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Full text: Konjunkturreport ... Issue 2004

Berlin Cottbus Frankfurt (Oder) Potsdam

Konjunkturreport 2004
Die konjunkturelle Lage zum Jahresbeginn 2004 in der Region Berlin-Brandenburg und die Erwartungen für 2004

Die konjunkturelle Lage in der Region Berlin-Brandenburg Umfrage 2004 10. gemeinsamer Report des Arbeitskreises der Industrie- und Handelskammern Berlin und Brandenburg

Autoren: IHK Berlin, IHK Cottbus, IHK Frankfurt (Oder), IHK Potsdam, Grafik (Seite 5, 7, 9, 10, 12):

Achim Rothe Susanne Kwapulinski Robert Radzimanowski Tilo Schneider

Luftbild und Planung
Ges. für Landschafts-, Landes und Umweltplanung, Fernerkundung und digitale Verarbeitung von Planungsdaten mbH

Behlertstraße 7, 14469 Potsdam Im Februar 2004

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Wirtschaft in der Region schlägt positiven Pfad ein!

Geschäftsklimaindex
160 150 140 131 130 120 110 100 90 80 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 108 102 109 106 123 117 128 128 124

Berlin -Brandenbu rg

Die Unternehmen in Berlin-Brandenburg sehen sich zunehmend wieder auf einem positiven Pfad, obwohl sie ein schwieriges Jahr 2003 hinter sich haben. Insgesamt beurteilt die Mehrheit der Unternehmen ihre aktuelle Lage mit wachsender Zufriedenheit. Diese Entwicklung konnte in allen Teilen der Wirtschaftsregionen BerlinBrandenburg festgestellt werden. Die positiven Erwartungen der Unternehmen aus der Herbstumfrage 2003, bezüglich einer verbesserten Geschäftsentwicklung, waren nicht verfehlt. Ihre Zuversicht hat sich jetzt durchaus bestätigt. Die Dynamik im Entwicklungsverlauf der sich verbessernden Stimmungslage ist in Berlin und Brandenburg fast identisch. Der Hauptstadteffekt sorgt wieder verstärkt für wirtschaftliche Impulse bis weit nach Brandenburg hinein.

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Die konjunkturelle Entwicklung in der Region gleicht noch einer zarten Pflanze. Durch überzogene Lohnforderungen der Gewerkschaften oder politische Irrwege, wie eine Ausbildungsplatzabgabe, kann diese Erholung sofort gestoppt werden. Es ist noch lange nicht die Zeit gekommen, um die Früchte der Konjunktur ernten zu können. Zwischen den einzelnen Branchen zeichnet sich aber ein differenziertes Bild zur wirtschaftlichen Lage ab. Während die Industrie auf dem besten Weg ist, wieder zur Konjunkturlokomotive der Region zu werden und dabei von der Dienstleistungsbranche wachsende Unterstützung erfährt, springt der Konjunkturmotor besonders im Baugewerbe und im Handel noch nicht so recht an. In beiden Branchen sind unterschiedliche Ursachen dafür ausschlaggebend. Wichtige Impulse für einen weiteren konjunkturellen Aufschwung können trotz der Dollarschwäche von der Exportwirtschaft erwartet werden.
Die Umsetzung der Reformvorhaben in Deutschland unterstützt den Erholungsprozess in der Wirtschaft. Die Indikatoren lassen keinen Zweifel daran, dass die Talsohle, in der sich auch die regionale Gesamtwirtschaft befand, durchschritten ist. Bestimmte Reformbestandteile werden sich für einige Wirtschaftszweige vorerst belastend auswirken. Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II wird beispielsweise zu Kaufkraftverlusten führen, die den Umsatz beim Handel stark belasten könnten. Oder die geänderte Krankentransportregelung im Rahmen der Gesundheitsreform, die bei Taxiunternehmen ebenfalls zu Einbußen im Umsatz führen wird. Für eine Bewertung der konkreten Auswirkungen der Gesundheitsreform und die Entlastung durch das Vorziehen der Steuerreform ist es noch zu früh. Zum Zeitpunkt der Umfrage in der ersten Januarhälfte 2004 waren sie noch nicht spürbar. Dennoch werden sich die Reformen insgesamt nicht nachteilig auf das Wachstum in Berlin-Brandenburg auswirken. Im Rahmen der 10. gemeinsamen Umfrage der Industrie- und Handelskammern zur Lage in der Wirtschaftsregion Berlin-Brandenburg wurden in der ersten Januarhälfte 2004 die Antworten von über 1600 Unternehmen der Branchen Industrie, Handel, Dienstleistungen, Gastronomie, Verkehr und Bauwirtschaft ausgewertet.
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Aktuelle Geschäftslage bessert sich
Die aktuelle Geschäftslage hat sich im Vergleich zum Vorjahr bei einer wachsenden Anzahl von Unternehmen spürbar verbessert. Der Saldo aus guten und schlechten Lagebeurteilungen liegt für die gemeinsame Wirtschaftsregion jedoch noch knapp im negativen Bereich. Das verbesserte Bild ist aber, nach den Minusrekorden der letzten zwei Jahre, ein deutliches Indiz für die Konsolidierung und Stabilisierung der regionalen Wirtschaft. Der Wirtschaftsraum Berlin-Brandenburg steht am Beginn einer konjunkturellen Erholung. Alle Teilregionen konnten einen Zuwachs an positiven und einen Rückgang an negativen Stimmen verzeichnen. Besonders die Berliner Wirtschaft spürt zurzeit wieder Rückenwind und trägt insgesamt deutlich zur verbesserten Stimmungslage in der gemeinsamen Wirtschaftsregion Berlin-Brandenburg bei. Die Erholung in Berlin-Brandenburg wird vor allem durch eine deutlich verbesserte Lageeinschätzung in der Industrie bestimmt. Hier dürften gestiegene Exportgeschäfte ihren Niederschlag finden, denn die Binnennachfrage ist noch nicht tragfähig genug. Aber auch die Dienstleistungsunternehmen einschließlich des Verkehrsgewerbes sehen ihre Lage gegenüber dem Jahresbeginn 2003 um einiges verbessert.

