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Wir sind die Stadt!

Full text: Forscher Issue 2015,1 Wir sind die Stadt!

Wissenschaftsjahr 2015 –
­ Zukunftsstadt

Ausgabe

#1 15
Juni

Das Magazin   für NEUGIERIGE

Vom Affen zum Menschen

Wilde Tiere in der Stadt

Abenteuer in der
Knochenhöhle

Stadt-Meise

Wir sind die

Stadt!

Grusswort

Inhalt

Impressum
Liebe Neugierige,
im neuen forscher-Heft geht es
um die Stadt. Immer mehr Menschen leben in Deutschland in
Städten. Auch die meisten von
euch leben in Städten, hier geht
ihr zur Schule, trefft eure Freunde und verbringt eure Freizeit. Doch wie gelingt dieses Zusammenleben am besten?
Darüber müssen wir uns gemeinsam Gedanken machen.
Wissenschaftler finden es spannend herauszufinden, wie
euer Leben in der Stadt aussieht. In diesem forscher-Heft
erklären euch Stadtforscher, warum ihr die Stadt ganz anders seht als die Erwachsenen. Und in der Titelgeschichte
nehmen euch vier Kinder aus Frankfurt am Main auf einen
Streifzug durch ihr Viertel mit und zeigen euch, was ihnen
besonders gefällt und was nicht.
Aber nicht nur Menschen leben in der Stadt, sondern
auch immer mehr Tiere fühlen sich in Städten wohl und
verändern sogar ihr Verhalten: Amseln zwitschern Handy-­
Klingeltöne, Wildschweine warten an Ampeln, Waschbären klettern in Mülltonnen und fressen sich satt.
Wie die Erde von oben aussieht, davon schwärmt in
diesem Heft der Astronaut Alexander Gerst. Er hat
unsere Erde schon aus 400 Kilometern Höhe gesehen.
Vom All aus sieht unser Planet ziemlich klein aus.
Alexander Gerst verrät euch, wie sich ein Weltraumspaziergang anfühlt, welche schwerelosen Expe­
rimente es gibt und dass wir vielleicht irgendwann
einmal selbst auf anderen Planeten leben werden.

HERAUSGEBER: Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF), Referat 113 – Strategische Vorausschau, Wissenschafts­
kommunikation, Kapelle-Ufer 1, 10117 Berlin IDEE, ­REDAKTION
und GESTALTUNG: Büro Wissenschaftsjahre/PT DLR, familie
redlich AG Agentur für Marken und Kommunikation/KOMPAKT­
MEDIEN – Die Kommunikationsbereiter GmbH REDAKTIONELLE
KONZEPTION UND UMSETZUNG: Susan Schädlich BILDNACHWEISE: Africa Studio (S. 19); Sabine Andresen (S. 6); Ingo Bartussek (S.
20); Till Budde/DIfE (S. 11); Gabriela Christmann (S. 9); Jan Erhorn
(S. 7); Elen Feuerriegel (S. 17); Hanns Hatt (S. 11); Zoe Heuschkel
(S. 24); Julia Kloiber (S. 15); Florian Möllers (S. 21); NASA (S. 19);
Birgit Neuer (S. 8); Presse- und Informationsamt der Bundesre­
gierung, Steffen Kugler, (Grußwort); Salome Roessler (Titel, S. 1,
4–9); R-studio (S. 19); Shutterstock.com: Mariana Aabb (S. 23),
Scott Bedford (S. 15), Jacek Chabraszewski (S. 15), Creativa Images
(S. 25), Pola Damonte (S. 5), DavidEwingPhotography (S. 24), Darya
Gribovskaya (S. 18/19), grop (U4), Henri et George (S. 16), Hilch (U4),
Eric Isselee (S. 20/21), Christian Jung (S. 15), Jonathan Karwacki
(S. 10), Kordik (S. 22), Andrzej Kubik (S. 16/17), Alexandra Lande
(S. 24), Maximilian Laschon (S. 16), L F File (S. 21), lineartestpilot
(S. 19), Mechanik (S. 15), milksilk (S. 16/17), molekuul.be (S. 23),
Naeblys (S. 18), Andrey Pavlov (S. 22), pockygallery (S. 20), Pop­
marleo (S. 20/21), Nelia Sapronova (S. 19), Vladimir Sazonov (S. 15),
Diego Schtutman (U4), Studio DMM Photography, Designs & Art
(S. 1, 23), Romolo Tavani (S. 18), unpict (S. 24); Sven Tränk­
ner/Senckenberg (S. 17) ILLUSTRATION: Annika Metze
(S. 12/13), Jorge Castro Alvarez (S. 14) DRUCK: Westdeut­
sche Verlags- und Druckerei GmbH STAND: Juni 2015
Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unentgeltlich abgegeben. Sie ist nicht zum gewerblichen Vertrieb bestimmt. Sie darf weder von Parteien noch
von Wahlwerberinnen/Wahlwerbern oder Wahlhelferinnen/Wahlhelfern während eines Wahlkampfes zum Zweck
der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlen sowie für Wahlen
zum Europäischen Parlament. Missbräuchlich sind insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen und an Informationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken
oder Aufkleben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel.
Untersagt ist gleichfalls die Weitergabe an Dritte zum Zwecke
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dem Empfänger zugegangen ist, darf sie auch ohne zeitlichen
Bezug zu einer bevorstehenden Wahl nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der ­Bundesregierung zugunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden könnte.

Groß, hoch, laut, cool –
das alles ist Stadt .............................. 2

Abenteuer in der
Knochenhöhle .................................... 16

Titelgeschichte:

Interview:

Wir sind die Stadt! ............................. 4
Selbermachen:

Schwerstarbeit in der
Schwerelosigkeit ............................... 18

Jetzt seid ihr dran:
Expedition um die Ecke! ................... 10

Stadt-Meise....................................... 20

Die freche Frage:

Stimmt’s oder stimmt’s nicht? ........ 22

Warum stinken
manche Pupse? ................................... 11
Ab mit dem Wasser ........................ 12
Comic:

Sebastian greift nach den Sternen .... 14
AufgeschnAPPt ................................... 15

Nachgeforscht:

Forschungsbörse:

Holt euch einen Forscher! ................ 24
Veranstaltungstipps:

Was? Wann? Wo? ............................. 25
Rückseite: Stadtsuchrätsel

Außerdem erfahrt ihr im forscher, wie durch neue
Kläranlagen in den Städten Strom gespart werden
kann, ob wir bald in der Spree in Berlin schwimmen
gehen können und was junge Forscherinnen in einer
Höhle in Südafrika entdeckt haben.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und
Entdecken!

Prof. Dr. Johanna Wanka
Bundesministerin für Bildung und Forschung

Wir sind die Stadt! ...... 4
Vier Freunde nehmen uns mit auf einen
Streifzug durch ihr Viertel ¯ eines, das viele
Erwachsene für nicht kinderfreundlich halten.

1

2

3

Groß, hoch, laut, cool –
das alles ist Stadt

Uruk im heutigen Irak war
eine der ersten ­Großstädte,
sie entstand vor mehr als

300

Wolkenkratzer-Hauptstadt
ist Hongkong, China. In der
Stadt stehen mehr als
Wolkenkratzer _ doppelt
so viele wie in ganz Europa.

Deutschland
Größte Stadt
der Welt:

5.000 Jahren.

Um New Yorks U-Bahn mit allen
Halte­stellen einmal komplett zu befahren,
braucht man fast einen ganzen Tag
und eine Nacht. New Yorks U-Bahn
hat weltweit die meisten Haltestellen:

468 Stück.

Lagos, Nigeria, ist eine der am
schnellsten wachsenden Städte
der Welt. Zu den 20 Mio. Menschen
kommen jedes Jahr etwa

Lagos

Jeder zweite Mensch lebt in einer Stadt.
Jeder dritte Stadt-Mensch lebt in einem Armenviertel (Slum).
2050 werden sieben von zehn Erdenbewohnern Städter sein.
Autos auf einer Schnellstraße

In vollbesetzten Sportstadien

Megastädte mit mehr als

in 15 Metern Entfernung
können so laut sein wie eine

können die Menschen mehr

10 Millionen Einwohnern:

laute
Party.

Lärm (142 Dezibel)
machen als ein in der
Nähe startendes Flugzeug.

Heute gibt es 28 davon
auf der Welt. Wenn ihr
erwachsen seid, werden es

41 Megastädte sein.

Tokio
Dubai

Hongkong
Mumbai

Die größte
Stadt Brasiliens
ist Welthauptstadt der
Graffiti und der
Straßenkunst.

