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Abgeguckt: Ideen von der Natur klauen

Full text: Forscher Issue 2011,2 Abgeguckt: Ideen von der Natur klauen

f rscher
Wissenschaftsjahr 2011 – Forschung für unsere Gesundheit

AUSGABE 2_SEPTEMBER 2011

Das Magazin für Neugierige

ABGEGUCKT:
SEITE 08 > SUPERSTOFF
Wie Forscher mit
Spinnfäden kaputte Nerven
reparieren wollen

Ideen von der
Natur klauen

SEITE 12 > EXPERIMENT
Warum wir zwei Ohren
haben und ob wir auch mit
den Zähnen hören können
SEITE 14 > LERNEN VON
TIEREN Im Leipziger Zoo
studieren Forscher, wie
sich Affen unterhalten

SEITE 13 > SKELETT-QUIZ
MIT KLAPPERKALLE
Was wir über die Knochen im
menschlichen Körper wissen

Inter v iew

Fragen an Bundesforschungsministerin Annette Schavan:

INHALT
4
16
18

Hallo Neugierige,
eine Melkmaschine für Spinnen,
eine Minikamera, um Stimmen zu
erforschen – wer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei
ihrer Arbeit beobachtet, entdeckt
die verrücktesten Dinge. Ich habe
im Wissenschaftsjahr 2011– Forschung für unsere Gesundheit
schon viel gesehen. Jetzt möchte ich gern noch mehr wissen,
schließlich heiße ich nicht umsonst
Calli Callidus. Das ist lateinisch
und bedeutet schlau. In diesem
Heft könnt ihr zum Beispiel mit mir
herausfinden, wie Forscherinnen
und Forscher schlaue Tricks der
Natur nutzen, um Krankheiten zu
bekämpfen. Es gibt viele Experimente und ein Knochen-Quiz. Ganz
hinten im Heft steht, was ihr im
Wissenschaftsjahr Gesundheitsforschung alles Spannendes in
eurer Nähe erleben könnt. Und im
Interview nebenan beantwortet die
Forschungsministerin Fragen. Viel
Spaß beim Lesen und Entdecken
wünscht euer Freund
Calli
HEF TBE STELLUNGEN:
­Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF)
Post fach 30 02 35
5318 2 Bonn
Tel.: 0180 5 – 262 302
Fax: 0180 5 – 262 303

(0,14 Euro/M in. aus dem deutschen
Festnetz)

E-Mail: book s@bmbf.bund.de
Inter net: www.bmb f.de

2

20
Annette Schavan:
Es lohnt sich, an den
Fortschritt zu glauben

NACHGEFORSCHT

14

Schlaue Sprüche zur Ernährung
- stimmen sie oder nicht?
Bakterien: Winzig, nützlich, fies
Alzheimer: Wenn Oma irgendwie
komisch wird
Forschen für die Menschheit:
Weit verbreitete Krankheiten

7
22
23

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen als Forschungsministerin aus? Einen typischen Tag gibt es bei mir
eigentlich gar nicht. Meine Arbeit ist deshalb so interessant, weil
mich jeder Tag mit neuen Herausforderungen und Themen überrascht. Ich führe täglich viele Gespräche und nehme an Sitzungen
teil. So kann ich mich mit vielen Menschen aus unterschiedlichen
Berufen austauschen und bin immer auf dem neuesten Stand.

8

Warum finden Sie es wichtig, auf den Beruf als
Forscher aufmerksam zu machen? Könnt ihr euch vorstellen, wie es ist, als erster Mensch eine Insel zu betreten? So
ähnlich ist es bei Forscherinnen und Forschern: Sie entdecken mit
ihrer Arbeit Neuland, das finde ich spannend. In der Gesundheitsforschung zum Beispiel wird ständig nach neuen Medikamenten
geforscht, die Krankheiten wirksamer bekämpfen. Ich finde es toll,
wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihrer Arbeit
Menschen helfen, gesund zu bleiben.

Was können Forscher von der Natur lernen? Sie
können lernen, über das Wunderwerk Natur zu staunen. Und sie
können lernen, dass Entwicklungen Zeit brauchen. Ein Blick auf
die Natur zeigt aber: Es lohnt sich, an den Fortschritt zu glauben.
Früher sind Menschen an Kinderlähmung gestorben, inzwischen
kann man sich mit einer einfachen Schluckimpfung davor schützen. Hoffentlich werden bald auch andere schlimme Krankheiten
geheilt werden können.

5
13

8
11

IMPRESSUM Herausgeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Projektgruppe Wissenschaftsjahr Gesundheitsforschung, 11055 Berlin Konzept und
Idee, Heft 1 und 2: familie redlich / KOMPAK TMEDIEN Redaktion: dpa Corporate Content
Layout: JDB MEDIA GmbH Fotos: dpa (42), Angelika Warmuth (2), BMBF (1), dreamstime (1), F1 Online (1), iStockphoto (29), JDB (1), Maria Rossbauer (3), Medizinische
Hochschule Hannover (2), Peter Steffen (3), shutterstock (2), Veer (1), PR (11) Illustrationen: Steve Summersgill (6), Thomas Richter Eigenhufe (3)

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6
12

KÖRPERWISSEN

TITELGESCHICHTE
Superstoff aus der Natur:
Mit Spinnfäden Krankheiten
bekämpfen
Geckos, Seegurken,
Elefantenrüssel: Was
Forscher bei Tieren abgucken

Mit der Nase schmecken?
Mit den Zähnen hören?

Forscher im Zoo
­Leipzig: Wie sich
Affen verständigen

MELDUNGEN

Schimpanse: Seine
Körpersprache
ähnelt der des
Menschen

Welche Nachricht ist falsch?

SERVICE
An die Tafel: Holt euch einen Forscher ins
Klassenzimmer!
Das ist los: Aktionen im
Wissenschaftsjahr 2011 – Forschung
für unsere Gesundheit

Von wegen eklig:
Spinnen sind nützlich! Auch für
die Gesundheitsforschung!

Verdauung: Wie das Essen durch den
Körper wandert
Quiz: Knochenraten mit
Klapperkalle

EXPERIMENTE

REPORTAGE

13
Skelett:
Welche Knochen
kennst du?

FORSCHEN MACHT SPASS!
MACHT MIT AUF DER SEITE:
www.die-gesundheitsforscher.de
Die vier Gesundheitsforscher Karla, Lucy,
Tom und Paul führen
euch durch viele verschiedene Quiz-Runden. Dabei könnt ihr
ungewöhnlichen Fragen
nachgehen. Zum Beispiel, welcher Bakterienkiller im Magen aktiv
ist. Entscheidet euch für einen Spiel-Charakter. Er wird euch auf dem
Weg zur richtigen Antwort begleiten und spannende Sachen erklären.
Nach jedem erfolgreich gespielten Level gibts eine Mal-Vorlage zum
Ausdrucken. Wenn ihr alle Themen erforscht habt, werdet ihr mit
einer Urkunde zum Gesundheitsforscher gekürt!

3A

Nachgeforscht

Körperwissen

SPRÜCHE RUND
UMS ESSEN

OBEN REIN, UNTEN R AUS
1 MUND Zähne sind die ersten

Es gibt unendlich viele Tipps und Sprüche zum Essen.
Davon stimmen längst nicht alle. Wir haben nachgeforscht.
DRECK REINIGT
DEN MAGEN!
STIMMT!

Aber nur, wenn es der
richtige Dreck ist. Nicht von der Straße
oder aus dem Garten – sondern eine
besondere Erde zum Beispiel aus Ton,
Lehm oder Kreide, sogenannte Heilerde. Die kann man in der Apotheke kaufen. Sie ist gut für Menschen mit Magen- oder Darmproblemen. Bestimmte
Stoffe in der Erde machen ein Zuviel an
Magensäure unschädlich. Bei einigen
Völkern in den Tropen essen Schwangere und Kinder ab und zu spezielle
Erde, die vorher gekocht wird. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass
dies Magen und Darm gegen Nahrungsgifte und Schädlinge schützt. Daran soll
noch weiter geforscht werden.

