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Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016 – 2019

Full text: Forum Raumentwicklung Issue 2016,1 Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016 – 2019

01.2016

forum
raumentwicklung
du développement territorial
sviluppo territoriale
Informationsheft
Bulletin d’information
Bollettino d’informazione

Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016 – 2019
> Ein Beitrag zur Umsetzung der neuen Agenda 2030
für Nachhaltige Entwicklung

Stratégie pour le développement durable 2016 – 2019
> Une contribution à la mise en œuvre du nouvel
Agenda 2030 pour le développement durable

Strategia per uno sviluppo sostenibile 2016 – 2019
> Un contributo alla realizzazione della nuova Agenda
per lo sviluppo sostenibile 2030

Bundesamt für Raumentwicklung ARE
Office fédéral du développement territorial ARE
Ufficio federale dello sviluppo territoriale ARE
Uffizi federal da svilup dal territori ARE

la révolution solaire
i sistemi di sicurezza sociale

Ökobilanzdaten

UNEP

délégués cantonaux chargés du développement durable

gesamtheitliches Rahmenwerk

1,25 dollari al giorno
Sustainable Development Goals
il sistema di indicatori

Agenda 2030

Stratégie pour le développement durable 2016 – 2019

Rechtsstaatlichkeit

un cambiamento di paradigma
un cadre de référence

Abfallsammelstelle
Bilan d’azote de l’agriculture

Green Finance

Society’s Commitment to Sustainable Development
coordinare la politica interna ed estera

zivilgesellschaftliches Engagement

préservation des écosystèmes
la definizione Brundtland

l’Amministrazione federale
unkontrollierbare Faktoren

Langzeitperspektive

01.

fo

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
Les contributions des personnalités invitées à s'exprimer dans ce numéro ne reflètent pas forcément l'opinion de la rédaction.
I contributi firmati non rispecchiano necessariamente l'opinione della redazione.

01.2016

f or u m

INHALT

LEITARTIKEL Die Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016 – 2019 im internationalen Kontext

3
4

INTERNATIONAL Die Agenda 2030: Ein neuer globaler Referenzrahmen für
nachhaltige Entwicklung

8

EDITORIAL

ZU GAST «Umweltbelange werden immer zentraler für die Wirtschafts- und
Finanzsysteme» Gespräch mit Achim Steiner
BUND 73 Nuancen der nachhaltigen Entwicklung
KANTONE Die Agenda 2030 im Kanton Basel-Stadt
KANTONE Drei Fragen
STÄDTE Die Stadt Bern verwaltet ihre Immobilien nachhaltig
BUND Von der Strategie zum Bauwerk: Die KBOB
AUSLAND Die zivilgesellschaftliche Umsetzung der Agenda 2030 in Finnland
REPORTAGE «Wir sind neugierig auf Neues»
KOLUMNE Arbeit und Wohnen ins Gleichgewicht bringen

12
19
21
22
24
26
28
32
36

SOMMAIRE
EDITORIAL

39

GRAND ANGLE La Stratégie pour le développement durable 2016 – 2019 dans
son contexte international

40

INTERNATIONAL Agenda 2030: nouveau cadre de référence international pour
le développement durable

44

INVITE « Les questions environnementales s’invitent de plus en plus dans la réflexion
sur les systèmes économiques et financiers. » Entretien avec Achim Steiner
CONFEDERATION Septante-trois nuances de développement durable
CANTONS L’Agenda 2030 dans le canton de Bâle-Ville
CANTONS Trois questions
ETRANGER Finlande: mise en œuvre de l’Agenda 2030 par la société civile
REPORTAGE « Nous sommes ouverts à la nouveauté »
POINT DE VUE Habitat et travail: un équilibre à trouver

48
55
57
58
60
64
68

SOMMARIO
EDITORIALE

71

ARTICOLO DI FONDO La Strategia per uno sviluppo sostenibile 2016 – 2019 nel
contesto internazionale

72

INTERNAZIONALE L’Agenda 2030: un nuovo quadro di riferimento globale per
lo sviluppo sostenibile

76

OSPITE «Le questioni ambientali assumono una crescente importanza per
i sistemi economici e finanziari» Intervista ad Achim Steiner
CONFEDERAZIONE 73 sfumature dello sviluppo sostenibile

80

RUBRICA Riequilibrare lavoro e domicilio

87
89
90
92
96

IMPRESSUM

99

CANTONI L’Agenda 2030 nel Cantone di Basilea Città
CANTONI Tre domande
REPORTAGE «Siamo interessati alle novità»

forum raumentwicklung 01 / 2016

EDITORIAL

Im September 2015 verabschiedete die Staatengemeinschaft in New York die Agen-

« Agenda 2030:

da 2030 für nachhaltige Entwicklung mit 17 globalen Zielen (Sustainable Develop-

Zukünftige Generationen

ment Goals). Die Schweiz spielte bei der Erarbeitung eine wichtige Vermittlerrolle

werden uns daran
messen »

und konnte bei den Verhandlungen ihre langjährigen Erfahrungen im Bereich der
nachhaltigen Entwicklung erfolgreich einbringen. Mit der Agenda 2030 werden
sämtliche Länder aufgerufen, mit ihrem Handeln darauf hinzuwirken, die ambitiösen Ziele auch tatsächlich zu erreichen.
Der Bundesrat misst der Agenda 2030 erhebliches Gewicht zu. Er hat ihren Anliegen
in den für die Schweiz bedeutsamen Themenbereichen daher bereits bei der Erarbeitung der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016 – 2019 Rechnung getragen, die
im Rahmen der Botschaft zur Legislaturplanung am 27. Januar 2016 verabschiedet
wurde. Mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie zeigt der Bundesrat, mit welchen innenund aussenpolitischen Massnahmen er in den kommenden vier Jahren dazu beitragen will, die globalen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. In einigen Bereichen ist die
schweizerische Nachhaltigkeitspolitik mit Blick auf die Agenda 2030 bereits relativ

Stephan Scheidegger

stellvertretender Direktor ARE
stephan.scheidegger@are.admin.ch

weit fortgeschritten, in anderen besteht noch Handlungsbedarf. Eine grundsätzliche Neuausrichtung unserer Nachhaltigkeitspolitik ist aber nicht erforderlich.
Die Umsetzung der Agenda 2030 ist eine Herausforderung für alle drei Staats­
ebenen. Bund, Kantone und Gemeinden sind gleichermassen dazu angehalten, bei
der Erfüllung ihrer Aufgaben auch die globalen Nachhaltigkeitsziele im Auge zu
behalten. Nur so lassen sich die Voraussetzungen schaffen, dass auch die nachfolgenden Generationen ihre Bedürfnisse optimal befriedigen können.
Im Hinblick auf die Umsetzung der Agenda 2030 sind noch einige Fragen zu klären, so
etwa zur Berichterstattung über Stand und Messung der Zielerreichung. Auch wird
man regeln müssen, wie mit sektoralpolitischen Zielkonflikten umzugehen ist.
Die Agenda 2030 ist eine grosse Aufgabe, aber auch eine Chance. Nehmen wir sie
wahr. Denn die zukünftigen Generationen werden uns daran messen, ob und wie
wir die gemeinsam gesetzten Ziele erreichen.

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Editorial

3

LEITARTIKEL

Die Strategie Nachhaltige Entwicklung
2016 – 2019 im internationalen Kontext
Daniel Dubas

daniel.dubas@are.admin.ch

4

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Leitartikel

Anfang dieses Jahres verabschiedete der
Bundesrat die erneuerte Strategie Nachhaltige Entwicklung. Zuvor konnte die internationale Staatengemeinschaft einen
grossen Erfolg feiern: Nach mehrjährigen
Verhandlungen beschlossen die versammelten Staats- und Regierungschefs im
September 2015, die Agenda 2030 für
nachhaltige Entwicklung anzunehmen.
Für die Schweiz besteht die Herausforderung nun darin, die bundesrätliche Strategie Nachhaltige Entwicklung mit der internationalen Agenda abzustimmen und
dabei öffentliche sowie private Akteure
in den Prozess einzubeziehen.

Anfang 2016 verabschiedete der Bundesrat im Rahmen der Botschaft zur Legislaturplanung die neue Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016 – 2019. Die seit 1997 bestehende und nun erneuerte Strategie hat zum Ziel,
eine kohärente Politik für die nachhaltige
Entwicklung der Schweiz zu gewährleisten.
Sie ist primär ein Instrument zur Koordination
der Aktivitäten des Bundes, dient aber auch
vielen weiteren Akteuren als Orientierungsrahmen. Nachhaltige Entwicklung wird dabei
nicht als eigenständiger Politikbereich verstanden, sondern soll als Querschnittsthema
systematisch in die bestehenden Sachpolitiken integriert werden.
In der Strategie Nachhaltige Entwicklung legt
der Bundesrat Leitlinien für die Nachhaltigkeitspolitik fest. Das zentrale Element der
Strategie ist der vorwiegend innenpolitisch
ausgerichtete Aktionsplan. Daneben zeigt der
Bundesrat aber auch auf, wie er die nachhaltige Entwicklung auf internationaler Ebene fördern will. Zudem erörtert er die Vorbildfunktion, die der Bund im Rahmen seiner
eigenen Tätigkeiten als Organisation wahrnimmt. Schliesslich legt der Bundesrat die
Modalitäten der Zusammenarbeit mit den
Kantonen und Gemeinden sowie mit Zivilge-

sellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft fest.
Ein gutes Beispiel stellt der Bereich des nachhaltigen Bauens dar, der seit 2008 im Aktionsplan der Strategie verankert ist. In diesem
Fall ist es gelungen, über ein darin festgelegtes Arbeitsprogramm die öffentlichen und
privaten Bauherren in einem Netzwerk für
nachhaltiges Bauen einzubinden und einen
Standard für nachhaltiges Bauen im Hochbau
zu schaffen.
Erstmals globale Nachhaltigkeitsziele

Die von der Staatengemeinschaft beschlossene Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ist ein wichtiger Meilenstein für die nachhaltige Entwicklung: Zum ersten Mal wurden mit den Sustainable Development Goals
(SDG) auf globaler Ebene Ziele festgelegt, die
bis 2030 gemeinsam erreicht werden sollen.
Sämtliche Staaten der Welt – im Norden wie
im Süden – sind dazu aufgerufen, die SDG im
Rahmen ihrer Innen- und Aussenpolitik umzusetzen. Die Agenda 2030 ist völkerrechtlich zwar nicht verbindlich, sie stellt aber für
die Schweiz einen wichtigen Umsetzungsrahmen dar.
Unser Land hat die nachhaltige Entwicklung
als einen für alle Staatsebenen verbindlichen
Zweck in der Verfassung festgeschrieben. Vor
allem in innenpolitischer Hinsicht kommt dabei der Strategie Nachhaltige Entwicklung
eine bedeutende Rolle zu. Die Agenda 2030
bildet einen Referenzrahmen für die neue
Strategie Nachhaltige Entwicklung. Bereits
heute sind etliche Anforderungen der SDG in
zentralen Themenbereichen der Strategie
verankert.
Aktionsplan mit Zielen bis 2030

Dem Bundesrat ist es ein wichtiges Anliegen,
die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung
in sämtliche Politikbereiche des Bundes zu
integrieren und dabei die drei Zieldimensionen – wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, ge-

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Leitartikel

sellschaftliche Solidarität und ökologische
Verantwortung – gleichwertig zu berücksichtigen und Zielkonflikte zu minimieren. Neu
werden in der Strategie Nachhaltige Entwicklung für neun Handlungsfelder eine Vision als
Langzeitperspektive sowie mittelfristige Ziele bis 2030 definiert. Aus diesen Zielen werden entsprechende Massnahmen auf Bundesebene abgeleitet. Die thematische Breite
des Aktionsplans ist gross. Die Ziele und
Massnahmen sind in folgende Handlungsfelder gegliedert:
1	 Konsum und Produktion
2	 Siedlungsentwicklung, Mobilität
	 und Infrastruktur
3	 Energie und Klima
4	 Natürliche Ressourcen
5	 Wirtschafts- und Finanzsystem
6	 Bildung, Forschung, Innovation
7	 Soziale Sicherheit
8	 Gesellschaftlicher Zusammenhalt
	 und Gleichberechtigung zwischen
	 den Geschlechtern
9	Gesundheit
Für die Umsetzung der Massnahmen sind die
zuständigen  Bundesstellen  verantwortlich.  Das
Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) ist die
auf Bundesebene für die Nachhaltigkeitspolitik zuständige Stelle. Die Sektion Nachhaltige
Entwicklung des ARE koordiniert die Umsetzung und stellt die Berichterstattung und
Weiterentwicklung der Strategie sicher.
Innen- und Aussenpolitik aufeinander abstimmen

Für die künftige Umsetzung der Agenda 2030
ist es besonders wichtig, innen- und aussenpolitische Geschäfte aufeinander abzustimmen. So fallen beispielsweise mehr als zwei
Drittel der Umweltbelastung des Schweizer
Konsums im Ausland an und die Gewährleistung des wirtschaftlichen Wohlstands und
die Sicherheitspolitik hängen stark von aussenpolitischen Faktoren ab.

5

Ein spezieller aussenpolitischer Fokus liegt
auf der internationalen Zusammenarbeit. Die
Schweiz setzt sich deshalb in ihren Partnerländern für eine möglichst kohärente Nachhaltigkeitspolitik ein und hilft damit den
weniger entwickelten Staaten, ihrerseits
wirksame Massnahmen zur Erreichung der
SDG umzusetzen und die Fortschritte messbar zu machen. Zudem engagiert sich unser
Land in den internationalen Organisationen
für gut abgestimmte und möglichst widerspruchsfreie Politiken.
Zusammenarbeit mit möglichst allen
Akteuren

Eine nachhaltige Entwicklung kann nur erreicht werden, wenn sämtliche öffentlichen
und privaten Akteure ihren Beitrag leisten.
Für einen Erfolg der Strategie Nachhaltige
Entwicklung ist es zentral, dass auf allen Ebenen Massnahmen entwickelt und umgesetzt
werden: vom Bund über die Kantone bis zu

6

den Gemeinden, von den Unternehmen bis
hin zu den Einzelpersonen. Dabei sind ein gemeinsames Verständnis und eine möglichst
breit abgestützte Zielsetzung von grosser
Bedeutung. Die Ziele der Strategie stellen in
dieser Hinsicht als Umsetzungsrahmen eine
Verständigungsgrundlage für die konstruktive Zusammenarbeit dar.
Für die Umsetzung wird daher eine noch stärkere Zusammenarbeit mit Zivilgesellschaft,
Wirtschaft und Wissenschaft sowie mit Kantonen und Gemeinden angestrebt (siehe
Kasten rechte Seite). Insbesondere soll eine
gezielte Zusammenarbeit mit den kantonalen
Nachhaltigkeitsfachstellen oder -delegierten
dazu dienen, die Agenda 2030 auf der subnationalen und lokalen Ebene zu verankern.
Zahlreiche künftige Herausforderungen

In den letzten Jahrzehnten hat die Schweiz viel
erreicht. So wurden etwa die sozialen Sicher-

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Leitartikel

heitssysteme sukzessive ausgebaut sowie die
Luft- und Wasserqualität stark verbessert,
und dies bei weiterhin sehr guten Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Dennoch ist
der Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung
noch weit. Grosse Herausforderungen bestehen beispielsweise in den Bereichen der demografischen Alterung, der Integration von
Minderheiten, des nach wie vor hohen Energie- und Ressourcenverbrauchs, der Raumund Verkehrsentwicklung, des Klimawandels,
der Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes
Schweiz und des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Im Rahmen einer Transitionsphase werden
in den nächsten zwei Jahren weitere Grund­
lagen für die Umsetzung der Agenda 2030 in
der Schweiz zu schaffen sein. Dabei streben
das ARE und die Direktion für Entwicklung
und Zusammenarbeit (DEZA) einen auf bestehenden Strukturen aufbauenden bundesinternen Prozess an.

DIALOG 2030 FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG
Die nachhaltige Entwicklung erfordert neben einem koordinierten Zusammenwirken der
drei Staatsebenen auch eine gute Zusammenarbeit mit Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft,
Verbänden und Wissenschaft. Um dies sicherzustellen, wurden diese Akteure über den
Stakeholder-Dialog frühzeitig in die Erneuerung der Strategie Nachhaltige Entwicklung

EUROPÄISCHE WOCHE
FÜR DIE NACHHALTIGKEIT

einbezogen.

Die Europäische Nachhaltigkeitswoche (ESDW)

Diese Zusammenarbeit wird künftig durch den «Dialog 2030 für nachhaltige Entwicklung»

findet jedes Jahr vom 30. Mai bis zum 5. Juni statt.

weitergeführt, der sowohl innen- als auch aussenpolitisch ausgerichtet ist. Der Dialog

Sie hat zum Ziel, Aktivitäten anzuregen, die zur

wird zum einen den Umsetzungsstand der Agenda 2030, den entsprechenden Handlungs-

nachhaltigen Entwicklung beitragen. Dabei will

bedarf für die Schweiz und – darauf aufbauend – die Ausgestaltung der Strategie Nach-

die ESDW auch die 17 Nachhaltigkeitsziele (SDG)

haltige Entwicklung beleuchten. Zum andern soll er die Zusammenarbeit zur Umsetzung

der universellen Agenda 2030 für Nachhaltige

der nachhaltigen Entwicklung stärken und eine umfassende Berichterstattung fördern, in

Entwicklung einem breiten Publikum bekannt ma-

der auch die gesellschaftlichen Akteure ihre Beiträge zur Agenda 2030 ausweisen können.

chen. Gleichzeitig soll sie auch Institutionen, Unternehmen und Gemeinden für ein Engagement
motivieren.

Insbesondere wird die entsprechende interdepartementale Arbeitsgruppe analysieren,
wo die Schweiz heute in Bezug auf die Zielvorgaben der SDG steht und wo noch zusätzlicher Handlungsbedarf auf der Ebene der
Sektoralpolitiken besteht. Weiter werden die
Modalitäten festzulegen sein, wie die SDG in
den Zuständigkeitsbereich der Bundesstellen, die für die einzelnen Sektoralpolitiken
verantwortlich sind, überführt werden.
Gleichzeitig muss das Indikatorensystem für
nachhaltige Entwicklung (MONET) so erweitert werden, dass die nationale und internationale Berichterstattung mit möglichst geringem Aufwand und auf der Grundlage des
bestehenden Systems gewährleistet werden
kann. Und schliesslich gilt es festzulegen, in
welcher Form die bundesexternen Stakeholder künftig in die Arbeiten des Bundes einbezogen werden und wie deren substanzielle
Beiträge zur Erreichung der SDG ausgewiesen werden können (siehe Kasten oben).

Auf der Grundlage dieser Arbeiten wird der
Bundesrat Anfang 2018 über das weitere Vorgehen zur Umsetzung der Agenda 2030 auf
Bundesebene entscheiden und einen ersten
Länderbericht zuhanden der Vereinten Nationen publizieren.

Akteure aus Nichtregierungsorganisationen, der
Privatwirtschaft und der öffentlichen Hand sowie
Einzelpersonen organisierten 2016 zahlreiche Aktivitäten, welche die ganze Bandbreite der Nachhaltigkeit abdeckten: von nachhaltiger Ernährung

Mit der Verabschiedung der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016–2019 hat der Bundesrat im internationalen Vergleich bereits
sehr früh einen wichtigen Schritt zur Umsetzung der Agenda 2030 gemacht. Die eigentliche Arbeit beginnt aber erst jetzt. Sämtliche
Akteure in der Schweiz sind eingeladen, die
Chancen zu nutzen und ihren Beitrag zur Erreichung der Ziele zu leisten.
—

und Erhalt der Biodiversität im Gastronomiebereich über Naturbeobachtungen und Workshops zu Themen wie Nachhaltigkeitsinnovation oder Agroökologie. Die in der Schweiz und
im übrigen Europa durchgeführten Aktionen
sind unter www.esdw.ch aufgelistet.
Es lohnt sich, schon jetzt Aktivitäten fürs 2017
zu planen. Die Sektion Nachhaltige Entwicklung
des ARE ist Ansprechpartner der ESDW in der

Weitere Informationen finden Sie unter:

Schweiz: www.are.admin.ch/esdw

www.are.admin.ch/sne

DANIEL DUBAS, *1978, studierte Politologie

und Urbanistik. Er leitet seit 2013 die Sektion
Nachhaltige Entwicklung des ARE, welche
die nachhaltige Entwicklung auf Bundesebene
koordiniert.

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Leitartikel

7

INTERNATIONAL

Die Agenda 2030:
Ein neuer globaler
Referenzrahmen
für nachhaltige
Entwicklung
Michael Gerber

michael.gerber@eda.admin.ch

8

forum raumentwicklung 01 / 2016 — International

schaftlichen und umweltpolitischen Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung soll der
neue Referenzrahmen bis 2030 zur angestrebten Transformation beitragen. Dafür bedarf es eines Paradigmenwechsels: Der Übergang zu einem neuen, gesamtheitlichen Rahmenwerk für nachhaltige Entwicklung für alle
Länder erfordert nicht nur eine thematische
und geografische Ausweitung, sondern auch
dringend den Einbezug neuer Ansätze, Instrumente und Akteure für die Umsetzung und
Finanzierung.

Ende September 2015 haben die Staatsund Regierungschefs anlässlich eines
UNO-Gipfeltreffens in New York die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Im Zentrum dieser Agenda
stehen 17 universell gültige Ziele zur Förderung von nachhaltiger Wirtschaft, sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz.
Wie alle Länder ist auch die Schweiz aufgerufen, einen angemessenen Beitrag zur
Erreichung dieser Nachhaltigkeitsziele zu
leisten.

Schweiz nimmt Führungsrolle wahr

Mit der Verabschiedung der globalen Agenda 2030 bricht in Bezug auf die nachhaltige Entwicklung eine neue Epoche an. Erstmals in der Geschichte haben sich sämtliche
UNO-Mitgliedstaaten darauf geeinigt, 17 ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen und
ihre Beiträge zu deren Erfüllung messen zu
lassen. Inspiriert wurden die Sustainable Development Goals (SDG) unter anderem von
den bis Ende 2015 gültigen Millenniumsentwicklungszielen (Millennium Development
Goals MDG).
Von der Entwicklung zur nachhaltigen
Entwicklung

Einfach war die Aufgabe nicht, die sich
die Staatengemeinschaft zum Jahrtausendwechsel mit den MDG gegeben hatte: Zentrales Ziel war, den Anteil der Menschen an
der Weltbevölkerung, die in extremer Armut
leben und mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag
auskommen müssen, innerhalb von 15 Jahren zu halbieren. Die Entwicklungserfolge in
den letzten Jahren sind beachtlich: Gegenüber 1990 ist der Anteil extrem armer Menschen von rund der Hälfte der Bevölkerung
der Entwicklungsländer auf noch einen Sechstel gesunken. Mehr als zwei Milliarden Menschen haben seit 2000 Zugang zu sauberem
Trinkwasser erhalten. Sowohl die Mütter- als
auch die Kindersterblichkeit konnte beinahe

halbiert werden. Und dank Massnahmen gegen Malaria konnten mehr als sechs Millionen Leben gerettet werden.
Trotz dieser Erfolge bleibt viel zu tun, denn
mehrere Ziele konnten bis zum Ablauf der Frist
Ende 2015 nicht erreicht werden. Nicht nur
die Gesundheitsziele, sondern auch die Bildungsziele haben sich als zu ehrgeizig herausgestellt. So wurde zwar die Geschlechterparität bei der Einschulung erreicht, hingegen bleibt das Recht auf Grundschulbildung nach wie vor vielen Kindern verwehrt.
Die soziale Ungleichheit zwischen den verschiedenen Ländern und innerhalb der einzelnen Länder hat sich insgesamt weiter vergrössert. Und auch im Umweltbereich sind
die Fortschritte weit hinter den Erwartungen
zurückgeblieben.
Die jetzt formulierte Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung baut jedoch nicht nur auf
den Lehren der MDG auf, sondern auch auf den
Erfahrungen aus dem internationalen Prozess seit dem Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro.
Die neuen Ziele für nachhaltige Entwicklung bilden somit eine Synthese aus der Millenniumsentwicklungsagenda und der aus
Rio 1992 hervorgegangenen Agenda 21.
Mit dem Anspruch der Universalität und der
ausgewogenen Integration der sozialen, wirt-

forum raumentwicklung 01 / 2016 — International

Die Schweiz setzte sich seit Beginn der internationalen Verhandlungen für eine umfassende und ehrgeizige Agenda 2030 ein.
In einem breit angelegten nationalen Prozess, der neben der Politik auch Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft, der
Privatwirtschaft und der Wissenschaft einbezog, formulierte sie 2013 ihre Position für
die Verhandlungen in der UNO. Sie legte dabei auch thematische Schwerpunkte fest und
engagierte sich in der Folge insbesondere für
einzelne Ziele in den Bereichen Wasser, Geschlechtergleichstellung, Gesundheit sowie
Frieden und Rechtsstaatlichkeit. Gleichzeitig
wirkte die Schweiz erfolgreich darauf hin,
dass die Themen Katastrophenvorsorge,
Nachhaltigkeit in Konsum und Produktion sowie Migration und Entwicklung in verschiedenen Zielbereichen der neuen Agenda berücksichtigt wurden. Durch die frühzeitige
und substanzielle Positionierung im zwischenstaatlichen Verhandlungsprozess gelang es der Schweiz, ihre Anliegen im Abschlussdokument der Agenda 2030 weitgehend zu verankern.
Als eines der ersten Länder begann die
Schweiz auch bereits zu einem frühen Zeitpunkt, sich für die Schaffung eines robusten
Monitoring- und Überprüfungsmechanismus
einzusetzen. Sie koordinierte eine überregionale Gruppe von sieben Ländern, der es ge-

9

lang, die anderen Länder von der Wichtigkeit
von Überprüfungsmassnahmen zu überzeugen.
Umsetzung und Finanzierung

Um die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung
zu erreichen, braucht es neben einem wirksamen Überprüfungsmechanismus auch eine
starke Finanzierungsbasis. Es liegt auf der
Hand, dass die Entwicklungshilfe nur einen
geringen Teil des erforderlichen Investitionsbedarfs beisteuern kann. Gemäss einer
Schätzung der UNO-Konferenz für Handel
und Entwicklung (UNCTAD) liegt dieser Bedarf zwischen fünf und sieben Billionen Dollar pro Jahr, während die weltweite öffent­
liche Entwicklungshilfe derzeit bei jährlich
135 Milliarden Dollar stagniert.
Die Ziele sind somit nur dann erreichbar,
wenn alle Akteure – öffentliche und private –
zur Umsetzung beitragen. Nicht in jedem Fall
braucht es aber mehr Geld. Es muss künftig auch stärker an den Rahmenbedingungen
gearbeitet werden, um private Investitionen
in die nachhaltige Entwicklung zu begünstigen. Gleichzeitig müssen bei Investitionsentscheiden vermehrt auch Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt sowie unlautere Finanzabflüsse aus Entwicklungsländern unterbunden werden. Noch vor der Verabschiedung der
Agenda 2030 hatte sich die Staatengemeinschaft im Juli 2015 daher auf ein neues Rahmenwerk zur Finanzierung und Umsetzung
der nachhaltigen Entwicklung geeinigt – die
«Addis Abeba Aktionsagenda». Auch hier
übernahm die Schweiz eine aktive und konstruktive Rolle.
Umsetzung zusammen mit allen Akteuren

Doch mit der Verabschiedung dieser Rahmenvertragswerke ist es nicht getan; die Knochenarbeit beginnt erst jetzt. Auch die Schweiz ist
in der Verantwortung, die Agenda 2030 umzusetzen. Der Schweizer Beitrag zur Erreichung

der Ziele beschränkt sich nicht – wie noch bei
den MDG – auf die internationale Zusammenarbeit. Vielmehr sind auch im Inland Massnahmen erforderlich.
Der Bundesrat hat nach der Verabschiedung
der Agenda 2030 rasch gehandelt und noch
im Dezember 2015 erste Massnahmen beschlossen. Die Anstrengungen der Schweiz
zur Umsetzung der Agenda 2030 werden sich
an der Strategie Nachhaltige Entwicklung
2016 – 2019 orientieren, die der Bundesrat
Ende Januar 2016 verabschiedete, sowie an

der Botschaft über die internationale Zusammenarbeit 2017 – 2020. Klar ist bereits heute,
dass der Bund diese Herkulesaufgabe nicht
allein bewältigen kann und dass es für eine
erfolgreiche Umsetzung bis 2030 eine Beteiligung aller relevanten Akteure braucht. Neben Kantonen und Gemeinden sind auch die
Privatwirtschaft und die Zivilgesellschaft gefordert. Die Agenda 2030 bietet uns allen einen gemeinsamen Wegweiser für eine friedliche und gesunde Welt – folgen wir ihm!
—

MICHAEL GERBER, *1971, ist Botschafter und

Sonderbeauftragter des Bundesrats für globale
nachhaltige Entwicklung. Er war Verhandlungsleiter der Schweiz für die Agenda 2030 sowie
für die Addis Abeba Aktionsagenda zur Finanzierung nachhaltiger Entwicklung.

10

forum raumentwicklung 01 / 2016 — International

DIE 17 ZIELE (SDG) DER AGENDA 2030 FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG
1	

Armut in allen ihren Formen und überall beenden

2	
	

Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung
erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern

3	
	

Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und
ihr Wohlergehen fördern

4	
	

Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten
und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern

5	
	

Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen
zur Selbstbestimmung befähigen

6	
	

Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten

7	
	

Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie
für alle sichern

8	
	

Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum,
produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern

9	
	

Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen

10	 Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern
11	 Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten
12	 Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen
13	 Umgehend Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner
	
Auswirkungen ergreifen*
14	 Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung
	
erhalten und nachhaltig nutzen
15	
	
	
	

Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung
fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt
ein Ende setzen

16	 Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern, 		
	
allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und leistungsfähige, rechenschafts-		
	
pflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen
17	 Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige
	
Entwicklung mit neuem Leben erfüllen
	

* In Anerkennung dessen, dass das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen

	

das zentrale internationale zwischenstaatliche Forum für Verhandlungen über die globale Antwort auf den

	

Klimawandel ist

forum raumentwicklung 01 / 2016 — International

11

ZU GAST ACHIM STEINER

« Umweltbelange werden
immer zentraler für die
Wirtschafts- und Finanzsysteme»
Interview: Marc Engelhardt
Fotos: Martin Bichsel

12

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Zu Gast

Die im September 2015 beschlossene
Agenda für nachhaltige Entwicklung soll
wirtschaftliche Entwicklung, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit gleichermassen fördern. Achim Steiner, Chef des
UN-Umweltprogramms (UNEP), hat am Zustandekommen der Agenda 2030 massgeblich Anteil gehabt. Er ist optimistisch,
dass das komplexe Projekt gelingen wird –
und setzt dabei vor allem auf die Beteiligung der Wirtschaft.

Im September vergangenen Jahres hat
die UN-Generalversammlung in New York
einstimmig die Agenda 2030 mit 17 Zielen
für nachhaltige Entwicklung, kurz SDG, beschlossen. Sehen Sie bereits erste Fortschritte?
Achim Steiner: Für Ergebnisse ist es vielleicht
noch zu früh. Aber was ich mit Erstaunen beobachte, ist, wie schnell sich die Nachhaltigkeitsziele in der gesamten Institutionenlandschaft verankern – im UN-System, in der bi­
lateralen Entwicklungszusammenarbeit und
auf nationaler Ebene. Dazu kommen die Indikatoren, die gerade entwickelt worden sind.
Es wird ein weiterer Schritt sein, diese Ziele
so zu konkretisieren, dass sie auch auf nationaler Ebene umsetzbar und für die Öffentlichkeit nachvollziehbar werden. Denn die Ziele
sollen ja eine Richtung vorgeben. Und da ist es
wichtig, dass die Fortschritte auf nationaler
Ebene einer Rechenschaftspflicht unterliegen.
Die Öffentlichkeit, die Wirtschaft und die
Parlamente sollen beurteilen können, ob die
Regierungen tun, was sie versprochen haben.
Teilen Sie die Angst, die Ziele könnten durch
schwache Indikatoren verwässert werden?

