medienkompetenzzentrum; Centre Talma
MädchenSportZentrum & EventCenter Centre Talma und Zephir e.V.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Jugendsozialarbeit
Die Nachfragen zum Programmangebot „Jugendsozialarbeit“ besonders zu den Themen
„Deeskalation, Mediation, Drogen und Süchte“ sind seit Jahren stabil.
„Antigewalt- und Kompetenztrainer/-innenweiterbildung wird seit vielen Jahren
konstant angefragt und in Kooperation mit Gangway e.V. durchgeführt.
Kinder- und Jugendschutz
Zum ersten Mal wurde direkt für den Jugendbereich das Seminar: Kinder in unsicheren
Lebenslagen: (Drohende) Kindeswohlgefährdung erkennen und handeln durchgeführt, um
Kenntnisse zum Auftrag des §8a zu vermitteln, Standard zu besprechen und Gefährdungslagen
besser einschätzen zu können. Das Seminar wird in 2016 dreitägig angeboten, um die dafür
notwendigen umfangreichen Kenntnisse zu vermitteln und Handlungsmöglichkeiten anhand
praktischer Settings zu besprechen.
Die Entwicklung der eigenständigen Jugendpolitik, die sich an alle Jugendlichen richtet
und sich als gesellschaftlich relevante Zukunftspolitik versteht, wird weiterhin unterstützt und
zu einem Schwerpunktthema gemacht. Ein Augenmerk liegt besonders auf dem Bereich der
Jugendarbeit in der Sozialraumorientierung.
Weiterentwicklung der Umsetzung der EU-Jugendstrategie: Kooperation zwischen
Berlin und Brandenburg.
Die Entschließung des Europäischen Rates der Jugendminister/innen von 2009 bestimmte den
Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa, die EU-Jugendstrategie, für den
Zeitraum 2010 - 2018.
Die Bund-Länder-AG legte drei Themenschwerpunkte fest:
• Soziale Integration und gelingende Übergänge von Schule in Ausbildung und
Beruf,
• Jugendbeteiligung und Partizipation,
• Sichtbarmachung, Aufwertung und Anerkennung von nicht-formellen
Bildungsprozessen in der Jugendarbeit.
Die Länder Berlin und Brandenburg kooperieren seit 2012, um die Umsetzung der EUJugendstrategie in den beiden Bundesländern in einem gemeinsamen Prozess zu steuern. Das
SFBB verstärkte 2014 diese Kooperation durch die Zusammenarbeit der beiden
Verantwortlichen für dieses Arbeitsfeld.
Die Steuerung des Prozesses haben Mitarbeiter/innen aus dem Ministerium für Bildung, Jugend
und Sport, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, den
Landesjugendringen Berlin und Brandenburg und dem SFBB übernommen. Diese Arbeitsgruppe
versteht sich als Anlaufstelle zu allen Fragen, die sich im Rahmen der Umsetzung der EUJugendstrategie stellen und sieht sich als fachliches Kommunikations-forum.
Zur Weiterentwicklung der Zusammenarbeit der länderübergreifenden AG fand im August ein
ganztägiges Arbeitstreffen statt zur Festlegung der Arbeitsschwerpunkte für 2015/16.
Fortbildungsreihe „Beratungskompetenz zu grenzüberschreitenden Mobilität von
Jugendlichen“, die nach der Zukunftswerkstatt im Mai 2013 entstanden ist, startete im
November 2015 für Berliner und Brandenburger Fachkräfte. Sie entstand in Kooperation des
SFBB mit Eurodesk Deutschland und bildet die Teilnehmer/-innen innerhalb von sechs Monaten
und zehn Seminartagen plus Praxisphase zum Mobilitätsberater/-in aus. Die Seminarreihe
vermittelt Wissen und erweitert Kompetenzen, um erfolgreich Fachkräfte und Jugendliche zum
Thema grenzüberschreitende Mobilität zu beraten. In der Praxisphase nach dem zweiten Modul
erfolgt zudem eine individuelle Begleitung bei der Planung eigener Projekte und der damit
verbundenen Antragstellung.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Jugendarbeit Brandenburg
2015 standen folgende Veranstaltungen im Fokus:
Die Organisation des jährlich stattfindende Spielmarktes, bei dem das SFBB als wichtiger
Kooperationspartner fungiert, ist davon überzeugt, dass das Konzept der Weiterentwicklung
der Internationalität auf dem Spielmarkt eine besondere Bedeutung hat, um damit seine
Attraktivität und seine Anschlussfähigkeit an aktuelle Entwicklungen in der Bildung
voranzubringen. Die multikulturellen Angebote sollen weiterhin verstärkt vorgehalten werden
und vorhandene Kontakte zu internationalen Partner/innen stabilisiert und neue Organisationen
aus dem europäischen Ausland für den Spielmarkt akquiriert werden. Alle Akteure sind der
Überzeugung, dass mehr Verlässlichkeit und intensivere, inhaltliche Zusammenarbeit in einem
verbindlich arbeitenden Netzwerk, sich langfristig auf die fachliche Qualität des Spielmarktes
positiv auswirken. Bei dem Spielmarkt 2015, das unter dem Motto: “spiel weise” stattfand,
haben sich folgende Partner aus dem Ausland aktiv beteiligt: Polen, Litauen, Schweden,
Österreich, Ungarn, Tschechien, Niederlanden, Rumänien, Italien.
“Spielend Diversität begleiten“ so lautete der Titel des Projektes, zu dem das
Bildungsforum Internationaler Spielmarkt Potsdam und das SFBB eingeladen hatte. Finanziert
über Erasmus+ konnten Fachkräfte aus acht Nationen im Miteinander Ideen für ein
diversitätsfreundliches Europa entwickeln. Im Erfahrungsaustausch wurde die gemeinsame
Vision deutlich, Europa spielend zu verändern und dabei die Aspekte der Diversität (Alter,
Geschlecht, sexuelle Orientierung, Religion, Nationalität, Beeinträchtigung/ Behinderung) im
Blick zu behalten. Das Seminar fand in Form einer Zukunftswerkstatt vom 9. - 13.
September 2015 im SFBB statt. In einem intensiven Austausch ist es gelungen, drei
weiterführende und vertiefende Projektideen zu entwickeln, die zum 4. Februar 2016 in den
Ländern Litauen, Niederlande und Deutschland beantragt werden und an denen sich die acht
anwesenden Organisationen paritätisch beteiligen wollen.
Weiterhin werden für Tagungen nach wie vor auch Referenten/-innen aus dem
europäischen Ausland zu den jeweiligen Themen eingeladen, um eine europäische
Perspektive zu gewährleisten. Zu der Tagung “Jugendarbeit baut Brücken. Geflüchtete Kinder
und Jugendliche sind Kinder und Jugendliche” am 9. Dezember wurde eine Referentin aus
Österreich eingeladen, die über Erfahrungen und Konzepte der Jugendarbeit in Österreich für
und mit Geflüchteten berichtete..
Internationale Jugendarbeit ist Teil der außerschulischen Jugendbildung und setzt damit
insbesondere auf Lernerfahrungen in internationalen Kontexten.
Hier sind vor allem die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe und besonders der
Jugend(sozial)arbeit als aktive Multiplikatoren/-innen gefragt. Erfahrungsgemäß gelingt das
Initiieren, Begleiten und Unterstützen junger Menschen beim Lernen durch
grenzüberschreitende Mobilität (insbesondere auch von Zielgruppen, die bislang nicht erreicht
wurden) umso besser, wenn Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe selbst über Erfahrungen
mit grenzüberschreitender Mobilität und internationaler Zusammenarbeit verfügen bzw.
entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen flankierend angeboten werden. Um das zu
unterstützen plant die LAG Jugendkoordination in Kooperation mit dem MBJS und dem SFBB
Im Januar 2016 einen Englischsprachkurs für die Fachkräfte der Jugendarbeit, um
durch die erweiterte Sprachkompetenz der Fachkräfte die Motivation für internationale
Jugendarbeit zu erhöhen. Die Fachkräfte werden in die Lage versetzt, mit ihren
internationalen Kolleg/-innen gemeinsame Konzepte zu erarbeiten und in den strategischen
Fachkräfteaustausch zu gehen.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung

