Path:
Sharing Economy

Full text: Forum Raumentwicklung Issue 2016,2 Sharing Economy

02.2016

forum
raumentwicklung
du développement territorial
sviluppo territoriale
Informationsheft
Bulletin d’information
Bollettino d’informazione

Sharing Economy
w Ein gesellschaftlicher Trend prägt auch die Raumentwicklung

Sharing Economy
w Une tendance sociale qui touche aussi le développement territorial

Sharing Economy
w Una tendenza sociale che influenza anche lo sviluppo territoriale

Bundesamt für Raumentwicklung ARE
Office fédéral du développement territorial ARE
Ufficio federale dello sviluppo territoriale ARE
Uffizi federal da svilup dal territori ARE

Couchsurfing
Nutzen statt besitzen

Coworking

motivations altruistes

polydomicilié
kollaborative Mobilität
télétravail

Gastfreundschaftsnetzwerk

Smart Sharing
una riregionalizzazione
Kleidertauschparty

application mobile

micro-entrepreneurs

échanges spontanés
un nuovo precariato dello sharing

Mothering

un consumo multiopzionale

dématérialisation

Cluster-Wohnungen
permanente Fluktuation
stimuler la croissance économique

Dumpinghölle
Foodsharing

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Les contributions des personnalités invitées à s'exprimer dans ce numéro ne reflètent pas forcément l'opinion de la rédaction.

I contributi firmati non rispecchiano necessariamente l'opinione della redazione.

02.2016

f or u m

INHALT
EDITORIAL
LEITARTIKEL Gutes Teilen, schlechtes Teilen?
PRAXIS Wie die Sharing Economy den Verkehr entfesselt
FORSCHUNG Smart Sharing: Architektur und Technik, Raum und Ressourcen
FORSCHUNG Teilen beim Wohnen
PRAXIS Flexible Arbeitszeiten entlasten die Infrastruktur
FORSCHUNG Die Sharing Economy zwischen Wachstum und Regulierungsdruck
ZU GAST « Sharing stärkt den Trend zur Dematerialisierung» Gespräch mit Karin Frick
PRAXIS Grossraum Genf: Unterwegs zum ersten Netzwerk geteilter Arbeitsplätze
für eine ganze Region
REPORTAGE Rüebli für Liechtenstein
KOLUMNE Den Wohlstand nicht ausblenden

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SOMMAIRE
EDITORIAL
GRAND ANGLE Les gagnants et les perdants de l’économie collaborative
RECHERCHE Smart Sharing: un projet global mariant architecture et vie sociale
RECHERCHE Partager son logement?
ACTION Des horaires de travail flexibles pour décharger les infrastructures
INVITE « Le partage contribue à la dématérialisation » Entretien avec Karin Frick
ACTION Grand Genève: une nouvelle étape vers le premier réseau mondial de lieux
de travail partagés couvrant l’intégralité d’un territoire
REPORTAGE Carottes liechtensteinoises
POINT DE VUE Notre problème, c’est notre niveau de vie

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SOMMARIO

RICERCA Smart Sharing: architettura e tecnica, spazio e risorse

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70
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OSPITE “Lo sharing rafforza la tendenza alla dematerializzazione”
Intervista a Karin Frick

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EDITORIALE
ARTICOLO DI FONDO Condividere: un bene o un male?

REPORTAGE Carote per il Liechtenstein
RUBRICA Il benessere, un fattore da non trascurare

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IMPRESSUM

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forum raumentwicklung 02 / 2016

EDITORIAL

Die einen vermieten ihr leer stehendes Zimmer an Kurzaufenthalter, andere teilen

« Teilen zum Wohl der

sich ein Auto, wieder andere engagieren einen informell arbeitenden Chauffeur

Gesellschaft »

statt der klassischen Taxifahrerin. Die Sharing Economy dringt in immer weitere
Lebensbereiche vor. Ob aus Kostenbewusstsein, Bequemlichkeit oder aus Sorge
um die Umwelt – das Teilen von Gebrauchsgütern und Infrastruktur liegt im Trend.
Noch zeichnen sich die neuen Wirtschafts- und Kooperationsformen erst in vagen
Umrissen ab. Was heute als innovativ gilt, kann morgen bereits überholt sein. Der
Staat sollte insbesondere dafür besorgt sein, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Dann können neue Ideen und Lösungen – vor allem auch gemeinnützige Sharing-Initiativen – getestet werden, ohne dass deswegen in den Bereichen Soziales,
Sicherheit und Umwelt Kollateralschäden in Kauf zu nehmen sind.
Wichtig ist, die Auswirkungen der Sharing Economy auf die räumliche Entwicklung

Maria Lezzi

Direktorin ARE
maria.lezzi@are.admin.ch

im Auge zu behalten. Geteilte Büroarbeitsplätze haben das Potenzial, Pendlerströme zu dämpfen und den Druck auf die Innenstädte zu reduzieren. Sollte sich der
geteilte motorisierte Individualverkehr durchsetzen, kann dies den Strassen- und
Parkraum entlasten. Allerdings droht ein Rebound-Effekt: Dank Carsharing setzen
sich womöglich auch Nicht-Autobesitzer häufiger und für längere Strecken ans
Steuer. Analog machen Plattformen zur privaten Zimmervermietung den Wochenendtrip per Flugzeug für immer breitere Kreise erschwinglich – mit Folgen für den
CO2-Ausstoss.
Die Sharing Economy hat viele Gesichter. Ob der rasanten Entwicklung geht häufig
vergessen, dass Teilen eine lange Tradition hat: Von der Bibliothek über die Waschküche bis zum Stadtpark – tagtäglich erleben wir, dass eine geteilte Infrastruktur
viele Vorteile bietet. Diesen gemeinsamen Nutzen gilt es in den Vordergrund zu
rücken, wenn über das Für und Wider der Sharing Economy debattiert wird.

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Editorial

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LEITARTIKEL

Gutes Teilen,
schlechtes Teilen?
Reinhard Loske
reinhard.loske@uni-wh.de

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forum raumentwicklung 02 / 2016 — Leitartikel

Die Ökonomie des Teilens boomt: Ob Carsharing, Couchsurfing, Kleidertausch oder
Urban Gardening, ob Foodsharing, Crowdfunding oder Coworking – in der Sharing
Economy erleben wir momentan weltweit
ein enormes Wachstum. Doch die Ökonomie des Teilens kann ebenso zu einem Generator von sozialer Kohäsion und nachhaltiger Entwicklung werden, wie sie zur
vollständigen Ökonomisierung unseres Lebens führen kann. Entscheidend ist, welchen politischen und rechtlichen Rahmen
wir ihr geben. Dabei scheint es sinnvoll,
zwischen renditegetriebenen Geschäftsmodellen und gemeinnützigen Projekten
klar zu differenzieren.

Für den Boom der Sharing Economy sind zwei
Faktoren von herausragender Bedeutung:
zum einen die sich vor allem bei jungen Menschen durchsetzende Gewissheit, dass nutzen
(können) wichtiger ist als besitzen (müssen),
um Zugang zu Gütern, Leistungen und Wissen
zu erlangen; zum anderen die enormen und
weiter zunehmenden Möglichkeiten des Internets und die damit einhergehende Erleichterung und Beschleunigung des Zusammenführens von Angebot und Nachfrage. In der
Beurteilung dieser Entwicklung lassen sich
generell zwei Sichtweisen erkennen: eine optimistische und eine pessimistische.
Zwischen Kapitalismusende und Dumpinghölle

Auf der optimistischen Seite wird nicht selten
euphorisch argumentiert: Die gemeinschaftliche Nutzung von Fahr-, Werk- und Spielzeugen, Gebäuden, Geräten und Maschinen, Kleidern, Nahrungsmitteln und Software biete ein
enormes Potenzial zur Ressourceneinsparung
und Umweltentlastung, stifte sozialen Zusammenhalt durch Kooperation und ersetze egoistische Motive Schritt für Schritt durch altruistische. Hier wird dem Sharing-Modus, der

im gesellschaftlichen Alltag an die Stelle kompetitiver Grundorientierungen treten soll, eine
transformative und letztlich systemsprengende Kraft zugeschrieben. Am Horizont erscheint nichts Geringeres als das Ende des
Kapitalismus in seiner heutigen Ausprägung.
Ganz anders schaut eine ungewöhnliche Koalition aus berufsständischen Verbänden, Internet-Avantgardisten sowie Konsumentenund Datenschützern auf die Sharing Economy. Gewerkschaften etwa warnen auf einer
Linie mit Netzexperten vor einer «Dumpinghölle», in der ein nach unten offener Wettbewerb zur Regel werde. Im sogenannten
Plattformkapitalismus drohe die Erosion sozialstaatlicher Errungenschaften und eine allumfassende Entsolidarisierung der Gesellschaft – also das exakte Gegenteil dessen,
was die Sharing-Optimisten voraussehen.
Was wir ehedem aus Empathie und ohne ökonomisches Kalkül taten, so die Befürchtung,
machen wir in Zukunft nur noch aus Berechnung und gegen Geld.
Zweifel am Sharing werden selbst von ökologischen und konsumkritischen Gruppen geäussert: Zwar sei es richtig, dass Teilen potenziell umweltentlastend und ressourcenschonend wirke, weil theoretisch weniger Güter
produziert und gekauft werden müssten. Da
sich das Ganze aber mehr und mehr von einer
sozialökologisch inspirierten Praxis zu einem
wachstumsorientierten Business Case wandle – wofür Unternehmen wie Uber oder Airbnb
stünden –, gehe es nicht mehr um Konsumbeschränkung, sondern um die Stimulierung
von multioptionalem Konsum für jedermann
zu jeder Zeit an jedem Ort. Wenn alles immer
billiger werde, so das Argument, könne man
sich von allem immer mehr leisten, wodurch
der Ressourcenverbrauch eher steige als sinke. Mit Nachhaltigkeit habe das nichts zu tun.
Blinde Flecken auf beiden Seiten

Beide Positionen können durchaus Plausibilität für sich beanspruchen – weisen aber zu-

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Leitartikel

gleich auch blinde Flecke auf. Die Sharing-Optimisten sehen nicht hinreichend klar, dass es
zum Wesen des modernen Kapitalismus gehört, neue soziale Praktiken, die zunächst nur
in Nischen gedeihen und ursprünglich oft altruistisch motiviert sind, als Frischzellenkur zu
nutzen und sie in Business Cases zu transformieren – oder dies zumindest zu versuchen.
Die Sharing-Pessimisten wiederum sehen
zwar realistische Gefahren, unterstellen aber
oft, dass der Status quo per se wünschensund schützenswert sei. Aber, so möchte man
sie fragen, gibt es heute nicht auch Kartelle, denen man durch etwas frischen Wettbewerbswind die ungerechtfertigten Renditen
wegnehmen sollte?
Das Problem der beiden ebenso pointierten
wie gegensätzlichen Sichtweisen liegt darin,
dass sie letztlich von Automatismen ausgehen: Hier führt der Weg fast wie von selbst
in den Himmel der sozialen und ökologischen
Nachhaltigkeit, dort endet er quasi zwangsläufig in der Hölle des Dumpings und der ökonomistischen Gesellschaftszurichtung. Aber
wo bleibt der Blick für das Dritte und Vierte,
für das Spannungsreiche und dialektisch Aufzuhebende?
Dieser differenzierte Blick verkauft sich auf
dem heischenden Medienmarkt vielleicht
nicht ganz so prima wie die steilen SharingThesen von Erlösung oder Katastrophe,
trifft die Wirklichkeit aber gegebenenfalls
besser. Wo bleibt die breite Diskussion über
die an sich lapidare Tatsache, dass man den
Trend zum Teilen durch politische Regulierung und Gestaltung eher in diese oder in jene
Richtung lenken kann?
Differenzierte Regulierungen entwickeln

Was nottut, ist zunächst eine realitätsnahe
und praxisorientierte Differenzierung. Es gilt,
den eher gemeinwohlorientierten vom eher
gewinnorientierten Teil der Sharing Economy

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definitorisch zu scheiden. Nur so lässt sich
vermeiden, dass alles in einen Topf geworfen
wird, und sicherstellen, dass Gleiches gleich
und Ungleiches ungleich behandelt wird.
Foodsharing, Stadtgärten, Mitfahrzentralen,
Reparatur-Cafés, Kleidertauschpartys, Nachbarschaftsautos, Recyclingbörsen oder Übergangsnutzungen leer stehender Immobilien
sind nun einmal etwas völlig anderes als
kommerzielle Buchungsplattformen für Übernachtungs- und Transportmöglichkeiten, frei
flottierende Carsharing-Angebote, Geräteund Werkzeugverleih, Maschinenringe, Coworking Spaces oder Kleider-Flatrates.

zu schaffen, der Richtungssicherheit im Sinn
von Gemeinwohlorientierung, Nachhaltigkeit
und Wettbewerbsfairness garantiert, aber
auch offen genug ist, um auf technische und
soziale Innovationen sowie eventuelle Überraschungseffekte reagieren zu können.

schäft kommen können – ein Klick genügt. Zutreffend dürfte aber auch die Annahme sein,
dass das Sharing die Re-Regionalisierung der
Ökonomie befördern kann: Food- oder Gerätesharing, Kleidertausch oder Repair-Cafés funktionieren am besten in der Nachbarschaft
oder im Quartier.

Raumentwicklung: Den Ordnungsrahmen
richtig spannen

Sind die definitorischen Klärungen erst einmal getroffen, gilt es für beide Systeme, angemessene Gestaltungs- beziehungsweise Regulierungsregime zu erarbeiten. Ziel muss es
dabei sein, einen lernenden Ordnungsrahmen

Was die räumlichen Konsequenzen der dynamischen Entwicklung der Sharing Economy
betrifft, lassen sie sich noch nicht präzise beschreiben oder gar voraussagen. Hier besteht
noch ein riesiger Forschungsbedarf. Zum einen spannt das Internet natürlich ein wesentlich ausgreifenderes Informationsnetz zum
Abgleich von Angebot und Nachfrage, so dass
auch fern voneinander liegende Akteure
leichter miteinander in Kontakt und ins Ge-

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forum raumentwicklung 02 / 2016 — Leitartikel

Stationsbasiertes Carsharing, das die Verknüpfung von öffentlichem Personennahverkehr und gemeinschaftlicher Autonutzung
erleichtert, ist anders zu bewerten als FreeFloating-Carsharing, das den Verkehrsteilnehmern die Autos gewissermassen hinterherträgt. Auch bezüglich der räumlichen Auswirkungen der Sharing Economy besteht also
ein ziemlich eindeutiger Zusammenhang: Wer
will, dass die Sharing Economy zur Stärkung
und höheren Resilienz der regionalen Wirtschaft beitragen soll, der muss den Ordnungs-

rahmen entsprechend spannen und die Instrumente von Stadtentwicklung und Raumordnung intelligent nutzen.
Die dreifache Gestaltungsaufgabe der Politik

Die politische Gestaltungsaufgabe präsentiert
sich als eine dreifache: Wo Sharing gemeinwohlorientiert organisiert ist, hat Politik die
Aufgabe, es zu fördern, zu stabilisieren und
auch vor feindlichen Übernahmen zu schützen. Wo Sharing eine gewinnorientierte Wirtschaftsaktivität wie jede andere ist oder wird,
sind durch adäquate Regulierung Wettbewerbsfairness, Steuergerechtigkeit und die
Einhaltung von Sozial-, Sicherheits- und Umweltstandards zu gewährleisten. Wo wirtschafts- und sozialpolitische Grundsatzentscheidungen getroffen werden, sollte in
Zukunft systematisch mitgedacht werden, ob
sie eher zur Bildung von sozialem Kapital beitragen oder eher zu dessen Erosion.
Auch bei der rechtlichen Regulierung der verschiedenen Sharing-Dienste muss am Anfang
ein Plädoyer für Differenzierung stehen: Es ist
ein Unterschied, ob eine Studentin während
der Semesterferien Dritten gegen kleines Geld
oder Geschenke ihr Zimmer für ein paar Tage
zur Verfügung stellt oder ob Privatwohnungen
systematisch und quasi gewerbsmässig über
einen längeren Zeitraum und für durchaus erkleckliche Summen vermietet werden. Sicher,
ordnungsgemäss zu versteuern ist beides –
aber Letzteres hat eben auch gesellschaftliche
Konsequenzen, weil ein faktisches Konkurrenzverhältnis zu Hotels, Pensionen und Jugendherbergen aufgebaut wird, weil das Mietpreisniveau steigt oder weil ganze Stadtquartiere, vor allem in den angesagten Lagen der
Grossstädte, wegen der permanenten Fluktuation ihren sozialen Charakter verändern.
Wie nachhaltig wollen wir wirtschaften?

sen ergeben, sind anspruchsvoll, aber lösbar.
Grundsätzlich sollte gelten: Es kann nicht um
ein «Totregulieren» des kommerziell ausgerichteten Teils der Sharing Economy gehen,
nur weil er mit ständischen Interessen kollidiert und manche Branchen einem erhöhten
Veränderungsdruck aussetzt. Es geht vielmehr um eine angemessene Regulierung der
Ökonomie des Teilens, um die Schaffung eines lernenden Ordnungsrahmens, der die sozial negativen Effekte der Kommerzorientierung eindämmt und das Gemeinwohl sowie
die fiskalischen Interessen des Staates fest
im Auge hat.

Die regulativen Aufgaben, die sich aus der
Sharing Economy und ihren Wirkungswei-

Die eigentlichen Fragen, die wir uns als Gesellschaft stellen müssen, sind somit grund-

sätzlicher Natur; sie kommen vor der Beschäftigung mit den Einzelphänomenen der Sharing
Economy. Wie verstehen wir das Soziale und
wie verhält es sich zum Unternehmerischen?
Wie nachhaltig wollen wir als Gesellschaft
wirtschaften und welche Welt wollen wir den
zukünftigen Generationen hinterlassen? Von
den Antworten darauf und den resultierenden
Voreinstellungen wird es abhängen, ob es uns
durch Gestaltung und Regulierung gelingt, die
Ökonomie des Teilens zu einem sozialökologischen Erfolgsmodell zu machen. Wenn wir
die Dinge treiben lassen, kann es in der Tat
sein, dass wir uns auf jene Dumpinghölle zubewegen, in der sich die einen aufs Gewinnen
spezialisieren und die anderen aufs Verlieren.
—

REINHARD LOSKE, *1959, studierte Volkswirt-

schaft und ist Professor für Politik, Nachhaltigkeit und Transformationsdynamik an der Universität Witten/Herdecke in Nordrhein-Westfalen.
Von 1998 bis 2007 war Loske für die Grünen
Mitglied des Deutschen Bundestags, von 2007
bis 2011 Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und
Europa der Freien Hansestadt Bremen.

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Leitartikel

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PRAXIS

Wie die Sharing
Economy den
Verkehr entfesselt
Jörg Beckmann
joerg.beckmann@tcs.ch

Der Verkehrssektor zeichnet sich durch
enorme temporäre und punktuelle Überkapazitäten aus. Denn die Infrastrukturen werden für Verkehrsspitzen geplant
und gebaut, Autos als Universalverkehrsmittel und für Extrembedürfnisse angeschafft. Die kollaborative Mobilität hilft,
diese Kapazitäten besser auszulasten und
Ressourcen zu schonen.

Unsere Alltagsmobilität steht heute vor einem kolossalen Wandel. Die traditionellen
politischen Denkmuster und planerischen
Handlungsmaximen einer bipolaren Verkehrswelt, in der sich der öffentliche Kollektivverkehr und der private Individualverkehr
als Blockmächte gegenüberstanden, lösen
sich in der globalen Sharing Economy auf
und schaffen Raum für ein gänzlich neues
Verkehrsdenken und -handeln. An der
Schnittstelle zwischen privater und öffent-

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forum raumentwicklung 2 / 2016 — Praxis

licher Mobilität erwächst mit dem Car-, Bike-,
Ride- und Parkplatzsharing eine neue kollaborative Mobilität, welche die Angebotsstrukturen und Nachfragemuster im Verkehrssektor rundum erneuert, neue Akteure
mit innovativen Diensten am Verkehrsmarkt
platziert und etablierte Verkehrsanbieter
zwingt, ihre Geschäftsmodelle und Wertversprechen neu zu formulieren. Dass diese
massive Transformation nicht ohne regulatorische Kollateralschäden erfolgt, ist mitt-

lerweile aufgrund der hitzigen Debatten über
den globalen Expansionskurs von risikokapitalfinanzierten Transport Network Companies (TNC) wie Uber bekannt. Die zentrale
Frage, die im Kontext dieser disruptiven Entwicklungen immer wieder neu gestellt wird,
lautet: Macht der Einzug der Sharing Economy und des kollaborativen Konsums den Verkehr nun besser oder eben gerade nicht?
Vielen galt diese Frage bislang eigentlich
schon als beantwortet. Klassische, stationsbasierte Carsharer wie Mobility verweisen
seit jeher und zurecht auf die Tatsache, dass
sie mit ihren öffentlich zugänglichen Mobilitätswerkzeugen tausende Schweizer Familien von der Notwendigkeit des privaten Autobesitzes befreien und gleichzeitig helfen,
Fahrzeuge nicht zu Stehzeugen zu degradieren. Unter dem Strich heisst das weniger Autos, weniger Autofahrten und weniger Autoparkplätze in den Schweizer Städten.
Vielfältige Carsharing-Geschäftsmodelle

Ähnliches wurde bis dato auch dem Ridesharing nachgesagt. Gemeinsam anstatt alleine zu fahren nahm im klassischen Mobilitätsmanagement eine ähnlich zentrale Stellung ein wie das «Nutzen statt Besitzen»,
auch wenn Ridesharing in der Schweiz mit
ihrem gut ausgebauten öffentlichen Verkehr
und der starken Fixierung der Autofahrer
aufs eigene Fahrzeug kaum über den eines
Forschungsthemas und – erfolglosen – Demonstrationsvorhabens hinauskam. Gleichwohl haben Mitfahrgemeinschaften in anderen Kulturkreisen und Lebensstilgruppen
durchaus Tradition, die dank multinationaler Ridesharer wie BlaBlaCar heute zu neuem Leben erweckt werden.
Dank dieser neuen digitalen Fahrtenvermittler lassen sich im Internet millionenfache
Mitfahrgelegenheiten an denkbar entlegene
Orte finden, oft zu Preisen, die ähnlich wie
die Angebote der Billigflieger erst recht zum

Reisen einladen. Als Nicht-Autofahrer für ein
paar Euro von Basel nach Berlin fahren beziehungsweise als Fahrzeuglenker die per Internet gefundenen Mitfahrer an den eigenen
Benzinkosten beteiligen zu können, führt allerdings schnell einmal zur Vermutung, dass
hier ein Rebound-Effekt vorliegt, wie er auch
schon anderen effizienzsteigernden Massnahmen im Verkehr nachgesagt wurde. Denn
womöglich entsteht das neue Mobilitätsbedürfnis überhaupt erst durch das erleichterte und kostensenkende Zusammenbringen
von Fahrern und Mitfahrern im RidesharingPortal.
Ganz im Geist der hier greifenden Verkehrsinduktionshypothese werden auch die stark
ausdifferenzierten Carsharing-Geschäftsmodelle diverser Automobilhersteller gelegentlich mit Skepsis betrachtet. Gerade dem stationsungebundenen «Free Floating» wird in
Städten wie Berlin nachgesagt, es würde anders als das stationsgebundene Carsharing
den ÖV nicht ergänzen, sondern ihn kannibalisieren: Die Generation Y nimmt womöglich
lieber schnell den Smart der Daimler-Tochter
Car2go für den Trip zum nächsten Club, als in
die U-Bahn zu steigen. Für diese These gibt
es mittlerweile durchaus Indizien, auch wenn
gleichzeitig belegt ist, dass ein stationsungebundenes Carsharing-Angebot private Fahrzeuge ersetzen hilft.
Bestehendes hinterfragen, es neu denken
und nachhaltiger ordnen

Noch lauter wird die Kritik an der kollaborativen Mobilität hingegen, wenn sich das
Augenmerk auf Parkplatz-Börsen wie Parku
oder JustPark richtet. Anstatt hier den effizi-

enteren Umgang mit der knappen Ressource
Parkraum und die Reduktion des Parksuchverkehrs in den Fokus zu rücken, der in den
meisten Innenstädten bei rund 30 Prozent
liegt, wird gemutmasst, dass durch derartige
Angebote ein zusätzlicher Anreiz geschaffen
wird, um mit dem Auto von ausserhalb in die
verkehrsbelasteten Innenstädte zu fahren.
So richtig entzündet sich der Streit um Fluch
und Segen der kollaborativen Mobilität aber
erst dann, wenn die Rede auf Uber kommt.
Mit einem Marktwert von mittlerweile über
60 Milliarden Dollar ist die Taxi-App Uber zur
gleichermassen gehassten und geliebten
Ikone einer neuen Verkehrswelt geworden,
in der eine Transport Network Company
eben kein eigenes Rollmaterial besitzen und
keine eigenen Fahrer stellen muss, um ihr
Beförderungsangebot zu vermarkten.
Die damit einhergehenden steuer- und sozialrechtlichen Herausforderungen zwingen
einerseits die Exekutive in vielen Ländern,
ihren ordnungspolitischen Rahmen anzupassen, andererseits das herkömmliche Taxigewerbe, sich neu zu erfinden. Und genau
darin liegt letztlich auch das verheissungsvollste Versprechen der Sharing Economy:
das Bestehende zu hinterfragen, es neu zu
denken und nachhaltiger zu ordnen. Um dieses Versprechen einlösen zu können, braucht
es eine bessere Integration der kollaborativen Mobilität in die lokale, regionale und nationale Verkehrspolitik und -planung. Das
Nachhaltigkeitspotenzial einer geteilten Mobilität ist riesig, kann sich aber nur entfalten, wenn die kollaborative Mobilität – neben
der privaten und der öffentlich-kollektiven –
als dritter Verkehrsträger anerkannt wird.
—

JÖRG BECKMANN, *1966, ist Verkehrssoziologe und

Raumplaner. Er führt als Vizedirektor im Touring Club
Schweiz die Mobilitätsakademie AG sowie die Geschäftsstelle des Verbands Swiss eMobility. Seit 2013
organisiert die Mobilitätsakademie den jährlich stattfindenden «World Collaborative Mobility Congress»
(www.wocomoco.org).

forum raumentwicklung 2 / 2016 — Praxis

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FORSCHUNG

Smart Sharing:
Architektur und
Technik, Raum
und Ressourcen
Hanspeter Bürgi
hanspeter.buergi@buergischaerer.ch

Das Projekt «Smart Sharing» zeigt, wie
ein umfassendes Sharing in Wohnquartieren aufgebaut werden kann. Dadurch
lässt sich der heutige Schweizer Wohnraumbedarf von 45 Quadratmeter pro Person auf 35 reduzieren – und dennoch
wird ein Mehrwert für die Bewohnerinnen und Bewohner erzeugt. Basis des
Konzepts sind vielfältige Netzwerke, die
über die Wohnanlagen in die Nachbarschaft ausgreifen.

Die eigene Vision einer nachhaltigen Wohnund Lebensform, das präsentierten Studierende der Hochschule Luzern zusammen mit
19 weiteren Hochschulteams aus aller Welt
am Architektur- und Technikwettbewerb
Solar Decathlon Europe 2014 in Versailles.
Für das Team Lucerne-Suisse standen neben solarer Architektur und energieeffizientem Bauen auch gesellschaftliche Themen
wie Konsum und Gebrauch von Gütern sowie die kluge Organisation und Verteilung
von Ressourcen im Vordergrund. Damit legten die 100 Studierenden aus zehn Abteilungen der Hochschule Luzern die eher technischen Wettbewerbsvorgaben während ihrer
zweijährigen Arbeit umfassend aus. «Smart
Sharing – our vision is your+» ist eine ganzheitliche Zukunftsvision für das Zusammenleben in Städten, die weit über den Wettbewerb hinaus diskutiert wurde. Im Sommer
2014 gewichtete die internationale Jury allerdings traditionelle Themen wie Energie-

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effizienz und Konsistenz deutlich höher als
Suffizienz oder Modelle zur Sharing Economy. Das Schweizer Projekt erreichte in den
zehn jurierten oder gemessenen Disziplinen
schliesslich den fünften Gesamtrang.
Mehrwert trotz 35 statt 45 Quadratmetern

Nachhaltigkeit wird vom Team LucerneSuisse explizit als holistisches Prinzip verstanden, das die drei Aspekte Gesellschaft,
Wirtschaft und Umwelt gleichwertig ausbalanciert. Die Idee von Smart Sharing beruht auf der Erkenntnis, dass sich die Energieeffizienz über technische Massnahmen
zwar verbessert, der Energieverbrauch an-

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Forschung

gesichts der stetigen Zunahme des Raumbedarfs pro Person in der Schweiz jedoch weiter steigt. Hier setzt Smart Sharing an und
zeigt auf, wie mit einer optimierten Nutzung
von Raum, Objekten, Dienstleistungen, Ressourcen und Energie eine nachhaltigere Entwicklung möglich wird. Neu gedachte Lösungen im Entwurf, innovative Raumkonzepte
und ein kluger Zugang zu gemeinschaftlich
nutzbaren Räumen erlauben es, sich auf einen Raumbedarf von 35 Quadratmetern pro
Person – im Gegensatz zu den heute in der
Schweiz durchschnittlich 45 Quadratmetern
pro Person – zu beschränken und dennoch
einen deutlichen Mehrwert für die Bewohnerinnen und Bewohner zu schaffen.

