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Full text: Jahresbericht Issue 2015/16

LVR-Integrationsamt

Daten und Fakten zur Teilhabe
schwerbehinderter Menschen
am Arbeitsleben

LVR-INTEGRATIONSAMT

2

LVR-JAHRESBERICHT 2015 / 16

JAHRESBERICHT
Jahresbericht

DATEN
DatenUND
und FAKTEN
Fakten zur
ZUR
TEILHABE
TeilhabeSCHWERBEHINDERTER
schwerbehinderter
MENSCHEN
MenschenAM
amARBEITSLEBEN
Arbeitsleben

20I5 / II6
20I5
6
IMPRESSUM
Impressum
HERAUSGEBER:
Herausgeber: LVR-Integrationsamt
LVR-Integrationsamt
50679 Köln
integrationsamt@lvr.de
www.soziales.lvr.de
REDAKTION:
Redaktion: Christoph
ChristophBeyer
Beyer(verantwortlich)
(verantwortlich)
Carola Fischer
GESTALTUNG:
Gestaltung: Naumilkat
Naumilkat– –Agentur
Agenturfür
fürKommunikation
Kommunikationund
undDesign,
Design,Düsseldorf
Düsseldorf
DRUCK:
Druck: Heider
HeiderDruck
DruckGmbH,
GmbH,Bergisch
BergischGladbach
Gladbach
AUFLAGE:
Auflage: 2.000
2.000Exemplare
Exemplare
SEITE

3

LVR-INTEGRATIONSAMT

Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS
01 Vorwort

6

02 Das LVR-Integrationsamt

8

03 Die Schwerpunkte der Arbeit im Jahr 2015

11

04 Ein Ausblick auf das Jahr 2016

17

05 Der Personenkreis der schwerbehinderten Menschen

23

5.1 Deutschland
5.2 Nordrhein-Westfalen 
5.3 Rheinland

23
26
27

06 Die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen

31

6.1 Die Entwicklung der Beschäftigungspflicht in Deutschland
6.2 Die Entwicklung der Beschäftigungspflicht in Nordrhein-­Westfalen 
6.3 Die Entwicklung der Beschäftigungspflicht im Rheinland
6.4 Die Entwicklung der Beschäftigungspflicht bei den ­kommunalen Arbeitgebern im Rheinland

32
34
36
37

07 Die Arbeitslosigkeit von schwerbehinderten Menschen

41

08 Die Erhebung und Verwendung der ­Ausgleichsabgabe

45

09 Die Leistungen des LVR-Integrationsamtes und der Fachstellen
für behinderte Menschen im Arbeitsleben

53

9.1 Finanzielle Hilfen an schwerbehinderte Menschen und Arbeitgeber 
9.2 Förderung von Integrationsprojekten
9.3 Beratung und Betreuung durch die Fachdienste des LVR-Integrationsamtes 
9.4 Leistungen im Rahmen der Unterstützten Beschäftigung
9.5 Leistungen für Einrichtungen der Arbeits- und Berufs­förderung behinderter Menschen
(Institutionelle Förderung)

4

53
59
62
69
69

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

10 LVR-Budget für Arbeit

72

10.1 Regionales Arbeitsmarktprogramm „aktion5“
10.2 Übergang Schule – Beruf: Projekt Schule trifft Arbeitswelt (STAR)
10.3 Übergang 500 plus – mit dem LVR-Kombilohn
10.4 Modellprojekt „Zuverdienst“
10.5 Modellprojekt „Betriebsintegrierte Arbeitsplätze für Werkstattbeschäftigte“
10.6 Initiative Inklusion 

72
75
76
79
79
82

11 Die Modellprojekte und Forschungsvorhaben

84

11.1 Förderung innovativer Modellprojekte
11.2 Forschungsvorhaben

84
88

12 Prävention

90

12.1 Prävention für schwerbehinderte Menschen im Arbeitsleben 
12.2 Betriebliches Eingliederungsmanagement 

90
92

13 Der besondere Kündigungsschutz ­nach dem ­Sozialgesetzbuch IX

97

13.1 Entwicklung bei den Kündigungsschutzverfahren
13.2 Widersprüche und Klageverfahren 

99
101

14 Aktionen, Seminare und Öffentlichkeitsarbeit

102

14.1 Seminare und Fortbildungsmaßnahmen
14.2 Öffentlichkeitsarbeit 

102
105

15 Anhang

109

15.1 Einrichtungen des LVR, Fachdienste und Integrations­unternehmen
15.2 Verzeichnis der Tabellen und Grafiken nach Kapiteln
15.3 Verzeichnis der Bilder nach Kapiteln
15.4 Herkunft der Daten nach Kapiteln

109
109
113
116

SEITE

5

01
LVR-INTEGRATIONSAMT

Vorwort
VORWORT
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
2015 war ein positives Jahr, wenn man diesen Bericht
und seine Zahlen betrachtet. Mit fast 50 Mio. Euro hat das
LVR-Integrationsamt die Beschäftigung schwerbehinderter und gleichgestellter Menschen unterstützt.
1.348 Menschen mit Behinderung wurde eine Tätigkeit
auf einem sozialversicherungspflichtigen und tariflich
bzw. branchenüblich entlohnten Arbeitsplatz auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglicht. Neue Unterstützungsangebote wie das LVR-Budget für Arbeit sind ausgebaut, evaluiert und modifiziert worden, um eine größere
Gruppe von Menschen mit Behinderung zu erreichen.
Die Beschäftigungsquote im Rheinland steigt auf fast
5,4 Prozent; es werden rund 6.000 schwerbehinderte und
gleichstellte Menschen mehr als im Vorjahr bei beschäftigungspflichtigen Arbeitgebern beschäftigt. Fast 26 Prozent der Arbeitgeber erfüllen ihre Beschäftigungsquote.
Positiv wirkt sich hier auch die steigende Akzeptanz der
Arbeitgeber aus.
Ebenso gelingt es, mit präventiven Maßnahmen der Beschäftigungssicherung, wie etwa dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement, immer mehr Menschen mit
Behinderung das Erreichen der Rentenaltersgrenze im
Erwerbsleben zu ermöglichen.
Es gibt aber auch Negatives zu berichten: Die Zahl der
arbeitslos gemeldeten Menschen im Rheinland steigt –
im Gegensatz zum Bundesgebiet, wo die Zahlen sinken –
weiter an, und zwar um über 2 Prozent gegenüber dem
Vorjahr. Die Langzeitarbeitslosigkeit ist unter schwerbehinderten Frauen und Männern weiterhin deutlich ausgeprägter als unter nichtbehinderten Menschen, obwohl
arbeitslose Menschen mit Behinderung im Mittel etwas
besser qualifiziert sind als nichtbehinderte Arbeitslose.

6

Ziel der Arbeit des LVR-Integrationsamtes und der Fachstellen für behinderte Menschen im Arbeitsleben bei den
Kreisen und Städten im Rheinland ist es, die Arbeitgeber
dabei zu unterstützen, Arbeitsplätze von schwerbehinderten und gleichgestellten Menschen zu sichern und diese
sowohl behindertengerecht wie auch wettbewerbsfähig
zu gestalten. Häufig sind es aber nicht nur die finanziellen Aspekte, die über den Erhalt oder die Schaffung von
Arbeitsplätzen entscheiden, sondern ein kompetentes
­
Beratungs- und Unterstützungsangebot.
Diesen Bedarf unterstützt das LVR-Integrationsamt durch
sein Angebot technischer, betriebswirtschaftlicher und
psychosozialer Dienstleistungen. Dem Landschaftsverband Rheinland ist die berufliche Teilhabe von behinderten Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf ein
besonderes Anliegen. So sind im LVR-Budget für Arbeit
verschiedene Programme und Modellprojekte zusammengefasst worden, die neben den klassischen Förderleistungen des SGB IX neue und innovative Ansätze von
Unterstützung und Förderung kombinieren. Schulabgängerinnen und Schulabgängern mit sonderpädagogischem Förderbedarf wird u. a. mit dem Programm STAR
ein Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt eröffnet. Auch
Beschäftigten aus einer Werkstatt für behinderte Menschen wird mit dem Programm Übergang 500 Plus mit
dem LVR-Kombilohn verstärkt die Möglichkeit geboten,
auf sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen tätig zu
werden.
Mit diesem Jahresbericht liefern wir Ihnen Daten und
Fakten rund um die Beschäftigung ­schwerbehinderter
Menschen, informieren Sie über die Arbeit des LVR­­
Integrationsamtes und der Fachstellen bei den LVR-Mitgliedskörperschaften, stellen das umfangreiche Unterstützungsangebot vor und bieten einen Ausblick auf die
Entwicklung im laufenden Jahr.

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Es grüßt Sie

Prof. Dr. Angela Faber
LVR-Dezernentin
Leiterin des Dezernates Schulen und Integration
Köln, im Juli 2016

SEITE

7

02
LVR-INTEGRATIONSAMT

Das LVR-Integrationsamt
DAS
LVR-INTEGRATIONSAMT
Nach dem Sozialgesetzbuch – Neuntes Buch (SGB IX) – ist
das Integrationsamt zuständig für einen Großteil der Aufgaben der beruflichen Teilhabe schwerbehinderter und
gleichgestellter Frauen und Männer. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) ist Träger des Integrationsamtes für
das Rheinland. Zum Landschaftsverband Rheinland gehören 12 Kreise, 13 kreisfreie Städte und die Städte­region
Aachen. Im Rheinland leben 9,5 Mio. Menschen.
Fast 10 Prozent der Einwohner der Region sind schwerbehindert. Die alle 2 Jahre durchgeführte Erhebung zu
dieser Personengruppe zeigt erstmals seit 10 Jahren eine
Stabilisierung der Zahl der anerkannt schwerbehinderten
Menschen (vgl. Kapitel 5).
Private und öffentlich-rechtliche Arbeitgeber, die über
mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen, sind verpflichtet,
auf wenigstens 5 Prozent ihrer Arbeitsplätze schwerbehinderte oder gleichgestellte behinderte Menschen zu
beschäftigen. Dokumentiert wird der Erfüllungsgrad der
Beschäftigungspflicht mit der jährlichen Anzeige an die
Agentur für Arbeit (vgl. Kapitel 6).
Die Aufgaben nach dem Teil 2 des SGB IX werden in der
Regel von dem regional zuständigen Integrationsamt
wahrgenommen. In Nordrhein-Westfalen wird darüber
hinaus von der gesetzlichen Möglichkeit Gebrauch gemacht, Aufgaben auf kommunale Partner zu übertragen.
Im Jahr 2015 gibt es im Rheinland 38 örtliche Fachstellen
für Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben, die bei
den Kreisen, kreisfreien Städten und größeren kreisangehörigen Gemeinden angesiedelt sind. Die Aufgaben nach
dem SGB IX werden vom LVR-Integrationsamt und den
ört­­lichen Fachstellen in enger Zusammenarbeit und geregelter Aufgabenteilung durchgeführt.
Die Begleitende Hilfe im Arbeitsleben ist neben dem besonderen Kündigungsschutz die zentrale Aufgabe des
LVR-Integrationsamtes und der kommunalen Fachstellen. Sie umfasst alle erforderlichen Maßnahmen, die die
Teilhabe von schwerbehinderten Menschen am Arbeits-

8

leben sichern. Schwerpunkte sind hier die Beratung von
Arbeitgebern und schwerbehinderten Menschen bei der
richtigen Arbeitsplatzauswahl, die behinderungsgerechte Gestaltung von bestehenden Arbeitsplätzen und die
Schaffung neuer Arbeitsplätze sowie deren finanzielle
Förderung.
Finanzielle Förderungen des LVR-Integrationsamtes und
der örtlichen Fachstellen können von Arbeitgebern wie
schwerbehinderten und gleichgestellten Beschäftigten in
Anspruch genommen werden. Arbeitgeber können Leistungen für die Schaffung und Sicherung von Arbeits- und
Ausbildungsplätzen, die behinderungsgerechte Einrichtung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen und ­Zuschüsse
bei außergewöhnlichen Belastungen während der Beschäftigung erhalten. Schwerbehinderte Menschen erhalten persönliche und finanzielle Hilfen, die sie in die
Lage versetzen, ihrer Erwerbstätigkeit möglichst uneingeschränkt nachzugehen (vgl. Kapitel 9).
Durch das LVR-Budget für Arbeit werden erfolgreiche
regionale Förderprogramme und Modellprojekte gebündelt, um Menschen mit einer wesentlichen Behinderung
und hohem Unterstützungsbedarf neue Wege auf den
allgemeinen Arbeitsmarkt zu eröffnen (siehe Kapitel 10).
Zu den Modulen des LVR-Budgets für Arbeit gehören
das nordrhein-westfälische Sonderprogramm „­
aktion5“
und die Modellprojekte „Übergang 500 plus mit dem
LVR-Kombilohn“, „Zuverdienst“, „Betriebsintegrierte Arbeitsplätze“ sowie „STAR 
/ 
Initiative Inklusion“. Die Förderleistungen des LVR-Budgets für Arbeit ergänzen die
klassischen Leistungen des SGB IX zur Teilhabe am Arbeitsleben. Die Unterstützungsangebote können je nach
Einzelfall und Bedarf flexibel miteinander kombiniert werden, um insbesondere Schulabgängerinnen und Schulabgänger mit sonderpädagogischem Förderbedarf, seelisch
behinderten Menschen oder Beschäftigten einer Werkstatt für behinderte Menschen den Weg in ein sozialversicherungspflichtiges, tariflich bzw. ortsüblich entlohntes
Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt zu ermög­lichen.

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Die Entwicklung eines neuen rheinlandweiten Angebotes
wie das LVR-Budget für Arbeit wäre ohne die vorherige
Entwicklung und Erprobung von Konzepten nicht möglich
gewesen. Forschungsvorhaben und Modellprojekte sind
für das LVR-Integrationsamt vorbereitende Maßnahmen
zur Entwicklung von neuen, innovativen Angeboten für
Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben und deren
Arbeitgeber (vgl. Kapitel 11).
Neben den finanziellen Leistungen bietet das LVR-Integrationsamt umfangreiche Beratung und Unterstützung
in allen Fragen des Arbeitslebens an. Das LVR-Integra­
tionsamt und die Fachstellen für behinderte Menschen im
Arbeitsleben stehen als Ansprechpartner zur Verfügung.
Sie informieren über die Möglichkeiten der Beschäftigung
schwerbehinderter Menschen und helfen bei Behördenkontakten und Antragstellung. Die technischen Fachberater des LVR-Integrationsamtes beraten zu behinderungsgerechter Gestaltung, Ausstattung und Einrichtung
des Arbeitsplatzes und der Arbeitsstätte sowie bei ergonomischen Fragestellungen (vgl. Kapitel 9.3.2). Speziell
zur Beratung der zumeist nicht beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber im Handwerk hat das LVR-Integrationsamt in den 3 Handwerkskammerbezirken im Rheinland Fachberater-Stellen eingerichtet (vgl. Kapitel 9.3.3).
Seit 2010 stehen auch technische Fachberater/innen bei
den Industrie- und Handelskammern Mittlerer Niederrhein (mit Sitz in Neuss), Essen und seit 2015 in Köln als
­Ansprechpersonen zur Verfügung. Ab 2017 wird das Angebot auch im Bezirk Bonn / Rhein-Sieg vorgehalten.
Das LVR-Integrationsamt unterhält in jedem Arbeitsagenturbezirk einen Integrationsfachdienst (IFD). Mehr
als 230 Fachkräfte sind vor Ort tätig. Bei Schwierigkeiten
und Konflikten am Arbeitsplatz, die das Beschäftigungsverhältnis gefährden könnten, bietet der IFD Beratung
und psychosoziale Begleitung an. Da sich die verschiedenen Behinderungen im Arbeitsleben unterschied­
lich
aus­
wirken, sind die Integrationsfachdienste behinde­
rungsspezifisch ausgerichtet. Die Fachkräfte sind An­­
sprechperso­nen im Rahmen von Rehabilitation bzw. Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess und unterstützen
darüber hinaus die Vermittlung von Schülerinnen und
Schülern mit besonderem Förderbedarf ebenso wie den
Wechsel aus einer Werkstatt für behinderte Menschen
auf den allgemeinen Arbeitsmarkt (vgl. Kapitel 9.3.4).

vereinbarung zur Verbesserung der betrieblichen / dienst­
lichen Situation der schwerbehinderten B
­ eschäftigten,
unterstützt das LVR-Integrationsamt durch ein Schu­
lungs-, Beratungs- und Moderationsangebot sowie mit
der Vergabe von Prämien (vgl. Kapitel 12).
Die Beschäftigungsverhältnisse der gleichgestellten und
schwerbehinderten Menschen unterliegen einem besonderen Kündigungsschutz. Bevor ein Arbeitgeber gegenüber diesem Personenkreis eine Kündigung aussprechen
kann, muss er die Zustimmung des LVR-Integrationsamtes einholen. Ohne Zustimmung ist die Kündigung
unwirksam. Das LVR-Integrationsamt bemüht sich im
­
Kündigungsschutzverfahren um eine gütliche Einigung,
z. B. können Maßnahmen der Begleitenden Hilfe bestehende Probleme beseitigen helfen (vgl. Kapitel 13).
Zu den Aufgaben des LVR-Integrationsamtes gehört
ein breites Angebot an Bildungsmaßnahmen für die
betrieb­
lichen Funktionsträgerinnen und Funktionsträger wie die Schwerbehindertenvertretungen, Betriebsund Personalräte und Beauftragten des Arbeitgebers
für die Belange schwerbehinderter Menschen. Mit
Aufklärungs­maßnahmen wie z. B. Informa­tionsschriften
und Messebeteiligungen soll eine breitere Öffentlichkeit
über die Unterstützungsmöglich­keiten des Sozialgesetzbuches IX aufgeklärt werden (vgl. Kapitel 14).
Alle Leistungen, die das LVR-Integrationsamt erbringt,
werden aus den Mitteln der Ausgleichsabgabe finanziert.
Das LVR-Integrationsamt erhebt die Ausgleichsabgabe
von den Arbeitgebern, die ihrer Beschäftigungspflicht
nicht oder nicht vollständig nachkommen. Die Einnahmen sind zweckgebunden für die berufliche Eingliederung von schwerbehinderten und gleichgestellten behinderten Menschen. Einen Teil der Einnahmen führt
das LVR-­Integrationsamt an das Bundesministerium für
Arbeit und Soziales für bundesweite Maßnahmen der beruflichen Behindertenhilfe sowie in den Finanzausgleich
zwischen den Integrationsämtern ab. Der überwiegende
Teil aber steht dem LVR-Integrationsamt und den Fachstellen bei den rheinischen Kommunen für die Finanzierung der Leis­tungen zur Teilhabe behinderter Menschen
am ­Arbeitsleben zur Verfügung (vgl. Kapitel 8).

Aufgaben des Arbeitgebers, wie die Durchführung  von
Prävention und Betrieblichem Eingliederungsmanage­
­
ment sowie die Verhandlungen über eine Integrations­

SEITE

9

LVR-INTEGRATIONSAMT

Potenziale erkennen und nutzen
Ich hatte das Glück, dass mich mein beruflicher Werdegang beim Landschaftsverband Rheinland durch zahlreiche Stationen vom Bereich Schulen über die Eingliederungshilfe in das Integrationsamt und zum Sozialen
Entschädigungsrecht geführt hat. Diese Erfahrungen, die
ich dort jeweils sammeln konnte, haben ganz wesentlich
meine Arbeit als Leiterin des LVR-Integrationsamtes geprägt.
Denn dass die Teilhabe am Arbeitsleben gerade für
­Menschen mit Behinderung die entscheidende VorausMenschen
setzung für soziale Anerkennung und ein selbstbestimmtes ­Leben
Leben ist, habe ich dabei immer wieder erlebt.

Es ist schon viel erreicht worden, wenn es um die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung auf dem allgemeizeichnen sich aber
nen Arbeitsmarkt geht. Gleichzeitig ­zeichnen
Arbeiten  4.0  –
auch schon neue Herausforderungen ab: ­Arbeiten 
die Digitalisierung der Arbeitswelt. Hier bestehen für
Menschen mit Behinderungen Chancen und Risiken zugleich.
LVR-Integra­
Ich bin mir jedoch sehr sicher, dass das LVR-Integrationsamt auch auf diesem Weg den behinderten Menschen im Rheinland und ihren Arbeitgebern ein kompetenter Partner sein und es immer mehr behinderten
Menschen gelingen wird, mit Hilfe des LVR-Integrationsamtes einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt zu
erlangen.

Oft gibt es für einen Teil der Menschen, die heute in einer
Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten oder bei denen die Aufnahme in eine Werkstatt nach Abschluss der
Schule vorgesehen ist, aufgrund der Schwere ihrer Behinderung keine Alternative zu dieser Form der Teilhabe
am Arbeitsleben. Die Eingliederung und der Verbleib in
einer Werkstatt darf aber kein Automatismus sein.
Im Gegenteil: Die Prüfung von individuellen Alternativen
muss der Standard werden, denn häufig entwickelt sich
die Leistungsfähigkeit eines behinderten Menschen mit
der Arbeit, sodass sich erst nach einer gewissen Zeit die
Fähigkeiten verbessern und damit der Übergang auf den
allgemeinen Arbeitsmarkt gelingen kann.
Dabei hat sich gezeigt, dass viele Schritte, Ideen und neue
Ansätze notwendig sind, um die alten und scheinbar bewährten Muster zu durchbrechen. Das LVR-Integrationsamt hat daran in den letzten Jahren konsequent geargear­
beitet.
Viele Angebote sind zuerst in Modellprojekten erprobt
worden. Erst mit diesen Erfahrungen haben wir dann das
Paket des „LVR-Budgets für Arbeit“ geschnürt, welches
für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf den Weg
auf den allgemeinen Arbeitsmarkt durch kombinierbare
und flexible Angebote ebnet. Besonders wichtig war mir
stets, dass Komponenten des LVR-Budgets für Arbeit
auch denjenigen Arbeitgebern, die diesen Menschen in
ihrem
­ihrem Betrieb eine Chance geben, eine praxisnahe Unterstützung im Betrieb bieten, die über die rein finanzielle
Förderung hinausgeht.

SEITE

10

Karin Fankhaenel,
(2012 – 
016)
Leiterin LVR-Integrationsamt (2012
–2
2016)

03

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Die
DIE Schwerpunkte
SCHWERPUNKTE
der DER
Arbeit
ARBEIT
im Jahr
IM2015
JAHR 2015
3.1 Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze
Im Fokus der Arbeit des LVR-Integrationsamtes steht die
Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze. Hier
ergänzen sich die klassischen Förderinstrumente der
­Begleitenden Hilfe (vgl. Kapitel 9.1) und innovative An­sätze
wie das LVR-Budget für Arbeit (vgl. Kapitel 3.3 und 10).
Private und öffentliche Arbeitgeber haben Zuschüsse zu
den Investitionskosten von über 300 neu geschaffenen
Arbeits- und Ausbildungsplätzen in Höhe von fast 3 Mio.
Euro erhalten. An Integrationsprojekte sind rund 1,4 Mio.
Euro für rein investive Maßnahmen zur Schaffung von
behinderungsgerechten Arbeitsplätzen geflossen. 10 Integrationsprojekte sind 2015 neu gegründet worden.
130 neue Arbeitsplätze sind entstanden, 59 davon für besonders betroffene schwerbehinderte Menschen.

Die Einstellung von fast 850 Menschen mit Behinderungen in ein Beschäftigungs- oder Ausbildungsverhältnis
ist mit mehr als 2 Mio. Euro in Form von Prämien aus
dem Landesprogramm „aktion5“ unterstützt worden.
460  Werkstattbeschäftigten ist bisher mit dem Modell­
projekt „Übergang 500 Plus“ der Wechsel aus einer Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gelungen.
Das LVR-Integrationsamt ist Partner des Bundes und des
Landes NRW bei der Umsetzung und Durchführung des
Handlungsfeldes 2 „Neue betriebliche Ausbildungsplätze“ und des Handlungsfeldes 3 „Neue Arbeitsplätze für
ältere Menschen mit einer Schwerbehinderung“ des Bundesprogramms „Initiative Inklusion“ (vgl. Kapitel  10.6).
Im Rheinland sind im Rahmen des Programms bisher
304 Ausbildungsplätze für schwerbehinderte Jugendliche
und 452 Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen
über 50 Jahre neu geschaffen worden.

3.2 Erhalt und Sicherung der Arbeitsplätze schwerbehinderter
Menschen
Der Erhalt der Arbeitsplätze schwerbehinderter Menschen bleibt auch 2015 der Schwerpunkt der Arbeit des
LVR-Integrationsamtes und der rheinischen Fachstellen
für behinderte Menschen im Arbeitsleben (vgl. Kapitel 9).
Schwerbehinderte und gleichgestellte Berufstätige selbst
erhalten Zuschüsse zu technischen Arbeitshilfen und
Qualifizierungsmaßnahmen. Kosten für Arbeitsassis­tenz
und Gebärdendolmetscher-Leistungen wurden übernom­
men. Finanzielle Förderungen in Höhe von mehr als
7 Mio. Euro sind direkt an schwerbehinderte und gleich-

gestellte Beschäftigte und Selbstständige geflossen. Die
Beschäftigung von besonders betroffenen schwerbehinderten Menschen in Integrationsprojekten ist mit mehr
als 12 Mio. Euro gefördert worden. Private und öffentliche
Arbeitgeber haben Zuschüsse zur behinderungsgerechten Gestaltung von Arbeitsplätzen von über 7 Mio. Euro
sowie 22 Mio. Euro zum Ausgleich behinderungsbedingter besonderer Belastungen (personelle Unterstützung,
Beschäftigungssicherungszuschuss) erhalten.

3.3 LVR-Budget für Arbeit
Durch das LVR-Budget für Arbeit werden erfolgreiche regionale Förderprogramme und Modellprojekte gebündelt,
um Menschen mit einer wesentlichen Behinderung und

einem hohen Unterstützungsbedarf neue Wege auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt zu eröffnen (siehe dazu Kapitel 10). Die Förderleistungen aus dem LVR-Budget für
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11

LVR-INTEGRATIONSAMT

Übergang 500 Plus –
mit dem LVR-Kombilohn

Landesprogramm
aktion5
LVR-BUDGET
FÜR ARBEIT

Zuverdienst und
betriebsintegrierte
Arbeitsplätze

­ rbeit ergänzen die klassischen Leistungen des SGB  IX
A
zur Teilhabe am Arbeitsleben. Die Unterstützungsangebote können je nach Einzelfall und Bedarf auch flexibel
miteinander kombiniert werden. Das LVR-Budget für Arbeit setzt sich aktuell zusammen aus den Modulen:
aktion5
Schwerpunkt der Förderung ist seit 2008 der Übergang
von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf sowie von Beschäftigten einer
Werkstatt für behinderte Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Dabei erhalten Arbeitgeber finanzielle Leistungen bei Einstellung zur Beschäftigung oder
Ausbildung (Einstellungs- oder Ausbildungsprämie). Der
Wechsel aus ­einer Werkstatt für behinderte Menschen
wird bis zu 5 Jahre mit laufenden finanziellen Leistungen
gefördert. Schwerbehinderte Menschen werden mit individuellen Maßnahmen wie Jobcoaching, Arbeitstraining
oder Mobilitätstraining unterstützt. Gruppenmaßnahmen
sowie gendersensible und migrantenspezifische Maßnahmen werden als Projekte gefördert. Im Jahr 2015 sind
907 Maßnahmen bewilligt worden.
Übergang 500 Plus – mit LVR-Kombilohn
Das seit 2011 etablierte Modellprojekt wendet sich konkret an
Beschäftigte einer Werkstatt für behinderte Menschen und
an wesentlich behinderte Schulabgängerinnen und Schulabgänger mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Ziel
der F
­ örderung ist die Aufnahme eines sozialversicherungspflichtigen Ausbildungs- oder ­Beschäftigungsverhältnisses
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Das jeweilige Beschäfti­
gungs­verhältnis wird durch den Integrationsfachdienst begleitet und betreut. Die schwerbehinderten Menschen erhalten über den Integrationsfachdienst ein vorbereitendes

12

Übergang Schule –
Beruf (STAR, Initiative
Inklusion)

Arbeitstraining zur Vermittlung in ein Ausbildungs- oder
Beschäftigungsverhältnis.
Der Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt wird durch
ein Jobcoaching unterstützt und kontinuierlich fachlich
begleitet. Seit Beginn des Modellprojektes konnten bereits 460 Personen in den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden.
Übergang Schule – Beruf (NRW-Landesprogramm
STAR und Bundesprogramm Initiative Inklusion)
Ein Kernelement des Bundesprogramms Initiative Inklusion ist die Förderung der beruflichen Orientierung
von schwerbehinderten Schülerinnen und Schülern mit
sonderpädagogischem Förderbedarf. In den Zuständigkeitsbereichen der Landschaftsverbände Rheinland
und Westfalen-­Lippe werden die Mittel des Bundesprogramms insbesondere dazu genutzt, um das von den
Integrationsämtern etablierte, erfolgreiche Landesprogramm STAR (Schule trifft Arbeitswelt – zur ­Integration
schwer- 
/ 
behinderter ­
Jugendlicher) nicht nur in den
4  ursprünglich geplanten Modellregionen, sondern landesweit umzusetzen. Seit Programmbeginn sind über
14.600  Module durchgeführt, über 4.000 Schülerinnen
und Schüler und rund 2.800 Eltern erreicht worden.
Zuverdienst
Mit dem auf 5 Jahre angelegten Modellprojekt „Zuverdienst“ schafft das LVR-Dezernat Soziales eine Alternative zur Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte
Menschen für Personen mit w
­ esent­licher Behinderung.
Menschen mit einer wesentlichen Behinderung werden
bei Arbeitgebern des allgemeinen ­Arbeitsmarktes und
insbesondere in Integrationsprojekten mit einer wöchent-

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

„CHANCEN
„Chancen
bieten
BIETEN
– Chancen
– CHANCEN
nutzen“
NUTZEN“
– Ein Film
– EIN
fürFILM FÜR
Arbeitgeber undUND
ARBEITGEBER
Interessierte
INTERESSIERTE
zum LVR-Budget
ZUM LVR-BUDGET FÜR
für Arbeit
ARBEIT

lichen Arbeitszeit zwischen 5 und 14,75 Stunden beschäftigt und ortsüblich bzw. tariflich entlohnt. Die Fahrtkosten
des ÖPNV werden erstattet. Der Arbeitgeber erhält einen
Zuschuss von bis zu 75 Prozent seines Aufwandes zur
Sicherstellung einer fachlich-praktischen Anleitung und
zum Ausgleich der behinderungsbedingt verminderten
Leistungsfähigkeit des „Minijobbers“. Über 300 Beschäftigungsmöglichkeiten werden angeboten.
Betriebsintegrierte Arbeitsplätze für
W
­ erkstattbeschäftigte
Bisher können nur ca. 4 Prozent der Werkstattbeschäftigten im Rahmen von betriebsintegrierten Arbeitsplätzen ihre sozialen Kompetenzen weiterentwickeln und

berufspraktische Erfahrungen sammeln, die es ihnen
ermöglichen, eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufzunehmen. Das
Land Nordrhein-Westfalen und die Landschaftsverbände
Rheinland und Westfalen-Lippe haben in Kooperation mit
der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit
ein Modellprojekt aufgelegt, mit dem landesweit bis zu
1.000 zusätzliche betriebsintegrierte Arbeitsplätze – insbesondere bei Arbeitgebern des öffentlichen Dienstes  –
geschaffen werden sollen. Bis Ende 2015 sind landesweit
839 betriebsintegrierte Arbeitsplätze entstanden, davon
406 im Rheinland. Der LVR selbst bietet 47 betriebsinte­
grierte Arbeitsplätze an.

3.4 Förderung innovativer Modelle, Projekte und Forschungsvorhaben
Das breit gefächerte Unterstützungsangebot der gesetzlichen Förderung durch das LVR-Integrationsamt
an schwerbehinderte Menschen selbst, aber auch an

deren Arbeitgeber, hat zum Ziel, dass schwerbehinderte
Menschen in ihrer sozialen Stellung nicht absinken, auf
Arbeitsplätzen beschäftigt werden, auf denen sie ihre

Bild 4: Stellten das inklusive Schiffsbauprojekt im APX vor (v. l. n. r.): Schiffsbaumeister Kees Sars; LVR-Kulturdezernentin
Milena Karabaic; Dr. Martin Müller, Leiter des APX, LVR-Schul- und Integrationsdezernentin Prof. Dr. Angela Faber; Karin
Fankhaenel, Leiterin des LVR-Integrationsamtes sowie Projektleiterin Dr. Gabriele Schmidhuber-Aspöck (Foto: LVR)
SEITE

13

LVR-INTEGRATIONSAMT

­Fähigkeiten und Kenntnisse voll verwerten und weiterentwickeln können und befähigt werden, sich am Arbeitsplatz und im Wettbewerb mit nichtbehinderten Menschen
zu behaupten.

einer Vielzahl von Akteuren, die sich mit neuen Ansätzen
zur technischen oder persönlichen Unterstützung oder
neuen Beschäftigungsangeboten für Menschen mit Behinderung auseinandersetzen.

Für das LVR-Integrationsamt steht deshalb – auch mit
Blick auf die demografische und wirtschaftliche Entwicklung – die Frage im Mittelpunkt, wie die Arbeitsplätze
schwerbehinderter Menschen im Rheinland langfristig
gesichert werden können und wie weiterhin das Ziel verfolgt werden kann, Arbeits- und Ausbildungsplätze neu
zu schaffen. Dabei ist das LVR-Integrationsamt Partner

Das LVR-Integrationsamt unterstützt u. a. Modelle und
Forschungsvorhaben der Universität Dortmund, der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH)
Aachen, der Uniklinik Köln oder des Berufsförderungswerkes Düren. Weitere Informationen zu den Vorhaben
und Projekten finden Sie in Kapitel 11.

3.5 LVR-Fachkongress „Dialog Personal“ –
­Ausbildungs­potenziale für Unternehmen
Viele Unternehmen und Arbeitgebende suchen nach motivierten und qualifizierten Auszubildenden. Gleichzeitig
möchten viele leistungsbereite Jugendliche mit Behinderung im Berufsleben Fuß fassen. Wie Unternehmen diese

Potenziale nutzen können und welche Unterstützungsmöglichkeiten und Modelle es gibt, junge ­Menschen mit
Behinderung in Ausbildung zu nehmen und zu qualifizieren, diskutierten rund 150 Teilnehmerinnen und Teilneh-

„Dialog Personal“
„DIALOG
PERSONAL“
Alle Präsentationen und Materialien der Tagung ­finden
finden Sie unter:

Bild 5: Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beteiligten sich mit Fragen und Anmerkungen an der Podiumsdiskussion.
Maurice Gully moderierte. Foto: LVR

14

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

mer am 10. November 2015 im KOMED-Tagungszentrum
in Köln beim zweiten „Dialog Personal“ mit dem LVR-­
Integrationsamt. Unter dem Motto „Ausbildung ­
öffnet
Türen“ stellte das LVR-Integrationsamt erfolgreiche Stra-

tegien für die Ausbildung und Qualifizierung von Jugendlichen mit Behinderung sowie einige Erfolgsmodelle vor.
Unter anderem berichteten der WDR und die Brauerei
Früh von ihren guten Erfahrungen.

3.6 Empfehlungen zur Förderung eines Job-Coachings
Das LVR-Integrationsamt und die örtlichen Fachstellen
bei den Mitgliedskörperschaften des Landschaftsverbandes Rheinland haben in enger Zusammenarbeit eine
Empfehlung zur Förderung von betrieblichen Arbeitstrainings (Job-Coachings) erstellt und umgesetzt.
Das Job-Coaching findet in der Regel unmittelbar am
­Arbeitsplatz mit direktem Kontakt mit den Vorgesetzten
und Kolleginnen/Kollegen der Beschäftigten statt. Es vermittelt kognitive und soziale Kompetenzen und trainiert
die Art der Arbeitsausführung sowie psychomotorische
Merkmale. Darüber hinaus konkretisiert es gegenüber
dem betrieblichen Umfeld die Auswirkungen der Behinderung und bietet Hilfestellung im Umgang miteinander.

Job-Coaching wird insbesondere eingesetzt im Rahmen
von betrieblichen Praktika in den Übergangsbereichen
Schule bzw. Werkstatt und Beruf, zur Einarbeitung auf
einem neuen Arbeitsplatz, bei einer innerbetrieblichen
Umsetzung oder (stufenweisen) Wiedereingliederung, bei
geänderten Anforderungen am Arbeitsplatz sowie besonderen individuellen Krisen- und Problemlagen.
Das Job-Coaching erfolgt anhand eines detaillierten,
ab­­
gestimmten Maßnahmenplans. Es können bis zu
50 Fachleistungsstunden gefördert werden. Die Fachleistungsstunde wird in der Regel mit 55 Euro vergütet. Die
Empfehlungen definieren für die Tätigkeit als Job-Coach
Berufsgruppen und die erforderlichen Kenntnisse und
Befähigungen, die im Rahmen einer Beauftragung nachzuweisen sind.

3.7 Fachberater im IHK-Bezirk Köln
Seit 2003 finanziert das LVR-Integrationsamt aus Mitteln
der Ausgleichsabgabe Fachberaterstellen in den rheinischen Kammerbezirken. Die ersten Kooperationen wurden mit den Handwerkskammern Köln, Aachen und Düsseldorf und den Industrie- und Handelskammern (IHK)
Ruhr und Mittlerer Niederrhein geschlossen. Seit 2015
besteht nun auch eine Kooperation mit der IHK Köln. In der
Abteilung „Weiterbildung / Fachkräftesicherung“ wurde
die Stelle „Fachberatung Inklusion“ eingerichtet und mit
Alexander Reimer besetzt (weitere Informationen unter
www.ihk-koeln.de/inklusion.AxCMS, Kapitel 4.8 und 9.3.3).
Über die Kooperation mit den Kammern erreicht das Unterstützungsangebot des LVR-Integrationsamtes über
eine halbe Million weitere Arbeitgeber – insbesondere
Kleinbetriebe und mittelständische Unternehmen.
Das Serviceangebot der Kammern umfasst neben einer
umfassenden, neutralen und kostenfreien Information
und Beratung zu allen Themen rund um Inklusion und
Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen die Unterstützung bei Fragen zu technischen Arbeitshilfen, die
Beratung zu Fördermöglichkeiten / Leistungen zur Teilhabe, die Kontaktaufnahme zu den zuständigen Kostenträgern und die Unterstützung bei der Antragstellung.

Alexander Reimer
Fachberater für Inklusion bei der IHK Köln
SEITE

15

LVR-INTEGRATIONSAMT

3.8 LVR-Integrationsamt arbeitet mit im Netzwerk
­„bonnfairbindet“
Das LVR-Integrationsamt arbeitet mit im Netzwerk
„bonnfairbindet“, einer gemeinsamen Initiative von Bonner Sozialunternehmen, Menschen mit Behinderung,
Wirtschaftsverbänden, der Agentur für Arbeit, der IHK
Bonn / Rhein-Sieg, der Stadt Bonn und dem Landschaftsverband Rheinland. Ziel der Initiative ist es, einen inklusiven Arbeits- und Ausbildungsmarkt in der Stadt zu
schaffen. Dazu informiert und berät „bonnfairbindet“ Un-

ternehmen und Betriebe sowie Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer über Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten. Über eine Telefonnummer ist eine unverbindliche
Beratung möglich. Das LVR-Integrationsamt beteiligt
sich an verschiedenen Aktionen des Netzwerkes, um zum
Beispiel die Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen mit Behinderung in Bonn zu verbessern. Weitere
Informationen finden Sie unter www.bonnfairbindet.de

3.9 Besonderer Service für Schwerbehindertenvertretungen:
ein Plakat für die betriebliche Öffentlichkeitsarbeit
Das LVR-Integrationsamt bietet neu gewählten wie erfahrenen Schwerbehindertenvertretungen einen neuen
Service an. Ein Plakatmotiv, mit dem sich die Interessenvertretung auf ungewöhnliche und professionelle Art
im Betrieb vorstellen kann. Der Text des Plakates lautet:
„Sprechen Sie mich an, wenn es für Sie nicht rundläuft!“,
gefolgt von: „Ich bin der / die neue Schwerbehinderten-

Schwerbehindvertr_Plakat A3_LVR.indd 1

26.10.15 17:20

vertreter / in. Damit Menschen mit Behinderung bei uns
jederzeit ein offenes Ohr finden und eine Stimme bekommen. Und damit Menschen ohne Handicap helfen, die
Räder für alle rollen zu lassen.“ Das Motiv auf dem Plakat gibt es sowohl in weiblicher als auch in männlicher
Form. Ein freies Feld bietet die Möglichkeit, Kontaktdaten,
Sprechzeiten und andere Informationen einzutragen.

Schwerbehindvertr_Plakat A3_LVR.indd 2

26.10.15 17:21

Die Plakatvorlagen können Sie an dieser Stelle ­kostenlos
kostenlos
­herunterladen, sowohl als Web-Version als auch für den
herunterladen,
­DIN-A3-Druck in höherer Auflösung.
DIN-A3-Druck

16

04

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Ein Ausblick
EIN
AUSBLICK
aufAUF
dasDAS
JahrJAHR
2016 2016
4.1 In eigener Sache –
das LVR-Integrationsamt unter neuer Leitung
Karin Fankhaenel, bisher Leiterin des LVR-Integrations­
amtes, verabschiedete sich zum 1. April 2016 in die
Alters­teilzeit. Sie war seit 1974 für den Landschaftsverband Rheinland mit ganz verschiedenen Aufgaben u. a.
im Bereich Schulen, in der Eingliederungshilfe oder
als Fachbereichsleiterin für Querschnittsaufgaben und
Dienstleistungen im LVR-Dezernat Soziales betraut. Als
Karin Fankhaenel 2012 – zunächst kommissarisch – den
Fachbereich LVR-Integrationsamt und Soziales Entschädigungsrecht übernahm, waren ihr auch diese Aufgaben
nicht fremd. Im LVR-Integrationsamt hat sie die Abteilungen Schulung 
/ 
Öffentlichkeitsarbeit und Begleitende
­Hilfe /­Kündigungsschutz geleitet, bevor sie die Verlagerung der Aufgaben des Sozialen Entschädigungsrechts

von der Versorgungsverwaltung hin zu den Landschaftsverbänden maßgeblich mitgestaltet hat. 2008 hat sie
dann die Leitung des neuen LVR-Fachbereichs Soziales
Entschädigungsrecht übernommen.
Auf Karin Fankhaenel folgt Christoph Beyer als neuer
Leiter des LVR-Integrationsamtes. Der 47-jährige Jurist
ist seit 1998 beim Landschaftsverband Rheinland tätig.
Die Aufgaben und Arbeit des LVR-Integrationsamtes sind
ihm seit 2005 vertraut, als er in die Geschäftsstelle des
Widerspruchsausschusses wechselte. 2013 übernahm er
die Leitung der Abteilung „Seminare, Öffentlichkeitsarbeit
und Forschungsvorhaben“ des LVR-Integrationsamtes.

4.2 Erhöhung der Ausgleichsabgabe ab dem 1. Januar 2016
Arbeitgeber, die ihrer gesetzlichen Verpflichtung, auf
5 Prozent der Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen
zu beschäftigen, nicht nachkommen, zahlen ab 2016 eine
höhere Ausgleichsabgabe. Die Erhöhung der Ausgleichs­
abgabe ist seit dem Inkrafttreten des SGB IX im Jahr 2001
an die Bezugsgröße der gesetzlichen Rentenversicherung
(Durchschnittsentgelt aller Versicherten der gesetzlichen
Rentenversicherung im vorvergangenen K
­alenderjahr)
gekoppelt. Erhöht sich die Bezugsgröße um 10 Prozent,
so erhöht sich auch die Ausgleichsabgabe für alle unbesetzten Pflichtarbeitsplätze um diesen Anteil. Seit Einfüh-

rung der Regelung ist dieser Mechanismus erstmals zum
1. Januar 2012 zur Anwendung gekommen. Ab 2016 steigt
nunmehr bei einer Beschäftigungsquote von 3 bis unter
5 Prozent die Ausgleichsabgabe auf 125 Euro pro Monat.
Für eine Quote von 2 bis unter 3 Prozent werden 220 Euro
fällig und Arbeitgeber mit einer Quote von unter 2 Prozent
zahlen 320 Euro. Da die Arbeitgeber die Ausgleichsabgabe für 2016 erst bis 31. März 2017 entrichten müssen,
wirkt sich dies bei den Einnahmen der Integrationsämter
erst im Jahr 2017 aus.

4.3 „aktion5“ – Änderung der Richtlinie zum 1. Januar 2016
Seit September 1990 führen die Integrationsämter der
Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe
­regionale Arbeitsmarktprogramme zur beruflichen Eingliederung von Menschen mit einer Schwerbehinderung
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt durch. Die erfolgreiche Umsetzung des 6. Sonderprogramms mit dem

Namen „aktion5“ umfasst die 5-jährige Laufzeit vom
01.  ­Januar 2013 bis zum 31. Dezember 2017.
Das Programm „aktion5“ stellt einen Teil der Konzeption
des „Budgets für Arbeit“ der beiden Landschaftsverbände
dar und beinhaltet alle Unterstützungsleistungen zum
SEITE

17

LVR-INTEGRATIONSAMT

Die Arbeitswelt ändert sich rasant – wir unterstützen schwerbehinderte Beschäftigte sowie
Arbeitgeber bei diesem Prozess

einbaren. Darüber hinaus bieten neue Technologien auch
neue und individuelle Möglichkeiten der Unterstützung
für Menschen mit Behinderung.

Die Industrie sowie die Verwaltung stehen vor einer neuen Welle der Automatisierung und Digitalisierung durch
die Vernetzung von Maschinen und Anlagen. Smartphone
und Laptop ermöglichen das Arbeiten an jedem Ort und
rund um die Uhr. Die Grenzen zwischen Direktionsrecht
des Arbeitgebers und Selbstbestimmung des Arbeitnehmers verschwimmen. Dies kann sich für beide Seiten zum Fluch, aber auch zum Segen entwickeln. Für
Beschäftigte mit und ohne Behinderung kann die neue
Technik zusammen mit der Möglichkeit einer flexibleren
Arbeitsgestaltung auch eine enorme Hilfe sein, wenn es
darum geht, Beruf, Gesundheit und Familienleben zu ver-

Um optimale Arbeitsbedingungen für Menschen mit Behinderung zu schaffen, werden wir diesen Wandel in der
Arbeitswelt eng begleiten. Wir entwickeln das Fortbildungs- und Informationsangebot für Schwerbehindertenvertretungen, Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeber
und andere betriebliche Funktionsträger kontinuierlich
weiter. Wir erproben und entwickeln neue Instrumente zur
Unterstützung, um sie in den betrieblichen Alltag einbinden zu können. Für uns ist das Thema Arbeitssicherheit
für Menschen mit Behinderung von großer Bedeutung.

Christoph Beyer
Leiter LVR-Integrationsamt

Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt, insbesondere für (schwer-)behinderte Schülerinnen und Schüler
aus Förderschulen und dem Gemeinsamen Unterricht
sowie für Abgängerinnen und Abgänger von Werkstätten
für behinderte Menschen.
Aufgrund einer vom LWL-Integrationsamt im September
2015 vorgenommenen Änderung der Programmricht­
linie „aktion5“ zur Entlastung der Ausgleichsabgabe beim
LWL-Integrationsamt werden die Programmrichtlinien zu
„aktion5“ bei den beiden Integrationsämtern LVR und LWL

18

Um möglichst passgenaue Angebote erbringen zu können,
werden wir weiterhin eng mit den örtlichen Fachstellen
bei den Städten und Kreisen im Rheinland sowie den Rehabilitations- und Leistungsträgern zusammenarbeiten.
Das LVR-Integrationsamt mit seinem Leistungsangebot ist
A
­ rbeitsleben,
Partner der Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben,
ihrer Schwerbehindertenvertretungen sowie der Arbeitgeber. Wir werden uns gemeinsam mit der Arbeitswelt stetig
weiterentwickeln, damit sich Betriebe, Unternehmen und
Verwaltungen auch zukünftig darauf verlassen können,
von uns gut und kompetent unterstützt zu werden. Arbeitgebern stehen wir als zentraler Ansprechpartner zur Verfügung, der aufgrund langjähriger Erfahrung und fundiertem, spartenübergreifendem Wissen in allen Fragen rund
um die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen
informiert und berät sowie die Koordination des Kontaktes
mit den Fachdiensten und Fachabteilungen übernimmt.
Als LVR-Integrationsamt sehen wir uns für die Zukunft gut
gerüstet, um den sich stetig wandelnden Anforderungen
im Interesse der schwerbehinderten Beschäftigten und
­ihrer Arbeitgeber optimal gerecht zu werden.
ihrer

unterschiedlich ausgestaltet. Das LVR-Integra­
tions­
amt
nutzt dies, um erfolgreiche Entwicklungen in der betrieblichen Ausbildung junger Menschen mit Schwerbehinderung im Rheinland weiter gezielt unterstützen zu können.
Bislang konnten durch das Programm „aktion5“ nur diejenigen Personen in Arbeit und Ausbildung gefördert werden,
die anerkannt schwerbehindert oder gleichgestellt sind.
Im Rahmen des Handlungsfeldes 2 der Initiative Inklu­sion
können darüber hinaus junge behinderte Menschen mit

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

­einem besonderen Bedarf an arbeitsbegleitender Betreuung gefördert werden, die aber noch keinen Grad der Behinderung beantragt bzw. anerkannt haben. Dazu gehören
z. B. Schulabgängerinnen und –abgänger, Werkstattwechsler sowie Personen mit einer geistigen, seelischen oder
schweren Körper-, Sinnes- oder Mehrfachbehinderung,
die sich im Arbeitsleben besonders nachteilig auswirkt.

Die LVR-Richtlinie des Programms „aktion5“ wird um
diesen Personenkreis erweitert, um erfolgreiche Ausbildungsgänge weiterhin unterstützen und begonnene Entwicklungen im Bereich der betrieblichen dualen Ausbildung begleiten zu können.

4.4 Regionaltagungen 2016 – das LVR-Integrationsamt lädt ein
Das LVR-Integrationsamt lädt seine Netzwerk-Partner
rund um die berufliche Teilhabe für Menschen mit Behinderungen alle 2 Jahre zu einem Fachaustausch nach
Köln ein. In 10 Veranstaltungen treffen sich im Herbst
Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsagenturen, der
örtlichen ­
Fachstellen, der Integrationsfachdienste, der
Handwerkskammern, der Industrie- und Handelskam-

mern sowie der Renten­versicherung mit den Expertinnen
und Experten für Kündigungsschutz, Begleitende Hilfe
im Arbeitsleben, Integrationsbegleitung und technische
Beratung des LVR-Integrationsamtes, um über die Entwicklungen der beruflichen Teilhabe am Arbeitsleben zu
diskutieren, die Zusammenarbeit weiterzuentwickeln und
hierfür gemeinsame Ziele zu vereinbaren.