Medienkompetenz
Einen besonderen Stellenwert für die sozialpädagogischen Fachkräfte in Brandenburg hat nach
wie vor die Stärkung der Medienkompetenz und die medienpädagogischen Angebote.
Zumal im ländlichen Bereich dieses Medium verstärkt als Methode in der Jugendarbeit genutzt
wird bzw. Jugendarbeit bereits im virtuellen Raum stattfindet.
Bereits zum 7. Mal bot der lmb – Landesfachverband Medienbildung Brandenburg und SFBB
seine medienpädagogische Zusatzqualifikation für außerschulische Fachkräfte in der
Jugendarbeit an. In praxisorientierten Workshops eigneten sich die Teilnehmenden umfassendes
methodisches Wissen zur Stärkung der Medienkompetenz junger Menschen an. Das Angebot
richtete sich an Fachkräfte, die im Land Brandenburg arbeiten.
Fortbildungsprogramm und zusätzliche Veranstaltungen
Die im Programmbereich offen ausgeschriebenen, vor allem praktisch orientierten Seminare im
Bereich der Jugendkulturarbeit wurden alle sehr gut angenommen, da in diesen Seminaren
Methoden vorgestellt werden, die einfach und ohne großen Aufwand in die praktische Arbeit
transferiert werden können.
Auch Seminare, die Methoden zur Bewältigung von schwierigen Situationen mit
Kindern und Jugendlichen anbieten, sind nach wie vor stark nachgefragt und haben häufig
Wartelisten. Sie sind deshalb so begehrt, weil sie durch ihren Praxisbezug konkrete
Handlungsmöglichkeiten vermitteln. Die unterjährigen Anfragen aus den Landkreisen bezogen
sich ebenfalls verstärkt auf diesen Themenbereich.
In Kooperation mit Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e.V. wurde ein zusätzliches
Seminar in das Programm aufgenommen zum Thema: “No Blame Approach - ein Ansatz zur
Intervention bei Mobbing” und erfolgreich durchgeführt.
Wie jedes Jahr fand im Juni in Blossin die 2-tägige-Fortbildungsveranstaltung für die Fachkräfte
aus der Jugendförderung statt. Da die Fachkräften mit unterschiedlichsten Gruppen und
Gremien zu tun haben, wurde im Jahr 2015 das Thema: „Die Kunst der Präsentation“
gewählt.
Angesichts der großen Zahl an Flüchtlingen, die verstärkt in den letzten Monaten des Jahres
2015 nach Deutschland kamen, standen auch die Fachkräfte der Kinder und Jugendarbeit in
Brandenburg vor der Herausforderung, mit den spezifischen Herausforderungen und
Anforderungen umzugehen. Die Arbeit mit jungen Geflüchteten in Brandenburg ist
vielschichtig und manchen Orts besonders herausfordernd, eröffnet aber auch eine neue
Chance für die Weiterentwicklung der Jugendarbeit in Brandenburg. In der Kooperation mit
dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS), Landesjugendring Brandenburg e.V.,
RAA - Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie, Brandenburg wurde im
SFBB die Tagung “Jugendarbeit baut Brücken. Geflüchtete Kinder und Jugendliche
sind Kinder und Jugendliche”, am 09. Dezember 2015 veranstaltet. Die Fachtagung bot der
Fachkräften die Möglichkeit, sich mit rechtlichen und vor allem pädagogischen Aspekten der
Arbeit für, mit, und von jungen Geflüchteten auseinanderzusetzen, Handlungsoptionen und
Ansätze zu diskutieren, auszutauschen und weiterzuentwickeln. Das Anliegen der Tagung war,
das Vermitteln von Informationen zum Thema Flucht, die rechtliche und politische Situation
junger Flüchtlinge wie auch ihre Lebensrealitäten in Deutschland und in Brandenburg; Dabei
wurden Impulsen für die Öffnung der Kinder und Jugendarbeit für die Arbeit mit geflüchteten
Kinder und Jugendlichen gesetzt und erste Ansätze für die Arbeit mit jungen Geflüchteten und
ihre Integration gesetzt. Ebenso wurden Potenzialen und Chancen für die Entwicklung der
Jugendarbeit durch interkulturelle Öffnung erörtert.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Bei der Planung des Fortbildungsprogramms für das Jahr 2016 wurden weitere Formate zu
diesem Schwerpunkt "Arbeit für und mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen"
weiterentwickelt und ins Programm aufgenommen.
Regionale Veranstaltungen in den Landkreisen
Auch 2015 wurde deutlich, dass sich die Jugendämter der Landkreise bzw. kreisfreien Städte
nach wie vor Unterstützung und Begleitung für die aktuellen Aufgaben, Anforderungen und
Probleme in der Jugendarbeit/ Jugendsozialarbeit wünschen. Die nachgefragten Themen wurde
im Einzelfall bedarfsbezogen und entsprechend der regionalen Rahmenbedingungen geplant
und durchgeführt.
Der Landkreis Oder/Spree hat in den vergangenen Jahren vor allem die Weiterbildungen zum
Thema Sozialraumorientierung für seine Fachkräfte genutzt. Ein Ergebnis aus vorangegangenen
Seminaren war die Feststellung, dass sich die Fachkräfte in ihrer Beratungskompetenz
qualifizieren wollten. In diesem Jahr wurde deshalb in diesem Landkreis zum zweiten Mal die
Weiterbildungsreihe zu Beratungskompetenz mit insgesamt 48 Stunden für die
Fachkräfte angeboten, die im nächsten Jahr für eine weitere Gruppe angeboten werden soll.
Unter dem Motto „Chancen bieten - Chancen nutzen“ fanden in Kooperation mit dem
SFBB die Jugendhilfetage in Frankfurt/Oder statt. Die Fachkräfte befassten sich mit den
Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen in ihrer Stadt und
entwickelten Ideen für die weitere Arbeit. Auf das Thema wurden sie mit einem interaktiven
Vortrag eingestimmt, dessen Grundlagen waren der 14. Kinder- und Jugendbericht, die
aktuellen UNICEF-Studie sowie die Sinusstudie „Wie Jugendliche ticken”.
Das SFBB reagierte schnell auf die unterjährige Anfragen aus den Landkreisen und organisierte
weitere Fortbildungsformate vor Ort als regionale oder Inhouse-Veranstaltungen.
Jugend(sozial)arbeit und Schule
Die Kooperation von Jugend(sozial)arbeit und Schule hat nicht nur auf der Bundesebene,
sondern auch auf der Länderebene eine große Bedeutung. Dies drückt sich unter anderem
durch die Bezirklichen Rahmenkonzepte und deren kontinuierliche Weiterentwicklung in den
Berliner Bezirken vor Ort aus.
Dieser Prozess der Kooperation von Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit und Schule wurde durch
das SFBB auch im Jahr 2015 mit verschiedenen Fortbildungsformaten und Tagungen, sowohl
berlinweit, als auch auf Bezirksebene unterstützt.
Die Umsetzung ist auf bezirklicher Ebene nach wie vor sehr unterschiedlich ausgeprägt. In
manchen Bezirken wird gemeinsam sehr intensiv auf der operativen Ebene in Form von
konkreten Arbeitspaketen thematisch gearbeitet. In anderen Bezirken wird an dem Aufbau
kommunaler Bildungsverbünden durch die Ausweitung der Kooperation von Jugendhilfe und
Schule auf andere Ressorts z.B. Kultur, Gesundheit gearbeitet.
Das Thema geflüchtete Kinder und Jugendliche, dass im Laufe des Jahres 2015 in allen Feldern
der Jugendhilfe immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, ist natürlich auch ein wichtiges
Thema in der Kooperation von Jugendhilfe und Schule.
Im Frühjahr 2015 wurde eine berlinweite Fachtagung zum Thema „5 Jahre Bezirkliche
Rahmenkonzepte zur Kooperation von Jugendhilfe und Schule - Eine Herausforderung - Was
kommt an?“ gemeinsam mit der Senatsverwaltung Bildung, Jugend, Wissenschaft Abt. Jugend
und Abt. Schule durchgeführt. In einem Vortrag wurde die Wirksamkeit und Struktur und das
Zusammenbringen von Jugendhilfe und Schule in den Fokus genommen. Der „Berliner Weg“
der Bezirklichen Rahmenkonzepte wurde dabei ins Zentrum gesetzt.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Chancen der Vermeidung von Schuldistanz durch kooperatives Handeln; Ausweitung der
ressortübergreifenden Kooperation auf die Bereiche Gesundheit/Prävention und auf den Bereich
der kulturellen Bildung wurden in Foren Beispiele guter Praxis aus verschiedenen Bezirken
vorgestellt. Um den Prozess der Weiterentwicklung der Rahmenkonzepte weiterhin zu
unterstützen, ist auch im Jahr 2016 eine Tagung geplant, diesmal unter dem aktuellen Thema
„Kooperation von Jugendhilfe und Schule - Gesellschaftliche und fachliche Herausforderungen.
Das Thema Qualitätssicherung in der schulbezogenen Jugendsozialarbeit aus Perspektive des
Jugendamtes hat im Jahr 2015 durch die Bildung einer „UAG Schulbezogene
Jugendsozialarbeit“ im Auftrag der „AG-Förderung“ eine besondere Bedeutung bekommen. Es
sollen einheitliche Standards für einen Qualitätskreislauf der schulbezogenen Jugendsozialarbeit
in Berlin entwickelt werden. In einem ersten Schritt ging es um die Entwicklung einer
standardisierten Berichtsvorlage. Dies wurde durch eine Veranstaltung für die Mitglieder der
„UAG Schulbezogene Jugendsozialarbeit“ durch das SFBB unterstützt.
Da die Kooperation von Jugend(sozial)arbeit und Schule in den Bezirken sehr unterschiedlich
ausgeprägt ist, gibt es bezirksspezifische Fortbildungsnotwendigkeiten.
Auch 2015 erwies sich das Angebot Fortbildungen und Tagungen vor Ort, die sich am
konkreten bezirklichen Bedarf orientieren als sehr sinnvoll und wurde in hohem Maße von den
Bezirken direkt abgerufen. Veranstaltungen fanden in den Bezirken Mitte, Steglitz-Zehlendorf,
Pankow, Neukölln, Reinickendorf, Spandau, Charlottenburg-Wilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg
und Lichtenberg statt.
Themen waren hierbei z.B.: Unterstützung bei der Weiterentwicklung der bezirklichen
Rahmenkonzepte; Familienrat in Kooperation von Jugend und Schule; Psychisch kranke Eltern;
Vermeidung von Schuldistanz; Inklusion; Salutogenese; Kommunikation mit Eltern; Bedingungen
und rechtliche Situation geflüchteter Kinder und Jugendlichen; Umgang mit Heterogenität und
Interkulturalität.
In Brandenburg ist es zu einer Ausweitung des Feldes Sozialarbeit an Schulen durch den
Brandenburger Koalitionsvertrag gekommen.
Es wird eine landesweite Brandenburger Tagung für die Fachkräfte in Kooperation mit der
Landeskooperationsstelle Schule-Jugendhilfe/kobra.net vorbereitet. Die Tagung, die im Juni 2016
stattfinden wird, möchte den Austausch der Fachkräfte befördern und einen Beitrag zur
sozialpädagogischen Profilierung der Schulsozialarbeit leisten.
Nach wie vor werden die im Programm ausgeschriebenen Seminare, sowohl von Berliner als
auch von Brandenburger Teilnehmer/innen besucht; diese Mischung wurde auch 2015 von allen
Seiten als anregende und bereichernd empfunden. Seminare, die sich auf Problemfelder wie
z.B. Umgang mit Gewalt und Konfliktbewältigungsmethoden beziehen, werden besonders stark
nachgefragt.
Landesprogramm „Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen“
Das Tandem- bzw. Tridemfortbildungsangebot zum Landesprogramm „Jugendsozialarbeit an
Berliner Schulen“ wurde auch 2015 gemeinsam mit der regionalen Lehrerfortbildung Berlin
durchgeführt.
Im Jahr 2015 wurden für die Tandems (Sozialpädagoge/-in, Lehrer/in) der Integrierten
Sekundarschulen/Gymnasien 3 Module in sechs regionalen Gruppen zu den Themen „Umgang
mit drogenkonsumierenden Jugendlichen, Teil 2: Gesprächsführung“, „Konstruktiver Umgang
mit Konflikten im Schulalltag“ und „Essstörungen bei Jugendlichen“ durchgeführt.
Für die Tridems (Erzieher/in, Sozialpädagoge/-in, Lehrer/in) der Grundschulen fanden 2 Module
in sieben regionalen Gruppen statt. Die Themen waren: „Gewaltfreie Kommunikation“, „Was
uns bewegt: Expertenrunden zu Fragen und Problemen rund um die Schulsozialarbeit“ und ein
überregionaler Fachtag für die Grundschulen zum Thema „Im Ganztag unterwegs - Im Team
gute Orte für Kinder gestalten“.
Für die Tandems der Förderzentren wurden 2 Module in vier regionalen Gruppen zu den
Themen „Umgang mit psychisch kranken Eltern - Gesprächsführung“ und „Schuldistanz“
angeboten.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Für die Tandems der Beruflichen Schulen wurden 3 Module zu den Themenfeldern
„Interkulturelles Konfliktmanagement mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Teil 1 und
Teil 2“, aufgrund der Komplexität des Themas musste dies in 2 Modulen bearbeitet werden.
Als 3. Modul wurde das Thema „Essstörungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen“
angeboten.
2015 wurde die 6. Schulartübergreifende Tandem-/Tridem-Fachtagung zum Thema „Aufwachsen
in Wohlergehen - Bildungsgerechtigkeit schaffen“ für die 255 beteiligten Schulen veranstaltet.
Geschlechterbewusste Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit mit Mädchen und Jungen
Die im Jahresprogramm angebotenen Fortbildungsangebote wurden 2015 umfassend
nachgefragt. Die Angebotsbandbreite reichte z.B. von ‚Alles Zickenkrieg und Machogehabe –
geschlechterreflektierte Prävention von Gewalthandeln‘ über ‚Bitte keine Pornos - Mädchen als
Opfer digitaler, sexualisierter Anmache und Gewalt‘; ‚Jungenarbeit in der
Migrationsgesellschaft‘; ‚Die Kunst der hilfreichen Hilfe - Distanz und Nähe in der Arbeit mit
Mädchen und jungen Frauen‘ bis hin zu ‚Gender und Race im Blickpunkt: Pädagogische
Haltungen kreativ in Bewegung bringen‘ und ‚Pädagoginnen und Jungen – oder: Warum
Frauen geschlechterbewusste Jungenarbeit machen können‘.
Die Gestaltung und Gliederung des Jahresprogrammes sollte aktuelle Themen der Mädchenund Jungenarbeit im Spektrum ‚gendersensiblen Handwerkszeuges‘, ‚kreativer genderorientierter
Methoden‘ und ‚Fachwissen der Genderforschung‘ abdecken.
Die fachliche Begleitung und Moderation der Berliner Fachrunde Quo Vadis Mädchenarbeit war
auch 2015 ein Hauptbestandteil des Fortbildungsschwerpunktes ‚Geschlechterbewusste
Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit mit Mädchen und Jungen‘ im SFBB. Die Fachrunde ist in Berlin
die Arbeitsgemeinschaft, die die Mädchenarbeit überbezirklich diskutiert, fachlich
weiterentwickelt und jährliche Fachveranstaltungen zu Themen der Mädchenarbeit der
geschlechterbewussten koedukativen Arbeit organisiert. Im Jahr 2015 fand diese zum Thema
„Parteilichkeit in der Mädchenarbeit: Was bedeutet Parteilichkeit / Parteinahme für Mädchen
heute?“. Für 2016 hat sich die Fachrunde Quo Vadis Mädchenarbeit für das Thema
‚geschlechtliche Vielfalt/ Trans*Queer als Thema für die Mädchen*arbeit‘ entschieden.
Einen großen Teil der Fortbildungen und Beratungen machten auch 2015 die Fortbildungen
aus, die nicht im Jahresprogramm veröffentlicht wurden, sondern die auf Anfrage der
bezirklichen Arbeitsgemeinschaften Mädchen- bzw. Jungenarbeit vom SFBB organisiert wurden.
Dieses Angebot der passgenauen und bedarfsgerechten Veranstaltungen auf Anfrage traf, wie
auch in den Vorjahren, auf Bedarfe. Themen die hier aus den Bezirken nachgefragt wurden,
waren beispielsweise: ‚Mädchenrechte als Thema für eine migrationssensible Mädchenarbeit‘;
‚Achtsamkeit in der Mädchenarbeit. Inhalt und Methode zugleich‘; Geschlechterbewusste
Prävention von Gewalthandeln in der Jungenarbeit‘; ‚ Sexualisiertes Verhalten von Mädchen was Fachkräfte in der Mädchenarbeit wissen müssen?‘; ‚Migrationssensible Mädchenarbeit:
Wie erreichen wir alle Mädchen mit unserer Arbeit?‘; ‚ Cross Work - oder: Warum Frauen
geschlechterbewusste Jungenarbeit machen können‘.
3. Gremienarbeit
Durch die Mitarbeit in diversen Fachgremien ist es uns möglich, zeitnah und angemessen auf
inhaltliche Qualifizierungsanforderungen zu reagieren und entsprechende Angebote zu
entwickeln. In nachfolgenden Gremien sind die Mitarbeiter/innen des SFBB regelmäßig vertreten
bzw. kooperieren mit ihnen:
Berlin:
Treffen der Sozilaraumkoordinatoren/-innen, AG Förderung und UAG; Fachstelle für
Internationale Jugendarbeit (IJAB) der Bundesrepublik Deutschland e.V.; Fachrunde
Schulbezogene Jugendsozialarbeit; Beirat zum Landesprogramm „Jugendsozialarbeit an Berliner
Schulen“; FachAG Fort- und Weiterbildung zur Inklusiven Schule in Berlin; regionale Fortbildung
Berlin; LISUM; Berliner Fachrunde Jungenarbeit; Moderierte Fachrunde Quo Vadis
Mädchenarbeit,

20
SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Brandenburg:
AG Umsetzung EU-Jugendstrategie Berlin und Brandenburg, LAG Jugendkoordination im
ländlichen Raum, AG Spielmarkt Potsdam, Unterausschuss Jugendarbeit des LJHA Brandenburg;
Arbeitskreis der Fachkräfte der Jugendförderung in Brandenburg, Arbeitskreis der Fachkräfte
des Jugendschutzes Brandenburg; Jour Fixe Jugendschutz Brandenburg des Ministeriums für
Bildung, Jugend und Sport.
Ausblick und Schlussfolgerungen
Nach wie vor werden die Fortbildungsangebote des SFBB sehr gut angenommen. Die
Akzeptanz des Gesamtangebots von offen ausgeschriebenen Veranstaltungen und vor allem der
Seminare, die auf Nachfrage vor Ort durchgeführt werden, lassen sich aus den hohen
Teilnahmezahlen ablesen. Insbesondere unterjährige Anfragen werden berücksichtigt.
Ausgefallenen Seminare waren insbesondere im Bereich Medienkompetenz zu verzeichnen,
allerdings wird das Thema immer wieder auch in den Bedarfsmeldungen genannt. Es werden
einige neue Seminare in diesem Kontext für das neue Programm konzipiert.
Einige Veranstaltungen mussten teilweise verschoben oder zusätzlich beworben werden, weil
am Jahresbeginn unser Programm noch nicht so verbreitet ist. Die Realisierungsquote ist hoch.
Nach Möglichkeit wurden Seminare mit hoher Nachfrage und Wartelisten am Jahresende
gedoppelt.
Die Zufriedenheit mit den durchgeführten Fortbildungen wurde anhand von Fragebögen
erhoben. Dabei zeigt sich in der Regel eine gute bis sehr gute Zufriedenheit mit den Inhalten,
der Methodik und dem praktischen Nutzen.
Vor allem Langzeitkurse schneiden besonders gut ab, die Zufriedenheit steigt offensichtlich mit
der Dauer der Fortbildung.
Auf der anderen Seite beobachten wir eine immer größere Anfrage nach Seminaren für festen
Gruppen oder Teams aus Einrichtungen oder Regionen, die vor Ort durchgeführt werden.
Der Wunsch nach Beratung, Moderation von Teamtagen, Coaching und Supervision ist
weiterhin hoch. Insbesondere Moderationen von Fachtagen und Teamwicklung werden als
inhouse-Veranstaltungen stark nachgefragt. Dies trifft sowohl auf Berlin wie auch auf
Brandenburg zu, wobei vor allem in Brandenburg die langen Anfahrtswege der Hauptgrund für
die Nachfrage nach inhouse - Semiaren darstellt. Die Teilnehmenden der Fortbildungen im
Fachbereich Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit kommen etwa im Verhältnis von 60% zu 40% aus
Berlin und Brandenburg.
Der Anteil der Männer ist im Fachbereich Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit am höchsten.
Der Fachbereich Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit im SFBB steht in den nächsten Jahren vor
folgenden Herausforderungen:
•
Insbesondere der Themenbereich Zusammenarbeit mit geflüchteten Kindern,
Jugendlichen und ihren Familien verzeichnet einen sehr hohen Bedarf, den das SFBB
aufgenommen hat. Daraus ergeben sich nunmehr weitere Anfragen nach regionalen
Veranstaltungen in den Bezirken und Landkreisen zu den Themen: Umgang mit
traumatisierten Kindern und Jugendlichen, interkulturelle Kompetenzen, Konflikte
zwischen Stammbesuchern/-innen, vorurteilsbewusste Erziehung und Recht.
•
Weitere Stärkung und Qualifizierung der Jugendarbeit in der öffentlichen
Wahrnehmung als Bildungsort non-formaler, informeller Bildungsprozesse.
•
Umsetzung der EU-Jugendstrategie mit dem besonderen Schwerpunkt von
grenzüberschreitender Mobilität sowohl bei den Fachkräften als auch bei den jungen
Menschen. Ebenso soll die Diskussion um die Validierung der informellen und nonformalen Bildung weiterverfolgt werden. Die verstärkte Umsetzung von
Partizipationsansätzen in der Kinder- und Jugendarbeit soll u.a. auch durch einen
gemeinsamen Fachtag aller Arbeitsfelder weitere Impulse erhalten.
•
Das Themenfeld „Inklusion“ gilt es fachlich gemäß der Verpflichtung internationaler
Konventionen in der Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit zu verankern und die Fachkräfte
entsprechend weiter zu bilden.

21
SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Arbeitsfeld Kindertagesbetreuung und Kindertagespflege
1.
2.
3.
4.
5.

