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Auslobung

Full text: Auslobung

Freiraumgestaltung Berlin Mitte Umfeld Humboldt-Forum
Offener freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb

Auslobung

Offener freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum Berlin Mitte Auslobung

Berlin, September 2012

Herausgeber und Wettbewerbsdurchführung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Abteilung Städtebau und Projekte Referat II D Brückenstraße 6 10179 Berlin Wettbewerbsausschreibung Rose Fisch Landschaftsarchitektur, Berlin Maria Rünz, II D 22 Digitale Bearbeitung Mareen Schulz, Rose Fisch Landschaftsarchitektur, Berlin Felix Horn, Rose Fisch Landschaftsarchitektur, Berlin Titelbild Franco Stella – Berliner Schloss - Humboldt-Forum Projektgemeinschaft GbR Juni 2012 Druck A&W Digitaldruck, Berlin

Inhaltsverzeichnis

Anlass und Ziel.........................................................................................7

Teil 1	

Verfahren....................................................................................9

1.1	 Auslober, Bauherr und Verfahrenskoordination..........................9 1.2	 Art des Verfahrens....................................................................10 1.3	 Richtlinien für Wettbewerbe......................................................10 1.4	Teilnahmeberechtigung............................................................. 11 1.5	 Preisgericht und Vorprüfung......................................................12 1.6	 Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen.......................................16 1.7	 Abgabe der Wettbewerbsarbeiten.............................................16 1.8	Rückfragen ...............................................................................17 1.9	 Verzeichnis der Wettbewerbsunterlagen...................................18 1.10	 Geforderte Leistungen..............................................................19 1.11	 Beurteilungsverfahren und Vorprüfung.....................................21 1.12	 Preise und Anerkennungen.......................................................22 1.13	 Weitere Bearbeitung.................................................................23 1.14	 Eigentum und Urheberrecht......................................................23 1.15	Verfassererklärung....................................................................23 1.16	 Bekanntgabe des Ergebnisses / Ausstellung der Arbeiten........24 1.17	 Haftung und Rückgabe.............................................................24 1.18	 Zusammenfassung der Termine................................................24 Teil 2	 Situation und Planungsvorgaben..........................................25

2.1	 Lage und Kennzeichnung des Wettbewerbsgebiets.................25 2.2	Eigentumsverhältnisse..............................................................29 2.3	 Städtebauliche Entwicklung und Öffentlicher Raum.................30 2.3.1.	 Stadtraum Museumsinsel..........................................................31 2.3.2.	 Stadtraum Unter den Linden.....................................................35 2.3.3.	 Stadtraum Rathausforum..........................................................38 2.3.4.	 Stadtraum Rathausstraße, Französische Straße......................41 2.3.5.	 Stadtraum Breite Straße, Petriplatz .........................................46 2.4	 Städtebauliche Rahmenbedingungen.......................................48 2.5	Denkmalschutz..........................................................................50 2.6	 Aktuelle Planungen und Nutzungen im Umfeld.........................59 2.7	 Planung Humboldt-Forum.........................................................66 2.8	 Straßen und Verkehr.................................................................78 2.8.1.	Bestandsanalyse.......................................................................78 2.8.2.	 Zukünftige Veränderungen .......................................................81 2.8.3.	 Verkehrsplanerische Vorgaben im Wettbewerbsgebiet.............83 2.9	 Umweltbedingungen und technische Vorgaben........................88 Teil 3	 3.1	 3.2	 3.3	 Wettbewerbsaufgabe..............................................................93 Übergeordnete Zielsetzungen...................................................93 Gestalterische Zielsetzung........................................................96 Schloßplatz (Nord), vis-à-vis Lustgarten.................................100

3.4	 Schloßplatz (Süd), ehemaliger Schloßplatz............................103 3.5	Spreeufer................................................................................106 3.6	 Schloßplatz (West), ehemalige Schlossfreiheit.......................108 3.7	 Realisierung, Kostenrahmen, Wirtschaftlichkeit...................... 110 Teil 4	 Anhang................................................................................... 113

4.1	 Historische Entwicklung von Berlins Mitte............................... 113 4.2	 Das Schloss und sein Umfeld.................................................123 4.3	 Formblatt Kosten- und Flächenermittlung...............................137 4.4	Verfassererklärung..................................................................138 4.5	 Gender Mainstreaming............................................................139 4.6	 Technische Informationen.......................................................141 4.7	Quellenverzeichnis..................................................................143 4.8	Abbildungsverzeichnis............................................................146 Teil 5	 Digitale Anlagen....................................................................151

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Anlass und Ziel
Der Deutsche Bundestag hat mit den Beschlüssen in 2002, 2003 und 2007 die entscheidenden Ziele zur Realisierung des Humboldt-Forums definiert und die Bundesregierung mit der Umsetzung beauftragt. Die Nutzung des Gebäudes als Humboldt-Forum wurde damit bestätigt. Die Empfehlung der Expertenkommission „Historische Mitte Berlin“, bei der städtebaulichen Neugestaltung der Spreeinselmitte weitgehend auf den historischen Stadtgrundriss zurückzugreifen und sich an der Kubatur des ehemaligen Berliner Schlosses zu orientieren, wurde in dem anschließenden Wettbewerb mit dem preisgekrönten Entwurf von Franco Stella aufgenommen. Das Abgeordnetenhaus von Berlin fasste 2009 den Beschluss, für die Realisierung des Humboldt-Forums und das nähere Umfeld das entsprechende Planungsrecht zu schaffen. Das im Krieg stark beschädigte Berliner Schloss wurde im Jahre 1950 von den Machthabern der DDR gesprengt. Es war zuvor über viele Jahrhunderte Residenz der Kurfürsten von Brandenburg, der preußischen Könige und zuletzt der Deutschen Kaiser gewesen. Mit der Errichtung des geplanten Humboldt-Forums in der städtebaulichen Figur des Schlosses werden an diesem geschichtsträchtigen Ort Räume entstehen, die dem kultur- und kunstinteressierten Besucher die Vielfalt und den kontinuierlichen Wandel der Kulturen der Welt vor Augen führen. Im Humboldt-Forum werden die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin (Ethnologisches Museum und Museum der Asiatischen Kunst), mit dem Ausstellungs- und Veranstaltungsraum und dem Laut-Archiv der Humboldt-Universität zu Berlin sowie mit den dazu passenden Medien der Zentral- und Landesbibliothek Berlin zusammengeführt. Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin wird die Komplexität außereuropäischer Kulturen über vielfältige Medien wie Bilder, Texte, Tonaufnahmen, Tanz und Theater vermitteln. In einer gemeinsamen Veranstaltungszone von Museen, Bibliothek und Universität – der Agora – wird mit ihren attraktiven Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Bildungsangeboten ein besonderer Anziehungspunkt für alle kulturell Interessierten entstehen. Vorzufinden sind darüber hinaus Restaurants, Cafés, Buchläden und Shops. Die Agora wird mit übergeordneten themenorientierten Veranstaltungen ein Forum für den globalen Dialog der Weltkulturen in Berlin sein. Aufgabe des freiraumplanerischen Wettbewerbes ist es, einen den Dimensionen und der Bedeutung dieses Projektes entsprechenden Freiraum zu gestalten. Die in dem Wettbewerb zu bestimmende Gestaltung soll eine auf die Historie begründete und zukunftsfähige Formensprache aufweisen. Trotz der unterschiedlichen Nutzungsanforderungen an die einzelnen der vier Platzbereiche des Humboldt-Forums wird eine einheitliche Gestaltung erwartet, die den Schloßplatz als ein Ganzes herausarbeitet und erlebbar macht und gleichzeitig den Bezug zu den bestehenden Kunst- und Kultursammlungen der Museumsinsel verdeutlicht.

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Für die zu gestaltende Fläche im Realisierungsbereich von ca. 38.000 m² stehen 10.325 Mio. Euro für Planung und Realisierung zur Verfügung. Die Freiraumgestaltung soll zur Eröffnung des Humboldt-Forums 2019 weitestgehend abgeschlossen sein.

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Teil 1	 Verfahren 1.1	 Auslober, Bauherr und Verfahrenskoordination

Auslober Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in Abstimmung mit der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum, dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Bauherr Land Berlin, vertreten durch die DSK, Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH, treuhänderischer Entwicklungsträger des Landes Berlin. Wettbewerbsdurchführung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Abteilung Städtebau und Projekte Referat II D Brückenstr. 6 10179 Berlin Maria Rünz, II D 22 Tel.:	 +49 (0)30/ 9025-2021 Fax:	 +49 (0)30/ 9025-2533 E-Mail:	 maria.ruenz@senstadt.berlin.de Web:	 www.stadtentwicklung.berlin.de Erstellung der Auslobung und der Planunterlagen Rose Fisch Landschaftsarchitektur Elberfelder Straße 29 10555 Berlin Informationstechnische Umsetzung des Wettbewerbes wa wettbewerbe aktuell Verlags GmbH Maximilianstraße 5 D – 79100 Freiburg i. Br. Tel.:	 +49 (0) 761/77 455-30 Fax.:	 +49 (0) 761/77 455-11 E-Mail: 	verlag@wettbewerbe-aktuell.de Web:	 www.wa-journal.de

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1.2	

Art des Verfahrens

Die Ausschreibung erfolgt als offener einphasiger freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb mit Ideenteil gemäß den Richtlinien für Planungswettbewerbe (siehe Teil 5, Ordner 5.16 RPW 2008 und Wettbewerbsrichtlinie (SenStadtUm 2009). Das gesamte Wettbewerbsverfahren ist bis zum Abschluss anonym. Kommunikation Die Wettbewerbssprache ist Deutsch. Die Kommunikation mit den Teilnehmern erfolgt über Internet. Die Teilnehmer sind aufgefordert, sich während des gesamten Wettbewerbs über den aktuellen Stand des Verfahrens eigenständig zu informieren. Im Teilnehmerbereich werden die Informationen zur Auslobung fortlaufend bereitgestellt und aktualisiert. Anmeldung Die Teilnehmer sind aufgefordert, sich unter der Adresse: https://www.wettbewerbe-aktuell.de/de/ausschreibungen/online/5/teilnehmerbereich.html für den Wettbewerb anzumelden. Falls noch nicht vorhanden, muss ein Login über wettbewerbe-aktuell erstellt werden. Nach erfolgreicher Erstellung des Logins erhalten die Teilnehmer per E-Mail eine Benachrichtigung mit ihren Zugangsdaten für den Teilnehmerbereich. Im Teilnehmerbereich stehen ab dem 12.09.2012 alle dem Wettbewerb zugehörigen Unterlagen bereit. Alle Informationen, die während des Verfahrens versendet werden, werden an die E-Mail-Adresse gesendet, die im Bereich „Eingabemaske“ / Feld „Kontaktdaten“ vom Teilnehmer hinterlegt wurde.

1.3	

Richtlinien für Wettbewerbe

Dem Wettbewerb liegen die Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2008) sowie das Rundschreiben SenStadt VI A Nr. 06/2009 (Einführung der RPW 2008, zugrunde, soweit nachstehend nichts anderes ausgeführt ist (siehe www.stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/wettbewerbe/grundlagen). Die Architektenkammer Berlin wirkt entsprechend der RPW 2008 vor, während und nach dem Wettbewerb beratend mit. Der Wettbewerb wird bei der Architektenkammer Berlin unter der Registrier-Nr. AKB-2012-13 geführt. Einverständnis Jeder Teilnehmer, Preisrichter, Sachverständige, Vorprüfer und Gast erklärt sich durch seine Beteiligung bzw. Mitwirkung am Verfahren mit den vorliegenden Teilnahmebedingungen und der Anwendung der RPW 2008 einverstanden. Verlautbarungen jeder Art über Inhalt und Ablauf vor und während der Laufzeit des Wettbewerbsverfahrens, einschließlich der Veröffentlichung der Wettbewerbsergebnisse, dürfen nur über die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und Umwelt - II D - abgegeben werden.

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Datenschutz Jeder Teilnehmer, Preisrichter, Sachverständige, Vorprüfer, Gast und Auftragnehmer willigt durch seine Beteiligung bzw. Mitwirkung am Verfahren ein, dass seine personenbezogenen Daten im Zusammenhang mit oben genannten Wettbewerb bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in Form einer automatisierten Datei geführt werden. Diese Einwilligung ist auf der Verfasser- bzw. auf der Zustimmungserklärung zu bestätigen. Eingetragen werden Name, Anschrift, Telefon, Bankverbindung, Beauftragung im Wettbewerb, Kammermitgliedschaft, Berufsbezeichnung. Nach Abschluss des Verfahrens können auf Wunsch diese Daten gelöscht werden (durch Vermerk auf der Verfassererklärung). Gemäß § 6 des novellierten Datenschutzgesetzes ist die Einwilligung der Betroffenen notwendig, da eine spezielle Rechtsgrundlage für die Führung dieser Datei fehlt. Vergabekammer Öffentliche Aufträge, die gemäß den Vergabevorschriften der EU vergeben werden müssen, unterliegen einem Rechtsschutzverfahren. Für die öffentlichen Auftraggeber des Landes Berlin wird dieses Verfahren vor der Vergabekammer des Landes Berlin geführt. Vergabekammer der Landes Berlin Martin-Luther-Straße 105 D - 10825 Berlin Tel.: +49(0)30/ 9013 8316 Fax.:+49(0)30/ 9013 7613

1.4	

Teilnahmeberechtigung

Berechtigt zur Teilnahme am Wettbewerb gemäß der Anzeige im Supplement des Amtsblatts der europäischen Gemeinschaft sind Landschaftsarchitekten oder Arbeitsgemeinschaften aus Landschaftsarchitekt/Architekt, mit der Federführung des Landschaftsarchitekten. Die Zusammenarbeit mit Verkehrsplanern wird empfohlen. Zur Teilnahme am Wettbewerb zugelassen sind natürliche Personen, die entsprechend den Regelungen ihres Heimatstaates berechtigt sind, die Berufsbezeichnung Landschaftsarchitekt zu führen und gemäß den EGRichtlinien in der Bundesrepublik Deutschland tätig werden können. Juristische Personen sind teilnahmeberechtigt, sofern ihr satzungsmäßiger Geschäftszweck auf Planungsleistungen ausgerichtet ist, die der gestellten Aufgabe entsprechen. Mindestens einer der Gesellschafter oder einer der bevollmächtigten Vertreter und der Verfasser der Wettbewerbsarbeit muss die an natürliche Personen gestellten Anforderungen erfüllen. Bei Arbeitsgemeinschaften muss jedes Mitglied teilnahmeberechtigt sein. Teilnahmehindernisse sind nach § 4 (2) RPW 2008 geregelt. Bei Arbeitsgemeinschaften muss jedes Mitglied die Anforderungen erfüllen, die an natürliche oder juristische Personen gestellt werden.

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Eine Beteiligung auch einzelner Mitglieder von Arbeitsgemeinschaften an mehr als einer Arbeitsgemeinschaft ist unzulässig und führt zum Ausschluss aller davon betroffenen Arbeitsgemeinschaften. Ausgeschlossen von der Teilnahme am Wettbewerb sind Personen, die unmittelbar an der Ausarbeitung der Wettbewerbsaufgabe und der Auslobung beteiligt waren sowie sämtliche am Preisgerichtsverfahren und der Vorprüfung beteiligte Personen. Gleiches gilt für deren Ehepartner, Verwandte und Verschwägerte ersten und zweiten Grades sowie deren ständige Geschäfts- und Projektpartner. Die Voraussetzungen für die Teilnahmeberechtigung müssen am Tag der Wettbewerbsbekanntmachung erfüllt sein. Fachberater unterliegen nicht den genannten Teilnahmebedingungen.

1.5	

Preisgericht und Vorprüfung
Cordula Loidl-Reisch Landschaftsarchitektin, Berlin Ariane Röntz Landschaftsarchitektin, Berlin Guido Hager Landschaftsarchitekt, Zürich Gero Heck Landschaftsarchitekt, Berlin Franco Stella Architekt, Vicenza/Berlin HG Merz Architekt, Berlin Thomas Will Architekt, Denkmalpflege, Dresden

Fachpreisrichter und 	 Fachpreisrichterinnen	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	

Stellvertretende 	 Fachpreisrichter und 	 Fachpreisrichterinnen	 	 	 	 	

Dr. Johannes Schwarzkopf Landschaftsarchitekt und Gartenhistoriker, Erfurt Till Rehwaldt Landschaftsarchitekt, Dresden Wilfried Kühn Architekt, Berlin

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Sachpreisrichter und	 Regula Lüscher Sachpreisrichterinnen	Senatsbaudirektorin 	 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 	 und Umwelt 	 Rainer Bomba 	Staatssekretär 	 Bundesministerium für Verkehr, Bau 	 und Stadtentwicklung 	 	 Dr. Dr. Hermann Parzinger Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

	 André Schmitz 	Staatssekretär 	 Der Regierende Bürgermeister von Berlin 	 Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten 	 	 	 	 	 	 Manfred Rettig Vorstand und Sprecher der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum Carsten Spallek Bezirksstadtrat Stadtentwicklung Bezirksamt Mitte von Berlin

Stellvertretende 	 Manfred Kühne Sachpreisrichter und 	 Abteilungsleiter Städtebau und Projekte Sachpreisrichterinnen	 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und 	Umwelt 	 Günther Hoffmann 	 Abteilungsleiter Bauwesen, Bauwirtschaft 	 und Bundesbauten 	 Bundesministerium für Verkehr, Bau und 	Stadtentwicklung 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 Volker Heller Generaldirektor der Zentral- und Landesbibliothek Berlin Dr. Matthias Wemhoff Landesarchäologe und Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte Helge Rehders Leiter des Grundsatzreferates Der Regierende Bürgermeister von Berlin Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten Karl-Heinrich Mohr Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum

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Siegfried Dittrich Bezirksamt Mitte von Berlin

Sachverständige	 	 	 	 	 	 	 	

Dr. Friederike Kitschen Humboldt-Universität zu Berlin Dr. Viola König Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin Antje Bartmann/Dr. Brigitta Thomas Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

	 Horst Grothues/Klaus Hölscher 	 Bundesministerium für Verkehr, Bau und 	Stadtentwicklung 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 Volker Grübener/Dorothea Kluth Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung Andreas Kniewel DSK Deutsche Stadt- und Entwicklungsgesellschaft mbH, Berlin Dr. Karin Wagner Landesdenkmalamt Berlin Annalie Schoen/Ellen Mickley Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt - Hauptstadtreferat Beate Profé/Ursula Renker Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt - Freiraumplanung

	 Claudia Reich-Schilcher 	 Baukultur - Schwerpunkt Stadtbild 	 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und 	Umwelt 	 	 	 	 	 	 	 	 	 Karin Irmscher Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt - Verkehr Eva-Marie Zimmer Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt - Tiefbau, Ingenieurbauwerke Herr Michael Steinfurth Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt - Kostenprüfung Verkehrsanlagen

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Peter Ostendorff / Patrick Weiss Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt - Wettbewerbe und Auswahlverfahren Ingeborg Stude Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt - Barrierefreies Bauen

	 Hildrun Knuth 	 Bezirk Mitte von Berlin 	Behindertenbeauftragte 	 	 	 	 Thomas Schuster/Michael Proll Bezirk Mitte von Berlin Tiefbau- und Landschaftsplanungsamt FB Straßenunterhaltung, Straßenaufsicht

	 Ralf Deppner 	 Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin 	Wasserstraßenüberwachung 	 	 	 	 	 	 	 Carsten Liebich Berliner Verkehrsbetriebe Ingrid Hermannsdörfer LKA, städtebauliche Prävention Cagla Ilk Frauenbeirat der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt

Gäste	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	 	

Peter Kever Architektenkammer Berlin Gerhard Hoya Gesellschaft historisches Berlin e.V. Lars-Gunnar Ziel Oberpfarr- und Domkirche Berlin Hans Joachim Völz Hochschule für Musik, Berlin Dr. B. Peter Utzig ESMT European School of Management and Technology GmbH, Berlin Peter Westermann Franco Stella Planungsgemeinschaft, Berlin Ellen Haußdörfer, SPD Stefan Evers, CDU Antje Kapek, Bündnis90/Die Grünen

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Katrin Lompscher, Die Linke Wolfram Prieß, Piratenpartei Deutschland Stadtentwicklungspolitische Sprecher der Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses

Vorprüfung	 Rose Fisch 	Landschaftsarchitektin 	 Eckhard Lange 	Landschaftsarchitekt 	 Jens Henningsen 	Landschaftsarchitekt 	Kostenprüfung 	 Die Vorprüfung wird bei Bedarf verstärkt.

1.6	

Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen

Im Teilnehmerbereich werden sämtliche Wettbewerbsunterlagen zum Download zur Verfügung gestellt. Wettbewerbsunterlagen können nur auf diesem Weg abgerufen werden. Eine Zusendung per Post erfolgt nicht. Die Unterlagen können ab dem 12.09.2012 unter nachfolgender Adresse heruntergeladen werden: https://www.wettbewerbe-aktuell.de/de/ausschreibungen/online/5/teilnehmerbereich.html Zur Anmeldung zum Wettbewerb siehe Punkt 1.2 der Auslobung.

1.7	

Abgabe der Wettbewerbsarbeiten

Die Arbeiten sind bis zum 28.11.2012 von 14.00 um 17.00 Uhr bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Referat Wettbewerbe und Auswahlverfahren II D Brückenstraße 6 - Jannowitzcenter 10179 Berlin Raum 4.026 abzugeben oder am selben Tag oder davor liegend per Post- oder Kurierdienst einzureichen. Die Wettbewerbsarbeiten sind gerollt in einer eckigen Planverpackung abzuliefern. Bei Einreichung durch Post- oder Kurierdienst ist eine Kopie des Aufgabebeleges in gleicher anonymisierter Weise wie die Arbeit selbst, mit der Kennziffer versehen, an den Auslober nachzusenden.

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Die Wettbewerbsarbeiten sind zur Wahrung der Anonymität in verschlossenem Zustand ohne Absender oder sonstigen Hinweis auf den Verfasser, aber mit der Kennzahl und dem Vermerk „Realisierungswettbewerb Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum“ einzureichen. Bei Zustellung durch Post- oder Kurierdienst ist der Empfänger als Absender anzugeben. Die Teilnehmer können überprüfen, ob ihre Wettbewerbsarbeiten beim Auslober eingegangen sind. Auf der Seite „Übersicht“ werden die Kennzahlen der beim Auslober eingetroffenen Arbeiten veröffentlicht. Bei Einlieferung durch Post- oder Kurierdienst (porto- und zustellungsfrei für den Empfänger) gilt die Einlieferungsfrist als erfüllt, wenn der Aufgabestempel das Datum des 28.11.2012 oder eines davor liegenden Tages trägt. Der Verfasser trägt die Verantwortung, dass die geforderten Leistungen am 6. Tag nach Abgabedatum vorliegen. Später als 6 Tage eingehende Arbeiten werden vom Wettbewerb ausgeschlossen. Der Verfasser selbst ist für die Lesbarkeit des Aufgabestempels auf der Sendung verantwortlich. Verspätet eingegangene Arbeiten, deren Aufgabestempel/Aufgabebeleg fehlt, unleserlich oder unvollständig ist oder dessen Richtigkeit angezweifelt wird, werden vorbehaltlich des späteren Nachweises zeitgerechter Einlieferung, den der Teilnehmer zu erbringen hat, mitbeurteilt. Kennzeichnung der Arbeiten Die Wettbewerbsarbeiten sind in allen Stücken nur durch eine gleichlautende Kennzahl zu bezeichnen. Sie ist aus sechs arabischen Ziffern zu bilden und in einer Größe von 1 cm Höhe und 4 cm Breite auf jedem Blatt und Schriftstück in der rechten oberen Ecke anzubringen. Der Wettbewerbsverfasser hat die Verfassererklärung (siehe Anhang) mit seiner Anschrift in einem verschlossenen und undurchsichtigen Umschlag mit der gleichen Kennzahl abzugeben, mit der er seine Wettbewerbsarbeit gekennzeichnet hat. Dieser Umschlag ist gleichzeitig mit der Wettbewerbsarbeit abzugeben.

1.8	

Rückfragen

Rückfragen zur Auslobung können bis zum 25.09.2012 nur im Rückfrageforum des Wettbewerbs im Internet gestellt werden. Alle gestellten Fragen werden dort direkt und anonym angezeigt. Dadurch ist es möglich, dass alle Teilnehmer bereits gestellte Fragen nachlesen können. Jeder Teilnehmer ist verpflichtet selbst zu überprüfen, ob seine gestellten Fragen im Rückfrageforum angezeigt werden. Bei den Rückfragen ist auf die entsprechenden Teilziffern der Ausschreibung, auf die sie sich beziehen, Bezug zu nehmen. Die Rückfragen werden ggf. mit dem Preisgericht bzw. den Sachverständigen erörtert. Das Rückfrage-Protokoll ist Bestandteil der Ausschreibung.

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1.9	

Verzeichnis der Wettbewerbsunterlagen

Unterlagen des Wettbewerbs sind: -- die vorliegende Auslobung -- die Beantwortung der Rückfragen -- unter anderem die im Folgenden aufgeführten Planunterlagen in den angegebenen Dateiformaten (siehe Teil 5, Ordner 5.1 – 5.17) Digitale Informationspläne und -unterlagen Digitale Arbeitspläne -- Übersichts-/Arbeitsplan als CAD-Datei in den Formaten .dwg, .dxf -- Übersichtsplan, .pdf-Datei, M 1:1.000 -- Arbeitsplan, M 1:250 Informationspläne -- Informationsplan Funktionen (Höhen, Palastwanne, Marstalltunnel, Straßenneubau, Erschließungsfunktionen, ruhender Verkehr etc.) M 1:500, Juli 2012, (.pdf-Datei) -- Informationsplan Historische Spuren (historische Schlossterrassen, Standort Neptunbrunnen, Lage ehemaliges Dominikanerkloster), M 1:500, Juli 2012, (.pdf-Datei) -- Höhenplan Dom Vorplatz, (.pdf-Datei/.dwg) -- Höhenplan Lustgarten, (.pdf-Datei) -- Planungsunterlagen Humboldt-Forum, Erdgeschosszone, Fassadenansichten, M 1:200, (.pdf-Datei, .dwg) -- Leitungsplan Hausanschlüsse Humboldt-Forum, M 1:500; 31.08.2011, (.pdf-Datei) -- Koordinierter Leitungsplan Öffentliches Netz, M 1:500; 01.09.2011, (.pdf-Datei) -- Tiefgarage Humboldt-Forum, Hoffmann Leichter, Verkehrsplaner, 2012, (.pdf-Datei) -- Testentwurf zum Freiraum an der Spree, Rose Fisch Landschaftsarchitektur, 2011, (.pdf-Datei,) -- Straßenplanung Schloßplatz (Süd) – Deckenhöhenplan, M 1:500, 11.04.2011, (.pdf-Datei) -- Bebauungsplan I-219, M 1:1.000, 05.08.2011, (Beschlussfassung 22.03.2012) (.pdf-Datei) -- Luftbilder, Stand 23.06.2008, (SenStadt) (.pdf-Datei) -- Ausschnitt Planwerk Innere Stadt, M 1:2.000 (SenStadt) (.tif-Datei) -- Darstellung Planwerk Innenstadt 3D, (SenStadt) (.tif-Datei sowie in bearbeitbarer Form als .dxf-Datei) -- Situationsplan geplante U-Bahn Linie 5 und deren Zugänge, M 1:250 (BVG); 10.03.2009, (.pdf-Datei) -- Architektonischer Entwurf des U-Bahn-Hofs, Büro Max Dudler, Architekt, 02.11.2009, (.pdf-Datei) -- Historische Lage Neptunbrunnen im Ausschnitt Raumverteilungsplan, maßstabslos, Ing. Gesellschaft Lahmeyer, 12.07.2012, (.pdf-Datei) -- Archäologische Geophysik, Berliner Schloss 2006, Landesdenkmalamt Berlin, ohne Maßstabsangabe, Eingang 13.01.2010, (.pdf-Datei) -- Grabungsbericht Münzturm (Norbert Graf M.A.); 2007 -- Gotisches Fenster, Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum/F. Stella, Humboldt-Forum Projektgemeinschaft, 2012, (.jpg-Datei)

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Gesamtplan Schloßplatz/Dominikaner Kloster, M 1:250, Grabungsstand vom 09.11.2011, SenStadt, (.pdf-Datei) Pläne aus den Abbildungen in Teil 2 und Teil 4, (siehe Abbildungsverzeichnis Teil 4, Punkt 4.8)

Weitere Informationsgrundlagen -- Freiraumhistorisches Gutachten zum öffentlichen Raum um das Berliner Schloss (Dr. Johannes Schwarzkopf, 2009) (.pdf-Datei) -- Stadträumliches Vergleichsgutachten zum Realisierungswettbewerb Freiraumgestaltung Humboldt-Forum (BSK-Architekten, 2009) (pdf-Datei) -- Denkmalpflegerische Studie zum südlichen Vorplatz des Berliner Doms, M 1:500/1:200 (Schmidt Seifert Landschaftsarchitekten, 2007) (pdf-Datei) -- Wettbewerbsentwurf, 1. Preis Freiheits- und Einheitsdenkmal, Milla u. Partner Stuttgart mit Sasha Waltz, 2011, (jpg-Datei) Hinweis Jeder Teilnehmer des Wettbewerbes verpflichtet sich, die vorliegenden digitalisierten Daten und Pläne nur für die Beteiligung am Wettbewerb zu nutzen. Daten, die im Rahmen der Bearbeitung als Zwischenprodukte anfallen und nicht an den Auslober abgegeben werden, sind nach Abschluss des Wettbewerbes zu löschen.

1.10	

Geforderte Leistungen

Von den Teilnehmern werden folgende Leistungen erwartet: 1.	 Freiraumplanerisches Konzept / Einbindung in die Umgebung im Maßstab M 1:1.000 2.	 Freiraumplanerischer Entwurf Ideen- und Realisierungsteil im Maßstab M 1:250 mit Aussagen zu Belag, Vegetation, historischen Spuren, Ausstattungselementen und Topographie 3.	 Vertiefung von zwei aussagefähigen Bereichen im Detail des Realisierungsteils in einem geeigneten Maßstab zur Verdeutlichung der Entwurfsidee 4.	 vier Pflichtschnitte wie im Arbeitsplan verortet im Maßstab M 1:100: zwei Schnitte zur Spreeseite und zwei Schnitte Schlossplatz (Nord), davon einer vom Humboldt-Forum bis zum Berliner Dom. Weitere frei wählbare Schnitte zur Verdeutlichung der Entwurfsidee sind möglich. 5.	 zwei Perspektiven: eine von der Schloßbrücke zum Bereich Schlossplatz (Nord) und Verbindungsraum zum Lustgarten/Dom und eine von der Liebknechtbrücke zum Spreeufer/Belvedere 6.	 zusätzlich sind weitere atmosphärische Darstellungen wie Skizzen oder Piktogramme möglich, welche die Entwurfsidee verdeutlichen 7.	 Erläuterungsbericht mit Begründung der vorgeschlagenen Entwurfs­ konzepte sowie Aussagen zur Material- bzw. Pflanzenverwendung, zum baulichen Aufwand, zum Nutzungskonzept, zur Entwässerung, Angaben zur Ausstattung, max. 3 DIN A4 Seiten 8.	 ein Satz Prüfpläne (gefaltet) mit Angabe der notwendigen Maße im Maßstab M 1:250 9.	 Kostenermittlungen in Anlehnung an DIN 276 für den Realisierungsteil (auf beiliegendem Formblatt, siehe digitaler Anhang Teil 5, Ordner 5.17)

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10.	 Flächenermittlungen (Formblatt, siehe digitaler Anhang Teil 5, Ordner 5.17) 11.	 Verzeichnis der eingereichten Unterlagen mit der Nutzungsvereinbarung zum Planwerk Innere Stadt (auf beiliegendem Formblatt, siehe digitaler Anhang Teil 5, Ordner 5.3) 12.	 Verfassererklärung (Formblatt, siehe digitaler Anhang Teil 5, Ordner 5.17) Die geforderten Leistungen Nr. 1-12 sind in Papierform zu erbringen. Zusätzlich geforderte Leistungen in digitaler Form Zusätzlich sind folgende Leistungen in digitaler Form auf CD-ROM zu erbringen (für Vorprüfung, Ergebnisprotokoll und Veröffentlichung): -- die Präsentationspläne als Windows-kompatible .tif-Dateien in einer Auflösung von bevorzugt 300 dpi -- die Präsentationspläne als .pdf-Datei(en) mit eingebundenen Pixel­ darstellungen in einer Auflösung von bevorzugt 300 dpi -- die Prüfpläne als Windows-kompatible .dxf- oder .dwg-Datei (AutoCAD 2000 oder neuer) -- das ausgefüllte/ergänzte Formblatt (Kosten- und Flächenermittlung) als Windows-kompatible .xls-Datei (MS Excel) Hinweise zu den geforderten digitalen Leistungen „Offene“ Dateien aus Layout-Programmen (z.B. InDesign, QuarkExpress, Illustrator etc.) können nicht berücksichtigt werden. Bildmaterial, das nicht im genannten Windows-kompatiblen .tif-Format vorliegt, kann nicht berücksichtigt werden. Die CD-ROM selbst trägt als Titel nur die sechsstellige Kennzahl, mit der auch die schriftlichen Pläne gekennzeichnet werden (z.B. 123456). Die einzelnen Dateien auf der CD-ROM müssen wie folgt benannt werden: Der erste Teil des Dateinamens ist die sechsstellige Kennzahl, danach folgt ein Unterstrich und anschließend der eigentliche Dateititel, gefolgt von der Formatangabe, z.B. „tif“. Beispiele: -- Lageplan:	123456_lageplan.tif -- Grundrisszeichnung:	123456_grundriss.tif -- Ansichten:	123456_ansicht_01.tif -- Präsentationsplan 1:	 123456_praesentationsplan_01.tif -- Präsentationsplan 2:	 123456_praesentationsplan_02.tif -- Prüfplan 1:	 123456_pruefplan_01.tif und .dwg. -- Prüfplan 2:	 123456_pruefplan_02.tif und dwg. In den Dateinamen dürfen keine Leer- und Sonderzeichen vorkommen. Die CD-ROM ist für einen Windows-kompatiblen PC zu erstellen. MacintoshFormate können grundsätzlich nicht verwendet werden. Als verbindliche Form der Arbeit gilt der Papierausdruck.

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Allgemeine Hinweise Für die Präsentation der Wettbewerbsarbeiten stehen pro Arbeit zwei Rolltafeln mit einer Hängefläche von 2,45 m (Breite) x 1,73 m (Höhe) zur Verfügung. Es sollen vier Einzelpläne mit einem Höchstmaß von 90 cm (Breite) x 190 cm (Höhe) je Blatt eingereicht werden. Die vom Auslober zur Verfügung gestellten Arbeitspläne sind ein Angebot, den Wettbewerbsbeitrag darzustellen; sie müssen von den Verfassern nicht verwendet werden. Jeder Teilnehmer darf nur eine Arbeit ohne zusätzliche Varianten einreichen. Gemäß RPW 2008 § 5 Absatz 2 werden Darstellungen, die über die in der Auslobung geforderten Leistungen hinausgehen oder gegen bindende Vorgaben des Auslobers verstoßen, von der Vorprüfung ausgesondert. Farbige Darstellungen sowie erläuternde Skizzen sind zugelassen. Jeder Teilnehmer des Wettbewerbes verpflichtet sich, die vorliegenden digitalisierten Daten und Pläne nur für die Beteiligung am Wettbewerb zu nutzen. Daten, die im Rahmen der Bearbeitung als Zwischenprodukte anfallen und nicht an den Auslober abgegeben werden, sind nach Abschluss des Wettbewerbes zu löschen. Ausschlusskriterien/Verstoß gegen bindende Vorgaben Die für die Wettbewerbsaufgabe verbindlichen Vorgaben werden im Sinne der Innovation und des Wettbewerbgedankens auf folgende grundsätzliche Anforderungen begrenzt: Es werden keine bindenden Vorgaben im Sinne der RPW 2008 § 5 Absatz 1 und § 6 Absatz 2 formuliert. Wettbewerbsbeiträge, die während der Laufzeit des Wettbewerbes veröffentlicht werden, verstoßen gegen die in § 1 Absatz 4 und § 6 Absatz 2 RPW 2008 geforderte Anonymität und sind von der Beurteilung auszuschließen.

1.11	

Beurteilungsverfahren und Vorprüfung

Das Beurteilungsverfahren ist unter § 6 Absatz 2 der RPW 2008 dargestellt. Ergänzend gilt Folgendes: Die eingereichten Arbeiten werden mit Hilfe eines Kriterienkataloges vorgeprüft. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe können die Sachverständigen zur Unterstützung der Vorprüfer hinzugezogen werden. Dem Preisgericht werden die Ergebnisse der Vorprüfung als Entscheidungshilfe zur Verfügung gestellt, die Beurteilung der Arbeiten bleibt dem Preisgericht vorbehalten. Beurteilungskriterien Der Kriterienkatalog dient der Strukturierung der Vorprüfung und der Beurteilung der Wettbewerbsarbeiten durch das Preisgericht. Grundsätzlich sind die detaillierten Formulierungen der Aufgabenstellung und der Rückfragenbeantwortung ausschlaggebend. Bei der Beurteilung werden folgende Kriterien zugrunde gelegt: Programmerfüllung -- Termin- und formgerechte Einlieferung der Wettbewerbsarbeiten -- Vollständigkeit der geforderten Leistungen

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Leitidee/Konzept -- Entwurfsidee, Leitgedanke -- Leitbildorientierung -- Konzept zur übergeordneten räumlichen Anbindung: -- Flexibilität des Nutzungskonzeptes -- Nachhaltigkeit im Bezug auf ökologische, ökonomische, funktionale und soziokulturelle Qualität Gestaltung -- Straßenraumübergreifendes Konzept -- Gestaltqualität der vier Platzbereiche -- Strukturierung der Verkehrs- und Platzflächen -- Belagswahl/-gliederung -- Umgang mit den historischen Spuren Funktion -- Nutzungskonzept und -zonierung der vier Platzbereiche -- Organisation der verschiedenen Verkehrsarten -- Sicherung der Barrierefreiheit -- Berücksichtigung von Gender Mainstreaming -- Berücksichtigung der technischen Ausstattung Wirtschaftlichkeit -- Einhaltung der vorgegebenen Kostenobergrenze, gemäß -- Kostengruppe 500 nach DIN 276 -- Realisierbarkeit -- Pflegeaufwand

1.12	

Preise und Anerkennungen

Die Wettbewerbssumme (RPW 2008 § 7 Absatz 2) ist auf der Basis des § 39 HOAI ermittelt. Für Preise und Anerkennungen stehen insgesamt 96.000 Euro zur Verfügung. Vorgesehen ist folgende Aufteilung: 1. Preis 	 32.000 Euro 2. Preis	 21.000 Euro 3. Preis	 15.000 Euro 4. Preis	 10.000 Euro vier Anerkennungen mit je	 4.500 Euro Über die Preise und Anerkennungen hinaus ist eine Kostenerstattung nicht vorgesehen. Die Preise und Anerkennungen werden nach Entscheidung des Preisgerichts unter Ausschluss des Rechtsweges zugeteilt. Das Preisgericht kann einstimmig eine andere Verteilung beschließen oder Preisgruppen bilden. Die Umsatzsteuer von derzeit 19 % ist in den genannten Beträgen nicht enthalten und wird den inländischen Teilnehmern zusätzlich ausgezahlt.