ZWIEBELSAFT
HILFT GEGEN
HUSTEN!

STIMMT!

Die Zwiebel enthält Senföl,
mit dem sie sich in der Natur gegen
Feinde verteidigt, die sie fressen wollen.
Dieses Senföl hilft auch Menschen,
denn es tötet Bakterien ab. Trinkst du
Zwiebelsirup – das sind aufgekochte Zwiebeln mit Honig oder
Zucker – sorgt das Öl darin
dafür, dass sich der Schleim
lockert. Er wird dünnflüssiger und kann abgehustet
werden. Das Zeug stinkt
nur leider ziemlich. Senföl
ist es auch, das uns beim
Zwiebelschneiden oft
zum Weinen bringt.

4

2 SPEISERÖHRE Das

Essen wird hier aktiv mithilfe von Muskeln in Richtung
Magen geschoben. Im Notfall geht das sogar „bergauf“,
wenn wir zum Beispiel auf
dem Kopf stehen. Der Transport dauert einige Sekunden,
dann landet das Essen im
Magen.

SO WANDERT
DAS ESSEN DURCH
DEN KÖRPER
3 MAGEN Hier wird die Nahrung

mit dem Magensaft vermengt. Er
enthält Stoffe, die die Eiweiße im
Essen in kleinere Teilchen aufspalten. Außerdem enthält er Salzsäure. Sie tötet Bakterien und andere
Krankheitserreger ab. Wie lange
der Essensbrei im Magen bleibt und
durch den Darm wandert, hängt
auch davon ab, was wir gegessen
haben. Im Magen können es rund
vier Stunden sein. Dann geht es
weiter in den Dünndarm.

DARM

4 DÜNNDARM Hier

WER ERST KIRSCHEN ISST UND DANN KALTES WASSER
TRINKT, BEKOMMT BAUCHWEH!
STIMMT NICHT! Wenn man erst Kirschen isst und anschließend kaltes Wasser
trinkt, kommt es höchstens zu harmlosen
Blähungen. Dann muss man mehr pupsen. Das passiert, weil auf der Obstschale
Hefepilze sitzen, die den Kirschbrei gären
lassen. Das ist etwa so wie bei einem He-

Mitarbeiter im Verdauungsbetrieb. Sie zerkleinern das Essen.
Einige der Nährstoffe im Essen
werden zudem von Stoffen in
der Spucke zerlegt. Die Spucke
weicht das Essen außerdem ein.
Beim Schlucken flutscht alles in
die Speiseröhre.

feteig, der aufgeht. Aber bevor sie Schaden
anrichten können, geht es den Hefepilzen
an den Kragen: Sie werden im Magen von
der ätzenden Magensäure zerstört. Und
das klappt auch noch dann, wenn du die
Magensäure durchs Wasser trinken verdünnst.

wird der Nahrungsbrei
mithilfe von Verdauungssäften weiter in kleine
Teilchen zerlegt. Außerdem wird ihm Wasser
entzogen. Er bleibt auch
hier für einige Stunden.
Dann gelangt er in den
Dickdarm.

6 MASTDARM Hier werden letzte Wasserreste entzogen. Dann
plumpst das, was mal unser Essen
war, in die Toilette.

Er ist bei einem Erwachsenen etwa sieben bis neun
Meter lang, so wie zwei Autos
hintereinander. Die Länge ist
wichtig, damit die Reise der
Nahrung durch den Darm möglichst lange dauert. Nur dann hat
der Körper Zeit, alle wertvollen
Stoffe daraus aufzunehmen. Und
zwar zuerst im Dünndarm.

5 DICKDARM Hier wird
noch mehr Wasser entzogen.
Im Dickdarm leben außerdem
unzählige Bakterien, die bei
der Verdauung helfen. Sieben
Stunden zum Beispiel können
die Essensreste im Dickdarm
bleiben, bevor es weiter geht
in den Mastdarm.

5

EXPERIMENTE

Meldungen

KÖNNEN WIR
MIT DER NASE
SCHMECKEN?

Wenn Forscherinnen und Forscher ihre Arbeit machen, wird in den Medien oft darüber
berichtet. 2011 gab es zum Beispiel diese Meldungen zur Gesundheitsforschung.
Achtung! Drei stimmen, eine ist geflunkert. Welche?

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Ihr braucht: 1 Testperson, 1 Stück gekochter geschälter Apfel, 1 gekochte geschälte Kartoffel, 1 gekochte Karotte, 1
Teelöffel, 1 Tuch zum Augenverbinden,
3 kleine Teller, 1 Gabel

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Darm

So gehts: Legt den Apfel, die Kartoffel
und die Möhre auf je einen kleinen Teller.
Zermatscht sie mit der Gabel. Verbindet
der Testperson die Augen und bittet sie,
sich die Nase fest zuzuhalten. Füttert
die Testperson mit einem Löffel mit den
einzelnen Speiseproben. Lasst sie raten,
was sie da gerade im Mund hat. Schafft
sie das?

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auchen.

BEI BEINBRUCH BANANEN

Lässt sich salziges Brot in
süßes verwandeln?

?

Vielleicht schafft euer Körper das mit einem
Trick. Probiert es aus.

Sportunfall, das Bein ist gebrochen –
was kann helfen, damit die Knochen schneller wieder richtig zusammenwachsen? Forscher
aus Köln haben dazu Tests mit rund hundert Fußballern gemacht, die sich beim Sport etwas gebrochen
hatten. Sie sollten etwa sechs Wochen lang täglich den
Brei einer bestimmten Obstsorte auf die gebrochene
Stelle streichen. Ergebnis: Bei Patienten, die
Bananenbrei nahmen, ging die Heilung
am schnellsten.

Ihr braucht: 1 Stück Brot, zum Beispiel Graubrot oder Vollkornbrot.
So gehts: Beißt ein Stück vom Brot ab. Kaut dann sehr lange und gründlich, bevor ihr den Bissen herunterschluckt. Merkt euch, wie es
anfangs und später schmeckt. Ändert sich der Geschmack?

Ergebnis: Das Brot dürfte zuerst etwas salzig und
kräftig schmecken, dann aber einen leicht süßen Geschmack annehmen. Der Grund: In eurer Spucke sind
Stoffe, die bei der Verdauung helfen. Sie spalten große
Zuckermoleküle im Brot in kleinere Zuckermoleküle
auf. Diese schmecken süß. Und deshalb schmeckt
auch das Brot nach langem Kauen süßlich.

Ergebnis: Die Testperson schafft es
vermutlich nur mit Mühe oder gar nicht,
das richtige Essen zu erraten. Denn: Mit
der Zunge können wir nur fünf grobe
Geschmacksrichtungen wie salzig,
bitter, süß, sauer und umami erkennen. „Umami“ kommt aus dem
Japanischen und bedeutet so viel
wie herzhaft oder fleischig. Für den
genaueren Geschmack brauchen wir
die Hilfe der Nase. Sie ist eigentlich das
feinere, empfindlichere Organ und kann
Tausende von Düften unterscheiden. Und
dies nützt uns beim Schmecken. Das
könnt ihr auch feststellen, wenn ihr stark
erkältet seid und die Nase verstopft ist.
Das Essen schmeckt dann oft ein bisschen langweilig.

6

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deutlich besser ab
Ergebnis: Die Meldung „Bei Beinbruch Bananen“ ist ausgedacht.

Das könnt ihr selbst
ausprobieren.

Welche Nachricht ist falsch?