Fortbildungsplanung und Konzeption
Zielsetzungen
Einblicke in ausgewählte Bereiche der Fortbildung
Evaluation des Programmangebots
Ausblick

1. Fortbildungsplanung und Konzeption
Auswertung der Bedarfsermittlung
Das Fortbildungsprogramm 2015 antwortete auf die Bedarfserschließung, die im Frühsommer
2014 auf Grundlage einer Stichprobe von Leiter/innen, Fach-und Praxisberater/innen in Berlin
und Brandenburg erhoben worden ist. Ebenso sind die Rückmeldungen des MBJS und des
Jugendhilfeausschusses (Unterausschuss KiTa) Brandenburg, der zuständigen Senatsbehörde und
dem BeKi Berlin eingeflossen. Die Auswertung der Seminarevaluation im laufenden
Fortbildungsjahr, d.h. die Rückmeldung der Teilnehmer/innen wurde berücksichtigt.
Die Auswertung der Bedarfsermittlung fand in der veränderten Struktur des
Fortbildungsprogramms 2015 ihren Niederschlag. Anders als noch im Programm 2014 steht die
Überschrift ‚Organisationsentwicklung‘ an erster Stelle. Ihr zugeordnet wurden die Bereiche
Trägerverantwortung, Praxis- und Fachberatung, und Berufsprofil ‚Erzieherin‘. Dieses
Aufgabenfeld umfasste 31 Veranstaltungen (Fachtage, Seminare, Seminarreihen). Mit dem
Forschungsbericht ‚Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung – Bildungsaufgaben,
Zeitkontingente und strukturelle Rahmenbedingungen in Kindertageseinrichtungen‘8 wurde eine
intensive Auseinandersetzung bezogen auf das Umsetzungsdilemma bei der Realisierung der
Bildungsprogramme angestoßen. Mit den Autorinnen des Berichts wurde eine anregender
Fachtag für Dozent/-innen, Praxis-Fachberater/innen durchgeführt. Die verschiedenen
Umgangsweisen mit dem Umsetzungsdilemma und die Schlussfolgerungen zur Verbesserung
der Praxis sind in die Lehr-Lernprozesse vieler Seminare eingeflossen.
Mit der Überschrift ‚Der Bildungsauftrag in der Kindertagesbetreuung‘ wurde die fachliche
Auseinandersetzung mit den Bildungsprogrammen der Länder fortgesetzt. Zum aktualisierten
Berliner Bildungsprogramm fanden Fachtage für Multiplikator/-innen statt. Die Aktualisierung
floss in die entsprechenden Seminare für Erzieher/-innen ein. Es war der - mit insgesamt 98
Veranstaltungen - umfangreichste Teil unseres Fortbildungsangebotes. Mit den
Zwischenüberschriften ‚Demokratie leben‘, ‚Gesundes Aufwachsen ermöglichen‘, ‚Soziales
Leben‘, Sprache, Kommunikation, Literatur und Medien‘‚ ‚Kultur, Kunst, Musik‘ und
‚Naturwissenschaft, Technik, Mathematik‘ ist das Angebot zu den Bildungsbereichen
übersichtlich geordnet. Seminare / Seminarreihe zum ‚Beobachten und Dokumentieren‘, zum
Kennenlernen und Vertiefen von Entwicklungstheorien und zu den Bildungsprozessen der
Kinder haben nach wie vor eine große Bedeutung für die Praxis.
Als Teilbereiche der Kindertagesbetreuung sind ‚Kindertagespflege‘ mit 6 und ‚Blickpunkt Hort‘
mit 9 Seminaren eigene Programmpunkte geblieben. Überraschender Weise fielen mehrere
Hortseminare, die ausdrücklich an Fachkräfte in Brandenburger Horteinrichtungen adressiert
waren, aufgrund von mangelnden Anmeldungen aus. Stattgefunden haben nur die wenigen
Seminare, zu denen ergänzend zu den Brandenburger Horterzieher/-innen auch Berliner
Fachkräfte auf der Warteliste standen. Die Ursache für diese Entwicklung ist im Moment nicht
offensichtlich. Die Überschrift ‚Mädchen und Jungen in den ersten drei Lebensjahren‘ wurde
nicht mehr ausgewiesen. Allerdings gab es eine Vielfalt an Seminaren speziell für Kinder bis
drei, die inhaltlich den jeweiligen Programmüberschriften zugeordnet waren. Die wichtigen
Themenfelder ‚Vielfalt und Inklusion / Integration‘ mit 14 Seminarangeboten, ‚Zusammenarbeit
mit Eltern und Familien‘ mit 11 und ‚Präventiver Kinderschutz‘ mit 6 Fortbildungsangeboten
waren in ihrer bleibenden Bedeutung berücksichtigt.
8

Susanne Viernickel, Iris Nentwig-Gesemann u.a., Alice Salomon Hochschule Berlin, 2013

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Bei einer Reihe von ausgewählten Seminarangeboten, insbesondere zur Einführung von
rechtlichen, pädagogischen und entwicklungspsychologischen Grundlagen, wurden die Berufsund Quereinsteiger/innen als Zielgruppe angesprochen.
Erwähnt werden sollten die vielfältigen Kooperationen mit Bildungsträgern und
Honorardozentinnen und Honorardozenten, ohne die das thematisch breite Spektrum des
Programms nicht möglich wäre.
2. Zielsetzungen
2015 folgten wir in der Entwicklung des Fortbildungsprogramms den im Jahr 2014
erarbeiteten Zielen. Sie beziehen sich sowohl auf die Fachthemen der Frühpädagogik in der
Kindertagesbetreuung als auch auf die Lehr-Lernprozesse und die fachpolitischen Aufträge.
a.
Vision:
Die Fortbildung von Fachkräften der Kindertagesbetreuung eröffnet den betreuten
Kindern vielfältige Handlungsmöglichkeiten, um ein gutes und gesundes Leben führen zu
können (siehe Kinderrechtskonvention Artikel 54).
Die Fortbildung nimmt das Aufwachsen von Kindern im gesellschaftlichen Kontext
wahr, bewertet es und entwickelt pädagogische Antworten.
b.
Leitgedanken:
Die Fortbildung nimmt soziale Ungleichheit wahr, beachtet sie und stärkt die Kinder
(Resilienz und Inklusion).
Die Fortbildung stärkt das Recht des Kindes auf Selbstbildungsprozesse (SGB VIII,
Kinderrechtskonvention, KitaG, Bildungsprogramm).
Die Fortbildung kooperiert und stärkt die Kooperation mit und im System der
Kindertagesbetreuung zum Wohle der Kinder.
Bezogen auf den Auftrag, Fortbildungen zur Professionalisierung der Fachkräfte in
Kindertageseinrichtungen aus Berlin und Brandenburg zu gestalten, lassen sich folgende
Handlungsdimensionen formulieren:
Relevante Fachthemen für die Frühpädagogik in Kindertageseinrichtungen erkennen,
aufgreifen und in geeignete Fortbildungsformate übersetzen;
Die Lehr- und Lernprozesse auf dialogischer Basis und mit inklusivem Vorzeichen mit
den Teilnehmer/innen gestalten und mit den Praxisorten vernetzen;
Fachpolitische Aufträge in stimmigen - den Themen, Fachkräften und
Rahmenbedingungen angemessenen - Fortbildungsangeboten realisieren;
Länderaufträge für die Qualifizierung im Arbeitsfeld Kindertagesbetreuung
reflektieren, bewerten und konzipieren;
Der Qualifizierung von Multiplikator/-innen zu abgestimmten Fachthemen Vorrang
einräumen;
Die Kooperation mit anderen Fortbildungsanbietern und in fachlichen Netzwerken
initiieren und gezielt unterstützen;
Anzustreben ist, dass die Fortbildungsreferent/-innen in Kooperation mit den Honorardozent/innen den kontinuierlichen Prozess von Programmplanung (Konzeptionierung von
Veranstaltungen), Durchführung und Auswertung (Seminarevaluation) qualitativ
weiterentwickeln.
3. Einblicke in Ausgewählte Bereiche der Fortbildung
Die konkreten Einblicke in die verschiedenen Themenfelder des Fortbildungsangebots wurden
nach dem Prinzip der Bedeutsamkeit und dem der Innovation ausgewählt. Konzepte und
Planungen, die sich im Programm bewährt haben und verstetigt wurden, werden nachfolgend
nicht benannt. Die Überschriften der Textabschnitte entsprechen den Überschriften des SFBBProgramms.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Kultur des Aufwachsens – Vielfalt und Inklusion
Die Umsetzung der „Initiative sexuelle Vielfalt“ (ISV) wurde in Kooperation mit QUEERFORMAT
weiterentwickelt. (genauere Beschreibung siehe Jahresbericht 2014). Der Schwerpunkt der
Fachkräftequalifizierung / ISV 2015 lag im Feld der Kindertagesbetreuung. Hier gab es die
meisten Fortbildungsnachfragen und Bedarfsmeldungen, während die Bedarfe im Feld
Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit und im übergreifenden Programmteil zurückgegangen sind.
Das Angebot ‚DIE Jungen und DIE Mädchen als homogene Gruppen gibt es nicht ...‘ wurde
insbesondere von Kita-Leitungsrunden verschiedener Berliner Träger wahrgenommen. Es
handelte sich um ein Fortbildungsangebot des SFBB bei dem Träger, Kitas und Leitungsrunden
bedarfsgerecht Informationsveranstaltungen und Fortbildungen zum Thema:
‚Geschlechterbewusste Pädagogik im Kontext des inklusiven Bildungsverständnisses und der
geschlechtersensiblen Qualitätsansprüche des BBP‘ abfragen konnten. Das BBP formuliert:
„Geschlechterstereotype Botschaften behindern Bildungsprozesse insofern, als sie Jungen und
Mädchen auf bestimmte Verhaltensweisen, Vorlieben und Eigenschaften festlegen und darauf
reduzieren. Dies kann für Mädchen wie für Jungen von Nachteil sein und untermauert
möglicherweise die Vorstellungen althergebrachter Geschlechterverhältnisse. Kinder sollten
aber darin unterstützt werden, eigene Geschlechtsidentitäten zu entwickeln, ohne durch
festgelegte Verhaltensanforderungen in ihren Erfahrungen und Erlebnissen eingeschränkt zu
werden.“
Zu Hauptthemen der Fortbildungen wurden folgende Fragen: Welche Bedeutung hat dieses
Bildungsverständnis für Trägerprofile, Kita-Konzeptionen und pädagogisches Handeln? Welche
Anforderungen und Anregungen formuliert das BBP für ein geschlechterbewusstes und auf
Chancengleichheit ausgerichtetes pädagogisches Handeln? Was genau bedeutet das Konzept
der „Geschlechterbewussten Pädagogik“ und welche Wirkung hat es in der Praxis?
Auch die Fortbildung für (stv.) Leiter/-innen ‚Mädchen - Jungen - Chancengleichheit:
Verankerung geschlechterbewusster Pädagogik in der Konzeption‘ hat stattgefunden und
weitere Folgeveranstaltungen ‚auf Anfrage‘ nach sich gezogen.
Eine zweiter Durchgang der Weiterbildung ‚Inklusion als Leitungsaufgabe‘ in Kooperation mit
der Fachstelle ‚Kinderwelten für vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung‘ hat 2015 begonnen
und endet 2016. Aufgrund hoher Nachfrage und Bedarfe des Pilotdurchganges wurde ein
zweiter Lehrgang gestartet, der sich an (stv.) Kitaleiter/-innen wendet. Im Fokus steht hierbei
die Leitungsaufgabe im Kontext von Inklusion. Die Fachkräfte erhalten eine Einführung in die
Grundlagen und die Praxis Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung, Menschenrechte /
Kinderrechte und übertragen dies systematisch auf Leitungskompetenzen.
Das SFBB hat 2015 an einer Arbeitsgruppe des BeKi teilgenommen. Eine Handlungsempfehlung
zum Thema ‚Inklusives Trägerhandeln‘ ist in Entwicklung.
Zusammenarbeit mit Eltern und Familien
Eine zweite Fachtagung ‚Familienzentren in Berlin: Konkrete Unterstützung für Familien!‘ fand
wiederum als Kooperationsveranstaltung mit der Servicestelle Berliner Familienzentren, der
Stiftung SPI statt. Ziel des Fachtags war es, alle Akteure im Feld der Familienförderung, die
Berliner Familienzentren sowie die kooperierenden Kindertageseinrichtungen anzusprechen und
Möglichkeiten einer aktiven Kooperation und eines konkreten Austauschs zu stärken und zu
erweitern.
Die Staatssekretärin für Jugend und Familie würdigte die Entwicklung und die Bedeutung der
Berliner Familienzentren. Wichtige Entwicklungslinien und einen Paradigmenwechsel in der
Zusammenarbeit mit Eltern thematisierte Frau Prof. Dr. Sigrid Tschöpe-Scheffler in ihrem
Vortrag. Der Fokus war auf die Qualität in der Zusammenarbeit mit Eltern gerichtet. Dr. Frank
Gesemann stellte die Ergebnisse der Evaluation der Berliner Familienzentren aus dem
Landesprogramm vor, welche vom Institut für Demokratische Entwicklung und Soziale
Integration (DESI) erarbeitet wurden.
Das zweimal im Jahr stattfindende Netzwerktreffen der Berliner Familienzentren als Fach- und
Austauschgremium aller Akteure wurde vom SFBB moderiert und erhielt durch Fachreferenten/-