Städtisches Wohnen und Arbeiten

Das im realen Umfeld eines heterogenen Luzerner Quartiers verortete Konzept hat verschiedene Ebenen: eine raumplanerische mit
einer subtilen baulichen und sozialen Verdichtung sowie durch ein sinnvolles Organisieren und Teilen von Ressourcen; aber auch
eine energetische, betriebliche, soziale und
kommunikative Ebene, zum Beispiel durch
eine Buchungs-App, die dazu dient, Räume
und Gebrauchsgegenstände zu teilen.

herkömmliche nachbarschaftliche Kontakte
hinausgehen und direkte Nachbarschaftshilfen ermöglichen. Kurze Wege und optimale Anschlüsse an öffentliche Verkehrsmittel,
eine hohe Anzahl Fahrradabstellplätze sowie
Angebote für Carsharing oder Rent-a-Bike
schaffen ein nachhaltiges Mobilitätskonzept.
Die regenerativen Energiepotenziale der
Neubauten und der näheren Umgebung
werden genutzt, um thermische und elektrische Energie optimal zu verteilen.
Raumtypen und Verbindungen

Durch eine bewusst vielfältige, altersmässig und sozial durchmischte Bewohnerstruktur werden Synergien geschaffen, die über

Im Projekt gibt es drei Raumtypen mit jeweils
verschiedenen Nutzungen: Der sogenannte

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Forschung

My-Room ist der intimste Raum, der privat
von einer oder zwei Personen genutzt wird.
Der Our-Room ist Küche, Aufenthalts- und Essbereich, der je nach Lebensmodell von zwei
bis fünf oder mehr Personen genutzt wird.
Der Your-Room vereint gemeinschaftlich und
flexibel gestaltbare Nutzungen wie Gästezimmer, Atelier, Bibliothek, Musikraum oder
Fitnesszone, die je nach Bedürfnis spontan, kurzzeitig oder regelmässig per App gebucht werden. Als Verbindung zwischen den
drei Raumtypen dient ein sogenannter Space+, der funktional weiter gefasst ist als ein
herkömmlicher Korridor: Als belebende und
kommunikative Erschliessungs- und Begegnungszone mit vielfältigem Nutzungspoten-

11

zial erfüllt der mehrgeschossige Space+ auch
die Aufgabe einer «sozialen Pufferzone» und
dient darüber hinaus in haustechnischer Hinsicht zur natürlichen Belüftung und Belichtung. Durch die Gruppierung der einzelnen
Raumtypen können Raumeinheiten für ganz
unterschiedliche Lebensmodelle und Bedürfnisse geschaffen werden. Der für den Wettbewerb realisierte Prototyp, der heute wieder auf dem Campus in Horw/Luzern steht, ist
kein Haus, sondern ein Modell des Konzepts
Smart Sharing und stellt alle Raumtypen und
deren Beziehungen exemplarisch dar.
Robuste, flexible und anpassbare Gebäudeund Infrastrukturen

Die Vision des Projekts zeigt, wie mit dem Teilen von Objekten, Dienstleistungen, Räumen,
Energie und anderen Ressourcen ein Mehrwert erreicht werden kann. Dabei geht es
nicht um Einschränkung und Verzicht, sondern um einen optimierten Zugang und eine
achtsame Nutzung der natürlichen, sozialen

und kulturellen Ressourcen. Der Fokus liegt
auf der Schaffung materieller wie immaterieller Werte für die Bewohnerinnen und Bewohner. Soziale Beziehungen auf individueller und kollektiver Ebene spielen eine wichtige Rolle, nicht nur in Form eines losen
kommunikativen Austauschs, sondern auch
als direkte, nachbarschaftliche Hilfestellungen, zum Beispiel für Einkäufe oder Kinderbetreuung. Die heute im städtischen Umfeld
in Zürich und anderswo realisierten Bauten
mit ähnlichen Konzepten verdeutlichen das
Bedürfnis nach solchen alternativen Wohnformen. Die quantitative Flächenreduktion
erfordert innovative Wohnmodelle mit neuartigen Mehrwerten. Räume müssen dann
nutzbar sein, wenn sie gebraucht werden, und
es braucht Zugang zu attraktiven gemeinschaftlichen Angeboten. Doch es gehört noch
mehr dazu: Wichtig ist ein intelligenter Nutzungsmix in der Wohnanlage und im näheren Quartierumfeld mit Räumen für Wohnen,
Arbeit, Kultur und Freizeit oder sogar für Produktion – mit dem Resultat, dass sich auch

1964 – 2014:
Sinkender Energieverbrauch pro Quadratmeter
und gleichzeitig steigender Wohnflächenverbrauch pro Person neutralisieren sich.
2014 – 2064:

35 m2
Person

Visionen von Your+ und SmartSharing:
Kluges Nutzen von Raum (Reduktion von 45 m2

1964

45 m2
Person

2014

35 m2
Person

2064

auf 35 m2 pro Person) und Ressourcen führt zu
einer nachhaltigen Entwicklung.
Den Raum gemeinschaftlich nutzen
Bevölkerungswachstum und individueller Konsum
bewirken einen steigenden Ressourcenbedarf.
Eine gemeinschaftliche Nutzung wirkt dem
entgegen. Die neu gedachte Raumnutzung
ist einer von mehreren Bereichen der
globalen Vision einer 2000-Watt-Gesellschaft.
2000
Watt/Person

1964: 4 Mio. Einwohner

12

6300
Watt/Person

2014: 8 Mio. Einwohner

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Forschung

2000
Watt/Person

2064: 11 Mio. Einwohner

die Alltagsmobilität auf kurze Wege beschränkt und so den Langsamverkehr favorisiert. Neue, architektonisch durchdachte Gebäudetypologien bieten die Möglichkeit für
höhere Ausnutzungen. Das Resultat sind teils
unübliche Proportionen mit grösseren Bautiefen und robusten, flexiblen und anpassbaren Gebäude- und Infrastrukturen. Diese
gestatten unterschiedliche Nutzungen und
lassen sich flexibel an sich verändernde Bedürfnisse mit differenzierten Öffentlichkeitsgraden anpassen.

1 DACH MIT SOLARELEMENTEN
UND LICHTHOF (SPACE+)

2 VERTIKALE VERBINDUNGEN

Stadtraum und eine Vielzahl von Netzwerken

Im Zentrum von Smart Sharing steht weniger das Einzelobjekt als vielmehr das Netzwerk: ein soziales Netzwerk der Kommunikation, das ebenso auf analogen, direkten,
zwischenmenschlichen Kontakten und Beziehungen aufbaut wie auch digitale Formen
nutzt, wo dies Sinn macht; ein technisches
Netzwerk der Gebäude- und Siedlungsinfrastruktur; ein Energienetz, das die standortbedingten Angebote und Nachfragen klug
einbezieht, und schliesslich ein räumliches
Netzwerk, das Architektur entwirft und qualitätsvolle private, halböffentliche und öffentliche Räume schafft und miteinander verbindet. Dieses räumliche Netzwerk betrifft nicht
nur das Haus, sondern auch das Quartier;
nicht nur den Innen-, sondern vor allem auch
den Aussenraum, der aktives Nutzen sowie
kommunikatives und verbindendes Teilen
fördert. Ideal dafür ist eine Stadt, die über
urbane Elemente und bauliche Verdichtungen neue identitätsstiftende Orte schafft,
qualitätsvolle Fragmente von Smart SharingArealen zu einem neuen Ganzen weiterentwickelt und dadurch den Wert der Stadt insgesamt stärkt.
—

3 PLATTFORM ALS SOZIALES NETZWERK
My-Room
Privater (Schlaf-)Raum mit Bad
Our-Room
Die Küche wird je nach Situation mit den
«My-Room»-Nachbarn geteilt
Your-Room
Gemeinsam nutzbarer Raum, beispielsweise
als Gästezimmer, Musikraum, Bibliothek,
Fitnessraum
Space +
Offener Verbindungs- und Begegnungsraum
für verschiedene Aktivitäten

4 SOCKEL ALS TECHNISCHES NETZWERK
MIT GEBÄUDETECHNIK

Ê Hanspeter Bürgi, Simon Gallner (Hrsg.):
Smart Sharing – Architektur und Technik,
Raum und Ressourcen: Mehr als ein Projekt für
den Solar Decathlon. Quart Verlag, Luzern, 2015.

HANSPETER BÜRGI, *1958, studierte an der ETH Architektur.

Er ist Partner von Bürgi Schärer Architektur und Planung in
Bern, Professor für Architektur und Abteilungsleiter Master
Architektur an der Berner Fachhochschule – Architektur,
Holz und Bau. Von 2009 bis 2015 war er Professor für
Entwurf und Konstruktion an der Hochschule Luzern –
Technik & Architektur – und in dieser Funktion von 2011
bis 2014 Gesamtleiter des Ateliers Solar Decathlon.

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Forschung

13

FORSCHUNG

Teilen beim Wohnen

Ernst Hauri
ernst.hauri@bwo.admin.ch

Das Wohnen allein, als Paar oder als Kleinfamilie, prägt das herkömmliche Wohnungsangebot. Doch die Digitalisierung
dürfte dem Teilen beim Wohnen sowie
der Entstehung alternativer Wohnformen
Auftrieb geben und damit auf dem Wohnungsmarkt Spuren hinterlassen.

Wohnungen und Häuser sind unteilbare Güter. Man kann nicht «ein bisschen» Haus oder
Wohnung kaufen oder mieten – beispielsweise eine bestimmte Fläche innerhalb einer grösseren Einheit. Denn auf dem Markt
werden in aller Regel nur ganze Einheiten
mit kompletter Infrastruktur angeboten. Für
die Wohnungssuchenden wird diese Inflexibilität teilweise dadurch wettgemacht, dass
Wohnungen sehr heterogene Güter sind. Sie
sind immer Unikate, die sich bezüglich Zimmerzahl, Fläche, Ausstattung, Lage und Preis
unterscheiden. Dies eröffnet Wahlmöglichkeiten: Wer nur «wenig Wohnung» will, wird auf
kleinere Objekte fokussieren. Dennoch muss
man in aller Regel auch dann eine Küche mieten, wenn man gar nicht kochen will. Weiter
sind Wohnungen kaum durch andere Güter ersetzbar, denn Wohnen ist ein unverzichtbares
Grundbedürfnis. Wir alle brauchen eine Wohnung – wobei die angebotene «Minimalmenge» jedoch immer noch zu gross oder zu teuer
sein kann.

In der Vergangenheit wurden immer wieder
neuartige Lösungen gefunden, um Angebot

und Nachfrage in Übereinstimmung zu bringen. Historisch betrachtet dürfte das geteilte
Wohnen gar eher die Regel als die Ausnahme
darstellen. Man denke an den vormodernen
Grosshaushalt, bei dem die verwandtschaftlich verbundenen Haushaltsmitglieder die Unterkunft mit dem Gesinde teilten. Ein anderes Beispiel ist der «Zimmerherr», der sich
in einer Wohnung einmietete, sei es wegen
mangelnder finanzieller Mittel für eine ganze Wohnung, sei es, weil er nicht wusste, wie
ein Haushalt zu führen ist. Heute sind es vor
allem Wohngemeinschaften, bei denen alleinstehende Personen, die sich weder verwandtschaftlich noch sozial nahestehen müssen,
gemeinsam eine Wohnung und die damit verbundenen Kosten teilen. Häufig muss dabei
ein Mangel an Intimsphäre in Kauf genommen
werden, besonders dann, wenn es sich um
eine für Familien konzipierte «Normalwohnung» handelt. Die jüngst aufgekommenen
Cluster-Wohnungen versuchen, diesen Nach-

14

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Forschung

Neue Dynamik durch digitale Plattformen

teil zu beseitigen, ohne dabei die Vorteile wie
die gemeinsame Nutzung von Küche, Bad und
Aufenthaltsraum zu opfern.
Die digitalen Plattformen und Börsen verschaffen dem Teilen beim Wohnen eine ganz
neue Dynamik. Potenzial, Chancen und Risiken zeichnen sich erst schemenhaft ab.
Licht ins Dunkel soll eine Veranstaltung bringen, die das Bundesamt für Wohnungswesen
(BWO) im Rahmen der Grenchner Wohntage
im November 2016 durchführen wird. Klar ist:
Internet-Plattformen schaffen neuartige Kontaktmöglichkeiten und virtuelle Nähe, können
Personen und Interessen zusammenführen,
sind schnell, verursachen geringe Kosten und
laden zum Teilen geradezu ein. Ihre Reichweiten können sehr unterschiedlich sein, und genauso vielfältig sind auch die möglichen Anwendungen. Man denke nur an das Crowdfunding, das auch als Finanzierungsform für gemeinschaftliche Wohnbauprojekte zum Einsatz kommen könnte. Dafür gibt es ein historisches Vorbild: Schon vor 100 Jahren hatten

Genossenschafterinnen und Genossenschafter mit kleinen monatlichen Einlagen eine
Eigenkapitalfinanzierung zustande gebracht.
Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind die
digitale Erfassung von Bewerber- und Bewohnerprofilen, mit denen eine Liegenschaftsverwaltung die gewünschte Zusammensetzung
der Bewohnerschaft steuern kann; ferner die
Online-Versteigerungen von Mietwohnungen,
wie sie in den USA bereits gang und gäbe sind,
und nicht zuletzt Plattformen, die sich an
Nachbarschaften richten und Menschen zusammenbringen, die sich auf Quartierebene
für gemeinsame Anliegen einsetzen möchten.
Am bekanntesten – und gleichzeitig am umstrittensten – sind Vermittlungsplattformen
wie Airbnb und Couchsurfing. Sie stellen weltweit den Kontakt her zwischen Anbietern und
Nachfragern von Wohnraum. Das 2003 gegründete Couchsurfing war zumindest bis zur
2011 erfolgten kommerziellen Neuausrichtung ein «Gastfreundschaftsnetzwerk»: Die
Mitglieder boten einander freie Unterkunft an
mit dem Ziel, Freundschaften aufzubauen und
ihr Leben mit den Menschen zu teilen, die sie
so kennenlernten. Dagegen stand bei Airbnb
von Anfang an der Profit im Vordergrund. Die
anfangs unterschiedliche Ausrichtung der beiden Konkurrenten macht deutlich, zu welch
verschiedenen Zwecken die neuen Technologien eingesetzt werden können. Schaut man
beispielsweise über die Grenzen der zeitweisen Vermietung einer Wohnung oder eines Zimmers an Touristen hinaus, dann könnte diese Form der Sharing Economy für eine
hochmobile, multilokal wohnhafte und digital
vernetzte Gesellschaftsgruppe sehr wohl einen Zusatznutzen bringen. Gleichzeitig würde das Wohnungsangebot ausgedehnt, ohne
dass dafür Neubauten nötig würden.
Offene Fragen zur Regulierung

Momentan stehen jedoch eher jene Aspekte der Vermittlungsplattformen in der öffentlichen Diskussion, die negativ wahrgenom-

men werden. Es wird moniert, dass immer
weniger private Gastgeber, aber umso mehr
kommerzielle Anbieter auf den Plattformen
zu finden seien, dass das Vermietungsmodell
angestammte Mieter aus ihren Wohnungen
verdränge und dass es dadurch vor allem in
den attraktiven Innenstädten zu Mietpreiserhöhungen komme. Zudem häufen sich die Klagen: zum einen aus der Nachbarschaft über
Ruhestörungen, zum andern von den angestammten Tourismusbetrieben, welche die
ungleich langen Spiesse anprangern. Die
Plattformen sind zwar bemüht, selbstregulierend einzugreifen und Transparenz zu schaffen. Anbieter wie auch Nutzer können bewertet werden und wer negativ auffällt, kann
durch die Plattform-Anbieter gesperrt werden.
Dennoch ist der Ruf nach Regulierung nicht zu
überhören. Ob in der Schweiz ein mietrechtlicher, steuerrechtlicher oder sonstiger Handlungsbedarf besteht, klärt momentan eine
Arbeitsgruppe des Bundes unter Federführung des Seco ab.
So oder so werden die Plattformen den Wohnungsmarkt oder zumindest unsere Sicht darauf verändern. Bisher konnte davon ausgegangen werden, dass eine enge Korrelation
zwischen der Anzahl Haushalte und der Anzahl Wohnungen besteht. Darauf stützten
sich jahrzehntelang die Prognosen für den
Wohnungsbedarf. Mit dem Aufkommen der
Zweitwohnungen wurde an diesem Zusammenhang erstmals gerüttelt, und die Vermittlungsplattformen dürften ihn, sollte sich ihr
Geschäftsmodell im grossen Stil durchsetzen,
fast ganz aus der Welt schaffen. Wir brauchten dann in der Schweiz nicht mehr nur so
viel Wohnraum, wie zur Bedürfnisdeckung
der ansässigen Bevölkerung nötig ist, sondern
so viel, wie global bei uns nachgefragt wird.
Dies könnte weitreichende Folgen haben auf
den Flächenverbrauch und die Bautätigkeit,
aber auch auf den bisher in der Schweiz relativ pfleglichen Umgang zwischen Vermietern
und Mietern.
—

ERNST HAURI, *1955, studierte

in Zürich Ethnologie, Russisch
und osteuropäische Geschichte
und ist seit 1987 im Bundesamt
für Wohnungswesen tätig, seit
2009 als Direktor.

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PRAXIS

Flexible Arbeitszeiten entlasten
die Infrastruktur

Stephan Osterwald
stephan.osterwald@sbb.ch

Teilen statt besitzen ist effizient – aber
nur, wenn nicht alle zur gleichen Zeit dasselbe wollen. Genau hier setzt die Work
Smart Initiative an: Sie propagiert flexiblere Arbeitsverhältnisse und will deren Wirtschaftlichkeit durch eine intelligentere
Nutzung der Büro- und Verkehrsinfrastruktur steigern.

Jeden Morgen stehen Tausende von Pendlern
im Stau oder dicht gedrängt in überfüllten Zügen. Ist das smart? Anschliessend folgt im
Büro das Gerangel um freie Sitzungszimmer –
und abends wieder dasselbe Drängen und
Zwängen wie am Morgen in die andere Fahrtrichtung. Dieses Herdenverhalten führt zu einem hohen Bedarf an Verkehrs- und Büroinfrastrukturen und somit zu einem grossen
Flächenbedarf sowie zu hohen Investitionskosten, um die Spitzennachfrage zu bewältigen. Für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wiederum lässt das enge Arbeitszeitkorsett nur wenig Platz für individuelle Bedürfnisse.
Smarter ist, wenn Mitarbeitende und Vorgesetzte die Arbeitsformen und Präsenzzeiten
individuell absprechen und so den Bedürfnissen von Mitarbeitenden und Unternehmen
besser Rechnung tragen. Gleichzeitig lassen
sich auf diese Weise die Infrastrukturen im
Tagesverlauf gleichmässiger auslasten.

16

Tiefere Investitionen, höhere Produktivität

Hier setzt die Work Smart Initiative an, die
flexible Arbeitsverhältnisse fördert, um drei
Ziele zu erreichen:
1. Motivierende Rahmenbedingungen für
Mitarbeitende schaffen, die Attraktivität
des Arbeitgebers steigern und brachliegende Arbeitskräfte mobilisieren, um
beispielsweise einen Beitrag gegen den
Fachkräftemangel zu leisten.
2. Produktivität steigern durch die Berücksichtigung individueller Biorhythmen,
dank der Wahl eines passenden Arbeitsorts für jede Aufgabe und mit einer
besseren Vernetzung mittels moderner
Informations- und Kommunikationstechnologie.

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Praxis

3. Smartere Nutzung der Verkehrs- und
Büroinfrastrukturen. Das führt zu einer
gleichmässigeren und somit effizienteren
Nutzung von Verkehrs- und Büroinfrastrukturen.
Die Work Smart Initiative wurde im Frühjahr
2015 von SBB, Swisscom, Microsoft Schweiz,
Mobiliar, Post und Witzig The Office Company
gegründet. Zurzeit haben über 70 Arbeitgeber die «Charta zur Gestaltung von flexiblem
und ortsunabhängigem Arbeiten» unterzeichnet. Sie verpflichten sich damit, flexible Arbeitsverhältnisse zu fördern und auf die oben
erwähnten Ziele hinzuarbeiten. Die Unterzeichner der Charta haben gemerkt, dass Teilen beziehungsweise «Nutzen statt Besitzen»
smarter ist. Die flexible Arbeitsweise ist aber
nur dann effizienter, wenn nicht alle zur selben Zeit dasselbe nutzen möchten.

Die zeitliche Streuung ist eine Grundvoraussetzung für effizientes Sharing und gilt somit
sowohl für den öffentlichen und privaten Verkehr als auch für die Büroarbeitsplätze. Die
positiven Effekte fallen auf allen Ebenen an:
Ein tieferer Investitionsbedarf beziehungsweise eine höhere Produktivität pro investiertem Franken steigert die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sowie der Schweizer
Volkswirtschaft insgesamt.

sind sehr ungleichmässig ausgelastet: Zu
Hauptverkehrszeiten sind insbesondere viele
S-Bahnen überfüllt, im Tagesdurchschnitt sind
jedoch weniger als 30 Prozent der Sitzplätze
belegt. Das ist weder betriebswirtschaftlich
noch volkswirtschaftlich effizient. Flexible Arbeitsverhältnisse ermöglichen es Pendlern,
sich punkto Zeitmanagement intelligent zu
verhalten, bequemer zu reisen und dabei ihre
Zeit produktiver zu nutzen.

Chance für Schiene und Strasse

Auch für die Nutzung der Strassen könnte die
Work Smart Initiative eindrückliche Folgen
zeitigen. Diese gehen weit über die Beseitigung der Staus an den Flaschenhälsen in den
Stosszeiten hinaus. Gemäss Studien ist in gewissen Städten bis zu 30 Prozent des motorisierten Individualverkehrs (MIV) auf die Parkplatzsuche zurückzuführen. Dies ist raumökonomisch höchst ineffizient: Zuerst ver-

Dass die Work Smart Initiative beim öffentlichen Verkehr eine Entlastung bewirkt, ist offensichtlich. Denn die vergleichsweise teure
Schieneninfrastruktur ist im internationalen
Vergleich sehr dicht befahren: Auf keinem
anderen Netz verkehren mehr Züge pro Tag
und Strecke als bei den SBB. Aber die Züge

schlingt der Parkplatzsuchverkehr knappen
städtischen Raum zum Fahren, anschliessend
zum Parkieren. In Zukunft verkehren selbstfahrende ÖV-Shuttles als moderne Sammeltaxis, womit sich der Parkplatzsuchverkehr
erübrigt. Insbesondere bei einer im Tagesverlauf relativ gleichmässigen Nachfrage beansprucht der Strassenverkehr in diesem
Szenario auch sonst viel weniger Platz als der
heutige motorisierte Individualverkehr. Würde beispielsweise die heutige Verkehrsleistung des MIV in der Stadt Zürich ausschliesslich durch gesharte selbstfahrende Fahrzeuge
erbracht, wäre nur noch rund ein Drittel des
heutigen Fahrzeugbestands nötig, was entsprechend weniger Platz in Anspruch nähme.
—

Ê www.work-smart-initiative.ch

STEPHAN OSTERWALD, *1976, studierte Volkswirtschaft

und Politikwissenschaft an der Universität Bern.
Er arbeitet bei den SBB als Leiter Verkehrsökonomie,
Statistik und Forschungszusammenarbeit und ist
Co-Geschäftsführer bei der Work Smart Initiative.

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Praxis

17

FORSCHUNG

Die Sharing Economy
zwischen Wachstum
und Regulierungsdruck
Luc Zobrist
lzobrist@deloitte.ch
Michael Grampp
mgrampp@deloitte.ch

18

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Forschung

Nutzen statt besitzen liegt im Trend. In der
Schweiz nimmt jeder Zweite an der Sharing Economy teil. Das ist erfreulich, denn
das Sharing–Konzept bringt viele ökonomische Vorteile mit sich. Allerdings sind
auch die Widerstände gross. Vor allem Unternehmen, die durch die neue Konkurrenz
unter Druck geraten, fordern eine stärkere Regulierung. Verbote oder eine umfassende Anwendung bestehender Regulierungen scheinen aber wenig sinnvoll.

Die Sharing Economy bewegt die Massen.
2015 hat es der Begriff auf die «Word of
the Year Shortlist» von Oxford Dictionaries
geschafft. Das Thema wird derzeit intensiv
und kontrovers diskutiert. Das damit verbundene Interesse, die Erwartungen, aber auch
die Widerstände sind gross.

Gemäss einer Studie der Europäischen Union
hat sich der EU-weite Bruttoumsatz dieser
Collaborative Economy 2015 mit 28 Milliarden
Euro gegenüber 2014 fast verdoppelt. Damit
stehen wir aber wohl erst am Anfang: Das
europaweite Potenzial liegt gemäss Schätzungen der Europäischen Union bei 570 Milliarden Euro. Das Interesse der Investoren ist
dementsprechend gross: Die Investitionen in
Sharing Economy Startups sind weltweit von
jährlich 300 Millionen Dollar 2010 auf über 14
Milliarden Dollar 2015 gestiegen. Nur schon
die beiden Aushängeschilder Airbnb und
Uber haben zusammen einen Unternehmenswert von über 90 Milliarden Dollar.
Grosses Interesse in der Schweiz

Der Trend zum Teilen hat auch die Schweiz erreicht. Einerseits sind einige der grossen USamerikanischen Unternehmen hierzulande er-

folgreich tätig. Der Fahrdienst-Vermittler Uber
arbeitet allein in der Stadt Zürich mit mehr
als 1000 Fahrern zusammen. Die Unterkunftsvermittlungsplattform Airbnb hat gemäss
Schätzungen des Walliser Tourismus Observatoriums in den grössten Kantonen bereits
einen Marktanteil von 10 bis 25 Prozent an
den Übernachtungen. Anderseits sind Dutzende Schweizer Sharing Economy-Startups
entstanden; einige davon konnten sogar international Fuss fassen wie zum Beispiel der
Zimmervermieter Housetrip oder der Parkplatzverwalter Parku.
Wie eine repräsentative Umfrage des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte
zeigt, nehmen 55 Prozent der in der Schweiz
wohnhaften Personen an der Sharing Economy teil – sei es als Anbieter oder Nachfrager.
Die meisten davon sind in den Bereichen
Transport und Unterkunft tätig (vgl. Abb. S. 21).

In der breiten Öffentlichkeit
wird der Begriff Sharing Economy für ein Phänomen verwendet, das längst über den
klassischen Sharing-Gedanken
hinausgeht und in Fachkreisen
als Collaborative Economy
oder Crowd-Based Capitalism
bezeichnet wird. Damit ist eine moderne Form der Marktwirtschaft gemeint, in welcher der Kauf oder Tausch von
Gütern und Dienstleistungen
dank Smartphone und Tablet
überall und jederzeit via Onlineplattformen
stattfinden
kann. Die Sharing-Unternehmen nehmen dabei vor allem
die Vermittlerrolle zwischen
Angebot und Nachfrage ein.
Privatpersonen sind dadurch
nicht mehr nur Nachfrager,
sondern können zu Mikrounternehmern werden.

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Forschung

19

Aber auch Dienstleistungen sind immer gefragter: Via Onlineplattformen können heute
Arbeiten jeglicher Art auf Abruf angeboten
werden. Die Palette ist breit und reicht von
Haushaltshilfe, Datenrecherche, Design und
Übersetzung bis zu Finanz- und Rechtsberatung.
In der Schweiz ist Arbeit auf Abruf stark im
Aufwind und dürfte in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Doch Potenzial gibt es
auch anderswo, wie ein Blick in die USA zeigt.
Dort sind bereits zwölf Wirtschaftsbereiche
von der Sharing Economy erfasst worden –
unter anderem auch Gesundheit und Energie.
Der Kuchen wird grösser

Diese Entwicklung ist erfreulich, denn die Sharing Economy bringt viele ökonomische Vorteile mit sich. Konsumenten profitieren ins-

20

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Forschung

TEILEN IN DER SCHWEIZ
0%

100 %

Habe ich
bereits
geteilt

33 %

Werde ich
in den
nächsten
12 Monaten
teilen

31 %

29 %

25 %

12 %

22 %

16 %

7%

15 %

3

6% 1

Transport (Auto, Velo etc.)
Unterkunft (Haus, Wohnung etc.)

Darüber hinaus fördert die Sharing Economy das Mikrounternehmertum und damit
auch die Innovation. Die Schaffung von Peerto-Peer-Onlineplattformen ermöglicht es Interessierten, ihre Fähigkeiten ohne grosse Kosten und Risiken einem bisher unerreichbaren
Netzwerk anzubieten und dadurch zusätzliches Einkommen zu generieren. Wer als
Anbieter in der Sharing Economy tätig ist,
kann selber entscheiden, wann, wem und in
welchem Ausmass er Dienstleistungen oder
Produkte verkaufen oder vermieten will.
Besteht Regulierungsbedarf?

Trotz all dieser Vorteile ist der Widerstand gegen die Sharing Economy gross. Gefordert
werden mehr staatliche Eingriffe bis hin zu
Verboten – nicht zuletzt deshalb, weil die Sharing Economy zu einem Strukturwandel führt
und traditionelle Unternehmen und Branchen
dadurch unter Druck setzt.
Dass es gewisse Anpassungen der Rahmenbedingungen braucht, um Graubereiche zu
regeln – zum Beispiel in Bezug auf die Steuerfrage –, scheint klar. Städte wie Amsterdam
oder London sind hier mit gutem Beispiel vorangegangen und haben gemeinsam mit
Plattformbetreibern geeignete und praktika-

Dienstleistungen (spezielle Fähigkeiten, Know-how etc.)
Persönliche Güter (Kleider, Kamera etc.)
Finanzielle Dienstleistungen (Kreditaufnahme oder -vergabe)
Andere

ble Lösungen gefunden. Die Schweiz sollte
diesbezüglich nachziehen.
Wenig Sinn machen dürfte hingegen, Sharing
Economy-Unternehmen pauschal zu verbieten oder ihnen dieselben Regulierungen aufzuerlegen, die heute für traditionelle Unternehmen gelten. Denn erstens konzentrieren
sich Sharing-Unternehmen häufig auf die Vermittlerrolle und sind deshalb nicht mit herkömmlichen Firmen gleichzusetzen; die tatsächlichen Anbieter sind grösstenteils Privatpersonen. Zweitens kennt die Sharing Eco-

nomy bereits eine Art von Selbstregulierung.
Ausführliche Bewertungssysteme sorgen für
Transparenz und Vertrauen zwischen Kunden
und Anbietern. Durch dieses Aufbrechen von
Informationsasymmetrien entfällt die Notwendigkeit staatlicher Regulierungen grösstenteils. Die Konsumenten sind durch Bewertungssysteme häufig sogar besser geschützt
als durch gesetzliche Vorschriften, die zudem
den Wettbewerb schwächen und deren Kontrolle stets mit viel staatlichem Aufwand verbunden ist.
—

MICHAEL GRAMPP, *1969, ist Chefökonom und Leiter Research von Deloitte

Schweiz. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind Fragestellungen aus der
Finanzindustrie, der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) sowie der Konsumgüterindustrie. Zudem arbeitet er an branchenübergreifenden Themen wie Innovation, Automatisierung und Sharing Economy. Er ist
promovierter Ökonom mit Abschlüssen an den Universitäten ErlangenNürnberg und Leipzig sowie an der Hochschule Luzern.
LUC ZOBRIST, *1986, ist Economic Analyst im Schweizer Research Team

von Deloitte, wo er sich vor allem mit den Themen Automatisierung,
Innovation und Konsumgüter beschäftigt. Er verfügt über einen Masterabschluss der Universität Bern in Public Management and Policy mit
Schwerpunkt Volkswirtschaftslehre.