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1.13	

Weitere Bearbeitung

Das Preisgericht gibt eine schriftliche Empfehlung für die weitere Bearbeitung der Wettbewerbsaufgabe. Bei der anschließenden Umsetzung des Projekts wird unter Würdigung der Empfehlungen des Preisgerichtes einem Verfasser der Preisgruppe die weitere Bearbeitung der Aufgabe mindestens mit den Leistungen 2, 3, 5 (und 4 soweit erforderlich) nach § 38 HOAI übertragen, sofern kein wichtiger Grund einer Beauftragung entgegensteht, insbesondere soweit und sobald die dem Wettbewerb zugrundeliegende Aufgabe realisiert werden soll (RPW 2008 § 8 Absatz 2). Voraussetzung ist, dass die Ausführung der ausgewählten Arbeit im Kostenrahmen möglich ist. Im Falle einer weiteren Bearbeitung im Anschluss an das Wettbewerbsverfahren werden die bisher erbrachten Leistungen bis zur Höhe des zuerkannten Preises nicht erneut vergütet, sofern der Entwurf in seinen wesentlichen Teilen unverändert der weiteren Bearbeitung zugrunde gelegt wird. Ein Verhandlungsverfahren im Anschluss an den Wettbewerb mit allen Preisträgern wird nur durchgeführt, wenn der Auftraggeber vom Votum des Preisgerichts abweicht. Im Regelfall wird der Auftraggeber nur mit dem ersten Preisträger über die Auftragsvergabe verhandeln. Für Landschaftsarchitekten, die nicht Mitglieder der Berliner Architekten­ kammer sind, gilt § 6 Bau- und Architektenkammergesetz in der neuesten Fassung. Den ausländischen Teilnehmern wird die Hinzuziehung eines Kontaktlandschaftsarchitekten empfohlen (http://www.ak-berlin.de /publicity/ak/internet.nsf/tindex/de_berufsrecht.htm).

1.14	

Eigentum und Urheberrecht

Die eingereichten Unterlagen der mit Preisen ausgezeichneten und anerkannten Wettbewerbsarbeiten werden Eigentum des Auslobers. Das Urheberrecht und das Recht der Veröffentlichung der Entwürfe bleiben dem Verfasser erhalten (RPW 2008 § 8 Absatz 3). Der Auslober ist berechtigt, die zur Beurteilung zugelassenen Arbeiten nach Abschluss des Wettbewerbs ohne weitere Vergütung zu dokumentieren, auszustellen und (auch über Dritte) zu veröffentlichen. Die Namen der Verfasser werden dabei genannt.

1.15	

Verfassererklärung

Durch ihre Unterschrift in der Verfassererklärung versichern die Wettbewerbs­ teilnehmer, dass sie die geistigen Urheber der Wettbewerbsarbeiten, gemäß den Wettbewerbsbedingungen teilnahmeberechtigt, mit einer Beauftragung zur weiteren Bearbeitung einverstanden und zur fach- und termingerechten Durchführung in der Lage sind. Die Verfassererklärung befindet sich als Formblatt im digitalen Anhang.

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1.16	

Bekanntgabe des Ergebnisses / Ausstellung der Arbeiten

Das Ergebnis des Wettbewerbs wird (unter Vorbehalt der Prüfung der Teilnahmeberechtigung) den Teilnehmern, deren Arbeit mit einem Preis oder einer Anerkennung ausgezeichnet wird, unmittelbar nach der Entscheidung des Preisgerichts mitgeteilt, allen anderen durch Übersendung des Preisgerichtsprotokolls und der Öffentlichkeit über die Presse bekanntgegeben sowie unter http://www.stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/kalender angekündigt. Die zur Beurteilung zugelassenen Wettbewerbsarbeiten werden mit den Namen der Verfasser, der Mitarbeiter und Sonderfachleute, den Preisen und Anerkennungen, der Aufnahme in die engere Wahl und dem Preisgerichtsprotokoll öffentlich ausgestellt. Eröffnung, Ort und Dauer der Ausstellung werden den Wettbewerbsteilnehmern und der Presse bekannt gegeben (RPW 2008 § 8 Absatz 1).

1.17	

Haftung und Rückgabe

Für die Beschädigung oder den Verlust der eingereichten Arbeiten haftet der Auslober nur im Fall nachweisbar schuldhaften Verhaltens. Die nicht prämierten Arbeiten von in Berlin ansässigen Teilnehmern können zu einem Zeitpunkt, der ihnen rechtzeitig mitgeteilt wird, bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt - II D - abgeholt werden. Die nicht in Berlin ansässigen Büros werden vom Auslober nach der Ausstellung der Arbeiten schriftlich bzw. per E-Mail angefragt ob Interesse an einer Rücksendung ihrer Arbeiten besteht. Die Rücksendung erfolgt nur dann, wenn die Arbeiten in transportgerechter und wieder verwendbarer Verpackung eingereicht wurden. Werden die Arbeiten innerhalb der genannten Fristen nicht zurückgefordert, so geht der Auslober davon aus, dass die betreffenden Teilnehmer das Eigentum an ihren Arbeiten aufgegeben haben und wird dann mit diesen Arbeiten nach seinem Belieben verfahren.

1.18	

Zusammenfassung der Termine

Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen	 12.09.2012 Rückfragen schriftlich per E-Mail bis 	 25.09.2012 Rückfragen-Beantwortung schriftlich per E-Mail 	 10.10.2012 Abgabe der Arbeiten 	 28.11.2012 Sitzung des Preisgerichts 	 14. und 15.01.2013 Ausstellung der Arbeiten 	 Februar 2013

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Teil 2	 Situation und Planungsvorgaben 2.1	 Lage und Kennzeichnung des Wettbewerbsgebiets

Lage im Stadtraum Das Berliner Stadtschloss war über längere Zeit der Entwicklung Berlins dessen urbaner Mittelpunkt und Maßstab sowie Ausgangspunkt des städtischen Wachstums. Das Areal verknüpft auch heute noch bedeutende Raumfolgen der Stadt miteinander, die die Geschichte der Berliner Stadtentwicklung widerspiegeln. Eine der ältesten Raumfolgen wird über die Französische Straße und Rathausstraße (ehemals Königsstraße) hergestellt, mit der Museumsinsel besteht zudem eine enge räumliche und funktionale Verflechtung. Das Schloss war außerdem Ausgangspunkt der Entwicklung der Raumfolgen entlang des Prachtboulevards Unter den Linden. Als Zeugnis der jüngeren Stadtentwicklung ist die Raumfolge zwischen Fernsehturm, Marx-Engels-Forum und dem Schloßplatz entstanden. Mit dem Abriss des Schlosses ist gleichzeitig auch die städtebauliche Mitte Berlins verloren gegangen. Nach der Wiedervereinigung sind jedoch wesentliche Entwicklungsimpulse von dem Hauptstadtbeschluss des Bundestages (1991) und durch die Empfehlungen der internationalen Expertenkommission „Historische Mitte“ (2002) für die Reurbanisierung des historischen Zentrums ausgegangen. Das Schlossareal steht seither in engem Zusammenhang mit den städtebaulichen Entwicklungsschwerpunkten in der Berliner Innenstadt: -------Parlaments- und Regierungsviertel, Bundesrat, Ministerien Hauptbahnhof im Spreebogen Dorotheenstadt und Ministergärten mit dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas unweit des Brandenburger Tores Petriplatz/Breite Straße mit der archäologischen Freilegung der Berliner Keimzelle Cölln Gertraudenstraße und Spittelmarkt Friedrichswerder, Auswärtiges Amt und rekonstruierte Bauakademie Schinkels Citybereiche Potsdamer Platz, Leipziger Platz und Alexanderplatz

Die Entwicklungen der letzten 20 Jahre geben der Innenstadt Berlins in vielen Quartieren mittlerweile ihre urbane Identität wieder. Auf die touristische Entwicklung üben sie bereits heute eine große Anziehungskraft aus. Mit der Wiedergewinnung der historischen Mitte durch den Bau des HumboldtForums sowie der Errichtung des Freiheits- und Einheitsdenkmals auf dem Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals Kaiser Wilhelm I. wird dieser Prozess einen entscheidenden Schritt vorankommen. Das Gebäude des Humboldt-Forums nimmt die Kubatur des ehemaligen Schlosses auf und gliedert sein Umfeld in vier Teilräume, die mit den historischen Räumen überwiegend identisch sind. Als postalische Verortung heißt das gesamte Gebiet zwischen Dom und Marstall sowie zwischen Spree und Spreekanal Schloßplatz. Der Schloßplatz (Nord) umfasst die Seite zum historischen Lustgarten, Dom und Museumsinsel, der Schloßplatz (West) ist identisch mit der ehemaligen Schloßfreiheit und der Schloßplatz (Süd)

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mit dem (eigentlichen) historischen Schloßplatz. Im Osten liegt das zu errichtenden Humboldt-Forum am Spreeufer. Das Areal des ehemaligen Schlosses und zukünftig des Humboldt-Forums befindet sich auf der Spreeinsel, einem der ursprünglichen Siedlungskerne der Doppelstadt Berlin/Cölln und wird im Osten durch die Spree und im Westen durch den Spreekanal begrenzt. Historisch bildet der Bereich auch eine funktionale und räumlich gewachsene Einheit mit der nördlich angrenzenden Museumsinsel. Durch die geplante Nutzung des HumboldtForums als Ort der Kunst, Wissenschaft und Kultur wird diese Verbindung gestärkt werden. Zwischen beiden Arealen verläuft die bedeutende Hauptverkehrsverbindung Unter den Linden – Straße Schloßplatz (Nord) mit der Schloßbrücke und der Liebknecht-Brücke. Richtung Westen sind das ehemalige Schlossareal und die Museumsinsel Endpunkt einer der geschichtlich bedeutsamsten Achsen Berlins. Der repräsentative Straßenzug Unter den Linden (Via Triumphalis) verknüpft historische Stadtquartiere und Platzräume wie den Pariser Platz am Brandenburger Tor mit dem Bebelplatz und dem Lustgarten. Der Schloßplatz (Süd) liegt am Straßenzug Werderscher Markt – Am Schloßplatz – Rathausstraße mit der Schleusen- und der Rathausbrücke. Der Platz ist zweigeteilt: Der westliche Abschnitt führt als überörtliche Verkehrsstraße in die Breite Straße, der in die Rathausstraße mündende östliche Abschnitt ist eine untergeordnete Straße. Die Erschließung für Fußgänger und Radfahrer erfolgt im Bereich der ehemaligen Schloßfreiheit (Schloßplatz (West)) in Nord-Süd-Richtung derzeit – wegen des U-Bahn-Baus auf der westlichen Seite des Spreekanals – über den Schinkelplatz. Nach Osten verbindet die Karl-Liebknecht-Straße das alte mit dem neuen Berlin der Nachkriegszeit. Südlich der Karl-Liebknecht-Straße liegen die Freianlagen unter dem Fernsehturm und das Marx-Engels-Forum, deren aktuelle städtebauliche, freiraumplanerische Entwicklung zurzeit als „Rathausforum“ diskutiert wird. Die viel befahrene Spandauer Straße zerschneidet diesen Raum in eine parkartige Freifläche (Marx-EngelsForum), die der Spree zugewandt ist, und in einen größeren Platz, der vom Fernsehturm dominiert und an der südlichen Seite vom Berliner Rathaus - genannt Rotes Rathaus - gefasst wird. Als Zeugnis des mittelalterlichen Berlins steht die Marienkirche auf dem Platz unter dem Fernsehturm. Im Schnittpunkt der Achse Rotes Rathaus und Fernsehturm wurde der vom historischen Schloßplatz versetzte Neptunbrunnen aufgestellt. Die historischen Gebäude – wie das Rote Rathaus und die Marienkirche – sind von einer Bebauung aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts umgeben.

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Abb. 2-1:	

Übersicht: Lage im Stadtraum

1	Alexanderplatz 2	Fernsehturm 3	Marienkirche 4	 5	 7	 Platz unter dem Fernsehturm mit Neptunbrunnen Rotes Rathaus Berliner Dom

16	Schinkelplatz 17	 18	 19	 20	 Bebauung am Schinkelplatz Friedrichswerdersche Kirche Quartier Falkoniergasse Quartier am Auswärtigen Amt

21	Bebelplatz 22	Gendarmenmarkt 23	Hausvogteiplatz 24	Townhouse-Quartier Friedrichswerder West 25	 Quartier Breite Straße

6	Marx-Engels-Forum 8	Lustgarten 9	Museumsinsel 10	Humboldt-Forum 11	 12	 13	 14	 Marstall (Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin) Ehemaliges Staatsratsgebäude (ESMT) Freiheits- und Auswärtiges Amt

26	Petriplatz 27	Nikolaiviertel 28	 29	 Pariser Platz Brandenburger Tor

A	Liebknechtbrücke B	Schloßbrücke C	Schleusenbrücke D	Rathausbrücke

	Einheitsdenkmal 15	Bauakademie

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Städtebauliche Nutzungen Bedingt durch die zentrale Lage in der Stadt zeigt das Umfeld einen stark repräsentativen Charakter mit Hauptstadtfunktionen. Die Gebäude von Kultur, Wissenschaft und Kunst sowie Regierungsbauten werden auch das Stadtbild im Umfeld des künftigen Humboldt-Forums mitbestimmen. In den Quartieren um die Breite Straße ist es zu DDR-Zeiten durch die Ansiedlung von Verwaltungs- und Regierungsbauten zu einer Monostruktur gekommen. Lediglich im Nikolaiviertel ist die Nutzungsmischung erhalten geblieben bzw. wiederhergestellt worden. Nach der Wiedervereinigung verfolgte Berlin das Ziel einer gemischt genutzten Stadt und setzte es durch Vorgaben (Ansiedlung von Wohnen und Handel/ Dienstleistungen) in der Bauleitplanung gezielt um. Für die Entwicklung neuer Quartiere im Umfeld des Humboldt-Forums wie Falkoniergasse (Townhouses), Quartier am Auswärtigen Amt, Schinkel Platz und Breite Straße wurden Flächenanteile für die Nutzung Wohnen zwischen 40 und 70 Prozent festgelegt. Die Projekte haben einen unterschiedlichen Realisierungsstand bzw. befinden sich noch im Planungsstadium.

Wettbewerbsgebiet

Abb. 2-2:	

Übersichtsplan Wettbewerbsgebiet mit Grenzen der Bearbeitung

Das Wettbewerbsgebiet umfasst das Umfeld des Humboldt-Forums vom Ufer der Spree im Osten bis zum Spreekanal im Westen. Im Norden sind die

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Randflächen des Lustgartens und des Berliner Doms als Ideenteil und im Süden die Vorzonen des Marstalls und des ehemaligen Staatsratsgebäudes eingebunden. Das Wettbewerbsgebiet hat einen Realisierungsteil mit einer Fläche von 38.000 m². In der Fläche sind die Fahrstreifen Schloßplatz (Süd) nicht berücksichtigt. Die Fahrbahn Schloßplatz (Nord) zwischen den Lichtsignalanlagen und die Übergangsbereiche zum Lustgarten bzw. Dom sind mit einer Fläche von ca. 7.650 m² als Ideenteil zu verstehen. Für die in diesem Gebiet liegenden Straßen – im Norden der Schloßplatz (Nord) und im Süden der Schloßplatz (Süd) – sind verkehrsplanerische Vorgaben hinsichtlich ihrer Dimensionierung und Lage bindend und gehören somit nicht zur Wettbewerbsaufgabe. Zu diesen Straßen sind jedoch Aussagen zur gestalterischen Einbindung in das Umfeld des HumboldtForums zu treffen. Die Bestimmung der Lage und Einbindung der neuen, westlich liegenden Fahrstreifen am Schloßplatz (West) sind Gegenstand des Wettbewerbsverfahrens. Der historische Sockel des Nationaldenkmals als eingetragenes Baudenkmal mit dem geplanten Freiheits- und Einheitsdenkmal an der ehemaligen Schloßfreiheit (Schloßplatz (West)) ist in die Umfeldgestaltung zu integrieren.

2.2	

Eigentumsverhältnisse

Das Wettbewerbsgebiet befindet sich in der Verfügungsberechtigung der öffentlichen Hand sowie im Eigentum der Stiftung „Berliner Schloss – Humboldtforum“. Die Grundstücke des ehemaligen Palastes der Republik (Flurstücke 159, 162, 163, 164 der Flur 819; Flurstück 133 der Flur 820) sowie eine 16.192 m² große Teilfläche des Grundstücks Schloßplatz (Teile der Flurstücke 361 und 261) befinden sich im Eigentum der Stiftung „Berliner Schloss – Humboldtforum“. Bei den restlichen Flächen des Plangebiets handelt es sich mit Ausnahme der Spree um gewidmete Straßenverkehrsflächen, die sich im Eigentum des Landes Berlin befinden (Flurstücke 158, 161, Teile des Flurstücks 261 der Flur 819; Teile der Flurstücke 29, 31, 361 der Flur 820). Die Spree sowie ein nördlich an die Rathausbrücke anschließender und unter der Brücke befindlicher Teil des Uferbereichs sind Eigentum der Bundesrepublik Deutschland (Bundeswasserstraßenverwaltung) (Teile des Flurstücks 424 der Flur 819). Die Freiflächen am Dom (Flurstück 152, 153, 154) befinden sich im Eigentum der Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin.

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Abb. 2-3:	

Übersichtsplan Eigentumsverhältnisse

2.3	

Städtebauliche Entwicklung und Öffentlicher Raum

Im Vorfeld der Vorbereitung des Wettbewerbsverfahrens hat der Auslober zum einen ein Gutachten zur historischen Entwicklung der Freiräume am Schloss durch Gartenhistoriker Prof. Dr. Johannes Schwarzkopf und zum anderen ein Gutachten zum stadträumlichen Vergleich bedeutender Stadtplätze in anderen Großstädten durch Architekt Rolf Backmann erarbeiten lassen. Beide Gutachten befinden sich im Anhang und sind Teil der Auslobung. Die historische Entwicklung im Wettbewerbsgebiet wird in Teil 4 des Auslobungstextes sowie in oben genanntem Gutachten beschrieben. Angrenzende Stadträume als bedeutende Raumfolgen Die Wahl des Ortes Cölln zur Entwicklung einer brandenburgischen und preußischen Residenz am Ufer der Spree wurde entscheidend durch die Lage am Wasser beeinflusst. Kurfürst Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, ließ das nach dem Dreißigjährigen Krieg verfallene Berliner Schloss wieder herrichten. Zu dieser Zeit kam die Fortbewegung auf dem Wasser in Mode, da das Reisen zu Lande eine beschwerliche und staubige Angelegenheit war. Durch den Einfluss holländischer Fachleute wurden neue Wasserbautechniken eingesetzt und die Wasserläufe schiffbar gemacht. Das Wettbewerbsgebiet steht im Mittelpunkt bedeutender Raumfolgen Berlins und ist ein Zeugnis der Berliner Stadtentwicklung an der Spree

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mit ihrer „Landschaft der Wasserkunst“, d.h. einer wasserbautechnischen Regulierung der Spree mit ihren Seitenarmen. Der Rhythmus der Raumfolgen entwickelt sich überwiegend aus den Proportionen von Gebäuden und Freiräumen, der linearen und sich aufweitenden Strukturen des öffentlichen Raumes am Wasser. Eine Besonderheit ist, dass sich die Gebäude fast nie aufeinander beziehen, sondern dass sie vielmehr über die Bildung von Räumen Beziehungen zueinander aufnehmen und somit eine einmalige Stadtlandschaft bilden. Die Kupfergrabenlandschaft, ein Erbe Karl Friedrich Schinkels, zeigt diesen typischen Rhythmus von Bebauung mit seinen hofgartenartigen Grünräumen oder Plätzen mit feinen Mosaiken. Die lineare Tiefe und die Bebauungsstruktur schaffen im Zusammenspiel ein besonderes Bild von Stadtbaukultur. Der einzelne Freiraum steht hier auf besondere Art und Weise immer im Zusammenhang mit seiner Einbindung in eine Raumfolge. Die Kupfergrabenlandschaft umfasst die Areale am Spreekanal und Kupfergraben. Eine der engsten räumlichen, funktionalen und baugeschichtlichen Verflechtungen zum Areal des Humboldt-Forums ist der nördliche Teil der Spreeinsel, die Museumsinsel.

2.3.1.	

Stadtraum Museumsinsel

Abb. 2-4:	

Stadtraum Museumsinsel

Die Museumsinsel ist der nördliche Teil der Spreeinsel. Sie ist die Keimzelle der Berliner Museumslandschaft und mit ihren fünf bedeutenden Museen heute einer der wichtigsten Museumskomplexe der Welt. Seit 1999 gehört sie als einzigartiges bauliches und kulturelles Ensemble dem Weltkulturerbe der UNESCO an. 1797 griff König Friedrich Wilhelm II. den Vorschlag des Archäologen und Kunstprofessors Aloys Hirt auf, ein Museum für die Ausstellung antiker und neuzeitlicher Kunstschätze zu errichten. Karl Friedrich Schinkel legte 1822 die Pläne für den Neubau vor, die umfassende Umgestaltungen der nördlichen Spreeinsel zur Folge hatten. Schinkels Bebauungsplan sah neben dem Museumsbau die Anlage mehrerer Brücken und die Begradigung

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des Kupfergrabens vor. Wilhelm von Humboldt übernahm die Leitung der Kommission zur Errichtung des Museums. Als erster Bau entstand 1830 das Alte Museum, das zugleich auch Preußens erstes öffentliches Museum wurde. Im Jahre 1859 wurde das KöniglichPreußische Museum (heute Neues Museum) von Friedrich August Stüler eröffnet. 1876 folgte die Nationalgalerie (heute Alte Nationalgalerie), die Stüler begonnen hatte und von Johann Heinrich Strack ausgeführt wurde, 1904 das Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum) an der nördlichen Spitze der Insel und ab 1930 das Pergamonmuseum. Diese fünf Museen wurden im Zweiten Weltkrieg zu über 70 Prozent zerstört. Der sukzessive Wiederaufbau der Museumsinsel bezog nach 1950 das am schwersten beschädigte Neue Museum jedoch nicht mit ein. Die als Schandfleck bezeichnete Ruine sollte abgerissen werden, was allerdings nicht umgesetzt wurde. Erst 1987 entschied man sich, die aufwendigen Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen zu beginnen. Eine Gesamtinstandsetzung der Museumsinsel war noch vor 1990 geplant, konnte jedoch aufgrund der enormen Kosten nicht begonnen werden. Die nördliche Spitze der Museumsinsel wird von der Monbijou-Brücke gequert, welche die Insel mit beiden Ufern der Spree verbindet. Die Brücke ist für den öffentlichen Fahrzeugverkehr gesperrt und bildet den Eingang zum Bode-Museum, einem dreieckigen Neobarock-Bau, der mit seiner großen Kuppel den Norden der Museumsinsel beherrscht. Südlich des Bode-Museums queren die Gleise der Berliner Stadtbahn die Insel und trennen gleichzeitig das Bode-Museum von dem südlich angrenzenden Pergamonmuseum. Zwischen dem Pergamonmuseum und dem Alten Museum schließen sich westlich das Neue Museum und östlich die Alte Nationalgalerie in der Form eines erhöhten antiken Tempels mit vorgelagerter Freitreppe an. Vor dem Eingang steht ein beherrschen des Reiterstandbild Friedrich Wilhelms IV.; von diesem König stammten auch die ersten Skizzen für den Bau. Vor dem Eingang der Alten Nationalgalerie liegt ein mit Skulpturen aus dem Museumsinventar bestandenes Freigelände, das im Süden und im Osten zur Spree durch dorische Säulengänge begrenzt wird. Dieses Freigelände wird im Sommer als Veranstaltungsort für Freiluftkino und Open-AirKonzerte genutzt. Südlich des Neuen Museums und der Alten Nationalgalerie quert die Bodestraße die Insel, die über eine Brücke über den westlichen Spreearm befahrbar ist; die sich anschließende Friedrichsbrücke über den östlichen Spreearm ist für den motorisierten Verkehr gesperrt. Garten an der Alten Nationalgalerie Die Gartenanlage um die Alte Nationalgalerie war von Stüler mit einer umlaufenden Rahmung durch eine Säulenhalle (Kolonnaden) 1841 geplant, die aber erst zwischen 1875 und 1878 vollendet wurde. Stüler nahm mit der Positionierung des Neuen Museums und der Alten Nationalgalerie die Idee des öffentlichen Raumes als Forum nach dem Vorbild der Raumfolgen der griechischen Antike auf.

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Die Kolonnaden umfassen den Kolonnadenhof im Süden, Westen und Osten zu den beiden – ebenfalls von Stüler geplanten – Museen: die Alte Nationalgalerie und das Neue Museum. Kolonnadenhof und Garten der Alten Nationalgalerie wurden bis 1880 von dem Gartenbaumeister Eduard Neide angelegt. Danach erfolgte der Bau des Fontänenplatzes, mit einem auf den Eingang der Alten Nationalgalerie ausgerichteten Springbrunnen in einem vierpassförmigen Becken. Der Platz wurde Abb. 2-5:	 Garten der Nationalgalerie mit halbrunden Sitznischen umgeben, und zahlreiche Skulpturen wurden im Laufe der Zeit aufgestellt. Die drei im Krieg zerstörten Kuppeln, die am Spreeufer drei „Tempelchen“ innerhalb der östlichen Säulenreihe gekrönt hatten, werden nach dem ursprünglichen Erscheinungsbild wiederhergestellt. Der noch erhaltene Grundriss der ursprünglichen Gartenanlage ist ein eingetragenes Gartendenkmal und Bestandteil des UNESCO-Welterbes. Berliner Dom Im südlichen Teil der Museumsinsel liegen der Lustgarten und der Berliner Dom. Der Dom von Julius und Otto Raschdorff (1893-1905), in einer Stilmischung der italienischen Hochrenaissance und des Barocks erbaut, war als Oberpfarrkirche und Domkirche die bedeutendste evangelische Kirche des Landes und Grabkirche der Hohenzollern. Heute ist er immer noch der zentrale Ort der Evangelischen Kirche. Domgarten

Nördlich des Berliner Doms, gegenüber der Alten Nationalgalerie, standen einst Börse und Dampfmaschinenhaus, mit kleinen Vorgärten und mit unregelmäßigen Baumpflanzungen angelegten Plätzen. Während des Dombaus war hier die Bauhütte aufgestellt. Die erste Abb. 2-6:	 Berliner Dom mit Domgarten Gartenanlage wurde nach den Entwürfen des Tiergartendirektors Felix Freudemann um 1907 errichtet. Es entstand eine symmetrische Anlage, welche die Formen der Denkmalskirche aufnahm und durch die Art der Wegeführung den Inselcharakter der Anlage gestalterisch unterstrich. Im Zentrum befand sich ein Schmuckbeet. Die Denkmalkirche als Grabkirche der Hohenzollern erhielt somit ein würdiges Umfeld. Zur Sanierung des Doms (1975) und mit dem Abriss der Denkmalkirche (um 1983) entstand wieder ein „Bauhof“; Reste des alten Baumbestandes sind erhalten geblieben. Die nördlichen Teilflächen wurden 1995 instandgesetzt. Eine grundlegende Neugestaltung des Domgartens ist im Masterplan der Museumsinsel eingebunden.

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Südlicher Schmuckplatz am Dom

Nach Abriss des separaten Zugangs zur königlichen Loge des Domes erhielt der kleine Vorplatz Schmuckbeete, die mit Koniferen bepflanzt waren. Für die Neugestaltung der Flächen vor dem Dom liegt eine Planung von 2008 vor, die historische Elemente wieder aufnimmt (Landschaftsarchitekt Abb. 2-7:	 Südlicher Schmuckplatz am Dom Peter Schmidt-Seifert). Da die Flächen zum Wettbewerbsgebiet gehören, ist diese Planung bis zur Wettbewerbsentscheidung zurückgestellt. Der südwestliche Bereich vor dem Dom wird heute als Außencafé genutzt. Lustgarten

Der Lustgarten ist im Laufe seiner fast 550-jährigen Geschichte häufig umgestaltet und an die jeweiligen vorherrschenden Moden und Interessen angepasst worden. Erstmals wird der Lustgarten 1471 erwähnt. Bis zum Dreißigjährigen Krieg war es ein Nutz- und Küchengarten, ab 1645 ließ der Große Kurfürst den Garten nach dem Vorbild Abb. 2-8:	 Lustgarten niederländischer Gärten anlegen. Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. ließ 1713 den Garten in einen Exerzierplatz umwandeln. Zwischen 1831 und 1870 kam es zu einer umfassenden Neugestaltung durch Schinkel und Lenné. Nach verschiedenen Plankorrekturen (1828) wurde der Entwurf schließlich umgesetzt. Der Lustgarten bezog sich nun auf das neu errichtete Alte Museum und war streng rechteckig gehalten. Vor der Freitreppe des Museums blieb ein Halbrund zur Aufnahme einer Granitschale ausgespart. Westlich und östlich war der Platz mit Kastanien gefasst. Mit dem Beginn der Kaiserzeit erfolgte mit der Aufstellung des Denkmals Friedrich Wilhelm III. eine weitere Umgestaltung. Diagonale Wege bestimmten nun das Erscheinungsbild des Lustgartens. Ab 1918 wurde der Lustgarten zu einem politischen Ort der Kundgebungen und Demonstrationen, was sich in den Zeiten des Nationalsozialismus fortsetzte. Zur Aufnahme der Volksmassen erfuhr der Lustgarten ab 1935 eine von Dammeier geplante Umgestaltung: Die Flächen wurden großzügig gepflastert sowie Schale und Denkmal aus dem Zentrum der Anlage an den Rand versetzt. In der DDR-Zeit (konkret 1951) wurde aus dem Lustgarten zusammen mit den Flächen des Schlosses der Karl-Marx-Platz, ebenfalls ein Ort der

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Kundgebungen und Maifeiern. Der Lustgarten erhielt neue Linden; weitere planerische Aktivitäten wurden jedoch nicht realisiert. Erst nach der deutschen Wiedervereinigung und nach einer längeren Planungsphase fand 1999 die Einweihung des neuen Lustgartens statt. Der Entwurf des Landschaftsarchitekturbüros Atelier Loidl orientierte sich an Schinkels ausgeführtem Plan (1828), um die enge Korrespondenz zwischen Altem Museum und Lustgarten wiederherzustellen. Materialwahl, Möblierung, Einfassung und Modellierung der Rasenflächen sowie der Umgang mit Licht und Wasser betonen, dass der Lustgarten eine zeitgenössische Anlage ist und der Entwurf Schinkels lediglich zitiert und interpretiert wird.

2.3.2.	

Stadtraum Unter den Linden

Abb. 2-9:	

Stadtraum Unter den Linden

Nach Westen entwickelt sich der Stadtraum zwischen dem künftigen Humboldt-Forum über die Straße Unter den Linden bis zum Brandenburger Tor. Zunächst (1573) war diese Verbindung nur ein Reitweg, der das Schloss mit dem Tiergarten verband. Nach dem Dreißigjährigen Krieg begann Kurfürst Friedrich Wilhelm (Großer Kurfürst) neue Gärten und Alleen anlegen zu lassen. Zwischen dem Tier- und dem Lustgarten sollte eine Allee nach holländischem Vorbild einer sechsreihigen Galerie entstehen, die von 1.000 Nussund Lindenbäumen flankiert wurde. Da Bäume in dieser großen Anzahl jedoch nicht zu beschaffen waren, entstand eine kürzere Allee mit dem Längenmaß von 250 rheinischen Ruten (entspricht 942 Meter). Das angrenzende Terrain bestand lediglich aus sandigen Feldern und Bauernhöfen. Hier wurde 1663 das Kronprinzenpalais als erster repräsentativer Bau errichtet. Der Baumaßnahme dieses Festungswerkes fiel 1685 ein Teil der Straße Unter den Linden jedoch wieder zum Opfer. Erst mit der baulichen Entwicklung der Dorotheenstadt (1674) zur neuen Vorstadt wurde auch die Allee weiter ausgebaut und Holsteinische Winterlinden angepflanzt. Die Allee war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gepflastert.

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Ab 1696 ließ Kurfürst Friedrich III., der spätere König Friedrich I. in Preußen (1701), einige Prachtbauten wie die Akademie der Künste und die Akademie der Wissenschaften an der Allee errichten. Südlich der Straße Unter den Linden entstand schließlich die Friedrichstadt. Der zunehmende Verkehr zwischen den verschiedenen Residenzen (u.a. nach Lietzenburg, dem heutigen Charlottenburg) ließ die Bedeutung der Allee stetig steigen. 1707 wurde ein Gesetz erlassen, nach dem jeder Bewohner auf die Lindenbäume vor seinem Haus zu achten und Beschädigungen zu melden hatte. Ein Jahr zuvor wurde der Rohbau des Zeughauses fertig gestellt, das zusammen mit dem Kommandantenhaus den östlichen Abschluss der Allee bzw. den Auftakt zum Schlossbezirk bildete bzw. auch wieder bilden wird. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Allee völlig zerstört. Im südwestlichen Abschnitt entstand zwischen 1949 und 1951 das Gebäude der sowjetischen Botschaft, ein Beispiel stalinistischer Prachtarchitektur, heute Sitz der Botschaft der Russischen Föderation. Viele historische Gebäude wurden am Ende der 1950er Jahre wieder aufgebaut. Anknüpfend an die alte Tradition des Promenierens ist die Straße Unter den Linden heute wieder ein Ort des gesellschaftlichen Lebens. Brandenburger Tor, Pariser Platz Das westliche Ende des Prachtboulevards Unter den Linden bildet das Brandenburger Tor mit dem östlich des Tores liegenden Pariser Platz. Das Vorgängertor gehörte zu dem Stadttorsystem der Berliner Zoll- und Akzisemauer, die vorwiegend der Überwachung des Handels mit eingeführten Waren diente. Das Brandenburger Tor in der heutigen Form wurde unter Friedrich Wilhelm II von 1788 bis 1791 von Carl Gotthard Langhans errichtet. Fünfzig Jahre zuvor wurde der viereckige Platz im Rahmen der barocken Stadterweiterung Abb. 2-10:	 Brandenburger Tor mit Pariser (Friedrichstadt) angelegt. Dieser Platz Pariser Platz, der ursprünglich auch „Quarrée“ hieß, gehört zu dem Raumsystem der Achsen und Plätze der Friedrichstadt, gemeinsam mit dem „Oktogon“ (Leipziger Platz) und dem „Rondell“ (Mehringplatz). Seinen gegenwärtigen Namen erhielt er nach den sogenannten Befreiungskriegen um 1814, nach der Eroberung von Paris durch preußische Truppen. Die Bebauung des Platzes wurde ab 1850 klassizistisch vereinheitlicht. Der Platz selbst wurde 1880 durch den Stadtgartendirektor Hermann Mächtig neu gestaltet. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und mit dem Bau der Berliner Mauer lagen Tor und Platz im Schatten der Mauer. Ab 1993 ist durch Neubebauung und Rekonstruktion des Platzes an die historische Situation wieder angeknüpft worden. Das Brandenburger Tor erhält seine zentrale historische Bedeutung, weil es Symbol der nationalen und internationalen Geschichte, des Kalten Krieges

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und der Wiedervereinigung ist. Es bildet das identitätsstiftende Wahrzeichen Berlins und Deutschlands. Lindenforum, Forum Fridericianum

Das Lindenforum sollte ursprünglich nach Plänen von Kronprinz Friedrich II. und seinem Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ein Standort für eine neue prachtvollere Residenz in Berlin sein. Bereits in seiner Rheinsberger Zeit hatte Friedrich II. mit von Knobelsdorff ab 1735 Pläne zur Verschönerung Abb. 2-11:	 Forum Fridericianum, Bebelplatz Berlins entwickelt. Danach sollte an der Allee Unter den Linden ein großer Schmuckplatz – das Lindenforum/Forum Fridericianum – den Friedrichswerder mit der Dorotheenstadt verbinden und von einem neuen Schloss, einem Opernhaus und einem Akademiegebäude umrahmt werden. Nach König Friedrichs Regierungsantritt 1740 erfolgte eine Bebauung dieses Forums allerdings in kleinerem Maßstab, da der Residenzausbau nach Potsdam verlagert wurde. Lediglich das Opernhaus (Staatsoper) wurde 1741-1743 nach den originalen Plänen realisiert. Anstelle der anderen Bauten entstanden die St. Hedwigs-Kathedrale, das Palais Prinz Heinrich (heute Humboldt-Universität) und die Alte Bibliothek. Nach dem Sieg über Napoleon 1815 wurde die Allee Unter den Linden mit einer großzügigen Mittelpromenade (Karl Friedrich Schinkel) zu einer Via Triumphalis ausgebaut und am östlichen Ende der Allee das Reiterstandbild Friedrich des Großen von Christian Daniel Rauch aufgestellt, welches nach temporärer Abwesenheit wieder dort steht. Auf dem Opernplatz (Bebelplatz) fanden am 10.05.1933, zu Beginn der NSZeit, die Bücherverbrennungen statt. An dieser Stelle befindet sich heute zur Erinnerung an dieses Ereignis eine unterhalb der Platzfläche eingerichtete, nicht begehbare, sondern nur von oben sichtbare Raumskulptur. Entrée zum Schlossbezirk, Zeughaus und Kommandantur Das Entrée zum Schlossbezirk bildeten die Kommandantur und das Zeughaus zusammen mit der Schloßbrücke. Mit der Rekonstruktion der Kommandantur ist eine historisch vergleichbare Situation wiederhergestellt worden. Im Zuge der Planung für das neue Außenministerium der DDR (1953) wurde ähnlich der Bauakademie die noch gut erhaltene Bausubstanz der ehemaligen Kommandantur – ein Barockpalais am Anfang der Allee Unter den Linden – abgerissen. Ihre Rekonstruktion fand von 2000 bis 2003 statt. Dabei wurden bis auf die Südfassade alle Seiten nach historischem Vorbild gestaltet. Heute residiert hier die Stiftung Bertelsmann und die Hauptstadtrepräsentanz der Bertelsmann AG. Das preußische Waffenarsenal, das Zeughaus, wurde in den Jahren 1695 bis 1706 von Johann Arnold Nering, Mathias Grünberg, Andreas Schlüter und Jean de Bodt erbaut und ist das älteste erhaltene Gebäude an der

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Straße Unter den Linden sowie einer der bedeutendsten Barockbauten Berlins. Nach der Reichsgründung 1871 ordnete Kaiser Wilhelm I. die Einrichtung eines Heeresmuseums mit Ruhmeshalle im Zeughaus an. 1950 wurde das Zeughaus zum Museum für deutsche Geschichte. Der im Krieg schwer beschädigte Außenbau wurde wiederhergestellt. Mit der Fassadensanierung und der Restaurierung der Bauplastiken erhielt er 2001 sein barockes Erscheinungsbild zurück. Mit der Realisierung des Erweiterungsbaus des Deutschen Historischen Museums „Hinter dem Zeughaus“ (Ieoh Ming Pei) wurde der Innenhof des Zeughauses 1998 bis 2004 überdacht. Schloßbrücke

Der Bau der Schloßbrücke war Teil der städtebaulichen Neuordnung des gesamten Bereiches zwischen Schloß- und Opernplatz, die auf Schinkel zurückging. Zusammen mit der gleichzeitigen Umgestaltung des Lustgartens und dem Neubau der Wache schuf Schinkel eine großzügige und stimmige Stadtanlage. Durch den Neubau der Schloßbrücke von Abb. 2-12:	 Schlossbrücke 1821 bis 1824, ihre Verbreiterung und den monumentalen Aufbau der Figurengruppen und Reliefs erschien die Straße Unter den Linden erstmals als durchgehende Achse zwischen Brandenburger Tor und Stadtschloss.