2018 soll in Djidda, SaudiArabien, der Kingdom Tower
fertiggestellt werden
mit mindestens

1.000 m

Größte Stadt:
In Berlin leben

Höchster Wolkenkratzer:
Burj Khalifa in Dubai,
Vereinigte Arabische Emirate,
ist
Meter
hoch.

828 

Kleinste Stadt: In
Arnis,, SchleswigHolstein, leben nur

283 Menschen.
Autostadt:
Wolfsburg hat fast
genauso viele Autos
wie Einwohner. Am
wenigsten Autos hat die
Hauptstadt: Nur jeder
dritte Berliner
besitzt ein
Auto.

Schrumpfende Städte:
Schwerin, Gera
und Bremerhaven
haben seit 1989 etwa
ein Drittel ihrer Ein­
wohner verloren.

100

Höhe.

Weltweit
Weltweit

Deutschen leben
in Städten.

Menschen.

Ein riesiges Armenviertel
liegt in Mumbai, Indien. In dem
Slum Dharavi leben etwa 700.000
Menschen - etwa so viele wie in
Frankfurt am Main. Der Slum ist aber
mehr als
mal kleiner
	
als Frankfurt.

São Paulo

7,5 von 10

3.500.000

Uruk

500.000 dazu.

7,3 Milliarden
Menschen

Einwo

Dort wurde auch eine der
ersten Schriften entwickelt:
die Keilschrift.

New York

38
Miohner.

Extrem-Treppenläufer
brauchen keine Viertelstunde,

2.120

um die
Stufen
von 82 Etagen eines der
höchsten Wolkenkratzer
der Welt hochzurennen.

81 Mio.
Menschen

Müll: Bonn mit
320.000 Einwohnern
produziert im Jahr so
viel Abfall, wie etwa in

15.000 Müllautos
passt. Hintereinandergestellt ergibt das eine
Fahrzeugkolonne mit
150 Kilometern Länge.

„Engste“ Stadt: In
München kommen

fast 6.000
Menschen auf einen
Quadratkilometer.
Fahrradstadt:
Münster hat mehr
Fahr­räder als Einwohner. Jeder Mensch
dort besitzt rund

1,5 Fahr­räder.

Höchster
Wolkenkratzer: Der
Commerzbank Tower in
Frankfurt am Main
ist 259 Meter

hoch.

Übrigens: Ab einer
Höhe von 150 Metern
gilt ein Gebäude als
Wolkenkratzer.

4

Titelgeschichte

Titelgeschichte

Laut, dreckig, gefährlich: So beschreiben viele Erwachsene das
Bahnhofsviertel in Frankfurt am Main. Kardelen, Nelly, Sikandar
und Sultan sehen das anders. Sie wohnen in diesem Stadtteil –
und nehmen uns mit auf einen Streifzug durch ihre Straßen.
Die vier Freunde wollen Orte zeigen,
die ihnen in ihrem Viertel wichtig
sind: spannende Ecken, schöne Plätze, aber auch Stellen, die sie meiden.
Ein kleiner Kiosk ist die erste Station.
Vor dem Fenster liegen Obst und
Gemüse in Kisten. Nelly schnappt
sich eine krumme, grüne Frucht und
zeigt damit auf Sultan: „Hände hoch
oder ich schieße!“, ruft sie und stutzt:

Kardelen,
9 Jahre

Sultan,
10 Jahre

Das Labor der Straße

„Was ist das eigentlich für ein Ding?“
Sikandar meint: „Das ist ʼne Kochbanane.“ Er nimmt auch eine und sagt:
„Los, wir gehen mal rein. Die Leute
da sprechen wenig Deutsch, die sprechen Urdu. Aber das kann ich auch.“
Urdu wird unter anderem in Pakistan
gesprochen. In dem Land in Asien
sind die Eltern von Sikandar und Sultan aufgewachsen.

Sikandar,
9 Jahre

Nelly,
9 Jahre

5

Städte sind bunt. Ganz verschiedene Menschen leben hier dicht zusammen, junge und alte, Leute aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt.
Wie funktioniert das? Welche Probleme gibt es? Und wie können sie gelöst
werden? Das untersuchen unter anderem Sozialwissenschaftler und Stadtforscher. Dafür gehen sie in bestimmte Stadtviertel, schauen sich genau um,
beobachten die Menschen und hören ihnen zu. Mit dieser Forschungsweise
erkunden wir einen besonderen Ortsteil der Stadt Frankfurt am Main.
Steckbrief

Die Kinder huschen in den Laden.
Bis unter die Decke stapeln sich
bunte Papiertüten, bedruckt mit den
Kringeln der Urdu-Sprache. „Das
sind alles Gewürze, die kaufen wir
hier oft“, erzählt Sultan. „Hier ist
Atta“, ruft Sikandar und haut mit der
flachen Hand auf einen großen Papiersack. „Atta? Was ist das denn?“,
fragt Kardelen. „Das ist Mehl für ein
Essen“, erklären die Jungs. „Los,
wir schnappen uns noch Mangosaft“,
sagt Sultan und holt vier Packun-

gen aus dem Kühlschrank. Der
weißhaarige Verkäufer nimmt
das Geld und lächelt. Er kennt
die Jungen und hat nichts dagegen, wenn Kinder in seinem Laden
auch mal Lärm machen. „Jetzt sag
aber auch was auf Urdu“, fordert
Nelly. Sikandar zögert: „Hm, so viel
kann ich gar nicht.“ Dann nuschelt
er: „Assalamu aleikum. Das heißt
Hallo.“ Schon flitzen die vier aus
der Tür.

Frankfurt,
Bahnhofsviertel

3.400
Einwohner leben
im Viertel.

Mehr als die Hälfte
davon stammt aus
anderen Ländern
der Welt.

Es ist immer voller
Menschen, aber
nur wenige
wohnen dort.

Das Bahnhofsviertel ist ein

kleiner Stadtteil
direkt am Hauptbahnhof.

Nur wenige Familien
und Kinder leben hier:
etwa
Schul	
kinder.

170

6

7

Titelgeschichte

Spannende
Mischung
Eine Gruppe Erwachsener schiebt
sich mit einer Stadtführerin vorbei.
Das Bahnhofsviertel interessiert
viele Leute – auch Wissenschaftler. Einige untersuchen, wie sich
der einstige Schmuddelort jetzt
verändert, weil viele Künstler und
Studenten hierher ziehen. Andere
erforschen, wie Menschen aus allen
Kontinenten hier gemeinsam leben.
Und weil in dem Viertel besonders
wenige Familien wohnen, beobachten manche Forscher vor allem, wie
es Kindern hier geht.

Eine Straßenbahnklingel schrillt,
Bauarbeiter lassen Betonbrocken
in einen Container donnern. Kardelen hüpft auf dem Bürgersteig
und singt: „Fleischhauer, Fleischhauer.“ Der Name steht auch über
der Tür des Schreibwarenladens
an der Ecke. Die Chefin, Kunigunde Fleischhauer, freut sich, wenn
die Kinder kommen: „Die sind oft
hier, das ist schön“, sagt sie und
legt neue Zeichenblöcke ins Regal. Nelly und Sultan flitzen zu den
Klappkarten. Sultan öffnet eine, die
Karte plärrt ein Rocklied und Nelly
wackelt im Takt mit dem Po. „Das
ist ein toller Laden“, meint Sultan.
„Hier gucken wir öfter mal rein.“

Doch nun wollen sie weiter. Die
Jungen laufen vor und bleiben neben
einem Grillhähnchen-Imbiss stehen. „Hier ist es“, sagt Sikandar. Er
zeigt auf eine schwarze Eingangstür. Kardelen und Nelly schauen
fragend. An dieser Tür laufen sie
sonst nur vorbei. „Hier im ersten
Stock ist unsere Moschee“, erklärt
Sultan. „Aber wir können da jetzt
nicht einfach reingehen, dort wird
gebetet.“ Die Mädchen drücken die
Tür auf und würden am liebsten
mal gucken gehen. „Das geht nicht,
weil ihr nicht muslimisch seid“, sagt
Sultan. „Okay“, meint Nelly. „Gehen
wir weiter.“