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
innen thematische Vertiefung. Schwerpunkte des Austausches waren die Bedeutung von
Familienförderung und die aktuellen Aufgaben eines Familienzentrums. Es wurde das
Positionspapier des Bundesverbandes der Familienzentren vorgestellt und kritisch diskutiert.
Ebenso standen die Erfahrungen mit Familien, die geflohen sind, im Mittelpunkt des
Austausches. Thema war auch der Umgang mit ausgrenzendem und diskriminierendem
Verhalten von Familien gegenüber anderen Familien aufgrund deren Herkunft, Religion und
Sprache.
Die 2014 eingestiegenen sieben Familienzentren im Rahmen des Landesprogrammes wurden
2015 weiterhin durch ein viertägiges Coaching begleitet. Die Bedeutsamkeit des angebotenen
Coachings für die Prozess- und Strukturentwicklung in den Familienzentren war ein Ergebnis
der Evaluation des Landesprogramms. Seminarschwerpunkt sowohl für Berlin als auch für
Brandenburg waren Seminare zum Thema ‚Kommunikation und Führen von Gesprächen mit
Eltern in komplexen Lebenssituationen‘. Dabei hatten das Reflektieren eines wertschätzenden
Umgangs gegenüber den Eltern und die Aufrechterhaltung einer klaren Haltung einen hohen
Stellenwert. Fragen zum Umgang mit Kindeswohlgefährdung sowie der Umgang mit den
Folgen von Traumatisierungen wurden in allen Seminaren thematisiert. Beide Themen werden
2016 ihre fachliche Bedeutung behalten.
Besonders gut nachgefragt war von Berliner und Brandenburger Fachkräften der (sich bereits
2014 abzeichnende) Bedarf an Seminaren zur Gesprächsführung mit Eltern, bei deren Kindern
in der Einrichtung Gefährdungszeichen und Entwicklungsrisiken wahrgenommen wurden.
Bildungsprozesse der Kinder - Naturwissenschaft, Technik Mathematik
Die hohe Nachfrage nach dem sechstägigen Seminar zum Thema ‚Frühe mathematischen
Bildung‘ setzte sich 2015 fort. Deutlich wurde im Seminar ein fachlich-sachlicher sowie ein
fachdidaktischer praxisbezogener Bedarf. Das hohe Interesse zeichnet sich bereits jetzt bei
Berliner und Brandenburger Fachkräften gleichermaßen für 2016 ab.
In den Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Kita Konzeptionen (BeKi, 2014, S. 46) wird
deutlich, dass „Der Bildungsbereich Mathematik (…) in den Konzeptionen mit 45% am
häufigsten unbeachtet bleibt. Lediglich in 16% der Konzeptionen finden sich ausführliche
Erläuterungen,(…)“. Eventuell ist mit der Empfehlung, die mathematischen
Erfahrungsmöglichkeiten in der Kita zu analysieren, u.a. der steigende Bedarf zu erklären.
Sprache, Kommunikation, Literatur und Medien
Das Bundesprogramm „Offensive Frühe Chancen – Schwerpunktkitas Sprache und Integration“
hat wichtige Entwicklungen angestoßenen. Um diese Entwicklungen durch verlässliche Beratung
fortzusetzen und in weitere Einrichtungen zu multiplizieren, bot das SFBB eine zwanzigtägige
Qualifizierung mit dem Schwerpunkt ‚Beratung im Themenfeld Sprache und Kommunikation‘
an. Leider konnte die Weiterbildung, aus Teilnehmermangel nicht stattfinden. Grund hierfür
könnte die Verlängerung des Bundesprogramms um ein Jahr sein.
Die damit freigewordenen finanziellen und personellen Ressourcen konnten jedoch in das
Bundesprogramm ‚BISS – Bildung durch Schrift und Sprache‘ in Kooperation mit dem Träger
der Kindertagesbetreuung BiK e.V. übertragen werden. Die pädagogischen Mitarbeiter von acht
Kindertagesstätten nahmen an einer fünftägigen Fortbildung teil, deren Inhalt die
Grundthemen der alltagsintegrierten Sprachbildung waren. Darüber hinaus begannen jeweils
zwei Pädagoginnen aus den Kitas eine aufbauende Qualifizierung zur ‚Erzieherin mit dem
Fachprofil Sprache‘. Ziel der Maßnahme war, die sprachbildenden und sprachförderlichen
Entwicklungen in den Kitas beratend zu begleiten.
Veranstaltungen zu Themen wie ‚Erzieher/in als Sprachvorbild‘, ‚Das Sprachlerntagebuch kreativ
gestalten‘ und ‚Mehrsprachigkeit‘ waren insgesamt sowohl von Erzieher/innen aus Brandenburg
als auch aus Berlin sehr nachgefragte Fortbildungen.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Kultur, Kunst, Musik
Für die inhaltlichen Ausrichtungen der Fort- und Weiterbildung wird die kulturelle Bildung mit
allen Aspekten der Bildungsprogramme von Berlin und Brandenburg verknüpft und verschränkt.
Grundlegend für die Gestaltung von Bildungsprozessen in der frühen Kindheit sind
Bildungsbereichs-übergreifende pädagogisch-methodische Aufgaben und Handlungsformate.
Besondere Bedeutung haben ‚Forschendes Lernen‘ und ‚Projekte planen und gestalten‘
insbesondere in den Kindertageseinrichtungen, die sich insgesamt als Lern-, Bildungs- und
Forscherwerkstätten verstehen.
Die beschriebenen Ziele und Inhalte zur kulturellen Bildung wurden in verschiedenen Formaten
behandelt:
In zwei- bis dreitägigen praxisorientierten Seminaren wie ‚Bildsprache der Kinder‘, ‚Arbeit in
Projekten basierend auf der Reggiopädagogik‘ und ‚Bildnerischem Gestalten mit Musik und
Bewegung‘.
In längeren Fortbildungsformaten, die mit verschiedenen Bildungsbereichen verknüpft sind wie
z.B. ‚Kunst in der Kita - eine praxisorientierte Fortbildung für Künstler/innen und
Erzieher/innen‘. In diesen Fortbildungen werden u.a. Kunst und Ökologie oder Kunst und Essen
modular bearbeitet.
In Fortbildungsangeboten des SFBB mit verschiedenen Kooperationspartnern:
Vielfältige Angebote der Landesmusikakademie zu musikalischen Themen auch in
Verbindung mit den verschiedenen Bildungsbereichen der Bildungsprogramme Berlin und
Brandenburg wie z.B. „Sprachförderung und Musik für Kinder mit Migrationshintergrund“.
Praxisorientierte Angebote für Künstler/innen und Erzieher/innen des Kinder Künste
Zentrums, speziell auch für junge Kinder wie z.B. ‚Kunst mit Kindern bis zu 3 Jahren‘.
Veranstaltungen mit TUKI (Theater und Kitas) für Erzieherinnen, die in den TUKIProjekt-Kitas arbeiten wie z. B. Werkstätten zu speziellen Themen und Fortbildungen mit
übergreifenden Themen wie ‚Ästhetische Potentiale kindlicher Spielformen‘ oder
‚Implementierung des Theaterschwerpunktes in das Kitakonzept‘.
Das BeKi (Berliner Institut für Kitaqualität) stellte in einer Befragung zur Qualität von Kitakonzeptionen fest, dass Projekte mit Kindern, die das forschende Lernen in den Mittelpunkt
stellen, nur wenig in der pädagogischen Praxis vorkommen bzw. in den
Einrichtungskonzeptionen beschrieben werden. Das SFBB reagierte darauf gemeinsam mit dem
BeKi mit einem Fachtag zum Thema ‚Projekte in Kitas planen und gestalten - Erfahrungen
eines deutsch-polnischen Austausches‘ und einem weiteren Fachtag für externe Evaluator/-innen
mit dem Titel ‚Projektarbeit - Einschätzung in der externen Evaluation‘.
Bildungsprozesse der Kinder – Gesundes Aufwachsen ermöglichen
Die Fortbildungen in diesem Bereich waren nachgefragt und wurden durchgängig gut
angenommen. Ein breiter, als Bildung verstandener, Gesundheitsbegriff lag den Angeboten
zugrunde, die sich eng am BBP und dem ‚Geist‘ des Berliner Landesprogramms „Kitas bewegen
– für die gute gesunde Kita“ orientieren.
Themen der Fortbildungen waren entsprechend dieses breit verstandenen Begriffes von
Gesundheit z.B.:
‚Psychomotorik als Bildungs- und Erziehungsprinzip‘,
‚Koordination als Grundlage kindlichen Bewegungshandelns‘,
‚Sexualerziehung in der Kita‘‚
Gesundbleiben im Beruf der Erzieher/ -in…‘,
‚Beschwerden von Kindern als pädagogische Sternstunden‘,
‚Achtsame Kommunikation mit Kindern als pädagogisches Handwerkszeug‘
‚Meditation mit Kindern‘‚
‚Genuss ist mehr als Essen und Trinken‘.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Bildungsauftrag und Bildungsprozesse
Da in Brandenburg mit den Grundsätzen elementarer Bildung auch die Handreichung
‚Elementare Bildung – Handlungskonzept und Instrumente‘ implementiert wurde, gibt es im
Flächenland eine Reihe von Kitas die mittlerweile über zehn Jahre mit dem sogenannten
‚infans-Konzept‘ arbeiten. Um auch diese KiTas in ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen,
bietet das SFBB drei Weiterbildungsformate an: die ‚Werkstatt: Mit dem infans-Konzept
Bildungs- und Erziehungsqualität entwickeln‘. Hier wird jeweils an drei im Jahr verteilten Tagen
an dem Stoff gearbeitet, den die beteiligten KiTas aus ihren Praxisprozessen (wie z.B.
Beobachtungen, Erziehungsziele, Dokumentationen, Kommunikations- und Organisationskultur
usw.) mitbringen. Des Weiteren gibt es die beiden viertägigen Seminare ‚Sehen – Denken –
Handeln: Beobachten & Dokumentieren im infans-Konzept‘ und ‚‘Sichere Basis und
Bildungsanregungen – Kinder bis drei. Das infans-Konzept der Frühpädagogik‘. Und erstmalig
2015 fand, getragen vom ‚infans-netz-brandenburg‘ (ein Zusammenschluss von infansMultiplikatoren) der Fachtag ‚Das infans-Konzept in der Praxis – Anregungen und Austausch‘
mit 61 Teilnahmen mit dem Motto ‚Du und ich – wir haben Zeit‘ statt. Im Zentrum standen
die vielfältigen ‚WEGE der Praxis‘ mit dem Konzept. In Workshops ging es um ‚Die Kraft der
fachlichen Reflexion‘ und die Wirkung von fachlich reflektierten Beobachtungen auf
pädagogisches Handeln.
Der Fortbildungsbedarf zur aktualisierten Neuauflage des Berliner Bildungsprogramms war in
2015 anhaltend hoch. Insbesondere die Nachfrage von Quereinsteiger/innen; für sie wurde ein
Seminar dupliziert. In Kooperation mit dem SFBB hat das Berliner Kita-Institut für
Qualitätsentwicklung Fachtage für Multiplikator/-innen zur Begleitung interner Evaluationen und
externe Evaluator/-innen zum BBP für Kitas und Kindertagespflege durchgeführt.
Bildungsauftrag – Beobachten und Dokumentieren
Die Qualifizierung ‚Train the Trainer Lerngeschichten‘ - veranstaltet in Kooperation mit der
AWO-Bundesakademie - startete im Jahr 2014 mit dem Grundkurs. Abgeschlossen wurde sie
2015 mit dem Aufbaukurs. Zielgruppe der Qualifizierung waren Dozent/-innen, Fortbildner/innen und Multiplikator/-innen. Mit der Zertifizierung durch das SFBB stehen damit achtzehn
Multiplikator/innen für die Begleitung von Kindertageseinrichtungen in Berlin und Brandenburg
zur Verfügung. Sie begleiten auf Anfrage die Implementationsprozesse der Lerngeschichten in
den KiTas und sie sind als nachwachsende Dozent/-innen auch für das SFBB ein Gewinn.
Entwicklungstheorien
Zwei Seminarreihen (mit jeweils sechs Tagen) haben sich als Fortbildungsangebot für die Praxis
bewährt. Einmal ist es das wiederholt angebotene Grundlagenseminar ‚Frühkindliche
Entwicklung verstehen und begleiten‘. Hier werden bindungstheoretisches und
entwicklungspsychologisches Wissen und daraus resultierende pädagogische
Handlungsmöglichkeiten insbesondere für Kinder bis drei erarbeitet. Des Weiteren ist es die
Reihe ‚Was ist mit Entwicklungstheorien praktisch anzufangen?‘. Ausgehend von der
Entwicklungspsychologie der gesamten Lebensspanne werden sowohl biografische Spuren der
Erzieher/-innen selbst als auch Situationen mit Kindern reflektiert. Beobachtungen von
Verhaltensweisen und Alltagssituationen werden unter die Lupe genommen und aus dem
Blickwinkel des Alltags- und Berufswissens der Erzieher/innen als auch aus
entwicklungstheoretischen Perspektiven gedeutet und reflektiert.
Weitere Einzelseminare widmeten sich dem Thema Angst als ein Begleiter des Kindes und dem
Thema Spiel in seiner weitreichenden Bedeutung für die Entwicklungs-und Bildungsprozesse des
Kindes / der Kinder.
Präventiver Kinderschutz
Die ‚5. Qualifizierung: Multiplikator/-in Kinderschutz für Erzieher/-innen in der
Kindertagesbetreuung‘ wurde im Sommer mit der Zertifikatsübergabe abgeschlossen. Die

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Funktion der Multiplikatoren-/innen ist im Gegensatz zur der „IseF“ (insoweit erfahrenden
Fachkraft) mit keinem rechtlich definierten (Beratungs-) Auftrag unterlegt. Der/die
Multiplikator/-in erlangt im Verlauf der Qualifizierung eine fachkundige Themenexpertise, um
eine verantwortungsvolle Vermittlungsfunktion im eigenen Einrichtungsteam zu übernehmen.
Die Multiplikatoren/-innen sind qualifiziert, die Weiterentwicklung einer Aufmerksamkeitskultur
zum Wohle des Kindes, die geprägt ist durch wertschätzenden kollegialen Austausch und
Transparenz, anzuregen und zum Thema Kinderschutz zu sensibilisieren.
Die Auseinandersetzung mit der neuen Rolle als ‚Kinderschutz Multiplikator/-in‘ in Hinblick auf
die eigenen Interessen/Ansprüche und Möglichkeiten und dem Umgang mit den an sie
gerichteten Erwartungen des Trägers hatte besondere Relevanz bei der Klärung des Theorie Praxistransfers. Eine Vielzahl der Teilnehmenden stand am Ende der Qualifizierung vor der
Situation, mit dem Träger oder der Einrichtung ein spezifisches Aufgabenprofil als
Multiplikator/-in der eigenen Einrichtung zu entwickeln.
Insgesamt konnte ein steigendes Interesse an vertiefenden Themen im Rahmen des Präventiven
Kinderschutzes wahrgenommen werden. So wurden Bedarfe wie der Umgang mit Fehlverhalten
pädagogischer Fachkräfte, der Zusammenhang von Beteiligungs- und Beschwerdekultur oder
Einrichtungsstruktur/-kultur und Kinderschutz genannt. Aus den Seminarrückmeldungen wird
deutlich, wie wenig offensiv das Thema mit seinen vielschichtigen Facetten z.B. in der
Einrichtungskonzeption, in Teambesprechungen, bei Elternabenden verankert und gelebt wird.
Der Landkreis Potsdam Mittelmark hat in drei achttägigen Fortbildungen Erzieher/-innen und
Koordinator/-innen von Familienzentren zur Ansprechpartner/-in Kinderschutz in Kooperation
mit dem SFBB durchgeführt.
Lernende Organisation
Qualifizierung von Trägern von Kindertageseinrichtungen:
Das mehrtägige Seminar ‚Trägerqualität entwickeln – Einrichtungsqualität steuern:
Trainingswerkstatt für Trägervertreter/-innen‘ fand in diesem Jahr eine große Resonanz. Da
Trägervertreter das SFBB bislang eher als Qualifizierungsort für ihre Fachkräfte nutzten und
weniger für sich in Anspruch nahmen, sollte diese Auslastung hier besonders erwähnt werden.
Fach- und Praxisberatung:
Der Fachtag für diese Zielgruppe nahm das Thema „Von der Norm zur Haltung“ auf. Vor dem
Hintergrund der Ergebnisse der Studie der Fachhochschule Rhein/Main, die sowohl das
Berufsprofil als auch das Selbstverständnis von Fach – und Praxisberatung in den Blick
genommen hat, wurde dieses Thema mit Brandenburger und Berliner Kitaberater/-innen
vertieft. Die Brandenburger Praxisberater/-innen haben die Möglichkeit einer moderierten
kollegialen Beratung als Angebot innerhalb der Landesfachgruppe (Standardangebot für
Praxisberater/-innen zweimal jährlich) verstärkt genutzt.
Leitungskräfte von Kindertageseinrichtungen:
Eine Langzeitqualifizierung für Berliner und Brandenburger Kitaleitungen ‚Leitungskompetenzen
in Kindertageseinrichtungen‘ wurde als Pilotprojekt im Februar 2015 mit 24 Teilnehmer/-innen
im SFBB gestartet (entsprechend der Länderquotierung starteten 10 aus Brandenburg und 14
aus Berlin). Das Angebot war durch die Fachkräfte gut nachgefragt. Während der Vorbereitung
des Pilotprojekts wurde bereits deutlich, dass vor dem Hintergrund der verschiedenen
Rahmenbedingungen der beiden Länder eine gemeinsame Qualifizierung der Leitungskräfte
zukünftig nicht sinnvoll sein wird. Unter Berücksichtigung der positiven Evaluationsergebnisse
bezüglich der fachlichen Inhalte und des Veranstaltungsformats des Pilotprojekts sowie der
Länderanforderungen wurden zwei unterschiedliche Wege bezüglich der
Leitungsqualifizierungen gewählt. Das SFBB hat in Kooperation mit dem Dachverband der
Berliner Kinder- und Schülerläden (DAKS e.V.) ein Qualifizierungsangebot für Leiter/-innen
kleiner Kindertageseinrichtungen Berlins vorbereitet. Dieses Format wird in 2016 erstmals im
SFBB angeboten. Brandenburger Kitaleitungen werden in 2016 Angebote bei freien Trägern
vorfinden. Das Konzept des Pilotprojekts wurde für freie Träger zu Verfügung gestellt. Bislang
ist bekannt, dass der Träger Stützrad e.V. ein Qualifizierungsangebot für Brandenburger