Nein, denn die Ziele sind ja schon in ihrer Konzeption so angelegt, dass sie nicht wie ein engmaschiges Raster funktionieren. Wir müssen
uns immer klar darüber sein, dass es in einer

Welt mit sieben Milliarden Menschen und über
200 Volkswirtschaften, deren Spannweite von
absoluter Armut bis zu absolutem Reichtum
reicht, nicht einfach sein wird, die Konkretisierung der Nachhaltigkeitsziele über einen
Kamm zu scheren. Ich glaube, wir werden in
den nächsten Monaten erleben, wie die Vorgaben dieser 17 Ziele in die nationale Politik
einfliessen. Und natürlich werden Länder den
einzelnen Zielen unterschiedliche Prioritäten
beimessen. Ein Land, in dem drei Viertel der
Bevölkerung keinen Zugang zu Strom hat, wird
dieses Ziel erst einmal vorrangig behandeln.
Das heisst aber nicht, dass andere Ziele gar
keine Rolle spielen.
Aber muss man dann nicht fürchten, dass
jedes Land vor allem jene Ziele aussucht,
die ihm wirtschaftlich nützen? Es sind ja so
viele Ziele, dass der Überblick schwerfällt.
Darüber verliert nur jemand den Schlaf, der
sich der Illusion hingegeben hat, dass wir in
New York ein rechtlich verpflichtendes Rahmenabkommen verabschiedet haben. Das
haben wir nicht. Wir haben eine Agenda für
nachhaltige Entwicklung verabschiedet mit
Zielen, die uns bis 2030 eine Reihe von Veränderungen ermöglichen sollen. Diese lassen
sich allerdings nicht erzwingen. Es handelt
sich um eine freiwillige Verpflichtung, und daran sollten wir festhalten. Nicht Technokraten
haben diese Ziele entwickelt, sondern die Regierungen selber, und zwar vor einem nicht
gerade idealen geopolitischen Hintergrund.
Das ist zunächst einmal das Bedeutende an
diesen Zielen. Auf der nationalen Ebene lassen sich diese Ziele jetzt am ehesten in eine
Art politische Agenda übersetzen, die von der
Bevölkerung getragen und von der Regierung
als politische Verpflichtung angesehen wird.
Wo sehen Sie die wichtigste Unterstützung für diesen Prozess?
Überall. Es herrscht ein grosses globales Unbehagen: im Zusammenhang mit unserer Welt-

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Zu Gast

« Die Länder der Welt
haben erkannt, dass
auch der globale
Norden für die Themen
Entwicklung, Nachhaltigkeit und Armutsbekämpfung verantwortlich ist.»
wirtschaft und unserem Finanzsystem, mit
Konflikten, die wir nicht bewältigen können,
sowie mit dem Klimawandel. Dann ist da das
Phänomen der sozialen Ungleichheit, das unsere Gesellschaften auseinanderreisst. Politische Parteien und auch viele Führungskräfte
in der Wirtschaft spüren, dass echte Veränderungen notwendig sind. Das hat sich auch
beim Weltwirtschaftsforum in Davos dieses Jahr noch einmal deutlich gezeigt. Klaus
Schwab spricht von der vierten industriellen
Revolution, die stattfindet – aufgrund von Notwendigkeiten, aber auch von Möglichkeiten.
Und sieht das die Öffentlichkeit auch so?
Für die Öffentlichkeit sind diese Ziele vielleicht noch ein abstraktes Sammelsurium,
aber in ein, zwei Jahren wird sich fast jeder
in einem oder mehreren dieser Ziele in einem
persönlichen oder lokalen Kontext wiedererkennen.
Und wenn diese Ziele sich dann in nationalen
Entscheidungen niederschlagen, ist das ein
Durchbruch. Denn sie sind von ihrer DNA her
ein qualitativ neues Rahmenwerk: Sie sind
universell, das heisst alle Länder der Welt haben sich zu ihnen bekannt. Und damit erkennen wir auch an, dass Entwicklung, Nachhaltigkeit und Armutsbekämpfung nicht nur The-

13

men für den globalen Süden sind, sondern
dass auch der globale Norden verantwortlich
ist. Zweitens sind sie integrierte Ziele: Ökonomie, Ökologie und Soziales werden hier auf
eine Weise verbunden, wie wir sie intuitiv
schon lange verstehen, aber in der praktischen und politischen Umsetzung selten erreicht haben.
Blicken wir zunächst in den Süden: Wäre
es nicht verständlich, wenn die Länder
dort erst einmal wirtschaftlich aufholen
wollten, ohne Rücksicht auf die Umwelt?
Wenn man erst einmal die Grundversorgung
der Bevölkerung sicherstellen will, dann sind
wirtschaftliche Elemente natürlich zentral.
Aber die Wirtschaft ist ja auch in den Industrieländern nicht nur eine Erfolgsgeschichte.
Die Frage ist doch, ob wirtschaftspolitische
Themen in einer Art darwinistischer Ausgestaltung der Tagespolitik immer wieder auf
Kosten der sozialen Gerechtigkeit oder der
ökologischen Nachhaltigkeit durchgesetzt
werden müssen.
Aber so war es doch in den Industrie­
ländern jahrzehntelang…
Genau, und deshalb sind wir heute mit den bekannten Krisen konfrontiert. Deshalb stehen
wir vor einer Veränderung unserer gesamten
Volkswirtschaften. Wir sehen, wie die traditionellen Instrumente der Finanzpolitik einfach
nicht mehr greifen. Unsere Weltwirtschaft ist
an einem Punkt, wo andere ordnungspolitische Rahmenbedingungen nötig sind. Ich argumentiere seit Langem, dass ein Übergang
hin zu einer grünen Ökonomie ein Teil der Lösung ist. So wird ein Teil der zukünftigen Märkte, Technologien und Infrastrukturen entstehen, die es uns ermöglichen werden, für acht
bis neun Milliarden Menschen Arbeit zu schaffen, die Nahrungsmittelversorgung sicherzustellen und gleichzeitig einen Übergang zu
einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu erreichen.

14

Sehen Sie dafür schon Beispiele?
Es gibt gerade im globalen Süden eine ganze
Reihe von Ländern, die sich mit der Reform
des Energiesektors als Vorreiter abzeichnen.
Kenia hat seine nationale Stromproduktion
dank erneuerbaren Energien verdoppelt. Ähnlich ist es in Äthiopien mit seinen grossen
Windfarmen. China ist Weltmarktführer bei
der Produktion erneuerbarer Energietechnologien. Und in Indien erleben wir eine Solarrevolution: Dort ist der Solarstrom nur noch
15 Prozent teurer als der aus Kohle. Noch vor
fünf Jahren galt das als unmöglich.
Sie erwähnen Afrika, den ärmsten Kontinent – sehen Sie dort auch Unterstützung
für eine grüne Ökonomie?
Ja, und sogar eine überraschend grosse. Ich
war selber erstaunt, wie schnell sich dort

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Zu Gast

Staats- und Regierungschefs, Minister und
Persönlichkeiten aus der Wirtschaft dieses
Themas angenommen haben. Sie verstehen,
dass Afrikas Volkswirtschaften extrem abhängig sind von ihrer ökologischen Infrastruktur, sei es in der Landwirtschaft, im Tourismus
oder bei der Produktion von Hydroelektrizität.
Ausserdem sind Afrikas Volkswirtschaften extrem empfindlich für Veränderungen wie den
Klimawandel. In einem Sahelstaat, wo pro Jahr
durchschnittlich 400 Millimeter Niederschlag
fällt, ist eine Trockenperiode mit nur noch 200
Millimetern nicht nur eine kleine Wetterveränderung, sondern eine Katastrophe.
Vielen armen Staaten gilt China als Vorbild. Dort wurde wirtschaftlich massiv
aufgeholt, aber auf Kosten der Umwelt.
Und deswegen zahlt China jetzt einen sehr hohen Tribut für seine wirtschaftliche Entwicklung mit Industrialisierung um jeden Preis.

Lange zählten nur das Bruttosozialprodukt
und das Wachstum. Heute muss China hunderte Milliarden an Dollar ausgeben, um Probleme wie Luftverschmutzung, vergiftete
Böden oder den Verlust der meisten Binnengewässer samt ihrem Trinkwasser zu lösen.
In China ist aber auch erkennbar, wie man

mit Vehemenz versucht, einen anderen Weg
zu gehen, weil der alte nicht nur volkswirtschaftlich, sondern auch politisch nicht mehr
zu vertreten ist. Damit wird China in den kommenden Jahren ein Vorbild dafür sein, wie
der Übergang zu einer ökologischeren Wirtschaftsform vor sich gehen könnte.

« Jedes Land, das sich
bei seinen langfristigen
Entscheidungen zur
Energiepolitik und Infrastruktur vom heutigen
Ölpreis leiten lässt, wird
das teuer bezahlen.»

Dauert so ein Übergang nicht enorm lang?
Wenn ein Land wie Deutschland es schaffen
kann, innerhalb von 15 Jahren von einem Anteil von 0,5 Prozent erneuerbarer Energien
bei der Stromversorgung auf fast 30 Prozent
zu kommen, dann ist das doch der Beweis dafür, dass Übergänge schnell stattfinden können. Deutschland steht zudem volkswirtschaftlich besser da als die meisten anderen
Länder der Welt. Für mich ist das ein Beleg dafür, dass wir mit Technologie, Ordnungspolitik und einer anderen öffentlichen Wahrnehmung dessen, was langfristig zählt, diese Art
von Veränderungsprozessen nicht nur konzipieren, sondern auch umsetzen können.
Aber spielen da nicht unkontrollierbare
Faktoren eine gewichtige Rolle – etwa der
zuletzt so stark gesunkene Ölpreis?
Wenn der niedrige Ölpreis ein Langzeitphänomen wäre, dann gäbe es wohl bei manchen eine grosse Versuchung, Dinge nicht zu
verändern. Aber wir fallen nicht mehr darauf
rein. Jedes Land, das sich bei Entscheidungen,
die für die nächsten 20, 30 Jahre die Energiepolitik und Infrastruktur prägen, vom heutigen
Ölpreis leiten lässt, wird es teuer bezahlen.
Das haben wir inzwischen schon oft erlebt.

ACHIM STEINER, *1961, wuchs in Brasilien auf und studierte in Oxford und London
Philosophie, Politik, Ökonomie und Regionalplanung. Er engagierte sich früh bei
Umweltverbänden, erst lokal, dann weltweit. 2001 kam er als Generaldirektor der
Weltnaturschutzunion (IUCN) nach Gland (VD), bevor er 2006 von der UN-Generalversammlung zum Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms UNEP gewählt wurde.
Seine zweite Amtszeit endet Mitte Juni. Ab September ist Steiner Direktor der
Oxford Martin School, die mit interdisziplinärer Forschung die Probleme des
21. Jahrhunderts lösen will.

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Zu Gast

15

« Die Öffentlichkeit ist
die beste Garantin
dafür, dass die notwendigen Schritte über
einen gewissen Zeitraum hinweg umgesetzt werden.»

mit einer Langzeitperspektive an Herausforderungen herangehen kann, und das mit
einer sehr strukturierten und konsensgeführten Politik. Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten steht die Schweiz besser da als
eine Reihe anderer europäischer Länder, und
das aufgrund ihrer eigenen, von der Bevölkerung mitgetragenen Entwicklungspolitik.
Hat auch die Schweiz Pendenzen, um die
nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen?

Insofern werden sich der Ausbau der Erneuerbaren und die damit verbundenen technologischen Veränderungen in der Effizienz unweigerlich fortsetzen.
Fokussieren wir auf die Schweiz. Was sind
hier die wichtigsten Baustellen?

Transportwesen sowie für Gebäude und Infrastruktur. Die Schweiz agiert zudem in einem
relativ wettbewerbsintensiven Wirtschaftsraum. Aber gerade sie hat ja in ihrer Geschichte bewiesen, dass man die Weichen mit einer
Langzeitperspektive neu stellen kann.
Welche Weichenstellungen sind das?

Eine der Herausforderungen in der Schweiz
und in allen Industrieländern ist die: Es gibt
bereits eine Infrastruktur, die des 20. Jahrhunderts, die wir in das neue Jahrhundert mitgenommen haben. Jede Form weitreichender
Veränderung trifft also erst mal auf den Widerstand derjenigen, die sagen: Wir haben in diese Technologie und Infrastruktur investiert und
jetzt wollt ihr diesen Markt über Nacht verändern? Das gilt für die Energieerzeugung, das

Die heutige Siedlungsstruktur der Schweiz
und die Verkehrsinfrastruktur, die fast jedes
Dorf ans öffentliche Verkehrsnetz anschliesst,
sind aussergewöhnlich. Bemerkenswert sind
auch die sukzessive Steigerung von Standards
bei der Gebäudeeffizienz sowie die fiskal- und
energiepolitischen Signale an die Wirtschaft,
um den Erneuerbaren eine Starthilfe zu geben.
All das zeigt, dass die Schweiz erfolgreich

16

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Zu Gast

Natürlich! Die Schweiz muss ebenfalls dekarbonisieren und sich im internationalen Wettbewerb positionieren. Sehr interessant ist ja,
dass gerade die Schweiz sehr früh an einem
Projekt mitgearbeitet hat, das die UNEP vor
zwei Jahren konzipierte, nämlich eine Untersuchung zur Ausgestaltung eines nachhaltigen Finanzsystems, dem «Enquiry into the
design of sustainable financial systems». Da
geht es um eine ganz zentrale Frage: Wie
schaffen wir es, die Finanz- und Kapitalmärkte zu überzeugen, in einer ganz anderen Grössenordnung in nachhaltige Zukunftsprojekte zu investieren? Das sind geschätzte sechs
bis sieben Billionen Franken, die wir derzeit
jährlich an Investitionen brauchen: In keinem Land, nicht mal in den reichen Industrie-

staaten, könnte das die öffentliche Hand allein schultern.

der Wettbewerbsvorteile sein kann, mit dem
sich die Schweiz als Finanzmarktplatz global
positionieren kann.

Und da spielt die Schweiz als globaler
Finanzplatz eine wichtige Rolle?

Und – kann sie?

Zwei Drittel bis drei Viertel dieser Investitionen müssen aus der Privatwirtschaft kommen, ob das unsere Ersparnisse in den Pensionsfonds sind oder das Kapital von Unternehmen oder Banken. Von daher ist diese
grüne Finanzpolitik unsere grösste kurzfristige Herausforderung, um Ziele – seien es die
Nachhaltigkeitsziele oder auch das Pariser
Klimaabkommen – umsetzen zu können. Es
war kein Zufall, dass die Schweiz sich über
das Bundesamt für Umwelt und das Staatssekretariat für Wirtschaft an diesem Projekt beteiligt hat. Wir haben sogar eine Studie über
das Schweizer Finanzwesen durchgeführt,
um zu untersuchen, ob Green Finance einer

Ich glaube schon. Manche sagen, Genf sei
bereits ein Zentrum für Green Finance. Auf
jeden Fall ist die Schweiz immer noch eines der Zentren der internationalen Finanzmärkte. Wenn Green Finance in den nächsten Jahren eine so enorme Wachstumskurve
erleben wird, wie erwartet, dann ist es für
die Schweiz fast schon zwingend, sich hier
zu positionieren. Da zahlt sich dann auch die
Erfahrung aus, welche die Schweiz in Technologiefragen und beim Landschafts-, Ressourcen- oder Wasserqualitätsmanagement
hat. Und wir reden hier nicht von Zukunftsmusik: China hat Green Finance zu einem der
fünf Themen für den G20-Gipfel unter seiner

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Zu Gast

Präsidentschaft 2016 gemacht. Ich war gerade erst in Shanghai beim Treffen der Finanzminister und Zentralbankgouverneure,
und ich kann nur sagen: China meint es sehr
ernst damit.
Im Moment sehen wir eine Welle des neuen
Isolationismus, nicht zuletzt in der Flüchtlingspolitik. Ist es da nicht illusorisch, an globale Strategien zu glauben?

Im Kontext der Nachhaltigkeitsziele braucht
man ein gewisses Vertrauen in die Fähigkeit
von Gesellschaften, letztlich zu erkennen,
dass sie Veränderung herbeiführen müssen.
Das wird nicht immer von einem Premier
oder einem Energie-CEO ausgehen: Wenn wir
uns die letzten 20, 30 Jahre anschauen, dann
ist das, was wir heute als Agenda 2030 umschreiben, ja nicht das Produkt von Professoren und Politikern, sondern Ausdruck des

17

wir daran gearbeitet, einen integrierten Ansatz zu verankern. Nehmen wir die Vorgänger
der Nachhaltigkeitsziele, die Millenniumsziele: Aus der Nachhaltigkeitsperspektive waren
diese reinen Entwicklungsziele im Grunde ein
Rückschritt. Jetzt sind wir wieder bei einem
integrierten Ansatz, und das UNEP wurde und
wird bei der Ausarbeitung der SDG von vielen
Regierungen als Beratungsgremium hinzugezogen. Das UNEP ist der Ausdruck der umweltpolitischen Perspektive der UN. Und es
ist auch kein Zufall, dass wir gerade in dieser Phase zu G7-, G20- und BRICS-Gipfeln eingeladen werden und mit Entwicklungsbanken
an der Frage der Finanzpolitik arbeiten. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass Umweltbelange immer zentraler werden für die Wirtschafts- und Finanzsysteme, und natürlich,
dass die eigene Arbeit des UNEP sich zunehmend als relevant erweist für diese grossen
Entscheidungen.

öffentlichen Willens. Deshalb ist die Öffentlichkeit auch die beste Garantin dafür, dass
die notwendigen Schritte über einen gewissen Zeitraum hinweg umgesetzt werden. Gibt
es Risiken? Enorme. Aber was wir gerade in
der Flüchtlingspolitik beobachten, ist auch
eine Lehre. Da kommt eine Region wie Europa
durch ein kurzfristig entstandenes Phänomen
dermassen ins Wanken, dass sogar die Grundfesten der EU bröckeln. Wir sollten uns also
nie der Illusion hingeben, dass Dinge, die wir
als normal begreifen, sich nicht über Nacht
verändern können.
Die Schweizer stehen Lösungen «von oben»
traditionell skeptisch gegenüber. Wie kann
man die breite Bevölkerung von den Nachhaltigkeitszielen überzeugen?

le begibt und sich dort mit seinen Nachbarn
unterhält. Gerade die starke Stimme aus der
lokalen Perspektive hat die Schweiz so geprägt. Wenn der Schweizer Bundesrat eine
Strategie der nachhaltigen Entwicklung verabschiedet, dann ist das eben nicht nur ein
Produkt von Technokraten, sondern ein Konzept, das mit ziemlich viel politischer Feinfühligkeit entwickelt wurde, das einen Grundkonsens der Schweizerinnen und Schweizer für
ihr Land und ihre Zukunft widerspiegelt. Eine
Strategie der nachhaltigen Entwicklung, die
nicht in den Kantonen ihre Wurzeln hat, wäre
in der Schweiz praktisch nicht umsetzbar.
Sprechen wir über das UNEP, die Organisation, die Sie bis Mitte Juni noch leiten. Welche
Rolle spielt sie bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele?

Ich habe ja fünf Jahre in der Schweiz gelebt,
und meine Erfahrung ist, dass man sich am
besten samstags an die Wertstoffsammelstel-

Schon historisch eine sehr wichtige, denn seit
1972, als das UNEP gegründet wurde, haben

18

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Zu Gast

Diesen Bedeutungszuwachs des UNEP haben
Sie in den vergangenen zehn Jahren mitgesteuert. Sind Sie zufrieden mit dem Erreichten?

Man kann vor dem Hintergrund der Umweltkrisen und der unendlichen Langsamkeit, in
der wir mit sieben Milliarden Menschen darauf
reagieren, nie vollkommen zufrieden sein.
Aber ich habe eine gewisse ökonomische
Emanzipation der Umweltpolitik mitgestalten können. Ausserdem habe ich hoffentlich
dazu beigetragen, dass die Umweltpolitik nun
wirklich ein globales Parlament hat: In der
UN Environment Assembly, die dieses Jahr
zum zweiten Mal tagt, sind alle Länder mit
Stimmrecht vertreten. Das zeigt auch, dass
eine UN-Organisation reformierbar ist und
sich auch im 21. Jahrhundert trotz aller bürokratischen Fliehkräfte mit ergebnis- und
handlungsorientierten Ansätzen zu einem
zentralen Player machen kann. Und das ist
das UNEP heute, mehr noch als in der Vergangenheit.
—

BUND

73 Nuancen
der nachhaltigen
Entwicklung
Vincent Willi

vincent.willi@bfs.admin.ch
Anne-Marie Mayerat Demarne

anne-marie.mayerat@bfs.admin.ch

MONET ist ein Indikatorensystem zum
Monitoring der Nachhaltigen Entwicklung
in der Schweiz. 2014 wurde eine zweite
Revision eingeleitet mit dem Ziel, das Monitoring an die neue Strategie Nachhaltige
Entwicklung 2016 – 2019 anzupassen und
die Ziele der Agenda 2030 für Nachhaltige
Entwicklung einzubeziehen. Das revidierte
System umfasst nun 73 Indikatoren, die
auf den Daten der öffentlichen Statistik
basieren.

Das Indikatorensystem zum Monitoring der
Nachhaltigen Entwicklung (MONET) wurde
vom Bundesamt für Statistik (BFS) mit Unterstützung der Bundesämter für Raumentwicklung (ARE) und Umwelt (BAFU) sowie der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit
(DEZA) entwickelt. Das System, das seit 2003
online zur Verfügung steht, ist ein Instrument

sowohl für die breite Öffentlichkeit als auch
für Politikerinnen und Politiker sowie für die
Verwaltung. Mit MONET lässt sich feststellen,
wo sich die Schweiz auf dem Weg zur nachhaltigen Entwicklung befindet. MONET stützt
sich auf einen konzeptionellen Rahmen, der
von der Brundtland-Definition der nachhaltigen Entwicklung ausgeht und die drei Aspekte «hier und heute», «morgen» und «anderswo» berücksichtigt.
Aufgefrischte Indikatorenliste

Die Revision von MONET erfolgte im Rahmen
der Aktualisierung der bundesrätlichen Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016 – 2019
sowie im Hinblick auf die Ziele der Agenda
2030 (Sustainable Development Goals, SDG),
die von der UNO im September 2015 verabschiedet wurden. Sie führte zu einer Anpassung des Referenzrahmens des Systems –
also der Prinzipien der Nachhaltigen Entwick-

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Bund

lung –, um Lücken in der langfristigen Vision
der Strategie des Bundes zu schliessen und
die SDG zu berücksichtigen. Anschliessend
wurden die Indikatoren anhand dieses angepassten Referenzrahmens überarbeitet, um
das Monitoring der SDG vorzubereiten und
die neuen Möglichkeiten, die sich aus der Entwicklung der öffentlichen Statistik ergeben,
einzubeziehen. Die Revision erforderte zudem einen Dialog mit den Partnern der Bundesverwaltung. Durch die vorgängige Fest­
legung der Spielregeln konnten dabei die
­Rollen und Kompetenzen allen Akteuren klar
zugewiesen werden.
Das revidierte Indikatorensystem, das im Mai
2016 auch online aufgeschaltet wurde, umfasst 73 Indikatoren, darunter 22 neue. Die
allgemeine Entwicklung in den thematischen
Handlungsfeldern der Strategie des Bundes
wird durch 36 Indikatoren illustriert. Die
meisten lassen sich mit einem Ziel der SDG
in Verbindung bringen.

19

Zwei Nuancen unter der Lupe

Der neu geschaffene Indikator «Weibliche
Opfer von schweren Gewaltdelikten» gehört
zum Querschnittsthema Gleichstellung, das
bei der Revision als Reaktion auf die Anliegen
der SDG in MONET aufgenommen wurde. Er
eignet sich besonders gut für das Monitoring
des SDG-Ziels 5.2: «Alle Formen von Gewalt
gegen alle Frauen und Mädchen im öffentlichen und im privaten Bereich […] beseitigen.» In Bezug auf die Strategie des Bundes
illustriert dieser Indikator das Handlungsfeld
Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern:
«Unterdrückung, Diskriminierung und Gewalt
sind in all ihren Formen eingedämmt.»
— 			
(Übersetzung)

STICKSTOFFBILANZ DER LANDWIRTSCHAFT
STICKSTOFFMENGEN, DIE IN LANDWIRTSCHAFTLICHE BÖDEN GELANGEN
BZW. IHNEN ENTZOGEN WERDEN
Tausend Tonnen
Quelle: BFS – Stickstoffbilanz © BFS Neuchâtel, 2016

150

100

50

0

2013		
1990	1995	2000	 2005	2010	
	

WEIBLICHE OPFER VON SCHWEREN GEWALTDELIKTEN
ANZAHL FÄLLE, DIE BEI DER POLIZEI GEMELDET WERDEN
800

Quelle: BFS – PKS © BFS Neuchâtel, 2016

Der neue Indikator «Stickstoffbilanz der Landwirtschaft» ergänzt das MONET-Thema «Produktion und Konsum». Er misst die Differenz
zwischen der Stickstoffmenge, die beispielsweise als Düngemittel in den Boden gelangt,
und der Stickstoffmenge, die den Boden in
Form von landwirtschaftlichen Produkten
wieder verlässt. Anhand dieses Indikators
lässt sich ein Teil der langfristigen Vision des
Handlungsfeldes «Natürliche Ressourcen»
der bundesrätlichen Strategie überwachen:
«Der Druck auf die Ökosysteme ist begrenzt,
so dass diese ihre Funktionen weiterhin
wahrnehmen können, resilient bleiben und
der Erhalt der Artenbestände gewährleistet
ist.» Dieser Indikator liesse sich aber auch für
das Monitoring des SDG-Ziels 2.4 heranziehen: «Bis 2030 […] resiliente landwirtschaftliche Methoden anwenden, die […] zur Erhaltung der Ökosysteme beitragen.»

700
600
500
400
300
200
100
0

2009		2010		2011		2012		2013		2014		2015	

ANNE-MARIE MAYERAT DEMARNE, *1961, studierte Geologie an

der Universität Neuenburg. Sie arbeitet seit 2002 im Bundesamt
für Statistik und ist seit 2008 Chefin der BFS-Sektion Umwelt,
Nachhaltige Entwicklung, Raum, die unter anderem dafür verantwortlich ist, regelmässig über die Fortschritte der Schweiz auf
dem Weg zur Nachhaltigen Entwicklung zu informieren.

VINCENT WILLI, *1980, studierte Umweltwissenschaften an der

Universität Lausanne und danach Hydrogeologie an der Universität
Neuenburg. Er ist seit 2011 beim Bundesamt für Statistik tätig
und leitet seit 2013 das Monitoring der Nachhaltigen Entwicklung
(MONET).

20

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Bund

KANTONE

Die Agenda 2030 im
Kanton Basel-Stadt
Barbara Alder

barbara.alder@bs.ch
Catherine Heinzer Ulusoy

catherine.heinzer@bs.ch

Der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt
richtet seine politische Planung stärker auf
eine nachhaltige Entwicklung aus. Basis dafür ist ein entsprechender Passus in der
Kantonsverfassung. Damit trägt Basel-Stadt
auf verschiedene Weise zur Erfüllung einer
Vielzahl der Ziele der Agenda 2030 bei.

Nachhaltige Entwicklung, so das heutige Verständnis, ist nicht Zusatz oder Aufgabe spezieller Verwaltungsabteilungen, sondern soll
als Querschnittsthema in alle Politik- und
Fachbereiche integriert und kohärent umgesetzt werden. Um diesem Anspruch gerecht
zu werden, verzichtet die Regierung des Kantons Basel-Stadt auf spezielle Ziele zur nachhaltigen Entwicklung oder auf eine separate
Strategie. Vielmehr richtet sie die Legislaturplanung gesamthaft auf die nachhaltige Entwicklung aus. Das bedeutet, dass sich alle vier
Schritte im Legislaturplanungsprozess – von
der Analyse (Lagebeurteilung) über Zieldefinition (Legislaturplan) und Mittelsprechung
(Budgetplan) bis hin zum Rechenschaftsbericht (Jahresbericht) – an der nachhaltigen
Entwicklung orientieren. Basel-Stadt verankert damit die nachhaltige Entwicklung als
übergeordnete Leitidee ab 2016 im Legislaturplanungsprozess.

genannten Themenbereiche zielen auf die Erhaltung und die Förderung der Lebensqualität aller, und zwar heute wie morgen. Die
«Leitlinien» sind als Grundidee für die ganze Verfassung zu verstehen. Sie beschreiben
ein integratives Verständnis von nachhaltiger Entwicklung und entsprechen dem aktuellen Nachhaltigkeitsverständnis auf nationaler und internationaler Ebene, wie es auch
in den SDG der Vereinten Nationen zum Ausdruck kommt.
Nachhaltige Stadtentwicklung

Beispielsweise ist das SDG-Ziel 11 – Städte
und Siedlungen inklusive, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig zu machen – in der Kantonsverfassung thematisch in verschiedenen
Paragrafen abgebildet. Bereits heute arbeitet der Kanton mit der Deutschförderung für
Dreijährige, mit der Wohnraumstrategie, mit
dem auf nachhaltige Entwicklung ausgerich-

teten verkehrspolitischen Leitbild sowie mit
dem Mehrwertabgabefonds und den Partizipationsmöglichkeiten in der Quartierentwicklung, auf dieses Ziel hin.
Aktuell wird das bestehende Indikatorenset
zur Überprüfung der nachhaltigen Entwicklung überarbeitet, um bereits in der Analysephase der Legislaturplanung eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete, ganzheitliche Sichtweise zu ermöglichen. Im Rahmen der Erarbeitung des baselstädtischen Legislaturplans
2017–2021 ist zu prüfen, welchen Zielen der
Agenda 2030 in Basel-Stadt für die nächsten
vier Jahre besondere Relevanz eingeräumt
werden soll. Damit wird der Kanton seinem
Verfassungsauftrag gerecht und trägt gleichzeitig auf lokaler Ebene zur Erreichung der
Ziele der UNO bei.
—
www.entwicklung.bs.ch/nachhaltigkeit

Grundidee für die ganze Verfassung

Die Umsetzungsverantwortung für nachhaltige Entwicklung ist in der Verfassung des Kantons Basel-Stadt mit den «Leitlinien staatlichen Handelns» (Paragraf 15) gegeben: «Der
Staat orientiert sich bei der Erfüllung seiner
Aufgaben an den Bedürfnissen und am Wohlergehen der Bevölkerung. […] Er wirkt auf die
Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen
und auf eine nachhaltige Entwicklung hin […].
Er sorgt für Chancengleichheit und fördert
die kulturelle Vielfalt, die Integration und die
Gleichberechtigung in der Bevölkerung sowie
die wirtschaftliche Entfaltung.» Er tut all dies
so, dass dabei die Bedürfnisse der zukünftigen Generationen und ihre Möglichkeiten
nicht gefährdet werden. Die im Paragraf 15

BARBARA ALDER, *1967, leitet die Fachstelle Grundlagen und Strategien

in der Kantons- und Stadtentwicklung im Präsidialdepartement des
Kantons Basel-Stadt. Die Fachstelle unterstützt die Regierung in ihrer
Legislaturplanung und bearbeitet in Zusammenarbeit mit anderen
Departementen zuhanden des Regierungsrats, der Öffentlichkeit und
der Verwaltung politikfeldübergreifende, für eine nachhaltige Entwicklung relevante Querschnittsthemen.
CATHERINE HEINZER ULUSOY, *1970, ist Projektleiterin in der Kantons-

und Stadtentwicklung, Fachstelle Grundlagen und Strategien. Als
Umweltnaturwissenschafterin arbeitet sie in einem interdisziplinären
Team im Bereich der nachhaltigen Stadtentwicklung mit den Schwerpunkten Umwelt, Mobilität und Siedlungsentwicklung.

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Kantone

21

KANTONE
BERN

FREIBURG

FRAGE 1
Wie fördert der Kanton die nachhaltige
Entwicklung?

Der Kanton Bern fördert die nachhaltige Entwicklung explizit und implizit sowohl auf
übergeordneter Ebene als auch im Rahmen
seiner Sektoralpolitiken. Besonders deutlich
wird dies in der Energie-, Bildungs-, Wirtschafts- und Raumordnungspolitik. Die «Richtlinien der Regierungspolitik» beispielsweise
orientieren sich für die Legislatur 2015 – 2018
bereits zum dritten Mal an der Maxime der
nachhaltigen Entwicklung. Dazu kommt als
Berner Besonderheit ein kantonales Programm zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung in den Gemeinden.

Die nachhaltige Entwicklung ist seit 2004 in
der Verfassung des Kantons verankert und
seit 2007 in das regierungsrätliche Legislaturprogramm integriert. Die Strategie Nachhaltige Entwicklung des Kantons Freiburg von 2011
umfasst rund 20 Massnahmen. Die Nachhaltigkeitsbeurteilung kommt bei zahlreichen
Gesetzes- und Verordnungsentwürfen zur Anwendung. Neben Jahresberichten ist zudem
alle zwei Jahre ein Monitoring vorgesehen.

FRAGE 2
Welches sind die Herausforderungen bei der
Umsetzung der Sustainable Development
Goals (SDG) für die Kantone?

Die SDG sind sehr abstrakt und umfassend,
aber in sich nicht widerspruchsfrei. Zugleich
sind die personellen, finanziellen und rechtlichen Ressourcen auf der kantonalen Ebene beschränkt. Die Herausforderung besteht
darin, in diesem Spannungsfeld politisch akzeptierte Prioritäten zu setzen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass dies auf lokaler und
kantonaler Ebene, also nahe bei der Bevölkerung und gemeinsam mit ihr, mitunter einfacher ist als auf einer höheren, stärker politisierten Ebene.

Die Strategie des Bundes stellt einen wichtigen Referenzrahmen dar. Das Ziel besteht
nun darin, die Auswirkungen dieser Strategie
für die Kantone zu klären und die Zusammenarbeit mit dem Bund und anderen Kantonen
zu stärken.

FRAGE 3
Wo will der Kanton zukünftig Akzente
setzen?

In den «Richtlinien der Regierungspolitik 2015
bis 2018» hat der Kanton neun Schwerpunkte
definiert, die alle drei Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung abdecken und zum Teil
Parallelen mit den Handlungsfeldern der Strategie Nachhaltige Entwicklung des Bundes
aufweisen. Die zuständigen kantonalen Stellen werden bestimmen, ob und welche zusätzlichen Akzente künftig gesetzt werden
sollen.
—

Der Kanton Freiburg setzt weiterhin seine
eigene Nachhaltigkeitsstrategie um, die mehrere Massnahmen umfasst, die mit der Bundesstrategie übereinstimmen. Dabei geht es
unter anderem darum, die nachhaltige Beschaffung von Gütern und die Nachhaltigkeit bei der Vergabe von Bauaufträgen zu fördern, Mobilitätspläne für die Angestellten zu
entwickeln und den Aspekt der Gesundheit
in die verschiedenen Projekte der Kantonsverwaltung zu integrieren.
— 			
(Übersetzung)

Drei Fragen
Die Strategie Nachhaltige Entwicklung
soll auf allen drei Staatsebenen umgesetzt
werden. Wir fragten die Nachhaltigkeitsverantwortlichen in fünf Kantonen, wie
sie die Herausforderung angehen.

22

UELI STALDER,

MANON DELISLE,

Leiter Abteilung Umwelt und

Verantwortliche der

Nachhaltige Entwicklung

Fachstelle Nachhaltige

(UNE) des Kantons Bern

Entwicklung

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Kantone

GENF

ST. GALLEN

AARGAU

2001 erliess der Kanton Genf ein Gesetz über
öffentliche Massnahmen für die nachhaltige Entwicklung. Das Massnahmenprogramm
der Agenda 21 wird in diesem Kontext umgesetzt und kommt insbesondere in der Begleitung, Vernetzung, Unterstützung und Bereitstellung von praktischen Instrumenten für
die Verwaltungseinheiten des Kantons, für
Unternehmen und für die Zivilbevölkerung
zum Ausdruck.

Besonders wichtig ist im Kanton St. Gallen die
Integration der Nachhaltigen Entwicklung in
den Planungs- und Steuerungskreislauf. Das
Instrument zur Nachhaltigkeitsbewertung
nawi.sg.ch präzisiert das umfassende und integrative Verständnis der Nachhaltigkeit für
konkrete Vorhaben.