2.3.3.	

Stadtraum Rathausforum

Abb. 2-13:	

Stadtraum Rathaus-Forum: Platz unter dem Fernsehturm, Marx-Engels-Forum

Der Stadtraum Rathausforum ist eine Komponente der Nachkriegsmoderne im Berliner Stadtgefüge, ein zentraler urbaner Freiraum mit einer einzigartigen Höhendominante, dem Fernsehturm. Das Rathausforum verbindet die zu DDR-Zeiten neu gestalteten Plätze, den Alexanderplatz mit dem Schlossareal, dem einstigen Marx-Engels-Platz, der 1973 mit dem Palast

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der Republik entlang der Spree ein neues Gebäude für Politik und Kultur erhielt. Die Karl-Liebknecht-Straße und Rathausstraße begrenzen den Raum im Norden und Süden, den östlichen Abschluss bildet die Stadtbahn am Alexanderplatz, den westlichen die Spree. Geteilt wird die Fläche in NordSüd-Richtung durch die Spandauer Straße. Das am Platzrand stehende Berliner Rathaus (Rotes Rathaus) gibt dem Freiraum zwischen dem Fernsehturm und der Spree im planerischen Diskurs den Namen. Denn seit Mitte 2009 wird im Rahmen von Diskussionsforen über die zukünftige Entwicklung dieses Areals unter der Namensgebung „Rathausforum“ debattiert. Neben einer historischen Würdigung der Stadtgeschichte an diesem Ort geht es um die Entwicklung künftiger Perspektiven zu diesem Raum zwischen Alexanderplatz und Humboldt-Forum. Platz unter dem Fernsehturm Der Platz unter dem Fernsehturm wird von drei Solitären aus verschiedenen Epochen bestimmt. Von besonderer Dominanz ist jedoch der Fernsehturm. Mit einer Höhe von 368 m ist er der höchste Turm in Deutschland und der zweithöchste in Europa. 1959 wurde für das neue Zentrum der DDR ein „Ideenwettbewerb zur Sozialistischen Umgestaltung des Zentrums der DDR, Berlin“ abgeschlossen. Zwecks Baufreimachung für die Errichtung des Fernsehturms sowie Abb. 2-14:	 Platz unter dem Fernsehturm Umgestaltung seiner Umgebung wurde die in der Mitte der 1960er Jahre in diesem Bereich noch erhaltene Bebauung des Marien-Viertels – mit Ausnahme der Marienkirche und des Roten Rathauses – abgerissen und der ursprünglich noch aus dem Mittelalter stammende Straßengrundriss der Berliner Altstadt aufgegeben. Am 4. August 1965 war Baubeginn. Vorbild für die Konstruktion der „Betonnadel“ war der Stuttgarter Fernsehturm.Am Fuß des Turmes wurde eine Umbauung mit einer großzügigen Treppenanlage in einer charakteristischen spitzgiebeligen Dachkonstruktion errichtet. Die Planung des Umfeldes von Hubert Matthes sah eine Reihe von verschiedenen Freiräumen vor und spannte sie entlang einer breiten, heute denkmalgeschützten Symmetrieachse zwischen Bahnhof Alexanderplatz und der Spree auf. Auf die Platzfläche unter dem Fernsehturm folgte der Stadtgarten mit Wasserkaskaden und Rosenbeeten bis hin zur parkartigen Fläche des Marx-Engels-Forums. Die Aufnahme der dynamischen Form des Sockelgebäudes erfolgte durch den Einsatz von drei- und mehreckigen Elementen (Hexagon), wie sie für die damalige Zeit typisch waren. In ihrer grundlegenden Formsprache ist

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die Anlage auch heute noch gut erkennbar, in den letzten Jahren nur leider stark vernachlässigt worden. Auf dem Platz unter dem Fernsehturm fand der Neptunbrunnen von Reinhold Begas eine neue Aufstellung. Nach der Sprengung des Schlosses wurde der Brunnen 1951 abgetragen, eingelagert und 1969 auf der großen Freifläche im Schnittpunkt der Achsen Fernsehturm und Rathaus wieder aufgestellt. Zurzeit wird nach einem Konzept des Landschaftsarchitekten Levin Monsigny der Platz wiederhergestellt und den heutigen Nutzungsanforderungen angepasst. Voraussichtlich wird die Erneuerung 2013 abgeschlossen sein. Das Berliner Rathaus Das Berliner Rathaus wurde zwischen 1861 und 1869 von Hermann Friedrich Waesemann erbaut. Im Volksmund heißt es auch „Rotes Rathaus“. Der Name des Gebäudes bezieht sich auf die Fassadengestaltung mit roten Klinkern. Vorbild für die Architektur ist das Rathaus im westpreußischen Thorn und für den Turm sind es die Türme der Kathedrale von Laon in NordFrankreich. Außergewöhnlich ist der noch erhaltene bauplastische Schmuck am umlaufenAbb. 2-15:	 Rotes Rathaus den Balkon in Höhe des ersten Stockwerkes. Auf 36 Reliefs wird die Geschichte Berlins und Brandenburgs vom 12. Jahrhundert bis 1871 dargestellt. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde das Rathaus zwischen 1951und 1956 wiederaufgebaut und war nach der Teilung Berlins Sitz des Ost-Berliner Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung und des Oberbürgermeisters von OstBerlin. 1991 zog die wiedervereinigte Verwaltung Berlins zurück ins Berliner (Rote) Rathaus. Es dient seitdem als Sitz des Berliner Senats und des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Marx-Engels-Forum Das Marx-Engels Forum, als westlicher Teil des Rathausforums, ist eine in den 1980er Jahren errichtete Denkmalanlage. Für die Umgestaltung des Geländes zu einer Parkanlage wurden auch hier die noch erhaltenen Gebäude des Marien-Viertels in den 1970er Jahren abgerissen. Das Denkmal und die gleichzeitig neu gestaltete Parkanlage wurden nach Plänen des Bildhauers Ludwig Engelhardt 1986 eingeweiht. Auf einer runden gepflasterten Freifläche, die denkmalAbb. 2-16:	 Marx-Engels-Forum geschützt ist, sind verschiedene Kunststelen platziert. Hauptteil des Ensembles und an zentraler Stelle aufgestellt sind die überlebensgroße Bronzefiguren von Karl Marx und Friedrich Engels, die Verfasser des „Kommunistischen Manifests“ von 1848. Seit

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der Wiedervereinigung Berlins und Deutschlands ist das Marx-EngelsForum Gegenstand kontroverser stadtplanerischer und bauhistorischer Diskussionen, ähnlich der Diskussion um den abgerissenen Palast der Republik. Wegen des U-Bahn-Baus wurden die Bronzestatuen temporär nach Westen versetzt.

2.3.4.	

Stadtraum Rathausstraße, Französische Straße

Abb. 2-17:	

Stadtraum Rathausstraße bis Gendarmenmarkt

Der Schloßplatz (Süd) ist Teil einer Raumfolge, welche historisch die Friedrichstadt mit dem Alexanderplatz verband. Bevor die Allee Unter den Linden zum Prachtboulevard ausgebaut wurde, hatte die damalige Königsstraße, heute Rathausstraße, die Bedeutung einer Via Triumphalis. Über diese Straße kehrte König Friedrich I. von seiner Krönung aus Königsberg (1701) zurück. Die Lange Brücke, die zweitälteste Spreequerung Berlins, die Alt-Berlin und Cölln verband, wurde in Kurfürstenbrücke (heute Rathausbrücke) umbenannt. Im Rahmen der Brückenerneuerung (1694) wurde das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten von Brandenburg auf der Brückenmitte platziert. 1895 wurde die damalige Kurfürstenbrücke erneut auf die Breite der Hauptgeschäftsstraße, der Königsstraße erweitert, um einen uneingeschränkten Verkehrsfluss sicherstellen zu können. Die Sandsteinkolonnaden der Königsbrücke (Carl von Gontard, 1780) wurden 1910 im Zuge von Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen an den Zugang des Heinrich-vonKleist-Parks in Schöneberg versetzt. Das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten steht heute im Hof von Schloss Charlottenburg. Zurzeit erfolgt der Neubau der Rathausbrücke, der 2012 abgeschlossen sein wird. Mit dem Verzicht auf die Stadtentwicklung in Richtung Osten zugunsten einer Entwicklung Richtung Westen verlor die Königsstraße ihre Bedeutung. Die Königsstraße führte durch einen stark mittelalterlich geprägten Raum von Alt-Berlin. Der Schloßplatz bildete das Scharnier zwischen dem mittelalterlichen Teil der Stadt und den seinerzeitigen neuen Quartieren im orthogonalen Raster. Westlich der Schleusenbrücke begann der Werdersche Markt mit der Schinkelschen Bauakademie und der Friedrichswerderschen Kirche. Über die

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Französische Straße war der Werdersche Markt mit dem Gendarmenmarkt verbunden. Rathausstraße und Französische Straße bilden auch heute wieder eine Verbindung zwischen den beiden Geschäftszentren Friedrichstraße und Alexanderplatz. Nikolaiviertel Auf der östlichen Seite der Rathausstraße, zwischen der Rathausbrücke und dem Spandauer Damm, liegt das älteste Wohnquartier Berlins, das Nikolaiviertel. Wahrzeichen des Viertels ist die Nikolaikirche, deren Umbau als gotische Hallenkirche bereits 1264 begann und die in den folgenden Jahrhunderten immer wieder verändert wurde. Der einfache Turm wurde um 1870 durch einen neugotischen Doppelturm ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Viertel stark zerstört, danach lag es im Abseits planerischer Abb. 2-18:	 Nikolaiviertel Interessen. Erst zur 750-Jahrfeier Berlins (1987) wurden, anders als an anderen Orten, die Rekonstruktion und der Wiederaufbau planerisch aufgenommen, um einen lebendigen Bezug zum „Ursprünglichen“ wiederherzustellen. Das Ergebnis wird städtebaulich wie architektonisch sehr unterschiedlich beurteilt. Bei den Berlin-Besuchern genießt das Viertel heute eine besondere Attraktivität. Uferzone der Spree Die Uferzone der Spree verknüpft bedeutende Stadträume Berlins mit den Flussräumen der innerstädtischen Spree. Sie ist Teil des übergeordneten Uferwegesystems mit einem hohen Erlebniswert der städtischen Spreelandschaft und abwechslungsreichen Raumfolgen wie dem Tiergarten, dem politischen Berlin mit Bundeskanzleramt und Reichstag sowie dem kulturellen Berlin mit der Museumsinsel. Mit der Öffnung des innerstädtischen Spreeraumes als Erholungslandschaft nach der Wiedervereinigung stellt die wasserseitige Erlebbarkeit Berlins ein einmaliges Erlebnis von gesamtstädtischer Bedeutung dar und gehört zu den besonderen Attraktionen Berlins für die Stadtbesucher. Auf diesem Abschnitt der Spree verkehren Fahrgastschiffe, Freizeitboote sowie Frachtschiffe. Marstall am ehemaligen Schloßplatz

Abb. 2-19:	

Marstall mit Palastwanne

Am Schloßplatz liegt der von Hofbaurat Ernst von Ihne 1896 bis 1901 errichtete mehrflügelige, neobarocke Bau des Neuen Marstalls, der in seiner Formsprache an die Fassade des Schlosses anknüpft. Das heutige Erscheinungsbild ist durch die überformende Neugestaltung im Zuge des Wiederaufbaus der

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Nachkriegszeit geprägt. Mit dem lang gestreckten Spreeflügel und drei Innenhöfen umfasst der Gebäudekomplex in Form eines Kammes die älteren Gebäude an der Breiten Straße: den Alten Marstall, das RibbeckHaus sowie ursprünglich auch die Ritterakademie, die jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. 1921 wurden die Pferdeställe im Spreeflügel zu Büchermagazinen umgebaut und zusammen mit den Quergebäuden von der Berliner Stadtbibliothek genutzt. Heute sind hier Teile der Zentralund Landesbibliothek (ZLB) und der Musikhochschule Hanns Eisler untergebracht. Ehemaliges Staatsratsgebäude

Für den Bau des Amtssitzes des höchsten staatlichen Gremiums der DDR, 1962-1964 vom Architektenkollektiv R. Korn und H.-E. Bogatzky errichtet, wurden Wohnquartiere der Cöllner Altstadt und der nördliche Teil der Brüderstraße völlig entfernt. Der mit Sandstein und rotem Granit verkleidete Stahlskelettbau ist Abb. 2-20:	 Ehemaliges Staatsratsgebäude in seinen Proportionen und seiner inneren Aufteilung ganz auf das ehemalige Portal IV des Berliner Schlosses ausgerichtet. Das Schlossportal wurde in die Fassade eingefügt, weil von seinem Balkon aus Karl Liebknecht am 9. November 1918 die Sozialistische Republik ausgerufen hatte. In einem haushohen Glasbild ist die Geschichte der Arbeiterbewegung aus SED-Sicht dargestellt (Künstler Walter Womacka). In der Zeit der deutschen Wiedervereinigung fanden hier zahlreiche Veranstaltungen zur aktuellen Stadtentwicklung statt. Seit 1993 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Es wurde bis 2005 grundsaniert und zu Lehrzwecken umgebaut. Heute ist das Gebäude Sitz einer privaten Hochschule, der European School of Management and Technology (ESMT). Schleusenbrücke, Spreekanal und Mühlengraben Die Brücke verbindet den Werderschen Markt mit dem Schloßplatz (Süd). Um 1443 gab es hier zuerst zwei Brücken: die östliche lag an den Werderschen Mühlen und die westliche an der Schleuse. Bereits seit dem 15. Jahrhundert war der bestehende Mühlengraben als Antrieb der Werderschen Mühlen zusammen mit der Schleusenbrücke ein markanter Bestandteil Cöllns.1672 wurde der Graben beidseitig mit Holzspundwänden verschalt und für die Schifffahrt vertieft, 1694 entsprechend erweitert und mit Steinquadern eingefasst. Umbauten an den Mühlen Abb. 2-21:	 Schleusenbrücke und an der Schleuse machten schon um 1650 den Neubau der Brücke notwendig. Die hölzerne Brücke ermöglichte Schiffsschleusungen, aber bereits vierzig Jahre später wurde die Holzkonstruktion durch massive Unterbauten ersetzt.

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1708 wurde die Werdersche Mühle unter König Friedrich I. umgebaut, und 1720 ließ König Friedrich Wilhelm I. eine zweite Mühle anlegen. Mit dem Abbruch der Bebauung an der Schloßfreiheit und der Errichtung des Nationaldenkmals für den ersten Deutschen Kaiser Wilhelm I. wurde der Mühlengraben mit dem Denkmalsockel überbaut und die Brücke musste erneuert werden. Vorhanden ist heute nur noch der tragende Sockel als gemauertes Fundament über den alten Mühlengraben. Erst 1959 wurde der Mühlengraben zugeschüttet. Mit der Erweiterung des Spreekanals erfolgte 1937 ein Umbau der Brücke, die verlängert und verbreitert wurde. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Brücke schwere Schäden, 1951 erfolgte eine Reparatur und von 1998 bis 2000 wurde die Brücke umfassend saniert. Sie steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Nationaldenkmal zu Ehren Kaiser Wilhelms I. Das Zentrum des insgesamt 21 Meter hohen Monuments bildete die neun Meter hohe Reiterstatue des Kaisers, der ein weiblicher Genius des Friedens zur linken Seite gestellt war. Die Ausrichtung des Reiterdenkmals des ersten Deutschen Kaisers in der Achse des Eosanderportals, des größten Portals des Stadtschlosses, folgte in der Tradition der bisher um das Berliner Schloss errichteten Reiterdenkmäler: Das Denkmal des Großen Kurfürsten auf der Kurfürstenbrücke war auf das Portal I ausgerichtet und das Denkmal Friedrich Wilhelms III. im Lustgarten bezog sich auf das Portal IV. Der Bronzesockel, an dessen Ecken vier Siegesgöttinnen auf Kugeln schwebten, trug an der Vorderseite die Inschrift: „Wilhelm der Große, Deutscher Kaiser, König von Preußen 1861-1888“ und auf der Rückseite: „Aus Dankbarkeit und treuer Liebe, das Deutsche Volk“. Auf den Granitstufen des Unterbaus lagerten in nördlicher Richtung eine Kolossalfigur des Krieges und südlich eine Kolossalgestalt des Friedens. Auf den vier vorspringenden Ecken bewachten vier Löwen die Siegestrophäen. Zukünftig wird der Sockel des Nationaldenkmals Standort des Freiheits- und Einheitsdenkmals sein. Als ein besonderes Kleinod ist das am Ufer des Spreekanals liegende Schleusengärtchen mit der Kaisereiche zu nennen. Bis heute sind Relikte des tiefer liegenden Gärtchens am Sockel des Nationaldenkmals erhalten geblieben, und die prächtige alte Eiche steht als Zeitzeugin auf dem Plateau.

Abb. 2-22:	

Schleusen­ gärtchen

Werderscher Markt

Der Werdersche Markt zwischen Friedrichs­ werderscher Kirche und dem ehemaligen Reichsbankgebäude war ein kaum mehr erkennbarer historischer Stadtplatz. Seine ursprüngliche Lage ist am ehesten durch den 1928 von Hugo Lederer geschaffenen Bärenbrunnen zu verorten. Der Markt war der natürliche Mittelpunkt Abb. 2-23:	 Werderscher Markt Friedrichswerders, einer ab 1657/58 westlich der Stadtgrenzen angelegten Neustadt, die 1710 zu Berlin kam. Für die

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Werdersche Kirchengemeinde entstand bis 1701 an der Nordseite die Friedrichswerdersche Kirche. Der von 1824 bis 1831 entstandene einschiffige Backsteinbau Karl Friedrich Schinkels ist die erste neogotische Kirche Berlins und nahm damit wesentlichen Einfluss auf den Kirchenbau des 19. Jahrhunderts sowie die Wiederaufnahme traditioneller märkischer Backsteinkunst. Seit 1987 beherbergt das Kirchengebäude die ständige Ausstellung der Sammlung „Plastik des 19. Jahrhunderts“ der Alten Nationalgalerie. Am Werderschen Markt befindet sich heute das Außenministerium der Bundesrepublik Deutschland. Die Platzanlage Werderscher Markt wurde 2011 nach den Plänen der Landschaftsarchitektin Ines Alkewitz neu gestaltet. Bauakademie und Schinkelplatz Nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel wurde die Bauakademie zwischen 1832 und 1836 als erstes seriell gefertigtes Gebäude errichtet. Für den Bau wurde der alte Packhof abgerissen und der Spreekanal begradigt. Mit ihrer strengen Architektur stellt die Bauakademie – für die Schinkel im Erdgeschoss Läden vorgesehen hatte, die 1874 zu Büroräumen umgebaut wurden – einen Prototyp für Büro- und Geschäftshäuser dar. Die Bauakademie soll wieder aufgebaut werden, die Finanzierung gestaltet sich allerdings schwierig. Der markante Gebäudekubus der Bauakademie bezog sich mit dem vorgelagerten Schinkelplatz Abb. 2-24:	 Spreekanal mit Bauakademie und auf die Achse Unter den Linden Schinkelplatz im Norden. Auf der nördlichen Spitze des dreieckigen Platzes befand sich ein Brunnenbecken, südlich davon standen die Denkmäler für Christian Peter Wilhelm Beuth (Gewerbeorganisation), Karl Friedrich Schinkel (Staatliche Kontrolle des Bauwesens) und Albrecht Daniel Thaer (Reorganisation der Landwirtschaft). Eine Uferpromenade verband die Schleusenbrücke mit der Schloßbrücke, wie es auch der heutigen Situation entspricht. Der Schinkelplatz wurde in seiner historischen Form mit den Denkmälern wiederhergestellt und 2008 eingeweiht. Das Planwerk Innere Stadt sieht für den stadträumlich bedeutsamen Bereich am Schinkelplatz eine Teilung des Blockes durch Anordnung der historisch an dieser Stelle gelegenen Prinzengasse mit einer parzellierten Bebauung vor. Es ist eine Nutzungsmischung von Wohnen und Gewerbe wie in den anderen neuen Quartieren des Friedrichwerders geplant. Für die Bebauung zwischen der Bauakademie und der Friedrichswerderschen Kirche liegen aktuell zwei preisgekrönte Wettbewerbsentwürfe vor. Den 1. Preis erhielten für das Bürogebäude südlich der Neuen Kommandantur der Architekt Volker Staab (Berlin), und für vier Wohngebäude mit gewerblicher Nutzung der EG-Zone an der Niederlagstraße/Schinkelplatz die Architekten Bruno Fioretti Marquez (Berlin). Die prämierten Beiträgen korrespondieren sehr gut mit dem durch repräsentative Solitäre geprägten Umfeld.

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Gendarmenmarkt Der Gendarmenmarkt zählt zu den schönsten Plätzen Europas. Er wird vor allem von drei monumentalen Bauten beherrscht: dem Deutschen Dom, dem Französischen Dom und dem Schauspielhaus, das wiederum nach dem Wiederaufbau als Konzerthaus Verwendung findet. Eine Rekonstruktion als Schmuck­ platz in einem Abschnitt am Deutschen Dom erfolgte 1995/96 nach der Vorlage der Gestaltung von Herrmann Mächtig (1889). Abb. 2-25:	 Luftbild Gendarmenmarkt Im vergangenen Jahr wurde ein Bürgerbeteiligungsverfahren zur weiteren Gestaltung des Platzes initiiert. Entsprechend dem Votum der Bürger wird auf der fachlichen Ebene an der Platzkonzeption weiter gearbeitet. Als erster Bauabschnitt wird die baumlose Platzmitte im Zusammenhang mit Leitungsverlegearbeiten vorbereitet, eine Wiederherstellung des Pflasterbelages im vorhandenen Raster ist vorgesehen.

2.3.5.	

Stadtraum Breite Straße, Petriplatz

Abb. 2-26:	

Stadtraum Breite Straße - Petriplatz – Brüderstraße

Die Breite Straße verbindet den Schloßplatz (Süd) mit dem Mühlendamm, in dessen unmittelbarer Nähe der Cöllnische Fischmarkt lag; die Brüderstraße stellt die Verbindung zum Petriplatz her. Breite Straße Wie der Name verrät, war die Breite Straße Anfang des 18. Jahrhunderts die breiteste Straße im Stadtteil Cölln. Durch die eng bebauten Quartiere führte sie direkt auf das Schloss zu. In diesen Quartieren wohnten Karl Friedrich Schinkel und Michael Mathias Smids; die Vossische Zeitung und die Julius-Springer-Verlagsbuchhandlung hatten hier ihr Domizil. Und zwischen Brüderstraße und Breite Straße lag das Warenhaus Rudolph Hertzog. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das historische Straßenprofil in der Breiten Straße aufgegeben, die Westseite erhielt mit dem Kanzleiflügel für

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das Staatsratsgebäude und dem Bau des Ministerium für Bauwesen der DDR eine zurückversetzte Neubebauung. Hierzu wurde das Ermeler-Haus an das Märkische Ufer versetzt. Das heute noch auf der Ostseite befindliche Ribbeck-Haus ist der einzige erhaltene Spätrenaissancebau Berlins. Unter der städtebaulichen Vorgabe der Wiederannäherung an den historischen Stadtgrundriss (Planwerk Innenstadt) erhielt die Breite Straße ihr historisches Profil zurück. Die Westseite soll demnach eine Neubebauung in der historischen Bauflucht erhalten. Petriplatz

Auf dem Petriplatz haben von 2007 bis 2009 umfangreiche archäo­ lo­ische Grabungen mit zahlrei­ g chen bedeutenden Funden des mittel­ a lterlichen Cöllns stattgefunden, wie z.B. menschliche Skelette und Fundamente der ältesten Lateinschule. Dieser Bereich soll mit einem archäoloAbb. 2-27:	 Petriplatz, aktuell: Grabungsfeld gischen Besucherzentrum zum Ausgangspunkt einer Route zu Bodendenkmalen werden, wie u.a. das Dominikanerkloster und die Schlossfundamente am Schloßplatz (Süd). In diesem Zusammenhang ist eine freiraumplanerische Neugestaltung des Petriplatzes geplant. Brüderstraße

Die Brüderstraße ist eine der ältesten Straßen Berlins. Ihren Namen verdankt sie den Dominikanern, da die Straße die Verbindung zwischen deren Kloster und dem Petriplatz herstellte. Im 17. und 18. Jahrhundert wohnten hier bedeutende Persönlichkeiten des Berliner Kulturlebens, u.a. Andreas Schlüter und Christoph Friedrich Nicolai. Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich die Straße von einer Wohnzur Geschäftsstraße. Mit dem Bau des Staatsratsgebäudes (1962) endete die Brüderstraße an der Sperlingsgasse/Naumannsgasse.

Abb. 2-28:	

Gemälde von Eduard Gärtner 1859

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2.4	

Städtebauliche Rahmenbedingungen

Planwerk Innenstadt / Planwerk Innere Stadt Für die Umgebung des ehemaligen Schlosses und damit für das Wettbewerbsgebiet galt das seit 1999 vom Berliner Senat beschlossene Planwerk Innenstadt als überbezirkliche Planungsvorgabe, abgelöst 2010 vom Planwerk Innere Stadt. Letzteres erweitert den Betrachtungsraum des bisherigen Planwerks, um den bedeutenden Entwicklungspotenzialen außerhalb der bisherigen Kulisse gerecht zu werden. Hierzu gehören Teile der City West und das Messegelände, Heidestraße/Eurocity und die Tempelhofer Freiheit, das Gebiet am Schöneberger Südkreuz und der östliche Spreeraum (siehe Abb.2-1 Ausschnitt Planwerk Innere Stadt 2012). Leitbild des Planwerks ist die Wiederherstellung einer kompakten und durchmischten Berliner Innenstadt und die Anlehnung an den historischen Stadtgrundriss. Der öffentliche Raum soll qualifiziert und die innerstädtischen Grün- und Freiflächen mit einer erhöhten Aufenthalts- und Nutzungsqualität erhalten bzw. wiederhergestellt werden. Das historische Schlossareal ist in neuer Fassung mit einem Gebäude in der Kubatur des ehemaligen Schlosses zu bebauen. Für die Flächen der ehemaligen Schloßfreiheit waren nach dem Planwerk Innenstadt eine Neubebauung sowie eine Platzgestaltung am Spreekanal möglich. Im Zusammenhang mit der Planung für das Humboldt-Forum hat man sich jedoch von einer Bebauung distanziert. Der Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals soll kulturellen Zwecken vorbehalten bleiben (Errichtung des Freiheits- und Einheitsdenkmals). Ebenso wie im Planwerk Innenstadt von 1999 werden die Flächen zwischen dem Fernsehturm und der Spree bei der Fortschreibung des Planwerks 2010 von jeglicher Neubebauung freigehalten. Nordöstlich und westlich des Fernsehturms sind im Planwerk Neubauten vorgesehen, deren Umsetzung sich gegenwärtig in der Planung bzw. Realisierung befindet. Das Wettbewerbsgebiet liegt somit im Schwerpunktraum „Historische Mitte“ des Planwerkes Innere Stadt. Dieser Raum repräsentiert das politische Zentrum und ist Ort von Hochkultur und Tourismus. Das HumboldtForum am Schloßplatz soll deshalb die Gebäude der Museumsinsel um ein Zentrum der interkulturellen Begegnung erweitern. Entstehen soll ein Ort des Dialogs zwischen Weltkulturen und Wissenschaft, ein Fenster der Metropole zur Welt (siehe Teil 5, Ordner 5.3).

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Flächennutzungsplan (FNP) Der FNP Berlin in der Fassung der Neubekanntmachung vom 12. November 2009 sieht für die Fläche des Schlossareals die „Sonderbaufläche Hauptstadtfunktionen“ vor.

Abb. 2-29:	

Ausschnitt FNP

Bebauungsplan I 219 Für die Errichtung des Humboldt-Forums auf dem Schlossareal ist der B-Plan I-219 am 22.03.2012 vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossen worden. Der Geltungsbereich des B-Planes umfasst das Schlossareal zwischen Spreekanal und Spree sowie zwischen der Straße Schloßplatz (Nord) von der Schloßbrücke bis zur Liebknecht-Brücke und der Straße Schloßplatz (Süd) von der Schleusenbrücke bis zur Rathausbrücke. Grundlage der Festsetzung ist der preisgekrönte Entwurf des Architekten Franco Stella zum Bau des Humboldt-Forums. Im Bebauungsplan ist ein sonstiges Sondergebiet mit der Zweckbestimmung Kultur, Bildung und Forschung, eine Fläche für den Gemeinbedarf mit der Zweckbestimmung Freiheits- und Einheitsdenkmal, Verkehrsflächen

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besonderer Zweckbestimmung, ein verkehrsberuhigter Bereich sowie Straßenverkehrsflächen festgesetzt worden. Die überbaubaren Grundstücksflächen im sonstigen Sondergebiet sowie in der Fläche für Gemeinbedarf werden durch Baugrenzen bestimmt. Es sind Flächen ausgewiesen, die mit Gehrechten zugunsten der Allgemeinheit zu belasten sind, um zum einen die öffentliche Durchquerung des Schloss-Forums und zum anderen die Zugänglichkeit des Uferbereichs zu sichern. Oberirdische Stellplätze werden auf den nicht überbaubaren Grundstücksflächen aus städtebaulichen Gründen ausgeschlossen. Nach den Festsetzungen sind Stellplätze unterirdisch und innerhalb des Gründungsbauwerks des ehemaligen Palastes der Republik (Palastwanne) anzuordnen (siehe Teil 3, Umgang mit den Stellplätzen für mobilitätseingeschränkte Besucher und Teil 5, Ordner 5.8).

Abb. 2-30:	

B-Plan I 219

2.5	

Denkmalschutz

(auf Grundlage der denkmalfachlichen Stellungnahme, Prof. Dr. Haspel, 2012)

Die denkmalpflegerische Zielsetzung bezieht die Baudenkmale, Denkmalbereiche, Garten- und Bodendenkmale, die nach dem § 2 Abs. 1-5 und § 3 Denkmalschutzgesetz Berlin (DSchG Bln) geschützt sind, in die städtebauliche Neuordnung und Gestaltung des Schlossareals und seiner Umgebung ein. Im Wettbewerbsgebiet und im näheren Umfeld liegen die dargestellten Objekte und Anlagen, die als Baudenkmale (Stand 25. Mai 2009, gemäß § 4 DSchG Bln) eingetragen sind. Das Wettbewerbsgebiet grenzt im Norden unmittelbar an die als Pufferzone ausgewiesene Umgebung der „UNESCO-Welterbestätte Museumsinsel Berlin“ bzw. an den Denkmalbereich Museumsinsel. In der Pufferzone lie-

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gen der Berliner Dom, die Schloßbrücke und das Zeughaus als geschützte Baudenkmale. Rechts- und Arbeitsgrundlage für den Schutz und die Pflege von Bau-, Boden- und Gartendenkmalen und Denkmalbereichen sind das 1995 verabschiedete Denkmalschutzgesetz Berlin und die von der Bundesrepublik Deutschland unterzeichneten und völkerrechtlich verbindlichen internationalen Konventionen, darunter die UNESCO-Konvention zum Welterbe (1972) und die EU-Konventionen zum Schutz des architektonischen und archäologischen Erbes (Granada 1985, Valetta 1992 etc.) sowie die einschlägigen ICOMOS-Charters (Venedig 1964, Florenz 1981, Lausanne 1990 etc.).

Abb. 2-31:	

Bau-/ Gartendenkmale, Denkmalbereiche, Welterbe, Schutzzone Welterbe

Bau- und Gartendenkmale, Denkmalbereiche In der Umgebung des Humboldt-Forums liegen zahlreiche Bau- und Gartendenkmale sowie geschützte Denkmalbereiche. Seit Dezember 1999 ist die Berliner Museumsinsel (Altes Museum, Neues Museum, Alte Nationalgalerie, Bode-Museum, Pergamonmuseum, Monbijoubrücke, Stadtbahnviadukt, Granitschale) auf der Welterbe-Liste verzeichnet. Die Welterbestätten erfüllen die von der UNESCO festgelegten Kriterien der „Einzigartigkeit“, „Authentizität“ und „Integrität“. Mit der Unterzeichnung der UNESCO-Welterbe-Konvention verpflichten sich die beteiligten Staaten, die innerhalb ihrer jeweiligen Grenzen gelegenen Welterbestätten zu schützen und für zukünftige Generationen zu erhalten.

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Bodendenkmale, Grabungen Schloss und Dominikanerkloster
(Textauszug: Michael Malliaris M.A., Grabungsbericht, 2010)

Das Schloss und das Dominikanerkloster sind in der Berliner Denkmalliste als Bodendenkmale eingetragen. Daraus ergibt sich, dass für alle Maßnahmen am Bodendenkmal eine denkmalrechtliche Genehmigung einzuholen ist. Seit 1990 sind verschiedene Grabungen und Dokumentationen im Bereich des Schlossareals durchgeführt worden. Bodenfunde bzw. bewegliche Bodendenkmale gehören dem Land Berlin und werden vom Landesdenkmalamt in Verbindung mit dem Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz verwahrt. Grabung Schloss Seit Mai 2008 haben auf dem Schloßplatz und seiner Umgebung in Berlin-Mitte anlässlich verschiedener Baumaßnahmen archäologische Grabungen stattgefunden, die eine Gesamtfläche von nahezu 8.000 m² erfassen. Beim Bau des Palastes der Republik (1973) sind Befunde des ältesten Schlossflügels an der Spree aus dem 15. Jahrhundert allerdings vernichtet worden. Die heutigen Untersuchungen und Ausgrabungen ermöglichen jeAbb. 2-32:	 Grabungen Schloss doch die Erforschung eines für die Entwicklung von Cölln und Alt-Berlin wichtigen Gebietes an der Peripherie der mittelalterlichen Stadt. Die Freilegung der Fundamente des Berliner Schlosses zeigt im Wesentlichen barocke Bausubstanz mit zahlreichen technischen Einbauten des 19. Jahrhunderts. Freigelegt wurden bislang die Fundamente von Portal IV an der Lustgartenfront sowie die massiven Substruktionen (Unterbau) des Eosanderportals im Westen und der südöstlich anschließenden Flügel mit zahlreichen Schlosskellern. Ziel der Untersuchung ist neben der archäologischen Dokumentation auch die Prüfung des baulichen Zustands. Die erhaltenen Fundamente im Westteil werden in den Neubau des Humboldt-Forums integriert und als begehbares Bodendenkmal gesichert. Ein Teil der freigelegten Fundamente ist aus Schutzgründen wieder mit Sand überdeckt worden. Bei den Schlossgrabungen in den 1990er Jahren konnten einige Bauteile der Fassaden wie auch der Innenausstattung geborgen werden, die vom Landesdenkmalamt Berlin der Stiftung „Berliner Schloss – Humboldtforum“ für den Nachbau von Schlossfassaden zur Verfügung gestellt wurden. Ein Befund dieser Grabung war der gute Erhaltungszustand der barocken Schlossfundamente des südwestlichen Flügels. Überraschend war der Fund von qualitätvollen Kalksteinreliefs eines oberitalienischen Grabmals aus dem frühen 16. Jahrhundert (siehe Teil 5, Ordner 5.7).

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Dominikanerkloster Im Jahre 2008 konnte bis auf den Hohen Chor unter der Breiten Straße ein Großteil der ca. 64 m x 24 m messenden Dominikanerklosterkirche freigelegt werden. Von der mittelalterlichen dreischiffigen Hallenkirche haben sich Feldsteinfundamente und Sockel der Strebepfeiler aus Klosterformatziegeln zum größten Teil erhalten. Im gesamten Kirchenraum befanden sich 40 frühneuzeitliche Grüfte, die bis auf zwei bereits 1880 vollständig ausgeräumt worden waren. Trotz der zahlreichen Einbauten unter dem nicht mehr erhaltenen Kirchenfußboden sind Steinmauern als frühstädtische Befunde in guter Qualität erhalten: Dazu gehören u.a. zwei Keller, deren dendrochronologische Abb. 2-33:	 Grabungsfeld Dominikanerkloster Untersuchungen einen Keller in 2010 das späte 12. Jahrhundert datieren konnten. Unter dem Vorchor wurde ein hölzerner Kastenbrunnen des 13. Jahrhunderts aufgedeckt. Ein ca. 4 m x 2,5 m messender, eingetiefter Holzkasten zwischen Pfeilern des südöstlichen Seitenschiffes aus dem 13. Jahrhundert lässt sich als Sumpfgrube zur Aufbereitung von Ton deuten. Die Befunde lassen einen städtischen Bereich am Nordrand von Cölln erkennen, der zum Zeitpunkt des Klosterbaus weitgehend besiedelt war. Südöstlich der Kirche wurde der „große Friedhof“ ausgegraben, der vom Mittelalter bis in das frühe 18. Jahrhundert genutzt wurde. Dort haben sich ca. 350 Gräber erhalten. Der im Winter 2009 teilweise freigelegte, nordwestlich an die Klosterkirchenmauer lehnende Klausurflügel war durch zahlreiche frühneuzeitliche Einbauten stark überprägt worden. Dennoch konnten hier neben frühstädtischen Befunden einige Gräber freigelegt werden, die als Bestattungen im Kreuzgang angesehen werden können. Der angenommene Kreuzgang wurde im Zuge massiver baulicher Veränderungen im 16./17. Jahrhundert in mehrere Räume aufgeteilt. Das alte Klausurgebäude wurde auch durch Anbauten nach Südwesten hin erweitert. In einem angebauten Keller mit einem Brunnen in Ziegelbauweise ist um 1690 sekundär eine Gruft eingerichtet worden, die seit ihrer Zuschüttung bis 1718 völlig unberührt blieb. Darin konnten die sterblichen Überreste von sechs Erwachsenen und mindestens zwölf Kindern freigelegt werden. Als Besonderheit sind zwei Zinnsarkophage sowie mehrere mit Leder bespannte und mit metallenen Ziernägeln beschlagene Holzsärge zu nennen. Die Nagelreihen ließen sich zum Teil als Inschriften entziffern, die eine Identifikation der Bestatteten ermöglichen werden. Die Ausgrabung des Klosters und späteren Domstifts wurde Ende 2010 abgeschlossen und aus Schutzgründen wieder mit Sand verfüllt (siehe Teil 5, Ordner 5.7).