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Kitaleitungen in Anlehnung an das vom SFBB freigegebene Fortbildungskonzept des
Pilotprojekts auf den Markt bringen wird.
Berufsprofil Erzieher/-in:
Erwähnt werden sollte an dieser Stelle die große Nachfrage der Erzieher/-innen bezogen auf
Seminare, die das Konzept der ‚Achtsamkeit‘ aufgreifen. Im Zentrum stehen hier das achtsame
Gewahrsein des eigenen Wahrnehmens und Handelns, sowie die Wahrnehmung des
Gegenübers stets mit dem Ziel der Entschleunigung und der Balance der hohen Anforderungen
auf verschiedenen Ebenen. Besondere Bedeutung erlangt dieses Konzept im Zusammenhang
mit Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren in der Kita.
Konzeptionsentwicklung
Seit 2010 haben sieben Werkstätten ‚Konzeptionsentwicklung – Pädagogische Qualität für
Kinder bis drei‘ mit Teilnehmer/innen aus 70 verschiedenen KiTas in Berlin und Brandenburg
stattgefunden.9 Als Ergebnis aus diesen Arbeitsprozessen wurde Ende 2015 das Werkstattheft
‚Pädagogische Qualität für Kinder bis 3 – Grundlagen, Schlüsselthemen, Methoden für die
Konzeptionsentwicklung‘ veröffentlicht. Erarbeitet worden ist es von dem Dozentinnen-Team,
das über fünf Jahre die Werkstatt konzipiert und durchgeführt hat. Die Broschüre gibt
methodische Anregungen zur Konzeptions- (-weiter) Entwicklung und stellt exemplarisch vier
frühpädagogische Schlüsselthemen wie ‚Partizipation von Anfang an‘, ‚Einfühlsame Pflege‘,
‚Bildnerisches Gestalten‘ und ‚Beobachten und Dokumentieren‘ in das Zentrum der fachlichen
Reflexion. Das Schreiben der Konzeption wird zu jeder Überschrift / zu jedem Thema auf drei
Ebenen herausgefordert:
1. WAS – Die Bedeutung dieses Themas in unserer KiTa
2. WIE – Konkrete Beschreibung der Praxis in unserer KiTa zum Thema
3. WOHIN – Ziele, die wir anstreben, um die Qualität weiterzuentwickeln
Das Werkstattheft steht Fach-und Praxisberater/innen und mit dem SFBB kooperierenden
Dozent/-innen zur Verfügung und wird auch im internen Seminarbetrieb genutzt.
4. Evaluation des Programmangebots – Zahlenspiegel
Aufgrund der Umstellung der Seminarverwaltung auf das neue System ANTRAGO kann zur Zeit
nicht auf fundiertes Datenmaterial zurückgegriffen werden.
5. Ausblick
2015 war ein arbeitsreiches Jahr. Besonders erfreulich war der Erfolg der 2015 vorbereiteten
und zu Beginn des Jahres 2016 durchgeführten Tagung zum Thema:
Beteiligungs- und Beschwerdekultur in der KiTa – „Wo kämen wir denn da hin…?“
Den Anstoß zu dieser Tagung haben Frau Dr. Bredow vom MBJS und das Grundlagenpapier
der BAGLJ ‚Sicherung der Rechte von Kindern als Qualitätsmerkmal von
Kindertageseinrichtungen‘ (2013) gegeben. Mit 120 Teilnehmer/innen (Trägervertreter/-innen,
Leiter/-innen, Fach-und Praxisberater/-innen, Erzieher/-innen aus Berlin und Brandenburg) fanden
intensive Gespräche in den sieben Denk-Spiel-Räumen statt. Die zwei zentralen Vorträge von
Prof. Dr. Raingard Knauer (Fachhochschule Kiel) und Prof. Dr. Ronald Lutz (Fachhochschule
Erfurt) gaben wichtige Impulse für gelebte Partizipation und Beschwerdeverfahren. Besonders
deutliche wurde, dass nur dann, wenn im KiTa-Alltag eine Beschwerdekultur auf allen Ebenen
– Kinder, Team, Eltern, Träger – erarbeitet und etabliert ist, die Rechte der Kinder gesichert
werden können. Wir bleiben dran.
Quereinsteiger/-innen
Auch im Jahr 2015 stiegen die Anmeldezahlen von Berliner Quereinsteiger/-innen für
Fortbildungen in den ausgewiesenen Veranstaltungen. Um die Basisthemen, die für den
Quereinstieg gesetzt sind, kompakt anbieten zu können, erarbeitete das SFBB mit
Trägervertreter/innen der Kindertagesbetreuung und der Senatsverwaltung einen Rahmenplan
für eine Basisfortbildung für Quereinsteiger/innen. Diese Fortbildung umfasst 100 Kursstunden
9

Sie sind im Jahresbericht 2013 beschrieben.

29
SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
und behandelt Basisthemen wie rechtliche Grundlagen der Kindertagesbetreuung, die Arbeit
mit dem Berliner Bildungsprogramm und dem Sprachlerntagebuch, alltagsintegrierte sprachliche
Bildung und Zusammenarbeit mit Eltern. Das Rahmenkonzept wurde verabschiedet. Für 2016
sind zwei Fortbildungsdurchgänge geplant. Daneben konnten Quereinsteiger/innen aus Berlin
und Brandenburg in einer Liste von 47 Veranstaltungen pädagogische Themen auswählen, die
vertiefend oder interessensbezogen gebucht werden konnten.
Geflüchtete Kinder und ihre Familien
Die große gesamtgesellschaftliche Aufgabe, geflüchtete Menschen aufzunehmen und
geflüchteten Kindern und ihren Familien die Türen der Kindertagesbetreuung zu öffnen, hat
spätestens seit Mitte des Jahres 2015 auch in unserem Arbeitsfeld Platz genommen.
Dankenswerter Weise können wir an eine längere Tradition ‚Vorurteilsbewusster Erziehung und
Bildung‘, differenzsensibler und inklusiver Pädagogik in der Kindertagesbetreuung anknüpfen.
Sie bilden ein gutes Fundament, um die Anstrengungen für eine würdige Begegnung mit und
Aufnahme von geflüchteten Menschen auszubauen. Fortbildungsangebote u.a. zu
kultursensibler pädagogischer Arbeit, zur biografischen Spurensuche, um mit dem ‚Fremden in
uns‘ Wege der Annäherung zu finden, sind bereits Teil vieler Veranstaltungen, werden aber
vorausschauend weiter ausgebaut. Darüber hinaus brauchen KiTas in Seminaren Unterstützung,
um rassistischen, diskriminierenden Umgangsweisen in der Nachbar- und Elternschaft und /
oder im Team Grenzen zu setzen und eine angemessene Kommunikationskultur zu erarbeiten.
Derzeit entwickeln wir - ergänzend zum veröffentlichten Programm 2016 – in Kooperation mit
der RAA e.V. Brandenburg und Kinderwelten e.V. Berlin weitere Seminarangebote.

30
SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Arbeitsfeld – Hilfen zur Erziehung und Fachdienste der Jugendämter
1.
2.
3.

Einblicke in ausgewählter Bereiche des Fortbildungsangebotes
Gremienarbeit und Kooperation
Schlussfolgerungen und Perspektiven

1.

Einblicke in ausgewählter Bereiche des Fortbildungsangebotes

Berufseinmündung und Arbeitsplatzwechsel
Die Seminarreihe Neu im RSD/ASD fand 2015 mit drei Durchgängen statt. Zusammen mit
den entsprechenden Aufbaukursen dauerte jeder Durchgang 18 Tage. Die 75 Plätze reichten
nicht aus für den Bedarf, so dass 2016 4 Durchgänge mit 100 Plätzen angeboten werden.
Ein im SFBB eingerichteter Workshop erarbeitete 2015 ein Rahmenkonzept zur
Einarbeitung von Berufsanfängern in RSD. Der Umgang mit den neuen Fachkräften in der
Einarbeitung ist das dringende Thema in den Jugendämtern, da die Abgangsrate im ersten
Jahr der Neueinstellung stark gestiegen ist. Von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und
Wissenschaft wurde ein Konzept zur Sicherung der Aufgabenerfüllung der Berliner
Jugendämter mit der Maßnahme 4: Handlungserfordernisse zur Unterstützung von
Berufseinsteiger/ -innen erstellt. Als Handlungserfordernisse bei der Berufseinmündung
wurden hierbei drei Bausteine entwickelt: erstens der Basiskurs für neu einsteigende Fachkräfte
beim Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg (SFBB), zweitens ein
Fortbildungsangebot für Mentor/-innen, sowie drittens für ihre Entlastung die Bereitstellung
zeitlicher Ressourcen in Höhe einer halben Stelle pro bezirklichem Jugendamt zum Zwecke der
Einarbeitung bzw. Koordination der Einarbeitung. Das Rahmenkonzept für die
Einarbeitung neuer Fachkräfte im RSD wurde im Zusammenhang mit den oben genannten
Maßnahmen entwickelt. Das Rahmenkonzept basiert auf Erfahrungen von Fachkräften Berliner
Jugendämter, die sich in ihrer Tätigkeit direkt mit der Einarbeitung neuer Fachkräfte
beschäftigen. Eine Workshop-Gruppe aus ca. 10 erfahrenen Mitarbeiter/-innen des RSD traf sich
im SFBB, um die Umsetzung der Einarbeitung auf systematische Beine zu stellen und
Argumente zusammenzutragen. Mit dem Rahmenkonzept wird ein klar definierter Rahmen für
eine strukturierte und zumindest im Bezirk einheitliche Einarbeitung geschaffen.
Neu in den ambulanten Hilfen
Die 10-tätige Reihe für Fachkräfte, die neu in der aufsuchenden Arbeit tätig sind erfreut sich
wachsender Beliebtheit und hat tolle Rückmeldungen bekommen. Bewährt haben sich die
größtenteils eintägigen Veranstaltungen und die Kontinuität von zwei Dozentinnen
über die gesamt Zeit der Fortbildung.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Familienkonflikt
In Kooperation mit dem GJPA Berlin - Brandenburg, der Rechtsanwaltskammer Berlin, den
Senatsverwaltungen BJW und Justiz begleitet das SFBB die Umsetzung der wesentlichen
Neuregelungen und Klärungen zur interdisziplinären Zusammenarbeit der beteiligten
Berufsgruppen
der
Jugendhilfe,
Richterschaft,
Anwälte,
Sachverständigen
und
Verfahrensbeistände.
Durch interdisziplinäre Fachtagungen und die Begleitung und Förderung der neun regionalen
Arbeitskreise sind inzwischen die wesentlichen Verfahrensprinzipien, die neuen Rollen der
Akteure, Methoden der Beratung und Aushandlung geklärt und implementiert.

31
SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Gut nachgefragt waren Inhouse-Veranstaltungen auf Anfrage der Jugendämter, die jeweils im
Tandem von einem/einer Richter/-in sowie einer Fachkraft des Jugendamtes durchgeführt
werden, zu den Themen:
• Rolle und Auftreten des RSD im Gerichtstermin des FamFG-Verfahrens bei
Kindeswohlgefährdung,
methodisch orientierte Seminare wie
• Humor und Hochstrittigkeit- humorvoll und herausfordernd beraten bei Elternkonflikten
• Die Methode Lebensflussmodell
• Beratungsarbeit im Kontext hoch eskalierter Elternkonflikte nach Trennung und
Scheidung.
Seminare zu speziellen Problemstellungen, wie
• Die Bedeutung von Persönlichkeitsmerkmalen (und/oder – Störungen) bei Trennungsund Scheidungskonflikten (Schutzauftrag und passgenaue Hilfen)
• Gewaltsame Beziehungskonflikte bei Trennung und Scheidung
• Umgangsverweigerung – Analyse und Entwicklung von Empfehlungen für das
Familiengericht.
2015 wurden 2 Fachtagungen zum Thema durchgeführt:
8 Jahre interdisziplinäre Zusammenarbeit - Beschleunigtes Familienverfahren. Die
Tagung befasste sich im 1. Teil mit einer Bestandsaufnahme aus den verschiedenen
Perspektiven
der
beteiligten
Berufsgruppen.
Im
2.
Teil
ging
es
um
Weiterentwicklungserfordernisse und Qualifizierung der Verfahren, insbesondere bei
(vermuteter) Kindeswohlgefährdung.
Binationale Kindschaftskonflikte in Jugendhilfe und familiengerichtlichen Verfahren.

Interdisziplinärer Kinderschutz
Wie auch in den Vorjahren wurden zum Themenbereich Präventiver und reaktiver
Kinderschutz Fachtage, Seminare, Supervisionen, Unterstützungsleistungen für Klausurtage
und Kinderschutzkonferenzen gewünscht. Je nach Schwerpunkt wurden zu bestimmten
Themenfeldern gewünscht: Fachwissen vermitteln u./o. Fähigkeiten und Fertigkeiten eines
standardgemäßen und methodisch untersetzten Vorgehens befördern, sowie Kooperationen
zwischen den Ämtern und Diensten unterstützen.
In Berlin bestand ein großer bezirklicher Fortbildungsbedarf für (neue) Fachkräfte im RSD, in
den Kinderschutzteams und KJGDs zu den Themen
• Qualitätssicherung Kinderschutz – Standards der Falleinschätzung, Fallmanagement
• Aufträge/Auflagen und Kontrollen bei (drohender/vermuteter) Kindeswohlgefährdung
• Umgang mit Notfallszenarien, Clearing, Interventionsarbeit und Krisenintervention.
Des Weiteren wurden Veranstaltungen zu Spezialthemen im Kinderschutz zu Fragen der
qualifizierten Kooperation, sowie zur Selbstfürsorge als Fachkraft angeboten und gut
nachgefragt.
Bei den Inhouse-Schulungen hat sich bewährt, dass die Kinderschutzkoordinator/innen in den
Bezirken in Kooperation mit dem SFBB diese Fortbildungen organisieren und dabei Fachkräfte
bereichsgemischt (Netzwerk Kinderschutz) zusammengeführt wurden. Die sich
anschließenden
Fallsupervisionen
ermöglichten,
dass
Wissen
und
Fähigkeiten
handlungsorientiert gesichert werden können.
Der Personalnotstand dieser Dienste und unzureichende Anleitung stellen für die
Transfersicherung allerdings grundsätzlich eine besondere Herausforderung dar. Eine
Nachhaltigkeit der vermittelten Qualität kann nur erreicht werden, wenn diese an eine
entsprechende Arbeitspraxis andockt. Die Umsetzung muss dazu als Steuerungsgegenstand

32
SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
von Leitungskräften in den Blick genommen werden. Daher wurde die Teilnahme von RSDLeitungen und Kinderschutzkoordination an den Qualifizierungsmaßnahmen angeregt, mit der
Zielsetzung, hierzu konkrete Verabredungen zu treffen.
Das Thema Lernen aus problematischen und gelungenen Fallverläufen, welches auf
Anfrage in Form von Fachtagen und Workshops sowie Fallanalysen für die Berliner
Jugendämter angeboten wurde, erfreute sich leider keiner großen Nachfrage. Die geringe
Nachfrage nach moderierten Fallanalysen ist besonders bedauerlich, weil hier gute Fallbezogene Lerneffekte zum Fallverstehen, zu wiederkehrenden Risikomustern erwartet werden
können und auch exemplarisch „Lehren“ für die Praxis/ die Organisation des
Kinderschutzsystems möglich sind.
Die geplante Fachtagung zur Standardsicherung Kinderschutz im Hilfeplanverfahren
fand nicht statt, weil die neue AV noch nicht zur Verfügung stand und Qualitätsklärungen im
Zusammenhang mit der anstehenden Software ISBJ und SoPart im Hilfeplanverfahren
abgewartet werden sollen.
Mit dem Ziel, weitere Möglichkeiten der Hilfezugänge und Interventionen in Fällen von KWG
bekannt
zu
machen
und
anzuregen,
fand
am
4.12.
die
Fachtagung
Multifamilienprogramm für die Arbeit mit Eltern und ihren Kindern im Kinderschutz statt.
Die Fachtagung fand große Resonanz und erhielt gute, interessierte Rückmeldungen. Herr Prof.
Asen als Begründer der Multi-Familientherapie, tätig am Anna Freud Centre in London, stellte
seine Arbeit mit Familien aus unterschiedlichsten Kulturen und mit schwierigsten
Problemkonstellationen vor:
• die Arbeit mit vernachlässigenden, grenzüberschreitenden und gewalttätigen
Hochrisikofamilien,
• die Arbeit mit Familien, die von hochkonflikthaften Trennungs-Scheidungs- und
Umgangskonflikten betroffen sind, sowie
• die Arbeit mit Familien und schuldistanzierten Kindern im Grundschulalter.
Tagungsbeiträge unter http://sfbb.berlin-brandenburg.de/sixcms/detail.php/bb2.c.462833.de.
Qualifizierungsangebote für „insoweit erfahrene Fachkräfte“ nach § 8a SGB VIII
Die zahlenmäßigen Anmeldungen lagen weit über den zur Verfügung stehenden Plätzen für
2015. Es wurden erneut zwei Zertifikatslehrgänge (Grundlagenlehrgänge) § 8a SGB VIII
für Insoweit erfahrene Fachkräfte aus Berlin durchgeführt. Teilgenommen haben Fachkräfte aus
RSD, Beratungsstellen, Multiplikator/-innen im Kinderschutz, Fachkräfte öffentlicher/freier Träger
(HzE, JFE, KJGD, Kinderschutzzentren, Spezialträger, Kitas, Schulstationen), die nachweislich
Aufgaben als IseF gem. § 8a SGB VIII in Berlin übernehmen werden.
Festzustellen ist, dass viele Bewerber/innen die Zugangsvoraussetzungen nicht erfüllen und
nicht zugelassen werden können. Die anspruchsvolle Tätigkeit der IseF setzt in der Regel einen
psychologischen oder sozialpädagogischen Fachhochschul/ Hochschulabschluss voraus, mind. 3
Jahre Berufserfahrung im sozialpädagogischen oder psychologischen Arbeitsfeld und Erfahrung
im Kinderschutz.
Das Interesse von Fachkräften aus Brandenburg, an dem Zertifikatskurs teilzunehmen, war
weiterhin hoch. In Brandenburg ist die Fachstelle Kinderschutz für die Fortbildung der örtlichen
Träger der öffentlichen Jugendhilfe zuständig. Eine Entscheidung, ob - und wenn ja, unter
welchen Voraussetzungen - ein vergleichbares Angebot für Brandenburger Teilnehmer/-innen
aufgelegt werden kann und von welcher Institution steht noch aus.