4.5 Übergang 500 Plus – Programmverlängerung bis 2017
Das auf 5 Jahre angelegte Modellprojekt „LVR-Budget
für Arbeit: Übergang 500 Plus – mit dem LVR-Kombilohn“ verfolgt das Ziel, mindestens 500 Werkstattbeschäftigte bzw. Schulabgängerinnen und Schulabgänger mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf in
ein sozialversicherungspflichtiges betriebliches Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis zu vermitteln. Bis
zum Stichtag 31. Dezember 2015 haben 460 Personen
den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vollzogen. Das Modell endet regulär zum 30. Juni 2016.

Aufgrund des im Jahr 2016 laufenden Gesetzgebungsverfahrens zum Bundesteilhabegesetz, welches Auswirkungen auf den Bereich der Übergänge aus Werkstätten hat,
wird das jetzige Modell „Übergang 500 Plus“ um 12 ­Monate
unter Beibehaltung der Verfahrenswege und Förderkonditionen verlängert, um die Zeit bis zum Inkrafttreten
der neuen gesetzlichen Regelungen zu überbrücken.

4.6 Überarbeitung der BIH-Empfehlung zur Gewährung von
Leistungen an Arbeitgeber zur Abgeltung außergewöhnlicher
Belastungen
Bei der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen
kann dem Arbeitgeber im Einzelfall ein personeller
und 
/ 
oder finanzieller Aufwand entstehen, der das im
Betrieb übliche Maß deutlich überschreitet. Das Inte­
grations­­amt kann dem Arbeitgeber im Rahmen der Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben finanzielle Mittel aus der
Ausgleichsabgabe zur (teilweisen) Abdeckung dieses besonderen Aufwands gewähren.
Man unterscheidet dabei zwischen 2 Arten von außer­
gewöhnlichen Belastungen: Bei der Personellen Unterstützung entstehen für den Arbeitgeber besondere Aufwendungen in Form von zusätzlichen Personalkosten

anderer Beschäftigter, gelegentlich auch externer Betreuer. Gemeint sind damit Unterstützungs- und Betreuungsleistungen für den schwerbehinderten Menschen
bei der Arbeitstätigkeit. Beispiele sind die Vorlesekraft
für blinde Menschen, die betriebliche Ansprechperson
für gehörlose oder seelisch behinderte Menschen, aber
auch die ständig erforderliche Mithilfe von Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen bei der Arbeitsausführung
sowie behinderungsbedingte längere oder wiederkehrende Unterweisungen am Arbeitsplatz, etwa durch den/
die Vorgesetzte/n bei einem geistig behinderten Menschen. Beim Beschäftigungssicherungszuschuss (bisher
Minderleistungsausgleich) erhält der Arbeitgeber einen
SEITE

19

LVR-INTEGRATIONSAMT

f­inanziellen Ausgleich zu den anteiligen Lohnkosten für
die schwerbehinderten Menschen, deren Arbeits­leistung
aus behinderungsbedingten Gründen erheblich hinter
dem Durchschnitt vergleich­barer Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer im Betrieb zurückbleibt.

2015 
/ 
2016 sind die bundesweiten Empfehlungen der
Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und
Hauptfürsorgestellen (BIH) zu dieser Förderleistung unter Federführung des LVR-Integrationsamtes überarbeitet worden.

4.7 Integrationsprojekte – neues Bundesprogramm
„­Inklusionsinitiative II – AlleImBetrieb“
2016 startet ein neues Bundesprogramm zur Förderung
von neuen Arbeitsplätzen in Integrationsprojekten. Das
Bundesministerium für Arbeit und Soziales stellt aus
Mitteln des Ausgleichsfonds 150 Mio. Euro bereit, um in
den nächsten 3 Jahren mindestens 4.500 Arbeitsplätze
für besonders betroffene schwerbehinderte Menschen zu
schaffen. Profitieren sollen durch das Programm insbe-

sondere langzeitarbeitslose schwerbehinderte Menschen,
Menschen mit einer chronischen psychischen Erkrankung
und Personen, die den Wechsel aus einer Werkstatt für behinderte Menschen anstreben. Fast 23 Prozent der finanziellen Mittel (ca. 34 Mio. Euro) fließen an die beiden Integra­
tionsämter in Nordrhein-Westfalen (weitere Informationen
zu Integra­tionsprojekten im Rheinland siehe Kapitel 9.2).

Am Anfang war da eine Idee

Die Idee, eine offene Stelle mal anders zu besetzen, geht
in unserem stressigen Alltagsgeschäft oft unter. Dabei
sind es am Anfang eigentlich nur die Idee und der Wille,
die nötig sind, um unseren täglichen unternehmerischen
Druck wieder ein klein wenig sozialer werden zu lassen.

Während meiner langjährigen Tätigkeit in einer Werkstatt
für behinderte Menschen stellte ich mir immer wieder
die Frage, ob es möglich wäre, außerhalb einer beschützenden Werkstatt mit Menschen mit einer Behinderung
gewinnbringend in einem Unternehmen zu arbeiten. Diese Idee habe ich bei der Gründung von HolzTeam Esser,
einem Integrationsunternehmen, umgesetzt und blicke
nun gerne auf die vergangenen 8 Jahre der jungen und
erfolgreichen Firmengeschichte zurück.
Es ist also möglich, Menschen mit einem Handicap gewinnbringend in die Unternehmensprozesse zu integrieren. Allzu blauäugig darf man dies allerdings auch nicht
betrachten und ganz bestimmt nicht nur allein aus einem
sozial geprägten Gedanken heraus umsetzen. Defizite
und Leistungseinschränkungen sind sicherlich vorhanden und lassen sich auch nicht immer zu 100 Prozent aus
den Zuschüssen vom LVR (Nachteilsausgleich) finanziell
ausgleichen. Hier gilt es, im eigenen Unternehmen über
eine Arbeitsplatzanalyse die Arbeitsprozesse zu finden,
die auch von einem Menschen mit einer körperlichen
oder geistigen Einschränkung zu bewältigen sind. Die
meisten Barrieren finden sich jedoch nicht am jeweiligen Arbeitsplatz, sondern in unseren Köpfen. Technische
Hilfsmittel können dabei helfen, die meisten Schwachstellen am Arbeitsplatz zu überwinden oder zumindest zu
verbessern. Hierbei unterstützt auch gerne der LVR mit
einer kompetenten Beratung.
SEITE

20

Thomas Esser
HolzTeam Esser, Niederzier

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

4.8 Bundesprogramm „Initiative Inklusion“ –
Verlängerung des Handlungsfeldes „Berufsorientierung“
für das Schuljahr 2016 / 2017
Mit der Initiative Inklusion, von der Bundesregierung ge­­
meinsam mit den Ländern, der Bundesagentur für A
­ rbeit,
den Integrationsämtern und den Kammern ­entwickelt,
werden zusätzlich 100 Mio. Euro aus dem Ausgleichsfonds mit dem Ziel zur Verfügung gestellt, mehr schwerbehinderte Schulabgängerinnen und Schulabgänger und
Jugend­
liche sowie ältere schwerbehinderte Menschen
in reguläre Arbeitsverhältnisse zu vermitteln. Das Pro-

gramm hat eine Laufzeit von 5 Jahren, beinhaltet 4 Förderoptionen (Handlungsfelder) und endet zum 30.  Juni
2016. Die Beteiligten haben sich darauf verständigt, dass
die Förderung des Handlungsfeldes 1 „Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung“ um
ein Jahr bis Ende des Schuljahres 2016 / 2017 verlängert
wird (weitere Informationen zur Umsetzung der Initiative
Inklusion im Rheinland finden Sie unter 10.6).

4.9 Rahmenvereinbarung zwischen den Landschaftsverbänden
Rheinland und Westfalen-Lippe und der Regionaldirektion NRW
der Bundesagentur für Arbeit zur Zusammenarbeit bei der
beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderung
Die Arbeitsmarktlage entwickelt sich seit Jahren positiv – und dennoch sind Menschen mit Behinderung immer noch überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen.
Die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-­Lippe
sowie die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für
Arbeit wollen ihre bestehende Zusammenarbeit ausbau-

en und intensivieren, um eine nachhaltige Verbesserung
der Ausbildungs- und Beschäftigungssituation von Menschen mit Behinderung in Nordrhein-Westfalen zu erreichen. Ansatzpunkte dafür werden in individuell abgestimmter Beratung und passgenauen Förderangeboten
der verschiedenen Leistungsträger gesehen.

4.10 Fachberater im IHK-Bezirk Bonn / Rhein-Sieg
Das LVR-Integrationsamt baut seine Kooperationen mit
den Industrie- und Handelskammern im Rheinland weiter aus. In immer mehr rheinischen Kammerbezirken
werden Fachberaterstellen für Inklusion eingerichtet
und aus Mitteln der Ausgleichsabgabe finanziert. In den
Handwerkskammerbezirken im Rheinland sind flächendeckend Fachberaterinnen und Fachberater etabliert.
Bei den Industrie- und Handelskammern sind Fachberaterstellen in den Bezirken Köln, Ruhr und ­Mittlerer

Niederrhein eingerichtet worden. In den beteiligten
Kammerbezirken sind mehr als eine halbe Million Unternehmen angesiedelt. Das LVR-Integrationsamt und
die IHK Bonn / Rhein-Sieg haben sich über eine Kooperation zur Einrichtung einer Fachberatung Inklusion ab
2017 verständigt. Das LVR-Integra­tionsamt bewertet die
Zusammenarbeit mit den Kammern sehr positiv. Das arbeitgebernahe Beratungsangebot aus einer Hand wird
kontinuierlich vertieft und ausgebaut.

4.11 STAR – ein Baustein in KAoA
STAR (Schule trifft ARbeitswelt) ist 2009 als regionales
Modellprojekt von den Integrationsämtern der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe gestartet. Mit STAR soll sichergestellt werden, dass alle jungen
Menschen mit Behinderung bzw. sonderpädagogischem
Förderbedarf Zugang zu einer vertieften Berufsorientierung erhalten und ihre besonderen Bedarfe bei der Be-

rufsorientierung und Berufseinstiegsbegleitung Berücksichtigung finden.
STAR ist heute als ein Baustein des nordrhein-westfälischen Übergangssystems Schule-Beruf „Kein Anschluss
ohne Abschluss“ (KAoA) etabliert. Mit dem Landesprogramm soll den Schülerinnen und Schülern der ÜberSEITE

21

LVR-INTEGRATIONSAMT

gang von der Schule in den Beruf erleichtert und Ausbildungsabbrüchen vorgebeugt werden. Das Programm
bietet eine praxisnahe Berufsorientierung und zeigt den
Schülerinnen und Schülern sowie Eltern Anschlussperspektiven auf. Mit standardisierten und für alle Schulen
verbind­
lichen Elementen der beruflichen Orientierung
wird sicher­gestellt, dass das Können und die Interessen
der ­Jugendlichen frühzeitig erkannt und gestärkt werden.
Bis Ende 2017 werden die Integrationsämter der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe ihre bisherigen Konzepte der Berufsorientierung und -begleitung
weiterentwickeln, um die Angebote von STAR mit den Angeboten der Berufsorientierung nach KAoA (­weiter) zu
vernetzen.

Dazu soll eine Verwaltungsvereinbarung zwischen den
KAoA-Akteuren Ministerium für Arbeit, Integration und
Soziales NRW, Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit und den beiden Landschaftsverbänden
getroffen werden, die die Finanzierung eines behinderungsspezifischen Angebotes zur Berufsorientierung im
Rahmen von KAoA regelt. Damit einher gehen die Begleitung des Veränderungsmanagements bei den Integrationsfachdiensten, Schulen und anderen beteiligten
Akteuren sowie der Aufbau eines Monitoringsystems zur
Qualitätssicherung des Angebotes.
Weitere Informationen zu STAR finden Sie in Kapitel 10.2.
Informationen zum Landesprogramm KAoA finden Sie
­unter www.keinabschlussohneanschluss.nrw.de

4.12 Auf dem Weg zu einem Bundesteilhabegesetz
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat am
26. April 2016 den Referentenentwurf eines Gesetzes zur
Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen veröffentlicht. Mit dem sogenannten Bundesteilhabegesetz sollen die ­
gesetzlichen
Regelungen in Deutschland entsprechend den Anforderungen der Behindertenrechtskonvention der V
­ereinten
Nationen weiterentwickelt werden. Gleichzeitig ­
werden
Absprachen der aktuellen Bundesregierung aus dem

Koali­
tionsvertrag umgesetzt. Kernziele sind, mehr
Selbstbestimmung und umfangreichere Teilhabe sicherzustellen sowie in Zukunft staatliche Leistungen aus
­einer Hand zu gewährleisten. Das Gesetzgebungsverfahren startete am 24. Mai 2015 mit einer ersten Anhörung.
Die Änderungen im Schwerbehindertenrecht sollen noch
in diesem Jahr bzw. zum 1. Januar 2017 in Kraft treten.
Das Bundesteilhabegesetz tritt nach den bisherigen Planungen am 1. Januar 2018 in Kraft.

4.13 Integrationspreis des Landes Nordrhein-Westfalen für
den „Godesburger“ – das erste inklusive Burger-Restaurant
Deutschlands
Die Prima gGmbH, ein Tochterunternehmen des Bonner
Vereins für gemeindenahe Psychatrie hat im September
2014 die Integrationsabteilung „Godesburger“ gegründet.
5 der 8 Beschäftigten sind schwerbehindert. Das gastronomische Angebot hat sich in Bonn-Bad Godesberg am
Markt erfolgreich etabliert. Jeden Monat werden mehr
als 3.000 Gäste mit Burger und Salaten bewirtet. Zum
Stammpersonal gehören gehörlose Menschen genauso selbstverständlich wie Menschen mit Anfallsleiden.

Die Gäste schätzen nicht nur die Burger, sondern auch
das inklusive Ambiente, wie man den Kundenstimmen
auf ­
Facebook und Instagram entnehmen kann. Der
Preis in der Kategorie „Arbeit und Qualifizierung“ ist mit
3.000 Euro dotiert.

Die Integrationsämter informieren zeitnah über ­offizielle
offizielle
­Aktivitäten rund um das Bundesteilhabegesetz:
Aktivitäten
www.integrationsaemter.de

22

05

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Der
DERPersonenkreis
PERSONENKREIS
der Schwerbehinderten
DER SCHWERBEHINDERTEN
Menschen
MENSCHEN

KURZ & KNAPP
•	In Deutschland* leben 7.548.965 schwerbehinderte Menschen, ihr Bevölkerungsanteil beträgt 9,4 %. In
NRW leben 1.768.932 schwerbehinderte Frauen und Männer. Dies entspricht 10 % der Bevölkerung. Im
Rheinland leben mehr als 52 % der schwerbehinderten Menschen in NRW: 925.566 Personen.
•	Der Anteil der schwerbehinderten Menschen an der Bevölkerung im Rheinland beträgt 9,7 %. Ihr Anteil
schwankt regional – zwischen 8,4 % in Düsseldorf und 11,6 % in Mönchengladbach und Remscheid.
•	Bei den Behinderungsarten stehen im Rheinland mit über 20 % die Funktionseinschränkungen von
inneren Organen bzw. Organsystemen im Vordergrund.
•	Der größte Teil der Behinderungen (94 %) ist zurückzuführen auf eine im Laufe des Lebens eingetretene
Erkrankung.
•	42 % der schwerbehinderte Frauen und Männer im Rheinland sind im erwerbsfähigen Alter zwischen
18 und 65 Jahren.

Menschen gelten als behindert, wenn ihre körperliche
Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit
nicht nur vorübergehend (d. h. länger als 6 Monate) von
dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht und
dadurch die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist.
Dabei ist es unerheblich, ob die Behinderung auf einer
Krankheit oder einem Unfall beruht oder ob sie angeboren ist. Es kommt allein auf die Tatsache der Behinderung
an. Ob eine Behinderung vorliegt, kann nur individuell und
unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles

beurteilt werden. Der Grad der Behinderung (GdB) gibt
das Ausmaß der Funktionseinschränkung wieder – gestuft nach Zehnergraden von 20 bis 100.
Als schwerbehinderte Menschen gelten Personen, denen
vom zuständigen Versorgungsamt ein Grad der Behinderung von 50 oder mehr zuerkannt worden ist und die in
der Bundesrepublik wohnen, ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben oder beschäftigt sind.
Die letzte Erhebung zum Personenkreis der schwerbehinderten Menschen ist zum 31. Dezember 2015 erfolgt.

5.1 Deutschland*
Zum Stichtag 31. Dezember 2013 lebten in der Bundesrepublik Deutschland 7.548.964 schwerbehinderte Menschen,
* Die Zahlen für Deutschland basieren auf der Erhebung 2013. Die
Daten der Erhebung zum 31. Dezember 2015 lagen bei Redaktions-

was einem Anteil von 9,4 Prozent an der gesamten Bevölkerung entspricht. Die Zahl der schwerbehinderten
Menschen ist damit im Vergleich zur Erhebung 2011 um
rund 260.000 Personen oder 3,6 Prozent gestiegen. Über
die Hälfte (52 %) waren Männer.

schluss noch nicht vor.
SEITE

23

LVR-INTEGRATIONSAMT

GRAFIK
Grafik
1:1:
Schwerbehinderte Menschen
SCHWERBEHINDERTE
MENSCHEN
nach Bundesländern
NACH BUNDESLÄNDERN
und ihr Anteil
UND
an der
IHRBevölkerung
ANTEIL AN DER BEVÖLKERUNG
(Stand 2013)
(STAND
2013)

Schleswig-Holstein
262.626
9,4 %

Hamburg
130.153
7,5 %
Bremen
58.242
8,9 %

MecklenburgVorpommern
173.237
10,8 %
Niedersachsen
664.802
8,5 %

Nordrhein-Westfalen
1.771.959
10,0 %
Rheinland
918.659
9,6 %
Westfalen-Lippe
853.300
10,3 %

RheinlandPfalz
310.299
7,8 %

Saarland
101.280
10,2 %

24

Hessen
608.624
10,1 %

BadenWürttemberg
981.538
9,3%

SachsenAnhalt
180.163
8,0 %

Thüringen
299.074
9,2 %

Bayern
1.128.646
9,0 %

Berlin
346.826
10,3 %

Brandenburg
252.946
10,3 %
Sachsen
377.550
9,3 %

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

LEBENSLAGEN
Lebenslagen
derDER
behinderten
BEHINDERTEN
Menschen
MENSCHEN
–
–
1 1
Mikrozensus 2013
MIKROZENSUS
2013
Ende 2013 lebten in Deutschland 10,2 Mio. Menschen mit einer amtlich anerkannten Behinderung. Im
Durchschnitt war somit fast jeder achte Einwohner (13 %) behindert. Mehr als die Hälfte waren Männer
(52 %). Der größte Teil, nämlich rund 7,5 Mio. Menschen, waren schwerbehindert. 2,7 Mio. Menschen
lebten mit einer leichteren Behinderung. Gegenüber dem letzten Mikrozensus (2009) ist die Zahl der
Menschen mit Behinderung um 7 Prozent beziehungsweise 673.000 Personen gestiegen.
Die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung unterscheidet sich häufig deutlich von der Situation nichtbehinderter Menschen. So sind behinderte Menschen zwischen 25 und 44 Jahren häufiger
ledig (58 %) als nichtbehinderte Menschen (45 %) in dieser Altersklasse. Der Anteil der Alleinlebenden in
dieser Altersklasse lag bei Menschen mit Behinderung bei 32 Prozent, bei Menschen ohne Behinderung
betrug er 21 Prozent. 18 Prozent der behinderten Menschen im Alter von 25 bis 44 Jahren hatten keinen
allgemeinen Schulabschluss. Von den Menschen ohne Behinderung in selben Alter waren nur 3 Prozent
ohne Abschluss. Abitur hatten 13 Prozent der behinderten und 31 Prozent der nichtbehinderten Menschen in dieser Altersklasse.
Am Arbeitsmarkt zeigt sich eine geringere Teilhabe der behinderten Menschen: 67 Prozent der behinderten Menschen im Alter von 25 bis 44 Jahren waren erwerbstätig oder suchten nach einer Tätigkeit;
bei den gleichaltrigen Nichtbehinderten waren es 88 Prozent. Behinderte Menschen dieser Altersklasse
waren häufiger erwerbslos. Die Erwerbslosenquote betrug 7 Prozent, die entsprechende Quote bei den
Nichtbehinderten lag bei 5 Prozent.

Weitere Eckpunkte
zur Situation
WEITERE
ECKPUNKTE
ZUR SITUATION
der behinderten
Menschen
insgesamt:
DER
BEHINDERTEN
MENSCHEN
INSGESAMT:
•	2,3 Mio. Menschen mit einer Schwerbehinderung sind im erwerbsfähigen Alter.
•	1,7 Mio. Menschen mit einem GdB zwischen 20 und 40 sind im erwerbsfähigen Alter.
•	73 % der behinderten Menschen gehören den Altersgruppen ab 55 Jahre an.
•	Menschen mit Behinderung sind beschäftigt als Angestellte (56 %), Arbeiter (31 %),
Selbstständige (7 %), Beamte (5 %) und Auszubildende (1 %).
•	Menschen mit einer Behinderung sind vorrangig in der Öffentlichen Verwaltung und im privaten und
öffentlichen Dienstleistungsgewerbe tätig (40,6 %). Der Anteil der Nichtbehinderten in diesen Wirtschaftsbereichen liegt bei 30,5 %.
•	Ein Viertel der behinderten, aber auch der nichtbehinderten Menschen hat keinen Berufsabschluss.
•	Familienstand der behinderten Menschen: 56 % sind verheiratet, 17 % ledig, 16 % verwitwet, 	
11  % ­ge­­schieden.
•	70 % leben in Haushalten mit 2 und mehr Personen.
•	50 % in der Altersgruppe 25 bis 44 Jahre finanzieren ihren Lebensunterhalt aus Beschäftigung.
•	40 % der 45- bis 65-jährigen behinderten Menschen erhalten Rentenleistungen.
•	Arbeitslosengeld I und Hartz IV-Leistungen erhalten 4,5 % der behinderten Menschen.
•	Grundsicherung erhalten 3,6 % der Menschen mit Behinderung.

	 Der Mikrozensus – die größte Haushaltsbefragung in Deutschland – ist eine Mehrzweckstichprobe, die ausführliche Informationen über die wirt-

1)

schaftliche und soziale Lage der Bevölkerung in Deutschland liefert. Die Beantwortung der Fragen zur Behinderung und Gesundheit ist dabei freiwillig. Im Jahr 2013 haben 81 % der Befragten Angaben zur Behinderung gemacht. Hochrechnungen sind anhand dieser Angaben in Verbindung mit
der Schwerbehindertenstatistik 2013 erfolgt. Der Mikrozensus ist am 11. Mai 2014 vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht worden.

SEITE

25

LVR-INTEGRATIONSAMT

Bei der Mehrheit der schwerbehinderten Menschen ist
von der Versorgungsverwaltung ein Grad der Behinderung von 50 festgestellt worden (2,41 Mio. Personen bzw.
32 %). Dann folgt die Gruppe der Personen mit ­einem
Grad der Behinderung von 100: 1,82 Mio. Personen
(24 %).
Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat mit 10,8 Prozent
den höchsten Anteil schwerbehinderter Menschen an der
Wohnbevölkerung, gefolgt von Berlin und Brandenburg
mit 10,3 Prozent und dem Saarland mit 10,2 Prozent. Den
geringsten Anteil schwerbehinderter Menschen an der
Bevölkerung haben Rheinland-Pfalz mit 7,8 Prozent und
Hamburg mit 7,5 Prozent.
Am häufigsten leiden schwerbehinderte Menschen unter
körperlichen Behinderungen (62 %): Bei 25 Prozent der
Personen sind die inneren Organe oder Organsysteme
betroffen. Die Funktionen der Arme und Beine sind bei 14
Prozent eingeschränkt, bei weiteren 12 Prozent die Wirbelsäule und der Rumpf. In 9 Prozent der Fälle liegt eine
Seh-, Hör- oder Sprachbehinderung vor. Auf geistige oder
seelische Behinderungen sowie zerebrale Störungen
entfallen zusammen 20 Prozent der Fälle. In den verbleibenden Fällen können die anerkannten Behinderungen

nicht den bestehenden Kategorien eindeutig zugeordnet
werden. Behinderungen sind zum ganz überwiegenden
Teil auf Erkrankungen zurückzuführen; bei 85 Prozent
der anerkannten Schwerbehinderungen liegt die Ursache
in einer Erkrankung. 4 Prozent der Behinderungen sind
angeboren; Unfälle aller Art – wie Arbeits- und Wegeunfall, Verkehrsunfall oder häuslicher Unfall spielen mit
zusammen 2 Prozent eine untergeordnete Rolle bei den
Behinderungsursachen, ebenso wie dauernde Schäden
durch Krieg, Wehr- oder Zivildienst mit weniger als einem
Prozent. Bei knapp 9 Prozent ist die Ursache der Behinderung nicht bekannt.
Die Wahrscheinlichkeit, schwerbehindert zu werden,
steigt mit zunehmendem Alter. Der Anteil der schwerbehinderten Menschen an den unter 25-Jährigen liegt bei
unter 2 Prozent. Bei den 25- bis 45-Jährigen liegt der Anteil bei unter 4 Prozent, ab dem 45. Lebensjahr steigt er
auf 7 Prozent der Altersgruppe. Von den in Deutschland
lebenden 23,3 Mio. Menschen zwischen 45 und 65  Jahren sind 2,6 Mio. anerkannt schwerbehindert. Rund
54,2 Prozent der schwerbehinderten Menschen sind älter als 65 Jahre; sie nehmen in der Regel nicht mehr am
­Arbeitsleben teil.

5.2 Nordrhein-Westfalen
Zum 31. Dezember 2015 sind in Nordrhein-Westfalen
1.768.932 Frauen und Männer von den zuständigen Ämtern bei den Kreisen und kreisfreien Städten als schwerbehindert anerkannt. Dies sind 0,2 Prozent weniger als bei
der letzten Erhebung Ende 2013. Der Anteil der schwerbehinderten Menschen an der Wohnbevölkerung liegt bei
10 Prozent. Knapp die Hälfte (890.000) sind Männer.
Fast 25 Prozent ist ein Grad der Behinderung von 100
zuerkannt worden. Bei etwas mehr als 30 Prozent der
schwerbehinderten Frauen und Männer liegt ein Grad der
Behinderung von 50 vor.
Der größte Teil der Behinderungen (94 %) ist auf eine Erkrankung zurückzuführen. Bei nicht einmal 4 Prozent der
Anerkennungen ist die Behinderung angeboren. Bei weniger als 2 Prozent liegt die Ursache für die Behinderung
in einem Unfall bzw. einer Berufserkrankung. Eine Behinderung aufgrund von Kriegs-, Wehr- oder Zivildienst
haben 0,3 Prozent. Bei einem Prozent führen mehrere
Ursachen zu der Anerkennung der Behinderung.

26

Funktionseinschränkungen von inneren Organen und
Organsystemen nehmen mit 21 Prozent den größten Teil
der Behinderungsarten ein, gefolgt von Querschnittslähmungen, zerebralen Störungen, geistig-seelischen
Behinderungen und Suchterkrankungen mit 17 Prozent.
Funktionseinschränkungen der Gliedmaßen führen in
11 Prozent der Fälle zu einer anerkannten Behinderung,
Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule oder des
Rumpfes sind im Jahr 2015 bei knapp 9 Prozent der Fälle
ausschlaggebend gewesen. 4 bzw. 3 Prozent der schwerbehinderten Menschen sind blind oder sehbehindert bzw.
leiden an einer Sprach- und Sprechstörung, Schwerhörigkeit oder Taubheit.
Auch in Nordrhein-Westfalen nimmt die Zahl der anerkannten Behinderungen mit steigendem Alter stark zu:
Während die bis 25-Jährigen knapp 4 Prozent und die Altersgruppe der 45- bis 65-Jährigen ein Drittel der anerkannt schwerbehinderten Menschen in Nordrhein-Westfalen ausmachen, stellen die älteren Personengruppen
56 Prozent der schwerbehinderten Bevölkerung in NRW.

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

GRAFIK
Grafik
2:2:
ANZAHL
DER
SCHWERBEHINDERTEN
MENSCHEN
INihr
NRW
UND
AN DER BEVÖLKERUNG
Anzahl
der
schwerbehinderten
Menschen
in NRW und
Anteil
anIHR
derANTEIL
Bevölkerung
sbM in NRW
2.000.000

10,3

Anteil der sbM an der Bevölkerung
10,1

9,7

9,5

9,0

9,1

9,5

9,3

9,5

9,9

10,0

11,00

1.768.932

1.771.959

1.689.289

1.656.455

1.703.170

1.637.650

1.617.939

1.709.186

5,50

1.736.513

1.000.000

1.810.962

8,25

1.835.305

1.500.000

500.000

2,75

1995

1997

1999

2001

2003

2005

2007

2009

2011

2013

2015

5.3 Rheinland
Zum 31. Dezember 2015 lebten im Rheinland 9.496.071
Menschen. 925.566 bzw. 9,7 Prozent von ihnen sind
schwerbehindert. Dies sind rund 7.000 Personen mehr
als bei der letzten Erhebung im Jahr 2013. Im Rheinland ­leben mehr als 52 Prozent der schwerbehinderten
Menschen in Nordrhein-West­falen. 51 Prozent der Bevölkerung im Rheinland sind weiblich. Bei der Gruppe der
­schwerbehinderten Menschen sind sie mit einem Anteil
von 50 Prozent (464.815  Frauen) vertreten. Damit entspricht der Anteil der Frauen bei den Menschen mit anerkannter Behinderung mittlerweile ihrem Anteil an der
Bevölkerung.
Der Anteil der schwerbehinderten Menschen an der
Ge­­
samtbevölkerung in den 26 Kreisen und ­kreisfreien
Städten und der StädteRegion Aachen im Rheinland
­
schwankt; besonders hoch ist die Zahl der schwerbehinderten Einwohnerinnen und Einwohner in Mönchengladbach, Remscheid, Essen und Oberhausen mit fast 12 Prozent. Deutlich weniger Einwohner – 8,5 Prozent – sind in
den Städten Bonn, Düsseldorf und Köln schwerbehindert
(vgl. Grafik 3).
Im Rheinland ergibt sich eine Dreiteilung bei den Arten
der Behinderungen (vgl. Grafik 4). Verhältnismäßig wenige Personen sind von den folgenden Behinderungs­
SEITE

27

LVR-INTEGRATIONSAMT

Grafik
GRAFIK
3:3:
Anteil
ANTEIL
der
DER
schwerbehinderten
SCHWERBEHINDERTEN
Menschen
MENSCHEN
an der Bevölkerung
AN DER BEVÖLKERUNG
in den Kreisen und
IN DEN
Städten
KREISEN UND STÄDTEN
im
IM RHEINLAND
Rheinland (Stand
(STAND
2015)
2015)
davon Anzahl Anteil in % der
Gesamt
Bevölkerung
Frauen

Stadt Mönchengladbach

29.935

15.057

11,61

Stadt Remscheid

12.627

6.516

11,58

Kreis Wesel

52.766

25.948

11,54

Stadt Essen

66.501

34.593

11,53
11,39

23.868

11.922

Stadt Solingen

17.543

9.039

11,15

Stadt Wuppertal

38.569

20.259

11,11

Stadt Duisburg

53.517

27.327

10,99

Kreis Düren

27.401

12.777

10,55

StädteRegion Aachen

56.485

27.662

10,31

Stadt Mülheim an der Ruhr

17.218

8.874

10,27

Stadt Leverkusen

16.083

8.143

9,92

Oberbergischer Kreis

26.649

12.570

9,83

Kreis Viersen

28.704

14.146

9,70

Stadt Krefeld

21.154

10.945

9,49
9,49

Stadt Oberhausen

17.907

8.268

Rhein-Erft-Kreis

43.213

21.105

9,35

Kreis Heinsberg

22.578

10.166

9,04

Rhein-Sieg-Kreis

53.050

26.244

9,01

Rheinisch-Bergischer Kreis

25.094

12.566

8,95

Kreis Kleve

27.102

12.611

8,85

Rhein-Kreis Neuss

39.066

19.308

8,79

Kreis Mettmann

41.282

20.925

8,62

Stadt Köln

89.677

46.293

8,57

Stadt Bonn

26.598

14.451

8,47

Stadt Düsseldorf

50.979

27.100

8,40

Kreis Euskirchen

28

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

GRAFIK
Grafik
4:4:
Verteilung derDER
VERTEILUNG
Behinderungsarten
BEHINDERUNGSARTEN
im Rheinland
IM RHEINLAND
(Stand 2015)(STAND 2015)

Funktionseinschränkung von Gliedmaßen

11,19 %
Querschnittslähmung, zerebrale
Störung, geistig-seelische Behinderung

16,93 %

Beeinträchtigung von inneren
Organen

21,41 %

Funktionseinschränkung der Wirbelsäule und des Rumpfes, Deformierung
des Brustkorbes

9,12 %
Blindheit oder Sehbehinderung

4,04 %
Sprach- oder Sprechstörungen, Taubheit,
Schwerhörigkeit, Gleichgewichtsstörungen

3,56 %
Verlust einer oder beider
Brüste, Entstellungen u. a.

2,33 %

Sonstige und ungenügend bezeichnete
Behinderungen

30,97 %

Verlust oder Teilverlust der
Gliedmaßen

0,44 %
arten betroffen: (Teil-)Verlust von Gliedmaßen und Brust,
Sprach- und Sprechstörungen, Schwerhörigkeit, Taubheit
und Gleichgewichtsstörungen sowie Blindheit und Sehbehinderung. Diese Behinderungsarten machen gerade
einmal 10 Prozent aus.
Ein größerer Teil der behinderten Menschen leidet an einer der folgenden Einschränkungen: knapp 17 Prozent
an Querschnittslähmung, zerebralen Störungen, geistig-­

seelischen Behinderungen und Suchtkrankheiten, über
11  Prozent an Funktionseinschränkungen von Gliedmaßen, über 9 Prozent an Funktionseinschränkungen der
Wirbelsäule und des Rumpfes. Mit über 20 Prozent bilden
die Funktionseinschränkungen von inneren Organen bzw.
Organsystemen die größte Einzelgruppe. In über 30 Prozent der Fälle liegen Behinderungen vor, die sich nicht
eindeutig in die bestehenden Klassifizierungen einordnen
lassen.

FESTSTELLUNGSVERFAHREN
Feststellungsverfahren
in Nordrhein-Westfalen
IN NORDRHEIN-WESTFALEN
und
UND
im RHEINLAND
IM
Rheinland
Seit 2008 sind die Kreise und kreisfreien Städte in NRW für die Durchführung des Feststellungsverfahrens einer
(Schwer-)Behinderung zuständig. Ein im Oktober 2014 veröffentlichter Benchmarking-Bericht der Bezirksregierung Münster dokumentiert erstmals die Fallzahlen und Eckdaten. Danach sind in NRW rund 430.000 Erst- und
Änderungsanträge zur Anerkennung einer (Schwer-)Behinderung gestellt worden. In mehr als 110.000 Verfahren ist es von Amts wegen zu Nachprüfungen der (Schwer-)Behinderteneigenschaft gekommen. Im Rheinland
sind rund 100.000 Erstanträge und 125.000 Änderungsanträge gestellt worden. Von Amts wegen sind weitere
rund 54.000 Verfahren eingeleitet worden.
Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer von Erst- und Änderungsanträgen in Nordrhein-Westfalen und im
Rheinland liegt bei ungefähr 3 Monaten. Nachprüfungen von Amts wegen nehmen in der Regel fünfeinhalb
Monate in Anspruch. Bei im Durchschnitt rund 45 Prozent der Erstanträge und 16 Prozent der Änderungsanträge wird in Nordrhein-Westfalen und dem Rheinland ein Grad der Behinderung von mindestens 50 zuerkannt
(sogenannte Feststellungsquote).

SEITE

29

LVR-INTEGRATIONSAMT

GRAFIK
Grafik
5:5:
Verteilung derDER
VERTEILUNG
Altersgruppen
ALTERSGRUPPEN
der schwerbehinderten
DER SCHWERBEHINDERTEN
Menschen im Rheinland
MENSCHEN
(Stand
IM RHEINLAND
2015)
(STAND 2015)

65 Jahre und älter

55,99

62 – 65 Jahre

7,28

60 – 62 Jahre

4,46

55 – 60 Jahre

9,45

45 – 55 Jahre

11,88

35 – 45 Jahre

4,27

25 – 35 Jahre

2,89

18 – 25 Jahre

1,52

15 – 18 Jahre

0,54

6 – 15 Jahre

1,33

4 – 6 Jahre

0,20

Unter 4 Jahre

0,19
0

10

20

Die Verteilung des Grades der Behinderung entspricht
dem Bundes- und Landesdurchschnitt; ein Viertel der
schwerbehinderten Menschen haben einen Grad der Behinderung von 100 und 30 Prozent ist ein Grad der Behinderung von 50 zuerkannt worden.
Ein Blick auf die Altersstruktur zeigt, dass der Anteil
der Behinderungen ab dem 45. Lebensjahr deutlich zunimmt. Fast 90 Prozent aller schwerbehinderten Frauen
und Männer im Rheinland sind älter als 45 Jahre. Den

30

40

50

60

höchsten Anteil der schwerbehinderten Menschen an der
erwerbstätigen Bevölkerung hat die Altersgruppe der 45bis 55-Jährigen mit fast 12 Prozent (vgl. Grafik 5).
Der Anteil der schwerbehinderten Menschen, die ihrem
Alter nach dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, ist
in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Waren 2005
nur 29,5 Prozent der anerkannt schwerbehinderten Menschen im Rheinland im erwerbsfähigen Alter, so liegt ihr
Anteil Ende 2015 bei 42 Prozent.

Flüchtlinge undUND
FLÜCHTLINGE
Behinderung*
BEHINDERUNG*
Wie viele Flüchtlinge und Asylsuchende mit Behinderung im Jahr 2015 nach Deutschland eingereist sind, ist
nicht bekannt. Entsprechende Daten werden bei der Antragstellung nicht erhoben. Es ist auch nicht geplant,
diese Daten zu erheben. Schätzungen gehen davon aus, dass allein eine Viertelmillion Menschen im syrischen
Bürgerkrieg bislang Gliedmaßen verloren haben. Wie viele Menschen von den psychischen Folgen ihrer trauabschätzen­.
matischen Erlebnisse im Bürgerkrieg und auf der Flucht betroffen sind, lässt sich noch gar nicht abschätzen
Unter den Flüchtlingen befinden sich daher auch zahlreiche Menschen mit Behinderungen.
Flüchtlinge und Asylsuchende können bei geklärtem Aufenthaltsstatus (vgl. rechtmäßiger Aufenthalt im Sinne
von § 2 Abs. 2 SGB IX) und Vorliegen der Voraussetzungen eine (Schwer-)Behinderung beantragen und zuerkannt bekommen. Von den Leistungsansprüchen der medizinischen und beruflichen Rehabilitation sind sie
ausgeschlossen. Flüchtlinge, Asylsuchende und geduldete Menschen mit Behinderung erhalten grundsätzlich
nur medizinische Behandlungen bei akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen.

**	 vgl. Bundesdrucksache 18
18 / 7514
7514

30

06

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

DIE Beschäftigung
Die
BESCHÄFTIGUNG
von VON
schwerbehinderten
SCHWERBEHINDERTEN
Menschen
MENSCHEN

KURZ & KNAPP
•	Die Zahl der beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber steigt bundesweit auf 152.538; plus 2.728 oder 1,8 %.
•	Die Zahl der mit schwerbehinderten Menschen besetzten Arbeitsplätze steigt bundesweit auf 1.042.889;
die Quote beträgt 4,7 %.
•	Gleichgestellte Menschen haben einen Anteil von 16 % an der Beschäftigungsquote.
•	Jeder 29. Arbeitsplatz in der Wirtschaft und jeder 17. Arbeitsplatz im Öffentlichen Dienst ist mit einem
schwerbehinderten oder gleichgestellten Menschen besetzt.
•	7.008 schwerbehinderte und gleichgestellte Jugendliche absolvieren eine betriebliche Ausbildung bei
einem beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber.
•	Die Beschäftigungsquote in NRW stabilisiert sich im Jahr 2014 bei 5,2 % (Platz 3 im Bundesgebiet).
•	Jeweils rund ein Viertel der Arbeitgeber mit Firmensitz im Rheinland erfüllt die Beschäftigungsquote
nur zum Teil bzw. beschäftigt trotz Beschäftigungspflicht keine schwerbehinderten Menschen.
•	Die durchschnittliche Beschäftigungsquote bei den kommunalen Verwaltungen im Rheinland und dem
LVR liegt bei über 8  %. Es werden über 8.340 schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen beschäftigt.

Die Meldung der Arbeitgeber zur Ermittlung der Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen (§ 80 SGB IX)
erfolgt immer zum 31. März des Folgejahres. Die hier
dargestellten Beschäftigungsquoten sind von der Bundesagentur für Arbeit am 7. April 2016 veröffentlicht worden und beziehen sich auf das Erhebungsjahr 2014.
Allgemeine Beschäftigungssituation
Ende 2014 liegt die Zahl der erwerbstätigen Personen
in Deutschland bei rund 42,6 Mio. Die Zahl der sozial­
versicherungspflichtigen Arbeitsplätze liegt im gleichen
Zeitraum bei über 30 Mio.
Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen
Alle privaten und öffentlichen Arbeitgeber mit mindestens
20 Arbeitsplätzen im Jahresdurchschnitt sind verpflichtet,
auf wenigstens 5 % dieser Arbeitsplätze schwerbehinderte oder gleichgestellte Menschen zu beschäftigen. Alle
nachfolgenden Angaben beziehen sich auf diese beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber.

Im Jahr 2014 unterliegen 152.538 Arbeitgeber in Deutschland der Beschäftigungspflicht nach dem SGB IX. Dies sind
2.728 mehr als im Vorjahr. Damit steigt im siebten Jahr in
Folge die Zahl der beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber.
Die Zahl der bei der Ermittlung der Beschäftigungspflicht
zu berücksichtigenden Arbeitsplätze steigt um mehr als
460.000 auf 22,2 Mio. Dies spiegelt die heutigen betrieb­
lichen Gegebenheiten wider, bei denen Arbeitsverhältnisse mit unter 18 Wochenstunden keine Berücksichtigung
bei der Ermittlung der Beschäftigungsquote finden. 2014
müssen – rein rechnerisch – 1.071.737 A
­ rbeitsplätze besetzt werden, um die gesetzliche Beschäftigungsquote
von 5 Prozent zu erfüllen. Dies sind rund 22.200 Arbeitsplätze mehr als im Vorjahr. Die Zahl der tatsächlich mit
schwerbehinderten und gleichgestellten behinderten
Menschen besetzten Arbeitsplätze bei den beschäftigungspflichtigen Arbeitgebern ist 2014 weiter gestiegen.
Es waren 1.042.889 Arbeitsplätze mit schwerbehinderten
Menschen besetzt, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 26.800. Damit sind im statistischen Durchschnitt
SEITE

31

LVR-INTEGRATIONSAMT

97,3 Prozent der vom Gesetzgeber geforderten Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen besetzt. Um
aber die gesetzliche Beschäftigungsquote bei allen Arbeitgebern vollständig zu erfüllen, müssten bundesweit
258.604 weitere Arbeitsplätze mit schwerbehinderten
oder gleichgestellten behinderten Menschen besetzt sein.
Mit einer Beschäftigungsquote in Deutschland von
4,7 Prozent verbleibt die Quote auf dem Niveau des Vorjahres. Die Beschäftigungsquoten bei den Arbeitgebern
der privaten Wirtschaft wie des Öffentlichen Dienstes
stag­
nieren im Berichtszeitraum bei 4,1 Prozent bzw.
6,6 Pro­zent.

Mehr als 15 Prozent der besetzten Pflichtplätze sind
mit einer behinderten Person besetzt, die von der Agentur für Arbeit auf Antrag gleichgestellt wurde. Die Zahl
der beschäftigten gleichgestellten Personen ist abermals gestiegen, und zwar um rund 7.900 auf insgesamt
160.161 im Be­­
richtszeitraum. 7.008 ­
schwerbehinderte
und gleichgestellte Auszubildende zählen per Gesetz auf
2 Pflichtplätze bei der Ermittlung der Quote; ihre Zahl
ist im Erhebungsjahr um 270 gestiegen. Die Zahl der
Mehrfachanrechnungen bei den schwerbehinderten und
gleichgestellten Beschäftigten sinkt stetig weiter – im
­Berichtszeitraum um rund 500 auf knapp 12.920 Per­
sonen.

TABELLE
Tabelle
1: 1:
Arbeitsplätze undUND
ARBEITSPLÄTZE
Beschäftigungsquoten
BESCHÄFTIGUNGSQUOTEN
in Deutschland,
IN DEUTSCHLAND,
2010 – 2014 2010 – 2014
2014

2013

2012

2011

2010

Erwerbstätige

42.652.000

42.228.000

42.060.000

41.470.000

40.370.000

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte

30.468.300

29.884.370

29.605.200

28.751.100

28.046.200

152.538

149.810

145.708

142.847

139.244

22.218.927

21.756.517

21.439.149

21.145.088

20.513.512

Beschäftigungspflichtige Arbeitgeber
Für die Ermittlung der Ausgleichsabgabe
berücksichtigte Arbeitsplätze gemäß der
gesetzlichen Vorgaben
Pflichtarbeitsplätze

1.071.737

1.049.550

1.034.840

1.021.042

990.396

Besetzte Arbeitsplätze*

1.042.889

1.016.065

995.717

964.457

931.059

258.604

255.340

253.927

257.380

251.735

Beschäftigungsquote insgesamt in %

4,7

4,7

4,6

4,6

4,5

– davon Privatwirtschaft in %

4,1

4,1

4,1

4,0

4,0

– davon Öffentlicher Dienst in %

6,6

6,6

6,6

6,5

6,4

Unbesetzte Pflichtarbeitsplätze

* inkl. Mehrfachanrechnungen

6.1 Die Entwicklung der Beschäftigungspflicht in ­Deutschland
Der Anteil der Arbeitgeber, die ihrer gesetzlichen Beschäftigungspflicht in vollem Umfang nachkommen und
5 Prozent oder mehr schwerbehinderte Menschen in ihren Betrieben und Dienststellen beschäftigen, stagniert
im Jahr 2014 bei 23,8 Prozent. Der Anteil der Arbeitgeber, die trotz Beschäftigungspflicht überhaupt keine
schwerbehin­
derten und gleichgestellten behinderten
Menschen beschäftigen, ist um 0,1 Prozent auf 25,6 Prozent gesunken. Alle anderen Arbeitgeber (50,6 %) kommen ihrer Verpflichtung nur zum Teil nach, haben also
eine Beschäftigungsquote von weniger als 1 bis unter
5 Prozent.

32

Betriebsgröße entscheidet mit über die Beschäftigungs­
quote
Die Größe eines Unternehmens hat Einfluss auf die Erfüllung seiner Beschäftigungsquote. Je größer ein Unternehmen, desto höher ist auch seine Beschäftigungsquote. Fast 90 % der beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber
in Deutschland haben bis zu 250 Mitarbeiter; sie stellen
mehr als ein Drittel der Arbeitsplätze. Die durchschnittliche Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen
in diesen Betrieben liegt bei 3,5 Prozent. In Betrieben und
Dienststellen mit bis zu 500 Beschäftigten erreicht die Quote 4,3 Prozent. Betriebe mit bis zu 1.000 Beschäftigten erreichen eine Quote von 4,8 Prozent. Ab 1.000 ­Mitarbeitern
liegt die durchschnittliche Beschäftigungsquote dann
schon bei 5,1 Prozent bzw. sogar deutlich darüber.

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Verteilung der Beschäftigung
Mehr als 92 Prozent der beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber in der Bundesrepublik sind private Arbeitgeber. Die Privatwirtschaft beschäftigt rund 78 Prozent der
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und 68 Prozent
aller schwerbehinderten und gleichgestellten Beschäftigten. Der öffentliche Dienst stellt in Deutschland weniger als 8 Prozent der Arbeitgeber und beschäftigt ein
knappes Drittel der erwerbstätigen schwerbehinderten
und gleichgestellten Beschäftigten. Damit ist fast jeder
29. ­Arbeitsplatz in der Wirtschaft und jeder 17. Arbeitsplatz im Öffentlichen Dienst mit einem schwerbehinderten oder gleichgestellten Menschen besetzt.

TABELLE
Tabelle
2: 2:
Beschäftigungsquoten in denIN
BESCHÄFTIGUNGSQUOTEN
Bundesländern
DEN BUNDESLÄNDERN
2014
Quote in  %
Regionaldirektion

Gesamt

Privatwirtschaft

Öffentl.
Dienst

Baden-Württemberg

4,4

4,2

5,7

Bayern

4,5

4,0

6,6

Berlin

5,5

3,8

8,2

Brandenburg

4,3

3,5

6,3

Bremen

4,3

3,8

6,5

Hamburg

4,2

3,5

6,9

Hessen

5,3

4,7

8,0

Branche hat Auswirkungen auf die Beschäftigungs­quote
Die Beschäftigungsquote von schwerbehinderten Menschen ist in den verschiedenen Wirtschaftszweigen sehr
unterschiedlich. Der Öffentliche Dienst 
/ 
Sozialversicherung hat mit 7 Prozent die höchste Beschäftigungsquote,
gefolgt vom Bergbau mit 6,9 Prozent sowie der Energieversorgung und der Wasser- und Umweltwirtschaft mit
5,9 Prozent. Am anderen Ende liegen seit Jahren unverändert das Gastronomiegewerbe bzw. die Land- und
Forstwirtschaft mit 2,8 Prozent.

Mecklenburg-Vorpommern

5,1

4,2

7,4

Niedersachsen

4,2

3,9

5,3

Nordrhein-Westfalen

5,2

4,7

7,1

Rheinland-Pfalz

4,1

3,7

5,3

Saarland

4,3

3,8

6,1

Sachsen

4,2

3,3

6,4

Sachsen-Anhalt

3,6

3,1

5,9

Schleswig-Holstein

4,3

3,7

6,1

Thüringen

4,6

3,9

6,5

Status, Alter, Geschlecht
Die Gesamtzahl der mit schwerbehinderten Menschen besetzten Arbeitsplätze setzt sich zusammen aus 83 Prozent
schwerbehinderten Menschen, 16 Prozent gleichgestellten behinderten Menschen und einem Prozent sonstigen
anrechnungsfähigen Personen (z. B. Bergmann-Versorgungsscheininhaber). Der Anteil der Frauen an der Be-

schäftigungsquote bei beschäftigungspflichtigen Arbeitgebern beträgt 44 Prozent. Die Altersgruppen ab 45 Jahre
stellen fast 82 Prozent der beschäftigten schwerbehinderten Menschen.