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Abb. 2-34:	

Bodendenkmale, Archäologische Grabungen

Gotischer Keller Der gotische Keller (Schloßplatz (Süd)) wird als Teil des archäologischen Fensters im Humboldt-Forum zu sehen sein. Er wurde im Herbst/Winter 2010 ausgegraben. Es handelt sich um die Reste eines langrechteckigen Kellers am Nordwestrand des Dominikanerklosters, der im frühen 14. Jahrhundert gebaut wurde. Es gibt Hinweise darauf, dass in diesem Bereich das Refektorium bzw. ein Braukeller gewesen sein könnten. Abgesehen von den üblichen modernen Störungen wurde der nordwestliche Teil des Kellers schon vom barocken Schlossfundament zerstört. Die beiden Mittelpfeiler des Kellers ließen die Bauleute des 18. Jahrhunderts jedoch stehen und ummauerten sie. Der Zugang zum Keller ist von Südosten her erhalten. Das Mauerwerk besteht aus sehr schönen Ziegeln im Klosterformat In den Keller führte auch eine Rampe vom Klosterhof, über die z.B. Lebensmittel oder sonstige Materialien in den Keller geschafft werden konnten. Vom Untergeschoss des Humboldt-Forums werden Teile des ehemaligen Dominikanerklosters durch ein archäologisches Fenster eingesehen werden können. Zusätzlich besteht die Absicht, im Sinne einer Periskop-Lösung einen Einblick aus dem öffentlichen Freiraum in den gotischen Raum des archäologischen Fensters zu ermöglichen (siehe Teil 5, Ordner 5.7). Umgang mit historischen Zeugnissen aus den umgebenden Freiräumen des Berliner Schlosses Vom Stadtschloss und aus der Umgebung des Schlosses existieren noch bemerkenswerte Originalzeugnisse. Soweit sie nicht im Untergrund als Bodenzeugnisse erhalten und dokumentiert oder zu erwarten sind, handelt es sich um Teile der künstlerischen und architektonischen Ausstattung der ehemaligen Freiräume. Überdauert haben Denkmalfragmente oder historische

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Ausstattungsteile, die aus konservatorischer Sicht in die Freiraumgestaltung einbezogen werden können. Sie sollten als Anregungspotential für die Neuinterpretation signifikanter historischer Fehlstellen in der Umgebung des Humboldt-Forums reflektiert werden. Im Umgang mit den überlieferten Fragmenten und Bauteilen des Stadtschlosses unterscheidet die Denkmalpflege zwischen Objekten, die in Bauteildepots, in Magazinen, in Freilagern der Öffentlichkeit entzogen bzw. als Sammlungsgut abgestellt sind und Bau- und Kunstzeugnissen, die nach den Zerstörungen des Kriegs und dem Denkmalsturm der DDR in einen neuen Bedeutungs- und Gestaltungszusammenhang Eingang gefunden haben und erhaltenswert sind. Zu Letzteren zählt beispielsweise das von der DDR als Eingangsrisalit bzw. Revolutionsspolie in die Fassade des ehemaligen Staatsratsgebäudes eingebaute barocke Lustgartenportal IV des Schlosses oder die Reiterstatue des Hl. Georg als Drachentöters, der aus dem westlichen Schlosshof stammt und am Spreeufer im Nikolaiviertel eine Neuaufstellung fand. Die genannten Beispiele sind als Teil eines jüngeren Denkmalzusammenhangs gesetzlich geschützt und stehen für eine Re-Platzierung in den Neubau des Humboldt-Forums nicht zur Verfügung. In den letzten Jahren sind sie für den heutigen Denkmalkontext aufwändig restauriert worden. Dagegen sind die ungenutzt in Sammlungen von Museen und Denkmalpflege eingelagerten Schlossbau- und -dekorationsteile in der Regel der Stiftung „Berliner Schloss – Humboldtforum“ für eine Nachbildung bzw. Integration in den Neubau zur Verfügung gestellt worden. Nach ähnlichen Kriterien wurde von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bzw. den zuständigen Denkmalbehörden in Abstimmung mit den Stiftungen Preußischer Kulturbesitz und Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg auch bei der Gestaltung der an das Wettbewerbsgebiet angrenzenden Freiräumen (z.B. Museumsinsel) auf eine unreflektierte Rückführung von seit 1945 aus dem ursprünglichen Kontext versetzten Kunstwerken oder Bauteilen verzichtet, wenn die Rückführung eine erhebliche Beeinträchtigung eines denkmalgeschützten Nachkriegskontextes bedeutet hätte. Das Bronzestandbild von Albrecht Thaer, welches seit Jahrzehnten sinnfällig den Lichthof der ehemaligen landwirtschaftlichen Akademie der DDR (heute Gebäude der HumboldtUniversität in der Invalidenstraße) schmückt und am ursprünglichen Standort Schinkelplatz durch eine Kopie repräsentiert wird. Gleiches Kriterium der Standortbindung erfüllt das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten im Court d’honneur des Schlosses Charlottenburg. Neptunbrunnen Der Brunnen (Reinhold Begas, eingeweiht 1891) - eine Schenkung des Magistrats von Berlin an Kaiser Wilhelm II - war nach der Schlosssprengung 1951 eingelagert worden. Im Rahmen der Umgestaltung des Stadtzentrums und des Alexanderplatzes (1969) wurde der Brunnen auf dem Platz unter dem Fernsehturm in Verlängerung der neuen Freitreppen- und Wasserterrassenanlagen aufgestellt. Er liegt eingebunden zwischen der als Solitär freigestellten Marienkirche und dem Berliner Rathaus. In der Schnittachse des Fernsehturms und des Rathauses liegend, ist er Teil der denkmalgeschützten Grünanlage. Dort bildet er den wirkungsvollen gestalterischen Mittelpunkt des Platzensembles und genießt bei den Besuchern dank seiner Aufenthaltsqualität eine hohe Attraktivität (siehe Teil 3, Punkt 3.1, Umgang mit den historischen Spuren). Die etwa sechs Hektar gro-

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ße Freifläche am Fuße des Fernsehturms wurde 1970-73 von einem Kollektiv unter der Leitung von Manfred Prasser und Hubert Matthes unter Einbeziehung des Denkmalbrunnens gestaltet. Die Grün- und Freifläche zwischen Fernsehturm und Spree ist ein wesentlicher Abschnitt eines zusammenhängenden städtebaulichen Bandes, der „Zentralen Achse“, die das wesentliche Motiv der Hauptstadt­ planung der DDR bildete und von der Karl-Marx-Allee über den Alexanderplatz, die Schlossinsel und die Straße Unter den Linden bis zum Brandenburger Tor reichte. Der Fernsehturm fungierte als Gelenk und moderne vertikale Dominante, die auch ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt Abb. 2-35:	 Neptunbrunnen bildete. Der Neptunbrunnen ergänzt und akzentuiert den von Kirche und Rathaus gefassten Raum analog eines aufwändigen Marktbrunnens. Der Standort des Brunnens, der gewissermaßen aus dem Residenzkontext des Schlosses (bzw. der staatlichen Hoheitsmitte) in die Obhut des Magistrats im Rathaus verlagert wurde, schmückte weithin sichtbar den öffentlichen Stadt- und Erholungsraum für Bürger und Besucher der Stadt. Der Brunnen in Wechselwirkung mit weiteren stadthistorisch einzigartigen Bau- und Kunstdenkmalen und anspruchsvollen Bauten der DDR-Moderne sowie die damit erzielte Ensemblewirkung repräsentieren eindrücklich das politisch-ästhetische Konzept der DDR- Innenstadtgestaltung nach dem Mauerbau. Rossebändiger Die Skulpturengruppe (Peter J. Clodt von Jürgensburg, 1805-1867) steht seit 1945 im Heinrich-von-Kleist-Park. Sie flankiert die Parkfront des Kammergerichtsgebäudes – Volksgerichtshof (1934 bis 1944) und danach Sitz des Alliierten Kontrollrats (1944/45 bis 1990) – das heute als Sitz des Kammergerichts und Verfassungsgerichtshofes von Berlin dient (Thoerner, Mönnich u.a., 1909-13). Die Skulpturen sind Teil der als Denkmal geschützten Grünanlage bzw. der gartenkünstlerischen Ausstattung des denkmalgeschützten Bauwerks, ebenso wie die Königskolonnaden (von der Königsstraße am Alexanderplatz, 1777-1780, Carl von Gontard), die bereits mit dem Bau des wilhelminischen Abb. 2-36:	 Die Rossebändiger Kammergerichtsgebäudes in die Hauptachse der vorgelagerten Grün- und Schmuckanlage versetzt wurden, oder wie die Skulptur „Genius der Wahrheit“, die von dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Reiterstandbild von Friedrich Wilhelm III. im Lustgarten

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stammt (enthüllt 1871, Albert Wolff). Die Königskolonnaden mussten am ursprünglichen Standort nach 1900 dem Neubau der Stadtbahn und des Alexanderplatzes weichen. Die Verlagerung der Bronzefiguren der Rossebändiger und der Sockelfigur des Genius in die Schöneberger Grünanlage steht zum einen in der Nachfolge der Translozierung der Königskolonnaden und der hierher als Gartenschmuck versetzten Bauzier der ehemaligen Akademie der Künste und der Wissenschaften an der Straße Unter den Linden, die dem Neubau der Staats- und Universitätsbibliothek Platz machen sollte. Die Standortwahl – die ja nicht auf einen der königlich preußischen Schlosspark- und -gartenanlagen in Berlin und Potsdam fiel – reflektiert die Vorgeschichte des Schöneberger Freigeländes als königlich preußischer Hof- und Küchengarten (später auch als Botanischer Garten). Diese Entwicklung geht zurück auf den Großen Kurfürsten, der im ausgehenden 17. Jahrhundert bei der Anlegung des Lustgartens aus dem ehemaligen Schloss- und Apothekergarten auf der Spreeinsel den Hof- und Küchengarten in die Schöneberger Gemarkung hatte verlegen und vergrößern lassen. Die Sicherung eines Teils dieser Grünanlage gegen die herannahende Großstadtbebauung, ihre Gestaltung als öffentliche Grünanlage (Albert Brodersen, 1909-11) und schließlich ihre Benennung als Heinrichvon-Kleist-Park sowie ihre gartenkünstlerische Ausschmückung mit Werken der preußischen Bau- und Kunstgeschichte nehmen auf diese Tradition der räumlichen Verlagerung Bezug bzw. reaktivierten einen zentralen Ort in der historischen Topographie der Rechtspflege und Gartenkultur des Königreichs Preußen neu. Nach Kriegsende erhielt das in der NS-Zeit auch für den Volksgerichtshof (u.a. gegen die Attentäter des 20. Juli 1944) genutzte und wenig kriegsbeschädigte Kammergerichtsgebäude eine neue Funktion als Sitz des Alliierten Kontrollrats und der Kleist-Park eine durchgreifende Neugestaltung nach Plänen von Georg Bela Pniower (1896-1960). Das stark beschädigte Parkgelände – hier waren u.a. 42 anonyme Kriegsbestattungen erfolgt – sollte als „distinguished foreground“ des künftigen Kontrollrates im vormaligen Kammergerichtsgebäude ausgestaltet werden, als ein repräsentatives Entrée des Organs, das die vier Besatzungsmächte als höchste Regierungsgewalt in Deutschland eingesetzt hatten. Dem unterstand auch die Alliierte Kommandantur, das entsprechende Gremium für die Viersektorenstadt Berlin. Die repräsentative Neugestaltung der Grünanlage betonte die räumliche Wirkung des Kontrollratsgebäudes der Alliierten. Die 1945 (also nicht erst im Zusammenhang mit der Schlosssprengung 1950/51) im Kleistpark beiderseits der Fahnenterrasse für die vier Alliierten aufgestellten Rossebändiger bilden einen imposanten Blickfang des neu definierten Bau- und Gartenensembles. Die Skulpturengruppe, die nach einem Luftangriff auf den Lustgartenflügel des Berliner Schlosses im Februar 1945 sichergestellt und im Auftrag der Alliierten – besonders von den Vereinigten Staaten – parkseitig vor dem Gerichtsbzw. Kontrollratsgebäude aufgestellt worden war, dokumentiert aber nicht nur das kunstsinnige und traditionsbewusste Repräsentationsbedürfnis der Alliierten als oberste Regierungsgewalt im frühen Nachkriegsdeutschland. Die Alliierten suchten mit der Neuaufstellung der Skulpturengruppe der Rossebändiger – beiderseits der neuen Fahnenterrasse vor dem Kontrollratssitz – und mit der Versetzung des Denkmalfragments „Genius

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der Wahrheit“ aus dem Lustgarten in die Mittelachse des umgestalteten Kleistparks bewusst Anknüpfungspunkte an die historische Hoheits- und Bedeutungsmitte der deutschen Hauptstadt. Zugleich korrespondierte die Wahl der Objekte auch mit der neuen Zweckbestimmung des Ortes, an dem sich am 18. Oktober 1945 das internationale Militärtribunal für die Kriegsverbrecherprozesse, welche dann nach Nürnberg verlagert wurden, traf. Gemäß Artikel 22 seiner Charta behielt das Militärtribunal seinen ständigen Sitz in Berlin. Der Genius der Wahrheit und die Rossebändiger als Symbol der Beherrschung der Natur durch den Menschen bzw. der Selbstbeherrschung und Zügelung menschlicher Emotionen konnten auch als Bekenntnis zur Wahrheitsliebe und Ehrlichkeit bzw. zur Mäßigung politischer Leidenschaften verstanden werden, als Appell an politische Tugenden eines demokratischen Neubeginns. Der Kleistpark mit seiner Ausprägung und Ausstattung der Nachkriegszeit darf als bedeutendste Planung Pniowers nach 1945 und als erste größere Grünanlage Berlins oder sogar Deutschlands gelten, die nach dem Krieg fertig gestellt wurde.

Deponierte Denkmalfragmente Kapitell der Adlersäule Das Kapitell der Adlersäule befindet sich im Hof des Pergamonmuseums und steht für eine Rückführung und Thematisierung im angestammten Standortzusammenhang zur Verfügung. Standbild Moritz von Oranien Das Standbild Moritz von Oranien befindet sich im Depot der Stiftung Schlösser und Gärten in Potsdam und steht für eine Rückführung und Thematisierung im angestammten Standortzusammenhang zur Verfügung. Die ehemaligen Standorte der Skulpturen sind im Teil 4, Abb. 4-19 an ihrem historischen Standort dargestellt.

Abb. 2-38:	

Kapitell Adlersäule

Abb. 2-37:	

Standbild Moritz von Oranien

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Gedenksteinfund am Sockel des Nationaldenkmals Bei den Straßenbauarbeiten wurde am 20.03.2012 im provisorisch hergestellten Gehwegbereich am Sockel des Nationaldenkmals ein Sandsteinblock mit der Inschrift: „umgebaut 1895“ gefunden. Die Datierung des Steins bezieht sich auf den Umbau der Schleusenbrücke und der Wehranlage am Mühlengraben. Der Stein wurde geborgen und deponiert. Er soll sichtbar im Freiraum integriert und mit einem Informationsschild versehen werden. Abb. 2-39:	 Sandsteinfund

2.6	

Aktuelle Planungen und Nutzungen im Umfeld

Museumsinsel und Museumsgärten Nach der deutschen Wiedervereinigung begannen Ende der 1990er Jahre umfassende Sanierungen der Museumsinsel, und 1999 beschloss der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz den „Masterplan Museumsinsel“. Dieser sieht die Sanierung des Gebäudebestandes vor, die bauliche Zusammenfassung zu einem Museumsensemble und die Neuordnung der vor 1990 geteilten Sammlungen. Zwischen Neuem Museum und Kupfergraben wird die James-Simon-Galerie als neues zentrales Besucherzentrum gebaut. Als sechstes Gebäude der Museumsinsel soll es einen zeitgenössischen Akzent in der Baugeschichte der Museumsinsel setzen. Nach den derzeitigen Vorstellungen wird die James-Simon-Galerie bis 2013 fertig gestellt sein. Als zentraler Eingang für Besuchergruppen, als Veranstaltungs- und Informationszentrum und als Ort für Sonderausstellungen soll das neue Eingangsgebäude eine Schlüsselfunktion in der Gesamtorganisation der Museumsinsel übernehmen und dabei die historischen Gebäude entlasten. In der Galerie startet der Rundgang durch das Pergamonmuseum und die archäologische Promenade, die vier der fünf Museen erschließt. Die Sanierungsmaßnahmen an der Alten Nationalgalerie und im BodeMuseum sind abgeschlossen, das Neue Museum ist im November 2009 wiedereröffnet worden. Im Pergamonmuseum geht es neben der reinen Schadenserhebung um die Umsetzung der direkten Anschlüsse an das neue zentrale Eingangsgebäude und an die Nachbarhäuser Bode-Museum und Neues Museum. Die wichtigsten Eingriffe im Alten Museum waren die Entfernung der 1990 vor die Schinkeltreppe gesetzten Verglasung, der Einbau einer gläsernen Überdachung der Höfe, einer Klimaanlage und von Aufzügen sowie eine verbesserte barrierefreien Erschließung. Die Museumshöfe bestehen aus einer denkmalgeschützten ehemaligen Kasernenanlage im Stil der Neorenaissance und einer zu bebauenden Freifläche. Hier ist das Archäologische Zentrum der Staatlichen

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Museen Preußischer Kulturbesitz mit Depots, Werkstätten, Verwaltungen, Studienbibliotheken und Sammlungen entstanden.

Abb. 2-40:	

Museumsinsel Masterplan 2015

Freiräume zwischen den Museen Das Landschaftsarchitekturbüro Levin Monsigny gestaltet die Freiräume als „Zwischenräume“. Nach Instandsetzung und Ergänzung der Bauten auf Basis des „Masterplans Museumsinsel“ wird die Spreeinsel mit ihren bedeutenden Sammlungen zu einer „Freistätte der Kunst und Wissenschaften“. Ihre Freiräume, großen Höfe und schmalen Gassen werden öffentlich begehbar sein. Die Gestaltung der Außenanlagen obliegt nachfolgenden Vorgaben: Straßenräume als funktionale Elemente des Stadtraums, Freiräume der Insel als „Orte der Entrückung“ sowie der Verlauf der Stadtbahn als Einschnitt in das Stadtgefüge.

Abb. 2-41:	

Lageplan Museumsinsel

Hinter dem Dom entsteht wieder der Domgarten. Zwischen dem Kupfergraben und Neuen Museum wird die James-Simon-Galerie als gläsernes Eingangs- und Verbindungsgebäude errichtet. Der Skulpturengarten an der Alten Nationalgalerie als einer der bedeutendsten Gärten der

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Museumsinsel nimmt historische Elemente wieder auf und interpretiert diese in einer neuen Formsprache. In jedem Pfeilersegment wird – als Option für temporäre Installationen – eine Glasvitrine aufgestellt. Gläserne Blickpunkte im Verlauf der „Archäologischen Promenade“ und transparente Balkone – „kleine Neugierden“ – als Endpunkte der schmalen Museumsgassen am Kupfergraben bilden weitere neue Akzente auf der Insel. Garten an der Nationalgalerie und Domgarten Das Büro Levin Monsigny nimmt den Gedanken des Forums von Stüler wieder auf und interpretiert Gärten und Gassen neu. Mit gärtnerischen Mitteln wird die räumliche Ordnung vor allem über Pflanzen und Bodenbeläge hergestellt. Im Zentrum des Kolonnadengartens herrschen streng geschnittene Buchszylinder vor, der beidseitig umgebende Raum wird durch ein „Negativbild“ gefasst. In immergrünen eingeschnittenen Vertiefungen finden die Skulpturen im Gartenraum ihre Platzierung. Platanen sollen in diesen Bereichen für eine arkadische Stimmung sorgen. Unterstützt wird diese Wirkung von der Lichtkonzeption. Die Fassaden werden als Raumkanten des öffentlichen Raumes in einen sanften Lichtschimmer getaucht. Differenzierungen zwischen Plätzen und Wegen des einheitlich verlegten Natursteins erfolgen durch die Wahl der Verlegemuster sowie Steingrößen, jedoch nicht durch Materialwechsel. Das Mobiliar ist aus dem gleichen Stein entwickelt.

Abb. 2-42:	

Garten der Nationalgalerie

Rathausforum Der Senatsbeschluss zum Planwerk Innenstadt aus dem Jahr 1999 sowie der Beschluss zum Rathausforum von 2009 sah die Erhaltung und langfristige Qualifizierung der durchgrünten öffentlichen Freifläche als Ausgleich für die systematische Nachverdichtung der umliegenden Stadtquartiere am Alexanderplatz, am Molkenmarkt, auf der Spreeinsel, auf dem Friedrichswerder sowie am Hackeschen Markt vor.

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Auf dieser Grundlage haben die Berliner Büros Chipperfield, Graft und Kiefer als Arbeitsgemeinschaft im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Visionen für den „Zukunftsraum Historische Mitte – Rathausforum“ entwickelt, die im Dezember 2009 im Rahmen einer Bürgerwerkstatt anhand von fünf einprägsamen Szenerien vorgestellt wurden. Die Bilder sollten zu einer größeren Offenheit für neue Visionen gegenüber den vergangenheitsorientierten Modellen führen und darüber hinaus eine öffentliche Diskussion fördern (siehe Teil2, Punkt 2.3.3).

Abb. 2-43:	

Außenanlagenplan Rathaus-Forum

Die Koalitionsvereinbarung zwischen den Berliner Landesverbänden von SPD und CDU für die Legislaturperiode 2011–2016 hat die Aufgabe präzisiert: „Die Gestaltung des Rathausforums ist eine große Chance, das Areal zwischen Alexanderplatz und Humboldt-Forum nachhaltig zu beleben. In der konkreten Ausgestaltung wollen wir, dass die richtige Balance gefunden wird zwischen der Sensibilität für die historische Gestalt der Berliner Altstadt, einer möglichen baulichen Entwicklung und der Bewahrung bzw. Qualifizierung grün geprägter städtischer Freiräume. Auf dieser Grundlage soll ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt werden“ (Koalitionsvereinbarung vom 23.11.2011). Die stadträumlichen Verknüpfungen zum Alexanderplatz sowie zum Schlossareal werden im Zusammenhang mit den beiden in den Planwerken vorgesehenen baulichen Ergänzungen am S-Bahnhof sowie durch den Bau des Humboldt-Forums neu gefasst. Eine Instandsetzung des Fernsehturm-Umfeldes nach dem Konzept der Landschaftsarchitekten Levin Monsigny hat im Mai 2011 begonnen und wird voraussichtlich 2013 abgeschlossen sein. Grundlegende Idee ist die Wahrung der verschiedenen Formen der Freiräume, die die Platzanlage bestimmen. Das expressive Sockelgebäude soll wieder freigestellt werden. Der Eingangsplatz am S-Bahnhof Alexanderplatz erhält durch den geplanten Neubau an der Ecke Rathausstraße/Gontardstraße eine klare städtebauliche Kante. An beiden Eingangszonen zu Sockelgebäude und Fernsehturm werden Einbauten und Kleinstarchitekturen beseitigt.

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Ein heller großformatiger Plattenbelag prägt die beiden Plätze, welche von Außenraummobiliar möglichst frei bleiben sollen. Eine Ausnahme bilden Banklinien oberhalb der Wasserkaskaden und am Eingangsplatz zum S-Bahnhof. An historischer Stelle werden die Dreiecke – als dynamische topographische Elemente – erneuert. Die jeweils äußeren Dreiecke werden als Hochbeete wiederhergestellt. Neben dem gestalterischen Aspekt werden damit verschiedene praktische Belange gelöst: Zum einen bietet diese Stufe einen Schutz gegen das Überfahren durch Fahrzeuge. Das nordöstliche Dreieck ist mit Tenne gefüllt und kann als Biergarten genutzt werden. Erhaltenswerte Baumbestände bilden ein lockeres Blätterdach. Das südöstliche Dreieck bietet Spiel- und Bewegungsmöglichkeit für Kinder und Jugendliche. Dieser Bereich wird zudem durch die vielen Passanten und die Außengastronomie des angrenzenden neuen Gebäudes bestimmt. Der sich dem unmittelbaren Platzareal anschließende Stadtgarten erhält – als klassisches Gartenthema – eine Einfassung. Die öffentliche Diskussion um die historische Mitte Berlins und ihre neue Identität hält nach wie vor an. Da bis 2017 in diesem Bereich an der U-BahnLinie 5 gebaut wird, besteht die Möglichkeit einer längerfristig angelegten Ideenverdichtung und des diskursiven Dialogs. Bauakademie und Werderscher Markt

Abb. 2-44:	

Entwurf Werderscher Markt

Im Jahr 2001 wurde der Verein Internationale Bauakademie Berlin e.V. gegründet, um die Schinkelsche Bauakademie wieder aufzubauen. Seit Sommer 2004 vermittelt eine entsprechende Schaufassade vor Ort die historische Fassadengestaltung sowie die Raumwirkung des Gebäudes. Zur Neugestaltung des Werderschen Marktes wählte ein Gutachtergremium im November 2009 den Entwurf des Landschaftsarchitekturbüros Ines Alkewitz aus. Diese Planung wurde 2011 realisiert. Der Entwurf mit den geplanten Flächen und markanten Linien nimmt die historischen Raumbezüge wieder auf. Der Freiraum ist überschaubar und nur sparsam mit einer Möblierung ausgestattet. Der Platz vor der Kirche wurde als „Pflasterteppich“ gestaltet. Die Fläche am Bärenbrunnen befindet sich im Vergleich zu dessen Umfeld auf einem höheren Niveau, und die nördlich am jetzigen Podest angrenzenden Flächen werden aufgefüllt, so dass der gesamte Bereich eine

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Neigung in Richtung Norden erfährt. Der Bereich Bärenbrunnen– Platanen erhielt ein großzügiges, mit feinem Kalksplitt abgedecktes Podest. Nördlich schließt sich eine Pflasterfläche zur Bebauungsgrenze des Baublocks „Am Schinkelplatz“ an.

Abb. 2-45:	

Werderscher Markt 2011

Ehemaliges Staatsratsgebäude Das seit 1993 unter Denkmalschutz stehende ehemalige Staatsratsgebäude wurde von 2003 bis 2005 grundsaniert und für Hochschulzwecke umgebaut (Architekt Hans-Günther Merz). Die Machtsymbole der DDR sind bei der Sanierung erhalten geblieben, darunter das Glasbild von Womacka sowie ein Mosaik des Staatswappens der DDR in einem der Vorlesungssäle. Das Gebäude ist seit 2006 Sitz der European School of Management and Technology (ESMT). Ende 2002 gründeten 25 deutsche Wirtschaftsunternehmen und Verbände die ESMT-Stiftung mit dem Ziel, in Deutschland eine internationale Managementschule aufzubauen. Im Oktober 2003 erhielt die ESMT als private wissenschaftliche Hochschule die Zulassung durch den Berliner Senat. Im gleichen Jahr wurden auch die ersten Weiterbildungsseminare angeboten. Seit Anfang 2006 läuft mittlerweile der Studienbetrieb in Berlin mit einem Fulltime-MBA-Programm (Master of Business Administration). Im Herbst 2007 startete schließlich das erste berufsbegleitende Executive-MBA-Programm an der ESMT. Marstall Die umgebauten Pferdeställe des Spreeflügels werden zusammen mit den Quergebäuden von der Berliner Stadtbibliothek genutzt. Heute sind hier Teile der Zentral- und Landesbibliothek und der Hochschule für Musik Hanns Eisler untergebracht. Die Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin (HFM) ist eine 1950 gegründete staatliche Hochschule für Musik in Berlin. Als Studiengänge werden u.a. verschiedene Instrumente, Komposition, Gesang und Musiktheater angeboten. Bereiche der Zentral- und Landesbibliothek werden in das Humboldt-Forum umziehen. Das vorhandene unterirdische Tunnelbauwerk zwischen dem Marstall und dem ehemaligen Palast der Republik soll erhalten bleiben, um eine spätere unterirdische Anbindung an das Gebäude des HumboldtForums zu ermöglichen bzw. zu nutzen.

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Freiheits- und Einheitsdenkmal Der Deutsche Bundestag hat am 9. November 2007 beschlossen, dass die Bundesrepublik Deutschland zum Gedenken an die Friedliche Revolution im Herbst 1989 und an die Wiedergewinnung der staatlichen Einheit ein Denkmal der Freiheit und Einheit Deutschlands errichtet. Als Standort für das zukünftige Denkmal wurde 2008 der Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I. auf der ehemaligen Schloßfreiheit (Schloßplatz (West)) festgelegt. In der Sitzung des Ausschusses für Kultur und Medien des Bundestages wurde im Juli 2009 die Zielsetzung des Denkmals für diesen Standort eingegrenzt bzw. präzisiert: Die Erinnerung an die Friedliche Revolution im Herbst 1989 und die Wiedererlangung der deutschen Einheit soll künstlerischer Schwerpunkt des Freiheits- und Einheitsdenkmals sein.

Abb. 2-46:	

Entwurf Freiheits- und Einheitsdenkmal, Arbeitsgemeinschaft Milla und Partner mit Sasha Waltz 2011

Seit Mai 2011 liegt das Wettbewerbsergebnis eines nicht offenen, interdisziplinären Verfahrens vor. Als Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin soll der Beitrag der Arbeitsgemeinschaft der Architekten Milla & Partner mit Sasha Waltz realisiert werden. Der ausgewählte Entwurf „Bürger in Bewegung“ zeigt eine gewölbte Schale, die sich aus dem historischen Sockel herauszulösen scheint. Die Schale ist begehbar, sie kann durch eine bestimmte Anzahl von Besuchern in Bewegung gesetzt werden. Symbolhaft soll dargestellt und erlebbar gemacht werden, dass gemeinsames Handeln Großes in Bewegung setzen kann und im Ergebnis zu Freiheit und Einheit geführt hat bzw. führen kann. Das Denkmal soll für unterschiedliche Nutzungen offen sein. Eine barrierefreie Erschließung ist von Süden her möglich (siehe Teil 5, Ordner 5.10). Zwischennutzungen auf dem Schlossareal Nach einem europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb 2006 ist temporär auf dem Baufeld des Humboldt-Forums – nach den Plänen von relais Landschaftsarchitekten, Marianne Mommsen und Gero Heck mit momentum3 und Marcus Cordes – eine Rasenfläche mit passagenartigen Verbindungsstegen angelegt worden. Die Flächen sind zum Abb. 2-47:	 Temporäre Gestaltung auf dem „Schlossareal“ umliegenden Geländeniveau ab-

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gesenkt und fallen zur Spree hin ab, die hölzernen Stege schließen niveaugleich an. Der Rasenteppich exponiert sich zur Spree. Das zur Beschwerung der Palastwanne eingesetzte Füllmaterial ist in drei langgestreckte Rasenstufen ausmodelliert, die über Böschungen miteinander verbunden sind und sich zur Spree hin öffnen. Humboldt-Box

Im Juni 2011 wurde am Schloßplatz (Nord) gegenüber dem Lustgarten die HumboldtBox eröffnet. Sie ist ein repräsentatives Schaufenster des zukünftigen Humboldt-Forums und von ihrer Dimension und Gestaltung her ein neuer Blickfang in Berlins Mitte. Den architektonischen Entwurf für die Humboldt-Box hat das Architektenbüro KSV Krüger Schuberth Vandreike erarbeitet. Hinter einer innovativ kombinierten Fassade aus Glas und Medienflächen wird den Besuchern im Inneren des Abb. 2-48:	 Humboldtbox Gebäudes eine kulturelle und informative Themenvielfalt geboten. Mit 3.000 m² Fläche und insgesamt 28 m Höhe auf sechs Ebenen ist ein architektonischer Solitär entstanden, der Blickpunkt, Informationsforum, Ausstellungsraum, Aussichtsplattform und Event-Location zugleich ist. In der Humboldt-Box präsentieren sich u.a. die zukünftigen Nutzer des Humboldt-Forums und geben erste Einblicke in Ihre Konzepte. Der Förderverein Berliner Schloss – Humboldtforum zeigt in der Eingangsebene eine Ausstellung zur Geschichte des Standortes und zum Bauprojekt Humboldt-Forum. Von den obersten Ebenen bietet sich der atemberaubende 360°-Ausblick von Berlins Mitte hinaus über die ganze Stadt. Über einen Konzessionsvertrag mit der DSK Deutsche Stadt- und Entwicklungsgesellschaft mbH wurde die Firma Megaposter GmbH mit der Planung, Errichtung, Finanzierung und dem Betrieb der Humboldt-Box beauftragt. Mit der Eröffnung des Humboldt-Forums (voraussichtlich im Jahre 2019) hat die Humboldt-Box ihre Aufgabe erfüllt und wird abgebaut.

2.7	

Planung Humboldt-Forum

Entstehung Der Deutsche Bundestag hat 2002/2003 das von der internationalen Expertenkommission „Historische Mitte Berlin“ vorgeschlagene Nutzungskonzept für das künftige Humboldt-Forum befürwortet und dessen Empfehlungen unterstützt. 2007 sprach sich die Bundesregierung für das Konzept zur „Wiedererrichtung des Berliner Stadtschlosses“ und damit zum Bau des Humboldt-Forums auf dem Berliner Schlossareal aus. Auch die weitere Empfehlung der Expertenkommission, die barocken Fassaden der Nord-, West- und Südseite sowie den Schlüterhof wieder zu errichten, fand eine fraktionsübergreifende Mehrheit. Am 06. Juli 2011 haben

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die Fraktionen des Bundestages im Haushaltsausschuss schließlich der Entwurfsplanung für das Humboldt-Forum mehrheitlich zugestimmt. Das Konzept Humboldt-Forum umfasst eine Nutzfläche von insgesamt ca. 41.000 m².Nach einem durchgeführten Wettbewerbsverfahren ist der Entwurf des ersten Preisträgers, Architekt Franco Stella, in der Realisierung. Als Standort für Kunst, Kultur und Wissenschaft fügt sich das HumboldtForum in eine einzigartige Kultur- und Wissenschaftstopografie von Museumsinsel, Deutschem Historischem Museum, Humboldt-Universität, Staatsbibliothek sowie Zentral- und Landesbibliothek ein. Für das vereinigte Deutschland ist die wiedergewonnene Mitte Berlins ein realer und symbolischer Zukunftsort ersten Ranges. Mit dem Humboldt-Forum kehrt die Idee der Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer, die einst im Stadtschloss sämtliche Sammlungen und Bibliotheken zu Kunst, Natur und Wissenschaften – von einheimischen Objekten bis zu fernsten „Exoten“ – vereint hatte und die mit Gründung der Humboldt-Universität (1810) in deren Besitz übergegangen ist, an ihren vormaligen Platz zurück. Gesamtanspruch In seiner Gesamtheit wird das Humboldt-Forum ein Ort sein, an dem kulturelle Zusammenhänge und die großen Themen der Menschheit von Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen diskutiert, von Wissenschaftlern erforscht und dem Besucher auf ansprechende Weise präsentiert werden. Die größte Fläche werden dabei die außereuropäischen Sammlungen, das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin (SMB) einnehmen. Die Sammlungen umfassen 600.000 Artefakte und Kunstwerke, ergänzt durch Ton- und Filmdokumente, von denen ein Teil zum „Memory of the World“ der UNESCO gehört. Hinzu kommen ein Ausstellungs- und Veranstaltungsraum sowie das Laut-Archiv der Humboldt-Universität (HU), Bücher und andere Medien der Zentralund Landesbibliothek (ZLB) sowie die außereuropäische Abteilung der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz, deren Gesamtbestand mit mehr als 1 Million Büchern zu den weltweit größten Museumsbibliotheken zählt. Das Konzept des Humboldt-Forums nimmt das geistige Erbe der Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt auf, die für die Einheit von Geistesund Naturwissenschaften stehen und nach deren Willen Wissen nicht nur durch Texte, sondern auch anhand von Objekten vermittelt werden sollte. Alexander von Humboldts Werk – die vorurteilsfreie Beschreibung fremder Kulturen, die Verbindung von Ästhetik und Natur sowie das Bewusstsein einer kulturellen Koexistenz – stellt gleichermaßen Anspruch und Verpflichtung dar. Mit diesem Ansatz etabliert das Humboldt-Forum die Weltkulturen im Zentrum Berlins und nimmt einen Dialog mit den europäischen Bildungsgütern in der Nachbarschaft der Museumsinsel auf, deren humanistischer Wegbereiter einst Wilhelm von Humboldt war. Mit Hilfe der Sammlungen und einer ebenso breiten wie vielfältigen Veranstaltungstätigkeit wird im Humboldt-Forum der Dialog mit den au-

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ßereuropäischen Kulturen wissenschaftlich fundiert und an ausgewählten Themen und Objekten öffentlich inszeniert. Aus dem Grundgedanken der barocken Kunstkammer heraus werden etwa die ideengeschichtlichen Impulse und Wirkungen jener Zeit in einer besonderen, moderne Medien einbeziehenden Ausstellungsform die prominente Eingangshalle des Humboldt-Forums prägen und von dort die neue Einrichtung gleichsam als Grundton begleiten. Mit der Errichtung des Forums wird nicht mehr das Alte Museum mit dem Lustgarten den räumlichen Abschluss der Berliner Museumsinsel bilden, sondern vielmehr das zentral gelegene Humboldt-Forum. Die Museumsinsel wird mit dem Humboldt-Forum zu einem Ort der Weltkulturen verschmelzen. Nutzungsschwerpunkte Das Humboldt-Forum als Ort des internationalen Austauschs und der interkulturellen Erfahrungen wird aus drei sich ergänzenden Komponenten bestehen: dem Veranstaltungsbereich (die sogenannte Agora) im Erdgeschoss, den Werkstätten des Wissens im ersten sowie den Museumsausstellungen im zweiten und dritten Obergeschoss. Als Besucher sollen Menschen aus allen gesellschaftlichen Gruppen angesprochen werden. Die Agora offeriert vor allem ein Veranstaltungszentrum für ein reiches Kulturprogramm: Musik, Theater, Film, Performances sowie außereuropäische Gegenwartskunst werden hier präsentiert. Als Forum für Wissenschaft, Kultur und Politik wird ein Ort internationaler Debatten für gesellschaftspolitisch relevante Themen installiert. Der Anspruch, ein Ort der Gegenwart zu sein, geht jedoch weit über diesen Bereich hinaus; zwischen der Agora und den übrigen Teilen des Humboldt-Forums bestehen vielfältige und fruchtbare Beziehungen. In den Werkstätten des Wissens werden die Zentral- und Landesbibliothek, die Forschungsbibliotheken und -archive des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst sowie der Humboldt-Universität zusammenwirken. Die gesammelten Wissensbestände werden in gedruckten und elektronischen Medien der breiten Öffentlichkeit vermittelt. Die Zentral- und Landesbibliothek wird im Humboldt-Forum zukunftsweisende Formen der Wissensvermittlung und Mediennutzung rund um den Schwerpunkt „Welt der Sprachen“ präsentieren. Als attraktiver interkultureller Bildungsort bietet die ZLB einen mehrsprachigen Anlaufpunkt zum globalen Wissen und wird einem breiten Publikum das gemeinsame Thema des Humboldt-Forums „Dialog der Kulturen“ – auf immaterielle Kulturgüter fokussiert – nahe bringen. Dabei wird eine große Bandbreite kultureller Ausdrucksformen auf verschiedenen Zugangswegen für unterschiedliche Ansprüche erfahrbar gemacht. Die ZLB wird Anschauungsmaterial zu Sprache(n), Kommunikation und Zeichensystemen aus aller Welt offerieren, wobei neben Büchern vor allem multimediale Formate und interaktive Präsentationen eine wichtige Rolle spielen. Zusätzlich wird auch ein spezieller Bereich mit einer hochwertigen technischen Ausstattung für individuelle Filmmedien-Leseplätze und Filmstationen mit Webanschluss eingerichtet.