Weitere Bedarfsmeldungen zu den Themen Interdisziplinärer Kinderschutz,
sowie Flucht und Migration aus 2014 waren:
33
SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
•
•
•

•
•
•
•

Arbeit mit Flüchtlingsfamilien, neue Herausforderung in der Arbeit mit
Flüchtlingsfamilien
Kinderschutz
in
Familien
mit
Migrationshintergrund/
unterschiedlichen
kulturellen/ethnischen Hintergrund
Leistungsansprüche für Ausländer/innen, EU – Bürger/innen, Drittstaatler, unter
Beachtung verschiedener Aufenthaltstitel, welche Ansprüche bestehen (auch in Bezug
auf KG, BAB, BAföG)
Jugendhilfe für Ausländer/innen, Anspruchsberechtigungen für EU – Bürger/innen (
ROMA – Problematik), unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
Jugendhilfe bei unklarem Aufenthaltsstatus
Umgang von Kindern mit Eltern bei Verdacht des sexuellen Mißbrauchs
Sexueller Missbrauch durch Frauen

Veranstaltungen zu den Themen Flucht und Migration
Auf die aus 2014 gemeldeten Bedarfe und die sich aktuell stetig ändernde gesellschaftlichen
Bedingungen für geflüchtete Menschen ergaben sich folgende Fortbildungsformate:
Zwei Fachtagungen für das Land Berlin und eine Fachtagung für das Land
Brandenburg zum Thema Flucht und Migration für unbegleitete minderjährige
Flüchtlinge und begleitete minderjährige Flüchtlinge im Familienkontext. Ziel der
Tagungen war es Fachkräften mehr Handlungssicherheit an der Schnittstelle Asyl und
Migrationsrecht/ SGB VIII zu vermitteln, Handlungsoptionen bei Abwesenheit der
Personensorgeberechtigten aufzuzeigen und familiengerichtliche Verfahren bekannt zu machen
und mögliche Stolpersteine zu diskutieren. Die Komplexität von Familienzusammenführung war
ebenso Gegenstand des Inputs, wie auch das Erlangen einer Einschätzung der Fachkräfte über
die Möglichkeiten und Grenzen ihres Handelns. Als ein wichtiges Moment aller Veranstaltungen
diente die Vernetzung mit den am Hilfeprozess beteiligten Akteuren. Als Anregungen für die
weiterführende Arbeit in 2016 wurde Folgendes in den Fachveranstaltungen benannt:
digitalisierte Vernetzung über aktuelle Angebote voranzubringen, moderierte
Fallbesprechungen mit Beschäftigten aus den Fachstellen Migration zu installieren, um die
offenen Fragen praxisnah und fachkompetent beantwortet zu bekommen und vorhandene
Wissenslücken zu schließen. Als Entlastung der Fachkräfte wurde der Wunsch nach
regelmäßiger Supervision formuliert.
Für Brandenburg wurde darüber hinaus noch benannt, dass es neue Strukturen für die
Versorgung von unbegleiteten und begleiteten minderjährigen Flüchtlingen braucht und eine
transparente Kommunikation zwischen allen Beteiligten unabdingbar ist - zum einen
zwischen den Ämtern untereinander, zum anderen zwischen der Verwaltung und den Trägern
und darüber hinaus zwischen den Mitarbeitenden und den Jugendlichen. Einigkeit bestand
auch darüber, dass die Standards der Jugendhilfe nicht abgesenkt werden dürfen.
In 2015 war die Versorgung von Roma Familien und die Wahrung des Kinderschutzes ein
zentrales Thema in Berlin. Dies wurde vom SFBB mit einer Netzwerkkonferenz für einen
besonders belasteten Bezirk, wie auch mit einer Arbeitsgruppe und Vorstellung der
Qualitätsempfehlungen für die ambulanten Hilfen für Roma Familien von ASPE e.V / Der
Paritäter auf einer der Fachtagungen aufgriffen.
Ein wichtiger Beitrag zu Ressourcenaktivierung und Erhaltung war die Kooperation mit
Lebenswelt e.V. zu der Fachtagung Würdigung der interkulturellen Jugendhilfe - Ein
Plädoyer für Salutogenese und Achtsamkeit, der eine Anschlusstagung über anderthalb Tage im
Sommer 2016 im SFBB folgen wird. Titel hier: Salutogenese im Kontext von Flucht und
Migration.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung

Aufschlussreich und ergänzend waren auch die im Jahr 2015 erstmals schriftlich
abgefragten Bedarfe nach Fortbildungen im Bereich Flucht und Migration für die
Fachkräfte in den Hilfen zu Erziehung. Hier wurde um Unterstützung durch Seminare wie auch
Inhouse Schulungen zu den Themen: Migration und Asylrecht/ SGBVIII; Herkunftsländer/
Hintergrundwissen; Lebenswelt/ Traumatisierung; Kultur- und Migrationssensible Kompetenzen;
migrationssensibler Kinderschutz und Vormundschaftsrelevante Verfahren gebeten. Dies diente
dem SFBB für 2016 als Grundlage für ein umfassendes Angebot an Veranstaltungen
zu den Themen Flucht und Migration.
Auch das in 2015 in der AG Kinderschutz Berlin schon angesprochene Thema Kinderhandel,
dem ein Austausch mit dem ISD und der zuständigen Abteilung aus dem Landeskriminalamt
vorangegangen ist, soll in den nächsten Jahren vertieft werden - offen ist hier noch das
voraussichtlich in 2016 im Bund zu verabschiedende Bundeskooperationskonzept zum Schutz
vor Kinderhandel.
Sexualisierte Gewalt
Alle Angebote zu dem Themenfeld sexualisierte Gewalt sind in 2015 gut abgefragt worden.
Insbesondere die Grundlagenveranstaltungen wurden verstärkt nachgefragt. Auch
spezialisierte Genderthematiken wie ‚sexualisierte Übergriffe auf Jungen‘ und ‚Frauen als
Täterinnen sexualisierter Gewalt‘ waren Gegenstand des Fortbildungsinteresses.
Es zeichnet sich ab, dass es in den kommenden Jahren wieder ein verstärktes Interesse an dem
Themenfeld sexueller Missbrauch in Institutionen geben wird, dem das SFBB auch mit
Bezugnahme auf das Kompendium sexueller Missbrauch in Institutionen /Hrsg.
J.M.Fegert Mechthild Wolff in einem Tagungsformat nachkommen möchten.

Hilfeplanung/Inhouse-Fortbildungen Berliner Jugendämter
Es gab unterjährig zahlreiche Anfragen - ca. 20 RSD Teams - aus dem Bereich Hilfen zur
Erziehung der Jugendämter, hier Regionalen Sozialen Dienste zur Begleitung bei
Konzepttagen, Teamtagen, Neuorganisation und zur Teamneubildung nach zahlreichen
Personalwechseln. Dabei wurden die Belastungen infolge von Personalfluktuation und den
Fragen der Einarbeitung deutlich. Der Generationswechsel im Regionalen Sozialen Dienst (RSD)
der bezirklichen Jugendämter, ein hoher Krankenstand, dauerhafte Ausfälle von überlasteten
Kolleginnen und Kollegen führen zu krisenhaften Arbeitssituationen, die in Teamtagen
bearbeitet wurden. Es wurden auch Seminare zur Stressbewältigung angefragt und durch das
SFBB durchgeführt. Bei allen Anfragen spielt das Thema der neuen Mitarbeiter/-innen im RSD
und deren große Zahl, sowie die Ermüdung durch immer wieder neu notwendig werdende
Einarbeitung eine große Rolle.
Die Lage stellt sich so dramatisch dar, dass teilweise ganze Gruppen sich auflösen,
zusammengelegt werden oder komplette RSD Teams sich in Auflösung befinden. Viele der
noch verbleibenden Beschäftigten sehen ihre Zukunft nicht mehr im Jugendamt. Sie haben
Bewerbungen in andere Arbeitsfelder der Sozialarbeit geschrieben und warten auf ihren
Weggang. Die Grundstimmung ist besorgniserregend. Andererseits ist der Arbeitsmarkt für
Sozialarbeiter leer gefegt. Es bewerben sich daher überwiegend Berufsanfänger direkt von den
Hochschulen für die anspruchsvolle und verantwortungsvolle Arbeit im RSD.
Bei dem Fachtag Verhandlungen über bezirkliche Unikate - wie entwickeln wir
Flexible Hilfen im Bereich der Hilfen zur Erziehung? im Mai 2015 wurden die
Rahmenbedingungen des BRVJug, ausgeführt in den Rahmenleistungsbeschreibungen, erläutert
und die vielen Kombinationsmöglichkeiten unterschiedlicher Formen und Finanzierungen unter
Einbeziehung und Verknüpfung von verschiedenen Anspruchs- und Rechtsgrundlagen

35
SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
aufgezeigt. Die Fortbildung hatte zum Ziel, die Angebotsentwicklung und Flexibilisierung
der Angebotsstruktur in den Hilfen zur Erziehung anzuregen, um so eine strategische
Weiterentwicklung der Hilfen zur Erziehung im Sinne des Fachprinzips
Sozialraumorientierung zu ermöglichen. Es nahmen die HzE Fachsteuerungen aus allen Berliner
Bezirken teil. Die Tagung 10 Jahre Sozialraumorientierung in Berlin bilanzierte die
eingeführten und stabil praktizierten Verfahren der Fallteamarbeit und der fallunspezifischen
Ergänzungen.
Brandenburg
Für die Brandenburger Jugendämter wurden drei regionale Fortbildungsangebote in zwei
Landkreisen und eine kreisfreien Stadt umgesetzt. Gemeinsam mit freien Trägern wurde jeweils
in mehreren Veranstaltungen an der Qualitätsentwicklung des Hilfeplanverfahrens
gearbeitet. Durch die Ausbildung von Multiplikatoren und größere gemeinsame Fachtagungen
konnte eine gute Zusammenarbeit zwischen freien und öffentlichen Trägern initiiert und
begleitet werden.

Fachdienste der Jugendämter:
Jugendhilfe im Strafverfahren/Bewährungshilfe
Der spezifische Auftrag der Jugendhilfe im Strafverfahren erfordert das Zusammenwirken von
Fachkräften verschiedener Professionen. Um den fachlichen Austausch der am
Jugendstrafverfahren in Bezug auf die Durchführung ambulanter Maßnahmen beteiligten
Akteure fortzuführen, fand am 3.6.2015 der 2. Fachtag: Hilfen für straffällig gewordene
junge Menschen - Umsetzung ambulanter Maßnahmen in Kooperation mit der
Landesarbeitsgemeinschaft für ambulante Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz in Berlin
statt. Ziel des Fachtags war die vertiefte Fortführung der Erörterung der Qualitätsstandards, die
mit dem Jugend-Rundschreiben Nr. 1/2013 vom 20.06.2013 veröffentlicht wurden. Sie geben
Raum für vielfältige, differenzierte Reaktionsmöglichkeiten auf straffälliges Verhalten junger
Menschen. Der Fachtag intensivierte den Austausch über mehr Passgenauigkeit, Akzeptanz und
Nutzungsbereitschaft ambulanter Maßnahmen. Beteiligt waren neben den Kollegen/-innen der
Jugendhilfe im Strafverfahren, und den Trägern, die diese Maßnahmen vorhalten,
Vertreter/innen der Staatanwaltschaft und Jugendrichter aus Berlin. In einem Worldcafe´ wurde
die Weiterentwicklung der ambulanten Maßnahmen ausgerichtet am Bedarf der Jugendlichen
thematisiert sowie über Verbesserungen im Kommunikationsprozess und den damit
verbundenen Abläufen an der Schnittstelle Jugendhilfe/Justiz und Träger diskutiert. Ebenso
wurde der Abbruch einer Maßnahme als mögliche „Etappe zum Ziel“ erörtert, da die Weisung
bestehen bleibt und so die Chance eines weiteren intensiven Auseinandersetzungsprozesses mit
dem jungen Menschen beinhaltet. Als Ausblick wurde festgehalten: Fortführung des
Fachaustauschs zur Weiterentwicklung fachlicher Standards sowie gemeinsame Erarbeitung von
Handlungsempfehlungen, eine vertiefte Kooperation zwischen JGH und Justiz und weiterer
Berufsgruppen des Jugendstrafrechts.
Das SFBB führte zum wiederholten Mal das bundesweite Wochenseminar zum Neueinstieg in
die Bewährungshilfe durch. Es beinhaltete neben der Darstellung des Arbeitsfeldes und der
damit verbundenen Aufgabenbereiche im Detail einen Erfahrungsaustausch der Teilnehmenden
aus den unterschiedlichen Bundesländern.
Das SFBB moderierte den jährlichen Klausurtag der U-AG JGH zum Thema: Jugendhilfe im
Strafverfahren - Profilschärfung und Umgang mit Zusatzaufgaben. Dabei ging es um die
Klärung der Aufgabenfelder sowie der Schnittstellen und Zusatzaufgaben, die nicht originär

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
zum Aufgabenbereich gehören, um eine berlinweite Profilschärfung des Arbeitsfeldes zu
verbessert.
In einer Kooperation mit der JGH Oberhausen und dem Mainzer Lehrstuhl für Kriminologie,
Jugendstrafrecht und Strafvollzug wurde im Seminar Kriminologisch fundierte
Interventionsstrategien im Jugendstrafverfahren eine praktische Arbeitshilfe entwickelt,
die allen Beteiligten im Jugendstrafverfahren konkrete Hinweise für das Diversionsgespräch und
bei der Auswahl der richtigen Interventionsstrategie geben kann. Daraus entwickelte sich eine
konkrete Umsetzungsmöglichkeit für Berlin, die in 2016 mit den zuständigen Akteuren in
diesem Arbeitsfeld erarbeitet werden wird.
Weiterhin fanden die nachgefragten Seminare zur Strafreife und Schuldfähigkeit in der
jugendpsychiatrisch-forensischen
Begutachtung,
der
Grundkurs
Jugendhilfe
im
Strafverfahren für Berlin und Brandenburger Kollegen/-innen sowie das Thema: Kooperation
und Kommunikation im Jugendstrafverfahren - Chancen und Grenzen unter Mitwirkung
von Vertretern/-innen der verschiedenen Schnittstellen wie Justiz und Polizei statt.
Elterngeldstellen nach dem BEEG
In Kooperation mit dem SenBJW Berlin und dem MASGF Brandenburg wurde jeweils eine
Tagung (einmal für Berlin, einmal für Brandenburg) durchgeführt, um über die gesetzlichen
Neuregelungen zum Eltern- und Betreuungsgeld aus 2014 und die Einführung des Elterngeld
Plus mit Partnerschaftsbonus zum 01.01. bzw. 01.07.2015 zu informieren. In den regulär
statt findenden Seminaren für die Kolleg/innen der Elterngeldstellen aus Berlin und
Brandenburg wurden die ersten Erfahrungen der Umsetzungen der gesetzlichen Neuregelungen
reflektiert und an Fallbeispielen vertieft.
Bestimmung der örtlichen Zuständigkeit nach §§86 – 86d und 87 SGB VIII
Neben den vier planmäßig stattfindenden Seminaren (Grundkurs + AVZustJug) im SFBB
wurden insgesamt 7 Inhouse-Veranstaltungen als Grund- bzw. Aufbaukurs in Berlin und
Brandenburg durchgeführt. Der Bedarf an Inhouse-Veranstaltungen zum Thema ist nach wie
vor groß.