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Rubrik

21

Quelle Grafik: Deloitte Research, 2015

besondere von tieferen Kosten. Dabei sinken
nicht nur die Endpreise, sondern auch die
Such- und Transaktionskosten. Gleichzeitig
vergrössert die Sharing Economy das Angebot an Gütern und Dienstleistungen, was
wiederum positive Auswirkungen auf die
Qualität hat. Eine Studie aus den USA zeigt,
dass der Markteintritt von Uber in New York
und Chicago die Qualität bestehender Taxianbieter erhöht hat. Die tieferen Preise und
die steigende Qualität dürften letztlich das
Wirtschaftswachstum stimulieren. Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Sharing
Economy den Kuchen insgesamt vergrössert
und keineswegs nur traditionelle Geschäfte
ersetzt.

ZU GAST KARIN FRICK

« Sharing stärkt
den Trend zur
Dematerialisierung »
Interview: Pieter Poldervaart
Fotos: Martin Bichsel

22

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Zu Gast

Sharing Economy ist keine neue Entwicklung, vielmehr funktioniert das Teilen und
gemeinsame Nutzen von Gütern schon seit
Jahrtausenden. Doch dank Internet und
mobilen Endgeräten erhält das Konzept
eine neue Qualität. Der Gesetzgeber solle
diese Entwicklung nicht abwürgen, sondern die bestehenden Regulierungen wo
nötig anpassen, mahnt Karin Frick, Leiterin Research und Mitglied der Geschäftsleitung des Gottlieb Duttweiler Instituts.

Die letzten Jahrzehnte waren in vielen
westlichen Ländern und insbesondere der
Schweiz geprägt von einem fast ungebremsten Konsum. Ist die Sharing Economy jetzt der Gegentrend zu dieser Spirale
des Habens?
Karin Frick: In der Schweiz haben wir heute punkto Konsum tatsächlich eine Sättigung
erreicht. Alles, was zusätzlich dazukommt,
ist in erster Linie Ballast, der Platz beansprucht und Zeit für den Unterhalt benötigt.
Insbesondere Fahrzeuge brauchen einen regelmässigen Service, was viele nur nervt. Das
Konzept «mehr besitzen» wird dadurch unbequem.
Das gemeinsame Nutzen eines Fahrzeugs
kann hingegen zeit- und platzsparend sein …

Ursprünglich war der Motor für die neuen
Strategien des gemeinsamen Nutzens ein
anderer. In den USA etwa hatten nach der
Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 und
2009 viele Familien und Studierende weniger Geld. Sie mussten sich verschulden und
begannen nach Möglichkeiten zu suchen, um
ihre Ausgaben zu minimieren. Dies führte
dann zur Renaissance des Teilens von Wohnraum und Fahrzeugen – Strategien, die etwa
in Form der studentischen Wohngemeinschaften natürlich auch bei uns bekannt sind.
Inzwischen steht bei der Sharing Economy

allerdings weniger das Sparpotenzial als
vielmehr der Wunsch nach weniger Ballast
im Vordergrund. Auch die neuen Möglichkeiten des sozialen Austauschens begeistern
viele Menschen.
Die Flaggschiffe der Sharing Economy,
Uber und Airbnb, profilieren sich aber
kaum mit sozialen Leistungen, sondern
hier gehts vor allem ums Geld.
Sharing umfasst verschiedene Komponenten, die wir in unserer Studie von 2013 herausgearbeitet haben. Eine davon ist das sogenannte Mothering, also das sich Kümmern
um andere. Eine weitere Komponente ist die
ökonomische Überlegung, das sogenannte
Pooling. Damit ist die Einsparung gemeint,
die sich erzielen lässt, wenn man Güter gemeinsam mit anderen verwendet. Auch das
gemeinsame Erlebnis kann zum Sharing motivieren – wir nennen das «Socialtainment».
Dabei wird das Soziale zum Teil des Genusses. Beim Sharing schwingen alle drei Komponenten mit – aber je nach Konzept sind
die einzelnen Ebenen unterschiedlich stark
ausgeprägt. So fliesst bei Übernachtungsangeboten der Aspekt ein, dass man sich bei
Privatleuten einquartiert und so andere Menschen kennenlernt.
Selbst kommerzielle Projekte wie Uber
werben mit Nachhaltigkeit. Wie weit wird
beim Sharing die bessere Ökoeffizienz
durch Rebound-Effekte eliminiert?
Ob bei Energiesparmassnahmen oder bei
neuen Sharing-Plattformen – der ReboundEffekt ist allgegenwärtig: So belohnt man
sich für konsequentes Velofahren im Alltag
womöglich mit einem Langstreckenflug in
den Sommerferien. Und wer bei Mobility mitmacht, investiert das gesparte Geld in anderweitigen Konsum. Man darf aber nicht
die Sharing Economy für den Rebound-Effekt
verantwortlich machen. Jeder muss selbst
entscheiden, ob er die freiwerdenden Res-

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Zu Gast

«Die Sharing Economy
wird den Trend vom
Angestelltendasein zur
Selbstständigkeit weiter
beflügeln.»

sourcen für Konsum einsetzt oder ob er die
Lohnarbeit reduziert und lieber mehr Freizeit
geniesst.

Wenn sich Teilen gesellschaftlich breit
durchsetzt – was könnte das für unsere
Städte bedeuten?
Es gibt Modellrechnungen für Singapur. Man
untersuchte, was die komplette Verlagerung
aller Personen- und Warentransporte auf geteilte Mobilität bedeuten würde. Das Ergebnis war, dass Verkehr und Parkraumbeanspruchung um einen Drittel zurückgingen.
Wie man die dadurch freiwerdenden Flächen
verwenden würde – ob für neue Pärke für die
Stadtbevölkerung oder für neue Einkaufszentren und private Büros – ist natürlich offen.
Losgelöst von diesem Beispiel: Wie beeinflusst die Sharing Economy das soziale Gefüge?
Eine wichtige Veränderung betrifft die Art,
wie wir unser Geld verdienen. Die Sharing
Economy wird den Trend vom Angestelltendasein zur Selbstständigkeit weiter beflügeln –
schon jetzt sind die Selbstständigerwerbenden die am schnellsten wachsende Beschäftigungsgruppe.

23

Fraglich ist, ob die Einkünfte dieser neuen
Ich-AGs zum Leben reichen. Entsteht ein
neues Sharing-Prekariat?
In der Schweiz wohl kaum. Hierzulande haben wir ein relativ homogenes soziales Gefüge. Eine Putzfrau ist kaum für weniger als
30 Franken pro Stunde zu bekommen, nicht
einmal schwarz. Nur wenig Menschen werden sich lohnmässig noch tiefer drücken
lassen.

Unbedingt. Während die ältere Generation
vor 30 Jahren ihre Ski noch kaufte, mieten
heute die meisten Jungen ihre Winterausrüstung. Das hat nicht nur wirtschaftliche
Gründe, sondern man strebt einen möglichst
ballastfreien Haushalt an und will ohne viel
Gepäck reisen. Die Tatsache, dass man im Internet bequem die richtige Ausrüstung buchen kann, beflügelt sie in dieser Grundeinstellung zusätzlich.

Die ländliche Allmend, der bäuerliche Maschinenring – stammt die Idee des Sharings ursprünglich aus dem ländlichen
Raum?
Ohne das Teilen und das gemeinsame Nutzen gewisser Güter funktioniert keine Gesellschaft. Ursprünglich waren auch wir in der
Schweiz sehr ländlich organisiert. Teilen und
gemeinsam nutzen ist alles andere als neu:

Also regelt in einer relativ homogenen
Gesellschaft wie der unseren der Markt
alles?
Natürlich müssen Fragen wie Sozialversicherungen behördlich einheitlich geregelt sein.
Aber ein Lohndumping befürchte ich nicht.
Bisher sprachen wir vor allem über Taxiund Hoteldienstleistungen. Welche weiteren Branchen sind für die Sharing Economy attraktiv?
Bekleidung ist ein Businessmodell, das zunehmend im Sharing-Verfahren funktioniert.
Der Übergang ist schleichend: Inoffiziell funktioniert das Sharen heute schon, wenn Versandmode nach 20 Tagen zurückgeschickt
wird – und zuvor häufig bereits getragen
wurde. Wenn man diese Praxis konsequent
zu Ende denkt, eröffnen sich neue Geschäftsmodelle, wie sie etwa die Mode-Leih-Boutique Kleihd in Zürich entwickelt. Wer bisher
im stationären Handel shoppte, verbringt in
Zukunft seine Zeit halt auf solchen Verleihplattformen. An sich sind den Produktgruppen aber kaum Grenzen gesetzt. Ein Autoliebhaber wird allerdings sein Traummodell
immer in der eigenen Garage stehen haben
wollen und es nicht tageweise mieten.
Wer sind eigentlich die Nachfrager? Sind
es vor allem die Jungen, die als Digital Natives nun auch zu Sharing Natives werden?

KARIN FRICK, *1960, studierte an der Universität St.Gallen Wirtschaft
und arbeitet seit 2001 beim Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) als Leiterin
Research und Mitglied der Geschäftsleitung. Sie befasste sich in verschiedenen Funktionen mit Zukunftsthemen, gesellschaftlichem Wandel,
Innovation und Veränderungen von Menschen und Märkten und ist
Co-Autorin der 2013 erschienenen Studie «Sharity».

24

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Zu Gast

«Pärke und andere
gemeinsam genutzte
Flächen, wo sich
Erwachsene treffen
und begegnen
können, werden in
Zukunft wichtiger.»

klar definierter Kreis von Mitarbeitenden
grösserer Firmen Zutritt hat. Diese können
dann die Infrastruktur wie Drucker, Sitzungszimmer und Kaffeeküche nutzen. Welche der
bestehenden Konzepte sich durchsetzen und
welche neuen Modelle noch erfunden werden, das ist zurzeit völlig offen.
Früher lebten Grossfamilien mit Tanten und
Haushaltshilfen im selben Haushalt. Man teilte viel mehr Dinge des Alltags und trug auch
Kleider so lange nach, bis sie nicht mehr zu
gebrauchen waren.

In der Stadt hingegen blühen Sharingplattformen. Dabei gehts nicht nur um Geräte,
sondern häufig um Raum, ja sogar um geteilte Arbeitsplätze. Welche Chancen geben
Sie dem Co-Working?

Wann änderte sich das?

Flexible Arbeitsorte und Home-Working liegen im Trend, doch immer von daheim aus zu
arbeiten ist für viele nicht attraktiv. Co-Working-Spaces könnten für gewisse Berufsgruppen attraktiv sein. Doch die aktuellen Angebote mit ihrem gestylten Innendekor sind aus
meiner Sicht für viele Freischaffende schlicht
zu teuer – die modernen Arbeitsnomaden gehen lieber in ein Café mit WLAN. Gleichzeitig ist die Hoffnung auf den vielgerühmten
Austausch und das Networking mit Vorsicht
zu geniessen: Denn Selbstständigerwerbende fürchten womöglich, dass sich ihre Büronachbarn einen Teil der Mandate unter den
Nagel reissen. Optimistischer bin ich, was
Business-Lounges angeht, zu denen nur ein

Das Aufkommen des Massenkonsums machte es möglich, dass fast alle Haushalte – die
zudem immer kleiner wurden – einen Kühlschrank, eine Waschmaschine oder ein eigenes Auto besitzen.
Das traditionelle Teilen ist somit passé?

Keineswegs. Gerade auf dem Land fragt man
einfach den Nachbarn über den Gartenzaun,
ob man die Kettensäge kurz behändigen darf
oder ob er die Schildkröte in den Sommerferien betreuen kann. In Dorf braucht man dafür schlicht kein Internet.

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Zu Gast

Sind Co-Working-Spaces nur fürs Individuum attraktiv oder bieten sie auch raumplanerische Vorteile?

Wenn für Firmen solche Arbeitsplätze günstiger sind und die Mitarbeiter ohnehin nicht
für längere Zeit in zentraler Lage gebraucht
werden, lohnen sich solche Konzepte durchaus. Übers Ganze gesehen könnte so der vorhandene Büroraum effizienter genutzt werden und auch die Pendlerströme liessen sich
reduzieren.
Könnte ein solcher Co-Working-Space auch
in Bergtälern Sinn machen und dort zusätzlich die Funktion einer Post oder einer Beiz
übernehmen, die längst geschlossen sind?

Im Prinzip sind solche Zentren sehr gefragt.
In entleerten Tälern sind zudem die Mietpreise tief. Ob ein solcher Ort allerdings genügt,
um Städter zum Umzug in ein Bergtal zu mo-

25

«Man will zwar denselben Konsum,
aber möglichst ohne
lästigen Besitz.»

Neben dem Pendler- hat auch der urbane
Güterverkehr ein grosses Sharing-Potenzial.
Warum warten wir noch immer auf den
Durchbruch?

tivieren, wage ich zu bezweifeln. Denn der
Sog in die Stadt ist ungebrochen. Optimistischer bin ich punkto Co-Working-Spaces in
Kleinstädten, wo beispielsweise Mitarbeiter
der Bundesverwaltung einen oder zwei Tage
pro Woche arbeiten könnten, statt die Achse
Zürich–Bern zu belasten.

In der Schweiz nimmt der Anteil von Einpersonenhaushalten zu, er liegt bei über 36 Prozent. Kommt dazu, dass ab einem Alter von

25 die Zahl der sozialen Kontakte abnimmt.
Dennoch braucht es diese gesellschaftliche Einbindung für die psychische Gesundheit. Wir werden immer älter, doch die Schar
der Kinder, Enkel und Urenkel schrumpft.
Treffpunkte im Siedlungsraum werden also
immer wichtiger. Gleichzeitig werden Poststellen geschlossen, und Läden, wo man sich
trifft, verschwinden tendenziell, denn das private Einkaufen verschiebt sich immer mehr
Richtung Online. Pärke und andere gemeinsam genutzte öffentliche Räume, wo sich Erwachsene und vor allem ältere Menschen
treffen und begegnen können, gewinnen somit an Bedeutung.

26

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Zu Gast

Nicht nur Büros, auch die öffentlichen Freiräume sind in der Stadt knapp. Kann Sharing
hier zur Entlastung beitragen?

Aktuell haben alle Logistiker und Verkäufer
noch ihr eigenes Vertriebskonzept. Doch intelligentere Modelle sind unterwegs, Treiber dafür
ist vor allem die ständig wachsende Heimlieferung. Beim Sharing in der Distribution gehts
übrigens nicht nur um die gemeinsame Nutzung des Fuhrparks zur Auslieferung. Vielmehr
beginnt die Optimierung schon beim Teilen der
Internetplattform. Siroop ist beispielsweise ein
Gefäss, das neben den Produkten der grossen
Marken auch kleine Anbieter einbindet. Dadurch kann eine Designerin für ihren Schmuck
oder der Optiker für seine Brillen die OnlineInfrastruktur von Siroop nutzen, die Kosten für
den eigenen Internetauftritt senken und sich
in die Verteillogistik einklinken.
Sowohl die EU als auch der Bundesrat sind
zurückhaltend, was die Regulierung der Sharing Economy angeht. Ist dieses Abwarten
gerechtfertigt?

Unsere heutigen Arbeitsgesetze wurden ursprünglich für eine industrielle Wirtschaft

konzipiert, wo man die ganze Berufskarriere
in derselben Firma absolvierte. Die Digitalisierung und der Trend zur Selbstständigkeit
rufen nach einer intelligenten Anpassung der
Regulierungen an die neue Wirklichkeit.
Kommt das nicht einer kompletten Deregulierung gleich?

Keinesfalls! Aber man muss die neue Situation gut durchdenken, was Arbeitnehmerschutz oder Versicherungssituation angeht.
Die Mischformen der Sharing Economy sind
enorm vielfältig und werden immer neu erfunden. Kürzlich hörte ich von einem Geschäftsmodell, bei dem Hotels die Wäsche
von Airbnb-Betrieben übernehmen – aus
Konkurrenten werden Geschäftspartner, zum
Nutzen beider. Denkbar ist auch, dass eine
Firma die Reinigung von Airbnb-Appartements übernimmt und so die Vermieter entlastet – dadurch schafft die Sharing Economy
neue Arbeitsplätze. Punkto Regulierung müssen wir etwas gelassener sein und nicht sofort eine neue Bürokratie aufbauen. Ein Stück
weit müssen wir durchaus auch eine Grauzone akzeptieren. Einfach die bisherige Regulierung auf die Sharing Economy zu übertragen, erachte ich als unsinnig.

Also haben rein freiwillig betriebene Sharingmodelle neben kommerziellen Anbietern weiterhin eine Chance?

Der Wirtschaftszweig ist jung und wandelt
sich stetig, Prognosen sind dementsprechend
schwierig. Ein Trend auf nachbarschaftlicher
Ebene sind Haushaltbibliotheken oder Leihwarenhäuser, wo nicht nur Bücher liegen, sondern auch Caquelons oder Bohrmaschinen.

Solche Modelle funktionieren nur lokal, denn
von Thalwil aus holt man sich keine Saftpresse in Winterthur. Landesweit, weil per Post,
kann zum Beispiel ein Kleidersharing funktionieren. Wie auch immer, Sharing stärkt den
Trend zur Dematerialisierung: Man will zwar
denselben Konsum, aber ohne den bisher dafür nötigen Besitz.
—

Doch die Sharing Economy hat ihre Unschuld längst verloren, Uber und Airbnb
sind heute Milliardenwerte. Ist die Macht
der neuen Grosskonzerne unantastbar?

Sharing hat sich durchgesetzt – aber nichts
ist für die Ewigkeit gemacht. Wenn man die
kommerziellen Uber-Modelle umlegt und auf
die Wiki-Ebene transferiert, schwächt man die
Originale. Es wird schnell eine genug grosse
Gruppe von Nachfragern geben, die sich nicht
für den globalen Player entscheidet, sondern
das lokale, nicht-kommerziell funktionierende Modell wählt. Auch die Wiki-Modelle
müssen effizient sein, aber sie punkten zusätzlich mit dem sozialen Mehrwert. Damit
dürften sie langfristig für viele attraktiv sein.

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Zu Gast

27

PRAXIS

Grossraum Genf:
Unterwegs zum ersten
Netzwerk geteilter
Arbeitsplätze für
eine ganze Region
Franck Burdeyron
f.burdeyron@ocalia.fr
Luc Jaquet
luc.jaquet@sofiesgroup.com

28

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Praxis

In diesem Sommer wurde ein grenzüberschreitendes Projekt zwischen der
Schweiz und Frankreich lanciert. Mit ihm
soll der Aufbau eines Netzwerks von geteilten Arbeitsplätzen gefördert werden,
das den gesamten Grossraum Genf umspannt. Dieses Projekt folgt auf eine Studie, die das grosse Potenzial solcher Einrichtungen bestätigt hat: Co-Working und
Telearbeit tragen zur Verminderung der
Verkehrsüberlastung bei, stimulieren unternehmerische Aktivitäten, verbessern
die Lebensqualität der Beschäftigten und
schaffen zukunftsträchtige Wirtschaftsstandorte.

gemeinsam genutzten Infrastruktur wie Sitzungsräume, Breitband-Internetanschluss,
3D-Drucker, Werkzeugmaschinen und Anlagen für Videokonferenzen. Er partizipiert auch
an permanenten oder punktuellen Dienstleistungen wie Sekretariat, Schulungen, Anlässen oder dem Zugang zu Informationen.
Zudem kann man ein Netzwerk nutzen, das
die wirtschaftliche Zusammenarbeit fördert.
Die Zahl der sogenannten Co-Working-Standorte hat in den letzten Jahren weltweit explosionsartig zugenommen und liegt heute
bei über 8000.
Die Studie zeigte zunächst auf, dass geteilte Arbeitsplätze sowohl den wichtigen Herausforderungen des Grossraums Genf als

setzt. Einerseits ermöglichen solche Arbeitsplätze der erwerbstätigen Bevölkerung, ihre
Arbeitswege zu verkürzen. Andererseits fördern sie die Zusammenarbeit und sind sowohl für gestandene Geschäftsleute als auch
für aufstrebende Jungunternehmer ein Katalysator für Erfolg und Innovation. Die Arbeitgeber wiederum können ihre Immobilien
optimieren, indem sie ihre Büros besser auslasten. Zudem sind sie bei Platzproblemen
nicht mehr gezwungen, ihre Räumlichkeiten
zu vergrössern, sondern können temporär
oder dauerhaft auf geteilte Arbeitsplätze zurückgreifen und so beispielsweise ihren Mitarbeitenden im Aussendienst die Möglichkeit bieten, näher bei Kunden und Partnern
zu arbeiten.

Wäre es sinnvoll, für den Grossraum Genf ein
Netzwerk von Räumen mit geteilten Arbeitsplätzen wie Co-Working, Zentren für Telearbeit oder FabLabs zu entwickeln? Eine Studie aus den Jahren 2013 – 2015 untersuchte
diese Fragen. Aktuell gibt es im untersuchten Perimeter etwas mehr als 20 solche Einrichtungen, die sich vor allem auf das Genfer
Stadtzentrum konzentrieren. Laut der Studie
könnte ein Netzwerk mit 160 bis 180 Standorten, die über das gesamte Gebiet verteilt
sind, positive Auswirkungen auf den Grossraum Genf haben. Ein Projekt, das der Programmplanungsausschuss von Interreg V
Frankreich-Schweiz Mitte Juni 2016 gutgeheissen hat, nimmt nun diese Ergebnisse auf.
Einfluss auf Mobilität, Raumplanung und
Wirtschaft

Tatsächlich drängen sich geteilte Arbeitsplätze heute als attraktive Alternative zu herkömmlichen Büros oder zur Heimarbeit auf.
Letztere wird oft als einschränkend empfunden, weil sie mit Isolation oder einer Vermischung von Arbeit und Familienleben verbunden ist. Wer dagegen geteilte Arbeitsplätze
in Anspruch nimmt, profitiert nicht nur von
einem nahegelegenen Arbeitsort und einer

auch der Vision einer Ökostadt entsprechen,
die von der schweizerisch-französischen Agglomeration rund um Genf verfolgt wird und
für die sich auch die Assemblée régionale de
coopération du Genevois français (ARC) ein-

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Praxis

Geteilte Arbeitsplätze sind somit ein sinnvolles Mittel, um die Herausforderungen von
Mobilität, Energiewende, Raumplanung und
wirtschaftlicher Entwicklung anzugehen.

29

AUSWIRKUNGEN DER SZENARIEN AUF ANGEBOT UND NACHFRAGE

Gemäss der Studie sind zwei Szenarien denkbar: Entweder man lässt der Entwicklung ihren
freien Lauf oder man verfolgt einen klaren
Plan. Wenn man keine zielgerichtete Politik
betreibt, dann bleiben diese Entwicklungen
voraussichtlich auf die am dichtesten besiedelten Zonen beschränkt. Dies lässt sich in
Frankreich im Zusammenhang mit dem Ausbau der digitalen Infrastruktur und der Breitbandabdeckung beobachten. Randgebiete
und ländliche Zonen würden links liegen gelassen und die erhoffte Hebelwirkung – insbesondere bezüglich der Verminderung der
Pendlerwege und hinsichtlich raumplanerischer Anliegen – wäre relativ gering.

Entwicklung der potenziellen Anzahl
Telearbeiterinnen und Telearbeiter

Hingegen hätte eine zielgerichtete Politik
zum Aufbau eines Netzes von geteilten Arbeitsplätzen, das die gesamte Agglomeration
und damit auch die weiter von Genf entfernten Gebiete abdeckt, weitreichende Auswirkungen. Die Studie kommt zum Schluss, dass
bis 2025 über 200 Co-Working-Standorte geschaffen werden können. Sie würden sich
über den gesamten Grossraum Genf verteilen und fast 700 Büroplätze für rund 35’000
Personen anbieten. Ein solches Netz würde es
langfristig ermöglichen:

160 000
140 000
120 000

40 000

100 000
80 000
60 000
40 000
20 000
0
Heute

2020

2025

Entwicklung der potenziellen Anzahl
Coworker
20 000

15 000

5 500

10 000

5 000

0
Heute

2020

2025

w die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen dank einer Optimierung ihrer Immobilien
und einer erhöhten Motivation ihrer Mitarbeitenden zu steigern.

die Genfer Industrie- und Gewerbekammer
(CCIG), die Gemeindeverbände Pays de Gex,
Pays Bellegardien, Arve et Salève, Genevois,
Pays Rochois und Faucigny Glières, die Stadt
Thonon-les-Bains sowie die Agglomeration
Annemasse. Vorgesehen sind folgende Massnahmen:

w im gesamten Gebiet zukunftsträchtige Wirtschaftsstandorte einzurichten, die über Breitbandanschlüsse, Zugang zu Bildung, innovationsfördernde Vernetzungsräume und neue

Um dieses ehrgeizige Szenario umzusetzen,
wurde ein zweites Interreg-Projekt eingereicht und bereits gutgeheissen. Es wurde
von den Unternehmen Ocalia und Sofies erarbeitet und umfasst den Grossraum Genf, ARC,
die Kantone Genf und Waadt, die Gemeinden
Carouge, Genf, Lancy, Nyon, die Fondation
pour les terrains industriels de Genève (FTI),

w Stimulierung der Nachfrage: einerseits über
Sensibilisierungs- und Kommunikationsmassnahmen, mit denen die Vorteile dieser neuen Arbeitsform bekannt gemacht und gewisse
Widerstände seitens der Arbeitgeber abgebaut werden; andererseits über das Angebot,
die nötige Veränderung von Management und
Organisation der Arbeitsräume zu begleiten.

30

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Praxis

w die jährlichen Pendlerwege ins Zentrum
der Agglomeration um sechs Prozent oder fast
zwölf Millionen Fahrten zu reduzieren, was
einen grossen Einfluss auf Staus, CO2-Emissionen, Lebensqualität und Mobilitätskosten
hätte;
w einen neuen Markt mit einem geschätzten Jahresumsatz von fast 35 Millionen Euro
für Investoren und Verwalter solcher Standorte zu schaffen;

Instrumente der Produktentwicklung verfügen;

Quelle Grafiken: Enquète Ocalia/Sofies 2014; OCSTAT et Stat Vaud 2011 pour la Suisse; INSEE 2009 pour la France

Grosses Potenzial bis 2025

AUSWIRKUNGEN DIESER SZENARIEN AUF DIE MOBILITÄT
Anzahl eingesparter Pendlerwege pro Jahr
(in Mio.)
«Laisser-faire»-Szenario

Entspricht 6 % der
Anzahl Pendlerwege
von und nach Genf

15.0

Zielgerichtetes Szenario

4 Mio.
Pendlerwege

10.0

5.0

0
Heute

2020

2025

Entwicklung des potenziellen Jahresumsatzes
der Standorte von geteilten Arbeitsplätzen
(in Mio. Euro)

Anzahl Kilometer eingesparter Pendlerwege
(in Mio.)
150.0

40
35
30
35

100.0

25
20
15

50.0

10
5
0

0
Heute

2020

2025

w Unterstützung der Weiterentwicklung des
Angebots, indem potenzielle Investoren und
Betreiber solcher Standorte identifiziert und
ihre Projekte durch öffentlich-private Partnerschaften begünstigt werden. Zudem soll
das bestehende Angebot mit gemeinschaftlichen Tools (Internet-Plattform, App) kohärenter und besser zugänglich gemacht werden.
w Verwaltung des Netzwerks und Leitung
des Systems aufbauen. Dieser Schritt lässt
sich nur partnerschaftlich und auf kollektive
Weise umsetzen und sollte dauerhaft aufgebaut und begleitet werden, damit er erfolgreich sein kann.

Heute

2020

2025

Diese Massnahmen sollen bis Juni 2018 abgeschlossen sein. Eine Zusammenfassung der
Studie, die 2014 – 2015 durchgeführt wurde,
steht auf der Webseite des Projekts zur Verfügung.
—
(Übersetzung)
Ê www.teletravail-geneve.com

FRANCK BURDEYRON, *1976, Gründer von Ocalia, Präsident von

Code Cluster, Lehrbeauftragter an der Université Lyon 2, beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit Fragen des digitalen Wandels.
Er ist an zahlreichen Projekten zur Schaffung von geteilten
Arbeitsplätzen in Frankreich, Belgien und der Schweiz beteiligt
und begleitet Körperschaften, Betreiber solcher Standorte und
Investoren bei der Entwicklung ihrer Vorhaben.
LUC JAQUET, *1981, arbeitet bei Sofies, einem Unternehmen für

Nachhaltigkeitsberatung, und ist spezialisiert auf kooperative
Ansätze und Strategien zur ganzheitlichen Entwicklung von
industriellen und städtischen Zonen. Dabei konzentriert er sich
vor allem auf unternehmensübergreifende Synergien (industrielle
Ökologie), neue Arbeitsformen (Telearbeit und Co-Working) sowie
auf eine nachhaltige städtische Logistik.

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Praxis

31

REPORTAGE

Rüebli für
Liechtenstein
Text: Stefanie Pfändler
s.pfaendler@gmail.com

32

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Reportage

In Liechtenstein versorgt eine kleine Gartenkooperative seit einem Jahr 100 Haushalte jede Woche mit frischem Gemüse.
Dabei sind die Kunden auch gleichzeitig
Produzentinnen und Mitpächter – denn
wer mitessen will, muss auch mitarbeiten.