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Ein weiterer Schwerpunkt der ZLB ist die Kinder- und Jugendarbeit. Für diese Zielgruppen entsteht ein attraktiver Lernort, der den Zugang zu globalem Wissen ermöglichen soll und in dem die interkulturelle Kompetenz gezielt erprobt und gefördert werden kann. Neben dem Wecken der Neugier auf andere Sprachen und Kulturen besteht die Chance der Sensibilisierung für die eigene Umwelt, eigene Maßstäbe und Wünsche. Dabei kommt auch das Spiel in all seinen Formen nicht zu kurz, auch jenes, bei dem Jugendliche aus aller Welt gemeinsam neue digitale Welten erschaffen. In den Museumsausstellungen werden die Besucherinnen und Besucher durch die Welt zu den außereuropäischen Kulturen geführt. Bei der Präsentation kommen vielfältige und interdisziplinäre Vermittlungsmethoden zum Einsatz. Die Humboldt-Universität zu Berlin wird in ihrem 700 m² großen Ausstellungs- und Veranstaltungsraum der Wissenschaft in ihrer ganzen Breite eine Bühne geben und zeigen, mit welchen Fragen und Themen sich Forschung weltweit beschäftigt. Anschaulich und objektbezogen inszenierte Ausstellungen und vielfältige Veranstaltungsformate vermitteln, wie wissenschaftliche Erkenntnisprozesse funktionieren, welche Paradigmenwechsel die Wissenschaftsgeschichte geprägt haben und welche unterschiedlichen Wissenschaftskulturen es gab und gibt. Im Sinne der Gebrüder Humboldt sollen wissenschaftliche Erkenntnisse für ein breites Publikum verständlich dargestellt und umgekehrt die Erfahrungen aus der populären Vermittlung des Wissens für Forschung und Lehre an der Universität und ihre Methoden nutzbar gemacht werden. Dabei zeigen die Ausstellungen, je nach Inhalt und Anliegen, sowohl ausgewählte Objekte aus den umfangreichen wissenschaftshistorischen Sammlungen der Universität als auch multimediale Versuchsanordnungen, die den Besucher zur aktiven Beteiligung einladen. Mit der gemeinsamen Vorstellung der außerordentlich bedeutenden Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst werden die Voraussetzungen für fächerübergreifende Zugänge aus kunst- und kulturhistorischer, ethnologischer, archäologischer und musikwissenschaftlicher Sicht geschaffen. Nicht nur die Reflektion und Interpretation der historischen Dimension der Kulturen Amerikas, Afrikas, Asiens und Ozeaniens, sondern die Einbeziehung der Vertreter der Kulturen, der zeitgenössischen Künstler oder der Besucher als interaktive Teilnehmer werden zum Alleinstellungsmerkmal des Humboldt-Forums. Integriert werden auch Themen wie Globalisierung, Migration oder Konsequenzen der Urbanisierung sowie neue ästhetische Konzepte unter Einbeziehung von Europa. Gegenstand ist die globale Welt mit ihren ökonomischen und kulturellen Strömungen. Aktueller Designwettbewerb Im Februar 2012 hat die Stiftung „Berliner Schloss – Humboldtforum“ als Bauherrin zusammen mit dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung einen Designwettbewerb für die Konzeption eines baulichen Corporate Design ausgelobt. Es werden grundsätzliche Aussagen zur Leitidee einer inhaltlichen und gestalterischen Herangehensweise an diese Aufgabe erwartet. Aufgabe ist die exemplarische Gestaltung von Teilen eines Orientierungssystem und des Funktionsmobiliars in den öffentlichen Bereichen des gesamten Hauses, die Innenraumgestaltung der Bibliotheken

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und des Konzeptraumes sowie inhaltliche Stilvorgaben für die Cafés und das Auditorium. Mit dem baulichen Corporate Design sollen verschiedene Nutzungsbereiche gestalterisch verknüpft werden und über deren unterschiedlichen Funktionen und wechselnde Gestaltung hinaus eine Identität des Humboldt-Forums als Ganzes vermitteln.

Abb. 2-49:	

Leuchttürme in der Eingangshalle; Preisträger Holzer Kobler Architekten Zürich in Zusammenarbeit mit Designer Gourdin & Müller Leipzig

Der Wettbewerb wurde Ende Juni 2012 entschieden. Den 1. Preis erhielt das Büro Holzer Kobler Architekturen (Zürich) in Zusammenarbeit mit den Designern Gourdin & Müller (Leipzig). Das Preisgericht sieht in dem Entwurf ein signifikantes und – auch im Sinne der Barrierefreiheit – leicht lesbares Orientierungssystem. Es würdigt die Leitidee des Entwurfes, der die Gestalt des Gebäudes und der Wortbildmarke des Humboldt-Forums aufnimmt und aus diesen Logiken grafische und räumliche Konzepte entwickelt. Die Eingangshalle als Herz des Humboldt-Forums erfährt eine besondere Gliederung durch sogenannte „Leuchttürme“. „Der Entwurf wird auch in der Zukunft sehr gut weiterentwicklungsfähig sein, weil er einen überzeugenden gestalterischen Rahmen vorgibt, der prägend ist, aber trotzdem variabel bleibt“ (siehe Teil 5, Ordner 5.10). Gebäude Humboldt-Forum Erdgeschoss Das Humboldt-Forum wird im Westen über das Portal III Richtung West–Ost und über das Schloss-Forum zwischen den Portalen II und IV Richtung Nord–Süd erschlossen. Zwischen dem Portal III und der in-

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neren Erschließungszone, dem Schloss-Forum, liegt der Empfangsund Veranstaltungsbereich (Agora) mit seinen attraktiven Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Bildungsangeboten. Die Dachkonstruktion der Empfangshalle ist eine lichtdurchlässige Kassettendecke mit einer Verglasung, die dem Raum eine gewisse Offenheit gibt und die Wirkung eines lichtdurchfluteten Innenhofs erhält. Der Raum ist umgeben von Ausstellungssälen im südlichen Abschnitt und zwei großen Veranstaltungsräumen, die als Multifunktionssaal und Auditorium (Veranstaltungen, Empfang und Betreuung von Besuchergruppen) im nördlichen Abschnitt nutzbar sind. Innerhalb der Empfangshalle befinden sich die Hauptkassen, von denen sich die Besucher über die Treppenhalle in das Humboldt-Forum verteilen können. Das öffentliche Schloss-Forum dient als Passage und Entrée des Humboldt-Forums und erschließt den Schlüterhof, der für Veranstaltungen (ein- bis zweimal im Monat) und gastronomische Einrichtungen in den Sommermonaten genutzt werden kann. Unmittelbar am Portal III befindet sich das Museum für die Geschichte des Ortes, welches mit einem „archäologischen Fenster“ im Kellergeschoss verbunden ist. Im Mitteltrakt befinden sich Einrichtungen wie Bistro, Buchladen und Museumsshop. Der östliche Trakt an der Spree wird überwiegend gastronomisch genutzt. Für die gastronomische Nutzung ist eine Verbindung zum Außenraum im Nordosten zum Lustgarten und zur Spreepromenade hin geplant. Ein weiteres Café befindet sich im Lapidarium am Portal VI. Es ist vorgesehen, in der Nähe des Portals VI einen Raum als allgemeine touristische Informationsmöglichkeit einzurichten (siehe Teil 5, Ordner 5.12). Obergeschosse Im 1.  OG befinden sich Räume für interdisziplinäre Ausstellungen, Bibliotheken, Lese- und Arbeitsräume sowie Aktionsflächen und Beratungsräume für Jugendliche. Neben den Ausstellungen der Museen, hat die Zentral- und Landesbibliothek hier ihren Sitz. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die Wissensvermittlung über die Vielfalt der Kontinente. Die Ausstellungsräume der außereuropäischen Sammlungen befinden sich im 2. OG und 3. OG. Das Humboldt-Forum möchte hier die Andersartigkeit fremder Kulturen der Kontinente in ihrem sozialen, religiösen und zivilisatorischen Kontext darstellen, um das Verständnis der Besucher für andere Kulturen zu fördern. Untergeschoss Im südwestlichen Bereich des Untergeschosses befinden sich Teile der freigelegten Schlosskeller und der gotische Raum des ehemaligen Dominikanerklosters, die in das Gebäude integriert werden sollen, um die Geschichte des Ortes sichtbar werden zu lassen. Es besteht die Idee, im Sinne einer Periskop-Lösung einen Einblick aus dem öffentlichen Freiraum in den gotischen Raum des archäologischen Fensters zu ermöglichen. Das Untergeschoss wird über eine Anlieferungszone zum Versorgungstrakt im Südosten erschlossen.

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Abb. 2-50:	

Grundriss Humboldt-Forum

Abb. 2-51:	

EG Nutzung und Erschließung Humboldt-Forum

Abb. 2-52:	

Plan Längsschnitt Portal III

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Abb. 2-53:	

Fassadenansichten West und Nord

Abb. 2-54:	

Fassadenansichten Ost und Süd

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Fassaden Die Fassaden des Gebäudes untergliedern sich in zu rekonstruierende und neu zu gestaltende Bereiche. Die Rekonstruktionsfassaden sind Bestandteil des Rekonstruktionskonzepts für das Humboldt-Forum. Eine Wiederherstellung der historischen Stereometrie der nördlichen, westlichen und südlichen Außenfassaden des ehemaligen Stadtschlosses sowie der nördlichen, südlichen und östlichen Innenhoffassaden des ehemaligen Schlüterhofs ist ebenfalls vorgesehen. Die Rekonstruktion der Außenfassaden geht von einer räumlichen Durchbildung der äußeren, ansichtigen Fassadenbestandteile wie in der historischen Fassung aus. Dabei wird die Wiederherstellung der architektonischen Elemente (Stützen, Pilaster, Portale, Fenstergewände etc.) und der skulpturalen Fassadenelemente (Bildhauerund Schmuckwerke) angestrebt. Rhythmus und Formspiel der barocken Fassadenwirkung sollen in den architektonischen und skulpturalen Fassadenelementen weitgehend rekonstruiert werden. Die Materialität der geplanten Fassaden lehnt sich dabei an die historische Konzeption an. Die Außenwände sind mit hellem Oberputz geplant. Damit soll die Wiederherstellung der historischen Wirkung der geputzten Wandoberflächen einschließlich der farblichen Beschichtungen in der bauzeitlichen Farbfassung erzielt werden. Abb. 2-55:	 Musterfassade Die neu konzipierten Fassaden des Belvedere und des Schlossforums sowie die Westfassade des Schlüterhofs treten über Proportion und Materialität in einen Dialog mit den zu rekonstruierenden Fassadenabschnitten. Der architektonische Ausdruck ist dabei in Form- und Materialgebung zurückhaltend. Er kontrastiert mit den barock rekonstruierten Fassadenabschnitten (siehe Teil 5, Ordner 5.12). Oberflächengestaltung der Innenhöfe und Portaldurchgänge Für die Oberflächenbeläge in den Innenhöfen und in den Portaldurchgängen ist die Verwendung eines mittel- bis dunkelgrauen Natursteins vorgesehen. Die Formate bewegen sich zwischen kleinformatigem Pflaster und großformatigen Platten. Nutzungsansprüche an den Außenraum Das repräsentative Umfeld des Humboldt-Forums wird als öffentlicher Freiraum ein Ort der Begegnung und Kommunikation der Berliner Bevölkerung mit den Stadt- und Forumsbesuchern sein. Die künftigen Institutionen des Humboldt-Forums – die Staatlichen Museen zu Berlin, die Humboldt-Universität und die Zentral- und Landesbibliothek

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– wünschen eine generelle Offenheit der Platzräume mit weitläufigen Sichtbeziehungen und Multifunktionalität in der Nutzung des Außenraumes. Die Herstellung von Räumen, die durch die temporäre Aneignung immer neu interpretiert werden können, steht hierbei im Vordergrund. Der Ort für Außenveranstaltungen des Humboldt-Forums wird im Wesentlichen der Schlüterhof sein. Darüber hinaus sind im nordöstlichen Bereich am Portal V und auf der Seite des Spreeufers entsprechende Flächen für Außengastronomie vorgesehen. Nutzung des Spreeufers Die Planungen zum Gebäude des Humboldt-Forums sehen keinen direkten Zugang zum ca. 4,80 m tiefer liegenden Ufer der Spree vor. Über die vorgelagerte Terrasse am Belvedere, mit einem direkten Zugang ins Gebäude, wird das Spreeufer für die Besucher erschlossen. Von den gastronomischen Einrichtungen ist ein spannungsreicher Ausblick auf die Spree und auf den Freiraum des Marx-Engels-Forums möglich. Das Spreeufer muss barrierefrei an das Umfeld des Humboldt-Forums angebunden werden. Testentwürfe haben gezeigt, dass eine Anbindung über Rampen möglich ist.

Abb. 2-56:	

Testentwurf Spreeufer

Funktionale Erschließung des Humboldt-Forums Besucherströme Nach derzeitiger Einschätzung liegt die Hauptfrequentierung der Besucher des Humboldt-Forums in der Nord-Süd-Passage durch das Schloss-Forum mit den Portalen II (Süd) und IV (Nord). Von hier aus verteilen sich die Besucher im Haus. Mit dem Portal III (West) gibt es einen weiteren Eingang. Im Außenraum ist davon auszugehen, dass es zu besonders starken fußläufigen Frequentierungen zwischen der Museumsinsel und dem HumboldtForum kommen wird und dass ein großer Teil der Besucher die U-BahnLinie 5, deren Ausgänge nordwestlich und westlich vom Humboldt-Forum liegen, nutzen werden. Hinzu kommen die Besucherströme aus dem Areal Unter den Linden/Schloßbrücke. In Spitzenzeiten werden im HumboldtForum bis zu 17.000 Besucher am Tag erwartet, im Durchschnitt 8.000 bis 10.000 Besucher täglich. Das Schlossforum wie auch der Schlüterhof werden jederzeit öffentlich zugänglich sein, so dass diese Räume tags wie nachts über die Portale I, II, IV und V betreten werden können. Der Zugang über die Portale III und VI (von der Spreeseite in den Schlüterhof) in die jeweiligen Innenräume des Humboldt-Forums wird von den Öffnungszeiten bestimmt (ca. 8:30 bis ggf. 24:00 Uhr, je nach Veranstaltungsdauer).

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Umfahrung und Aufstellflächen für Reinigungsfahrzeuge und Baugerüste Für Reparaturarbeiten an der Fassade des Humboldt-Forums muss in einer Breite von 1,5 m das Aufstellen eines Baugerüstes gesichert sein. Zur Sicherstellung der Fassaden- und Fensterreinigung sowie Reparaturarbeiten ist außerdem zu gewährleisten, dass eine fahrbare Teleskoparbeitsbühne parallel zur Fassade gefahren werden kann, ohne dass hierfür besondere Rüstzeiten oder aufwendiges Rangieren nötig wird (siehe Tabelle 2-1, Teil 5, Ordner 5.5, 5.14). In dieser Zone liegen auch die Filterschächte für die Dachentwässerung von ca. 1,5 m Durchmesser, die ebenfalls von Reinigungsfahrzeugen angefahren werden müssen. Die Fahr- und Aufstellflächen für die Reinigungsfahrzeuge müssen versiegelt sein, und der Unterbau muss nach derzeitigem Informationsstand im Regelfall eine Traglast von max. 18 t aufweisen.
Situation Standard Flächenbedarf Funktionen Gerüstaufstellflächen für Wartung und Reparatur an den Fassaden Wartung und Reinigung der Fassaden, Fenster mit hauseigener oder angemieteter Teleskoparbeitsbühne Einzeldaten Aufstellbreite an der Fassade: 1,5 m Aufstellfläche: Abstand min. 3 m bis max. 8 m (ab Achse der Teleskoparbeitsbühne zu Fassade) Fahrwegbreite: ca.2,5 m Aufstellbreite: ca. 4,5 m Gewicht: 15 t Aufstellfläche: Gesamtbreite 6 m Nordöstlicher Abschnitt: Breite 3 m Aufstellbreite an der Fassade: 1,5 m Aufstellfläche: Abstand min. 6,2 m bis max. 20 m (Abstand Achse LKW Hubsteiger zu Fassade) Fahrwegbreite: ca.2,5 m Gewicht: 18 t

Sondersituation Spreeufer: Standardfall + Fluchtweg

Standard (Aufstellflächen Gerüst + Teleskoparbeitsbühne) Fluchtweg (ständige Freihaltung erforderlich)

Sondersituation Schloßplatz (Nord), Aufstellfläche an den historischen Schlossterrassen

Gerüstaufstellflächen Wartung und Reinigung an den Fassaden Wartung und Reinigung der Fassaden mit angemietetem LKW Hubsteigers

Anmerkung: Die weiteren Anforderungen an Aufstellflächen (z.B. Feuerwehr, Mobile Kräne) sind dem Informationsplan Funktionen (Teil 5, Ordner 5.5) zu entnehmen.
Tab. 2-1:	 Flächen für Wartung und Reinigung am Gebäude des Humboldt-Forums

Feuerwehr An den Portalen I, II, IV und V sind jeweils eine Bewegungsfläche und am Portal III zwei Aufstellflächen für die Feuerwehr nachzuweisen. Auf der Nord- und Südseite des Humboldt-Forums wird das Gebäude senkrecht

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von der Straße aus angefahren und die Fahrzeuge ebenfalls senkrecht zum Gebäude aufgestellt. Die Abfahrt erfolgt rückwärts zur Straße. Dadurch reduziert sich in einem erheblichen Umfang der Erschließungsaufwand und die Inanspruchnahme von Flächen für das Aufstellen der Feuerwehrfahrzeuge. Die Fluchtwege im Außenraum sind eben und offen sowie von Gegenständen frei zu halten. Erforderlich wird die Installation einer Sicherheitsbeleuchtung bis hin zu den öffentlichen Verkehrsflächen, die eine Leuchtstärke von 5 Lux gemäß Verordnung Versammlungsstätten haben muss. Im Informationsplan (siehe Teil 5, Ordner 5.5, 5.14) sind alle Flächen mit Maßangaben für die Feuerwehr und Rettung dargestellt. Ausstattungen Nach einem Gestaltungswettbewerb für ein ganzheitliches Corporate Design im Humboldt-Forum ist auch im Außenraum von der Installation eines interaktiven Informationssystems im Bereich der Eingangsportale auszugehen. Es wird über aktuelle Vermittlungsangebote und Veranstaltungen wie Sonderausstellungen in Veranstaltungsbereichen, Vorträge und Aufführungen, wissenschaftliche Veranstaltungen der Humboldt-Universität, der Zentralen Landesbibliothek, Veranstaltungen der Kunstbibliothek sowie Events im Schlüterhof informiert. Einbringung großer Kunstobjekte Der Kunsttransport erfolgt über das Portal III in die Agora/Eingangshalle und von dort in das 2. Obergeschoss (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Übertragungswagen Medien Es werden für Rundfunk- und TV-Aufzeichnungen oder Live-Sendungen Stellplätze für folgende Fahrzeuge benötigt: ---3 Übertragungswagen (Ü-Wagen, Länge ca. 20 m, Breite ca. 6 m, Gewicht bis zu 40 t), 1 Rüstwagen (Länge ca. 12 m, Breite ca. 2,5 m), 1 Satellitenwagen (Länge ca. 7 m, Breite ca. 2,5 m, freie Sicht Richtung Süden für Satelliten-Uplink).

Die großen Ü-Wagen besitzen ausziehbare Balkone und seitliche Treppen, sodass die Ü-Wagen im Betrieb eine Breite von bis zu 6 m aufweisen. In unmittelbarer Nähe der Aufstellfläche wird je Ü-Wagen ein Drehstromanschluss (125 A) sowie ein Datenanschlusskasten benötigt. Hierzu ist zwischen der Anschlussübergabe am Gebäude bis zur Aufstellfläche der Medienfahrzeuge am Portal II ein unterirdischer Kabelkanal zu integrieren. Anschlüsse befinden sich an den Hauptverteilern im Gebäude als geplante Abgänge für den Außenbereich (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Mediale Versorgung im Außenraum Auf jeder Seite des Platzes sollte für den Außenraum ein Anschluss für die Strom- und Wasserversorgung vorgesehen werden. Die Standorte sind frei wählbar und abhängig von der Gestaltung und Nutzung des jeweiligen Platzbereiches.

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Aufstellflächen LKW Zur Sicherstellung von Veranstaltungen sind im Bereich der Agora (Portal III) wie auch im Bereich des Schlüterhofs (Portal I und IV) temporäre Aufstellflächen für LKWs vorzusehen, über die Materialanlieferungen erfolgen können. Die Positionen sollen in unmittelbarer Nähe zu den Zugängen liegen. Im Bereich der Anlieferung im südöstlichen Gebäudeabschnitt ist eine weitere Aufstellfläche für Anlieferfahrzeuge als Ausweichstelle wegen der Einspurigkeit vorzusehen (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Zufahrten zum Untergeschoss und Stellplätze Für die Anlieferung im Untergeschoss befindet sich die Zufahrtsrampe im südöstlichen Abschnitt des Gebäudes am Schloßplatz (Süd). Für die in Variante I vorzusehende unterirdische Stellplatzanlage für mobilitätseingeschränkte Besucher muss der PKW-Lift im nordöstlichen Abschnitt, Schloßplatz (Nord), angefahren werden können (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Vorfahrten zu den Portalen Für prominente Gäste des Humboldt-Forums müssen bei Veranstaltungen, Tagungen und anderen besonderen Ereignissen Möglichkeiten der Vorfahrt am Portal I zum Schlüterhof und am Portal III zur Agora gegeben sein. Das Portal I soll nur temporär mit einer Sondergenehmigung angefahren werden können, das Portal III erhält eine dauerhaft ausgewiesene Vorfahrt(siehe Teil 5, Ordner 5.5). Nutzung Erdwärme Auf den Grundstücksflächen der Stiftung „Berliner Schloss – Humboldtforum“ ist eine Geothermienutzung im Bereich Schloßplatz (Nord) vorgesehen. Die Erdwärmesonden gehen voraussichtlich unter dem Boden der Palastwanne in die Tiefe. Die Lage des notwendigen Revisionsschachtes ist derzeitig nicht bekannt.

2.8	
2.8.1.	

Straßen und Verkehr
Bestandsanalyse

Straßen Am Schloßplatz (Nord) verlaufen die Bundesstraßen B 2 und B 5 als großräumige Straßenverbindung (Verbindungsfunktionsstufe 1, Stadtentwicklungsplan Verkehr Berlin) mit einer Verkehrsbelastung von etwa 32.300 Fahrzeugen pro Werktag (Daten aus Stadtentwicklungsplan Verkehr 2025, SenStadt, Abt. VII, März 2011 und Straßenverkehrszählung 2009). Der Straßenzug Werderscher Markt – Schloßplatz (Süd) – Breite Straße ist als örtliche Straßenverbindung (Verbindungsfunktionsstufe III) eingestuft. Das Verkehrsaufkommen beträgt im westlichen Abschnitt 10.700 Fahrzeuge, in der Breiten Straße 9.200 Fahrzeuge. Der östliche Abschnitt zur Rathausbrücke gehört zum Nebenstraßennetz. Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) Auf dem Schloßplatz (Nord) verkehren die BVG-Buslinien TXL, 100, 200 und N 2. Südlich des Humboldt-Forums verkehren auf der Breiten Straße und am Schloßplatz (Süd) die Buslinie 147 und auf dem Mühlendamm bzw.

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der Gertraudenstraße die Buslinien M 48, 248, 265 und N 42. Außerdem sind die S-Bahnhöfe Hackescher Markt und Alexanderplatz fußläufig erreichbar, und an den Haltestellen Am Kupfergraben, Hackescher Markt, Alexanderplatz / Gontardstraße und Spandauer Straße / Marienkirche kann die Straßenbahn genutzt werden.

Abb. 2-57:	

Kfz-Verkehrsaufkommen 2009, DTV werktags

Abb. 2-58:	

Linienverläufe und Haltestellen des ÖPNV

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Fußgänger Der Fußgängerverkehr hat im Bereich des Schloßplatzes und insbesondere im Umfeld Museumsinsel / Lustgarten schon heute eine große Bedeutung. Die Fußgängerquerungen wurden im Auftrag der Verkehrslenkung Berlin am Schloßplatz (Nord) – differenziert nach der Laufrichtung der Fußgänger (nach Norden oder Süden) – erfasst (März 2009). Demnach queren zwischen 7:00 und 19:00 Uhr im westlichen Abschnitt zwischen der Schloßbrücke und Am Lustgarten sechsmal so viele Fußgänger (2.034) die Straße wie im östlichen Bereich zwischen Am Lustgarten und der Liebknechtbrücke (347). Hier befindet sich westlich der Einmündung der Straße Am Lustgarten eine lichtsignalgeregelte Fußgängerquerung (LSA), die von der Mehrzahl der Fußgänger auch benutzt wird. In den Bereichen abseits der Fußgänger-LSA ist die Querung der Fahrbahn des Schloßplatzes (Nord) aufgrund der dortigen Verkehrsbelastungen und der zu querenden Fahrbahnbreite kaum möglich. Dennoch können auch dort immer wieder Fußgängerquerungen beobachtet werden. Da zwischen den Richtungsfahrstreifen kaum Aufstellflächen vorhanden sind, stellt dies ein Sicherheitsproblem dar. Radfahrer Vom Schlossareal führen sternförmig zwölf Fahrradrouten vom Zentrum der Stadt in die Außenbezirke; acht Tangentialrouten verknüpfen die radialen Routen. Zusätzlich führen drei überregionale Radfernwege durch das Berliner Zentrum (Europaradweg R 1, Radfernwege Berlin–Kopenhagen und Berlin–Usedom). Am Schloßplatz (Nord) wird der Radverkehr auf dem Bussonderfahrstreifen bzw. auf der Nordseite im Abschnitt von Liebknechtbrücke bis Am Lustgarten auf einem Radweg geführt. Am Schloßplatz (Süd) und in der Breiten Straße sind beidseitig Radfahrstreifen markiert. Die Verbindung dieser Straßen für den Radverkehr erfolgt derzeit über die Straße westlich des Spreekanals am Schinkelplatz, da durch verschiedene Baumaßnahmen die unmittelbare Wegeverbindung Schloßplatz (West) gestört ist. Bei einer Radverkehrszählung aus dem Jahr 2008 sind zwischen Liebknechtbrücke und Schloßbrücke in der Zeit von 7:00 bis 19:00 Uhr 3.500 Radfahrer gezählt worden (12-Stunden-Wert). Im Bereich der Straße Schloßplatz (Süd) hat eine Radverkehrszählung im Jahr 2009 einen 12-Stunden-Wert von ca. 1.300 Fahrradfahrern westlich der Breiten Straße und ca. 1.100 Fahrradfahrern östlich der Breiten Straße ergeben. Beleuchtung

Neu ist die Straßenbeleuchtung Unter den Linden, ein Nachbau des SchupmannKandelabers. Ab 1998 wurden diese Nachgüsse aufgestellt. Alle anderen Straßenbeleuchtungen sind zum Teil erneuerungsbedürftig, unterschiedlichen Typs und/ oder als provisorisch zu betrachten.

Abb. 2-59:	

Schupmann-Kandelaber Unter den Linden

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2.8.2.	

Zukünftige Veränderungen

Die vorliegenden Verkehrsplanungen sehen vor, dass der nördlich des Humboldt-Forums verlaufende Straßenzug Unter den Linden – Schloßplatz (Nord) und der südlich verlaufende Straßenzug Werderscher Markt – Schloßplatz (Süd) – Breite Straße als Hauptverkehrsstraßen erhalten bleiben. Auf diesen Straßen verläuft auch der öffentliche Linienbusverkehr. Nördlicher und südlicher Straßenzug werden auch weiterhin mit Radverkehrsanlagen ausgestattet sein. Für die Straßenabschnitte unmittelbar im Bereich des Humboldt-Forums ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h vorgesehen. Nach dem Stadtentwicklungsplan Verkehr Berlin (StEP) werden der nördliche und südliche Straßenzug künftig jedoch nur noch die Funktion einer örtlichen Straßenverbindung wahrnehmen. Der Abschnitt des südlichen Straßenzuges zwischen Breiter Straße und Rathausbrücke und der westlich liegende Bereich auf der ehemaligen Schloßfreiheit - Schloßplatz (West) - gehören zum Nebenstraßennetz und besitzen nur eine nachgeordnete Erschließungsfunktion. Die U-Bahn-Linie 5 stellt mittelfristig eine direkte Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Regierungsviertel über die Museumsinsel bis zum Alexanderplatz her. Das Umfeld des Humboldt-Forums wird durch zwei U-Bahnausgänge und einen Aufzug angeschlossen sein (siehe Teil 5, Ordner 5.11). Durch die touristische Attraktivität des Humboldt-Forums,, besonders in Verbindung mit der Museumsinsel, werden sich Fußgänger- wie Fahrradverkehr grundsätzlich verstärken. Zwischen den Eingängen des Gebäudes, den Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs und den Straßenübergängen werden neue Wegebeziehungen entstehen. Unter Berücksichtigung der baulichen Entwicklung des HumboldtForums und seines Umfeldes wurde im März 2009 im Rahmen einer Verkehrsuntersuchung zum Bebauungsplan I-219 eine Prognose zum erwarteten Verkehrsaufkommen aufgestellt. Diese wurde im laufenden Planungsprozess (Januar 2010) modifiziert und die Bedarfseinrichtung planerisch festgelegt. Fußgänger Der Lustgarten und die angrenzende Museumslandschaft werden von Fußgängern noch stärker als bisher frequentiert werden, ebenso der Bereich Schloßplatz (Süd) mit den publikumswirksamen Einrichtungen Marstall und ehemaliges Staatsratsgebäude; eine Zunahme des Publikumsverkehrs wird sich außerdem durch eine weitere bauliche Verdichtung in den Nachbarquartieren ergeben. Allein für die Museen auf der Museumsinsel und den Dom werden jährlich mehr als vier Millionen Besucher erwartet, hinzu kommen touristische Stadtbesucher. Zu erwarten ist, dass die Dichte der Fußgängerströme insgesamt zunehmen wird, zumal mit der Fertigstellung der U-Bahn-Linie 5 eine direkte Anbindung vom Hauptbahnhof zur Museumsinsel geschaffen wird. Die heute noch diffus auf das Gebiet einströmenden Besucher wer-

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den dann das neue U-Bahn-Angebot annehmen, und die Fußgängerströme werden sich auf die neuen U-Bahn-Ausgänge konzentrieren. Darüber hinaus sind weitere Spitzenbelastungen zu besonderen Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt und andere Open-Air-Veranstaltungen auf der Museumsinsel und am Humboldt-Forum zu erwarten. Fahrräder Der Fahrradverkehr zeigt weiterhin steigende Tendenz. Immer mehr Besucher der Stadt machen von dem Angebot des Fahrradverleihs Gebrauch; Touristen erkunden auch in Gruppen zunehmend die Stadt mit dem Fahrrad. Ebenso nimmt bei den Studierenden der benachbarten Humboldt-Universität und der Hochschule für Musik im Marstall die Teilnahme am Fahrradverkehr zu. Nördlich des Humboldt-Forums wird der Radverkehr auf dem Bussonderfahrstreifen geführt, südlich des Humboldt-Forums gibt es dagegen gesonderte Radfahrstreifen. Der Bereich Schloßplatz (West) ist als Mischverkehrsfläche ohne separate Radfahrstreifen vorgesehen. Nach aktuellem Stand sind für Besucher und Mitarbeiter des HumboldtForums 399 Fahrrad-Stellplätze im Umfeld des Humboldt-Forums anzuordnen, davon können die Räder der Mitarbeiter (70 Stellplätze) im Untergeschoss des Forums untergebracht werden; insgesamt sind 329 Stellplätze im Umfeld einzurichten. Reisebusse Die Haltebereiche der Reisebusse sind südlich des Humboldt-Forums – speziell im östlichen Abschnitt des Schloßplatzes (Süd) – mit vier verbindlichen Haltepositionen nördlich und südlich der Straße vorgegeben. In der Spitzenstunde (vormittags, zwischen 11 und 12 Uhr) fahren ungefähr 20 Busse die Haltestellen an bzw. ab. Mehr als die Hälfte davon sind ZweiachsBusse mit einer Länge von 12 m und ca. ein Drittel sind 15-Meter-Busse. Der eine Teil der anfahrenden Reisebusse kommt von der Straße Unter den Linden über die Spandauer Straße/ Rathausstraße zum Schloßplatz (Süd) und der andere Teil hauptsächlich von der Leipziger Straße über die Breite Straße. Eine unmittelbare Zufahrt zu den Haltepositionen der Reisebusse aus Richtung Werderscher Markt ist nicht möglich. Die Haltebereiche sind verbindlich festgelegt und mit den vorgesehenen Positionen in den Entwurf zu integrieren. An den Haltebereichen auf der Seite des Humboldt-Forums ist ein 4 m breiter Laufstreifen in Verlängerung der Rathausbrücke zu berücksichtigen (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Taxis Die Prognose zum Verkehrsaufkommen des Humboldt-Forums hat ca. 75 Taxifahrten zur Anfahrt und 75 Taxifahrten zur Abfahrt von Fahrgästen pro Tag ergeben. In den Spitzenstunden wird das Humboldt-Forum von ca. 50 Taxis angefahren. Für den Taxiverkehr ist derzeit die Ausweisung von drei Halteplätzen im Bereich Schloßplatz (West) vorgesehen. In Spitzenzeiten soll über ein installiertes Rufsystem die Bedarfsdeckung gesteuert werden (siehe Teil 5, Ordner 5.5).

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Stadtrundfahrtbusse Im Bereich Schloßplatz (West) sind zwei Halteplätze für die kurzzeitig haltenden Stadtrundfahrtbusse vorgesehen (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Stellplätze für mobilitätseingeschränkte Besucher Für die Errichtung von Stellplätzen für den ruhenden Verkehr mobilitätseingeschränkter Besucher ist zwischen zwei Varianten zu entscheiden: Für eine Variante unterirdisch in einer Tiefgarage mit separaten PKW- und Personenliften und getrennter Zu- und Abfahrt auf dem Schloßplatz (Nord) oder für eine Variante oberirdisch auf den Flächen der Liegenschaft der Stiftung „Berliner Schloss – Humboldtforum“ oder in den angrenzenden öffentlichen Bereichen. Insgesamt sind 22 Stellplätze einzurichten (siehe Teil 3 und Teil 5, Ordner 5.9 Entwurf der unterirdischen Stellplatzanlage, Büro HL, 2012). Für die Unterbringung des ruhenden Verkehrs als unterirdische Anlage liegt ein Testentwurf (Büro Hoffmann Leichter) vor. Diese Planung ist einschließlich aller Nebeneinrichtungen, Lifte, Luftschacht zu berücksichtigen. Für die Variante der oberirdischen Anlagen der Stellplätze wird eine Anordnung favorisiert, die im Einklang mit den anderen freiraumplanerischen Belangen steht. Im Rahmen der Erstellung des Bebauungsplanes I 219 und der weitergehenden Genehmigungsplanung haben sich die Vertreter der Behindertenverbände für oberirdische Stellplätze ausgesprochen. Die Flächen südlich der Straße des Schloßplatzes (Süd) stehen für diese Nutzung jedoch nicht zur Verfügung. Anlieferung, Ver- und Entsorgungsverkehr Die Zufahrt für die Anlieferung erfolgt im östlichen Abschnitt Schloßplatz (Süd). Im Durchschnitt ist täglich mit 50 bis 100 An- und Abfahrten (25 bis 50 Fahrzeuge) von LKWs bis Kleintransportern zu rechnen. An besonderen Veranstaltungstagen im Humboldt-Forum kann sich die Anzahl verdoppeln (siehe Teil 5, Ordner 5.5).

2.8.3.	