Betriebliche Ausbildung
BETRIEBLICHE
AUSBILDUNG
Laut der letzten amtlichen Bevölkerungsfortschreibung leben in Deutschland 7.258.510 Menschen im Alter
zwischen 18 und 25 Jahren. 1.109.250 von ihnen stehen in einem Ausbildungsverhältnis bei einem beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber. Damit steht ungefähr jeder 7. Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren in einem
Ausbildungsverhältnis bei einem Arbeitgeber mit mehr als 20 Arbeitsplätzen. Im Jahr 2014 sind 7.008 Arbeitsplätze (plus 270 ­gegenüber
gegenüber dem Vorjahr) mit schwerbehinderten oder gleichgestellten jungen Menschen besetzt
gewesen. Damit sind w
weniger
­ eniger als 1 Prozent der Ausbildungsplätze mit einem behinderten jungen Menschen
besetzt. Nur ungefähr jeder 17. schwerbehinderte oder gleichgestellte junge Mensch dieser Altersgruppe hat
einen Ausbildungsplatz bei einem beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.
In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der sich in einer betrieblichen Ausbildung bei einem beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber befindlichen behinderten Jugendlichen gestiegen von 1.538 auf nunmehr 1.664. Die Zahl der
Ausbildungsverhältnisse bei beschäftigungspflichtigen Arbeitgebern ist um 3.902 auf 268.254 gestiegen. Von
den 28.345 schwerbehinderten Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen hat jeder 17. einen Ausbildungsplatz bei
einem beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

SEITE

33

LVR-INTEGRATIONSAMT

ERHEBUNG
Erhebung
beiBEI
nicht
NICHT
beschäftigungspflichtigen
BESCHÄFTIGUNGSPFLICHTIGEN
Arbeitgebern
ARBEITGEBERN
Die bei nicht beschäftigungspflichtigen Arbeitgebern beschäftigten schwerbehinderten Menschen werden in
den jährlichen offiziellen Statistiken nicht berücksichtigt. Alle 5 Jahre führt die Bundesagentur für Arbeit
deshalb eine Stichproben-Erhebung bei Arbeitgebern mit bis zu 20 Arbeitsplätzen durch. Die letzte Erhebung
erfolgte im Jahr 2010.
Bundesweit sind 138.294 Arbeitsplätze mit schwerbehinderten und gleichgestellten Menschen besetzt. Damit
sind über 4.400 weniger Arbeitsplätze besetzt als bei der Erhebung im Jahr 2005. Der Anteil der gleichgestellten Menschen liegt bei 30 Prozent. Der Anteil der schwerbehinderten und gleichgestellten Frauen beträgt
46 bzw. 50 Prozent. In den Wirtschaftszweigen „Einzelhandel
„Einzelhandel / H
Handwerk“,
andwerk“, „Dienstleistungen“ und „Gesundheits- / ­Sozialwesen“ werden die meisten schwerbehinderten bzw. gleichgestellten Menschen beschäftigt –
heitsfast 50 Prozent.
In Nordrhein-Westfalen sind 28.170 Arbeitsplätze mit schwerbehinderten und gleichgestellten Menschen
besetzt. Dies sind über 4.500 oder 14 Prozent weniger als im Jahr 2005. 45 Prozent der Beschäftigten sind
schwerbehinderte Frauen. Der Anteil der gleichgestellten Beschäftigten liegt bei rund 16 Prozent.

6.2 Die Entwicklung der Beschäftigungspflicht
in ­Nordrhein-­Westfalen
Im Jahr 2014 geben 31.794 beschäftigungspflichtige
­Arbeitgeber mit Firmensitz in Nordrhein-Westfalen eine
Anzeige gemäß § 80 SGB IX ab; 1,9 Prozent mehr als im
Vorjahr. Von diesen Arbeitgebern beschäftigen 7.277 bzw.
23 Prozent gar keine schwerbehinderten Menschen. Die
gesetzliche Beschäftigungsquote von 5 Prozent und mehr
­erreichen 8.573 Arbeitgeber (27 %). Jeder zweite Arbeitgeber erfüllt damit seine Beschäftigungsverpflichtung
nur zum Teil.
Die Beschäftigungsquote der privaten und öffentlichen
Arbeitgeber stabilisiert sich bei 5,2 Prozent. In den anzeigepflichtigen Betrieben und Dienststellen sind 269.592
Arbeitsplätze mit schwerbehinderten und gleichgestellten
Personen besetzt, 7.079 mehr als im Vorjahr. Die Quote in
der Privatwirtschaft steigt um 0,1 auf 4,7 Prozent. 189.341
schwerbehinderte und gleichstellte Menschen werden beschäftigt. Zur Erfüllung der gesetzlichen Beschäf­ti­gungs­
quote bei allen beschäftigungspflichtigen Arbeitgebern in
der Privatwirtschaft in Nordrhein-Westfalen hätten weitere
50.800 Arbeitsplätze besetzt sein müssen. Im Öffentlichen
Dienst stabilisiert sich 2014 die Quote bei 7,1 Prozent; es
werden 80.251 schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen beschäftigt. Zur Erfüllung der gesetzlichen Beschäftigungsquote bei allen öffentlichen Arbeitgebern wären
2.465 weitere Pflicht­arbeitsplätze zu besetzen gewesen.

34

Mit 7,1 Prozent Beschäftigungsquote steht der Öffentliche
Dienst in Nordrhein-Westfalen im bundesweiten Vergleich
auf Platz 3. Spitzenreiter sind Berlin und Hessen mit 8,2
bzw. 8 Prozent, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern
mit 7,4 Prozent. Die niedrigsten Beschäftigungsquoten
im Öffentlichen Dienst haben Niedersachsen und Rheinland-Pfalz mit 5,3 Prozent. Bei der Beschäftigungsquote
in der Privatwirtschaft liegen die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Hessen mit 4,7 Prozent an der
­Spitze. Die niedrigste Beschäftigungsquote in der Privatwirtschaft hat das Land Sachsen-Anhalt mit 3,1 Prozent.

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

TABELLE
Tabelle
3: 3:
Beschäftigte* schwerbehinderte
BESCHÄFTIGTE*
SCHWERBEHINDERTE
Menschen
MENSCHEN
nach Geschlecht,
NACH GESCHLECHT,
Alter und Personengruppe
ALTER UND in
PERSONENGRUPPE
NRW
IN NRW

nach Altersgruppen

nach Personengruppen

Erhebungsjahr 2014

Gesamt

Männer

Frauen

Beschäftigte schwerbehinderte Menschen

238.141

138.325

99.816

15 bis unter 20 Jahre

362

k. A.

k. A.

20 bis unter 25 Jahre

2.497

1.468

1.029

25 bis unter 30 Jahre

4.301

2.341

1.960

30 bis unter 35 Jahre

6.674

3.459

3.215

35 bis unter 40 Jahre

9.502

5.065

4.437

40 bis unter 45 Jahre

16.918

9.282

7.636

45 bis unter 50 Jahre

35.915

20.539

15.376

50 bis unter 55 Jahre

50.917

28.981

21.936

55 bis unter 60 Jahre

62.354

36.736

25.618

60 Jahre und älter

48.698

30.220

18.478

1.664

1.001

663

Schwerbehinderte Menschen

208.642

118.875

89.767

Gleichgestellte Menschen

24.637

15.255

9.382

Sonstige Personen

3.198

3.193

5

Auszubildende

* Jahresdurchschnittszahlen

TABELLE
Tabelle
4: 4:
Beschäftigungsquoten im Rheinland
BESCHÄFTIGUNGSQUOTEN
IM RHEINLAND
und in Westfalen-Lippe
UND IN WESTFALEN-LIPPE
im Jahr 2014 IM JAHR 2014
Arbeits­
Anzahl
agenturbezirk Arbeitgeber

Arbeitsplätze*
Gesamt

davon
Auszu­
bildende

Pflichtarbeitsplätze

davon Stellen zu zählende
nach § 73 (2,3) Arbeits­
SGB IX
plätze

Soll

besetzt unbesetzt**

Ist-Quote
%

Aachen-Düren

1.627

246.791

11.581

36.437

198.773

9.499

9.050

2.314

4,55

Bergisch
­Gladbach

1.154

180.877

8.947

16.061

155.868

7.489

6.745

1.944

4,33

Bonn

1.516

657.517

25.236

62.471

569.810

29.152

44.175

2.149

7,76

Brühl

869

122.800

5.034

18.494

99.272

4.708

4.448

1.177

4,49

1.655

821.861

30.518

88.215

703.128

34.781

37.215

6.373

5,30

626

122.739

5.810

11.341

105.588

5.126

6.440

764

6,10

Essen

1.043

265.757

10.998

43.492

211.266

10.326

11.075

1.979

5,25

Köln

2.119

684.612

22.929

104.530

557.154

27.317

25.678

6.695

4,62

904

110.147

4.677

12.360

93.109

4.414

4.587

1.000

4,94

Mettmann

1.067

139.926

4.669

14.251

121.006

5.746

4.899

1.635

4,05

Mönchen­
gladbach

1.100

182.516

6.691

25.427

150.398

7.220

6.596

1.968

4,41

Düsseldorf
Duisburg

Krefeld

588

102.423

4.418

19.469

78.536

3.787

4.065

772

5,18

Wesel

1.227

154.024

6.809

26.429

120.786

5.697

5.538

1.451

4,59

Solingen-­
Wuppertal

1.038

170.453

6.918

20.768

142.767

6.867

7.499

1.298

5,25

Rheinland***

16.533

3.962.444

155.237

499.745

3.307.462 162.129 178.009

31.519

5,38

Westfalen-­
Lippe***

15.261

2.299.207

113.017

296.563

1.889.627

21.758

4,85

Oberhausen

90.353

91.583

*	Jahresdurchschnitt
**	 um alle Pflichtplätze bei allen beschäftigungspflichtigen Arbeitgebern in der Region zu besetzen
***	 rechnerisch auf der Basis der besetzten Pflichtarbeitsplätze

SEITE

35

LVR-INTEGRATIONSAMT

4,2

4,7

6,3

6,4
4,7
4,2

4,6
4,1

4,3

4,7

2011
2010
2009
Private Arbeitgeber

4,4

2012

4,2

4,9

4,9

5,0
4,4

5,1

4

4,5

4,6

4,7

5,2

5,2

6

6,3

6,5

6,6

6,7

6,9

7,0

7,0

7,1

GRAFIK
Grafik
6:6:
Beschäftigungsquoten in Nordrhein-Westfalen
BESCHÄFTIGUNGSQUOTEN
IN NORDRHEIN-WESTFALEN
nach Arbeitgebern
NACH ARBEITGEBERN
in Prozent, 2005 IN
– 2014
PROZENT, 2005 – 2014

2

0

2014
2013
Öffentliche Arbeitgeber

2008

2007
2006
Arbeitgeber Gesamt

2005

6.3 Die Entwicklung der Beschäftigungspflicht im Rheinland
Im Jahr 2014 geben 16.533 beschäftigungspflichtige
­Arbeitgeber mit Firmensitz im Rheinland eine Anzeige
gemäß §  80 SGB IX ab, über 200 mehr als im Vorjahr.
Mit 178.000 besetzten Arbeitsplätzen in den anzeigepflichtigen Betrieben und Verwaltungen werden rund
6.000  schwer­behinderte und gleichgestellte behinderte
Menschen weniger beschäftigt als im Vorjahr. Um aber in
­allen Bereichen und bei allen Arbeitgebern die gesetzliche
Beschäftigungsquote zu erfüllen, müssten rheinlandweit
rund 31.500 weitere Arbeitsplätze mit schwerbehinderten
oder gleichgestellten behinderten Frauen und Männern
besetzt werden.
Die Arbeitgeber in den 14 Arbeitsagenturbezirken im
Rheinland erreichen eine durchschnittliche Beschäfti­
gungsquote von fast 5,4 Prozent. Aber nur 6 der 14 Arbeitsagenturbezirke erfüllen im Erhebungsjahr 2014
die Beschäftigungsquote von 5 Prozent eigenständig:
Der Bezirk Bonn erreicht eine Beschäftigungsquote
von 7,8  Prozent, die Quote im Bezirk Duisburg beträgt
6,1 Prozent und in Düsseldorf liegt sie bei 5,3 Prozent. Die
Arbeitsagenturbezirke Solingen-Wuppertal und Essen
sowie Oberhausen erreichen eine Quote von 5,2 Prozent.
Alle verbleibenden 8 rheinischen Arbeitsagenturbezirke
erreichen eine Quote knapp über 4 Prozent und d
­ arüber.
Am unteren Ende steht der Arbeitsagenturbezirk Mettmann mit 4 Prozent.

36

TABELLE
Tabelle
5: 5:
Beschäftigungsquoten bei den
BESCHÄFTIGUNGSQUOTEN
BEI
Arbeitgebern
DEN ARBEITGEBERN
im
IM
Rheinland
RHEINLAND
2014
Arbeitsagenturbezirk

alle
Arbeitgeber

davon
privat

davon
öffentlich

Aachen-Düren

4,6

4,1

6,0

Bergisch Gladbach

4,3

4,1

6,9

Bonn

7,8

7,1

9,6

Brühl

4,5

4,2

6,6

Düsseldorf

5,3

3,9

6,7

Duisburg

6,1

5,9

8,0

Essen

5,2

5,1

6,4

Köln

4,6

4,3

6,6

Krefeld

4,9

4,6

6,6

Mettmann

4,0

3,9

5,6

Mönchengladbach

4,4

4,0

7,4

Oberhausen

5,2

5,0

6,7

Wesel

4,6

4,0

7,8

Solingen-Wuppertal

5,3

4,4

7,6

Arbeitsagenturbezirke mit den niedrigsten Quoten
3,9

Düsseldorf
Mettmann

4,0

3,9

5,6

Arbeitsagenturbezirk mit der höchsten Quote
Bonn

7,8

7,1

9,6

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Die privaten beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber stellen im Rheinland fast 94 Prozent aller Arbeitgeber; mehr
als drei Viertel der Beschäftigten arbeiten dort. Jeder
25. Arbeitsplatz ist mit einem schwerbehinderten oder
gleichgestellten behinderten Menschen besetzt. Die Quote in der Privatwirtschaft liegt im Erhebungsjahr 2014 bei
4,8 Prozent – rund 120.000 Arbeitsplätze sind mit Personen mit einer Schwerbehinderung oder Gleichstellung
besetzt. Dennoch müssten zur Erreichung der gesetz­
lichen Beschäftigungsquote weitere rund 30.300 schwer-

behinderte oder gleichgestellte behinderte Menschen
einen Arbeitsplatz bei einem beschäftigungspflichtigen
Arbeitgeber finden.
Im Öffentlichen Dienst liegt die Beschäftigungsquote im
Rheinland bei 7,3 Prozent; es werden über 57.850 Menschen mit einer Schwerbehinderung bzw. Gleichstellung
beschäftigt. Damit ist jeder 16. Arbeitsplatz in den Behörden mit einer schwerbehinderten oder gleichgestellten
Person besetzt.

TABELLE
Tabelle
6: 6:
Arbeitgeber mitMIT
ARBEITGEBER
SitzSITZ
im Rheinland
IM RHEINLAND
und ihre
UND
Verteilung
IHRE VERTEILUNG
nach der Beschäftigungsquote
NACH DER BESCHÄFTIGUNGSQUOTE
in Prozent
IN PROZENT
2014

2013

2012

2011

2010

16.210

15.419

15.760

15.600

15.443

0 %

24,56

24,95

25,14

25,55

26,70

bis unter 1 %

3,61

3,72

3,93

4,12

4,14

Zahl Arbeitgeber
Quote

1 bis unter 2 %

8,18

8,17

8,69

9,42

9,32

2 bis unter 3 %

12,04

11,91

12,15

12,19

12,36

3 bis unter 4 %

13,51

13,16

13,58

14,18

13,52

4 bis unter 5 %

12,18

12,67

12,24

11,56

11,49

Zwischensumme bis unter 5 %

49,52

49,63

50,59

51,47

50,84

5 bis unter 6 %

7,66

7,29

7,29

6,75

6,53

6 bis unter 7 %

5,56

5,28

5,23

4,97

4,90

7 bis unter 8 %

4,05

4,35

3,69

3,74

3,36

8 bis unter 9 %

2,86

2,61

2,53

2,40

2,36

9 bis unter 10 %

1,91

1,86

1,87

1,69

1,65

10 bis unter 11 %

1,13

1,02

1,12

1,02

0,80

11 bis unter 12 %

0,74

0,68

0,61

0,63

0,66

12 % und mehr

2,02

2,33

1,93

1,78

1,63

Zwischensumme über 5 %

25,93

25,42

24,27

22,98

21,90

6.4 Die Entwicklung der Beschäftigungspflicht bei den
­kommunalen Arbeitgebern im Rheinland
Das Zuständigkeitsgebiet des Landschaftsverbandes
Rheinland umfasst die StädteRegion Aachen (Kreis und
Stadt Aachen) sowie 12 Kreise und 13 kreisfreie Städte
mit rund 9,5 Mio. Einwohnern. In den Kommunalverwaltungen des Rheinlandes und beim Landschaftsverband
Rheinland arbeiten rund 103.200 Beschäftigte, davon
sind 8.339 schwerbehindert (Vorjahr: 8.073). Im Jahr
2014 beträgt die durchschnittliche ­Beschäftigungsquote
bei den kommunalen Arbeitgebern 8,08 Prozent. Sie
reicht von 5,88 Prozent im Oberbergischen Kreis bis zu
12,74 Prozent im Kreis Wesel. Damit erfüllen die kommunalen ­Arbeitgeber im Rheinland seit nunmehr 6 Jahren

alle die gesetzliche Beschäftigungsquote von 5 Prozent.
3 Verwaltungen beschäftigen zwischen 6 und 7 Prozent
schwerbehinderte Menschen: die Stadt Oberhausen, der
Rhein-Kreis Neuss und der Kreis Euskirchen.
Mit den Städten Remscheid, Duisburg, Solingen, Köln,
Bonn, Düsseldorf, Mülheim/Ruhr, der StädteRegion
­Aachen, dem Kreis Mettmann, dem Rhein-Sieg- sowie
dem Rheinisch-Bergischen Kreis erfüllen 11 kommunale Arbeitgeber eine Quote zwischen 7 und 8 Prozent. Die
Städte Leverkusen, Mönchengladbach, Krefeld und Wuppertal sowie die Kreise Kleve, Düren, Heinsberg, ­Wesel
SEITE

37

LVR-INTEGRATIONSAMT

und der Rhein-Erft-Kreis haben eine Beschäftigungsquote zwischen 8 Prozent und fast 13 Prozent. Die durchschnittliche Beschäftigungsquote schwerbehinderter und
gleichgestellter Menschen bei den Kommunalverwaltungen im Rheinland steigt seit 2002 kontinuierlich.

Diese Entwicklung lässt sich auch beim Landschaftsverband Rheinland beobachten. Hat die Beschäftigungs­
quote 2002 noch bei 6,63 Prozent gelegen, so stabilisiert
sie sich im Erhebungsjahr 2014 bei 9,22 Prozent.

TEILZEITBESCHÄFTIGUNG
Teilzeitbeschäftigung
hat Auswirkungen
HAT AUSWIRKUNGEN
auf die offizielle
AUF DIE OFFIZIELLE
Beschäftigungsquote
BESCHÄFTIGUNGSQUOTE
Bei der Ermittlung der Beschäftigungsquote wird nur ein Teil der Arbeitsplätze bei beschäftigungspflichtigen
Arbeitgebern berücksichtigt. So bleiben Ausbildungsplätze unberücksichtigt. Per gesetz
gesetz­licher
licher Definition sind
auch Arbeitsplätze mit weniger als 18 Wochenstunden keine Arbeitsplätze im Sinne von Beschäftigungspflicht
und Ausgleichsabgabe; auch sie bleiben unberücksichtigt.
Die Schere zwischen den Arbeitsplätzen insgesamt und den Arbeitsplätzen, die bei der Ermittlung der Beschäftigungspflicht berücksichtigt werden, öffnet sich immer weiter. Während vor 10  Jahren rund 88 Prozent der
bestehenden Arbeitsplätze zur Ermittlung
E
­ rmittlung der Beschäftigungspflicht herangezogen worden sind, waren es im
Jahr 2014 rund 84 Prozent.
Wenn man die Ausbildungsplätze unberücksichtigt lässt, wurden 2004 bundesweit etwas über 1,8 Mio. Arbeitsplätze der Ermittlung der Beschäftigungsquote und damit der Ausgleichsabgabe entzogen. Im Jahr 2014 waren es über 3 Mio. Arbeitsplätze bundesweit. In Nordrhein-Westfalen und dem Rheinland waren es zuletzt fast
800.000 bzw. rund 500.000 Arbeitsplätze.

38

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

TABELLE
Tabelle
7: 7:
BESCHÄFTIGUNGSQUOTEN
BEIkommunalen
DEN KOMMUNALEN
ARBEITGEBERN
IM2010
RHEINLAND,
– 2014, IN PROZENT
BeschäftigungsquoteN
bei den
Arbeitgebern
im Rheinland,
– 2014, in 2010
Prozent
Kommunen im Rheinland und der LVR

2014

2013

2012

2011

2010

StädteRegion Aachen

7,52

7,66

7,66

7,62

5,97

Stadt Bonn

7,27

6,88

6,32

6,01

6,49

Stadt Duisburg

7,62

7,37

6,90

6,46

6,29

Kreis Düren

8,38

8,56

8,99

8,80

9,17

Stadt Düsseldorf

7,80

7,44

7,35

7,31

7,01

Stadt Essen

8,07

8,16

7,98

7,20

6,92

Kreis Euskirchen

6,56

6,82

6,89

6,32

8,55

Kreis Heinsberg

9,05

9,07

10,18

10,36

13,52

Kreis Kleve

8,40

8,09

7,96

7,60

8,26

Stadt Köln

7,57

7,16

7,02

6,81

6,48

Stadt Krefeld

8,27

7,34

7,40

7,35

7,18

Stadt Leverkusen

8,50

7,94

7,63

6,94

6,59

Kreis Mettmann

7,12

6,83

7,05

7,05

6,81

Stadt Mönchengladbach

8,90

8,27

7,80

7,04

6,12

  
Stadt Mülheim/Ruhr

7,69

7,58

7,14

6,75

6,54

Oberbergischer Kreis

5,88

6,24

6,29

6,08

6,92

Stadt Oberhausen

6,86

7,11

7,48

7,32

6,71

Stadt Remscheid

7,71

7,25

6,24

6,09

5,82

Rhein-Erft-Kreis

8,25

7,83

7,85

8,20

8,54

Rheinisch-Bergischer Kreis

7,78

6,23

5,39

5,13

5,17

Rhein-Kreis Neuss

6,66

6,55

6,58

6,03

5,74

Rhein-Sieg-Kreis

7,70

7,49

7,14

7,88

7,65

Stadt Solingen

7,38

7,23

6,85

5,99

6,02

Kreis Viersen

8,12

7,78

6,98

6,72

7,19

Kreis Wesel

12,74

12,06

11,77

12,04

11,52

Stadt Wuppertal

8,82

8,38

8,45

7,33

7,11

Landschaftsverband Rheinland

9,22

9,24

9,29

9,25

9,15

Durchschnittliche Quote

8,08

7,85

7,66

7,81

7,20

6,32

5,32

5,13

5,17

Niedrigste Quote
Oberbergischer Kreis

5,88

Rheinisch-Bergischer Kreis
Höchste Quote
Kreis Heinsberg
Kreis Wesel

13,52
12,74

12,06

11,77

12,04

SEITE

39

LVR-INTEGRATIONSAMT

Demografischer Wandel – eine Chance für
Menschen mit Behinderung
Grundsätzlich stehen alle anerkannten Ausbildungsberufe den Menschen mit Behinderung bei entsprechender
Qualifikation und Eignung offen.
Die Potenziale von Menschen mit einer Behinderung
werden jedoch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt leider
vielfach immer noch nicht erkannt. Arbeitgeber betrachten die Ausbildung von Menschen mit einer Behinderung
sehr skeptisch und scheuen oft ein Ausbildungsverhältnis, auch wegen eventuell erforderlicher Anpassungen
der Arbeitsgestaltung bzw. des Arbeitsprozesses.
Angesichts des demografischen Wandels in unserer Gesellschaft und des damit drohenden Facharbeitermangels ist es erforderlich, die Handlungsstrategie anzupassen und alle vorhandenen Arbeitspotenziale für den
Ausbildungsmarkt zu mobilisieren. Eine Auswirkung ist
die beklagte Azubi-Lücke, die sich – laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung – in über 33.000
unbesetzten Ausbildungsplätzen niederschlägt. Diese
scheinbar schlechten Zahlen stellen für junge Menschen
mit einer Behinderung allerdings eine echte Chance dar.
Gerade hier können die häufig unterschätzten Fähigkeiten und Potenziale von Menschen mit einer Behinderung
genutzt werden.

Der Technische Beratungsdienst unterstützt neben Großunternehmen auch Kleinstbetriebe bei einer eventuell
notwendigen Anpassung der Arbeitsgestaltung bzw. der
Arbeitsprozesse, um die Potenziale von Menschen mit
einer Behinderung nutzen zu können. Dies kann neben
der bautechnischen Barrierefreiheit auch durch assistive Technologien mit den behinderungsspezifisch erforderlichen Anpassungen erfolgen. Durch die Beratung zu
etwaigen behinderungskompensierenden Technologien
will der Technische Beratungsdienst eine selbstständige
Teilhabe am Arbeitsleben bzw. einen Ausbildungsplatz in
einem Betrieb des ersten Arbeitsmarktes ermöglichen.
Der Einsatz von behinderungskompensierenden Technologien ist eine effektive Methode, um die Unabhängigkeit
zu erhöhen, größeres Selbstvertrauen zu schaffen sowie
das Erlernen von Ausbildungsabläufen und -inhalten zu
vereinfachen.
Der Technische Beratungsdienst steht den Arbeitgebern
als kompetenter Netzwerkpartner zur Verfügung.

Michael Henkel
Technischer Beratungsdienst
LVR-Integrationsamt

SEITE

40

07

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

DIE Arbeitslosigkeit
Die
ARBEITSLOSIGKEIT
von schwerbehinderten
VON SCHWERBEHINDERTEN
Menschen
MENSCHEN

KURZ & KNAPP
•	Im Jahresdurchschnitt sind 178.809 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet. Damit ist ihre
Zahl gegenüber dem Vorjahr leicht um 1,3 % bzw. rund 2.300 Personen gesunken. Die Zahl der Arbeitslosen insgesamt sinkt im gleichen Zeitraum um mehr als 3,5 %.
•	Im Gegensatz zum Trend auf Bundesebene steigt in NRW die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten
Menschen gegenüber dem Vorjahr leicht an: 49.283 Frauen und Männer sind im Jahresdurchschnitt
arbeitslos gemeldet.
•	Die Situation der schwerbehinderten Arbeitslosen in den rheinischen Arbeitsagenturbezirken fällt noch
negativer aus als im Bundes- und Landesdurchschnitt: plus 2,3 %.
•	Frauen stellen 40 % der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen. Bei den nichtbehinderten Arbeitslosen beträgt ihr Anteil 46 %.
•	Schwerbehinderte Arbeitslose sind im Mittel besser qualifiziert als nichtbehinderte Arbeitslose. Dies
gilt nicht uneingeschränkt für NRW und im Rheinland, hier haben 50 % keine berufliche Qualifikation –
bundesweit sind es 41 %.
•	Die Langzeitarbeitslosigkeit arbeitsloser schwerbehinderter Frauen und Männer liegt bundesweit mit
46 % deutlich über der allgemeinen Langzeitarbeitslosigkeit (37 %). In NRW und dem Rheinland beträgt
sie 52 % gegenüber knapp 44 % bei der allgemeinen Langzeitarbeitslosigkeit.

Deutschland
Die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen
entwickelt sich seit Jahren – im Gegensatz zur allgemeinen Arbeitslosigkeit – negativ. Im Jahresdurchschnitt 2014
liegt die Zahl der arbeitslos gemeldeten schwerbehinderten Menschen bei 181.110. Im Jahr 2015 sinkt erstmals
ihre Zahl um 1,3 Prozent bzw. 2.300 auf 178.809 Personen.
Die Zahl der Arbeitslosen insgesamt sinkt im Laufe des
letzten Jahres deutlich stärker, nämlich um 3,6 Prozent.
Die Bundesagentur führt die weiterhin hohen Arbeits­
losenzahlen bei den schwerbehinderten Menschen auf
die demografische Entwicklung zurück. Die Gruppe der
über 55-Jährigen stellt mittlerweile zwei Drittel aller
schwerbehinderten arbeitslosen Menschen.

Hier wirkt sich das Auslaufen der Sonderregelungen für
Ältere in den Jahren 2007 und 2009 immer noch besonders
stark auf die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten
Menschen aus. Ohne das Auslaufen der Sonderregelungen für ­Ältere wäre die Arbeitslosigkeit von schwerbehinderten Menschen auch im mehrjährigen Vergleich gesunken. Die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters
seit 2012 und die Einführung der „Rente mit 63“ im Jahr
2014 hatten hingegen bisher kaum merkliche Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen.
37 Prozent bezogen Leistungen der Arbeitslosenversicherung (SGB III) und 63 Prozent erhielten Leistungen aus der
Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II / Hartz  IV).
Zum Vergleich: Von allen Arbeitslosen erhielten 29 Prozent SGB III-Leistungen und 71 Prozent SGB II-Leistungen. Der Anteil der schwerbehinderten Frauen an allen
SEITE

41

LVR-INTEGRATIONSAMT

schwerbehinderten Arbeitslosen liegt seit Jahren unverändert bei um die 40 Prozent. Der Anteil der Frauen bei
der allgemeinen Arbeitslosigkeit beträgt 46 Prozent.
Dass schwerbehinderte Menschen zum ganz überwiegenden Teil nicht von den positiven Entwicklungen am
Arbeitsmarkt profitieren, hat sich spätestens bei der
wirtschaftlichen Erholung nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 / 2009 gezeigt. Und das, obwohl schwerbehinderte Arbeitslose im Durchschnitt etwas besser
qualifiziert sind als nicht schwerbehinderte Arbeitslose.
59 Prozent der schwerbehinderten Arbeitslosen haben
einen Studien- oder Berufsabschluss – von den nicht
schwerbehinderten Arbeitslosen sind es 53 Prozent. Dies
wirkt sich dann allerdings auch bei der Arbeitssuche aus:
Rund 60 Prozent der arbeitslosen schwerbehinderten
Menschen suchen mindestens nach einer Tätigkeit auf
Facharbeiterebene. Nur knapp 40 Prozent suchen nach
einer Tätigkeit auf Helferebene, während bei nichtbehinderten Arbeitslosen der Anteil der nachgefragten Helfertätigkeiten bei 45 Prozent liegt.
Nordrhein-Westfalen
Im Jahresdurchschnitt 2015 sind im bevölkerungsreichsten Bundesland 49.283 schwerbehinderte Menschen
arbeitslos gemeldet. Dies entspricht deutlich mehr als
einem Viertel aller bundesdeutschen schwerbehinderten
Arbeitslosen und ist mit 326 Menschen bzw. 0,7 Prozent
geringfügig höher als im Vorjahr. Die Entwicklung bei
der Arbeitslosigkeit der schwerbehinderten Menschen
verläuft in Nordrhein-Westfalen damit gegensätzlich
zur Entwicklung auf Bundesebene. Dort hat sich die
Zahl der a
­ rbeitslosen schwerbehinderten Menschen um
1,3 Prozent reduziert. Währenddessen ist in Nordrhein-­
Westfalen im gleichen Zeitraum die Zahl der nichtbehinderten Arbeitslosen um 2,5 Prozent gesunken.
In Nordrhein-Westfalen ist der Anteil der geringqualifizierten Menschen überdurchschnittlich hoch. Während

auf Bundesebene 41 Prozent der schwerbehinderten
und 47 Prozent der nichtbehinderten Arbeitslosen keine
abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können,
betrifft dies in Nordrhein-Westfalen fast 50 Prozent der
schwerbehinderten und 58 Prozent der nichtbehinderten
Arbeitslosen. Im heutigen Arbeitsmarkt stellt eine fehlende berufliche Qualifikation das wesentliche Vermittlungshemmnis dar.
Der Frauenanteil an den gemeldeten schwerbehinderten
Arbeitslosen liegt nach wie vor konstant bei 40  Prozent.
­Damit liegt er weiterhin deutlich unter dem Anteil der Frauen an allen Arbeitslosen im Land, der bei 46 Prozent liegt.
TABELLE
Tabelle
8: 8:
ARBEITSLOSE
SCHWERBEHINDERTE
MENSCHEN
Arbeitslose
schwerbehinderte
Menschen
Zahl* der arbeitslosen schwer­
behinderten Menschen 2015
Bundesrepublik

Insgesamt

Männer

Frauen

178.809

106.887

71.922

Nordrhein-Westfalen

49.283

29.625

19.658

Rheinland

26.358

16.063

10.910

*Jahresdurchschnitt

Rheinland
In den rheinischen Arbeitsagenturbezirken von Aachen-­
Düren bis Solingen-Wuppertal waren im Jahr 2015 im
Jahresdurchschnitt 10.910 schwerbehinderte Frauen und
16.063 schwerbehinderte Männer arbeitslos gemeldet.
Ihre Zahl hat sich gegenüber dem Vorjahr um über 600 auf
26.973 Personen erhöht. Dies entspricht einer Zunahme
um 2,3 Prozent. Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit der
schwerbehinderten Menschen fällt damit im Rheinland
im Jahr 2015 noch negativer aus als auf ­Landesebene.
Auch im Rheinland ist 2015 die allgemeine Arbeitslosigkeit zurückgegangen: um 2,3 Prozent. Die Verteilung bei
den ­Geschlechtern und der beruflichen Qualifizierung im
Rheinland entspricht den Zahlen auf Landesebene.

TABELLE
Tabelle
9: 9:
Qualifizierung der DER
QUALIFIZIERUNG
Schwerbehinderten
SCHWERBEHINDERTEN
und nicht schwerbehinderten
UND NICHT SCHWERBEHINDERTEN
Arbeitslosen auf Bundesebene,
ARBEITSLOSEN
in NRW
AUF BUNDESEBENE,
und im
Rheinland
IN
NRW UND
in Prozent
IM RHEINLAND IN PROZENT
Deutschland

Nordrhein-Westfalen

Rheinland

schwer­
behinderte
Arbeitslose

nicht schwer­
behinderte
Arbeitslose

schwer­
behinderte
Arbeitslose

nicht schwer­
behinderte
Arbeitslose

schwer­
behinderte
Arbeitslose

nicht schwerbehinderte
Arbeitslose

ohne Berufsabschluss

41

47

49

58

50

58

mit betrieblichem/  
schulischem Berufsabschluss

54

45

47

36

45

34

mit akademischem Abschluss

5

8

4

6

5

8

42

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Langzeitarbeitslosigkeit und versteckte
A
­ rbeitslosigkeit
Zwar steigt bei negativen Veränderungen am Arbeitsmarkt die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen in geringerem Umfang als die der nichtbehinderten Personen – was dem besonderen Kündigungsschutz
und einem verantwortungsvollen Handeln der Arbeitgeber zugeschrieben wird. Ihre Chancen, die Arbeitslosigkeit zeitnah auch wieder zu beenden, sind dagegen deutlich schlechter als die der nichtbehinderten Arbeitslosen.
Nur 21 Prozent schaffen es innerhalb von 3 Monaten,
eine neue Tätigkeit aufzunehmen. Von n
­ ichtbehinderten
­Arbeitslosen beenden 29 Prozent innerhalb der 3 ­Monate
ihre Arbeitslosigkeit.
Schwerbehinderte Menschen sind überproportional von
Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Dies gilt nicht nur für
ältere schwerbehinderte Arbeitslose, sondern lässt sich
in allen Altersgruppen beobachten. Langzeitarbeitslos ist,
wer länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet ist.
In Deutschland gehörten im Jahresdurchschnitt 2015
rund 81.555 oder 46 Prozent der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen der Gruppe der Langzeitarbeitslosen an. Im Vergleich dazu: Bei den nichtbehinderten
­Arbeitslosen beträgt der Anteil der ­Langzeitarbeitslosen
37 Prozent. Schwerbehinderte Menschen waren im
Durchschnitt 85 Wochen arbeitslos. Bei den nichtbehinderten Arbeitslosen dauert es im Mittel 69 Wochen bis
zu einer erneuten Arbeitsaufnahme. Schwerbehinderte
Frauen sind von Langzeitarbeitslosigkeit gleichermaßen
betroffen wie schwerbehinderte Männer.
In Nordrhein-Westfalen liegt die Langzeitarbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt bei 25.466 schwerbehinderten
Frauen und Männern – dies entspricht 52 Prozent der
arbeitslosen schwerbehinderten Menschen – deutlich
über dem bundesweiten Niveau. Die Zahl ist gegenüber
dem Vorjahr praktisch unverändert. Bei den nichtbehinderten Menschen in Nordrhein-Westfalen liegt der Anteil
der Langzeitarbeitslosen bei 44 Prozent – ­ebenfalls über
dem Bundesniveau. Die Dauer der Langzeit-Arbeitslosigkeit ist in Nordrhein-Westfalen ebenfalls auffällig höher
als auf Bundesebene. Im Durchschnitt ist ein arbeits­
loser schwerbehinderter Mensch in Nordrhein-­Westfalen
102  Wochen arbeitslos. Und selbst nichtbehinderte
­Menschen verbleiben in diesem Bundesland 84 Wochen
in der Arbeitslosigkeit. Für beide Personengruppen hat
sich die Dauer der Arbeitslosigkeit damit im Jahr 2015 um
2 Wochen verlängert.

Tabelle 10:10:
TABELLE
Dauer der
Arbeitslosigkeit
in Prozent
DAUER
DER
ARBEITSLOSIGKEIT
IN PROZENT
Bund

‹ 3 Monate 3 Monate › 1 Jahr
bis 1 Jahr

schwerbehinderte

21

33

46

nicht schwerbehinderte

29

34

37

Nordrhein-Westfalen

‹ 3 Monate 3 Monate › 1 Jahr
bis 1 Jahr

schwerbehinderte

17

31

52

nicht schwerbehinderte

23

34

43

Rheinland

‹ 3 Monate 3 Monate › 1 Jahr
bis 1 Jahr

schwerbehinderte

17

31

52

nicht schwerbehinderte

24

34

42

Im Rheinland stellt sich die Situation unverändert gegenüber dem Vorjahr dar, hier beträgt die Langzeitarbeits­
losigkeit 52 Prozent – 14.045 schwerbehinderte Frauen und Männer sind im Jahresdurchschnitt länger als
ein Jahr arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zu den Jahresdurchschnittszahlen des Vorjahres ist die Zahl der
langzeit­
arbeitslosen schwerbehinderten Menschen um
2,5 Prozent gestiegen.
Daneben gibt es bei den schwerbehinderten Menschen
eine versteckte Arbeitslosigkeit. Rund 169.540 Menschen
mit Behinderungen haben Ende 2015 an einer Rehabilitationsmaßnahme zur Teilhabe am Arbeitsleben teilgenommen und finden sich deswegen nicht in der Arbeitslosenstatistik wieder. Für rund 75 Prozent der Teilnehmerinnen
und Teilnehmer handelt es sich um eine Maßnahme
der Arbeitsförderung nach dem SGB III. 25 Prozent der
Maßnahme-Teilnehmer erhalten Förderungen nach dem
SGB  II. Rund 80 Prozent der Rehabilitanden dient die
­Maßnahme der Ersteingliederung in den Arbeitsmarkt.
Dies wird auch durch die Altersstruktur belegt: 62 Prozent
der Rehabilitanden sind jünger als 25 Jahre. Über 50-Jährige stellen dagegen nur 1,4 Prozent der Rehabilitanden
bei den Arbeitsagenturen. In Nordrhein-Westfalen haben
zuletzt knapp 39.000 schwerbehinderte Menschen an beschäftigungsfördernden Maßnahmen teilgenommen.

SEITE

43

LVR-INTEGRATIONSAMT

44

08

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

DIE Erhebung
Die
ERHEBUNG
und
UND
Verwendung
VERWENDUNG
der DER
Ausgleichsabgabe
­AUSGLEICHSABGABE

KURZ & KNAPP
•	2015 hat das LVR-Integrationsamt über 73 Mio. Euro Ausgleichsabgabe für das Erhebungsjahr 2014
eingenommen.
•	21,5 Mio. Euro werden an den Ausgleichsfonds beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales abgeführt bzw. in den Finanzausgleich zwischen den Integrationsämtern eingezahlt.
•	Die Mitgliedskörperschaften des LVR erhalten insgesamt 17,6 Mio. Euro zur Verwendung in eigener
Zuständigkeit.
•	Fast 50 Mio. Euro erhalten Arbeitgeber, Integrationsprojekte und schwerbehinderte Menschen als
­finanzielle Förderung von den Fachstellen und dem LVR-Integrationsamt.

Das LVR-Integrationsamt erhebt und verwaltet die Ausgleichsabgabemittel von 16.210 Arbeitgebern mit Firmensitz im Rheinland. Dies entspricht über 10 Prozent
aller beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber bundesweit.
Die in einer Selbstveranlagung vom Arbeitgeber selbst zu
ermittelnde Beschäftigungsquote und eine daraus gegebenenfalls resultierende Abgabe muss bis zum 31. März
des Folgejahres für das vorangegangene Jahr beim zuständigen Integrationsamt eingegangen sein. Aussagen
zur Entwicklung bei der Ausgleichsabgabe sind dadurch
stets um ein Jahr zurück zeitversetzt. Dies macht Prognosen zum Finanzaufkommen schwierig.
Die 17 Integrationsämter vereinnahmen bundesweit pro
Jahr rund 550 Mio. Euro. Mit einem Anteil von mehr als
13  Prozent am bundesweiten Aufkommen an der Ausgleichsabgabe ist das LVR-Integrationsamt eines der
­finanzstärkeren Integrationsämter.
Die Mittelbewirtschaftung des LVR-Integrationsamtes
wird im NKF-Haushalt des LVR gesondert dargestellt, da
es sich bei der Ausgleichsabgabe um ein zweckgebundenes Sondervermögen handelt, das nur für die Förderung
der Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben eingesetzt werden darf.

Die Erhebung und Verwendung der Ausgleichsab­
gabe
wird in einer eigenen Produktgruppe „Leistungen der
Ausgleichsabgabe zur Teilhabe am Arbeitsleben für
schwerbehinderte und ihnen gleichgestellte behinderte
Menschen“ dokumentiert. Zu den wichtigsten Leistungen
des LVR-Integrationsamtes aus Mitteln der Ausgleichs­
abgabe gehören die finanziellen Leistungen an Arbeitgeber und schwerbehinderte Menschen, die Förderung von
Integrationsprojekten sowie die Finanzierung der Integrationsfachdienste.
Dieses Kapitel dokumentiert ausschließlich die Finanzen
des LVR-Integrationsamtes. Die Gesamtdarstellung der
Begleitenden Hilfe finden Sie in Kapitel 9.
Die Fördermöglichkeiten des LVR-Integrationsamtes für
schwerbehinderte und gleichgestellte behinderte Menschen und Arbeitgeber umfassen neben Beratung und
Betreuung auch finanzielle Leistungen. Die dafür eingesetzten finanziellen Mittel aus der Ausgleichsabgabe werden durch die Arbeitgeber, die ihrer gesetzlichen Beschäftigungspflicht nicht oder nicht vollständig nachkommen,
erbracht. Von den im Jahr 2015 verausgabten Mitteln sind
über 42 Mio. Euro an private und öffentliche Arbeitgeber
für die Einrichtung und die Erhaltung von Arbeitsplätzen
SEITE

45

LVR-INTEGRATIONSAMT

für schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen geflossen. Mit fast 8 Mio. Euro sind schwerbehinderte und
gleichgestellte berufstätige Menschen von den Fachstellen
für schwerbehinderte Menschen im Arbeitsleben bei den
LVR-Mitgliedskörperschaften und dem LVR-Integrationsamt gefördert worden. Das vorgehaltene Beratungs- und
Betreuungsangebot der Integrationsfachdienste ­finanziert
das LVR-Integrationsamt mit über 15 Mio. Euro vor.

90 Prozent der verbleibenden Einnahmen aus dem Aufkommen an Ausgleichsabgabe im Berichtsjahr. Damit
reichen im dritten Jahr in Folge die Einnahmen aus dem
Aufkommen der Ausgleichsabgabe im Haushaltsjahr
nicht aus, um die Ausgabeverpflichtungen des LVR-Inte­
grationsamtes zu decken. Während in den Jahren 2013
und 2014 rund eine Million bzw. rund 2 Mio. Euro der
Rücklage der Ausgleichsabgabe entnommen worden
sind, waren es im Jahr 2015 schon 12,6 Mio. Euro.

TABELLE
Tabelle
11:11:
LEISTUNGEN
TEILHABE
AM ARBEITSLEBEN
FÜR
Leistungen
zurZUR
Teilhabe
am Arbeitsleben
für
SCHWERBEHINDERTE
UND IHNEN
GLEICHGESTELLTE
schwerbehinderte
und ihnen
gleichgestellte
behinderte
BEHINDERTE
MENSCHEN
IN MIO. EURO
Menschen
IN mio.
euro
Erträge*

Aufwendungen

2015

102,3

102,0

2014

88,3

90,1

2013

81,9

80,1

2012

81,8

81,8

2011

75,2

72,3

* inkl. Zuweisungen aus dem Bundesprogramm Initiative Inklusion

Die finanziellen Verpflichtungen des Integrationsamtes
nehmen kontinuierlich zu. Bei Betrachtung der mittelfristigen (Arbeitsassistenz und behinderungsbedingte
Lohnkostenzuschüsse an Arbeitgeber) und langfristigen
Verpflichtungen (Integrationsfachdienste und Integrationsprojekte) binden die bewilligten finanziellen Mittel

GRAFIK
Grafik
7:7:
Einnahmen aus
EINNAHMEN
AUS
derDER
Ausgleichsabgabe
AUSGLEICHSABGABE
und für UND
die Aufgabenerfüllung
FÜR DIE AUFGABENERFÜLLUNG
verbleibende Mittel
VERBLEIBENDE MITTEL
Eingenommene Ausgleichsabgabe

Mio. Euro

Verbleibende Mittel*
77,2

80
66,7

63,2
60

52,4

73,7

68,1
60,8

49,0

52,2

48,6

40

20
* nach Abführung an den
Ausgleichsfonds und in den
Länderfinanzausgleich

2011

46

2012

2013

2014

2015

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

GRAFIK
Grafik
8:8:
Verteilung derDER
VERTEILUNG
Ausgaben
AUSGABEN
des LVR-Integrationsamtes
DES LVR-INTEGRATIONSAMTES
im Jahr 2015
IM JAHR 2015
Leistungen zur Schaffung, Erweiterung, Ausstattung
und Modernisierung von Einrichtungen für behinderte Menschen

Seminare und Öffentlichkeitsarbeit

2%

2%

Leistungen zu Aufbau, Erweiterung
Modernisierung und Ausstattung
einschließlich der Beratung und
arbeitsbegleitenden Betreuung
von Integrationsunternehmen

Zuweisung an den Ausgleichsfonds

16 %
Finanzausgleich der
Integrationsämter

11 %

1%

Leistungen zur Neuschaffung
und Sicherung von Arbeits- und
Ausbildungsplätzen

Leistungen zur Sicherung von
Arbeits- und Ausbildungsplätzen durch die örtl.
Fachstellen bei den LVRMitgliedskörperschaften

18 %

20 %
Beratung und Begleitung
behinderter Menschen im Beruf
durch Integrationsfachdienste

Modell- und Forschungsvorhaben,
regionale Arbeitsmarktprogramme

19 %

11 %

Im Folgenden werden die Inhalte der einzelnen Produkte
beschrieben sowie ihre Aufwendungen beziffert:
1. „Leistungen zur Neuschaffung und Sicherung von
­Arbeits- und Ausbildungsplätzen“
Die Begleitende Hilfe im Arbeits- und Berufsleben soll
bewirken, dass behinderte Frauen und Männer in ihrer
sozialen Stellung nicht absinken, dass sie auf Arbeitsplätzen beschäftigt werden, auf denen sie ihre Fähigkeiten
und Kenntnisse voll verwerten und weiterentwickeln können sowie befähigt werden, sich am Arbeitsplatz und im
Wettbewerb mit nichtbehinderten Menschen zu behaupten. Dieses Instrument wird in Form persönlicher Hilfen
(Beratung, Betreuung, Information, Arbeitsplatzbesuch,
Auskunft usw.) und finanzieller Leistungen aus Mitteln
der Ausgleichsabgabe erbracht. Dafür werden ­finanzielle
Leistungen an Arbeitgeber des allgemeinen Arbeitsmarktes und sozialversicherungspflichtig beschäftigte
schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen selbst
gewährt. Weiterführende Informationen zu den einzelnen
Leistungen finden Sie in Kapitel 9.1.
Bei den Gesamtaufwendungen stehen die Ausgaben für
den Beschäftigungssicherungszuschuss mit mehr als
10 Mio. Euro im Vordergrund. Für investive Maßnahmen
zur Einrichtung und Ausstattung eines neuen Arbeitsplatzes haben Arbeitgeber fast 3  Mio. Euro erhalten.

