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Restauratorische Untersuchung

Full text: Restauratorische Untersuchung

Landesdenkmalamt Berlin
Leitfaden Restauratorische Untersuchung

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LEITFADEN ZUR ERSTELLUNG VON DOKUMENTATIONEN IN DER RESTAURIERUNG
RESTAURATORISCHE UNTERSUCHUNG

Stand Oktober 2011 Landesdenkmalamt Berlin
York Rieffel, Brigitta Hofer, Katja Schmeikal

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Leitfaden Restauratorische Untersuchung

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1.
1.1

INHALT.............................................................................3
DOKUMENTATION EINER UNTERSUCHUNG ................................................. 3
PROJEKTDATENBLATT ............................................................................................ 4 BAU- UND OBJEKTBESCHREIBUNG .............................................................................. 4 BAU- UND RESTAURIERUNGSGESCHICHTE..................................................................... 4 AUFGABENSTELLUNG / ZIEL DER UNTERSUCHUNG........................................................... 4 UNTERSUCHUNGSMETHODIK .................................................................................... 5 BESTANDS- UND BEFUNDERFASSUNG .......................................................................... 5 ZUSTANDS- / SCHADENSERFASSUNG .......................................................................... 6 AUSWERTUNG / KONZEPTERSTELLUNG / RESTAURIERUNGSEMPFEHLUNG ............................... 7 Muster..............................................................................................................7 ANHANG ............................................................................................................ 7

1.2 1.3

FOTODOKUMENTATION ....................................................................... 8 KARTIERUNG....................................................................................9
BESTANDSKARTIERUNG .......................................................................................... 9 ZUSTANDS- / SCHADENSKARTIERUNG ....................................................................... 10 MAßNAHMEKARTIERUNG ....................................................................................... 10 KARTIERUNGSGRUNDLAGE UND GRAFISCHE UMSETZUNG ................................................ 10

2.

FORM ......................................................................................... 12
ORDNERRÜCKEN ................................................................................................. 12 INHALTSVERZEICHNIS ........................................................................................... 12 TITEL ..... ........................................................................................................ 13 KOPFZEILE ........................................................................................................ 13 PROJEKTDATEN .................................................................................................. 14

3.

MATERIAL + MEDIEN .................................................................. 15
PAPIER ............................................................................................................ 15 DRUCKERTINTEN, TONER ...................................................................................... 15 DOKUMENTENHÜLLEN .......................................................................................... 15 DATEIFORMATE / SPEICHERMEDIEN .......................................................................... 16 2

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1. INHALT
Der „Leitfaden zur Erstellung von Dokumentationen in der Restaurierung“ des Landesdenkmalamtes von Berlin (LDA) zielt auf eine Standardisierung der Dokumentation von Untersuchungen und Konservierungs- / Restaurierungsmaßnahmen am Baudenkmal. Dieser Standard beinhaltet verbindliche Vorgaben zu Inhalt und Form einer Dokumentation und enthält eine Zusammenstellung der zeitgemäß wichtigsten Anforderungen. Entsprechend dem Berliner Denkmalschutzgesetz ist die Dokumentation Bestandteil der Gesamtleistung einer Maßnahme. Umfang und Inhalt orientieren sich im Einzelfall an der Aufgabenstellung. Die Dokumentation ist grundsätzlich als DIN-A4 Format anzufertigen. Für das LDA Berlin ist sowohl der Textteil als auch der Bildteil mit Fotos und Farbkarten als lose Blattsammlung in Klarsichthüllen im Ordner zu übergeben. Kartierungen und Pläne, gleich welchen Formates, sind wie Architektenpläne auf DIN A4 zu falten und ebenfalls in Hüllen abzuheften, um sie in die Gesamtdokumentation integrieren zu können. Für die Textdokumentation ist ein weißes Papier mit einem Mindestgewicht von 80g/m², für die Fotodokumentation von 120g/m² zu verwenden. Grundsätzlich erhält das LDA Berlin immer ein Original, eine Farbkopie und eine digitale Version (PDF- / PDF-A Format) der Dokumentation. Es ist ausnahmslos auf die Alterungs- und Archivbeständigkeit aller zur Verwendung gelangenden Materialien und Medien zu achten !