Sozialpädagogische Konzepte
Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen
Seminare zu Gesprächsführung, digitale Lebenswelten und ressourcenorientierte Biografiearbeit
mit Kindern und Jugendlichen wurden durchgeführt. Das wichtige Thema wie reagieren
Kinder auf die psychischen Erkrankungen Ihrer Eltern wurde in einer längeren Reihe
behandelt und Handlungsmöglichkeiten für die pädagogischen Fachkräfte erarbeitet.
Zusammenarbeit mit Eltern
Im Mittelpunkt standen hier Seminare zur systemischen Elternaktivierung, Elternbilder im Alltag,
sowie methodische Zugänge zur Familienarbeit (u.a. VHT) und die Begleitete Elternschaft.
Hervorzuheben ist die 2-tägige bundesweite Fachtagung zur Begleiteten Elternschaft,
die in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft Begleitete Elternschaft BerlinBrandenburg und dem MBJS Brandenburg durchgeführt wurde. Die 140 Teilnehmer tauschten
sich über das Zusammenwirken von Jugendhilfe, Eingliederungshilfe und Behindertenhilfe,
sowie über neueste Forschungsergebnisse aus. Die Tagung fand so großen Anklang, dass 60
Interessierten leider absagt werden musste. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg und soll in
2016 wiederholt werden.

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Handlungsansätze
Von rechtlichen Grundlagen über verschiedene kleinere methodische Ansätze bis hin zu
Grundprinzipien der Partizipation und den Umgang mit den Unbändigen wurden in
Seminaren aufgegriffen. Leider kamen die Seminare zu Care Leavern und der
Zusammenarbeit von stationären Einrichtungen und Schulen aufgrund von
Teilnehmermangel
nicht
zu
Stande.
Für die Leiterinnen und Leiter von (teil-)stationären Einrichtungen in Brandenburg fand ein
Fachdialog zum Austausch über fachübergreifenden Kooperationen statt. Im Fachdialog
wurde deutlich benannt, dass ein intensiver Austausch der fachlichen Leiter/-innen mit
dem MBJS über aktuelle Entwicklungen in der Jugendhilfe und im Land Brandenburg sehr
gewünscht wird.
Umgang mit besonderen Herausforderungen
Neben pädagogischen Herausforderungen wie der Umgang mit sogenannten Systemsprenger
und Umgang mit Gewalt wurden in verschiedenen Seminaren Grundlagen der
Traumapädagogik und Bildungstheorie, sowie der Umgang mit speziellen Krankheitsbildern
(Fetale Alkohol Spektrums-Störungen, Borderline, Sucht, Umgang mit psychisch auffälligen
Jugendlichen) und Kompetenzen in der Trauerbegleitung vermittelt.
Der Fachtag „Systemsprenger“- Kinder- und Jugendliche, an denen die Jugendhilfe
scheitert fand am 15.04.2015 statt. Die Tagung thematisierte schwierige Hilfeverläufe bei
jungen Menschen, die offenbar schwer durch pädagogische Angebote erreichbar erscheinen
und auf Grund ‚schwieriger Verhaltensweisen‘ aus diversen Einrichtungen immer wieder
entlassen werden und sich wie in einer Art Drehtür zwischen verschiedenen
Jugendhilfemaßnahmen, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Straße und dem Jugendstrafvollzug, befinden. So haben 2014 ca. 40% der über 14 Jährigen in stationären Einrichtungen
die Hilfe abgebrochen, bzw. wurden vorzeitig entlassen. In der Tagung ging es um
gemeinsame Überlegungen, wie Kontinuität in Hilfeverläufen hergestellt werden kann; wie
Kinder und Jugendliche in der Jugendhilfe und Schule ‚gehalten‘ werden können.
Begleitend zum Thema gab es zum ersten Mal die Seminarreihe Die Kunst des Aushaltens
im Umgang mit sog. „Systemsprengern“ in den Erziehungshilfen, die auch in den
nächsten Jahren weiter durchgeführt werden soll.

Adoption
Die Vorbereitungskurse für Adoptiveltern werden von der Adoptionsvermittlungsstelle der
Senatsverwaltung wie auch der Caritas als sehr wichtig eingeschätzt. In 2015 fand erstmals
erfolgreich ein Seminar für Eltern mit Adoptivkindern im Alter zwischen 8-15 Jahren statt, in
dem sich Eltern über die aufkommenden Themen und Probleme der Pubertät in einem
professionellen Rahmen austauschen konnten und die Möglichkeit bestand Netzwerke zu
bilden. Dieses Angebot wurde als sehr gewinnbringend von den anwesenden Eltern beurteilt
und wird in 2016 erneut angeboten.
In 2016 wird es erneut Bemühungen geben den § 36 (1) SGB VIII in den Blick zu bekommen,
der die Kolleginnen in den Jugendämtern dazu einlädt „Vor und während einer langfristig zu
leistenden Hilfe außerhalb der eigenen Familie zu prüfen, ob die Annahme als Kind in Betracht
kommt“. Diese Möglichkeit wird bisher in der Praxis noch zu wenig umgesetzt und braucht ein
Forum um sich darüber fortzubilden und Auszutauschen.

Vollzeitpflege und teilstationäre Familienpflege
Aufgrund von Personalengpässen (Ausscheiden/ Krankheit) konnte im Jahr 2015 die alljährliche
Fachtagung für Fachkräfte der Pflegekinderhilfe einmalig leider nicht durchgeführt
werden. In Zusammenarbeit mit den Fachkräften der Jugendämter in Berlin und Brandenburg
haben jedoch die Planungen für eine dementsprechende Tagung 2016 schon begonnen.
Mehrere regionale Arbeitsgruppen haben sich thematisch konzentriert auf die Bereiche:

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SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
•
•
•
•
•
•
•

Traumapädagogische Beratungskompetenz
Sorge- und Umgangsrecht: Wie schreibe ich ans Gericht
Bindungsqualität von Kindern zur Herkunftsfamilie
Beteiligung von Kindern / Jugendlichen
Brandenburg: Gerichtliche Entscheidungen
Krisen- und Konfliktgespräche
Zusammenarbeit mit Eltern von besonderen Kindern.

Pflegeelternschule
Die vom SFBB verantwortete Pflegeelternschule wird seit 2014 vom Kinder- und
Jugendhilfeverbund Stiftung KJHV durchgeführt. Die AV Pflege und der Rahmenplan zur
Grundqualifikation für Pflegepersonen werden vollumfänglich umgesetzt. 2015 wurden vier
Kurse Vollzeitpflege und ein Kurs teilstationäre Familienpflege mit einem stabilen,
bewährten Stamm von Dozentinnen abgeschlossen. Insgesamt sind somit ca. 100 neu
zertifizierte Pflegepersonen in ihre Tätigkeit für die Jugendämter entlassen worden, um den
Bedarf an Pflegestellen zu decken. Die Evaluationen der Lehrgänge sind durchweg sehr positiv.
Die bezirksübergreifende Zusammensetzung der Lehrgangsgruppen sowie die Verbindung von
fachlicher Qualifizierung und selbstreflexiven Anteilen werden als gewinnbringend und
alltagstauglich wahrgenommen. Eine Ausweitung der Pflegeelternschule zum Thema
Verwandtenpflege ist geplant.
Brandenburg
Alle regionalen Angebote für die Fachkräfte der Landkreise trafen auf große Zufriedenheit.
Inhaltlicher Bedarf und Themenwünsche konnten kontinuierlich aufgenommen werden. Das
Themenspektrum erweiterte sich im Laufe des Jahres auf Verwandtenpflege, Flüchtlingsthemen
und Patenschaften.

Notfallpsychologie
In 2015 fanden wieder jeweils zwei Grund- und zwei Aufbaukurse Den Albtraum beenden
unter der Leitung von Frau Gabriele Schmidt statt. Leider hat Frau Schmidt ihre Seminar- und
Supervisionstätigkeit zum Thema beendet, sodass das SFBB auf der Suche nach geeigneten
Dozent/innen für das wichtige Thema Notfallpsychologie und Erstversorgung im Krisenfall ist.
Das Netzwerk Notfallpsychologie der Erziehungsberatungsstellen in Berlin hat sich auf einem
Tagestreffen mit dem Thema Traumatisierungen von Geflüchteten und Zugangswege für
geflüchtete Kinder, Jugendliche und Familien zu Erziehungsberatungsstellen beschäftigt. In den
meisten örtlichen Erziehungsberatungsstellen nahmen zu diesem Zeitpunkt (Nov. 2015) keine
Flüchtlingsfamilien oder Einzelpersonen die Beratungsangebote wahr.

2.

Gremienarbeit und Kooperationen

Die Mitarbeiter/innen des SFBB waren 2015 in verschiedenen Arbeitsgruppen und Gremien in
Berlin und Brandenburg vertreten:
In Berlin:
AG Hilfen mit Untergruppen
Pflegekinderdienst
Asyl
Wirtschaftliche Jugendhilfe
Eingliederungshilfe SGB XII
AG Beratung und Mitwirkung mit Untergruppen
Regionale Soziale Dienst (RSD)
Jugendhilfe im Strafverfahren (JGH)
Erziehungs- und Familienberatung (EFB)
Praxiskoordination

39
SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
AG Kinderschutz
AG Planung mit Untergruppe Öffentlichkeitsarbeit
AG Kindschaftsrechtliche Beratung und Vertretung mit Untergruppen
Beistandschaften
Vormundschaften
Unterhaltsvorschuss
Berlinweiter Koordinierungskreis- Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Familienkonflikt
Projektgruppe Fachcontrolling WIMES bei SenBJW
IGFH-Regionalgruppe Berlin
In Brandenburg:
Brandenburger LAG Vormundschaften
ASD-Leiter-Tagungen
Vorbereitungsgruppe für die Brandenburgischen Erziehungshilfetage
Fachstelle Kinderschutz
Landes Kinder und Jugend Ausschuss (LKJA), UA HzE
IGFH-Regionalgruppe Brandenburg
Familienministerium Elterngeldstelle
Festzustellen ist in vielen Gremien ein deutlicher Fokus auf das Thema Flucht und Migration in
allen Arbeitsfeldern der Kinder und Jugendhilfe.

3.

Schlussfolgerungen und Perspektiven

Mit den deutlich gestiegenen Bedarfen zur Unterstützung von unbegleiteten
minderjährigen Flüchtlingen und geflüchteten Familien im Arbeitsfeld der Kinder und
Jugendhilfe wird für den Haushalt 2016/ 2017 mit zusätzlichen Fortbildungsmitteln für den
Fachbereich Hilfen zur Erziehung gerechnet. Die Entwicklung der relevanten Themen lässt sich
z.Zt. wie oben beschrieben erahnen muss jedoch im laufenden Jahr stetig nachjustiert werden,
da es immerfort zu rechtlichen und gesellschaftlichen Veränderungen kommt.
Der vom SFBB in Auftrag gegeben und von Frau Prof. Hundt Ende dieses Jahres erstellte
Reader zu Asyl und Migrationsrecht an der Schnittstelle des SGBVIII wird diesen Anforderungen
entsprechend in 2016 kontinuierlich überarbeitet und online gestellt.
Da dieses Thema als Entwicklungsthema anzusehen ist und insbesondere auch Themenfelder
wie Kinderschutz, Unterstützung von geflüchteten Familien in Flüchtlingsunterkünften und
Anschlusshilfen für die über 18 Jährigen noch bearbeitet werden sollte, wird uns dieses Thema
auch weit über 2016 hinaus begleiten. Wünschenswert sind hier zum einen eine Verstetigung
der Angebote und zum anderen eine Inklusion der Zielgruppe der Geflüchteten in ein kulturund diversitätssensibles grundständiges Fortbildungsangebot in den Hilfen zur Erziehung.
Die wachsende Zahl an neuen Kolleg/innen in den Jugendämtern macht eine Nachjustierung
und Neuausrichtung der Kurse Neu im ASD/RSD und der Fortbildungen für die spezifischen
Anforderungen in den Fachdiensten notwendig. Die hohe Fluktuation, der hohe
Krankenstand und insbesondere die zeitlichen Unklarheiten bei Ausschreibung,
Bewerbungsverfahren und Nachbesetzung der Stellen machen eine Planung der im Jahr 2016
stattfindenden Fortbildungen sehr schwierig. Das SFBB wird sich auf eine sehr flexible
Fortbildungsplanung einstellen müssen.
Aus den fachpolitischen Entwicklungen, den Evaluationen 2015 und den Bedarfsabfragen für
2016 lassen sich folgende Entwicklungen/Fortbildungsbedarfe für den Bereich der Fach- und
Methodenkompetenz in den Hilfen zur Erziehung ableiten:

40
SFBB Jahresbericht 2015

Teil B Fachliche Auswertung
Grundlagen für die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in den (teil-)
stationären Einrichtungen, insbesondere rechtliche Grundlagen, Gesprächsführung und
Zusammenarbeit mit (Herkunfts-)Familien.
• Partizipative Gestaltung der täglichen Zusammenarbeit mit Kindern, Jugendlichen und
Familien.
• Große Nachfrage nach Traumapädagogischen Ansätzen.
• Vermeidung/Verminderung der vielen außerplanmäßigen Abbrüche in den Hilfen zur
Erziehung.
Ein großes Phänomen bei vielen freien und öffentlichen Trägern ist der Fachkräftemangel.
Viele Träger beschäftigen sich damit, wie sie neue Mitarbeiter/innen akquirieren, qualifizieren
und in erster Linie auch bei sich halten können. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Mangel an
qualifiziertem Personal auf die Fortbildung auswirkt.
•

Für das Programm 2016 werden sich die Gliederung und die Überschriften im Fachbereich
Hilfen zur Erziehung verändern. Das Thema Geflüchtete Kinder, Jugendliche und Familien
in den Hilfen zur Erziehung erhält aufgrund seiner aktuellen Entwicklung eine eigene
Überschrift und soll wie oben beschrieben in den nächsten Jahren in die Themenfelder
reintegriert werden. Die Überschrift Sozialpädagogische Konzepte wird durch die Überschrift
Fach- und Methodenkompetenz ersetzt. Die Überschriften Vollzeitpflege und Adoption
werden aufgrund Ihrer inhaltlichen Nähe zusammengelegt, sodass sich folgende Gliederung
ergibt:
•
•
•
•
•
•

•

Geflüchtete Kinder, Jugendliche und Familien in den Hilfen zur Erziehung
Berufseinmündung und Arbeitsfeldwechsel
Hilfeplanung
Interdisziplinärer Kinderschutz
Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Familienkonflikt
Fach- und Methodenkompetenz
-Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen
-Zusammenarbeit mit Eltern
-Handlungsansätze
-Umgang mit besonderen Herausforderungen
Vollzeitpflege und Adoption

• Fachdienste der Jugendämter
-Vormundschaft, Beistandschaft und Unterhaltsvorschuss
-Jugendhilfe im Strafverfahren
-Eingliederungshilfe
-Elterngeldstellen
-Örtliche Zuständigkeit gemäß § 86ff