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Konjunkturreport 2004
der Industrie- und Handelskammern in Berlin-Brandenburg

Aktuelle Geschäftslage
45% 40% 35% 30% 25% 20% 15% 10% 5% 0% 2000
24%23% 1%

zum Jahresbeginn

7% 39% 33% 29% 22% 18% -15% -20% 19% 24% -4% 28%

10% 5% 0% -5% -10% -15% -20% -25%

2001
gut

2002
schlecht

2003

2004

Saldo pos./neg. Werte

Selbst vom Handel kommen leicht positive Signale, auch wenn sich diese Entwicklung nur auf relativ niedrigem Niveau bewegt. Die Bauwirtschaft bleibt erneut das große Sorgenkind. Ein Blick in die Region: Die Stimmung der Wirtschaft im Bezirk der IHK Cottbus deutet im Gesamtergebnis leichte Tendenzen zur Verbesserung der Geschäftslage an. Nur noch rund 28 Prozent der Unternehmen klagen über eine schlechte wirtschaftliche Situation, dass sind rund 9 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Über 70 Prozent schätzen ihre Lage als gut oder befriedigend ein. Noch ist die Auftragslage bei der Mehrheit der Unternehmen nicht zufrieden stellend, so dass von einem selbst laufenden konjunkturellen Aufschwung noch nicht gesprochen werden kann. Erfreulich ist, dass die Unternehmen in der Region Ostbrandenburg trotz des öffentlichkeitswirksamen Scheiterns der Chipfabrik in Frankfurt (Oder) nicht in kollektive Resignation verfallen, sondern ihre Lage zum Jahresbeginn 2004 im Ergebnis besser beurteilen als im Vorjahr. So stieg der Anteil der Unternehmen, die sich in guter Geschäftslage befinden, um rund 8 Prozentpunkte gegenüber 2003. In Westbrandenburg setzt sich insgesamt die Verbesserung der Stimmungslage ebenfalls weiter fort. Auch in Westbrandenburg schätzen über 70 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend ein. Die Zugpferde sind dabei die Industrie und die Dienstleistungsbranche.