7

Titelgeschichte

EIN SUPERSTOFF:

SPINNFADEN

vom Gehirn an die Muskeln. Das geht
blitzschnell, wir merken es gar nicht.
„Nerven können aber auch kaputtgehen“, sagt Kerstin Reimers-Fadhlaoui.
Manchmal werden zum Beispiel bei
einem Unfall Nerven durchtrennt. Der
Verletzte kann sich danach oft nicht
mehr richtig bewegen.

Eine Melkmaschine für Spinnen? Das gibt es wirklich!
Forscherinnen und Forscher in Hannover haben sie entwickelt.
Sie wollen mit Spinnfäden kaputte Nerven reparieren.

H

eute ist Ludmilla dran. Eine
Studentin fischt die Spinne aus
ihrem Netz, setzt sie in eine
kleine Plastikschale und bringt sie
zur Melkmaschine. Ja, richtig gelesen.
Ludmilla wird gleich gemolken. Die
Spinne gibt zwar keine Milch, aber Forscher der Medizinischen Hochschule
Hannover zapfen ein bisschen von
ihren Spinnfäden ab. Sie haben dafür
ein besonderes Gerät gebastelt: eine
Spinnfaden-Melkmaschine.

Länger als ein Fußballfeld
Die Forscherin Kerstin ReimersFadhlaoui erklärt, wie das Gerät funktioniert: Ludmilla wird auf ein Schaumstoffpolster gelegt, Verbandstuch drauf,
sodass nur noch ihr Po rausguckt. Aus
ihrem Hintern ziehen die Forscher dann
den dünnen, fast durchsichtigen Spinnfaden. Die Fachleute sagen: Sie melken
die Spinne. „Den Faden spannen wir
in die Kurbelmaschine“, erzählt die
Wissenschaftlerin.
Ein Knopfdruck, und
schon dreht die Maschine los. Sie sieht
ein bisschen aus
wie ein Tischventilator. Bei einem Melk-

8

2.

Mit Spinnfäden und Röhrchen

1.
Gleich gehts los: Aus Ludmillas Hinterteil zieht die Forscherin den Spinnfaden.
Das tut nicht weh. Damit sie nicht wegläuft,
wird sie trotzdem vorsichtig angebunden
vorgang wickelt sie bis zu 200 Meter
Faden auf! Das ist etwa so lang, dass
man den Faden an der langen Seite eines Fußballfeldes zwei Mal von Eckfahne zu Eckfahne spannen könnte.
Und wozu das Ganze? „Wir wollen
mit den Spinnfäden kaputte Nerven
reparieren“, sagt die Forscherin.
Super-Ergebnis: Bis zu 200 Meter Faden
gibt Ludmilla bei einem Melkvorgang.
Er wird kreuzförmig aufgewickelt

4.

Heute ist Ludmilla dran:
Eine Studentin fischt die
Spinne aus ihrem Netz

„Spinnfäden sind zwar superdünn,
aber trotzdem extrem stabil.“ Schließlich muss ein Spinnennetz einiges aushalten, wenn zum Beispiel ein fettes
Insekt hineindüst. Nimmt man ein
Bündel Spinnfäden in die Hand, kann
man es kaum durchreißen. Deshalb
könnten sich Spinnfäden dafür eignen,
kaputte Nervenzellen zu flicken.

­Melkmaschine:
Sie zieht den
Faden aus
Ludmillas Po

Von wegen igitt!
Spinnen sind nützlich.
Sie produzieren Spinnfäden, mit denen Forscher
vielleicht irgendwann
kaputte Nerven heilen

5.

Postboten im Körper
Nervenzellen sind so etwas wie die
Postboten in unserem Körper – sie
überbringen Informationen. Sie verbinden zum Beispiel das Gehirn mit
den Muskelzellen. Wenn ein Mensch
einen Schritt laufen will, leiten die Nervenzellen die Botschaft „Beweg dich“

3.

Feierabend:
Ludmilla darf
zurück in ihr Netz

Die Forscher aus Hannover bastelten
für solche Fälle ein kleines Röhrchen
mit einem Bündel Spinnfäden darin.
Die Idee: Ärzte könnten diese Röhrchen dort einsetzen, wo ein kaputter
Nerv ist – in eine Nervenlücke. Das
Röhrchen könnten sie dann an beiden Enden mit dem kaputten Nerv
verbinden. Und der könnte durch das
Röhrchen hindurch an den Spinnfäden
entlang wachsen – und wäre wieder
ganz. Bisher klappt das alles erst in
Versuchen. „Wir hoffen aber, dass wir
damit irgendwann auch Menschen
helfen können“, sagt die Forscherin.
In ihrem Labor halten sie und ihre
Kollegen deshalb etwa hundert Spinnen und melken sie regelmäßig. Die
Tiere sind etwa so groß wie der Handteller eines Erwachsenen. Jedes hat
einen Namen. Ludmilla macht die
Melkerei recht wenig aus: „Die Spinne
denkt beim Melken wahrscheinlich,
sie fällt vom Baum“, sagt die Wissenschaftlerin. Dabei würde auch ganz
plötzlich ein sehr langer Faden aus
ihrem Hinterteil kommen. Hier dient
er der Forschung.

A
9

Titelgeschichte

Titelgeschichte

Ideen klauen – bei Seegurken, Geckos oder Vögeln
Viele Forscherinnen und Forscher gucken sich Tricks von Tieren und Pflanzen ab
und nutzen sie für die Wissenschaft. Das nennt sich Bionik.

G

enial, wie ein Vogel durch die Luft
fliegt. So elegant und schnell –
und das nur mit ein paar Flügelschlägen. Können Menschen das nicht
irgendwie nachmachen? Und auch wie
Vögel durch die Luft segeln? So ähnlich
grübelten Tüftler und Wissenschaftler
wohl vor einigen hundert Jahren. Sie
erfanden etliche Fluggeräte und versuchten, den Vogelflug zu imitieren. Das
klappte damals zwar noch nicht richtig, trotzdem waren diese Forscher die
Ersten, die eine neue Idee in der Wissenschaft begründeten: die Bionik. Das
Wort setzt sich zusammen aus BIO­logie
und TechNIK. Forscher gucken sich dabei Erfindungen der Natur
an und versu-

chen, sie nachzubauen. Zum Beispiel
so etwas wie die Flügel von Vögeln.
Tolles Material aus dem Meer
Inzwischen wird die Bionik auch in der
Gesundheitsforschung immer wichtiger. So überlegen sich Forscherinnen
und Forscher in den USA zum Beispiel,
wie die Haut von Seegurken kranken
Menschen helfen könnte. Seegurken
sind Unterwassertiere. Sie können ihre
Haut blitzschnell fest werden lassen,
dann wieder ganz weich. Die Forscher
meinen: So ein Material wäre ideal,
um daraus winzige Geräte zu bauen, die
sich ins Gehirn

Der Traum vom
Fliegen: Flugzeugbauer
haben viel vom
Vogelflügel
gelernt

einsetzen lassen – sogenannte Hirnimplantate. Sie können zum Beispiel gelähmten Menschen helfen, ihre Muskeln
besser zu steuern. Bisher sind solche
Implantate meist aus Metall. Eigentlich
viel zu hart für das empfindliche Gehirn.
Das Geheimnis vom Gecko-Fuß
Mehrere Wissenschaftler in Deutschland versuchen, das Geheimnis von
Gecko-Füßen zu nutzen. Die Tiere
können glatte Wände steil nach oben
flitzen, ohne herunterzufallen. Dabei
helfen ihnen feine Härchen unter ihren
Füßen, sogenannte Fibrillen. Diese
haften sehr gut. Forscher wollen das
nachmachen, um Wunden besser
zu vernähen. Bisher mussten sie
dabei die Fäden meist knoten –
wie beim normalen Nähen auch.
Mit dem Gecko-Trick sollen Knoten unnötig werden. Das Material
soll einfach so haften. Die Forscher
hoffen, dass die Wunde dann schneller
heilt und feinere Narben entstehen.