1.1 DOKUMENTATION EINER UNTERSUCHUNG
Die restauratorische Untersuchung beinhaltet eine gründliche Erfassung und Bewertung des Objektes und zielt auf die Erstellung eines Konzeptes zur Konservierung bzw. Restaurierung. Alle angewandten Untersuchungsmethoden und Ergebnisse sind in verständlicher und nachvollziehbarer Form im Textteil der Dokumentation zu beschreiben. Komplexe Sachverhalte (bspw. Bauzustände, Befundüberschneidungen etc.) sind zum besseren Verständnis durch bildhafte Darstellungen (Abbildungen, Zeichnungen, Skizzen etc.) im Text sowie durch eine Fotodokumentation und - je nach Umfang - eine Kartierung zu ergänzen. Die Positionen aller Befunde, Probenentnahmen für Analysen sind jeweils in einem grafischen Übersichtsplan (Grundriss, Aufriss) als Befundstellenplan zu dokumentieren.

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Die Dokumentation einer restauratorischen Untersuchung gliedert sich wie folgt: • • • • • • • • • • Projektdaten Bau- und Objektbeschreibung Bau- und Restaurierungsgeschichte Aufgabenstellung / Ziel der Untersuchung Untersuchungsmethodik Bestands- und Befunderfassung Zustands- / Schadenserfassung Auswertung / Konzepterstellung / Restaurierungsempfehlung Muster Anhang

Projektdaten
siehe Kapitel 2 - Projektdaten (S.14)

Bau- und Objektbeschreibung
Die formale Beschreibung des Objekts ist übersichtlich und knapp zu erstellen. Sie enthält prägnante Informationen über den Standort (Berücksichtigung der prägnanten Einflüsse aus Umgebung und Umwelt), eine Beschreibung der (Bau-)formen, der Abmessungen, der gegenwärtigen Nutzung und des Erhaltungszustandes.
siehe ggf. auch Denkmalliste bzw. Datenbank des Landesdenkmalamtes (LDA) www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/denkmalliste/index.shtml www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/liste_karte_datenbank/de/denkmaldatenbank/index.shtml)

Bau- und Restaurierungsgeschichte
Angaben zur Bau- und Restaurierungsgeschichte beinhalten – in Abhängigkeit vom Auftragsumfang und der Verfügbarkeit - die Zusammenstellung und Auswertung von Quellen, Archivmaterial, Literatur und mündlichen Überlieferungen und zielen auf eine möglichst lückenlose Chronologie der Bau- und Restaurierungsgeschichte (immer mit Angabe von Quellen-, Literatur- und Abbildungsnachweisen; s. auch Denkmalliste und Datenbank LDA)

Aufgabenstellung / Ziel der Untersuchung
Die denkmalpflegerische und / oder restauratorische Aufgaben- und Zielstellung der Untersuchung sind konkret zu formulieren und zu dokumentieren.

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Untersuchungsmethodik
Die Beschreibung der Untersuchungsmethodik dient dem besseren Verständnis der Ergebnisse. Sie umfasst eine Auflistung der angewandten technischen Hilfsmittel und Materialien sowie die Beschreibung der invasiven Untersuchungstechniken. Alle bautechnologischen Untersuchungen und ggf. auch die Bauwerksanalytik sind aufzuführen. Schadensphänomene sind zu benennen, fotografisch zu dokumentieren und zu beschreiben. Je nach Umfang der Maßnahme ist ein Schadbildkatalog zu erstellen (siehe Anlage Formblätter). Die naturwissenschaftlichen Analyseverfahren sind aufzuführen und zu beschreiben, da die Ergebnisse in Abhängigkeit der Methodik oft nicht direkt miteinander vergleichbar sind. Probeentnahmen sind zu dokumentieren (Lokalisierung, Beschreibung, Fragestellung). Sämtliche Berichte / Analysen müssen dem Anhang der Dokumentation beigefügt werden. Die Ergebnisse sind im Text zu interpretieren und auszuwerten. Es ist empfehlenswert innerhalb umfangreicher und komplexer Projekte ein Orientierungssystem für Befunde zu verwenden, das im Vorfeld mit den Verantwortlichen abgesprochen wird. Befunde und Probeentnahmen werden durchlaufend nummeriert und bedürfen zur Lokalisierung einer Kennzeichnung. Sie können mit den nachfolgend genannten Angaben identifiziert werden: Objektname, Bauabschnitt, Maßnahme, Lokalisierung, Datum und Angaben zur Arbeitsphase (Vor-, Zwischen- oder Endzustand = VZ, ZZ, EZ). Ein Maßstab ist nach Möglichkeit zu integrieren. Im Einzelfall sind Maßangaben zur Lokalisierung erforderlich.
Bsp. Befundkennzeichnung: Befundcode: Maßnahme: Objekt: Bauteil: Lokalisierung: Phase: AP- F / 3 / 2.OG / P6 VZ 09/2007