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Zuversicht bei den Geschäftserwartungen
Die Unternehmen der Wirtschaftsregion Berlin-Brandenburg haben, was die Aussicht auf die konjunkturelle Entwicklung der kommenden Monate betrifft, wieder deutlich mehr Zuversicht als noch vor einem Jahr. Noch tief greifender als bei der aktuellen Lagebeurteilung, haben sich die Geschäftserwartungen innerhalb der letzten 12 Monate zu einem positiven Stimmungsbild geformt. Lag der Saldo aus guten und schlechten Erwartungen vor einem Jahr noch mit 12 Punkten im Minus, lässt sich jetzt immerhin ein Plus von 3 Prozentpunkten ermitteln. Das entspricht dem Wert vom Jahresbeginn 2000, dem Beginn eines konjunkturellen Aufschwungs der Jahre 2000 und 2001. Dieser Optimismus wird dadurch gestützt, dass wieder mehr Unternehmen (27 Prozent) mit steigenden Umsätzen rechnen. Zudem hatte sich die Gewinnlage bereits etwas verbessert, wenn auch noch nicht in der Breite. Die Unternehmen berichten von neuen Produkten, neuen Absatzmärkten und –strategien. Die EUOsterweiterung zum 1. Mai 2004 wird dabei von den regionalen Unternehmen als Risiko und Chance zugleich gesehen.

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Die Wirtschaftsregion Berlin-Brandenburg profitiert bei der positiven Einschätzung der geschäftlichen Zukunft spürbar von den Berliner Unternehmen, die zu über einem Drittel (rund 36 Prozent) von einer eher günstigen Entwicklung ausgehen. Diese Stimmung wird in Berlin zudem auch von Branchen wie dem Handel oder dem Verkehrsgewerbe getragen. In Brandenburg ist diese positive Erwartungshaltung nicht so eindeutig. Hier überwiegt die Sorge, dass sich die Lage demnächst eher ungünstig entwickelt, denn nur rund 18 Prozent gehen von einer Verbesserung aus und 33 Prozent sehen ihre wirtschaftliche Entwicklung mit Besorgnis. Der Lichtblick in Brandenburg ist aber das sich im Vergleich zum Vorjahr verbesserte Verhältnis von positiven zu negativen Erwartungen. Haben vor Jahresfrist nur rund 14 Prozent eine eher günstigere Entwicklung erwartet, so sind es in 2004 über 18 Prozent. Nur noch 33 Prozent der Brandenburger Unternehmen sehen aktuell ihre zukünftige wirtschaftliche Entwicklung mit Sorge; zum Jahresbeginn 2003 waren es noch 44 Prozent. Das aber immer noch vorhandene Übergewicht der pessimistischen Unternehmen resultiert aus der überwiegenden Abhängigkeit von dem nationalen bzw. regionalen Binnenmarkt, der noch keine deutlichen Signale einer Belebung aufweisen kann. Dennoch ist auch die Entwicklung der Erwartungen in Brandenburg Anlass für vorsichtigen Optimismus. Für die gesamte Wirtschaftsregion Berlin-Brandenburg ist aber bezeichnend, dass diese im Ergebnis hoffnungsvolle Stimmung nicht vom Baugewerbe mitgetragen wird.

Konjunkturreport 2004
der Industrie- und Handelskammern in Berlin-Brandenburg

Erwartete Geschäftslage
40% 35% 30% 25% 20% 15% 10% 5% 0% 2000 besser 2001 2002 schlechter 2003 2004 -16% 3% 29% 25% 22% 21% 18% -11% -15% -20% 22% 34% 33% 3% 27% 24% 8% 10% 5% 0% -5% -10%

Saldo pos./neg. Werte

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Exportwirtschaft zieht weiter an
Obwohl der gesamte Warenexport in Deutschland im Jahresdurchschnitt 2003 nur wenig gewachsen sein dürfte, sieht sich die Exportwirtschaft der Region Berlin-Brandenburg auf dem Wachstumspfad. Während in Brandenburg das Exportvolumen in den ersten 10 Monaten 2003 um volle 11 Prozent gewachsen ist, zeichnet sich für die Berliner Industrie bei den Exporten eher ein Nullwachstum ab. Von den exportierenden Unternehmen der Region geht die Mehrheit von rund 37 Prozent von steigenden Ausfuhren in den kommenden Monaten aus. Lediglich neun Prozent rechnen mit einer Verringerung ihrer Exporttätigkeit. Gleichzeitig fällt positiv ins Gewicht, dass die Anzahl der nicht exportierenden Unternehmen in Brandenburg deutlich zurückgegangen ist. Die Industrie in Berlin, Ostbrandenburg und Westbrandenburg rechnet für 2004 mit einer überproportionalen Zunahme des Exports. Das wachsende Engagement der Unternehmen auf ausländischen Märkten zahlt sich aus. Produkte „Made in Berlin-Brandenburg“ erobern neben dem nordamerikanischen Raum auch zunehmend Asien und finden immer mehr Anklang im osteuropäischen Raum. Die starke Euroaufwertung gegenüber dem US-Dollar belebt das Exportgeschäft nicht unbedingt; sie scheint den Optimismus aber auch nicht zu trüben. Ein weiterer Anstieg des Euro dürfte aber nicht ohne Auswirkungen für die Exporteure bleiben.