Seegurke: Ihre Haut ist mal weich, mal hart – Forscher
prüfen, ob sie ein ähnliches Material für Minigeräte
entwickeln können, die ins Gehirn eingesetzt werden. So
wollen sie zum Beispiel gelähmten Menschen helfen

10

DAS AXOLOTL:

Bein ab? Macht nichts!
Wenn dieses Tier ein Bein verliert, wächst es ihm einfach wieder
nach. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hannover erforschen, wie das geht – und wollen damit auch Menschen helfen.

W

enn Kerstin Reimers-Fadhlaoui morgens ihr Labor betritt, grinsen sie schon viele
Gesichter an. Ihre Forschungstiere
haben einen besonders breiten Mund,
mit dem sie immer bestens gelaunt
aussehen. Es sind Axolotl, besondere
Lurche, mit vier Beinen und einem langen Schwanz. Neugierig sind sie auch,
erzählt die Forscherin: „Die Axolotl
gucken mir immer zu, wenn ich etwas
im Labor mache.“ Die Tiere haben eine
besondere Fähigkeit: Verlieren sie ein
Körperteil wie ein Bein, wächst dieses
wieder nach. Sogar wenn sie sich am
Herz oder Gehirn verletzen, erneuern
sich die kaputten Teile – ganz von allein. Auch Wunden verheilen beim Axolotl schnell. Die Wissenschaftler von
der Medizinischen Hochschule Hannover wollen jetzt herausfinden, wie das
Tier das schafft. „Es muss etwas mit
seinen Genen, also den Erbanlagen,
zu tun haben“, sagt Kerstin Reimers-

Fadhlaoui. Deshalb
schaut sie genau dort nach,
im Erbgut in
den Zellen.

Dauergrinser: Axolotl
gucken freundlich und
sind neugierig

Spannende
Entdeckung
Ein besonderes
Gen hat die Forscherin schon gefunden: AmbLOXe-Gen wird
es genannt. Die Forscherin
erzählt: „Als wir das Gen in
menschlichen Zellen getestet
haben, sind die künstlichen Wunden dort um ein Vielfaches schneller geheilt als normal. Wenn alles
klappt, machen wir aus dieser Entdeckung vielleicht Cremes oder Pflaster.“
Mit deren Hilfe, so hoffen die Fachleute, könnten Wunden beim Menschen
schneller und besser heilen als bisher.

Wie machen die das?
Beim Axolotl wachsen Körperteile einfach wieder nach

Hakelige Erfindung: Ein Schweizer Ingenieur hat vor über 50 Jahren
beobachtet, wie sich Kletten von einem Busch an seinen Hund
verfingen. Er guckte sich die Pflanze unterm Mikroskop an und
entdeckte die kleinen Häkchen. Das Ganze baute er nach
– und erfand den ersten Klettverschluss

Elefantenrüssel: Die Dickhäuter können mit
ihrer Nase kräftig und sanft zugleich zupacken –
dieses Prinzip nutzen Forscher auch bei der Entwicklung
künstlicher Gliedmaßen wie Armprothesen

Vorbild Gecko-Fuß: Feine, gut haftende Härchen helfen den Tieren
beim Klettern. Forscher wollen ein
ähnliches Material entwickeln,
das Wunden besser verschließt

11
A

EXPERIMENTE

Schädelknochen

Klatschen!

SO GEHTS: Die Testperson stellt sich mit verbundenen
Augen in die Mitte eines Raumes. Die Helfer verteilen
sich. Einer ist der Chef des Experimentes und gibt einem
anderen ein Zeichen, wann er laut in die Hände klatschen
soll. Oder ihr verabredet ein leiseres Geräusch, etwa ein
Schnaufen. Kann die Testperson erraten, aus welcher
Richtung das Geräusch kommt? Und was passiert, wenn
sie sich einen Finger fest ins Ohr steckt und nur noch mit
einem Ohr hört?

Können wir auch
mit den Zähnen hören?
IHR BRAUCHT: 1 Gabel, 1 Teelöffel
SO GEHTS: Nehmt den Griff der Gabel in die Hand und schlagt mit dem
Teelöffel vorsichtig gegen die Zinken. Wiederholt das einige Male. Dann
nehmt den Gabelgriff zwischen die Zähne und schlagt wieder vorsichtig
gegen die Zinken. Was verändert sich?
ERGEBNIS: Ihr hört einen bestimmten Ton, wenn ihr die Gabel in der Hand
haltet. Steckt ihr sie in den Mund, klingt der Ton anders. Das liegt daran, dass
wir Geräusche nicht nur durch die Luft über die Ohrmuscheln empfangen.
Auch die Zähne und die Knochen im Kopf leiten die Töne weiter, also auch das
Geräusch der Gabel. Eure eigene Stimme nehmt ihr auf diese Weise übrigens
auch doppelt wahr: von außen über die Luft und von innen über die Knochen.
Deshalb klingt die eigene Stimme so fremd, wenn ihr sie als Tonaufnahme und
damit nur über die Luft hört.
ÜBRIGENS: Forscher in den USA arbeiten an einem winzigen Hörgerät,
das im Mund befestigt wird. Es soll helfen, Geräusche über die Zähne zu
übertragen. So sollen zum Beispiel Menschen wieder vollständig hören können,
die auf einem Ohr taub sind. Ob das wirklich klappt, ist aber noch unsicher.

12

Hey Klapperkalle!

ln und Fett wegdenken, bleibt
Wenn wir uns Haut, Haare, Muske
es übrig: das Skelett.
von unserem Körper fast nur ein
s Herz, stützt den Körper,
Es schützt wichtige Organe wie da
tigt. Ohne Skelett wäre unser
und die Muskeln sind daran befes
.
Körper ein schwabbeliger Pudding
S SKELETT?
WAS WISST IHR NOCH ÜBER DA
	 1. Was ist der Steigbügel?
a	Der kleinste Knochen im Körper. Er sitzt im Mittelohr und
sieht so aus wie ein Steigbügel an einem Pferdesattel.
b	 Ein Knochen im Fuß, der beim Reiten besonders
	 belastet wird.
	

	

2. Wer hat mehr Knochen,
Kinder oder Erwachsene?

a	Erwachsene – je älter ein Mensch wird, desto
mehr Knochen bilden sich.
b	Kinder – bei ihrer Geburt sind es mehr als 300. Danach
wachsen viele ihrer Knochen nach und nach zusammen.
Erwachsene haben rund 200 Knochen.

	

3. Was ist ein Grünholzbruch?

a	So heißt es, wenn Menschen sich beim Wandern in der
Natur einen Knochen brechen.
b	Ein Knochenbruch bei Kindern. Ihre Knochen
brechen oft nicht richtig durch, weil sie weicher und biegsamer sind als bei Erwachsenen. Wie bei einem jungen,
grünen Zweig.

	
	

?

?

4. Was kann ein altes Skelett einem
Forscher verraten?

Schlüsselbein
Rippen
Wirbelsäule

Klapperkalle: Das
menschliche
Skelett besteht
aus mehr als 200
einzelnen
Knochen

Oberschenkelknochen

Flüstern!