Restauratorische Voruntersuchung Admiralspalast Fassade Achse 3 / 2. Obergeschoss / Pilaster Nr. 6 VorZustand September 2007

Bestands- und Befunderfassung
Neben den Angaben zur Bausubstanz werden technische Besonderheiten, Werkspuren und auch Überarbeitungen erfasst (bspw. künstlerische, technische und konstruktive Details). Dabei kommt dem materialtechnologischen Aufbau eine besondere Bedeutung zu. Träger und Oberflächengestaltung sind differenziert zu betrachten und zu werten. Alle vorgefundenen Schichten sind grundsätzlich durchlaufend zu nummerieren und zu dokumentieren. Aussagen zu spezifischen Technologien wie bspw. Putz- oder Farbbeschichtungen, sollten nach Möglichkeit auf Grundlage naturwissenschaftliche Analysen erfolgen. Entsprechende
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Einschätzungen können auch durch augenscheinliche Begutachtung vorgenommen werden. In jedem Fall muss aus den Angaben hervorgehen, ob es sich um Vermutungen oder um Feststellungen handelt, die durch Tests oder Analysen ermittelt wurden. Die Ergebnisse sind erst nach Abschluss der Untersuchung und der Auswertung aller durchgeführten Maßnahmen und Analysen im Textteil zu interpretieren und zu werten.

Farbbefunde
Farbreferenzwerte sind gemäß NCS (Natural Colour System®) zuzuordnen und werden mit der spezifischen NCS-Kennzeichnung und der entsprechenden Farbkarte in der Dokumentation festgehalten. Für eine möglichst authentische und präzise Erfassung herausragender polychromer Gestaltungen und Fassungen werden diese von Hand nachgemischt. Bei der Beschreibung und Bewertung der aufgedeckten Farbigkeit ist der gealterte und somit u.U. verschmutzte und verfärbte Befundzustand zu berücksichtigen! Ein wesentliches Ziel der Untersuchung ist die Identifikation und Interpretation zusammenhängender Befundkomplexe. Die Synchronisierung der Befunde ermöglicht die baugeschichtliche Zuordnung und die Erstellung einer relativen Chronologie. Die tabellarische Darstellung einer Synchronisierung bietet eine übersichtliche Variante einzelne Schichten einer (Bau-)Phase sogenannten Leitfassungen zuzuordnen. Dabei muss deutlich zwischen der Erfassung und Beschreibung der einzelnen Schichten (arabische Ziffern) und den daraus zusammengesetzten Farbleitfassungen (römische Ziffern) unterschieden werden. Die stratigrafische Befunderhebung erfasst alle Schichten in numerischer und chronologischer Abfolge. Die Nummerierung beginnt ansteigend bei der ältesten vorgefundenen Farbschicht (siehe auch Anhang Formblätter-Befunderfassung). Ausschließlich aussagekräftige Befunde werden schriftlich und fotografisch dokumentiert und als Katalog im Anhang der Dokumentation beigefügt. Alle für das Verständnis des Bauwerks relevanten Befundstellen sind nach Möglichkeit einzumessen und in einen Übersichtsplan (Befundstellenplan) einzutragen. Die Beschreibung des Befundes ist grundsätzlich von seiner Interpretation zu trennen! Die Notwendigkeit einer (maßstabsgerechten) grafischen Rekonstruktion einzelner historischer Gestaltungsphasen des Objekts ist in Abhängigkeit von der Befundsituation und nach Auswertung der Ergebnisse mit dem Auftraggeber bzw. dem Denkmalamt zu klären.