Verkehrsplanerische Vorgaben im Wettbewerbsgebiet

Entsprechend der mit dem Humboldt-Forum verbundenen verkehrlichen Entwicklung sind die nachfolgenden planerischen Vorgaben zu berücksichtigen: Schloßplatz (Nord) Obwohl zurzeit noch keine verbindliche Straßenplanung vorliegt, ist davon auszugehen, dass das vorhandene Straßenraumprofil erhalten bleibt, ebenso wie der Bussonderfahrstreifen mit Radverkehrsführung. Es ist die Ausweisung einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h vorgesehen. Die Überquerbarkeit der Straße am Schloßplatz (Nord) soll zur Sicherung der Fußwegebeziehung zwischen dem Humboldt-Forum und der Museumsinsel verbessert werden. Am Lustgarten ist daher die Einrichtung einer zusätzlichen Fußgänger-Lichtsignalanlage westlich der Einmündung der Straße am Schloßplatz (West) geplant. Darüber hinaus soll der Bereich zwischen den

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Lichtsignalanlagen als Querungsbereich für Fußgänger auch baulich durch eine Aufpflasterung hervorgehoben werden (Länge ca.115 m). Durch eine entsprechende Lichtsignalsteuerung soll dieser Querungsbereich zeitweise von Kraftfahrzeugen weitestgehend freigehalten werden. Schloßplatz (Süd): Abschnitt Werderscher Markt – Breite Straße Der Straßenzug Werderscher Markt – Schloßplatz (Süd) – Breite Straße bleibt eine örtliche Straßenverbindung mit einer Geschwindigkeitsausweisung von max. 30 km/h. Als Querungshilfe für den Fußgängerverkehr ist ein mindestens 2,5 m breiter Mittelstreifen von der Kurve Schloßplatz (West) bis zum Knoten Breite Straße geplant. Am Knotenpunkt Schloßplatz (Süd) – Breite Straße wird der Hauptverkehr als Rechtseinbieger in die Breite Straße geführt, der Geradeausverkehr Richtung Rathausbrücke ist für den Kfz-Verkehr nicht erlaubt. Lediglich für den Radverkehr ist diese Verkehrsbeziehung zugelassen. An der Einmündung Breite Straße / Schloßplatz (Süd) ist eine Lichtsignalanlage vorgesehen. Angeordnet sind in diesem Abschnitt auch BVG-Linienbushaltestellen. In Höhe der Linienbus-Haltestelle ist eine Linksabbiegespur für Reisebusse vorgesehen. Die Haltestellen sind gemäß der Musterhaltestelle der BVG (siehe Teil 5, Ordner 5.14) auszubauen. Der Straßenabschnitt befindet sich momentan im Bau und wird im Herbst 2012 fertig gestellt sein.

Abb. 2-60:	

Straßenplanung Schloßplatz (Süd)

Schloßplatz (Süd): Abschnitt Breite Straße–Rathausstraße Die Fahrbahn wird ohne Anlage eines Mittelstreifens gemäß der Fahrbahn auf der Rathausbrücke ausgebaut. Das Linksabbiegen in die Breite Straße ist erlaubt. Die Standorte der Reisebushaltestellen sind zu berücksichtigen. Zur Wiedereröffnung der Rathausbrücke in 2012 wird dieser Straßenabschnitt fertig gestellt sein.

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Schloßplatz (West): Ehemalige Schloßfreiheit Der Schloßplatz (West) soll aufgrund der untergeordneten Funktion als verkehrsberuhigter Bereich gemäß § 325 Straßenverkehrsordnung (STVO) ausgewiesen werden. Die Nutzung durch den motorisierten Individualverkehr (MIV) soll weitestgehend unterbunden werden. Die Verbindung wird hauptsächlich von Taxis, Stadtrundfahrtbussen, mobilitätseingeschränkten PKWNutzern, Fußgängern und Radfahren genutzt. Aus bzw. in Richtung Norden soll die Anbindung nur mit den Fahrbeziehungen Rechtseinbiegen und –abbiegen über den Schloßplatz (Nord) erfolgen. Im Süden soll die Ein- und Ausfahrtrichtung nicht vorgegeben werden. Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) Die ÖPNV-Erschließung des Humboldt-Forums wird aufgrund der dort unmittelbar verkehrenden Buslinien und der fußläufig erreichbaren Haltestellen der S-Bahn und der im Bau befindlichen U-Bahn sehr gut sein. Durch die feststehende Lage der Haltestellen sind die fußläufigen Wegebeziehungen zum Humboldt-Forum und zur Museumsinsel fixiert. Im August 2009 wurde der erste Abschnitt der U-Bahn-Linie U 5 vom Berliner Hauptbahnhof bis zum Brandenburger Tor eröffnet. Seit 2010 erfolgt der Weiterbau dieser U-Bahn-Linie bis zum Alexanderplatz. Geplant ist die Anbindung des Humboldt-Forums ab 2017 mit zwei Ausgängen und einem Aufzug (siehe Teil 5, Ordner 5.11).

Abb. 2-61:	

U-Bahn-Linie 5, Neubau

Im Wettbewerbsgebiet verläuft die U-Bahn-Linie diagonal unterhalb des Schlossareals, d.h. zwischen Schloßbrücke und Rathausbrücke. Im Zuge der Baufreimachung zum Bau des Humboldt-Forums wird die bauliche Anlage der U-Bahn unterhalb des Humboldt-Forums errichtet. Die künftigen Ausgänge der U-Bahn zum Humboldt-Forum liegen im Bereich Schloßplatz

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(West), der ehemaligen Schloßfreiheit, in unmittelbarer Nähe zum Portal III und auf der nordwestlichen Seite des Humboldt-Forums (Portal IV) gegenüber dem Lustgarten. Für die architektonische Gestaltung des U-Bahnhofes „Museumsinsel“ hat das Architekturbüro Max Dudler im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens (2008) den Zuschlag erhalten. Zentrales Entwurfsthema ist aufgrund des Fehlens von natürlichem Licht „die ewige Nacht“. Der Bahnsteigraum ist in Anlehnung an das historische Bühnenbild der „Zauberflöte“ (Mozart) von Karl Friedrich Schinkel aus dem Jahr 1816 in einem leuchtenden Blau gehalten. Die Gestaltung des Bahnhofes einschließlich seiner Ausgänge ist vor allem durch die Wirkung der verwendeten, zurückhaltenden Materialien und deren Ausleuchtung geprägt. Der gewölbte Raum bildet durch die freie Anordnung von Lichtern an der Decke einen Sternenhimmel – einen „Himmel unter Berlin“ (in Anlehnung an Wim Wenders‘ Film „Der Himmel über Berlin“ von 1987).

Abb. 2-62:	

U-Bahn-Linie 5, Oberirdisches Gebäude

Motorisierter Individualverkehr (MIV) Auf den umliegenden Straßen ist auch zukünftig mit dem gleichen Aufkommen des motorisierten Individualverkehrs zu rechnen. Für die unmittelbare Erschließung des Humboldt-Forums soll der MIV eine untergeordnete Rolle spielen, da das Areal sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. Für den ruhenden Verkehr sind im Bereich des HumboldtForums keine Stellplätze vorgesehen. In der direkten Umgebung des Schlossareals sind ca. 100 bewirtschaftete Stellplätze vorhanden. Dieses Gebiet und das nähere Umfeld liegen in Parkraumbewirtschaftungszonen. Weitere öffentlich zugängliche Parkplätze stehen zielnah in den umliegenden Parkhäusern und Tiefgaragen zur Verfügung.

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Abb. 2-63:	

Parkraumangebot

Grundstückserschließungen im Umfeld des Humboldt-Forums Im Umfeld des Humboldt-Forums sind an den benachbarten Gebäuden die Grundstückserschließungen für die Ver- und Entsorgung sowie die Feuerwehr zu sichern. Beleuchtung Für die Beleuchtung der öffentlichen Räume der Stadt ist ein Handbuch „Stadtbild Berlin Lichtkonzept“ erarbeitet worden. Dem Lichtkonzept vorangestellt sind die „Ausführungsvorschriften Öffentliche Beleuchtung“, welche die lichttechnischen Kriterien definieren. Das Lichtkonzept enthält die notwendigen Vorschriften für die öffentliche Beleuchtung der Berliner Straßen mit den verbindlichen technischen Parametern, den Grundsätzen zu ökologischen sowie raum- und objektbezogenen Aspekten bei der Anwendung des Konzeptes. Im Rahmen des Lichtkonzeptes soll der Schloßplatz ein Ort mit einer besonderen Lichtbedeutung sein und eine ortsspezifische, ganzheitlich abgestimmte Lichtkonzeption erhalten. Deshalb ist für die Fassaden des Humboldt-Forums eine Lichtinszenierung der Portale geplant. Darüber hinaus werden der Dom, der Marstall und der Hochschulstandort im ehemaligen Staatsratsgebäude (ESMT) angestrahlt sein. Bei der Fertigstellung des Freiheits- und Einheitsdenkmals ist ebenfalls von einer Anstrahlung auszugehen. Die zukünftige Lichtkonzeption für diesen Ort wird alle Lichtkomponenten, die bisher noch nicht genau berechenbar sind, einfließen lassen. Die Entwicklung eines Lichtkonzeptes ist nicht Gegenstand der Aufgabenstellung dieses Wettbewerbs, sondern eines gesonderten, gemeinsam mit dem Humboldt-Forum vorgesehenen Verfahrens.

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2.9	

Umweltbedingungen und technische Vorgaben

Untergrundbeschaffenheit Das Wettbewerbsgebiet liegt in einem jungeiszeitlichen Urstromtal. Den Schichtenaufbau bilden tiefgründige Ablagerungen in Form von Schmelzwassersanden unterschiedlicher Korngrößen sowie sandige, tonige und humose Bindungen in Form von Torf, Faulschlamm und Sand. Die Topografie wird durch die Lage im weitgehend ebenen Spreetal bestimmt, das durch die Hochflächen der Grundmoränenplatte des Barnim im Norden und des Teltow im Süden begrenzt wird. Das Grundwasser im Wettbewerbsgebiet steht sehr hoch, etwa 3 bis 4 m unter dem heutigen Straßenniveau. Es ist zu erwarten, dass der Untergrund des ehemaligen Schlossareals mit Trümmerschutt aufgefüllt worden ist. Palastwanne Die schwarz gedichtete, ca. 6 m tiefe Wannenkonstruktion bleibt zu drei Seiten hin zum größten Teil erhalten. Nach dem Rückbau des Palastes wurde die Bodenwanne mit Sand aufgefüllt. Das Gelände innerhalb der Palastwanne fällt zur Spree hin gleichmäßig ab. Die Wände nach Norden und Süden sind heute im Rahmen der temporären Begrünung freigelegt. Die Wand zur Spree ist bis auf Gehwegniveau abgerissen. Die OK-Wand liegt im Schnitt bei 37 m ü. NHN (37,11 bis 36,52 m ü. NHN). Die mit Sand verfüllte Palastwanne gewährleistet bis zur Errichtung des HumboldtForums die Lagestabilität des Erdreichs und übernimmt für das HumboldtForum die Funktion der Auftriebssicherung und darf deshalb nicht verändert werden (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Die Palastwanne ist derzeit ein Trogbauwerk mit einer Auflast durch Sandauffüllung. Aufgrund des wasserdichten Troges wurde eine Wasserhaltung installiert. Für die Flachgründung des Humboldt-Forums wird ein wasserdichter Baugrubenverbau benötigt, welcher die Palastwanne im Bauzustand übernimmt. Die Flachgründung wird in Teilabschnitten hergestellt, sodass eine Auftriebssicherheit der wasserdichten Palastwanne gewährleistet ist. Um keine dauerhafte Wasserhaltung in der Palastwanne unterhalten zu müssen, wird die Sohle der Palastwanne durchbohrt, um den Wasserstand innerhalb und außerhalb der Palastwanne zu verbinden. Der Wasserstand innerhalb der Palastwanne entspricht dann dem Grundwasserstand (siehe Teil 5, Ordner 5.12). Spreeuferbefestigung Die Uferbefestigung der Spree besteht aus einer Spundwand mit einem überkragenden Betonteil, die in einem Abstand von 2 m vor der 6 m tief eingebundenen Betonwannenwand des ehemaligen Palastes der Republik liegt und mit dieser durch Anker fest verbunden ist. Die vorhandene Konstruktion der Uferbefestigung entstand im Zusammenhang mit dem Bau des Palastes der Republik zwischen 1973 und 1975 und stellt nicht die historisch vorhandene Uferwand dar. Es erfolgte vielmehr eine Verlegung der Uferlinie. So schwenkt die Uferlinie im Bereich der Rathausbrücke um ca. 9 m in die Spree, im Bereich der Liebknechtbrücke entspricht sie jedoch dem historischen Verlauf.

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Die jetzige Uferwand gliedert sich in eine Uferwand und einen Steg. Die Spundwand wurde 1973 niedergebracht und diente zuerst als Baugrubenverbau für den Tiefbauteil des Palastes der Republik. Geschützt wurde die Wand durch ein Leitwerk aus Holz. Über den Kopf der Spundwand wurde ein Stahlbetonholm gesetzt. Da die Spundwand wasserdicht sein sollte, wurde der Bereich zwischen der Palastaußenwand und der Spundwand ausbetoniert. An der Liebknechtbrücke beginnend liegt die Spundwand (Larssen V) auf einer Länge von 53,80 m unmittelbar an der Spree, mit einem Stahlbetonholm abgedeckt und mit Granitplatten verblendet. Daran schließt ein Verschwenkungsbereich auf einer Länge von 18,70 m an, d.h. ein Übergang von der wasserseitigen Spundwand zur wasserseitig liegenden Pfahlreihe mit einem Abstand von 3 m zwischen den Pfählen (zusammengeschweißte Larssen-Paare LP V).Im Anschluss an die Verschwenkung folgt eine Stegkonstruktion aus den zusammengeschweißten Larssen-Paaren (LP). Das statische System des Stegs besteht aus einer landseitigen Spundwand, den LP Pfählen, dem darüber hergestellten Längsholm und den Querriegeln. Die mit der Spundwand verbundene Steganlage zwischen der Rathausbrücke und der Mitte des Areals ist sanierungsbedürftig. Die Wand der innen liegenden Palastwanne ist zur Spree bis unter das Gehwegniveau (32,10 m ü. NHN) abgerissen. Die Uferlinie ist verbindlich und damit einzuhalten. Die unmittelbare Uferzone ist zugunsten des Wasser- und Schifffahrtsamtes mit einem Fahrrecht belastet (siehe Nebenzeichnung 2 im B-Plan I-219 sowie Punkt 10 der textlichen Festsetzungen, siehe Teil 5, Ordner 5.8).Der Hochwasserstand der Spree beträgt 31,15 m ü. NHN. Nach dem vorliegenden Gutachten des Ingenieurbüros B.A.C. ist sowohl eine Sanierung als auch ein Neubau des Ufers möglich. Bei einer Sanierung bleibt die bestehende Höhe des Ufers erhalten. Im Rahmen von funktionalen Testentwürfen wurde die Machbarkeit der Überwindung des Höhenunterschiedes durch das Büro Rose Fisch Landschaftsarchitektur geprüft. Diese Testentwürfe, die einen barrierefreien Zugang zum Spreeufer aufzeigen sollten, haben unterschiedliche Lösungsansätze – von einer schlichten Rampenführung, die Terrasse und Plätze mit dem Ufer verbinden bis zu einer Raumfolge aus Rampen, Treppen und Plätzen mit einer starken architektonischen Note – aufgezeigt und neue Erlebnisräume in der städtischen Spreelandschaft hergestellt. Durch das Kombinieren und Verschneiden von Rampen und Treppen entstehen bei dieser Variante auf Zwischenebenen kleine Plätze zum Verweilen, steinern oder als Bauminseln. Der neue Ort am Spreeufer kann zugleich Stadtbühne und Logenplatz für den spreeübergreifenden Raum sein und eine räumliche Beziehung zum gegenüberliegenden Rathausforum herstellen. Fernwärmetunnel Der Fernwärmetunnel verläuft über den östlichen Abschnitt des Schloßplatzes (Süd) an der Rathausbrücke (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Der Fernwärmeschacht liegt bei DO 36,86 m ü. NHN. Die Fernwärmeleitung hat in diesem Abschnitt nur eine geringe Überdeckung.

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Marstall-Tunnel Der Marstall-Tunnel diente als Versorgungstunnel zwischen dem ehemaligen Palast der Republik und dem Marstall-Gebäude. Der vorhandene Tunnelabschnitt ist zurzeit nicht in Benutzung (siehe Teil 5, Ordner 5.5) und endet an der Palastwanne. Die OK des Tunnels liegt bei ca. 34,74 m ü. NHN. Die Verlängerung des Tunnels bis zum Gebäude des Humboldt-Forums ist geplant, d.h. die Option einer Wiederbelebung des Tunnels zur Versorgung des Humboldt-Forums soll möglich bleiben. Altlasten und Bodenbelastungen Nach Aussagen des Bezirksamtes Mitte, Amt für Umwelt und Natur ist der Bereich nicht im Bodenbelastungskataster des Landes Berlin registriert. Erfahrungsgemäß ist der Untergrund mit Bau- und Trümmerschutt durchsetzt. So wird nach vorliegenden Untersuchungen auch von bauschuttdurchsetztem Boden mit den Zuordnungsklassen Z1 und Z2 ausgegangen; es können in Teilbereichen auch Werte über Z2 anzutreffen sein. Da die Platzflächen überwiegend versiegelt werden, ist von einem Kontakt mit belastetem Material nicht auszugehen. Z1-Böden können für nicht abgedichtete Flächen unter günstigen hydrogeologischen Voraussetzungen noch eingesetzt werden. Für Grünflächen sind die Vorsorgewerte der Bundes-Bodenschutzverordnung (BBodSchV) gemäß Anhang 2, Nr. 4.1 und 4.2 für den Tiefenbereich 0-35 m einzuhalten. Zusätzliche Anforderungen für weitere Stoffe gemäß der „Technischen Regel Boden“ sind zu beachten. Für die Versickerung von Niederschlagswasser außerhalb der Palastwanne ist demnach ein Bodenaustausch vorzunehmen. Bei der Versickerung ist der Kontakt zu kontaminiertem Boden zu vermeiden. Niederschlagswasserentsorgung Das gering verschmutzte Niederschlagswasser der Dachflächen des HumboldtForums soll über Filterschächte in das neu zu errichtende Einleitbauwerk auf der Ostseite des Gebäudes in die Spree eingeleitet werden. Die Filterschicht in den Schächten muss ca. alle 8-10 Jahre ausgetauscht werden. Das Filtermaterial (Filtergranulat) wird mittels eines herkömmlichen Saugwagens, wie er auch bei Kanalreinigungen verwendet wird, abgesaugt. Der Wagen sollte so dicht wie möglich an den Schacht heranfahren können. Das überschüssige Niederschlagwasser kann dem Entwässerungssystem des Humboldt-Forums zugeführt werden. Grundsätzlich stehen in Berlin Bemühungen im Vordergrund, das anfallende Regenwasser auf dem jeweiligen Grundstück versickern zu lassen. Daher sollten Oberflächenmaterialien gewählt werden, die in Abhängigkeit von den auf den Flächen stattfindenden Nutzungen eine Versickerung zulassen (siehe Teil 5, Ordner 5.12). Grundwasser Der Grundwasserstand liegt im Durchschnitt bei 31,00 m ü. NHN. Belichtung und Klima Mit dem neuen Gebäudekörper des Humboldt-Forums werden nördlich liegende Teilflächen am Gebäude einen hohen Schattenanteil haben, während die Flächen im Süden stark besonnt sein werden. Die östliche Seite erhält eine unverstellte Sonneneinstrahlung am Morgen und die westliche Seite dementsprechend am Abend.

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Das Klima in Berlin ist gekennzeichnet durch ein trockenwarmes (Sommer) und trockenkaltes (Winter) kontinentales Klima mit geringen Niederschlägen zwischen 530 und 600 mm/Jahr. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 9°C, die Tiefst- bzw. Höchstwerte liegen bei -26°C bzw. +37,8°C Lufttemperatur. Die Hauptwindrichtung ist westlich, aber auch trockene Ost- und Südwinde treten auf. Im näheren Umfeld des Schlossareals befinden sich einige Grün-, Frei- und Wasserflächen, die von hoher stadtklimatischer Bedeutung sind und die bioklimatische Belastung des Wettbewerbsgebietes positiv beeinflussen. Sie versorgen die umliegenden Gebiete mit Kaltluft und stellen somit bioklimatische Ausgleichsgebiete dar. Lärm Der Berliner Umweltatlas zeigt bei der Untersuchung des Kfz-und Straßenbahnverkehrslärms im übergeordneten Straßennetz gegenwärtig einen deutlichen Unterschied zwischen der Nord- und der Südseite des Areals. Auf der Nordseite wurden >70-75 db (A) am Tag zwischen 6-22 Uhr gemessen, auf der Südseite <55 db (A). Die Herabstufung der Straße Schloßplatz (Nord) zur örtlichen Straßenverbindung und eine Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit wird die Lärmbelastung vermutlich vermindern. In wieweit eine Verringerung eintreten wird, ist von den zusätzlichen Belastungen abhängig.

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Teil 3	 Wettbewerbsaufgabe 3.1	 Übergeordnete Zielsetzungen

Der Ort des ehemaligen Berliner Schlosses befindet sich in einem Prozess der politischen und geschichtlichen Transformation, von der Staatsmitte Brandenburg-Preußens über Zentrumsfunktionen der DDR zu einem internationalen Kulturstandort im wiedervereinigten Deutschland. Das HumboldtForum wird sich zusammen mit der Museumsinsel zu einem der bedeutendsten touristischen Anziehungspunkte Berlins weiter entwickeln. Der Stadtraum erhält mit dem Humboldt-Forum zudem seinen städtebaulichen Ausgangspunkt zurück. Es entsteht ein neuer urbaner öffentlicher Raum im Zentrum der bedeutenden Stadtraumfolgen wie der Straße Unter den Linden und knüpft im Süden an die Verbindung zwischen der Friedrichstadt und dem Berliner Rathaus/Alexanderplatz an. Die Gestaltung des Umfeldes als öffentlicher urbaner Raum soll die große Tradition Berliner Plätze aufnehmen und fortsetzen. Dialog Humboldt-Forum Der formulierte Anspruch an das Humboldt-Forum, „die Welt zum Teilhaber eines der vornehmsten Plätze Deutschlands zu machen und Berlin als Vermittler der Kulturen der Welt zu verstehen“ (Klaus-Dieter Lehmann, Realisierungswettbewerb Humboldt-Forum, 2008, S. 17), ist die wesentliche und einzigartige Herausforderung auch an den freiraumplanerischen Wettbewerb. Der Standort erfordert mit seiner gesellschaftspolitischen, geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung ein hohes Maß an internationaler Atmosphäre als lebendiger, urbaner, identitätsstiftender Ort im Zentrum Berlins. Mit der Weltoffenheit und Vielfalt der Aktivitäten des Humboldt-Forums soll sowohl ein nationales als auch internationales Publikum angesprochen werden. Das Haus versteht sich als Ort der Wissenschaft und Bildung, das der Kunst einen gleichberechtigten Platz einräumt, die Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken der Globalisierung nicht scheut und ein attraktives Veranstaltungszentrum bietet. Die bauliche und inhaltliche Konzeption des Humboldt-Forums bietet eine hohe Transparenz innerhalb des Forums mit seinen vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Über das Schloss-Forum verbindet sich das Innere mit dem Äußeren zu einem uneingeschränkt nutzbaren öffentlichen Raum, in dem sich Berliner und Besucher aus aller Welt begegnen können. Veranstaltungsorte des Humboldt-Forums sind u.a. die Agora und der Schlüterhof. Dialog mit den angrenzenden Stadträumen Der bau- und kunsthistorische Dialog mit den angrenzenden Stadträumen, wie -- der Straße Unter den Linden mit dem Bebelplatz (Forum Fridericianum/ Lindenforum), dem Schinkelplatz, dem Zeughaus und der neuen Kommandantur, -- der Museumslandschaft mit dem Lustgarten und dem Dom im nördlichen Teil der Spreeinsel sowie -- dem Marstall am ehemaligen Schloßplatz und -- dem Spreeufer

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wird mit dem Bau des Humboldt-Forums wieder aufgenommen und somit ein städtebauliches Kontinuum hergestellt. Von besonderer Bedeutung ist die Schaffung eines einheitlichen Ensembles der Museumslandschaft auf der nördlichen Spreeinsel zusammen mit dem Humboldt-Forum zu einem attraktiven unverwechselbaren Stadtraum. Das Humboldt-Forum stellt zudem eine Verknüpfung zum östlich liegenden Stadtraum (Marx-Engels-Forum, Rathausforum, Platz unter dem Fernsehturm) am gegenüber liegenden Ufer der Spree her. Unabhängig von seiner zukünftigen baulichen oder freiräumlichen Entwicklung wird der östlich des Gebäudes liegende Freiraum eine enge Wechselbeziehung mit diesem Stadtraum eingehen. Die konzeptionelle Grundidee ist die Wahrung der historischen, städtebaulichen Kontinuität, die Erlebbarkeit und Unverwechselbarkeit des Raumes bzw. der Räume in einer zeitgemäßen Interpretation der historischen Vorgaben. Die individuelle Gestaltung und der gemeinschaftliche Kontext, der Stadtraum und der Freiraum müssen sich wechselseitig beleben und ein Ganzes bilden (siehe Teil 2, Punkt 2.3). Charakter der Freiräume Mit dem Bau des Humboldt-Forums entsteht eine neue Raumsituation mit vier platzbildenden Freiräumen, die verschiedene Funktionen wahrnehmen müssen, deren Gestaltung aber von einem einheitlichen Leitbild geprägt sein sollte. Die vier Platzbereiche sind stadträumlich unterschiedlich geprägt und werden sich in ihren Charakteren unterscheiden. Eine einheitliche Freiraumgestaltung soll dabei die historischen Fassaden des Humboldt-Forums von Norden, Westen und Süden klammerartig umschließen. Neue Nutzungsanforderungen an das Areal sowie die Dominanz und Maßstäblichkeit des Gebäudes mit seinen historischen wie neuen Fassadenelementen müssen eine entsprechende Berücksichtigung finden. Für die Gestaltung des Ortes sind Identifikationsmerkmale zu bestimmen, die das Umfeld des Humboldt-Forums in einen öffentlichen, zeitgemäßen Freiraum verwandeln und historische Spuren bewahren. Die Plätze sind aus den abzuleitenden Texturen des Stadtraumes wie z.B. dem Bezug zum Wasser und der Insellage zu entwickeln und müssen in der reflektierenden Wirkung auf den Stadtraum zu erkennen sein. Wechselnde Eindrücke sollen – abhängig von Nutzung, Aktivität, Menschendichte und städtebaulicher Wirkung – erlebbar sein. Maßstäblichkeit und Einheitlichkeit bieten eine klare Orientierung in der visuellen Wahrnehmung und Nutzung der Freiräume. Gesucht werden neue Freiraum-Szenarien, unter Berücksichtigung historischer und neuer Bezüge wie Wegeverbindungen, Sichtachsen und Nutzungen. Neben den dauerhaften Einrichtungen und Ausstattungen soll der Entwurf Möglichkeiten flexibler Komponenten ausschöpfen. Umgang mit den historischen Originalen Im Grundsatz wünscht sich der Auslober eine zeitgemäße Platzgestaltung, die den historischen Kontext ausdrücklich einbezieht. Eine intensive Auseinandersetzung mit den Zeit- und Bedeutungsschichten des Ortes wird ausdrücklich begrüßt und eine sichtbare Interpretation und Auseinandersetzung mit allen Denkmalaspekten erwartet (siehe Teil 2 Punkt 2.5, Denkmalfachliche Stellungnahme).

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Um die Beziehung beispielsweise zum Lustgarten wieder aufzunehmen, ist – trotz der hohen funktionalen Anforderungen an den Raum – ein angemessener Umgang mit den historischen Schlossterrassen auf dem Schloßplatz (Nord) dringend gewünscht (siehe Teil 4, Anhang 4.2). Eine Rückführung des Neptunbrunnens an den exakten ursprünglichen Standort ist nicht möglich. Die heutige Straßenführung ermöglicht nur eine Verlagerung des Brunnens an den Schloßplatz (Süd) mit einer leicht nach Norden verschobenen Lage. Dies würde jedoch eine Umlegung der darunter liegenden Fernwärmeleitung voraussetzen. Die geschätzten Kosten für eine Rückführung des Neptunbrunnens würden sich insbesondere wegen der erforderlichen Umlegung der Fernwärme auf ca. 1,87 Mio. Euro belaufen. Diese Mittel sind im Kostenansatz jedoch nicht enthalten. Ein Freihalten des passenden Standorts vor Portal II sollte die Option für eine spätere Rückführung des Neptunbrunnens offen halten. Historische Spuren und Oberflächengestaltung Bei der Oberflächengestaltung der Plätze werden von den Wettbewerbsteilnehmern gestalterische Hinweise oder Bezüge zur Geschichte des Ortes – etwa zu den Spuren des Dominikanerklosters nach den Befunden der archäologischen Grabungen – erwartet. Dabei soll kein weiteres archäologisches Fenster – ähnlich dem geplanten im Gebäudeinneren – entstehen, sondern im Sinne einer Periskop-Lösung ein Einblick aus dem öffentlichen Freiraum in den sogenannten Gotischen Raum des Archäologischen Kellers im Humboldt-Forum ermöglicht werden (siehe Teil 2 Punkt 2.5, Denkmalschutz). Den Wettbewerbsteilnehmern bleibt es ausdrücklich überlassen, bei der Gestaltung des Platzes Spuren und Relikte zur Geschichte der DDR (siehe Informationsplan Historische Spuren, Teil 5, Ordner 5.5) einzubeziehen. Umgang mit den Stellplätzen für mobilitätseingeschränkte Besucher Bearbeitung des Wettbewerbs in Varianten Trotz der planungsrechtlichen Vorgaben, die vorgeschriebenen Stellplätze für mobilitätseingeschränkte Besucher nicht oberirdisch und nicht im öffentlichen Raum zu errichten, möchte sich der Auslober über die Möglichkeiten einer oberirdischen Unterbringung dieser Stellplätze auf dem Grundstück der Liegenschaft Stiftung „Berliner Schloss – Humboldtforum“ oder den angrenzenden öffentlichen Bereichen beraten und deren gestalterische Einbindung aufzeigen lassen. Deshalb ist der Wettbewerbsentwurf optional zu bearbeiten. Die Teilnehmer haben folgende Entscheidung zu treffen: Entweder ist in einer Variante eine Tiefgarage im Bereich Schloßplatz (Nord) als verbindliche Vorgabe zu berücksichtigen oder in einer anderen Variante die Anordnung oberirdischer Stellplätze für mobilitätseingeschränkte Besucher aufzuzeigen. Die insgesamt 22 oberirdischen Stellplätze sind stadt- und freiraumverträglich, aber gleichzeitig in guter Erreichbarkeit der Haupteingänge des Gebäudes anzuordnen. Die Anzahl der Standorte der Stellplätze ist konzept­ abhängig wählbar. Vorhandene Zufahrten sind mitzunutzen. Zu beachten ist, dass die Beziehung zum Lustgarten - dem ehemaligen Schlossgarten - und zu dem Alten Museum von besonderer Bedeutung ist, da gegenüber

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der Museumsinsel und am Ende der Straße Unter den Linden einer der wichtigsten Orte Berlins mit hoher öffentlicher Wahrnehmung liegt. Eine Anordnung des ruhenden Verkehrs auf dem Schloßplatz (Nord) ist daher kritisch zu prüfen, und störende Auswirkungen auf die Schutzzone des Welterbes sind zu vermeiden (siehe Teil 2 Punkte 2.3.1-3, 2.5).

3.2	

Gestalterische Zielsetzung

Der Auslober erwartet einen Entwurf, der zum einen Spuren der Geschichte des Ortes und zum anderen das Zukunftsweisende widerspiegelt. Die gestalterische Art und Weise der Auseinandersetzung mit den historischen Bindungen bzw. Bezügen bleibt unter Berücksichtigung der funktionalen Vorgaben dem Leitbild des Entwurfs überlassen, eine gartendenkmalpflegerisch begründete Gestaltsprache ist möglich. Die Freiraumgestaltung soll die Wertigkeit des Ortes wiedergeben und in ihrer Qualität einer permanenten öffentlichen Nutzung standhalten. Unter Wahrung einer einheitlichen und schlichten Formsprache muss der Entwurf den spezifischen Erschließungsfunktionen sowie den speziellen Nutzungsanforderungen und Ausstattungen in den Teilräumen des Umfeldes gerecht werden. Ein äußerst diffiziles Programm hinsichtlich der Nutzungen als Erschließungs- und Transmissionsraum sowie Ort der Begegnung und Entspannung ist als ein selbstverständliches Miteinander in den Entwurf zu integrieren. Sichtbeziehungen auf das Humboldt-Forum und in die angrenzenden Stadträume sollen gewährleistet sein und den großstädtischen Ort als Ganzes wirken lassen. Die Platzräume sollen eine gestalterisch eher ruhige und nutzungsneutrale Oberfläche erhalten. Eine intensive Auseinandersetzung mit der Detailgestaltung ist wegen der funktionalen Anforderungen im besonderen Maße erforderlich. Mit freiraumarchitektonischen Mitteln könnten historische, raumrelevante Bezüge wiederhergestellt oder neue Akzente gesetzt werden. Allerdings sollten zur Wahrung der Transparenz des Raumes beispielsweise bei Baumgruppen ein hoher Kronenansatz gewählt und weder die Portale noch die Sicht auf das Freiheits- und Einheitsdenkmal verstellt werden. Nutzungen und Ausstattungen Das hohe Besucheraufkommen der Museumsinsel, des Humboldt-Forums und der Straße Unter den Linden erfordert von dem Freiraum eine hohe Aufenthaltsqualität für zeitweiliges, in Gruppen oder individuell gestaltetes Verweilen. Die Möblierung für den Aufenthalt ist den Bedürfnissen aller Altersgruppen entsprechend auszuwählen (siehe auch Teil 5, Ordner 5.6). Gleichzeitig müssen die Platzräume auch den Anforderungen als Durchgangsraum für fußläufige Verbindungen gerecht werden. Der Auslober erwartet deutliche Aussagen zur Organisation konfliktfreier Nutzungen der Freiräume und Anlagen des Verkehrs. Durch gestalterisch ansprechende flächenschützende Elemente ist eine individuelle Befahrbarkeit der Fußgängerbereiche weitestgehend zu verhindern. Grundsätzlich sollen die gewählten Materialien weitestgehend gegen Zerstörung resistent und einem hohen Nutzungsdruck gewachsen sein. Eine lange Nutzungsdauer wird angestrebt. Ausstattungselemente, die über

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den Standard hinausgehen, in der Pflege und Unterhaltung aufwendig sind und höhere finanzielle Kosten nach sich ziehen, sind im Zusammenhang mit der zugrunde liegenden Entwurfsidee plausibel zu begründen. Die Errichtung von Wasserspielen oder -flächen ist im Zusammenhang mit der Problematik der damit verbundenen Betriebskosten zu betrachten: In Berlin kann der Betrieb dieser Anlagen auf vielen Plätzen nur durch Sponsoren-Gewinnung aufrechterhalten werden. Vor diesem Hintergrund ist das Thema Wasser aus der grundlegenden Entwurfsidee abzuleiten, die Folgekosten sind entsprechend zu quantifizieren. Restriktionen durch Nutzungsansprüche Mit der Errichtung des Humboldt-Forums wird an das Umfeld eine Vielzahl funktionaler Anforderungen gestellt. Neben den Zufahrten und Rettungsflächen für die Feuerwehr gibt es eine Reihe von Anforderungen, u.a. aus dem Betrieb des Humboldt-Forums heraus, die auf den Platzflächen unterzubringen sind: --------------Erschließungszonen zu den Eingängen und zum Anlieferungsbereich des Humboldt-Forums Freihalten eines 3 m breiten Streifens am Gebäude, westlich vom Portal IV zur Belichtung der Räume Barrierefreie Erreichbarkeit des Spreeufers Erschließungsbereiche und Aufzüge der Stellplatzanlagen (Tiefgarage oder oberirdische Stellplätze) Flächen für insgesamt 329 dezentral angeordnete Fahrradstellplätze Aufstellplätze und Zufahrten für die Feuerwehr Fluchtwege für die Evakuierung zu den öffentlichen Verkehrswegen Umfahrung zur Wartung und Reinigung der Fassaden und Fenster sowie Filterschächte Ausgänge und Aufzug für die U-Bahn Flächen für Außengastronomie Aufstellflächen für Medienfahrzeuge Befestigte Flächen zur Lagerung von Material bei Veranstaltungen (temporäre Nutzung, keine Flächenausweisung) Vorfahrflächen vor den Eingängen Berücksichtigung historischer Spuren

Grundsätzlich sollte im Freiraum die Möglichkeit gegeben sein, die Freiflächen multifunktional zu nutzen. Das gilt besonders für die Bereiche vor allen Portalen, mit den Zugängen zur Agora (Portal III), zum Schlüterhof (Portale I und V) sowie zum Schloss-Forum (Portale II und IV). Leitgedanke „Design for all“ Ziel ist es, einen neuen Stadtraum zu schaffen, der einer Lebensauffassung entspricht, die allen Menschen die uneingeschränkte Partizipation am gesellschaftlichen Leben ermöglichen soll. Gemäß den Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention sowie auf der Basis demographischer Entwicklungen ist den Grundbedürfnissen von Menschen mit Behinderung oder mit temporärer Aktivitätsbeeinträchtigung gerecht zu werden. Vom Wettbewerbsergebnis wird eine grundsätzliche und durchgängige Gestaltung nach den Prinzipien des Designs for All erwartet. Das bedeutet einerseits eine barrierefreie topographische Landschaft zu konzipieren, und

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andererseits Ordnungs- und Navigationsprinzipien in möglichst intuitiver Form zu schaffen. So soll z.B. nach dem „Mehr-Sinne-Prinzip“ eine einfache und möglichst suggestive Orientierung für alle Menschen – auch für solche mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen oder mit kognitiven Einschränkungen – ermöglicht werden. Dazu sind die allgemeinen Gestaltungselemente des öffentlichen Raums zu nutzen, entsprechend einzusetzen und zu formen. Raum, Oberfläche und Wege, aber auch einzelne Bauelemente und Ausstattungen sind vor diesem Hintergrund sorgfältig auszuwählen und zu kombinieren. Grundsätzliche Aufgabe ist es, Wege einfach finden und nutzen zu können oder gegenseitigen Beeinträchtigungen – z.B. auf Mischverkehrsflächen des Schlossplatzes (West)– vorzubeugen und besondere Ziele bzw. Attraktionen für alle auffindbar und erlebbar zu gestalten. Das in Teil 5, Ordner 5.6 beiliegende Handbuch „Berlin – Design for all – Öffentlicher Freiraum“ gibt dazu Hinweise und Anregungen und ist mit seinen Forderungen umzusetzen. Ziel ist es, die städtebaulich-architektonische Basisqualität hinsichtlich multisensorischer Erfahrungs- und Nutzungsräume zu entwickeln, die möglichst für alle Besucher komfortabel erlebt werden können. Damit soll auch dem aktuellen touristischen Leitbild Berlins beispielhaft Vorschub geleistet werden. Gender Mainstreaming Gestalterische Qualität im Sinne der Gendergerechtigkeit bedeutet, eine Balance zu finden zwischen geschlechter-, generationen- und kulturübergreifenden Gestaltungspräferenzen einerseits und nutzungsorientierter Gestaltung andererseits. Insbesondere sind zu berücksichtigen: ---Schaffung von identitätsstiftenden Orten; Gewährleistung einfacher Orientierung; Angstfreie Nutzung und Sicherheitsbedürfnisse in Bezug auf Gewalt und Unfälle (siehe Teil 4, Anlage 4.5 Gender Mainstreaming, Teil 5, Ordner 5.6).