IHR BRAUCHT: 1 Testperson, 2 bis 3 Helfer,
1 Augenbinde

		 ERGEBNIS: Wenn die Testperson
	
mit beiden Ohren hört, kann sie mit
einer ziemlich hohen Wahrscheinlichkeit genau sagen,
woher ein Geräusch kommt. Wenn sie nur mit einem Ohr
hört, klappt das längst nicht so gut. Der Grund: Wenn
jemand ein Geräusch macht, werden Schallwellen durch
die Luft geschickt. Sie kommen bei unseren beiden Ohren
nicht genau gleichzeitig an, weil das eine Ohr etwas dichter
an dem Geräusch dran ist als das andere. Das Gehirn
nimmt diesen winzigen Unterschied wahr und berechnet
daraus blitzschnell, aus welcher Richtung das Geräusch
kommt.

WEIL DAS SONST KOMISCH
AUSSIEHT? WEIL DIE BRILLE
SONST VERRUTSCHT?
Oder weil wir nur so
richtig hören können?
Probiert es aus.

Lauscher
aufsperren:
Doppelt hört
besser!

Kniescheibe

a	Zum Beispiel, ob dieser Mensch früher viel
Fleisch oder nur Obst und Gemüse gegessen hat.
b	Unter anderem, ob der Mensch eher allein oder
in einer Gruppe lebte.

	

5. Was bedeutet das Wort Skelett?

a	Der Begriff stammt aus dem Griechischen und heißt
so viel wie „ausgetrockneter Körper“.
b	Skelett ist ein finnisches Wort und bedeutet
Klappergestell.
Ergebnis: 1a, 2b, 3b, 4a, 5a.

Warum haben
wir zwei Ohren?

13

Reportage

A FF ISCH –

D

SO PLAPPERN DIE PRIMATEN
Im Zoo Leipzig erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,
wie sich Affen zum Beispiel mit den Händen unterhalten. So wollen die Forscher
auch etwas über die Entwicklung der menschlichen Sprache lernen.

Gute Beobachterin:
Die Biologin Anke
Bullinger erforscht
die Gesten von
Menschenaffen

14

Nickerchen: Die
Gehege sind der
Natur, in der Robert
und Frodo sonst
leben, möglichst
genau nachempfunden

as da hinten ist Robert“, sagt
Anke Bullinger. Die Forscherin deutet auf einen großen
schwarzen Affen, der gerade auf dem Rücken
im Schatten liegt. Er schmatzt laut und lässt
sich von einem seiner Kollegen den Bauch
lausen. Weiter hinten im Gehege lümmelt
Frodo auf einem Ast.
Anke Bullinger beobachtet die einzelnen Tiere ganz genau. Sie ist Biologin,
27 Jahre alt und studiert das Verhalten
von Affen. Im Moment interessiert sie,
wer in Frodos Affengruppe wen besonders
gerne laust und welche Gesten sie machen.
„Wenn einer der Affen die Hand aufhält, bedeutet
das, dass er um etwas bettelt“, sagt die Forscherin. Das
ist also ähnlich wie bei Menschen. Eigentlich kein Wunder.
Schließlich sind Schimpansen die nächsten noch lebenden
Verwandten von uns Menschen. Sie sind Menschenaffen
– oder wie Experten sagen: Primaten. Im Leipziger Zoo
wohnen außer den Schimpansen auch noch andere Menschenaffen: Bonobos, Gorillas und Orang-Utans. In riesigen
grünen Gehegen klettern sie Bäume hoch, hangeln sich an
Seilen entlang oder liegen einfach faul herum.
Und Anke Bullinger ist mit Fernglas, Funkgerät und Notizblock dabei. Jeden Tag klettert sie für ihre Arbeit auf das
Dach des Wolfgang-Köhler-Primaten-Forschungszentrums
und steigt zu einer der Aussichtsplattformen auf. Von dort
aus kann sie alles prima sehen.

Ehrlich und direkt: Wie Affen kommunizieren
Ins Gehege hinein geht die Forscherin nie. „Das Gehege der
Affen ist ihr Revier. Und darin sollen sie so leben, wie sie wollen“, sagt Anke Bullinger. Auch Futter werfen die Pfleger den
Tieren von oben herab. Heute gibt es Salat, Äpfel, Trauben,
Rote Beete – und natürlich Bananen.
Lange Zeit haben die Menschen gedacht, Affen seien dumm.
„Das sind sie aber ganz und gar nicht“, sagt die Biologin. Ganz
im Gegenteil: Die Affen können sich sogar unterhalten. Zwar
nicht mit einer Sprache wie wir Menschen. Aber mit vielen
Gesten, Grimassen und Lauten. Die Forscherin ist begeistert
von den Schimpansen: „Sie sind so ehrliche, direkte Tiere“,
sagt sie. Menschen sagen manchmal durch Umwege, was

sie wollen, oder verheimlichen sogar
Dinge. „Wenn Affen etwas nicht passt,
zeigen sie das ganz deutlich.“
Gemeinsam mit ihren Kollegen will
Anke Bullinger herausfinden, wie die
Affen genau miteinander kommunizieren. Und was die einzelnen Gesten
bedeuten. „Das hilft uns zu verstehen, wie sich Sprache beim Menschen
entwickelt hat“, sagt die Forscherin.
Schließlich haben Menschenaffen und
Menschen einen gemeinsamen Vorfahren. Benutzten wir also früher vielleicht auch nur
Gesten, und daraus
sind dann Wörter
und Sätze geworden? Dahinter steckt die
Frage: Warum
haben wir Menschen uns zu
dem entwickelt,
was wir heute sind?
Grins: Das ist bei
Und wie ging das?
Affen nicht
Um noch mehr über unbedingt lustig
gemeint. Zähne
die Fähigkeiten von
bedeuAffen herauszufinden, zu zeigen
tet oft eher
geben ihnen die Leipzi„Geh weg“
ger Forscher manchmal
kniffelige Aufgaben. Sie stellen den
Affen zum Beispiel zwei Becher umgedreht vor die Nase und verstecken
unter einem etwas Futter. Merken die
Affen, wenn man die beiden Becher
vertauscht? „Sie merken es“, sagt
Anke Bullinger grinsend.
Sie freut sich, wenn ihre Affen eines der Rätsel lösen. Die Affen machen
übrigens bei solchen Spielen freiwillig
mit. „Ich glaub, es macht ihnen sogar
Spaß“, sagt die Forscherin.
	

15

Nachgeforscht

Nachgeforscht

BAKTERIEN: winzig, nützlich, fies
B

Hundezunge: Bakterien
leben fast überall, auf und
im Körper von Tieren und
Menschen, in der Luf t, im
Wasser und im Boden

„Händewaschen nicht vergessen!“ Früher
bekamen Kinder das selten zu hören. Bakterien
waren noch unbekannt.

Wasser marsch:
Bakterien tummeln sich auf
den Händen. Lauwarmes
Wasser und Seife
mögen sie nicht

Nützliche Bakterien,
schädliche Bakterien
Lange Zeit wussten die Leute gar
nichts von Bakterien. Denn mit
dem bloßen Auge sind die meisten nicht zu sehen. Es sind winzige Lebewesen, rund tausend

16

Mal kleiner als ein Millimeter.
Forscher können sie nur unter
einem Mikroskop erkennen.
Sehr viele Bakterien sind harmlos oder sogar sehr nützlich. Im
Darm des Menschen leben zum
Beispiel Milliarden Bakterien
und helfen bei der Verdauung.
Bakterien bestehen nur aus
einer Zelle. Außen haben sie eine
Zellwand, eine Hülle. Dar­über
nehmen sie Nahrung auf. Sie
befördern bestimmte Stoffe ins
Innere. Und sie geben Stoffe nach
außen ab. Diese sind bei einigen
Bakterien giftig und können Menschen sogar krank machen. Sie
lösen zum Beispiel Krankheiten
wie Durchfall aus. Manche Bakterien haben noch eine Kapsel
außen herum, die sie schützt.
Eine weitere Besonderheit: Die
winzigen Dinger können 	
sich ganz leicht ver-	
mehren – sie teilen	
sich einfach. » » »

akterien
Unterm Mikroskop: Diese EHEC-B
lösten 2011 bei vielen Menschen
in Deutschland eine schwere
Krankheit aus

Was ist eigentlich Penizillin?