Alle vier Jahre dokumentiert ein Bericht den
Zustand der Nachhaltigkeit in rund 30 Bereichen, macht auf Lücken aufmerksam und
zeigt Handlungsperspektiven auf. Dieser Bericht bildet die Grundlage für das Entwicklungsleitbild der Regierung. Mit der verwaltungsinternen Aktion «Nachhaltigkeit zum
Zmittag» wird zudem das Nachhaltigkeitsverständnis der Mitarbeitenden gefördert.

Im heutigen wirtschaftlichen Kontext liegt
eine der grössten Schwierigkeiten darin, die
verschiedenen zeitlichen Horizonte aufeinander abzustimmen: zum einen die kurzfristige
politische Realität und zum andern die mittelund langfristigen positiven Auswirkungen, die
durch die Umsetzung der Strategie Nachhaltige Entwicklung geschaffen werden und die
sich nicht immer exakt beziffern lassen. Diese
Strategie bietet die grosse Chance, sich den
aktuellen Herausforderungen unserer Gesellschaft zu stellen.

Mit 17 Zielen und 169 Unterzielen sind die
SDG sehr komplex und umfassend. Diese globalen Anliegen auf die lokale Ebene zu transferieren, ist anspruchsvoll. Die grösste Herausforderung sehe ich in der Kommunikation der SDG, da es schwierig sein wird, die
vielen zum Verständnis nötigen Informationen in kompakter Form zu vermitteln.

Nach der Diskussion auf der Ebene der Experten und Staatschefs ist es eine zentrale Herausforderung, auch bei der Bevölkerung ein
Bewusstsein für die Agenda 2030 zu schaffen. Gleichzeitig gilt es, Wege zu finden, wie
die kantonalen und kommunalen Aktivitäten
gebündelt werden können, um einen Beitrag
an die SDG zu leisten.

Zu den Themen, die gegenwärtig Priorität
haben, zählen die Förderung der Umsetzung
einer professionellen nachhaltigen Beschaf­
fungspolitik, die Erarbeitung und Umsetzung
von Massnahmen, um die Ziele der kantonalen Klimastrategie zu erreichen, und schliesslich die Beurteilung von Gesetzesvorlagen
unter dem Blickwinkel der nachhaltigen Entwicklung.
— 			
(Übersetzung)

Nach den Erneuerungswahlen der Regierung
steht im Kanton St. Gallen eine Aktualisierung der Schwerpunktplanung an. In dieser
werden jeweils die Schwerpunkte für die
kommenden Jahre festgelegt. Die nachhaltige Entwicklung als Arbeitsprinzip fliesst dort
sehr stark mit ein.
—

Die Akzente werden im Entwicklungsleitbild 2017 – 2021 durch den Regierungsrat neu
gesetzt. Doch ist es wichtig, die Gemeinden
partizipativ in den Prozess der nachhaltigen
Entwicklung einzubeziehen. Nur so lassen sich
Nachhaltigkeitsanliegen verankern und die
hochgesteckten Ziele erreichen – ganz im
Sinn der Agenda 2030.
—

RÉMY ZINDER,

KARIN INAUEN,

NORBERT KRÄUCHI,

Direktor des kantonalen

Koordinatorin Nach-

Leiter Abteilung Landschaft

Amts für Nachhaltigkeit

haltige Entwicklung

und Gewässer Kanton

im Präsidialdepartement

Aargau und zuständig für

remy.zinder@etat.ge.ch

die nachhaltige Entwicklung

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Kantone

23

STÄDTE

Die Stadt Bern
verwaltet ihre Immobilien nachhaltig
Elsi Hischier

elsi.hischier@bern.ch

Immobilien Stadt Bern hat begonnen, ihre
Liegenschaften schrittweise nach den Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung zu
bauen und zu bewirtschaften. Für die Jahre 2012–2014 wurde jeweils ein Nachhaltigkeitsbericht des Fonds für Boden- und
Wohnbaupolitik veröffentlicht. Aktuell
werden erstmals die Teilportfolios Verwaltungsgebäude und Schulen nach den
Nachhaltigkeitskriterien beurteilt.

Aufgrund einer Masterarbeit aus dem Jahr
2011 entschieden die Geschäftsleitung der
Liegenschaftsverwaltung der Stadt Bern
(heute: Immobilien Stadt Bern) sowie die Betriebskommission des Fonds für Boden- und
Wohnbaupolitik, schrittweise ein Nachhalti-

24

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Städte

ges Immobilienmanagement (NIM) einzuführen und das bestehende Immobilienportfolio
gemäss den Grundsätzen der nachhaltigen
Entwicklung zu beurteilen. Das Nachhaltige
Immobilienmanagement besteht aus einem
mehrteiligen Aktionspaket:
> Teilstrategie Nachhaltige Entwicklung im
Immobilienmanagement: Auf strategischer
Ebene sind diese übergeordneten Leitsätze
für das Handeln allgemeinverbindlich. Das
Hauptziel besteht darin, die Liegenschaften
in ökologischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Hinsicht zu bewirtschaften. Dabei werden die drei Nachhaltigkeitsdimensionen in allen Phasen des Lebenszyklus –
Erstellung, Betrieb, Rückbau – gleich stark
gewichtet und die Nachhaltigkeitsaspekte im
Tagesgeschäft auf operativer Ebene in alle
Immobilienprozesse integriert.

© Elsie Hischier

Wenig bis hohe Nachhaltigkeit

PROJEKTROSETTE
STAUFFACHERSTRASSE 82, 3014 BERN

= 2,1 bis 5 Punkte
Keine Nachhaltigkeit
= 0 bis 2 Punkte

Gemeinschaft
Infrastruktur

5

Projekt
Bestand

Gestaltung

4

Boden – Natur –
 Landschaft

3

Nutzung
Erschliessung

2
1

Betriebsenergie

Wohlbefinden 
Gesundheit

0

Baustoffe

Gebäude und
Bausubstanz

Wertschöpfung
Immobilienmarkt

Anlagekosten
Betriebs- und
Unterhaltskosten

> Leitbild Nachhaltige Entwicklung: Basierend auf dieser Teilstrategie wurde je ein spezifisches Leitbild für die Immobilien des Finanzvermögens sowie für die Liegenschaften des
Verwaltungsvermögens der Stadt Bern erarbeitet. Es sind umfassende Dokumente, in
denen der Umgang mit den Schlüsselthemen
der drei Nachhaltigkeitsdimensionen definiert ist. Unter anderem wird das Vorgehen
bei den Themen Partizipation, Wohlbefinden
und Gesundheit, Lebenszykluskosten, Energiestrategie und Mobilitätsmanagement umschrieben.
> Jährliche Nachhaltigkeitsbeurteilung mit
der NIM-Software: 2011 wurde für das NIMKonzept eine eigene Software programmiert.
Seither werden einmal pro Jahr alle Liegenschaften der einzelnen Teilportfolios mit
massgeschneiderten Kriterien und Indikatoren in den drei Nachhaltigkeitsdimensionen

Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt bewertet. Inzwischen wurden mit der NIM-Software
bereits über 2000 Bewertungen erstellt. Die
Darstellung der Bewertung aller zwölf Handlungsfelder, die auf der SIA-Empfehlung 112/1
«Nachhaltiges Bauen – Hochbau» basiert und
durch das 12. Thema «Wertschöpfung Immobilienmarkt» ergänzt wurde, erfolgt für jedes
Objekt einzeln mit einem Spinnendiagramm,
der sogenannten Nachhaltigkeitsrosette. Dadurch werden die Stärken und Schwächen
der Liegenschaft auf einen Blick ersichtlich.
Bei auffälligen Abweichungen können – gestützt auf die umfassenden Informationen
aus der NIM-Datenbank – geeignete Massnahmen eingeleitet werden. Diese werden
pro Teilportfolio über ein jährliches Monitoring gesteuert. Aufgrund des umfassenden
Ansatzes des NIM-Konzepts können die Erfolgs- und Risikofaktoren phasengerecht in
Entscheide einfliessen. Bei Baukreditanträgen

werden Nachhaltigkeitsrosetten sowohl für
den Zustand vor als auch nach der Sanierung
erstellt, um die vom baulichen Eingriff zu erwartende Verbesserung zu veranschaulichen.
> Massnahmenkatalog: Erste Zustandsaufnahmen und die daraus abgeleiteten Ziele
werden im Massnahmenkatalog ausformuliert, wobei beispielsweise der Bestand der
hindernisfreien Wohnungen erhöht, durch
die Sanierungsstrategie Wärme der Anteil
der erneuerbaren Energieträger jährlich gesteigert oder durch ein «Impulsprogramm
Velo» mehr Velounterstände angeboten werden können. Anschliessend wird der Katalog
der Geschäftsleitung zur Umsetzung empfohlen. Mitte 2016 wird der erste gemeinsame
Nachhaltigkeitsbericht des Finanz- und Verwaltungsvermögens der Stadt Bern veröffentlicht.

Der Nutzen des Vorgehens gemäss NIM ist,
dass ein Projekt nur dort nachgebessert werden muss, wo die Beurteilung ein deutliches
Defizit ergibt. Damit können Projekte effizient
und kostengünstig optimiert werden.
—

 Link zu Gesamtstrategie und Teilstrategien sowie zu den Nachhaltigkeitsberichten 2012, 2013
und 2014 des Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik:
http://www.bern.ch/politik-und-verwaltung/
stadtverwaltung/fpi/immobilien-stadt-bern/
dokumente-und-downloads

ELSI HISCHIER, *1973, studierte Architektur an der Hochschule Luzern –

Technik & Architektur, in Horw. Sie schloss als Master of Advanced Studies
FHNW in nachhaltigem Bauen an der Fachhochschule Nordwestschweiz
in Muttenz mit einer Masterarbeit ab, die als Grundlage für das Nachhaltige
Immobilienmanagement von Immobilien Stadt Bern dient. Hischier ist
seit 2011 Fachleiterin Nachhaltiges Immobilienmanagement bei Immobilien
Stadt Bern.

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Städte

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BUND

Von der Strategie
zum Bauwerk:
Die KBOB
Paul Eggimann

paul.eggimann@bbl.admin.ch

Unterstützung des nachhaltigen Bauens
der öffentlichen Hand, Förderung von
Grundlagen wie Ökobilanzdaten, Erarbeitung von Empfehlungen mit privaten Akteuren und Stärkung der fachlichen Netzwerke: Dies sind die Aufgaben der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren
(KBOB) im Bereich Nachhaltigkeit. Damit
leistet sie einen wichtigen Beitrag zur
Strategie Nachhaltige Entwicklung und
zu den Sustainable Development Goals.

Der Bund strebt bei der Umsetzung der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016 – 2019
(SNE) eine Vorbildrolle an. Als zentrale Koordinationsstelle der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren kommt der
KBOB dabei eine Schlüsselrolle zu. So war die
KBOB federführend bei der Erarbeitung der
Weisungen zum nachhaltigen Immobilienmanagement für ihre Mitglieder. Darin wird
in verbindlichen Grundsätzen der Weg zur
Umsetzung der SNE im Bauwesen verdeutlicht (Massnahme 24 SNE). Weitere Arbeitsdokumente mit Hinweisen zur Umsetzungspraxis sind in Vorbereitung.

26

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Bund

Die KBOB-Plattform «Ökobilanzdaten im
Baubereich» liefert verlässliche Grundlagendaten aus Ökobilanzen zur ökologischen Beurteilung von Baustoffen und den daraus erstellten Bauten (Massnahme 25 SNE). Die Daten bilden die Basis für die Berechnungen in
verschiedenen Normen des Schweizerischen
Ingenieur- und Architektenvereins (SIA). Auf
diesem Weg finden sie auch Eingang in Ökostandards wie zum Beispiel Minergie-eco.
Mit ihren Empfehlungen, die auch mit privaten professionellen Bauherren und weiteren
wichtigen Akteuren wie dem Verein eco-bau

Neubau Bürogebäude Ittigen: Das Gebäude
wurde in der Pilotphase nach dem Standard
Nachhaltiges Bauen SNBS beurteilt.

barer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle sichern». Auch das SDG
13, «umgehend Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen», wird damit unterstützt.
Der nachhaltige Bau und Betrieb der eigenen
Bauten, die abgegebenen Empfehlungen, die
zur Verfügung gestellten Hilfsmittel sowie die
Mitarbeit im Netzwerk tragen dazu bei, dass
die Erfüllung weiterer SDG unterstützt wird:
«nachhaltiges Wirtschaftswachstum und produktive Vollbeschäftigung» (SDG 8), «widerstandsfähige Infrastruktur» (SDG 9), «Städte
und Siedlungen sicher und nachhaltig gestal­
ten» (SDG 11), «nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen» (SDG 12), sowie
«Landökosysteme schützen und ihre nachhaltige Nutzung fördern» (SDG 15).
—

abgestimmt sind, ermöglicht die KBOB Synergien zwischen öffentlichen und privaten
Bauherren bei der Umsetzung der Nachhaltigkeit (Massnahme 23 SNE). Die Empfehlungen enthalten Informationen zu Innovationen
und zum Stand der Technik im nachhaltigen
Bauen und geben zudem nützliche Hilfestellungen für die Anwendung in der Praxis. Damit sind sie wichtige Arbeitsmittel für Bauherren und Planende.

neuerbaren Energien gefördert und der
Strom für den Betrieb der Gebäude aus erneuerbaren Quellen bezogen. Damit leistet
beispielsweise das Bundesamt für Bauten
und Logistik (BBL) als KBOB-Mitglied einen
Beitrag zum Ziel SDG 7 «Zugang zu bezahl-

Die KBOB unterstützt ausserdem das Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS)
(Massnahme 22 SNE). Dadurch kann – unter
Beteiligung der wichtigen Akteure im
Schweizer Immobilienmarkt – die Effizienz
der Nachhaltigkeit im Baubereich gesteigert
werden. Mit dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz des NNBS wurde erstmals ein
gemeinsames Verständnis des nachhaltigen
Bauens erreicht.

dinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB),

Aus den vier genannten übergeordneten
Massnahmen leiten sich verschiedene weitere Massnahmen ab, die einen Beitrag an die
Erfüllung der internationalen Sustainable Development Goals (SDG) leisten. So wird bei
Neu- und Umbauten die Produktion von er-

DIE KBOB
Ressourcen sparen und Qualität steigern – dies ist die übergeordnete Zielsetzung der Koor-

der Vereinigung der öffentlichen Bauherren der Schweiz. Die KBOB wahrt die Interessen ihrer Mitglieder als Bauherren sowie Liegenschaftseigentümer und -besitzer. Sie vertritt diese Interessen auch gegenüber der Bauwirtschaft und ist zugleich ihre Ansprechpartnerin
im Baubereich. Zusammen mit ihren Mitgliedern will die KBOB den wirtschaftlichen Mitteleinsatz über den gesamten Lebensweg der Immobilien unter Berücksichtigung sozialer und
ökologischer Aspekte des Bauens sicherstellen. Der KBOB gehören folgende Mitglieder an:
Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL), armasuisse Immobilien, Rat der Eidgenössischen
Technischen Hochschulen (ETH-Rat), Bundesamt für Verkehr (BAV), Bundesamt für Strassen
(ASTRA), Schweizerische Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz (BPUK), Schweizerischer Gemeindeverband (SGV), Schweizerischer Städteverband (SSV).

PAUL EGGIMANN, *1964,

studierte in Zürich Physik.
Nach Tätigkeiten bei der EMPA
in Dübendorf und beim Hochbauamt des Kantons Zürich
leitet er heute die KBOB-Fachgruppe Nachhaltiges Bauen.

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Bund

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AUSLAND

Die zivilgesellschaftliche Umsetzung
der Agenda 2030 in
Finnland
Annika Lindblom

annika.lindblom@ymparisto.fi

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forum raumentwicklung 01 / 2016 — Ausland

Das Engagement der Zivilgesellschaft für
die nachhaltige Entwicklung ist eine soziale Innovation Finnlands, um die Agenda 2030 in Gesellschaft, Verwaltung und
Politik zu verankern. Ziel ist es, Massnahmen zur nachhaltigen Entwicklung einfach, wirkungsvoll und umfassend ins
alltägliche Handeln einfliessen zu lassen.

Finnland kann bei der Förderung der nachhaltigen Entwicklung auf eine lange Tradition zurückblicken. Dabei hat das Land konsequent
den Bottom-up-Ansatz verfolgt, bei dem der
Dialog und das gegenseitige Lernen den Weg
für gemeinsame Strategien, gesellschaftliche
Kohärenz und innovative Lösungen ebnen.
Kommt hinzu, dass es Finnland in Sachen
nachhaltige Entwicklung auf der Ebene der
nationalen Politik seit über 20 Jahren gelingt,
den Premierminister zur Leadership zu verpflichten.
Angesichts dessen scheint Finnland in der
richtigen Position zu sein, um dem globalen Aufruf zur nationalen Implementierung
der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung auf vorbildliche Weise Folge zu leisten.
Aber die umfassende, transformative und integrative Konzeption der Agenda 2030 verlangt Finnland nicht nur mehr Kohärenz und
Kooperation ab, sondern erfordert auch eine
bessere Koordination der Richtlinien und der
Bedürfnisse der Bevölkerung. Dabei sind auch
an sich selbstverständliche Massnahmen erforderlich.
Premierminister geht voran – und bezieht
Zivilgesellschaft ein

Die finnische Regierung trägt die Hauptverantwortung bei der nationalen Implementierung der Agenda 2030. Zu diesem Zweck
hat sie sich entschieden, bis Ende 2016 einen Umsetzungsplan zur nationalen Agenda
2030 zu entwerfen. Das Büro des Premier-

ministers plant und koordiniert die nationale Implementierung. Die Schlüsselmassnahmen zur Umsetzung der Agenda 2030
umfassen integrierte Handlungsstrategien
und -schritte, die es in den verschiedenen Regierungssektoren zu verwirklichen gilt. Kern
der Implementierungsaufgabe ist es, sicherzustellen, dass alle Regierungsrichtlinien
tauglich für die Agenda 2030 sind.
Aber die Regierung kann und will die Aufgabe nicht allein bewältigen. Aus unserer
Perspektive obliegt es nicht dem Monopol
des Staats, eigenmächtig zu bestimmen,
was nachhaltige Entwicklung für die unterschiedlichen Interessensvertreter bedeutet.
Wir können zwar Anregungen für eine gemeinsame Vision und strategische Ziele offerieren, aber eine wirkliche Identifikation
und Verpflichtung lässt sich bloss mit einem
auf gesellschaftlicher Beteiligung begründeten Bottom-up-Ansatz erzielen. Deshalb ist
es notwendig, nicht nur alle interessierten

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Ausland

Stakeholder, sondern auch die Zivilgesellschaft insgesamt auf diese nationale Mission zu verpflichten.
Eine zentrale freiwillige Umsetzungsmassnahme in Finnland ist deshalb das «Society’s
Commitment to Sustainable Development»,
das zivilgesellschaftliche Engagement für die
nachhaltige Entwicklung. Der Premierminister ist federführend bei der Förderung dieses
Engagements. Er verankert dieses fest in den
nationalen Anstrengungen, die darauf hinwirken, die Agenda 2030 sowie deren Vorgaben und Ziele in Finnland zu realisieren.
«Lasst uns etwas Neues versuchen»

Das zivilgesellschaftliche Engagement für
die nachhaltige Entwicklung unter dem
Schlagwort «Finnland – wie es uns fürs Jahr
2050 vorschwebt» wurde 2013 ins Leben gerufen und ist von Finnlands neuem Ansatz
in Sachen Nachhaltigkeitsarbeit geprägt.

29

Dabei handelt es sich um eine neue Nachhaltigkeitsstrategie – und keineswegs um einen Aktenstapel, der in irgendeiner Bürokratenschublade verstaubt. Das ganze Konzept
besteht aus einem strategischen Rahmen
mit einer Vision, Prinzipien und acht Zielen,
die – ergänzt um ein partnerschaftliches Instrument – darauf hinwirken sollen, nicht nur
die Beteiligungsstruktur, sondern auch Aktion und Wirkung innerhalb der gesamten Gesellschaft zu verstärken.

Das zivilgesellschaftliche Engagement kann
als soziale Innovation betrachtet werden, die
es ermöglicht, nachhaltige Entwicklung ins
alltägliche Handeln zu übertragen. Dazu gehört ein vielfältiges Engagement von gesellschaftlichen Akteuren, die eine gemeinsame
Anstrengung unternehmen.
Das Vorgehen für Interessierte ist sehr einfach. Erstens braucht es den Entscheid, sich
der Initiative anzuschliessen, indem sich die
Organisation zu einem oder mehreren der

30

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Ausland

acht strategischen Ziele verpflichtet – und
zwar durch die Schaffung von etwas wirklich Neuem. Zweitens muss die Verpflichtung
schriftlich festgehalten werden. Dazu gehören ein Zeitplan und die Kommunikation der
Ziele und Indikatoren in einer öffentlich zugänglichen Datenbank. Und drittens verpflichtet sich die teilnehmende Organisation zum
Handeln, erzählt «ihre» Geschichte weiter
und lädt ihre Mitbewerber dazu ein, sich dem
«Society’s Commitment» anzuschliessen.

Bis Ende 2015 sind schon über 220 Organisationen wie Firmen, Ministerien, Schulen, Gemeinden und zivilgesellschaftliche Organisationen, aber auch einzelne Bürgerinnen und
Bürger, der «Society’s-Commitment»-Bewegung beigetreten und haben ihr persönliches
Engagement in praktisches Handeln umgesetzt. Organisationen, die diesen Schritt bereits gewagt haben, liessen verlauten, dass
sie dank dem «Society’s Commitment» dazu
inspiriert worden seien, Dinge anders anzugehen. Dies wiederum erhöhte die Ressourceneffizienz, zeitigte werbetechnische Vorteile, brachte neue Kunden, motivierte die
Belegschaft – und schuf damit nicht zuletzt
auch neue Netzwerke.
Das «Society’s Commitment» wurde gemäss der Agenda 2030 beurteilt. Das Ergebnis zeigt, dass das zivilgesellschaftliche Engagement ziemlich exakt mit den Visionen,
Prinzipien, Zielen und Vorgaben der Agenda übereinstimmt. Dennoch soll «Society’s
Commitment» – im Sinn der Konsistenz und
Transparenz – weiter überprüft und aktualisiert werden, um mit der weltweiten Agenda
2030 noch besser übereinzustimmen.
Ein Forum für wirksame Veränderungs-

der Agenda 2030 überprüft und weiterverfolgt. Die Kommission ist auch damit beauftragt, die Implementierung des
«Society’s Commitment» voranzutreiben, zu überwachen und
zu bewerten – und die Leistungen zu kommunizieren.
Der finnische Premierminister wird diese Arbeiten leiten und sicherstellen, dass sämtliche 50
Mitglieder der Kommission in den ersten Jahren des Umsetzungszyklus der Agenda 2030 zu
einflussreichen Innovatoren für nachhaltige Entwicklung avancieren.
Trotz der in Finnland existierenden gebrauchsfertigen ordnungspolitischen Massnahmen wurde die Notwendigkeit erkannt, Arbeitsmethoden zu erneuern und die Rechenschaftspflicht zu verstärken. Dies gilt auch für den Austausch mit
dem Parlament, mit den verschiedenen Interessensvertretern sowie mit den Bürgerinnen und Bürgern.

faktoren

Die innovativen Richtlinien und Instrumente
für nachhaltige Entwicklung erfordern auch
innovative Steuerungsmechanismen. Finnlands Nationale Kommission für Nachhaltige
Entwicklung ist ein vom Premierminister geleitetes Partnerschaftsforum, dem über 50
Mitglieder aus sämtlichen Gesellschaftsbereichen angehören und das in Finnland seit
23 Jahren aktiv ist. Am 16. Februar 2016 wurde das Forum für die kommenden vier Jahre neu mandatiert – dies mit dem Ziel, die
nachhaltige Entwicklung besser in die Politik, in die Massnahmen und in die Alltagspraxis Finnlands zu integrieren. Es handelt sich
dabei um eines der massgeblichen Gremien Finnlands, das die nationale Umsetzung

Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Förderung der nachhaltigen Entwicklung auf gegenseitigem Vertrauen und einem kontinuierlichen Dialog basieren muss. Die gemeinsamen Ziele sollen ambitiös sein, das Mitwirken hingegen möglichst einfach. Nur
so ist sichergestellt, dass sich sämtliche
Interessensvertreter bezüglich ihrer Handlungen auch mitverantwortlich fühlen.
— 			
(Übersetzung)

ANNIKA LINDBLOM, *1969, arbeitet als General-

sekretärin der finnischen Nationalen Kommission
für Nachhaltige Entwicklung und als Direktorin für
Internationale Nachhaltige Entwicklung in Finnlands
Umweltministerium. Seit über zehn Jahren erarbeitet
und koordiniert sie nationale Richtlinien und Strategien zur nachhaltigen Entwicklung. Sie ist auch eine
der Initiatorinnen des «Society’s Commitment to
Sustainable Development» in Finnland. Ausserdem war Lindblom an den
Regierungsverhandlungen zur Agenda 2030 beteiligt. Aktuell setzt sie die
globalen Ziele und Vorgaben in nationale Massnahmen um.

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Ausland

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REPORTAGE

«Wir sind neugierig
auf Neues»
Text: Stefanie Pfändler

s.pfaendler@gmail.com

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forum raumentwicklung 01 / 2016 — Reportage

Die Jost Druck AG aus dem Berner Oberland ist in der Druckereibranche Vorreiterin in Sachen Nachhaltigkeit. Das KMU
geht die Thematik ganz pragmatisch an.
Ein Besuch am Thunersee.

An malerischer Lage direkt an der Riviera des
Thunersees stösst man auf ein unscheinbares
zweistöckiges Gebäude: die Jost Druck AG.
Die Grautöne der schlichten Aussenfassade
werden einzig durch einen diskreten Farbstreifen im Logo aufgebrochen, der auf das
Tätigkeitsfeld des hier ansässigen KMU hindeutet. Ein geschwungener Weg führt an einer Palme vorbei in die hellen Räumlichkeiten des Hünibacher Traditionsunternehmens.
Drinnen wartet Beat Hodler, Geschäftsleiter
und einer der vier Mitinhaber. In Bluejeans
und sportlichem Hemd lädt er in sein zweckmässig eingerichtetes Büro. Die Chefetage
befindet sich für einmal im Erdgeschoss.

Die Jost Druck AG ist ein typisch schweizerisches KMU mit 25 Vollzeitstellen, verteilt
auf 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie vier Mitinhaber, die allesamt in der Firma
tätig sind. Das Unternehmen, vor 95 Jahren
als Buchdruckerei von Ernst Jost im emmentalischen Oberdiessbach gegründet, hat es

bis heute geschafft, mit der technologischen
Entwicklung der Branche Schritt zu halten.
Man setzt auf Innovation und Qualität, Bindung zum Kunden und massgeschneiderte
Produkte.
Beat Hodler macht keinen Hehl daraus, dass
sich seine Firma in einer glücklichen Lage befindet: Weit weg von der preisdrückenden
EU-Konkurrenz, quasi im Schutz der wuchtigen Berner Alpen, pflegt man einen zufriedenen Kundenstamm, der bereit ist, für Qualität und kompetente Beratung auch mal etwas
mehr zu bezahlen, statt auf Billigangebote
aus dem Internet zu setzen.

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Reportage

Vom Bleisetzer zum Offsetdruckexperten

Einfach ist das Unternehmerleben am Thunersee deshalb aber noch lange nicht. Einerseits, so Hodler, habe sich die Branche
innert sehr kurzer Zeit enorm gewandelt.
Er selbst lernte als Lehrling noch Bleisetzer
und könnte heute, wie er sagt, längst nicht
mehr in der digitalisierten Produktion arbeiten. Statt Schriftsetzer brauche es heute Polygrafen. Und die einstigen Buchbinder heissen inzwischen Printmedienverarbeiter und
produzieren im Digital- und Offsetdruck. Die
grossen Schweizer Druckereien investieren
laufend in modernste Technologien, was in
dieser Branche häufig teure Anschaffungen
bedeutet. Für KMU wie die Jost Druck AG
ist dieser Wettlauf gegen das Veralten stets
auch ein Risiko. Denn die Abhängigkeit von
einer für viel Geld angeschafften Technologie ist gross. Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass man auf einen Trend setzt, der nur
kurzfristig Umsatz bringt, und man plötzlich
im Abseits steht. «Trotzdem muss man sich
konstant weiterentwickeln und neugierig
bleiben auf Neues», so Hodler.
Diese Neugierde war es, welche die Jost
Druck AG vor acht Jahren statt zu einem regulären Druckmaschinenwechsel zu einem
schweizweit vorbildlichen Energiemanagement bewog. Die Pläne standen schon, die
neuen Geräte sollten in eine Art Garagenaufbau aufs Dach. «Die Maschinen produzieren viel Wärme – die muss irgendwie aus
den Räumen raus», begründet Hodler die damalige Überlegung. «Drinnen war es immer
enorm heiss. Wurde es dann auch noch gewittrig, war die Druckfarbe am Abend zu flüssig und wir bekamen Probleme mit dem Papiereinzug.» Kurz vor Baubeginn besprach
man sich noch einmal mit Viktor Hugi von der
Hugi Engineering GmbH, eigentlich nur, um
letzte Details zu klären. Dieser jedoch brachte Hodler und seine Kollegen schnell darauf,
den Spiess gänzlich umzudrehen: Die Wärme
sollte nicht oben rausgelassen werden – im

33

Gegenteil! Nun wollte man sie einfangen und
sich bewusst zunutze machen.
Die Druckmaschine wird zur Heizung

Und nun kam eben die hauseigene Neugierde ins Spiel. Gepaart mit etwas Mut und noch
mehr Weitsicht machte man sich daran, das
Konzept zu verfeinern. Das war nicht einfach,
denn das vorgeschlagene System gab es so
noch nirgends – es musste völlig neu entwickelt werden und barg somit ein gewisses Risiko. Doch man blieb am Ball. Heute sind die
drei Offsetmaschinen und deren Nebengeräte zu einem Verbund mit Wärmerückgewinnung zusammengefasst: Unten im Keller steht
eine zentrale Anlage für die Warmwasseraufbereitung, die Klimatisierung sowie die Temperierung der Druckwalzen. Herzstück des
Systems ist ein Wärmetauscher. Das bedeutet: Sobald draussen kühlere Temperaturen
angesagt sind, muss nicht mehr wie früher
mit Öl geheizt werden – das übernimmt nun
die Abwärme der Druckmaschine. Die Maschinen können aber nicht nur drucken und
heizen. Wenn es im Sommer zu heiss wird, verwandeln sie sich in eine Kühlung. Denn der
Wärmetauscher ermöglicht ein gezieltes Umwandeln der Abwärme in kühle Luft. Dadurch
bleibt das Arbeitsplatzklima angenehm, ohne
dass zusätzliche Kühlenergie aufgewendet
werden muss.
Zwei Jahre später, 2010, wurde der bisher verwendete Ölbrenner ganz stillgelegt. Seither
werden auch Heizung und Warmwasser des
benachbarten Wohnhauses mit Abwärme
aus der Druckerei versorgt – gänzlich ohne
fossile Brennstoffe. «Das Modell funktioniert prächtig», schwärmt Hodler. Zudem hat
auch die Kühlung einen um 30 Prozent höheren Wirkungsgrad und die Betriebskosten
in der Druckperipherie konnten genauso wie
die Heizkosten halbiert werden. Das Raumklima in den Hallen hat sich deutlich verbessert, was nicht nur der Druckqualität zuträglich ist, sondern auch das Wohlbefinden der
Mitarbeitenden erhöht.

Die Druckplattenherstellung erfolgt ohne jede Chemie.

Die Abwärme des Trockners wird zum Wärmetauscher geführt und genutzt.

34

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Reportage

Herzblut und langfristiges Denken

Inzwischen wenden zwei weitere Schweizer Druckereien das System der Jost Druck
AG ebenfalls an, doch noch immer ist eine
solche Umstellung alles andere als selbstverständlich. So interessierte sich kürzlich
ein grosser Mitbewerber in der Region für
das System. Doch dann hiess es, der Ölpreis
sei jetzt ja tief und die Investition darum zu
hoch. «Wenn man den Verwaltungsrat jedes
Jahr mit immer noch höheren Gewinnzahlen
beliefern muss, denkt man eben zu kurzfristig», glaubt Hodler. «Bei Jost dagegen identifizieren sich die Entscheidungsträger mit dem
Unternehmen. Man ist bereit, zu investieren,
man steckt viel Herzblut hinein und denkt vor
allem auch langfristig.»
Hodler selbst ist, wie er sagt, nicht per se
ein Grüner. Er fährt Auto und Motorrad, findet
aber, dass man dort den CO2-Ausstoss senken sollte, wo es einschenkt. «Als wir anfingen, uns mit dem Thema näher zu befassen,
begann uns die Sache plötzlich Spass zu machen. Wir merkten, wie viel sich herausholen
lässt, und dass wir damit auch etwas für die
Umwelt tun können.» Dass die Firma heute
zu 100 Prozent Ökostrom bezieht, war nach
dem ganzen Prozess ein logischer Schritt,
findet er. Auch der Druckprozess wurde ökologisch optimiert und benötigt heute ein Viertel weniger Chemie und Feuchtmittel als früher. Zudem ist die Jost Druck AG inzwischen
FSC-zertifiziert.
Pragmatische Nachhaltigkeit

Die Kundinnen und Kunden, glaubt Hodler,
schätzten das ökologische Verhalten seiner
Firma. Für viele sei Nachhaltigkeit zwar nicht
per se ein Kaufargument, aber er habe auch
schon neue Kundschaft explizit dank seinem
nachhaltigen Engagement hinzugewonnen.
Wer möchte, kann seine Produkte bei der Jost
Druck AG klimaneutral drucken lassen und
kompensiert den geringen CO2-Ausstoss über

Ein Geheimnis im Keller: Hier wird mit einem Energiemanagement-System die Restwärme zur Ressource.

ein Projekt in der Zentralschweiz. Viel wichtiger als diese Art von extern zugekaufter
Nachhaltigkeit ist Hodler jedoch das Handeln
vor der eigenen Haustür. Neben dem Umweltengagement gehört dazu auch ein angenehmes Arbeitsklima mit zufriedenen Mitarbeitenden. Soziales Engagement bedeutet
bei der Jost Druck AG zum Beispiel, dass die
Firma jemandem aus dem Dorf, der über
55 war und plötzlich arbeitslos wurde, eine
geeignete Stelle offerierte. Oder dass die
Jost Druck AG die 40-Stunden-Woche beibehielt, um niemanden entlassen zu müssen,
obwohl der Gesamtarbeitsvertrag eine 42Stunden-Woche erlaubte.