Sabine Andresen
erforscht, wie
Kinder in Deutschland leben. Sie arbeitet
in Frankfurt und hat im
Bahnhofsviertel viele Kinder
dazu interviewt, was für sie
schön ist und was gar nicht.
„Die meisten Erwachsenen
denken, das Bahnhofsviertel
sei kein guter Ort – vor allem
nicht für Kinder. Aber die Kinder
sehen das anders. Es nervt sie
zwar auch, wenn es dreckig ist,
wenn sie angerempelt werden
oder Autofahrer rücksichtslos
sind. Aber die Kinder finden das
Viertel auch total spannend.
Sie kennen hier viele nette
Menschen in den Geschäften,
sie treffen sie auch auf dem
Schulweg. Das ist ein bisschen
wie in einem Dorf.“

Grüner
wird’s nicht
Zwei Straßen weiter kommen die vier
an einem besonders ordentlichen
Platz mit einem schicken Wasserbecken in der Mitte vorbei. Kardelen
und Sikandar werfen Steine ins Wasser. Aber Nelly warnt: „Hey, hört auf.
Hier kam mal eine Frau rausgerannt
und hat gesagt, dass sie die Polizei
ruft, wenn wir nicht aufhören.“ Richtig geglaubt hat Nelly das zwar nicht.
Aber sicher ist sicher. Seither geht
Nelly an dem Wasserbecken vorbei,
obwohl sie eigentlich total gern dort
spielen würde.
Kurz darauf stehen die Kinder an einer riesigen Kreuzung. Autokolonnen
schieben sich über Straßen mit drei
und vier Fahrspuren. Als die anderen
auf eine Fußgängerampel zulaufen,
bleibt Kardelen stehen. „Über diese
Ampel darf ich nicht gehen. Das ist zu
gefährlich“, sagt sie. „Wenn es hier
grün ist, haben die Autos auch grün
und zischen vorbei, ohne zu gucken.“
Sultan erzählt: „Ich habe
hier mal einen fiesen Unfall gesehen. Da hat ein
Auto für einen Fußgänger angehalten. Aber es
stand dann mitten auf der
Straße. Und ein Krankenwagen ist reingerast.“

Jan Erhorn
untersucht, wie Kinder sich in der Stadt bewegen, wie sie spielen
und toben. Er arbeitet als Sportwissenschaftler in Flensburg.

„Ist ein Stadtteil gut für Kinder oder nicht? Das hängt nicht nur davon
ab, wie viele Spielplätze, Parks oder Einbahnstraßen es dort gibt. Es
liegt ganz viel auch an den Erwachsenen dort. Wenn Nachbarn dauernd
über Lärm meckern oder sogar drohen, können Kinder nicht gut toben
oder ihre Lieblingsspiele spielen. Und natürlich müssen die Eltern ihren
Kindern auch erlauben, allein vor die Tür zu gehen. Sonst können sie die
spannendsten Orte ihrer Stadt erst gar nicht erkunden.“

8

Titelgeschichte

Titelgeschichte

9

So wollen wir leben!
Wenn die Stadt umgebaut wird,
haben Kinder auch etwas zu sagen.
Ein Zoo inmitten der Neubaublocks.
Das wär’s! Vom Balkon aus könnten die Menschen den Giraffen beim
Fressen zuschauen oder Elefanten am
Wasserbecken beobachten. Das Viertel wäre mit so einem Tierpark viel
schöner, haben sich Kinder aus Halle
in Sachsen-Anhalt für einen Stadtteil
dort überlegt. Sie haben diese Idee
sogar als Modell aufgebaut.
Die Verantwortlichen der Stadt hatten
die Kinder nach ihren Ideen gefragt.
Sie arbeiten an einem Plan, der festschreiben soll, was bis 2025 in Halle
umgebaut oder neugebaut werden
soll. In einigen Vierteln müssen zum
Beispiel zahlreiche Häuser abgerissen werden. Denn dort stehen
hunderte Wohnungen leer, weil in
den vergangenen 25 Jahren viele
Menschen aus Halle weggezogen sind
und weniger Kinder geboren wurden.
Das ist auch in dem Stadtteil mit den
Hochhäusern so.

Birgit Neuer
ist Geografin in Karlsruhe und beschäftigt
sich damit, wie Kinder Städte wahrnehmen –
und was sie dabei anders machen als
Erwachsene.
„Kardelen, Nelly, Sikandar und Sultan kennen sich in ihrem Viertel
perfekt aus. Sie finden überallhin. Wenn sie überlegen, wo sie langlaufen, denken sie dabei wahrscheinlich an Orte, die für sie wichtig
sind: an den Kiosk oder den Kletterbaum. Erwachsene hätten eher
den Bahnhof im Kopf oder besondere Gebäude. Es gibt aber auch
so etwas wie unsichtbare Grenzen. Die Kinder meiden zum Beispiel
Ecken des Viertels, wo viele Drogensüchtige sind. Das ergibt sich
oft von allein so, weil sie dort von klein auf nie hingehen. Solche
unsichtbaren Grenzen kennen auch Erwachsene."

Die vier gehen über eine andere
Ampel und sind kurz darauf am Fluss
Main. Hier sind Wiesen und Spielplätze. „Ich zeige euch meinen Lieblingsbaum“, meint Nelly und saust los.
Wenig später sitzt sie in den Ästen
und ruft herunter: „Der hier ist toll.
Hier habe ich meinen Kletterrekord
gebrochen!“ Kardelen geht es ähnlich: „Ich mag es hier, es ist so schön
grün.“ Sultan schaut unentschlossen.
„Ich bin hier noch nie geklettert“,

meint er und versucht es
vorsichtig. Sikandar kraxelt
an ihm vorbei und grölt:
„Wow, ich hab’s geschafft.
Ich bin höher als Sultan!“
Die Mädchen stehen unten
und klatschen. Wohin es als
Nächstes geht – darüber sind sich
alle einig: Jetzt gibt’s ein Eis!

Doch was kommt nach dem
Abriss? Was muss passieren,
damit sich die Bewohner in
dem Viertel wohlfühlen? Das
besprechen die Stadtplaner
mit den Menschen, die dort
leben – auch mit den Kindern.
Das bedeutet nicht, dass der
Zoo gebaut wird. Zumal Halle
schon einen Zoo hat. Aber die
Stadtplaner erfahren ganz genau,
wovon Kinder träumen und was sie
sich für ihr Umfeld wünschen.

Das Großartige ist: Überall
reden Kinder mit.
Denn immer wenn in einer Stadt
etwas umgebaut werden soll, müssen die Planer auch Kinder anhören.
Das steht seit Kurzem sogar in einem
Gesetz, dem Baugesetzbuch. Die
Idee dahinter: Planer und Architekten
sollen Kindern wirklich zuhören. Und
zwar nicht nur, wenn es um Spielplätze geht, sondern auch bei großen
Bauprojekten. Außerdem begeistert
es Kinder und Jugendliche für ihre
Stadt, wenn sie sie mitgestalten dürfen. Und in ein paar Jahren werden sie
die Erwachsenen sein. Dann
sollen sie sich in ihrem
Ort wohlfühlen.

Gabriela Christmann
erforscht in Erkner bei
Berlin, wie bei der Stadtplanung völlig neue Ideen
zustande kommen, die
es vorher noch nicht gab.
„Gerade wenn Forscher oder
Stadtplaner mal etwas ganz Neues entwickeln wollen, sollten sie
auf Kinder hören. Denn Kinder
haben oft ­bessere Ideen und sind
mutiger als Erwachsene, weil ihr
Kopf noch nicht voller Regeln und
fester Gewohnheiten ist. Kinder
trauen sich, die Dinge völlig anders zu machen als sonst. Davon
können sich die Erwachsenen
etwas abschauen.“

10

Selber machen

Die freche Frage

Jetzt seid ihr dran:
Expedition um die Ecke!

Warum stinken manche Pupse?
Michael Blaut untersucht, was in unserem Essen steckt.
Der Ernährungsforscher arbeitet in Potsdam.

Euer Schulweg ist langweilig? Ach was. Schaut doch mal genauer hin und
startet eine Forschungstour. Zeigt uns, was ihr alles in eurer Stadt findet!
Für die besten Einsendungen gibt es tolle Preise.

Bevor ihr loslegt:

1. 2. 3. 4.
Schließt euch zu
einem Forschungsteam
zusammen.

Nehmt euch an einem
Nachmittag oder Wochenende
zwei bis drei Stunden Zeit.

Überlegt, welche Strecke ihr gehen
wollt. Es sollte nicht länger als eine
Viertelstunde dauern, sie einmal
zügig abzulaufen.