Tabletten oder Saft mit Penizillin können dir helfen,
wenn dich Bakterien richtig krank gemacht haben.
Zum Beispiel bei einer Lungenentzündung.

Der Pinselschimmel
Penicillium sondert einen
besonderen Stoff ab:
das Penizillin.

Bei der Vermehrung
der Bakterien heftet
es sich an ihre Wand.

Kindergrafik 0597

E

ine Wohnung ohne Klo.
Ohne Dusche. Und ohne
Badewanne. Vor einigen
hundert Jahren war das für
viele Leute völlig normal. Die
Menschen wuschen sich nicht
oft. Selbst feine Leute puderten
ihr Gesicht lieber. Statt einer
Toilette gab es oft einen Eimer.
Der Dreck wurde auf die Straße gekippt. Die Leute dachten
sich nichts dabei, bis Forscher
herausfanden: Mangelnde Sauberkeit trägt stark dazu bei, dass
sich bestimmte Krankheiten
ausbreiten. Und sie erkannten:
Das hat viel mit Bakterien zu tun.

akterien bekämpfen – daran arbeiten Forscherinnen
und Forscher seit Jahren.
Und sie müssen sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen.
Wegschrubben – das ist wohl die
einfachste Art, gegen Bakterien
vorzugehen, die krank machen
können. Forscher haben sogar
richtige Regeln und besondere Mittel für Sauberkeit entwickelt, um
Krankheiten zu verhindern – man
nennt das auch Hygiene, abgeleitet
von dem Namen der griechischen
Göttin für Gesundheit „Hygeìa“.
Aber was ist, wenn sich trotzdem Keime im Körper des Menschen einnisten und Krankheiten
auslösen? Dann können Ärzte die
Bakterien mit speziellen Medikamenten bekämpfen: den Antibiotika. Eines dieser Antibiotika ist
das Penizillin. Es bekämpft einige

Es verhindert dann
die Bildung einer
neuen Zellwand.

Die Bakterien
gehen kaputt.

Immer noch schmutzig:
Ein bestimmtes Gel macht
Bakterien auf der Haut sichtbar

Arten von Bakterien,	
indem es verhindert, dass 	
sie sich vermehren können. Sie
sterben dann ab.

Der Kampf gegen Keime
ist nie vorbei
Das Problem: Viele Bakterien
entwickeln im Laufe der Zeit Tricks,
den Angriffen der Antibiotika zu
entkommen. Dann wirken die Medikamente nicht mehr. Damit das
nicht passiert, raten Fachleute, nur
dann ein Antibiotikum zu nehmen,
wenn es wirklich nötig ist. Und die
Arbeit der Forscher ist nie vorbei:
Sie müssen immer wieder neue,
bessere Medikamente entwickeln,
um Bakterien zu besiegen.
Übrigens: Es gibt ein Gel für
Kinder, das im Dunkeln leuchtet und Bakterien auf der Haut
sichtbar macht. Es soll Kinder
dazu bringen, sich gründlicher
und öfter die Hände zu waschen. Das heißt aber nicht,
dass immer alles blitzsauber
sein muss. Forscher haben
auch herausgefunden: Kinder,
die öfter mal im Dreck spielen,
bekommen nicht so oft Allergien wie andere. Der Körper lernt
dann anders, sich gegen Keime
und Bakterien zu wehren.

17

Nachgeforscht

Nachgeforscht

WENN OMA ALLES

VERGISST

Alzheimer – Was ist denn das?

Computer-Bilder: Ärzte erkennen heute
Alzheimer mit moderner Medizintechnik. Entdeckt wurde die Krankheit
vor über 100 Jahren – vom
Arzt Alois Alzheimer

Wo sind nur meine Schlüssel? Wer verbunden. Man sagt: Sie bilden Netzist der Mann, der da mit mir am Tisch werke. So sind die Zellen miteinander
sitzt? Für Menschen mit der Alzhei- in Kontakt. Sie tauschen Informationen
mer-Krankheit ist die eigene Umwelt aus, speichern welche oder leiten Beoft ein Rätsel. Sie verstehen die ein- fehle weiter. Nur deshalb können wir
fachsten Dinge nicht mehr oder ver- uns bewegen, sprechen oder etwas
gessen ständig etwas,
lernen und erinnern.
manchmal selbst
Genau das ist bei
Patienten mit Alzdie Namen ihrer Kinheimer das Probder. Bis heute weiß
lem: Ihre Nervenniemand, was die
Krankheit auslöst.
zellen können keine
Fest steht: Alzheimer
neuen Netzwerke
mehr bilden, alte
zerstört das Gehirn.
Netzwerke verUm die Krankheit
schwinden.
Iretwas besser zu verstehen, werfen wir
gendwann sterben
einen Blick in das
die Nervenzellen
gesunde Gehirn: Es
ab. Das macht die
wird oft mit einem
Leute vergesslich
Haustürschlüssel weg?
Alzheimer-Patienten
Computer verglichen.
und verwirrt. Spähaben Probleme mit dem
Aber das Gehirn kann
ter verändern sich
Gedächtnis
viel mehr. Es besteht
die Menschen selbst:
aus mehr als 100 MilliEs kann zum Beispiel
arden Nervenzellen – das ist eine 1 sein, dass eine Oma, die immer lieb
mit 11 Nullen! Jede dieser Zellen ist und freundlich war, anfängt, ständig
mit unzähligen anderen Nervenzellen zu schimpfen. Für Freunde und Angehörige ist das oft schwer zu verstehen.
Aber die Alzheimer-Kranken können
nichts dafür.
Normalerweise bekommen nur ältere Menschen die Krankheit. Sie ist
nicht ansteckend, aber sie verschwindet auch nicht mehr. Denn bisher hat
die Wissenschaft noch kein Medikament dagegen gefunden.

18

Piks – Impfen gegen
Alzheimer?
Eine Spritze gegen Alzheimer – das
wär klasse. Mit einem kleinen Stich
in den Arm ließe sich die Krankheit
aufhalten. Noch gibt es das allerdings
nicht. Aber viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten daran, so eine Impfung zu entwickeln,
zum Beispiel an der Universität in
Göttingen. Dort testen Forscher einen Wirkstoff, der die Zerstörung des
Gehirnes aufhalten soll.
Es ist ein sogenannter Antikörper,
ein kleines Eiweißteilchen. Es wird gespritzt – und wandert dann im Körper
zum Gehirn. Dort angekommen, sucht
es nach bestimmten anderen EiweißStücken, die bei der Entstehung von
Alzheimer eine Rolle spielen. Findet
der Antikörper ein solches Eiweiß,
dockt er sich an und macht es so unschädlich. Das Alzheimer-Eiweiß kann
dann keinen Schaden mehr anrichten.
Bei Mäusen funktioniert das schon ganz
gut. Jetzt wollen die Wissenschaftler
testen, ob es auch beim Menschen
klappt. Verhindern lässt sich Alzheimer
mit so einem Antikörper nicht. Aber die
Krankheit könnte früh gestoppt werden.