Zustands- / Schadenserfassung
Alle umwelt- oder anthropogen bedingten, erhaltungsrelevanten Veränderungen am Objekt sind zu erfassen und zu dokumentieren. Die vorhandenen Phänomene und Schäden werden einzeln benannt, beschrieben, fotografisch dokumentiert und entsprechend ihrer Häufigkeit oder Ausdehnung quantifiziert. In Abhängigkeit vom Umfang einer Maßnahme ist ein
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Schadbildkatalog zu erstellen (Bsp. s. Anlage Formblätter) mit eindeutiger Bezeichnung der Phänomene als Glossar für die im Text verwendeten Begriffe und ggf. auch mit Bezug auf die Kartierungslegende. Um die Schadensursache und das vorhandene Schadenspotenzial konkret zu beurteilen, kann es notwendig werden, bautechnische Gutachten zu erstellen oder die Substanz naturwissenschaftlich untersuchen zu lassen.

Auswertung / Konzepterstellung / Restaurierungsempfehlung
Basierend auf der genauen Kenntnis des Objektes, sind die Untersuchungsergebnisse abschließend zu bewerten und zu interpretieren. Auf dieser Grundlage ist im Anschluss (ein mit allen Verantwortlichen abgestimmtes) ein begründetes und sinnvolles Konservierungsbzw. Restaurierungskonzept zu erstellen. In Abhängigkeit vom Leistungsumfang ist zumindest eine Empfehlung zu geben.

Muster
Die Anlage von Musterflächen zur Konservierung / Restaurierung dienen der Evaluierung des Konzeptes und sind ein wichtiger Bestandteil der Vorplanung. Das Instrument erlaubt die Klärung technischer Fragestellungen und die Beurteilung des Erscheinungsbildes von Instandsetzungen und Restaurierungen mit allen Entscheidungsträgern im Vorfeld zu erörtern und verbindliche Festlegungen vorzunehmen. Die Größe, Lage und Form der Musterflächen sind mit den Verantwortlichen abzustimmen und an repräsentativen jedoch unauffälligen Bereichen anzulegen. Frühzeitig ausgeführte Muster erlauben ein hohes Maß an Planungssicherheit und Substanzverträglichkeit.

Anhang
Im Anhang werden alle Unterlagen, die nicht Bestand des erörternden Textteils sind, abgelegt. Dazu gehören u.a. die Befunderfassung mit Fotodokumentation, Pläne und Kartierungen sowie ein Literatur- und Quellenverzeichnis, aber auch externe Untersuchungsberichte, Protokolle und Korrespondenz. Der Anhang zur Dokumentation kann folgendes enthalten:
● ● ● ● ● ●

Befundprotokolle Schadbildkatalog Grundrisse / Pläne Gutachten / Laborberichte S/W-Negative / Dias / Kontaktabzüge Protokolle / Abnahmeprotokoll

● ● ● ● ● ●

Fotodokumentation Bestands- / Schadenskartierung Befundstellenplan Produkt-, Materialangaben / Techn. Merkblätter Abbildungs-, Literatur- und Quellenverzeichnis Leistungsverzeichnis zum Auftrag 7

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1.2 FOTODOKUMENTATION
Die Fotodokumentation ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Dokumentation. Sie visualisiert den Erhaltungszustand sowie Materialien, Bau- und Restaurierungsphasen als auch Schadensphänomene und ergänzt damit die Textdokumentation wesentlich. Form und Umfang sind zu Beginn der Maßnahme mit den Verantwortlichen abzustimmen. Vor der Untersuchung sind repräsentative, nach Möglichkeit allseitige und orthogonale fotografische Abbildungen des zu untersuchenden Objektes (bspw. Gesamtansichten) anzufertigen. Das Darzustellende ist vollformatig abzulichten. Dabei ist unbedingt auf eine Vergleichbarkeit des Bildausschnitts (VZ / EZ) zu achten. Bei Makroaufnahmen oder Stratigrafien sind ein Maßstab sowie eine eindeutige Kennzeichnung des Befundes (s. Untersuchungsmethodik) mit abzulichten. Eine Fotodokumentation wird unter dem besonderen Aspekt der Abbildungsqualität und Alterungsbeständigkeit hergestellt und daher wird neben der digitalen Fototechnik auch die Verwendung analoger Technik mit klassischen Schwarz-Weiß- oder Farbabzügen begrüßt. In Abhängigkeit vom Objekt und den Anforderungen sind sowohl Kleinbild, Mittel- und auch Großformate erlaubt. Von digitalen Aufnahmen sind grundsätzlich Abzüge auf alterungsbeständigem PE-Papier anzufertigen (bspw. Kodak Endura) oder sie sind als Ausdruck auf archivbeständigem Papier ausschließlich mit Pigmenttinte (mind. 300 dpi) herzustellen. Die zu archivierenden Dateien sind im TIFF-Format oder auch JPEG 2000 zu speichern. Die Bilder sollten hoch aufgelöst und unkomprimiert mindestens eine Dateigröße von 5 MB haben!
(Dabei sind die Metadaten 1 - Objekt, Beschreibung bspw. VZ / ZZ / EZ, Aufnahmedatum, Fotograf, Copyright - integraler Bestandteil der Bildinformation und sollten deshalb direkt mit den Objektdaten verbunden werden, um das Risiko eines Verlustes der Verbindung der Metadaten mit einem dazugehörigen Objekt zu minimieren)