Packt eure Expeditions-Rucksäcke mit:
. Essen und Trinken fürs Forscher-Picknick	
. Malblock und Stiften für Notizen und Skizzen
. Kamera oder Fotohandy für Beweisfotos
. Lupe zur Inspektion kleinerer Dinge

So geht’s:

Eure Ergebnisse:

Geht den Weg mal anders als sonst. Am besten lauft ihr
mehrmals – jedes Mal mit einer anderen Methode:

Malt euren Schulweg auf. Zeigt uns die faszinierendsten Stellen. Ob als Straßenkarte, Wimmelbild
oder Collage – das entscheidet ihr. Die beste Einsendung zeigen wir im nächsten forscher-Heft.

1. Null Augen hören mehr: Einer oder zwei aus dem Team
schließen die Augen und lassen sich führen. Was hört oder
riecht ihr? Wechselt euch ab und notiert, was euch auffällt.
2. Hans-guck-in-die-Luft: funktioniert genauso, nur dass ihr
die Augen offen lasst und immer nur nach oben schaut.
Seht ihr Sachen, die ihr noch nie bemerkt habt? Schreibt
sie auf.
3. Forscherblick: Achtet auf
Kleinigkeiten: Gibt es besondere Muster? Kleben viele
Kaugummis unterm Mülleimer? Findet ihr ungewöhnliche Pflanzen? Welche Tiere
laufen euch über den Weg?

Spezial-Aufgabe:
Sucht Dinge, die wie Gesichter aussehen. Schaut nach
Gullydeckeln, Müllcontainern, Toren oder Zäunen. Denkt
sie euch auch gekippt oder auf dem Kopf. Fotografiert die
Gesichter und schickt sie uns!
Für die interessantesten Einsendungen gibt es
tolle Preise zu gewinnen: 3-mal den ergobagSchulrucksack und 5-mal das Computerspiel
„Sim City” (inklusive „Deutsches Stadt Set”
und Add-on „Städte der Zukunft”).

Alle Einsendungen gehen per E-Mail an selbermachen@forscher-online.de.

„Ein Pups ist eine
Portion Gas – also
so etwas wie Luft.
Ein Teil davon entsteht
in unserem Darm.
Denn dort tummeln
sich Milliarden winziger Lebewesen: Bakterien. Sie
helfen unserem Körper, die Nahrung
zu verdauen. Dabei verwerten die
Bakterien auch Teile des Essens, mit
denen der menschliche Körper nichts
anfangen kann – wie die Schalen von
Müslikörnern. Während die Bakterien
arbeiten, bilden sie Gase. Je mehr sie
zu tun haben, umso mehr der Gase
entstehen.

Das Kuriose ist: Die meisten Gase riechen erst einmal nach – NICHTS. Aber
ein paar sind echte Stinker, weit vorne
sind Schwefelgase. Bei der Verdauung
entstehen noch andere Stink-Stoffe.
Einer heißt Skatol und wird im Darm
gebildet, wenn wir Fleisch essen. Skatol riecht ziemlich fies. Als Luftblasen
nehmen die anderen Gase Skatol mit
durch den Darm in Richtung Ausgang.
Kommen sie am Ende an, entweichen
die Gase als Pups. Schon geringste
Mengen Skatol oder Schwefel lassen
einen Pups stinken.
Ehrlich gesagt miefen alle Pupse.
Manche mehr, manche weniger. Wie
extrem, hängt davon ab, was und wie
viel wir essen. Nach einer Erbsensuppe müssen wir oft pupsen, weil sich
die Bakterien über die Erbsenschalen
hermachen und viel Gas bilden.
Haben wir ein Riesenschnitzel
verputzt, entsteht viel Skatol – und lässt die Pupse
sehr stinken."

Hanns Hatt
arbeitet in Bochum
als Riechforscher.
„Alles, was riecht,
produziert Duftmoleküle. Die schwirren wie
kleine Staubpartikel in
der Luft herum. Wenn wir
einatmen, kommen sie mit der
Luft in die Nase. In der obersten
Etage der Nase gibt es die Riechschleimhaut. Da sitzen Zellen, die
Duftmoleküle entdecken. Diese
Riechzellen senden kleine Strompulse ans Gehirn und melden so:
‚Ich bin von diesem oder jenem
Molekül getroffen worden.’ Das
Gehirn weiß dann, dass da zum
Beispiel ein stinkender Pups in
der Luft ist. Die meisten Dinge
riechen wir aber nur für eine
kurze Zeit. Denn der Strompuls
schaltet sich nach wenigen Minuten ab. Wie lange wir einen Pups
riechen, das hängt auch davon ab,
welche Duftmischung er enthält.“

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13

AB mit dem WASSER

Eine stinkende braune Brühe, in der Klopapier, dunkle Brocken und
andere Dinge schwimmen, die wir im Klo runterspülen: Abwasser ist
eine eklige Angelegenheit. Doch manche Wissenschaftler erforschen,
wie sich daraus etwas Sinnvolles machen lässt.

Das Kraftwerk
aus dem Klo
Dreckbrühe rein, sauberes Wasser
raus – das leisten Klärwerke. Was
so einfach klingt, ist in Wahrheit ein
schwieriger Vorgang. Und er benötigt
eine Menge Energie. In vielen Städten
ist das Klärwerk der größte Stromfresser. Doch das geht auch anders!
Berliner Forscher haben ausgetüftelt,
wie man mit Klärwerken sogar Strom
erzeugen kann.
Das geht, weil im Abwasser eine
Menge Energie steckt. Sie verbirgt sich
in den Fäkalien – also in der Kacke.
Denn darin sind noch wertvolle Reste
unserer Nahrung enthalten: Zucker,
Eiweiße und Fette, die voller Energie
stecken. Von diesen Nährstoffen kann
unser Körper nämlich oft nur einen Teil
verdauen. Den Rest scheidet er wieder
aus. Meist bleibt diese Energie ungenutzt, wenn die
Kacke aus dem Klo in
die Abwasserrohre
rauscht.

Doch die Wissenschaftler wollen das
mit einem neuen Verfahren ändern.
Dazu holt zuerst ein großer Rechen
die festen Stoffe aus dem Abwasser.
Übrig bleibt braunes Wasser, in dem
immer noch viele Ausscheidungen
gelöst sind. Deswegen wird ein spezielles Salz in das Wasser geschüttet,
das diese Schwebeteilchen zu einem
flockigen Schlamm werden lässt. Nun
kann ein großes Sieb ihn aus dem
Wasser fischen.
Der Schlamm kommt anschließend
in den Faulturm. Das ist ein großer
Behälter, in dem verschiedene Arten
nützlicher Bakterien leben. Diese superkleinen Organismen ernähren sich
von den Inhaltsstoffen des Schlamms
und bilden dabei ein Gas, das Methan.
Wenn es im Kraftwerk verbrannt wird,
entstehen Strom und Wärme. Der
Strom wird ins Stromnetz geleitet,
und mit der Wärme können Häuser
geheizt werden.
Auch das neue Klärwerk benötigt
Strom. Aber am Ende kommt mehr
Strom heraus, als man hineinstecken
muss. Dabei macht es das Abwasser
genauso sauber wie normale Kläranlagen. Gut, was?

Der Traum vom
Fluss-Freibad
Manchmal klingt eine Idee erst einmal ziemlich irre. Doch dann lässt
einer einfach nicht locker – und
überzeugt Schritt für Schritt viele
Menschen von seinem Plan. Zum
Forschen gehört auch Dranbleiben,
wie diese Geschichte eines Wissenschaftlers aus Berlin zeigt.
Hochsommer in Berlin. Hitzefrei! Ein Bad in der Spree, die
durch die ganze Stadt fließt,
wäre jetzt toll. Also Klamotten
runter und einfach reinhüpfen …
„Baden?! In der Spree? Wer das
heutzutage macht, der ist vermutlich nicht ganz bei Trost“, sagt
der Wasser-Ingenieur Ralf Steeg.
Schade. Dabei wäre das so schön.
Aber er hat leider Recht. Denn der
Fluss ist dafür zu dreckig. Vor allem wenn es stark regnet, wird das
Wasser der Spree oft zu einer ekligen Brühe. Darin schwimmt dann
manchmal alles, was die Berliner
eben noch das Klo runtergespült
haben. Der Grund: Bei Unwetter
rauscht das Regenwasser durch

die Gullys in die Rohre der Kanalisation. Darin fließt auch schon das
Abwasser der Häuser. Irgendwann
sind die Rohre voll. Um Platz zu
schaffen, wird das Abwasser dann
direkt in die Spree abgelassen.
Ralf Steeg will das ändern – und
zumindest einen Teil der Spree so
sauber bekommen, dass man darin
baden kann. Seine Idee: Das dreckige Abwasser wird bei starkem
Regen einfach in große Behälter
umgeleitet. Dort bleibt es, bis das
Unwetter abzieht und wieder Platz
in der Kanalisation ist.
An einer Stelle in der Spree mitten
in Berlin wurde so ein Auffangbehälter bereits aufgestellt. Läuft die
Kanalisation bei Regen voll, fließt
das Abwasser in den Tank – und
nicht mehr in den Fluss.
Aber um das Wasser überall
sauber zu halten, müssten solche
Anlagen an vielen Stellen gebaut
werden. Und das ist teuer. Bis es
irgendwann vielleicht so weit ist,
müssen die Berliner noch auf einen
Sprung in die Spree verzichten –
und lieber im Schwimmbad ins
Becken hopsen.