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Im IHK-Bezirk Cottbus ist die exportierende Wirtschaft gegenüber dem Vorjahr etwas verunsichert, was die Prognose betrifft. Dennoch sind insgesamt in Berlin-Brandenburg die ausführenden Unternehmen zunehmend eine tragende Säule der Konjunktur, wenngleich sich die internationale Verflechtung der Brandenburger Wirtschaft erst in der Aufbauphase befindet. Aus diesem Grund sind Programme der öffentlichen Hand, wie Messeförderung und Markterschließung ein wichtiges Instrument, wenn diese Basis wirtschaftlich weiter gefestigt und ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt gesteigert werden soll.

In die Investitionsplanungen kommt wieder Bewegung
Ein wesentlicher Indikator für einen robusten Aufschwung ist die Entwicklung der beabsichtigten Investitionsausgaben. Die Wirtschaft in Berlin-Brandenburg sieht sich selbst noch am Beginn einer wirtschaftlichen Erholungsphase. Während in den zurückliegenden zwei Jahren über die Hälfte der Unternehmen in der Region ihre Investitionen zurück oder ganz auf Null gefahren haben, ist dieser für die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe problematische Trend endlich gestoppt.

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Aktuell planen rund 19 Prozent (Vorjahr 11 Prozent) der Firmen wachsende Investitionsausgaben und 43 Prozent (Vorjahr 35 Prozent) wollen das Niveau halten. Zuversichtlich stimmt, dass der Anteil der Unternehmen, der überhaupt nicht investiert, deutlich (um rund 16 Prozentpunkten) zurückgegangen ist. Es zeigt sich aber, dass die regionale Wirtschaft in ihrem Schwerpunkt auf den noch konjunkturell schwachen deutschen Binnenmarkt ausgerichtet ist. Per Saldo befindet sich die Entwicklung der Investitionen in Berlin-Brandenburg noch immer mit 11 Prozentpunkten im Minus. Damit bleibt festzuhalten, dass die Wirtschaft gute und stabile wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen benötigt. Nur dann werden die Unternehmen der Region in die Lage versetzt, spürbar mehr zu investieren. Immerhin ist ein Anfang gemacht. Jetzt kommt es darauf an, Vertrauen in den Unternehmen durch wirtschaftsfördernde Maßnahmen der Politik zu stärken. Wenn die Unternehmen in Berlin-Brandenburg investieren, dann zu über 50 Prozent in die Ersatzbeschaffung. Mit deutlichem Abstand folgen die Investitionen in Rationalisierung (rund 17 Prozent), die Kapazitätsausweitung (rund 16 Prozent) und Produktinnovationen (rund 13 Prozent). Mit einem Prozent sind Investitionen in den Umweltschutz weniger bedeutend. Besonders ausgeprägt ist die Investitionsbereitschaft in der Berlin-Brandenburger Industrie.