Konventionelle Farbausdrucke mit Tintenstrahl- oder Laserdruckern sind zu vermeiden! Nur wirklich aussagekräftige Abbildungen sind in die Dokumentation einzufügen !

= Metadaten sind, eine digitale Ressource beschreibende und identifizierende Daten, die das Organisieren großer Datenmengen erleichtern. Sie enthalten strukturierte Informationen über digitale Objekte, ihre Beziehungen und Verknüpfungen und dienen z.B. der Identifizierung, der Auffindbarkeit, der Interpretation oder dem Nachweis der Authentizität sowie der Kontrolle der Nutzungsrechte. Sie sind eine wichtige Voraussetzung für die Verwaltung der Daten im Rahmen der Langzeitarchivierung. Metadaten von Dokumenten sind in vielen Dateiformaten eingebettet. Für die Objektcharakterisierung ist ein bekannter und weitverbreiteter Metadatenstandard auszuwählen, um die Datenmigration auch bei unterschiedlichen Betriebssystemen zu gewährleisten.
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Fotografische Abbildungen sind ausnahmslos als ausbelichtete Abzüge auf säurefreien Fotokarton (mind. 120 g/m2) zu montieren. Die Aufnahmen sind mit einer Beschreibung des Dargestellten zu versehen und sollten die folgenden wesentlichen Angaben enthalten:
● ● ● ●

Objekt Thema / Abbildung / Zustand (VZ, ZZ, EZ) Aufnahmedatum / Fotonummer Autor

Die Abzüge sind mit einem reversiblen, lösemittel- und säurefreien Fixiermittel zu befestigen und vorzugsweise in alterungsbeständigen Klarsichthüllen der Dokumentation beizufügen. Mit der Übergabe der Arbeit, gehen die Bildrechte an das LDA Berlin über. Das LDA verpflichtet sich den Urheber in einer Publikation namentlich zu nennen. Der Urheber hat weiterhin ein Nutzungsrecht seiner Abbildungen, die Weitergabe an Dritte bedarf jedoch der Zustimmung des LDA.

1.3 KARTIERUNG
Die Kartierung ist ein wichtiger Bestandteil einer Dokumentation. Sie ergänzt die schriftliche und fotografische Dokumentation und bietet vereinfachte und konzentrierte Überblicke zur Lokalisierung und Verteilung der Materialität, der Schäden und der durchgeführten Maßnahmen. Visuell nicht erfassbare Phänomene am Objekt (bspw. Hohlstellen) können durch sie abgebildet werden. Die Kartierung ist während der Arbeiten am Objekt weiter fortzuschreiben. Sie ist als maßstäbliche, in seltenen Fällen auch als nicht maßstäbliche zeichnerische Bearbeitung auszuführen. Die im Folgenden aufgeführten Kartierungsthemen sind üblicherweise Bestandteil restauratorischer Dokumentationen.

Bestandskartierung
Die Bestandskartierung beinhaltet eine präzise grafische Darstellung der vorgefundenen Substanz und Materialität. Grafisch vereinfacht können künstlerische, technische, konstruktive Details sowie die Abmessungen, Größen, Proportionen, Position und räumliche Struktur eines Objektes zueinander dargestellt werden.