14

15

Comic

Der Baum mit der Nummer 10 65 43 ist eine Platane mit einer gemusterten
Borke. Sie ist 40 Jahre alt und 15 Meter hoch. Ihre Baumkrone misst acht Meter
im Durchmesser. Das steht im digitalen Baumverzeichnis der Stadt Düsseldorf.
Alle 200.000 Bäume der Stadt sind hier erfasst. Jeder hat seine eigene Zahl.
Das sind riesige Datenmengen, Millionen Zahlen nur über Bäume. Solche
Baumkataster führen alle Städte in Deutschland. Und sie speichern in
ihren Datenbanken und Computern noch viel mehr Informationen – zum
Beispiel über die Einwohner, Seen und Flüsse, Schulen, Baustellen,
Ampeln und Verkehrsunfälle.

Nullenkolonnen: große Zahlen auf einen Blick
Eintausend

Eine Million

Eine Milliarde

Eine Billion

Eine Billiarde

1 000 000 000 000 000
Viele Menschen tüfteln in ihrer Freizeit daran, diese digitalen Informationen besser nutzbar zu machen. Mit Baumverzeichnissen etwa ließe sich herausfinden, wo
man gut Kastanien sammeln kann. Dazu müsste ein Computer nur filtern, wo die
nächsten Kastanienbäume stehen. Auf einer Website oder App könnte man sich
die Stellen anschauen. Es gibt viele Ideen, wie Computerprogramme die Datenmengen der Städte auswerten könnten. Aber bisher sind viele Daten nur
für wenige Fachleute zugänglich, auch die Düsseldorfer Baumliste.
Deshalb arbeiten viele Städte daran, dass alle Menschen mit ihren
Computern leicht an die Informationen herankommen.

Digitale
Werkzeuge für
deine Stadt
Julia Kloiber arbeitet für
einen Verein in Berlin, die
Open Knowledge Foundation. Mit dem Projekt „Code
for Germany“ hilft sie
Menschen, die in ihrer
Freizeit Internet-Werkzeuge für ihre Städte
erfinden. Drei Beispiele:

Berliner Badestellen

Die Karte zeigt, wie sauber die
Badeseen in Berlin sind. Die Daten
kommen von der Stadt. Denn
Mitarbeiter dort nehmen dauernd
Wasserproben aus den Seen und
schauen nach Algen und Bakterien,
die krank machen können. (http://
berlin.codefor.de/badestellen/)

Stadtteilquiz in Köln & Co.

Wer kennt sich in Köln gut aus –
und kann alle Stadtteile schnell und
richtig benennen? Das kann man
mit diesem Quiz spielerisch testen.
Es gibt es als App und im Web auch
für viele andere Städte der Welt.
(http://click-that-hood.com)

Leitungswasser in Heilbronn

Die Web-Anwendung vergleicht
die Qualität von Wasser aus dem
Wasserhahn mit Mineralwasser
aus der Flasche – für jede Gemeinde im Landkreis Heilbronn
extra. Die Daten zur Sauberkeit
des Leitungswassers stellen die
Kommunen zur Verfügung.
(http://opendatalab.de/projects/
trinkwasser/)

16

17

Abenteuer in der
Knochenhöhle
„Achtung! Fachleute für Ausgrabung gesucht. Dünn und klein müssen sie sein. Sie dürfen keine
Angst in engen Räumen haben und sollen klettern können.“ So lautete ein Aufruf, den der Forscher
Lee Berger 2013 über Facebook in die Welt schickte. Der Südafrikaner ist Experte für Frühmenschen
und versteinerte Knochen. Er und seine Kollegen untersuchen sozusagen, woher wir Menschen
eigentlich kommen. Sie erforschen, wie sich in Millionen Jahren aus Affen der moderne Mensch
entwickelt hat – und welche Zwischenformen und Menschenarten es bis dahin gab.
Nun vermutete Lee Berger, dass er
dafür ein wichtiges Puzzleteil gefunden hätte. Auf Fotos aus einer unterirdischen Höhle in Südafrika konnte
er zahlreiche Knochen von Frühmenschen erkennen. Für Berger war klar:
Er muss sie untersuchen! Allerdings
war das schwierig, weil er selbst nicht
in die Höhle kam. Denn jeder, der in
die 30 Meter unter der Erde liegende
Kammer will, muss sich durch eine
enge Öffnung zwängen. Sie ist kaum
18 Zentimeter breit, also so schmal,
dass kaum ein praller Fußball durchpasst.

Checkerwissen

Das Fachwort für Forscher wie Lee Berger
und Friedemann Schrenk ist ein Zungenbrecher:
Paläoanthropologen nennen sie sich. Paläo
steht für uralt. Anthropos bedeutet Mensch. Und
logos oder logie bezeichnet die Wissenschaft
von etwas. In dem Fall also: die Wissenschaft
von den Urmenschen.

Nur sehr schlanke Erwachsene
und Kinder schaffen das. Doch der
Internet-Aufruf war erfolgreich. Es
gab 50 gute Bewerber. Berger wählte
die besten sechs Forscherinnen aus –
allesamt topausgebildet und sehr
zierlich. Die Fachfrauen kamen aus
Kanada, den USA und Australien nach
Südafrika.
Sie schlängelten sich durch enge
Felsspalten in die Tiefe und quetschten sich durch die Öffnung. Alles
wurde gefilmt. So konnten Berger und
andere Wissenschaftler auf Bildschirmen verfolgen, was unter der Erde
geschah. Sie beobachteten, wie die
Forscherinnen den Teil eines menschlichen Unterkiefers mit Zähnen entdeckten. Immer mehr Knochenstücke
wurden sichtbar. Die Spezialistinnen
sammelten sie ein, steckten sie in

Friedemann Schrenk
Eigentlich zerfallen und zersetzen sich
Knochen nach dem Tod recht schnell.
Extrem selten sind auch nach Hunderttausenden oder Millionen Jahren noch
Reste davon erhalten. Manche sind dann
versteinert. Die Knochen aus der südafrikanischen Höhle sind eher weich und
biegsam. Warum das so ist ¯ darüber
rätseln die Forscher noch.

ist Frühmenschenforscher und
arbeitet in Frankfurt am Main. Seit
mehr als zwanzig Jahren gräbt er
in Afrika nach Überresten früher
Menschen.

Johannesburg

Tüten und brachten sie sicher
nach oben. Nach wenigen
Tagen waren mehr als 1.700
Knochenstücke geborgen.
Seitdem versuchen die Experten, sie wie Puzzleteile zusammenzusetzen. Bei einem Zahn
können sie oft schnell sagen, ob
er einem Kind oder einer Frau
gehörte. Bei langen Knochen
wie denen aus Armen und Beinen
fällt das schwerer. Aber es ist
wichtig, denn so können die Forscher bestimmen, wie viele Frühmenschen zu der Gruppe gehörten.
Sie ermitteln auch, wie alt und wie
groß die Menschen waren. Eine
der wichtigsten Fragen ist
aber besonders knifflig:
Wann lebten diese Frühmenschen genau?