Für Beat Hodler ist Nachhaltigkeit etwas
ganz Pragmatisches. «Wenn einem die eigene Firma und die Mitarbeitenden am Herzen
liegen, dann denkt man automatisch langfristig», sagt er. Punkto Nachhaltigkeit glaubt er
daran, dass jeder dort anpacken soll, wo er
ganz direkt Einfluss nehmen kann. Die Jost
Druckerei hat dies getan.
—

Die Zeitschrift «forum raumentwicklung» wird
von der Jost Druck AG gedruckt.

STEFANIE PFÄNDLER, *1985, studierte Politik-

sowie Umweltnaturwissenschaften und arbeitete
als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Sektion
Nachhaltige Entwicklung beim ARE. Seit 2015
ist sie bei der Stadt Dübendorf in der Raumund Verkehrsplanung tätig.

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Reportage

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KOLUMNE

Arbeit und Wohnen ins
Gleichgewicht bringen

PAUL SCHNEEBERGER, *1968, ist promovierter

Historiker und befasst sich als Inlandredaktor der
Neuen Zürcher Zeitung unter anderem mit Fragen
der Raumentwicklung. Er publiziert auch ausserhalb der NZZ zu diesem Thema.
paul.schneeberger@nzz.ch

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist ein grosses Wort und das
Feld, auf das er sich bezieht, ist weit. Ein wesentlicher Bestandteil der Nachhaltigkeit ist das vernetzte Denken und Handeln.
Zu oft sind wir in unserer Zeit der wachsenden Komplexitäten
und fachlichen Spezialisierungen jeder für sich und nur auf einem einzigen Gleis unterwegs und vergessen dabei, das ganze
Netz im Auge zu behalten. Das gilt auch für die Raumentwicklung. Klar, die im schweizerischen Föderalismus besonders ausgeprägte Verteilung unterschiedlicher Kompetenzen auf die
verschiedenen Staatsebenen erleichtert das vernetzte Denken
und Handeln nicht, sie ruft nach Koordination. Bisweilen wird
solche Koordination explizit eingefordert, zum Beispiel zwischen Siedlung und Verkehr in den Agglomerationsprogrammen. Dennoch bleiben grosse Koordinationslücken. So entwi­
ckeln sich zum Beispiel die grossen Städte und die nationalen
Verkehrswege, die der Bund plant und baut, munter nebeneinander her.
Oder hat jemand wahrgenommen, dass sich die Stadt Zürich
mit einer dezidierten Absicht zur Mitgestaltung in den Ausbau der Eisenbahn eingeschaltet hätte, die zur Durchmesser­
linie Altstetten–Hauptbahnhof–Oerlikon führte? Dass die Stadt
als Standortgemeinde die Frage aufs Tapet gebracht hätte,
ob es wirklich sinnvoll sei, das Beziehungspotenzial des Hauptbahnhofs Zürich als grösster Eisenbahn-Hub in der Schweiz
noch mehr zu verstärken? Oder ob diese zusätzliche Kraft innerstädtisch nicht besser dezentral verteilt worden wäre? Eine
Reflexion wert gewesen wäre zum Beispiel die Frage, wie sich
eine direkte Tangente zwischen den Vorbahnhöfen Altstetten
und Oerlikon ohne Umweg über den Hauptbahnhof auf die grossen Stadtentwicklungsgebiete hätte auswirken können.
Ironie dieser Geschichte ist, dass die neue Durchmesserlinie
via Hauptbahnhof mehr oder weniger dem vorgesehenen Verlauf der Zürcher Untergrundbahn folgt, die in den Siebzigerjahren scheiterte. Bloss fahren die Züge auf dieser Achse nun
nicht von Dietikon bis nach Kloten, sondern von Genf bis nach
St. Gallen. Damit leistet die neue Verbindung zwar einen Beitrag zur nationalen Kohäsion, verlängert aber auch die Pendlerwege. Insofern wird die Durchmesserlinie – wie vor ihr schon
S-Bahn und Autobahn – die Stadt weiter auf das Land hinaustragen.

36

Das Gedankenspiel, wie die Agglomeration Zürich heute aussehen würde, wenn damals der Opposition gegen die U-Bahn
kein Erfolg beschieden gewesen wäre, ist interessant. Wären
Zürich und seine unmittelbaren Vorstädte dadurch zu jener
verdichteten Grossstadt geworden, vor der den Opponenten
dieses Verkehrssystems gegraut hatte? Und wie sähen der
Kanton Zürich und seine angrenzenden Gebiete heute aus?
Wie weit wäre das Postulat der Siedlungsentwicklung nach innen bereits umgesetzt?
Antworten auf diese Fragen sind hypothetisch. Tatsache ist,
wir wohnen und arbeiten in der Schweiz heute dezentraler
denn je. Unsere Herausforderung besteht darin, bestehende
Ungleichgewichte nicht noch zu akzentuieren. Beispielsweise
jene zwischen den Zahlen der lokalen Einwohner und Arbeitsplätze. Der Blick in nationale, kantonale oder städtische Statistiken zeigt, wie die Bevölkerung an den Rändern der Metropolitanräume überproportional wächst: im Aargau, im Thurgau, in
Freiburg, in der Waadt und im Unterwallis.
Demgegenüber weisen Städte und zentral gelegene Agglomerationen die stärksten Zunahmen bei den Arbeitsplätzen aus.
Abgesehen davon, dass die Kantone in den neuen Richtplänen den grössten Teil des Bevölkerungswachstums zurück in
die städtischen Gebiete steuern wollen, könnten sich Städte
und Kernagglomerationen selber ein Ziel setzen, das auch ein
ernsthaftes Bekenntnis gegen die Zersiedelung wäre: jenes,
dass die Zahl der Arbeitsplätze und der Einwohner innerhalb
ihrer Grenzen künftig im gleichen Verhältnis wachsen soll.
Damit liesse sich dem weiteren Wachstum der Pendlerströme
begegnen.
So ambitioniert und herausfordernd ein solches Ziel in Bezug
auf die notwendige innere Verdichtung wäre: Es wäre Ausdruck vernetzten Denkens und Handelns und ein Bekenntnis
dazu, ein abhanden gekommenes Gleichgewicht wieder herzustellen.
—

forum raumentwicklung 01 / 2016 — Kolumne

DIE ZAHL

800 Millionen Menschen haben
heute keinen Zugang zu Trinkwasser.
Das kaufkraftbereinigte Bruttoinlandprodukt des ärmsten Landes (Zentralafrikanische Republik) ist

182,3 Mal

kleiner als jenes des reichsten Landes
(Katar).

10 Millionen

Hektaren

fruchtbares Land gehen jährlich weltweit
verloren.

37

38

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Leitartikel

EDITORIAL

En septembre 2015, la communauté des Etats, réunie à New York, a adopté l’Agenda

« Agenda 2030: les

2030 pour le développement durable contenant 17 objectifs de développement du-

générations futures

rable (ODD). La Suisse a joué un rôle de médiation important tout au long du processus

nous mesureront
à cette aune. »

de formulation de cet accord et a réussi, lors des négociations, à transmettre sa riche
expérience en matière de développement durable. En adoptant l’Agenda 2030, tous les
pays se sont engagés à faire leur possible pour atteindre effectivement ces ambitieux
objectifs.
Le Conseil fédéral accorde une grande importance à l’Agenda 2030. Il en a déjà tenu
compte, dans les domaines importants pour la Suisse, lors de l’élaboration de la Stratégie pour le développement durable 2016–2019. Cette stratégie fait partie du message sur le programme de législature adopté le 27 janvier 2016. Le Conseil fédéral y
indique par quelles mesures de politique intérieure et extérieure il entend contribuer,
ces quatre prochaines années, à atteindre les objectifs universels de développement
durable. Par rapport à l’Agenda 2030, la politique suisse est déjà relativement avancée
dans certains domaines, mais elle reste en retrait dans d’autres. Une réorientation

Stephan Scheidegger

directeur suppléant de l’ARE
stephan.scheidegger@are.admin.ch

totale de notre politique de développement durable n’est toutefois pas nécessaire.
La mise en œuvre de l’Agenda 2030 est un défi à relever aux trois échelons institutionnels: Confédération, cantons et communes sont tenus, lors de l’accomplissement de
leurs tâches, de s'aligner sur les objectifs mondiaux de durabilité. C’est le seul moyen
de créer les conditions permettant également aux générations futures de satisfaire
leurs besoins.
Certaines questions, notamment la procédure de rapport sur l'état d'avancement des
travaux et le degré de réalisation des objectifs, restent à éclaircir dans la perspective
de la mise en oeuvre de l'Agenda 2020. Il faudra également prévoir comment régler les
conflits d’objectifs entre politiques sectorielles.
L’Agenda 2030 est un réel défi, mais c’est aussi une grande chance. Saisissons-la! En
effet, les générations futures nous nous jugeront d'après notre capacité à atteindre les
objectifs que nous nous sommes fixés ensemble.			

forum du développement territorial 01/ 2016 — Editorial

(traduction)

39

GRAND ANGLE

La Stratégie pour le
développement durable
2016 – 2019 dans son
contexte international
Daniel Dubas

daniel.dubas@are.admin.ch

40

forum du développement territorial 01 / 2016 — Grand angle

Au début de cette année, le Conseil fédéral a adopté sa nouvelle Stratégie pour le
développement durable. La communauté
internationale avait auparavant remporté
un succès important puisqu'en septembre
2015, après plusieurs années de négociation, les chefs d'Etat et de gouvernement,
réunis lors d'un sommet international,
avaient adopté l'Agenda 2030 pour le développement durable. Le défi pour la Suisse
est maintenant d’aligner la Stratégie pour
le développement durable sur l’agenda
international et de veiller à assurer la participation des acteurs publics et privés à
ce processus.

Début 2016, le Conseil fédéral a adopté sa
nouvelle Stratégie pour le développement
durable 2016 – 2019 qui fait partie du message sur le programme de législature 2015 –
 2019. Cette stratégie est renouvelée périodiquement depuis 1997; elle vise à assurer à
la Suisse un développement durable grâce à
un ensemble cohérent de mesures politiques.
Elle est avant tout un instrument de coordination des activités de la Confédération, mais
sert aussi de cadre de référence à de nombreux autres acteurs. Le développement durable ne doit pas être considéré comme une
politique en elle-même, mais devenir le fil
conducteur commun à toutes les politiques
sectorielles.
Le Conseil fédéral fixe les lignes directrices
relatives à la durabilité dans cette stratégie dont le cœur est un plan d’action décrivant les mesures de politique intérieure prioritaires. Mais il indique également de quelle
manière il entend encourager le développement durable au niveau international. Il démontre notamment comment la Confédération donne l’exemple dans l'exercise de ses
propres activités. Enfin, il fixe les modalités
de sa collaboration avec les cantons et les
communes, mais aussi avec la société civile,
les entreprises et les milieux scientifiques.

Le domaine de la construction durable fait
partie du plan d’action de la stratégie depuis
2008. La Confédération est parvenue, par
un programme de travail ciblé, à mettre en
place le Réseau Construction durable Suisse,
réunissant des maîtres d’ouvrages publics et
privés, et à créer un nouveau standard pour
la construction durable dans le bâtiment
(SNBS).
Pour la première fois, des objectifs univer-

possible les conflits d’objectifs entre ces
trois domaines. La nouvelle Stratégie pour
le développement durable définit pour chacun de ses neuf champs d’action une vision
à long terme ainsi que des objectifs à moyen
terme, à l’horizon 2030. Certaines des mesures prises à l’échelle de la Confédération
découlent de ces objectifs.
Le plan d’action couvre une large palette de
sujets. Les objectifs et mesures sont regroupés dans les neuf champs d’action suivants:

sels de développement durable

L’Agenda 2030 pour le développement durable adopté par la communauté internationale constitue une étape importante vers un
développement durable: c’est la première
fois que des Objectifs de développement durable (ODD), à atteindre ensemble d’ici 2030,
sont définis à l’échelle planétaire. Tous les
Etats, du Nord comme du Sud, sont encouragés à mettre en œuvre les ODD dans leurs
politiques intérieure et extérieure. L’Agenda
2030 n’est pas juridiquement contraignant,
certes, mais il constitue un cadre d’orientation important pour la Suisse.
Le développement durable est ancré dans la
Constitution de notre pays. C’est un but à atteindre à tous les échelons institutionnels.
En politique intérieure, la Stratégie pour le
développement durable joue un rôle essentiel. L’Agenda 2030 en constitue désormais le
cadre de référence. Aujourd’hui déjà, de nombreuses exigences figurant dans les ODD sont
incorporées dans la stratégie.
Plan d’action et objectifs à l’horizon 2030

Le Conseil fédéral tient à intégrer les principes du développement durable dans toutes
les politiques sectorielles de la Confédération. Il souhaite traiter sur un pied d’égalité
les trois dimensions du développement durable, à savoir: la capacité économique, la solidarité sociale et la responsabilité environnementale. Il va chercher à limiter le plus

1	 consommation et production;
2	 développement urbain, mobilité et
	infrastructures;
3	 energie et climat;
4	 ressources naturelles;
5	 système économique et financier;
6	 formation, recherche, innovation;
7	 sécurité sociale;
8	 cohésion sociale et égalité des sexes;
9	santé.
La mise en œuvre des mesures est du ressort
des offices fédéraux concernés. Sur le plan
fédéral, l’Office fédéral du développement
territorial (ARE) est compétent pour concrétiser la politique de développement durable. Sa
section Développement durable coordonne
la mise en œuvre de la stratégie et en assure
la communication et le développement.
Coordination entre les politiques intérieure
et extérieure

La coordination entre les politiques intérieure
et extérieure revêt une importance particulière pour la mise en œuvre de l’Agenda
2030. Ainsi, par exemple, plus des deux tiers
de l’impact environnemental de la consommation nationale se produit à l’étranger et
la prospérité économique de même que la
politique sécuritaire dépendent fortement de
facteurs de politique extérieure.
Dans le cadre de sa politique extérieure, la
Suisse accorde une attention particulière à

forum du développement territorial 01 / 2016 — Grand angle

41

la collaboration internationale. Elle s’engage
donc à mener une politique de développement durable cohérente dans les pays partenaires moins développés, les aidant ainsi
à appliquer des mesures efficaces pour atteindre les ODD, et à mesurer les progrès accomplis. Au sein des organisations internationales, notre pays défend des politiques
bien coordonnées et, dans la mesure du possible, exemptes de contradictions.
Collaborer avec le plus d'acteurs possible

Le développement durable requiert la participation du plus grand nombre possible d’acteurs, tant privés que publics. Le succès de la
Stratégie pour le développement durable dépendra de mesures prises à tous les niveaux:
Confédération, cantons, communes, entre-

42

prises et particuliers. Il est primordial que
tous partagent une même analyse de
la situation et poursuivent des objectifs
convergents. A cet égard, les objectifs de la
stratégie forment une bonne base de collaboration.
Pour mettre en œuvre la stratégie, il s'agira d'impliquer davantage les cantons et les
communes, mais aussi la société civile, les
entreprises et les milieux scientifiques (cf.
encadré 1). Mieux collaborer avec les services et délégués cantonaux chargés du développement durable favorisera l’ancrage de
l’Agenda 2030 à l’échelon régional et local.

gressivement développé les systèmes de sécurité sociale, et amélioré la qualité de l’air
et de l’eau, tout en préservant de très bonnes
conditions-cadres pour l’économie. Il reste
néanmoins un long chemin à parcourir pour
atteindre un développement durable. De
grands défis restent à relever, notamment
par rapport au vieillissement de la population,
à l’intégration des minorités, à la consommation toujours trop élevée de ressources et
d’énergie, au développement territorial et à
l’évolution des transports, aux changements
climatiques, à la compétitivité de la place financière suisse et à la cohésion sociale.

De nombreux défis à venir

Ces trois prochaines années, d’autres bases
nécessaires à la mise en œuvre de l’Agenda
2030 en Suisse devront être rassemblées. Au
cours de cette phase de transition, l’ARE et

Ces dernières décennies, la Suisse a déjà
obtenu des résultats importants. Elle a pro-

forum du développement territorial 01 / 2016 — Grand angle

DIALOGUE 2030 POUR LE DÉVELOPPEMENT DURABLE
Le développement durable requiert une collaboration entre les trois échelons institutionnels ainsi qu’avec des partenaires de l’économie, de la société civile, des associations
faîtières et des milieux scientifiques. Pour cette raison, tous ces acteurs ont été associés,
dans le cadre d'un vaste dialogue, au processus de renouvellement de la Stratégie pour

SEMAINE EUROPÉENNE DU
DÉVELOPPEMENT DURABLE

le développement durable.
Cette collaboration sera poursuivie dans le cadre du Dialogue 2030 pour le développement durable, relatif à la politique tant intérieure qu’extérieure. Ce processus permettra
de mesurer l'état d'avancement de la mise en œuvre de l’Agenda 2030, de définir les
actions à entreprendre en Suisse et, à partir de ces analyses, d'étoffer la Stratégie pour le
développement durable. Par ailleurs, il renforcera la collaboration nécessaire à la mise en
œuvre de cette stratégie et encouragera les acteurs de la société civile à expliquer dans

La semaine européenne du développement durable (SEDD) a lieu chaque année du 30 mai au 5
juin. Cette initiative vise à encourager les activités
en faveur du développement durable et à donner
une plus grande visibilité aux 17 objectifs du développement durable (ODD) de l’Agenda 2030. Sa
mission est également d’inciter les organisations,

les rapports leur contribution à l’Agenda 2030.

les entreprises et les collectivités publiques à
s'engager dans cette voie.

la Direction du développement et de la coopération (DDC) encourageront, au sein de la
Confédération, un processus de travail basé
sur les structures existantes.
Le groupe de travail interdépartemental ad
hoc est chargé d’analyser l’état d'avancement de la mise en œuvre des ODD en Suisse
et de définir les initiatives à prendre encore
dans les différentes politiques sectorielles. Il
est également nécessaire de clarifier la manière de transférer aux services fédéraux
compétents la responsabilité de la mise en
œuvre dans ces domaines.
En parallèle, il convient d’élargir le système
d’indicateurs du développement durable
(MONET) pour faciliter la rédaction des rapports nationaux et internationaux sur la base
du système existant. Enfin, il importe de définir de quelle façon les parties prenantes extérieures seront intégrées aux travaux de la
Confédération et comment elles contribue-

ront à réaliser les ODD sur le plan matériel
(cf. encadré ci-dessus).

En 2016, des ONG, le secteur privé, des collectivités publiques et des particuliers ont organisé

S’appuyant sur les conclusions de ces travaux, le Conseil fédéral se prononcera au début de 2018 sur les nouvelles démarches à
entreprendre par la Confédération pour la
mise en œuvre de l’Agenda 2030, et publiera le premier rapport de la Suisse à l’ONU.
En adoptant la Stratégie pour le développement durable 2016–2019, le Conseil fédéral
a franchi très tôt (en comparaison internationale) une étape importante pour concrétiser l’Agenda 2030. Le travail véritable commence toutefois seulement maintenant. Tous
les acteurs publics et privés en Suisse sont
invités à agir et à réaliser des projets permettant d’atteindre les objectifs visés.
—

de nombreuses activités qui s’inscrivent dans le
vaste champ d’action du développement durable.
Exemples: l’alimentation durable, la préservation
de la biodiversité dans le domaine de la restauration, des observations dans la nature, des ateliers
sur le thème de l’innovation dans le développement durable ou l’agroécologie. La liste des activités organisées en Suisse et dans le reste de
l’Europe est en ligne sur le site: www.sedd.ch.
Il vaut la peine de prévoir aujourd’hui déjà des
activités de 2017. La section du développement
durable de l’ARE est l’interlocutrice de la SEDD en

 Plus d’informations:
www.are.admin.ch/sdd

Suisse: www.are.admin.ch/sedd

DANIEL DUBAS, *1978, a étudié les sciences

politiques et l’urbanisme. Il dirige depuis 2013
la section Développement durable de l’ARE,
chargée de la coordination du développement
durable au niveau fédéral.

forum du développement territorial 01 / 2016 — Grand angle

43

INTERNATIONAL

Agenda 2030:
nouveau cadre de
référence international pour le
développement
durable
Michael Gerber

michael.gerber@eda.admin.ch

Fin septembre 2015, lors d’un sommet
qui s’est tenu au siège de l’ONU à New
York, les chefs d’Etat et de gouvernement ont adopté l’Agenda 2030 pour le
développement durable. On trouve, au
centre de cet agenda, 17 objectifs de portée universelle destinés à encourager
l’économie durable, la justice sociale et
la protection de l’environnement. Comme
tous les pays, la Suisse est invitée à
concrétiser à sa mesure ces objectifs.

L’adoption de l’Agenda 2030 au niveau international marque l’avènement d’une nouvelle ère en matière de développement durable. Pour la première fois de l’Histoire, tous
les Etats membres de l’ONU sont parvenus
à se mettre d’accord sur 17 objectifs ambitieux de développement durable et sur le
principe consistant à quantifier leurs contributions respectives. Les objectifs de développement durable (ODD) s’inscrivent dans
le droit fil des objectifs du Millénaire pour le
développement (OMD), qui ont été en vigueur
jusqu’en 2015.

44

forum du développement territorial 01 / 2016 — International

Fin du développement, place au développement durable

La tâche que la communauté internationale
s’était assignée en 2000, soit au tournant du
siècle, en adoptant les OMD, n’était pas facile: le principal objectif était de réduire de
moitié en l'espace de quinze ans l’extrême
pauvreté dans le monde, autrement dit le
nombre de personnes vivant avec moins de
1,25 dollar par jour. Des progrès remarquables ont été accomplis ces dernières années: en 1990, près de la moitié de la popu-

lation des pays en développement vivait
dans une extrême pauvreté; aujourd’hui,
cette proportion est tombée à un sixième.
Depuis l’an 2000, plus de deux milliards de
personnes ont obtenu l’accès à de l’eau potable propre. La mortalité maternelle, mais
aussi infantile, a pratiquement été réduite de
moitié. Plus de six millions de décès dus au
paludisme ont pu être évités grâce à des mesures de lutte contre la malaria.
Malgré ces succès, il reste encore beaucoup
à faire, car plusieurs objectifs n’ont pas pu
être atteints dans le délai espéré, soit à la fin
de 2015. Les objectifs de santé et de formation se sont révélés trop ambitieux. Si en effet l’égalité des sexes a été réalisée dans le
domaine de l’éducation, l’objectif d'une éducation primaire universelle n’a par contre pas
été atteint. Les inégalités sociales entre les
pays et à l’intérieur des différents pays se
sont globalement accentuées. Dans le domaine de l’environnement, les progrès obtenus sont bien en deçà des attentes.
L’Agenda 2030 pour le développement durable qui vient d’être adopté se nourrit des
enseignements des OMD, mais se fonde également sur les expériences des processus internationaux mis en route depuis le Sommet
de Rio de Janeiro en 1992. Les nouveaux objectifs pour le développement durable sont
ainsi le reflet d’une synthèse des objectifs
du Millénaire pour le développement et des
Agendas 21 issus de Rio 1992.
De par son caractère universel et l’intégration équilibrée des dimensions sociales,
économiques et environnementales du développement durable, le nouveau cadre de
référence applicable jusqu’en 2030 doit contribuer aux transformations souhaitées. Un
changement de paradigme est toutefois nécessaire: le passage à ce nouveau cadre de
référence dans tous les pays du monde exige
non seulement une extension thématique et
géographique, mais également – et impérati-

vement – l’intégration d’approches, d’instruments et d’acteurs nouveaux, tant pour la
mise en œuvre que pour le financement de
ces objectifs.
La Suisse assume son rôle de leader

Depuis le début des négociations internationales, la Suisse s’engage pour un Agenda
2030 planétaire ambitieux. Au cours d’un
processus préparatoire très large au niveau

suisse, auquel ont été associés le monde
politique, mais également des représentants
de la société civile, du secteur privé et du
monde scientifique, elle a formulé en 2013 sa
position dans le cadre des négociations à
l’ONU. Elle a fixé également des priorités
thématiques et s’est engagée sans tarder à
concrétiser des objectifs spécifiques dans
les domaines de l’eau, de l’égalité entre les
sexes, de la santé, de la paix, et à promouvoir des principes de gouvernance reposant

forum du développement territorial 01 / 2016 — International

45

sur l’État de droit. En parallèle, la Suisse a insisté pour que soient pris en compte, dans
les différents objectifs du nouvel agenda,
la prévention des catastrophes, la durabilité de la consommation et de la production,
les migrations et le développement. Par son
positionnement précoce et son engagement
substantiel dans le processus de négociation
entre Etats, la Suisse est parvenue à intégrer
tous les objectifs qui lui tenaient à cœur dans
le document final de l’Agenda 2030.
La Suisse a été l’un des premiers pays à s’engager dès le début en faveur de la création
d’un mécanisme de contrôle et de monitoring efficace. Elle a coordonné les travaux
d’un groupe suprarégional de sept pays, qui
est parvenu à convaincre les autres pays de
mettre en place des mesures de contrôle.
Mise en œuvre et financement

Afin d’atteindre les 17 objectifs de développement durable, un mécanisme efficace de
contrôle, mais également une solide base
de financement sont indispensables. Il va de
soi que l’aide publique au développement ne
peut contribuer que pour une modeste part
aux besoins d’investissement nécessaires.
Selon une estimation de la Conférence des
Nations Unies sur le commerce et le développement (CNUCED), ces besoins oscillent
entre 5000 et 7000 milliards de dollars par
an, alors que l’aide publique au développement stagne autour de 135 milliards de dollars par année.
Les objectifs ne pourront donc être atteints
que si tous les acteurs, publics et privés,
contribuent à leur concrétisation. Il ne faut
pas forcément davantage d’argent, mais,
plus généralement, une modification des
conditions-cadres pour favoriser les investissements privés dans le développement durable. En parallèle, les critères de durabilité
devront être mieux respectés dans les décisions d’investissement et il faudra barrer la
route aux flux financiers d’origine douteuse

en provenance des pays en développement.
Avant l’adoption de l’Agenda 2030, la communauté internationale s’était dotée, en juillet 2015, d’un nouveau programme-cadre de
financement et de mise en œuvre du développement durable: le programme d’action
d’Addis-Abeba. Dans ce domaine également,
la Suisse a joué un rôle actif et constructif.
Mise en œuvre en concertation avec tous
les acteurs

L’adoption de ces contrats-cadres est un début, mais le travail concret ne fait que commencer. La Suisse aussi se voit dans l’obligation de mettre en œuvre l’Agenda 2030.
Sa contribution ne se limite pas à la coopération internationale (alors que c’était le cas
pour les OMD); des mesures au niveau national sont également nécessaires.

Après l’adoption de l’Agenda 2030, le Conseil
fédéral (CF) s’est rapidement mobilisé et a
pris les premières mesures en décembre
2015. La contribution de la Suisse sera guidée par la Stratégie pour le développement
durable 2016–2019, adoptée par le CF fin janvier 2016, ainsi que par son message sur la
coopération internationale de la Suisse 2017 –
2020. Il est manifeste, aujourd’hui déjà, que
le CF ne pourra pas maîtriser cette tâche herculéenne tout seul et qu’il devra s’assurer de
la participation de tous les acteurs concernés pour réaliser les objectifs d’ici 2030. Les
cantons et les communes, mais également
le secteur privé et la société civile sont donc
appelés à agir. L’Agenda 2030 nous propose
un programme d’action commun pour un
monde de paix et de santé pour tous. Suivons-le!
—			
(traduction)

MICHAEL GERBER, *1971, est ambassadeur et

représentant spécial du Conseil fédéral pour le
développement durable au niveau international.
Il a dirigé la délégation suisse qui a participé
aux négociations sur l’Agenda 2030 et sur
le programme d’action d’Addis-Abeba pour le
financement du développement durable.

46

forum du développement territorial 01 / 2016 — International

LES 17 OBJECTIFS (ODD) DE L’AGENDA 2030 POUR LE DÉVELOPPEMENT DURABLE
1	

Éliminer la pauvreté sous toutes ses formes et partout dans le monde

2	
	

Éliminer la faim, assurer la sécurité alimentaire, améliorer la nutrition et
promouvoir l’agriculture durable

3	
	

Permettre à tous de vivre en bonne santé et promouvoir le bien-être de tous
à tout âge

4	
	

Assurer à tous une éducation équitable, inclusive et de qualité et des possibilités 		
d’apprentissage tout au long de la vie

5	

Parvenir à l’égalité des sexes et autonomiser toutes les femmes et les filles

6	
	

Garantir l’accès de tous à des services d’alimentation en eau et d’assainissement 		
gérés de façon durable

7	
	

Garantir l’accès de tous à des services énergétiques fiables, durables et
modernes, à un coût abordable

8	
	

Promouvoir une croissance économique soutenue, partagée et durable,
le plein emploi productif et un travail décent pour tous

9	
	

Bâtir une infrastructure résiliente, promouvoir une industrialisation durable
qui profite à tous et encourager l’innovation

10	 Réduire les inégalités dans les pays et d’un pays à l’autre
11	 Faire en sorte que les villes et les établissements humains soient ouverts à tous, 		
	
sûrs, résilients et durables
12	 Établir des modes de consommation et de production durables
13	 Prendre d’urgence des mesures pour lutter contre les changements climatiques
	
et leurs répercussions*
14	 Conserver et exploiter de manière durable les océans, les mers et les ressources 		
	
marines aux fins du développement durable
15	
	
	
	

Préserver et restaurer les écosystèmes terrestres, en veillant à les exploiter
de façon durable, gérer durablement les forêts, lutter contre la désertification,
enrayer et inverser le processus de dégradation des terres et mettre fin à
l’appauvrissement de la biodiversité

16	 Promouvoir l’avènement de sociétés pacifiques et inclusives aux fins du
	
développement durable, assurer l’accès de tous à la justice et mettre en place,
	
à tous les niveaux, des institutions efficaces, responsables et ouvertes à tous
17	 Renforcer les moyens de mettre en oeuvre le Partenariat mondial pour
	
le développement durable et le revitaliser
	

* Étant entendu que la Convention-cadre des Nations Unies sur les changements climatiques

	

est le principal mécanisme international intergouvernemental de négociation de l’action à mener

	

à l’échelle mondiale face aux changements climatiques.

forum du développement territorial 01 / 2016 — International

47

INVITE ACHIM STEINER

«  Les questions environnementales s’invitent de plus
en plus dans la réflexion
sur les systèmes économiques et financiers. »
Interview: Marc Engelhardt
Photos: Martin Bichsel

48

forum du développement territorial 01 / 2016 — Invité

L’Agenda pour le développement durable
adopté en septembre 2015 vise à promouvoir paritairement le développement économique, la protection de l’environnement
et l’équité sociale. Achim Steiner, Directeur
exécutif du Programme des Nations unies
pour l’environnement (PNUE), a apporté
une contribution essentielle à l’adoption
de l’Agenda 2030. Il est optimiste quant
aux chances de succès de cet ambitieux
projet, et mise sur la participation de l’économie.

En septembre de l’année dernière, l’Assemblée générale des Nations Unies réunie à New York a adopté à l’unanimité
l’Agenda 2030, qui comprend 17 objectifs
de développement durable (ODD). Avezvous déjà noté certaines avancées?
Achim Steiner: Il est peut-être un peu tôt pour
parler de résultats. Cependant, j’observe avec
un plaisir étonné la rapidité avec laquelle les
ODD sont repris dans le paysage institutionnel mondial – dans les instances onusiennes
et de la coopération au développement, et au
niveau national. Des indicateurs ont été mis
au point pour mesurer les progrès accomplis. L’étape suivante consistera à concrétiser ces objectifs, de façon à ce qu’ils soient
réalisables et compréhensibles au niveau national. En effet, les objectifs donnent seulement une orientation. Il est donc important
qu’ils soient soumis à une obligation de transparence. Le public, l’économie et les parlements doivent être en mesure d’évaluer si
les gouvernements tiennent leurs promesses.
Partagez-vous la crainte que ces objectifs
puissent être compromis en raison de la
faiblesse des indicateurs?

Non, car ces objectifs ne sont pas conçus
comme un carcan. N’oublions pas que notre
planète abrite sept milliards de personnes et

plus de 200 économies, allant de la plus extrême pauvreté à la plus extrême richesse. Il
ne sera, par conséquent, pas facile de concrétiser de manière uniforme les ODD. Nous observerons – j'en suis sûr – ces prochains mois
la façon dont les cibles de ces 17 objectifs seront reprises dans les politiques nationales.
Il va de soi que les pays fixeront des priorités différentes. Un pays dont les trois quarts
de la population n’ont pas d’électricité considérera que l’objectif 7 est prioritaire. Cela ne
veut toutefois pas dire que les autres objectifs n’ont aucune importance.
Mais ne doit-on pas craindre que chaque
pays sélectionne en priorité les objectifs qui servent son développement économique? Les objectifs sont si nombreux
qu’il est difficile de garder une vue d’ensemble.
Seul pourrait perdre le sommeil celui qui
s’imaginerait que l’accord de New York a un
caractère juridiquement contraignant. Tel
n’est pas le cas. Nous avons adopté un agenda
pour le développement durable comprenant
des objectifs qui permettront de réaliser d’ici
2030 toute une série de changements volontaires. Il s’agit d’assumer une responsabilité
partagée – ce point est important. Ces objectifs ne sont pas le fait de technocrates mais
de gouvernements, et cela dans un contexte
géopolitique peu propice. Cet aspect est essentiel. Chaque pays va traduire ces objectifs du mieux qu'il peut, sous la forme d'une
sorte d’agenda politique national qui engagera la responsabilité de chaque gouvernement,
en s'appuyant sur la population.
Où décelez-vous des éléments décisifs
susceptibles de soutenir ce processus?
Partout. Il règne un profond malaise au niveau planétaire: que ce soit à propos du système économique mondial, des systèmes financiers, des conflits que nous n’arrivons
pas à régler, ou encore des changements cli-

forum du développement territorial 01 / 2016 — Invité

«  L’économie verte
constitue un des atouts
concurrentiels permettant à la Suisse de se
positionner comme
place financière sur le
marché international. »

matiques. Et il faut ajouter les inégalités sociales qui divisent nos sociétés. Les partis politiques et de nombreux dirigeants du secteur
économique ressentent la nécessité d’opérer
des transformations en profondeur. Le Forum
économique de Davos de cette année l’a bien
montré encore une fois. Klaus Schwab parle
d’une quatrième révolution industrielle actuellement en cours, par nécessité, mais parfois aussi par opportunisme.
L’opinion publique partage-t-elle ce point
de vue?
La population considère peut-être encore ces
objectifs comme un fatras de théories. Mais,
dans un ou deux ans, tout un chacun se reconnaîtra dans un ou plusieurs de ces objectifs, en agissant dans un contexte personnel
ou local. Lorsqu’ils sont transposés dans des
décisions nationales, ces objectifs favorisent
toujours une percée. Ils offrent, de par leur
ADN même, un nouveau cadre de référence
qualitatif. Comme ils sont universels, tous les
pays de la planète ont pu s'y identifier. Par la
même occasion, tous ont reconnu que le développement, la durabilité et l’élimination de
la pauvreté ne sont pas des thématiques réservées aux pays du Sud, mais que le Nord
doit également assumer sa responsabilité.