Keine Entspannung im Beschäftigungsbereich
Ernüchternd ist die Lage im Beschäftigungsbereich. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich an der restriktiven Personalplanung der Unternehmen nahezu kaum etwas geändert. Es bestätigt sich ganz offenkundig die Auffassung der Wirtschaftsinstitute, dass nur ein reales Wirtschaftswachstum von mehr als 1,5 Prozent zu mehr Beschäftigung führen wird. Der negative Saldo aus erwarteten Beschäftigungszuwachs und Beschäftigungsabbau bei den Betrieben in der Region ist stabil geblieben. Trotz insgesamt verbesserter Stimmungslage im Vergleich zum Vorjahr als 2003 denken zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur rund 13 Prozent der Unternehmen an die Aufstockung des Personals, während immer noch 31 Prozent mit einem Beschäftigungsrückgang rechnen. Besonders düster bleibt die Lage bei der regionalen Bauwirtschaft. Weit über die Hälfte der Unternehmen beabsichtigt, ihr Personal weiter zu reduzieren. Außer den Mini-Jobs finden die Beschäftigungsinstrumente der Hartz-Reformen bei der Wirtschaft kaum Anklang. Der Rationalisierungsdruck der letzten Jahre führt bei den Unternehmen vielmehr dazu, dass der Beginn eines konjunkturellen Aufschwungs auch mit den vorhandenen Kapazitäten gemeistert werden müsste. Das wird daran deutlich, dass rund 56 Prozent der Unternehmen, ihren Personalbestand auf dem gegenwärtigen Niveau halten wollen.
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Ein alarmierendes Zeichen ist, dass einige Unternehmen angeben, trotz der hohen Arbeitslosigkeit nicht die benötigten Fachkräfte finden zu können. In diesen Bereichen wird das bedrohliche Ausmaß der anhaltenden Abwanderung nebst Auswirkungen in die alten Bundesländer deutlich. Hier besteht akuter Handlungsbedarf.

Regionale Wirtschaftsverflechtung setzt sich fort
In Berlin-Brandenburg setzt sich der intraregionale Prozess der wirtschaftlichen Verflechtung zwischen den Unternehmen stetig fort. Die Wirtschaftsflaute des vergangenen Jahres beeinflusste diesen Prozess kaum; ein Zeichen für einen bereits hohen und stabilen Grad der wirtschaftlichen Verflechtung zwischen Berliner und Brandenburger Wirtschaft.
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weniger wichtig keine Wirtschaftsbeziehungen

Wie wichtig ist für Sie der Berliner./. Brandenburger Markt?
wichtig

41%

23%

36%

Für über drei Viertel der Unternehmen ist der jeweilige Markt des anderen Bundeslandes von Bedeutung. Die Intensität der wirtschaftlichen Verflechtung hat sich darüber hinaus weiter verstärkt, denn für rund 41 Prozent der Unternehmen – das sind rund 5 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr - ist der jeweilige Markt des anderen Bundeslandes ausdrücklich wichtig. Zum Jahresbeginn 2004 haben vor allem die Berliner Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs an Interesse am Brandenburger Markt signalisiert. Im Wesentlichen ist das Anteilsverhältnis am jeweils anderen Markt fast ausgeglichen. Für rund 42 Prozent der Brandenburger Unternehmen ist der Berliner Markt wichtig und für rund 40 Prozent der Unternehmen aus Berlin hat der Brandenburger Markt große Bedeutung. Etwas differenzierter ist die wirtschaftliche Verflechtung in den einzelnen Branchen ausgeprägt. Während für über die Hälfte der Unternehmen des Handels (rund 50 Prozent) sowie dem Bau- und Verkehrsgewerbe (rund 56 Prozent und 60 Prozent) der Markt des jeweils anderen Bundeslandes wichtig ist, so befinden sich Industrie (rund 32 Prozent) und Dienstleistung (rund 35 Prozent) hier unter dem Durchschnitt.
Art der Wirtschaftsbeziehungen
(Mehrfachantworten möglich)
80 70 60 50 40 30 20 10 0 2003 2004 36 31 17 16 39 31 28 27 11 76

Bezug von Vorleistungen Lieferung von Vorleistungen Bezug von Endprodukten Lieferung von Endprodukten Investitionen

Die Wirtschaftbeziehungen basieren überwiegend auf der Lieferung von Endprodukten.