Vom Affen zum Menschen
Vor etwa sieben Millionen Jahren richteten sich einige Affen in Afrika
immer häufiger auf – und liefen auf zwei statt auf vier Beinen. Das
brachte ihnen Vorteile in offener Landschaft mit wenig Wald. Denn
man konnte auf die Weise Feinde in der Ferne eher erspähen. Außerdem waren die Hände frei. Und auf langen Strecken kostete das
Laufen auf zwei Beinen weniger Energie als auf vier Beinen.
Gut angepasste Läufer waren erfolgreich und pflanzten sich fort.
Über Millionen Jahre entstanden mehrere Frühmenschenarten. Manche Forscher zählen über 20 verschiedene. Ab und zu trafen Gruppen
verschiedener Arten aufeinander und bekamen gemeinsame Kinder.
In Südafrika und Ostafrika haben Wissenschaftler erhaltene Frühmenschenknochen aus dieser Zeit gefunden.
Vor rund 200.000 Jahren hat sich in Afrika unsere Art Homo sapiens
entwickelt. Zu dieser Art gehören alle heute lebenden Menschen.

„Reste von Urmenschen werden nur
ganz selten entdeckt. Aus Afrika gab es
bislang nur wenige Bruchteile von Zähnen und Knochen. Extrem selten findet
jemand ganze Unterkiefer. Uns ist dies
vor vielen Jahren einmal in Malawi geglückt – nach Jahren intensiver Suche.
Das war unglaublich aufregend!
Da es bei den Frühmenschen noch keine
Beerdigungen gab, ist es ein großer
Zufall, wenn ihre Knochen erhalten
geblieben sind. Denn im losen Sand
in der Sonne oder auf dem Boden im
Regenwald verrotten Knochen sehr
schnell. Deswegen ist die südafrikanische Höhle ein Glücksfall. Dort waren
die Knochenstücke lange gut geschützt.
Wenn wir ihr Alter kennen, stellt sich
heraus, ob damals eine bisher völlig
unbekannte Menschenart im südlichen
Afrika lebte – und wir wissen wieder ein
kleines Stückchen mehr darüber, woher
wir Menschen eigentlich stammen.“

18

Interview

Interview

Schwerstarbeit
in der Schwerelosigkeit
166 Tage war Alexander Gerst 2014 im Weltraum. Der deutsche Astronaut arbeitete auf der Inter­
nationalen Raumstation ISS, die in 400 Kilometern Höhe um die Erde kreist. Im Interview erzählt er
vom Ausblick auf unseren Planeten, Reparaturen mit Rasierschaum und Leben auf dem Mars.
Haben Sie Heimweh ins All?
Ja, ein bisschen. Ich vermisse den
Blick von oben auf die Erde.
Sehen Sie unseren Planeten jetzt
anders?
Er kommt mir jetzt viel kleiner vor. Im
All wird einem klar: Der Planet Erde,
auf dem wir leben, ist nur eine kleine
Steinkugel, ein Sandkorn im All. Sie
flitzt mit uns einmal im Jahr um die
Sonne. Von oben denkt man dann: Das
ist alles, was wir Menschen haben!
Wir sollten das nicht zerstören.

Stichwort: ISS
Die Internationale Raumstation ist das größte
Objekt, das je im Weltraum geflogen ist. Die
ISS umkreist die Erde mit einem Tempo von
rund 27.700 Kilometern pro Stunde in etwa
400 Kilometern Höhe. Sie wurde ab 1998
Stück für Stück im All zusammengebaut ¯
als Gemeinschaftswerk von Ländern Europas
mit Russland, den USA, Kanada und Japan.
Astronauten nutzen die Raumstation als riesiges
Labor in der Schwerelosigkeit. Seit 2001 arbeiten ständig Wissenschaftler dort. Die ISS ist
damit seit Jahren ein bewohnter Außenposten
der Erde im All.

Man erkennt, dass alles, was wir an
einem Ende der Erde tun, am anderen Ende Auswirkungen hat. Aus
dem All sieht man zum Beispiel eine
orangefarbene Wolke aus Sand und
Staub über der Sahara in Afrika. Diese
Wolke reicht bis nach Südamerika.
Dort düngt der Staub aus der Sahara
die Regenwälder oder zumindest das,
was von denen übrig ist. Man sieht so
viel. Die ISS fliegt in anderthalb Stunden einmal um die Erde. Man sieht die
Sonne jeden Tag 15- bis 16-mal aufund untergehen.
Sie haben viele Stunden am Tag Versuche gemacht – aus allen möglichen
Fachrichtungen. Sind Sie eine Art
Alles-Wissenschaftler?
Nee, wir sind keine Supermänner,
sondern ganz normale Menschen.

Die Experimente haben tausende
Wissenschaftler am Boden vorbereitet. Bei vielen Versuchen müssen wir
gar nicht genau verstehen, wie sie
funktionieren – sondern nur, was wir
wie und wann machen müssen. Wir
müssen gute Laborarbeiter sein.
Was für Experimente haben Sie
gemacht?
Bei einem Versuch wollten wir herausfinden, woher die Wurzeln von
Pflanzen wissen, wo unten ist. Die
Schwerelosigkeit ist dafür praktisch,
denn es gibt ja kein Unten oder Oben.
Bei manchen Pflanzen wachsen die
Wurzeln dann in Kringeln. Wir untersuchen ganz genau, wie das funktioniert – und vor allem, wie man den
Pflanzen beibringen kann, schneller
nach unten zu wachsen. Das ist interessant für Gegenden auf der Erde, wo
es zu wenig Wasser gibt. Wenn man
Pflanzen so züchten könnte, dass ihre
Wurzeln sehr schnell tief wachsen,
würden sie in der Tiefe Wasser finden
und nicht eingehen.
Gibt es Dinge, die auf der ISS erforscht
wurden und die auf der Erde schon
genutzt werden?
Ja, sehr viele Dinge. Zum Beispiel gibt
es ein Medikament gegen Knochenschwund, für das auch auf der ISS
geforscht wurde.

Steckbrief
Name: Alexander Gerst
Spitzname: Astro-Alex
Alter: 39 Jahre
Im All: Von Mai bis November 2014
war er auf der ISS
Ausbildung: Geophysiker und
ESA-Astronaut
Bei der Krankheit werden die
Knochen von Menschen brüchig,
die Muskeln bilden sich zurück.
Daran erkranken auf der Erde
vor allem alte Menschen. Aber
es kommt auch bei Astronauten
vor – im All hat man einen simulierten
Knochenschwund. Deswegen war die
Forschung auf der ISS dafür wertvoll.
Gab es auch mal Probleme?
Einmal haben wir ein Experiment
zusammengebaut, mit dem neue
Metalle erforscht werden. Da
klemmte ein Bolzen, deswegen ging
das nicht. Wir haben überlegt, den
Bolzen abzusägen. Aber dabei wären
Metallspäne entstanden. Und wenn
die in der Raumstation herumfliegen, könnten sie einen Kurzschluss
verursachen. Dann fiel mir ein: Ich
habe ja Rasierschaum dabei, weil ich
mir jeden Tag den Kopf rasiere. Ich
könnte den Schaum auf das Sägeblatt
schmieren, dann würden die Späne
daran kleben bleiben. Es funktionierte. Das Gerät arbeitet jetzt.

19

Einmal waren Sie auch für einen Weltraumspaziergang im All. Wie war das?
Man muss zehn Stunden schwer
arbeiten. Der Anzug wiegt 150 Kilogramm. Er schwebt zwar in der
Schwerelosigkeit, aber man muss ihn
bewegen. Das ist total anstrengend,
weil da Druckluft drin ist. Es fühlt sich
an, als würde man im Innern eines
Autoreifens sitzen und den Autoreifen
verbiegen müssen. Wenn man mit
dem Handschuh nach etwas greift, ist
das, als würde man einen Tennisball
zerquetschen. Jedes Mal, wenn man
etwas greift. Nach sechs Stunden tut
einem alles weh. Es ist wie ein Marathonlauf.
Glauben Sie, dass Menschen irgendwann im All leben werden?
Ich glaube schon. Wir Menschen sind
Entdecker – seit jeher haben wir alle
Kontinente entdeckt, sind über alle
Meere gefahren. Ins Weltall fliegen
wir erst seit ein paar Jahren. Irgendwann werden wir eine Mondbasis
bauen und eine Marsbasis. Ich weiß
nur nicht, wann das sein wird.

20

21

Checkerwissen
Wilde Tiere leben nicht nur im Wald. Einige von ihnen haben ihr Z
­ uhause
mitten in der Stadt. Um in der Stadt zu überleben, verhalten sie sich oft
anders als auf dem Land. Manches davon geben die Tiere auch an ihre
Nachkommen weiter. Wie das funktioniert und was dann passiert –
dafür interessieren sich Biologen. Sie untersuchen, wie Tierarten ihr
Verhalten an die Umwelt anpassen können. Außerdem wollen sie
herausfinden, wie sich innerhalb einer Tierart unterschied­liche
Stadt-Tiere und Land-Tiere entwickeln.