49

Ces objectifs sont par ailleurs intégrés: les
dimensions économique, sociale et environnementale, telles que nous les comprenons
intuitivement depuis un certain temps, sont
intimement liées, ce que les politiques et les
mesures d'application arrivent rarement à réaliser jusqu’à présent.

Venons-en aux pays du Sud: ne serait-il
pas légitime que ces pays souhaitent
d’abord rattraper leur retard économique
sans se soucier de l’environnement?
Garantir des services de base aux populations nécessite bien sûr de se référer à des

aspects économiques. Dans les pays industrialisés, l’économie n’est pas uniquement synonyme de succès et de réussite. La question
clé est désormais: faut-il vraiment continuer
à privilégier l'économie selon une vision
darwinienne d'une politique au jour le jour, et
cela, au détriment de la justice sociale ou de
la durabilité écologique?
C’est la pratique des pays industrialisés
depuis des décennies…
Exactement. Cela explique que nous soyons
confrontés à toutes ces crises aujourd’hui.
Nous sommes à la veille d’une mutation de
nos systèmes économiques. Nous observons
que les instruments traditionnels de la finance
sont devenus inefficaces. L’économie mondiale a besoin de nouvelles conditions-cadres.
J’explique depuis longtemps déjà qu’une partie de la solution consiste à évoluer vers une
économie verte. Cela ouvrirait des marchés,
ferait naître de nouvelles technologies et créerait les infrastructures du futur, et cela nous
permettrait de donner du travail à huit ou neuf
milliards d’individus, de garantir l’approvisionnement en denrées alimentaires, et en même
temps d'inventer une industrie sans carbone.

Pourriez-vous citer des exemples?
Toute une série de pays du Sud font figure de
précurseurs de la réforme du secteur énergétique:
– le Kenya a doublé sa production nationale
d’électricité en misant sur les énergies renouvelables;
– l'Ethiopie a fait de même avec ses grandes
fermes éoliennes;
– la Chine occupe une position de leader sur
le marché des technologies énergétiques renouvelables;
– l’Inde vit une véritable révolution solaire: le
coût de la production de courant solaire est
seulement de 15 % plus élevé que celui du
courant produit à partir du charbon.
De tels résultats étaient encore impensables
il y a seulement cinq ans.

ACHIM STEINER, *1961, a grandi au Brésil et étudié, à Oxford et Londres, la philosophie, les sciences politiques, l’économie et l’aménagement régional. Au cours de sa
carrière, il a travaillé pour des organisations environnementales au niveau local puis
international. Nommé Directeur général de l’Union internationale pour la conservation
de la nature (UICN), il s’installe en 2001 à Gland (VD), avant d’être élu en 2006 Directeur exécutif du Programme des Nations Unies pour l’environnement par l’Assemblée
générale des Nations Unies. Son deuxième mandat se terminera à la mi-juin. Dès
septembre, Achim Steiner dirigera l’Oxford Martin School qui, par des recherches
interdisciplinaires, entend relever les défis importants du XXIe siècle.

50

forum du développement territorial 01 / 2016 — Invité

« Tous les pays qui miseront sur le prix actuel du
pétrole pour définir leur
future politique énergétique et les infrastructures nécessaires ces 20
ou 30 prochaines années
le paieront très cher. »

politique. Ces prochaines années, la Chine deviendra une référence pour la manière dont
elle gérera sa transition vers une économie
plus écologique.
Mais les processus de transition ne sontils pas souvent extrêmement longs?

Vous évoquez l’Afrique, continent le plus
pauvre. Avez-vous observé des changements en faveur de l’économie verte?
Oui, indéniablement, et j’en suis agréablement surpris. Des chefs d’Etat et de gouvernement, des ministres et des personnalités
du monde économique ont rapidement empoigné ce défi. Ils ont compris que les économies africaines sont très fortement tributaires d’infrastructures écologiques, que ce
soit dans l’agriculture, le tourisme ou la production hydroélectrique. De plus, les économies africaines sont extrêmement vulnérables, par exemple aux changements
climatiques. Dans un Etat du Sahel où il tombe
en moyenne 400 millimètres d’eau par année,
une période de sécheresse avec seulement
200 millimètres de précipitations n’est plus
un petit aléa météorologique, mais une véritable catastrophe.

Nombre d’Etats pauvres considèrent la
Chine comme un modèle. Ce pays a rattrapé son retard économique à un rythme
fulgurant, mais au détriment de l’environnement.
C’est la raison pour laquelle la Chine paie actuellement très cher son développement économique basé sur une industrialisation à outrance. Elle s'est longtemps focalisée sur le
produit national brut et la croissance. Aujourd’hui, elle doit dépenser des centaines de
milliards de dollars pour régler des problèmes
tels que la pollution de l’air, la contamination
des sols ou la disparition de la plupart des
cours d’eau intérieurs, et par conséquent
des nappes phréatiques. Mais elle met aussi beaucoup d’énergie à rechercher des solutions nouvelles, car elle prend conscience
que les vieilles recettes ont fait leur temps,
sur le plan économique comme sur le plan

forum du développement territorial 01 / 2016 — Invité

Si un pays comme l’Allemagne parvient à
passer de 0,5 % de production d’électricité à
partir d’énergies renouvelables à près de 30 %
en quinze ans, cela démontre que les processus de transition peuvent être rapides.
De plus, l’Allemagne s’en sort mieux sur le
plan économique que la plupart des autres
pays de la planète. A mon avis, cela prouve
que nous pouvons non seulement concevoir,
mais également mettre en place les transformations grâce à la technologie, à la gouvernance politique et à une nouvelle prise de
conscience de la part de la population des
vrais enjeux à long terme.
Certains facteurs externes non contrôlables, par exemple la récente chute vertigineuse du prix du pétrole, ne jouent-ils
pas un rôle prépondérant?
Si les niveaux très bas du prix du pétrole devaient se maintenir sur une longue durée, la

51

«  La société civile est
la meilleure garante
de la mise en œuvre
sur la durée des
mesures qui s’imposent. »

tentation de ne rien changer serait effectivement grande pour beaucoup de pays. Mais
nous ne tomberons plus dans le panneau!
Tous les pays qui miseront sur le prix actuel
du pétrole pour définir leur future politique
énergétique et les infrastructures nécessaires ces vingt ou trente prochaines années
le paieront très cher. Nous avons expérimenté cela à plusieurs reprises déjà. Le développement des énergies renouvelables et les
améliorations des performances technologiques qui l'accompagnent vont inéluctablement se poursuivre.

technologies et ces infrastructures et vous
voulez tout changer du jour au lendemain? »
Cela touche la production d’énergie, les
transports, les bâtiments et les infrastructures. La Suisse se trouve par ailleurs dans
un espace économique fortement concurrentiel. Au cours de son histoire, toutefois, elle
a toujours démontré sa capacité à orienter
ses choix stratégiques dans une perspective
à long terme.
A quels choix stratégiques pensez-vous?

L’un des défis à relever par la Suisse, et par
tous les pays industrialisés, est le suivant:
comme l’infrastructure en place date du XXe
siècle, toute velléité de changement profond
se heurte à la résistance des sceptiques:
« Quoi! On vient d'investir dans toutes ces

A l’heure actuelle, la structure de l'urbanisation et les infrastructures de transport sont
exceptionnelles. Pratiquement chaque village en Suisse est accessible en transports
publics. Sont également remarquables l’amélioration progressive des standards d’efficacité dans le secteur du bâtiment, ainsi que
les incitations fiscales et énergétiques permettant aux entreprises de faire décoller
les énergies renouvelables. Toutes ces réali-

52

forum du développement territorial 01 / 2016 — Invité

Revenons à la Suisse. Quels sont ses principaux chantiers?

sations montrent que la Suisse peut relever
avec succès les défis grâce à une vision à long
terme et à des mécanismes politiques éprouvés, basés sur la recherche de consensus. En
matière de durabilité, la Suisse est nettement
mieux placée que toute une série de pays européens, et cela grâce à une politique de développement reconnue par la population.
La Suisse a-t-elle du retard dans la concrétisation de certains objectifs de développement durable?

Naturellement! La Suisse doit également décarboniser son économie et se positionner
dans le contexte de la concurrence internationale. Il est très intéressant de relever
qu'elle a participé très tôt à un projet conçu
il y a deux ans par le PNUE: une enquête sur
la conception d’un système financier durable
appelée « Enquiry into the design of sustainable financial systems ». La question centrale
de cette enquête était la suivante: comment
pouvons-nous convaincre les marchés financiers et de capitaux de réaliser des investissements d'un tout autre ordre de grandeur
dans des projets au service de l’économie
durable? Nous estimons que les investissements annuels globaux nécessaires à une
telle transition sont de l’ordre de 6000 à 7000

milliards de francs; aucun pays, si riche soit-il,
ne peut compter sur ses seules ressources
publiques pour mettre une telle somme à disposition.
La place financière suisse, avec son assiette
planétaire, peut-elle jouer un rôle important?

Les deux tiers, voire les trois quarts de ces
investissements doivent fatalement émaner
de l’économie privée, que ce soient les capitaux des fonds de pension ou ceux d’entreprises ou de banques. Parvenir à instaurer
une politique financière verte est par conséquent notre principal défi à court terme, afin
de mettre en œuvre les objectifs – aussi bien
ceux de l’Agenda 2030 pour le développement durable que ceux de l’Accord de Paris sur le climat. Ce n’est pas un hasard si la
Suisse a participé à ce projet par l’intermédiaire de l’Office fédéral de l’environnement
et du Secrétariat d’Etat à l’économie. Nous
avons même mené une étude avec le secteur financier helvétique pour savoir si l’économie verte pouvait constituer un des atouts
concurrentiels permettant à la Suisse de se
positionner comme place financière sur le
marché international.

justement de Shanghai, où les ministres des
finances et des gouverneurs des banques
centrales se sont rencontrés. Je peux vous assurer que la Chine prend cette question très
au sérieux.
Nous observons à l’heure actuelle une vague
d’isolationnisme, notamment en matière de
politique migratoire. N’est-il pas illusoire de
croire en des stratégies globales?

La réalisation des objectifs de développement
durable implique une certaine confiance en la
capacité des sociétés à reconnaître qu’elles
doivent changer de paradigme. Cette mutation n’émanera pas forcément d’un Premier
ministre ou d’un CEO d'une compagnie d'électricité: par rapport aux vingt ou trente dernières années, ce que définissons aujourd’hui
comme notre Agenda 2030 n’est pas le produit
d’une élite de professeurs et de politiciens,

Et donc, est-ce un atout?

Oui, je le pense. Il se dit déjà que Genève est
devenue un pôle de la finance verte. La Suisse
reste en tout cas l’un des centres des marchés financiers internationaux. Si cette finance verte devait connaître, ces prochaines
années, une courbe de croissance aussi dynamique que prévu, la Suisse devrait obligatoirement se positionner sur ce marché. L’expérience dont elle bénéficie dans les domaines
des technologies et de la gestion du paysage,
des ressources ou de la qualité de l’eau se révélera alors être un atout. Et ce n'est pas de
la musique d’avenir: la Chine a choisi d'inscrire la finance verte parmi les cinq thématiques du prochain sommet du G20, qui aura
lieu en 2016 sous sa présidence. Je reviens

forum du développement territorial 01 / 2016 — Invité

53

rière en quelque sorte. Aujourd’hui, nous suivons de nouveau une approche intégrée. Le
PNUE a été et sera associé en tant qu’organisme consultatif à la préparation des ODD
de nombreux gouvernements. Le PNUE exprime les perspectives de politique environnementale des Nations Unies. Ce n’est donc
pas par hasard que nous sommes invités, durant cette phase, aux sommets internationaux du G7, du G20 et du BRICS, et que nous
étudions les questions de politique financière avec les banques de développement.
Tout cela nous montre à l’évidence que les
questions environnementales s’invitent toujours plus souvent dans la réflexion sur les
systèmes économiques et financiers, et que
le travail effectué par le PNUE est de plus en
plus pertinent quand il s'agit de prendre ces
grandes décisions.

mais plutôt l’expression de la volonté populaire. Aussi, la société civile est-elle la meilleure garante de la mise en œuvre sur la
durée des mesures qui s’imposent. Y a-t-il
des risques? Oui, et ils sont énormes. Mais
nous pouvons tirer des enseignements du désarroi que nous observons en matière de politique migratoire. Une région de la taille de
l’Europe est si déstabilisée par un phénomène
qui s’est manifesté à très court terme que
les fondements de l’UE s’en trouvent ébranlés. Nous ne devrions donc jamais nous bercer de l'illusion que les choses « normales »
ne puissent pas basculer du jour au lendemain.
Traditionnellement, les Suisses se montrent
sceptiques face aux solutions venues d’en
haut. Comment communiquer sur les objectifs du développement durable et convaincre
un large public?

La Suisse est fortement marquée par la prépondérance de la perspective locale. La Stratégie pour le développement durable adoptée par le Conseil fédéral n’est pas le produit
de technocrates, mais un concept développé
avec une bonne dose de savoir-faire politique,
qui reflète un consensus entre Suisses quant
à l'avenir de leur pays. Mettre en œuvre une
stratégie pour le développement durable qui
n’aurait pas ses racines dans les cantons serait illusoire en Suisse.
Le PNUE est l’organisation que vous dirigez
jusqu’en juin prochain. Quel est son rôle par
rapport à la mise en œuvre des objectifs de
développement durable?

J’ai vécu cinq ans en Suisse et, d’après mon
expérience, le samedi est le jour où les gens
ont l’habitude d’aller au point de collecte
des déchets et d'y rencontrer leurs voisins.

Historiquement, son rôle est très important
car, depuis 1972, date de la création du PNUE,
nous nous sommes efforcés de développer
une approche intégrée. Prenons l’exemple
des Objectifs du millénaire qui ont précédé
les Objectifs pour le développement durable:
du point de vue du développement durable,
les Objectifs du millénaire n’étaient que des
objectifs de développement, un retour en ar-

54

forum du développement territorial 01 / 2016 — Invité

Vous avez amélioré la notoriété du PNUE ces
dix dernières années. Etes-vous satisfait de
ce qui a pu être réalisé?

Dans le contexte de la crise environnementale actuelle et de l’extrême lenteur avec laquelle nous réagissons, nous, les sept milliards d’individus qui vivons sur cette planète,
ne pouvons jamais être entièrement satisfaits. Cependant, j’ai contribué à une certaine
émancipation économique de la politique environnementale. Par ailleurs, j’espère avoir
apporté ma contribution à la création d’un
parlement mondial pour la politique environnementale: au sein de l’Assemblée des Nations Unies pour l’environnement, qui siège
pour la deuxième fois cette année, les représentants de tous les pays ont un droit de vote.
Cela prouve qu’il est possible, au XXIe siècle,
de réformer une organisation onusienne et
de lui offrir une place importante, en dépit
de l’inertie de la bureaucratie; tout cela grâce
à une approche fondée sur les résultats et
le pragmatisme. Le PNUE est ainsi devenu
aujourd’hui un acteur incontournable de la
scène internationale.
—			
(traduction)

CONFEDERATION

Septante-trois
nuances de développement durable
Vincent Willi

vincent.willi@bfs.admin.ch
Anne-Marie Mayerat Demarne

anne-marie.mayerat@bfs.admin.ch
Le monitoring du développement durable
(MONET) est un système d’indicateurs
évolutif. Sa deuxième révision a été lancée en 2014 dans le but de poursuivre le
monitoring de la nouvelle Stratégie pour
le développement durable et d’anticiper
le suivi des objectifs de l’Agenda 2030
pour le développement durable. Le système révisé comprend 73 indicateurs reposant sur des données de la statistique
publique disponibles.

Le système d’indicateurs de développement
durable MONET a été développé par l’Office
fédéral de la statistique (OFS) avec l’appui
des Offices fédéraux du développement territorial (ARE), de l’environnement (OFEV) et de
la Direction du développement et de la coopération (DDC). Le système, en ligne depuis
2003, est un instrument destiné au grand public, aux politiciens et à l’administration. Il
permet de déterminer dans quelle mesure la
Suisse se situe sur la voie du développement
durable. Reposant sur un cadre conceptuel
construit à partir de la définition Brundtland
du développement durable, ce système prend
en compte les trois aspects suivants: « ici et
maintenant »; « demain »; « ailleurs ».
Raviver les couleurs

La révision du système MONET s’inscrit dans
le contexte du renouvellement de la Straté-

gie pour le développement durable pour la
période 2016 – 2019 ainsi que de la préparation des objectifs de l’Agenda 2030 pour le
développement durable (ODD) adoptés par
l’ONU en septembre 2015. Les travaux de
révision ont conduit à l’adaptation du référentiel du système (les principes du développement durable) car il s’agissait de combler
des lacunes relatives aux visions à long
terme de la stratégie fédérale et des ODD.
Les indicateurs ont ensuite été révisés de

manière à prendre en compte l’adaptation
du référentiel, pour pouvoir anticiper le monitoring des ODD et intégrer les nouvelles
possibilités découlant des développements
de la statistique publique. Les travaux de
révision ont impliqué un dialogue avec des
partenaires de l’administration fédérale et
l’établissement de règles du jeu fixées à
l’avance a permis d’assurer une répartition
claire des rôles et des compétences de chacun des acteurs.

forum du développement territorial 01 / 2016 — Confédération

55

BILAN D’AZOTE DE L’AGRICULTURE
QUANTITÉS D’AZOTE QUI ENTRENT DANS LES TERRES AGRICOLES OU
QUI EN SONT RETIRÉES
Milliers de tonnes

150

Source: OFS – Bilan d’azote © OFS Neuchâtel, 2016

Le système d’indicateurs révisé, en ligne depuis le mois de mai 2016, comprend 73 indicateurs dont 22 sont nouveaux. Trente-six indicateurs illustrent l’évolution générale dans
les champs d’action thématiques de la stratégie de la Confédération. La plupart des indicateurs peuvent être reliés à une cible des
ODD.

100

Deux nuances à titre d’exemple

50

0

1990	1995	2000	 2005	2010	
2013		
	

VICTIMES FÉMININES DE VIOLENCE GRAVE
NOMBRE DE VICTIMES FÉMININES D’INFRACTIONS DE VIOLENCE GRAVE
CONSOMMEE CONNUES DE LA POLICE
800

Source: OFS – SPC © OFS Neuchâtel, 2016

Le nouvel indicateur « Bilan d’azote de l’agriculture » vient compléter le thème Production et consommation du système MONET.
Il mesure la différence entre la quantité
d’azote qui entre dans le sol, sous forme
d’engrais par exemple, et la quantité d’azote
qui quitte le sol sous forme de produits agricoles. Cet indicateur permet d’illustrer un
pan de la vision à long terme du champ d’action Ressources naturelles de la stratégie fédérale: « Les pressions exercées sur les écosystèmes sont limitées afin de leur permettre
de rester fonctionnels, résilients et aux populations d’espèces de se maintenir. » Cet indicateur pourrait, de plus, être utilisé pour le
monitoring de la cible 2.4 des ODD : « D’ici
à 2030, […] mettre en œuvre des pratiques
agricoles résilientes qui […] contribuent à la
préservation des écosystèmes… ».

700
600
500
400

L’indicateur « Victimes féminines de violence
grave » fait partie du thème transversal Egalité, introduit suite à la révision du système
MONET en réponse aux préoccupations des
ODD. Il conviendrait particulièrement bien au
monitoring de la cible 5.2 « Éliminer de la vie
publique et de la vie privée toutes les formes
de violence faite aux femmes et aux filles… ».
Concernant la stratégie fédérale, cet indicateur illustre la vision du champ d’action Cohésion sociale et égalité des sexes : «…L’oppression, la discrimination et la violence sont
limitées sous toutes leurs formes… ».

300
200
100
0

2009		2010		2011		2012		2013		2014		2015	

ANNE-MARIE MAYERAT DEMARNE, *1961, docteur ès sciences,

a étudié la géologie à l’Université de Neuchâtel. Engagée à l’OFS
depuis 2002, elle dirige depuis 2008 la section Environnement,
Développement durable et Territoire, qui a notamment la charge
de produire régulièrement des informations sur les progrès réalisés
par la Suisse sur la voie du développement durable.

VINCENT WILLI, *1980, a étudié les sciences de l’environnement

à l’Université de Lausanne, puis l’hydrogéologie à l’Université
de Neuchâtel. Il travaille depuis 2011 à l’Office fédéral de la
statistique et dirige depuis 2013 le monitoring du développement
durable (MONET).

56

forum du développement territorial 01 / 2016 — Confédération

CANTONS

L’Agenda 2030 dans le
canton de Bâle-Ville
Barbara Alder

barbara.alder@bs.ch
Catherine Heinzer Ulusoy

catherine.heinzer@bs.ch

Le Conseil d’Etat du canton de Bâle-Ville a
adopté une stratégie politique mieux axée
sur le développement durable. D’ailleurs, la
Constitution cantonale l’y oblige. Bâle-Ville
contribue ainsi à maints égards à la réalisation des objectifs de l’Agenda 2030.

Dans sa conception actuelle, le développement durable n’est pas une tâche supplémentaire réservée à certains services administratifs, mais une thématique transversale
à intégrer de manière cohérente dans tous
les domaines politiques et tous les services
sectoriels. Afin de répondre à cette exigence,
le gouvernement du canton de Bâle-Ville a renoncé à définir une stratégie et des objectifs
spécifiques au développement durable. En revanche, il structure les quatre étapes de son
programme de législature selon le développement durable: de l’analyse (état des lieux)
au rapport d’activités (rapport annuel), en
passant par la définition des objectifs (programme de législature) et l’octroi de fonds
(planification budgétaire). Ainsi, depuis 2016,
Bâle-Ville présente le développement durable
comme la colonne vertébrale de son programme de législature.

maintien et l'amélioration de la qualité de vie
de tous, aujourd’hui et demain. Ces grandes
lignes sont à considérer comme le fondement
même de la Constitution. Elles décrivent une
approche intégrée du développement durable, conforme à la conception nationale et
internationale actuelle, notamment de l'ONU.
Développement urbain durable

Prenons l’exemple de l’ODD 11: « Faire en
sorte que les villes et les établissements humains soient ouverts à tous, sûrs, résilients et
durables ». Cette thématique est reprise dans
divers paragraphes de la Constitution cantonale. Aujourd’hui déjà, le canton s’efforce
d’atteindre cet objectif par plusieurs mesures: apprentissage de l’allemand pour les
enfants de trois ans issus de familles migrantes, stratégie du logement, conception
des transports axée sur le développement

durable et possibilités de participation au
développement de son quartier.
Le set d’indicateurs de développement durable est actuellement en cours de révision.
Cette mise à jour permettra d’avoir, dès la
phase d’analyse précédant la préparation
du programme de législature, une vue d’ensemble complète des progrès accomplis en
matière de développement durable. L'élaboration du programme cantonal de législature 2017– 2021 sera l’occasion de prioriser
les objectifs de l’Agenda 2030 qui devra être
mis en oeuvre dans le canton de Bâle-Ville
ces quatre prochaines années. Le canton honore ainsi son mandat constitutionnel, tout
en contribuant à la concrétisation des objectifs de l’ONU au niveau local.
—			
(traduction)
www.entwicklung.bs.ch/nachhaltigkeit

Concept structurant de la Constitution

La responsabilité de la mise en oeuvre des objectifs de développement durable est définie
au paragraphe 15 de la Constitution du canton de Bâle-Ville intitulé: « Grandes lignes de
l’action de l’Etat »: « Lors de l’accomplissement de ses tâches, l’Etat tient compte des
besoins et du bien-être de la population. [...]
Il agit en faveur de la protection des bases
naturelles de la vie et d’un développement
durable. [...] Il veille à l’égalité des chances
et encourage la diversité culturelle, l’intégration, l’égalité et l’épanouissement économique. »
Ce développement doit s’accomplir sans
compromettre les besoins et les capacités
des générations futures. Les domaines énoncés au paragraphe 15 ont pour objectif le

BARBARA ALDER, *1967, dirige l’Office des études de base et stratégies de

développement urbain et cantonal au Département de la présidence du canton
de Bâle-Ville. Cet office apporte un soutien au gouvernement dans l’élaboration
de son programme de législature et traite, à l’intention du Conseil d’Etat, du
public et de l’administration, un grand nombre de thématiques transversales
importantes pour le développement durable, dans le cadre de collaborations
avec d’autres départements.

CATHERINE HEINZER ULUSOY, *1970, est cheffe de projets à l’Office des études

de base et stratégies de développement urbain et cantonal. Elle travaille en
tant que scientifique spécialiste de l’environnement au sein d’une équipe
interdisciplinaire dans le domaine du développement urbain durable, et
notamment sur les questions d’environnement, de mobilité et d'urbanisme.

forum du développement territorial 01 / 2016 — Cantons

57

CantonS

Trois questions

BERNE

FRIBoURG

Le canton de Berne encourage directement et
indirectement le développement durable, à un
niveau stratégique et dans le cadre de ses politiques sectorielles, et plus particulièrement de
ses politiques en matière d’énergie, de formation, d’économie et d’organisation du territoire.
Pour la troisième fois consécutive, le thème du
développement durable se trouve au centre du
« Programme gouvernemental de législature
2015 – 2018 ». A noter également une particularité bernoise: un programme cantonal d’encouragement du développement durable dans
les communes.

Le développement durable est ancré dans la
Constitution fribourgeoise depuis 2004 et intégré dans le programme gouvernemental de
législature depuis 2007. La stratégie Développement durable de 2011 du canton de Fribourg contient une vingtaine d’actions. L’évaluation de la durabilité est appliquée à de
nombreux projets de lois et décrets, par ailleurs un monitoring bisannuel ainsi qu’un rapport annuel de mise en œuvre sont prévus.

Les ODD sont très abstraits et universels,
mais ils ne sont pas exempts de contradictions. Par ailleurs, les ressources humaines,
financières et légales au niveau cantonal sont
limitées. Le défi consiste à fixer des priorités qui soient bien acceptées politiquement.
L’expérience montre que cela est plus facile
à réaliser au niveau local et cantonal, c’està-dire lorsqu’on reste proche de la population et qu’on agit avec elle, et plus difficile à
un échelon supérieur, plus politisé.

La stratégie de la Confédération représente
un cadre de référence très important. L’objectif est maintenant de clarifier les conséquences concrètes de la stratégie fédérale
pour les cantons et de renforcer la collaboration aussi bien avec la Confédération qu’avec
les autres cantons.

Dans le Programme gouvernemental 2015–
2018, le canton a défini neuf axes prioritaires
qui couvrent les trois dimensions du développement durable et présentent certaines analogies avec les champs d’action de la Stratégie pour le développement durable de la
Confédération. Les offices cantonaux compétents détermineront s’il est nécessaire de
fixer d'autres priorités en complément.
—			
(traduction)

Le canton de Fribourg poursuit la mise en
œuvre de sa stratégie Développement durable, dont différentes actions sont congruentes aux actions de la stratégie fédérale.
Il s’agit entre autres de renforcer la durabilité des achats publics de fournitures et de
construction, de développer des plans de mobilité pour les employé-e-s et d’intégrer l’aspect santé dans différents projets de l’administration.
—

La Stratégie pour le développement durable doit être mise en œuvre aux trois
niveaux institutionnels. Nous avons demandé à cinq responsables cantonaux du
développement durable comment leur
canton entendait relever ce défi.
question 1
Que fait votre canton en matière de développement durable? Quels sont les instruments utilisés et les résultats obtenus?

question 2
Quels défis les cantons doivent-ils relever
dans la mise en œuvre de la Stratégie pour
le développement durable?

question 3
Sur quelle thématique votre canton comptet-il dorénavant mettre l’accent?

Ueli Stalder,

Manon Delisle,

chef de la section Environ-

Responsable développe-

nement et développement

ment durable

durable (UNE) du canton
de Berne

58

forum du développement territorial 01 / 2016 — Cantons

Genève

SAINT-GALL

Argovie

En 2001, le canton de Genève s'est doté
d'une loi sur l'action publique en vue d'un développement durable. C'est dans ce contexte
que le programme d'actions de l'Agenda 21
est mis en œuvre. Il se traduit notamment par
l'accompagnement, la mise en réseau, le soutien et la mise à disposition d'outils pratiques
à l'intention des entreprises, des collectivités
du canton et de la société civile.

Le canton de Saint-Gall accorde une importance particulière à l’intégration du développement durable dans les cycles de planification et de gestion. L’instrument d’évaluation
de la durabilité nawi.sg.ch permet d'appliquer cette approche intégrée et intersectorielle dans des projets concrets.

Un rapport présenté tous les quatre ans fait
un état des lieux de la durabilité dans une
trentaine de domaines, pointe les lacunes et
indique les actions à entreprendre. Ce rapport constitue la base du concept de développement du gouvernement (Entwicklungsleitbild). L’organisation d’une pause-déjeuner
Durabilité (Nachhaltigkeit zum Zmittag), ouverte au personnel de l’administration cantonale, favorise la compréhension des enjeux
de la durabilité.

Dans le contexte économique actuel, une des
principales difficultés consiste à concilier les
échelles de temps entre la réalité politique
(court terme) et les impacts positifs, pas toujours quantifiables, générés par la mise en
œuvre d'une stratégie de développement durable (moyen/long terme). Cette stratégie représente par ailleurs une formidable opportunité de relever les défis actuels de notre
société.

Avec leurs 17 objectifs et 169 cibles, les ODD
couvrent des domaines d’action très vastes
et complexes. La concrétisation de ces objectifs globaux au niveau local est une tâche
exigeante. Le défi principal sera, à mon avis,
de communiquer de manière claire et concise
les nombreuses informations qui permettent
de comprendre cette problématique.

Le défi essentiel est de parvenir à sensibiliser la population à l’Agenda 2030 pour donner suite aux discussions des experts et des
chefs d’Etat. Par ailleurs, nous devons trouver
de nouvelles formes de collaboration entre
les cantons et les communes pour que leurs
activités contribuent à la réalisation des ODD.

Parmi les thématiques actuellement prioritaires, on peut citer les trois exemples suivants : l'encouragement à la mise en œuvre
de politiques d'achats professionnels responsables, l'élaboration et la mise en œuvre de
mesures permettant d'atteindre les objectifs
fixés dans la stratégie climatique cantonale
et finalement l'évaluation des projets législatifs sous l'angle du développement durable.
—

Après le renouvellement du gouvernement du
canton de Saint-Gall, la réactualisation de la
planification stratégique est à l’ordre du jour.
Celle-ci définira les priorités pour ces prochaines années. Le développement durable,
en tant que principe de fonctionnement, y
occupera une place très importante.
—		
	
(traduction)

Le Conseil d’Etat a défini les nouvelles priorités dans le concept cantonal de développement (Entwicklungsleitbild 2017–2021). Il est
toutefois essentiel d’associer les communes
au processus de développement durable.
C’est le seul moyen de faire partager les objectifs de durabilité et d’atteindre les objectifs ambitieux définis dans l’Agenda 2030.
—			
(traduction)

Rémy Zinder,

Karin Inauen,

Norbert Kräuchi,

directeur du service

coordinatrice pour le

chef de la section Paysage

cantonal du développe-

développement durable

et Eaux du canton d’Argovie

ment durable (Départe-

et responsable du dévelop-

ment présidentiel)

pement durable

remy.zinder@etat.ge.ch

forum du développement territorial 01 / 2016 — Cantons

59

ETRANGER

Finlande: mise en
œuvre de l’Agenda
2030 par la société
civile

Annika Lindblom

annika.lindblom@ymparisto.fi

60

forum du développement territorial 01 / 2016 — Etranger

L’engagement de la société civile en faveur du développement durable est une
innovation sociale de la Finlande visant
à mettre l’Agenda 2030 à l’ordre du jour
de la société, de l’administration et des
milieux politiques. Le but est d'intégrer
dans le quotidien de chacun, de manière
simple, efficace et globale, des mesures
favorisant le développement durable.