Es ist ein grauer Samstagmorgen und es regnet im St. Galler Rheintal. Zwischen den Vorarlberger Gipfeln hängen dicke Wolken, nur
manchmal blitzt schwach die Sonne hinter
der Nebeldecke hervor. Das Strassenschild
auf der Brücke über den Rhein deutet diskret
auf die Landesgrenze hin. Drüben in Liechtenstein, kaum zehn Minuten von der Grenze entfernt, gesteht Janosch Marquart, dass
er vom Gärtnern eigentlich gar nicht so viel
Ahnung habe.
Am Rande einer Landwirtschaftszone fünf Kilometer nördlich von Schaan deutet er auf ein
rund 60 Aren grosses Feld: «Hier ist es.» Der
30-jährige Elektrotechnikingenieur ist Mitglied
der Liechtensteiner Gartenkooperative. Marquart gehört zu einer Gruppe motivierter
Leute, die vor anderthalb Jahren beschlossen,
sich als Gemüseproduzenten zu versuchen.
«Die Welt wird immer globalisierter, zentralistischer und technisierter. Dem wollten wir Gegensteuer geben», erklärt er. Natürlich könne
man seine Lebensmittel beim Detailhandelsriesen viel einfacher einkaufen. «Wer aber
sieht, wo sein Gemüse wächst – und es auch
noch selber sät und erntet –, bekommt einen
ganz anderen Bezug dazu», erklärt Marquart.
Wie schnell die Umsetzung der Idee erfolgte,
erstaunt Marquart manchmal selbst. In Biobauer Georg Frick fand die Gruppe einen Landwirt, der von der Idee ebenso begeistert war
wie die InitiantInnen selber. Sie diskutierten, informierten sich über ähnliche Projekte
in der Schweiz, schmiedeten Pläne, warben
Genossenschafter an. Das Ziel: 60 Gemüse-

Jennifer Eiche, Dina Falk und ein weiterer Genossenschafter bei einem ihrer zehn Einsätze pro Jahr.

Abonnentinnen, um das finanzielle Risiko auf
genügend Schultern zu verteilen. Bereits ein
halbes Jahr später war es so weit. Die Kooperative wurde gegründet, bei Bauer Frick Land
gepachtet und eine professionelle Gartenfachkraft engagiert. Dann ging es los.
Flugplatz wird Gemüsefeld

Inzwischen verteilt die Gartenkooperative
100 Abos in ganz Liechtenstein und der angrenzenden Schweiz. Auf ihrem Feld, wo vor 80
Jahren ein kleiner Flugplatz betrieben wurde,
bauen die Genossenschafter seit einem Jahr
über 60 Sorten biologisches Gemüse und Salate an. Noch mehr zu produzieren liegt im
Moment nicht drin – weitere Interessenten
müssen sich mit einem Platz auf der Warteliste begnügen.
Ein Abo bei der Gartenkooperative kostet
1100 Franken pro Jahr. «Das kommt viel
günstiger, als wenn man die gleiche Menge
Gemüse in derselben Qualität im Laden kaufen würde», betont Marquart. Das Abo be-

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Reportage

schränkt sich aber nicht aufs Monetäre, denn
bei der Kooperative gilt: Wer mitisst, muss
auch mitarbeiten. Pro Abo sind es zehn Einsätze im Jahr. «Ein Abo reicht normalerweise
für zwei bis drei Personen», erklärt Marquart.
«Das kann ein Mehrpersonenhaushalt sein,
oder man teilt sein Gemüse mit Freunden und
Nachbarn. Natürlich können auch die Einsätze aufgeteilt werden.»
Gelegenheiten zum Anpacken gibt es viele:
Regelmässig wird geerntet; danach waschen
die GenossenschafterInnen das Gemüse auf
Fricks Bauernhof, sortieren es und liefern es
schliesslich jeweils am Mittwoch aus. Jeder
hilft in der Produktionskette dort, wo ihm die
Arbeit am meisten liegt. Damit tragen alle
zum Prinzip der solidarischen Landwirtschaft
und direkt zur lokalen Produktion des eigenen Nahrungsbedarfs bei.
«Ich werfe weniger weg»

Heute steht Jennifer Eiche mit Gummistiefeln
und Regenmantel auf dem Feld und erntet

33

Biobauer Georg Frick (l.) prüft die frisch
geernteten Kefen. Auf seinem Hof wird das
Gemüse von den Genossenschafterinnen und
Genossenschaftern gewaschen und verpackt.

Kefen. Die Logopädin hatte genug von der anonymen Ware der Detailhändler. Als sie einen
Hofladen suchte, stiess sie auf die Gartenkooperative. «Ich merke, dass ich inzwischen
ganz anders mit dem Gemüse umgehe», sagt
sie selbstkritisch. «Seit ich bei jeder Zucchetti
daran denke, mit wie viel Mühe wir sie geerntet haben, werfe ich viel weniger Lebensmittel weg.»
Auch Dina Falk und ihr Freund sind Genossenschafter bei der Gartenkooperative und leisten heute trotz wankelmütigem Wetter einen
Feldeinsatz. «Wir haben selber keinen Garten

Tomaten wachsen im Tunnel am besten: Bald soll ein neues Modell her.

34

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Reportage

Biobauer Georg Frick in seinem Hofladen:
Dank der Kooperative kam mehr Leben auf seinen
Hof, davon profitiert auch er.

und sind froh, einmal etwas Erde an den Händen zu haben», sagt Falk. Zudem schätzt sie
am Gemüse-Abo die Überraschungen: «Ich
habe zum ersten Mal Pastinaken gekocht»,
erzählt sie lachend. «Man wird viel kreativer.
Früher wäre ich im Laden an so ungewohnten Sorten einfach vorbeigelaufen.»
Effizienz ist kein Kriterium

Zwischen den Helfern huscht immer wieder
geschäftig Karin Huber umher. Die St. Gallerin gibt Anweisungen, verteilt Aufgaben und
hilft, wo Rat nötig ist. «Nächste Woche sind
Radiesli, Bundzwiebeln und der Fenchel an
der Reihe», verrät die Profigärtnerin zwischen

zwei Handgriffen. «Und dann kommen wochenlang Zucchetti.» Karin Huber ist die einzige professionelle Gartenfachkraft und neben
den gelegentlichen Praktikanten die einzige
Lohnempfängerin der Kooperative. Sie verwaltet, leitet und plant die gärtnerische Arbeit
und sorgt dafür, dass zum richtigen Zeitpunkt das richtige Gemüse am richtigen Ort
gepflanzt wird. «Auch ich musste hier einiges lernen», sagt Huber und deutet auf ein
Feld, auf dem zwischen den jungen Radieschen etliches Unkraut wächst. «Wir kommen
schlicht nicht immer zum Jäten», seufzt sie.
«Die Ernte hat Priorität.» Als Perfektionistin
tue ihr das manchmal weh. Trotzdem kann
sie sich inzwischen nicht mehr vorstellen,
in einem rationalisierten Grossbetrieb zu arbeiten. «Natürlich könnten wir viel effizienter sein. Mal sind ausgerechnet dann viele in
den Ferien, wenn es am meisten zu ernten
gäbe. Ein andermal haben Laien Mühe, mit
anspruchsvollen Sorten richtig umzugehen.»
Aber darum geht es nicht, findet Huber. Viel
wichtiger sei es, dass hier gemeinsam etwas
für die eigene Lebensmittelversorgung getan
werde. Und es habe auch Platz für jene, die
langsamer arbeiten oder noch nie auf einem
Feld gestanden sind.

es bei uns fast zu schnell», lacht Marquart.
Karin Huber pflichtet ihm bei: «Ich glaube, ihr
wart selber erstaunt, wie viel Arbeit ihr aus
dem Nichts kreiert habt. Plötzlich gab es das
Feld, die Genossenschaft, das Gemüse. Eines
führte zum anderen und seither gibt es an
allen Ecken und Enden viel zu tun.»

Lektion über das gesellschaftliche Zusam-

In Schaan tun viele, was sie «eigentlich noch
nie gemacht haben». Sei es Baupläne zeichnen, Kefen lesen, Pastinaken kochen oder
akzeptieren, das Unkraut auch mal stehen
zu lassen. Sie alle lernen dabei etwas über
gemeinschaftliche Lebensmittelproduktion,
über Landwirtschaft und Ernährung, aber
auch über das pragmatische Organisieren
und nicht zuletzt über das gesellschaftliche Zusammenleben – und das, was man gemeinsam verändern kann.
—

menleben

Irgendwie klappt doch immer alles, sind sich
Marquart und Huber einig. Man hilft sich aus,
springt ein, wo es nötig ist, findet im letzten
Moment noch freiwillige Helfer. Nur so funktioniere der Betrieb. «Ich engagiere mich gerne
für Projekte, die konkrete Resultate liefern»,
sagt Janosch Marquart. Mangelnden Aktionismus kann man der Gartenkooperative nicht
vorwerfen – im Gegenteil. «Manchmal geht

Eine dieser Ecken ist «der Tunnel». Marquart
steht vor seinem Sorgenkind und schmiedet
Pläne, wie das neue Modell dereinst aussehen solle. «Der Tunnel» ist eine Art langes,
schmales Gewächshaus, das letzten Herbst
dem Föhn zu Opfer gefallen ist. Provisorisch
geflickt ist es zwar noch immer eine wichtige Produktionsstätte für empfindliche Gemüsesorten wie Tomaten, Gurken, Peperoni
und Basilikum. Doch demnächst soll ein stabileres und grösseres Modell her. Und natürlich hatte Marquart als Elektrotechnikingenieur umgehend eine neue Aufgabe gefasst:
die Tunnelplanung. Statt auf dem Feld mitzuhelfen, sitzt er nun deshalb nach der Arbeit
zu Hause und zeichnet Pläne. «Im Moment
ist es etwas viel. Vor allem weil ich so etwas
eigentlich noch nie gemacht habe.» Beinahe
fürsorglich streicht er dabei über die Plache
des alten Tunnels.

STEFANIE PFÄNDLER, *1985, studierte Politik-

sowie Umweltnaturwissenschaften und arbeitete
als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Sektion
Nachhaltige Entwicklung beim ARE. Seit 2015
ist sie bei der Stadt Dübendorf in der Raumund Verkehrsplanung tätig.

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Reportage

35

KOLUMNE

Den Wohlstand nicht
ausblenden

PAUL SCHNEEBERGER, *1968, ist promovierter

Historiker und befasst sich als Inlandredaktor der
Neuen Zürcher Zeitung unter anderem mit Fragen
der Raumentwicklung. Er publiziert auch ausserhalb der NZZ zu diesem Thema.
paul.schneeberger@nzz.ch

Technologien, die das Potenzial haben, Gewohnheiten auf den
Kopf zu stellen, geniessen hohe Aufmerksamkeit. Das ist spätestens dann der Fall, wenn sie ein Stadium erreichen, in dem
sie kommerziellen Erfolg versprechen. Regie in den öffentlichen
Diskussionen führen dann in der Regel jene, die sich von den
angekündigten Veränderungen geschäftliche Vorteile versprechen. Die durch neue Medien geschaffenen Möglichkeiten,
Güter einfacher zu teilen, machen das einmal mehr deutlich.
Paradebeispiel ist die Diskussion um die Zukunft des Autos.
Dank Applikationssoftware und digitalen Plattformen können
Autos heute auf einfache Weise «geteilt» werden. Und es lassen sich leicht individuelle Mitfahrgelegenheiten vermitteln.
Dadurch kann die Auslastung des am stärksten raumgreifenden
Verkehrsmittels verbessert werden. Die Betreiber einschlägiger Plattformen und Automobilhersteller sehen dadurch einen
substanziellen Vorbehalt gegen das Auto relativiert, wenn nicht
gar ausgeräumt. Indem der faktische Zwang zum Autobesitz
entfalle und Fahrzeuge effizienter genutzt werden könnten,
bedürfe es künftig weniger Abstellflächen, lautet eine prototypische Argumentation.
Redlicher wäre es, theoretische Potenziale zu benennen, die
auf realistischen Annahmen basieren. Doch wie in anderen Debatten über die effizientere Nutzung des Bodens werden auch
hier zahlreiche Faktoren und ihre Wirkungen ausgeblendet.
Insbesondere kommt ein Aspekt kaum zur Sprache, der für die
Schweiz bedeutend ist: unser auch im europäischen Vergleich
hoher Wohlstand. So sehr offensichtliche ökonomische Gründe
bestehen, Güter mit hohen Anschaffungskosten und tiefer Auslastung zu teilen, bleibt dennoch offen, ab welcher relativen
finanziellen Ausstattung diese Anreize keine oder bloss noch
eine kleine Wirkung entfalten. Es ist kaum zufällig, dass hierzulande das Teilen von Autos – anders als etwa in Deutschland
oder Frankreich – nicht aus dem Bestreben hervorgegangen
ist, Fahrkosten zu reduzieren. Der schweizerische «Autoteilet»
ist vielmehr bis heute ein Kind des ökologischen Aufbruchs der
Achtzigerjahre. Ein Grossteil jener, die mit den roten Autos des
Marktführers Mobility unterwegs sind, denkt vor allem grün.

36

So sehr die Mobility-Autos Bestandteil des öffentlichen Mobiliars geworden sind, so sehr ist das Autoteilen in der Schweiz
bis heute eine Randerscheinung geblieben. Dominant sind nach
wie vor das teure eigene Auto und der teure klassische öffentliche Verkehr, der seine Arme mindestens jede Stunde in fast
jedes Seitental ausstreckt. Möglich ist diese doppelte De-LuxeMobilität als Fundament der in der Verfassung verankerten
dezentralen Besiedelung nur, weil wir sie uns leisten können
und wollen. Wir bauen dafür nicht nur überall Parkplätze und
Parkhäuser, sondern richten auch die letzte Bergstrasse auf
breite Postautos aus.
Wie zurückhaltend Herr und Frau Schweizer sind, wenn es darum geht, persönliches Eigentum gegen Entgelt zeitweise anderen zu überlassen, machen die Zweitwohnungen deutlich.
Die Vermietung von selber genutzten Ferienwohnungen ist die
Ausnahme von der Regel. Daran haben weder die Annahme der
Zweitwohnungsinitiative etwas geändert noch neue Technologien. Selbstverständlich lässt sich die in den vergangenen Jahrzehnten manifest gewordene Liebe der Schweizerinnen und
Schweizer zum eigenen Auto und zur Ferienwohnung nicht einfach in die Zukunft extrapolieren. Zudem ist der Wertewandel
in Betracht zu ziehen, in dessen Verlauf solche Objekte ihre
Bedeutung als Statussymbole langsam einbüssen mögen.
Sich bei der Erklärung von Veränderungen der Raumnutzung
auf derartige Argumente zu beschränken, greift aber zu kurz.
Dass Geld in Zeiten des «Anlagenotstands» vermehrt in Neubauten investiert wird, für die im besten Fall erst mittelfristig
Nachfrage besteht, ist nur ein Beispiel für eine weitere Wirkung
des Wohlstands auf den Bodenverbrauch. Gerade weil unser
komfortables Lebensniveau als gesetzt gilt und weder gesellschaftlich noch politisch verhandelbar ist, muss es in Extrapolationen zur Raumentwicklung unbedingt berücksichtigt und
angemessen gewichtet werden.
—

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Kolumne

DIE ZAHL

Ein Carsharing-Fahrzeug von Mobility ersetzt zehn Privatfahrzeuge. Die MobilityKundinnen und -Kunden verringern ihre
Auto-Kilometer um durchschnittlich

27 Prozent und sparen jährlich
9,2 Millionen Liter Treibstoff
sowie 21’500 Tonnen CO ein.
2

37

38

forum raumentwicklung 02 / 2016 — Leitartikel

EDITORIAL

Certains louent leur chambre inoccupée à des hôtes de passage, d’autres partagent

« Partager pour le bien

leur voiture, d’autres encore préfèrent faire appel à un chauffeur occasionnel plutôt

de la collectivité »

qu’à un taxi. L’économie collaborative s’immisce toujours davantage dans tous les domaines de la vie. Que ce soit pour des raisons financières ou pratiques, ou par souci de
l’environnement, le partage d’infrastructures et de biens de consommation est dans
l’air du temps.
Pourtant, les contours des nouvelles formes d’économie et de coopération sont encore flous. Les initiatives novatrices d’aujourd’hui seront peut-être dépassées demain.
Les pouvoirs publics devraient donc se préoccuper en priorité d'en améliorer les conditions-cadres. Cela permettrait de tester les nouvelles idées, propositions et solutions
(en particulier les initiatives de partage au service de la collectivité) sans provoquer de
dommages collatéraux dans le domaine social, sécuritaire ou environnemental.

Maria Lezzi

directrice de l’ARE
maria.lezzi@are.admin.ch

Le domaine du développement territorial est concerné au plus haut point par les conséquences de l’économie collaborative: le partage des bureaux peut diminuer les flux
de pendulaires et réduire la pression sur les centres urbains, tandis que la généralisation du le covoiturage peut décharger les routes et parkings. On n'est néanmoins
pas à l'abri d'un effet rebond: grâce au covoiturage, certaines personnes sans voiture
pourraient être tentées de privilégier de nouveau la voiture, même pour de longues distances. De même, les plateformes de location de chambres d’hôtes rendent les weekends à Berlin ou à Londres accessibles à des cercles de la population toujours plus
larges – qui s'y rendent en avion, naturellement. Avec le cortège d'émissions de CO2
que cela implique.
L’économie collaborative a plusieurs visages. Son développement rapide nous fait souvent oublier que nous avons l’habitude de partager: les livres de la bibliothèque, les
espaces verts du parc, la machine à laver de la buanderie.
A l’avenir, le bien commun devra être prioritaire dans les débats autour de l’économie
collaborative.

forum du développement territorial 02/ 2016 — Editorial

(traduction)

39

GRAND ANGLE

Les gagnants et les
perdants de l’économie
collaborative
Reinhard Loske

reinhard.loske@uni-wh.de

40

forum du développement territorial 02 / 2016 — Grand angle

L’économie de partage (ou économie collaborative) a le vent en poupe: covoiturage, couchsurfing (hébergement gratuit),
troc d’habits, « guérilla urbaine », partage
d’aliments contre le gaspillage, financement participatif ou espaces de travail partagés sont des initiatives de l’économie
collaborative qui connaissent ces derniers temps une croissance exponentielle
dans le monde entier. L’économie de partage peut, certes, générer plus de cohésion
sociale et rendre le développement plus
durable, mais aussi conduire à une marchandisation de tous les pans de notre
vie. Tout dépend du cadre politique et réglementaire que nous voulons lui donner.
Il est donc important de différencier clairement les modèles d’affaires à but lucratif des projets d’intérêt général.

cer les réflexes égoïstes par des motivations
altruistes. Ce mode de partage supplanterait
l’esprit de compétition et serait porteur d’une
énergie de transformation qui, au final, révolutionnerait tout le système. Ces optimistes
voient poindre la fin du capitalisme – du
moins sous sa forme actuelle.
De l’autre côté, les pessimistes se retrouvent
dans une coalition inhabituelle de groupements professionnels, de pionniers du numérique, ainsi que d’associations de défense
des consommateurs et de protection de la
vie privée. Ils voient l’économie collaborative
d’un tout autre œil. Adoptant la même ligne
que les experts du numérique, les syndicats,
par exemple, mettent en garde contre les
risques de dégradation des acquis sociaux
(dumping social). Ils estiment que les plateformes fonctionnant sur une base capitaliste risquent de déstructurer et de désolida-

riser la société – exactement l’inverse de ce
que les protagonistes de l’économie de partage envisagent. Selon eux, ce que nous faisions par empathie et de façon désintéressée, nous risquons de ne plus le faire que par
calcul, pour de l’argent.
L’économie collaborative suscite même un
certain scepticisme de la part de milieux écologistes et d’associations de consommateurs:
certes, le partage peut ménager l’environnement et les ressources, car il permet théoriquement de produire et d’acheter moins de
biens. Cependant, la démarche s’éloigne de
plus en plus des idéaux sociaux et écologiques de départ; elle se transforme en une économie dominée par des entreprises à but lucratif – ce que revendiquent Uber et Airbnb,
par exemple. L’objectif qui était de freiner
la consommation se mue en celui de la stimuler par tous les moyens, en tout temps et

Le boom de l’économie collaborative est lié à
deux facteurs très importants: d’une part, la
certitude, surtout chez les jeunes, qu’il n’est
pas nécessaire, pour accéder aux biens, aux
services ou aux connaissances d’en être propriétaire, et, d’autre part, les fabuleuses possibilités offertes par l’internet et ses développements, qui facilitent et accélèrent les
échanges, et rapprochent l’offre de la demande. Cette évolution suscite deux réactions divergentes, l’une teintée d'optimisme,
l'autre de pessimisme.
Fin du capitalisme ou dumping social?

Selon la vision euphorique des optimistes, la
mise en commun d’outils, de véhicules, de
jouets, de bâtiments, d’équipements, de machines, de vêtements, de denrées alimentaires ou de logiciels informatiques recèlerait
un énorme potentiel en termes d’économies
de ressources, de diminution des atteintes
à l’environnement, de cohésion sociale à travers la coopération et l’engagement. Cette
économie pourrait progressivement rempla-

forum du développement territorial 02 / 2016 — Grand angle

41

n’importe où. Si tout devient moins cher,
arguent ces sceptiques, on pourra s'offrir
plus de choses, et la consommation de ressources aura par conséquent plutôt tendance à s’accélérer qu’à décroître. On est
donc loin des principes de durabilité!
Vérité masquée dans les deux camps

Ces deux raisonnements sont plausibles,
mais ils occultent une partie de la réalité.
Les optimistes ont tendance à oublier que,
par essence, le capitalisme moderne est prédateur – ou tente de l’être. Les nouvelles pratiques sociales, souvent motivées à l’origine
par des considérations altruistes, sont vues
par le système comme des niches à exploiter.
Les pessimistes, quant à eux, ont conscience
des risques, mais préconisent souvent le
maintien du statu quo. On aurait envie de leur
demander s’il ne serait pas opportun de
mieux faire jouer la concurrence de manière
à écorner un tant soit peu les bénéfices
éhontés engrangés par les cartels.
Ces deux points de vue opposés sont problématiques en ce sens qu’ils tablent tous
deux sur des automatismes: l’un ouvrirait
une voie royale vers le paradis de la durabilité sociale et écologique, tandis que l’autre
favoriserait un dumping social infernal dans
une société purement économique. Cette vision binaire occulte une troisième, voire une
quatrième voie, ouvertes à l’innovation et capables d’identifier dans une démarche dialectique les forces émergentes.

Développer des réglementations différenciées

(réservation d’hébergements ou de trajets,
autopartage en libre service intégral, prêt
d’outils et d’engins, cercles de machines, espaces de travail partagés ou forfaits d’abonnement à des vêtements).

Evidemment, cette vision différenciée ne se
vend peut-être pas aussi bien, sur un marché médiatique avide de sensationnalisme,
que les thèses réductrices de rédemption ou
de catastrophisme. Pourtant, elle correspond
mieux à la réalité.
A quand une large discussion politique sur la
nécessité de mieux réguler l’économie collaborative dans le sens souhaité?

Il est urgent de distinguer clairement les situations engendrées par l’économie de partage, en s’appuyant sur des faits et sur la
pratique: certaines approches sont au service de la collectivité, tandis que d’autres
ont un but lucratif. Une telle définition permet d’éviter de mélanger les torchons et les
serviettes. Il ne faut pas confondre partage
d’aliments, jardins urbains, centrales de covoiturage, cafés-réparation, trocs de vêtements, groupes d’autopartage, bourses de
matériaux de récupération ou squats d’immeubles avec les plateformes commerciales

42

forum du développement territorial 02 / 2016 — Grand angle

Une fois ces clarifications établies, il convient
d’aménager de manière adéquate ces deux
systèmes en créant un cadre réglementaire
évolutif, qui reste dans l’esprit des objectifs
de départ: par exemple la protection de l’intérêt général, la durabilité ou un régime
concurrentiel équitable. Ce cadre doit être
suffisamment ouvert pour permettre de réagir à des innovations techniques et sociales
ou à des développements surprenants.

Développement territorial: ne pas se
tromper de cible

On ne peut pas encore décrire précisément,
ni même prévoir l’impact sur le territoire de
l’économie collaborative. La recherche dans
ce domaine a encore un bel avenir. D’un côté,
l’internet offre un réseau très performant de
connexions permettant de corréler l’offre et
la demande.
Quelques clics de souris suffisent pour établir des contacts entre des acteurs géographiquement éloignés, et générer des transactions. Par ailleurs, il est probable que l’économie de partage favorise la rerégionalisation de l’économie: c'est à l'échelle locale,
entre voisins ou dans le quartier, que les
trocs de vêtements, le partage d'aliments,
les échanges d'outils et de vêtements ou
les cafés-réparation marchent le mieux. Par
contre, il ne faut pas confondre les services
de voitures partagées disponibles près des
gares (par ex. Mobility en Suisse), qui font le
lien entre transports publics et besoins des
utilisateurs, avec des plateformes d’autopartage en libre service intégral qui, d’une certaine manière, promeuvent les transports individuels.

w Lorsque l’économie collaborative affiche
un but lucratif, comme n’importe quelle
autre activité économique, il est nécessaire
de mettre en place une réglementation adéquate permettant de limiter les distorsions
de concurrence, d’assurer une certaine équité fiscale et de respecter des standards sociaux, environnementaux et de sécurité.
w Par ailleurs, toute nouvelle décision importante dans le domaine social ou dans celui de
l'économie devrait dorénavant susciter une
réflexion de fond: cette décision contribue-telle à augmenter le capital social ou vise-t-elle
au contraire à l’éroder?

En ce qui concerne l’impact de l’économie
collaborative sur le territoire, on peut faire
ressortir un lien de causalité évident: si l’on
souhaite renforcer l’économie régionale et
en augmenter la résilience, il faut dans ce but
préparer un cadre réglementaire adéquat et
utiliser les instruments de développement
urbain et d'aménagement du territoire.

Lorsqu’il s’agira de poser un cadre légal aux
différents systèmes de services partagés, il
faudra faire la différence entre le cas d’une
étudiante qui, durant ses vacances universi
taires, met sa chambre à disposition pendant quelques jours en échange d’une petite
somme ou d’un cadeau, et celui d’un propriétaire qui loue systématiquement son logement de façon quasi commerciale sur de
longues périodes et à des prix élevés. Certes,
les deux personnes doivent être soumises
au même régime fiscal, mais le propriétairebailleur joue à une autre échelle, avec des
conséquences sociales non négligeables: il
crée une situation de concurrence déloyale
par rapport aux hôtels, pensions et auberges
de jeunesse. Il est probable alors que cela engendre une augmentation générale du niveau
des loyers, voire une perturbation de la structure sociale de quartiers entiers, surtout au
cœur des grandes villes, en raison des incessantes fluctuations de population.

Les trois niveaux de l’action politique

Quelle durabilité voulons-nous pour notre
économie?

Trois niveaux sont à différencier sur le plan
politique:
w Lorsque l’économie collaborative vise à
dynamiser la vie sociale, la politique doit l’encourager, la stabiliser et la protéger contre
les menaces d’absorption.

de l’économie collaborative du simple fait
qu’elles entrent en conflit avec les intérêts
de certains acteurs traditionnels et qu’elles
exercent ainsi une forte pression sur les marchés, poussant ces acteurs à s’adapter. Au
contraire, il faut créer un cadre réglementaire
évolutif qui puisse atténuer les effets sociaux
négatifs de l’orientation commerciale de certaines entreprises, sans perdre de vue le bien
commun, ni les intérêts fiscaux des collectivités publiques.
Ce sont donc véritablement des questions de
fond, qui sont plus importantes que l'analyse
des épiphénomènes de l'économie collaborative, que doit se poser la société civile,
w Qu’entendons-nous par protection des acquis sociaux?
w En quoi les entreprises peuvent-elle contribuer à cette protection?
w Quelle durabilité voulons-nous pour notre
économie?
w Quel monde voulons-nous laisser aux générations futures?

Selon les réponses que nous apporterons
et les propositions qui en découleront, nous
parviendrons, par une bonne régulation, à
faire de l’économie de partage un modèle de
réussite socioécologique.
Au cas où, au contraire, nous laisserions aller les choses, nous pourrions nous retrouver pris dans une spirale infernale, avec à la
clef quelques gagnants … et beaucoup de
perdants.
(traduction)
—

Les tâches de régulation nécessitées par l’essor de l’économie collaborative et de ses impacts sont exigeantes, mais elles peuvent
être surmontées. Il ne s’agit pas d’étouffer dans l’œuf les entreprises commerciales

REINHARD LOSKE, *1959, a étudié les sciences économiques.

Il est professeur à l’Université de Witten/Herdecke en Rhénanie-Westphalie où il donne des cours de politique, de développement durable et de dynamique des transformations.
Membre du parti des Verts au Parlement allemand de 1998 à
2007, il a été, de 2007 à 2011, sénateur pour l’environnement,
les constructions, les transports et les relations européennes
de la ville libre hanséatique de Brême.

forum du développement territorial 02 / 2016 — Grand angle

43

RECHERCHE

Smart Sharing:
un projet global
mariant architecture
et vie sociale
Hanspeter Bürgi

hanspeter.buergi@buergischaerer.ch

Le projet Smart Sharing montre comment
il est possible de concevoir des quartiers
d’habitation selon une philosophie du partage. Son but: faire passer la surface habitable moyenne par personne de 45 m2 à
35 m2, tout en améliorant la qualité de vie
des habitants. Ce concept a été matérialisé sous la forme d’un prototype. Il se fonde
sur des réseaux et circuits partagés et
concerne non seulement le bâtiment, mais
aussi le contexte dans lequel il s'insère.