Wenn sich Lebewesen in kurzer
Zeit an einen bestimmten Ort
anpassen, nennen Forscher das
Mikroevolution. Also Evolution
im Kleinen.

Wildsau auf dem Zebrastreifen
Kletternde
Schnellfresser
Waschbären stammen aus Nordamerika,
doch heute fühlen sie sich auch in Deutschland wohl. Vor 80 Jahren wurden einige
Tiere hier ausgesetzt – und kamen schnell
in Städte. Hier nutzen sie die vollen Mülltonnen und Papierkörbe gekonnt aus. Weil immer irgendwo etwas Essbares herumliegt
oder wächst, brauchen Stadt-Waschbären
für die Futtersuche kaum Zeit. Manche
verlassen ihr Versteck nachts nur für eine
halbe Stunde. Dann öffnen sie in Windeseile
Mülltonnen, fressen sich voll – und legen
sich wieder schlafen. Ihre Artgenossen auf
dem Land streifen oft die ganze Nacht herum, um satt zu werden. Auf der Suche nach
einer Schlafstelle klettern Stadt-Waschbären
auch Regenrohre hoch. So finden sie überall einen ruhigen Platz.

Stadt-Wildschweine sind oft wahre Verkehrsprofis. Manche Sau stellt
sich mit ihren Frischlingen sogar an eine Ampel, wenn sie über die
Straße gehen will. Wahrscheinlich schauen die Tiere dort nicht wirklich,
wann es für Fußgänger Grün wird. Aber sie haben gelernt, dass Autos
an Ampeln regelmäßig anhalten. Und sie wissen, dass sie dann mit ihrer
Familie sicher auf die andere Seite gelangen. Es kommt auch vor, dass
Wildschweine auf dem grünen Mittelstreifen einer Schnellstraße dösen.
Dort ist es zwar laut. Aber die Autos rasen nur vorbei, und Menschen
kommen eher nicht hierher. Wildschweine auf dem Land sind da ganz
anders. Sie meiden große Straßen meist.

Gemeinsam
statt einsam

Kampflustige
Sänger

Land-Füchse leben allein. Fähe und Rüde
(also Weibchen und Männchen) treffen sich zur
Paarungszeit – danach zieht jeder wieder seines
Weges. In der Stadt werden die Eigenbrötler zu
Familientieren. Eine Füchsin führt so eine Gruppe
an. Oft lebt sie mit einem Rüden und bis zu drei
Töchtern zusammen. Die jungen Füchsinnen
helfen bei der Aufzucht der Welpen. Männliche
Jungfüchse jagt die Familie davon. Grund für das
WG-Leben: Es ist einfach zu eng in der Stadt.
Auf dem Land verteidigt ein Fuchs ein Revier,
das etwa so groß ist wie 150 Fußballfelder. In der
Stadt tummeln sich auf dieser Fläche manchmal
30 Tiere. Zur Jagd gehen Stadt-Füchse allerdings
wie auf dem Land auch, nämlich allein.

In der Stadt zwitschern viele
Vögel den Klang der Straße.
Amseln machen das Klingeln
der Straßenbahn oder Handy­
melodien nach. Das kommt
bei den Weibchen gut an. Viele
Stadt-Vögel schreien auch
schriller als ihre Artgenossen
auf dem Land. Grund: Die Stadt
ist oft laut. Nur wer brüllt, wird
gehört. Auch im Umgang miteinander geben sich Stadt-Vögel
anders: Meisen zum Beispiel
sind viel kampflustiger. Nähert
sich ein Artgenosse dem Nest,
pickt die Stadt-Meise sofort
auf den Eindringling los und
bekämpft ihn erbittert. LandMeisen sind da viel gelassener.

Ring, Ring,
Dingeling

Hauptstadt der Wildtiere
Berlin ist grün. In den Wäldern und Parks der Stadt leben
besonders viele wilde Tiere. Experten schätzen:

1.800 Füchse
800
Waschbären

5.000
Wildschweine

3.000
Kaninchen

??

Nachgeforscht

Nachgeforscht

Stimmt’s
stimmt’s nicht?

Eierkochen für Profis
Rohes Eiweiß ist klar und flüssig. Beim Kochen wird
es zu einer festen Masse. Und egal, wie lange wir es
weiterkochen: Nach einer Weile verändert es sich kaum
noch. Lange galt: Festes Eiweiß, wie wir es beim Frühstück aus der Schale löffeln, lässt sich nie wieder flüssig
machen. Denn in seinem Inneren haben sich winzige
Eiweißketten total verknäuelt und für immer verklebt.

Viele Dinge in der Forschung sind einfach unglaublich –
aber trotzdem wahr. Hier kommen ein paar besonders
schräge Meldungen. Eine stimmt aber nicht. Findet sie!

Der Yeti ist
manchmal eine Kuh
Yeti oder Bigfoot: In einigen Regionen der Welt erzählen
die Menschen von behaarten Schneemenschen, die hoch
oben in den Bergen leben. Märchen oder Wahrheit? Ein
paar Wissenschaftler haben versucht, das Rätsel zu lösen.
Sie untersuchten Haarproben, die ihnen Museen und Jäger
aus dem Gebirge geschickt hatten. Die Forscher schauten sich das Erbgut an, das in diesen Haaren steckt. So
fanden sie heraus, von welchem Tier die Haare stammen.
Ergebnis: Die meisten der vermuteten Schneeungeheuer sind
ganz normale Säugetiere – darunter Eisbären, Braunbären,
Schwarzbären, eine Kuh, ein Waschbär, ein Tapir. Eine
Haarprobe stammte sogar von einem Menschen.

Krabbelnde Müllabfuhr
Ameisen entsorgen in Städten riesige Mengen an Essensresten.
Krümelt jemand Brötchenreste auf den Bürgersteig, sind die am
nächsten Tag oft komplett weggeräumt. Eine Biologin hat Ameisen, Asseln und andere Gliederfüßer auf den Mittelstreifen zweier
wichtiger Straßen in New York beobachtet. Sie fand heraus: Jedes
Jahr tragen sie umgerechnet etwa  60.000 Hot Dogs oder 200.000
kleine Waffeln weg. Die kleinen Insekten schleppen natürlich keine
ganzen Würstchen oder Waffeln – sondern viele winzige Wurstfetzen
und Krümel. Würde man die zusammenkleben, käme pro Jahr eine
ganze Lasterladung heraus. Das meiste davon fressen die Tiere auf.

23

Chemiker haben nun aber doch einen Weg gefunden, um
ein Ei zu „entkochen”. Sie verbinden das feste Eiweiß

Tierisch gestapelt
Stadt-Mäuse haben einen besonderen Tarn-Trick zum Schutz vor Greifvögeln entwickelt. Bemerken die
Nager, dass am Himmel ein Turmfalke lauert, rufen sie blitzschnell
andere Mäuse herbei. Dann stellen
sie sich dicht zusammen zu einem
Mäuseknäuel und verharren. Oft
klettern einige Tiere auch anderen
auf den Rücken. Das Ganze dauert
nur wenige Sekunden. Für den Raubvogel sieht der Mäuseklumpen von
oben nun wie ein dunkler Fleck oder
ein Steinbrocken aus. Jedenfalls
nicht wie eine verlockende Beute. So
reagieren nur Stadt-Mäuse, wenn sie
mitten auf einem Weg sind und
keinen schnellen Fluchtweg haben. Auf dem Land
flitzen die Nager einfach
schnell ins nächste
Versteck.

mit einer Chemikalie, die auch in unserem Urin vorkommt. Dabei entsteht ein flüssiger Brei. Dieser wird in einer
Zentrifuge dann extrem schnell im Kreis geschleudert, was
die verklebten Eiweißketten vorsichtig auseinanderzieht. Was herauskommt, ist zwar nicht sehr appetitlich. Aber es ging bei dem Versuch auch nicht
ums Kochen – sondern um Forschung für
Medikamente.