La Finlande encourage depuis longtemps le
développement durable. C'est devenu une
tradition: notre pays s’est toujours efforcé
de suivre une approche participative du bas
vers le haut. Il a développé un esprit de dialogue et d’apprentissage mutuel qui facilite
la recherche de stratégies communes, la cohésion sociale et les solutions innovantes.
Depuis plus de vingt ans, par ailleurs, le Premier ministre est le chef de file de la politique nationale de développement durable.
La Finlande semble donc prête à donner
suite de manière exemplaire aux engagements internationaux qu’elle a pris en adoptant l’Agenda 2030 pour le développement
durable. Cependant, vu l’ampleur de son
plan d’action, les transformations qu’il implique et sa dimension intégrative, l’Agenda 2030 demande d'améliorer la cohérence
des politiques, de développer de nouvelles
coopérations, mais aussi d'adapter les lignes
directrices aux besoins de la population.
Certaines mesures s’imposent donc naturellement pour s’adapter aux circonstances.
Le Premier ministre pilote le processus
participatif

La mise en œuvre de l’Agenda 2030 au niveau intérieur incombe au gouvernement
finlandais, qui s’est engagé à établir un plan
de concrétisation d’ici fin 2016. Le cabinet
du Premier ministre planifie et coordonne la
mise en œuvre au niveau national. Les me-

sures clés comprennent des stratégies et
des actions en mode coordonné, qui doivent
être matérialisées dans les diverses politiques publiques sectorielles. La principale
tâche est d'adapter toutes les lignes directrices gouvernementales aux principes de
l’Agenda 2030.
Cependant, le gouvernement n’entend pas
s’acquitter de cette tâche tout seul. De notre
point de vue, l’Etat n’a pas le monopole du
développement durable et ne doit pas décider seul de l'interprétation de cette notion
par les divers groupes d’intérêts. Nous pouvons, certes, émettre des suggestions pour
encourager une vision commune et définir
des objectifs stratégiques, mais seule une
approche participative permettra à la société civile dans son ensemble de s'approprier
la problématique et de prendre ses responsabilités. Il est donc nécessaire que tous les
acteurs intéressés participent à cette mission nationale.

forum du développement territorial 01 / 2016 — Étranger

En Finlande, le « Society’s Commitment to
Sustainable Development » (l’engagement
de la société civile finlandaise en faveur du
développement durable) est par conséquent
une mesure de mise en œuvre libre et volontaire de grande importance. Le Premier ministre pilote la promotion de ce processus,
qu’il intègre aux efforts de la nation visant à
réaliser les objectifs et stratégies de l’Agenda 2030 sur son sol.
« Laissez-nous inventer notre avenir »

L’engagement de la société civile en faveur
du développement durable a pris naissance
en 2013 lors de la campagne « La Finlande
que nous souhaitons en 2050 ». Cet engagement est marqué par le nouveau cadre de
référence de la Finlande en matière de durabilité. Notre pays s’est doté d’une nouvelle
Stratégie pour le développement durable.
Ce document ne va pas être schubladisé. Il
comporte une vision, des principes et huit

61

objectifs. Conjugués à un instrument spécifique favorisant les partenariats, ces objectifs contribuent à renforcer la structure participative ainsi que l’efficacité des actions
entreprises par la société.
L’engagement de la société civile est une
innovation sociale permettant d'inscrire le
développement durable dans la vie quotidienne. Son succès dépend de la collaboration entre différents acteurs non étatiques
déployant des efforts convergents.
La manière de procéder des organisations intéressées est très simple:
> décider de se joindre à l’initiative, c’est-àdire s’engager à œuvrer pour l’un ou plusieurs
des huit objectifs stratégiques et proposer
quelque chose de véritablement nouveau;
> consigner par écrit les termes de l’engagement, notamment le calendrier et les objectifs et indicateurs, dans une banque de données accessible au public;
> s’engager effectivement dans une action,
raconter « son » histoire à un public élargi et
inviter les autres à rejoindre le « Society’s
Commitment ».

Fin 2015, 220 organisations (entreprises, ministères, écoles, collectivités publiques et
associations, mais aussi particuliers) avaient
rejoint le mouvement du « Society’s Commitment » et traduit leur engagement personnel
en actes. Les organisations ayant franchi ce
pas ont déclaré que le « Society’s Commitment » leur avait donné l’inspiration nécessaire pour voir les choses autrement. Cela
a eu pour effet d’augmenter l’efficacité des
ressources, de procurer des avantages promotionnels, de constituer une nouvelle clientèle, de motiver les participants et de créer
par ailleurs de nouveaux réseaux de partenariats.
Le « Society’s Commitment » a été évalué à la
lumière de l’Agenda 2030. Selon les résultats

de cet examen, l’engagement de la société
civile correspond assez exactement aux visions, principes, objectifs et cibles de l’Agenda
2030. Dans un souci de transparence et de perfectionnement toutefois, nous réexaminerons et réactualiserons le « Society’s Commitment » pour améliorer sa concordance avec
l’Agenda 2030.

62

forum du développement territorial 01 / 2016 — Étranger

Un forum pour des changements efficaces

Renouveler les instruments et lignes directrices signifie inventer de nouveaux mécanismes de pilotage des processus. La Commission finlandaise pour le développement
durable est un forum actif depuis vingttrois ans, que dirige le Premier ministre.

de la mise en œuvre de l’Agenda 2030 en
Finlande. Elle est également chargée
d’encourager, de surveiller et d’évaluer l’engagement du « Society’s
Commitment », ainsi que de diffuser toutes les informations
sur les prestations fournies.
Le Premier ministre dirigera les travaux de cette
instance et veillera à ce
que ses 50 membres
fassent des avancées
déterminantes dès les
premières années du cycle de mise en œuvre de
l’Agenda 2030.
En plus des mesures organisationnelles déjà en place, les
autorités finlandaises veulent renouveler les méthodes de travail et
renforcer la communication. Cela vaut
également pour les échanges avec le Parlement, les divers représentants de groupements d’intérêts et les citoyennes et citoyens.
L’expérience montre que la promotion
du développement durable repose sur la
confiance réciproque et le dialogue continu.
Les objectifs communs sont ambitieux, mais
la participation doit rester la plus simple
possible. C’est le seul moyen de s’assurer
que tous les acteurs de la société civile se
sentent, eux aussi, coresponsables de leurs
actions.
—			
(traduction)
Elle réunit plus de 50 membres issus de
tous les secteurs de la société. Le 16 février 2016, son mandat a été prorogé pour
quatre ans dans le but de mieux intégrer le
développement durable dans les politiques,
les mesures et les activités quotidiennes.
Cette instance joue un rôle déterminant car
elle examine et suit l’état d'avancement

ANNIKA LINDBLOM, *1969, est la secrétaire générale

de la Commission nationale finlandaise pour le
développement durable et directrice du Département
international du développement durable du Ministère
de l’environnement. Elle prépare et coordonne les
lignes directrices et stratégies nationales pour
le développement durable depuis plus de dix ans.
Elle fait partie du groupe qui a lancé l’initiative
« Society’s Commitment to Sustainable Development » en Finlande.
En tant que membre de la délégation finlandaise, elle a par ailleurs participé aux négociations internationales sur l’Agenda 2030. Elle est actuellement chargée de définir des mesures qui concrétiseront dans son pays
les objectifs adoptés à l’échelle mondiale.

forum du développement territorial 01 / 2016 — Étranger

63

REPORTAGE

« Nous sommes
ouverts à la nouveauté »
Stefanie Pfändler

s.pfaendler@gmail.com

64

forum du développement territorial 01 / 2016 — Reportage

La maison Jost, dans l’Oberland bernois, est
une imprimerie pionnière dans le domaine
de la durabilité. Cette PME a pris son virage
écologique de façon pragmatique. Visite
sur les bords du lac de Thoune.

Situé à Hünibach, sur la Riviera du lac de
Thoune, un bâtiment discret de deux étages:
la Jost Druck AG. La sobre façade extérieure,
de couleur grise, arbore un simple logo souligné d’une fine bande de couleur, seul indice
permettant d’identifier l’activité de cette PME.
On accède aux lumineux locaux de cette entreprise traditionnelle par une allée incurvée,
ombragée d’un palmier. Le directeur, Beat Hodler – également l’un des quatre copropriétaires – nous attend à l’intérieur. Vêtu d’un
jeans et d’une chemise sportive, il nous accueille dans un bureau à l’agencement fonctionnel. Une fois n’est pas coutume, l’étage

de la direction se trouve au rez-de-chaussée.
L’imprimerie Jost est une PME typiquement
suisse, avec ses 25 postes à plein temps, répartis entre 35 collaboratrices et collaborateurs et ses quatre copropriétaires, qui travaillent tous dans l’entreprise. Imprimerie
fondée il y a 95 ans par Ernst Jost à Ober-

diessbach, dans l’Emmental, elle est toujours
parvenue à rester à la pointe de l’évolution
technologique. Elle mise sur l’innovation et la
qualité, la proximité avec la clientèle et l’offre de produits sur mesure. Beat Hodler n’en
fait pas mystère; la situation de son entreprise est excellente: loin de la concurrence
européenne qui fait chuter les prix, à l’abri
des majestueuses Alpes bernoises, elle satisfait un segment de clientèle qui préfère payer
un peu plus cher pour bénéficier d’un service
de qualité et d’un conseil pro et compétent
plutôt que de se précipiter sur les offres bon
marché de l’internet.

forum du développement territorial 01 / 2016 — Reportage

De la typographie à la technique d’impression offset

La vie de l’entreprise n’est toutefois pas un
long fleuve tranquille. Le secteur a subi de
profondes mutations en un court laps de
temps. « Avec les procédés de production
numérique, explique Beat Hodler, typographe
de formation, le métier que j’ai appris au départ n’est plus d’aucune utilité. Aujourd’hui,
il nous faut des polygraphes et plus de typographes. » Les anciens relieurs sont devenus des opérateurs de produits imprimés
par des procédés numériques et offset. Les
grandes imprimeries suisses investissent en
permanence, souvent lourdement, dans les
techniques les plus modernes. Pour une petite PME, cette lutte permanente contre l’obsolescence n’est pas sans risques. L’entreprise dépend très fortement de l’acquisition
de technologies coûteuses. La prise de
risque est importante car on mise parfois sur
une tendance qui ne se confirme pas et on
se retrouve sur la touche. « Il ne faut toutefois jamais cesser de se développer; il faut
rester ouverts à la nouveauté », explique
Beat Hodler.
Il y a huit ans, cette ouverture d'esprit a incité
les responsables de l’imprimerie Jost à ne pas
se contenter de remplacer ses machines et
équipements, mais à se lancer dans un projet
de gestion énergétique globale, avant-gardiste pour la Suisse. Les plans étaient déjà
prêts, les nouvelles machines devaient être
installées sur le toit, dans une sorte de
­surélévation à l'allure de garage. « Les machines produisent beaucoup de chaleur qu’il
faut donc évacuer vers l’extérieur », explique
Beat Hodler en faisant allusion à ses réflexions d’alors. « A l’intérieur, il faisait toujours très chaud. Et lorsque le temps était
orageux, les encres d’impression devenaient
trop liquides vers le soir, et l’alimentation papier ne fonctionnait pas bien. Peu avant le
début des travaux, nous avons eu un entretien avec Viktor Hugi de la S.A.R.L. Hugi En-

65

La cave et son secret: les rejets de chaleur se transforment en ressource grâce à un système

Apprentie-technologue en impression sous la

de gestion énergétique.

surveillance de son maître d’apprentissage.

gineering. C’était pour régler les derniers détails, mais il a réussi à nous convaincre, moi
et mes collègues, de revoir entièrement le
projet: il ne fallait pas évacuer la chaleur par
le haut, bien au contraire! L’idée était désormais de capter cette chaleur et d’en faire un
bon usage. »

La tradition d’ouverture de la maison a fait
le reste. Une bonne dose de courage et de
clairvoyance a suffi pour affiner le concept.
Cela n’était pas simple car le système proposé n’existait encore nulle part; il devait être
développé. Il y avait donc une part de risque,
mais tout le monde a persévéré. Aujourd’hui,

les trois machines offset et leurs périphériques sont couplées à un récupérateur de
chaleur: une installation centrale pour la production d’eau chaude, la climatisation et le
refroidissement des rotatives a été installée
à la cave. La pièce maîtresse du système est
un échangeur de chaleur. Ainsi, dès que la
température extérieure baisse, il n’est plus
nécessaire de chauffer au mazout, les rejets
thermiques des équipements s’en chargent.
Ces machines ne se contentent pas d’imprimer et de chauffer: en été, lorsqu’il fait
très chaud, elles servent à la climatisation.
En effet, l’échangeur de chaleur est capable
de transformer les rejets de chaleur en air
frais. La température des ateliers de travail
reste agréable, sans qu’il soit nécessaire de

66

forum du développement territorial 01 / 2016 — Reportage

L'imprimante devient chaudière

consommer une autre source d’énergie pour
assurer la climatisation.
Dès 2010, soit deux ans plus tard, l’ancienne
chaudière à mazout a été supprimée. Depuis,
les rejets de chaleur de l’imprimerie servent
aussi à chauffer et produire l’eau chaude de
l’immeuble d’habitation voisin, et tout cela
sans consommation de combustibles fossiles. « Ce modèle fonctionne à merveille »,
s’exclame Beat Hodler. Par ailleurs, l’installation de refroidissement a un rendement augmenté de 30 %; les coûts d’exploitation ainsi que les frais de chauffage ont été divisés
par deux. La température ambiante dans les
ateliers s’est considérablement stabilisée, ce
qui est un plus pour la qualité d’impression,
mais aussi pour le bien-être des employés.

Engagement et vision à long terme

Entre-temps, deux autres imprimeries suisses se sont également mises à utiliser ce
système, qui leur procure satisfaction. Une
telle reconversion est toutefois tout sauf évidente. Récemment, un concurrent important
de la région s’est intéressé au système. Or,
le prix du pétrole est très bas en ce moment
et l’investissement à consentir reste élevé.
« Lorsque les conseils d’administration attendent chaque année des bénéfices plus élevés,
on ne pense plus qu’au court terme », estime Beat Hodler. « Dans l’imprimerie Jost par
contre, les décideurs s’identifient à l’entreprise. Nous sommes prêts à investir, mettons
beaucoup d’énergie dans l’entreprise et surtout, nous réfléchissons sur le long terme. »
Beat Hodler n’est pas un écolo à proprement
parler. Il roule en voiture et à moto, mais il
estime qu’il faut baisser les émissions de CO2
partout où cela en vaut la peine. « Lorsque
nous avons commencé à étudier ce sujet de
plus près, nous y avons pris goût. Nous avons
remarqué tout ce que nous pouvions en ti-

rer, tout en agissant en faveur de l’environnement. L’entreprise se fournit à 100 % en
courant écologique, ce qui est logique par
rapport à l’ensemble de la démarche », dit-il.
Le processus d’impression a été optimisé
sur le plan écologique et utilise aujourd’hui
un quart de produits chimiques et d'agents
mouillants en moins. De plus, l’imprimerie
Jost est certifiée FSC.
Durabilité pragmatique

Selon Beat Hodler, la clientèle apprécie
l’approche écologique de son entreprise.
Même si, pour beaucoup de gens, la durabilité n'est pas un critère d'achat en soi, elle
lui a attiré de nouveaux clients. A l’imprimerie Jost, il est ainsi possible de commander
une impression neutre pour le climat, et de
compenser les faibles émissions de CO2 par
un investissement dans un projet en Suisse
centrale. Pour Beat Hodler, ce qui est beaucoup plus important que l'achat de droits de
polluer, c’est la nécessité d’agir sur place de
manière cohérente. L’engagement environnemental n'est pas suffisant; il faut également créer un climat de travail agréable pour
les employés. Dans cette imprimerie, engagement social rime par exemple avec proposition d'emploi à une personne âgée de plus
de 55 ans qui se trouve subitement sans travail, ou encore, pour éviter les licenciements,
avec le maintien de la semaine de quarante
heures, même si la convention collective de
travail autorise la semaine de quarante-deux
heures.
La durabilité est quelque chose de très pragmatique aux yeux de Beat Hodler. « Lorsqu’on s’engage pour son entreprise et ses
employés, on pense automatiquement long
terme. En matière de durabilité, chacun doit
agir là où il peut avoir une influence directe.
C’est ce qu’a fait l’imprimerie Jost. »
—			
(traduction)
Le Forum du développement territorial est imprimé par l’entreprise Jost Druck AG.

La fabrication de plaques pour l’impression
se fait sans produits chimiques.

STEFANIE PFÄNDLER, *1985, a étudié les sciences

politiques et les sciences de l’environnement puis
a travaillé en tant que collaboratrice scientifique
au sein de la section du développement durable
de l’ARE. Depuis 2015, elle travaille au service de
l’aménagement du territoire et de la planification
des transports de la ville de Dübendorf.

forum du développement territorial 01 / 2016 — Reportage

67

POINT DE VUE

Habitat et travail:
un équilibre à trouver

PAUL SCHNEEBERGER, *1968, est historien. Rédacteur

pour la rubrique nationale de la Neue Zürcher
Zeitung (NZZ), il écrit notamment sur des questions
de développement territorial. Il publie également
des articles sur ce sujet en dehors de la NZZ.
paul.schneeberger@nzz.ch

La durabilité est une notion très vaste et le champ qu’elle
couvre, immense. Elle nécessite de réfléchir et d'agir de manière intégrée. Trop souvent, à notre époque de complexité
croissante et d’hyperspécialisation, nous poursuivons nos objectifs personnels et perdons toute vue d’ensemble. Il en va de
même pour le développement territorial. Certes, la répartition
rigoureuse des diverses compétences aux différents niveaux
constitutionnels, qui marque notre système fédéraliste, ne facilite pas les processus intégrés de réflexion et d’action; elle
appelle une coordination. C'est le cas par exemple pour l’urbanisation et les transports dans les projets d’agglomération. Il
reste néanmoins d’importantes lacunes de coordination. Ainsi,
les grandes villes se sont développées sans tenir compte des
réseaux nationaux de transport que la Confédération planifiait
et construisait.
Qui a remarqué que la ville de Zurich avait résolument participé
au projet d’extension du réseau ferroviaire, lequel a abouti à la
réalisation de la ligne diamétrale Altstetten-Gare centrale-Oerlikon? Qui s’est demandé si cette même ville avait vraiment
étudié la question de l’opportunité de renforcer encore davantage la position de la gare centrale de Zurich, en tant que plus
gros hub ferroviaire de Suisse? ou si une décentralisation de
ces nouveaux équipements n’aurait pas favorisé une meilleure
répartition à l’intérieur de la ville? ou encore si les secteurs
urbains en plein développement n'auraient pas mieux profité
de la réalisation d’une tangente directe entre les gares secondaires d’Altstetten et d’Oerlikon, qui aurait évité le détour par
la gare centrale?
Ironie de l’histoire, la nouvelle ligne diamétrale, qui passe par
la gare centrale, suit plus ou moins le tracé du projet de métro
zurichois, qui avait échoué dans les années septante. Simplement, les trains qui circulent sur cet axe ne vont plus de Dietikon à Kloten, mais de Genève à Saint-Gall. Ainsi, la nouvelle
ligne contribue certes à la cohésion nationale, mais rallonge le
trajet des pendulaires. La ligne diamétrale (et déjà avant elle, le
RER et l’autoroute) va, elle aussi, favoriser l'extension de la ville
à la campagne.

68

Il est intéressant de se prêter au jeu d’imaginer à quoi l’agglomération de Zurich ressemblerait si les opposants d’alors au
RER avaient échoué. Zurich et ses faubourgs directs seraient-ils
devenus la grande ville dense dont les opposants à ce système
de transport agitaient le spectre? A quoi ressembleraient aujourd’hui le canton de Zurich et les territoires adjacents? Le
principe de l’urbanisation vers l’intérieur ne serait-il pas mieux
appliqué?
Les réponses à ces questions restent des suppositions. Le fait
est qu’en Suisse, nos lieux d’habitat et de travail sont plus que
jamais éclatés. Le défi, aujourd’hui, est d’éviter d’accentuer encore davantage ces déséquilibres, notamment le décalage entre
croissance démographique locale et emplois. Un coup d’œil aux
statistiques nationales, cantonales ou urbaines montre que la
population habitant en périphérie des espaces métropolitains en Argovie, en Thurgovie, à Fribourg, dans le canton de Vaud et
dans le Bas-Valais – croît de manière exponentielle.
Par contre, les villes et les communes des centres des agglomérations affichent les plus fortes augmentations d’emplois.
Les cantons prévoient, certes, dans leurs nouveaux plans directeurs, d’attirer beaucoup d'habitants dans les territoires
urbains. Mais les villes et les communes des centres des agglomérations pourraient aussi se fixer comme objectif, pour
contrer le mitage du territoire, de faire croître les emplois et
la population de manière équilibrée à l’intérieur de leurs frontières. Cela permettrait d’éviter une nouvelle augmentation des
flux pendulaires.
Aussi ambitieux et exigeant que puisse paraître un tel objectif
en matière de densification vers l’intérieur, il serait l’expression
d’un mode de réflexion et d’action en partenariat, et d’une volonté de restaurer un équilibre perdu.
—					
(traduction)

forum du développement territorial 01 / 2016 — Point de vue

LE MONDE EN CHIFFRES

800 millions de personnes n’ont
pas d’accès à l’eau potable. Le produit
intérieur brut (corrigé des variations du
pouvoir d’achat) du pays le plus pauvre
(République centrafricaine) est

fois 

182,3

inférieur à celui du pays le plus

riche (Qatar).

Dix millions

d’hectares de terres fertiles disparaissent chaque année dans le monde.

69

70

EDITORIALE

Nel settembre del 2015, la Comunità internazionale ha adottato a Nuova York l’Agen-

«Agenda 2030:

da 2030 per uno sviluppo sostenibile con 17 obiettivi globali (Sustainable Develop-

le generazioni future

ment Goals, SDG). Nella sua elaborazione, la Svizzera ha svolto un importante ruolo di

giudicheranno il nostro
impegno»

mediazione ed ha potuto validamente apportare il proprio contributo in sede di negoziati attingendo a una pluriennale esperienza nel settore dello sviluppo sostenibile.
Con l’Agenda 2030, tutti i Paesi sono chiamati a impegnarsi con il proprio agire per il
raggiungimento effettivo degli ambiziosi obiettivi.
Il Consiglio federale attribuisce grande importanza all’Agenda 2030. Di conseguenza,
nell’elaborazione della Strategia per uno sviluppo sostenibile 2016–2019, adottata il
27 gennaio 2016 nell’ambito del messaggio relativo al programma di legislatura, ha
già tenuto conto dei suoi intenti nei settori tematici rilevanti per la Svizzera. Con la
sua Strategia, il Consiglio federale illustra con quali misure di politica interna ed estera intende contribuire durante il prossimo quadriennio al raggiungimento degli Obiettivi globali dello sviluppo sostenibile. Nell’ottica dell’Agenda 2030, la politica svizzera
in materia di sostenibilità appare in alcuni settori già relativamente progredita, in altri

Stephan Scheidegger

direttore supplente ARE
stephan.scheidegger@are.admin.ch

invece sussiste ancora necessità d’intervento. Non sarà però necessario un radicale
riorientamento della nostra politica di sostenibilità.
L’attuazione dell’Agenda 2030 rappresenta una sfida per i tre livelli statali. La Confederazione, i Cantoni e i Comuni sono tenuti in eguale misura a considerare nell’adempimento dei loro compiti anche agli Obiettivi globali della sostenibilità. Solo così sarà
possibile creare le premesse affinché anche le generazioni future possano soddisfare
in modo ottimale le loro necessità.
In vista dell’attuazione dell’Agenda 2030 ci sono ancora diverse questioni da chiarire,
ad esempio in relazione al resoconto sullo stato e sulle misurazioni del raggiungimento degli obiettivi. Sarà anche necessario disciplinare la gestione dei conflitti di
obiettivi tra politiche settoriali.
L’Agenda 2030 è un grande impegno, ma rappresenta anche un’opportunità. Cerchiamo di coglierla, perché le generazioni future ci giudicheranno in base alla nostra capacità di raggiungere gli obiettivi stabiliti. 				

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Editoriale

(traduzione)

71

ARTICOLO DI FONDO

La Strategia per uno
sviluppo sostenibile
2016 – 2019 nel contesto internazionale

Daniel Dubas

daniel.dubas@are.admin.ch

72

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Articolo di fondo

All’inizio di quest’anno, il Consiglio federale ha adottato la nuova Strategia per uno
sviluppo sostenibile. In precedenza, la comunità internazionale ha potuto festeggiare un grande successo: dopo negoziati pluriennali, i capi di Stato e di Governo riuniti
hanno accolto, nel settembre 2015, l’Agenda 2030 per lo sviluppo sostenibile. Per la
Svizzera, la sfida consiste ora nel sintonizzare la Strategia federale per uno sviluppo
sostenibile all'Agenda internazionale e allo
stesso tempo stesso tempo coinvolgere
nel processo attori pubblici e privati.

All’inizio del 2016, il Consiglio federale ha
adottato nell’ambito del messaggio sul programma di legislatura, la nuova Strategia per
uno sviluppo sostenibile 2016 – 2019. La strategia, definita dal 1997 e ora aggiornata, ha
l’obiettivo di garantire una politica coerente
per lo sviluppo sostenibile della Svizzera. Essa
rappresenta innanzi tutto uno strumento per
la coordinazione delle attività della Confederazione e funge al contempo da quadro di riferimento per i molti altri attori. Lo sviluppo
sostenibile non è però inteso come una politica settoriale a sé stante, ma come un tema
trasversale da integrare in modo sistematico
nelle esistenti politiche settoriali.
Nella Strategia per uno sviluppo sostenibile, il
Consiglio federale definisce il quadro di orientamento politico in materia di sviluppo sostenibile. L’elemento centrale della Strategia è il
Piano di azione, prevalentemente orientato in
funzione della politica interna. Il Consiglio federale illustra però anche come intende promuovere lo sviluppo sostenibile a livello internazionale. Inoltre, descrive la funzione di
modello che la Confederazione assume nel
quadro delle proprie attività in quanto organizzazione. Infine, il Consiglio federale stabilisce le modalità di cooperazione con i Cantoni,
i Comuni, la società civile, il mondo economico e scientifico.

Un buon esempio è dato dal settore dell’edilizia sostenibile, presente dal 2008 nel Piano di azione della Strategia. In questo caso è
stato possibile, tramite un programma di lavoro, riunire i committenti privati e pubblici in
una rete per le costruzioni sostenibili e creare uno standard per la costruzione sostenibile nell’edilizia.

nibile sono stati definiti per i 9 campi di azione una visione a lungo termine e sfide a medio termine da raggiungere entro il 2030. A
partire da questi obiettivi si deducono le misure corrispondenti a livello federale.
L’ampiezza tematica del Piano di azione è
grande. Gli obiettivi e le misure sono articolati
nei seguenti campi di intervento:

Per la prima volta obiettivi globali di sostenibilità

L’Agenda 2030 adottata dalla comunità degli
Stati è un’importante pietra miliare per lo sviluppo sostenibile: con gli Obiettivi di sviluppo
sostenibile (Sustainable Development Goals,
SDG) sono stati definiti per la prima volta a livello globale obiettivi da raggiungere insieme entro il 2030. Tutti gli Stati del mondo,
da Nord a Sud, sono chiamati a realizzare gli
SDG nel quadro della loro politica interna ed
estera. L’Agenda 2030 non è vincolante a livello di diritto internazionale, ma per la Svizzera rappresenta un importante quadro di riferimento per la realizzazione.
Il nostro Paese ha stabilito lo sviluppo sostenibile come obiettivo vincolante a tutti i livelli statali nella sua Costituzione. La Strategia
per uno sviluppo sostenibile assume un significato di rilievo soprattutto nell’ambito della
politica interna. L’Agenda 2030 rappresenta
un importante quadro di riferimento per la
nuova Strategia. Già oggi molti postulati degli
SDG sono stabiliti in tematiche centrali della
Strategia per uno sviluppo sostenibile.
Un piano di azione con obiettivi fino al 2030

Il Consiglio federale mira ad integrare i principi dello sviluppo sostenibile in tutte le politiche settoriali della Confederazione considerando in modo equivalente le tre dimensioni
della capacità economica, della solidarietà
sociale e della responsabilità ecologica e riducendo al minimo i conflitti tra gli obiettivi.
Nella nuova Strategia per uno sviluppo soste-

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Articolo di fondo

1	 Consumo e produzione
2	 Sviluppo degli insediamenti, mobilità
	 e infrastruttura
3	 Energia e clima
4	 Risorse naturali
5	 Sistemi economici e finanziari
6	 Formazione, ricerca e innovazione
7	 Sicurezza sociale
8	 Coesione sociale e pari opportunità
	 tra i sessi
9	Salute
L’attuazione delle misure è di pertinenza degli uffici competenti. L’Ufficio federale dello
sviluppo territoriale (ARE) è il servizio competente a livello federale per la politica della
sostenibilità. La sezione Sviluppo sostenibile
coordina la realizzazione e assicura il resoconto e lo sviluppo ulteriore della Strategia.
Coordinare la politica interna ed estera

A livello di attuazione dell’Agenda 2030 è
molto importante riuscire a coordinare la politica interna con la politica estera. Ad esempio va considerato che più di due terzi dell’inquinamento ambientale del consumo svizzero risultano all’estero e che l’assicurazione
del benessere economico e la politica di sicurezza dipendono fortemente da fattori di
politica estera.
A livello di politica estera la Strategia dà particolare rilievo alla cooperazione internazionale. Nei suoi Paesi partner, la Svizzera sostiene pertanto l’elaborazione e l’attuazione
di una politica possibilmente coerente in ma-

73

teria di sostenibilità, aiutando così gli Stati
meno sviluppati ad attuare a loro volta misure efficaci per il raggiungimento degli OSS e
a rendere misurabili i progressi. Il nostro Paese si impegna inoltre presso le organizzazioni internazionali per la definizione di politiche armonizzate e possibilmente congruenti.
Collaborazione con tutti gli attori

Lo sviluppo sostenibile può essere realizzato solo con la partecipazione di tutti gli attori
privati e pubblici. Per il successo della Strategia per uno sviluppo sostenibile è importante lo sviluppo e la realizzazione di misure a
tutti i livelli: dalla Confederazione ai Cantoni
fino ai Comuni, dalle imprese fino alle singole
persone. Di grande importanza in questo senso sono un comune consenso e obiettivi am-

74

piamente condivisi. In quest’ottica, gli obiettivi della Strategia come quadro d’attuazione
rappresentano una base d’intesa per una collaborazione costruttiva.
Per la realizzazione della Strategia si persegue quindi un’accresciuta collaborazione con
la società civile, l’economia e la scienza, nonché con i Cantoni e i Comuni (vedi riquadro).
In particolare, una collaborazione mirata con
i servizi cantonali competenti o i delegati alla
sostenibilità dovrebbe servire ad ancorare
l’Agenda 2030 a livello subnazionale e locale.
Numerose sfide future

Nel corso degli ultimi decenni, la Svizzera ha
realizzato molti obiettivi. Ad esempio, ha rafforzato progressivamente i sistemi di sicu-

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Articolo di fondo

rezza sociale e migliorato la qualità di aria e
acqua, mantenendo nondimeno ottime condizioni quadro per l’economia. Ciò nonostante il percorso verso uno sviluppo sostenibile è ancora lungo. Grandi sfide si presentano
ad esempio nei settori dell’invecchiamento
demografico, dell’integrazione di minoranze, del consumo sempre ancora elevato di
energie e risorse, dello sviluppo territoriale e
dei trasporti, del mutamento climatico, della
competitività della piazza finanziaria svizzera e della coesione sociale.
Nel quadro di una fase di transizione nel corso del prossimo biennio sarà necessario creare basi fondamentali ulteriori per la realizzazione dell’Agenda 2030 in Svizzera. L’ARE e
la Direzione dello sviluppo e della collaborazione (DSC) mirano ad implementare un pro-

DIALOGO 2030 PER LO SVILUPPO SOSTENIBILE
Lo sviluppo sostenibile richiede, oltre a una stretta collaborazione tra i tre livelli statali,
anche un solido partenariato con il settore privato, la società civile, le associazioni e
il mondo scientifico. Per assicurare la coordinazione, questi attori sono stati coinvolti
precocemente tramite il dialogo con gli stakeholder nel rinnovo della Strategia per uno
sviluppo sostenibile.

LA SETTIMANA EUROPEA PER
LO SVILUPPO SOSTENIBILE
La Settimana europea per lo sviluppo sostenibile

A questo processo sarà data continuità nell’ambito del «Dialogo 2030 per uno sviluppo
sostenibile» orientato sulla politica interna ed estera del Paese. Il Dialogo fornirà elementi
per valutare da una parte lo stato di realizzazione dell’Agenda 2030, la necessità d’intervento corrispondente per la Svizzera e quindi, su questa base, la definizione della Strategia per uno sviluppo sostenibile. D’altro canto, permetterà di rafforzare la collaborazione
per l’attuazione dello sviluppo sostenibile e consentirà un rendiconto completo in cui
anche gli attori esterni potranno esporre i loro contributi all’Agenda 2030.

(ESDW) si svolge annualmente dal 30 maggio al
5 giugno. Il suo obiettivo è stimolare attività che
promuovono lo sviluppo sostenibile e divulgare
presso il grande pubblico i 17 Obiettivi per lo
sviluppo sostenibile (SDG) recentemente adottati con l’Agenda 2030. Contemporaneamente, la
Settimana intende motivare anche le istituzioni,
le imprese e i Comuni a fornire un loro contributo.
Attori di organizzazioni non governative, dell’e-

cesso interno a livello federale basato sulle
strutture già esistenti.
In particolare, il gruppo di lavoro interdipartimentale corrispondente analizzerà qual'è la
posizione attuale della Svizzera in relazione
agli obiettivi SDG e dove vi è necessità di un
intervento ulteriore a livello delle varie politiche settoriali. Si dovranno inoltre definire le
modalità necessarie per integrare gli SDG nei
settori di competenza dei vari uffici federali
responsabili delle singole politiche settoriali.
Parallelamente è necessario ampliare il sistema di indicatori per il monitoraggio dello sviluppo sostenibile (MONET) in modo tale da
assicurare il resoconto nazionale ed internazionale con un onere possibilmente ridotto
in base al sistema esistente. Infine, va stabilito in quale forma debbano essere in futuro coinvolti nel lavoro della Confederazione
i soggetti interessati esterni e come rendere
conto dei loro sostanziali contributi al conseguimento degli SDG (vedi riquadro).