Les étudiants de la Haute école spécialisée
de Lucerne se sont qualifiés pour la finale du
concours Solar Décathlon Europe qui a eu
lieu en 2014 à Versailles. Il s’agissait de concevoir un habitat durable permettant d’assurer
à ses utilisateurs un grand confort de vie.
L’équipe Lucerne-Suisse était en compétition
avec 19 autres équipes universitaires internationales. Une centaine d’étudiants de dix
disciplines différentes enseignées à la Haute
école spécialisée de Lucerne ont travaillé
durant deux ans sur ce projet.

telligentes des ressources. « Smart Sharing –
our vision is your+ » est un nouveau concept
touchant au vivre ensemble dans les villes;
il couvre un champ thématique beaucoup
plus large que celui du concours.

Après avoir examiné les exigences – essentiellement techniques – du concours, l’équipe
Lucerne-Suisse a décidé d’élargir son propos, en ajoutant aux réflexions en matière
d’architecture solaire et d’efficacité énergétique du bâtiment des thématiques sociales
comme la consommation et l’utilisation de
biens, ou l’organisation et la distribution in-

Malheureusement, le jury international n’a
pas été sensible à cette démarche globale.
Il a accordé plus d'importance aux questions
traditionnelles relatives à l'efficience énergétique ou à la cohérence générale des projets qu'aux stratégies de sobriété volontaire
et aux modèles de l'économie collaborative.
Finalement, le projet de l’équipe suisse a

44

forum du développement territorial 02 / 2016 — Recherche

tout de même obtenu la cinquième place du
classement général pour les dix épreuves
mesurées ou évaluées par le jury international.
Meilleure qualité de vie avec moins de
surface habitable

L’équipe Lucerne-Suisse s’est appuyée explicitement sur le principe holistique de durabilité, intégrant à parts égales les trois aspects
classiques de la capacité économique, de la
solidarité sociale et de la responsabilité environnementale.

créant un meilleur confort de vie pour les habitants. En prenant pour point de départ la
conception du projet architectural ou urbanistique, ils ont proposé différents types de
lieux de vie, allant graduellement de l’espace
privatif strict à des espaces plus ou moins publics ou partagés.
La ville pour habiter et travailler

Le concept, réalisé concrètement dans un
quartier hétérogène de Lucerne, présente différentes facettes:
w Développement territorial: une organisation judicieuse et un partage des ressources
permet de densifier à la fois le tissu bâti et le
tissu social.
w Questions énergétiques et sociales: une
application informatique permet de réserver
des espaces ou des objets utilitaires; elle agit
conjointement sur les plans de l’exploitation
et de la communication.
w Structure de population: le mélange des
origines, des niveaux de vie et des générations favorise des synergies; il améliore les
habituelles relations entre voisins et incite
les gens à s'entraider.
w Transports: la mobilité devient plus durable grâce à des circuits courts, à un accès

optimal aux transports publics, à la multiplication des stations à vélos, à des offres d’autopartage ou de location de vélos.
w Energies renouvelables: un réseau intelligent collecte les productions générées par
les constructions nouvelles et celles de leur
environnement proche, et distribue l’énergie
thermique et électrique en fonction de la demande.
Types d’espaces et et interrelations qu'ils
entretiennent

Les auteurs du projet ont conçu trois types
d’espaces ayant des fonctions différentes:
w La pièce de type My-Room est la plus intime, car elle est réservée à une ou deux
personnes.
w La pièce de type Our-Room sert de cuisine,
de salle de séjour et de salon et peut être utilisée par deux à cinq personnes, ou plus selon le modèle de vie.
w La pièce de type Your-Room peut être utilisée pour des fonctions sociales modulables:
chambre d’amis, atelier, bibliothèque, salon de
musique ou salle de fitness. Une application
informatique permet de la réserver pour une
durée limitée ou pour un usage répété.

Le projet Smart Sharing a pour origine un
constat brutal: malgré l’amélioration de l’efficience énergétique par des mesures techniques, la consommation d’énergie continue
de croître en Suisse, en raison de l’augmentation de la surface habitable par personne.
Le but de ce projet est donc de montrer comment améliorer la durabilité d’un bâtiment
ou d’un quartier en utilisant mieux les espaces, les objets, les services, les ressources
et l’énergie. Les auteurs ont montré qu’il était
possible de réduire la surface habitable par
personne à 35 m2 (celle-ci est en moyenne
de 45 m2 à l’heure actuelle en Suisse) tout en

forum du développement territorial 02 / 2016 — Recherche

45

w L’espace dénommé Space+ joue le rôle
de couloir, mais sert surtout de zone de rencontre à usage polyvalent. Il se prolonge sur
plusieurs étages et fait office de « zone sociale tampon ». Sur le plan technique, il assure
une aération et un éclairage naturels.

Les différents types de pièces peuvent être
répartis de façon à correspondre à des modèles de vie et à des besoins très différents.
Le prototype réalisé pour le concours a été
réinstallé sur le campus de Horw/Lucerne. Ce
n’est pas un bâtiment, mais un modèle qui
donne un aperçu du concept Smart Sharing.
Il présente tous les types d’espaces et leurs
interrelations de manière exemplaire.

l’accès aux ressources naturelles, sociales et
culturelles, et à les utiliser avec parcimonie,
bref, à créer plus de valeurs matérielles ou
immatérielles pour les habitants. Ils ont notamment constaté que les relations sociales –
tant au niveau individuel que collectif – jouent
un rôle important: les échanges spontanés,
l’entraide entre voisins, par exemple pour les
achats ou le baby-sitting, enrichissent la vie.
Les bâtiments réalisés à Zurich et ailleurs selon des concepts similaires témoignent de
l’intérêt pour de tels modèles alternatifs de
logements.

Bâtiments et infrastructures modulables

Diminuer la surface habitable exige d’inventer de nouveaux modèles d’habitation. Les
espaces doivent être disponibles pour un
usage spécifique quand on en a besoin. Les
espaces partagés sont bienvenus.

Les concepteurs du projet ont cherché à
créer une plus-value, en organisant le partage ou la mise en commun d’objets, de services, d’espaces, de ressources énergétiques
ou autres. Ils ne proposent pas de se priver de
quoi que ce soit, mais cherchent à optimiser

A l’échelle du quartier également, il s’agit de
concevoir une mixité intelligente des affectations, avec des espaces pour l’habitat, le
travail, la culture et les loisirs ou encore la
production, ceci afin de favoriser les circuits
courts et la locomotion douce.

1964 – 2014:
La diminution de la consommation énergétique
par mètre carré d’habitation et l’augmentation
simultanée de la surface habitable par personne
« se neutralisent ».
2014 – 2064:

35 m2
personne

Idées développées dans le projet your+ et
SmartSharing: L’utilisation optimale de l’espace

1964

45 m2
personne

2014

35 m2
personne

2064

habitable (réduction de 45 m2 à 35 m2) et des
ressources favorise un développement durable.

Utiliser les espaces habitables
de manière communautaire
La croissance démographique et la consommation
individuelle entraînent une augmentation
des besoins en ressources. Une utilisation communautaire est un moyen de contrer cet effet.
L’organisation entièrement repensée des espaces
d’habitation correspond à l’un des aspects de la
vision d’une société à 2000 watts.

46

2000
watts/personne

6300
watts/personne

2000
watts/personne

1964:

2014:

2064:

4 millions d'habitants

8 millions d'habitants

11 millions d'habitants

forum du développement territorial 02 / 2016 — Recherche

Les nouvelles typologies de bâtiments permettent d’augmenter leur taux d’utilisation.
Les volumes bâtis peuvent parfois prendre
des proportions inhabituelles, avec des profondeurs plus importantes. Leurs structures
et leurs agencements modulables autorisent
des utilisations multiples. De tels bâtiments
peuvent s’adapter facilement à de nouveaux
besoins, selon le degré souhaité d’intimité ou
d’ouverture à la communauté.

1 LE TOIT AVEC SES CAPTEURS SOLAIRES
ET SON PUITS DE LUMIÈRE (SPACE+)

Quartier urbain interconnecté

2 LES CONNEXIONS VERTICALES

Au-delà de la réalisation architecturale à proprement parler, le projet Smart Sharing s’inspire d’une philosophie du partage comportant
plusieurs volets:
w un réseau social dense est nourri par tous
les contacts interpersonnels directs mais
aussi par les contacts établis via des réseaux
techniques équipant les bâtiments;
w un réseau technique intelligent permet de
distribuer les multiples sources décentralisées et d’acheminer le courant ou la chaleur
où la demande se manifeste;
w un projet architectural astucieux combine
espaces privés, semi-publics et publics de
qualité.

3 LA PLATEFORME DU RÉSEAU SOCIAL
my room
espace privé composé d’une chambre à
coucher et d’une salle de bain
our room
la cuisine peut, selon le mode de vie,
être partagée avec les voisins
your room
cet espace est à la disposition de toute

Cette philosophie du partage s’applique au
bâtiment, mais aussi au quartier. La mise en
réseau des espaces intérieurs, mais surtout
extérieurs, permet de partager activement les
ressources et encourage le vivre ensemble.
L’objectif est de construire une ville dense,
avec des espaces porteurs d’identité, permettant de se relier les uns aux autres grâce
au Smart Sharing.

la communauté et peut servir par exemple
de chambre d’amis, de salle de musique,
de bibliothèque ou de salle de fitness
space +
espace ouvert et de liaison vers les activités
et les espaces d’habitat et de travail

4 LE SOCLE FORMÉ D’UN RÉSEAU

Ainsi la ville devient un nouvel eldorado.
(traduction)
—

TECHNIQUE DE CÂBLAGES

Ê Hanspeter Bürgi, Simon Gallner:
Smart Sharing – Architektur und Technik,
Raum und Ressourcen: Mehr als ein Projekt
für den Solar Decathlon. Editions Quart, Lucerne,
2015.

HANSPETER BÜRGI, *1958, a étudié l’architecture à l’EPFZ.

Il est l’un des associés de l’atelier d’architecture bernois
Bürgi Schärer Architektur und Planung. Actuellement
professeur d’architecture et directeur d’études du master
en architecture à la HES bernoise au Département
Architecture, bois et bâtiment, il a été, de 2009 à 2015,
professeur au Département technique & architecture de
la HES de Lucerne. Il a dirigé de 2011 à 2014 les travaux
de l’atelier Solar Décathlon.

forum du développement territorial 02 / 2016 — Recherche

47

RECHERCHE

Partager son
logement?
Ernst Hauri
ernst.hauri@bwo.admin.ch

Aujourd’hui, que l’on soit une personne
seule, un couple ou une petite famille, il est
normal d’avoir un logement exclusivement
à soi. Toutefois, les technologies numériques pourraient relancer l’ancienne tradition des logements communautaires, faire
émerger de nouvelles structures de logements, et donc transformer ce marché.

Les logements sont des biens indivisibles. Il
n’est pas possible d’acheter ou de louer une
« tranche » de maison ou d’appartement, c’està-dire une certaine surface à l’intérieur d’une
unité plus grande. En général, le marché ne
propose que des objets monobloc, complètement équipés. Pour les personnes en quête
de logement, cette absence de flexibilité est
partiellement compensée par la grande hétérogénéité de l’offre. Chaque habitation est
unique: nombre de pièces, surface, équipement, situation, prix. La liberté de choix est
grande: celui qui veut « se loger petit » axera
ses recherches sur des logements de petite
taille; mais il sera obligé de prendre aussi la
cuisine, même s’il ne sait pas ou ne veut pas
cuisiner. Et il n'y a pas d'alternative: chacun
doit se loger, c’est un besoin fondamental. Enfin, il peut arriver que le plus petit appartement soit encore trop grand (ou trop cher).

aux grandes maisons de l’époque prémoderne, qui abritaient sous le même toit tous
les membres d’une même famille ainsi que
le personnel de maison. Autre exemple: le
« pensionnaire », logé dans un appartement
de famille, soit parce qu’il était trop pauvre,
soit parce qu’il n’avait jamais appris à se
débrouiller tout seul.

Par le passé, on a toujours trouvé le moyen
de faire correspondre l’offre et la demande.
Historiquement, le logement partagé était
la règle et non pas l’exception. Pensons

Aujourd’hui, la colocation est la formule de
partage d’appartement couramment adoptée
par des personnes seules n’ayant ni lien de
parenté, ni lien social spécifique. Elle permet
de répartir le loyer et les divers frais. Mais elle
est souvent synonyme de manque d’intimité, surtout lorsque l’appartement a été conçu
au départ pour des familles « classiques ».
Les clusters, ces logements communautaires

48

forum du développement territorial 02 / 2016 — Recherche

Les plateformes numériques changent la
donne

d’un type nouveau qui sont récemment apparus sur le marché, ont été conçus pour supprimer cet inconvénient, sans pour autant renoncer au partage de la cuisine, de la salle de
bains et de la salle de séjour.
Les plateformes et les bourses en ligne créent
une dynamique entièrement nouvelle dans ce
domaine. Il est encore prématuré, aujourd’hui,
d’analyser les opportunités et les risques de
ces solutions. Un évènement organisé par
l'Office fédéral du logement (OFL), dans le
cadre des Journées du logement, qui se tiendront à Granges en novembre 2016, devrait
néanmoins nous en apprendre davantage.
Une chose est sûre: les plateformes Internet
permettent de nouveaux contacts et créent

peuvent aider les régies immobilières à réaliser une occupation idéale des immeubles.
Citons également la mise aux enchères en
ligne de logements, couramment pratiquée
aux Etats-Unis, et les plateformes de voisinage qui permettent à des personnes de se
rencontrer à l’échelle des quartiers pour réaliser des projets communs (tels que les systèmes d’échange locaux ou SELs).
Airbnb et Couchsurfing sont des plateformes
très connues, mais aussi très controversées.
Elles mettent en relation, dans le monde entier, des personnes qui offrent et des personnes qui cherchent un logement. Couchsurfing, créée en 2003, a été, du moins jusqu’à
sa réorientation plus commerciale en 2011,
un « réseau d’amitié et d’entraide pour l’hébergement »: ses membres recevaient gratuitement leurs hôtes dans le but de nouer des
amitiés, de partager des moments avec des
gens dont ils faisaient ainsi la connaissance.
Par contre, pour Airbnb, le profit a été dès
le départ une donnée importante. Les orientations distinctes de ces deux concurrents
prouvent que les nouvelles technologies
peuvent être utilisées à des fins différentes.

ainsi une proximité virtuelle; elles mettent en
relation des personnes partageant les mêmes
intérêts, et ce, de manière rapide et bon marché. En ce sens, elles sont une incitation au
partage. De même que leur portée peut varier
considérablement, leurs applications peuvent
être multiples. A titre d'exemple: le crowdfunding (financement participatif), peut être
utilisé pour financer des projets de logement
communautaire. L’ancêtre de ce système à
vu le jour il y a un siècle lorsque les coopératives d’habitation permirent à leurs adhérents de réunir des fonds propres en versant
chaque mois des sommes modestes.
Les plateformes permettent également de
saisir le profil des locataires et des personnes
en recherche de logement, données qui

Au-delà de la location classique d’un logement ou d’une chambre à des touristes, cette
forme d’économie collaborative pourrait très
bien devenir le must d’un groupe social d’un
nouveau type, hautement mobile, aux domiciles multiples et branché à tous les réseaux.
Cela élargirait par ailleurs l’offre de logements
sans qu’il soit nécessaire de construire de
nouveaux bâtiments d’habitation.
Questions en suspens sur la réglementation

A l’heure actuelle toutefois, le débat public se
focalise sur les aspects négatifs de ces plateformes de services. On y déplore la diminution des offres de particuliers et l’augmentation des offres commerciales; on craint que
ce modèle de location ne chasse les actuels
locataires de leur logement et surtout, on re-

doute une flambée des prix des loyers dans
les centres urbains qui sont très prisés.
De plus, les plaintes se multiplient: de la part
du voisinage en raison de perturbations de la
tranquillité, et de la part des entreprises touristiques traditionnelles, qui n’apprécient pas
cette concurrence déloyale. Certes, les plateformes s’efforcent de mettre en place des
systèmes d’autorégulation et d’améliorer la
transparence de leurs activités. Les prestataires comme les utilisateurs peuvent être
évalués. Si un prestataire est mal noté, son
compte peut être bloqué par le fournisseur
d’accès.
On aurait tort de sous-estimer la demande en
faveur de plus de réglementation. Mais est-il
vraiment nécessaire de renforcer, en Suisse,
le droit du bail? le droit fiscal? une autre législation? A l’heure actuelle, ces questions
sont examinées par un groupe de travail de la
Confédération dirigé par le SECO.
D’une manière ou d’une autre, les plateformes changeront le marché du logement ou
du moins la perception que nous en avons.
Jusqu’à présent, une étroite corrélation existait entre le nombre de ménages et le nombre
de logements. Ce principe a servi de fondement aux estimations des besoins de logements pendant des décennies. Cette corrélation a été battue en brèche une première
fois par le phénomène des résidences secondaires; elle risque d’être définitivement obsolète si les plateformes d’hébergement poursuivent leur essor. Dans ce cas, nous n’aurions
plus besoin de calculer le nombre de logements en fonction de la population résidante,
mais seulement de répondre à une demande
globale. Cela pourrait avoir des conséquences
considérables sur la consommation de surfaces et la construction, mais aussi sur les
rapports entre propriétaires et locataires –
jusqu’ici relativement sereins en Suisse.
—
(traduction)

ERNST HAURI, *1955, a étudié l’ethnologie,

le russe et l’histoire de l’Europe de l’Est à Zurich.
Il travaille depuis 1987 à l’Office fédéral du
logement, dont il est devenu le directeur en 2009.

forum du développement territorial 02 / 2016 — Recherche

49

ACTION

Partager un objet au lieu d’en être le seul
propriétaire permet de l’utiliser au mieux,
à condition que tous les utilisateurs ne le
demandent pas en même temps. L’initiative Work Smart intervient précisément sur
cet aspect: elle préconise des conditions
de travail plus flexibles et entend faire un
usage plus astucieux des bâtiments abritant des bureaux et des infrastructures de
transport pour augmenter leur rentabilité.

Des horaires de
travail flexibles
pour décharger les
infrastructures
Stephan Osterwald
stephan.osterwald@sbb.ch

Chaque matin, des milliers de pendulaires
se retrouvent dans des embouteillages ou
s’entassent dans des trains bondés. Est-ce
vraiment intelligent? Chacun doit ensuite se
démener au bureau pour trouver une salle de
conférence libre; et le soir c’est la même
cohue, mais en sens inverse. Ce comportement grégaire génère un besoin élevé de bureaux et d’infrastructures de transport, par
conséquent une consommation importante
de surfaces construites et de lourds investissements pour faire face à la demande aux
heures de pointe. Pour les salariés, les horaires rigides laissent peu de place aux besoins
individuels.
Il serait plus judicieux que les collaborateurs et
la direction discutent de nouvelles modalités
et de nouveaux horaires de travail. Cette concertation permettrait de concilier les besoins
des collaborateurs avec ceux de l’entreprise.
En même temps, une telle réorganisation permettrait d’utiliser les infrastructures de manière mieux répartie au cours de la journée.
Investissements moindres, productivité
accrue

En encourageant une organisation du travail
flexible, l’initiative Work Smart vise les trois
objectifs suivants:
1

50

forum du développement territorial 02 / 2016 — Action

Créer des conditions-cadres motivantes
pour les collaborateurs, accroître l’attrac-

tivité des entreprises et mobiliser de nouvelles forces de travail pour répondre, notamment, à la pénurie de spécialistes.
2

Accroître la productivité en tenant
compte du biorythme de chaque travailleur, par le choix d’un lieu de travail approprié pour chaque tâche et en améliorant
l’accès aux technologies modernes de
communication et d’information.

3

Exploiter plus efficacement les bureaux
et les infrastructures de transport de manière à utiliser ces infrastructures d’une
manière plus égale pendant la journée.

L’initiative Work Smart a été lancée au printemps 2015 par les CFF, Swisscom, Microsoft
Suisse, la Mobilière, La Poste et Witzig The Office Company. A l’heure actuelle, plus de 70
employeurs ont signé la « Charte relative à
l’organisation de modes de travail flexibles et
indépendants du lieu ». Ils s’engagent ainsi à
promouvoir des conditions de travail flexibles
et à tendre vers les objectifs susmentionnés.
Les signataires de la charte ont observé qu’il
était plus astucieux de partager que de posséder. Cette flexibilité au travail n’est toutefois
efficace qui si tout le monde n’utilise pas la
même chose au même moment. Pour exploiter rationnellement les transports individuels
et publics ou les bureaux, il est nécessaire
d’étaler leur utilisation sur toute la journée.
Les effets sont positifs à tous les niveaux: des
investissements moindres (soit une productivité accrue pour chaque franc investi) renforcent la compétitivité des entreprises et de
l’économie suisse en général.
Une chance pour le rail et la route

trains par jour et par trajet. Mais le taux d’utilisation des trains est très inégal: de nombreux RER sont bondés aux heures de pointe
alors que seulement 30 % des places en moyenne sont occupées pendant la journée. Il y
a donc un déficit d’efficacité du point de vue
entrepreneurial et économique. La flexibilité
des conditions de travail permet aux pendulaires de mieux gérer leur temps, de voyager
de façon plus confortable, et donc d’être plus
productifs.

L’initiative Work Smart a pour effet de décharger les transports publics, c’est une évidence. Notre coûteuse infrastructure ferroviaire bénéficie d’une fréquentation très élevée
en comparaison internationale: les CFF sont
le seul réseau sur lequel circulent autant de

Par ailleurs, l’initiative Work Smart pourrait
aussi décharger les routes. Et pas seulement
pour désengorger les goulets aux heures de
pointe. Selon plusieurs études, jusqu’à 30 %
du trafic individuel motorisé (TIM) est imputable, dans certaines villes, à la recherche d’une

place de stationnement. Ce trafic et l’espace
nécessaire pour stationner les véhicules accaparent l’espace urbain déjà très restreint.
Du point de vue de la gestion du territoire,
une telle inefficience est regrettable. Il vaudrait mieux disposer de navettes publiques
autonomes pour faire office de taxis collectifs, ce qui supprimerait le trafic lié au stationnement.
Ainsi, si le trafic individuel motorisé en ville de
Zurich était constitué uniquement de véhicules autonomes partagés, le trafic actuel serait divisé par trois, ce qui réduirait d’autant
les besoins de surfaces.
—
(traduction)
Ê www.work-smart-initiative.ch

STEPHAN OSTERWALD, *1976, a fait des études

d’économie et de sciences politiques à l’Université
de Berne. Il travaille aux CFF en tant que responsable
de la gestion du trafic, de la statistique et de la
collaboration dans la recherche; il est codirecteur
de l’initiative Work Smart.

forum du développement territorial 02 / 2016 — Action

51

INVITE KARIN FRICK

« Le partage contribue
à la dématérialisation »
Interview: Pieter Poldervaart
Photos: Martin Bichsel

52

forum du développement territorial 02 / 2016 — Invité

L’économie collaborative n’est pas un
concept nouveau; le partage et l’utilisation de biens en commun sont pratiqués
depuis des millénaires. Mais l’internet et
les appareils mobiles ont conféré une tout
autre dimension à ce concept. Le législateur ne devrait pas étouffer cette évolution, mais au contraire adapter les réglementations existantes lorsque cela est
nécessaire, prévient Karin Frick, directrice
de la recherche et membre de la direction
de l’Institut Gottlieb Duttweiler.

Ces dernières décennies, les pays occidentaux, notamment la Suisse, se sont
distingués par une consommation effrénée. L’économie collaborative amorce-telle un tournant par rapport à l’accumulation de biens?
La Suisse a effectivement atteint un seuil
de saturation en matière de consommation.
Toutes ces choses qu’on achète en plus nous
encombrent, prennent de la place et demandent du temps car il faut les entretenir. Les véhicules, notamment, nécessitent un service
régulier, ce qui agace beaucoup de gens. L’idée
de posséder davantage devient ainsi désagréable.
L’autopartage permettrait donc de gagner
du temps et de la place…

Ces nouvelles stratégies de mise en commun
répondent à un tout autre besoin. Après la
crise financière et économique de 2008 et
2009, de nombreuses familles et de nombreux étudiants aux Etats-Unis se sont retrouvés avec moins de revenus. Ils ont dû
s’endetter et ont cherché comment réduire
leurs dépenses. Cela a entraîné un retour du
partage de logements et de véhicules. Nous
connaissons bien sûr aussi de telles stratégies sous la forme d’appartements et de colocations d’étudiants. Entre-temps, le souci de

ne pas s’encombrer a supplanté la préoccupation économique. Et par ailleurs, un grand
nombre de gens se passionnent pour les nouvelles possibilités d’échanges sociaux.
Uber et Airbnb, les deux entreprises
phares de l’économie collaborative, ne se
profilent guère par leurs prestations sociales. Elles recherchent surtout l’aspect
lucratif.
L’économie collaborative comporte diverses
composantes que nous avons analysées dans
notre étude de 2013. L’une d’entre elles est
le mothering (maternage), le souci des autres.
Une autre composante est une réflexion
d’ordre économique: le pooling (la mise en
commun), c'est-à-dire les économies que l’on
peut faire en partageant l’utilisation d’un
bien avec d’autres personnes. Les expériences partagées peuvent également constituer
une motivation – nous appelons cela le socialtainment (la rencontre). Le social participe
ainsi au plaisir. Ces trois composantes sont
toujours présentes dans l’économie collaborative, mais leur importance relative diffère selon le concept. En ce qui concerne les
offres d’hébergement, le fait de loger chez
des particuliers permet de faire de nouvelles
connaissances.
Même les projets lucratifs tels qu’Uber
mettent en avant la durabilité. Dans quelle
mesure les gains écologiques sont-ils annulés par un effet boomerang?
Comme pour les mesures d’économie énergétique, les nouvelles plateformes de l’économie collaborative ont forcément un effet
boomerang: on se récompense de s’être déplacé tous les jours à vélo en s’offrant pour
les vacances d’été un voyage aux antipodes.
Celui qui roule Mobility va peut-être investir l’argent économisé dans un autre objet
de consommation. Il ne faut toutefois pas
mettre l’effet boomerang sur le dos de l'économie collaborative uniquement. Chaque per-

forum du développement territorial 02 / 2016 — Invité

« L’économie collaborative va privilégier
l’activité indépendante
par rapport au
salariat. »

sonne est responsable de ses choix: va-t-elle
s’acheter un nouvel objet ou préférer réduire
son temps de travail et augmenter ainsi
son temps libre?
Si le partage devait s’imposer à large
échelle, quelles en seraient les conséquences pour nos villes?
Des modèles ont été conçus pour Singapour.
On a analysé les effets d’un transfert de tous
les transports de personnes et de marchandises sur un système de mobilité partagée.
Ce calcul a montré que le trafic et les surfaces
de stationnement seraient réduits d’un tiers.
Il resterait évidemment à définir l’utilisation
qui serait faite des surfaces rendues disponibles: seraient-elles consacrées à la création
de nouveaux espaces de verdure pour la population urbaine ou à la construction de nouveaux centres commerciaux et de bureaux
privés?
Indépendamment de cet exemple, quelle
est l’influence de l’économie collaborative
sur le tissu social?
Une modification importante concerne notre
façon de gagner de l’argent. L’économie colla-

53

borative privilégie l'activité indépendante
plutôt que l'activité salariée. Aujourd’hui déjà,
le nombre d’indépendants croît plus rapidement que celui de postes salariés.
Ces
nouveaux
micro-entrepreneurs
gagnent-ils de quoi vivre? L’économie collaborative ne génère-t-elle pas une nouvelle précarité?
En Suisse, ce problème ne se pose pas vraiment. Le tissu social de notre pays est relativement homogène. Même au noir, une
femme de ménage ne gagne pas moins de 30
francs de l’heure. Seules quelques personnes
pourront être victimes d’un dumping salarial.

Dans notre société relativement homogène, le marché régulerait-il tout?
Naturellement, il faudra harmoniser le système d’assurances sociales. Cependant, je
ne crains pas un dumping salarial.
Jusqu’à présent, nous avons essentiellement parlé des services de taxi et d’hébergement hôtelier. Quelles autres branches
sont-elles touchées par l’économie collaborative?
Le secteur de l’habillement fonctionne de
plus en plus de manière collaborative. Le
changement en cours est subtil: l’échange de

vêtements est déjà pratiqué de manière officieuse par les enseignes de vente par correspondance, qui offrent la possibilité de retourner la marchandise (parfois déjà portée)
dans un délai de 20 jours. Tout bien réfléchi,
cela ouvre la porte à de nouveaux modèles
économiques tel que celui développé par la
boutique de prêt de vêtements Kleihd à Zurich. Les personnes qui faisaient leurs achats
dans des magasins consulteront dorénavant
de telles plateformes de troc et d’échanges.
Il n’y a en soi aucune limite dans les groupes
de produits concernés. Bien sûr, un passionné de voitures de rêve choisira de mettre la
sienne dans son garage plutôt que de la louer
à la journée.
Quelle clientèle est-elle intéressée? Les
jeunes qui ont grandi dans le monde numérique et se laissent séduire par l’économie collaborative?
Certainement. La génération d’il y a 30 ans
achetait encore ses skis tandis que les jeunes
d’aujourd’hui louent pour la plupart leur équipement de sports d’hiver. Pas seulement pour
des raisons économiques d’ailleurs: on ne
veut plus s’encombrer chez soi et on souhaite
voyager les mains libres. La possibilité de réserver un équipement adéquat par Internet
encourage ce comportement.
Les communaux, les cercles de partage de
machines agricoles… l’économie collaborative est-elle née dans le monde rural?
Aucune société ne fonctionne sans échange
ou partage de certains biens. La Suisse avait
à l’origine une organisation très rurale. Partager, utiliser en commun n’a rien de nouveau:
autrefois, dans les familles nombreuses, les
tantes et les aides ménagères vivaient sous
le même toit. On partageait davantage de
choses au quotidien et on usait ses vêtements jusqu’à la corde.
Quand cela a-t-il changé?

KARIN FRICK, *1960, a fait des études d’économie à l’Université de
St-Gall et travaille depuis 2001 à l’Institut Gottlieb Duttweiler (GDI) en
tant que directrice de la recherche et membre de la direction. Dans
les diverses fonctions qu’elle a occupées, elle s’est intéressée aux
mutations sociales, aux innovations et à l’évolution des individus et des
marchés. Elle est coauteure de l’étude intitulée Sharity, parue en 2013.