Wirtschaftsbereiche
Industrie Ein Stimmungsumschwung hat sich bei den Industrieunternehmen der Region im Verhältnis zum Vorjahr vollzogen. Rund 80 Prozent sind mit ihrer wirtschaftlichen Situation zufrieden, davon beurteilt rund ein Drittel der Unternehmen die eigene Geschäftslage sogar mit „gut“. Der Saldo aus guter und schlechter Lagebeurteilung steht mit 10 Prozentpunkten deutlich im Plusbereich.
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Vor dem Hintergrund einer merklich besseren Geschäftslage als noch vor einem Jahr, steigen auch die Erwartungen der Industrieunternehmen im Wirtschaftsraum Berlin-Brandenburg für die nähere Zukunft. Die Geschäftserwartungen der Branche sind von einer optimistischen Bewertung bestimmt. Nur rund ein Fünftel der Unternehmen sieht in den kommenden Monaten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage auf sich zukommen. Die positive Erwartungshaltung zur Geschäftslage wirkt sich auch auf die erwartete Entwicklung der Umsätze aus. Rund ein Drittel der Unternehmen rechnet mit steigenden Umsätzen und nur 17 Prozent erwarten einen Rückgang. Die Investitionsbereitschaft der Industrie ist zum Jahresbeginn 2004 deutlich gestiegen. Die Erhöhung ihrer Investitionsausgaben planen rund 27 Prozent (2003: 14 Prozent). Der deutliche Anstieg gegenüber dem Vorjahr führt per Saldo zu einem positiven Ergebnis von rund 7 Prozentpunkten. Hauptmotive der Ausgaben sind der Ersatzbedarf (34 Prozent), die Rationalisierung (27 Prozent) und die Kapazitätserweiterung (21 Prozent). Obwohl die gegenwärtige Lage, die Geschäftserwartungen als auch die Investitionsbereitschaft der Berlin-Brandenburger Industrieunternehmen überwiegend positiv beurteilt werden, wirkt es sich in dieser Form noch nicht auf die Beschäftigungsplanung aus. Per Saldo überwiegen sogar in der Industrie die Überlegungen zum Beschäftigungsabbau (-14 Prozentpunkte). Konjunkturreport 2004
der Industrie- und Handelskammern in Berlin und Brandenburg

Aktuelle Geschäftslage nach Branchen in Berlin-Brandenburg
(Angaben in Prozent)

Industrie Baugewerbe Handel Dienstleistungen Verkehr Gesamt Baugewerbe

gut 30 11 18 27 35 24

befriedigend 50 48 44 48 41 48

schlecht 20 41 38 25 24 28

In der Bauwirtschaft ist die Geschäftslage aufgrund der schwierigen Marktsituation bei rund 41 Prozent der Unternehmen schlecht. Zwar ist im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahren eine leichte Tendenz zur Verbesserung erkennbar, dennoch ist der Zustand der Branche besorgniserregend. Nur rund 11 Prozent beantworten die Frage zur aktuellen Geschäftslage mit „gut“. Positiven Einfluss hatten dabei die über das gesamte Jahr 2003 hin geführte Diskussion um die Streichung der Eigenheimzulage sowie das anhaltend milde Wetter bis in den Dezember.
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Der harte Wettbewerb hat bei rund 52 Prozent der Unternehmen die Gewinnlage weiter verschlechtert. Nur rund 15 Prozent konnten steigende Gewinne verbuchen. Die Entwicklung der Gewinnlage spiegelt auch die Zahlungsmoral am Markt wieder. Viele Bauunternehmen werden durch die schlechte Zahlungsmoral in den Ruin getrieben. Sie können Aufträge wegen hoher Außenstände nicht annehmen. Es fehlen die finanziellen Mittel für die branchenübliche Vorleistung. Die Betrachtung der Geschäftserwartungen in der Bauwirtschaft signalisiert, dass sich der harte Verdrängungswettbewerb in der Branche 2004 weiter fortsetzen wird. Rund 39 Prozent gehen von einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage aus; lediglich 12 Prozent erwarten eine eher günstigere Entwicklung. Die Reduzierung der Eigenheimzulage in 2004 und die weiterhin angespannte Lage der öffentlichen Haushalte in der Wirtschaftsregion Berlin-Brandenburg lassen in der Branche nur wenig Hoffnung keimen. Diese Verunsicherung über die wirtschaftliche Entwicklung in den Bauunternehmen spiegelt sich bei den geplanten Investitionen wieder, die auch 2004 weiter zurückgehen werden. Rund neun Prozent der Unternehmen planen eine Steigerung ihrer Investitionsausgaben; 41 Prozent werden sie zurückschrauben. Wenn Investitionen erfolgen, dann werden rund 80 Prozent der Unternehmen ihr Geld für Ersatzbeschaffungen ausgeben und rund 11 Prozent für Rationalisierungsmaßnahmen. Die schwierige wirtschaftliche Lage der Baubranche wirkt sich zwangsläufig auf die erwartete Beschäftigungssituation aus und zwingt über die Hälfte der Unternehmen (rund 54 Prozent) zum Beschäftigungsabbau. Knapp 43 Prozent der Baubetriebe werden ihren aktuellen Personalbestand in den nächsten Monaten halten und nur 3 Prozent wollen neue Mitarbeiter einstellen. Konjunkturreport 2004

der Industrie- und Handelskammern in Berlin und Brandenburg

Geschäftserwartung nach Branchen in Berlin-Brandenburg
(Angaben in Prozent)