Fast 5,5 Mio. Euro sind an schwerbehinderte Menschen
selbst geflossen für die Übernahme von Kosten bei der
Arbeitsassistenz und als Zuschüsse zu Qualifizierungsund Weiterbildungsmaßnahmen. Die Erträge resultieren
überwiegend aus Rückforderungen gegenüber Arbeitgebern, z. B. weil Bindungsfristen nicht eingehalten worden
sind.
TABELLE
Tabelle
12:12:
Leistungen zurZUR
LEISTUNGEN
Neuschaffung
NEUSCHAFFUNG
und Sicherung
UND SICHERUNG
von Arbeitsund Ausbildungsplätzen
VON
ARBEITS- UND AUSBILDUNGSPLÄTZEN
in Euro
IN EURO
Erträge

Aufwendungen

2015

1.049.461

20.389.127

2014

767.727

16.186.048

2013

979.587

15.596.715

2012

754.657

13.574.134

2011

515.419

13.673.892

2. „Leistungen zu Aufbau, Erweiterung, Modernisierung
und Ausstattung einschließlich der Beratung und arbeitsbegleitenden Betreuung von Integrationsprojekten“
Integrationsprojekte sind Unternehmen des allgemeinen
Arbeitsmarktes, die mindestens 25 Prozent schwerbehinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die von ihrer
Behinderung besonders betroffen sind, beschäftigen. Das
SEITE

47

LVR-INTEGRATIONSAMT

LVR-Integra­
tionsamt gewährt Zuschüsse für investive
Maßnahmen bei Aufbau, Erweiterung, Modernisierung
und Ausstattung. Die Kosten der betriebswirtschaftlichen
Beratung der Integrationsprojekte bei Gründung, Erweiterung oder auch in wirtschaftlichen Krisen werden ebenfalls übernommen.
Integrationsunternehmen bieten der Zielgruppe – zum
überwiegenden Teil seelisch und geistig behinderten
Menschen – eine sozialversicherungspflichtige und tariflich entlohnte Beschäftigung, arbeitsbegleitende Betreuung und Maßnahmen zur beruflichen Fort- und
Weiterbildung. Als Ausgleich für diese besonderen Anforderungen erhalten sie laufende Zuschüsse in Form
eines Beschäftigungssicherungszuschusses in Höhe von
30 Prozent des Arbeitnehmerbruttos und 210 Euro pro
Monat und Beschäftigtem der Zielgruppe für den besonderen Aufwand. Die Erträge ergeben sich aus Rückforderungen im Rahmen der Personalkostenförderung, wenn
z. B. ­Arbeitsplätze nicht ganzjährig oder in Vollzeit besetzt
­waren.
Im Rahmen der NRW-Landesinitiative „Integration unternehmen!“ hat sich das Land NRW mit 50 Prozent an den
förderfähigen Investitionen bzw. an der Förderobergrenze
von 20.000 Euro pro Arbeitsplatz beteiligt. Während der
Laufzeit des Programms 2008 – 2011 hat sich die Zahl der
Integrationsprojekte mehr als verdoppelt. Das Ziel, 1.000
neue Arbeitsplätze für besonders betroffene schwerbehinderte Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
zu schaffen, ist erreicht worden. Das Land NRW hat die
Bezuschussung der Schaffung von Arbeitsplätzen in Integrationsprojekten in eine Regelförderung überführt. Im
Rheinland kann so die Schaffung von bis zu 125 neuen
Arbeitsplätzen in Integrationsprojekten pro Jahr mit Landesmitteln unterstützt werden.
Durch die Beteiligung des Landes NRW an den Zuschüssen zu investiven Maßnahmen bei der Gründung oder
Erweiterung eines Integrationsunternehmens bzw. einer Integrationsabteilung belaufen sich die Aufwendungen des LVR-Integrationsamtes nur auf 1,4 Mio. Euro.
TABELLE
Tabelle
13:13:
Leistungen anAN
LEISTUNGEN
Integrationsprojekte
INTEGRATIONSPROJEKTE
in Euro IN EURO

Weitere Informationen finden Sie in Kapitel 9.2.
Die laufende Förderung im Rahmen von Zuschüssen
zu den Personalkosten trägt das LVR-Integrationsamt
aller­dings allein aus der Ausgleichsabgabe. Bei den Aufwendungen stehen deshalb der pauschalierte Beschäftigungssicherungszuschuss und die Bezuschussung des
besonderen Aufwandes in Integrationsprojekten gemäß
§ 134 SGB IX im Vordergrund. Im Berichtsjahr entfallen
87  Prozent der Gesamtausgaben des LVR-Integrationsamtes für die Förderung von Integrationsprojekten auf
diese beiden Formen der Personalkostenzuschüsse.
3. „Leistungen zur Schaffung, Erweiterung, Ausstattung und Modernisierung von Einrichtungen für
b
­ ehinderte Menschen“
Die Mittel der Ausgleichsabgabe werden neben Leistungen zur Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben für schwerbehinderte Menschen und ihre Arbeitgeber auch zur
Errichtung berufsfördernder Einrichtungen verwendet.
Behinderte Menschen sollen mit den Leistungen der Berufsförderung alle notwendigen Hilfen erhalten, die erforderlich sind, um die Erwerbstätigkeit zu erhalten, zu
verbessern oder wiederherzustellen. Dafür beteiligt sich
das LVR-Integrationsamt mit Zuschüssen sowie mit Darlehen finanziell am Aufbau, an der Erweiterung und der
Ausstattung der Werkstätten für behinderte Menschen.
Weitere Informationen finden Sie in Kapitel 9.5.
Der Förderrahmen durch das LVR-Integrationsamt ist
auf 2,5 Mio. Euro pro Jahr begrenzt. Die Mittel werden für
Baumaßnahmen und Ausstattung der Werkstätten für behinderte Menschen bewilligt – häufig auch als Darlehen
bzw. Zinszuschuss zu einem Darlehen. Der Mittelabruf
orientiert sich am Bau- bzw. Ausstattungsfortschritt bei
den jeweiligen Werkstatt-Trägern. Der Aufwand in einem
Jahr resultiert in der Regel aus Bewilligungen mehrerer
(Vor-)Jahre. Eine Entwicklung der Förderung lässt sich
damit aus dem Mittelabfluss nicht ableiten. Die Erträge
setzen sich zusammen aus Tilgungen und Zinsen.

TABELLE
Tabelle 14:14:
LEISTUNGEN
EINRICHTUNGEN
FÜR BEHINDERTE
Leistungen anAN
Einrichtungen
für behinderte
Menschen in
MENSCHEN
IN EURO
Euro

Erträge

Aufwendungen

Erträge

Aufwendungen

2015

200.499

9.966.805

2015

912.820

1.146.700

2014

459.661

10.020.005

2014

633.943

1.615.585

2013

141.491

8.641.768

2013

944.748

2.148.590

2012

304.585

7.698.105

2012

1.042.541

618.302

2011

269.639

6.758.697

2011

1.316.838

4.723.954

48

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

4. „Sicherstellung der Beratung und Begleitung behinderter Menschen im Beruf durch Integrationsfachdienste“
Im Rahmen seiner Strukturverantwortung hat das
LVR-Integrationsamt bei freien Trägern im Rheinland Integrationsfachdienste (IFD) eingerichtet, die gemeinsam
vom LVR-Integrationsamt (für die berufliche Begleitung
im Arbeitsleben), von der Bundesagentur für Arbeit (für
die Vermittlung arbeitsloser schwerbehinderter Menschen) und von den Trägern der Rehabilitation (für die berufliche Rehabilitation behinderter Menschen) beauftragt
werden. Zurzeit werden auf 170,25 Stellen 236 Fachkräfte
beschäftigt. Eine nähere Beschreibung der Arbeit der Integrationsfachdienste sowie weitere Informationen finden
Sie in Kapitel 9.3.4.
Die Aufwendungen für das Produkt bestehen zu 98 Prozent aus dem Personalaufwand, zuzüglich Aufwendun­
gen für Qualifizierungen der Fachberaterinnen und Fachberater ­sowie IT-­Aufwendungen für den Betrieb und die

TABELLE
Tabelle
15:15:
Finanzierung derDER
FINANZIERUNG
Integrationsfachdienste
INTEGRATIONSFACHDIENSTE
in Euro
IN
EURO
Erträge

Aufwendungen

2015

2.885.192

16.733.892

2014

2.838.861

17.094.271

2013

2.684.895

12.736.400

2012

1.461.874

13.579.353

2011

2.573.104

12.372.857

Pflege der Fachsoftware KLIFD. Die Erträge basieren auf
der ­Re­finanzierung durch Reha-Träger, wenn diese das
IFD-Personal im Rahmen ihrer eigenen Zuständigkeit be­
auftragen.
5. „Erhebung der Ausgleichsabgabe“
Private und öffentliche Arbeitgeber mit mehr als jahresdurchschnittlich 20 Arbeitsplätzen haben 5 Prozent ihrer
SEITE

49

LVR-INTEGRATIONSAMT

Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Erfüllt ein Arbeitgeber diese Pflichtquote nicht, so
hat er für jeden unbesetzten Arbeitsplatz eine monat­liche
Ausgleichsabgabe von 115 bis 290 Euro zu entrichten.
Diese Einnahmen sind zweckgebunden für die berufliche
Behindertenhilfe.
Im Jahr 2015 beinhalten die Erträge 73,7 Mio. Euro von
Arbeitgebern gezahlte Ausgleichsabgabe für das Erhebungsjahr 2014, mehr als 400.700 Euro Säumniszuschläge wegen verspätet gezahlter Ausgleichsabgabe,
mehr als 34.400 Euro Bußgelder (vgl. § 156 SGB IX) und
rund 3,2 Mio. Euro Zinsen. Rund 1,9 Mio. Euro sind von
den Mitgliedskörperschaften zurückgeflossen, weil sie im
Vorjahr nicht verauslagt worden sind.
Das LVR-Integrationsamt führt 20 Prozent seiner Einnahmen aus dem Aufkommen der Ausgleichsabgabe an den
Ausgleichsfonds beim Bundesministerium für Arbeit und
Soziales (BMAS) ab. Dies entspricht im Jahr 2015 einem
Betrag von 13,7 Mio. Euro. Einen Teil dieser Mittel erhält
die Bundesagentur für Arbeit, um Leistungen zur Vermittlung von arbeitslosen schwerbehinderten Menschen
nach dem SGB III zu gewähren. Ein weiterer Teil finanziert
länderübergreifende Modellprojekte wie die Initiative Inklusion – diese Mittel fließen also indirekt in die Region
zurück, aus der sie zunächst abgeführt worden sind.

für die Angelegenheiten schwerbehinderter Menschen
bei den Mitgliedskörperschaften des LVR, die Teile der
Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben und des Kündigungsschutzes durchführen. Dafür erhalten die örtlichen Fachstellen rund 30 Prozent der beim LVR-Integrationsamt
verbleibenden Einnahmen aus dem Aufkommen der
Ausgleichs­
abgabe zur Verwendung in eigener Verantwortung. Ist der Finanzbedarf einer örtlichen Fachstelle
in einem Jahr ­höher als die am Jahresanfang ausgezahlte Zuweisung, so ­können Mittelnachforderungen an das
LVR-Integrationsamt ­gestellt werden, die in der Regel aus
dem ­Rückfluss nicht verbrauchter Finanzmittel anderer
­Fachstellen gedeckt werden. Im Jahr 2015 sind deshalb
insgesamt 17,6 Mio. Euro an die rheinischen Kommunen
geflossen.
TABELLE
Tabelle
17:17:
ZUWEISUNG
AUS
MITTELN
DER AUSGLEICHSABGABE
Zuweisung
aus
Mitteln
der Ausgleichsabgabe
ANdie
DIEörtlichen
ÖRTLICHEN
FACHSTELLEN
DER LVR-MITGLIEDSan
FachStellen
der LVR-MitgliedsKÖRPERSCHAFTEN
UND
IHR AUFWAND
IM JAHR 2015
körperschaften
und ihr
aufwand
im Jahr 2015
LVRMitgliedskörperschaften

Zuweisung
in Euro**

Aufwand
in Euro*

843.919

847.300

1.081.528

1.175.028

Stadt Duisburg

710.604

656.733

Kreis Düren

791.002

648.364

Stadt Düsseldorf

804.550

827.933

Daneben wird ein Ausgleich zwischen den 17 Integra­
tionsämtern durchgeführt, um eine in etwa gleiche Finanzausstattung der Integrationsämter zu erreichen. Seit 1999
zahlt das LVR-Integrationsamt in den Ausgleich ein – im
Berichtsjahr rund 7,8 Mio. Euro.

Stadt Essen

803.461

932.932

Kreis Euskirchen

605.700

821.293

Kreis Heinsberg

360.353

221.866

Kreis Kleve

498.070

489.104

Stadt Köln

2.056.542

1.696.498

Stadt Krefeld

608.942

607.674

TABELLE
Tabelle
16:16:
Erhebung derDER
ERHEBUNG
Ausgleichsabgabe
AUSGLEICHSABGABE
in Euro IN EURO

Stadt Leverkusen

720.026

674.466

Kreis Mettmann

804.291

666.919

Stadt Mönchengladbach

440.187

266.894

248.811

200.608

StädteRegion Aachen
Stadt Bonn

Erträge

Aufwendungen

Stadt Mülheim / Ruhr

2015

79.053.714

40.169.269

Oberbergischer Kreis

395.570

393.204

2014

82.599.087

33.348.351

Stadt Oberhausen

344.952

246.251

2013

73.789.655

36.585.623

Stadt Remscheid

225.475

234.458

2012

72.772.761

40.367.068

Rhein-Erft-Kreis

799.552

783.161

2011

70.685.699

38.866.080

Rheinisch-Bergischer Kreis

592.242

580.507

Rhein-Kreis Neuss

684.477

881.909

1.128.004

1.018.136

303.262

280.578

Im Jahr 2015 sind so insgesamt 21,5 Mio. Euro abgeführt
worden. Die danach verbleibenden Einnahmen des laufenden Jahres stehen dem LVR-Integrationsamt selbst
für die Durchführung seiner Aufgaben in dem Jahr zur
Ver­fügung. 2015 waren dies noch rund 52,2 Mio. Euro.
Die Arbeit des LVR-Integrationsamtes vollzieht sich in
enger Zusammenarbeit mit den 38 örtlichen Fachstellen

50

Rhein-Sieg-Kreis
Stadt Solingen
Kreis Viersen
Kreis Wesel
Stadt Wuppertal

485.732

314.991

1.322.266

1.231.679

880.274

860.693

*	 siehe auch Tabelle 22 in Kapitel 9.1
**	Sockelbetrag zuzügl. Nachforderung

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Wir wünschen
WIR
WÜNSCHEN
unsUNS
... Beschäftigung
... BESCHÄFTIGUNG
In meiner Abteilung sorgt ein sehr motiviertes und engagiertes Team von 8 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dafür, dass Arbeitgeber, die die gesetzlich vorgeschriebene
Zahl schwerbehinderter Menschen nicht beschäftigen,
die Ausgleichsabgabe – pünktlich und in zutreffender
Höhe – entrichten.

Ab 2016 werden sich die Staffelbeträge und damit auch
die Gesamteinnahmen erhöhen, und zwar von 115 auf
3 %
125 Euro bei einer Beschäftigungsquote von 3
% bis weni5 %,
ger als 5
%, von 200 auf 220 Euro bei einer Beschäftigungs2 %
3 %
quote von 2
% bis weniger als 3
% und von 290 auf 320 Euro
2 %.
bei einer Beschäftigungsquote von weniger als 2
%.

Dabei ist der Großteil der über 16.000 Arbeitgeber im
Rheinland, welche jährlich eine Anzeige zu erstatten haben, erfreulicherweise sehr zuverlässig.
Die Arbeit ist vielseitig und interessant:
Oftmals stellen sich anspruchsvolle Rechtsfragen, sei es
zur Frage der Arbeitgebereigenschaft, der Berücksichtigung von Beschäftigten mit Behinderung bei der Ausgleichsabgabe oder auch in Insolvenzfällen. Arbeitgebern,
die in schwierigen Fragen nicht weiterwissen, helfen wir
oft und gerne weiter.
Die Erhebung und Einziehung der Ausgleichsabgabe erfolgt in enger und vertrauensvoller Kooperation mit den
Operativen Service Zentren der Arbeitsagenturen.
Die Einnahmen aus der Erhebung der Ausgleichsabgabe
liegen im Rheinland seit einigen Jahren recht konstant
bei rund 70 Mio. Euro jährlich.
Natürlich würden auch wir uns wünschen, dass diese
Summe als Folge einer wesentlich besseren Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen deutlich
geringer ausfiele. Andererseits bietet uns der Betrag eine
solide Grundlage, Arbeitgeber und Beschäftigte gezielt
dabei zu unterstützen, neue Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen zu schaffen oder bereits bestehende
Arbeitsplätze zu sichern.

Beatrix Seufert
Ausgleichs­
Abteilungsleiterin Erhebung Ausgleichsabgabe, Institutionelle Förderung, Haushaltsangelegenheiten

6. „Seminare und Öffentlichkeitsarbeit“
Die Leistungen zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen im Arbeitsleben können nur genutzt werden, wenn
sie bekannt sind. Ihre Bekanntheit zu fördern, Werbung
für Beschäftigung zu betreiben und aktuelle Informa­
tionen zu liefern, ist das Ziel dieses Bereiches.

Beauftragte des Arbeitgebers, Betriebs- und Personalräte sowie für andere in der beruflichen Behindertenhilfe tätige Personen an. Das jährliche Kursangebot wird
durchschnittlich von mehr als 2.500 Teilnehmerinnen und
Teilnehmern genutzt. Die Publikationen des LVR-Inte­
grationsamtes umfassen Broschüren, Berichte, Handbücher, Arbeitshefte und Faltblätter, die sich – je nach Art
und Umfang der Veröffentlichung – an Fachleute, Multiplikatoren oder Betroffene und ihre Angehörigen richten.

Das LVR-Integrationsamt bietet ein umfangreiches Schulungs- und Bildungsangebot für die betrieblichen Aufgabenträger wie z. B. Schwerbehindertenvertretungen,

SEITE

51

LVR-INTEGRATIONSAMT

Das LVR-Integrationsamt präsentiert sich mit einem Informations- und Beratungsstand auf der „RehaCare International“ in Düsseldorf und auf der Personalmesse
„Zukunft Personal“ in Köln. Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit prämiert der Landschaftsverband Rheinland
die Einführung und Umsetzung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements im betrieblichen Alltag. Weitere Informationen zu den Aktivitäten des LVR-Integrationsamtes finden Sie in Kapitel 14.

einer Laufzeit von 2011 bis Mitte 2016 aufgelegt worden.
Zielgruppen des Modellprojektes sind Beschäftigte einer
Werkstatt für behinderte Menschen sowie Schülerinnen
und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Bei
Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen A
­rbeit
wird eine Kombination aus finanzieller Förderung und
fachdienstlicher Begleitung finanziert. Im Jahr 2015 sind
4,3 Mio. Euro an Zuschüssen abgerufen worden (vgl. auch
Kapitel 10.2 und 4.5).

Im Jahr 2015 sind u. a. verauslagt worden: 475.000 Euro
für die Herstellung und den Versand von Publikationen,
234.000 Euro für Referenten- und Autorenhonorare, und
53.000 Euro für Werbemaßnahmen.

Darüber hinaus sind die Modellprojekte „Zuverdienst“ mit
500.000 Euro und Peer Counseling mit 265.000 Euro bezuschusst worden (siehe dazu Kapitel 10).

TABELLE
Tabelle
18:18:
Seminare und
SEMINARE
UND
Öffentlichkeitsarbeit
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
in Euro IN EURO
Erträge

Aufwendungen

2015

34.116

1.412.288

2014

16.948

1.649.352

2013

18.132

1.367.381

2012

16.927

1.270.939

2011

19.690

1.490.413

7. „Modell- und Forschungsvorhaben, regionale
A
­ rbeitsmarktprogramme“
Um neue Konzepte und Standards zu erproben und um
für weitere Zielgruppen spezifische Angebote vorhalten
zu können, kann das LVR-Integrationsamt Modell- und
Forschungsvorhaben durchführen. Seit September 1990
besteht in Nordrhein-Westfalen das regionale Arbeitsmarktprogramm „Aktion Integration“ zum Abbau der Arbeitslosigkeit und zur beruflichen Eingliederung schwerbehinderter Menschen. Seit dem 1. Januar 2008 wird das
Programm unter dem Namen „aktion5“ weitergeführt.
Das Programm zielt auf die Förderung besonders betroffener schwerbehinderter Menschen im Übergang aus
(Förder-)Schulen, Werkstätten für behinderte Menschen
und psychiatrischen Einrichtungen auf den allgemeinen
Arbeitsmarkt sowie auf schwerbehinderte arbeitslose
Menschen aus dem angesprochenen Personenkreis.
Im Jahr 2015 sind im Rahmen von „aktion5“ mehr als
2,8  Mio. Euro verauslagt worden. Rund drei Viertel des
Aufwandes (2,1 Mio. Euro) sind dabei als Einstellungsprämien an ­Arbeitgeber geflossen (vgl. auch Kapitel 10.1).
Der Landschaftsverband Rheinland setzt sein Engagement beim Übergang von Schule und Werkstatt für behinderte Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt
fort. Dazu ist das Programm „Übergang 500 plus“ mit

52

Die Initiative Inklusion (vgl. 10.6) wird über den Ausgleichsfonds beim BMAS aus Mitteln der Ausgleichsabgabe finanziert. Das Fördervolumen beträgt insgesamt 100 Mio.
Euro. Die Initiative Inklusion wird in Nordrhein-Westfalen maßgeblich von den Integrationsämtern der beiden
Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe
umgesetzt. Im Handlungsfeld 1 „Berufs­orientierung“ ist
das Modellprojekt STAR (Schule trifft Arbeitswelt) integriert worden. Anstelle einer nur modellhaften Erprobung
in 4 Regionen konnte es landesweit ausgeweitet werden.
Im Handlungsfeld 2 „Neue Ausbildungsplätze“ werden individuelle Maßnahmen zur Anbahnung, Vorbereitung und
Durchführung betrieblicher Ausbildungen für junge Menschen mit einer Schwerbehinderung finanziert. Mit dem
Handlungsfeld 3 wird die Integration von älteren schwerbehinderten Frauen und Männern in den allgemeinen
Arbeitsmarkt mit Einstellungsprämien an Arbeitgeber
gefördert. Im Jahr 2015 sind im Rahmen des Programms
fast 4 Mio. Euro verauslagt worden.

TABELLE
Tabelle
19:19:
Modell- und
MODELLUND
Forschungsvorhaben,
FORSCHUNGSVORHABEN,
Regionale
REGIONALE
Arbeitsmarktprogramme in Euro
ARBEITSMARKTPROGRAMME
IN EURO
Erträge

Aufwendungen

5.540.183

12.521.778

2014

762.402

10.212.013

2013

2.491.249

4.841.421

2012

5.455.979

3.573.500

2011

424.113

3.284.099

2015

09

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

DIE Leistungen
Die
LEISTUNGEN
desDES
LVR-Integrationsamtes
LVR-INTEGRATIONSAMTES
und
UND
der Fachstellen
DER
FACHSTELLEN
für behinderte
FÜR BEHINDERTE
Menschen
MENSCHEN
im
IM
Arbeitsleben
ARBEITSLEBEN

KURZ & KNAPP
•	49,7 Mio. Euro erhalten Arbeitgeber, Integrationsprojekte und schwerbehinderte Menschen für betriebliche bzw. berufliche Maßnahmen von den 38 örtlichen Fachstellen und dem LVR-Integrationsamt.
•	Zum Ausgleich von behinderungsbedingten Einschränkungen in über 9.000 Arbeitsverhältnissen erhalten
Arbeitgeber und Integrationsprojekte mehr als 30 Mio. Euro.
•	In 117 Integrationsunternehmen werden 1.342 schwerbehinderte Menschen beschäftigt.
•	Technische und betriebswirtschaftliche Fachberatung im Rheinland: 18 Fachberaterinnen und Fachberater stehen ­Arbeitgebern als Ansprechpersonen zur Verfügung.
•	Die Beratung und Begleitung der 236 Fachkräfte bei den rheinischen Integrationsfachdiensten hat über
4.700 Beschäftigungsverhältnisse gesichert und 340 Personen in ein Arbeitsverhältnis vermittelt.

Das breit gefächerte Unterstützungsangebot der gesetzlichen Förderung durch das LVR-Integrationsamt
an schwerbehinderte Menschen selbst, aber auch an
deren Arbeitgeber, hat zum Ziel, dass schwerbehinderte
Menschen in ihrer sozialen Stellung nicht absinken, auf
Arbeitsplätzen beschäftigt werden, auf denen sie ihre
Fähigkeiten und Kenntnisse voll verwerten und weiterentwickeln können und befähigt werden, sich am Arbeits-

platz und im Wettbewerb mit nichtbehinderten Menschen
zu behaupten. Für das LVR-Integrationsamt steht – auch
mit Blick auf die demografische und wirtschaftliche Entwicklung – die Frage im Mittelpunkt, wie die Arbeitsplätze
schwerbehinderter Menschen im Rheinland langfristig
gesichert werden können und wie weiterhin das Ziel erreicht werden kann, Arbeits- und Ausbildungsplätze neu
zu schaffen.

9.1 Finanzielle Hilfen an schwerbehinderte Menschen und
Arbeitgeber
Bei den Leistungen an Arbeitgeber und schwerbehinderte Menschen im Rahmen der Begleitenden Hilfe im
­Arbeitsleben besteht zwischen dem LVR-Integrationsamt
und den örtlichen Fachstellen eine durch Verordnung geregelte Aufgabenverteilung. Das LVR-Integrationsamt ist
insbesondere zuständig für finanzielle Hilfen an Arbeit­
geber zur Schaffung neuer, zusätzlicher Ausbildungs- und
Arbeitsplätze für schwerbehinderte und gleichgestellte
behinderte Menschen sowie für die behinderungsgerech-

te Gestaltung der Räumlichkeiten des Arbeitgebers, die
nicht Teil des Arbeitsplatzes sind, aber ebenso der behinderungsgerechten Anpassung bedürfen, wie z. B. ­Aufzüge,
Rampen, Sanitäranlagen.
Die örtlichen Fachstellen sind zuständig für finanzielle
Hilfen an Arbeitgeber zur behinderungsgerechten Gestaltung von einzelnen bereits bestehenden Arbeitsplätzen sowie für die meisten Leistungen an die behinderten
SEITE

53

LVR-INTEGRATIONSAMT

GRAFIK 9:
Leistungen anAN
LEISTUNGEN
Arbeitgeber
ARBEITGEBER
für dieFÜR
Beschäftigung
DIE BESCHÄFTIGUNG
schwerbehinderter
SCHWERBEHINDERTER
Menschen und MENSCHEN UND
aufgewendete Mittel
AUFGEWENDETE
MITTEL
durchDURCH
das LVR-Integrationsamt
DAS LVR-INTEGRATIONSAMT
sowie die örtlichen
SOWIE DIE
Fachstellen
ÖRTLICHEN FACHSTELLEN
Anzahl der Leistungen

Fördermittel in Mio. Euro

14.000

70

12.000

60

10.000

44,7

50

40,5
8.000

40
31,8
27,9

6.000

28,1
30

23,8
21,6
12.425

11.575

9.235

8.070

7.290

6.495

6.039

4.000

6.658

18,9

10

2.000

0

2008

2009

2010

2011

Menschen selbst. Dazu haben die Mitarbeiter der Fachstellen rund 2.450 Betriebs- und 100 Hausbesuche absolviert.
Die im Folgenden dargestellten Zahlen stellen die verauslagten Mittel dar und zeigen die Entwicklung bei den Leistungen für schwerbehinderte Menschen und deren Arbeitgeber, die vom LVR-Integrationsamt bzw. den 38 örtlichen
Fachstellen im Rheinland in den letzten Jahren gewährt
worden sind. Die Grafiken und Tabellen stellen die einzelnen Leistungen dar, die nach den verschiedenen gesetzlichen Anspruchsgrundlagen bewilligt worden sind.
Dabei wird ausgewiesen, ob sich das Zahlenmaterial auf
Einzelmaßnahmen, Arbeitsplätze oder Personen bezieht.
Im Jahr 2015 sind die Arbeitgeber im Rheinland mit mehr
als 32 Mio. Euro bei der Beschäftigung schwerbehinderter
Menschen unterstützt worden. Mit mehr als 12 Mio. Euro
sind Integrationsprojekte gefördert worden. Die schwerbehinderten Menschen selbst haben Förderungen in
Höhe von mehr als 7 Mio. Euro erhalten.

54

20

2012

2013

2014

2015

0

Die Förderungen im Einzelnen:
Arbeitgeber erhalten für die Schaffung neuer Ausbildungs- und Arbeitsplätze für schwerbehinderte
Menschen einen Zuschuss zu den Investitionskosten.
202  neue Arbeitsplätze sind im Berichtsjahr neu geschaffen worden. Jedes neue Arbeitsverhältnis wurde
im Durchschnitt mit 8.160 Euro investiv gefördert. 86 bestehende, behinderungsbedingt und betriebsbedingt
gefährdete Arbeitsverhältnisse sind gesichert worden,
indem neue behinderungsgerechte Arbeitsplätze in den
Unternehmen geschaffen wurden, auf denen die behinderten Menschen weiter beschäftigt werden konnten. Der
Erhalt eines ­Arbeitsverhältnisses ist mit durchschnittlich
11.500 Euro gefördert worden. Der Schwerpunkt der Investitionskostenförderung liegt seit Jahren bei kleineren
und mittleren Betrieben. Ein gutes Viertel der neugeschaffenen Arbeitsplätze und ein Fünftel der Maßnahmen zur Erhaltung des Arbeitsverhältnisses unterstützen
schwerbehinderte Frauen.

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

TABELLE
Tabelle
20:20:
Regionale Verteilung
REGIONALE
VERTEILUNG
der Leistungen
DER LEISTUNGEN
und Fördersummen
UND FÖRDERSUMMEN
im Jahr 2015IM
anJAHR
Arbeitgeber
2015 AN
und
ARBEITGEBER UND
schwerbehinderte Menschen
SCHWERBEHINDERTE
MENSCHEN
Leistungen insgesamt

davon durch das
LVR-Integrationsamt

davon durch die
örtlichen Fachstellen

Fallzahlen

Zuschüsse und
Darlehen in Euro

Fallzahlen

Zuschüsse und
Darlehen in Euro

Fallzahlen

Zuschüsse und
Darlehen in Euro

StädteRegion Aachen

455

2.870.718

62

2.023.418

393

847.300

Stadt Bonn

656

2.811.256

206

1.636.228

450

1.175.028

Stadt Duisburg

476

1.563.703

114

997.970

362

565.733

Kreis Düren

260

1.495.611

106

847.247

154

648.364

Stadt Düsseldorf

515

2.400.142

208

1.572.209

307

827.933

Stadt Essen

489

2.528.305

151

1.595.373

338

932.932

Kreis Euskirchen

351

1.529.619

75

708.326

276

821.293

Kreis Heinsberg

115

534.711

44

312.845

71

221.866

Kreis Kleve

293

1.322.410

117

833.306

176

489.104

Stadt Köln

1.366

6.120.630

496

4.424.132

870

1.696.498

Stadt Krefeld

284

1.378.890

91

771.216

193

607.674

Stadt Leverkusen

264

1.293.417

68

618951

196

674.466

Kreis Mettmann

360

1.560.802

112

893.883

248

666.919

Stadt
Mönchengladbach

159

784.917

60

518.023

99

266.894

Stadt
Mülheim a. d. Ruhr

117

381.054

30

180.446

87

200.608

Oberbergischer Kreis

225

930.585

80

537.381

145

393.204

Stadt Oberhausen

98

510.971

35

264.720

63

246.251

Stadt Remscheid

117

536.668

42

302.210

75

234.458

Rhein-Erft-Kreis

493

1.796.706

135

1.013.545

358

783.161

Rheinisch-Bergischer
Kreis

283

1.336.110

105

755.603

178

580.507

Rhein-Kreis Neuss

404

1.683.619

96

801.710

308

881.909

Rhein-Sieg-Kreis

389

2.275.686

166

1.257.550

223

1.018.136

Stadt Solingen

259

824.218

64

543.640

195

280.578

Kreis Viersen

140

749.386

61

434.395

79

314.991

Kreis Wesel

560

2.418.259

157

1.186.580

403

1.231.679

Stadt Wuppertal

713

1.985.523

138

1.124.830

575

860.693

Im Rahmen der finanziellen Leistungen an Arbeitgeber
für die Schaffung von Arbeitsplätzen fördert das LVR-­
Integrationsamt auch die Einrichtung und behinderungsgerechte Gestaltung von Ausbildungsplätzen. Im Jahr 2015
unterstützte das LVR-Integrationsamt mit 16 Maßnahmen
die Einrichtung von Ausbildungsplätzen für schwerbehinderte Auszubildende. Dafür hat das LVR-Integrationsamt
63.800 Euro verauslagt. Ein Fünftel der Maßnahmen unterstützte die Eingliederung von schwerbehinderten jungen Frauen in den allgemeinen Arbeitsmarkt.
Nicht beschäftigungspflichtige Arbeitgeber können für
Jugendliche und junge Erwachsene, bei denen der Grad
der Behinderung geringer ist als 30 oder ein Grad der

Behinderung noch nicht festgestellt wurde, vom LVR-Integrationsamt Zuschüsse und Prämien zur Berufsausbildung erhalten. Das LVR-Integrationsamt hat im Jahr 2015
TABELLE
Tabelle
21:21:
Leistungen zurZUR
LEISTUNGEN
Schaffung
SCHAFFUNG
von Arbeitsplätzen
VON ARBEITSPLÄTZEN
Leistungen / Beträge
2015

304 / 2,7 Mio. Euro

2014

217 / 1,9 Mio. Euro

2013

242 / 1,9 Mio. Euro

2012

312 / 2,1 Mio. Euro

2011

423 / 3,2 Mio. Euro

SEITE

55

LVR-INTEGRATIONSAMT

bei 24 jungen Menschen mit Behinderung die Ausbildung
gefördert, indem zu den (Prüfungs-)Gebühren der Innungen Zuschüsse von rund 15.000 Euro gewährt wurden.
Für 39 Ausbildungsverhältnisse sind Prämien in Höhe von
68.000 Euro gezahlt worden.
Arbeitgeber können einen finanziellen Ausgleich erhalten, wenn die Beschäftigung des schwerbehinderten
Menschen mit einem zusätzlichen Aufwand verbunden
ist, z. B. wenn ihm durch die Arbeitsplatzausstattung
überdurchschnittlich hohe finanzielle Aufwendungen
entstehen oder der Unterstützungsbedarf nicht durch
­andere Leistungen bzw. nur durch das kollegiale Umfeld
ausgeglichen werden kann.

Arbeit­geber und schwerbehinderte Menschen zur behinderungsgerechten Gestaltung der Arbeitsplätze.
Sie fördern, auch wenn es um Ersatzbeschaffungen
geht, der Arbeitsplatz an die technische Entwicklung
angepasst werden muss oder behinderungsbedingt Teilzeitarbeitsplätze eingerichtet werden. Die durchschnittliche Förderhöhe im Jahr 2015 betrug 3.315 Euro pro
Maßnahme.
TABELLE
Tabelle
23:23:
Behinderungsgerechte Gestaltung
BEHINDERUNGSGERECHTE
GESTALTUNG
von
VON ARBEITSArbeitsplätzen
PLÄTZEN
Leistungen / Beträge

TABELLE
Tabelle
22:22:
Hilfen beiBEI
HILFEN
außergewöhnlichen
AUSSERGEWÖHNLICHEN
Belastungen*
BELASTUNGEN*
Integrationsamt

Örtl. Fachstellen

Beschäftigungs­
sicherung
Leistungen / Beträge

Personelle
Unterstützung
Leistungen / Beträge

2015

3.922 / 12,7 Mio. Euro

3.773 / 9,5 Mio. Euro

2014

3.847 / 11,4 Mio. Euro

3.294 / 8,4 Mio. Euro

2013

2.307 / 6,4 Mio. Euro

2.923 / 6,4 Mio. Euro

2012

1.760 / 5,7 Mio. Euro

2.485 / 6,3 Mio. Euro

2011

1.440 / 4,7 Mio. Euro

2.760 / 5,5 Mio. Euro

* ohne Integrationsprojekte

Beschäftigungssicherungszuschuss (früher Minderleistungsausgleich): Das LVR-Integrationsamt kann
einen finanziellen Zuschuss gewähren, wenn die Arbeitsleistung des schwerbehinderten Menschen behinderungsbedingt gegenüber der geforderten Normalleistung eines Beschäftigten um mindestens 30,  aber
höchstens 50 Prozent gemindert ist. Die Arbeitsverhältnisse von 3.922 schwerbehinderten und gleichge­stellten
behinderten Menschen konnten mit einem durchschnittlichen Zuschuss von 3.236 Euro gesichert werden.
Personelle Unterstützung: Die örtlichen Fachstellen bewilligen finanzielle Hilfen an den Arbeitgeber, wenn der
schwerbehinderte Beschäftigte an seinem Arbeitsplatz
Unterstützung benötigt und diese vom Betrieb selbst, z. B.
durch Kolleginnen/Kollegen, erbracht wird. Die Arbeitsverhältnisse von 3.773 schwerbehinderten und gleichgestellten behinderten Menschen konnten mit einem durchschnittlichen Zuschuss von 2.526 Euro gesichert werden.
Die örtlichen Fachstellen im Rheinland verwenden
den größten Teil ihrer Ausgaben für Leistungen an den

56

2015

2.135 / 7,1 Mio. Euro

2014

2.048 / 6,2 Mio. Euro

2013

2.016 / 6,3 Mio. Euro

2012

2.302 / 6,1 Mio. Euro

2011

1.930 / 6,0 Mio. Euro

Arbeitsassistenz soll Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung bestimmte Handreichungen am Arbeitsplatz
nicht selbst ausführen können, ansonsten aber in der
Lage sind, ihre arbeitsvertraglichen Pflichten zu erfüllen,
die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen. Diese Hilfestellung übernimmt die Assistenzkraft auf Anweisung des
behinderten Beschäftigten. Auftraggeber für die Dienstleistungen der persönlichen Assistenz ist der behinderte Mensch selbst. Er/Sie wird also zum Arbeitgeber/zur
Arbeitgeberin und stellt die Assistenzkraft selbst ein oder
­beauftragt einen Dienstleister auf eigene Rechnung mit
der Assis­tenz. Das LVR-Integrationsamt erbringt diese
Förderung / Geldleistung in Form eines Budgets. Die Leistungshöhe bemisst sich dabei anhand des individuellen
durchschnittlichen arbeitstäglichen Unterstützungsbedarfs an Arbeitsassistenz. Die Förderung muss in einem
ausgewogenen Verhältnis zu dem vom schwerbehinderten Menschen selbst erzielten sozialversicherungspflichtigen Einkommen stehen. Im Jahr 2015 finanzierte das
TABELLE
Tabelle
24:24:
Arbeitsassistenz
ARBEITSASSISTENZ
Jahr

Leistungen

davon
Frauen

Fördersumme
in Euro

ø monatliche
Förderung
in Euro

2015

286

136

3.890.033

1.133,46

2014

344

157

3.682.184

892,00

2013

342

157

3.052.940

743,89

2012

319

135

3.244.740

847,63

2011

274

106

2.229.931

678,20

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

LVR-Integrationsamt in 286 Fällen schwerbehinderten
Menschen ein Budget für eine notwendige Arbeitsassistenz. Fast jede zweite Förderung ist an eine schwerbehinderte Frau geflossen. Insgesamt hat das LVR-Integrationsamt rund 3,9 Mio. Euro aufgewendet. Antragstellende
sind zum überwiegenden Teil ­Menschen mit schweren
körperlichen Behinderungen bzw. Sinnesbehinderungen.
Die Steigerung der durchschnittlichen monatlichen Zuschüsse basiert auf den neuen Regelungen der aktualisierten BIH-Empfehlungen.
Durch berufliche Fort- und Weiterbildungen sollen die
beruflichen Kenntnisse der schwerbehinderten Menschen erhalten oder der technischen Entwicklung angepasst werden. Sie sollen auch einen beruflichen Aufstieg
ermöglichen oder einer Gefährdung des Arbeitsplatzes
vorbeugen. Im Durchschnitt ist die Teilnahme an beruf­
lichen Maßnahmen mit 3.060 Euro gefördert worden.

gilt nicht nur für die Erst- oder Ersatzbeschaffung, sondern auch für Wartung, Instandhaltung und die Ausbildung im Gebrauch der technischen Arbeitshilfen. Pro Fall
sind im Berichtsjahr im Durchschnitt 2.350 Euro von den
Fachstellen gezahlt worden.
Wenn ein Kraftfahrzeug infolge der Behinderung zum Erreichen des Arbeits- oder Ausbildungsplatzes erforderlich
ist, können schwerbehinderte Menschen verschie­
dene
Kraftfahrzeughilfen erhalten. Die Leistungen können
umfassen: Zuschüsse zur Beschaffung eines Kraftfahrzeuges, Übernahme der Kosten für behinderungsbedingte Zusatzausstattung, Zuschüsse zum Erwerb der
Fahrerlaubnis und Leistungen in Härtefällen (z. B. Reparaturen, Beförderungsdienste). Der durchschnittliche Zuschuss betrug im Jahr 2015 rund 3.820 Euro.
TABELLE
Tabelle
27:27:
Kraftfahrzeughilfen
KRAFTFAHRZEUGHILFEN

TABELLE
Tabelle
25:25:
Fort- und
FORTUND
Weiterbildungsmaßnahmen
WEITERBILDUNGSMASSNAHMEN

Leistungen / Beträge
2015

241 / 0,9 Mio. Euro

Leistungen / Beträge

2014

224 / 0,6 Mio. Euro

2015

272 / 0,8 Mio. Euro

2013

243 / 0,9 Mio. Euro

2014

211 / 0,7 Mio. Euro

2012

245 / 0,7 Mio. Euro

2013

239 / 0,8 Mio. Euro

2011

205 / 0,8 Mio. Euro

2012

222 / 0,7 Mio. Euro

2011

254 / 0,9 Mio. Euro

Technische Arbeitshilfen für schwerbehinderte Menschen sollen die bestehenden Fähigkeiten nutzen, unterstützen und gleichzeitig schützen, aber auch behinderungsbedingte Einschränkungen zumindest teilweise
ausgleichen. Je nach Behinderung wird damit die Berufstätigkeit überhaupt erst ermöglicht, die Arbeitsausführung erleichtert bzw. die Arbeitsbelastung verringert
und die Arbeitssicherheit gewährleistet. Für technische
Arbeitshilfen, die nicht in das Eigentum des Arbeitgebers
übergehen, können die örtlichen Fachstellen den schwerbehinderten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Zuschüsse bis zur vollen Höhe der Kosten gewähren. Dies

Schwerbehinderte Menschen können Darlehen oder
Zinszuschüsse zur Gründung und zur Erhaltung e
­ iner
selbstständigen beruflichen Existenz in Anspruch nehmen, wenn sie die erforderlichen persönlichen und fachlichen Voraussetzungen für die Ausübung der T
­ ätigkeit
erfüllen, sie ihren Lebensunterhalt durch die Tätigkeit
voraussichtlich auf Dauer im Wesentlichen sicher­
stellen können und die Tätigkeit unter Berücksichtigung
von Lage und Entwicklung des Arbeitsmarktes erfolg­
versprechend ist. Im Durchschnitt ist eine Existenzgründung mit 8.375 Euro unterstützt worden.
TABELLE
Tabelle
28:28:
Gründung und
GRÜNDUNG
UND
Erhaltung
ERHALTUNG
einer selbSTständigen
EINER SELBSTSTÄNDIGEN
beruflichen
Existenz
BERUFLICHEN
EXISTENZ

TABELLE
Tabelle
26:26:
Technische Arbeitshilfen
TECHNISCHE
ARBEITSHILFEN

Leistungen / Beträge
2015

14 / 0,1 Mio. Euro

Leistungen / Beträge

2014

12 / 0,1 Mio. Euro

2015

503 / 1,2 Mio. Euro

2013

16 / 0,1 Mio. Euro

2014

475 / 1,1 Mio. Euro

2012

31 / 0,2 Mio. Euro

2013

478 / 1,1 Mio. Euro

2011

13 / 0,1 Mio. Euro

2012

427 / 0,9 Mio. Euro

2011

520 / 1,0 Mio. Euro
SEITE

57

LVR-INTEGRATIONSAMT

TABELLE
Tabelle
29:29:
Wohnraumbeschaffung und UND
WOHNRAUMBESCHAFFUNG
Wohnraumgestaltung
WOHNRAUMGESTALTUNG
Leistungen / Beträge
2015

46 / 0,1 Mio. Euro

2014

40 / 0,1 Mio. Euro

2013

46 / 0,1 Mio. Euro

2012

38 / 0,1 Mio. Euro

2011

58 / 0,1 Mio. Euro

Schwerbehinderte Menschen, die auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt sozialversicherungspflichtig beschäftigt
sind, erhalten bei Vorliegen der persönlichen Voraussetzungen Zuschüsse im Rahmen der Wohnungshilfe von
ihrem jeweiligen Rehabilitationsträger. Für Selbstständige
und Beamte sind die örtlichen Fachstellen Ansprechpartner. Förderfähig sind Maßnahmen, die der Beschaffung
und / oder behinderungsgerechten Gestaltung von Wohnraum dienen. Es können auch Zuschüsse zu den Kosten
eines Umzuges gewährt werden, wenn der Umzug aus
Gründen der Erwerbstätigkeit erfolgt. Die Fachstellen haben für diese Leistung im Jahr 2015 pro Maßnahme e
­ inen
durchschnittlichen Zuschuss von 3.108 Euro gewährt.

Gebärdendolmetschen im betrieblichen
GEBÄRDENDOLMETSCHEN
IM BETRIEBLICHEN
Alltag ALLTAG
Menschen mit einer Hörschädigung können in vielen Situationen professionelle Gebärdendolmetscherinnen/
Gebärdendolmetscher in Anspruch nehmen, um ungehindert Zugang zu Informationen zu erhalten oder selbstbestimmt Entscheidungen treffen zu können. Im Arbeitsleben gibt es eine ganze Reihe von Situationen, die den
Einsatz einer Gebärdendolmetscherin/eines Gebärdendolmetschers erfordern: Vorstellungsgespräche, Teambesprechungen, Mitarbeitergespräche, Personal- oder Betriebsversammlungen, Fortbildungen, aber auch Kundenkontakte. Das LVR-Integrationsamt und die Fachstellen im Rheinland finanzieren Gebärdendolmetscherinnen
und Gebärdendolmetscher entweder im Rahmen der Arbeitsassistenz als Budget, als Individualleistung an den
schwerbehinderten Menschen selbst oder als Ausgleich behinderungsbedingter außergewöhnlicher Belastungen an den Arbeitgeber des hörgeschädigten Menschen. Die Fachstellen im Rheinland haben im Jahr 2015 insgesamt 7.147 Stunden Gebärdendolmetsch-Dienstleistungen mit rund 855.000 Euro (inkl. Nebenkosten) finanziert.

TABELLE
Tabelle
30:30:
Leistungen anAN
LEISTUNGEN
Arbeitgeber
ARBEITGEBER
und schwerbehinderte
UND SCHWERBEHINDERTE
Menschen nach
MENSCHEN
Leistungsart
NACH
und
LEISTUNGSART
Geschlecht UND GESCHLECHT
Aufwand in Euro

Zahl der Leistungen Zahl der Leistungen
an Frauen
insgesamt

Leistungen an schwerbehinderte Menschen (ohne Sonderprogramme)
Technische Arbeitshilfen

1.182.310

503

255

Hilfen zum Erreichen des Arbeitsplatzes

920.903

241

104

Hilfen zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit

117.257

14

1

Hilfen zur Beschaffung, Ausstattung und Erhaltung
einer behinderungsgerechten Wohnung

142.982

46

21

Hilfen zur Teilnahme an Maßnahmen zur Erhaltung und
Erweiterung beruflicher Kenntnisse und Fähigkeiten

832.699

272

114

Hilfen in besonderen Lebenslagen

579.997

373

168

Kostenersatz einer notwendigen Arbeitsassistenz

3.890.033

286

136

Gesamt

7.666.181

1.735

799

Leistungen an Arbeitgeber (ohne Integrationsprojekte und Sonderprogramme)
Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen

2.701.539

304

79

Behinderungsgerechte Einrichtung von Arbeits- und
Ausbildungsplätzen

7.078.257

2.135

951

Prämien und Zuschüsse zur Berufsausbildung

83.049

63

15

Leistungen bei außergewöhnlichen Belastungen

22.221.036

7.695

3.205

Gesamt

32.083.881

10.197

4.250

58

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

9.2 Förderung von Integrationsprojekten
Integrationsprojekte sind rechtlich und wirtschaftlich
selbstständige Unternehmen oder unternehmensinterne
Betriebe bzw. Abteilungen zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt,
deren Teilhabe an einer sonstigen Beschäftigung auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt auf besondere Schwierigkeiten stößt.
Es werden insbesondere schwerbehinderte Menschen
mit einer geistigen, seelischen oder schweren – sich
für eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
besonders nachteilig auswirkenden – Körper-, Sinnesoder Mehrfachbehinderung beschäftigt sowie schwerbehinderte (junge) Menschen, die aus einer Förderschule oder – nach zielgerichteter Vorbereitung – aus einer
Werkstatt für behinderte Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wechseln. Mindestens ein Viertel der
Belegschaft muss sich aus den zuvor genannten Personengruppen zusammensetzen, damit das Unternehmen
als Integrationsprojekt anerkannt werden kann. Der
Anteil der schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitersoll 50 Prozent nicht übersteigen. Die Beschäftigung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterliegt
den normalen arbeitsrechtlichen Regelungen. Für die
Bezahlung der gesamten Belegschaft gelten tarifliche
bzw. branchenübliche ­Konditionen.
Die Integrationsprojekte können ebenso wie jeder ­andere
Arbeitgeber die Leistungen der Begleitenden Hilfe im
Arbeitsleben des LVR-Integrationsamtes in Anspruch
­
nehmen. Darüber hinaus finanziert das LVR-Integrations­
amt eine betriebswirtschaftliche Beratung bei Aufbau,
Erweiterung oder Krisen. Zusätzlich kommen Leistungen
der Reha-Träger nach dem SGB IX bzw. Eingliederungszuschüsse nach dem SGB III in Betracht.
Bis Ende 2015 ist die Zahl der anerkannten Integrationsprojekte im Rheinland auf 117 und die Zahl der bewilligten
Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen auf 1.570
gestiegen. Bis Jahresende sind in den Integrationsprojekten mehr als 3.700 Arbeitsverhältnisse entstanden.
1.465  Personen sind schwerbehindert; 1.342 Personen
gehören der besonderen Zielgruppe der Integrationsprojekte (vgl. § 132 Abs. 2 SGB IX) an.
Die Größe der Integrationsprojekte bezogen auf die Beschäftigtenzahlen variiert stark und reicht von 2 bis 135
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Bei den Ge­
schäftsfeldern stehen weiterhin der Garten- und Landschaftsbau, der Großküchen- und Catering-Bereich,

­Wäscherei-Leistungen sowie diverse Dienstleistungsangebote im Vordergrund.
Die regionale Verteilung der Integrationsprojekte in den
Kreisen und kreisfreien Städten im Rheinland ist sehr
unterschiedlich: So konnte sich in Mülheim a. d. R. noch
kein Integrationsunternehmen etablieren, während in
Köln 19 und in Aachen 10 Integrationsunternehmen am
Markt agieren. Die Karte auf Seite 61 zeigt die regionale
Verteilung.
Seit 2008 beteiligt sich das Land NRW – zunächst im
Rahmen des Landesprogramms „Integration unternehmen!“ – an den Investitionskosten bei der Gründung bzw.
der Erweiterung von Integrationsprojekten. Im Jahr 2011
hat sich das Land entschieden, die Förderung in eine Regelförderung zu überführen. Pro Jahr stellt das Land NRW
nunmehr für das Rheinland 1,25 Mio. Euro zur Verfügung,
um 125 neue Arbeitsplätze für ­Personen der besonderen Zielgruppe zu schaffen. Das LVR-Integrations­amt hat
2015 weitere 1,4 Mio. Euro für die Gründung, Erweiterung
und Modernisierung der Integrationsprojekte ausgegeben. Für die Beschäftigung der besonders betroffenen
schwerbehinderten Menschen sind 5,6 Mio. Euro für ­einen
pauschalierten Beschäftigungssicherungszuschuss und
2,8 Mio. Euro für den besonderen Aufwand für arbeitsbegleitende Maßnahmen gezahlt worden. Damit sind im
Jahr 2015 in die Förderung der rheinischen Integrationsprojekte 10 Mio. Euro aus Mitteln der Ausgleichsabgabe
geflossen.
Bei den Behinderungsarten stehen die schweren Körperbehinderungen mit 54 Prozent im Vordergrund. Bei knapp
23 Prozent der besonders betroffenen schwerbehinderten Menschen liegt eine seelische und bei knapp 23 Prozent eine geistige Behinderung vor.
Eine Erhebung des LVR-Integrationsamtes bei den rheinischen Integrationsprojekten hat ergeben, dass fast
85  Prozent der schwerbehinderten Beschäftigten einen
Schulabschluss haben. Aber nur noch 43 Prozent der
Zielgruppen-Mitarbeitenden verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung. In Integrationsprojekten
wird überwiegend (60 %) in Vollzeit gearbeitet. Ein knappes Fünftel der Beschäftigungsverhältnisse ist befristet
abgeschlossen. Über ein Drittel der beschäftigten Zielgruppenmitarbeiter ist weiblich.