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Zustands- / Schadenskartierung
Die Zustandskartierung beinhaltet eine präzise grafische Darstellung des vorgefundenen Erhaltungszustandes mit allen substantiellen, oberflächlichen und auch phänomenologischen Veränderungen. Diese sind qualitativ und quantitativ darzustellen. In Abhängigkeit vom Umfang der Maßnahme kann die Kartierungslegende thematisch auf dem Schadbildkatalog mit den darin textlich und fotografisch erläuterten Schadensphänomenen basieren.

Maßnahmekartierung
Die Kartierung von Maßnahmen beinhaltet eine präzise grafische Darstellung aller durchgeführten Arbeiten am Objekt. Grundsätzlich nimmt die Maßnahmenkartierung unmittelbar Bezug auf die Zustands- oder Schadenskartierung, kann diese aber nicht ersetzen. Es besteht die Möglichkeit einer Verknüpfung der Maßnahmekartierung mit Aufmass- bzw. Abrechnungstabellen, um die Transparenz und Nachvollziehbarkeit einer Maßnahme zu gewährleisten.

Kartierungsgrundlage und grafische Umsetzung
Die Ausführung einer Kartierung kann auf Grundlage eines zeichnerischen Aufmasses, eines Messbildes oder einem entzerrten Fotos ausgeführt werden. Für die Lesbarkeit der Kartierung ist die fotografische Vorlage im Hinblick auf Helligkeit und Kontrast so anzupassen, dass die grafische Umsetzung der Kartierungslegende gut lesbar ist. Der Maßstab der Kartierungsgrundlage ist in Abhängigkeit der Größe des Objektes zu wählen, dabei ist bei größtmöglicher Information die Lesbarkeit zu gewährleisten. Sie ist im Vorfeld mit den Verantwortlichen abzustimmen. Für komplizierte detailreiche Objekte wie Wandmalereien oder Skulpturen wird ein Maßstab von 1:5 bis 1:10 empfohlen mit einer daraus folgenden Detailgenauigkeit von etwa +/- 0,5 cm. Baubefunde werden meist steingerecht vermessen und für deren Darstellung sind daher Maßstäbe zwischen 1:10 bis 1:50 sinnvoll. Als Datenformate für den Austausch und zur Speicherung von CAD-, Bild- und Grafikdaten eignen sich gegenwärtig sowohl das DXF- als auch das EPS-Format. Als Originalkartierung gilt die Druckversion mit abgehefteten Plänen, die sowohl als ausgedruckte computergestützte Kartierungen als auch als zeichnerische Handkartierungen abgegeben werden können

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Die Kartierungsblätter müssen der Maßnahme eindeutig zuzuordnen sein und as solche auch separat gelesen werden können. Daher ist jedes Blatt mit eine Legende und einem Plankopf, mit allen objektspezifischen Angaben, zu versehen. Legende und Plankopf befinden sich bei einer Kartierung größer als DINA 4 in der rechten unteren Ecke, damit die spezifischen Angaben und das Kartierungsthema auch dann zu lesen sind, wenn das Blatt auf DN A 4 gefaltet und abgeheftet wird.

ADMIRALSPALAST, Berlin-Mitte
Fassade Planckstraße / Achsen 1 - 9 Instandsetzung 2007/2008

ZUSTANDSKARTIERUNG ACHSE 1
Firma: xy Restaurierungen, ... Berlin, Tel. Sept. 2007 1 : 25

Blatt Nr. 1

Bearbeiter

KARTIERUNGSLEGENDE

...