Sulla base di questi lavori, il Consiglio federale
deciderà all’inizio del 2018 le successive tappe d’attuazione a livello federale dell’Agenda 2030 e pubblicherà un primo rapporto nazionale all’attenzione delle Nazioni Unite.
Con l’adozione della Strategia per uno sviluppo sostenibile 2016 – 2019 il Consiglio federale ha compiuto molto presto nel raffronto internazionale un importante passo verso
la realizzazione dell’Agenda 2030. Il vero lavoro inizia adesso. Tutti gli attori in Svizzera
sono invitati a cogliere le opportunità e a fornire il loro contributo per il raggiungimento
degli obiettivi.
—			
(traduzione)

conomia privata e dell’ente pubblico nonché
singoli privati hanno organizzato nel 2016 numerose attività che coprono l’ampio spettro della
sostenibilità: dall’alimentazione sostenibile alla
salvaguardia della biodiversità nel settore della
gastronomia fino alle osservazioni in natura e a
workshop su temi come lo sviluppo di soluzioni
innovative in materia di sostenibilità e l’agroecologia. Le attività realizzate in Svizzera e nel resto
d’Europa sono elencate al sito www.esdw.ch.
Vale la pena pianificare fin d’ora le attività previste per il 2017. La sezione Sviluppo sostenibile
dell’ARE è l’interlocutore per la ESDW in Svizzera:

Ulteriori informazioni:

www.are.admin.ch/esdw

www.are.admin.ch/sss

DANIEL DUBAS, *1978, ha studiato politologia e

urbanistica. Dal 2013 dirige la sezione Sviluppo
sostenibile dell’ARE che coordina la politica dello
sviluppo sostenibile a livello federale.

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Articolo di fondo

75

INTERNAZIONALE

L’Agenda 2030:
un nuovo quadro di
riferimento globale
per lo sviluppo
sostenibile
Michael Gerber

michael.gerber@eda.admin.ch

76

A fine settembre del 2015, durante il vertice ONU di Nuova York, i capi di Stato e di
Governo hanno approvato l’Agenda 2030
per lo sviluppo sostenibile. L’Agenda è incentrata su 17 obiettivi universali per la
promozione di un’economia sostenibile,
della giustizia sociale e della protezione
dell’ambiente. Così come gli altri Paesi,
anche la Svizzera è esortata a fornire un
adeguato contributo al raggiungimento
di tali obiettivi di sviluppo sostenibile.

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Internazionale

Con l’approvazione dell’Agenda globale 2030
si apre una nuova era per lo sviluppo sostenibile. Per la prima volta nella Storia, tutti gli
Stati membri dell’ONU hanno convenuto il
perseguimento di 17 ambiziosi obiettivi della sostenibilità e hanno acconsentito alla verifica dei rispettivi contributi alla loro attuazione. I Sustainable Development Goals (SDG)
o Obiettivi globali di sviluppo sostenibile si
ispirano tra l’altro agli Obiettivi di sviluppo
del millennio (Millennium Development
­Goals, MDG) validi fino alla fine del 2015.

Dallo sviluppo allo sviluppo sostenibile

Il compito che la comunità internazionale si
era posta con i MDG al volgere del Millennio
non era dei più semplici: l’obiettivo principale
era di dimezzare entro 15 anni la quota della popolazione mondiale costretta a vivere in
povertà estrema con meno di 1,25 dollari al
giorno. I successi raggiunti nell’ambito dello sviluppo nel corso degli ultimi anni sono
considerevoli: rispetto al 1990, il numero delle persone che vivono in condizioni di estrema povertà è diminuito da circa metà a circa
un sesto della popolazione dei Paesi in via di
sviluppo. Dal 2000, più di due miliardi di persone hanno avuto accesso all’acqua potabile. Anche la mortalità materna e la mortalità
infantile sono state quasi dimezzate. Grazie
alle misure di prevenzione e cura della malaria è stato possibile salvare più di 6 milioni di vite umane.

Con la sua aspirazione all’universalità e la
sua integrazione equilibrata delle dimensioni sociale, economica e di politica ambientale dello sviluppo sostenibile, il nuovo quadro
di riferimento valido fino al 2030 dovrebbe
contribuire alla trasformazione auspicata. A
tal fine occorre un cambiamento di paradigma: il passaggio ad un nuovo quadro globale per lo sviluppo sostenibile per tutti i Paesi
richiede non solo un ampliamento tematico
e geografico ma anche urgentemente l’inclusione di nuovi approcci, strumenti e attori per l’attuazione e il finanziamento.
La Svizzera assume un ruolo guida

Fin dall’inizio dei negoziati internazionali, la
Svizzera si è impegnata per un’Agenda 2030
completa ed ambiziosa. Nell’ambito di un
ampio processo a livello nazionale che ha

coinvolto non solo la politica ma anche rappresentanti della società civile, dell’economia privata e della scienza, ha formulato nel
2013 la propria posizione in vista delle trattative nelle Nazioni Unite. In tale contesto ha
stabilito altresì priorità tematiche e si è impegnata in seguito in particolare per singoli obiettivi nei settori acqua, parità dei sessi, salute, pace e stato di diritto. Allo stesso
tempo la Svizzera ha ottenuto che tematiche come la prevenzione delle catastrofi, la
sostenibilità nel consumo e nella produzione
nonché migrazione e sviluppo fossero considerate in seno a diversi settori degli obiettivi
della nuova Agenda. Grazie al suo posizionamento precoce e sostanziale in seno al processo di negoziazione fra Stati, la Svizzera è
riuscita ad ottenere in ampia misura l’integrazione delle sue proposte nel documento
finale dell’Agenda 2030.

Nonostante questi successi resta molto da
fare perché diversi obiettivi non hanno potuto essere raggiunti entro il termine stabilito
a fine 2015. Non solo gli obiettivi di carattere sanitario ma anche quelli relativi all’educazione si sono rilevati troppo ambiziosi. Ad
esempio si è ottenuta la parità di genere all’iscrizione scolastica, ma il diritto a una formazione scolastica di base resta ancora precluso a molti bambini. La disuguaglianza sociale
tra i diversi Paesi e all’interno dei singoli Paesi è complessivamente accresciuta. Anche
nell’ambito della protezione dell’ambiente i
progressi hanno disatteso le aspettative.
L’attuale Agenda 2030 per lo sviluppo sostenibile non si basa però solo sugli insegnamenti dei MDG ma anche sulle esperienze del processo internazionale avviatosi con
il Vertice della Terra di Rio nel 1992. I nuovi obiettivi per lo sviluppo sostenibile rispecchiano così una sintesi dell’Agenda per lo
sviluppo del Millennio e dell’Agenda 21 sottoscritta a Rio nel 1992.

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Internazionale

77

lo sviluppo sostenibile. Parallelamente, le decisioni d’investimento dovranno considerare
maggiormente i criteri della sostenibilità e
dovranno essere impediti i flussi finanziari illeciti dai Paesi in via di sviluppo. Nel luglio
del 2015, ancor prima dell’approvazione
dell’Agenda 2030, la comunità internazionale
aveva raggiunto un’intesa su un nuovo quadro di riferimento per l’attuazione e il finanziamento dello sviluppo sostenibile, il Programma d’azione di Addis Abeba. Anche in
quest’occasione la Svizzera ha assunto un
ruolo attivo e costruttivo.
Attuazione di concerto con tutti gli attori

Naturalmente, il lavoro non finisce con l’approvazione di questi trattati quadro: il vero
impegno inizia adesso. Anche la Svizzera si
è assunta la responsabilità di attuare l’Agenda 2030. Il contributo svizzero per il raggiungimento degli obiettivi non si limita, come nel
caso degli MDG, alla cooperazione internazionale. Sono necessarie misure anche a livello
nazionale.

La Svizzera è stata uno dei primi Paesi a impegnarsi già nella fase iniziale per la creazione di un robusto meccanismo di monitoraggio e di verifica. Ha coordinato un’iniziativa
sovraregionale di 7 Paesi che è riuscita a convincere gli altri Paesi dell’importanza delle
misure di verifica.

solo in minima parte alle necessità d’investimento. Secondo una stima della Conferenza
delle Nazioni Unite sul commercio e lo sviluppo (UNCTAD), ogni anno servirebbero dai
5000 ai 7000 miliardi di dollari, mentre l’aiuto
pubblico allo sviluppo mondiale stagna attualmente attorno a circa 135 miliardi di dollari
l’anno.

Attuazione e finanziamento

Per raggiungere i 17 obiettivi dello sviluppo
sostenibile occorre, oltre ad un efficace meccanismo di verifica, anche una solida base di
finanziamento. Appare evidente che l’aiuto
allo sviluppo attuale è in grado di contribuire

Gli obiettivi sono quindi raggiungibili solo se
tutti gli attori, pubblici e privati, contribuiscono all’attuazione. Non sempre però occorrono più soldi. In futuro si dovrà intervenire
maggiormente anche sulle condizioni quadro per favorire gli investimenti privati nel-

Dopo l’approvazione dell’Agenda 2030, il
Consiglio federale ha agito rapidamente e già
nel dicembre del 2015 ha deciso prime misure. Gli sforzi della Svizzera per l’attuazione
dell’Agenda si orienteranno in base alla Strategia per uno sviluppo sostenibile 2016 – 2019
adottata dal Consiglio federale alla fine di
gennaio del 2016 e al Messaggio concernente
la cooperazione internazionale 2017 –  2020.
Già oggi è chiaro che la Confederazione non
sarà in grado di affrontare da sola questa fatica d’Ecole e che per un’attuazione efficace
entro il 2030 sarà necessaria la partecipazione di tutti gli attori rilevanti. Oltre ai Cantoni e ai Comuni sono chiamate a partecipare
anche l’economia privata e la società civile.
L’Agenda 2030 offre a tutti noi una via comune verso un mondo pacifico e sano, seguiamola!
—			
(traduzione)

MICHAEL GERBER, *1971, è ambasciatore e

incaricato speciale del Consiglio federale per lo
sviluppo sostenibile globale. È stato capo della
delegazione svizzera ai negoziati per l’Agenda
2030 e per il Piano d’azione di Addis Abeba per
il finanziamento dello sviluppo sostenibile.

78

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Internazionale

17 OBIETTIVI GLOBALI DI SVILUPPO SOSTENIBILE (SDG) STABILITI
DALL’AGENDA 2030
1	

Sradicare la povertà in tutte le sue forme e ovunque nel mondo.

2	
	

Porre fine alla fame, raggiungere la sicurezza alimentare, migliorare
l’alimentazione e promuovere l’agricoltura sostenibile.

3	

Garantire una vita sana e promuovere il benessere di tutti a tutte le età.

4	
	

Garantire un’istruzione di qualità inclusiva ed equa e promuovere opportunità
di apprendimento continuo per tutti.

5	
	

Raggiungere l’uguaglianza di genere e l’autodeterminazione di tutte
le donne e ragazze.

6	
	

Garantire la disponibilità e la gestione sostenibile di acqua e servizi igienici
per tutti.

7	
	

Garantire l’accesso all’energia a prezzo accessibile, affidabile, sostenibile
e moderna per tutti.

8	
	

Promuovere una crescita economica duratura, inclusiva e sostenibile,
la piena occupazione e il lavoro dignitoso per tutti.

9	
	

Costruire un’infrastruttura resiliente, promuovere l’industrializzazione
inclusiva e sostenibile e sostenere l’innovazione.

10	 Ridurre le disuguaglianze all’interno dei e fra i Paesi.
11	 Rendere le città e gli insediamenti umani inclusivi, sicuri, resilienti e sostenibili.
12	 Garantire modelli di consumo e di produzione sostenibili.
13	 Adottare misure urgenti per combattere i cambiamenti climatici e le loro
	
conseguenze*
14	 Conservare e utilizzare in modo sostenibile gli oceani, i mari e le risorse marine.
15	 Proteggere, ripristinare e promuovere l’uso sostenibile degli ecosistemi
	
terrestri, gestire in modo sostenibile le foreste, contrastare la desertificazione, 		
	
arrestare e invertire il degrado del suolo e fermare la perdita di biodiversità.
16	 Promuovere società pacifiche e inclusive orientate allo sviluppo sostenibile,
	
garantire a tutti l’accesso alla giustizia e costruire istituzioni efficaci,
	
responsabili e inclusive a tutti i livelli.
17	 Rafforzare le modalità di attuazione e rilanciare il partenariato globale
	
per lo sviluppo sostenibile.

	
	

* Tenendo conto che la Convenzione quadro delle Nazioni Unite sui cambiamenti climatici è il forum

	

principale per le trattative internazionali in vista di una risposta globale ai cambiamenti climatici.

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Internazionale

79

OSPITE ACHIM STEINER

«Le questioni ambientali
assumono una crescente
importanza per i sistemi
economici e finanziari»
Intervista: Marc Engelhardt
Foto: Martin Bichsel

80

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Ospite

L’Agenda per uno sviluppo sostenibile
adottata nel settembre del 2015, dovrebbe
promuovere in eguale misura lo sviluppo
economico, la protezione dell’ambiente e
la giustizia sociale. Achim Steiner, capo del
Programma delle Nazioni Unite per l’ambiente (UNEP), ha contribuito in modo determinante al raggiungimento dell’intesa
sull’Agenda 2030. È ottimista riguardo alla
riuscita del complesso progetto e punta in
particolare sulla partecipazione dell’economia.

Nel settembre scorso, l’Assemblea generale delle Nazioni Unite a Nuova York ha adottato all’unanimità l’Agenda 2030 per uno
sviluppo sostenibile con i suoi 17 Obiettivi globali dello sviluppo sostenibile (SDG).
Constata già qualche progresso?

Achim Steiner: forse è ancora un po’ presto
per constatare progressi. Quello che però osservo con stupore è la velocità con cui gli
obiettivi dello sviluppo sostenibile si stanno
affermando a livello istituzionale, nel sistema
delle Nazioni Unite, nella cooperazione bilaterale allo sviluppo e sul piano nazionale. A ciò
si aggiungono gli indicatori recentemente sviluppati. Il passo ulteriore sarà concretizzare
questi obiettivi in modo da permettere la loro
attuazione anche a livello nazionale e renderli verificabili dal pubblico. Gli obiettivi dovrebbero infatti indicare una direzione. È quindi
importante che a livello nazionale siano soggetti a un obbligo di resoconto. L’opinione
pubblica, l’economia e i Parlamenti devono
essere in condizione di valutare se i Governi
agiscono secondo ciò che hanno promesso.
Condivide il timore per cui gli obiettivi potrebbero essere annacquati dalla debolezza
degli indicatori?

No, perché gli obiettivi sono già concepiti in
modo tale da non poter essere ridotti a una

griglia a maglie strette. Dobbiamo sempre essere consapevoli che in un mondo con 7 miliardi di persone e più di 200 economie nazionali il cui spettro va dalla povertà assoluta
all’assoluta ricchezza, non sarà semplice applicare ovunque gli stessi parametri per la
concretizzazione degli obiettivi della sostenibilità. Credo che nel corso dei prossimi mesi
potremo già farci un’idea di come i dettami di
questi 17 obiettivi saranno recepiti nelle politiche nazionali. Ovviamente i vari Paesi assegneranno ai singoli obiettivi priorità diverse.
Un Paese in cui i tre quarti della popolazione
non ha accesso all’energia elettrica tratterà
questo obiettivo in modo prioritario. Questo
però non significa che altri obiettivi non abbiano alcuna rilevanza.
Ma non si deve temere che ogni Paese
scelga soprattutto obiettivi economicamente vantaggiosi per se stesso? Gli obiettivi sono così numerosi che è difficile
mantenere una visione d’insieme.

Questo aspetto può preoccupare solo chi si
culla nell’illusione che a Nuova York sia stato adottato un accordo quadro giuridicamente vincolante. Non lo abbiamo fatto. Abbiamo
approvato l’Agenda per uno sviluppo sostenibile con obiettivi che dovrebbero permettere
una serie di cambiamenti entro il 2030. Questi
cambiamenti non possono essere imposti. Si
tratta di un impegno volontario a cui dovremo
attenerci. Non sono stati tecnocrati a sviluppare questi obiettivi, ma gli stessi Governi in
una situazione geopolitica non propriamente
ideale. Questo è innanzitutto l’aspetto più significativo di questi obiettivi. A livello nazionale gli obiettivi si prestano ad essere tradotti
in una sorta di agenda politica sostenuta dalla
popolazione e considerata dal Governo come
un impegno politico.
Dove individua il sostegno più importante
a questo processo?
Dappertutto. Ovunque regna un grande ma-

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Ospite

»Tutti i Paesi del mondo
hanno riconosciuto che
sviluppo, sostenibilità
e lotta alla povertà non
sono temi esclusivi del
Sud globale del pianeta,
ma che il Nord globale
ne è corresponsabile.»

lessere globale: in relazione al sistema economico mondiale e al sistema finanziario, ai
conflitti che non riusciamo a risolvere e al
cambiamento climatico. V’è poi il fenomeno
della disuguaglianza sociale che lacera le nostre società. I partiti politici e anche i quadri
dirigenti dell’economia sentono la necessità
di veri cambiamenti. Questo è emerso chiaramente anche in occasione del Forum economico mondiale di Davos di quest’anno.
Klaus Schwab parla di una quarta rivoluzione
industriale incipiente – per necessità, ma
anche in virtù di nuove possibilità.
E l’opinione pubblica è dello stesso parere?
Forse per l’opinione pubblica questi obiettivi
sono ancora un miscuglio astratto, ma fra
uno o due anni quasi ognuno si riconoscerà
in uno o più obiettivi in un contesto personale o locale. Quando questi obiettivi troveranno riscontro in decisioni nazionali avverrà una svolta. Nel loro DNA, si tratta infatti di
un quadro qualitativamente nuovo: gli obiettivi sono universali, tutti i Paesi del mondo li
hanno adottati. In questo modo riconosciamo
anche che sviluppo, sostenibilità e lotta alla
povertà non sono temi esclusivi del Sud globale del pianeta, ma che il Nord globale ne è
corresponsabile. Inoltre, si tratta di obiettivi
integrati: economia, ecologia e socialità sono

81

L’economia mondiale è arrivata ad un punto
in cui occorrono nuove condizioni quadro normative. Da tempo sostengo che un passaggio
alla green economy è parte della soluzione.
Così nascerà una parte dei futuri mercati, delle tecnologie e delle infrastrutture che ci permetteranno di creare posti di lavoro per 8 o 9
miliardi di persone, di assicurarne l’alimentazione e contemporaneamente di passare a
un’economia a bassa intensità di carbonio.
Vede già degli esempi?
Proprio nel Sud globale sta emergendo un’intera serie di Paesi pionieri nella riforma del
settore energetico. Il Kenia, grazie all’energia
rinnovabile, ha raddoppiato la sua produzione nazionale di corrente elettrica. Lo stesso
avviene in Etiopia con i grandi impianti eolici.
La Cina primeggia sul mercato mondiale nella
produzione di tecnologie per l’energia rinnovabile. In India si assiste ad una rivoluzione del
solare: il costo dell’energia prodotta con il solare supera solo ancora del 15 percento quello dell’energia prodotta con il carbone. Solo
cinque anni fa sembrava impossibile.
Lei cita il continente africano, il più povero di tutti: vede anche lì un sostegno per
l’economia verde?
tra loro collegati in un modo che abbiamo intuito da tempo, ma che raramente siamo riusciti a raggiungere nella realizzazione pratica e politica.
Guardiamo dapprima verso Sud: non sarebbe comprensibile se questi Paesi volessero prima di tutto recuperare il loro
ritardo economico senza considerare gli
aspetti ambientali?

è solo una storia di successo. Occorre chiedersi se le tematiche di politica economica, in
una sorta di darwinismo applicato alla politica
quotidiana, debbano sempre imporsi a spese
della giustizia sociale o della sostenibilità
ecologica.
Ma nei Paesi industrializzati è stato così
per decenni…

Quando si vuole assicurare prioritariamente
l’approvvigionamento di base della popolazione, gli elementi economici assumono naturalmente un’importanza centrale. Però anche nei Paesi industrializzati l’economia non

Esattamente, e proprio per questo siamo
oggi confrontati alle crisi che ben conosciamo. Per questo motivo ci troviamo di fronte ad un cambiamento di tutte le nostre economie. Vediamo che gli strumenti tradizionali
della politica finanziaria non sono più efficaci.

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forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Ospite

Sì, e sorprendentemente importante. Io stesso sono stato sorpreso della velocità con cui
capi di Stato e di Governo, ministri e personalità del mondo economico del continente hanno adottato questo tema. Essi comprendono
che le economie africane sono fortemente
dipendenti dalla loro infrastruttura ecologica,
sia nell’agricoltura sia nel settore turistico o
nella produzione di energia idroelettrica. Inoltre le economie africane sono molto sensibili ai cambiamenti come quelli del clima. In
uno Stato del Sahel con una media di 400 millimetri di precipitazioni l’anno, un periodo di
siccità con solo 200 millimetri di pioggia non
è solo un piccolo cambiamento climatico, ma
una catastrofe.

Per molti Stati economicamente deboli la
Cina rappresenta un modello. In quel Paese
si è recuperato molto dal punto di vista
economico, ma a spese dell’ambiente.
E proprio per questo adesso la Cina deve pagare un alto prezzo per il suo sviluppo economico caratterizzato da un’industrializzazione
forzata. A lungo hanno contato solo il prodotto nazionale lordo e la crescita. Oggi la Cina
deve sborsare centinaia di miliardi di dollari
per risolvere problemi come l’inquinamento

atmosferico, la contaminazione del suolo o
la perdita di quasi tutte le acque continentali
con la loro riserva di acqua potabile. In Cina
si può però anche osservare l’impetuoso
tentativo di imboccare un’altra strada perché quella vecchia non risulta più sostenibile né dal punto di vista economico né da
quello politico. Nel corso dei prossimi anni la
Cina diventerà un modello di come potrebbe
essere attuato il passaggio verso un sistema
economico più ecologico.

«La finanza verde è uno
dei vantaggi di mercato che permettono alla
Svizzera di posizionarsi
come piazza finanziaria
a livello globale.»

Ma la durata di un tale processo non sarà
enorme?
Il fatto che un Paese come la Germania è in
grado nell’arco di 15 anni di passare da una
quota dello 0,5 percento di energia rinnovabile nel settore dell’approvvigionamento
elettrico a quasi il 30 percento è la prova che
queste svolte possono avvenire in tempi relativamente brevi. E questo con una situazione
economica migliore rispetto a molti altri Paesi.
Per me è la dimostrazione che con una tecnologia e una politica di regolamentazione adeguate nonché con una nuova considerazione
pubblica di quel che veramente conta a lungo termine questi processi di cambiamento
non solo sono concepibili, ma anche attuabili.
Tuttavia in questi processi non v’è il rischio
che subentrano importanti fattori incontrollabili come ad esempio il recente crollo
del prezzo del petrolio?
Se il basso prezzo del petrolio fosse un fenomeno a lungo termine probabilmente la tentazione di non cambiare le cose sarebbe grande. Ma non ci caschiamo più. Ogni Paese che
si lascia influenzare nelle sue decisioni a lungo termine in materia di politica energetica e
d’infrastruttura dal prezzo odierno del petrolio,

ACHIM STEINER, *1961, è nato in Brasile e ha studiato filosofia, politica, economia
e pianificazione regionale ad Oxford e Londra. Si è precocemente impegnato in
associazioni ambientaliste, dapprima localmente e in seguito a livello mondiale.
Dal 2001 ha ricoperto la carica di Direttore generale dell’Unione Internazionale
per la Protezione della Natura (IUCN) a Gland (VD) prima di essere eletto nel 2006
dall’Assemblea generale delle Nazioni Unite Direttore esecutivo dell’UNEP, il
Programma delle Nazioni Unite per l’ambiente. Il suo secondo mandato termina
a metà giugno. Da settembre Achim Steiner dirigerà la Oxford Martin School che
si prefigge di contribuire alla soluzione dei problemi del 21° secolo con metodi
di ricerca interdisciplinari.

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Ospite

83

dei capitali ad investire in un ben altro ordine di grandezza in futuri progetti della sostenibilità? Si tratta approssimativamente di
circa 6 o 7 bilioni di franchi l’anno attualmente
necessari per gli investimenti: in nessun Paese, neanche nelle ricche nazioni industrializzate, l’ente pubblico sarebbe in condizione
di assumersi da solo un tale onere.
E in questo la Svizzera gioca un ruolo importante come piazza finanziaria globale?

dovrà pagare un conto salato. Lo abbiamo
vissuto tante volte, pertanto lo sviluppo delle
rinnovabili e dei relativi cambiamenti tecnologici nell’efficienza continuerà a progredire.
Diamo uno sguardo alla Svizzera. Quali
sono qui i cantieri più importanti?
Una delle sfide in Svizzera e negli altri Paesi industrializzati è questa: esiste già un’infrastruttura, concepita nel 20° secolo, che
abbiamo portato con noi nel nuovo secolo.
Quindi ogni forma di cambiamento significativo si scontra con le resistenze di coloro che
argomentano: abbiamo investito in questa
tecnologia e in questa infrastruttura e adesso all’improvviso volete cambiare il mercato? Ciò vale per la produzione dell’energia,
nel settore dei trasporti, per le costruzioni e
l’infrastruttura. Inoltre la Svizzera si muove
in uno spazio economico in cui la concorrenza è relativamente spinta. Ma proprio la Svizzera ha dimostrato nel corso della sua storia che una visione lungimirante permette di
cambiare rotta.

ticamente ogni villaggio alla rete dei trasporti pubblici, sono eccezionali. Di rilievo sono
anche l’innalzamento successivo degli standard d’efficienza negli edifici e i segnali fiscali e di politica energetica all’economia al fine
di fornire un sostegno alle rinnovabili. Tutto
questo dimostra che la Svizzera sa affrontare con successo in una prospettiva a lungo
termine le sfide attuali e questo con una politica molto strutturata e basata sul consenso. Per quanto riguarda i criteri della sostenibilità, la Svizzera si trova in una posizione
migliore rispetto a tutta una serie di altri Paesi europei grazie alla sua politica di sviluppo che gode dell’appoggio della popolazione.

Ed è possibile?
Anche la Svizzera ha delle pendenze nel
raggiungimento degli obiettivi della sostenibilità?

La struttura insediativa attuale in Svizzera e
l’infrastruttura dei trasporti che allaccia pra-

Naturalmente! Anche la Svizzera deve decarbonizzare e posizionarsi nella concorrenza
internazionale. È interessante che la Svizzera
ha collaborato molto precocemente a un
progetto concepito due anni fa dall’UNEP,
ossia un’indagine sull’assetto di un sistema
finanziario sostenibile, l’«Enquiry into the
design of sustainable financial systems».
Si tratta di una questione centrale: come
possiamo convincere i mercati finanziari e

84

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Ospite

In che senso?

Dai due terzi ai tre quarti di questi investimenti devono provenire dall’economia privata, sia che si tratti dei nostri risparmi nei
fondi pensione sia del capitale di imprese o
banche. Da questo punto di vista, la politica
finanziaria verde rappresenta la nostra maggiore sfida a corto termine per procedere
alla realizzazione degli obiettivi come quelli della sostenibilità o dell’accordo di Parigi
sulla politica climatica. Non è stato un caso
che la Svizzera abbia partecipato attraverso
l’Ufficio federale dell’ambiente e la Segreteria di Stato dell’economia a questo progetto. Abbiamo addirittura condotto uno studio
con il settore finanziario svizzero per esaminare se la finanza verde potrebbe essere uno
dei vantaggi di mercato che permetterebbero alla Svizzera di posizionarsi come piazza
finanziaria a livello globale.

Io credo di sì. C’è chi afferma che Ginevra sia
già ora un centro per la finanza verde. In ogni
caso la Svizzera è ancora uno dei centri dei
mercati finanziari internazionali. Se nel corso dei prossimi anni, la curva di crescita della finanza verde sarà davvero così imponente come previsto, posizionarsi qui sarà per
la Svizzera più una necessità che una scelta.
Allora la Svizzera potrà valorizzare l’esperienza che ha accumulato in questioni tecnologiche e nell’ambito della gestione del
paesaggio, delle risorse e della qualità delle
acque. E non sto parlando di castelli in aria:

«La società civile è la
migliore garante per
la realizzazione effettiva
in tempi adeguati
dei passi necessari.»

capacità delle società di riconoscere infine la
necessità di un cambiamento. L’iniziativa non
partirà sempre da un premier o da un CEO
dell’energia: se consideriamo gli ultimi 20 o
30 anni allora riconosciamo che quello che noi
oggi definiamo Agenda 2030 non è il prodotto
di professori e politici, ma è l’espressione della volontà pubblica. Per questo motivo, la società civile è la migliore garante per la realizzazione effettiva in tempi adeguati dei passi
necessari. Ci sono dei rischi? Grandissimi. Ma
proprio quello che attualmente osserviamo
nella politica dei rifugiati è un insegnamento. Una regione come l’Europa vacilla di fronte ad un fenomeno recente in modo tale che
addirittura le fondamenta dell’UE iniziano a
sgretolarsi. Non dovremmo quindi mai abbandonarci all’illusione che anche cose che riteniamo normali non possano mutare all’improvviso.

la Cina ha proclamato la finanze verde uno
dei cinque temi del vertice G20 durante la
sua presidenza nel 2016. Recentemente ho
partecipato a Shangai ad un incontro tra i ministri delle finanze e i governatori delle banche centrali e posso solo confermare che la
Cina fa sul serio.

Attualmente assistiamo ad un’ondata di
nuovo isolazionismo non da ultimo nella politica relativa ai rifugiati. Non è illusorio in
un tale contesto credere a strategie globali?

Nel quadro degli Obiettivi globali della sostenibilità è necessaria una certa fiducia nella

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Ospite

Tradizionalmente, gli svizzeri considerano
con scetticismo le soluzioni che arrivano
«dall’alto». Come convincere la popolazione degli Obiettivi globali della sostenibilità?

Ho vissuto 5 anni in Svizzera e la mia esperienza in proposito è che conviene per esempio recarsi il sabato mattina al punto di raccolta dei rifiuti riciclabili e conversare con i propri

85

della sostenibilità questi obiettivi puramente
di sviluppo erano in fondo un regresso. Adesso siamo tornati ad un approccio integrato e
l’UNEP è stato ed è interpellato come consulente per l’elaborazione degli SDG da molti Governi. L’UNEP è l’espressione della prospettiva di politica ambientale delle Nazioni
Unite. Non è un caso che proprio in questa
fase siamo invitati ai vertici mondiali G7, G20
e BRICS e che lavoriamo con le banche dello sviluppo sulla questione della politica finanziaria. Dietro v’è il riconoscimento che le
questioni ambientali assumono un’importanza sempre più centrale per i sistemi economici e finanziari e naturalmente che il lavoro
dell’UNEP acquista una crescente rilevanza
per queste importanti decisioni.
Lei ha contribuito durante lo scorso decennio ad accrescere l’importanza dell’UNEP. È
soddisfatto di quanto raggiunto?

vicini. Proprio il peso della prospettiva locale ha caratterizzato così la Svizzera. Quando
il Consiglio federale svizzero adotta una Strategia per lo sviluppo sostenibile non si tratta
solo del prodotto di tecnocrati, ma di un concetto sviluppato con molta sensibilità politica
che rispecchia il consenso di fondo della popolazione per il suo Paese e il suo futuro. Una
strategia per lo sviluppo sostenibile senza radici nei Cantoni non sarebbe praticamente realizzabile in Svizzera.

Parliamo dell’UNEP, l’organizzazione che lei
dirigerà ancora fino a metà giugno. Qual è il
suo ruolo nella realizzazione degli Obiettivi
della sostenibilità?

86

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Ospite

Un ruolo importante già dal punto di vista
storico, perché dal 1972, anno di fondazione
dell’UNEP, ci siamo impegnati a stabilire un
approccio integrato. Prendiamo ad esempio
i precursori degli Obiettivi della sostenibilità,
gli Obiettivi del Millennio: nella prospettiva

In considerazione delle crisi ambientali e
dell’infinita lentezza con cui noi con 7 miliardi
di persone reagiamo, non è possibile essere
del tutto soddisfatti, ma ho avuto l’opportunità di contribuire ad una certa emancipazione
economica della politica ambientale. Inoltre
spero di aver contribuito a dare alla politica
ambientale un vero parlamento globale: in
seno all’Assemblea delle Nazioni Unite per
l’ambiente che quest’anno si riunisce per la
seconda volta, sono rappresentati tutti i Paesi con diritto di voto. Questo dimostra che
anche un’organizzazione delle Nazioni Unite
è riformabile e, applicando approcci orientati
ai risultati e all’azione, può assumere anche
nel 21° secolo, nonostante le forze centrifughe della burocrazia, un ruolo di attore centrale. Questo è l’UNEP oggi, ancor più che in
passato.
(traduzione)
—			

CONFEDERAZIONE

73 sfumature dello
sviluppo sostenibile
Vincent Willi

vincent.willi@bfs.admin.ch
Anne-Marie Mayerat Demarne

anne-marie.mayerat@bfs.admin.ch
MONET è un sistema di indicatori concepito per il monitoraggio dello sviluppo
sostenibile in Svizzera. Nel 2014 è stata
avviata una sua seconda revisione con
l’obiettivo di adattare il monitoraggio alla
nuova Strategia per uno sviluppo sostenibile 2016 – 2019 e integrare così gli obiettivi dell’Agenda 2030. La versione riveduta del sistema comprende ora 73 indicatori basati su dati di statistica pubblica.

Il sistema di indicatori per il monitoraggio
dello sviluppo sostenibile (MONET) è stato
sviluppato congiuntamente dall’Ufficio federale di statistica (UST), dall’Ufficio federale dello sviluppo territoriale (ARE), dall’Ufficio federale dell’ambiente (UFAM) e dalla
Direzione dello sviluppo e della cooperazione (DSC). Il sistema, disponibile in rete dal
2003, è uno strumento concepito sia per il
vasto pubblico sia per il mondo politico e per
l’Amministrazione. Esso permette di stabilire dove si trova la Svizzera sulla via verso
uno sviluppo sostenibile. MONET si basa su
un quadro concezionale derivato dalla definizione Brundtland relativa allo sviluppo sostenibile e considera i tre aspetti «Qui ed
oggi», «Domani» e «Altrove».
Una lista di indicatori rinfrescata

La revisione di MONET è avvenuta nel quadro dell’aggiornamento della Strategia del
Consiglio federale per uno sviluppo sosteni-

bile 2016 – 2019 nonché in vista degli Obiettivi globali dell’Agenda 2030 (SDG), adottati dall’ONU nel settembre del 2015. Essa ha
portato ad un adeguamento del quadro di riferimento del sistema, quindi dei principi dello sviluppo sostenibile, al fine di colmare le
lacune nella visione a lungo termine della
Strategia della Confederazione e per tenere
conto degli SDG. In seguito sono stati riveduti gli indicatori in base a questo quadro di
riferimento adattato per preparare il monitoraggio degli SDG e per permettere l’inclusione delle nuove possibilità derivanti dallo
sviluppo della statistica pubblica. La revisio-

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Confederazione

ne ha inoltre richiesto un dialogo con i partner dell’Amministrazione federale. Grazie ad
una precoce definizione delle regole del gioco è stato possibile assegnare con chiarezza
ruoli e competenze a tutti gli attori coinvolti.
La nuova versione del sistema di indicatori, disponibile in rete dal maggio 2016, comprende 73 indicatori di cui 22 nuovi. Lo sviluppo generale nei campi d’intervento tematici
della Strategia della Confederazione è illustrato tramite 36 indicatori. La maggior parte di essi può essere messa in relazione con
uno degli SDG.