Befahrbarkeit der Platzflächen Alle Flächen mit Erschließungsfunktionen für Schwerlastverkehr müssen der Bauklasse III (Wohnsammelstraßen, Busverkehrsflächen) entsprechen. Hierzu gehören die Flächen der Umfahrung des Gebäudes, die Aufstellflächen für Feuerwehr, Medienfahrzeuge, Anlieferung und deren Zufahrten über die Platzflächen, die Anlieferungszone im östlichen Abschnitt des Schloßplatzes (Süd) und Fahrstreifen sowie Vorzone zum Freiheits- und Einheitsdenkmal am Schloßplatz (West). Alle anderen befestigten Flächen – wie Stellplätze für Fahrräder und ggf. PKW sowie die Spreeuferzone im Realisierungsgebiet – sollen der Bauklasse V (Fußgängerzone mit leichtem Fahrzeugverkehr) entsprechen. Bei einer deutlich höheren Belastung durch den Schwerlastverkehr (SLW 60) müssen bei Bedarf Maßnahmen zum Schutz der Oberflächen erfolgen. Es ist davon auszugehen, dass ca. 50% der Flächen im Realisierungsteil in der Bauklasse III auszuführen sind. Die genaue Verteilung richtet sich nach der entwurflichen Nutzungszonierung.

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Aufstellflächen für Mobilkräne Zu berücksichtigen sind Aufstellflächen für Mobilkräne (SLW 30, SLW 60), die den Transport bzw. Austausch von Technikgeräten im Dachgeschoss sicherstellen. Die Erschließung der Aufstellflächen ist entwurfsabhängig zu lösen und bei der Kostenermittlung entsprechend zu berücksichtigen (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Radverkehr Der Radverkehr wird entlang der vorhandenen Straßen im Süden auf Radfahrstreifen und im Norden auf dem Bussonderfahrstreifen geführt. Der Schloßplatz (West) erhält als verkehrsberuhigter Bereich keine ausgewiesene Radverkehrsanlage. Das Schlossareal ist zudem Ausgangspunkt mehrerer Fahrradrouten (siehe Teil 2, Punkt 2.8.1). Um Konflikte mit den Fußgängern auf den Plätzen zu minimieren, sollten die Standorte der erforderlichen Stellplätze so gewählt werden, dass sie auf den Plätzen wenig Radverkehr erzeugen. Es wird vermutet, dass das Schloss-Forum als öffentlicher Raum von Radfahrern durchfahren wird. Um hier Konflikte zu vermeiden, sind alle Möglichkeiten des Einsatzes gestalterischer Mittel auszuschöpfen. Feuerwehr Die Belange der Feuerwehr hinsichtlich der Zufahrten, Aufstellflächen, Fluchtwege und Evakuierungsflächen sind zu berücksichtigen. Die Aufstellflächen für die Feuerwehr liegen vor den Portalen und haben eine Größe von 7 x 12 m, die Achslast beträgt max. 16 t; andere Flächengrößen sind dem Informationsplan Funktionen zu entnehmen (siehe Teil 2, Punkt 2.7, Informationsplan Funktionen, Teil 5, Ordner 5.5). Aufstellflächen am Gebäude für Gerüste, Arbeitsbühnen und Reinigung der Filterschächte Um das Gebäude ist ein Streifen als befahrbare Aufstellfläche für Fassadenreinigungsfahrzeuge (Teleskoparbeitsbühne) und zur Aufstellung von Baugerüsten an den Fassaden auf allen Gebäudeseiten anzulegen (siehe Teil 2, Punkt 2.7 und Informationsplan Funktionen, Teil 5, Ordner 5.5). Höhenkonzept der Flächen Die Höhen sind für die Straßen und für die Schächte (Fernwärme, Mischwasser) verbindlich; die Höhen der Schachtdeckel sind mit Bezeichnung z.B. „DO 35,70“ angegeben. Die Höhenabwicklung und damit die Platzentwässerung müssen die Höhenpunkte der Schachtdeckel insbesondere der Fernwärme berücksichtigen. Die Anschlusshöhen am Gebäude betragen: ---35,40 m ü. NHN, westliche Seite, Portal III, 35,55 m ü. NHN, Südseite, Portal II und 36,50 m ü. NHN, Portal I 35,50 m ü. NHN, Nordseite, Portal IV und 36,60 m ü. NHN, Portal V

Auf der östlichen Seite befindet sich die Ebene am Belvedere im Freiraum auf einer Höhe von 36,90 m ü. NHN in der Mitte, nach Norden und Süden abfallend auf 36,47 m ü. NHN. Die Ebene des Spreeufers liegt auf 32,10 m ü. NHN.

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Die verbindlichen Höhen sind im Arbeitsplan dargestellt und einzuhalten (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Koordinierter Leitungsplan Der koordinierte Leitungsplan (Trink-, Misch- und Abwasser, Elektrokabelnetz, Fernwärme, Gas sowie Telekommunikationsanlagen) ist verbindlicher Bestandteil der Auslobung. Der Plan zeigt den Endzustand nach der Realisierung der Tiefbauarbeiten zur Erneuerung des Leitungsnetzes. Die Höhenangaben zur Lage der Leitungen sind hinsichtlich einer ausreichenden Überdeckung zu berücksichtigen. Die Kanalisation von Schmutz- und Regenwasser einschließlich Reinigungsschächte des Humboldt-Forums erfolgt unmittelbar am Gebäude. Das Schmutzwasser wird dem öffentlichen Netz zugeführt, das Regenwasser zu dem neuen Einleitbauwerk an der Spree (siehe Teil 5, Ordner 5.13). Oberflächenentwässerung der Platzflächen Das Entwässerungskonzept ist überzeugend in die Platzgestaltung einzubinden. Dabei ist zu definieren, mit welcher Methode die Platzflächen in einer dem Ort angemessenen Form zu entwässern sind. Kasten- oder Schlitzrinnen sind nur bedingt und aus einem begründbaren Zusammenhang heraus einzusetzen. Ausstattung Es sind Aussagen zur Möblierung, zu Abfallbehältern, zur technischen Versorgung und Ausstattung sowie zu Strom, Trink- und Abwasser für das gesamte Umfeld des Humboldt-Forums zu treffen. Auf jeder Seite des Gebäudes ist ein Strom- und Wasseranschluss vorzusehen. Darüber hinaus ist die Integration eines Kabelkanals von der Medienaufstellfläche bis zum Portal II zu berücksichtigen (siehe Teil 2, Punkt 2.7). Sichtbeziehungen Zu den wesentlichen Sichtbeziehungen gehören die Blickachsen von der Schloßbrücke und Portal III auf das Freiheits- und Einheitsdenkmal, von Portal IV auf den Lustgarten, Altes Museum und Dom, von der Schloßbrücke auf das Portal III und von Portal II in die Breite Straße sowie am Gebäude entlang auf der Nord- und Südseite Richtung Spree. Baumpflanzungen Bei den Baumpflanzungen ist darauf zu achten, dass Sichtbeziehungen nicht verstellt werden und Durchsichten möglich bleiben. Dabei spielt die Höhe des gewählten Kronenansatzes eine Rolle. Die Bäume sollten einen Stammumfang von mindestens 20/25 cm haben. Bei der Wahl von Bäumen und Gehölzen ist deren stadtklimatische Robustheit ebenso zu berücksichtigen wie die Lage der Leitungstrassen im Untergrund (siehe Teil 5, Ordner 5.12, 5.13).

3.3	

Schloßplatz (Nord), vis-à-vis Lustgarten

Der Schloßplatz (Nord) und der Lustgarten bilden eine räumliche Einheit. In der historischen Vorprägung bestand der Lustgarten aus einer platzartigen Anlage, die das Berliner Schloss mit dem gartenkünstlerisch angelegten

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Teil des Lustgartens verband. Einschneidende Veränderungen erfuhr der nördliche Teilraum des Lustgartens durch die Anlage der Straßenverbindung zwischen der Schloßbrücke und der heutigen Liebknecht-Brücke. Eine der wesentlichen Aufgaben des Wettbewerbes ist es, die heute wirksame Barrierenwirkung des Straßenraumes zu überwinden und den räumlichen Zusammenhang mit dem Lustgarten wieder herzustellen. Ein weiteres Element der Verknüpfung zwischen dem Lustgarten und dem Schloßplatz (Nord) wird in der Anlage der Schlossterrassen mit einer freiraumarchitektonischen Neuinterpretation gesehen. Eine Wiederherstellung der historischen Terrassen ist aufgrund der funktionalen Vorgaben und der Höhensituation nur bedingt möglich. Die Sichtbeziehungen zwischen der Platzfläche vor dem Humboldt-Forum und dem Ensemble von Lustgarten, Altem Museum und Dom sind dabei zu akzentuieren. Im Vergleich zu den anderen Teilräumen verfügt der Schloßplatz (Nord) über ein höheres Potenzial eines eher grün geprägten Stadtplatzes. Unter dieser Maßgabe sind vegetative Flächen mit solitären Bäumen oder Baumgruppen zu entwickeln. Ideenteil Straßenraum Die Oberfläche der Straße Schloßplatz (Nord) zwischen der Schloßbrücke und der Liebknecht-Brücke soll erneuert werden. Die Fahrstreifen sowie der Bussonderfahrstreifen (Taxis, Radfahrer) bleiben bestehen. Für die Verbesserung der Fußgängerquerung zwischen Museumsinsel/ Lustgarten und dem Humboldt-Forum ist als Wettbewerbsaufgabe eine gestalterische Lösung anzubieten (siehe Teil 2, Punkt 2.8.). Gefordert ist eine deutlich wahrnehmbare Absetzung des Querungsbereichs zwischen den Ampeln an den Einmündungen Schloßplatz (West) und der Straße Am Lustgarten, z.B. durch einen Materialwechsel und die Anhebung der Flächen. Zusätzlich sollen eine Mittelinsel mit einer Mindestbreite von 3 m sowie eine gestufte Schaltung der Verkehrsampel (zuerst Mittelinsel, dann Außenfahrbahnen) für Querungssicherheit der Fußgänger sorgen. Ein barrierefreier Übergang ist auf jeden Fall im unmittelbaren Bereich der Lichtsignalanlagen (LSA) herzustellen. Inwieweit zwischen Dom und Humboldt-Forum eine LSA aufgestellt und Querungshilfen angeboten werden müssen, hängt von der durch den Entwurfsverfasser beabsichtigten Nutzungsintensität der Uferpromenade an der Spree ab. Die hohe Fußgängerfrequentierung im Mündungsbereich der Straße Am Lustgarten – zwischen Lustgarten und Dom – erfordert ebenfalls eine großzügige, nutzungsgerechte Aufwertung. Ideenteil Lustgarten und Dom Die Vorzonen von Lustgarten und Dom sind entsprechend ihrer räumlichen und funktionalen Verflechtungen in die Neugestaltung einzubinden. Die Einheit des Raumes der Museumsinsel ist dabei stärker als bisher herauszustellen. Auf der Vorfläche des Doms müssen die gastronomischen Nutzungen sowie die Feuerwehrzufahrt bei der Planung als Ideenteil Berücksichtigung finden. Wunsch der Oberpfarr- und Domkirche zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität ist das Verbleiben eines „Grünstreifens“ zwischen dem Straßenraum und dem Vorplatz, um den Besuchern zumindest psychologischen Schutz zu bieten. Die Realisierung der gestalterischen Anpassung ist finanziell jedoch nicht gesichert (siehe Teil 5, Ordner 5.5).

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Nutzungs- und Erschließungsfunktionen Eine wesentliche Rolle wird der Umgang mit dem historischen Vorbild der Schlossterrassen sein und wie es gelingt, diese in den Freiraum zu integrieren. Die erschließungstechnischen Nutzungen sind dem einheitlichen Layout der Freiraumgestaltung unterzuordnen. Die Fläche dient im Wesentlichen der Erschließung und der individuellen Aneignung. Größere Veranstaltungen werden auf dem Platz nicht stattfinden. Den eigentlichen Veranstaltungsort im Freien bildet für das Humboldt-Forum der innen liegende Schlüterhof. Im nordwestlichen Bereich des Platzes werden die Verbindungen vom Humboldt-Forum zu den Museen und der Straße Unter den Linden sowie zu den Bushaltestellen und zum U-Bahn-Ausgang zu einer starken Fußgängerfrequentierung dieses Bereiches insbesondere vor dem Portal IV mit dem Zugang zum Schloss-Forum führen. Der öffentliche Weg durch das Humboldt-Forum (Schloss-Forum) wird von zahlreichen Besuchern und Flaneuren genutzt werden und ist als Haupterschließungsachse innerhalb des Gebäudes angelegt. Die Zone vor dem Portal IV ist daher funktionsgerecht für die Aufnahme größerer Besuchergruppen als offener Raum zu gestalten. Trotz der intensiven Nutzungsanforderungen ist auf dem Schloßplatz (Nord) die Anlage von vegetativen Flächen und Solitärbäumen mit einem starken raumwirksamen Charakter gewünscht. Außengastronomie Das Humboldt-Forum beabsichtigt eine gastronomische Nutzung von Außenflächen im nordöstlichen Bereich unmittelbar am Gebäude, die mit den gastronomischen Einrichtungen in der EG-Zone verbunden sind (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Unterirdische oder oberirdische Stellplätze für mobilitätseingeschränkte Besucher In der Variante mit der Tiefgarage sind die technischen Vorgaben zu berücksichtigen: Von der Straße Am Schloßplatz (Nord) sind zwei PKW-Aufzüge der konventionellen unterirdischen Stellplatzanlage vis-à-vis des Doms anzufahren. Angeschlossen sind ein Personenaufzug mit Treppenhaus, ein Wartungsraum und ein Entlüftungsschacht. An- und Abfahrt von und zur Straße Schloßplatz (Nord) verlaufen getrennt und sind zu berücksichtigen. Die Überdeckung beträgt 2,50 m (siehe Teil 5, Ordner 5.5 und 5.9). Mit einem Notausgang der Tiefgarage zum Freiraum des Ufers ist zu rechnen. Die genaue Lage des Notausgangs liegt noch nicht fest (siehe Teil 5, Ordner 5.6). Für die Variante der oberirdischen Stellplatzlösung ist eine freiraumverträgliche Dimensionierung und Verortung zu wählen, die den denkmalpflegerischen Belangen, der Nähe zum Dom und zum Lustgarten gerecht wird. Potenzielle Konflikte zwischen den Vorgaben zum Umgang mit den historischen Spuren und den aktuellen Belangen zur Anordnung von Stellplätzen mobilitätseingeschränkter Personen müssen dabei gelöst werden.

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U-Bahn-Ausgang Im nordwestlichen Abschnitt des Platzes liegt der U-Bahn-Ausgang der Linie 5. Die zu erwartende hohe Frequentierung des Ausgangs ist bei der Platzgestaltung zu berücksichtigen.

Bushaltestellen für Linienbusse der BVG Die Bushaltestellen der Linienbusse der BVG sind mit einem barrierefreien Zugang zu gestalten. Für die Ausbildung einer Haltestelle am Fahrbahnrand ist im Anhang eine Musterhaltestelle der BVG beigefügt (siehe Teil 5, Ordner 5.14, Musterhaltestelle BVG).

Fahrradstellflächen Abstellplätze für Fahrräder sind gemäß § 50 Bauordnung für Berlin (BauO Bln) bei der Errichtung öffentlich zugänglicher Gebäude anzulegen. In unmittelbarer Nähe der fußläufigen Verbindungen und im Bereich des U-BahnAusgangs sind in einer freiraumverträglichen Anzahl Fahrradstellplätze unterzubringen, deren Mindestanzahl 110 Stellplätze beträgt.

Aufstellfläche für LKW-Anlieferung, Mobilkräne Vor dem Portal IV und V ist neben der Aufstellfläche für die Feuerwehr eine Aufstellmöglichkeit für anliefernde LKWs und Mobilkräne im Bedarfsfall zu schaffen, d.h. eine temporäre Nutzung mit Sondererlaubnis soll möglich sein (siehe Teil 5, Ordner 5.5).

Historische Vorprägung Umrisse und Lage der ehemaligen Schlossterrassen und die Lage des ehemaligen Palastes der Republik der DDR sind dem Informationsplan Historische Spuren (siehe Informationsplan Historische Spuren, Teil 5, Ordner 5.5) zu entnehmen. Die Anforderungen an den Entwurf sind unter Teil 3, Punkt 3.1 formuliert.

3.4	

Schloßplatz (Süd), ehemaliger Schloßplatz

Der Teilraum Schloßplatz (Süd) nimmt die Flächen des ehemaligen Schloßplatzes ein. Der historische Schloßplatz stellte als öffentlicher Raum eine Beziehung zwischen den angrenzenden bürgerlichen Quartieren und dem Schloss her und verband später die Friedrichstadt über die Französische Straße und Königstraße (Rathausstraße) mit dem alten Berlin. Der Schloßplatz war ein verkehrsgeprägter Platz. Zukünftig soll der Schloßplatz (Süd) seine vermittelnde Rolle zwischen dem Kulturstandort Humboldt-Forum und den angrenzenden Wohnquartieren sowie seine verbindende Funktion zwischen der Friedrichstadt und dem Alexanderplatz großräumig wieder aufnehmen. An dieser Stelle soll ein Raum mit urbanem Charakter entstehen. Straßenraum Für den im Süden liegenden Straßenzug zwischen Schleusenbrücke und Rathausbrücke wird eine gestalterische Einbindung des erneuerten Straßenzuges in die Gestaltung des Platzraumes erwartet.

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Rathausbrücke Der Neubau der Rathausbrücke wird 2012 abgeschlossen sein. Anders als ursprünglich geplant, erhält die Brücke nur auf der südlichen Seite (Marstall) eine zum Spreeufer führende Treppenanlage, auf der nördlichen Seite (Humboldt-Forum) wurde auf den Bau der Treppenanlage verzichtet. Eine barrierefreie Verbindung zwischen den Räumen Schloßplatz (Süd) und dem tiefer liegenden Spreeufer ist im Entwurf sicherzustellen. Marstall, European School of Management and Technology (ESMT) Gegenstand der Planungsaufgabe ist die Gestaltung der an die Fahrbahn angrenzenden platzartigen Hausvorzonen und Gehwegzonen, einschließlich der Flächen der Haltestellen für den Linienbusverkehr an der ESMT und für die Reisebusse vor dem Marstall. Wie im nördlichen Teilraum sind die Flächen in diesem Umfeld entsprechend ihrer räumlichen und funktionalen Verknüpfung in die Neugestaltung einzubinden. Die Einheit des Raumes des heutigen Schloßplatzes (Süd) ist dabei stärker als bisher herauszustellen. Der Haupteingang der ESMT soll von Norden angefahren werden können und eine Kurzhaltemöglichkeit zum Ein- und Aussteigen vorsehen. Zwei niveaugleich integrierte Bodenscheinwerfer betonen das Hauptportal der ESMT und sind zu integrieren. Die Feuerwehrzufahrt liegt auf der westlichen und südlichen Seite des vorhandenen Gebäudes. Die Stellplätze befinden sich südlich hinter dem Gebäude. Am Marstall ist die vorhandene Zufahrt in den Hof zu den innen liegenden Stellplätzen und zur Belieferung zu sichern. Die Hochschule für Musik wünscht eine gastronomische Nutzung und einen Aufenthaltsbereich vor dem Marstall an der Ecke Breite Straße. Die räumliche Nähe zum Haltepunkt der Reisebusse ist konzeptionell zu berücksichtigen (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Analog zum Humboldt-Forum ist für die Unterhaltung der Fassaden beider Gebäudekomplexe ein Wartungsstreifen von mindestens 6 m zum Schloßplatz (Süd) vorzusehen. Nutzungs- und Erschließungsfunktionen Mit dem Bau des Humboldt-Forums erlebt der ehemalige Schloßplatz eine Wiederbelebung als verbindender Stadtraum von der Friedrichstadt über den Werderschen Markt und die Rathausstraße bis zum Alexanderplatz (siehe Teil 2, Punkt 2.3.4). Bildet der Raum im Norden des Humboldt-Forums eine Korrespondenz zu Museumsinsel und Lustgarten, so geht der Raum im Süden eine entsprechende Einheit mit den angrenzenden Stadträumen ein. Der Schloßplatz (Süd) ist Mittelpunkt zwischen Alexanderplatz / Rathausforum, Molkenmarkt / Petriplatz und Werderscher Markt / Schinkelplatz. Dieser Bedeutung entsprechend muss der Entwurf eine vergleichbare Wertigkeit wie der Schloßplatz (Nord) herstellen und aus den heutigen diffusen Konturen des Platzes eine räumliche Einheit schaffen. Auf die bedeutsame, auf das Portal II hinführende Achse ist bereits hingewiesen worden. Ein weiterer wichtiger Bezugspunkt ist das Spreeufer sowie die räumliche Beziehung zwischen Marstall und Portal I, das den offenen Zugang zum Schlüterhof bildet.

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Trotz der ausgeprägten Erschließungsfunktion muss auch dieser Stadtraum eine hohe Aufenthalts- und Gestaltqualität aufweisen. Mit diesem Anspruch sollen bereits die mit den verschiedenen Verkehrsträgern eintreffenden Reisenden empfangen und sicher zu ihren Zielorten geführt werden. Eine deutliche Zuordnung für das Verweilen im Freien bzw. als allgemeiner Treffpunkt soll der Bereich vor dem Portal II erhalten. Die Flächen der verschiedenen Verkehrsanlagen und -funktionen müssen sich eindeutig der Form und Gestaltsprache des Platzes unterordnen. Mit geeigneten Mitteln ist dafür Sorge zu tragen, dass Flächen, die primär als allgemein nutzbarer Freiraum vorgesehen sind, nicht von Fahrzeugen überfahren werden. Ein klares Ordnungsgerüst der Nutzungen, eine entsprechende Zonierung und technische Sicherungsmaßnahmen mit hoher Gestaltqualität sollen hierzu beitragen (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Die Hauptströme der Fußgänger werden sich von den Haltestellen (ÖPNV, Reisebusse) zum einen auf den Eingang im Westen (Portal III) und zum anderen im Süden (Portal II) auf den öffentlichen Durchgang im SchlossForum verteilen. Mit der Anordnung der Stellplatzanlagen für Fahrräder und ggf. Fahrzeuge mobilitätseingeschränkter Besucher (Variante II) sowie den Haltezonen für Reisebusse wird von diesen Besuchern hauptsächlich der südliche Eingang (Portal II) genutzt werden. Bei der Gestaltung des Platzes ist daher für eine gefahrlose und barrierefreie Wegeverbindung von den Standorten des ruhenden Verkehrs und der Haltestellen zum Portal II des Humboldt-Forums Sorge zu tragen. Der Raum vor dem Portal II ist aus diesen und aus städtebaulichen Gründen als ein großzügiger offener Platz zu gestalten. Hier endet eine der wichtigen Sichtachsen vom Mühlendamm durch die Breite Straße auf das Humboldt-Forum. Zu vermeiden ist eine mögliche barrierenartige Wirkung der verkehrlichen Anlagen auf dem Platz, um eine gute Erreichbarkeit des Spreeufers zu gewährleisten. Es sollte für eine komfortable und sichere Verbindung gesorgt werden, zumal hierbei die Anlieferungszufahrt zum Untergeschoss des Humboldt-Forums gequert werden muss. Dies gilt auch für die fußläufige Verbindung über die Rathausbrücke zum Nikolaiviertel und zum Rathausforum. Zwischen der nördlich liegenden Haltespur für Reisebusse und der Platzfläche ist eine 4 m breite Gehzone mit direkter Anbindung an die Rathausbrücke herzustellen. Variante oberirdische Stellplätze für mobilitätseingeschränkte Besucher Auf dem Schloßplatz (Süd) sind Stellplätze für mobilitätseingeschränkte Besucher unter Berücksichtigung anderer funktionaler Bindungen und in einer freiraumverträglichen Anordnung zu integrieren. Es können alle 22 Stellplätze auf dieser Seite des Humboldt-Forums angeordnet werden oder bei Bedarf auch ein Teil von ihnen auf dem Schloßplatz (Nord). Fahrradstellflächen Im Bereich Schloßplatz (Süd) sind 139 Fahrradstellplätze freiraumverträglich und nutzerfreundlich unterzubringen. An der östlichen Stirnseite des ehemaligen Staatsratsgebäudes (ESMT) sind weitere 50 Stellplätze anzuordnen.

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Reisebusse Im östlichen Abschnitt des Schloßplatzes (Süd) sind vier Haltestellen für Reisebusse nur für den Ein- und Ausstieg nördlich und südlich der Straße angeordnet. Die Standorte sind verbindlich; .die Breite des Haltestreifens beträgt 3 m. Mit geeigneten Mitteln ist dafür Sorge zu tragen, dass diese Plätze ausschließlich Reisebussen vorbehalten bleiben und andere Verkehrsteilnehmer ihre Fahrzeuge hier nicht abstellen können (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Linienbusse Im westlichen Abschnitt der Straße Schloßplatz (Süd) hält die Buslinie 147. Die Haltestellen sind verbindlich und in die Platzgestaltung zu integrieren. Für die Ausbildung einer Haltestelle am Fahrbahnrand ist im Anhang eine Musterhaltestelle der BVG beigefügt (siehe Teil 5, Ordner 5.14, Musterhaltestelle BVG). Anlieferungszone Humboldt-Forum Die Anlieferungszone zum Untergeschoss des Humboldt-Forums befindet sich im südöstlichen Abschnitt des Gebäudes. Die Zufahrt hat eine Breite von 4 m, die als Rampe rechtwinklig in das Gebäude führt. Die Rampe beginnt auf der Platzfläche, etwa 5 m vor dem Gebäude (Humboldt-Forum), die OK-Rampe beträgt an der Gebäudekante 35,99 m ü. NHN (Abtauchhöhe an Fassade). In seitlicher Lage und östlich zur Zufahrt wird eine Aufstellfläche für Anlieferungsfahrzeuge von 2,5 m x 12 m als Wartezone benötigt (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Aufstellflächen für LKW-Anlieferung, Mobilkräne Vor den Portalen I und II sind außer den Aufstellflächen für die Feuerwehr auch Aufstellmöglichkeiten für anliefernde LKWs und Mobilkräne im Bedarfsfall zu schaffen, d.h. eine temporäre Nutzung mit Sondererlaubnis soll möglich sein (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Medienfahrzeuge Zu berücksichtigen sind Aufstellflächen für Übertragungswagen der Medien. Diese Flächen werden mit einer Sondergenehmigung temporär genutzt (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Historische Vorprägungen, Archäologisches Fenster Eine Aufnahme historischer Konturen des Dominikanerklosters im südwestlichen Teilabschnitt sowie des Neptunbrunnens in der Achse vor dem Portal II sind als lesbare Spuren der Geschichte in der Oberfläche des Platzes seitens des Auslobers erwünscht. Das Freihalten des Standortes des Neptunbrunnens von massiven Überbauungen sollte für eine spätere Wiederherstellung bzw. mögliche Rückführung des Brunnens gewährleistet bleiben (siehe Teil 2 Punkt 2.5 und Informationsplan Historische Spuren, Teil 5, Ordner 5.5).

3.5	

Spreeufer

Die Wahl des Standortes des Berliner Schlosses ist eng mit der Spree verbunden. Diese frühere Lagegunst war für die Errichtung einer Residenz in Berlin maßgeblich und gilt es heute wieder erlebnisreich zu gestalten. Um diese stadträumliche Qualität wieder aufzunehmen, bedarf es auch einer

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engen barrierefreien Verknüpfung des Spreeufers mit den angrenzenden Platzräumen im Norden und Süden des Humboldt-Forums. Das HumboldtForum soll sich zum Wasser und zum gegenüberliegenden Ufer mit dem Marx-Engels-Forum offen präsentieren. Im Erdgeschoss sind gastronomische Einrichtungen geplant, die Sitzbereiche auf der Terrasse im Freien anbieten. Der Übergang vom Gebäude über die Terrasse und die Plätze im Norden und Süden zum Ufer der Spree soll barrierefrei erfolgen. Die Einrichtung eines Personenaufzuges ist ausgeschlossen (siehe Teil 2, Punkt 2.7 Nutzung des Spreeufers). Vorstellbar ist eine Kombination von Rampen mit Stufen und kleinen Plätzen, die das Spreeufer zu einem attraktiven Raum inszenieren. Durch die Lage der Anlieferungszone im südöstlichen Abschnitt des Humboldt-Forums wird die heute in Tieflage befindliche Uferzone entlang der Spree vom südlichen Teilraum her nicht ohne Weiteres positiv erlebbar sein. Es bedarf einer einfühlsamen Akzentuierung des Entrées und einer gezielten Lenkung zum Flussraum der Spree auf dieser Gebäudeseite. Hierbei ist der räumliche Kontext der Flusslandschaft mit der Formsprache des Umfeldes vom Humboldt-Forum in Einklang zu bringen. Zudem hat die Schaffung einer hohen Aufenthalts- und Erlebnisqualität eine große Bedeutung. Eine sichere barrierefreie Wegeverbindung zwischen dem Umfeld des Humboldt-Forums und der Uferzone ist zu garantieren. Entscheidend für die Gestaltung des Spreeraumes werden der Umgang mit den unterschiedlichen Höhen und der Proportionierung des Raumes sein. Die höher liegende Gebäudeebene und das tiefer liegende Spreeufer sind stadtverträglich und – für alle Besucherinnen und Besucher erreichbar – miteinander zu verbinden. Nutzungen und Erschließung Bei der Gestaltung des Spreeraumes ist ein störungsfreies Nebeneinander der Nutzungen von Verbindungsraum und Aufenthaltsort zu gewährleisten. Für kleinere Gruppen wie z.B. Schulklassen können hier Angebote für kommunikative Aktivitäten bei öffentlichen Veranstaltungen geschaffen werden. Die Fläche am Spreeufer hat eine Tiefe von 20 m im Süden und 28 m im Norden. Aufgrund der zu erwartenden Nutzungsintensitäten und der hohen Grundwasserstände sollen die Flächen versiegelt und nicht mit einer wassergebundenen Wegedecke ausgestattet werden. Die Flächen müssen für Pflege- und Wartungsfahrzeuge befahrbar sein. Das Spreeufer muss barrierefrei an das Umfeld des Humboldt-Forums angebunden werden. Der Höhenunterschied zwischen dem Gebäude (EGZone, OK Gebäude 36,90 m ü. NHN) und dem Spreeufer (32,10 m ü. NHN) beträgt 4,8 m. Die Befahrung über Rampen (Mindestbreite 2,5 m) als Zufahrt zum Ufer für Fahrzeuge der Flächenunterhaltung ist sicherzustellen. Neben der barrierefreien Erschließung des Ufers ist der Zugang zu der auf der Südseite der Rathausbrücke liegenden Treppe am Marstall zu beachten. Die Einrichtung einer Schiffsanlegestelle ist auf dieser Uferseite nicht möglich.

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Die erforderlichen Funktionsflächen am Gebäude sind sicherzustellen (siehe Teil 2, Punkt 2.7,Tabelle 2-1, Funktionale Erschließung des HumboldtForums, Teil 5, Ordner 5.5). Die Fläche für die Außengastronomie soll eine Mindestbreite von 6 m aufweisen. Versorgungsanschlüsse für Schanktresen im Freiraum sind in die Gestaltung zu integrieren. In diesem Abschnitt beträgt die Breite des erforderlichen Fluchtweges 3 m, sodass die notwendige Breite der Terrasse hier mindestens 9 m umfassen muss. Im Zusammenhang mit einer barrierefreien Erschließung des Uferbereiches an der Spree ist zu beachten, dass die Fluchtwege, die parallel zum Belvedere in Richtung der Straße Schloßplatz (Nord) verlaufen, bis zu einer Breite von 8,25 m – frei von Hindernissen und Stufen – zu gestalten sind. Der Auslober befürwortet eine erlebnisreiche Stufen- und Rampengestaltung des Spreeufers, ist jedoch offen für andere, überzeugend gestaltete Uferlösungen. Die Anbindung der Unterführung Rathausbrücke und die funktionalen Vorgaben aus dem Humboldt-Forum sind zu berücksichtigen. Vor dem Abriss des Palastes der Republik wurde das historische Geländer des Spreeufers analog der gegenüberliegenden Seite gesichert, restauriert und eingelagert. Eine Wiederverwendung des Geländers ist möglich, aber nicht zwingend erforderlich (siehe Teil 5, Ordner 5.14). Die Zugänglichkeit zu Rettungsleitern an der Uferwand ist sicherzustellen.

3.6	

Schloßplatz (West), ehemalige Schlossfreiheit

In der Vergangenheit und auch zukünftig wird dieser Raum am Spreekanal zur Adressenbildung beitragen. An dieser Seite des Humboldt-Forums liegt das kuppelgekrönte Portal mit seiner weiten Ausstrahlung in die Straße Unter den Linden. Auf dem Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals Kaiser Wilhelm I. wird zukünftig das Freiheits- und Einheitsdenkmal stehen. Ein barrierefreier Zugang zum Denkmal sowie die gestalterische und funktionale Einbindung in den Platzraum sind zu berücksichtigen. Sichtbeziehungen auf das Denkmal müssen freigehalten werden (siehe Teil 2, Punkt. 2.6). Straßenraum Der Schloßplatz (West), d.h. die ehemalige Schloßfreiheit, stellt eine Verbindung zur Erschließung des Humboldt-Forums dar. Geplant ist die Ausweisung des Schloßplatzes (West) als verkehrsberuhigter Bereich gemäß § 325 StVO. Die Gestaltung muss die Wertigkeit als Aufenthaltszone deutlich vermitteln. Alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt, eine gegenseitige Rücksichtnahme ist gefordert. Um den verschiedenen Verkehrsteilnehmern Orientierung zu geben, muss der Bereich durch gestalterische Elemente wie Laufflächen, Haltezonen und Fahrstreifen optisch und taktil strukturiert werden. Wie in den anderen Teilräumen sind die Oberflächen nutzerfreundlich zu gestalten. Bei der Flächenzonierung sind Fahrstreifen, ein Haltestreifen für Stadtrundfahrtbusse und Taxis vorzusehen sowie zusätzliche Aufstellflächen und Vorfahrten am Portal III zu integrieren (siehe Teil 5, Ordner 5.5).

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Nutzungen und Erschließungsfunktionen Der neue Platzraum wird sich vom Ufer des Spreekanals bis zur Gebäudefassade erstrecken und die Verbindung auf gleicher Ebene einerseits zum nördlichen Raum Schloßplatz (Nord) mit dem Lustgarten und andererseits zum Platzraum Schloßplatz (Süd) herstellen. Diese räumliche Funktion – unter Beachtung der gestalterischen Einheit des gesamten Umfeldes – bedarf einer intensiven Auseinandersetzung bei der Bearbeitung des Wettbewerbsentwurfes. Der Raum wird künftig auch wichtige Verbindungsfunktionen zur Museumsinsel wahrnehmen. Die optische Wirkung des Portals III und dessen Einbindung in den Platzraum ist von weitreichender Bedeutung für die Stadtkulisse am Spreekanal und Kupfergraben. Dieser Flächenabschnitt wird eine relativ hohe Frequentierung von Besuchern des Humboldt-Forums und des Freiheits- und Einheitsdenkmals aufweisen. Die Besucher verteilen sich auf der Seite des Spreekanals von den U-BahnAusgängen, den Stadtrundfahrtbussen und Taxis zu den Portalen II, III, und IV, d.h. die Fahrbahnen und die Haltezonen müssen sicher zu queren sein. Zu erwarten ist, dass sich eine deutliche Wegebeziehung zwischen den U-Bahn-Ausgängen und den Portalen III und IV einstellen wird. Die Nutzung des Aufzuges der U-Bahn erfordert eine besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich der Sicherheit und des Komforts der Besucher; an passender Stelle sollte eine komfortable Querungshilfe angeboten werden. U-Bahn-Ausgänge Der U-Bahn-Ausgang Schloßplatz (West) liegt in Nähe zum Portal III, der dazugehörige Aufzug befindet sich am Ufer des Spreekanals. Als technische Bauwerke befinden sich am Aufzug zwei Lüftungsschächte in Form von Gitterrosten, die in die Platzgestaltung niveaugleich zu integrieren sind (siehe Teil 5, Ordner 5.5, 5.11). Haltezone In der Haltezone sind Aufstellflächen für zwei Stadtrundfahrtbusse (61 x 3 m) und für drei Taxis (18 x 2,5 m) anzuordnen. An den Haltestellen der Taxis ist ein Standort für eine Rufsäule vorzusehen. Um die Sicht von der Schloßbrücke auf das Portal III nicht zu verstellen, sollen die Taxis im nördlichen Flächenabschnitt stehen, die Stadtrundfahrtbusse im mittleren Abschnitt. Die Freiflächen vor dem künftigen Freiheits- und Einheitsdenkmal dürfen nicht mit Fahrzeugen zugestellt werden (siehe Teil 5, Ordner 5.5). Fahrradstellflächen Im Bereich Schloßplatz (West) sind 30 Fahrradstellplätze freiraumverträglich und nutzerfreundlich unterzubringen. Sie sind zwischen dem Freiheitsund Einheitsdenkmal und dem U-Bahn-Ausgang zu platzieren. Aufstellfläche für LKW-Anlieferung und Vorfahrt Das Portal III erhält eine dauerhafte Vorfahrt, deren Aufstellfläche direkt vor dem Portal III liegt. Seitlich davon sind neben den Aufstellflächen für die Feuerwehr auch Aufstellmöglichkeiten für anliefernde LKWs im Bedarfsfall zu schaffen, d.h. eine temporäre Nutzung mit Sondererlaubnis soll möglich sein (siehe Teil 5, Ordner 5.5).Großformatige Kunstobjekte gelangen über das Portal III in das Innere des Humboldt-Forums.