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2. FORM
Die Dokumentation ist grundsätzlich als DIN-A4 Format anzufertigen. Für das LDA Berlin ist sowohl der Textteil als auch der Bildteil mit Fotos und Farbkarten als lose Blattsammlung in Klarsichthüllen im Ordner zu übergeben. Kartierungen und Pläne, gleich welchen Formates, sind wie Architektenpläne auf DIN A4 zu falten und ebenfalls in Hüllen abzuheften, um sie in die Gesamtdokumentation integrieren zu können. Für die Textdokumentation ist ein weißes Papier mit einem Mindestgewicht von 80g/m², für die Fotodokumentation von 120g/m² zu verwenden. Grundsätzlich erhält das LDA Berlin immer ein Original, eine Farbkopie und eine digitale Version (PDF- / PDF-A Format) der Dokumentation. Es ist ausnahmslos auf die Alterungs- und Archivbeständigkeit aller zur Verwendung gelangenden Materialien und Medien zu achten ! Die Dokumentation dient der Erfassung und Vermittlung vielfältiger Informationen und setzt sich aus zahlreichen Komponenten zusammen. Um jeden einzelnen Bestandteil schnell und eindeutig einer Maßnahme zuordnen zu können, wird dieser mit Basis- oder auch Metadaten (siehe hierzu auch S.8 Fotodokumentation) versehen, welche die folgenden Informationen über das Projekt und das Dokument liefern kann: 1. 2. 3. 4. 5. Objektname mit Adresse und Inventarnummer / Nummer aus der Denkmalliste Bereich / Bauteil Maßnahme / Aufgabenstellung als Schlagwort Zeitraum der Maßnahme Auftragnehmer der Maßnahme und/oder Verfasser der Dokumentation

(Im Rahmen der Dokumentation in der Denkmalpflege dienen die Metadaten einer Maßnahme dazu, deren
zahlreiche Einzelkomponenten zu vernetzen und zu orten oder jeden einzelnen Bestandteil schnell und eindeutig einer Maßnahme zuordnen. Die Metadaten finden sich im Titelblatt, der Kopfzeile der Textdokumentation und der Bilddokumentation, den Planköpfen der Pläne und Kartierungen, den Befundetiketten und allen weiteren Beschriftungen, die eine eindeutige Zuordnung eines einzelnen Elementes zu einem bestimmten Projekt ermöglichen sollen)

Ordnerrücken
Auf dem Ordnerrücken sind im Hochformat in Anlehnung an das Titelblatt alle relevanten Informationen zum Bauvorhaben (Projekt, Maßnahme, Jahr, Verfasser, Auftraggeber) aufzuführen.

Inhaltsverzeichnis
Das Inhaltsverzeichnis ist ein Grundbestandteil der Dokumentation. Es ist darauf zu achten, dass die Gliederung eine übersichtliche und logische Struktur hat.

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Titel
Das Deckblatt oder Titelblatt verweist übersichtlich auf das Objekt, die Maßnahme und die Beteiligten. Beispiel:

Objekt

Schadow – Haus
Schadowstr. 10/11 10111 Berlin

Aufgabenstellung Berichterstellung

Restauratorische Untersuchung Innenräume

Mai 2006

Auftragnehmer/Verfasser mit vollständiger Adresse

Verfasser: Dipl. Rest. XY Berliner Str. , 10222 Berlin

Auftraggeber

Auftraggeber: ABC GmbH Musterstr. 7, 10333 Berlin

Kopfzeile
Die Kopfzeile erscheint als Nachweis und Orientierungshilfe durchlaufend auf jeder Seite der Foto- und Textdokumentation mit Ausnahme des Titelblatts. Die Informationen der Kopfzeile (s. Beispiel) müssen auch im Plankopf der Kartierungen und Pläne zu finden sein, so dass alle Teile der Dokumentation eindeutig einer Maßnahme zuzuordnen sind. Beispiel:
Maßnahme: Blatt Nr. / Kapitel / Seite:

Restauratorische Untersuchung Innenräume
Objekt: Schadow – Haus Schadowstr. 10/11 10111 Berlin Verfasser: Dipl.Rest. XY Berliner Str. 10222 Berlin Auftraggeber: abc Architekten Musterstr. 10333 Berlin

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Lokalisierung:

Thema / Kapitelüberschrift:

Bearbeitungszeitraum:

Befunderfassung Raum 1.02

April bis Juli 2006

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Projektdaten
Mit dem Projektdatenblatt werden Basis - Informationen in einer Übersicht aufgeführt. Das beinhaltet alle beteiligten Institutionen mit den zuständigen Ansprechpartnern sowie die wichtigsten Informationen zu den einzelnen Bestandteilen der Dokumentation.