87

Due sfumature sotto la lente

Il nuovo indicatore «Donne vittime di violenze gravi» fa parte del tema trasversale della parità che in sede di revisione è stato inserito in MONET in reazione agli intenti degli
SDG. È particolarmente adatto al monitoraggio dell’Obiettivo 5.2: «Eliminare tutte le forme di violenza contro tutte le donne e tutte le ragazze nell’ambito pubblico e privato».
In relazione alla Strategia della Confederazione, questo indicatore illustra il campo di
azione Coesione sociale e parità di opportunità tra i sessi: «L’oppressione, la discriminazione e la violenza sono arginate, in tutte le
loro forme».
—			
(traduzione)

BILANCIO DELL’AZOTO DELL’AGRICOLTURA
QUANTITA DI AZOTO APPORTATE E SOTTRATE AL SUOLO AGRICOLO
Migliaia di tonnellate
Fonte: UST – Bilancio di azoto © UST, Neuchâtel 2016

150

100

50

0

1990	1995	2000	 2005	2010	
2013		
	

DONNE VITTIME DI VIOLENZE GRAVI
NUMERO DI CASI NOTI ALLA POLIZIA
800

Fonte: UST – Statistica criminale di polizia © UST, Neuchâtel 2016

Il nuovo indicatore «Bilancio dell’azoto dell’agricoltura» completa il tema MONET «Produzione e consumo». Esso misura la differenza tra la quantità di azoto che ad esempio
è apportata al terreno sotto forma di concime e la quantità di azoto che ne è sottratta
sotto forma di prodotti agricoli. Sulla scorta
di questo indicatore è possibile monitorare
una parte della visione a lungo termine relativa al campo di azione «Risorse naturali» della Strategia della Confederazione: «La pressione esercitata sugli ecosistemi è limitata
al fine di preservare la loro funzionalità e resilienza e di permettere alle specie di mantenersi». Questo indicatore potrebbe essere
impiegato anche per il monitoraggio dell’Obiettivo 2.4: «Entro il 2030 (…) implementare
tecniche agricole resistenti che supportino il
mantenimento degli ecosistemi».

700
600
500
400
300
200
100
0

2009		2010		2011		2012		2013		2014		2015	

ANNE-MARIE MAYERAT DEMARNE, *1961, ha studiato geologia

all’Università di Neuchâtel. Dal 2002 lavora presso l’Ufficio
federale di statistica e dal 2008 dirige la sezione Ambiente,
sviluppo sostenibile e territorio, responsabile tra altro
dell’informazione relativa al progresso del Paese sulla via
dello sviluppo sostenibile.

VINCENT WILLI, *1980, ha studiato scienze ambientali

all’Università di Losanna e quindi idrogeologia all’Università
di Neuchâtel. Lavora presso l’Ufficio federale di statistica
dal 2011 e dal 2013 dirige il monitoraggio dello sviluppo
sostenibile (MONET).

88

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Confederazione

CANTONI

L’Agenda 2030 nel
Cantone di Basilea
Città
Barbara Alder

barbara.alder@bs.ch
Catherine Heinzer Ulusoy

catherine.heinzer@bs.ch

Il Consiglio di Stato del Cantone di Basilea
Città intende orientare più marcatamente
la sua pianificazione politica secondo i principi dello sviluppo sostenibile. La base è data
da un corrispondente passaggio nella Costituzione cantonale. Basilea Città contribuisce così in diversi modi alla realizzazione di
molti obiettivi dell’Agenda 2030.

Così com’è inteso oggi, lo sviluppo sostenibile non è un’attività complementare o il compito di particolari sezioni dell’amministrazione, ma è un tema trasversale che deve essere
integrato e realizzato coerentemente in tutte le politiche settoriali e in ogni comparto. Al
fine di adempiere questo presupposto, il Governo del Cantone di Basilea Città rinuncia a
formulare obiettivi specifici di sviluppo sostenibile o a sviluppare una particolare strategia.
Al contrario, impronta in funzione dello sviluppo sostenibile tutto il programma di legislatura. Questo significa che i quattro passi del
processo di programmazione di legislatura,
ossia l’analisi (valutazione della situazione), la
definizione degli obiettivi (programma di legislatura), lo stanziamento dei mezzi finanziari (piano di bilancio) e il resoconto (rapporto
annuale) sono orientati secondo lo sviluppo
sostenibile. Così facendo, a partire dal 2016
Basilea Città stabilisce lo sviluppo sostenibile
come principio direttore nel processo di definizione del programma di legislatura.

tegrazione e la parità di trattamento in seno
alla popolazione, nonché la prosperità economica.» Lo Stato adempie questi compiti senza
pregiudicare le esigenze delle generazioni future e le loro possibilità di scegliere il proprio
modo di vita. Le tematiche citate al paragrafo 15 mirano al mantenimento e alla promozione della qualità di vita di tutti, oggi come
domani. Le Linee direttrici sono da intendere
come idea base per tutta la Costituzione cantonale. Esse descrivono una concezione integrativa dello sviluppo sostenibile e corrispondono all’attuale interpretazione del concetto
a livello nazionale e internazionale così come
espressa negli Obiettivi globali di Sviluppo sostenibile dell’ONU (SDG).

po sostenibile così da permettere l’adozione
di una prospettiva globale e orientata alla sostenibilità già nella fase analitica del programma di legislatura. Nel quadro dell’elaborazione del programma di legislatura del Cantone
di Basilea Città per gli anni 2017 – 2021 si dovrà esaminare a quali obiettivi dell’Agenda
2030 deve essere data particolare rilevanza
a Basilea Città nel corso del prossimo quadriennio. In questo modo il Cantone adempie
al suo mandato costituzionale e contribuisce
contemporaneamente a livello locale alla realizzazione degli obiettivi stabiliti dall’ONU.
—			 (traduzione)
www.entwicklung.bs.ch/nachhaltigkeit

Uno sviluppo urbano
sostenibile

Ad esempio l’obiettivo SDG 11,
rendere le città e gli insediamenti umani inclusivi, sicuri,
resilienti e sostenibili, si riflette a livello tematico in diversi paragrafi della Costituzione
cantonale. Già oggi il Cantone
si impegna nell’ottica di questi obiettivi con la promozione del tedesco nella prima infanzia, con la strategia per gli
alloggi, con il modello di politica dei trasporti orientato
allo sviluppo sostenibile nonché con il Fondo del contributo di plusvalore e le possibilità
di partecipazione allo sviluppo dei quartieri.
Attualmente è in fase di revisione l’esistente set di indicatori per la verifica dello svilup-

BARBARA ALDER, *1967, dirige la Sezione Basi di pianificazione e

Strategie nello sviluppo cantonale e urbano presso il Dipartimento
presidenziale del Cantone di Basilea Città. La sezione sostiene il

Un’idea di base per tutta la Costituzione

Governo nella programmazione di legislatura e tratta, in collaborazione con altri dipartimenti, tematiche trasversali e intersettoriali

La responsabilità per l’attuazione dello sviluppo sostenibile è stabilita nella Costituzione del Cantone di Basilea Città e in particolare
nelle Linee direttrici dell’operato statale (paragrafo 15): «Lo Stato adempie i suoi compiti
improntandosi ai bisogni e al benessere della popolazione […]. Si adopera per preservare le basi naturali della vita e per uno sviluppo
sostenibile […]. Provvede a garantire pari opportunità e promuove la multiculturalità, l’in-

rilevanti dal punto di vista dello sviluppo sostenibile all’attenzione
del Consiglio di Stato, dell’opinione pubblica e dell’amministrazione.
CATHERINE HEINZER ULUSOY, *1970, è capoprogetto nell’ambito dello

sviluppo cantonale e urbano presso la sezione Basi di pianificazione
e Strategie. Ecologa di formazione, lavora in un team interdisciplinare
nel settore dello sviluppo urbano sostenibile con priorità ambiente,
mobilità e sviluppo dell’insediamento.

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Cantoni

89

CantonI
BERNA

FRIBuRGo

Domanda 1
In che modo il Cantone promuove lo
sviluppo sostenibile?

Il Cantone di Berna promuove lo sviluppo sostenibile in modo implicito ed esplicito sia a livello
preposto sia nel quadro delle sue politiche settoriali. Questo è particolarmente riconoscibile
nelle politiche relative all’energia, alla formazione, all’economia e all’ordinamento del territorio. Le Linee guida della politica governativa
(«Richtlinien der Regierungspolitik») relative alla
legislatura 2015 – 2018 ad esempio, si orientano già per la terza volta al principio della sostenibilità. Vi si aggiunge, particolarità bernese, un
programma cantonale per la promozione dello
sviluppo sostenibile nei Comuni.

Dal 2004 lo sviluppo sostenibile è stabilito
nella Costituzione cantonale e dal 2007 è integrato nel Programma di legislatura del Governo cantonale. La Strategia per uno sviluppo sostenibile 2011 del Cantone di Friburgo
comprende circa 20 misure. La valutazione
della sostenibilità trova la sua applicazione in
numerosi disegni di legge e di ordinanze. Oltre
ai rapporti annuali è previsto un monitoraggio biennale.

Domanda 2
Quali sono le sfide poste ai Cantoni per
larealizzazione degli Obiettivi globali di
sviluppo sostenibile (SDG)?

Gli SDG sono molto astratti e di carattere generale e non privi di contraddizioni. Nel contempo, le risorse personali, finanziarie e giuridiche a livello cantonale sono limitate. La
sfida consiste nel riuscire a stabilire in questo
contesto dialettico priorità condivise a livello
politico. Le nostre esperienze insegnano che
questo talvolta risulta più semplice a livello
cantonale e locale, quindi vicino e insieme alla
popolazione, che a un livello più elevato
e più politicizzato.

La Strategia federale rappresenta un importante quadro di riferimento. Ora si tratta di
chiarire gli effetti di questa Strategia per i Cantoni e di rafforzare la collaborazione con la
Confederazione e gli altri Cantoni.

Domanda 3
Dove intende il Cantone in futuro
concentrare i suoi sforzi?

Nelle Linee guida della politica governativa
per il periodo 2015 – 2018 il Cantone ha definito 9 priorità che coprono le tre le dimensioni
dello sviluppo sostenibile e che in parte presentano parallelismi con i campi d’intervento della Strategia per uno sviluppo sostenibile della Confederazione. Gli organi cantonali
competenti decideranno se e quali ulteriori
priorità andranno definite in futuro.
—			
(traduzione)

Il Cantone di Friburgo prosegue la realizzazione della sua Strategia per uno sviluppo sostenibile. Essa comprende numerose misure in
accordo con la Strategia federale. Ad esempio,
si intende incentivare l’approvvigionamento
sostenibile di beni e promuovere la sostenibilità nell’aggiudicazione degli appalti di costruzione, sviluppare piani di mobilità per gli impiegati e integrare l’aspetto della salute nei diversi progetti dell’Amministrazione cantonale.
—			
(traduzione)

Tre domande
La Strategia per uno sviluppo sostenibile
deve essere realizzata a tutti e tre i livelli
statali. Abbiamo chiesto ai responsabili
dello sviluppo sostenibile in cinque diversi
Cantoni in che modo intendono affrontare le sfide poste.

Ueli Stalder,

Manon Delisle,

direttore della sezione

responsabile dell’Ufficio

Ambiente e sviluppo

cantonale sviluppo

sostenibile (UNE) del

sostenibile

Cantone di Berna

90

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Cantoni

Ginevra

San Gallo

Argovia

Nel 2001, il Cantone di Ginevra ha varato una
legge relativa alle misure pubbliche per lo sviluppo sostenibile. In tale contesto viene attuato il programma di misure dell’Agenda 21
che trova la sua espressione segnatamente
nell’accompagnamento, nella interrelazione,
nel sostegno e nella preparazione di strumenti pratici per le unità amministrative del Cantone, le imprese e la popolazione civile.

Nel Cantone di San Gallo si punta particolarmente sull’integrazione dello sviluppo sostenibile nel processo di pianificazione e gestione.
Lo strumento per la valutazione della sostenibilità nawi.sg.ch precisa una concezione globale e integrativa della sostenibilità per progetti concreti.

A scadenza quadriennale un rapporto documenta lo stato della sostenibilità in ben trenta
settori, evidenzia possibili lacune e illustra prospettive d’intervento. Questo rapporto costituisce il fondamento per il modello di sviluppo del
Governo cantonale. Con l’azione interna all’Amministrazione denominata «Nachhaltigkeit zum
Zmittag» («La sostenibilità a pranzo») si promuove inoltre la sensibilizzazione dei collaboratori sui temi della sostenibilità.

Una delle maggiori difficoltà nel contesto economico attuale è la coordinazione dei diversi
orizzonti temporali: da una parte la realtà politica a breve termine e dall’altra gli effetti positivi a medio e lungo termine derivanti dalla
realizzazione della Strategia per uno sviluppo
sostenibile e che non sempre si lasciano tradurre in cifre esatte. Questa Strategia offre
grandi opportunità per affrontare le sfide attuali della nostra società.

Con 17 obiettivi e 169 sotto-obiettivi gli SDG
sono molto complessi e di ampia portata. Trasferire questi obiettivi globali su un piano locale è un intento molto ambizioso. Ritengo
che la sfida maggiore sia a livello di comunicazione degli SDG perché sarà difficile divulgare le molte informazioni necessarie alla
comprensione in modo compatto.

Dopo il dibattito a livello di esperti e Capi di
Stato, la sfida attuale è sviluppare la coscienza
nei riguardi dell’Agenda 2030 tra la popolazione. Parallelamente si tratta di trovare nuove vie
per armonizzare le attività cantonali e comunali al fine di fornire un contributo alla realizzazione degli SDG.

I temi attualmente prioritari comprendono la
promozione della realizzazione di una politica d’approvvigionamento sostenibile professionale, l’elaborazione e l’attuazione di misure per conseguire gli obiettivi della Strategia
cantonale sul clima e infine la valutazione delle proposte di legge nell’ottica dello sviluppo sostenibile.
—			
(traduzione)

Nel Cantone di San Gallo, dopo le elezioni per
il rinnovo del governo, si procederà a un’attualizzazione della pianificazione per temi centrali per fissare le priorità da affrontare nei
prossimi anni. In essa, lo sviluppo sostenibile inteso come principio di lavoro è recepito
come elemento sostanziale.
—			
(traduzione)

Nuovi accenti saranno posti dal Consiglio di
Stato nel suo modello di sviluppo 2017 – 2021.
È però importante integrare i Comuni a livello
partecipativo nel processo dello sviluppo sostenibile. Solo così è possibile stabilire gli intenti
della sostenibilità e raggiungere gli ambiziosi
obiettivi ai sensi dell’Agenda 2030.
—			
(traduzione)

Rémy Zinder,

Karin Inauen,

Norbert Kräuchi,

direttore del Servizio

coordinatrice per lo

direttore della sezione

cantonale dello sviluppo

sviluppo sostenibile

Paesaggio e acque del

sostenibile presso il Di-

Cantone di Argovia e

partimento presidenziale

responsabile per lo

remy.zinder@etat.ge.ch

sviluppo sostenibile

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Cantoni

91

REPORTAGE

«Siamo interessati
alle novità»
Text: Stefanie Pfändler

s.pfaendler@gmail.com

92

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Reportage

La Jost Druck SA nell’Oberland bernese è
un’azienda all’avanguardia in fatto di sostenibilità nel settore tipografico. Questa
PMI affronta la tematica in modo molto
pragmatico. Una visita sulle rive del Lago
di Thun.

Direttamente in riva al Lago di Thun, in luogo
ameno, si erge un poco appariscente edificio
a due piani: la Jost Druck SA. Le sfumature di
grigio della sobria facciata esterna sono ravvivate unicamente da una discreta striscia colorata nel logo della ditta che informa sull’attività della PMI qui residente. Un percorso
sinuoso attorno a una palma conduce nei luminosi locali della storica azienda di Hünibach. All’interno attende Beat Hodler, direttore
e uno dei quattro comproprietari dell’azienda. In jeans e camicia sportiva invita gli ospiti
nel suo funzionale ufficio. Per una volta, i piani alti si trovano al pianterreno.
La Jost Druck SA è una tipica PMI svizzera
con 25 posti a tempo pieno suddivisi tra 35
collaboratrici e collaboratori e quattro contitolari, tutti impiegati nella ditta. L’impresa,
fondata 95 anni or sono come tipografia di
libri da Ernst Jost a Oberdiessbach nell’Emmental è riuscita fino ad oggi a tenere il passo con lo sviluppo tecnologico del settore.
Si punta sull’innovazione e sulla qualità, sui
legami con la clientela e su prodotti su misura. Beat Hodler non nasconde che la sua ditta beneficia di condizioni privilegiate: lontani
dalla concorrenza spaccaprezzi dell’UE, quasi
protetti dalle maestose Alpi Bernesi, ci si occupa di una fedele clientela soddisfatta e disposta a pagare qualcosa in più per la qualità
e una consulenza competente invece di puntare sulle offerte discount in rete.
Da tipografo compositore ad esperto in
stampa offset

Ciò nonostante, la gestione dell’impresa in
riva al Lago di Thun non è sempre facile. Da

una parte, spiega Hodler, il settore ha vissuto in un periodo molto breve enormi cambiamenti. Lui stesso da apprendista ha imparato il mestiere di tipografo compositore e oggi
ammette che non potrebbe più lavorare nella produzione digitalizzata. Invece di tipografi
compositori oggi occorrono poligrafi. I rilega-

È proprio questa curiosità che otto anni fa
ha portato la Jost Druck AG invece che ad
una normale sostituzione delle macchine ad
una gestione energetica esemplare a livello
svizzero. I progetti erano già definiti, i nuovi macchinari avrebbero dovuto trovare la
loro sistemazione in una specie di rimessa

tori di una volta adesso si chiamano operatori postpress e producono nella stampa digitale o offset. Le grandi tipografie svizzere
investono costantemente nelle tecnologie
più moderne, il che in questo settore comporta enormi spese. Per le PMI come la Jost
Druck SA questa corsa contro l’invecchiamento rappresenta un rischio costante perché la dipendenza da una tecnologia acquistata a caro prezzo è grande. Naturalmente
sussiste il pericolo di puntare su di una tendenza che non fa breccia e di ritrovarsi infine
fuori dai giochi. «Ciò nonostante è necessario svilupparsi costantemente e restare sempre interessati alle novità», afferma Hodler.

sul tetto. «Le macchine producono molto calore che dev’essere evacuato dai locali» spiega Hodler a giustificazione della riflessione
d’allora. «In sala macchine era sempre troppo caldo. Se poi il tempo era temporalesco
l’inchiostro da stampa diventava troppo fluido e s’inceppava il mettifoglio.» Poco prima
dell’inizio dei lavori si è tenuta un’ultima riunione con Viktor Hugi della Hugi Engineering
GmbH per definire ancora qualche dettaglio.
Quest’ultimo però ha in breve convinto Hodler e i suoi colleghi a riesaminare la questione da una prospettiva completamente nuova: il calore non andava espulso verso l’alto,
al contrario! Andava catturato e reso fruibile.

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Reportage

93

residuo in aria fresca. In questo modo il clima sul posto di lavoro resta piacevole senza
ricorrere ad altra energia di raffrescamento.
Due anni più tardi, nel 2010, il bruciatore ad
olio fino ad allora utilizzato è stato messo
completamente a riposo. Da allora, anche il
riscaldamento e la produzione di acqua calda
per la casa d’abitazione contigua avvengono
tramite il calore residuo prodotto in tipografia senza alcun combustibile fossile. «Il modello funziona alla perfezione», dichiara Hod­
ler entusiasta. Il sistema di raffreddamento
raggiunge un grado di rendimento superiore
del 30 percento e i costi d’esercizio nei settori periferici del processo di stampa sono
stati dimezzati alla pari dei costi di riscaldamento. Il clima nei locali è nettamente migliorato a beneficio della qualità della stampa e del benessere del personale.
Il calore residuo dell’impianto di asciugatura
è convogliato verso lo scambiatore di calore e
quindi utilizzato.

La stampatrice fa da riscaldamento

A questo punto era ormai stuzzicata la curiosità che contraddistingue l’impresa. Con tanto coraggio e ancor più lungimiranza ci si è
messi all’opera per raffinare il concetto. Non
era facile perché il sistema proposto non esisteva ancora da nessuna parte, doveva essere sviluppato dal nulla e quindi celava un certo rischio. Si è deciso di non demordere. Oggi
le tre offset e i macchinari annessi sono allacciati a un sistema di recupero del calore:
in cantina si trova un impianto centrale per
la produzione dell’acqua calda, per la climatizzazione e per la regolazione della temperatura dei cilindri. Il cuore del sistema è uno
scambiatore di calore. Ciò significa che non
appena all’esterno le temperature calano
non è più necessario riscaldare con olio combustibile come prima, ma si utilizza il calore residuo delle stampatrici. Ma queste mac-

94

Un’apprendista tecnologa di stampa sotto lo sguardo severo del maestro di tirocinio.

chine non sanno solo stampare e scaldare:
in estate, quando fa troppo caldo, si trasformano in un sistema di climatizzazione. Infatti
lo scambiatore di calore è in grado di procedere a una trasformazione mirata del calore

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Reportage

Passione e lungimiranza

Nel frattempo altre due tipografie svizzere
applicano con successo il sistema sviluppato dalla Jost Druck SA, ma ancora adesso un

tale cambiamento non è cosa ovvia. Recentemente una grande impresa del ramo nella
regione si era interessata al sistema, ma alla
fine vi ha rinunciato adducendo l’argomento che di fronte al basso prezzo del petrolio
l’investimento risultava eccessivo. «Se ogni
anno si è costretti a fornire al consiglio d’amministrazione utili stratosferici si finisce col
pensare solo a corto termine», sostiene Hodler. «Presso la Jost invece i decisori si identificano con l’azienda. Si è pronti ad investire,
ci si mette passione e soprattutto si ragiona
a lungo termine».
Personalmente, come asserisce, Hodler non
è di per sé «un verde». Guida l’automobile e
la motocicletta, ma è dell’avviso che si dovrebbero ridurre le emissioni di CO2 laddove
l’opportunità lo suggerisce. «Quando abbiamo iniziato ad occuparci del tema più da vicino ci siamo accorti che la cosa ci entusiasmava. Abbiamo intuito che avremmo potuto
ricavarne molto facendo qualcosa anche per
l’ambiente». Che oggi la ditta acquisti solo
elettricità verde è stato un passo logico al
termine di tutto questo processo, aggiunge.
Anche il processo di stampa è stato ottimizzato dal punto di vista ecologico. Il consumo
di prodotti chimici e agenti di bagnatura si
è ridotto di un quarto. Nel frattempo, la Jost
Druck SA è anche certificata FSC.
Una sostenibilità pragmatica

Hodler ritiene che la clientela apprezzi le
scelte ecologiche della sua ditta. Anche se
per molti la sostenibilità non rappresenta
di per sé un argomento per un ordine, alcuni nuovi clienti hanno tuttavia esplicitamente preferito la sua azienda in considerazione del suo impegno per la sostenibilità. Chi
lo desidera può fare stampare i suoi prodotti presso la Jost Druck SA con effetto climatico zero compensando la ridotta emissione di
CO2 tramite un progetto nella Svizzera centrale. Molto più importante tuttavia della sostenibilità acquistata all’esterno è per Hod-

Macchina da stampa digitale e, al soffitto, un climatizzatore alimentato con il calore
residuo delle stampatrici.

ler l’agire in casa propria. Oltre all’impegno a
favore dell’ambiente ciò significa un clima di
lavoro piacevole con collaboratori soddisfatti. L‘impegno sociale presso la Jost Druck SA
significa ad esempio offrire ad una persona
della regione restata all’improvviso senza lavoro a 55 anni un posto di lavoro appropriato. Oppure mantenere la settimana lavorativa di 40 ore per non dover licenziare nessuno
anche se il contratto di lavoro collettivo permette una settimana di 42 ore.

Per Beat Hodler la sostenibilità è qualcosa di
molto pragmatico. «Quando la tua azienda e i
tuoi collaboratori ti stanno a cuore, automaticamente ragioni a lungo termine», dice. In fatto
di sostenibilità ritiene che ognuno dovrebbe
iniziare là dove può influenzare personalmente le cose. La tipografia Jost l’ha fatto.
—			
(traduzione)
La rivista «forum sviluppo territoriale» è stampata
dalla Jost Druck SA

STEFANIE PFÄNDLER, *1985, ha studiato scienze

politiche ed ambientali ed ha lavorato come
collaboratrice scientifica presso la sezione
Sviluppo sostenibile dell’ARE. Dal 2015 lavora
per la città di Dübendorf nell’ambito della pianificazione del territorio e dei trasporti.

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Reportage

95

RUBRICA

Riequilibrare lavoro e
domicilio

PAUL SCHNEEBERGER, *1968, ha conseguito il dottorato

in storia. Come redattore di cronaca interna della
Neue Zürcher Zeitung (NZZ) si occupa fra l’altro
delle questioni inerenti allo sviluppo territoriale.
Pubblica sul tema anche esternamente alla NZZ.
paul.schneeberger@nzz.ch

Il termine sostenibilità è una parola grande e il suo campo di
riferimento è molto ampio. Un importante aspetto della sostenibilità è l’interrelazione di pensiero e azione. Oggigiorno, in
un’era contrassegnata da crescente complessità e specializzazione, troppo sovente ci muoviamo in solitaria su un unico
binario e dimentichiamo di considerare la situazione nel suo
insieme. Questo vale anche per lo sviluppo territoriale. Chiaramente la ripartizione delle varie competenze tra i diversi livelli statali, caratteristica del federalismo svizzero, non facilita
l’interrelazione di pensiero e azione: necessita coordinazione.
Talvolta una tale coordinazione è richiesta in modo esplicito,
ad esempio tra insediamento e trasporti in seno ai programmi
d’agglomerato. Restano comunque grandi lacune a tale proposito. Così è ad esempio tra lo sviluppo delle grandi città e
quello delle vie di comunicazione nazionali pianificate e costruite dalla Confederazione che allegramente procedono uno
di fianco all’altro.
O forse qualcuno si è accorto che la città di Zurigo avesse la decisa intenzione di partecipare allo sviluppo della ferrovia che
ha condotto alla realizzazione del passante Altstetten – Stazione centrale – Oerlikon? Che la città come Comune d’ubicazione
avesse sollevato la questione della sensatezza di un ulteriore
rafforzamento del potenziale relazionale della stazione centrale di Zurigo quale maggiore hub ferroviario in Svizzera? O se
non fosse stato meglio decentralizzare questo rafforzamento
ulteriore all’interno della città? Ad esempio sarebbe valsa la
pena una riflessione sulla questione di quale effetto avrebbe
avuto una tangenziale diretta tra le stazioni di Altstetten e
Oerlikon senza la deviazione verso la stazione centrale sulle
grandi aree di sviluppo urbano.
L’ironia di questa storia è che il nuovo passante via stazione
centrale segue più o meno il tracciato previsto per la metropolitana di Zurigo, un progetto abbandonato negli anni Settanta.
Soltanto che ora i treni su quest’asse non viaggiano da Dietikon e Kloten, ma da Ginevra a San Gallo. Il nuovo collegamento contribuisce quindi indubbiamente alla coesione nazionale,
ma allo stesso tempo prolunga le vie del pendolarismo.

96

Pertanto il passante, così come prima la rete celere regionale
e l’autostrada, favorirà l’espansione della città verso la campagna. L’esperimento mentale su quale sarebbe l’aspetto odierno dell’agglomerato di Zurigo se allora l’opposizione contro la
metropolitana non avesse avuto successo, è molto interessante. Zurigo e i suoi immediati sobborghi sarebbero diventati la
metropoli densificata il cui solo pensiero aveva fatto inorridire
gli oppositori di questo sistema di trasporto? E quale sarebbe
l’aspetto odierno del Cantone di Zurigo e delle sue regioni limitrofe? A che punto sarebbe l’attuazione del postulato di uno
sviluppo centripeto degli insediamenti?
Le risposte a queste domande sono ipotetiche. La realtà è che
oggi in Svizzera abitiamo e lavoriamo in maniera più decentrata che mai. La nostra sfida consiste nell’evitare di accentuare maggiormente gli squilibri già esistenti. Ad esempio quello
tra le cifre relative agli abitanti locali e ai posti di lavoro. Uno
sguardo alle statistiche nazionali, cantonali o cittadine mostra
una crescita sovraproporzionale della popolazione ai margini
delle aree metropolitane: in Argovia, Turgovia, Friburgo, Vaud
e basso Vallese.
A ciò si contrappongono gli aumenti marcati dei posti di lavoro
nelle città e negli agglomerati in posizione centrale. A prescindere dal fatto che i Cantoni nei nuovi piani direttori intendono riportare la maggior parte della crescita demografica nelle
regioni urbane, le città e gli agglomerati principali potrebbero
porsi da sé un obiettivo che sarebbe altresì un importante segnale contro la dispersione insediativa: quello per cui in futuro
il numero dei posti di lavoro e quello degli abitanti crescano
all’interno delle proprie aree in eguale misura. Ciò consentirebbe di limitare un’ulteriore lievitazione dei flussi pendolari.
Per quanto ambizioso e impegnativo possa apparire un tale
obiettivo in relazione alla necessaria densificazione all’interno: sarebbe un’espressione di pensiero e azione interrelati
e una dichiarazione d’intenti della volontà di ripristinare un
equilibrio scompaginato. 		
— 			
		
(traduzione)

forum sviluppo territoriale 01 / 2016 — Rubrica

LA CIFRA

800 milioni di persone non
hanno ancora accesso all’acqua potabile.
Il prodotto interno lordo al netto del
potere d’acquisto della nazione più
povera (Repubblica Centrafricana) è

182,3 volte

inferiore a quello

del Paese più ricco (Qatar). Ogni anno
in tutto il mondo vanno persi

milioni

dieci

di ettari di terreno fertile.

97

98

Impressum

forum raumentwicklung

forum du développement territorial

forum sviluppo territoriale

Informationsheft

Bulletin d’information

Bollettino d’informazione

Erscheint dreimal jährlich

Paraît trois fois par an

Esce tre volte all’anno

44. Jahrgang

44e année

44mo anno

Herausgeber

Editeur

Editore

Bundesamt für Raumentwicklung (ARE)

Office fédéral du développement territorial (ARE)

Ufficio federale dello sviluppo territoriale (ARE)

Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr,

Département fédéral de l’environnement, des trans-

Dipartimento federale dell’ambiente, dei trasporti,

Energie und Kommunikation (UVEK)

ports, de l’énergie et de la communication (DETEC)

dell’energia e delle comunicazioni (DATEC)

Redaktionskommission

Commission de rédaction

Commissione della redazione

Rudolf Menzi (Leitung), Doris Angst, Matthias Howald

Rudolf Menzi (direction), Doris Angst, Matthias Howald

Rudolf Menzi (direzione), Doris Angst, Matthias Howald

Übersetzung

Traduction

Traduzione

Französisch: Elisabeth Kopp-Demougeot,

Français: Elisabeth Kopp-Demougeot,

Francese: Elisabeth Kopp-Demougeot,

Le Grand-Saconnex

Le Grand-Saconnex

Le Grand-Saconnex

Relecture und Adaptation: Daniel Béguin

Relecture et adaptation: Daniel Béguin

Rilettura e adattamento: Daniel Béguin

Kontrolle und Korrektur: Béatrice Thièry

Contrôle et correction: Béatrice Thièry

Controllo e correzione: Béatrice Thièry

Italienisch: Antonella Schregenberger-Rossi, Olsberg

Italien: Antonella Schregenberger-Rossi, Olsberg

Italiano: Antonella Schregenberger-Rossi, Olsberg

Relecture und Adaptation: Peter Schrembs

Relecture et adaptation: Peter Schrembs

Rilettura e adattamento: Peter Schrembs

Redaktion und Produktion

Rédaction, production

Redazione, produzione

Pieter Poldervaart, Pressebüro Kohlenberg, Basel

Pieter Poldervaart, Pressebüro Kohlenberg, Bâle

Pieter Poldervaart, Pressebüro Kohlenberg, Basilea

Grafisches Konzept und Gestaltung

Création, réalisation

Creazione, realizzazione

Susanne Krieg SGD, Basel

Susanne Krieg SGD, Bâle

Susanne Krieg SGD, Basilea

Fotografie

Photographie

Fotografia

Yves Maurer Weisbrod, Bern (Titelseite, S. 4, 6, 8, 9, 19,

Yves Maurer Weisbrod, Berne (page de couverture,

Yves Maurer Weisbrod, Berna (prima pagina, p. 4, 6,

37/38, 40, 42, 44, 46, 55, 57, 69/70,  72, 74 , 75, 76, 78,

p. 4, 6, 8, 9, 19, 37/38, 40, 42, 44, 46, 55, 57, 69/70,  72,

8, 9, 19, 37/38, 40, 42, 44, 46, 55, 57, 69/70,  72, 74 ,

87, 97/98); Stefanie Pfändler (S. 32– 35, 64 – 67, 92 – 95);

74 , 75, 76, 78, 87, 97/98); Stefanie Pfändler (p. 32– 35,

75, 76, 78, 87, 97/98); Stefanie Pfändler (p. 32– 35,

alle anderen zur Verfügung gestellt.

64 – 67, 92 – 95); autres photographies gracieusement

64 – 67, 92 – 95); tutte le altre foto sono state messe a

mises à disposition.

disposizione.

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99

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