54

forum du développement territorial 02 / 2016 — Invité

« Les parcs et les
espaces publics où les
adultes peuvent se
rencontrer joueront un
rôle de plus en plus
important. »

bien défini de collaborateurs de grandes entreprises, qui peuvent utiliser des équipements
partagés (imprimantes, salles de réunion et
coin café). Lequel de ces concepts s'imposera-t-il? Quels nouveaux modèles verront-ils le
jour? Ces questions restent pour le moment
ouvertes.

Avec l’avènement de la consommation de
masse, chaque ménage (dont la taille n’a
d’ailleurs cessé de diminuer) a pu acquérir
sa voiture, son réfrigérateur et son lave-linge.
La tradition du partage a donc disparu?

Pas du tout. A la campagne, il suffit de héler
son voisin par-dessus la clôture pour lui emprunter un petit moment sa tronçonneuse ou
lui demander de nourrir sa tortue durant les
vacances. Dans les villages, il n’est pas nécessaire d’utiliser l’internet pour cela.
En ville, par contre, les plateformes d’échange se multiplient. Elles facilitent non seulement le partage d’outils, mais aussi de locaux, notamment de lieux de travail. A votre
avis, quel est l’avenir des espaces de travail
partagés?

Les espaces de travail flexibles et le travail à
domicile sont tendance, mais pour beaucoup,
travailler depuis son domicile n’est pas forcément intéressant. Certes, les espaces de coworking pourraient intéresser certaines professions. Pour de nombreux indépendants,
toutefois, les offres actuellement sur le marché, avec leur décoration intérieure stylée,
sont, à mon avis, trop chères. Les nouveaux
nomades du travail préfèrent s’installer dans
un café équipé d’un réseau local sans fil
(WLAN ou wi-fi). Les attentes concernant la
mutualisation des outils et le travail en réseau doivent être relativisées, car les indépendants redoutent souvent que leur voisin
de bureau ne fasse main basse sur une partie
de leurs mandats.
Je suis plus optimiste concernant les salons
d’affaires, dont l’accès est réservé à un cercle

forum du développement territorial 02 / 2016 — Invité

Les espaces de coworking n’intéressent-ils
que les individus? Ou présenteraient-ils
éventuellement aussi des avantages du
point de vue du développement territorial?

Pour certaines entreprises qui n’ont pas forcément besoin d’une présence de leurs collaborateurs à leur siège, l’utilisation de tels espaces peut se révéler plus avantageuse. Par
conséquent, ce concept est intéressant car
il pourrait améliorer globalement l’utilisation
de bureaux existants et réduire ainsi les flux
de pendulaires.
Les espaces de coworking pourraient-ils répondre à un besoin dans nos vallées alpines
et assumer aussi, par exemple, la fonction
d’une poste ou d’un café, fermés depuis
longtemps?

En principe, de tels centres sont très demandés. Les loyers sont bas dans les vallées désertées. Je doute cependant que de tels es-

55

« On veut continuer à
consommer, mais sans
les charges du propriétaire. »

L’économie collaborative pourrait également s’intéresser au transport de marchandises en milieu urbain. Que manque-t-il pour
une percée dans ce domaine?

En Suisse, le pourcentage de ménages d’une
personne a considérablement augmenté;

il dépasse les 36 %. Or il faut savoir que le
nombre de contacts sociaux diminue à partir
de l’âge de 25 ans; pourtant, les liens sociaux
sont indispensables à notre santé psychique.
Nous vivons de plus en plus longtemps, mais
le nombre d’enfants, petits-enfants et arrière-petits-enfants diminue. Les lieux de rencontre dans le milieu bâti prennent donc de
plus en plus d’importance. Or, la tendance
est à la fermeture des bureaux de poste et
des petits commerces, qui étaient des lieux
de rencontre par excellence. Aujourd’hui, les
particuliers font facilement leurs achats en
ligne. Les parcs et les espaces publics, où
les adultes et surtout les personnes âgées
peuvent se rencontrer, joueront donc un rôle
de plus en plus important.

56

forum du développement territorial 02 / 2016 — Invité

paces soient suffisamment convaincants
pour inciter des citadins à s’installer dans
ces vallées. L’attrait des villes reste très fort.
Je suis plus optimiste en ce qui concerne les
espaces de coworking dans de petites villes,
où certains collaborateurs de l’administration
fédérale, par exemple, pourraient travailler un
ou deux jours par semaine, au lieu de contribuer à la surcharge de l’axe Zurich-Berne.
Les villes sont confrontées à une pénurie
de bureaux, mais aussi d’espaces publics.
L’économie collaborative peut-elle apporter
des réponses à ces problèmes?

A l’heure actuelle, tous les logisticiens, fournisseurs et vendeurs disposent de leur propre
concept de distribution. Cependant, des modèles plus intelligents sont en préparation en
raison du volume toujours plus grand des livraisons à domicile. Le partage dans la distribution ne se limite pas à l’utilisation en
commun d’une flotte de véhicules de livraison. L’optimisation commence dès la plateforme Internet. Siroop, par exemple, est une
plateforme qui travaille avec les produits des
grandes marques mais aussi avec de petits
fournisseurs. Une designer de bijoux et un opticien peuvent ainsi utiliser l’infrastructure de
Siroop pour diminuer le coût de leur présence
sur Internet et s’intégrer à la logistique de distribution de Siroop.
L’Union européenne comme le Conseil fédéral sont réservés quant à la mise en place
d’une régulation de l’économie collaborative. Cette attitude est-elle justifiée?

Notre législation actuelle sur le travail a été
conçue à l’origine pour un système industriel,

peu plus large. Il serait absurde, à mon avis,
d’appliquer la réglementation actuelle telle
quelle dans le domaine de l’économie collaborative.
L’économie collaborative a depuis longtemps perdu son innocence. Uber et Airbnb
sont cotées en milliards de dollars. Ces nouvelles multinationales sont-elles intouchables?

Le concept de partage a fait son chemin, mais
rien n’est gravé dans le marbre pour l’éternité. Si l’on transposait le modèle commercial Uber sur un Wiki, on affaiblirait l’original.
On peut parier qu’un groupe suffisamment
grand de consommateurs/acheteurs décidés
à se démarquer des grands acteurs globaux
ne manquerait pas de se constituer rapidement pour recréer un modèle local, à but non
lucratif. Les modèles Wiki doivent eux aussi
être efficaces, mais ils marquent des points
en raison de leur plus-value sociale. Ils devraient donc rester intéressants à long terme
pour un grand nombre de clients.
Les modèles gérés sur une base entièrement
bénévole auraient-ils donc une chance face
aux grandes entreprises commerciales?

où les salariés faisaient carrière dans leur entreprise, à laquelle ils restaient fidèles tout au
long de leur parcours professionnel. La numérisation et l’essor des activités indépendantes appellent de nouvelles réglementations.
Cela ne reviendrait-il pas à une dérégulation
complète?

Pas du tout! Certes, il faut bien analyser la
nouvelle situation du point de vue de la protection des travailleurs et des assurances.
L’économie collaborative prend différentes

formes et en crée sans cesse de nouvelles.
Récemment, j’ai entendu parler d’un modèle
où des hôtels prenaient en charge la lessive
d’entreprises Airbnb: des entreprises concurrentes se sont muées en partenaires (au bénéfice des deux parties). Il serait également
envisageable qu’une firme assure le nettoyage d’appartements Airbnb, en déchargeant ainsi les bailleurs. L’économie collaborative crée par conséquent de nouveaux emplois. En matière de régulation, nous devons
être un peu plus souples et éviter de développer une bureaucratie excessive. Nous devrions également accepter une zone grise un

forum du développement territorial 02 / 2016 — Invité

Cette branche commerciale est jeune et se
transforme constamment. Il est donc difficile
de faire des prévisions. Dans certains quartiers, une tendance se développe avec les
boîtes d’échange entre voisins, qui permettent de troquer non seulement des livres,
mais aussi des caquelons, des perceuses, etc.
Ces modèles ne fonctionnent qu’au niveau local: un habitant d’Yverdon-les-Bains n’ira pas
chercher un extracteur de jus à Genève. En revanche, un troc de vêtements est possible à
l’échelle d’un pays grâce à la poste. Quoi qu’il
en soit, l’économie collaborative renforce la
tendance à la dématérialisation: on veut continuer à consommer, mais sans les charges du
propriétaire.
—
(traduction)

57

ACTION

Grand Genève:
une nouvelle étape vers
le premier réseau mondial
de lieux de travail partagés
couvrant l’intégralité
d’un territoire
Franck Burdeyron

f.burdeyron@ocalia.fr
Luc Jaquet
luc.jaquet@sofiesgroup.com

58

forum du développement territorial 02 / 2016 — Action

Un projet de collaboration transfrontalière Suisse-France a démarré cet été. Il a
pour objectif de contribuer à l’émergence
d’un réseau de lieux de travail partagés
couvrant le territoire du Grand Genève.
Ce projet est le prolongement d’une étude qui avait confirmé le potentiel de ces
lieux, qui contribuent à réduire la congestion du trafic, stimuler l’entrepreneuriat, améliorer la qualité de vie des travailleurs et créer des lieux économiques
ressource sur l’ensemble du territoire.

Ce projet, qui a été validé par le comité de
programmation Interreg V France-Suisse à la
mi-juin, fait suite à une étude menée de 2013
à 2015, dont le but était d’analyser l’opportunité, pour le Grand Genève, de développer
un réseau de lieux de travail partagés (espaces de coworking, centres de télétravail, fablabs, etc.). Alors qu’il existe actuellement un
peu plus de 20 espaces de ce type, principalement situés au centre de Genève, l’étude
arrive à la conclusion qu’un réseau de 160
à 180 lieux, couvrant l’ensemble du territoire, pourrait avoir des impacts majeurs sur le
Grand Genève.
En effet, les espaces de travail partagés s'imposent aujourd'hui comme une alternative
avantageuse au bureau traditionnel ou au
travail à domicile souvent contraignant, car
synonyme d’isolement, de cohabitation avec
la famille, etc. Les usagers de ces lieux trouvent, à proximité de chez eux, une place de
travail, des équipements partagés (salles de
réunions, accès à haut débit, imprimantes 3D,
machines-outils, visioconférence, etc.), des
services permanents ou occasionnels (animation, formation, secrétariat, accès à l’information, etc.) et un réseau de coopération
économique. Le nombre de ces lieux a explosé au cours des dernières années. On peut
ainsi dénombrer aujourd’hui plus de 8000
espaces de coworking à travers le monde.

L’étude a tout d’abord permis de démontrer
la cohérence de ces lieux de travail partagés
avec des enjeux d’importance pour le Grand
Genève mais aussi pour la démarche entreprise par le Grand Genève français, l'écocité
promue par l’ARC (Assemblée régionale de
coopération du Genevois français).
En effet, ces nouveaux espaces permettent
aux habitants de limiter les déplacements depuis leur domicile. D’autre part, ils constituent des lieux collaboratifs, vecteurs de réussite et d’innovation pour les entrepreneurs
et les jeunes pousses des filières innovantes.
Ils permettent également aux employeurs de
réaliser des optimisations immobilières en
réduisant le pourcentage d’inoccupation de

forum du développement territorial 02 / 2016 — Action

leurs bureaux, ou en leur évitant d’être obligés d’agrandir leurs locaux en cas de besoin d’espace supplémentaire. Ces derniers
peuvent en effet utiliser les lieux de travail
partagés comme des extensions permanentes ou temporaires de leurs activités, et peuvent offrir aux employés itinérants la possibilité de travailler dans un lieu plus proche
de leurs clients ou partenaires. Ils apportent
ainsi des réponses pertinentes aux enjeux de
mobilité et de transition énergétique, d’aménagement du territoire et de développement
économique.
L’étude arrive à la conclusion qu’il existe
deux scénarios possibles: celui du « laisserfaire » et celui de la « rupture ». Si, à l’instar

59

IMPACTS DE CES SCÉNARIOS SUR L’OFFRE ET LA DEMANDE
Evolution du nombre de
télétravailleurs potentiels
160 000
140 000
120 000

40 000

100 000
80 000
60 000
40 000

A l’inverse, une politique volontariste qui permettrait l’émergence d’un réseau maillé de
lieux de travail partagés sur l’ensemble des
territoires de l’agglomération, y compris les
plus éloignés du centre de Genève, aurait des
impacts majeurs. Selon ce scénario, plus de
200 lieux pourraient être créés à l’horizon
2025. Ils seraient répartis sur l’ensemble du
territoire du Grand Genève et proposeraient
près de 7000 places de travail, utilisées par
environ 35 000 clients. L’étude estime qu’un
tel réseau permettrait, à terme:
w de réduire de 6%, soit de près de 12 millions, les déplacements annuels vers le centre
de l’agglomération, ce qui aurait d’importantes incidences sur les bouchons, la réduction
des émissions de CO2, la qualité de vie et les
coûts de déplacement;
w de créer un nouveau marché économique,
estimé à près de 35 millions d’euros de chiffre d’affaires annuel, pour les investisseurs et
les gestionnaires de ces lieux;

20 000
0
Aujourd’hui

2025

Evolution du nombre de
coworkers potentiels
20 000

15 000

5 500

10 000

5 000

0
Aujourd’hui

w d’augmenter la compétitivité des entreprises grâce à des optimisations immobilières
et à une motivation accrue des travailleurs.

Afin de concrétiser ce scénario ambitieux, un
second projet Interreg a été déposé – et validé. Il a été élaboré par les cabinets Ocalia
et Sofies et associe le Grand Genève, l’ARC,
les cantons de Genève et de Vaud, les communes de Carouge, de Genève, de Lancy, de
Nyon, la Fondation pour les terrains industriels de Genève (FTI), la Chambre de commerce d’industrie et des services de Genève(CCIG), les Communautés de communes du
Pays de Gex, du Pays Bellegardien, d’Arve et
Salève, du Genevois, du Pays Rochois, de Faucigny Glières, la ville de Thonon-les-Bains et
Annemasse Agglomération. Ce nouveau projet prévoit:

60

forum du développement territorial 02 / 2016 — Action

w d’implanter sur l’ensemble du territoire
des lieux économiques ressource permettant
un accès au très haut débit, à la formation,
à des espaces de mise en réseau favorisant
l’innovation, à de nouveaux outils de conception de produits, etc.;

2020

2020

2025

w la stimulation de la demande via des actions de sensibilisation et de communication
visant à faire connaître les avantages de ces
nouveaux modes de travail et à lever certaines réticences du côté des employeurs, et
grâce à un accompagnement de la transformation des pratiques managériales et de l’organisation des espaces de travail;
w le soutien à l’émergence de l’offre à travers
la recherche d’investisseurs et gestionnaires
potentiels dont les projets seraient facilités
grâce à des partenariats public-privé et à une
meilleure cohérence et accessibilité à l’offre

Source: Enquète Ocalia/Sofies 2014; OCSTAT et Stat Vaud 2011 pour la Suisse; INSEE 2009 pour la France

de ce que l’on observe en France à propos de
la question de l’aménagement numérique et de
la couverture haut débit des territoires, on
n’applique pas une politique publique volontariste, ces lieux resteront cantonnés aux zones
les plus denses, laissant à l’écart les zones
périphériques et rurales du territoire. L’effet
levier attendu, particulièrement en ce qui concerne la réduction des déplacements domicile-travail et les questions d’aménagement du
territoire, sera dans ce cas relativement faible.

IMPACTS DE CES SCÉNARIOS SUR LA MOBILITÉ
Nombre annuel de déplacements évités
(en millions)
Soit 6% du volume annuel
des déplacements sur le
territoire de Genève (E/S)

15.0

Scénario du laisser-faire
Scénario de la rupture

4 millions de
déplacements

10.0

5.0

0
Aujourd’hui

2020

2025

Evolution du CA annuel potentiel des lieux
de travail partagés
(en millions euros)

Nombre de kilomètres de déplacements évités
(en millions)
150.0

40
35
30
35

100.0

25
20
15

50.0

10
5
0

0
Aujourd’hui

2020

2025

actuelle via des outils fédérateurs (plateforme Internet, application mobile);
w la mise sur pied d’une gouvernance du réseau et l’animation de l’écosystème, démarche
qui ne pourrait être que partenariale et collective et devrait être structurée et animée
dans la durée pour voir son succès assuré.

Ces différentes actions devront être finalisées en juin 2018. Une synthèse de l’étude
menée en 2014 – 2015 peut être consultée sur
le site consacré au projet.
—

Aujourd’hui

2020

2025

FRANCK BURDEYRON, *1976, fondateur d’Ocalia, président de

Code Cluster, enseignant à l’Université Lyon 2, intervient depuis
plus de quinze ans auprès des collectivités au sujet de la question
de la transition numérique. Impliqué dans de nombreux projets
de création de lieux de travail partagés en France, Belgique et
Suisse, il accompagne les collectivités, les opérateurs de lieux
et les investisseurs dans l’élaboration de leurs projets.
LUC JAQUET, *1981, consultant du cabinet de conseil en durabilité

Sofies, est spécialisé en approches collaboratives et en stratégies
de développement intégré des zones industrielles et urbaines.
Parmi les aspects clefs qu’il traite dans ces stratégies figurent les
synergies interentreprises (écologie industrielle) et les nouveaux
modes de travail.

Ê www.teletravail-geneve.com

forum du développement territorial 02 / 2016 — Action

61

REPORTAGE

Carottes
liechtensteinoises
Stefanie Pfändler
s.pfaendler@gmail.com

62

forum du développement territorial 02 / 2016 — Reportage

Depuis un an, une petite coopérative maraîchère du Liechtenstein fournit chaque
semaine un panier de légumes à une centaine de ménages. Sa clientèle est à la
fois productrice et colocataire car une
participation aux travaux des champs
est nécessaire pour recevoir son lot de
carottes.

Samedi matin maussade: il pleut dans la vallée du Rhin saint-galloise. D’épais nuages
sont accrochés aux sommets du Vorarlberg.
De temps à autre, le soleil arrive à percer la
masse nuageuse. Un panneau discret, près
du pont sur le Rhin, indique la frontière. De
l’autre côté, sur sol liechtensteinois, à moins
de dix minutes de la frontière, Janosch Marquart nous raconte qu’il est novice en culture
maraîchère.
Il nous montre un champ d’une soixantaine
d’ares situé à cinq kilomètres au nord de
Schaan, en bordure de la zone agricole: « C’est
là. » Cet ingénieur en électronique de 30 ans
est membre de la coopérative maraîchère du
Liechtenstein. Il fait partie d’un groupe de
personnes motivées qui se sont lancées, il y a
un an et demi, dans un projet de production
maraîchère. « Notre monde ne cesse de devenir plus global, plus centralisé et plus technocratique. Nous voulions prendre le contrepied de cette évolution », explique-t-il. Certes,
il est beaucoup plus facile de s’approvisionner auprès des géants du commerce de détail.
« Cependant, comprendre comment les légumes poussent, les semer et les récolter soimême, leur donne une tout autre saveur »,
poursuit Janosch Marquart.
La rapidité avec laquelle le projet a pris forme
l'étonne encore. Le groupe a trouvé en la
personne de Georg Frick un agriculteur bio
convaincu qui a tout de suite partagé son enthousiasme pour le projet. Ils ont ensuite discuté, se sont informés sur des projets simi-

Le paysan bio Georg Frick était dès le départ enthousiasmé par le concept.

laires en Suisse, ont fait des plans et recruté
des coopérateurs. Le but était d’intéresser 60
personnes et de les inciter à s’abonner à un
panier de légumes afin de répartir au mieux
les risques financiers. Six mois plus tard, l’objectif était atteint. La coopérative s'est alors
constituée, a conclu un bail à ferme avec Georg
Frick et a engagé une maraîchère professionnelle. Et l’aventure commença.
Transformation d’un aérodrome en jardin

La coopérative compte aujourd’hui 100 abonnés au Liechtenstein et en Suisse voisine. Ses
membres cultivent plus de 60 sortes de légumes et de salades bio sur ce champ qui
était, il y a quatre-vingts ans, un petit aérodrome. Il n’est pas prévu d’augmenter la production pour le moment; les derniers arrivés
doivent s’inscrire sur liste d’attente.

forum du développement territorial 02 / 2016 — Reportage

L’abonnement au panier de légumes coûte
1100 francs par an. « C’est bien meilleur marché que la qualité équivalente dans le commerce », souligne Janosch Marquart. L’abonnement n’implique pas seulement un engagement financier. La coopérative exige une
participation aux travaux des champs comme
condition pour recevoir sa part de légumes.
L’abonnement prévoit dix journées de travail
par année. « Un abonnement suffit en principe à la consommation de deux ou trois personnes », explique Janosch Marquart. « Cela
correspond à une petite famille, mais on peut
aussi se partager un panier entre voisins et
connaissances… et aussi les heures de travail
aux champs, bien sûr! »
Les occasions de participer à la préparation
des paniers sont nombreuses: il faut récolter,
puis laver les légumes à la ferme de Georg Frick,

63

Georg Frick et Janosch Maquart se
dirigent vers le tunnel, dont ce dernier
planifie la future installation.

les trier, les répartir et les livrer tous les mercredis. Chaque membre de la coopérative
participe à la chaîne de production là où il
se sent le plus à l’aise. Il contribue ainsi à la
concrétisation des principes de l’agriculture
solidaire, en produisant sur place et sans intermédiaire ses propres légumes.
« Je jette moins »

Equipée de bottes en caoutchouc et d’un
imperméable, Jennifer Eiche est en train de
récolter des pois mange-tout. Cette logopédiste en avait assez de la marchandise insipide
des commerces de détail. Elle est tombée sur
la coopérative maraîchère alors qu’elle cherchait un lieu de vente de produits de la ferme.
« Je remarque que j’ai une tout autre relation
avec les légumes », avoue-t-elle. « Depuis que
je sais combien de travail est contenu dans
une courgette, je jette beaucoup moins de
denrées alimentaires. »

deux mauvaises herbes arrachées. « Et après
ce sera le tour des courgettes durant plusieurs semaines. » Karin Huber, de Saint-Gall,
est la seule professionnelle, ainsi que l’unique
employée de la coopérative. Elle gère, dirige
et planifie les travaux de jardin et veille à ce
que les semis de chaque espèce soient effectués en temps utile. « J’ai aussi dû apprendre
certaines choses », explique-t-elle en montrant une platebande de jeunes pousses de
radis envahie par les mauvaises herbes.
« Nous n’arrivons pas toujours à suivre avec
le désherbage », soupire-t-elle. « Récolter est
prioritaire. » – une évidence difficile à accepter pour cette perfectionniste. Elle ne peut
toutefois plus s’imaginer travailler dans une
grande entreprise rationnalisée. « Nous pourrions bien sûr être beaucoup plus efficaces. Il
arrive que beaucoup de personnes soient en

Malgré la météo instable d’aujourd’hui, Dina
Falk et son ami, également membres de la coopérative, effectuent leur travail aux champs.
« Nous n’avons pas de jardin à nous et
sommes heureux de mettre les mains dans la
terre de temps en temps », explique Dina Falk.
Elle apprécie tout particulièrement les surprises des paniers: « J’ai cuisiné pour la première fois de ma vie des panais », racontet-elle en riant. « Je deviens beaucoup plus
créative. Avant, je n’aurais même pas vu ce
légume dans un magasin. »
La convivialité avant l’efficacité

Elle donne des conseils, confie des tâches et
aide lorsque cela est nécessaire. « La semaine
prochaine, ce sera le tour des radis, des oignons et du fenouil », annonce-t-elle entre

64

forum du développement territorial 02 / 2016 — Reportage

Georg Frick et Janosch Marquart dans le tunnel
qui sera prochainement remplacé par un modèle
plus solide.

vacances en même temps juste au moment
des récoltes. Parfois aussi, des néophytes
ont beaucoup de peine à différencier les
sortes de légumes. » Ce n’est toutefois pas le
problème, dit Karin Huber. Il est beaucoup
plus important d’arriver ensemble à produire
ce qui correspond aux besoins de chacun.
Et la porte n’est pas fermée à ceux qui travaillent plus lentement ou n’ont jamais mis
les pieds dans un champ.
Apprentissage de la vie communautaire

Selon Janosch Maquart et Karin Huber, cela
marche toujours en fin de compte: on met
la main à la pâte, on intervient quand il le faut
et on trouve à la dernière minute un volontaire pour aider. Voilà comment cela fonctionne! « Je m’engage volontiers dans des projets aboutissant à des résultats concrets »,
explique Janosch Marquart. En tout cas, on

ne pourra pas reprocher un manque de dynamisme à la coopérative. « Parfois cela va carrément trop vite chez nous », dit-il en riant.
Karin Huber opine de la tête: « Je crois que
vous avez tous été surpris de la somme de
travail effectuée à partir de rien. Il y a eu tout
à coup le champ, la coopérative, puis les
légumes. Tout s’est enchaîné rapidement et
depuis, on court dans tous les sens. »
« Le tunnel » , une sorte de serre étroite, détruite par une tempête de foehn l'automne
dernier, cause beaucoup de soucis à Janosch
Maquart, qui se tient devant les plans du
nouveau projet. Après sa réparation provisoire, il reste un lieu de production important
pour les légumes fragiles tels que les tomates,
les concombres, les poivrons et le basilic.
Une serre plus grande et plus solide est prévue. En tant qu’ingénieur en électronique,
Janosch Marquart s’est très vite intéressé

de près à cette installation. Au lieu d’aider
aux cultures, il s’installe à son bureau dès
qu’il rentre de son travail et dessine des
plans. « En ce moment, je me sens un peu
sous pression. Je n’ai encore jamais de ma vie
conçu une serre horticole. » dit-il en caressant presque affectueusement la bâche de
l’ancien tunnel.
A Schaan désormais, beaucoup font ce qu’ils
n’avaient encore jamais fait, par exemple
dessiner des plans, cueillir des pois mangetout, cuisiner des panais ou accepter un peu
de mauvaises herbes sans ronchonner. Tout
le monde apprend un peu de tout: sur la production maraîchère partagée, sur l’agriculture et l’alimentation, sur des modes d’organisation pratique et enfin sur la vie communautaire et ce qu'il est possible de changer,
à condition de s’y mettre tous ensemble.
—
(traduction)

STEFANIE PFÄNDLER, *1985, a étudié les sciences

politiques et les sciences de l’environnement
puis a travaillé en tant que collaboratrice scientifique au sein de la section du développement
durable de l’ARE. Depuis 2015, elle travaille
au service de l’aménagement du territoire et
de la planification des transports de la ville
de Dübendorf.

forum du développement territorial 02 / 2016 — Reportage

65

POINT DE VUE

Notre problème, c’est notre
niveau de vie

PAUL SCHNEEBERGER, *1968, est historien. Rédacteur

pour la rubrique nationale de la Neue Zürcher
Zeitung (NZZ), il écrit notamment sur des questions
de développement territorial. Il publie également
des articles sur ce sujet en dehors de la NZZ.
paul.schneeberger@nzz.ch

Les technologies susceptibles de bouleverser nos habitudes ont
le vent en poupe. Elles attirent l’attention dès le moment où
elles laissent entrevoir des perspectives commerciales. Le débat public est alors monopolisé par les entreprises qui comptent
sur ce marché émergent. Les nouveaux médias facilitant le partage de biens ou de services encouragent ces transformations.
Les discussions autour de l’avenir de l’automobile en sont un
exemple éloquent.
Les nouveaux logiciels et les plateformes numériques permettent de « partager » aisément les automobiles. De même, il
est facile d'y découvrir les opportunités de covoiturage. Ainsi,
l’image de la voiture individuelle – moyen de transport le plus
dévoreur d’espace – s’en trouve améliorée, vu que son taux
d’utilisation augmente, ce qui réjouit les exploitants de plateformes de covoiturage et les constructeurs automobiles. Il n’est
même plus nécessaire de posséder sa voiture. Les campagnes
publicitaires ne se privent d’ailleurs pas de promettre une diminution des places de stationnement, puisque la voiture sera
mieux utilisée à l’avenir.
En réalité, il serait plus honnête de fonder le discours sur des
hypothèses réalistes. Cependant, comme dans d’autres discussions relatives à l’utilisation rationnelle du sol, de nombreux
paramètres sont occultés. Un aspect pourtant particulièrement
important pour la Suisse n’est guère abordé: celui de notre niveau de vie élevé en comparaison européenne. Certes, partager
des biens d’un coût de production élevé et possédant un faible
taux d’utilisation répond de toute évidence à un souci d’économiser les ressources, mais il faudrait se demander à partir de
quel revenu les utilisateurs ne sont plus guère sensibles à cet
argument. Ce n’est pas un hasard si, dans ce pays – contrairement à la France ou à l’Allemagne – le covoiturage ne s’est pas
développé à partir du souci de réduire le coût des déplacements.
Jusqu’à présent, le système suisse de covoiturage reste principalement issu du renouveau écologique des années 1980. Les
personnes qui se déplacent en voitures rouges Mobility, leader
de ce marché, sont pour la plupart des « écolos ».