SEITE

59

LVR-INTEGRATIONSAMT

Integrationsprojekte: marktorientiert und
w
­ irtschaftlich
wirtschaftlich
Im Rahmen meiner Tätigkeit als betriebswirtschaftlicher
Berater der Integrationsprojekte im Rheinland konnte ich
in den vergangenen Jahren nicht nur eine deutliche Zunahme der Integrationsunternehmen und –abteilungen,
sondern ebenso eine kontinuierliche Erhöhung der Wirtschaftlichkeit innerhalb der bestehenden Unternehmen
feststellen.
Diese positive Entwicklung ist umso bemerkenswerter,
wenn man berücksichtigt, dass sich die meisten Integrationsunternehmen in Märkten bewegen, die durch einen
intensiven Wettbewerb und eine nahezu stagnierende
Nachfrage gekennzeichnet sind. In diesem Umfeld wird
die konsequente Marktorientierung neben der geeigneten Personalauswahl und dem behinderungsgerechten
Einsatz der Mitarbeitenden zum zentralen Erfolgsfaktor
für Integrationsunternehmen, um am Markt bestehen zu
können.

Die generelle Herausforderung für Integrationsunternehmen liegt darin, sowohl eine soziale Zielsetzung zu formulieren, deren Ausmaß die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens nicht überfordert als auch bei
allem wirtschaftlichen Handeln das eigentliche soziale
Unternehmensziel nicht zu vergessen. Betrachtet man
die Entwicklung der Wirtschaftlichkeit und der Marktorientierung gerade in diesem Spannungsfeld zwischen sozialen und wirtschaftlichen Zielen, so darf sicherlich von
beachtlichen Erfolgen gesprochen werden. Die Bedeutung einer zuverlässigen laufenden Förderung ist dabei
nach wie vor hoch. Den Unternehmen gelingt es jedoch in
zunehmendem Maße, das Verhältnis zwischen Ertrag und
Aufwand zu optimieren.
In der notwendigen Professionalisierung hin zu einer
marktorientierten Unternehmensführung ist aber auch
eine künftige Aufgabe zu sehen, sodass Integrationsunternehmen dauerhaft und erfolgreich am Markt bestehen
und die Arbeitsplätze für Mitarbeitende mit Schwerbehinderung langfristig gesichert werden können.

Integrationsunternehmen verfügen in der Regel über die
notwendige Kompetenz zur Auswahl geeigneter Einsatzmöglichkeiten, zur Arbeitsplatzgestaltung und zur Begleitung im Arbeitsprozess für die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter mit Schwerbehinderung. Und sie können dieses Know-how auch immer mehr mit den betriebswirtschaftlich notwendigen Strukturen in Einklang bringen.
Gleichwohl ist anzumerken, dass Informationen über
relevante Wettbewerber, Marktpreise und Kundenbedürfnisse insbesondere bei Gründungskonzeptionen noch
immer die Ausnahme sind und eine konsequente Orientierung am Markt auch im laufenden Betrieb nicht immer
anzutreffen ist.

Helmut Volkenandt
FAF gGmbH

SEITE

60

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

GRAFIK10:
Grafik
10:
Standorte derDER
STANDORTE
Integrationsprojekte
INTEGRATIONSPROJEKTE
in den LVR-Mitgliedskörperschaften
IN DEN LVR-MITGLIEDSKÖRPERSCHAFTEN

Kreis Kleve
4/188/70

Duisburg 7/93/61
Oberhausen 1/9/5

Kreis Wesel
3/37/20

Mülheim a. d. Ruhr
0/0/0

Düsseldorf 3/69/38

Essen
5/202/116
Mönchengladbach
7/341/160

Kreis Viersen
1/5/5

Krefeld
2/34/15

Wuppertal 5/37/20

Kreis Mettmann
1/20/5

Solingen 7/250/104
Remscheid 1/13/6
Leverkusen 1/6/4

Kreis Heinsberg
1/5/3

Rhein-Kreis Neuss
3/91/37

Rhein-Erft-Kreis
7/174/106

Aachen
StädteRegion
10/147/94

Köln
19/861/
405

RheinischBergischer
Kreis
6/165/107

Oberbergischer Kreis
1/79/60

Rhein-Sieg-Kreis
8/174/87

Kreis Düren
5/73/39
Bonn
9/109/
68

Kreis Euskirchen
4/106/53

Legende:
Anzahl Integrationsprojekte / Anzahl Arbeitsplätze insgesamt / Anzahl der Arbeitsplätze für den Personenkreis
des § 132 Abs. 2 SGB IX
(Stand der Daten: Februar 2016)
SEITE

61

LVR-INTEGRATIONSAMT

9.3 Beratung und Betreuung durch die Fachdienste des
LVR-Integrationsamtes
Die Arbeit des LVR-Integrationsamtes verfolgt das Ziel,
schwerbehinderten und gleichgestellten behinderten
Menschen dauerhaft eine behinderungsgerechte Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen,
zu erleichtern und zu sichern. Dabei ­sollen die schwerbehinderten Menschen ihre Fähigkeiten und Kenntnisse
einbringen und sich am Arbeitsplatz im Wettbewerb mit
nichtbehinderten Menschen behaupten k
­ önnen.
Eine angemessene Unterstützung durch das LVR-Inte­
grationsamt beinhaltet dabei mehr als die finanzielle
Förderung von Maßnahmen. In vielen Fällen ist es aber
gerade die Beratung in behinderungsspezifischen, betriebswirtschaftlichen oder technischen Fragestellungen
oder die fachliche Begleitung in einem Entwicklungsprozess, auf die es ankommt. Um dabei angemessen unterstützen zu können, hält das LVR-Integrationsamt ein umfangreiches Beratungs- und Begleitungsangebot durch
eigene und beauftragte Fachdienste vor.
9.3.1 Betriebswirtschaftliche Beratung von Integra­
tionsprojekten
Um den besonderen Bedürfnissen und Anforderungen an
Integrationsprojekte – im Spannungsverhältnis zwischen
sozialem und wirtschaftlichem Unternehmenszweck –
gerecht zu werden, ist die Fachberatung für Arbeits- und
Firmenprojekte (FAF gGmbH) seit 2001 mit der Einrichtung eines festen Beratungsangebotes für die Integrationsprojekte beauftragt. Die betriebswirtschaft­liche Beratung von Integrationsprojekten umfasst insbesondere
•	eine Gründungsberatung interessierter gewerblicher
oder sozialer Träger,
•	die Beratung bei Erweiterungs- oder Modernisierungsmaßnahmen in bestehenden Integrationsprojekten,
•	die laufende betriebswirtschaftliche Beratung und Begutachtung von Integrationsprojekten,
•	die Beratung in Konsolidierungsphasen und Krisensituationen.
In Geschäftsfeldern, die eine besondere Expertise benötigen, wie z. B. dem Lebensmittel-Einzelhandel oder der
Gastronomie bzw. der Hotellerie, werden weitere externe
Beratungsdienstleistungen, z. B. von der DEHOGA, in Anspruch genommen.
Der Bedarf an betriebswirtschaftlicher Beratung verlagert sich. Während in früheren Jahren noch durch-

62

schnittlich 60 Beratungen pro Jahr zur Gründung eines
Integrationsprojektes durchgeführt wurden, waren es im
Jahr 2015 noch 45 Beratungen. Wesentliche Aufgabe der
betriebswirtschaftlichen Fachberatung ist es dabei, die
Gründungsinteressenten bei der Erstellung eines aussagekräftigen Unternehmenskonzeptes zu unterstützen
und die Marktfähigkeit der Produkte und Dienstleistungen zu analysieren und zu bewerten. Dafür hat die
­FAF gGmbH eigens eine Planungshilfe entwickelt, die den
Antragstellenden zur Verfügung gestellt wird.
Zugenommen hat die Beratung von am Markt etablierten
Integrationsprojekten. 46 Integrationsprojekte haben sich
bezüglich Erweiterungen beraten lassen. Die Intensität
der Beratungsprozesse sowie die Komplexität der Fragestellungen haben sich gesteigert. Die U
­ nterstützung
von Integrationsprojekten – insbesondere im sozialen / gemeinnützigen Bereich – bei unternehmerischen Entscheidungen, Managementfragen und der (Neu-)Positionierung am Markt steht weiterhin im Vordergrund.
Bei 113 Integrationsprojekten ist die Geschäftsentwicklung anhand von betriebswirtschaftlichen Auswertungen
(BWA) analysiert worden. Bei (neu gegründeten) Unternehmen in sehr wettbewerbsintensiven Branchen wie
Gastronomie oder Lebensmittel-Einzelhandel erfolgt ein
quartalsweises Controlling. Auffällige Geschäftsentwicklungen werden dem LVR-Integrationsamt mitgeteilt und
in einem gemeinsamen Termin vor Ort thematisiert.
Die Zuschussgeber für Integrationsprojekte wie zum Beispiel Aktion Mensch e. V., Stiftung Wohlfahrtspflege NRW
oder die Kämpgen-Stiftung nutzen die Gutachten und Stellungnahmen der beiden betriebswirtschaftlichen Fachberater der FAF gGmbH als Grundlage für ihre ­eigenen
Förderentscheidungen. Dies erleichtert den rheinischen
Integrationsprojekten den Zugang zu weiteren Fördermittelgebern, ohne dass zusätzlicher finanzieller oder personeller Aufwand entsteht. Die betriebswirtschaftliche und
branchenspezifische Beratung wird mit etwas mehr als
175.000 Euro aus Mitteln der Ausgleichs­abgabe finanziert.
9.3.2 Technischer Beratungsdienst im LVR-Integrations­
amt
Technische Arbeitshilfen sollen die vorhandenen Fähigkeiten von Beschäftigten mit Behinderung fördern und
Restfähigkeiten nutzen und unterstützen. Technische
­Arbeitshilfen können aber auch ausgefallene F
­ ähigkeiten –

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

zu­­mindest teilweise – ersetzen, Arbeitsbelastungen verringern und die Arbeitssicherheit gewährleisten. Bei
bestimmten Behinderungen ermöglichen technische
Arbeits­hilfen überhaupt erst die Arbeitstätigkeit. Technische Arbeitshilfen sind zumeist Bestandteil einer umfassenden ergonomischen und behinderungsgerechten Gestaltung des Arbeitsplatzes und seines Umfelds.
Die Ingenieure des LVR-Integrationsamtes sind daher die
ersten Ansprechpersonen in technischen, organisatorischen und ergonomischen Fragestellungen bei der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen und dem Erhalt
ihrer Arbeitsverhältnisse. Sie unterstützen Arbeitgeber,
schwerbehinderte Beschäftigte und das betriebliche Integrationsteam sowie andere mit der Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben befasste Personen
durch die Erarbeitung von innovativen, individuellen und
behinderungsspezifischen Lösungsvorschlägen, zugeschnitten auf den betrieblichen Alltag in den Unternehmen,
Verwaltungen und Integrationsprojekten im Rheinland.
Die 11 technischen Fachberaterinnen und Fachberater
des LVR-Integra­
tionsamtes bringen ganz verschiedene
Fachbereiche (Technische Gebäudeausrüstung, Produktionstechnik, Chemie, Medizin- und Gesundheitstechnik, Bautechnik, Facility-Management, Maschinenbau,
Fahrzeugtechnik und Elektrotechnik) und ein spezielles
Wissen über Behinderungen und die sich daraus ergebenden Funktionseinschränkungen in ihre tägliche Arbeit
vor Ort mit ein. Dieses Wissen sichert eine umfassende und ganzheitliche Beratung des komplexen Systems
„Mensch – Maschine – Umwelt“ und ist Garant für eine
gute, praxisorientierte Lösung.

tung und -gestaltung. Dazu sind 1.207 Betriebe besucht
und 1.853 arbeitsplatzbezogene Stellungnahmen erstellt
­worden.
Die Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen von Menschen
mit einer Körperbehinderung stehen im Mittelpunkt der
Arbeit der technischen Beraterinnen und Berater (73 %).
Menschen mit einer Hör- oder Sehbehinderung stellen
13 Prozent und Menschen mit kognitiven Einschränkungen 3 Prozent der Klientinnen und Klienten des technischen Beratungsdienstes.
Die Ingenieure des LVR-Integrationsamtes sind regional
tätig und arbeiten Hand in Hand mit den Fachstellen für
behinderte Menschen im Arbeitsleben bei den Kreisen
und Städten im Rheinland. Rund 800 Betriebe sind gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der rheinischen Fachstellen besucht worden mit dem Ziel, konkrete
behinderungsgerechte Anpassungen des Arbeitsplatzes
und des Arbeitsumfeldes in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber und dem schwerbehinderten Beschäftigten zu
realisieren. Für 1.188 Arbeitsplätze konnten so Lösungs­
ansätze entwickelt werden.
Mit rund 350 Betriebsbesuchen und 534 fachtechnischen
Stellungnahmen unterstützt der technische Beratungsdienst die Entscheidungen des LVR-Integrationsamtes zu
Bewilligungen von finanziellen Leistungen zur Teilhabe
am Arbeitsleben. 53 Integrationsprojekte sind bei Aufbau,
Modernisierung und der Einrichtung von behinderungsgerechten Arbeitsplätzen beraten worden. Betriebs­besuche
und Stellungnahmen bei Kündigungsschutzverfahren
spielen eine untergeordnete Rolle.

Der Schwerpunkt der Arbeit des technischen Beratungsdienstes liegt auf dem Gebiet der Arbeitsplatzausstat-

Der Technische Beratungsdienst hat mit seiner Expertise
die Gewährung von 67 Maßnahmen in der Kriegsopferfür-

GRAFIK
Grafik
11:
11:
Betriebsbesuche undUND
BETRIEBSBESUCHE
Verteilung
VERTEILUNG
der
DER
Beauftragungen 20152015
­BEAUFTRAGUNGEN

GRAFIK
12:
Grafik
12:
FACHTECHNISCHE
STELLUNGNAHMEN
Fachtechnische
stellungnahmen

Soziales Entschädigungsrecht

3%

Persönliche Hilfen für schwerbehinderte Beschäftigte
am Arbeitsplatz

Reha-Träger

10 %

2%
LVR-Integrationsamt*

25 %
Fachstellen bei den LVRMitgliedskörperschaften

Investitionen in neue
Arbeitsplätze (Einstellung,
Umsetzung)

12 %

70 %

Behinderungsgerechte
Gestaltung von Arbeitsplätzen
und Arbeitsumfeld

* Begleitende Hilfe, Kündigungsschutz, Integrationsprojekte

78 %
SEITE

63

LVR-INTEGRATIONSAMT

Industrie 4.0:
(Arbeits-) Welt
Die Digitalisierung der (Arbeits-)
Welt
­verändert die Schnittstelle Mensch – Maschine
verändert
Arbeits­ssystem
ystem – eine Herausforderung für
im Arbeits
die Technischen Beraterinnen und Berater
Die Industrie befindet sich zurzeit in einem Wandel hin zu
einer digitalisierten Arbeitswelt. Waren gestern noch die
Komponenten Mensch und Maschine im Arbeitssystem
klar voneinander trennbar, verschwimmen die Grenzen
heute bereits immer mehr. Früher war es aus sicherheitssicherheits­
technischen Aspekten nicht möglich, gemeinsam mit Robotern an einer Montagelinie zu arbeiten. Heute ist es Realität und auch Alltag geworden, mit ihnen gemeinsam zu
arbeiten. Der Kollege Roboter ist endgültig in der Arbeitswelt angekommen. An Konzepten, wie Materialtransporte
via Quadrocopter zum und vom Montageort getätigt werden können, wird aktiv gearbeitet. Dieser Wandel der Industrie fordert die Ingenieure des LVR-Integrationsamtes
und verlangt nach neuen, innovativen Lösungen, um diese
Digitalisierung zur Beschäftigung von schwerbehinderten
Menschen im Beruf nutzbar zu machen.

me gelenkt und kontrolliert genutzt werden können. Ein
für Diabetiker geeignetes Messgerät, welches den Nutzer
einer Maschine vor einem nahenden Zuckerschock warnt
und damit drohende Gefahren vermeidet, greift schon
heute durch ein Nadelpflaster in den menschlichen Organismus ein. 3-D-Drucker sind in der Lage, einbaufertige
Kfz-Komponenten, die an einem Standort entwickelt und
programmiert werden, an einem beliebigen anderen Ort
ausdrucken zu lassen. Dies alles geschieht allein durch
das Versenden eines Datenbus. Das Internet der Dinge***
ist in der Lage, Bauteile zu aktivieren und in die Kommunikationskette einzubinden. In der Lagerhaltung und
Kommissionierung können so Transporte von A nach B
weitgehend automatisch gesteuert werden. Fahrzeuge
werden in naher Zukunft autonom bewegt werden.
Alle diese Entwicklungen werden das Leben erheblich
verändern. Aufgabe der Technischen Beraterinnen und
Berater wird es sein, den Arbeitgebern auf Augenhöhe zu
begegnen und das Wissen rund um die Digitalisierung der
Arbeitswelt in ihr Beratungsportfolio mit einzubeziehen. Sie
werden nach Lösungen suchen, wie die dann in fast unend-

Die Digitalisierung der Arbeitswelt wird für die Bundesrepublik Deutschland erhebliche Veränderungen zur Folge
haben. Deutschland ist im Vergleich zu vielen anderen mitteleuropäischen Staaten Produktionsstandort geblieben. Die
nach Asien verlagerte „verlängerte Werkbank“ ist mittlerweile in Frage gestellt und zunehmende Konflikte in der Welt
erhöhen das Risiko von unsicheren Produktionsstandorten.
Es ist zu erwarten, dass die Industrie 4.0 sich als Erstes
in den Produktionsbetrieben bemerkbar macht, bevor
sie in einer weiteren Phase das Handwerk, den Dienstleistungssektor und andere Bereiche verändert. In der
Fachpresse sind Begrifflichkeiten wie Smart Factory*,
Soft-Robotik** und Humanoide Roboter zu lesen. Zukünftig werden Maschinen miteinander, mit den Werkstücken,
den Transportmitteln und den Menschen kommunizieren.
Das bisherige Arbeitssystem wird sich verändern. Der
Faktor Mensch wird in Zukunft mehr mit der Maschine und
der Umwelt verschmelzen. Für die Integrationsämter und
Rehabilitationsträger werden die technischen und medizinischen Hilfsmittel nicht mehr trennscharf zu unterscheiden sein: Mittels Einsatz von künstlicher Intelligenz
werden Prothesen entwickelt, welche durch Gehirnströ-

Dr. Carsten Brausch
Abteilungsleiter des Technischen Beratungsdienstes im LVR-Integrationsamt

**	 DKFI News, Deutsches Forschungszentrum für künstliche Intelli-

*** Digitale Vernetzung von Gegenständen mit dem Internet, damit

genz, Ausgabe 35 1
1 /  2015

diese Gegenstände selbstständig über das Internet kommunizieren

**	Interaktiv,
**
Interaktiv, Das Kundenmagazin des Fraunhofer Institutes 1
1 / 2
2015
015

und so verschiedene Aufgaben für den Besitzer erledigen.

SEITE

64

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

lichem Maße vorhandenen Kommunikationsdatenströme
für die Menschen mit Behinderung im Beruf zugänglich
und nutzbar gemacht werden können. Mit dem Internet der
Dinge können auch Baukörper aktiviert werden und so z.
z. B.
B.
sehbehinderte Menschen führen und leiten. Informationen
anderer Art können im Zweikanalprinzip so dargestellt
werden, dass diese für sämtliche Nutzer ohne fremde Hilfe
erreichbar sind und unterstützend wirken.
Mit Einzug dieses Wandels werden sich auch die Berufe
verändern. Bei einer „Verlobung“ der Systeme Mensch
und Maschine werden Mediziner mit Technikern eng zusammenarbeiten müssen, um in Zukunft die von IndusIndus­
trie und Handwerk gestellten Bedarfe zu bedienen und die
Fähigkeiten der Personen im Arbeitssystem anzupassen.
Auch im Bereich der Wohnraumgestaltung macht sich die
Digitalisierung der Welt bemerkbar durch den Einsatz von
Raumfeldsteuerungssystemen bzw. Ambient ­
Assisted
Assisted
Living (AAL). Diese können mögliche Behinderungen

sorge und dem Sozialen Entschädigungsrecht unterstützt
und in 10 Fällen Reha-Trägern (Deutsche Rentenversicherung, Agentur für Arbeit) Amtshilfe bei technischen
und ergonomischen Fragestellungen geleistet.
Der demografische Wandel und die länger werdenden
Lebensarbeitszeiten auch für Menschen mit Behinderungen bestimmen die Arbeit des Technischen Beratungsdienstes. Drei Viertel der Aktivitäten des Technischen
Beratungsdienstes entfallen auf die behinderungsgerechte Arbeitsplatzausstattung und die Anpassung des
betrieblichen Umfeldes an die besonderen Belange des
schwerbehinderten Beschäftigten. Immer mehr in den
Fokus rückt auch das Thema einer gesunden Arbeitswelt und damit die Implementierung von präventiven
Maßnahmen.
9.3.3 Externe Beratung für Integration bei den
­Kammern im Auftrag des LVR
Das LVR-Integrationsamt kooperiert mit den 3 Handwerkskammern im Rheinland sowie den Industrie-und
Handelskammern Mittlerer Niederrhein, Köln und Essen.
In Köln, Düsseldorf, Aachen, Essen und Neuss sind vom
LVR-Integrationsamt finanzierte Fachberaterstellen eingerichtet. Aufgabe der Fachberaterinnen und Fachberater ist
es, speziell für Handwerksbetriebe sowie kleine und mittlere Unternehmen im jeweiligen Kammerbezirk Ansprechpartner zum Thema „Behinderung und Beruf“ zu sein.

kompensieren und dem Nutzer eine selbstständige Teilnahme am Leben möglichst lange ermöglichen. Auch der
Einsatz von Assistenzrobotern wird hier Wirklichkeit. Die
Digitalisierung der (Arbeits-)
Welt wird somit ihren Teil zur
(Arbeits-) Welt
Gestaltung eines inklusiven Sozialraums beitragen.
Die Technischen Beraterinnen und Berater des LVRLVR-­
Integrationsamtes sowie die externen Beraterinnen und
Berater der Kammern sind bereit für diese neuen Herausforderungen und bieten ihren Kunden auch weiterhin
professionelle Unterstützung entsprechend dem eigenen
Leitbild „Kompetenz für Kunden“.
Es sollte allerdings nicht aus dem Blick verloren werden, dass durch die fortschreitende Digitalisierung des
Arbeitssystems
­Arbeitssystems dem Menschen die „Optimierung“ droht.
Hier sind die Politik und Ethikkommissionen gefragt,
Konzepte zu entwickeln, wie weit sich die Arbeitswelt für
den Menschen verändern soll und wo Grenzen und Gesetze greifen müssen.
müssen.­

In den 6 Kammerbezirken sind rund 375.000 Betriebe
mit mehr als 2 Mio. Beschäftigten vertreten. In mehr als
25.000 Betrieben werden rund 7.360 Jugendliche ausgebildet. Im Jahr 2015 haben die 6 Technischen Fachberater
über 1.000 Arbeitgeber kontaktiert und erstmals Kontakt
zu über 360 Arbeitgebern aufgenommen.
Die Gründe für die Beratungen sind vielfältig. Betriebe
sind auf der Suche nach einem neuen Mitarbeiter oder
Auszubildenden oder suchen bewusst nach einer Person mit Schwerbehinderung oder Gleichstellung: Hier
konnten die Fachberater zuletzt 48 schwerbehinderte
und gleichgestellte behinderte Personen in ein Beschäftigungsverhältnis und 35 Jugendliche der Personengruppe
in eine betriebliche Ausbildung vermitteln.
Positiv entwickelt sich die Einstellung der Arbeitgeber,
ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch bei schwieriger Auftragslage zu halten. Hier kommen die Leistungen der Begleitenden Hilfe zur Sicherung bestehender
Arbeitsverhältnisse zum Tragen: Zuschüsse zur behinderungsgerechten Gestaltung des Arbeitsplatzes bzw.
Arbeitsumfeldes, die Ausstattung des Arbeitsplatzes mit
technischen Arbeitshilfen oder finanzielle Hilfen in Form
eines Produktivitätsausgleichs.
43 Arbeitsplätze schwerbehinderter Menschen k
­ onnten
so im Jahr 2015 – unter Inanspruchnahme der UnterSEITE

65

LVR-INTEGRATIONSAMT

stützungsmöglichkeiten des LVR-Integrationsamtes und
der örtlichen Fachstellen – erhalten werden. Themen
wie demografischer Wandel, Fachkräftemangel, lebenslanges Lernen und Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit
­haben auch die kleineren und mittleren Betriebe erreicht.
Die Beratungen zu Fragen der Arbeitssicherheit und des
Arbeitsschutzes, zu Prävention sowie der zielführenden
Durchführung eines Betrieblichen Eingliederungsmanagements nehmen zu.
Die Betriebskontakte der Berater bei den Kammern zeigen aber auch, dass die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen in den Betrieben der jeweiligen Kammerbezirke die Regel ist, und viele Arbeitgeber bereits
positive Erfahrungen mit den Fördermöglichkeiten der
örtlichen Fachstellen und des LVR-Integrationsamtes gemacht haben. Schwierigkeiten mit den behinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern treten nur vereinzelt auf und
stehen überwiegend in Bezug zu deren eingeschränkter
Leistungsfähigkeit. Sogenannte „Nischenjobs“ für leistungsgewandelte Mitarbeiter sind in kleineren und mittleren Betrieben die absolute Ausnahme.
Auf der anderen Seite zeigt sich in vielen Kontakten, dass
bei Arbeitgebern in kleineren und mittleren Betrieben
immer noch Nachholbedarf an und fehlende Informationen zum Thema „Schwerbehinderte Menschen im Beruf“
bestehen. Dies ist für die Fachberaterinnen und Fachberater in den Kammerbezirken immer wieder Anlass für
die verschiedensten Aktionen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Im Jahr 2015 haben die Kammerberater in
39  Veranstaltungen, insbesondere Informationsveranstaltungen und Meistervorbereitungslehrgänge, informiert. Mit 35 Veröffentlichungen in Kammer-Zeitschriften, Mailing-Aktionen und Pressemeldungen wurde u. a.
mit Best-Practice-Beispielen für die Beschäftigung von
Menschen mit Behinderung geworben.
GRAFIK
13:
Grafik
13:
BETREUUNG
DURCH
DIE TECHNISCHEN
FACHBERATER
Betreuung
durch
die technischen
Fachberater
BEIden
DENKammern
KAMMERN
2015
bei
2015
Arbeitsplatzsicherung

22 %
Einstellung Auszubildende

31 %
Übernahme Auszubildende

4%
Neueinstellungen

43 %

66

9.3.4 Integrationsfachdienste
Die Integrationsfachdienste im Rheinland sind Beratungsdienste Dritter, die zum einen im Auftrag des LVR-Inte­
grationsamtes eine psychosoziale und berufsbegleitende
Beratung und Betreuung zur Beschäftigungssicherung
anbieten und zum anderen im Auftrag der Rehabilita­
tionsträger schwerbehinderte und gleichgestellte behinderte Menschen auf geeignete Arbeitsplätze vermitteln,
ihre Eingliederung betreuen und behinderte J­ ugendliche
bei der Berufswahl und -orientierung beraten. Zielgruppen der Integrationsfachdienste sind insbesondere
schwerbehinderte Menschen mit einem besonderen Bedarf an arbeitsbegleitender Betreuung aufgrund der Art
und Schwere ihrer Behinderung oder wegen anderer vermittlungshemmender Umstände:
•	Beschäftigte aus den Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), die nach zielgerichteter Vorbereitung
den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erreichen können und
•	(Schwer-)Behinderte Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die zur Aufnahme einer Beschäftigung auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt auf die Unterstützung
eines Integrationsfachdienstes angewiesen sind.
Zu den Aufgaben der Integrationsfachdienste gehören
u. a. die Beratung und Unterstützung der betroffenen be­­
hinderten Menschen selbst sowie die Information und
Hilfestellung für A
­ rbeitgeber, für schwerbehinderte Menschen ein individuelles Fähig­keits-, Leistungs- und Interessenprofil zu erarbeiten und zu bewerten, den Übergang
von ­
schwerbehinderten Jugendlichen in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu unterstützen und zu begleiten, für
schwerbehinderte Menschen geeignete Arbeitsplätze auf
dem allgemeinen ­Arbeitsmarkt zu akquirieren und zu vermitteln, sie auf das Arbeitsleben vorzubereiten und, soweit erforderlich, am Arbeitsplatz begleitend zu betreuen.
Das LVR-Integrationsamt finanziert dabei nicht nur d
­ iese
Dienstleistung, sondern ist auch dafür verantwortlich,
eine qualitätsgesicherte, flächendeckende und zielgruppenspezifische Beratung und Betreuung sicherzustellen. Im Rheinland sind die 42 Träger des Beratungs- und
Betreuungsangebotes der Integrationsfachdienste in
17  Verbünden zusammengeschlossen, sodass es pro
Arbeits­agenturbezirk nur eine Ansprechperson gibt. Bei
den Trägern sind 170,25 Personalstellen angesiedelt,
die von 236 Fachkräften ausgefüllt werden. Frauen stellen 66  Prozent der Fachkräfte in den Integrationsfach­
diensten. 43 Fachberaterinnen und Fachberater gehören
selbst zum Personenkreis der schwerbehinderten bzw.
gleichgestellten Menschen.

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Im Jahr 2015 belaufen sich die Gesamtaufwendungen
für das Leistungsangebot der Integrationsfachdienste
auf rund 15,9 Mio. Euro. Rund 75 Prozent der Ausgaben
(11,7  Mio. Euro) verbleiben beim LVR-Integrationsamt
für das gesetzliche Unterstützungsangebot im Rahmen
der Beschäftigungssicherung (9,6 Mio. Euro) sowie die
Modellprojekte „Übergang Schule – Beruf“ und „Werkstatt  – Beruf“. Wird die Dienstleistung der Integrationsfachdienste von anderen Rehabilitationsträgern oder der
Arbeitsvermittlung in Anspruch genommen, so ist sie dem
LVR-Integrationsamt zu vergüten. Im Berichtsjahr sind so
rund 1,1 Mio. Euro refinanziert worden. Aus der Initiative
Inklusion sind im Berichtsjahr für das Handlungsfeld „Berufsorientierung“ knapp 3 Mio. Euro geflossen (vgl. 10.6).
Klientenstruktur
Im Jahr 2015 haben 13.971 Personen das Informations-, Beratungs- und Begleitungsangebot des Inte­
grationsfachdienstes in Anspruch genommen. Mehr als
12.000 Menschen mit Behinderung sind über einen längeren Zeitraum bei der Vermittlung in Arbeit bzw. der
Sicherung des bestehenden Beschäftigungsverhältnisses unterstützt worden. 45 Prozent der Klienten waren
Frauen. Bedingt durch die verschiedenen Modellprojekte stellt die Gruppe der bis 25-Jährigen mit fast 32 Prozent mittlerweile den Hauptteil der Klienten, gefolgt von
der Gruppe der 51- bis 60-Jährigen mit fast 30 Prozent.
Mit rund 30 Prozent sind Personen mit einer seelischen
Erkrankung die stärkste Gruppe, die sich bei Problemen
im Arbeitsleben an den Integrationsfachdienst wendet.
Von den Menschen, die sich an die Fachberaterinnen und
Fachberater der Integrationsfachdienste zwecks Unterstützung wenden, stehen rund 46 Prozent in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung bzw. Ausbildung. Die
Zahl der arbeitslosen oder arbeitssuchenden Klientinnen

und Klienten ist im Berichtsjahr auf 5 Prozent gesunken.
2.030 Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf und über 220 vormals in einer Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigte Personen sind beim Übergang ins Berufsleben unterstützt worden.
Berufsbegleitung
Für das Geschäftsfeld der Berufsbegleitung erwerbstätiger schwerbehinderter Menschen ist das LVR-Integra­
tionsamt selbst der zuständige Kostenträger für die
durchgeführten Einzelberatungen. Die Zahl der Betreuungsfälle, bei denen eine längerfristige Unterstützung
am Arbeitsplatz erforderlich gewesen ist, steigt seit
Jahren kontinuierlich an. Die kontinuierlich steigenden
Fallzahlen bei den Betreuungsfällen zeigen den immer
größer werdenden Bedarf an berufsbegleitender Beratung und Begleitung und die immer größere Akzeptanz,
die die Fachberaterinnen und Fachberater seitens der
Arbeitnehmerinnen und ­
Arbeitnehmer, aber auch der
Arbeitgeber, erfahren. Im Jahr 2015 sind etwas mehr als
5.100 Berufsbegleitungen abgeschlossen worden. 49 Prozent davon betrafen Frauen. In fast 93 Prozent der Fälle
konnte das Arbeitsverhältnis gesichert werden, z. B. durch
Maßnahmen wie die Unterstützung des Betriebes bei der
Verbesserung von innerbetrieblichen Abläufen oder der
Kommunikation, die Anpassung der beruflichen Anforderungen an das Leistungsprofil des schwerbehinderten
Beschäftigten oder auch die Annahme von Konfliktsituationen. 197 Arbeits­verhältnisse konnten trotz der Unterstützung durch den Integrationsfachdienst nicht erhalten
werden.
Vermittlung und Wiedereingliederung in Beschäftigung
Die Integrationsfachdienste im Rheinland sind im Jahr
2015 mit der Vermittlung bzw. Wiedereingliederung von

TABELLE
Tabelle
31:31:
KLIENTENINNEN
KLIENTEN
DER INTEGRATIONSFACHDIENSTE
NACH ART DER
2011 – 2015
Klienteninnen
und UND
Klienten
der Integrationsfachdienste
nach Art der Behinderung,
2011BEHINDERUNG,
– 2015
Art der Behinderung

2015

in Prozent

2014

2013

2012

2011

Seelische Behinderung

3.572

30

3.524

3.845

3.973

3.716

Hirnorganische bzw. neurologische
Behinderung

1.107

9

1.019

1.143

1.157

1.145

587

5

551

582

553

591

Sehbehinderung
Hörbehinderung

1.454

12

1.361

1.863

1.762

1.899

Lern- bzw. geistige Behinderung

2.347

20

2.044

2.220

1.947

1.529

Körperbehinderung
(organische Erkrankung)

1.077

9

1.070

1.020

1.299

1.044

Körperbehinderung
(Stütz- und Bewegungsapparat)

1.864

15

1.875

2.108

2.094

2.209

Insgesamt

12.008

100

11.444

12.781

12.785

12.133

SEITE

67

LVR-INTEGRATIONSAMT

TABELLE
Tabelle
32:32:
EINSATZdes
DES
INTEGRATIONSFACHDIENSTES
IM RAHMEN
DER ARBEITSPLATZSICHERUNG*,
2011 – 2015
Einsatz
Integrationsfachdienstes
im Rahmen
der Arbeitsplatzsicherung*,
2011 – 2015
2015
Gesichertes Arbeitsverhältnis

Gesamt

Männer

Frauen

2014

2013

2012

2011

4.741

2.393

2.348

3.609

8.029

5.317

5.045

Einvernehmliche Auflösung
oder Eigenkündigung

111

71

40

108

171

170

190

Kündigung durch den Arbeitgeber

47

28

19

70

136

136

138

Verrentung

39

17

22

48

68

68

58

Insgesamt

4.938

2.509

2.429

4.006

8.404

5.691

5.431

* im Berichtsjahr abgeschlossene Fälle

840  ­Personen beauftragt worden. Nur noch 45 der Vermittlungsbemühungen erfolgten im Auftrag der Arbeitsvermittlung. 699 Vermittlungsbeauftragungen wurden von
den Reha-Trägern initiiert. Die verbleibenden rund 100 Beauftragungen erfolgten direkt durch das LVR-Integra­
tionsamt im Rahmen der beruflichen Eingliederung von
Schülerinnen und Schüler mit sonder­
pädagogischem
Förderbedarf und Personen, die von einer Werkstatt für
behinderte Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt
wechseln.
Im Jahr 2015 konnten im Rheinland 286 Personen in
ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis  auf

68

den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden. Rund
30  Prozent der Vermittlungen auf den allgemeinen
­Arbeitsmarkt entfallen auf Frauen. 33 Schülerinnen und
Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf und 58
vormals in einer Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigte Personen haben ein sozialversicherungspflichtiges ­
Beschäftigungsverhältnis aufgenommen. Knapp
60 Prozent der Vermittlungen erfolgten in eine befristete
Beschäftigung. 372 Personen sind in vorbereitende Maßnahmen zur (Wieder-)Eingliederung in den allgemeinen
Arbeitsmarkt vermittelt worden. Dazu gehören Angebote
wie Praktika und Trainings, A
­ rbeits- und Belastungserprobungen und die stufenweise Wiedereingliederung.

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

TABELLE
Tabelle
33:33:
VERMITTLUNG*
IN DEN
ALLGEMEINEN
ARBEITSMARKT
DURCH DEN INTEGRATIONSFACHDIENST
(2011 – 2015)
Vermittlung*
in den
allgemeinen
Arbeitsmarkt
durch den Integrationsfachdienst
(2011 – 2015)
2015

2014

2013

2012

2011

Gesamt

Männer

Frauen

343

236

107

463

582

722

796

Integrationsamt

96

80

16

294

236

213

238

Reha-Träger

236

146

90

90

299

413

316

Träger der Arbeitsvermittlung

15

12

3

79

47

96

242

davon aus Schule und WfbM

91

73

18

279

179

195

111

Vermittlungen
davon im Auftrag von

* im Berichtsjahr abgeschlossene Fälle

9.4 Leistungen im Rahmen der Unterstützten Beschäftigung
Seit 2009 besteht im SGB IX das Angebot der sogenannten
Unterstützten Beschäftigung. Es richtet sich an behinderte Menschen, die einen besonderen Unterstützungsbe­darf
haben, einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt anstreben und nicht
auf das besondere Angebot der Werkstätten für behinderte Menschen angewiesen sind. Die Maßnahme der Unterstützten Beschäftigung ist in 2 Phasen unterteilt: Während einer bis zu zweijährigen individuellen betrieblichen
Qualifizierung (Praktikum) mit kontinuierlicher pädagogischer Begleitung soll ein geeigneter Arbeitsplatz gefunden werden. Ziel dieser Phase ist der Abschluss e
­ ines
Arbeitsvertrages. Die ersten 2 Jahre der Unterstützten

Beschäftigung werden in der Regel vom Rehabilitationsträger finanziert, zumeist der Bundesagentur für Arbeit.
Die Förderung durch einen Rehabilitationsträger ist nicht
davon abhängig, dass eine anerkannte Schwerbehinderung oder Gleichstellung vorliegt. Wenn nach 2 Jahren
und Abschluss eines Arbeitsvertrages die Zuständigkeit
für eine weitere Förderung – in der Regel eine dauerhafte
pädagogische Begleitung – zum Integrationsamt wechselt, kann dieses das neue Beschäftigungsverhältnis nur
fördern, wenn die Zugehörigkeit zu diesem Personenkreis festgestellt worden ist. Beim LVR-Integrationsamt
wird die Unterstützung im Rahmen der Berufsbegleitung
durch die Integrationsfachdienste sichergestellt.

9.5 Leistungen für Einrichtungen der Arbeits- und Berufs­
förderung behinderter Menschen (Institutionelle Förderung)
Die Mittel der Ausgleichsabgabe können nicht nur für die
Begleitende Hilfe im Arbeitsleben für Arbeitgeber und
schwerbehinderte und gleichgestellte behinderte Arbeitnehmer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eingesetzt,
sondern auch zur Einrichtung und Ausstattung berufsfördernder Einrichtungen verwendet werden. Behinderten
Menschen sollen mit den Leistungen der Berufsförderung alle notwendigen Hilfen gegeben werden, die erforderlich sind, um die Erwerbstätigkeit zu erhalten, zu

verbessern oder wiederherzustellen. Dafür gewährt das
LVR-Integrationsamt den Trägern der Werkstätten für
behinderte Menschen Darlehen und Zuschüsse. Pro Jahr
steht ein Auszahlungsbetrag von maximal 2,5 Mio. Euro
zur Verfügung. Im Jahr 2015 sind dazu keine Maßnahmen
aus Mitteln der Ausgleichsabgabe bewilligt worden. Für
die Förderung von Maßnahmen in den Werkstätten für
behinderte Menschen sind vorrangig andere Fördermittel
eingesetzt worden.

SEITE

69

LVR-INTEGRATIONSAMT

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

MIT

49.700.000
EURO HAT DAS LVR-INTEGRATIONSAMT DIE BESCHÄFTIGUNG SCHWERBEHINDERTER UND GLEICHGESTELLTER MENSCHEN UNTERSTÜTZT.

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70

SEITE

71

10

LVR-INTEGRATIONSAMT

LVR-Budget für
Arbeit
LVR-BUDGET
FÜR
ARBEIT

KURZ & KNAPP
•	Durch das LVR-Budget für Arbeit finden 984 besonders betroffene schwerbehinderte Menschen eine
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt.
•	Weitere 364 Menschen mit Behinderung finden eine Beschäftigung durch die Initiative Inklusion.
•	Projekt STAR: Mehr als 4.000 Schülerinnen und Schüler haben das modulare Angebot bereits genutzt.
Rund 1.000 geförderte Jugendliche haben die Schule verlassen. 14 % sind direkt in ein Ausbildungs- / ­
­Beschäftigungsverhältnis auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gewechselt. 31 % werden überbetrieblich
ausgebildet, nehmen an einem Berufsvorbereitungsjahr teil oder nutzen das Angebot der Unterstützten ­Beschäftigung.
•	Im Rahmen des Projektes „Zuverdienst“ werden 146 Personen gefördert.
•	Im Rheinland sind in den letzten 2 Jahren 406 betriebsintegrierte Beschäftigungsmöglichkeiten
­geschaffen worden, davon 47 beim LVR.

Um Menschen mit einer wesentlichen Behinderung und
hohem Unterstützungsbedarf neue Wege auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu eröffnen, bündelt und verknüpft
das LVR-Budget für Arbeit erfolgreiche regionale Förderprogramme und Modellprojekte (vgl. auch 3.3). Die Förderleistungen aus dem LVR-Budget für Arbeit ergänzen

die klassischen Leistungen des SGB IX zur Teilhabe am
Arbeitsleben. Die neuen Unterstützungsangebote können
je nach Einzelfall und Bedarf flexibel miteinander kombiniert werden. Die Vernetzung der verschiedenen Akteure
nimmt dabei weiter zu und die Unterstützungsmöglichkeiten werden immer häufiger ganzheitlich erbracht.

10.1 Regionales Arbeitsmarktprogramm „aktion5“
Landesprogramm
aktion5

Übergang 500 Plus –
mit dem LVR-Kombilohn
LVR-BUDGET
FÜR ARBEIT
Zuverdienst und
betriebsintegrierte
Arbeitsplätze

Übergang Schule –
Beruf (STAR, Initiative
Inklusion)

Seit dem Jahr 1990 führen die Integrationsämter der
Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-­
Lippe
regionale Arbeitsmarktprogramme zur beruflichen
­
Eingliederung von Menschen mit einer Schwerbehin­
­
derung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt durch. Im

72

­ahmen der Programme sind auch immer wieder
R
innovative ­
­
Ansätze zur beruflichen Integration erprobt
worden. Ein prominentes Beispiel dafür ist das Projekt
„Discovering Hands“ (siehe dazu auch www.discovering-hands.de).
Im Januar 2008 ist das regionale Arbeitsmarktprogramm
„aktion5“ gestartet. Zielgruppe des Programms sind
schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen,
•	die wegen einer schweren Körper-, Sinnes- oder Mehrfachbehinderung eine besondere Unterstützung im
­Arbeitsleben benötigen,
•	mit einer geistigen oder psychischen Behinderung,

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

•	die bisher in einer Werkstatt für behinderte Menschen
beschäftigt werden oder
•	die Abgängerinnen oder Abgänger von Förderschulen
bzw. dem Gemeinsamen Lernen sind.
Das Unterstützungsangebot richtet sich mit unterschiedlichen Leistungen an Arbeitgeber und schwerbehinderte
Menschen. Das Programm schafft in Form von gestaffelten Einstellungs- und Ausbildungsprämien sowie Lohnkostenzuschüssen zusätzliche finanzielle Anreize für
Arbeitgeber, Menschen mit Behinderung einzustellen,
auszubilden und dauerhaft zu beschäftigen. Zusätzlich
können Menschen der Zielgruppe vor und nach Beginn
eines Arbeitsverhältnisses ein individuelles Unterstützungsangebot in Anspruch nehmen. Voraussetzung für
eine Förderung ist eine tarifliche bzw. orts- / branchenübliche Entlohnung und eine wöchentliche Mindestarbeitszeit von 15 Stunden. Im Rahmen einer sogenannten
„Freien Förderung“ werden zudem innovative Modelle unterstützt, die neue Wege zur Vorbereitung oder Aufnahme
eines Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisses für Menschen der Zielgruppe erproben.
Bis Ende 2012 sind im Rahmen von „aktion5“ insgesamt 3.658 Förderungen mit einem Gesamtvolumen von
10,5 Mio. Euro bewilligt worden:
•	an Arbeitgeber: 2.610 Einstellungs- und 517 Ausbildungsprämien sowie 79 Lohnkostenzuschüsse für vormals in einer Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigte Personen
•	an Schülerinnen und Schüler mit Behinderung: 145
Vorbereitungsbudgets
•	an Menschen mit Behinderung zur Arbeitsaufnahme:
266 Integrationsbudgets
•	an Vereine und freie Träger: 41 Freie Förderungen für
Modellvorhaben
Das LVR- und das LWL-Integrationsamt führen ihr regio­
nales Arbeitsmarktprogramm nahtlos für den Zeitraum
von 2013 bis 2017 fort. Der Name „aktion5“ bleibt bestehen. Pro Landesteil werden bis zu 20 Mio. Euro aus Mitteln der Ausgleichsabgabe zur Verfügung gestellt, siehe
auch 4.3 aktion5 – Änderung der Richtlinie.

Schaffung eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses bewilligt worden. 351 Prämien haben Arbeitgeber erhalten,
die befristet eingestellt haben, 137 Arbeitsverhältnisse
sind im Berichtsjahr entfristet worden. Insgesamt wurden
Einstellungsprämien in Höhe von 2,1 Mio. Euro an Arbeitgeber ausgezahlt.
Von der Einstellungsprämie profitieren vor allem Männer. Zwei Drittel der Förderungen unterstützen den Einstieg eines männlichen Bewerbers in den allgemeinen
­Arbeitsmarkt. Mit Hilfe der Einstellungsprämie konnten
73 Schulabgängerinnen und Schulabgänger in den allgemeinen Arbeitsmarkt eingegliedert werden. 83 Personen aus Werkstätten für behinderte Menschen haben ein
neues Betätigungsfeld gefunden. Die Altersgruppe der
20- bis 29-Jährigen stellt die größte Gruppe der vermittelten Personen. Aber auch 89 über 50-Jährige sind im
Jahr 2015 noch einmal ins A
­ rbeitsleben eingestiegen. Bei
den Behinderungsarten stehen mit rund 43 Prozent die
geistigen und seelischen Behinderungen im Vordergrund.
Für die Einstellung eines schwerbehinderten Jugend­
lichen in eine betriebliche Ausbildung erhält ein Arbeitgeber bei Ausbildungsbeginn eine Startprämie. Übernimmt
der Arbeitgeber den Auszubildenden nach erfolgreichem
Abschluss in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis,
erhält er eine zusätzliche Erfolgsprämie. Erfolgt eine befristete Übernahme für mindestens 12 Monate, halbiert
sich die Erfolgsprämie. Es besteht die Option, die Erfolgsprämie auf den vollen Betrag aufzustocken, wenn das
befristete Beschäftigungsverhältnis in ein unbefristetes
umgewandelt wird.
37 Ausbildungsprämien hat das LVR-Integrationsamt im
Jahr 2015 bewilligt. 4 Ausbildungsverhältnisse in Integra­
tionsprojekten sind gefördert worden. Von dieser Förderung haben im Berichtszeitraum auch 13 weibliche
­Jugendliche profitiert.
TABELLE
Tabelle
34:34:
ANZAHL
UND
FÖRDERUNGEN
IM RAHMEN
DES
Anzahl
und
ArtART
der DER
Förderungen
im Rahmen
des
REGIONALEN
ARBEITSMARKTPROGRAMMS
regionalen
Arbeitsmarktprogramms
„aktion5“„AKTION5“
IM JAHR
2015
im
Jahr 2015
Art der Leistung

Prämien an Arbeitgeber
Im Jahr 2015 sind aus Mitteln des Programms 805
Einstel­lungsprämien bewilligt worden. Es profitieren 206
besonders betroffene schwerbehinderte Menschen der
Zielgruppe des § 132 Abs. 2 SGB IX von dieser Förderung – sie haben einen Arbeitsplatz in einem Integrations­
unternehmen gefunden. 280-mal ist die Prämie für die

Anzahl

Geschlecht
weiblich

männlich

Einstellungsprämie

805

279

526

Ausbildungsprämie

37

13

24

Lohnkostenzuschuss WfbM

4

3

1

Vorbereitungsbudget

9

6

3

Integrationsbudget

33

7

26

Gesamt

888

308

580
SEITE

73

LVR-INTEGRATIONSAMT

Bei einem Wechsel aus einer Werkstatt für behinderte Menschen in den ersten Arbeitsmarkt können für die
Dauer von bis zu 5 Jahren pauschaliert Lohnkostenzuschüsse gezahlt werden. Im Jahr 2015 sind 4 Menschen
mit dieser finanziellen Unterstützung aus einer Werkstatt
für behinderte Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gewechselt.
Budget für schwerbehinderte Menschen
Für schwerbehinderte Menschen gibt es 2 Förderva­
rianten, die sich als Budget zeitlich wie finanziell an die
besonderen Bedürfnisse und Belange der einzelnen Personen anpassen. Das Vorbereitungsbudget unterstützt
schwerbehinderte Schülerinnen und Schüler beim Übergang in den ersten Arbeitsmarkt. Im Jahr 2015 haben
13 schwerbehinderte Jugendliche diese Leistung in Anspruch genommen. Zu den mit fast 50.000 Euro geförderten Maßnahmen gehören häufig Kommunikations- und
Mobilitätstrainings, die Übernahmen von Fahrtkosten
für ein betriebliches Praktikum und die Vermittlung von
Grundfertigkeiten zum Beispiel am PC.
Im Rahmen eines Integrationsbudgets können vor und
nach Beginn eines Arbeitsverhältnisses am Einzelfall orientierte Unterstützungsleistungen erbracht werden, die
den Integrationsprozess bestmöglich abrunden und damit
das Ziel einer nachhaltigen Integration unterstreichen.