41
SFBB Jahresbericht 2015

Teil C Statistik
Teil C
Statistische Übersicht
Das SFBB hat 2015 begonnen, eine komplexere und leistungsstärkere Datenbank für den
Betrieb des SFBB zu implementieren. (Datenerfassung, Korrespondenz, Abrechnung, Leistungen
intern, Web-Modul etc.)
Nach der ersten Anpassung der Leistungen der Datenbank auf die Erfordernisse des SFBB,
erfolgte die eigentliche Umstellung vom HSM auf das System Antrago im Juni 2015 im ProbeEchtbetrieb. Aus diesem Grund, liegen uns für das Jahr 2015 keine einheitlichen Daten der
Seminar- und Teilnehmerstatistik aus einer Datenbank vor. Die dargestellten Statistiken ergeben
sich aus der Addition der beiden Erfassungssysteme, bzw. vereinzelt aus Hochrechnungen der
jeweiligen Erfassungszeiträume auf das gesamte Jahr.
Insgesamt sind aus den Rahmendaten der Veranstaltungen und der Teilnahmestatistik valide
Rückschlüsse für das Jahr 2015 ziehen: Angebot und Nachfrage spiegeln sehr ähnliche
Verhältnisse wie in den Vorjahren.
Eine Kommentierung der wichtigsten Ergebnisse ergibt folgendes Bild:
• Verlässliches, relativ stabiles Fortbildungsangebot des SFBB seit 2008 – 2015
• Das SFBB führte 945 Seminare mit 1.527 einzelnen Veranstaltungen durch. Das Angebot
verteilte sich auf 2.749 Kurstage. Durchschnittlich fand an mehr als 200 Arbeitstagen ein
12-zügiger Seminarbetrieb statt. Die durchschnittliche Seminardauer liegt bei ca. 3
Kurstagen. (Nr.15)
• Auf das maximale Platzangebot von 36.745 Plätzen lagen 44.274 erfasste Anmeldungen
vor. Die Veranstaltungen wurden mit 26.292 Teilnehmende mit einer Anwesenheit von
ca. 41.241 Teilnahmetagen besucht. Jede Teilnahme dauerte ca 1,5 Tage.
• Der überörtliche Aufgabenbereich der Länder Berlin und Brandenburg wurde mit 734
Seminaren und 1.073 Veranstaltungen (77%), der gesamtstädtische Bereich Berlins mit
211 Seminaren/318 Veranstaltungen (23 Prozent) bedient. (Nr. 18)
• Die angebotenen Plätze verteilten sich zu 72 Prozent auf 26.512 länderbezogene Plätze
und zu 28 Prozent auf 10.077 Plätze im berlinspezifischen Angebot. (Nr. 31)
• Die Herkunft der 26.292 Teilnehmenden nach Arbeitsort ergab für das gesamtstädtische
Berliner Angebot fast 100 Prozent Berliner Teilnahmen, für das überörtliche Angebot eine
Aufteilung von 11.157 Berliner (58 Prozent) und 8.085 (42 Prozent) Brandenburger
einschl. sonstigen Beschäftigten. (Nr.6 + Nr.7)
• 62 Prozent der Teilnehmenden waren bei öffentlichen und 38 Prozent bei freien Trägern
beschäftigt. (Nr. 47)
• 89 Prozent der Teilnehmenden hatten einschlägige pädagogische, 11 Prozent andere
Berufsabschlüsse. (Nr. 49)
• 80,7 Prozent der Teilnehmenden waren weiblich, 19,3 Prozent männlich. (Nr. 45)

42
SFBB Jahresbericht 2015

davon 12% öffentl. 88 freie
Träger

2.356

davon 124 öffentl. 596 freier
Träger

720

3.920

SFBB Jahresbericht 2015

Jugendbehörden,
Zentralen von
154
Verbänden, Trägern davon 13 öffentlich
Quelle: Amt für Statistik Berlin -Brandenburg

Träger

Einrichtungen HZE
791
(Daten 2014)
davon 31 öffentl. 760 freie

Kita (Daten 2015)
und
Kindertagespflege

Jugendarbeit
(Daten 2014)

insgesamt

Einrichtungen

4.699

30.592

2.236

41.397

68
3.870 davon 31 öffentlich

davon 12 öffentl.,
807 freie Träger

819

davon 52% öffentl.,
47% freie Träger

1.842

Davon 338 öffentl.
345 freie Träger

663

3.496

4.073

21.336

948

27.711

1.354

Fachkräfte/ Personen

Brandenburg

Fachkräfte/Personen Einrichtungen

Berlin

1.610

4.196

1.383

7.416

222

Einrichtungen

8.772

51.928

3.188

5.224

69.103

Fachkräfte/Personen

insgesamt

Teil C Statistik

Zielgruppe der Fortbildungsarbeit des SFBB sind sämtliche tätige Personen der Kinder- und
Jugendhilfe in Berlin und Brandenburg. Die amtliche Statistik weist für die Jahre 2014 / 2015
insgesamt 69.103 Fachkräfte aus, die in 7.416 Einrichtungen / Diensten beschäftigt sind.

43

Teil C Statistik
Auf Grundlage einer kontinuierlichen und systematischen Datenerfassung kann das SFBB die
Angebotsentwicklung, die Nachfrage und die Teilnahmen in der Zeitreihe 2008 – 201510
darstellen:

Seminarstatistik

Das Fortbildungsprogramm wird umgesetzt in Seminaren, die in Veranstaltungen unterteilt sind
und in Kurstagen gemessen werden. Als Formate finden sich 1 tägige Fachtagungen, 1-, 2-,
oder 3 tägige Seminare, die thematisch beendet sind, Reihen, die aus mehreren Modulen bzw.
Veranstaltungen bestehen. Die Auslastung der Kapazitäten wird in durch die Anzahl der
Kurstage deutlich. Das Diagramm zeigt den Vergleich von 2014 und 2015. Im Jahr 2015
wurden deutlich mehr Seminare angeboten, aber weniger Veranstaltungen. Das resultiert
vermutlich aus einer anderen Erfassungsart durch die neue Software Antrago, in der die
„offenen Reihen“ als Einzelseminare angelegt werden.
Die relevante Messgröße sind die Kurstage, die über dem Niveau des Vorjahres liegen. Von
den 945 geplanten Seminaren konnten - wie im Vorjahr - 90 Prozent umgesetzt werden. 539
Seminare waren im Programmheft veröffentlicht, hinzu kamen 508 Seminare, die im laufenden
Jahr zusätzlich angeboten wurden. Mit insgesamt 2.749 realisierten Kurstagen lag das Angebot
insgesamt über dem Niveau des Vorjahres.

10

Die Daten 2015 setzen sich aus der Addition der Auswertungen aus der Software HSM (Jan-Mai) und Antrago
(Juni bis Dez 2015) zusammen. Aus Gründen der Datenpflege kann es zu leichten Über- und Untererfassungen
kommen. Die Stabilität der Zeitreihe wird sich nach der Auswertung des Jahres 2016 zeigen.

44
SFBB Jahresbericht 2015

Teil C Statistik

Ein Fortbildungsjahr ist mit ca. 200 Arbeitstagen und einem 12 zügigem Veranstaltungsbetrieb
anzusetzen. Bei 2.749 Kurstagen (Anzahl der Tage mit durchgeführten Kursen) ergibt sich eine
durchschnittliche Dauer pro
Seminar von ca 3 Tagen. Jede Veranstaltungen hat eine
durchschnittliche Teilnehmer/-innenzahl von 16 Personen.

45
SFBB Jahresbericht 2015

Teil C Statistik

Es
2015 wurden – fast wie im Vorjahr – ca. 36.745 Plätze in den Seminaren angeboten. Der
Anteil der Anmeldungen lag mit ca. 44.274 erheblich höher, entweder, weil sich die Anzahl
der Beschäftigten erhöht hat – oder aufgrund einer vermuteten Doppelerfassung in der
Umstellungszeit der Software. Der Anteil der Stornierungen durch die Fachkräfte selbst lag bei
ca. 13 Prozent. Es ergibt eine Inanspruchnahme von ca. 71 Prozent = Teilnahmen in Relation
zu den angebotenen Plätzen als Quote der Auslastung.

46
SFBB Jahresbericht 2015

Teil C Statistik
Diese Grafik (Nr. 19) zeigt das Angebot der Fachbereiche/Arbeitsfelder im Vergleich: Der
Umfang des Seminarangebotes mit 945 (1527 Veranstaltungen) in 2015 lag über dem Angebot
2014. (Querstreifen = Seminarthemen; Längsstreifen = Anzahl der Veranstaltungen, sofern die
Seminarangebote mehrteilig sind.)

47
SFBB Jahresbericht 2015

Teil C Statistik
Die Daten zu Angebot und Nachfrage (siehe Grafik Nr. 9) liegen in der Tendenz des Vorjahres:
Leichter Abstieg im Bereich Kindertagesbetreuung, gleiches Niveau im Bereich „Verbindende
Themen“, fast keine Veränderungen in den Bereichen „Hilfen zur Erziehung“ und Jugendarbeit.
Seminarstatistik, gesamtstädtisch für Berlin und überörtlich für die Länder
2014 wurde die im Staatsvertrag festgelegte Quote von 34 Prozent der SFBB-Ressourcen für
das „gesamtstädtische“ Fortbildungsangebot für Berlin und 66 Prozent für das „überörtliche“
Fortbildungsangebot für die Länder Berlin und Brandenburg fast punktgenau erreicht. Im Jahr
2015 hat sich diese Quote eindeutig zugunsten der Länder – spezifischen Fortbildungen
verschoben. Hier wird ein internes Zuordnungsproblem deutlich, was insbesondere die Berliner
Sonderprogramme „Jugendsozialarbeit an Schulen“ und „Initiative Sexuelle Vielfalt“ betrifft.
Diese sind in der Nummernvergabe irrtümlich als „überörtlich“ registriert worden, obwohl die
Zielsetzungen eindeutig gesamtstädtisch sind.

Die
Darstellung
des
Programmangebotes
differiert
auch
zwischen
den
Fachbereichen/Arbeitsfeldern. Grundlage für die Planung der Ressourcen im SFBB ist die 2007
vorgenommene Festlegung der fachlichen Kriterien für das „gesamtstädtische“ Angebot
einerseits und für das „überörtliche“ Angebot für Fachkräfte aus beiden Ländern andererseits.

48
SFBB Jahresbericht 2015

Teil C Statistik
Die Berücksichtigung von länderspezifischen Bedarfen führt auch beim überörtlichen
Programmangebot zu Konzepten, die sich nur an Fachkräfte aus einem Land richten (wie z.B.
„Grundsätze Elementarer Bildung“ nur für Fachkräfte aus der Kindertagesbetreuung in
Brandenburg oder die Qualität- und Konzeptarbeit für die Träger der offenen Kinder- und
Jugendarbeit in Berlin). Sachliche Gründe für ein „gesamtstädtisches“ Angebot liegen
insbesondere in den Ausführungsvorschriften für eine einheitliche Vorgehensweise der Berliner
Jugendämter. Der gesamtstädtische Angebotsbereich ist auf statistisch auf 23% gesunken,
obwohl die Aufgaben tatsächlich vollumfänglich erfüllt wurden.

49
SFBB Jahresbericht 2015

Teil C Statistik

2015 wurden 17 Prozent der Angebote als Inhouse-Veranstaltungen durchgeführt. Dieses
Format entspricht dem Bedarf der Träger und Fachkräfte aus Berlin und Brandenburg.
Solcherart Bedarfsmeldungen sind über die Jahre stabil. Es handelt sich um „passgenaue“ und
damit sehr praxiswirksame Fortbildungsangebote für Teams, Einrichtungen und regionale
Fachgruppen. Auch Fortbildungsveranstaltungen für Regionen, sogenannte „dezentrale
Veranstaltungen“, sind gleichermaßen fachlich sinnvoll und nachgefragt. Eine weitere Kategorie
sind die Veranstaltungen bei „Kooperationspartnern“ mit 4 Prozent, zB Sportjugend Berlin ,
Landesmusikakademie Berlin bzw. Träger, die auftragsgemäß Spezialthemen durchführen (zB
ISV oder Pflegeelternschule).

Die „Ortswahl“ für die Durchführung der Veranstaltungen richtet sich nach den Bedarfen der
Fachkräfte aus den unterschiedlichen Arbeitsfeldern, im Jagdschloss Glienicke finden 70% der
Veranstaltungen statt.

50
SFBB Jahresbericht 2015

Teil C Statistik

Teilnahmestatistik
Eine erste Differenzierung der Teilnahmedaten bezieht sich auf die Frage: Wie verteilen sich die
Teilnahmen nach Fachbereichen auf das gesamtstädtische und das überörtliche
Programmangebot: Das Diagramm Nr. 41 zeigt im unteren Block (kariert) in der jeweiligen
Säule die Teilnahmen am gesamtstädtischen Angebot aus Berlin, der obere Block der Säule
zeigt die Teilnahmen aus Berlin und Brandenburg für das überörtliche Angebot.

In diesem Jahresbericht wird auf die weitere Differenzierung des Angebote, der Nachfrage und
der Inanspruchnahme des überörtlichen Programmangebotes nach Fachbereichen verzichtet. Die
Auswertungen sind zZ nur mit erhöhtem Arbeitsaufwand leistbar.

51
SFBB Jahresbericht 2015

Teil C Statistik

Das SFBB-Programm 2015 insgesamt wurde also zu 76 Prozent von Fachkräften aus Berlin (für
das gesamtstädtische und das überörtliche Programmangebot) und zu 24 Prozent von
Fachkräften aus Brandenburg (nur für das überörtliche Programmangebot) wahrgenommen –
die Teilnahmequote entspricht 2014. Diese Zahlen weisen auch darauf hin, dass für die
Fachkräfte aus Berlin das SFBB die überörtliche und die kommunale Verantwortung für
Fortbildung widerspiegelt, während das überörtliche Fortbildungsangebot des SFBB für
Fachkräfte aus Brandenburg ergänzt wird durch Fortbildungsangebote auf kommunaler Ebene
der Landkreise und Kommunen.

Die aktuellen Daten der Fachkräftestatistik für Berlin und Brandenburg sind auf Seite
43 dargestellt. Der Arbeitsort Landkreis Brandenburg stellt sich so dar:

52
SFBB Jahresbericht 2015

Teil C Statistik

Der Anteil der Teilnehmenden von öffentlichen Trägern und freien Trägern hat sich 2015
erneut leicht zu Gunsten der Einrichtungen in freier Trägerschaft verändert: 56 Prozent: 44
Prozent.

2015 wurden erneut die Teilnahmen von „Quereinsteigern/-innen“ separat erfasst. Ihr Anteil ist
gegenüber 2014 konstant geblieben. Wir verzeichneten in allen Arbeitsfeldern eine geringere
Steigerung bei den Fachkräften mit einem akademischen Abschluss, also Diplompädagogen/innen und Diplom-Psychologen/-innen.

53
SFBB Jahresbericht 2015

Teil C Statistik

Die Fortbildungsteilnehmenden waren 2014 - wie in den Vorjahren - überwiegend weiblich.
Der Anteil der männlichen Fachkräfte lag bei 19 Prozent; das ist eine Steigerung um 3 Prozent
im Vergleich zum Vorjahr.

In der Altersstruktur der Teilnehmenden, die an den Fortbildungen teilgenommen haben, gab
es kaum Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr, und die Verteilung der Altersstufen in den
unterschiedlichen Arbeitsfeldern ist sehr ähnlich.

54
SFBB Jahresbericht 2015

Teil C Statistik

Impressum

Herausgeber:
Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg
Königstr. 36b
14109 Berlin - Wannsee
www.sfbb.berlin-brandenburg.de
Redaktion: Stand: April 2016
Konzeption: Carola Wildt
Ansprechpartnerin: anne.lersch@sfbb.berlin-brandenburg.de
Telefon: 030 48481 - 300
Druck: Bonifatius – Druckerei Paderborn
V.i.S.d.P.: Anne Lersch

55
SFBB Jahresbericht 2015
        
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