Geldbörse im Kühlschrank: Menschen
mit Alzheimer verlegen oft Dinge

Neben der Spur
NIKI, 17 JAHRE, ERZÄHLT:
Meine Oma ist 87 Jahre und hat Alzheimer. Am Anfang habe ich gar nicht
viel gemerkt von der Krankheit. Oma
hat ein paar Sachen verwechselt, zum
Beispiel Tassen im Schrank zu den Tellern gestellt oder so. Jetzt wird es im-

mer krasser. Sie verliert ihre Schlüssel
oder Geld, verlegt das Telefon oder die
Fernbedienung. Das Schlimmste daran
ist, dass sie mir dann die Schuld gibt.
Sie sagt, ich hätte die Sachen verloren
oder versteckt. Ich werd dann richtig
sauer, und wir geraten in Streit. Früher
hab ich noch viel mit Oma gespielt, Uno
Mit Oma spielen: oder Dame oder so, aber im Moment
Wenn Großhab ich dazu echt keine Lust.
eltern an AlzMeine Oma weiß, dass sie Alzheiheimer erkran- mer hat. Sie merkt auch manchmal,
ken, wird vieles dass sie richtig neben der Spur ist.
anders. Oft
Wahrscheinlich kommt sie bald in
verändert die
ein Heim, weil wir uns zu Hause nicht
Krankheit den
mehr richtig um sie kümmern können.
Menschen sehr
Ein paar Stunden kann sie noch allein

sein, aber länger
nicht. Einmal zum
Beispiel bin ich nach
Hause gekommen,
und Oma hatte Kartoffeln gekocht. Sie
hatte aber gar kein Wasser im Topf.
Hin und wieder lässt sie auch Kerzen
brennen. Das ist zu gefährlich.
Manchmal können wir aber auch
ganz gut reden, zum Beispiel wenn
Oma von früher erzählt. Das find ich
schon interessant, und oft ist es auch
lustig – selbst wenn ich manche Geschichten schon gehört habe.

19

Nachgeforscht

FORSCHEN FÜR DIE MENSCHHEIT
Diese Krankheiten machen Millionen Menschen weltweit
n
schwer zu schaffen. Forscherinnen und Forscher versuchen zu helfe
– und das ist gar nicht so einfach.

TUBERKULOSE

AIDS
Röntgenbild der Lunge: Jedes Jahr
erkranken mehr als neun Millionen
Menschen weltweit an Tuberkulose,
davon sterben knapp zwei Millionen.
Betroffen sind vor allem Menschen in
Afrika und Asien
Tuberkulose wird durch bestimmte Bakterien
ausgelöst. Man kann sich zum Beispiel anstecken, wenn ein Kranker hustet. Wer daran erkrankt, wird meist schwach und immer dünner,
viele sterben. Es gibt zwar Medikamente gegen
Tuberkulose, aber gegen bestimmte, neuere
Formen der Krankheit helfen sie nicht richtig.
Das hat viel damit zu tun, dass die Medikamente
schon vor längerer Zeit entwickelt wurden. Experten glaubten damals, die Krankheit sei besiegt.
Stattdessen heißt es aber: Weiterforschen! Nun
wird nach passenden Antibiotika gegen die neuen
Tuberkulose-Formen gesucht.

Diese Krankheit wird
durch ein winziges Virus
ausgelöst. Es heißt HI-Virus oder kurz HIV. Das Virus kann zum
Beispiel bei der Geburt von einer infizierten Mutter auf ihr Kind
übertragen werden. Oder wenn jemand mit einem HIV-Infizierten Sex
hat, ohne sich mit einem Kondom zu schützen. Das Virus schwächt
die Abwehr des Körpers immer mehr. Der Infizierte wird immer öfter krank. Man spricht dann davon, dass er AIDS hat. Vor 30 Jahren
war die Krankheit den Forschern noch
ein Rätsel. Inzwischen haben sie Medikamente entwickelt. Damit lässt sich
AIDS zwar nicht heilen, aber Betroffene können damit recht lange leben.
Das Problem: Für viele Menschen in
armen Ländern sind die Medikamente
viel zu teuer. Forscherinnen und Forscher arbeiten an einem Impfstoff, der
den Menschen zuverlässig vor dem
HI-Virus schützt.

Kampagne gegen Aids: Weltweit haben derzeit mehr als
34 Millionen Menschen HIV, darunter 2,5 Millionen Kinder.
Die meisten von ihnen leben in Afrika. Täglich stecken sich
Tausende Menschen neu an

20

L_20-21_weltweite Krankheiten.indd 20

06.09.11 15:24

MALARIA
Ein winziger Piks und es juckt: Mückenstiche nerven. In einigen Teilen der Welt
können sie sogar gefährlich sein. Vor
allem in wärmeren Gegenden wie Afrika oder Asien übertragen manche
Mückenweibchen Malaria. Wer sich
ansteckt, bekommt unter anderem
hohes Fieber. Deshalb sollte man
in den betroffenen Gebieten Stiche
möglichst vermeiden. Zum Beispiel
mit einem Moskitonetz über dem
Bett. Es gibt zwar ein Medikament,
das man auf Reisen vorsorglich nehmen kann, um die
Krankheit fernzuhalten. Das
schützt aber nicht richtig gut
und hat Nebenwirkungen.
Forscher suchen deshalb
noch nach einem Impfstoff,
der vor allen Formen des
Erregers überall auf der
Welt schützt – und das
möglichst für viele Jahre.

Mückenweibchen: An Malaria sterben jedes
Jahr mehr als eine Million Menschen, vor
allem in afrikanischen Ländern südlich der Sahara

Lustlos und traurig: Weltweit sind mehr
als 120 Millionen Menschen depressiv,
vor allem in wohlhabenden Ländern wie
Deutschland ist die Krankheit verbreitet

DEPRESSION
Der Körper sieht gesund aus, die Seele ist es aber
nicht. Menschen mit Depressionen sind oft extrem
traurig. Sie ziehen sich zurück und haben zu nichts
mehr Lust. Die Krankheit wird selten richtig ernst
genommen, deshalb verheimlichen viele Leute ihre
Depression. Wenn sie damit aber zum Arzt gehen,
kann ihnen häufig geholfen werden – etwa mit Medikamenten oder Gesprächen mit Psychologen.
Die Hilfe soll aber noch besser werden. Forscher
versuchen herauszufinden, wie die Krankheit früher
erkannt werden könnte und welche Ursachen sie
hat. Einige vermuten, dass viel Stress oder Angst
vorm Versagen Depressionen auslösen kann.

DIABETES
Die Zuckerkrankheit ist nicht ansteckend. Es gibt zwei Hauptformen: Bei
Typ 1 funktioniert die Bauchspeicheldrüse nicht richtig. Sie produziert zu
wenig Insulin. Das ist ein Stoff, der
regelt, dass die Zuckermenge im Blut
nicht zu hoch ist. Diabetiker müssen
sich deshalb künstlich mit Insulin versorgen, etwa über Spritzen. Vermutlich wird diese Diabetesform vererbt.
Dagegen kann man nichts tun. Etwas
anders ist es bei beim Typ-2-Diabe-

tes. Das Risiko, daran zu erkranken,
steigt, wenn man sich wenig bewegt
und viel Süßes futtert. Früher hatten
diese Diabetesform vor allem ältere
Menschen, inzwischen bekommen
sie auch immer mehr Kinder. Um zu
verhindern, dass sich Menschen ein
Leben lang spritzen müssen, versuchen Forscherinnen und Forscher, die
Krankheit besser zu verstehen. Sie
arbeiten auch daran, dass der Körper
doch weiter selbst Insulin produziert.

Insulin-Messgerät:
Experten von der
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
schätzen, dass
weltweit fast 350
Millionen Menschen
Diabetes haben

21

L_20-21_weltweite Krankheiten.indd 21

06.09.11 15:24

Service

FORSCHER AN DIE TAFEL!

Eure Lehrer haben Pause, dafür unterrichten echte Forscher – habt ihr Lust darauf?
Dann könnt ihr über eine Börse im Internet Forscherinnen und Forscher zu euch ins
Klassenzimmer einladen. Zum Beispiel Professor Dirk Mürbe. Er hat Gesang studiert,
ist Arzt und erforscht die Stimme des Menschen. Hier erzählt er, wie das geht:

M

eine Kollegen und ich erforschen die Stimme, indem wir
uns ansehen, wo und wie sie
im Körper entsteht. Wir beobachten,
wie sich beim Sprechen oder Singen
zum Beispiel die Stimmlippen im Kehlkopf bewegen und was dabei im Mund
und im Rachenraum passiert.