Industrie Baugewerbe Handel Dienstleistungen Verkehr Gesamt

besser 30 12 22 29 25 27

gleich bleibend 50 49 52 46 51 49

schlechter 20 39 26 25 24 24

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Handel Die gegenwärtige wirtschaftliche Situation des Handels in Berlin und Brandenburg ist für die Mehrheit der Unternehmen eher unbefriedigend. Gegenwärtig befinden sich rund 18 Prozent der Händler in guter wirtschaftlicher Verfassung. Bei rund 38 Prozent der Händler laufen die Geschäfte schlecht. Obwohl die Branche damit Schritt für Schritt den Tiefpunkt der letzten Jahre verlässt, befindet sich der Saldo (- 20 Prozentpunkte) aus guter und schlechter Geschäftslage aber immer noch im negativen Bereich. Der private Konsum in Berlin-Brandenburg, insbesondere in den Berlin fernen Regionen, ist zu schwach, was insbesondere in der hohen Arbeitslosigkeit begründet ist. Fast jede Käuferschicht ist zurückhaltender in ihrem Konsum, was für die meisten Händler auch im schwach laufenden Weihnachtsgeschäft deutlich wurde. Wettbewerbsverschärfend wirkt zudem der weitere Ausbau der Handelsfläche im Wirtschaftsraum Berlin-Brandenburg. Mit der Entwicklung der Gewinnlage waren rund 24 Prozent der Händler zufrieden. Aber auf unverändert hohem Niveau bewegt sich die Mehrheit von rund 47 Prozent mit einer schlechten Gewinnlage. Dieser Zustand ist auch Ergebnis einer fortlaufenden Wettbewerbsverschärfung. Während die Kaufkraft sich abschwächt, vergrößert sich die Handelsfläche stetig. Dieser Prozess verstärkt die Konkurrenz und macht dem Handel insgesamt zu schaffen. Hinsichtlich der erwarteten Geschäftslage wächst bei den Händlern die Zuversicht. Der Branchenpessimismus verringert sich. Rund 22 Prozent erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage und 26 Prozent eine Verschlechterung. Damit beträgt der Saldo nur noch -4 Prozentpunkte. Im Vorjahr lag dieser noch bei -28 Prozentpunkten. Die Prognose zur Umsatzentwicklung fällt bei rund 18 Prozent der Händler gut aus. Der Saldo aus positiven und negativen Antworten zur erwarteten Umsatzentwicklung verringerte sich zum Vorjahr von – 14 auf – 11 Prozentpunkte in 2004. Noch kann im Handel längst nicht von einem echten Aufschwung gesprochen werden. Die vorsichtig optimistische Prognose, die sich auch in den Erwartungen zur Geschäftslage widerspiegeln, reichen allein für einen Aufschwung im Handel nicht aus. Es fehlt bei der Mehrheit noch die tatsächlich verbesserte wirtschaftliche Entwicklung, die diese Erwartung begründen könnte. Für Investitionen fehlen dem Handel zurzeit die finanziellen Mittel. Sie werden in den kommenden Monaten deutlich abnehmen. Bei rund 35 Prozent werden die Investitionsausgaben sinken. Im Vergleich zum Jahresbeginn 2003 rutscht daher der Saldo aus steigenden und fallenden Investitionsausgaben von – 14 auf -20 Prozentpunkte. Die Beschäftigtenzahl wird im Handel weiter abnehmen. Die Umfragewerte zu den Personalplanungen sind zum Vorjahr fast unverändert gebliebenen. Rund ein Drittel wird Personal abbauen. Demgegenüber stehen nur rund 12 Prozent, die neue Mitarbeiter einstellen wollen.
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Konjunkturreport 2004

der Industrie- und Handelskammern in Berlin und Brandenburg

Investitionspläne nach Branchen in Berlin-Brandenburg
(Angaben in Prozent)