OBJEKT / BAUGATTUNG: (ggf. mit Angabe der Denkmallisten–Nr.) BAUTEIL: ADRESSE: BAUZEIT / ARCHITEKT: MAßNAHME / AUFGABENSTELLUNG: ZEITRAUM: EIGENTÜMER*: AUFTRAGGEBER*: AUFTRAGNEHMER*: (mit Angabe der Mitarbeiter) AUSFÜHRENDE FIRMEN*: PLANUNG / BAULEITUNG / FACHBAULEITUNG*: DENKMALSCHUTZ*: BAUFORSCHUNG*: GUTACHTEN / ANALYSEN*: FORSCHUNGSPROJEKTE / DIPLOM-, MASTERARBEITEN u.ä. in Zusammenhang m. d. Maßnahme: VERFASSER DER DOKUMENTATION / DES BERICHTES: Anzahl der Exemplare – Original / Kopie Ort der Archivierung DATUM: ...

Der Eintrag ist unter folgender Adresse zu finden: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/denkmalliste/index.shtml

* immer mit Namen, vollständiger Adresse, Tel.-Nr. und Email der Ansprechpartner

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3. MATERIAL + MEDIEN
Grundsätzlich hat der Verfasser einer Dokumentation auf die Archivbeständigkeit der verwendeten Materialien und die Erfüllung der einschlägigen Normen zu achten. Alle zur Verwendung gelangenden und im folgenden genannten Materialien und Medien haben diesen Anspruch zu erfüllen.

Papier
Das verwendete Papier muss entsprechend DIN-ISO 9706 alterungsbeständig sein, d.h. säurefrei und ohne optische Aufheller.

Druckertinten, Toner
Bei Farbausdrucken mit Tintenstrahldruckern sind ausschließlich lichtbeständige Pigmenttinten zu verwenden! Konventionelle Farbausdrucke mit Tintenstrahl- oder Laserdruckern sind nicht erwünscht! Schwarzweiß-Fotokopien und Schwarzweiß-Computerausdrucke von Tintenstrahldruckern ebenso wie von Laserdruckern sind in der Regel alterungsbeständig, sofern entsprechendes Papier verwendet wurde. Bei Handkartierungen und -zeichnungen sind Lichtechtheit und Verträglichkeit mit dem Beschriftungsmaterial die wichtigsten Kriterien für ihre Beständigkeit. Aus diesem Grund sind Materialien mit lichtechten Pigmenten zu verwenden.

Dokumentenhüllen
Klarsicht- oder auch Dokumentenhüllen sollen neben dem Textteil vor allem den Abbildungsteil schützen, der sowohl Fotos als auch von Hand nachgemischte und aufmontierte Farbkarten enthalten kann und vor Verlust oder Verschmutzung schützt. Zur sicheren Archivierung kommen dabei nur Kunststoffe in Frage, die chlor-, schwefel-, und weichmacherfrei sind. Dazu gehören weichmacherfreie Polyester, reines Polyethylen und Polypropylen, wobei erstgenanntes sich durch besondere Klarheit und Beständigkeit auszeichnet.

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Dateiformate / Speichermedien
Das PDF bzw. aktuell PDF/A hat sich als Standard für die Präsentation von Grafik und Text durchgesetzt und ist als originalgetreue Wiedergabe mit allen gängigen Betriebsystemen zu öffnen. Bei Textverarbeitungsprogrammen ist die Verwendung von der gängigen Dokumentformate wie DOC, DOCX oder ODF und ggf. auch TXT zu empfehlen. Als Datenformate für den Austausch und zur Speicherung von CAD-, Bild- und Grafikdaten eignen sich das DXF- und das EPS-Format. Für die Erstellung von Datenbanken (Raumbüchern, Befundlisten ...) wird sich möglicherweise zukünftig das XML-Format durchsetzen. Für sämtliche digitalen Dateien sind archivfähige Speichermedien - in der Regel goldbeschichtete CD-ROMs oder DVDs (DVD-RAM) oder auch Wechseldatenträger (USB-Stick) zu verwenden. Diese sind mit geeigneten, Materialien zu beschriften, so dass eine Zuordnung zu dem jeweiligen Projekt und der Maßnahme möglich ist. Bei der Anfertigung der Dokumentation ist immer auf die Verwendung von Standardformaten zu achten.

Die finale digitale Version der Dokumentation ist ausnahmslos als PDF oder PDF/A Dokument zu erstellen!

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