Forschen mit der Minikamera
Damit wir das überhaupt sehen können,
benutzen wir eine superschnelle Minikamera, die 4000 Bilder pro Sekunde
macht. Man kann sich das fast so vorstellen, als ob sie einen Film davon
dreht, wie sich die Bewegungen der

Stimmbänder verändern. Man kann an
den Aufnahmen auch erkennen, ob eine
Stimme trainiert oder krank ist. Wir
fangen bei unserer Arbeit aber auch
die „fertige Stimme“ mit dem Mikrofon
ein, nehmen sie also auf und
untersuchen dann ihren
Klang mithilfe eines Computers. Hier interessiert
uns besonders, wie eine
Stimme verbessert werden kann.
Das ist

en
ell
n
ih
tra
sc
e
r
e
wi
up
n,
s
e
ch
no
eh
er
s
d
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än ra k
e
s
ofi me
n
mm
Pr nika e Sti n kan
i
M rt ein erde
nie sser w
be

zum Beispiel wichtig, wenn es um ProfiSänger geht, die auf Bühnen oder im
Fernsehen auftreten. Ich bin Forscher
geworden, weil ich neugierig bin. Als
Kind wollte ich Tonmeister werden,
zum Ende der Schulzeit dann Arzt.“

Stimmlippen: Sie sind dafür
verantwortlich, wie unsere
Stimme klingt

Professor Dirk Mürbe arbeitet am
Universitätsklinikum Carl Gustav
Carus in Dresden. Außerdem leitet
er das Institut für Stimmforschung
an der Dresdner Musikhochschule

Wenn ihr mehr über die Arbeit von
Forscherinnen und Forschern wissen wol
lt, könnt
ihr sie zu euch in die Schule einlade
n. Bei
der Forschungsbörse sind etliche
Wissenschaftlerinnen und Wissensch
aftler
gemeldet, die gern Schulkassen
besuchen und von ihrem Beruf erzähle
n. Ihr
findet sie im Internet unter

ww w.for schungsboers e.de.

GEN
VER ANSTALTUN
RUND UM DAS
JAHR
WISSENSCHAFTS
RSCHUNG
GESUNDHEITSFO

Was? Wann? Wo?

Das Wissenschaftsjahr 2011 – Forschung für unsere Gesundheit hat
spannende Veranstaltungen zu bieten – bestimmt auch in eurer Nähe.
Die Forscher-Community
für neugierige Kinder von 6 bis 12

SCHREIBWETTBEWERB
DR. FUTURA
Wie werden in Zukunft
Krankheiten geheilt?
Durch
allmächtige
Ärzte? Superschlaue
Roboter? In einer vollautomatischen Praxis?
Lass deiner Fantasie
freien Lauf, und mach
mit beim Schreibwettbewerb Dr. Futura!
Einsendeschluss:
3. Oktober 2011

Lucy, Tom, Paula und Karl
nehmen euch mit auf ihre Gesundheitsforschungs-Tour. Ob
Ernährung, Bewegung oder Medizintechnik – gemeinsam spielt
ihr das Onlinequiz und findet die
richtigen Antworten!
www.die-gesundheitsforscher.de

Forscher ins Klassenzimmer!

22

Service

KINO STATT KLASSENZIMMER

MENSCH MIKROBE!

Bei den SchulKinoWochen wird
das Kino zum Klassenzimmer.
Wäre es nicht klasse, vormittags
ins Kino zu gehen und dabei noch
Spannendes über die Gesundheitsforschung zu erfahren?
Brandenburg 02.11.–16.12. //
Berlin 11.11.–25.11. // Hamburg 14.11.–18.11. // Saarland
14.11.–18.11. // Sachsen-Anhalt
14.11.–18.11. // Thüringen
14.11.–18.11. // MecklenburgVorpommern 21.11.–25.11.
// Schleswig-Holstein
21.11.–25.11. // RheinlandPfalz 21.11.–25.11. // Sachsen
28.11.–09.12. //

Wusstet ihr, dass Mikroben unsere ständigen
Begleiter sind? Sie unterstützen ­unseren Körper auf vielfältige Weise.
Welche Mikroben uns jedoch auch krank machen
können, erfahrt ihr in der
Ausstellung „Mensch
­Mikrobe“.
München 22.09.2011–
15.01.2012 //

www.lizzynet.de

www.schulkinowochen.de

www.menschmikrobe.de

20 STATIONEN MIT SPANNENDEN EXPERIMENTEN

WISSENSCHAFT AHOI!

Wie seht ihr in 30 Jahren aus? Was muss euer Körper
tun, um ein Gummibärchen zu verarbeiten? Diese
und weitere Fragen beantworten die 20 Stationen
der Wanderausstellung „Gesundheit und Gesundheitsforschung – Es betrifft DICH“.

„Ahoi und willkommen an Bord“ hieß es fünf Monate lang in
ganz Deutschland! Auf dem Ausstellungsschiff „MS Wissenschaft“ wurde nach Herzenslust geforscht. Ob an Deck oder in
den Kombüsen – selbst der Blick in ein Gehirn war hier möglich.

Wolfsburg 01.09.–25.09. // Gießen 01.10.–23.10. // Frankfurt
am Main 27.10.–27.11. //
Heidelberg 30.11.–30.12. //

Magdeburg 17.09.–19.09. // Brandenburg 21.09.–22.09. //
Berlin-Tegel 23.09.–25.09. //

www.es-betrifft-dich.de

www.ms-wissenschaft.de

Diese Veranstaltungen gab es schon:
AB AUF DIE INSEL!

WISSENSCHAFT IM BAHNHOF

Eine spannende Entdeckungsreise auf
der Insel Mainau hat diesen Sommer
zahlreiche Kinder, Jugendliche und
Erwachsene begeistert. 18 Pavillons
zählte die Ausstellung „Entdeckungen
2011: Gesundheit“.
www.mainau-entdeckungen.de

Diesen Sommer gab es auf Deutschlands Bahnhöfen einiges zu entdecken. Die Wanderausstellung ScienceStation hat aus kleinen und großen
Besuchern Forscher gemacht. Während der
Wartezeiten konnten sie zum Beispiel herausfinden, wie das Herz funktioniert.
www.sciencestation.de

23

SCHÄTZEN, RATEN, AUSPROBIEREN
DIE NATUR LIEFERT IDEEN

SCHÄTZ MAL!

Wie lange wandert die
Nahrung nach dem Essen
durch deinen Körper?

für tolle Erfindungen. Auch
Gesundheitsforscher gucken bei ihr ab.

A

PROBIER MAL!

WEISST DU, ...

Wie hoch und
wie tief kannst
du deine Stimme
klingen lassen?

... welche Bilder zusammengehören?
TIPP:

1

RATE MAL!

3

Welcher Knochen ist der einzige in deinem Gesicht,
der beweglich ist?

Schau doch
mal in der
Titelgeschichte
­
nach.

B

C

MACH MAL!

D

Kannst du ein Spinnennetz
zeichnen?

2

4

Lösungen: Bilderrätsel: 1C, 2D, 3A, 4B. Schätz mal: Fachleute gehen von rund 24 Stunden aus – von der Nahrungsaufnahme
bis zur Ausscheidung. Die Dauer hängt unter anderem davon ab, was wir gegessen haben. Rate mal: Unterkiefer-Knochen

Die Träger des Wissenschaftsjahres Gesundheitsforschung:

Der Vertrieb von „forscher“ wird unterstützt von:
        
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