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Bien que les voitures Mobility fassent quasiment partie des équipements publics, le covoiturage reste un phénomène marginal
en Suisse. Les moyens de transport dominants (et coûteux)
continuent d’être la voiture individuelle et les transports publics
classiques, ces derniers desservant à toute heure n’importe
quelle vallée reculée. Ce réseau dense nous offre une double
mobilité de luxe, fondement constitutionnel de l’occupation décentralisée du territoire. Ce luxe n’est possible que parce que
nous en avons les moyens: nous ne nous contentons pas de
construire partout des parkings ou des silos à voitures; nous
construisons des routes de montagne dans les régions les plus
reculées pour permettre le passage du car postal.
En Suisse, Monsieur et Madame Tout-le-Monde sont réticents à
louer leur bien – par exemple leur chalet à la montagne – même
en échange d’un loyer ou d’une autre prestation. La mise en
location temporaire d’un logement de vacances par son propriétaire reste l’exception qui confirme la règle. L’acceptation de
l’initiative sur les résidences secondaires et les nouvelles technologies n’ont rien changé à ce phénomène. Bien sûr, il ne serait
pas correct de projeter telle quelle dans l’avenir l’adoration
manifestée ces dernières décennies par les Suisses pour leur
voiture ou leur résidence secondaire. En effet, on perçoit aujourd’hui un timide glissement de valeurs: le statut symbolique
de ces objets s’érode lentement.
Ces arguments ne peuvent expliquer à eux seuls les transformations que subit notre mode d’utilisation du territoire. Il faut noter qu’en ces temps de « véritable misère » des placements, le
Suisse argenté investit davantage dans la pierre – qui ne promet
pourtant, dans le meilleur des cas, qu’un rendement à moyen
terme. Ne nous mentons pas à nous-mêmes: c’est bien notre
richesse qui bouffe notre sol! Or, comme il est hors de question
de mettre en doute, tant sur le plan social que politique, notre
niveau de vie prospère, nos théoriciens du développement territorial feraient bien de regarder en face cette situation ambiguë.
—
(traduction)

forum du développement territorial 02 / 2016 — Point de vue

LE MONDE EN CHIFFRES

Un véhicule Mobility remplace dix
voitures privées. Les clients Mobility
roulent

27 %

de moins de kilomètres

et économisent chaque année

9,2 millions de litres de carburant
et 21 500 tonnes de CO .
2

67

68

EDITORIALE

Alcuni affittano le proprie stanze vuote per brevi soggiorni, altri condividono un’auto-

” Condividere per il bene

mobile, altri ancora ingaggiano un autista che lavora nel settore informale invece di

della società“

rivolgesi a un classico tassista. La sharing economy si estende sempre più nell’esistenza quotidiana. Che avvenga per motivi di risparmio, di comodità o di apprensione per
l’ambiente, la condivisione di beni di consumo e di infrastrutture va di moda.
Le nuove forme dell’economia e della cooperazione si stanno appena delineando in
contorni ancora vaghi. Ciò che oggi appare innovativo domani può già risultare superato. Lo Stato, dal canto suo, dovrebbe provvedere a migliorare le condizioni quadro. In
questo modo sarà possibile sperimentare nuove idee e soluzioni, soprattutto nell’ambito delle iniziative di condivisione di pubblica utilità, senza doversi accollare danni
collaterali nei settori della socialità, della sicurezza e dell’ambiente.
Importante è, intanto, non perdere di vista gli effetti della sharing economy sullo

Maria Lezzi

Direttrice ARE
maria.lezzi@are.admin.ch

sviluppo del territorio. La condivisione di posti di lavoro d’ufficio ha potenzialmente
l’effetto di moderare i flussi pendolari e la pressione sui centri urbani. Se la condivisione dei mezzi di trasporto del traffico individuale motorizzato dovesse fare breccia
ciò potrebbe alleggerire l’intasamento di strade e parcheggi. Tuttavia, esiste altresì il
rischio di un effetto rimbalzo: il carsharing potrebbe indurre anche le persone che non
possiedono un’automobile ad intraprendere più sovente lunghi tragitti al volante. Analogamente, le piattaforme per l’affitto di camere private rendono economicamente
accessibili brevi vacanze in aereo a cerchie sempre più ampie della popolazione, con
le relative conseguenze in fatto di emissioni di CO2.
La sharing economy ha molte facce. Spesso di fronte al suo rapido sviluppo ci si dimentica che la condivisione ha una lunga tradizione alle spalle: dalla biblioteca alla lavanderia fino al parco cittadino, ogni giorno sperimentiamo i molteplici vantaggi di infrastrutture condivise. Questa utilità comune va posta in primo piano nei dibattiti relativi
al pro e contro della sharing economy.

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Editoriale

(traduzione)

69

ARTICOLO DI FONDO

Condividere:
un bene o un male?
Reinhard Loske

reinhard.loske@uni-wh.de

70

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Articolo di fondo

L’economia della condivisione va a gonfie vele: che si tratti di car sharing, couchsurfing, urban gardening o di foodsharing,
crowfunding, coworking o semplicemente dello scambio di indumenti, l’economia
della condivisione è un fenomeno in forte
crescita a livello mondiale. Ma la sharing
economy può essere sia generatrice di
coesione sociale e di sviluppo sostenibile sia un fattore di completa economizzazione della nostra vita. Decisivo in questo senso è il quadro politico e normativo
che mettiamo a sua disposizione. Appare comunque necessario operare una netta distinzione tra i modelli commerciali
motivati dal profitto e i progetti di utilità pubblica.

Il successo dell’economia della condivisione
è ascrivibile a due fattori di cruciale importanza: da una parte la sempre più diffusa convinzione, in particolare tra i giovani, che la disponibilità d’uso è più importante del possesso per accedere a beni, prestazioni e conoscenze e, dall’altra, le enormi possibilità in
continuo sviluppo offerte dal web e la conseguente facilitazione ed accelerazione dell’accoppiamento di domanda e offerta. Nella valutazione di questo sviluppo, si possono individuare in generale due punti di vista: uno ottimista e l’altro pessimista.
Tra la fine del capitalismo e l’inferno del
dumping

Da parte ottimista si argomenta sovente in
modo euforico: l’utilizzazione condivisa di veicoli, utensili e giocattoli, edifici, apparecchi
e macchine, indumenti, alimenti e software
dischiuderebbe un enorme potenziale di risparmio di risorse e salvaguardia dell’ambiente, produrrebbe coesione sociale grazie
alla cooperazione e ai legami sociali e sostituirebbe gradualmente motivazioni egoistiche
con motivazioni altruistiche. Qui si attribuisce

al modello della condivisione che dovrebbe
sostituire nella vita sociale quotidiana gli
orientamenti di fondo competitivi una forza
trasformativa e in ultima analisi sovversiva.
All’orizzonte appare niente di meno che la
fine del capitalismo nella sua forma attuale.
Tutt’altro è il giudizio riguardo alla sharing
economy di un’insolita coalizione di associazioni corporative e professionali, avanguardisti del web, organizzazioni per la protezione
dei consumatori e dei dati. I sindacati ad esempio, di concerto con esperti della rete, avvertono del pericolo di un inferno del dumping in
cui la regola sarebbe una competizione al ribasso. Nel cosiddetto capitalismo delle piattaforme incomberebbe la minaccia d’erosione
delle conquiste dello Stato sociale e di una desolidarizzazione generale della società, quindi esattamente l’opposto di ciò che gli ottimisti
della condivisione prevedono. Ciò che un
tempo facevamo per empatia e senza calcolo economico, questo il timore, in futuro lo
faremo solo ancora per interesse e per lucro.

ci e di critica al consumo: potenzialmente la
condivisione avrebbe effetti positivi sull’ambiente e sulle risorse perché teoricamente
consentirebbe una riduzione della produzione e degli acquisti di beni di consumo. Visto
però che il tutto si sta trasformando sempre
più da una pratica ispirata dall’ecologia sociale in un modello economico orientato alla crescita, vedi imprese come Uber o Airbnb, non
si tratterrebbe più di una limitazione dei consumi bensì della stimolazione di un consumo multiopzionale per tutti, in ogni momento e in ogni luogo. Se tutto diventa meno caro,
questa l’argomentazione, ci si può soprattutto permettere di più, il che comporterebbe piuttosto un aumento che una riduzione
del consumo delle risorse. Questo non avrebbe più niente a che fare con la sostenibilità.
Carenze analitiche da entrambe le parti

Entrambe le posizioni possono indubbiamente reclamare plausibilità, ma presentano entrambe carenze analitiche.

Dubbi nei confronti del sistema della condivisione sono espressi anche da gruppi ecologi-

Gli ottimisti della condivisione non percepiscono con sufficiente chiarezza che fa parte

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Articolo di fondo

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nel vicinato, le borse del riciclaggio o le utilizzazioni temporanee di immobili vuoti, sono
qualcosa di completamente diverso dalle
piattaforme commerciali per le prenotazioni
di pernottamenti o trasporti, da offerte free
floating nel car sharing, noleggio di attrezzature e utensili, consorzi agromeccanici, spazi
di lavoro condiviso o flatrate di vestiti.
Una volta chiarite le definizioni, si tratta di
elaborare per entrambi i sistemi regimi adeguati di regolamentazione e organizzazione.
L’obiettivo deve essere la creazione di un
quadro normativo apprendente, capace di
garantire la sicurezza d’indirizzo nel senso
dell’orientamento al bene comune, della sostenibilità e della correttezza concorrenziale,
ma aperto abbastanza per reagire di fronte a
innovazioni tecniche e sociali e ad eventuali effetti sorpresa.

dell’essenza del capitalismo moderno ricorrere a nuove pratiche sociali che originariamente si sviluppano in nicchie e sovente sono
motivate dall’altruismo come terapia cellulare rigenerativa e trasformarle, o almeno tentare di trasformarle, in un proprio progetto
commerciale.
I pessimisti, a loro volta, vedono pericoli reali
ma presuppongono sovente che lo status quo
sia di per sé auspicabile e meritevole di conservazione. Verrebbe da chiedere loro se non
esistono anche oggi cartelli cui farebbe bene
togliere certe rendite ingiustificate tramite
un po’ di fresca competitività?

la capacità di cogliere gli avvincenti aspetti
delle sintesi dialettiche? Forse questo sguardo differenziato non si vende così bene sull’esigente mercato dei media come le tesi azzardate tra liberazione e catastrofe sulla condivisione, ma potrebbe corrispondere meglio
alla realtà della situazione. Dove resta l’ampio dibattito sul fatto di per sé lapidario che la
tendenza della condivisione può essere diretta nell’una o nell’altra direzione tramite regolamentazione e organizzazione politica?
Sviluppare regolamentazioni differenziate

Il problema dei due tanto epigrammatici
quanto contrapposti punti di vista è che in fin
dei conti partono entrambi da automatismi:
da una parte la via conduce quasi da sé nel
firmamento della sostenibilità sociale ed ecologica, dall’altra finisce pressoché ineluttabilmente nell’inferno del dumping e della pervasione economicista della società. Ma dove
resta lo sguardo aperto ad altre prospettive,

Innanzi tutto occorre operare una differenziazione realistica e orientata alla pratica. Si tratta di distinguere a livello definitorio in seno
alla sharing economy la parte più orientata
al bene comune da quella orientata piuttosto
al profitto. Solo così si evita fare di tutta l’erba un fascio e si assicura di trattare in modo
uguale cose uguali e in modo disuguale cose
disuguali. Attività come il food sharing, gli
orti urbani, il car sharing, i repair café,le feste per lo scambio di vestiti, le auto condivise

72

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Articolo di fondo

Lo sviluppo territoriale: definire un adeguato quadro normativo

Le conseguenze territoriali dello sviluppo dinamico dell’economia della condivisione non
si lasciano ancora descrivere con precisione
e nemmeno prevedere. A questo proposito
sussiste una grande necessità di ricerca. Da
una parte, internet crea una rete sempre più
estesa per il coordinamento di domanda e offerta, talché anche attori fra loro distanti possono entrare facilmente in contatto e in affari: basta un clic. Corretta dovrebbe essere
però anche la supposizione per cui lo sharing incoraggerebbe una riregionalizzazione
dell’economia: la condivisione di alimenti o
apparecchi, lo scambio di indumenti o i caffè
riparazione funzionano al meglio nel vicinato o nel quartiere. Il car sharing presso le stazioni ferroviarie che facilita la combinazione
tra trasporto pubblico locale e utilizzazione
condivisa dell’automobile, va valutato in modo
diverso del free floating car sharing che in
un certo qual modo porta l’auto all’utente.
Anche per quanto riguarda l’impatto territo-

fatto un rapporto di concorrenza con alberghi, pensioni e ostelli della gioventù, perché
aumenta il livello dei prezzi d’affitto o perché
in seguito alla permanente fluttuazione cambia il carattere sociale di interi quartieri urbani, soprattutto i quartieri di tendenza delle grandi città.
Con quanta sostenibilità vogliamo gestire
l’economia?

riale della sharing economy vale quindi un
presupposto piuttosto evidente: chi vuole che
questo tipo di economia contribuisca al rafforzamento e ad una maggiore resilienza dell’economia regionale deve definire un quadro
normativo corrispondente e utilizzare in modo intelligente gli strumenti dell’urbanistica
e dell’ordinamento territoriale.
Un triplice compito organizzativo della
politica

La politica è chiamata ad affrontare un triplice compito organizzativo: laddove la condivisione è organizzata in funzione del bene comune, la politica ha il compito di incentivarla,
di stabilizzarla e anche di proteggerla da rilevamenti nemici. Dove la condivisione è invece un’attività economica come altre votata
al profitto, vanno assicurate tramite una regolamentazione adeguata la correttezza con-

correnziale, l’equità fiscale e il rispetto degli standard sociali, di sicurezza e ambientali.
Dove vengono prese decisioni di fondo in materia di politica economica e sociale in futuro andrebbe sistematicamente esaminato se
esse contribuiscono alla creazione di capitale sociale o invece alla sua erosione.
Anche per quanto riguarda la regolamentazione giuridica dei vari servizi di sharing occorre dapprima ricorrere alla differenziazione: c’è una bella differenza se una studentessa mette a disposizione per pochi soldi o
qualche regalo la sua stanza per un paio di
giorni durante le vacanze semestrali o se appartamenti privati vengono affittati in modo
sistematico e quasi a titolo professionale per
periodi prolungati e a prezzi considerevoli.
Certo, entrambi i redditi vanno regolarmente
tassati, ma la seconda situazione presenta
anche conseguenze sociali perché crea di

I compiti regolativi che scaturiscono dall’economia della condivisione e dai suoi effetti sono impegnativi, ma risolvibili. Fondamentalmente dovrebbe valere che non si può
trattare di una “regolamentazione a morte”
della parte orientata al commercio della sharing economy solo perché essa si scontra con
interessi corporativi ed espone alcuni settori ad un’accresciuta pressione al cambiamento. Si tratta invece di una regolamentazione
adeguata dell’economia della condivisione,
della creazione di un quadro normativo apprendente che argini gli effetti sociali negativi di un orientamento commerciale e che tenga bene in vista il bene comune e gli interessi
fiscali dello Stato.
Le vere domande che dobbiamo porci come
società sono quindi di natura fondamentale e
precedono il trattamento dei singoli fenomeni della sharing economy. Come consideriamo la socialità e come si pone rispetto all’imprenditorialità? Come società, con quanta
sostenibilità vogliamo gestire l’economia e
quale mondo vogliamo lasciare alle generazioni future? Dalle risposte a queste domande
e dalle premesse che ne conseguono dipenderà se riusciremo a rendere, tramite regolamentazione e organizzazione, l’economia
della condivisione un modello socioeconomico di successo. Se lasciamo andare la barca
finché va rischiamo invece di imboccare la via
verso quell’inferno del dumping in cui i taluni
si specializzano a vincere e gli altri a perdere.
—
(traduzione)

REINHARD LOSKE, *1959, ha studiato economia ed

è professore di politica, sostenibilità e dinamica
della trasformazione presso l’Università di Witten/
Herdecke nella Renania Settentrionale-Vestfalia.
Dal 1998 al 2007 è stato membro del Bundestag
per I Verdi, dal 2007 al 2011 è stato Senatore per
l’ambiente, le costruzioni, i trasporti e l’Europa
della Libera Città Anseatica di Brema.

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Articolo di fondo

73

RICERCA

Smart Sharing:
architettura e
tecnica, spazio
e risorse
Hanspeter Bürgi
hanspeter.buergi@buergischaerer.ch

Il progetto Smart Sharing illustra come
è possibile organizzare una condivisione
estesa in quartieri residenziali. L’attuale
fabbisogno di spazio abitativo in Svizzera
si lascerebbe così ridurre da 45 a 35 metri
quadrati a persona generando allo stesso
tempo un valore aggiunto per gli abitanti.
Il concetto si basa su molteplici reti che
si estendono dalle abitazioni al vicinato.

Gli studenti della Scuola universitaria professionale di Lucerna, insieme ad altri 19 gruppi
di universitari provenienti da tutto il mondo,
hanno presentato al concorso d’architettura
e tecnica Solar Decathlon Europe 2014 a Versailles, la loro visione di una forma sostenibile di vivere ed abitare. Il Team Lucerne-Suisse
aveva messo in primo piano, oltre all’architettura solare e alla costruzione ad alta efficienza energetica, anche temi sociali come
il consumo e l’utilizzazione dei beni e l’organizzazione e la distribuzione intelligente delle risorse. Durante due anni di lavoro, i 100
studenti provenienti da 10 dipartimenti della Scuola hanno interpretato piuttosto liberamente le regole di natura prettamente tecnica del concorso. “Smart Sharing – our vision
is your+” è una visione del futuro complessiva della convivenza nelle città che è stata ampiamente discussa oltre il concorso.
Nell’estate del 2014, tuttavia, la giuria internazionale ha dato maggiore peso a temi tradizionali come l’efficienza e la consistenza

74

energetica rispetto alla sufficienza o a modelli della sharing economy. Il progetto svizzero ha quindi ottenuto il quinto posto nella
graduatoria complessiva delle 10 discipline
valutate o misurate.
Un valore aggiunto nonostante la riduzione
da 45 a 35 metri quadrati

Il Team Lucerne-Suisse considera esplicitamente la sostenibilità come un principio
olistico che pondera in eguale misura i tre
aspetti società, economia e ambiente. L’idea

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Ricerca

di Smart Sharing si fonda sul riconoscimento
del fatto che, se da un lato l’efficienza energetica migliora con l’applicazione di misure tecniche, dall’altro il consumo d’energia,
in seguito al continuo aumento del fabbisogno di spazio per persona in Svizzera, continua a crescere. Proprio qui si innesta il concetto Smart Sharing che illustra come grazie
ad un’utilizzazione ottimizzata di spazio, oggetti, servizi, risorse ed energia sia possibile
uno sviluppo più sostenibile. Proposte di soluzioni inedite, concetti innovativi di spazio e
un accesso intelligente agli spazi d’utilizza-

zione comune permettono di ridurre il fabbisogno di spazio a 35 metri quadrati a persona rispetto alla media di 45 metri quadrati
attualmente occupati in Svizzera generando
ciò nonostante un chiaro valore aggiunto per
gli abitanti.
Abitare e lavorare in un ambiente urbano

Il concetto, radicato nel contesto reale di un
eterogeneo quartiere di Lucerna, si articola
su diversi livelli: sul piano della pianificazione territoriale, con una raffinata densificazio-

ne edilizia e sociale nonché un’organizzazione razionale e la condivisione delle risorse; in
ambito energetico, gestionale, sociale e comunicativo ad esempio con un’applicazione
di prenotazione per la condivisione di spazi e oggetti. Grazie ad una struttura dei residenti volutamente molteplice, eterogenea in
quanto a età e condizione sociale, si creano
sinergie che vanno oltre i normali contatti di
vicinato e facilitano il mutuo appoggio diretto tra vicini. Tragitti brevi e allacciamenti ottimali alla rete dei trasporti pubblici, numerosi
parcheggi per biciclette e offerte di car sharing o di noleggio di bici creano un concetto
di mobilità sostenibile. I potenziali energetici rigenerativi delle nuove costruzioni e delle
aree limitrofe sono utilizzati per distribuire in
modo ottimale energia termica ed elettrica.

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Ricerca

Tipi di spazio e connessioni

Nel progetto si descrivono tre tipi di spazio
con diverse utilizzazioni: il cosiddetto my-room è lo spazio più intimo, utilizzato privatamente da una o due persone. L’our-room è la
zona cucina, soggiorno e tinello che a dipendenza del modello di vita è utilizzato da due a
cinque o più persone. Lo your-room serve per
utilizzazioni comuni e flessibili come camera
per gli ospiti, laboratorio, biblioteca, locale
musica o zona fitness da prenotare tramite
app spontaneamente, per breve durata o regolarmente. Funge da collegamento tra i tre
spazi un cosiddetto space+ con una funzionalità più estesa rispetto a un normale corridoio: come zona d’incontro e di collegamento
destinata alla socializzazione e comunica-

75

zione con un molteplice potenziale d'utilizzazione, space+ sviluppato su più piani svolge
anche il compito di “zona di cuscinetto sociale” oltre ad adempiere funzioni d’impiantistica dell’edificio come l’aerazione e l’illuminazione naturali.
Con il raggruppamento dei diversi tipi di spazio è possibile creare unità per modelli di vita
e necessità molto diversi. Il prototipo realizzato per il concorso che attualmente ha ritrovato la sua sistemazione nel campus a Horw
(Lucerna) non è una casa, ma un modello del
concetto Smart Sharing e illustra in modo
esemplare tutti i tipi di spazio e i loro collegamenti.
Infrastrutture ed edifici robusti, flessibili e
adattabili

La visione del progetto illustra come è possibile ottenere un valore aggiunto tramite la
condivisione di oggetti, servizi, spazi, ener-

gia e altre risorse. Non si tratta di limitazioni o di rinunce, ma dell’accesso ottimizzato
a risorse naturali, sociali e culturali e della
loro utilizzazione responsabile. L’accento è
posto sulla creazione di valori materiali e immateriali per i residenti. Le relazioni sociali
a livello individuale e collettivo svolgono un
ruolo importante non solo sotto forma di un
disimpegnato scambio comunicativo, ma anche come mutuo appoggio diretto a livello di
vicinato ad esempio per la spesa o la custodia dei bambini. Le costruzioni così concepite
presenti oggi nel contesto urbano a Zurigo e
altrove rivelano la necessità di queste forme
abitative alternative. La riduzione quantitativa della superficie esige modelli abitativi innovativi con nuove forme di valore aggiunto.
Gli spazi devono essere utilizzabili quando ne
sussiste la necessità e occorre l’accesso ad
interessanti offerte comunitarie. Ma ci vuole ancora di più: è importante creare un mix
d’utilizzazioni intelligente nella struttura abitativa e nella zona di quartiere limitrofa con

1964 – 2014:
La diminuzione del consumo energetico per metro
quadrato e il contemporaneo aumento del consumo
di superficie abitativa pro capite si neutralizzano.
2014 – 2064:
35 m2
persona

Le visioni di your+ e smartsharing:

45 m2
persona

35 m2
persona

l'utilizzazione intelligente dello spazio
(una riduzione da 45 a 35 m2) e delle risorse

1964

2014

2064

favorisce uno sviluppo sostenibile.

L’utilizzazzione condivisa dello spazio
La crescita della popolazione e il consumo individuale generano una maggiore necessità di risorse.
L’utilizzazione in condivisione vi si contrappone.
Il nuovo modello di utilizzazione dello spazio
è uno dei diversi settori della visione globale
di una “Società a 2000 watt”.
2000
watt/persona

76

6300
watt/persona

2000
watt/persona

1964:

2014:

2064:

4 milioni di abitanti

8 milioni di abitanti

11 milioni di abitanti

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Ricerca

spazi destinati all’alloggio, al lavoro, alla cultura, al tempo libero o addirittura alla produzione con il risultato di ridurre anche i tragitti
nella mobilità quotidiana favorendo il traffico lento. Nuove tipologie di edifici architettonicamente ben concepiti offrono la possibilità di un maggiore sfruttamento. Ne risultano
proporzioni costruttive in parte inusuali con
maggiori profondità strutturali e infrastrutture ed edifici robusti, flessibili e adattabili. Essi
permettono utilizzazioni diverse e si lasciano
adattare con flessibilità ai cambiamenti delle necessità con gradi di destinazione pubblica differenziati.

1 TETTO CON PANNELLI SOLARI E
LUCERNARIO (SPACE+)

2 CONNESSIONI VERTICALI

Lo spazio urbano e una moltitudine di reti

In realtà, lo Smart Sharing non è incentrato
sul singolo oggetto, ma piuttosto sulle reti:
una rete sociale di comunicazione basata su
relazioni e contatti analogici, diretti e interpersonali ma che utilizza anche forme digitali laddove appare sensato. Una rete tecnica
dell’infrastruttura degli edifici e dell’insediamento; una rete energetica che include ragionevolmente domande e offerte dipendenti
dalla localizzazione e infine una rete territoriale che produce architettura e crea e collega tra loro spazi privati, semipubblici e pubblici. Questa rete territoriale non concerne
solo l’edificio di per sé, ma anche il quartiere, non solo l’interno, ma soprattutto anche lo
spazio esterno, promuovendo un’utilizzazione attiva e una condivisione comunicativa e
unificante. Ideale in questo senso è una città
che tramite elementi urbani e densificazioni
edilizie crei nuovi luoghi catalizzatori d’identità, che componga i frammenti di qualità di
aree Smart Sharing fino alla realizzazione di
un nuovo insieme e che rafforzi così il valore
della città.
(traduzione)
—

3 PIATTAFORMA QUALE RETE SOCIALE
My-room
spazio con bagno per la sfera privata
Our-Room
cucina che può essere condivisa con i vicini
del my-room
Your-Room
spazio d’utilizzazione comune ad esempio
come camera per gli ospiti, sala musica,
biblioteca, spazio fitness
Space +
spazio di collegamento e spazio aperto
per attività, vita quotidiana e lavoro

4 BASAMENTO QUALE RETE TECNICA
CON IMPIANTI TECNICI DELL’EDIFICIO

Ê Bürgi, Hanspeter; Gallner, Simon (a c. d.):
Smart Sharing – Architektur und Technik,
Raum und Ressourcen: Mehr als ein Projekt
für den Solar Decathlon. Edizioni Quart,
Lucerna, 2015.

HANSPETER BÜRGI, *1958, ha studiato architettura al Politecnico di

Zurigo (ETHZ) ed è partner della Bürgi Schärer Architektur und Planung
a Berna nonché professore di architettura e direttore del Dipartimento
di master in architettura presso la Scuola universitaria professionale
di Berna – Architettura, legno e costruzione. Dal 2009 al 2015 è stato
professore di progettazione e costruzione presso la Scuola universitaria
professionale di Lucerna – Tecnica e architettura e in questa veste dal
2011 al 2014 responsabile generale dell’Atelier Solar Decathlon.

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Ricerca

77

OSPITE KARIN FRICK

“Lo sharing rafforza
la tendenza alla
dematerializzazione”
Intervista: Pieter Poldervaart
Foto: Martin Bichsel

78

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Ospite

La sharing economy non è uno sviluppo
nuovo, la condivisione e l’utilizzazione
comune dei beni funzionano già da millenni. Ma grazie ad internet e ai terminali mobili, il concetto acquisisce una nuova
qualità. Il legislatore non dovrebbe soffocare questo sviluppo ma adeguare il quadro normativo laddove necessario, avverte Karin Frick, responsabile della ricerca
e membro di Direzione presso l’Istituto
Gottlieb Duttweiler.

In molti Paesi occidentali e in particolare
in Svizzera, gli ultimi decenni sono stati
caratterizzati da un’irrefrenabile tendenza al consumo. La sharing economy rappresenta una controtendenza a questa
spirale dell’avere?
Karin Frick: Effettivamente, oggi in Svizzera
in quanto a consumo si è raggiunto un livello di saturazione. Ogni aggiunta è in sostanza
zavorra che abbisogna spazio e tempo per la
manutenzione. I veicoli, in particolare, necessitano di una continua manutenzione che per
molti è snervante. Il concetto del “possedere
di più” diventa quindi scomodo.
L’utilizzazione comune di un veicolo invece
può significare un risparmio di tempo e di
spazio…

Veramente, il propulsore originario delle nuove strategie dell’uso condiviso era un altro.
Negli Stati Uniti, dopo la crisi finanziaria ed
economica del 2008-2009, molte famiglie e
molti studenti si sono ritrovati con meno soldi in tasca. Hanno dovuto indebitarsi e hanno
cercato possibilità per minimizzare le uscite. Questo ha portato alla rinascita della condivisione di spazi abitativi e di veicoli, strategia che naturalmente è conosciuta anche
alle nostre latitudini, ad esempio sotto forma
di alloggi comuni per studenti. Nel frattempo
però, all’origine delle spinte verso un’econo-

mia della condivisione è meno l’idea del potenziale risparmio quanto piuttosto il desiderio di evitare l’accumulo di zavorra. Anche le
nuove possibilità di scambio sociale entusiasmano molte persone.
Le ammiraglie della sharing economy, Uber
e Airbnb, non si profilano però con prestazioni sociali, per loro si tratta soprattutto di denaro.
Lo sharing comprende diverse componenti
da noi evidenziate nel nostro studio del 2013.
Una di esse è il cosiddetto mothering, ovvero
il prendersi cura degli altri. Un’altra componente è la riflessione economica, il cosiddetto pooling, con cui si intende il risparmio che
è possibile ottenere quando si utilizzano beni
in condivisione con altri. Anche l’esperienza comune può diventare motivazione per
la condivisione: noi la definiamo “socialtainment”. In questo caso il sociale diventa parte
del piacere. Tutte le tre componenti agiscono
nello sharing, ma a dipendenza del concetto, i singoli livelli sono più o meno marcati.
Ad esempio, nelle offerte per i pernottamenti assume un certo rilievo anche l’aspetto del
soggiorno presso privati e quindi la possibilità di conoscere persone nuove.
Anche i progetti commerciali come Uber
usano la sostenibilità nella loro pubblicità. Di quanto si riduce la migliore efficienza ecologica nello sharing in seguito a effetti rimbalzo?
Che si tratti di misure di risparmio energetico o di nuove piattaforme dello sharing,
l’effetto rimbalzo è onnipresente: ad esempio quando ci si gratifica per l’uso della bicicletta nella vita quotidiana con un volo a
lungo raggio nelle vacanze estive. Anche
chi partecipa a Mobility investe poi il denaro risparmiato in un altro tipo di consumo.
Non si deve però addossare la responsabilità per l’effetto rebound alla sharing economy.
Ognuno deve decidere da sé se vuole investi-

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Ospite

“La sharing economy
rafforzerà ulteriormente la tendenza a passare dal lavoro dipendente ad un’attività
indipendente.”

re le maggiori risorse disponibili in una forma
di consumo o se preferisce ridurre l’attività
salariata e godere di maggiore tempo libero.
Se la condivisione dovesse diffondersi a
livello sociale, cosa significherebbe per le
nostre città?
Esistono dei modelli di calcolo relativi a Singapore. È stato analizzato cosa comporterebbe trasferire tutti i trasporti di persone e di
merci nella mobilità condivisa. Il risultato era
la riduzione di un terzo del traffico e della necessità di spazio per parcheggi. Resta naturalmente da vedere il tipo di utilizzazione delle superfici liberate, se per nuovi parchi per i
cittadini o per nuovi centri commerciali o uffici privati.
Indipendentemente da quest’esempio:
come influenza la struttura sociale l’economia della condivisione?
Un cambiamento importante concerne il
modo in cui guadagniamo i nostri soldi. La
sharing economy continuerà a rafforzare la
tendenza a passare da un’attività dipendente a un’attività indipendente. Già ora i lavoratori autonomi rappresentano la categoria occupazionale in maggiore crescita.