Industrie Baugewerbe Handel Dienstleistungen Verkehr Gesamt Dienstleistungen

steigend 27 10 15 19 19 19

gleich bleibend 49 41 39 45 42 43

fallend 20 40 35 30 33 30

keine Invest. 4 9 11 6 6 8

Im Dienstleistungsgewerbe vollzog sich gegenüber 2003 ein positiver Stimmungsumschwung. Die wirtschaftliche Situation im Dienstleistungsgewerbe ist wieder besser als vor Jahresfrist. Für rund 27 Prozent der Dienstleister ist die aktuelle Geschäftslage gut. Eine Verschlechterung der Geschäftslage stellte sich bei rund einem Viertel der Unternehmen ein. Per Saldo überwiegen somit seit mehreren Umfragen wieder die zufriedenen Unternehmen. Eine verbesserte Auftragsstabilität bei den Dienstleistern in der Region Berlin-Brandenburg sorgt auch für mehr Optimismus in der Branche hinsichtlich der erwarteten Geschäftslage. Per Saldo überwiegen die Antworten, die eine Verbesserung der Entwicklung erwarten. Eine günstigere Geschäftslage erwarten rund 29 Prozent, eine eher ungünstige Entwicklung befürchten rund 25 Prozent. Die Bereitschaft der Branche zu Investitionen nimmt gegenüber dem Vorjahr zu. Der Anteil der Unternehmen mit steigenden Investitionsausgaben wächst um rund 7 Prozentpunkte auf rund 19 Prozent, während der Anteil der Unternehmen mit fallenden Investitionsausgaben bei rund 30 Prozent konstant bleibt. Damit verlässt die Branche per Saldo das bisher niedrige Niveau. Die geplanten Ausgaben fließen zu rund 61 Prozent in den Ersatzbedarf und zu jeweils rund 14 Prozent in Kapazitätsausweitung und Rationalisierung. Wie auch in den anderen Branchen wirken sich die positiven Impulse in der Branche noch nicht auf die Beschäftigung aus. Gegenüber 2003 wird sich der Personalbestand in der Dienstleistungsbranche im Jahr 2004 nicht spürbar verändern. Rund 15 Prozent planen mit Personalaufstockung und rund 28 Prozent mit dem Abbau von Arbeitskräften.

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Konjunkturreport 2004
der Industrie- und Handelskammern in Berlin und Brandenburg

Personalpläne / Erwartete Beschäftigtenzahl nach Branchen in Berlin-Brandenburg
(Angaben in Prozent)

Industrie Baugewerbe Handel Dienstleistungen Verkehr Gesamt

zunehmend 16 3 12 15 11 13

gleich bleibend 54 43 57 57 69 56

abnehmend 30 54 31 28 20 31

Verkehrsgewerbe Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen in der Verkehrsbranche ist positiv gestimmt. Die Geschäftslage ist bei rund 35 Prozent der Unternehmen in der Region Berlin-Brandenburg gut. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Zuwachs von knapp 15 Prozentpunkten. Der Saldo aus den Antworten zu guter bzw. schlechter Geschäftslage ist mit 11 Prozentpunkten wieder deutlich im Plusbereich. Der momentane Zustand der Branche überträgt sich auch auf die Geschäftsprognosen. Auch im Hinblick auf die erwartete Geschäftslage sind die Optimisten leicht in der Überzahl. Zum Jahresbeginn 2003 war die Stimmung in der Verkehrsbranche auf einem Tiefpunkt. Jetzt erwarten rund 25 Prozent eine eher bessere Geschäftslage und rund 24 Prozent eher eine ungünstigere Entwicklung. Investitionen werden in der Branche 2004 weniger umgesetzt. Rund 19 Prozent wollen ihre Ausgaben steigern, dafür aber rund 33 Prozent die Investitionsausgaben senken. Erfreulich ist aber, dass die Anzahl der nicht investierenden Unternehmen rapide auf 6 Prozent zurückgegangen ist. In der Breite werden Investitionen vorgenommen, lediglich das Investitionsvolumen wird in der Branche wohl leicht abnehmen. Zu rund 80 Prozent fließen die Ausgaben in die Ersatzbeschaffung und zu jeweils rund 10 Prozent in Kapazitätsausweitung und Rationalisierung. Die Personalplanung in der Verkehrsbranche ist nicht mehr so restriktiv wie im Vorjahr. Jetzt planen nur rund 20 Prozent einen Abbau der Beschäftigtenzahl, im Vorjahr waren es noch rund 48 Prozent. Die Mehrheit der Verkehrsunternehmen (rund 69 Prozent) will die Anzahl ihrer Mitarbeiter halten.

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