33 Frauen und Männer haben 2015 diese Unterstützung
erhalten, um Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erlangen,
die sie auf Dauer in die Lage versetzen, am allgemeinen
Arbeitsleben teilzuhaben. Mit über 108.000 Euro hat das
LVR-Integrationsamt Trainingsmaßnahmen, Begleitungen und Qualifizierungen bezuschusst.
Freie Förderung (Modellvorhaben)
Im Rahmen der sogenannten Freien Förderung können
zeitlich begrenzte Modelle oder Projekte bzw. besondere
Maßnahmen für Schülerinnen und Schüler aus Förderschulen, Beschäftigte aus Werkstätten für behinderte
Menschen oder Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation mit finanziellen Zuschüssen unterstützt werden.
Förderfähige Maßnahmen sind z. B. innovative Qualifi­
zierungsmaßnahmen für einzelne Personen oder G
­ ruppen.
So fördert das LVR-Integrationsamt ein 2-jähriges Pilotprojekt zur Erarbeitung eines Konzeptes zur Beschäftigung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung
in der digitalen Sicherung von archäologisch-denkmalpflegerischen Grabungsplänen. Aufgrund der Potenziale
der Aufgabe im Kulturbereich ist dieses Projekt beispielhaft. Es kann die Dienstleistung der digitalen Sicherung
etablieren und weitere Beschäftigungsperspektiven für
Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung beim Landschaftsverband Rheinland eröffnen.

GRAFIK
14:
Grafik
14:
REGIONALE
VERTEILUNG
DER FÖRDERUNGEN*
IMvon
RAHMEN
VON2013
„AKTION5“,
Regionale
Verteilung
der Förderungen*
im Rahmen
„aktion5“,
– 2015 2013 – 2015
Köln

334
328

Aachen
248

Bergisch Gladbach
207

Bonn
Essen

182

Mönchengladbach

163
156

Brühl
Düren

131

Wuppertal

113

Wesel

108

Düsseldorf

104

Solingen

100

Duisburg

93

Oberhausen

67

Mettmann

65

Krefeld

50

Kleve

31
0

74

50

100

150

200

250

300

350

400

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Ein weiteres aktuelles Projekt umfasst die Konzeptionierung und Erprobung von Kommunikationsmodulen für
Schülerinnen und Schüler mit dem Förderbedarf „Hören

und Kommunikation“ im Rahmen der Berufsorientierung
zur Unterstützung des Übergangs von der Schule auf den
allgemeinen Arbeitsmarkt.

10.2 Übergang Schule – Beruf: Projekt Schule trifft Arbeitswelt (STAR)
Landesprogramm
aktion5

Übergang 500 Plus –
mit dem LVR-Kombilohn
LVR-BUDGET
FÜR ARBEIT
Zuverdienst und
betriebsintegrierte
Arbeitsplätze

Übergang Schule –
Beruf (STAR, Initiative
Inklusion)

Berufstätigkeit ist eine entscheidende Voraussetzung für
soziale Anerkennung und ein selbstbestimmtes Leben.
Einer qualifizierten beruflichen Beschäftigung auf Dauer
nachgehen zu können, ist daher gerade für junge Menschen
mit Behinderung besonders wichtig. Einem Teil der behinderten Jugendlichen ist es möglich, eine Berufsausbildung
in einem anerkannten Ausbildungsberuf zu absolvieren.
Sie und ihre Arbeitgeber erhalten die klassischen Förderungen wie Investitionskostenzuschüsse, gegebenenfalls
wird der Arbeitsplatz behindertengerecht gestaltet.
Für andere behinderte Jugendliche sind die Anforderungen einer Regelausbildung aber zu hoch und – wie automatisiert – führt der Weg für diese Jugendlichen vielfach
in eine Werkstatt für behinderte Menschen, obwohl für sie
eine theoriereduzierte Ausbildung oder eine unmittelbare
Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt mit entsprechender Unterstützung aber sehr wohl möglich ist. Um
mehr behinderten Jugendlichen als bisher eine Chance
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu bieten, hält das
LVR-Integrationsamt mit seinem Projekt „STAR – S
­ chule
trifft Arbeitswelt“ ein Angebot für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf der Förderschwerpunkte „Körperliche und motorische Entwicklung“,
„Geistige Entwicklung“, „Hören und Kommunikation“,
„Sehen und Sprache“ – sowie für alle Schülerinnen und
Schüler mit Schwerbehindertenausweis an 106 Förderschulen und 152 Schulen des Gemeinsamen Lernens vor.
STAR verfolgt das Ziel, die Schülerinnen und Schüler mit
Behinderung in ihrer beruflichen Orientierung zu unterstützen und die Integration in Ausbildung und Arbeit auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu verbessern. Dabei setzt
STAR frühzeitig – 3 Jahre vor Schulentlassung – ein und

begleitet die J­ ugendlichen im Rahmen eines beruflichen
Orientierungsverfahrens beim Übergang von der Schule in
den Beruf. STAR versteht sich dabei als Starthilfe in das Berufsleben, ermittelt Potenziale und fördert die beruflichen
Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler. Weitere Aspekte der Arbeit von STAR sind die Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen Erfordernissen im Sinne des Gender
Mainstreaming sowie von besonderen Bedarfslagen von
behinderten Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund. Das STAR-Konzept beinhaltet ein modulares
System der Berufsorientierung, das sich zusammensetzt
aus den 4 Modulen Potenzialanalyse, Berufsfelderkundung,
Praktikum und Elternarbeit. Die Module berücksichtigen
die individuellen Bedarfe der einzelnen Schülerinnen und
Schüler. Weitere Module, wie z. B. Betriebserkundungen,
Mobilitätstraining und Training arbeitsrelevanter sozialer
Kompetenzen sind fakultativ und kommen je nach individuellem Bedarf zum Einsatz. Eine intensivere, individuelle Begleitung wird sich auf die Schülerinnen und Schüler
konzentrieren, denen eine realistische Chance auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in Aussicht gestellt werden kann.
Das STAR-Konzept wird umgesetzt durch den Integra­
tionsfachdienst in Kooperation mit den Schulen und weiteren Partnern vor Ort. Beim Integrationsfachdienst sind
dafür 33 Personalstellen geschaffen worden. Das Konzept wurde in enger Abstimmung zwischen den beiden
Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe
mit dem Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales
(MAIS), dem Ministerium für Schule und Weiterbildung
(MSW) und der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen
der Bundesagentur für Arbeit entwickelt.
STAR wird vom nordrhein-westfälischen Arbeitsministerium aus Mitteln des Landes und des Europäischen Sozialfonds und durch Ausgleichsabgabemittel der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe als
Projektträger finanziert. In die Finanzierung fließen zudem Mittel aus dem Bundesprogramm „Initiative Inklusion“ (vgl. Kapitel 10.6).
Zur nachhaltigen Verbesserung des Übergangs von der
Schule in den Beruf hat das Land Nordrhein-­Westfalen
SEITE

75

LVR-INTEGRATIONSAMT

GRAFIK
15:
Grafik
15:
MODULE
UND
TEILNEHMENDE
IM RAHMEN
DES PROJEKTES
STAR IN 2015
Module
und
Teilnehmende
im Rahmen
des Projektes
STAR in 2015
Berufswegekonferenzen

2.346

Begleitung des Übergangs
in das Arbeitsleben

Langzeitpraktika

470

1.866

Eltergespräche/-seminare

Arbeitsplatzbezogenes Kommunikationstraining bei Hörbehinderung

2.815

33
Berufsfelderkundung

Kompetenz- oder Potenzialanalyse

1.232

2.799

Mobilitätstraining

Berufsorientierungsseminar

184

1.172

Intensiv-Training arbeitsrelevanter
sozialer Kompetenzen

Betriebserkundung

835

627

unter dem Motto „Kein Abschluss ohne Anschluss (KAoA)“
ein neues, landesweit verbindliches Übergangssystem
auf den Weg gebracht, das allen Schülerinnen und Schülern ein verbindliches, standardisiertes, flächendeckendes und geschlechtersensibles Angebot der Studien- und
Berufsorientierung bieten soll. Das Projekt STAR ist dabei
ein inklusiver Baustein in diesem Übergangssystem. Die
Arbeit im Projekt STAR erfolgt in enger Abstimmung mit
den Kommunalen Koordinierungsstellen des KAoA.
Seit Projektbeginn – Mitte 2012 – sind rund 14.600 Module durchgeführt worden. Über 4.000 Schülerinnen und
Schüler sind mit den verschiedenen Modulen erreicht
worden. Männliche Jugendliche stellen mit 63 Prozent die
Mehrheit der Teilnehmer. Die Mehrheit der Module ist an

Förderschulen angeboten worden (85 %). Die Bedeutung
der Beteiligung des häuslichen Umfeldes spiegelt sich
darin wider, dass von den Eltern über 2.800 Module in
Anspruch genommen worden sind. Von den geförderten
4.013 Jugendlichen haben bisher 1.019 die Schule verlassen. 14 Prozent haben im Anschluss an die Schule direkt
einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gefunden. 31 Prozent der Jugendlichen
werden überbetrieblich ausgebildet, nehmen an einem
Berufsvorbereitungsjahr teil oder nutzen das Angebot der
Unterstützten Beschäftigung (vgl. Kapitel 9.4). 37 Prozent
haben sich für eine Beschäftigung in einer Werkstatt für
behinderte Menschen entschieden. Von 18 Prozent der
Schulabgänger innen und Schulabgänger ist der weitere
Werdegang statistisch nicht nachvollziehbar.

10.3 Übergang 500 plus – mit dem LVR-Kombilohn
Landesprogramm
aktion5

Übergang 500 Plus –
mit dem LVR-Kombilohn
LVR-BUDGET
FÜR ARBEIT
Zuverdienst und
betriebsintegrierte
Arbeitsplätze

76

Übergang Schule –
Beruf (STAR, Initiative
Inklusion)

Ziel des Modellprojektes ist es, im Zeitraum 2011 bis 2016
mindestens 500 Beschäftigte einer Werkstatt für behinderte Menschen bzw. Schulabgängerinnen und Schulabgänger mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf ein
sozialversicherungspflichtiges, tariflich bzw. ortsüblich
entlohntes Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt zu vermitteln. Zum förderfähigen Personenkreis des Modellprojektes gehören:

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

•	Werkstatt-Beschäftigte aus dem Arbeitsbereich mit
anerkannter Schwerbehinderung und wesentlicher Behinderung,
•	Werkstatt-Beschäftigte aus dem Berufsbildungsbereich
mit anerkannter Schwerbehinderung und wesentlicher
Behinderung, die andernfalls weiterhin die Werkstatt
für behinderte Menschen besuchen würden und
•	Schulabgängerinnen und Schulabgänger mit anerkannter Schwerbehinderung und wesentlicher Behinderung, die andernfalls in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten würden.
Bei Aufnahme eines Beschäftigungsverhältnisses wird
eine Kombination aus finanzieller Förderung und fachdienstlicher Begleitung finanziert. Arbeitgeber der privaten Wirtschaft und des Öffentlichen Dienstes erhalten
einen finanziellen Zuschuss von 80 Prozent zum Arbeitnehmerbruttolohn. Nimmt die aus einer Werkstatt wechselnde Person eine Tätigkeit in einem Integrationsprojekt
auf, so wird die Regelförderung in Integrationsprojekten
um 30 Prozent aufgestockt.
Arbeitgeber und Beschäftigte / r werden bis zu 5 Jahre
vom Integrationsfachdienst begleitet. Zusätzlich zu diesen Förderungen kann im Rahmen der Unterstützten Beschäftigung eine zusätzliche Maßnahme für den behinderten Beschäftigten, z. B. ein intensives Job-­Coaching,
finanziert werden. Die Förderung umfasst in der Regel
zunächst einen Zeitraum von bis zu 2 Jahren und kann bei
Bedarf verlängert werden. Die Begleitung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wird entweder durch den Integrationsfachdienst oder die Berufsbegleitung der Werkstatt
erbracht.
Behinderten Menschen, die den Sprung aus einer Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wagen, wird ein
uneingeschränktes Rückkehrrecht in die Werkstatt garantiert, falls das Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt beendet wird.

Rest (12 %) in ein Ausbildungsverhältnis. Die Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erfolgt überwiegend in Vollzeit. Nur ein Fünftel der vermittelten Personen wechselte in eine Teilzeitbeschäftigung. Jedes zweite
Arbeitsverhältnis wurde unbefristet abgeschlossen.
85 Männer und 22 Frauen haben das Arbeits- bzw. Ausbildungsverhältnis zwischen 2011 und Ende 2015 wieder
beendet. In fast 40 Prozent der Fälle erfolgte eine Eigenkündigung der Beschäftigten bzw. Auszubildenden. In
45 Prozent der Fälle ist ein befristetes Arbeitsverhältnis
nicht verlängert worden. Von diesen konnte fast jeder
Fünfte innerhalb kürzester Zeit wieder in ein anderes
Arbeitsverhältnis vermittelt werden. Nicht alle Personen
haben von ihrem Rückkehrrecht in die Werkstatt für behinderte Menschen Gebrauch gemacht. Diejenigen, die
nicht in die Werkstatt zurückgekehrt sind, haben sich
entschieden, eine andere Beschäftigungsform außerhalb
der Werkstatt anzustreben oder Leistungen der Agenturen für Arbeit in Anspruch zu nehmen.
Die Arbeits- und Ausbildungsplätze sind überwiegend
in Kleinbetrieben mit unter 50 Beschäftigten (52 %) und
mittelgroßen Unternehmen mit unter 250 Beschäftigten
(21 %) geschaffen worden. 103 der Arbeits- und Ausbildungsplätze sind in Integrationsprojekten entstanden.
Bei mehr als der Hälfte der vermittelten Personen lag
eine geistige Behinderung (54,1 %) vor. Circa ein Drittel
hatte eine seelische Erkrankung (35,2 %) und Personen
mit körperlichen Behinderungen stellten den kleinsten
Anteil der vermittelten Personen (10,7 %).

GRAFIK
16:
Grafik 16:
VERMITTLUNG
IN DEN
ALLGEMEINEN
ARBEITSMARKT
Vermittlung in den
allgemeinen
Arbeitsmarkt
(HERKUNFT)
(Herkunft)
Schule

12,2 %
Bis Ende 2015 sind 1.086 Personen durch den Integrationsfachdienst bei ihrem Wunsch nach einer Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt unterstützt
worden. 91 Frauen und 369 Männer haben ein sozialversicherungspflichtiges Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis
aufgenommen.

Bildungsbereich Werkstatt

13,1 %
Arbeitsbereich Werkstatt

74,7 %

Der überwiegende Teil der vermittelten Personen entfiel
auf die Altersgruppe bis 40 Jahre (85 %) und mit einer Beschäftigungsdauer innerhalb der Werkstatt für behinderte Menschen von weniger als 10 Jahren. Rund 88 Prozent
der Vermittlungen erfolgten in ein Arbeitsverhältnis; der
SEITE

77

LVR-INTEGRATIONSAMT

GRAFIK
17:
Grafik
17:
VERMITTLUNG
IN DEN
ALLGEMEINEN
ARBEITSMARKT
Vermittlung
in den
allgemeinen
Arbeitsmarkt
(Branchen)(BRANCHEN)
Alle anderen Branchen

Baugewerbe

2,2 %

8,6 %

Erziehung und Unterricht

Verarbeitendes Gewerbe

2,2 %

19,9 %

Land- und Forstwirtschaft

2,4 %
Öffentliche Verwaltung

3,7 %
Verkehr und Lagerei

Gesundheits- und Sozialwesen

9,2 %

19,9 %

Handel und Instandhaltung

9,4 %
Wirtschaftliche Dienstleistungen

Gastgewerbe

10,5 %

12,0 %

TABELLE
Tabelle
35:35:
Vermittlungen in den
VERMITTLUNGEN
IN allgemeinen
DEN ALLGEMEINEN
Arbeitsmarkt
ARBEITSMARKT
2011 – 20152011 – 2015
(Projekt „Übergang
(PROJEKT
„ÜBERGANG
500 plus
500 PLUS
mit dem
MITLVR-Kombilohn“)
DEM LVR-KOMBILOHN“)
2011

2012

2013

2014

2015

gesamt

Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse

67

90

93

91

117

458

weiblich

17

13

12

22

27

91

männlich

50

77

81

69

90

367

Art der Behinderung

Übergang aus

Arbeitsverhältnisse

78

seelisch

27

28

33

32

41

161

geistig

32

48

54

47

67

248

körperlich

8

14

6

12

9

49

WfbM

62

76

78

83

99

398

Schule

5

14

15

8

18

60

befristet

24

38

52

37

58

209

unbefristet

30

42

37

43

45

197

Ausbildung

13

10

4

11

14

52

davon in Integrationsprojekten

22

16

25

22

18

103

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

10.4 Modellprojekt „Zuverdienst“
Eine Evaluation des Modellprojektes hat zu einer Straffung der ursprünglichen Anerkennungs- und Förderverfahren geführt, um potenziellen Arbeitgebern den Zugang
LVR-BUDGET
zu dem Modellprojekt zu erleichtern. Um die Akzeptanz
FÜR ARBEIT
des Modellprojektes weiter zu erhöhen und neue ArZuverdienst und
Übergang Schule –
beitgeber zu finden, die Beschäftigungsmöglichkeiten in
betriebsintegrierte
Beruf (STAR, Initiative
Form des Zuverdienstes anbieten, wird ab 2014 das MoInklusion)
Arbeitsplätze
dellprojekt gemeinsam von der LVR-Eingliederungshilfe
und dem LVR-Integrationsamt durchgeführt. Zur EntlasMit dem Modellprojekt „Zuverdienst“ schafft das LVR-­ tung sich engagierender Arbeitgeber kann nunmehr auch
Dezernat Soziales eine Alternative zur Beschäftigung in der Integrationsfachdienst zur Begleitung geförderter
einer Werkstatt für behinderte Menschen für Personen Personen eingeschaltet werden.
mit wesentlicher Behinderung im Sinne des § 53 SGB
XII, die bisher im Arbeitsbereich einer Werkstatt für be- Die Unternehmen im Rheinland zeigen Interesse am Mohinderte Menschen tätig sind, eine Tagesstätte besuchen dellprojekt und stellen bisher insgesamt 301 Zuver­dienstoder an tagesstrukturierenden Maßnahmen teilnehmen. Möglichkeiten zur Verfügung. In den ersten 3 Jahren des
Das Modellprojekt hat eine Laufzeit bis 2018 mit dem Projektes sind 146 leistungsberechtigte Personen mit
Ziel, 500 Beschäftigungsverhältnisse zu realisieren. Im laufenden Arbeitsverträgen gefördert worden. Die BeRahmen von geringfügiger Beschäftigung („Minijobs“) schäftigungsverhältnisse sind stabil. Die ­ersten Verträge
können Menschen mit einer wesentlichen Behinderung sind bereits verlängert worden. Der Anteil der seelisch
bei Arbeitgebern des allgemeinen Arbeitsmarktes und behinderten Menschen liegt bei ungefähr 90 Prozent. Der
insbesondere in Integrationsprojekten mit einer wö- Anteil der beschäftigten Frauen beträgt 51 Prozent. Das
chentlichen Arbeitszeit zwischen 5 und 14,75  Stunden Modellprojekt „Zuverdienst“ wird begleitend extern evalutätig werden. Die Vertragslaufzeit des Minijobs beträgt iert. Informationen zur Altersverteilung, den Einsatzorten
mindestens 12 Monate und muss ortsüblich bzw. tariflich und -zeiten sowie der Entlohnung werden in einem Abentlohnt werden. Personen im Zuverdienst-Modell stehen schlussbericht dargestellt.
weiterhin im Leistungsbezug des SGB XII. Den Personen,
die an dem Modell „Zuverdienst“ teilnehmen, werden die Der Landschaftsverband Rheinland beteiligt sich auch
Fahrtkosten des ÖPNV erstattet. Der Arbeitgeber erhält als Arbeitgeber an dem Modellprojekt und stellt in der
einen Zuschuss von bis zu 75 Prozent seines Aufwandes LVR-Krankenhauszentralwäscherei in Bedburg-Hau 2 Stelzur Sicherstellung einer fachlich-praktischen Anleitung len in der Mitarbeit im Mangel- und Finishbereich, in der
und zum Ausgleich der behinderungsbedingt verminder- LVR-Klinik Bedburg-Hau in der Garten- und Grundstücks­
ten Leistungsfähigkeit des Minijobbers. Da es sich bei der pflege und im Dienstleistungsbereich der InformationsBeschäftigung nicht um einen Arbeitsplatz im Sinne des und Bildungsstätte (IBS) des LVR-Integrationsamtes in
§ 73 SGB IX handelt, sind Förderungen aus Mitteln der Köln eine Stelle zur Verfügung.
Ausgleichsabgabe nicht möglich.
Landesprogramm
aktion5

Übergang 500 Plus –
mit dem LVR-Kombilohn

10.5 Modellprojekt „Betriebsintegrierte Arbeitsplätze für
Werkstattbeschäftigte“
Landesprogramm
aktion5

Übergang 500 Plus –
mit dem LVR-Kombilohn
LVR-BUDGET
FÜR ARBEIT
Zuverdienst und
betriebsintegrierte
Arbeitsplätze

Übergang Schule –
Beruf (STAR, Initiative
Inklusion)

In Nordrhein-Westfalen sind rund 72.000 Menschen mit
Behinderung in einer Werkstatt für behinderte Menschen
beschäftigt. Bisher können nur ca. 5 Prozent der Werkstatt-Beschäftigten im Rahmen von betriebsintegrierten
Arbeitsplätzen in einem regulären Unternehmen, einer
Verwaltung oder Organisation ihre sozialen Kompetenzen weiterentwickeln und berufspraktische Erfahrungen
sammeln. Das Land NRW und die Landschaftsverbände
SEITE

79

LVR-INTEGRATIONSAMT

Rheinland und Westfalen-Lippe haben daher in Kooperation mit der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2013 das Modellprojekt „Teilhabe
an Arbeit  – 1.000 Außenarbeitsplätze für Menschen mit
Behinderungen / Betriebsintegrierte Arbeitsplätze für
Werk­stattbeschäftigte als Chance zur Inklusion auf dem
­Arbeitsmarkt“ aufgelegt. Das NRW-Modellprojekt verfolgt
das Ziel, innerhalb von 2 Jahren die Zahl der betriebsintegrierten Berufsbildungs- und Arbeitsplätze landesweit
um bis zu 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze zu erhöhen und
somit Menschen mit Behinderung eine Beschäftigungsmöglichkeit vor Ort zu erschließen.
Arbeitgeber, die einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz
schaffen, erhalten für einen Zeitraum von bis zu einem
Jahr einen Zuschuss in Höhe von 50 Prozent des Entgelts der betriebsintegriert beschäftigten Person, maxi-

mal jedoch 350 Euro im Monat. Das LVR-Integrationsamt
beteiligt sich an dem Modellvorhaben durch den Einsatz
der Fachkräfte der Integrationsfachdienste u. a. bei der
Evaluation der Arbeitsergebnisse und der Klärung der beruflichen Perspektiven sowie mit finanziellen Mitteln aus
der Ausgleichsabgabe.
Im Rheinland sind im Laufe des Projektes 406 betriebs­
integrierte Arbeitsplätze neu geschaffen worden; 316
von ihnen sind aus Mitteln der Landesinitiative gefördert
worden. Zwei Drittel der Arbeitsplätze sind mit Männern
besetzt. Im Rahmen der betriebsintegrierten Arbeitsplätze finden im Rheinland überwiegend Personen mit einer
geistigen Behinderung (60 %) eine Beschäftigung außerhalb einer Werkstatt für behinderte Menschen. Ein Drittel
der Personen war vor dem Wechsel auf einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz über 10 Jahre in einer Werkstatt

IIn
n Nordrhein-Westfalen sind bis 30. September 2015 (Projekt(Projekt­
Arbeitsplätze neu geschaffen
ende) 839 betriebsintegrierte ­Arbeitsplätze
worden. Hier finden Sie den Abschlussbericht, eine Zusammenfassung und ein Fazit zur Landesinitiative.

80

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

für behinderte Menschen beschäftigt. Mehr als jeder
zweite betriebsintegrierte Arbeitsplatz ist in der Privatwirtschaft entstanden.
Zum Abschluss des Projektes lassen sich erste Aussagen
zur Nachhaltigkeit von betriebsintegrierten Arbeitsplät­
zen treffen: 60 Prozent der Beschäftigten sind weiter auf
ihrem betriebsintegrierten Arbeitsplatz tätig. 6 Prozent
der Werkstattwechslerinnen und Werkstattwechsler sind
in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung übernommen worden. 34  Prozent der Beschäftigungsmaßnahmen sind während der Laufzeit des Projektes beendet
worden. Die Gründe sind überwiegend personenbezogen.
Fast jeder zweiten Beendigung des betriebsintegrierten Beschäftigungsverhältnisses liegen gesundheitliche
Schwierigkeiten bzw. Überforderung zugrunde. Über
10  Prozent der Beendigungen erfolgten aufgrund mangelnder Motivation bzw. aus verhaltensbedingten Gründen. Ein Viertel der B
­ eendigungen basiert auf betriebswirtschaftlichen ­Aspekten.
Der Landschaftsverband Rheinland selbst hat 47 Beschäftigungsmöglichkeiten im Rahmen des Projektes
zur Verfügung gestellt. 34 betriebsintegrierte Arbeitsplätze sind besetzt. Der Personaleinsatz erfolgt im
Be­­
reich von Hilfstätigkeiten in Verwaltung, Hauswirtschaft, Gartenpflege, Museen und technischen Diensten.
13  Beschäf­tigungsmöglichkeiten konnten nicht besetzt
werden, weil keine Kompatibilität zwischen den Anforderungen des Arbeitsplatzes und den Fertigkeiten und Fähigkeiten der Personen hergestellt werden konnte oder

keine räum­liche Nähe zwischen Wohn- und Arbeitsort
gegeben war.
Tabelle 36:
Arbeitsplätze im Rahmen des LVR-Projektes
„Betriebsintegrierte Arbeitsplätze”
Zahl der betriebsintegrierten ­Arbeitsplätze

406

davon mit Mitteln der Landesinitiative gefördert

316

davon
Männer

208

Frauen

108

Art der Behinderung in Prozent
Geistig / körperlich

58

Seelisch

27

Mehrfachbehinderung

15

Beschäftigungsumfang in Prozent
Vollzeit

77

Teilzeit

23

Art des Arbeitsplatzes in Prozent
Einzelarbeitsplatz

86

Gruppenarbeitsplatz

14

Arbeitgeber in Prozent
Privatwirtschaft

55

Öffentlicher Dienst

24

Sozialwirtschaft

21

Was ist
WAS
ISTein
EIN
betriebsintegrierter
BETRIEBSINTEGRIERTER
Arbeitsplatz?
ARBEITSPLATZ?
Betriebsintegrierte Arbeitsplätze sind aus einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in einen Betrieb
oder ein Integrationsunternehmen ausgelagerte Arbeitsplätze. Die Menschen mit Behinderung sind weiterhin
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der WfbM. Ihr Arbeitsplatz befindet sich allerdings nicht mehr in den Räumen
einer WfbM, sondern in einem Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes. Diese Form der Beschäftigung
bietet dem behinderten Menschen die Möglichkeit, seine Fähigkeiten und Kompetenzen unter den Rahmenbedingungen und Anforderungen des allgemeinen Arbeitsmarktes über einen längerfristigen Zeitraum in der Praxis anzuwenden und zu erproben. Da das Beschäftigungsverhältnis mit der Werkstatt bestehen bleibt, bleiben
für den Menschen mit Behinderung die soziale Absicherung und die Begleitung und Betreuung durch die WfbM
erhalten.
Ziel von arbeitsfördernden Maßnahmen ist immer ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis.
Es entsteht diesbezüglich keine Verpflichtung für den Betrieb, der einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz bereitstellt, diesen in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis umzuwandeln. Die Kooperation zwischen Arbeitgeber
und Werkstatt wird vertraglich geregelt. Der Arbeitgeber zahlt der Werkstatt für die erbrachte Dienstleistung des
Beschäftigten ein vertraglich vereinbartes Entgelt.

SEITE

81

LVR-INTEGRATIONSAMT

10.6 Initiative Inklusion
Das Bundesprogramm „Initiative Inklusion“, welches, orientiert an der Behindertenrechtskonvention der Vereinten
Nationen, die Verbesserung der Situation von Menschen
mit einer Schwerbehinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zum Ziel hat, besteht aus 4 Handlungsfeldern.
Diese sind:
•	Handlungsfeld 1: Berufsorientierung für schwerbehinderte Schülerinnen und Schüler
•	Handlungsfeld 2: neue Ausbildungsplätze für junge
Menschen mit einer Schwerbehinderung in Betrieben
und Dienststellen des allgemeinen Arbeitsmarktes
•	Handlungsfeld 3: neue Arbeitsplätze für ältere Menschen mit einer Schwerbehinderung
•	Handlungsfeld 4: Inklusionskompetenz bei den Kammern
Die Handlungsfelder 1 „Berufsorientierung“ und 2 „neue
betriebliche Ausbildungsplätze“ werden von den beiden
Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe
zusammen mit dem Ministerium für Arbeit, Integration
und Soziales NRW (MAIS NRW), dem Ministerium für
Schule und Weiterbildung (MSW NRW) und der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit (RD NRW)
durchgeführt.
Für die Umsetzung des Handlungsfeldes 3 „neue Arbeitsplätze für ältere Menschen mit einer Schwerbehinderung“
haben sich die beiden Landschaftsverbände Rheinland
und Westfalen-Lippe, das MAIS NRW, die RD NRW sowie
die zugelassenen kommunalen Träger nach dem SGB II
(sogenannte Optionskommunen) auf ein gemeinsames,
arbeitsteiliges Verfahren zur Ausgabe der Förderanträge, Prüfung der Fördervoraussetzungen, Bewilligung und
Auszahlung verständigt. In Nordrhein-Westfalen werden
3 Handlungsfelder von den beiden Landschaftsverbänden
Rheinland und Westfalen-Lippe im Rahmen des LVRbzw. LWL-Budgets für Arbeit durchgeführt.

bildung – für junge Menschen mit einer Schwerbehinderung gefördert werden. Dabei ist für jedes Ausbildungsverhältnis eine Förderung in Höhe von maximal 10.000
Euro möglich.
Gefördert wird in diesem Handlungsfeld die Aufnahme
eines neuen und zusätzlichen Ausbildungsverhältnisses
mit einer einmaligen Prämie an den Arbeitgeber in Höhe
von 3.000 Euro. Zusätzlich können individuelle Maßnahmen, die der Heranführung an eine solche Ausbildung
oder der besseren Einarbeitung dienen, durch ein individuelles Budget an den jungen Auszubildenden mit einer
Schwerbehinderung bezuschusst werden.
Eine solche Maßnahme kann beispielsweise die Vorbereitung einer Ausbildungsaufnahme in Form eines Trainings
sozialer Kompetenzen oder ein individuelles Arbeitstraining nach Ausbildungsbeginn sein. Diese Förderungen
erfolgen analog dem Sonderprogramm „aktion5“, sodass
sichergestellt ist, dass nach Ausschöpfen der Fördermittel des Handlungsfeldes 2 des Bundesprogramms „Initiative Inklusion“ weitere Anträge von Arbeitgebern und jungen schwerbehinderten Menschen aus dem Programm
„aktion5“ bewilligt werden können.
Stand der Umsetzung des Handlungsfeldes „neue
Arbeitsplätze für ältere Menschen mit einer Schwerbehinderung“
Im Rahmen des Handlungsfeldes 3 „neue Arbeitsplätze
für ältere Menschen mit einer Schwerbehinderung“ können neue und zusätzliche Arbeitsplätze in Betrieben und
Dienststellen des allgemeinen Arbeitsmarktes mit einer
einmaligen Prämie an den Arbeitgeber bezuschusst werden, wenn auf diesen Arbeitsplätzen eine Person eingestellt wird, die schwerbehindert ist und das 50. Lebensjahr vollendet hat.

Zum Stand der Umsetzung des Handlungsfeldes 1 „Berufsorientierung“ wird auf die Ausführungen unter 10.2
Übergang Schule – Beruf  /  STAR verwiesen.

Die Prämie wird – in Abhängigkeit von einer eventuellen
Befristung des Arbeitsverhältnisses und der Erfüllung
der gesetzlichen Beschäftigungspflichtquote gem. § 71
SGB IX (bei Betrieben mit Beschäftigungspflicht) – gestaffelt zwischen 5.000 und 10.000 Euro festgelegt.

Stand der Umsetzung des Handlungsfeldes „neue
betriebliche Ausbildungsplätze“
Im Rahmen des Handlungsfeldes 2 des Bundesprogramms „Initiative Inklusion“ können die Anbahnung
und die Aufnahme eines betrieblichen Ausbildungsverhältnisses – sowohl die duale Vollausbildung wie auch
die theo­
riereduzierte (sogenannte) Fachpraktiker-Aus-

Die Mehrzahl der schwerbehinderten Menschen wird
als Fachkraft beschäftigt; nur knapp 30 Prozent nehmen
Anlern- oder Helfertätigkeiten wahr. Bei den Branchen
stehen die verschiedenen Dienstleistungsgewerbe im
Vordergrund. Vor Arbeitsaufnahme stand jeder Zweite im
Bezug von Arbeitslosengeld; ein Fünftel stand im Bezug
von SGB II-Leistungen.

82

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

TABELLE
Tabelle
37:37:
Neue Ausbildungsplätze
NEUE
AUSBILDUNGSPLÄTZE
im Rheinland,
IM RHEINLAND,
gefördert
GEFÖRDERT
durch dieDIE
DURCH
Initiative
INITIATIVE
Inklusion,
INKLUSION,
Handlungsfeld
HANDLUNGSFELD
2
2

TABELLE
Tabelle
38:38:
Neue Arbeitsplätze
NEUE
ARBEITSPLÄTZE
im Rheinland,
IM RHEINLAND,
gefördert
GEFÖRDERT
durch dieDIE
DURCH
Initiative
INITIATIVE
Inklusion,
INKLUSION,
Handlungsfeld
HANDLUNGSFELD
3
3

Zahl der beteiligten Arbeitgeber

270

Zahl der beteiligten Arbeitgeber

393

davon bis 20 Beschäftigte

108

davon bis 20 Beschäftigte

255

davon 21 bis 250 Beschäftigte

162

davon 21 bis 250 Beschäftigte

138

Zahl der Ausbildungsplätze

308

Zahl der Arbeitsplätze

452

davon Frauen

109

davon Frauen

145

davon Männer

199

davon Männer

307

davon anerkannte Ausbildungsberufe

267

davon in Vollzeit

283

davon in Teilzeit (mind. 18 Std.)

163

Grad der Behinderung (GdB)
Gleichstellung

59

Grad der Behinderung (GdB)

GdB 50 bis 70

150

Gleichstellung

62

GdB › 70

99

GdB 50 bis 70

248

GdB › 70

142

Art der Behinderung
Körperbehinderung

78

Art der Behinderung

Sinnesbehinderung

47

Körperbehinderung

184

kognitive Behinderung

68

Sinnesbehinderung

35

seelische Behinderung

44

kognitive Behinderung

2

Mehrfachbehinderung

26

seelische Behinderung

11

sonstige Behinderung

45

Mehrfachbehinderung

44

sonstige Behinderung

176

Alter bei Ausbildungsbeginn
bis 18 Jahre

94

Alter bei Ausbildungsbeginn

19 bis 21 Jahre

143

50 bis 53 Jahre

165

über 21 Jahre

71

54 bis 57 Jahre

150

58 bis 61 Jahre

120

62 bis 65 Jahre

17

Schulabschluss
kein bzw. sonstiger Abschluss

2

Förderschule

45

Abschluss

Hauptschule

79

kein Abschluss

43

Realschule

91

abgeschlossene Ausbildung

352

Fachschule

48

Gymnasium

37

abgeschlossenes Fach- oder
­Hochschulstudium

53

sonstiger Abschluss

4

SEITE

83

11

LVR-INTEGRATIONSAMT

Die Modellprojekte
DIE
MODELLPROJEKTE
und Forschungsvorhaben
UND FORSCHUNGSVORHABEN

KURZ & KNAPP
•	Implementierung bzw. Fortführung innovativer Modellprojekte wie Peer Counseling, Berufliche Inte­
gration von Menschen mit ASS, Integrationscoaching für Menschen mit einer Sehbehinderung (IcoSiR),
„SchülerPool“ und Qualifizierungs- und Ausbildungsprojekt im LVR-APX.
•	„AndersSehen“ – ein neuer Film des LVR-Integrationsamtes bewirbt die Modellprojekte IcoSiR und
SchülerPool.
•	Im Rahmen des Modellprojektes „Berufliche Integration von Menschen mit ASS“ wird ein Coaching-­
Manual verfasst, in dem die einzelnen Module – mit Schwerpunkt auf dem Gruppencoaching – vorgestellt werden. Die im Kölner Raum entwickelten Module sollen künftig bundesweit Anwendung finden.
Das Manual wird im kommenden Jahr im Beltz-Verlag veröffentlicht.
•	Beteiligung des LVR-Integrationsamtes am Projekt „BIT inklusiv“ – einem Projekt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales für barrierefreie Informationstechnik in einer inklusiven Arbeitswelt.
•	Beauftragung der Forschungsvorhaben „ejo – elektronischer Job-Coach“ und „Inkludierte Gefährdungsbeurteilung“.

Das breit gefächerte Unterstützungsangebot der gesetzlichen Förderung durch das LVR-Integrationsamt
an schwerbehinderte Menschen selbst, aber auch an
deren Arbeitgeber, hat zum Ziel, dass schwerbehinderte Menschen in ihrer sozialen Stellung nicht absinken, auf ­Arbeitsplätzen beschäftigt werden, auf denen
sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse voll verwerten und
weiter­entwickeln können und befähigt werden, sich am

­rbeitsplatz und im Wettbewerb mit nichtbehinderten
A
Menschen zu behaupten. Für das LVR-Integrationsamt steht – auch mit Blick auf die demografische und
wirtschaftliche Entwicklung – die Frage im Mittelpunkt,
wie die Arbeitsplätze schwerbehinderter Menschen im
Rheinland langfristig gesichert werden können und wie
weiterhin das Ziel verfolgt werden kann, Arbeits- und
Ausbildungsplätze neu zu schaffen.

11.1 Förderung innovativer Modellprojekte
Berufliche Integration von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung
Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
sind überdurchschnittlich stark von Arbeitslosigkeit betroffen, obwohl sehr viele dieser Personen über mindestens ausreichende bis hin zu überdurchschnittlichen
­Fähigkeiten und Stärken verfügen. Da sowohl die Menschen mit ASS als auch ihr berufliches Umfeld besondere Unterstützungsangebote benötigen, die bislang durch
das LVR-Integrationsamt weder untersucht noch struktu-

84

rell vorgehalten worden sind, wurde in Zusammenarbeit
mit der Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der
Uniklinik Köln und dem Integrationsunternehmen Füngeling Router gGmbH ein dreijähriges Modellvorhaben „Berufliche Integration von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung“ entwickelt.
Im Rahmen dieses Modells soll ein modular aufgebautes,
aus fakultativen und optionalen Elementen bestehendes
Gesamtangebot für Menschen mit ASS entwickelt, ­erprobt

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

und wissenschaftlich untersucht werden. Dieses Angebot
soll zukünftig allen Personen der Zielgruppe als Budget
zur beruflichen Teilhabe zur Verfügung gestellt werden.
Es wird damit gerechnet, dass mindestens 50 Personen
mit ASS am Modellvorhaben teilnehmen. Das Modellvorhaben wird mit 480.000 Euro gefördert. Das LVR-Systemhaus Infokom hat sich bereit erklärt, 2 Praktikumsplätze
zur Verfügung zu stellen und für 2 geeignete Bewerberinnen oder Bewerber eine sozialversicherungspflichtige
Beschäftigung zu realisieren.
Zu den wichtigsten Bausteinen im Modellprojekt „Autis­
mus und Beruf“ zählen das Gruppencoaching, ein ergänzendes Personalcoaching, das ein individuelles Üben
der neu erlernten Verhaltensweisen ermöglicht, und die
Möglichkeit, von einem Arbeitstrainer unmittelbar am
­Arbeitsplatz unterstützt zu werden. Es hat sich gezeigt,
dass es auch sehr wichtig ist, Vorgesetzte und Kolleginnen/Kollegen in den Coachingprozess einzubeziehen. Für
Arbeitstrainer werden Weiterbildungen angeboten. Eine
fallbezogene Supervision für die Arbeitstrainer, Personalund Gruppencoaches ist in Planung.
Bisher wurden 48 Personen im Modellprojekt beraten
und betreut. Der überwiegende Teil der Teilnehmenden
hat insbesondere von den Maßnahmen Gruppencoaching
und Personalcoaching stark profitiert. Die bisherigen
Erfahrungen zeigen deutlich, dass die Verzahnung der
einzelnen Module, Gruppencoaching, Personalcoaching,
Arbeitstraining sowie der Einbezug der Arbeitgeber und
des Kollegenkreises extrem wichtig ist.
Im Rahmen des Modellprojektes hat am 21. März 2015 die
Fachtagung „Von Marsmenschen und Menschenwürde –
Autismus und Beruf“ mit ca. 250 Teilnehmern stattgefunden (vgl. Kapitel 14.2).
Integrationscoaching für Menschen mit Sehschädigung
im Rheinland
Menschen mit einer Schwerbehinderung haben im Rahmen der Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben – neben dem
Anspruch einer psychosozialen Beratung und Begleitung
durch einen Integrationsfachdienst (IFD) – Anspruch auf
ein intensives Arbeitstraining (sog. Jobcoaching), wenn
dadurch berufliche Kenntnisse und Fertigkeiten erhalten oder erweitert werden können und das bestehende
Arbeitsverhältnis dauerhaft gesichert oder eine neue
­
Tätigkeit erreicht werden kann. Für Menschen mit einer
Sinnesbehinderung existiert diese Möglichkeit in der Praxis nicht, da es sowohl rheinland- als auch bundesweit
kein Arbeitstrainingsangebot gibt, welches auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Hör- oder Sehbe-

hinderungen spezialisiert ist und entsprechende Fachkompetenzen, wie z. B. Gebärdensprachkompetenz oder
spezielle sehbehindertentechnische Hilfsmittel aufweist.
Für Menschen mit einer Hörschädigung wurde in den Jahren 2010 – 2012 ein entsprechendes Angebot ­entwickelt.
Dieses gehört seit dem Jahr 2013 zum Regelangebot des
LVR-Integrationsamtes. Zusammen mit dem IFD Sehen
und dem Berufsförderungswerk Düren soll nun in einem
dreijährigen Modellvorhaben „Integrationscoaching für
Menschen mit Sehschädigung im Rheinland“ (IcoSiR) ein
entsprechendes Jobcoaching-Angebot für Personen mit
einer Sehbehinderung im Rheinland entwickelt, erprobt,
wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden. Begleitet
wird das Projekt vom Lehrstuhl „Berufliche Rehabilita­tion“
am Institut für Psychologie der RWTH Aachen. Es wird mit
Projektkosten von ungefähr 725.000 Euro gerechnet.
Mit diesem Angebot wird für die Zielgruppe der Menschen mit einer Sehbehinderung eine Lücke im Unter­
stützungssystem geschlossen. Nach dem Start des
Modellprojektes erfolgte zunächst die zielgruppenspezifische Qualifizierung der Arbeitstrainerinnen bzw. der
Arbeitstrainer und hierauf aufbauend die Durchführung
erster Unterstützungsleistungen in den Betrieben des
allgemeinen Arbeitsmarktes. Seit 2015 wird dieses intensive Arbeitstraining vom Integrationsfachdienst „Sehen“
den Menschen mit Sehbehinderung angeboten.
Hilfsmittelberatung, -versorgung und -begleitung für
Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt
Sehen
Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt
Sehen werden zunehmend im Gemeinsamen Lernen an
allgemeinbildenden Schulen unterrichtet. Dabei stellen
sich besondere Herausforderungen, sowohl bei der Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit Hilfsmitteln
als auch im Training der richtigen Nutzung dieser Hilfsmittel. Während in Förderschulen in der Regel Hilfsmittel
vorhanden sind und das Training mit diesen Hilfsmitteln
sowie deren tägliche Nutzung im Rahmen des regulären
Unterrichts eingebettet sind, sind allgemeine Schulen
nicht mit den erforderlichen Hilfsmitteln ausgestattet
und verfügen auch nicht über geeignetes Personal zur
Einweisung in die Hilfsmittelnutzung.
Diese Lücke im Versorgungssystem erschwert oder verhindert die Vorbereitung der Aufnahme einer – ansonsten
bei der Zielgruppe chancenreichen – betrieblichen Ausbildung. Beispielsweise stehen für vorbereitende betriebliche
Hospitationen, (Langzeit-)Praktika oder Probebeschäftigungen keine Hilfsmittel zur Verfügung oder die SchüSEITE

85

LVR-INTEGRATIONSAMT

lerinnen und Schüler sind im Umgang mit diesen nicht
hinreichend trainiert und können daher im betrieblichen
Praktikum ihr volles Leistungsvermögen nicht zeigen.
Das LVR-Integrationsamt möchte diese Lücke z­ usammen
mit dem Berufsförderungswerk ­Düren durch ein dreijähriges Modellprojekt „SchülerPool“ schließen und damit
den Übergang von Schülerinnen und Schülern mit dem
Förderschwerpunkt Sehen in eine betriebliche Ausbildung verbessern. Hierfür soll im Rahmen des Modells
ein Hilfsmittelpool zur flexiblen Nutzung aufgebaut und
­personelle Ressourcen für Beratung und Training in Bezug auf den Hilfsmittelgebrauch bereitgestellt werden.
Im Rahmen des dreijährigen Modells fallen Kosten im
Umfang von ca. 410.600 Euro an. Hierin enthalten sind die
Aufwendungen für den Aufbau des (technischen) Hilfsmittelpools.
Der „SchülerPool“ wurde erfolgreich eingeführt und wird
von vielen Schülerinnen und Schülern seit dem letzten
Jahr genutzt. Aktuell wird am weiteren Ausbau des Netzwerkes und einer dauerhaften Etablierung gearbeitet.
Qualifizierungs- und Ausbildungsprojekt „Nachbau
römischer Einbäumer“ im LVR-Archäologischen Park
Xanten (APX)
Im LVR-Archäologischen Park Xanten sind im Rahmen
eines dezernatsübergreifenden Kooperationsprojektes
­
mit dem LVR-Integrationsamt in den Jahren 2014 / 2015 die

„Neha­lennia“ (römische Lastenfähre) sowie 2  ­römische
Einbäume originalgetreu nachgebaut worden. 6  junge
Menschen mit Behinderungen oder erheblichen sozialen
Schwierigkeiten aus Werkstätten für behinderte Menschen, aus (Förder-)Schulen oder Wohneinrichtungen
werden in einem Langzeitpraktikum an eine betriebliche
Ausbildung im traditionellen Holzhandwerk herangeführt.
Die gezielte Erprobung und Qualifizierung der jungen
Menschen während des Langzeitpraktikums ist ein Schritt
auf dem Weg zur Aufnahme einer betrieblichen Berufsausbildung im LVR-APX. 2 Personen (ein Werkstatt-­
Beschäftigter und ein Schüler mit Behinderung) kommen
als Auszubildende in Betracht. Beide benötigen jedoch
weitere, insbesondere schulische und fachtheoretische
Ausbildungsvorbereitungen, damit ein erfolgreicher Ausbildungsverlauf möglich wird. Das Qualifizierungs- und
Ausbildungsvorbereitungsprojekt wird fortgesetzt mit
dem Nachbau einer römischen Liburne. An der zweiten
Phase des Projektes sollen mindestens 5 weitere junge
Menschen mit Behinderung teilnehmen, sodass im Anschluss ein langfristiges Ausbildungsprojekt mit mindestens 4 betrieblichen Ausbildungsplätzen realisiert werden
kann. Es ist der originalgetreue Nachbau der vollständigen römischen Schifffahrtsflotte geplant. Das Projekt ist
zunächst ausgelegt auf eine Laufzeit von 6 Jahren und
wird mit Kosten in Höhe von insgesamt 637.000 Euro veranschlagt.

Bild 21: Schiffsbaumeister Kees Sars (r.) und Praktikant Stefan Achterberg (2. v. r.) zeigen Dr. Martin Müller, Prof. Dr. Angela
Faber und Milena Karabaic ihre Arbeit am Einbaum Philemon. (Foto: LVR)

86

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Peer Counseling
Der Landschaftsverband Rheinland erprobt in mehreren
Regionen des Rheinlandes insgesamt 10 neue Kon­zepte
zum Peer Counseling. Die Förderung ist zunächst auf
3 Jahre befristet und hat eine Laufzeit vom 1. Juni 2014 bis
31. Mai 2017. Die Finanzierung der geförderten Projekte
und Beratungsangebote erfolgt zu 67 Prozent aus Mitteln
der Ausgleichsabgabe und zu 33 Prozent aus Mitteln der
Eingliederungshilfe. Es sind Gesamtkosten in Höhe von
einer Million Euro veranschlagt. Die Beratungsangebote
werden durch die Prognos AG und die Universität Kassel
wissenschaftlich evaluiert .
Die vom LVR geförderten Anlaufstellen und Beratungsangebote des Peer Counseling richten sich an Menschen,
die im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen wesentlich
behindert oder von einer solchen Behinderung bedroht
sind sowie an Schülerinnen und Schüler mit (Schwer-)

Behinderung und sonderpädagogischem Förderbedarf,
die an einer Schnittstelle ihrer beruflichen Entwicklung
stehen und sich mit dem Übergang auf den allgemeinen
Arbeitsmarkt beschäftigen. Auch Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der rheinischen Werkstätten für behinderte
Menschen, die Wege auf den allgemeinen Arbeitsmarkt
suchen und zum Beispiel ein Praktikum machen oder auf
einem betriebsintegrierten Arbeitsplatz arbeiten möchten, können sich hier von „Peers“, also anderen Menschen mit Behinderung und ähnlicher Erfahrung, beraten
lassen.
Das Zentrum für Bildung, Kultur und Integration gGmbH
(Köln), die Kette e. V. (Bergisch Gladbach) und der Integrationsfachdienst Bonn 
/ 
Rhein-Sieg (Sankt Augustin)
beteiligen sich an dem Modellprojekt mit Angeboten im
Bereich der Teilhabe am Arbeitsleben.