Spielplatz

Park

Wissenschaftlich
schlendern
Spazierengehen kann wirklich anstrengend
sein. Aber wusstest du, dass es auch eine richtige Wissenschaft ist? Spaziergangswissenschaft
nennt sich das – oder Promenadologie. Die so
genannten Spaziergangswissenschaftler laufen
durch Städte und die Natur und erkunden dabei
unsere Umwelt. Dabei finden sie heraus, wie
sich unsere Umwelt anfühlt. Die Forscher überlegen dann, was noch angenehmer und schöner
werden sollte. Damit beraten sie oft Stadtplaner
und Bürgermeister.

Sch
ule

Auflösung: Falsch ist die Meldung zu den Stadt-mäusen.

22

24

FORSCHUNGSBÖRSE

Veranstaltungstipps

Holt euch einen Forscher!
Über die Forschungsbörse könnt ihr euch Wissenschaftler in den
Unterricht einladen. Auch Zoe Heuschkel. In ihrem Forschungsprojekt
dreht sich alles um Lebensmittel.

Woran forschen Sie?
An urbaner Landwirtschaft – also der
Herstellung von Lebensmitteln in der
Stadtregion. Das ist überall dort, wo
man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln noch prima hinkommt. Es
gibt ja immer mehr Menschen, die ihr
Gemüse selbst anbauen wollen, etwa
auf dem Balkon oder in einem Stadtgarten. Außerdem gibt es Bauern in
Stadtnähe mit tollen Ideen, die sich
extra für die Stadtbewohner etwas
ausgedacht haben. Zum Beispiel gibt
es Milchbauern, die aus ihrer Milch
Eis machen. Dieses Eis verkaufen

sie dann direkt an vorbeifahrende
Fahrradfahrer. Damit kann man ganz
gut Geld verdienen. Zusammen mit
meinen Kollegen untersuche ich, wie
das alles funktioniert.

Was genau machen Sie da?
Mich interessiert vor allem: Was sind
das für Menschen, die im Stadtgebiet
Landwirtschaft betreiben? Welche
Probleme und welche Ideen haben
sie? Was wollen sie erreichen? Und
wie verkaufen sie ihre Produkte? Wir
machen viele Interviews und schauen
uns das vor Ort genau an.

Warum sind Sie
Forscherin geworden?

im nächsten
Können Städter sich mit ihrer Landwirtschaft
selbst ernähren? Das könnt ihr in der nächsten
Ausgabe lesen, die schon bald nach den Sommerferien erscheint. Darin schauen wir zum Beispiel
nach Kuba, wo einige Menschen auf dem Dach
Meerschweinchen zum Essen züchten, und
nehmen die Idee von Farmen in Wolkenkratzern
unter die Lupe.

Ich war schon immer total neugierig
und wollte den Dingen auf den Grund
gehen. Und als Kind wollte ich auf
jeden Fall Bäuerin werden. Mit der
Forschung über Landwirtschaft in der
Stadt kann ich herausfinden, wie Bauernhöfe in der Nähe der Stadt für die
Zukunft erhalten bleiben. Viele Höfe
sind nämlich durch den Bau neuer
Straßen und neuer Häuser am Stadtrand bedroht.

Was? Wann? Wo?
Alle Mann unter Deck –
Wissen fassen!

Zu welchem Thema kommen
Sie in den Unterricht?
Ich kann erklären, warum Landwirtschaft in der Stadt so wichtig für
unsere Ernährung und unser Zusammenleben ist. Außerdem zeige ich,
wo auf der Welt überall schon Landwirtschaft in der Stadt passiert, etwa
in El Alto in Bolivien oder in Havanna
auf Kuba. Das ist total wichtig, weil es
einige Länder gibt, die darauf angewiesen sind. Menschen können dort
nicht einfach in einen Supermarkt
gehen und Dinge kaufen. Oft haben sie
kein Geld für teure Lebensmittel.

Forscher im Klassenzimmer
Ihr möchtet auch einen Forscher für
den Unterricht buchen? In der Forschungsbörse sind viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeldet, die gerne Schulklassen besuchen
und von ihrer Arbeit berichten. Ihr
findet sie im Internet unter:

www.forschungsboerse.de

25

Eine Zeitreise in die Städte der Zukunft? Könnt ihr haben! Das Ausstellungsschiff MS Wissenschaft
ist unterwegs in Deutschland und
Österreich und zeigt, wie wir bald
wohnen, arbeiten und zusammen
leben könnten. Hier sind die Termine
der Tour:
Minden 01.–03.06. // Münster 05.–08.06. //
Hamm 09.–11.06. // Dortmund 12.–15.06. //
Oberhausen 16.–18.06. // Duisburg 19.–22.06.
// Düsseldorf 23.–26.06. // Köln-Deutz
27.–30.06. // Wesseling 01.–02.07. // Bonn
03.–06.07. // Koblenz 08.–12.07. // Karlsruhe 15.–18.07. // Heidelberg 19.–22.07. //
Mannheim 23.–26.07. // Eberbach 27.–29.07.
// Stuttgart 31.07.–03.08. // Ludwigsburg
04.–06.08. // Esslingen 08.–09.08. // Heilbronn 11.–13.08. // Worms 15.–17.08. // Bingen
18.–20.08. // Wiesbaden 21.–24.08. // Mainz
25.–27.08. // Frankfurt/Main 28.–30.08. //
Würzburg 02.–06.09. // Bamberg 08.–10.09.
// Nürnberg 11.–13.09. // Krems 17.–21.09. //
Tulln 23.–26.09.

www.ms-wissenschaft.de

Großes Kino statt kleine Pause

Baue deine Traumstadt!

Im November bringen die SchulKinoWochen Abwechslung vom Schulalltag. Zum Beispiel mit dem mehrfach
ausgezeichneten tschechischen Film
Der blaue Tiger: Eine magische Reise
in eine Stadt-Oase.

Ein ganz besonderes Gebäude, ein
Stadtviertel oder eine ganze Stadt:
Beim Modellbauwettbewerb
kannst du sie Wirklichkeit
werden lassen (zumindest
in kleinem Maßstab).
Schüler ab der 6. Klasse können sich mit
einer Skizze noch
bis zum 30. Juni
bewerben.

Berlin 13.–27.11. // Hamburg, MecklenburgVorpommern, Saarland, Sachsen-Anhalt,
Thüringen 16.–20.11. // Rheinland-Pfalz,
Schleswig-Holstein 23.–27.11.
Euer Bundesland ist nicht dabei? Dann finden
die SchulKinoWochen bei euch im nächsten
Frühjahr statt.

www.schulkinowochen.de

Nächster Halt: Science Station
Wie fängt man den Wind? Wie umgehen Ameisen jeden Stau? Und
wie viele Menschen verträgt unser
Planet? Die Science Station ist eine
interaktive Ausstellung zum Mitmachen, Staunen und Entdecken. Kommt
vorbei in diesen Stadt-Bahnhöfen:
Berlin Südkreuz 02.–08.06. // Potsdam Hbf
10.–22.06. // Frankfurt/Main Hbf 25.06.–01.07.
// Kiel Hbf 14.–20.07. // Nürnberg DB Museum
23.–29.07. // Köln Hbf 20.–29.08. // Mainz Hbf
01.–07.09. // Lübeck Hbf 10.–16.09. // Berlin
Ostbahnhof 18.–24.09.

www.sciencestation.de

www.senckenberg.de/traumstadt

Mädchen erträumen ihre Stadt
Gestalte jetzt deine Ideen für die
Stadt von morgen! Ob als Kurz­
geschichte, Fotostory, Modell oder
Film – beim Kreativ- und Schreibwettbewerb kannst du dich komplett
entfalten. Mädchen ab 12 Jahren
gehen auf:

www.lizzynet.de
Mach mit!

Stadtsuchrätsel
In diesem Buchstabensalat sind 24
Großstädte aus aller Welt versteckt.
Kannst du alle finden? Markiere sie
mit einem Stift.

BERLIN (Deutschland)
NEW YORK (USA)
HONGKONG (China)
PARIS (Frankreich)
ISTANBUL (Türkei)
KOPENHAGEN (Dänemark)
LONDON (Vereinigtes Königreich)
TOKIO (Japan)
MUENCHEN (Deutschland)
DELHI (Indien)
BUENOS AIRES (Argentinien)
MOSKAU (Russland)
NAIROBI (Kenia)
LAHORE (Pakistan)
MELBOURNE (Australien)
SEOUL (Südkorea)
JOHANNESBURG (Südafrika)
MADRID (Spanien)
ATLANTA (USA)
BELO HORIZONTE (Brasilien)
BAGDAD (Irak)
ADDIS ABEBA (Äthiopien)
LIMA (Peru)
CHONGQING (China)

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