79

Resta dubbio se i salari di queste ditte individuali basteranno per vivere. Sta per
nascere un nuovo precariato della sharing economy?

Naturalmente questioni come le assicurazioni sociali devono essere regolamentate in
modo uniforme dalle autorità, ma non temo
un dumping salariale.

Non certo in Svizzera. Da noi la struttura sociale è relativamente omogenea. Persino in
nero non è facile trovare una donna delle pulizie per meno di 30 franchi l’ora. Solo poche
persone accetterebbero un abbassamento
maggiore del salario.

Finora abbiamo parlato soprattutto di
prestazioni di taxi e del ramo alberghiero.
Quali altri settori sono interessanti per la
sharing economy?

Quindi in una società relativamente omogenea come la nostra il mercato regola
tutto?

Il settore dell’abbigliamento è un modello
commerciale che funziona sempre più secondo il principio di condivisione. Il passaggio è strisciante: in modo informale lo sharing funziona già oggi, ad esempio quando

gli indumenti ordinati dal catalogo di vendita per corrispondenza vengono rispediti
dopo 20 giorni e sono già stati indossati. Se
si porta questa pratica alle sue estreme conseguenze, emergono nuovi modelli commerciali come ad esempio quello sviluppato dalla
boutique Kleihd per il noleggio di vestiti a Zurigo. Chi finora faceva i suoi acquisti nel commercio tradizionale, in futuro trascorrerà più
tempo su queste piattaforme di noleggio. Di
per sé non ci sono limiti ai gruppi di prodotti. Comunque è anche vero che un appassionato di automobili continuerà a tenere il modello preferito nel proprio garage e non vorrà
noleggiarlo a giornata.
Chi sono esattamente gli utenti di questi servizi? Sono soprattutto i giovani nati
nell’era digitale che ora diventano anche
sharing natives?
Assolutamente. Mentre la vecchia generazione trent’anni fa comprava ancora i suoi sci, la
maggior parte dei giovani oggi affitta l’equipaggiamento invernale. Non solo per motivi
economici, ma anche perché si cerca di limitare la zavorra in casa e si desidera viaggiare
con poco bagaglio. Il fatto che in internet sia
possibile prenotare l’equipaggiamento adatto rafforza ulteriormente questo atteggiamento di fondo.
I beni comuni agricoli, i consorzi agromeccanici: l’idea dello sharing ha avuto origine nel mondo rurale?
Nessuna società può funzionare senza la
condivisione e l’utilizzazione comune di certi beni. Anche in Svizzera originariamente la
vita era organizzata in funzione di un mondo
rurale. La condivisione e l’utilizzazione comune non sono affatto delle novità. Un tempo le
grandi famiglie, comprese zie e aiutanti domestici, vivevano nella stessa economia domestica. Si condividevano molte cose della
vita quotidiana e ci si passava i vestiti fino al
loro logoramento.

KARIN FRICK, *1960, ha studiato economia all’Università di San Gallo e
dal 2001 lavora presso l’Istituto Gottlieb Duttweiler (GDI) come responsabile della ricerca e membro della Direzione. Si è occupata nelle sue diverse
funzioni di tematiche legate al futuro, del mutamento sociale, dell’innovazione e dei cambiamenti delle persone e dei mercati ed è coautrice
dello studio “Sharity” apparso nel 2013.

80

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Ospite

“In futuro, i parchi e
altre superfici di uso
comune in cui persone
adulte possono incontrarsi e interagire,
assumeranno un’importanza sempre
maggiore.”

canze estive. Nel villaggio, per queste cose
non serve internet.
In città invece fioriscono le piattaforme di
condivisione. Qui non si tratta solo di attrezzi, ma sovente di spazio, addirittura della
condivisione di posti di lavoro. Quali possibilità vede per il coworking?

Quando è cambiato tutto questo?
Con la diffusione del consumo di massa,
quasi tutte le economie domestiche, che nel
frattempo sono diventate sempre più piccole, potevano permettersi un’automobile propria, un frigorifero o una lavatrice.

Quindi la condivisione tradizionale fa ormai
parte del passato?

Nient’affatto. È proprio in campagna che si
chiede al vicino sopra la staccionata se ti
presta per un attimo la motosega o se può
prendersi cura della tartaruga durante le va-

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Ospite

Luoghi di lavoro flessibili e l’home-working
si diffondono sempre più, ma non a tutti piace lavorare tra le mura domestiche. Gli spazi
di coworking potrebbero essere attraenti per
taluni gruppi professionali, ma sono dell’opinione che le offerte attuali con i loro interni
in stile siano troppo care per molti lavoratori
indipendenti. I moderni nomadi dell’impiego
preferiscono sfruttare il WLAN del bar. Contemporaneamente, la tanto decantata prospettiva di scambio e networking va considerata con prudenza: i lavoratori indipendenti
potrebbero temere che i loro vicini d’ufficio si
approprino di una parte dei mandati. Più ottimista sono al riguardo delle business lounge a cui hanno accesso solo cerchie ristrette
di collaboratori di grandi imprese per utilizzare in comune infrastrutture come stampanti,
sale di riunione e angoli caffè. Quale di questi

81

concetti riuscirà a imporsi e quali nuovi modelli saranno ancora inventati, resta completamente aperto.
La condivisione di ambienti di lavoro è interessante solo per il singolo individuo o offre
anche vantaggi a livello di pianificazione
territoriale?

Se questo tipo di posti di lavoro si rivelano
più convenienti anche per le imprese e gli impiegati non devono per forza essere presenti a lungo in una sede centrale, allora questi
modelli possono presentare indubbi vantaggi. In generale, lo spazio per uffici a disposizione potrebbe essere utilizzato in maniera
più efficiente e si otterrebbe anche una riduzione nei flussi dei pendolari.
Un siffatto spazio di coworking avrebbe
senso nelle valli di montagna dove potrebbe
assumere anche la funzione di ufficio postale o di osteria, chiusi ormai da tempo?

È vero che questi centri sono molto richiesti e nelle valli spopolate le pigioni sono basse. Dubito però che uno spazio di coworking
possa bastare a motivare i cittadini a trasferirsi in valle: l’attrazione della città persiste.
Sono più ottimista per quanto riguarda gli
spazi di coworking a livello di piccole città
dove ad esempio i collaboratori dell’Amministrazione federale potrebbero lavorare uno
o due giorni la settimana invece di gravare
sull’asse Zurigo-Berna.

il numero di bambini, nipoti e pronipoti diminuisce. I punti di incontro negli insediamenti
diventano quindi sempre più importanti. Contemporaneamente chiudono uffici postali e i
negozi in cui ci si incontrava tendono a sparire perché gli acquisti privati si fanno sempre
più online. Assumono quindi una crescente
importanza i parchi e gli altri spazi pubblici di
utilizzazione comune in cui le persone adulte
e specialmente gli anziani si possono incontrare e conoscere.
Oltre il traffico pendolare, anche il trasporto
urbano delle merci presenta un grande potenziale per lo sharing. Perché non si è ancora manifestato?

Attualmente tutti gli operatori logistici e della vendita hanno ancora un proprio concetto
di distribuzione, ma già si preannunciano modelli più intelligenti. Propulsore in proposito è
soprattutto la consegna a domicilio, in continua crescita. Nel caso dello sharing nella distribuzione non si tratta solo dell’utilizzazione comune del parco veicoli per le consegne.
L’ottimizzazione inizia già con la condivisione
delle piattaforme internet. Ad esempio Siroop è un contenitore che oltre ai prodotti delle
grandi marche include anche piccoli offerenti. In questo modo una stilista o un ottico possono usare l’infrastruttura online di Siroop per
i loro gioielli e occhiali, diminuire i costi della presenza in rete e usufruire della logistica
di distribuzione.

Non sono solo gli uffici a scarseggiare in città,
ma anche gli spazi pubblici. Lo sharing può
essere utile in tal senso?

Sia l’UE sia il Consiglio federale appaiono
prudenti per quanto riguarda la regolamentazione della sharing economy. Questo attendismo è giustificato?

In Svizzera, il numero di economie domestiche formate da una sola persona aumenta e
supera ormai il 36 per cento. Vi si aggiunge
il fatto che dal 25° anno di vita il numero dei
contatti sociali diminuisce. Eppure questa interazione sociale è necessaria per la nostra
salute psichica. Invecchiamo sempre più, ma

Le nostre attuali leggi sul lavoro sono state
originariamente concepite per un’economia
industriale in cui si passava l’intera vita professionale in un’unica impresa. La digitalizzazione e la tendenza all’attività indipendente
richiedono un adattamento intelligente della
regolamentazione alla nuova realtà.

82

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Ospite

Non significherebbe una completa deregolamentazione?

Nient’affatto! Ma la nuova situazione deve
essere ben ponderata per quanto riguarda la
protezione dei lavoratori o la situazione assicurativa. Le forme miste della sharing economy sono estremamente molteplici e se ne
aggiungono sempre nuove. Recentemente
ho saputo di un modello commerciale in cui
gli alberghi si fanno carico della lingeria pro-

“Si vuole lo stesso
consumo, ma possibilmente senza i fastidi
del possesso.”

li Uber e li si trasferisce a livello Wiki, si indeboliscono gli originali. Si formerebbe velocemente un gruppo di utenti che non sceglierebbero il global player, ma piuttosto il modello non commerciale locale. Anche i modelli Wiki devono essere efficienti, ma vantano in
più un valore aggiunto sociale. In questo senso è da ritenere che a lungo termine saranno
interessanti per un’ampia utenza.
Quindi i modelli di sharing basati sul volontariato continuano ad avere una possibilità
parallelamente a quelli di natura commerciale?

veniente da imprese Airbnb: in tal modo,
i concorrenti diventano partner commerciali
a vantaggio di entrambi. Ci si potrebbe immaginare anche che una ditta assuma la pulizia
degli appartamenti di Airbnb sgravando così i
locatori. In questo modo la sharing economy
crea nuovi posti di lavoro. Per quanto riguarda la regolamentazione, dobbiamo evitare
eccessive apprensioni con il rischio di creare
subito una nuova burocrazia. Fino ad un certo punto dobbiamo anche essere disposti ad

accettare una zona grigia. Ritengo del tutto
insensato trasferire semplicemente la regolamentazione vigente alla sharing economy.
Eppure la sharing economy ha da tempo perso la sua innocenza, Uber e Airbnb valgono
oggi miliardi. Il potere delle nuove multinazionali è intoccabile?

Lo sharing si è affermato, ma nulla esiste in
eterno. Se si ribaltano i modelli commercia-

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Ospite

Questo ramo economico è giovane e in continuo mutamento. È difficile fare delle previsioni. Una tendenza a livello di vicinato sono le
biblioteche domestiche o i centri di scambio
dove si trovano non solo libri ma anche caquelons o trapani. Questi modelli funzionano
solo sul piano locale perché ad esempio non si
va da Thalwil a Winterthur per procurarsi uno
spremiagrumi. A livello nazionale, quindi tramite posta, può ad esempio funzionare una
condivisione di vestiti. Comunque sia, lo sharing rafforza la tendenza alla dematerializzazione: si vuole lo stesso consumo, ma senza il
possesso finora necessario.
—
(traduzione)

83

REPORTAGE

Carote per il
Liechtenstein
Text: Stefanie Pfändler
s.pfaendler@gmail.com

84

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Reportage

Nel Principato del Liechtenstein, da un
anno una piccola cooperativa orticola rifornisce settimanalmente di verdura fresca 100 economie domestiche. I clienti
sono allo stesso tempo produttori e coaffittuari del campo – chi vuole approfittare dell’offerta alimentare dev’essere disposto a collaborare.

È un sabato mattina grigio e piovoso nella
valle del Reno sangallese. Le cime del Vorarlberg austriaco sono avvolte da pesanti nuvole. Solo di tanto in tanto un debole raggio di
sole riesce a squarciare il fitto manto nebbioso. Il cartello stradale sul ponte sul Reno indica discretamente il confine di Stato. Dall’altra
parte, nel Liechtenstein, a meno di 10 minuti
dalla frontiera, Janosch Marquart ammette di
non capire gran che di orticoltura.
Indica un campo di una sessantina di are al
margine della zona agricola, cinque chilometri a nord di Schaan: “Eccolo”. Il trentenne ingegnere elettrotecnico è socio della Cooperativa Orticola del Liechtenstein. Marquart fa
parte di un gruppo di persone motivate che
circa un anno e mezzo fa ha deciso di cimentarsi nell’orticoltura. “Il mondo è sempre più
globalizzato, centralizzato e tecnicizzato. Volevamo provare a cambiare rotta”, spiega la
sua scelta. Naturalmente è più facile acquistare i prodotti alimentari al supermercato.
“Però, chi vede dove cresce la verdura che
mangia e in più la semina e la raccoglie di
persona, sviluppa un rapporto completamente diverso con il cibo”, precisa Marquart.

per ripartire il rischio finanziario su più spalle.
Già sei mesi più tardi il progetto aveva preso
forma. Venne costituita la cooperativa, perfezionato l’affitto del terreno presso il contadino Frick e ingaggiata una professionista del
ramo. Si poteva iniziare.
Un campo d’aviazione diventa un campo
di ortaggi

Ora la cooperativa orticola gestisce 100 abbonamenti in tutto il Liechtenstein e nelle
zone svizzere limitrofe. Sul campo, che 80
anni fa era un piccolo aerodromo, i soci della cooperativa coltivano da un anno oltre 60
varietà di verdure e insalate biologiche. Momentaneamente non è possibile aumentare
la produzione, gli interessati devono pazientare in lista d’attesa.
Un abbonamento presso la cooperativa costa
1'100 franchi l’anno. “È molto più conveniente che comprare la stessa quantità di verdura
nella stessa qualità in un negozio”, sottolinea
Marquart. L’abbonamento non si limita però

solo all’aspetto monetario perché presso la
cooperativa vale la regola: chi vuole mangiare deve anche lavorare. Per ogni abbonamento sono previste 10 prestazioni lavorative
l’anno. “Un abbonamento basta normalmente per due o tre persone”, spiega Marquart.
“Può trattarsi di un’economia domestica di
più persone o si può dividere la verdura con
amici e vicini. Anche le prestazioni lavorative
possono essere suddivise”.
Molte sono le occasioni per partecipare: la
raccolta regolare delle verdure, il lavaggio
degli ortaggi presso la fattoria di Frick, la
cernita e infine la consegna che avviene ogni
mercoledì. Ognuno aiuta nella filiera laddove
il lavoro gli è più congeniale. In questo modo
tutti contribuiscono al principio di un’agricoltura solidale e in modo diretto alla produzione locale delle proprie derrate alimentari.
“Getto via di meno”

Oggi troviamo nel campo Jennifer Eiche con
stivali di gomma e impermeabile intenta a

La velocità con cui si è passati dall’idea ai fatti sbalordisce ancora oggi Marquard. Il gruppo ha trovato in Georg Frick, contadino bio, un
agricoltore entusiasta dell’idea tanto quanto
gli altri promotori. Ne hanno discusso, si sono
informati su progetti simili in Svizzera, hanno fatto progetti, hanno reclutato altri cooperatori. L’obiettivo: 60 abbonati alla verdura
Karin Huber osserva il lavoro durante la raccolta delle taccole: “Da noi ci deve essere posto anche per
coloro che hanno poche esperienze in agricoltura”.

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Reportage

85

raccogliere taccole. La logopedista ne aveva
abbastanza della merce anonima che si trova
in negozio. Mentre cercava una rivendita in
fattoria ha saputo della cooperativa orticola.
“Nel frattempo mi sono accorta che tratto le
verdure in modo diverso”, dice con spirito autocritico. “Da quando ogni zucchina mi ricorda la fatica con cui l’abbiamo raccolta, getto
via molto meno alimenti”.
Anche Dina Falk e il suo compagno sono soci
della cooperativa e oggi, nonostante il tempo
incerto, lavorano nel campo. “Non abbiamo
un nostro giardino e siamo contenti di affondare di tanto in tanto le mani nella terra”, ammette Falk. Inoltre, apprezza le sorprese incluse nell’abbonamento: “Per la prima volta
ho cucinato la pastinaca”, racconta ridendo.
“Si diventa più creativi. Prima, nel negozio non
mi sarei mai sognata di comperare questi insoliti ortaggi”.

“Naturalmente potremmo essere più efficienti”, ammette Karin Huber, orticoltrice professionista.

L’efficienza non è un criterio

In mezzo agli aiutanti sbuca di tanto in tanto
un’indaffarata Karin Huber. La sangallese dà
indicazioni, assegna compiti e, laddove occorre, dispensa consigli. “Settimana prossima tocca ai ravanelli, ai cipollotti e ai finocchi”, annuncia l’orticoltrice professionista tra
un rapido gesto e l’altro. “E poi per un paio
di settimane seguiranno le zucchine”. Karin
Huber è l’unica professionista in orticoltura
e, insieme agli occasionali stagisti, la sola a
percepire un salario in seno alla cooperativa. Amministra, dirige e pianifica il lavoro orticolo e provvede affinché vengano piantate
le verdure adatte nel posto più adeguato al
momento giusto. “Anch’io qui ho dovuto imparare alcune cose”, dice Huber e indica un
campo in cui tra i ravanelli crescono anche
un bel po’ di erbacce. “Non sempre riusciamo
a sarchiare a dovere”, sospira. “Il raccolto è
prioritario”. Essendo una perfezionista questo a volte la disturba, ma ciò nonostante non
potrebbe più pensare di lavorare in una grande azienda razionalizzata. “Naturalmente

Il “tunnel” è stato danneggiato dal favonio l’autunno scorso. Presto se ne costruirà uno nuovo.

86

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Reportage

Il contadino bio Georg Frick e Janosch Marquart
nel “tunnel” che presto sarà sostituito da un
nuovo modello.

tutto quasi troppo in fretta”, ride Marquart.
Karin Huber concorda: “Credo che anche voi
siete rimasti sorpresi di quanto lavoro avete
creato dal nulla. Improvvisamente c’era un
campo da coltivare, la cooperativa, le verdure. Una cosa ha portato all’altra e da allora il
daffare non manca mai”.
Ad esempio nel “tunnel”. Marquart osserva
l’oggetto della sua preoccupazione e forgia
progetti sull’aspetto che il nuovo modello dovrebbe assumere. Il “tunnel” è una specie di
serra lunga e stretta, caduta vittima del favonio l’autunno scorso. Rappezzato alla bell’e
meglio, è ancora un importante impianto di
produzione per gli ortaggi più sensibili come
pomodori, cetrioli, peperoni e il basilico, ma
a breve dovrebbe subentrargli un modello più
stabile ed ampio. Naturalmente, Marquart da
ingegnere elettrotecnico ha subito visto un
nuovo compito: la progettazione del tunnel.
Invece di aiutare nel campo, la sera dopo il
lavoro disegna progetti. “Al momento l’impegno è tanto, soprattutto perché non ho mai
fatto niente di simile”. Quasi con tenerezza
sfiora il rivestimento del vecchio tunnel.
potremmo essere molto più efficienti. A volte
molti sono in vacanza proprio quando si dovrebbe provvedere alla raccolta. Altre volte,
per dei non professionisti è difficile trattare
con le dovute cure le verdure più esigenti”.
Ma, ammette Huber, non è questo il punto.
Molto più importante è lavorare qui insieme
per assicurare il proprio approvvigionamento alimentare. E c’è posto anche per chi lavora lentamente o che non ha mai lavorato
nei campi.

Una lezione sulla vita sociale comunitaria

In qualche modo, però, tutto funziona, concordano Marquart e Huber. Ci si aiuta, si dà
una mano dove occorre, anche all’ultimo momento si trovano sempre volontari. Solo così
l’azienda va avanti. “Mi impegno volentieri in progetti che portano a risultati concreti” dice Janosch Marquart. Alla cooperativa
non si può certo rimproverare una mancanza
di spirito d’iniziativa, al contrario. “A volte va

A Schaan sono in molti a fare cose che “in
verità non hanno mai fatto”, come disegnare
progetti, raccogliere taccole, cucinare pastinache o lasciar crescere le erbacce. Tutti loro
apprendono qualcosa sulla produzione comunitaria di alimenti, sull’agricoltura e sull’alimentazione, ma anche sui problemi pratici
dell’organizzazione e non da ultimo sulla vita
sociale comune e su quanto insieme si riesce a cambiare.
—
(traduzione)

STEFANIE PFÄNDLER, *1985, ha studiato scienze

politiche ed ambientali ed ha lavorato come
collaboratrice scientifica presso la sezione
Sviluppo sostenibile dell’ARE. Dal 2015 lavora
per la città di Dübendorf nell’ambito della
pianificazione del territorio e dei trasporti.

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Reportage

87

RUBRICA

Il benessere, un fattore
da non trascurare

PAUL SCHNEEBERGER, *1968, ha conseguito il dottora-

to in storia. Come redattore di cronaca interna della
Neue Zürcher Zeitung (NZZ) si occupa fra l’altro
delle questioni inerenti allo sviluppo territoriale.
Pubblica sul tema anche esternamente alla NZZ.
paul.schneeberger@nzz.ch

Le tecnologie che possiedono il potenziale di capovolgere abitudini godono di grande attenzione, al più tardi quando hanno
raggiunto lo stadio di un possibile successo commerciale. In tal
caso, a condurre la regia nei dibattiti pubblici sono solitamente
coloro che si aspettano vantaggi commerciali dai cambiamenti
annunciati. Lo evidenzia una volta in più la facilitazione della
condivisione di beni creata dai nuovi media. Esemplare a questo proposito è il dibattito relativo al futuro dell’automobile.
Grazie allo sviluppo di software applicativi e alle piattaforme
digitali, oggi le automobili possono essere facilmente “condivise” ed è altrettanto facile organizzare passaggi individuali.
Tutto questo migliora lo sfruttamento del mezzo di trasporto
con maggiore incidenza spaziale. I gestori delle relative piattaforme e i produttori di automobili vi vedono la relativizzazione di una sostanziale riserva nei confronti del veicolo se non
addirittura la sua eliminazione. Un’argomentazione prototipo
afferma in tal senso che visto il venire meno di fatto della
necessità di possedere un’automobile e la conseguente utilizzazione più efficiente dei veicoli, in futuro saranno necessarie
meno superfici di parcheggio.
Più opportuno sarebbe specificare potenziali teorici basati su
supposizioni realistiche, ma come in altri dibattiti, ad esempio
sull’utilizzazione più efficiente del suolo, anche qui si trascurano numerosi fattori e le loro conseguenze. In particolare, un
aspetto importante per la Svizzera non viene mai affrontato:
il nostro livello di benessere, elevato pure nel confronto europeo. Per quanto sussistano evidenti motivi economici che
favoriscono la condivisione di beni con elevati costi d’acquisto
e basso tasso di utilizzo, resta aperto a partire da quale dotazione finanziaria questi stimoli smettano di sviluppare un effetto. Non a caso nel nostro Paese, a differenza della Germania
e della Francia, la condivisione dell’automobile non è scaturita
dall’intento di ridurre i costi di trasporto. Fino ad oggi, il car
sharing svizzero è piuttosto figlio dell’accresciuta sensibilità
ecologica degli anni ’80. Una grande parte di coloro che viaggiano con le automobili rosse del leader del settore Mobility
pensa verde.

88

Anche se i veicoli Mobility fanno ormai parte dello spazio pubblico, la condivisione dell’automobile in Svizzera è nondimeno
rimasta un fenomeno marginale. Dominanti sono ancora la costosa automobile privata e i classici e costosi trasporti pubblici che si spingono ogni ora in quasi ogni valle laterale. Questa
doppia mobilità di lusso, fondamento dell’insediamento decentralizzato ancorato nella Costituzione, è possibile solo perché ce la possiamo permettere e perché la vogliamo. Non solo
costruiamo dappertutto parcheggi e autosilo ma attrezziamo
anche la più discosta strada di montagna per il passaggio di
grandi autopostali.
La scarsa propensione degli svizzeri a mettere temporaneamente a disposizione di terzi per un compenso le proprie
proprietà appare chiaramente dall’esempio delle residenze
secondarie. L’affitto di appartamenti di vacanza ad uso personale è l’eccezione alla regola. Né l’iniziativa sulle abitazioni
secondarie né le nuove tecnologie hanno cambiato granché
al riguardo. Ovviamente sarebbe troppo semplice estrapolare
nel futuro l’amore che gli svizzeri hanno manifestato nel corso
degli ultimi decenni per la propria automobile e per il proprio
appartamento di vacanza. Inoltre va considerato il mutamento
dei valori nel cui corso questi oggetti potrebbero lentamente
perdere la loro importanza di status symbol.
Limitarsi a tali argomenti per spiegare i cambiamenti nell’utilizzazione del territorio sarebbe però semplificare troppo. Che
durante un periodo di “crisi degli investimenti” i soldi vengano
maggiormente investiti in nuovi immobili per i quali nel migliore dei casi sussiste una domanda solo a medio termine, è
solo un esempio di un altro effetto del benessere sul consumo
del suolo. Proprio perché il nostro confortevole livello di vita è
dato per scontato e non è negoziabile né socialmente né politicamente, deve assolutamente essere considerato e adeguatamente ponderato nelle estrapolazioni relative allo sviluppo
territoriale.
—
(traduzione)

forum sviluppo territoriale 02 / 2016 — Rubrica

LA CIFRA SUL TEMA

Un singolo veicolo condiviso di Mobility
ne rimpiazza 10 privati. La clientela
di Mobility riduce in media i chilometri
percorsi con l’automobile del

27 per-

cento, risparmiando ogni anno
9,2 milioni di litri di carburante
e 21’500 tonnellate di CO .
2

89

90

IMPRESSUM

forum raumentwicklung

forum du développement territorial

forum sviluppo territoriale

Informationsheft

Bulletin d’information

Bollettino d’informazione

Erscheint dreimal jährlich

Paraît trois fois par an

Viene pubblicato tre volte all'anno

44. Jahrgang

44e année

44mo anno

Herausgeber

Editeur

Editore

Bundesamt für Raumentwicklung (ARE)

Office fédéral du développement territorial (ARE)

Ufficio federale dello sviluppo territoriale (ARE)

Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr,

Département fédéral de l’environnement, des trans-

Dipartimento federale dell’ambiente, dei trasporti,

Energie und Kommunikation (UVEK)

ports, de l’énergie et de la communication (DETEC)

dell’energia e delle comunicazioni (DATEC)

Redaktionskommission

Commission de rédaction

Commissione della redazione

Rudolf Menzi (Leitung), Doris Angst, Matthias Howald,

Rudolf Menzi (direction), Doris Angst, Matthias Howald,

Rudolf Menzi (direzione), Doris Angst, Matthias Howald,

Gilles Chomat

Gilles Chomat

Gilles Chomat

Übersetzung

Traduction

Traduzione

Französisch: Elisabeth Kopp-Demougeot,

Français: Elisabeth Kopp-Demougeot,

Francese: Elisabeth Kopp-Demougeot,

Le Grand-Saconnex

Le Grand-Saconnex

Le Grand-Saconnex

Relecture und Adaptation: Daniel Béguin

Relecture et adaptation: Daniel Béguin

Rilettura e adattamento: Daniel Béguin

Kontrolle und Korrektur: Béatrice Thièry

Contrôle et correction: Béatrice Thièry

Controllo e correzione: Béatrice Thièry

Italienisch: Antonella Schregenberger-Rossi, Olsberg

Italien: Antonella Schregenberger-Rossi, Olsberg

Italiano: Antonella Schregenberger-Rossi, Olsberg

Relecture und Adaptation: Peter Schrembs

Relecture et adaptation: Peter Schrembs

Rilettura e adattamento: Peter Schrembs

Redaktion und Produktion

Rédaction, production

Redazione, produzione

Pieter Poldervaart, Pressebüro Kohlenberg, Basel

Pieter Poldervaart, Pressebüro Kohlenberg, Bâle

Pieter Poldervaart, Pressebüro Kohlenberg, Basilea

Grafisches Konzept und Gestaltung

Création, réalisation

Creazione, realizzazione

Susanne Krieg SGD, Basel

Susanne Krieg SGD, Bâle

Susanne Krieg SGD, Basilea

Fotografie

Photographie

Fotografia

Yves Maurer Weisbrod, Bern (Titelseite, S. 4, 6, 10/11,

Yves Maurer Weisbrod, Berne (page de couverture,

Yves Maurer Weisbrod, Berna (prima pagina, p. 4, 6,

14/15, 18, 20, 37/38, 40, 41, 48/49, 50, 67/68, 70,

p. 4, 6, 10/11, 14/15, 18, 20, 37/38, 40, 41, 48/49, 50,

10/11, 14/15, 18, 20, 37/38, 40, 41, 48/49, 50, 67/68, 70,

71, 72, 89 / 90); Markus Käch (S. 10/11, 42/43, 72/73);

67/68, 70, 71, 72, 89 / 90); Markus Käch (S. 10/11, 42/43,

71, 72, 89 / 90); Markus Käch (S. 10/11, 42/43, 72/73);

Team Lucerne-Suisse (Illustrationen S. 12/13, 46/47,

72/73); Team Lucerne-Suisse (Illustrations p.12/13,

Team Lucerne-Suisse (Illustrazione p.12/13, 46/47,

76/77); Stefanie Pfändler (S. 32– 35, 62 – 65, 84 – 87);

46/47, 76/77); Stefanie Pfändler (p. 32– 35, 62 – 65,

76/77); Stefanie Pfändler (p. 32– 35, 62 – 65, 84 – 87);

alle anderen zur Verfügung gestellt.

84 – 87); autres photographies gracieusement mises

tutte le altre foto sono state messe a disposizione.

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