Peer Counseling
PEER
COUNSELING
ist eine Beratungsmethode unter Menschen mit gleichen Voraussetzungen bzw. Bedürfnissen.
Die UN-Behindertenrechtskonvention unterstützt durch Artikel 26 dieses Instrument bei der
­Beratung von Menschen mit Behinderung durch Menschen mit Behinderung. Ziel ist es, eine
Beratung
Beratung auf Augenhöhe anzubieten und somit partizipatorische Prozesse und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung zu fördern.

SEITE

87

LVR-INTEGRATIONSAMT

Der erste Zwischenbericht der Begleitforschung im Jahr
2015 weist aus, dass Peer Counseling verschiedenen Faktoren unterliegt, die sich wechselseitig beeinflussen und
hochgradig individuell sind. Auf der einen Seite stehen die
individuellen Ziele der zu Beratenden wie das Erreichen
persönlicher Ziele, die Lebensqualität und die selbstbestimmte Lebensführung sowie die Erfahrungen und
Persönlichkeitsmerkmale, die jeder Mensch mitbringt.
Demgegenüber stehen die „Peers“ selbst mit ihrer Qualifikation und Erfahrung, persönlicher Betroffenheit und
eigenem Rollenverständnis. Auch Umfeld- und Umwelt-

faktoren wie die Erreichbarkeit der „Peers“, die Barrierefreiheit oder die Ausgestaltung der Beratungsräumlichkeiten haben Einfluss auf den Beratungsprozess und das
Beratungsergebnis.
Der Landschaftsverband Rheinland hat die Zwischenergebnisse der Begleitstudie auf der LVR-Tagung „Peer
Counseling – Rheinische Erfahrungen und internationale
Perspektiven“ am 18. November 2015 vorgestellt und mit
der Fachöffentlichkeit diskutiert.

11.2 Forschungsvorhaben
11.2.1 „ejo – elektronischer Job-Coach“
Mit diesem Projekt sollen die Möglichkeiten behinderungskompensierender Technologien bei der beruflichen
Integration erforscht werden. Zielgruppe des Projektes
sind Personen mit kognitiven Einschränkungen, insbesondere bei Problemen mit dem Kurzzeitgedächtnis, der
Kombinationsfähigkeit oder Verständnisproblemen logischer Prozesse. Sie benötigen häufig eine direkte Anleitung, um effizient tätig werden zu können. Andere Personengruppen, z. B. Menschen mit einer Lernbehinderung,
können zu einem späteren Zeitpunkt auch entsprechend
unterstützt werden.

Der Praxisbezug lässt sich am besten an einem konkreten Beispiel dokumentieren: Der „ejo“ (in diesem konkreten Fall ein Smartphone oder Tablet) kann einem kognitiv eingeschränkten Hausmeister immer wieder sagen
oder zeigen, wie er eine Heizung zu konfigurieren hat.
Die Technik erlaubt die Unterstützung durch Bilder und
Abbildungen. Der schwerbehinderte Handwerker kann
so seine Arbeit selbstständig durchführen. Sollte er bei
der einen oder anderen Situation Unterstützung über die
Technik hinaus benötigen, bietet diese Technik die Möglichkeit, mit einem Kollegen  /einer Kollegin Kontakt aufzunehmen (sogenannte Peer-to-Peer-Verbindung).

Ziel der Forschung ist es, die Hard- und Software-Voraussetzungen zu ermitteln und zu schaffen, die es ermöglichen, die im individuellen Arbeitsprozess erforderlichen
Handlungsschritte abrufbar bereitzuhalten und je nach
Situation die aktuellen Parameter aufzuzeigen. Dafür
werden im Rahmen des Projektes geeignete Jobprofile
und Unterstützungsoptionen analysiert, die technischen
Anforderungen geklärt und exemplarisch am Jobprofil
umgesetzt.

In der ersten Projektphase sind die für die adaptive Technologie entsprechenden technischen Grundlagen erarbeitet und die Evaluation eines Prototyps von potenziellen
Endnutzern durchgeführt worden. In der nächsten Projektphase werden die Testergebnisse in die Grundfunktionalität des „ejo“ integriert, ein zweiter „Feldversuch“
durchgeführt und eine intuitiv bedienbare Oberfläche für
die Erstellung und Administration von Arbeitsvorgängen
entwickelt.

Forschungsvorhaben LVR-Budget
FORSCHUNGSVORHABEN
LVR-BUDGET
für Arbeit
FÜR ARBEIT
Der LVR hat seine Leistungen der Eingliederungshilfe und des Integrationsamtes im Bereich
Arbeit und Beschäftigung in einem „LVR-Budget für Arbeit“ gebündelt, mit dem er Übergänge
fördert und die beteiligten Akteure besser untereinander vernetzt. Das LVR-Integrationsamt
hat die Universität Halle
Halle / W
Wittenberg
ittenberg mit der Durchführung eines Forschungsprojektes zum
„Budget für Arbeit“ beauftragt. Die Ergebnisse sind in einem Forschungsbericht zusammengefasst und am 28. November 2014 in Köln vorgestellt worden. Der Forschungsbericht stellt einen Vergleich
zwischen den verschiedenen existierenden Modellen zu einem Budget für Arbeit an, beleuchtet die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen und gibt Empfehlungen zur flächendeckenden Einführung und
Weiterentwicklung des Teilhabe-Angebotes.

88

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Das Vorhaben des Lehrstuhls für Rehabilitationstechnologien der Technischen Universität Dortmund wird mit
215.000 Euro gefördert.
11.2.2 Inkludierte Gefährdungsbeurteilung
Das LVR-Integrationsamt hat das Institut für Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik und Ergonomie e. V. (ASER), Wuppertal, mit dem Forschungsvorhaben „Inkludierte Gefährdungsbeurteilung“ beauftragt. Das Forschungsvorhaben
dient dem Ziel, das Beratungsangebot des Technischen
Beratungsdienstes des LVR-Integrationsamtes im Bereich der Gefährdungsbeurteilung von Arbeitsplätzen für
Menschen mit Sinnesbehinderungen und ihre Arbeitgeber zu verbessern.
Zwar sind die Arbeitgeber gemäß den Arbeitsschutzgesetzen verpflichtet, selbst alle erforderlichen Maßnahmen
zu ergreifen. Diese bestehenden Regelungen jedoch sind
ausgerichtet auf eine „standardisierte“ Person. Die häufig
sehr individuellen Bedürfnisse eines schwerbehinderten
Menschen werden nicht ausreichend berücksichtigt. Hier
soll das Forschungsvorhaben eine grundsätzliche Methodik zur Erstellung einer geeigneten Gefährdungsbeurteilung und – zunächst für Hörbehinderungen – eine konkretisierende Handlungshilfe entwickeln. Das Vorhaben hat
eine Laufzeit von 15 Monaten und wird mit 120.000 Euro
finanziert.
In einem ersten Schritt sind die unterschiedlichen
menschlichen Fähigkeiten bei der betrieblichen Beurteilung der Arbeitsbedingungen dargestellt und erörtert
worden. Dabei wurde explizit auf spezielle Gefahren für
besonders schutzbedürftige Gruppen von Beschäftigten

eingegangen. Darauf aufbauend wird im weiteren Projektverlauf am Beispiel bestimmter Zielgruppen die Methodik im Sinne einer Handlungshilfe weiter aufbereitet
und an ausgewählten Arbeitssystemen erprobt.
11.2.3 „BIT inklusiv“ – Barrierefreie Informationstechnik für inklusives Arbeiten
BIT inklusiv ist ein auf 3 Jahre angelegtes Projekt, das
durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales
und die Integrationsämter der Landschaftsverbände
Rheinland und Westfalen-Lippe gefördert wird. LVR- und
LWL-Integrationsamt sind gleichzeitig Kooperationspartner im Projekt. Durchgeführt wird das Projekt vom Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium
und Beruf e. V. in Marburg. Die Integrationsämter beteiligen sich mit 180.000 Euro an den Gesamtkosten von
2,2 Mio. Euro.
BIT inklusiv fördert neue Beschäftigungsmöglichkeiten
durch barrierefreie Informationstechnik, den Aufbau von
zertifizierten Kompetenzzentren sowie die Qualifizierung
von Schlüsselpersonen und Angehörigen von IT-Abteilungen in Behörden und Unternehmen. Auf diese Weise
soll Grundlagenwissen für die Entwicklung barriere­freier
IT vermittelt und verbreitet werden. Im Projekt sollen
standardisierte Testverfahren zum Prüfen der Barrierefreiheit von Anwendungssoftware und PDF-Dokumenten
entwickelt werden. Ein weiterer Schwerpunkt sind sozial­
wissenschaftliche Erhebungen über konkrete Barrieren
der Informationstechniken an Arbeitsplätzen von blinden
und sehbehinderten Beschäftigten. Die Projektergebnisse werden voraussichtlich im Frühjahr 2017 vorgestellt.

SEITE

89

12

LVR-INTEGRATIONSAMT

Prävention
PRÄVENTION

KURZ & KNAPP
•	Es wurden 871 Präventionsverfahren i. S. d. § 84 Abs. 1 SGB IX eingeleitet. Bei den Gründen, ein Präven­
tionsverfahren in Angriff zu nehmen, stehen personenbedingte Gründe mit rund 60 % im Vordergrund.
In rund 36 % der Verfahren sind finanzielle Leistungen an Arbeitgeber und schwerbehinderte Menschen
geflossen.
•	Bei 242 Verfahren zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) wurden die kommunalen
Fachstellen beteiligt. In 24 % der Verfahren sind finanzielle Leistungen an Arbeitgeber und schwerbehinderte Menschen geflossen.
•	Die Zahl der BEM- und Präventionsverfahren, die in einem Kündigungsschutzverfahren enden, liegt bei
18 bzw. 13 %.
•	Im Jahr 2015 haben 5 Arbeitgeber für ihr Konzept und die Umsetzung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements eine Prämie erhalten.

12.1 Prävention für schwerbehinderte Menschen
im ­Arbeitsleben
Prävention im Allgemeinen bezeichnet jede Maßnahme,
die darauf ausgerichtet ist, eine Beeinträchtigung der
Gesundheit (Krankheit, Verletzung) zu verhindern, zu verzögern oder weniger wahrscheinlich werden zu lassen.
Prävention im Sinne des § 84 Abs. 1 SGB IX ist darauf ausgerichtet, die Arbeitsplätze von schwerbehinderten oder
gleichgestellten Menschen langfristig zu sichern, indem
auftretende Schwierigkeiten personen-, verhaltens- oder
betriebsbedingter Art frühzeitig erkannt und beseitigt bzw.
abgemildert werden. Arbeitgeber sind zur Prävention verpflichtet. Sie müssen bei Eintreten von Schwierigkeiten,
die das Arbeits- oder Beschäftigungsverhältnis schwerbehinderter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefährden
können, frühzeitig die Schwerbehindertenvertretung, den
Betriebs- oder Personalrat und das Integrationsamt bzw.
die Fachstellen einschalten.

und Abklärung von Möglichkeiten, Hinzuziehung externer
Fachberaterinnen und Fachberater, wie dem technischen
Beratungsdienst des Integra­tionsamtes, Reha-Maßnahmen, Begleitung und Betreuung durch den Integrationsfachdienst, Umsetzung, Weiterqualifizierung, Fortbildung,
­Arbeitsplatzausstattung unter Inanspruchnahme der Fördermöglichkeiten des SGB IX. Der Präventionsgedanke wird
von immer mehr ­Arbeitgebern akzeptiert und umgesetzt.

Dabei sollen alle möglichen und zumutbaren inner- wie
außerbetrieblichen Hilfen zum Einsatz kommen, z. B.
gemeinsame Gespräche zur Klärung des Sachverhaltes

Bei den Gründen, ein Präventionsverfahren einzuleiten,
stehen personenbedingte Gründe mit über 60 Prozent im
Vordergrund. Unterschiede zwischen Frauen und Män-

90

Die örtlichen Fachstellen – als erste Ansprechstelle für
die Arbeitgeber bei bestehenden Beschäftigungsverhältnissen – sind in den vergangenen Jahren immer ö
­ fter bei
Präventionsfällen hinzugezogen worden. Im Jahr 2015
sind 871 Präventionsfälle an die Fachstellen im Rheinland
herangetragen worden. In 40 Prozent der Fälle waren
schwerbehinderte Frauen betroffen.

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

GRAFIK
Grafik
18:
18:
Verteilung derDER
VERTEILUNG
Gründe
GRÜNDE
dach Geschlecht
NACH GESCHLECHT
im Rahmen
IMvon
RAHMEN
Prävention
V0N in
PRÄVENTION
Prozent
IN PROZENT
Frauen

Männer

Betriebsbedingte Gründe

Betriebsbedingte Gründe

12 %

15 %

Gründe in Klärung

Gründe in Klärung

4%
Verhaltensbedingte
Gründe

6%
Verhaltensbedingte
Gründe

16 %

10 %

Personenbedingte Gründe

Personenbedingte Gründe

68 %

69 %

nern bestehen hier nicht (vgl. Grafik 18). Fast 800 Präventionsanfragen konnten die rund 100 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der Fachstellen für Menschen mit Behinderung
im Arbeitsleben im Rheinland im Jahr 2015 abschließend
bearbeiten. In rund 36 Prozent der Verfahren haben die örtlichen Fachstellen Arbeitgeber und schwerbehinderte Menschen durch Zuschüsse im Rahmen der Arbeitsplatzgestaltung und -ausstattung finanziell unterstützt. In 41 Prozent
der Kontakte haben die örtlichen Fachstellen mit umfangreichen Beratungen geholfen – weitere Maßnahmen waren nicht notwendig. Rund 5 Prozent der Fälle sind an den
jeweiligen Rehabilitationsträger abgegeben worden und in
18 Prozent der als Präventionsfall bekannt gewordenen Fälle endete der Kontakt in einem Kündigungsschutzverfahren.

Alle präventiven Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, einem Verlust des Arbeitsplatzes vorzubeugen. Sind
sämtliche Hilfemöglichkeiten geprüft bzw. ausgeschöpft
und die Schwierigkeiten nicht behoben bzw. treten diese
nach einiger Zeit wieder auf, so kann dem Arbeitgeber in
der Regel nicht zugemutet werden, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen. In diesen Fällen kann unter Umständen
der ­Arbeitgeber mit einem verkürzten Kündigungsverfahren rechnen, da er bei den Maßnahmen der Prävention das LVR-Integrationsamt und die örtliche Fachstelle schon frühzeitig mit eingebunden hatte. Umgekehrt
werden Integrationsämter wie auch Arbeitsgerichte bei
Nicht­einhaltung der Präventionsverpflichtung den Kündigungsantrag des Arbeitgebers sehr genau prüfen und

GRAFIK
Grafik
19:
19:
Ausgang der
AUSGANG
DER
abgeschlossenen
ABGESCHLOSSENEN
Präventionsverfahren
PRÄVENTIONSVERFAHREN
gem. § 84 Abs.
GEM.
1 Sgb
§ 84
Ix ABS. 1 SGB IX
personenbedingt
verhaltensbedingt
betriebsbedingt
250

223

219

200

150

100

66

61
50

39

37

29

32

36

28
4

Beratung ohne
weitere Maßnahmen

Finanzielle
Leistungen

Kündigungsantrag

4

Abgabe an den
Reha-Träger

SEITE

91

LVR-INTEGRATIONSAMT

darauf achten, dass der Arbeitgeber im Vorfeld der Kündigung alle Maßnahmen eingeleitet hat, um diese abzuwenden.
Integrationsvereinbarungen und ihre
W
­ eiterentwicklung
Die Schwerbehindertenvertretung und / oder die betriebliche Interessenvertretung schließen mit ihrem Arbeitgeber
eine betriebsnahe und individuelle Vereinbarung, die sogenannte Integrationsvereinbarung (§ 83 SGB IX), ab. In den
Zielvereinbarungen können eine Reihe von arbeitsplatzund beschäftigungserhaltenden Maßnahmen vereinbart
werden, die geeignet sind, die Beschäftigungssituation
schwerbehinderter und gleichgestellter behinderter Menschen spürbar zu verbessern. Dem LVR-Integrationsamt
sind rund 200 Vereinbarungen bekannt gegeben worden.
Das Interesse der betrieblichen Funktionsträger und
der Arbeitgeber am Abschluss einer Integrationsvereinbarung hat mit Einführung des Betrieblichen Eingliede-

rungsmanagements (§ 84 SGB IX) spürbar nachgelassen.
Heute werden überwiegend Betriebs- bzw. Dienstvereinbarungen zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement verhandelt und abgeschlossen, die die besonderen
Belange der schwerbehinderten und gleichgestellten behinderten Menschen bei der Beschäftigung zumeist nicht
gesondert berücksichtigen.
Durch die nunmehr spürbar zunehmenden Auswirkungen des demografischen Wandels wie auch der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention und den
damit verbundenen Aktivitäten auf allen Ebenen der Gesellschaft ist das Interesse an Verbesserungen der Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung
wieder gestiegen. Die ersten Unternehmen haben dazu
bereits sogenannte Aktionspläne aufgestellt, mit denen
sie sich mittel- bis langfristige Unternehmensziele zum
Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit ihrer Fachkräfte und
Maßnahmen zur Eingliederung von jungen Menschen mit
Behinderung im Arbeitsleben gesetzt haben.

12.2 Betriebliches Eingliederungsmanagement
Mit dem Gesetz zur „Förderung der Ausbildung und Beschäftigung behinderter Menschen“ vom 23. April 2004
(­Sozialgesetzbuch IX) hat der Gesetzgeber die betrieb­
liche Prävention mit der Einführung der Vorschrift zum
betrieblichen Eingliederungsmanagement weiter gestärkt. Der Gesetzgeber verpflichtet die Arbeitgeber, für
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die innerhalb der letzten 12 Monate länger als 6 Wochen ununterbrochen oder
wiederholt arbeitsunfähig sind, ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) durchzuführen.
Sind von einem BEM-Verfahren schwerbehinderte oder
gleichgestellte Beschäftigte betroffen, kann der Arbeitgeber hier ebenso auf die Unterstützung der örtlichen
Fachstellen zugreifen wie in einem Präventionsverfahren.
Im Jahr 2015 sind 242 BEM-Fälle an die rund 100  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der örtlichen Fachstellen
im Rheinland herangetragen worden, dabei waren in
40 Prozent der BEM-Ver­fahren schwerbehinderte Frauen

­ etroffen. In 24 Prozent der Verfahren haben die örtlichen
b
Fachstellen Arbeitgeber und schwerbehinderte Menschen durch Zuschüsse im Rahmen der Arbeitsplatzgestaltung und -ausstattung finanziell unterstützt. In fast
55  Prozent der Kontakte haben die örtlichen FachstelGRAFIK
20:
Grafik
20:
AUSGANGder
DER
ABGESCHLOSSENEN
BEM-VERFAHREN
Ausgang
abgeschlossenen
Bem-Verfahren

Kündigungsantrag
13 %
Abgabe an den
Reha-Träger
8%
Finanzielle Leistungen
24 %
Beratung ohne weitere
Maßnahmen
55 %

Das LVR-Integrationsamt unterstützt darüber hinaus die handelnden Personen in den Betrieben
und Dienststellen mit einer Handlungsempfehlung, individualisierbaren Informationsflyern für
die Beschäftigten und dem Angebot von Praxistagen zum Austausch von Erfahrungen. Ergänzend werden Tages
Tages­seminare
seminare und Vorträge – auch als Inhouse-Veranstaltungen – angeboten.

92

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

len mit umfangreichen Beratungen geholfen – weitere
Maßnahmen waren nicht erforderlich. Rund 8 Prozent
der Fälle sind an den jeweiligen Rehabilitationsträger
abgegeben worden und in 13 Prozent der als BEM-Fall
bekannt gewordenen Fälle endete der Kontakt in einem
Kündigungsschutzverfahren.

AXA Konzern AG
Bei der AXA Konzern AG am Standort Düsseldorf war die
Integration von erkrankten Beschäftigten und Menschen
mit Behinderungen bereits vor der offiziellen Betriebsvereinbarung zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement im Jahr 2013 ein großes Thema. Das achtköpfige
BEM-Team des Standortes zeichnet sich durch eine jahrelange und erfolgreiche Aufklärungsarbeit aus. Auch die
kontinuierliche Fortbildung der BEM-Team-Mitglieder
ist fester Bestandteil des BEM-Konzeptes. Am Standort
Düsseldorf sind insgesamt 425 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Die Beschäftigungsquote schwerbehinderter und gleichgestellter Menschen liegt bei
7 Prozent. Im Rahmen der transparenten Aufklärung der
Beschäftigten wurde das Betriebliche Eingliederungsmanagement ­ausführlich während einer Betriebsversammlung vorgestellt und ein eigener Informationsflyer erstellt.
Schwerpunkte des ganzheitlichen Gesundheitsmanagements sind neben dem BEM ein umfassender Gesundheitsschutz zum Thema „psychische Erkrankung“,
­Barrierefreiheit des neuen Gebäudes von AXA Düsseldorf
und „Gesundheit 2Go“, eine Aufklärungskampagne.

Bild 24: BEM-PREIS. FOTO: MICHAEL STURMBERG, LVR

Prämie Betriebliches Eingliederungsmanagement
Das SGB IX eröffnet den Rehabilitationsträgern und den
Integrationsämtern seit 2004 die Möglichkeit, Unternehmen und Behörden für die Einführung eines Betrieb­
lichen Eingliederungsmanagements zu prämieren. Das
LVR-Integrationsamt hat 2006 erstmals Betriebe und
Dienststellen im Rheinland für ihr vorbildliches Konzept
zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement und die
beispielhafte Umsetzung in der Praxis ausgezeichnet.
Durch diese öffentlichkeitswirksame Auszeichnung erhofft sich das LVR-Integrationsamt eine Anreizfunktion
für Arbeitgeber, das Betriebliche Eingliederungsmanagement auch in ihrem Betrieb zu implementieren.

Bild 25: CHRISTOPH BEYER (L.), FACHBEREICHSLEITER
DES LVR-INTEGRATIONSAMTES, ÜBERREICHTE DIE

Bisher hat das LVR-Integrationsamt 46 Arbeitgeber der
privaten Wirtschaft und des Öffentlichen Dienstes für ihre
praktische Umsetzung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements ausgezeichnet. Im Berichtsjahr haben
12 Bewerbungen von privaten und öffentlichen Arbeitgebern das LVR-Integrationsamt erreicht. Die Preisträger
2015 sind:

BEM-PRÄMIE AN DIE AXA KONZERN AG AM STANDORT
DÜSSELDORF (V. L. N. R.): CLAUDIA MÖLLER (VORSITZENDE DER KONZERNSCHWERBEHINDERTENVERTRETUNG),
DR. ASTRID STANGE (PERSONALVORSTAND AXA DEUTSCHLAND), PETRA BIELER (PERSONAL AXA DÜSSELDORF)
UND OLIVER VON SECKENDORFF (LEITER PERSONAL AXA
REGION WEST). FOTO: GUIDO SCHIEFER / LVR

SEITE

93

LVR-INTEGRATIONSAMT

HEW-KABEL GmbH
Die HEW-KABEL GmbH ist ein inhabergeführter Spe­
zialkabelhersteller mit Sitz in Wipperfürth im Bergischen Land. Mehr als 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in Forschung, Entwicklung, Produktion
und Vertrieb gemeinsam daran, maßgeschneiderte Produkte zu entwickeln und zu produzieren. Die Beschäftigungsquote der schwerbehinderten Menschen beträgt
über 6  Prozent. Das Betriebliche Eingliederungsmanagement ist seit 2012 im Unternehmen mit einer Betriebsvereinbarung fest verankert. Neben 2 „BEM-Gesundheitsbeauftragten“ gibt es einen Gesundheitszirkel,
bestehend aus der Fachkraft für Arbeitssicherheit, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Betriebsrat, Schwerbehindertenvertretung, Personalabteilung, Werksarzt,
AOK und je nach Bedarf mit Sicherheitsfachkräften der
Partner-Zeitarbeitsfirmen. Die Aufklärungsarbeit erfolgte im Unternehmen durch eine regelmäßige Hauszeitung und Informationsveranstaltungen zum BEM.
Durch die Einführung des BEM konnte der Krankenstand
von knapp 6 auf 4 Prozent gesenkt werden. Bereits im
Jahr 2014 gewann die HEW-KABEL den Reha-Preis
der BG ETEM. 2015 erfolgte die Auszeichnung mit dem
„AGpR Inklusionspreis“ für die Umsetzung vorbildlichen
Engagements bei der Förderung von Chancen für Menschen mit psychischen Erkrankungen / Behinderungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben.

Stadt Neuss
Die Stadt Neuss beschäftigt rund 1.500 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter und 105 schwerbehinderte und ihnen
gleichgestellte behinderte Menschen. Damit wird mit rund
7 Prozent die Quote der schwerbehinderten und gleichgestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorbildlich erfüllt. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement wird bei
der Stadt Neuss seit 2012 systematisch umgesetzt. Durch
Qualifizierung der ausführenden Personen in der Verwaltung konnte zum 17. Dezember 2014 eine Dienstvereinbarung abgeschlossen werden. Das BEM-Verfahren bei
der Stadt Neuss zeichnet sich dadurch aus, dass es besonders strukturiert und transparent abläuft. Die Transparenz des BEM-Verfahrens zeichnet sich durch eine klar
strukturierte Dienstvereinbarung und die innerbetriebliche Kommunikation mit einem eigenen Informationsflyer
und Veröffentlichungen im Intranet und Internet aus. Ein
fester Bestandteil des BEM-Prozesses der Stadt Neuss
ist ein Abschlussbogen zur Evaluation. Somit ist eine kontinuierliche Verbesserung ge­währleistet.

Bild 26: V. L. N. R.: ANDREAS SCHLETTER (PERSONAL-

Bild 27: GERHARD ZORN, STELLVERTRETENDER FACH-

LEITER HEW-KABEL GMBH & CO. KG), DR. RAINER

BEREICHSLEITER DES LVR-INTEGRATIONSAMTES,

FLOHR (GESCHÄFTSFÜHRUNG HEW-KABEL GMBH & CO.

ÜBERREICHTE DEN LVR-AWARD AN DOLORES BURKERT,

KG), GERHARD ZORN (STELLVERTRETENDER FACHBE-

PERSONALDEZERNENTIN DER STADT NEUSS, SIGRUN

REICHSLEITER LVR-INTEGRATIONSAMT), NORBERT NASS

ROSENBAUM, VERTRAUENSPERSON DER SCHWERBEHIN-

(BETRIEBSRATSVORSITZENDER UND GESUNDHEITS-

DERTEN DER STADT NEUSS SOWIE DR. SASCHA SEVERIN,

BEAUFTRAGTER HEW-KABEL GMBH & CO. KG). FOTO: JOE

BEM-BEAUFTRAGTER DER STADT NEUSS (V. L. N. R.). FOTO:

KRAMER / LVR

JOE KRAMER / LVR

94

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Stadt Troisdorf
Die Stadt Troisdorf ist mit 77.000 Einwohnern die größte
Stadt des Rhein-Sieg-Kreises. Die Stadt beschäftigt ca.
1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Beschäftigungsquote der schwerbehinderten und gleichgestellten
behinderten Menschen wird mit 9,7 Prozent vorbildlich
erfüllt. Das seit vielen Jahren bestehende Betriebliche
Eingliederungsmanagement wurde 2015 mit einer umfassenden Dienstvereinbarung noch stärker verankert.
Ein externer Betriebsarzt trägt als Ansprechpartner im
Rahmen des Erstgespräches im BEM-Verfahren wesentlich dazu bei, dass erkrankte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgreich in den Arbeitsprozess integriert werden.
Die Akzeptanz des Betrieblichen Eingliederungsmanagements belegen unter anderem die evaluierten Kennzahlen: Die Quote der Mitarbeiter, die das BEM ablehnen,
liegt unter 2 Prozent. Zum Schutz und zur Förderung der
Gesundheit der Beschäftigten wurde der „Steuerungskreis Gesundheitsmanagement“ implementiert. Dessen
vordringliche Aufgabe ist zurzeit das strukturierte Durchführen der Gefährdungsbeurteilung bei psychischen Belastungen am Arbeitsplatz in allen Bereichen der Stadtverwaltung. Bewegungstrainings in der Mittagspause,
Entspannungs- und Ernährungskurse, Resilienz-Trainings sowie verschiedene sportliche Aktivitäten sind Bestandteile der betrieblichen Gesundheitsförderung. Im
Rahmen des „Deutschen Unternehmenspreises Gesundheit“ wurde das Gesundheitsmanagement 2015 mit der
Auszeichnung „Gute Praxis“ zertifiziert.

Universität zu Köln
Die Universität zu Köln bietet mit ihren 6 Fakultäten ein
breites Spektrum wissenschaftlicher Disziplinen und
international herausragender Profilbereiche. Als Exzellenzuniversität beschäftigt die Universität zu Köln etwa
6.000 Beschäftigte. Das Betriebliche Eingliederungsmanagement wurde bei der Universität zu Köln bereits
im Jahr 2010 mit einer Dienstvereinbarung eingeführt.
Aufgrund einer guten Kommunikation innerhalb der Belegschaft und der aktiven Arbeit der BEM-Beauftragten
wurde das Verfahren grundlegend überarbeitet und stetig
verbessert. Die zuständige BEM-Beauftragte absolvierte
die Weiterbildung zur „Certified Disability Management
Professional“ (CDMP), eine Zusatzqualifikation der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Das BEM-Verfahren der Universität zu Köln zeichnet sich durch die
umfangreiche und gut ausgearbeitete Konzeption aus.
Neben der Dienstvereinbarung wurden sehr gut ausgearbeitete Anlagen (Erstanschreiben, Protokoll-Vorlagen) und Kennzahlen entwickelt. Ein „Datenblatt zum
Abschluss des BEM“ dient bereits als Musterbeispiel
der aktuellen LVR-Publikation „Handlungsempfehlungen zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement“. In
Kooperation mit der Deutschen Sporthochschule Köln
­
legte die Universität zu Köln ein Gesundheitsprogramm
für Studierende und Beschäftigte auf.

Bild 28: CHRISTOPH BEYER (R.), FACHBEREICHSLEITER

Bild 29: PROF. DR. ANGELA FABER, LVR-DEZERNENTIN

DES LVR-INTEGRATIONSAMTES, MIT DEM TROISDORFER

SCHULEN UND INTEGRATION, ÜBERGAB DEN LVR-AWARD

BÜRGERMEISTER KLAUS-WERNER JABLONSKI. FOTO:

AN DR. MICHAEL STÜCKRADT, KANZLER DER UNIVER-

GUIDO SCHIEFER / LVR

SITÄT ZU KÖLN, VIZEKANZLERIN INA GABRIEL SOWIE AN
DR. KIRSTEN MALLOSSEK, PERSONALDEZERNENTIN DER
UNIVERSITÄT ZU KÖLN (V. L. N. R.). FOTO: JOE KRAMER /
LVR.

SEITE

95

LVR-INTEGRATIONSAMT

TABELLE
Tabelle
39:39:
BEM-PRÄMIERTE
ARBEITGEBER
IM RHEINLAND,
2006(in
– 2015
(IN ALPHABETISCHER
BEM-prämierte
Arbeitgeber
im Rheinland,
2006 – 2015
alphabetischer
Reihenfolge)REIHENFOLGE)

AXA Konzern AG, Düsseldorf

Kreispolizeibehörde Kreis Heinsberg

Berufsförderungswerk Michaelshoven, Köln

Kreispolizeibehörde Kreis Wesel

Beschaffungsamt des Bundesministeriums

Kreispolizeibehörde Rhein-Erft-Kreis, Bergheim

des Innern, Bonn

Kreisverwaltung des Kreises Wesel

Bilfinger Scheven GmbH, Erkrath

Landeshauptstadt Düsseldorf

BKK Essanelle, Düsseldorf

Leistritz Turbinentechnik GmbH, Essen

Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas,

LVR-Dezernat Klinikverbund und

­Telekommunikation, Post und Eisenbahnen, Bonn

Heilpädagogische Hilfen, Köln

Chemion Logistic GmbH, Leverkusen

Oberlandesgericht Köln

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD),

Polizeipräsidium Wuppertal

Bonn

Pronova BKK, Köln

Deutsche Rentenversicherung Rheinland, Düsseldorf

Rheinisch-Bergische Druckerei GmbH & Co. KG,

Deutsche Sporthochschule Köln, Köln

Wuppertal

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Köln

Rheinisch-Bergischer Kreis, Bergisch Gladbach

Essener Verkehrs AG (EVAG), Essen

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn

Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf, Düsseldorf

RWE AG, Essen

Ford-Werke GmbH, Köln

Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert, Velbert

Galeria Kaufhof GmbH, Köln

Stadt Aachen

Gemeinde Kürten

Stadt Leverkusen

Gemeinde Lindlar

Stadt Neuss

Gera Chemie, Oberhausen

Stadt Overath

HEW-KABEL GmbH, Wipperfürth

Stadt Rösrath

Hüttenwerke Krupp Mannesmann, Duisburg

Stadt Sankt Augustin

Jugend- und Behindertenhilfe Michaelshoven gGmbH,

Stadt Troisdorf

Köln

STEAG GmbH, Essen

Klinikum der Universität zu Köln, Köln

Universität zu Köln

Klinikum Niederberg gGmbH, Velbert

Werkstatt für angepasste Arbeit GmbH, Düsseldorf

96

13

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

DERbesondere
Der
BESONDERE
Kündigungsschutz
KÜNDIGUNGSSCHUTZ
nach dem Sozialgesetzbuch
­NACH DEM SOZIALGESETZBUCH
­
IX
IX

KURZ & KNAPP
•	Die Zahl der Anträge auf Zustimmung zur Kündigung sinkt um 5 % auf 3.253 Verfahren. 39 % aller
Anträge betreffen schwerbehinderte Frauen.
•	Mit 2.547 Anträgen auf Zustimmung zur ordentlichen Kündigung eines schwerbehinderten Menschen
ist die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 7 % gesunken.
•	519 Anträge auf Zustimmung zur außerordentlichen, in der Regel fristlosen, Kündigung sind gestellt
worden.
•	Mit einem Anteil von 54 % sind die Kündigungsgründe überwiegend betrieblicher Art, z. B. Betriebsstilllegung, Betriebseinschränkung oder Wegfall des Arbeitsplatzes.
•	422 Arbeitgeber zogen ihre Anträge auf ordentliche Kündigung zurück und die schwerbehinderten
Menschen wurden weiterbeschäftigt. Bei außerordentlichen Kündigungen konnte dies in 22 % der
­Verfahren erreicht werden.
•	Über 300 Kündigungsverfahren sind durch Aufhebungsverträge beendet worden.
•	Arbeitnehmer und Arbeitgeber legten in 743 Fällen Widerspruch gegen eine Entscheidung des LVR-­
Integrationsamtes ein.

Bei der Sicherung der Arbeitsplätze schwerbehinderter und gleichgestellter Menschen ist der besondere
Kündigungsschutz ein wichtiges Instrument. Denn erst,
wenn das LVR-Integrationsamt dem Kündigungsantrag
zugestimmt hat, kann der Arbeitgeber einem schwerbehinderten Menschen rechtswirksam kündigen. Der
besondere Kündigungsschutz verfolgt nicht das Ziel, den
schwerbehinderten Menschen unkündbar zu machen.
Vielmehr findet im Kündigungsverfahren ein Abwägungsprozess zwischen den Interessen der schwerbehinderten
Menschen und den Interessen der Arbeitgeber statt. Das
LVR-Integrationsamt kann zwar die organisatorischen
und personellen Anpassungsmaßnahmen, zu denen
Betriebe gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gezwungen sind, nicht beeinflussen. Aber es kann – unter
Berücksichtigung der betrieblichen Gegebenheiten –
seine Möglichkeiten zum Erhalt und zur Sicherung von
­Arbeitsplätzen schwerbehinderter Menschen einbringen.

Durch den besonderen Kündigungsschutz wird sichergestellt, dass die Arbeitgeber ihre Fürsorgepflicht erfüllen
und in Zusammenarbeit mit den örtlichen Fachstellen
und dem LVR-Integrationsamt prüfen und entscheiden,
ob es ein „milderes Mittel“ als die Kündigung zur Beseitigung der Schwierigkeiten im Arbeitsverhältnis gibt.
Dazu soll das Angebot der Begleitenden Hilfe genutzt
werden (vgl. 9.1). Das Beratungs- und Betreuungsangebot des Technischen Beratungsdienstes und des Integrationsfachdienstes ebenso wie die finanziellen Zuschüsse
des LVR-Integrationsamtes und der rheinischen Fachstellen für behinderte Menschen im Arbeitsleben können
von Arbeitgebern sowie deren schwerbehinderten Arbeitnehmern in Anspruch genommen werden. Unter diesen
Gesichtspunkten stellt der besondere Kündigungsschutz
eine sinnvolle Ergänzung zum allgemeinen Kündigungsschutz dar.

SEITE

97

LVR-INTEGRATIONSAMT

GRAFIK
Grafik
21:
21:
Anträge aufAUF
ANTRÄGE
Zustimmung
ZUSTIMMUNG
zur ordentlichen
ZUR ORDENTLICHEN
und außerordentlichen
UND AUSSERORDENTLICHEN
Kündigung, 2006 –KÜNDIGUNG,
2015
2006 – 2015

4.000

Ordentliche Kündigung
Außerord. Kündigung

3.586

3.500
3.000

3.082

2.954

2.728

2.859

2.710

2.538

2.742

2.547

2.287

2.500
2.000
1.500
1.000

558

502

416

519

578

532

521

562

498

519

500
2006

2007

2008

2009

2010

Auch im Kündigungsschutz gibt es in Nordrhein-Westfalen eine Aufgabenteilung zwischen dem LVR-Integra­
tionsamt und den kommunalen Fachstellen: Bei Anträgen auf Zustimmung zur ordentlichen Kündigung liegt
die Aufgabe der Ermittlung des Sachverhalts bei der

2011

2012

2013

2014

2015

Fachstelle. ­Handelt es sich um eine beabsichtigte außer­
ordentliche (fristlose) Kündigung, liegt das gesamte
Verfahren wegen der besonderen Eilbedürftigkeit beim
LVR-Integrationsamt.

GRAFIK
Grafik
22:
22:
Kündigungsgründe bei ordentlichen
KÜNDIGUNGSGRÜNDE
BEI ORDENTLICHEN
Kündigungen
KÜNDIGUNGEN
2015
2015

Persönliches Verhalten

16,34 %

Leistungseinschränkungen wegen
Krankheit/Behinderung

10,11 %
Fehlzeiten wegen Arbeitsunfähigkeit

19,31 %

Betriebsstilllegung/-auflösung

9,20 %
Wesentliche Betriebseinschränkungen

1,63 %
Wegfall des Arbeitsplatzes, z. B.
Rationalisierung, Auftragsmangel

43,10 %

Behinderungsunabhängige
Leistungsmängel

0,32 %
Insolvenzen/sonstige
betriebliche Gründe

0%

98

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

13.1 Entwicklung bei den Kündigungsschutzverfahren
Die Zahl der Anträge auf Zustimmung zur – insbesondere
ordentlichen – Kündigung eines schwerbehinderten oder
gleichgestellten Beschäftigten wird maßgeblich bestimmt
durch die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland. Bis
2007 sinkt die Zahl der Kündigungsanträge im Rheinland
von über 5.000 auf unter 2.300, dem niedrigsten Stand
seit 1995. Im Jahr 2008 verzeichnet das LVR-Integrationsamt einen Anstieg auf 3.125 Anträge. Dies entspricht
einer Steigerung von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Im Jahr 2009 stellen die Arbeitgeber rund 4.100 Anträge.
Eine Steigerung von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr
und sogar von 80 Prozent im Vergleich zu der Zeit vor der
Wirtschafts- und Finanzkrise. Seit 2010 sinkt die Anzahl
der Anträge auf Zustimmung zur Kündigung wieder.
Im Jahr 2015 werden insgesamt 3.253 Anträge auf Zustimmung zur Kündigung gestellt. Der Anteil der Anträge auf
Zustimmung zur ordentlichen Kündigung sinkt im Berichtsjahr um 7 Prozent auf 2.547 Anträge. Dies entspricht einem
Anteil von fast 80 Prozent aller Kündigungsanträge. An­
träge auf Zustimmung zur außerordentlichen, in der Regel
fristlosen, Kündigung unterliegen nur geringen jährlichen
Schwankungen. Im langjährigen Mittel werden beim LVR-Integrationsamt um die 500 Anträge pro Jahr gestellt. Im Jahr
2014 waren es 498. 2015 stieg die Anzahl auf 519 An­träge.
Der Anteil der Frauen an den Anträgen zur o
­ rdentlichen wie
auch zur außerordentlichen Kündigung beträgt rund 38 Prozent. Änderungskündigungen und der erweiterte Beendigungsschutz nach § 92 SGB IX machen weiterhin nur einen
geringen Teil aller Kündigungen aus – rund 5 Prozent.
Kündigungsgründe
Bei den ordentlichen Kündigungsgründen stehen betriebsbedingte Ursachen wie Betriebseinschränkungen,
Wegfall des Arbeitsplatzes oder Insolvenzen im Vordergrund. Die Höhe des Anteils der betriebsbedingten Kündigungsgründe schwankt – je nach Wirtschaftslage – zwischen 45 und fast 70 Prozent der Kündigungsanträge im
jeweiligen Berichtsjahr.
Im Jahr 2015 ist schwerbehinderten und gleichgestellten
Beschäftigten in 54 Prozent der Fälle aus betriebsbedingten Gründen gekündigt worden. Bei aktuell 30 Prozent der
Kündigungen werden Leistungseinschränkungen wegen
Krankheit oder Behinderung sowie Fehlzeiten aufgrund
von Arbeitsunfähigkeit als Kündigungsgrund angegeben.
Kündigungsgründe, die in der Person oder dem Verhalten
des schwerbehinderten Beschäftigten liegen, unterliegen
ebenfalls Schwankungen. Ihr Anteil ist von 2010 (8 %) bis
2015 auf 16 Prozent gestiegen.

TABELLE
Tabelle
40:40:
ANTRÄGE
ZUSTIMMUNG
ZUR KÜNDIGUNG
Anträge
aufAUF
Zustimmung
zur Kündigung
NACHFachstellen,
FACHSTELLEN,
– 2015
nach
2011 2011
– 2015
2015 2014 2013 2012 2011
StädteRegion Aachen

177

202

208

217

186

Stadt Bergheim

22

13

17

14

13

Bergisch Gladbach

21

23

37

40

27

Stadt Bonn

96

96

131

109

99

Stadt Dinslaken

17

19

12

31

13

Stadt Düren

53

49

39

41

34

Kreis Düren

21

44

28

34

32

Stadt Düsseldorf

291

319

337

357

391

Stadt Duisburg

179

147

275

183

162

Stadt Essen

214

192

288

271

255

Kreis Euskirchen

33

26

54

25

59

Kreis Heinsberg

34

69

69

54

45

Stadt Kerpen

12

11

20

11

25

Kreis Kleve

62

97

92

79

80

Stadt Krefeld

73

128

78

75

107

Stadt Köln

377

357

417

410

392

Stadt Leverkusen

36

30

47

35

42

Kreis Mettmann

162

115

159

146

115

Stadt M´gladbach

116

101

142

185

153

Stadt Moers

28

26

26

31

45

Stadt Mülheim /Ruhr

57

87

80

65

71

Stadt Neuss

158

54

60

45

76

Oberbergischer Kreis

82

104

102

63

75

Stadt Oberhausen

66

72

59

77

45

Stadt Ratingen

40

31

29

47

30

Stadt Remscheid

48

67

48

64

70

Rheinisch-Bergischer
Kreis

44

32

44

31

26

Rhein-Erft-Kreis

90

95

105

90

86

Rhein-Kreis Neuss

73

89

82

85

74

Rhein-Sieg-Kreis

91

118

107

116

113

Stadt Solingen

53

68

72

61

57

Stadt Troisdorf

26

31

30

28

10

Stadt Velbert

36

38

45

47

30

Stadt Viersen

52

38

47

40

54

Kreis Viersen

73

158

120

100

103

Stadt Wesel

22

23

54

26

32

Kreis Wesel

64

57

59

45

72

Stadt Wuppertal

145

187

147

155

120

SEITE

99

LVR-INTEGRATIONSAMT

Ergebnisse des Kündigungsschutzverfahrens
Das LVR-Integrationsamt hat in jeder Phase des Kündigungsschutzverfahrens auf eine gütliche Einigung hinzuwirken. Sofern eine gütliche Einigung erreicht werden kann, erledigt sich der Antrag des Arbeitgebers auf
Zustimmung zur Kündigung durch Rücknahme oder in
sonstiger Weise. Kommt eine gütliche Einigung nicht zustande oder besteht aus anderen Gründen ein Interesse
an einem formellen Abschluss des Verfahrens, trifft das
LVR-Integrationsamt eine Entscheidung, nachdem es alle
am Verfahren beteiligten Parteien angehört hat.
Im Jahr 2015 erteilte das LVR-Integrationsamt die Zustimmung zur ordentlichen Kündigung in 40 Prozent
der Entscheidungen ohne Einwände des 
/ 
der schwerbehinderten Arbeitnehmers 
/ 
Arbeitnehmerin. In über
21 Prozent der Kündigungsschutzverfahren entsprach
das LVR-Integrationsamt dem Antrag des Arbeitgebers
gegen den Willen der schwerbehinderten Menschen. In
20 Prozent der Verfahren blieb das Arbeitsverhältnis erhalten: In 422 Fällen zog der Arbeitgeber seinen Antrag
zurück – eine Weiterbeschäftigung konnte erreicht werden. Mit 49 Fällen bei den ordentlichen Kündigungen war
der Anteil der Versagungen zum Kündigungsverlangen
des Arbeitgebers durch das LVR-Integrationsamt sehr
gering. 69 Anträge erledigten sich auf andere Weise, z. B.
durch Verrentung, Fristablauf oder Negativtest (die Person, deren Kündigung beantragt wurde, gehörte nicht
zum geschützten Personenkreis). Bei außerordentlichen
Kündigungen konnte in 22 Prozent der Verfahren der Verlust des ­Arbeitsplatzes vermieden werden. In 18 Fällen
versagte das LVR-Integrationsamt die Zustimmung, der
Arbeitgeber zog seinen Antrag in 80 Fällen zurück.

Aufhebungsverträge im Kündigungsschutz
Die Zahl der Aufhebungsverträge ist bis 2007 kontinuierlich zurückgegangen. Nur noch 8 Prozent der Arbeitsverhältnisse sind im Kündigungsschutzverfahren durch
einen Aufhebungsvertrag beendet worden. Im Rahmen
der Wirtschafts- und Finanzkrise begann auch hier eine
Trendwende. Der Anteil der Verfahren zur ordentlichen
Kündigung, die durch einen einvernehmlichen Aufhebungsvertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmerin/
Arbeitnehmer in unter Beteiligung des LVR-Integrationsamtes bzw. der rheinischen Fachstellen beendet werden,
ist wieder gestiegen und hat sich in den letzten Jahren auf
einem Niveau von bis zu 15 Prozent etabliert. In 2015 sind
über 300 Kündigungsverfahren mit Aufhebungsverträgen
abgeschlossen worden.
Alter, Geschlecht und Betriebszugehörigkeit
Vom besonderen Kündigungsschutz profitieren auch
gleichgestellte Menschen (§ 2 Abs. 3 SGB IX): Im Jahr
2015 betrafen über 10 Prozent der Anträge auf Zustimmung zur Kündigung diesen Personenkreis. Damit liegt
der Anteil der gleichgestellten Menschen im langjährigen
Mittel. Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen hier nicht.
Die schwerbehinderten Menschen sind in unterschied­
lichen Altersgruppen unterschiedlich stark von Kündigung betroffen. Schwerbehinderte Männer und Frauen
im Alter zwischen 45 und 55 Jahren stellen mit einem guten Drittel die Altersgruppe, die am stärksten von ­einem
Kündigungsverfahren betroffen ist. Die Altersgruppe der
55- bis 60-Jährigen stellt mit einem Viertel der auf sie
entfallenen Verfahren die zweitstärkste Gruppe. Schwerbehinderte Menschen bleiben immer häufiger bis zum

GRAFIK
23:
Grafik
23:
AUSGANGder
DER
ORDENTLICHEN
KÜNDIGUNGSVERFAHREN
2015
Ausgang
ordentlichen
Kündigungsverfahren
2015
Zustimmung ohne Einverständnis des
schwerbehinderten Arbeitnehmers

22,01 %
Erhalt des Arbeitsplatzes (Versagung
bzw. Rücknahme)

19,57 %

Zustimmung mit Einverständnis des
schwerbehinderten Arbeitnehmers

41,38 %
100

Aufhebungsvertrag unter Beteiligung von
Integrationsamt/örtlicher Fachstelle

12,47 %
Erledigung aus anderen Gründen,
z. B. Verrentung, Negativtest

1,59 %

Zustimmung durch Fristablauf

2,98 %

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze erwerbstätig.
Der Anteil der Altersgruppe 60 bis 65 Jahre an den Kündigungsverfahren beträgt 18 Prozent. Der Anteil junger
Menschen bis 25 Jahre liegt dagegen bei einem Prozent.
Der Anteil der Frauen an den beschäftigten schwerbehinderten Menschen im Rheinland liegt seit Jahren stabil
bei rund 40 Prozent. Betrachtet man die verschiedenen
Kündigungsarten und -gründe, so zeigen die aktuellen
Zahlen, dass es nur noch geringfügige Unterschiede zwischen schwerbehinderten Männern und Frauen gibt. Der
Anteil der Frauen an den Anträgen auf Zustimmung zu
ordentlichen wie außerordentlichen Kündigungen beträgt
rund 38 Prozent.

Dass schwerbehinderte Menschen gut in den Arbeitsprozess eingegliedert sind, zeigen ihre langfristigen
Beschäftigungszeiten vor der Kündigung. Den meisten
schwerbehinderten Menschen (30 %) wird nach ­
einer
Betriebszugehörigkeit von 10 bis 20 Jahren ­gekündigt.
Knapp 14 Prozent wird nach 30 und mehr Jahren Be­­
triebs­zugehörigkeit gekündigt. Der Anteil der schwerbehinderten und g
­ leichgestellten Menschen, denen im ersten Beschäf­tigungsjahr wieder gekündigt worden ist, liegt
bei 2,5 Prozent.

13.2 Widersprüche und Klageverfahren
Gegen die Entscheidung des LVR-Integrationsamtes und
der örtlichen Fachstellen können Arbeitnehmer wie Arbeitgeber Widerspruch einlegen. Über den Widerspruch
entscheidet der Widerspruchsausschuss beim LVR-Integrationsamt. Er setzt sich zusammen aus 7 Mitgliedern
(2  schwerbehinderten Arbeitnehmern, 2 Arbeitgebern
und je einem Vertreter der Bundesagentur für Arbeit und
des LVR-Integrationsamtes sowie einer Schwerbehindertenvertretung).

Ein Widerspruchsverfahren endet mit einem Widerspruchsbescheid, der ggf. in einem anschließenden
Klageverfahren vor einem Verwaltungsgericht überprüft
werden kann. Mit 36 Klage-, Berufungs- und Revisionsverfahren im Jahr 2015 ist die Anzahl der Verfahren
gegenüber den Vorjahren wieder leicht gesunken. Drei
Viertel der Verfahren beziehen sich auch hier auf Entscheidungen im Kündigungsschutz.

Im Jahr 2015 sind 743 Widersprüche gegen die Entscheidungen des LVR-Integrationsamtes eingelegt worden.

TABELLE
Tabelle
41:41:
Widerspruchsverfahren, 2011 – 2011
WIDERSPRUCHSVERFAHREN,
2015 – 2015

Die überwiegende Mehrheit der Verfahren – 84 Prozent –
richtet sich gegen die Entscheidungen des LVR-Integrationsamtes im besonderen Kündigungsschutz für schwerbehinderte Menschen. Damit werden rund ein Fünftel der
Entscheidungen des LVR-Integrationsamtes in Kündigungsschutzverfahren in einem Rechtsbehelfsverfahren
überprüft.
Fast 10 Prozent der Rechtsbehelfsverfahren sind eingeleitet worden, weil Arbeitgeber oder Arbeitnehmer mit
Entscheidungen zu Fördermaßnahmen der Begleitenden
Hilfe nicht einverstanden waren. Die Zahl der Widersprüche im Bereich der Begleitenden Hilfe hat sich damit gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt.
Die Zahl der Widersprüche im Bereich der Erhebung der
Ausgleichsabgabe hat sich gegenüber dem Vorjahr fast
halbiert und entspricht damit wieder dem langjährigen
Niveau.

Zahl der eingegangenen
­
Widersprüche
2015 2014 2013 2012 2011
Kündigungsschutz

623

612

627

565

552

Begleitende Hilfen

68

36

34

42

30

Institutionelle
­Förderung

0

0

2

0

0

Einziehung der
­Ausgleichsabgabe

52

100

52

51

42

Widerspruchsverfahren
insgesamt

743

748

715

658

624

Zahl der Klageverfahren
2015 2014 2013 2012 2011
Klageverfahren
einschl. Berufungen
und Revisionen

36

42

38

43

52

SEITE

101

14

LVR-INTEGRATIONSAMT

Aktionen, Seminare
AKTIONEN,
SEMINARE
undUND
Öffentlichkeitsarbeit
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

KURZ & KNAPP
•	Die betrieblichen Funktionsträger im Rheinland*: 6.978 Schwerbehindertenvertretungen, 1.302 Betriebs-, Personalräte und Mitarbeitervertretungen, 1.420 Beauftragte des Arbeitgebers und 263 Vertreter von BEM-Teams sowie rund 2.900 weitere betriebliche Funktionsträger.
•	Das Schulungsangebot des LVR-Integrationsamtes haben insgesamt 3.223 Personen wahrgenommen.
60 % der Teilnehmenden gehörten der Schwerbehindertenvertretung an. 52 % der Kursbesucher waren
Frauen.
•	Bei rund 100 Informationsveranstaltungen sind u. a. das Betriebliche Eingliederungsmanagement und
die Leistungen der Begleitenden Hilfe vorgestellt worden. Weitere 30 regionale Informationsveranstaltungen sind von den rheinischen Fachstellen durchgeführt worden.
•	Bei 56 innerbetrieblichen Versammlungen der Schwerbehindertenvertretungen waren Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter der Fachstellen bzw. des Integrationsamtes vor Ort.
•	15 Publikationen sind neu erschienen, nachgedruckt oder aktualisiert worden.
•	Das LVR-Integrationsamt präsentiert sich auf der Messe „RehaCare“ mit dem Schwerpunkt „Wir
überwinden Barrieren im Arbeitsleben“ und auf der Messe „Zukunft Personal“ mit dem Schwerpunkt
„­Betriebliches Eingliederungsmanagement“.
•	Die Veranstaltungsreihe „LVR-Praxisdialoge“ wurde im Jahr 2015 fortgesetzt mit dem Thema „Ausbildungspotenziale für Unternehmen“.
*	 soweit dem LVR-Integrationsamt bekannt

14.1 Seminare und Fortbildungsmaßnahmen
Das Kursprogramm des LVR-Integrationsamtes bietet
ein- bis dreitägige Kurse und Informationsveranstaltungen rund um das Thema schwerbehinderte Menschen
im Beruf und richtet sich an die auf diesem Feld tätigen
Multiplikatoren in den Betrieben und Dienststellen: An
Vertrauenspersonen und stellvertretende Mitglieder der
Schwerbehindertenvertretung, Beauftragte des Arbeitgebers, Betriebs- und Personalräte, Personalverantwortliche oder Personalsachbearbeiter und andere. Das
Fortbildungsangebot ist ein modulares System, bei dem
die einzelnen Ebenen aufeinander aufbauen: Grundkurse
sind den Schwerbehindertenvertretungen vorbehalten,
Aufbaukurse und Informationsveranstaltungen stehen
auch allen anderen betrieblichen Akteuren offen. Das

102

Kursangebot wird finanziert aus Mitteln der Ausgleichs­
abgabe. Abgestimmt auf die betriebliche oder behördliche Situation bietet das LVR-Integrationsamt Fachvorträge, Informationsveranstaltungen und Seminare als
Inhouse-Veranstaltungen an. Die Kosten für Referentinnen und Referenten und Schulungsunterlagen werden
aus der Ausgleichsabgabe finanziert.
Insgesamt haben 219 Fortbildungsveranstaltungen an
456 Schulungstagen stattgefunden. Das gegenüber den
Vorjahren stark ausgebaute Angebot an Veranstaltungen ist den im Herbst 2014 stattgefundenen Wahlen zur
Schwerbehindertenvertretung geschuldet. Es sind allein
29 Grund- und 24 Aufbaukurse für neu ins Amt gekom-

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

TABELLE
Tabelle
42:42:
SCHULUNGEN
LVR-INTEGRATIONSAMTES
Schulungen
desDES
LVR-Integrationsamtes

Zahl der Schulungsveranstaltungen, davon

2015

2014

2013

2012

2011

219

149

171

174

180

· Grund- und Aufbaukurse

53

6

33

45

39

· Informationsveranstaltungen

80

61

65

59

84

· Sonderseminare

72

58

56

70

57

Schulungstage davon

456

231

306

378

398

87

65

72

57

53

· eintägige Veranstaltungen
· mehrtägige Veranstaltungen
Teilnehmende*, davon

132

62

87

117

127

3.223

2.231

2.534

2.738

2.837

1.947

1.298

1.450

1.555

1.696

· Beauftragte des Arbeitgebers

152

143

182

273

196

· Betriebs- und Personalräte

132

176

138

99

126

· Sonstige**

992

614

764

811

819

· Vertrauenspersonen

*	 52 % der Teilnehmer sind Frauen
**	Sonstige = andere mit der Eingliederung schwerbehinderter Menschen beauftragte Personen, z. B. Sozialdienst, Führungskräfte,
Personalabteilung, BEM-Verantwortliche, Gesundheitsmanager

mene bzw. nachgerückte Schwerbehindertenvertretungen durchgeführt worden.

Im Berichtsjahr haben 72 Inhouse-Veranstaltungen an
­insgesamt 190 Schulungstagen für 18 private und 11 öffent­­
liche Arbeitgeber stattgefunden. Bei diesem Angebot des
Über 50 Fachthemen von Arbeitsrecht und ­
aktueller LVR-Integrationsamtes stehen überwiegend Fach- und
Rechtsprechung über das Leistungsangebot der Reha-­ Einzelinhalte im Vordergrund, die sich konkret mit den
Träger und Betriebliches Eingliederungsmanagement bis Anforderungen des Betriebes bzw. der Verwaltung aushin zu behinderungsspezifischen Themen sind in 80 Ver- einandersetzen. Eine hohe Nachfrage verzeichnen Theanstaltungen aufgegriffen worden. Erstmals angeboten men, die sich mit dem Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit,
worden sind die Themen „Gefährdungsbeurteilung psy- der Prävention und dem Betrieblichen Eingliederungs­
chischer Belastungen“, „Arbeitsrecht Spezial: Beschäfti- managements auseinandersetzen. Aufgrund der im Jahr
gungsanspruch / Schadenersatzanspruch gegenüber dem 2014 stattgefundenen Wahlen zur SchwerbehindertenArbeitgeber“ und „Das Büro der SBV“ mit den Modulen vertretung waren Grund- und Aufbaukurse für neu geÖffentlichkeitsarbeit, Datenschutz in der täglichen Arbeit wählte Vertrauenspersonen und Stellvertretungen (Mit-)
und Sicherheit im Schriftverkehr.
Inhalt von 25 mehrtägigen Veranstaltungen.
Das Kursangebot für besondere Zielgruppen umfasst
mittlerweile 7 verschiedene Themenblöcke. Neu hinzugekommen ist im Jahr 2015 das Thema „Für die Arbeit
der Stufenvertretungen; heute: Behinderungsgerechte
Arbeitsgestaltung in der Praxis“.
Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) ist
weiterhin ein wichtiges Thema für private und öffent­
liche Arbeitgeber. Daher bleibt es fester Bestandteil des
Informations- und Schulungsangebotes des LVR-Inte­
grationsamtes. Im Jahr 2015 wurden 7 Praxistage zu den
Schwerpunktthemen „Umsetzungspraxis reflektieren
und weiterentwickeln“, „Aktuelle Rechtsprechung der
Arbeits- und Sozialgerichte“ und „Führen schwieriger
­
Gespräche“ durchgeführt.

Teilnehmerkreis
Im langjährigen Durchschnitt nehmen ca. 2.500 betriebliche Interessenvertretungen das Schulungsangebot des
LVR-Integrationsamtes wahr. Der Bereich Schulungsund Öffentlichkeitsarbeit des LVR-Integrationsamtes reagiert dabei sehr flexibel auf die Rahmenbedingungen.
So wurde im Wahljahr 2014 das Angebot gegenüber dem
Vorjahr zugunsten von eintägigen Veranstaltungen zur
Vorbereitung auf das Amt der Vertrauensperson und zur
Organisation und Durchführung der Wahlen angepasst.
Dies drückt sich auch in den Teilnehmerzahlen für 2014
aus: 2.230 Personen haben die Kurse besucht.
Nach den stattgefundenen Wahlen bestimmt traditionell
ein sehr großer Bedarf an Schulungen für erstmals gewählte Schwerbehindertenvertretungen das KursproSEITE

103

LVR-INTEGRATIONSAMT

gramm. Dem trägt das LVR-Integrationsamt Rechnung,
indem es das Angebot um die dreitägigen Grund- und
Aufbaukurse stark ausgeweitet hat. Dies zeigt sich auch
in den Zahlen der Teilnehmenden: 2015 haben 3.223 Personen die Kurse des LVR-Integrationsamtes besucht.
Mit einem Anteil von 60 Prozent stellen Vertrauenspersonen, stellvertretende Schwerbehindertenvertretungen
und Stufenvertretungen die Mehrheit der Veranstaltungsteilnehmenden. Es nehmen rund 150 Beauftragte
des Arbeitgebers und knapp 130 Betriebs- und Personalräte das Angebot des LVR-Integrationsamtes wahr. Rund
30  Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind
nicht mehr die klassischen betrieblichen Funktionsträger
nach dem SGB IX, sondern zunehmend Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter der Personalabteilungen, Integrationsund BEM-Beauftragte. Der Anteil der Frauen in betrieblichen Funktionen und damit an den Teilnehmern insgesamt hat sich in den letzten Jahren immer weiter erhöht
und liegt mittlerweile bei deutlich über 52 Prozent. Die
Teilnehmenden der Inhouse-Veranstaltungen für Unternehmen mit Sitz im Rheinland stellen im Jahr 2015 rund
ein Drittel des teilnehmenden Personen­kreises.

104

Informationsveranstaltungen
Zusätzlich zu dem vom LVR-Integrationsamt angebotenen Kursprogramm sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LVR-Integrationsamtes zu 97 Veranstaltungen
anderer Träger (­Arbeitgeber, Institutionen, Organisationen) eingeladen worden, um dort die Inhalte des Schwerbehindertenrechts vorzustellen. Die durchschnittliche
Gruppengröße bei den Inhouse-Veranstaltungen liegt
bei 30 Teilnehmen­den. Der Schwerpunkt der angefragten Themen liegt immer noch beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement mit einem knappen Drittel der
Vorträge, gefolgt von Unterstützungsmöglichkeiten durch
das Integrationsamt und den Rechten, Pflichten und Aufgaben der betrieblichen Partner.
Seit mehreren Jahren informieren sich beim LVR-Integrationsamt immer wieder auch ausländische Delega­tionen,
die sich für die rechtlichen Regelungen der beruflichen
Behindertenhilfe, deren praktische Umsetzung und die
Erfahrungen des Integrationsamtes interessieren. In den
Vorjahren haben hauptsächlich die neuen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union das LVR-Integrationsamt
besucht. Mittlerweile haben sich auch Delegationen aus
Kasachstan, China, Malaysia, Südkorea und Japan beim
LVR-Integrationsamt über die klassische Arbeitsplatzförderung und ihre Finanzierung, aber auch über Instrumente wie Arbeitsassistenz und Integrationsunternehmen informiert.

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

14.2 Öffentlichkeitsarbeit
Die Leistungen, die das LVR-Integrationsamt zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen anbietet, können nur
genutzt werden, wenn sie bekannt sind. Sie entsprechend
bekannt zu machen, dafür zu werben und aktuell zu informieren, ist Ziel der diversen Aufklärungsmaßnahmen.
Veranstaltungen
RehaCare International in Düsseldorf
Das LVR-Integrationsamt beteiligt sich mit einem Informations- und Beratungsstand an der Messe „RehaCare
International“ in Düsseldorf. Mit rund 40.000 Fachbesucherinnen und Fachbesuchern, Betroffenen und Angehörigen sowie 754 Ausstellern aus 37 Ländern im Jahr 2015
gehört die Messe zu den bedeutendsten Veranstaltungen
rund um das Thema Rehabilitation. Im Themenpark „Behinderte Menschen und Beruf“ werden an geförderten
Arbeitsplätzen exemplarisch die Unterstützungsmöglichkeiten der Integrationsämter gezeigt. Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter der Integrationsämter und Fachberaterinnen und Fachberater der Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammern sowie der Integra­
tionsfachdienste stehen als Ansprechpersonen sowohl
für Arbeitgeber als auch für Menschen mit Behinderung
zur Verfügung.

„Wir überwinden Barrieren im Arbeitsleben“ war das
zentrale Thema der Integrationsämter der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe bei ihrer gemeinsamen Präsentation auf der RehaCare 2015. Volker
Westermann (bekannt aus „Dinner for everyone“) zauberte in der barrierefreien Küche auf dem Messestand
leckere Gerichte und brachte Menschen mit und ohne
Behinderung ins Gespräch. Am Messestand im Themenpark „Behinderte Menschen im Beruf“ kochte der
von der Glasknochenkrankheit betroffene Moderator
und Koch dreimal täglich gemeinsam mit verschiedenen
Talkgästen  – darunter Bundesbehindertenbeauftragte
Verena Bentele, NRW-Justizminister Thomas ­Kutschaty,
LVR-Sozialdezernent Dirk Lewandrowski, Dr. Astrid
­Stange aus dem AXA Deutschland Personalvorstand sowie LWL-Direktor Matthias Löb. Dabei ging es im lockeren Talk immer um die Frage, auf welche Barrieren Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben stoßen und
wie man diese überwinden kann.
Über die 4 Messetage hinweg waren rund 30 Expertinnen und Experten beider Integrationsämter zur Beratung
über Fördermöglichkeiten, Begleitung am Arbeitsplatz,
Kündigungsschutz sowie zum Einstieg in den Beruf im

Bild 31: VERENA BENTELE, BEAUFTRAGTE DER BUNDES-

Bild 32: LVR-SOZIALDEZERNENT DIRK LEWANDROWSKI

REGIERUNG FÜR DIE BELANGE BEHINDERTER MEN-

(MITTE) KOCHTE GEMEINSAM MIT LWL-DIREKTOR

SCHEN, KOCHTE MIT VOLKER WESTERMANN (LINKS).

MATTHIAS LÖB (RECHTS) UND TV-KOCH VOLKER

UNTERSTÜTZEND DABEI: GUIDO TROSTMANN. FOTO: PAUL

WESTERMANN. FOTO: PAUL ESSER

ESSER

Zu den Fachvorträgen der Integrationsämter auf der RehaCare

SEITE

105

LVR-INTEGRATIONSAMT

Einsatz. Begleitend boten das LVR- und LWL-Integra­
tionsamt Informationsveranstaltungen für Schwerbehindertenvertretungen, Betriebs- und Personalräte sowie
Beauftragte des Arbeitgebers an: „Barrierefrei arbeiten –
Betriebliche Struktur schrittweise barrierefrei gestalten“,
„Gefährdungsbeurteilung zur Ermittlung von psychischen
Fehlbelastungen“ und „Beschäftigungsfähigkeit erhalten – wie finde ich den richtigen Arbeitsplatz?“.
Das LVR-Integrationsamt war vom 15. bis 17. September 2015 zum zehnten Mal mit einem Informations- und
Beratungsstand bei der „Zukunft Personal“, der größten
Branchenmesse des Personalwesens in Europa, vertreten. Mehr als 600 Aussteller präsentierten ihre Produkte
und Dienstleistungen in Köln den rund 15.000 Fachbesucherinnen und Fachbesuchern. Besonders gefragt waren Informationen zum Betrieblichen Eingliederungs­
management, aber auch Beratung zu Leistungen der
Integrationsämter und Fördermöglichkeiten für Menschen mit Behinderung im ­Beruf.
LVR-Fachtagung „Autismus und Beruf“
Das LVR-Integrationsamt, die Uniklinik Köln und das Integrationsunternehmen Füngeling Router gGmbH haben
gemeinsam für Arbeitgeber aus dem Rheinland die Fachtagung „Von Marsmenschen und ­Menschenwürde – Autismus und Beruf“ durchgeführt. Die Teilnehmenden der
Fachtagung diskutierten am 21. März 2015 u. a. über Möglichkeiten zur Qualifizierung und langfristigen Beschäftigung von Menschen mit Autismus-Spektrum-­
Störung
(ASS). Es geht insbesondere darum, Betroffene individuell
dabei zu unterstützen, im Arbeitsleben Fuß zu fassen sowie Arbeitgebern Hilfestellungen an die Hand zu geben,
wenn sie Betroffene beschäftigen möchten. Menschen mit

Autismus-Spektrum-Störung schildern ihre E
­ rfahrungen
im Arbeitsleben und Expertinnen und Experten beleuchten
die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Menschen mit ASS.
Diese sind besonders häufig von Arbeitslosigkeit betroffen, obwohl sie im Berufsleben sehr leistungsfähig sind –
manchmal sogar über das normale Maß hinaus.
LVR-Tag der Begegnung – „Themenwelt Arbeit“
Der Landschaftsverband Rheinland veranstaltete am
30.  Mai 2015 zum nunmehr 18. Mal den „Tag der Begegnung“. Die Themenwelt Arbeit bildete dabei einen
eigenen inhaltlichen Schwerpunkt. Es gab verschiedene
Angebote, die einen Erfahrungsaustausch von potenziellen Arbeitgebenden und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern anregten und die insbesondere Jugendliche im
Übergang von der Schule in den Beruf und ihre Eltern
ansprechen sollten. Auch Multiplikatoren und Verantwortliche aus Politik und Verwaltung waren eingeladen,
um sich über neue Trends, Fördermöglichkeiten und
Unterstützungsangebote für die berufliche Teilhabe von
Menschen mit Behinderung zu informieren. Das LVR-­
Integrationsamt wurde im ­Themenpark unterstützt von
den Integrationsunternehmen Bürgerzentrum Deutz
(Köln) mit einem gastronomischen Angebot und der AfB
(Essen) mit einer mobilen Computer-Werkstatt. Mit dabei
war auch Giselher Weinmann, sehbehinderter Physiotherapeut und Masseur aus Duisburg. Er verwöhnte die
Besucherinnen und Besucher mit Nackenmassagen und
gab Tipps zu einer gesunden Haltung und Bewegung am
Arbeitsplatz. Den ­eigenen demografischen Wandel konnte man mit ­
einem sogenannten Altersanzug erleben:
Unter Anleitung des Technischen Beratungsdienstes des
LVR-Integrationsamtes spürte man am ­eigenen Körper
die Auswirkungen des Älterwerdens.

Bild 33: DISKUSSIONSRUNDE IM RAHMEN DER FACHTAGUNG AUTISMUS UND BERUF. FOTO: ESSER

106

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

LVR-Fachkongress „Dialog Personal“ – Ausbildungspotenziale für Unternehmen
Das LVR-Integrationsamt setzt seine Reihe der eintägigen
Fachkongresse im Jahr 2015 fort. Viele Unternehmen und
Arbeitgebende suchen nach motivierten und qualifizierten Auszubildenden. Gleichzeitig möchten viele leistungsbereite Jugendliche mit Behinderung im Berufsleben
Fuß fassen. Wie Unternehmen diese Potenziale nutzen
können und welche Unterstützungsmöglichkeiten und
Modelle es gibt, junge Menschen mit Handicap in Ausbildung zu nehmen und zu qualifizieren, diskutierten rund
150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 10. November
2015 im KOMED-Tagungszentrum in Köln beim zweiten
„Dialog Personal“ mit dem LVR-Integrationsamt. Unter
dem Motto „Ausbildung öffnet Türen“ stellte das LVR-Integrationsamt erfolgreiche Strategien für die Ausbildung
und Qualifizierung von Jugendlichen mit Behinderung sowie einige Erfolgsmodelle vor. Unter anderem berichteten
der WDR und die Brauerei Früh von ihren guten Erfahrungen.
Das LVR-Integrationsamt beteiligt sich regelmäßig an
Veranstaltungen anderer Institutionen und an regionalen
Veranstaltungen, die sich mit dem Thema „Behinderte
Menschen und Beruf“ beschäftigen.

Am 15. September 2015 folgten 150 Arbeitgebende, Personalverantwortliche und Ausbildende verschiedener
Branchen der Einladung ins HAUS DER UNTERNEHMER
in Duisburg. Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer
des Unternehmerverbandes, war Gastgeber der Veranstaltung „Potenziale erkennen – Arbeitskräfte gewinnen –
zusammen arbeiten“. Gemeinsam mit den Partnern
Kreishandwerkerschaft Duisburg, Agentur für Arbeit Duisburg, Jobcenter Duisburg, Integrationsamt des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), Integrationsfachdienst Duisburg sowie dem Amt für Schulische Bildung
sind die vielfältigen Unterstützungs- und Beratungsangebote vorgestellt worden, mit denen insbesondere junge
Menschen mit Handicap eine Ausbildung auf dem ersten
Arbeitsmarkt erfolgreich absolvieren können. Bei der Diskussionsveranstaltung wurden zudem Best-practice-Beispiele zur Ausbildung und Erstbeschäftigung von jungen

Zu den F
Fachvorträgen
­ achvorträgen
des
LVR-­Dialog ­Personal
LVR-Dialog Personal

Bild 34: DIE TALKRUNDE BEIM DIALOG PERSONAL MIT VERTRETERN VON WDR, DER BRAUEREI FRÜH UND DEM HOTEL
FRANZ. FOTO: LVR
SEITE

107

LVR-INTEGRATIONSAMT

Menschen mit Behinderungen vorgestellt. Darüber hinaus standen Expertinnen und Experten an Infoständen
bereit. Sie berieten individuell über personelle Unterstützung sowie materielle Förderung und besprachen mit
den Gästen arbeitsrechtliche Besonderheiten.
Informationsmaterial
Die Veröffentlichungen des LVR-Integrationsamtes umfassen Broschüren, Berichte, Handbücher, Arbeitshefte
und Faltblätter. Jährlich aktualisiert werden die Arbeitshefte „Behinderung und Ausweis“ und „Leistungen zur
Teilhabe am Arbeitsleben und Nachteilsausgleiche für
behinderte Menschen“, die sich nicht nur an die betrieblichen Funktionsträger, sondern auch an die betroffenen
Menschen selbst und ihre Angehörigen richten. Fachspezifische Arbeitshefte wie die „Handlungsempfehlungen
zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement“, „Die
Schwerbehindertenvertretung“ oder „Wahl der Schwerbehindertenvertretung“ werden je nach Bedarf aktualisiert.
Im Jahr 2015 sind aktualisierte Auflagen der Broschüren
„Der besondere Kündigungsschutz“ und „Menschen mit
seelischer Behinderung im Arbeitsleben“ erschienen.
Die in der Reihe „ZB Ratgeber“ erschienenen Broschüren vermitteln kein umfassendes Fachwissen oder gehen
auf juristische Einzelfragen ein. Ihr Ziel ist es, ein Thema
kompakt und verständlich, aber umfassend darzustellen.
Der Ratgeber ist geeignet, sich einen guten Überblick
über das dargestellte Thema zu verschaffen. In der Reihe sind bisher erschienen: „Der besondere Kündigungsschutz“ und „Betriebliches Eingliederungsmanagement“.

Neu erschienen im Jahr 2015 ist „Behinderung und Ausweis“. Die Reihe wird fortgesetzt.
Das LVR-Integrationsamt ist beteiligt an der bundesweit
erscheinenden Zeitschrift „Behinderte im Beruf“ (ZB) und
fügt jeder Ausgabe die regionale Beilage „ZB Rheinland“
bei. Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich. Die Auflage
der ZB im Rheinland beträgt 30.000 Exemplare. Die Publikationen des LVR-Integrationsamtes sind zu beziehen
über das Online-Bestellsystem des LVR. Den mehr als
12.500 betrieblichen Funktionsträgern im Rheinland werden alle Veröffentlichungen automatisch nach Erscheinen
zugesandt.
Neue Medien
Das LVR-Integrationsamt engagiert sich stark bei der
Internetplattform der Bundesarbeitsgemeinschaft der
Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH, www.
integrationsaemter.de). Eine Online-Akademie bietet interaktive Wissensvermittlung, Workshops und Kontakte
zu Expertinnen und Experten zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement und zu Integrationsvereinbarungen an. Das Angebot der Akademie will eine flexible
und unbürokratische Einführung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements unterstützen bzw. praxisnahe
Hinweise liefern, die für die Erarbeitung und zum Abschluss einer verbind­lichen Vereinbarung hilfreich sind.
In 4 Fachforen tauschen sich mittlerweile 8.000 regis­
trierte Nutzerinnen und Nutzer zu den Themen „Arbeit
der Schwerbehindertenvertretung“ oder „Betriebliches
Eingliederungsmanagement“ aus.

Fachlexikon-App ABC
FACHLEXIKON-APP
ABC
Behinderung
BEHINDERUNG
& Beruf
& BERUF
Das Fachlexikon aus dem Handbuch „ABC Behinderung und Beruf“ (5. überarbeitete Ausgabe
A
­ usgabe
2014) ist auch als App für mobile Endgeräte verfügbar. Die über 300 Stichworte lassen sich im
Volltext bequem durchsuchen und auf einer Merkliste speichern. Damit das Wissen unterwegs
auch verfügbar ist, wenn keine Netzwerkverbindung besteht, werden sämtliche Artikel des
­Lexikons bei der Installation auf das Gerät kopiert.
Lexikons

YouTube-Kanal „Integrationsämter“
YOUTUBE-KANAL
„INTEGRATIONSÄMTER“
Die Integrationsämter haben auf YouTube einen eigenen Videokanal. Die Filme informieren über
die Aufgaben der Integrationsämter und zeigen viele Beispiele für eine erfolgreiche berufliche
Integration schwerbehinderter Menschen, optional mit Untertiteln und Gebärdensprache.

108

15

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

Anhang
ANHANG

15.1 Einrichtungen des LVR, Fachdienste und Integrations­
unternehmen
Landschaftsverband Rheinland
Deutzer Freiheit 77 – 79
50679 Köln
Tel.: 0221 809-5300
Fax: 0221 809-5302
E-Mail: integrationsamt@lvr.de
www.lvr.de

Regionalisiertes Verzeichnis
REGIONALISIERTES
VERZEICHNIS
mit den Anprechpersonen und Kontaktdaten der örtlichen Fachstellen bei den Kreisen und
­Städten, den Integrationsfachdiensten, den Inklusionsberaterinnen und Inklusionsberatern bei den
Städten,
­Kammern und den zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des LVR-Integrationsamtes
Kammern

VERZEICHNIS
Verzeichnis
derDER
Integrationsprojekte
INTEGRATIONSPROJEKTE
im Rheinland
IM RHEINLAND
mit
Kontaktdaten
MIT
KONTAKTDATEN
und Branchen
UND BRANCHEN

15.2 Verzeichnis der Tabellen und Grafiken nach Kapitel
KAPITEL

SEITE

Die Kapitel 1 bis 4 enthalten keine Tabellen und Grafiken.

05 Der Personenkreis der schwerbehinderten Menschen
Grafik 1: Schwerbehinderte Menschen nach Bundesländern und ihr Anteil an der Bevölkerung (Stand 2013)

24
SEITE

109

LVR-INTEGRATIONSAMT

KAPITEL

SEITE

Grafik 2: Anzahl der schwerbehinderten Menschen in NRW und ihr Anteil an der Bevölkerung

27

Grafik 3: Anteil der schwerbehinderten Menschen an der Bevölkerung
in den Kreisen und Städten im Rheinland (Stand 2015)

28

Grafik 4: Verteilung der Behinderungsarten im Rheinland (Stand 2015)

29

Grafik 5: Verteilung der Altersgruppen der schwerbehinderten Menschen im Rheinland (Stand 2015)

30

06 Die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen
Tabelle 1: Arbeitsplätze und Beschäftigungsquoten in Deutschland, 2010 – 2014

32

Tabelle 2: Beschäftigungsquoten in den Bundesländern 2014

33

Tabelle 3: Beschäftigte schwerbehinderte Menschen nach Geschlecht, Alter und Personengruppe in NRW

35

Tabelle 4: Beschäftigungsquoten im Rheinland und in Westfalen-Lippe im Jahr 2014

35

Grafik 6: Beschäftigungsquoten in Nordrhein-Westfalen nach Arbeitgebern in Prozent, 2005 - 2014

36

Tabelle 5: Beschäftigungsquoten bei den Arbeitgebern im Rheinland

36

Tabelle 6: Arbeitgeber mit Sitz im Rheinland und ihre Verteilung nach der Beschäftigungsquote in Prozent

37

Tabelle 7: Beschäftigungsquoten bei den kommunalen Arbeitgebern im Rheinland, 2010 - 2014 in Prozent

39

07 Die Arbeitslosigkeit von schwerbehinderten Menschen
Tabelle 8: Arbeitslose schwerbehinderte Menschen

42

Tabelle 9: Qualifizierung der schwerbehinderten und nicht schwerbehinderten Arbeitslosen auf Bundes­
ebene, in NRW und im Rheinland in Prozent

42

Tabelle 10: Dauer der Arbeitslosigkeit in Prozent

43

08 Die Erhebung und Verwendung der Ausgleichsabgabe
Tabelle 11: Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben für schwerbehinderte und
ihnen gleichgestellte behinderte Menschen in Mio. Euro

46

Grafik 7: Einnahmen der Ausgleichsabgabe und für die Aufgabenerfüllung verbleibende Mittel

46

Grafik 8: Verteilung der Ausgaben des LVR-Integrationsamtes im Jahr 2015

47

Tabelle 12: Leistungen zur Neuschaffung und Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen in Euro

47

110

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

KAPITEL

SEITE

Tabelle 13: Leistungen an Integrationsprojekte in Euro

48

Tabelle 14: Leistungen an Einrichtungen für behinderte Menschen in Euro

48

Tabelle 15: Finanzierung der Integrationsfachdienste in Euro

49

Tabelle 16: Erhebung der Ausgleichsabgabe in Euro

50

Tabelle 17: Zuweisung aus Mitteln der Ausgleichsabgabe an die örtlichen Fachstellen
der LVR-Mitgliedskörperschaften im Jahr 2015 und ihr Aufwand

50

Tabelle 18: Seminare und Öffentlichkeitsarbeit in Euro

52

Tabelle 19: Modell- und Forschungsvorhaben, Regionale Arbeitsmarktprogramme in Euro

52

09 Die Leistungen des LVR-Integrationsamtes und der örtlichen Fachstellen
Grafik 9: Leistungen an Arbeitgeber für die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen und
aufgewendete Mittel durch das LVR-Integrationsamt und die örtlichen Fachstellen

54

Tabelle 20: Regionale Verteilung der Leistungen und Fördersummen im Jahr 2015 an Arbeitgeber und
schwerbehinderte Menschen

55

Tabelle 21: Leistungen zur Schaffung von Arbeitsplätzen

55

Tabelle 22: Hilfen bei außergewöhnlichen Belastungen

56

Tabelle 23: Behinderungsgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen

56

Tabelle 24: Arbeitsassistenz

56

Tabelle 25: Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen

57

Tabelle 26: Technische Arbeitshilfen

57

Tabelle 27: Kraftfahrzeughilfen

57

Tabelle 28: Gründung und Erhaltung einer selbstständigen beruflichen Existenz

57

Tabelle 29: Wohnraumbeschaffung und Wohnraumgestaltung

58

Tabelle 30: Leistungen an Arbeitgeber und schwerbehinderte Menschen nach Leistungsart und Geschlecht

58

Grafik 10: Standorte der Integrationsprojekte in den LVR-Mitgliedskörperschaften

61

Grafik 11: Betriebsbesuche und Verteilung der Beauftragungen 2015

63

Grafik 12: Fachtechnische Stellungnahmen

63
SEITE

111

LVR-INTEGRATIONSAMT

KAPITEL

SEITE

Grafik 13: Betreuung durch die technischen Fachberater bei den Kammern 2015

66

Tabelle 31: Klientinnen und Klienten der Integrationsfachdienste nach der Art der Behinderung,
2011 – 2015

67

Tabelle 32: Einsatz des Integrationsfachdienstes im Rahmen der Arbeitsplatzsicherung,
2011 – 2015

68

Tabelle 33: Vermittlungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt durch den Integrationsfachdienst,
2011 – 2015

69

10 LVR-Budget für Arbeit
Tabelle 34: Anzahl und Art der Förderungen im Rahmen des regionalen Arbeitsmarktprogramms
„aktion5“ im Jahr 2015

73

Grafik 14: Regionale Verteilung der Förderungen* im Rahmen von „aktion5“,
2013 – 2015

74

Grafik 15: Module und Teilnehmende im Rahmen des Projektes STAR im Jahr 2015

76

Grafik 16: Vermittlung in den allgemeinen Arbeitsmarkt (Herkunft)

77

Grafik 17: Vermittlung in den allgemeinen Arbeitsmarkt (Branchen)

78

Tabelle 35: Vermittlungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt 2011 – 2015
(Projekt „Übergang 500 plus mit dem LVR-Kombilohn“)

78

Tabelle 36: Arbeitsplätze im Rahmen des LVR-Projektes „Betriebsintegrierte Arbeitsplatze“

81

Tabelle 37: Neue Ausbildungsplätze im Rheinland, gefördert durch die Initiative Inklusion, Handlungsfeld 2

83

Tabelle 38: Neue Arbeitsplätze im Rheinland, gefördert durch die Initiative Inklusion, Handlungsfeld 3

83

11 Die Modellprojekte und Forschungsvorhaben
Das Kapitel 11 enthält keine Tabellen und Grafiken.

12 Prävention
Grafik 18: Verteilung der Gründe nach Geschlecht im Rahmen von Prävention in Prozent

91

Grafik 19: Ausgang der abgeschlossenen Präventionsverfahren gem. § 84 Abs. 1 SGB IX

91

Grafik 20: Ausgang der abgeschlossenen BEM-Verfahren

92

112

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

KAPITEL

Tabelle 39: BEM-prämierte Arbeitgeber im Rheinland, 2006 – 2015

SEITE

96

13 Der besondere Kündigungsschutz nach dem Sozialgesetzbuch IX
Grafik 21: Anträge auf Zustimmung zur ordentlichen und außerordentlichen Kündigung, 2006 – 2015

98

Grafik 22: Kündigungsgründe bei ordentlichen Kündigungen 2015

98

Tabelle 40: Anträge auf Zustimmung zur Kündigung nach Fachstellen, 2011 – 2015

99

Grafik 23: Ausgang der ordentlichen Kündigungsverfahren 2015

100

Tabelle 41: Widerspruchsverfahren, 2011 – 2015

101

14 Aktionen, Seminare und Öffentlichkeitsarbeit
Tabelle 42: Schulungen des LVR-Integrationsamtes

103

15.3 Verzeichnis der Bilder nach Kapiteln
KAPITEL
Bild 1: iStockphoto, © Minerva Studio

SEITE
2

01 Vorwort
Bild 2: Prof. Dr. Angela Faber, LVR-Dezernentin für Schulen und Integration, Foto: LVR

7

02 Das LVR-Integrationsamt
Bild 3: Karin Fankhaenel, Leiterin des LVR-Integrationsamtes, Foto: Paul Esser

10

03 Die Schwerpunkte der Arbeit im Jahr 2015
Bild 4: Stellten das inklusive Schiffsbauprojekt im APX vor (v.l.n.r.):
      Schiffsbaumeister Kees Sars; LVR-Kultur­
dezernentin Milena Karabaic; Dr. Martin Müller, Leiter des APX; LVR-Schul- und Integrationsdezernentin
Prof Dr. Angela Faber; Karin Fankhaenel, Leiterin des LVR-Integrationsamtes sowie Projektleiterin Dr. Gabriele
Schmidhuber-Aspöck. Foto: LVR

13

Bild 5: Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beteiligen sich mit Fragen und Anmerkungen an der
­Podiumsdiskussion. Maurice Gully moderierte. Foto: LVR

14

Bild 6: Alexander Reimer, Fachberater für Inklusion bei der IHK Köln

15
SEITE

113

LVR-INTEGRATIONSAMT

KAPITEL

SEITE

04 Ein Ausblick auf das Jahr 2016
Bild 7: Christoph Beyer, neuer Leiter des LVR-Integrationsamtes, Foto: LVR

18

Bild 8: Thomas Esser, Integrationsprojekt Holz-Team Esser, Niederzier, Foto: Esser

20

05 Der Personenkreis der schwerbehinderten Menschen
Bild 9: iStockphoto, © Wavebreakmedia

27

Bild 10: Informations- und Beratungsstand des LVR-Integrationsamtes auf der RehaCare 2015,
Foto: LVR-Integrationsamt

28

06 Die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen
Bild 11: Lotus Design, Pulheim, Foto: LVR-Integrationsamt

38

Bild 12: Michael Henkel, Technischer Berater beim LVR-Integrationsamt, Foto: LVR

40

07 Die Arbeitslosigkeit von schwerbehinderten Menschen
Bild 13: Casa Floor GmbH, Wuppertal, Foto: LVR-Integrationsamt

44

08 Die Erhebung und Verwendung der Ausgleichsabgabe
Bild 14: Andrey Petukov, Lotus Design, Pulheim, Foto: LVR-Integrationsamt

49

Bild 15: Beatrix Seufert, Abteilungsleiterin des Bereiches Erhebung der Ausgleichsabgabe, Institutionelle
Förderung des LVR-Integrationsamtes, Foto. Paul Esser

51

09 Die Leistungen des LVR-Integrationsamtes und der Fachstellen für behinderte
­Menschen im Arbeitsleben
Bild 16: Helmut Volkenandt, FAF gGmbH, Foto: Volkenandt

60

Bild 17: Dr. Carsten Brausch, Abteilungsleiter des Technischen Beratungsdienstes beim LVR-Integrationsamt, Foto: Brausch

64

Bild 18: iStockphoto, © Geber86

68

Bild 19: Getty Images, © Mint Images – Tim Pannell

114

70/71

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

KAPITEL

SEITE

10 LVR-Budget für Arbeit
Bild 20: Heike Lietz, Thyssen Krupp Mill Services, Duisburg, Foto: LVR-Integrationsamt

80

11 Die Modellprojekte und Forschungsvorhaben
Bild 21: Schiffsbaumeister Kees Sars (r.) und Praktikant Stefan Achtenberg (2. v. r.) zeigen Dr. Martin Müller,
Prof. Dr. Angela Faber und Milena Karabaic ihre Arbeit am Einbaum Philemon, Foto: LVR

86

Bild 22: Fotolia, © Westend61 / zerocreatives

87

Bild 23: Fotolia, © zlikovec

89

12 Prävention
Bild 24: BEM-Preis. Foto: Michael Sturmberg/ LVR

93

Bild 25: Christoph Beyer (l.), Fachbereichsleiter des LVR-Integrationsamtes, überreichte die BEM-­Prämie
an die AXA Konzern AG am Standort Düsseldorf (v. l. n. r.): Claudia Möller (Vorsitzende der Konzern­
schwerbehindertenvertretung), Dr. Astrid Stange (Personalvorstand AXA Deutschland), Petra Bieler
(­Personal AXA Düsseldorf) und Oliver von Seckendorff (Leiter Personal AXA Region West). Foto: Guido
Schiefer /LVR

93

Bild 26: 	V. l. n. r.: Andreas Schletter (Personalleiter HEW-Kabel GmbH & Co. KG), Dr. Rainer Flohr
­(Geschäftsführung HEW-Kabel GmbH & Co. KG), Gerhard Zorn (stellvertretender F
­ achbereichsleiter
­LVR-­Integrationsamt), Norbert Nass (Betriebsratsvorsitzender und Gesundheitsbeauftragter
­HEW-Kabel GmbH & Co. KG). Foto: Joe Kramer /LVR

94

Bild 27: Gerhard Zorn, stellvertretender Fachbereichsleiter des LVR-Integrationsamtes, überreichte den
LVR-Award an Dolores Burkert, Personaldezernentin der Stadt Neuss, Sigrun Rosenbaum, Vertrauensperson der Schwerbehinderten der Stadt Neuss sowie Dr. Sascha Severin, BEM-Beauftragter der Stadt Neuss
(v. l. n. r.). Foto: Joe Kramer /LVR

94

Bild 28: Christoph Beyer (r.), Fachbereichsleiter des LVR-Integrationsamtes, mit dem Troisdorfer
­Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski. Foto: Guido Schiefer /LVR

95

Bild 29: 	Prof. Dr. Angela Faber, LVR-Dezernentin Schulen und Integration, übergab den LVR-Award an
Dr. Michael Stückradt, Kanzler der Universität zu Köln, Vizekanzlerin Ina Gabriel sowie an Dr. Kirsten
­Mallossek, Personaldezernentin der Universität zu Köln (v. l. n. r.). Foto: Joe Kramer /LVR

95

13 Der besondere Kündigungsschutz nach dem SGB IX
Das Kapitel enthält keine Fotos.

SEITE

115

LVR-INTEGRATIONSAMT

KAPITEL

SEITE

14 Aktionen, Seminare und Öffentlichkeitsarbeit
Bild 30: Informationsstand der Integrationsämter des LVR und LWL auf der RehaCare 2015

104

Bild 31: Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen,
kochte mit Volker Westermann (links). Unterstützend dabei: Guido Trostmann. Foto: Paul Esser

105

Bild 32: LVR-Sozialdezernent Dirk Lewandrowski (Mitte) kochte gemeinsam mit LWL-Direktor
Matthias Löb (rechts) und TV-Koch Volker Westermann. Foto: Paul Esser

105

Bild 33: Diskussionsrunde im Rahmen der Fachtagung Autismus und Beruf. Foto: Esser

106

Bild 34: Die Talkrunde beim Dialog Personal mit Vertretern des WDR, der Brauerei Früh und des Hotels
Franz. Foto: LVR

107

15.4 Herkunft der Daten nach Kapiteln
KAPITEL

03 Die Schwerpunkte der Arbeit im Jahr 2015
1.) Beschlussvorlagen Sozialausschuss (öffentlich) 2015, LVR, Köln
2.) Pressemeldungen des LVR

04 Ein Ausblick auf das Jahr 2016
1.) Beschlussvorlagen Sozialausschuss (öffentlich) 2016, LVR, Köln
2.) Pressemeldungen des LVR

05 Der Personenkreis der schwerbehinderten Menschen
1.) Amtliche Bevölkerungszahlen/Bevölkerung
  
im Regierungsbezirk Köln und Düsseldorf und in Nordrhein-Westfalen, Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011, Stand
30. Juni 2015, herausgegeben von IT NRW, Düsseldorf
2.) Statistik der schwerbehinderten Menschen 2013, herausgegeben vom Statistischen Bundesamt
­(Destatis), Bonn am 23. Juli 2014
3.) Schwerbehinderte Menschen in NRW am 31. Dezember 2015, herausgegeben im Mai 2016 von IT NRW,
­
Düsseldorf
4.) Lebenslagen der behinderten Menschen, Ergebnis des Mikrozensus 2013, herausgegeben 2014 vom
Statistischen Bundesamt (Destatis), Bonn

116

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

KAPITEL
5.) Bericht der Bezirksregierung Münster, Dezernat 27 „Benchmarking der kommunalen Aufgabenträger
im Bereich des SGB IX“, Stand: Oktober 2014

06 Die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen
1.) Online-Statistik: Arbeitsmarkt in Zahlen / Eckwerte (monatliche Aktualisierung im Jahr 2015), heraus­
gegeben von der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg
2.) Online-Statistik: Schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung (Anzeigeverfahren SGB IX) Deutschland
2014, veröffentlicht am 11. April 2016 von der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg
3.) Online-Statistik: Schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung (Anzeigeverfahren SGB IX) Nord­rheinWestfalen 2014, veröffentlicht am 11. April 2016 von der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg
4.) Online-Statistik: Schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung (Anzeigeverfahren SGB IX) Deutschland
und NRW, Stichprobenerhebung bei nicht beschäftigungspflichtigen Arbeitgebern 2010, herausgegeben
2011 von der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg
5.) Sonderauswertungen für die rheinischen Arbeitsagenturbezirke für 2015, Regionaldirektion NRW der
Bundesagentur für Arbeit, Abteilung Statistik Service West, Düsseldorf
6.) Auswertung des Bevölkerungsstandes nach Altersgruppen auf Basis der Fortschreibung der
­Bevölkerung von 2011, Stand Mai 2016, Statistisches Bundesamt (Destatis), Bonn
7.) Statistik der schwerbehinderten Menschen nach Altersgruppen 2013, herausgegeben vom Statistischen
Bundesamt (Destatis), Bonn am 23. Juli 2014
8.) Pressemitteilung Nr. 055 des Statistischen Bundesamtes vom 19. Februar 2015 zur Erwerbstätigkeit in
­Deutschland
9.) Online-Statistik: Arbeitsmarkt in Zahlen – Sozialversicherungspflichtige und geringfügige
­Beschäftigung – Zeitreihen, Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg
10.) Eigene Auswertungen des LVR-Integrationsamtes aus EDAS / ELAN

07 Die Arbeitslosigkeit von schwerbehinderten Menschen
1.) Online-Statistik: Detaillierte Übersichten / Kategorie Arbeitsmarkt /Arbeitslosenzahlen nach Gemeinden
(monatliche Aktualisierung), herausgegeben von der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg
2.) Sonderauswertung Bund / Länder /Arbeitsagenturbezirke: Arbeitslosigkeit allgemein / schwerbehindert
und Langzeitarbeitslosigkeit allgemein / schwerbehindert, Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg
3.) Der Arbeitsmarkt in Deutschland /Arbeitsmarktberichterstattung: Die Arbeitsmarktsituation von schwerbehinderten Menschen, Bund, Dezember 2015, Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg
4.) Der Arbeitsmarkt in NRW: Schwerbehinderte Menschen, NRW, November 2015, Regionaldirektion NRW
der Bundesagentur für Arbeit, Abteilung Statistik Service West, Düsseldorf
SEITE

117

LVR-INTEGRATIONSAMT

KAPITEL
5.) Sonderauswertung Bund / NRW / Rheinland zu Qualifikation, Zielberufen, Dauer der Arbeitslosigkeit
nichtbehindert / schwerbehindert, Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, Abteilung Statistik
­Service West, Düsseldorf
6.) Berufliche Rehabilitation in Deutschland, Dezember 2015, veröffentlicht im März 2016 von der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg

08 Die Erhebung und Verwendung der Ausgleichsabgabe
1.) Jahresbericht 2015 / 2016, herausgegeben von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter
und der Hauptfürsorgestellen (BIH), Münster
2.) BIH-Statistik zur Erhebung der Ausgleichsabgabe 2015
3.) NKF – Haushaltszahlen des LVR-Integrationsamtes 2010 bis 2015, LVR, Köln

09 Die Leistungen des LVR-Integrationsamtes und der Fachstellen für Menschen
mit Behinderung im Arbeitsleben
1.) Eigene Erhebungen des LVR-Integrationsamtes
2.) Statistiken der 38 Fachstellen für behinderte Menschen im Arbeitsleben
3.) BIH-Statistik 2015, LVR-Integrationsamt, Köln
4.) Jahresberichte der Fachberater für Inklusion der Handwerkskammern Aachen, Köln, Düsseldorf und
der Industrie- und Handelskammern Ruhr, Köln, Mittlerer Niederrhein
5.) Jahresbericht der FAF gGmbH, Köln
6.) BIH-Statistik der Integrationsfachdienste 2015, LVR-Integrationsamt, Köln

10 Das LVR-Budget für Arbeit
1.) Eigene Erhebungen des LVR-Integrationsamtes, Köln
2.) BIH-Statistik 2015, LVR-Integrationsamt, Köln
3.) Beschlussvorlagen für den Sozialausschuss (öffentlich) 2015 und 2016, LVR, Köln

11 Die Modellprojekte und Forschungsvorhaben
1.) Beschlussvorlagen für den Sozialausschuss (öffentlich) 2015 und 2016, LVR, Köln
2.) Abschlussbericht des Forschungsvorhabens „Budget für Arbeit“, LVR-Integrationsamt Köln,
November 2014

118

LVR-JAHRESBERICHT 2015/16

KAPITEL

12 Prävention
1.) Eigene Erhebungen des LVR-Integrationsamtes, Köln
2.) BIH-Statistik 2015, LVR-Integrationsamt, Köln
3.) Erhebungen des LVR-Integrationsamtes bei den 38 Fachstellen für behinderte Menschen im
­Arbeitsleben zu Prävention nach § 84 SGB IX

13 Der besondere Kündigungsschutz nach dem Sozialgesetzbuch IX
1.) Eigene Erhebungen des LVR-Integrationsamtes, Köln
2.) BIH-Statistik 2015, LVR-Integrationsamt, Köln

14 Aktionen, Seminare und Öffentlichkeitsarbeit
1.) Eigene Erhebungen des LVR-Integrationsamtes, Köln
2.) BIH-Statistik 2015, LVR-Integrationsamt, Köln

LVR-Integrationsamt
50679 Köln, Tel 0221 809-0
integrationsamt@lvr.de, www.soziales.lvr.de
        
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