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Spreekanal Durch eine Öffnung des Raumes zum Spreekanal kann in Richtung Norden eine optische Weite erzielt und ein tiefer Einblick in die Kupfergrabenlandschaft – vom Werderschen Markt mit der Bauakademie und Schinkelplatz, Kommandantur und Zeughaus bis zur Museumsinsel – gewährt werden. Entsprechend sollte die Uferzone für die „postkartenartigen“ Ausblicke freigehalten und nicht durch Einrichtungen jedweder Art verstellt werden. Entlang der Uferbefestigung ist ein 6 m breiter lastfreier Streifen für die Instandhaltung zu beachten. Auf Baumpflanzungen ist in diesem Bereich zu verzichten. Freiheits- und Einheitsdenkmal Wettbewerbsaufgabe ist die gestalterische Einbindung des Freiheitsund Einheitsdenkmals in das Umfeld des Humboldt-Forums sowie seine barrierefreie Erschließung. Am zukünftigen Denkmal werden öffentliche Veranstaltungen und Gedenkfeiern stattfinden, d.h. eine großzügige Aufenthaltsfläche muss entsprechende Berücksichtigung finden (siehe Teil 2 Punkt. 2.6, Teil 5 Ordner 5.10). Am unteren Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals Kaiser Wilhelm I. an der Schleusenbrücke befindet sich das Schleusengärtchen, das einer angemessenen Aufwertung bedarf. Im Schleusengärtchen steht der älteste Baum vor Ort, eine Eiche, die die vielen Veränderungen im Umfeld überstanden hat und u.a. deshalb zu schützen ist. Archäologischer Fund am Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals Der Sandsteinblock, dessen eingemeißeltes Datum an den Umbau der Schleusenbrücke und der Wehranlage des Mühlengrabens erinnert, soll sichtbar an der Fundstelle wieder eingebaut werden (siehe Teil 2, Abb. 2-41).

3.7	

Realisierung, Kostenrahmen, Wirtschaftlichkeit

Realisierung Die Realisierung der Freiraumgestaltung soll zur Eröffnung des HumboldtForums im Jahre 2019 weitestgehend abgeschlossen sein. Es ist davon auszugehen, dass die Umsetzung in Abschnitten und parallel zur Inneneinrichtung des Gebäudes erfolgen wird. Kostenrahmen Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situation der öffentlichen Haushalte legt der Auslober besonderen Wert auf eine dem Ort angemessene und trotzdem kostengünstige, wirtschaftliche und nachhaltige Lösung, sowohl bei den Investitionen als auch bei den Kosten der Pflege und Unterhaltung. Insgesamt stehen aus der Entwicklungsmaßnahme „Hauptstadt Berlin – Parlaments- und Regierungsviertel“ für den Realisierungsteil inklusive Spreeufererschließung 10.325 Mio. Euro zur Verfügung. Darin sind 19% Umsatzsteuer, 5% Unvorhersehbares und 15% Planungskosten enthalten. In diesen Kosten nicht berücksichtigt sind der Umbau der Straße Schloßplatz (Nord), die Sanierung des Spreeufers sowie die eventuelle Herstellung der Tiefgaragenstellplätze für mobilitätseingeschränkte Gäste.

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Nach Abzug der Planungskosten stehen nach DIN 276-1, Kostengruppe 500 für die Freiraumgestaltung des Realisierungsteils 8.550 Mio. Euro inkl. 19% Umsatzsteuer als Baumittel zur Verfügung. Diese Summe ist als Kostenobergrenze einzuhalten und entspricht bei einer Größe von 38.060 m² Realisierungsfläche einem Preis von 225 Euro pro m² inklusive 19% Umsatzsteuer (Stand 2012). Eine Preissteigerung bis zur Realisierung ist darin nicht enthalten. Pflegekosten Es ist davon auszugehen, dass das Umfeld des Humboldt-Forums in die Pflegeaufwandsstufe Klasse I – analog dem Pariser Platz und dem Lustgarten – aufgenommen wird. Für die Pflegeaufwandsklasse I stehen 5,32 Euro pro m²/Jahr (2012) zur Verfügung.

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Teil 4	 Anhang 4.1	 Historische Entwicklung von Berlins Mitte

Chronologie der Entwicklung 1232	 Die auf der Spreeinsel gelegene Siedlung Cölln am Fernhandelsweg erhält Stadtrecht 1230-1240	 Erste urkundliche Erwähnung Berlins auf dem rechten Spreeufer 1297	 Erstmalige Erwähnung des Dominikanerklosters, bestehend aus einem Wohnturm, Klosterfriedhof und dreischiffiger Hallenkirche 1307	 Bau eines gemeinsamen Rathauses auf der Langen Brücke 1443	 Beginn des Schlossbaus; aus Burg und einem 1438 errichteten Wasserschloss entsteht das sich über Jahrhunderte verändernde Stadtschloss 1514	 Abriss des gemeinsamen Rathauses auf der Langen Brücke 1535	 Aufhebung des Klosters durch Joachim II (Kurfürst von Brandenburg). 1536	 Nutzung der Klosterkirche als Domkirche der Hohenzollern, der ehemalige Wohnturm wird zum Glockenturm umgebaut; Einrichtung einer Begräbnisstätte 1538-1540	 Umbau zum Renaissanceschloss durch Konrad Krebs und Caspar Theiß 1585	 Bau des Apothekenflügels 1645-1647	 Erste nachweisbare Gestaltung des Lustgartens 1647	 Aufpflanzung der Allee Unter den Linden 1650	 Bau einer Festungsanlage nach dem Dreißigjährigen Krieg 1658	 Bau der Lustgartenbastion 1662	 Friedrichswerder wird als erste Stadterweiterung gegründet 1673	 Erste Bebauung der Schlossfreiheit; 1671 Erlass des Kurfürsten Friedrich Wilhelm („Großer Kurfürst“) zur Bebauung 1681	 Steinerne Pfeilerarkaden vor der Südfassade des Schlosses von Johann Arnold Nering 1683	 Fertigstellung der Stadtbefestigung durch Johann Gregor Memhardt 1685-1687	 Bau des Pomeranzenhauses auf der Lustgartenbastion durch Johann Arnold Nering 1688	 Barocke Neugestaltung des Lustgartens 1698	 Beginn des Schlossumbaus durch Andreas Schlüter; Entscheidung zur Residenzstadt-Entwicklung in Richtung Westen 1713	 Planierung des Lustgartens 1716	 Abriss des Glockenturmes an der Domkirche 1735-1740	 Entwicklung des Forum Fridericianums (Linden-Forum); es entstehen die Bauten um den Opernplatz: Oper, Kronprinzen- und Prinzessinnenpalais sowie Preußische Bibliothek. Später ergänzen Universität und St. Hedwigskathedrale das Forum; Unterstreichung des Charakters der Residenzstadt 1740	 Nach Regierungsantritt Friedrichs II. Öffnung der Schlosshöfe für die Bürger

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1747	 1747-1750	 1788-1791	 1798	 1805	 1817-1822	 1821-1824	 um 1822	 1824-1828	 1825	 1829-1833	

1831	

1832-1836	 1840	 1841-1859	 1842-1845	 1844-1852	 1846	

1854-1857	

1871	 1867-1876	 1870-1871	 1871	 1885-1886	 1886-1889	 1888	 1891	 1892	 1892-1893	 1893	 1894-1895	

Abriss der Domkirche auf dem Schlossplatz Bau des Doms im Lustgarten durch Johann Boumann Bau des Brandenburger Tores als westlicher Abschluss der Allee Unter den Linden durch Carl Gotthard Langhans Raseneinsaat im Lustgarten und Umpflanzung mit Pappeln Einweihung der neuen Börse im Lustgarten Umbau des Doms; Vorpflanzung von Pappelgruppen durch Karl Friedrich Schinkel Bau der Schlossbrücke nach Plänen Karl Friedrich Schinkels Erste landschaftliche Gestaltung des Schlossgärtchens an der Spree Bau des Alten Museums durch Karl Friedrich Schinkel Neubau der Eisernen Brücke Neuanlage des Lustgartens nach Plänen Karl Friedrich Schinkels, ab 1830 unter Beteiligung von Peter Joseph Lenné Aufstellung einer von (Johann) Christian Gottlieb Cantian gestalteten Granitschale vor der Freitreppe des Alten Museums Errichtung der Bauakademie nach Entwürfen Karl Friedrich Schinkels Neugestaltung des Schlossgärtchens an der Spree Bau des Neuen Museums durch Friedrich August Stüler Bau der Schlossterrasse Bau von Schlosskapelle und Kuppel durch Friedrich August Stüler und Johann Gottfried Schadow Aufstellung der Rossebändiger von Peter Clodt von Jürgensburg und der Adlersäule von (Johann) Christian Gottlieb Cantian Aufstellung der Schlossbrückenfiguren nach Entwürfen der Bildhauer Ludwig Wilhelm Wichmann, Friedrich Drake, August Wredow, Emil und Albert Wolff, Karl Heinrich Möller, Hermann Schievelbein und Gustav Blaeser Baubeginn der Stadtbahn auf dem ehemaligen Festungsgraben Bau der Nationalgalerie durch Johann Heinrich Strack Neugestaltung des Lustgartens durch Johann Heinrich Strack Aufstellung des Reiterstandbildes Friedrich Wilhelms III. von Christian Daniel Rauch im Lustgarten Teilabriss des Apothekenflügels und Abriss des Hofoffiziantenhauses für den Durchbruch der Lindenachse Bau der Kaiser-Wilhelm-Brücke Nach Regierungsantritt Wilhelms II. Schließung der Schlosshöfe Einweihung des Neptunbrunnens von Reinhold Begas auf dem Schlossplatz Beginn des Umbaus des Weißen Saals Abriss der Häuser an der Schlossfreiheit und Neubau von Ufermauer und Terrassen an der Spree Abriss des Doms; Fragment des Campo Santo und der Börse im Lustgarten Bau der Kurfürstenbrücke anstelle der Langen Brücke

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1894-1905	 1894-1897	 1895-1896	 1901	 1905	 1906	 1907	 1910-1916	

1918-1919	 1921	 1934	 1935	

1945	 1950-1951	 1951	

1957	 1959	 1961-1962	

1962-1963	 1963-1966	 1973-1976	

1990	

1992	 1993	 1993	 1995-1996	 1996	 1997	

1997-2002	

Neubau des Doms durch Julius Carl Raschdorff Schaffung des Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I. durch Reinhold Begas und Ernst von Ihne Neubau der Ufermauer und der Terrasse für das Schlossgärtchen Anlage des westlichen und südlichen Vorgartens am Schloss Anpassung des Lustgartens an den neuen Dom Abriss des Maschinenhauses im Lustgarten Anlage des Gartens hinter dem Dom (Freudemann) Bau des Pergamonmuseums durch Alfred Messel und Ludwig Hoffmann; Bauunterbrechung durch den Ersten Weltkrieg; Wiederaufnahme und Fertigstellung 1925-1930 Revolution und Ende der Monarchie; das Schloss verliert seine politische und repräsentative Funktion Eröffnung des Schlossmuseums und anderer öffentlicher Einrichtungen im Schloss Während des Nationalsozialismus ist das Schloss kurzfristig Sitz der Reichskammer für Bildende Künste Umbau des Lustgartens als befestigter Aufmarschplatz und Versetzung der Granitschale hinter den Dom (Conrad Dammeier) Kriegseinwirkungen beschädigen Schloss und andere repräsentative Bauten im Umfeld Abriss von Schloss und Nationaldenkmal Überformung des Schlossareals zum Marx-Engels-Platz für große Kundgebungen und Demonstrationen (sonst Parkplatz) Wettbewerb für den Wiederaufbau des gesamten Berliner Zentrums (Bundestag und Senat) Ideenwettbewerb zur sozialistischen Umgestaltung des Zentrums der Hauptstadt der DDR Abriss der Bauakademie, die als Rohbau bereits saniert wurde, wird zugunsten des neuen Außenministeriums (1964-1967) abgetragen Bau des Staatsratsgebäudes unter Einbeziehung des Schlossportals IV; Umbenennung in Liebknechtportal Bau des Außenministeriums der DDR Bau des Palastes der Republik von Heinz Graffunder und Karl-Ernst Swora als Volkshaus (Großer Saal, Theater, Restaurants, Kegelbahn) mit Sitz der Volkskammer Schließung des Palastes der Republik wegen Asbestbelastung; Nutzung des Platzes vor dem Palast für vielfältige Veranstaltungen und als Parkplatz „Arbeitsgemeinschaft Spreeinsel“: kritische Rekonstruktion des Stadtgrundrisses Visualisierung des Schlosses als Folienkulisse Internationaler städtebaulicher Ideenwettbewerb Spreeinsel Abriss des Außenministeriums der DDR Vorstellung erste Variante Planwerk Innenstadt Ausschreibung eines europaweiten Interessenbekun­ dungsverfahrens für eine Public-Private-Partnership (Bund/Senat) Asbestsanierung des Palastes der Republik

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1999-2000	

1998-1999	 2002	

2002-2006	 2006-2008	 2007	

2008	

2008-2011	 2009-2011	

Einrichtung einer internationalen Expertenkommission „Historische Mitte Berlin“ durch Bundesregierung und Senat Neuanlage des Lustgartens nach Entwürfen des Ateliers Loidl, Berlin Abschlussbericht der internationalen Expertenkommission „Historische Mitte Berlin“; Abstimmung im Deutschen Bundestag (4 Juli 2002) Zwischennutzung des Palastes durch Ausstellungen und Kulturfestivals Abriss des Palastes der Republik Beginn der „Temporären Freiraumgestaltung Schlossareal“ nach Entwürfen von relais Landschaftsarchitekten (Berlin), mit momentum3 (Hannover); Errichtung einer temporären Ausstellungshalle am Spreekanal Durchführung eines internationalen Realisierungswett­ bewerbes zur Wiedererrichtung des Berliner Schlosses/ Bau des Humboldt-Forums im Schlossareal Berlin. Der Architekt Franco Stella erhält den 1. Preis für seinen Entwurf. Archäologische Ausgrabungen des Dominikanerklosters und der Schlossfundamente Bau der „Humboldt-Box“

Geografische Bedingungen Die frühe Siedlungsentwicklung wurde durch die Eigenart der eiszeitlich geformten Urlandschaft beeinflusst. Nach der letzten Vereisung vor ca. 10.000 Jahren entstand am Rand der Eismassen ein breites Urstromtal (Warschauer-Berliner Urstromtal) mit einer weitgehend ebenen aber sandig-sumpfigen Landschaft. Die gute Querungsmöglichkeit über die Spree mit ihren Inseln und Werdern begünstigte die Besiedlung dieses Bereiches. Die Entwicklung Berlins, zunächst als Kaufmanns- und Marktsiedlung, später als königliche Residenzstadt, ist auf zweierlei zurückzuführen: zum einen auf die geografische Lage mitten in Europa, im Schnittpunkt bedeutender Handelsstraßen zwischen Rhein bzw. Elbe und Oder in west-östlicher sowie zwischen Ostsee und Mitteldeutschland in nord-südlicher Richtung und zum anderen auf die Lage an der Spree mit der Anbindung an ein weiträumiges Wasserstraßennetz. Stadtgründung und frühe Siedlungsentwicklung Ursprünglich von Germanen und später durch Slawen besiedelt, wurden durch deutsche Kaufleute und Handwerker zwei Niederlassungen (beides Marktorte mit eigenen Pfarrkirchen) an einer Furt der Spree gegründet, die sich vermutlich in Höhe des heutigen Mühlendamms befand. Die Stadtgründungen von Alt-Berlin und Cölln erfolgten in der Mitte des 13. Jahrhunderts. In der Teilstadt Alt-Berlin wurden die wichtigsten öffentlichen Bauten wie Kirchen und Rathäuser zunächst auf Talsandinseln errichtet. Die schwierigen Baugrundverhältnisse gestalteten sich mit zunehmender Entfernung zur Spree unproblematischer, weshalb hier bereits um 1300 eine Neustadt angelegt wurde. Die Teilstadt Cölln dagegen war auf einem Werder ange-

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legt und konnte wegen seiner strategischen Lage besser befestigt werden, allerdings zulasten weiterer Ausdehnungsmöglichkeiten (vgl. Arnold 1998, S. 17). Die spätere Spreeinsel, deren südliche Hälfte die Teilstadt Cölln einnahm, lag zwischen Spree-Arm und Spree-Tal, die beide durch nacheiszeitliche Schmelzwassererosion entstanden waren. Zahlreiche historische und neuere Darstellungen zeigen allerdings keine wirkliche Insel-Lage, da der westlich gelegene Spree-Arm nicht regelmäßig Wasser führte, sondern nur sumpfiger Überschwemmungsbereich war. Vermutlich nutzten die Cöllner erst um 1239 die Niederung des Spree-Arms zur Anlage eines schützenden Stadtgrabens, der etwa bis zur heutigen Schleusenbrücke reichte und als Ablassgraben quer über den späteren Schloßplatz zurück zur Spree geführt wurde. Zur Flutung dieses Grabens, den erst um 1280 eine Stadtmauer ergänzte, musste die Spree in Höhe des Mühlendamms gestaut werden (vgl. Vahldiek 2007). Die Ende des 12. Jahrhunderts gegründeten Schwesterstädte Berlin und Cölln nahmen jede einen Bettelorden auf. Mitte des 13. Jahrhunderts ließen sich die Franziskaner am Nordrand von Alt-Berlin nieder. Im kleineren Cölln dagegen wird der Orden der Dominikaner – ebenfalls am Rande der Stadt – erstmals 1300 mit Nennung des Priors Wilhelm erwähnt. Die Doppelstadt Alt-Berlin/Cölln wurde nach außen durch eine erstmals 1319 erwähnte mittelalterliche Stadtmauer befestigt. Zwei Spree-Übergänge, über die der Handelsfernverkehr führte, förderten das Zusammenwachsen beider Städte: der Mühlendamm, der zugleich die Spree aufstaute und die Neue (Lange) Brücke.

Abb. 4-1:	

Stadtplan von Alt-Berlin und Cölln im Spätmittelalter (1250-1500) mit Nennung der Stadtteile

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Um 1350 wurde die Doppelstadt Mitglied der Hanse. Kaiser Karl IV. bestätigte den Bürgern ihre Rechte. 1432 erfolgte schließlich der Zusammenschluss der beiden Städte.Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg („Eisenzahn“) löste die Verwaltungseinheit Berlin/Cölln jedoch wieder auf und beschlagnahmte auf dem Nordteil der Spreeinsel vier Johanniterdörfer zum Bau eines kurfürstlichen Schlosses. 1443 erfolgte die Grundsteinlegung für eine Burg, welche die auf der Spreeinsel kreuzenden Handelswege kontrollieren sollte. Die Burg wurde 1451 schließlich bezogen. Der dritte Kurfürst zu Brandenburg, Albrecht III. Achilles erklärte Berlin/Cölln 1470 nunmehr zur ständigen Residenz der Kurfürsten zu Brandenburg. Zuverlässig zeigt der älteste bekannte Stadtplan von Berlin, der MemhardtPlan von 1652, die spätere Form der Spreeinsel, deren nördlicher Teil hier bereits vom „Neuen Ausfluss der Spree“, dem heutigen Kupfergraben, begrenzt wird. Westlich des Bereiches des späteren Schloßplatzes waren mehrere Gräben und Inseln geschaffen worden, auf denen die Werderschen Mühlen standen. Der östlichste dieser Gräben war der Mühlengraben, von dessen Existenz heute nur noch ein Auslass im Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals zeugt. Bei Memhardt lässt sich ein Abzweig dieses Grabens zur sogenannten Wasserkunst erkennen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstanden, diente sie als Wasserhebewerk, welches hauptsächlich zur Bewässerung des kurfürstlichen, später königlichen Gartens, aber auch als Wasserzufluss zu wirtschaftlichen Zwecken in das Schloss gedacht war (vgl. Arnold 1998, S. 23).Da die Wasserkraft hier auch zum Betrieb der kurfürstlichen Münzwerkstatt diente, wurde das Bauwerk auch als Münzturm bezeichnet.

Abb. 4-2:	

Stadtplan von Berlin und Cölln aus dem Jahre 1652 von Johann Gregor Memhardt

Mit Ausnahme weiterer Kanalisierungen und Begradigungen im Bereich von Schleuse und Mühlengraben haben sich Form und Lage der Spreeinsel seither nicht mehr wesentlich verändert. Auf dem lange als unbebaubar gelten-

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den Nordteil der Spreeinsel sind die größten und repräsentativsten Bauten erst viel später entstanden, beginnend mit dem Schloss im Jahre 1443. Alt-Berlin lag östlich der Spree. Der südliche Teil um St. Nicolai datiert schon vor 1237 und ist damit etwas älter als der nördliche Teil um St. Marien, der erst in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als mittelalterliche Stadterweiterung angelegt wurde. Zwischen beiden Teilen verlief die Georgenstraße (Oderbergerstraße), die heutige Rathausstraße, welche im Zuge der Erweiterung zur Hauptstraße von Alt-Berlin wurde. Nachdem um 1680 noch innerhalb der Festungsanlage auf Cöllner Seite die kleine Vorstadt „Neu-Cölln am Wasser“ entstanden war, wuchsen vor den Toren außerhalb der Befestigung im Norden, Osten und Westen mehrere weitere Siedlungen heran, die als Vorstädte bezeichnet und zu Alt-Berlin und Cölln gerechnet wurden: die Spandauer Vorstadt vor dem Spandauer Tor, die Georgenvorstadt (später Königsstadt) vor dem Georgen- bzw. Königstor, die Stralauer Vorstadt vor dem Stralauer Tor, die Köpenicker Vorstadt sowie die Teltower oder Leipziger Vorstadt. Die Stadtanlage war für eine Residenz im Vergleich zu anderen Städten sehr klein. Es fehlte eine größere Kirche und ein repräsentatives Rathaus, es gab keinen großen Marktplatz, sondern nur eine Kreuzung zweier Fernstraßen, die heutige Spandauer Straße sowie Rathausstraße. Straßen und Plätze waren klein und bescheiden. Bis weit in das 17. Jahrhundert hat sich die mittelalterliche Doppelstadt kaum verändert. Entwicklung im Königreich Preußen Nachdem bereits Mitte des 16. Jahrhunderts unter Kurfürst Joachim II. das Burgschloss abgetragen und in ein dreigeschossiges Renaissanceschloss umgebaut wurde, begann durch Kurfürst Friedrich III., dem späteren König Friedrich I. in Preußen, der Aus- und Erweiterungsbau des Schlosses zu einer Königsresidenz. Damit verbunden war auch eine Umgestaltung des bürgerlichen alten Berlins zu einer königlichen Residenzstadt. In einer ersten Planung, vermutlich von Andreas Schlüter, für einen bedeutenden Profanbau des protestantischen Barocks wurde die Schauseite des Schlosses nach Osten gelegt, verbunden mit dem Anspruch, das alte Berlin dem neuen Schloss im Sinne des absolutistischen Städtebaus unterzuordnen. So wurde auch in der Mitte der neuen repräsentativen Kurfürstenbrücke die Statue des Großen Kurfürsten, des Begründers der gewandelten Bedeutung Preußens, errichtet. Die heutige Rathausstraße wurde nach der Krönung von Kurfürst Friedrich III. (König Friedrich I.) in Königsberg 1701 in Königsstraße unbenannt und war von Schlüter als eine repräsentative Straße geplant. Die hölzerne Königsbrücke über den Festungsgraben wurde durch eine Sandsteinbrücke ersetzt (Carl von Gontard, 1780). Die sogenannten Königskolonnaden der Brücke wurden im Zuge der baulichen Expansion Berlins 1910 abgebaut und am Parkeingang des Heinrich-von-Kleist-Parks in Schöneberg wieder aufgestellt. Mit der Gründung der Dorotheen- und Friedrichstadt, dem Ausbau der Allee Unter den Linden zur „Via Triumphalis“, welche die Bedeutung der Königsstraße übernahm und der Anlage des Forum Fridericianum entstand

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der „neue“ Schwerpunkt der Stadt in westlicher Richtung. So orientierte sich im Zuge des weiteren Ausbaus auch das Schloss nach Westen. Städtebaulich vollendet wurde der Schlossbezirk erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hauptsächlich durch Karl Friedrich Schinkel, dem Baumeister der Schloßbrücke, des Alten Museums, des umgestalteten Doms sowie der Bauakademie und der Friedrichswerderschen Kirche westlich des Spreekanals. Das Stadtschloss selbst erhielt mit der 1854 errichteten Kuppel über dem Eosanderportal seine endgültige äußere Gestalt. Die Anbindung des mittelalterlichen Stadtkerns an das Residenzschloss erfolgte erst 1888. Dazu wurden im Umfeld der Marienkirche bestehende Gebäude systematisch abgerissen, um die Kaiser-Wilhelm-Straße anzulegen, der Vorläufer der Karl-Liebknecht-Straße.

Abb. 4-3:	

Stadtplan von 1742

Zeit der Brüche Mit der Krönung des preußischen Königs Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser wurde das Berliner Stadtschloss 1871 zur Staatsmitte des neuen Reiches. In der darauf folgenden „Gründerzeit“ wuchs Berlin rasant zur Industriemetropole, die Stadtbevölkerung verdreifachte sich bis 1900 auf knapp drei Millionen Menschen. Auch wenn das Stadtschloss selbst in dieser Zeit äußerlich kaum verändert wurde, so führten das gestiegene Repräsentationsbedürfnis des Kaisers und Erfordernisse der Stadtentwicklung zu einigen Veränderungen in seiner Umgebung: Die Straße Unter den Linden, die bis dahin als Sackgasse im Lustgarten geendet hatte, wurde bis 1893 mit dem Bau der KaiserWilhelm-Brücke (heute Karl-Liebknecht-Brücke) in Richtung Alexanderplatz verlängert, wofür ein Teil der Schlossapotheke abgerissen wurde. Die Bürgerhäuser an der Schloßfreiheit am Spreekanal mussten dem 1897 eingeweihten, monumentalen Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I. weichen. Damit war das Schloss nach allen Seiten frei gestellt. Am Lustgarten ersetzte der Maßstab sprengende, 1905 fertig gestellte Berliner Dom von Raschdorff den alten Schinkelschen Bau. Der Schloßplatz wurde mit dem

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1888 aufgestellten Neptunbrunnen neu angelegt und erhielt mit dem 1900 errichteten Neuen Marstall einen monumentalen südöstlichen Abschluss an der erneuerten Langen Brücke (heute Rathausbrücke). Das neue städtebauliche Leitbild einer Metropole hatte für Alt-Berlin erhebliche Konsequenzen: Von der Planung für eine verkehrsgerechtere Stadt seit den 1920er Jahren über die Herausbildung sogenannter Großgrundstücke für eine „zweitklassige“ Nutzung für größere Dienstleistungsstandorte (im Gegensatz zu den erstklassigen im Westen des Schlosses) bis hin zum sogenannten Kahlschlag – all diese Maßnahmen ließen keine Rücksichtnahme auf den historischen Stadtgrundriss erkennen. Die eigentlichen Orte des Regierens waren die Reichskanzlei sowie wichtige Ministerien in der Wilhelmstraße. Nach dem erzwungenen Ende der Monarchie 1918 hatte das Schloss seine politische Funktion endgültig verloren und bot mit seinen über 1.200 Räumen Platz für eine Vielzahl öffentlicher Einrichtungen, Behörden und Vereine. Die Planungen der Weimarer Zeit wurden in der Folge unter dem nationalsozialistischen Regime umgesetzt: Es begann der blocktiefe Abriss der alten Bebauung entlang der Kaiser-Wilhelm-Straße, um sie als Ost-West-Achse erheblich zu verbreitern. Der Lustgarten, der schon in der Weimarer Republik zur Stätte politischer Demonstrationen geworden war, wurde von den Nationalsozialisten 1936 gepflastert und mit der Schlosskulisse für die Inszenierung großer Kundgebungen genutzt (siehe auch Punkt 4.2. Das Schloss und sein Umfeld).Diese Baumaßnahme wurde allerdings nicht vollendet. Nach den politischen Brüchen der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde das stark zerstörte Alt-Berlin Teil des Zentrums von Ost-Berlin.1950 entschied das Zentralkomitee der SED den Wiederaufbau der zerstörten historischen Gebäude Unter den Linden. Das Berliner Schloss jedoch musste den Planungen für das politische Zentrum der DDR weichen. Der Lustgarten und das Schloss mit seinem Umfeld wurden zum großen Aufmarschplatz der DDR, das gesamte Areal wurde in „Marx-Engels-Platz“ umbenannt. Aus der Stalinzeit lag die Planung eines Hochhauses nach Moskauer Vorbild für Partei- und Staatsorgane als Schlossersatz vor. Nach dem Bau der KarlMarx-Allee (Stalinallee) sollte die Anlage des heutigen Rathausforums eine konzeptionelle wie räumliche Verbindung zwischen der Neubebauung des Alexanderplatzes als Ort des Konsums mit dem einstigen Schlossareal als Ort der Staatsmitte der DDR herstellen. Auf der Höhe der Marienkirche begann der Wiederaufbau mit einer neuen, zeitgemäßen Architektur, die frei an den historischen Stadtgrundriss anschloss. Zu dieser Zeit war Alt-Berlin noch präsent, viele alte Straßen und zahlreiche Bauten existierten noch. Die Verantwortlichen hatten jedoch andere Vorstellungen bzw. Pläne. 1958 wurde ein internationaler Wettbewerb zur „sozialistischen Umgestaltung des Zentrums der Hauptstadt der DDR, Berlin“ als Antwort auf den von Bundesregierung und West-Berliner Senat 1957 durchgeführten Wettbewerb „Hauptstadt Berlin“ ausgeschrieben. Die Ergebnisse beider Wettbewerbe zeigten, dass die meisten Planer in Ost und West entschlossen waren, die alte Stadtmitte zugunsten einer völlig neuen Zentrumsstruktur aufzugeben. Der Bereich um das ehemalige Stadtschloss in Ost-Berlin sollte als Standort für ein zentrales

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Regierungsgebäude vorgesehen werden. Der Wiederaufbau des historischen Stadtraumes bzw. des Schlosses wurde nicht vorgesehen.

Abb. 4-4:	

Westberliner Wettbewerb „Hauptstadt Berlin“ 1957

Abb. 4-5:	

Ostberliner Wettbewerb „Sozialistische Umgestaltung des Zentrums der Hauptstadt der DDR, Berlin“ 1958/59

In Ost-Berlin wurden städtebauliche Konzeptionen aus der Stalinzeit weiter verfolgt, jedoch mit einer modernisierten Architektur. Hermann Henselmann präsentierte beispielsweise einen Vorschlag, das Hochhaus auf dem MarxEngels-Forum durch einen Fernsehturm – als Zeichen des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts im Sozialismus – zu ersetzen. Nach einer Phase der Ablehnung durch die politische Führung der DDR setzte sich das Projekt mit einem weiter östlich gelegenen Standort schließlich durch. 1964 wurde ein erster Vorschlag zur Neugestaltung des Zentrums veröffentlicht. Dieser zeigte bereits die wesentlichen Grundzüge der späteren städtebaulichen Anlage: den Fernsehturm in der Nähe des neuen Alexanderplatzes, noch mit einer ringartigen Bebauung am Fuße des Turmes, einen Freiraum, der sich bis zur in Tunnellage geführten Spandauer Straße zieht sowie einen würfelartigen Neubau zwischen Spandauer Straße und Spree. Für das Nikolaiviertel lag ebenfalls ein moderner Bebauungsvorschlag vor, der 1969 modifiziert wurde. Ebenso hatte der Freiraum zwischen dem Alexanderplatz und der nicht mehr getunnelten Spandauer Straße seine hexagonale Form erhalten. 1976 präsentierte Dieter Bankert das heutige Marx-Engels-Forum als einen zur Spree hin orientierten Wasserraum, der im Westen mit dem neuen Palast der Republik einen räumlichen Abschluss erhielt. Mit der Anlage des Denkmals für die Begründer des Kommunismus (Karl Marx und Friedrich Engels) war die Gestaltung des großen Freiraums zwischen Alexanderplatz und Spree vollendet.

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Die letzte städtebauliche Entscheidung betraf das Nikolaiviertel. Nach einem Wettbewerbsverfahren entschied man sich für einen Wiederaufbau in neomittelalterlicher Form. Mit dieser städtebaulichen Neuorientierung fand die sozialistische Stadt ihre Vollendung in der neu interpretierten alten Stadt

Abb. 4-6:	

Staatsmitte DDR 1991

4.2	

Das Schloss und sein Umfeld

Das Berliner Schloss war zunächst die Hauptresidenz (Winterresidenz) der Markgrafen und Kurfürsten von Preußen, später der Könige in bzw. von Preußen sowie der Deutschen Kaiser. Das Stadtschloss und sein Umfeld änderten ihr Erscheinungsbild jeweils nach den zeitgemäßen Vorlieben der Herrschenden und deren Interessen, dem vorherrschenden Zeitgeist in der Architektur und Gartenkunst sowie in der kulturellen, wissenschaftlichen und sozialen Diskussion.

Abb. 4-7:	

Berliner Schloss 1930

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Dieser Wandlungsprozess lässt sich anhand von sechs Epochenabschnitten gut verdeutlichen; vorab zeigt ein kleiner Exkurs die Baugeschichte des Schlosses. Grundsätzlich gliederte der Baukörper des Schlosses sein Umfeld in vier Räume: im Norden der Lustgartenbereich mit den Terrassen am Schloss, einer Platz- und Gartenanlage; im Westen die sogenannte Schloßfreiheit, zuerst mit Bürgerhäusern am Spreekanal, später mit dem Nationaldenkmal; im Süden lag der Schloßplatz, und die östliche Seite wurde vom Ufer der Spree eingenommen. Um das Schloss herum gruppierten sich verschiedene kleinteilige Gärten. Die äußeren Plätze am Schloss waren mit dem innen liegenden Schlüter- und Eosanderhof verbunden, sodass man von einer großen Transparenz zwischen Innen und Außen sprechen konnte. Die Baugeschichte des Berliner Schlosses „Das Berliner Schloss scheint auf den ersten Blick ein einheitlicher Bau. Seine Baugeschichte setzt sich durch mehrere Jahrhunderte mit bemerkenswerter Konsequenz fort. [...] Ausgehend vom Kernbau eines Burgschlosses des Kurfürsten Friedrich II. (genannt Eisenzahn) an der Spree, wuchs das Schloss mit Wohn-, Repräsentations- und Verwaltungsräumen langsam im Laufe zweier Jahrhunderte nach Westen, bis fast an den Kupfergraben. Doch erst um 1720 war daraus ein einheitlicher Baukörper geworden, der in den folgenden 200 Jahren innen umgebaut wurde und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nochmals äußere Veränderungen erlebte.“ (Hanemann 1992, S. 9) Am 31. Juli 1443 erfolgte die Grundsteinlegung einer ersten Burganlage, mit der Kurfürst Friedrich II. seinen landesherrlichen Anspruch über die Doppelstadt Berlin/Cölln zum Ausdruck bringen wollte. Nachdem die Bürgerschaft 1448 im „Berliner Unwillen“ um die städtische Eigenständigkeit gerungen und sogar den Bauplatz der Burg unter Wasser gesetzt hatte, wurde der Schlossbau verstärkt vorangetrieben und bereits 1451 beendet. Dieser erste Bau bestand laut Geyer aus einem Flügel an der Spree, dem die Erasmuskapelle vorgelagert war. Unmittelbar neben ihr stand ein massiver Turm, der sogenannte Grüne Hut, vermutlich ein Relikt der Cöllner Stadtbefestigung (vgl. Geyer 1936b, Tafel 13). „Rochus Graf zu Lynar, ein italienischer Ingenieur, errichtete für Kurfürst Joachim Georg seit 1578 verschiedene Bauteile, von denen der wichtigste der Bau des Hauses der Herzogin, als eigenes kleines Schlösschen am Spreeflügel, der südliche Querbau als Abschluss des Kleinen Schlosshofes und der Anbau der Hofapotheke zu nennen sind“ (Hanemann 1992, S. 9 f.). „Unter dem Großen Kurfürsten wurde vor allem der Lustgarten angelegt und mit dem Alabastersaal der Querbau des Schlosses vervollständigt. Das Streben seines Sohnes Friedrich III. nach der Königswürde fand sich auch im Ausbau des Schlosses zu einem prunkvollen, repräsentativen Palast wieder. Andreas Schlüter begann mit der Umformung des Schlosses zum barocken Gesamtkunstwerk. Schlüter ließ die Außen- und Hoffronten der Flügel am östlichen Schlosshof [...] mit den beiden einheitlich gestalteten Fronten zum Schloßplatz und zum Lustgarten ausführen. Die älteren Gebäude an der Spree und am Eishof wurden stehengelassen und von Schlüter mit dem Trakt umbaut, der den Hof nach Osten abschloss.“(Petras 1992, S. 10)

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Wegen des Einsturzes des Münzturms, mit dessen Ausbau Schlüter betraut war, fiel dieser 1706 in Ungnade und wurde zum Hofbildhauer degradiert. Als Architekt löste ihn Johann Friedrich Eosander von Göthe ab, der in den Jahren 1707 bis 1713 die Lustgartenfront nach Westen erweitern ließ. Auch der Westtrakt einschließlich des Portals III wurde nach seinen Entwürfen errichtet. Dieses sogenannte Eosanderportal war dem Triumphbogen des Septimus Severus in Rom nachempfunden – allerdings in vergrößertem Maßstab. Friedrich Wilhelm I. beschäftigte Eosander von Göthe jedoch nicht weiter, sondern ließ die Flügel um den Großen Schlosshof oder Eosanderhof durch Martin Heinrich Böhme komplettieren. Die Kubatur des Barockschlosses war damit vollendet. Seine Krönung erfuhr der Schlossbau mit der Errichtung von Schlosskapelle und Kuppel über dem Eosanderportal durch Friedrich August Stüler und Albert Schadow. Die Ausführung fand in den Jahren 1844 bis 1852 statt. Schließlich wurde ab 1892 noch der Weiße Saal umgebaut und vergrößert, wodurch die hofseitige Fassade des Westflügels auf der Nordseite des Eosanderportals weiter in den Großen Schlosshof hineinrückte.

Abb. 4-8:	

Die historischen Baustufen des Schlosses

Geschichte der Freiräume Die wechselnden Formen, Funktionen, Ausstattungen, Bepflanzungen und die räumliche Zuordnung der umliegenden Freiräume waren stets eng mit der Nutzung des Stadtschlosses bzw. den Nutzungsansprüchen an diesen Ort verbunden. Der im Dreißigjährigen Krieg verwilderte Küchengarten, von Hofgärtner Michael Hanf und Gartenmeister Johann Sigismund Elßholtz nach holländischem Vorbild angelegt, wurde als Lustgarten zwischen 1645 und 1647 mit einem erhöhten Teil am Apothekenflügel (Opus novum) und einem niedrigeren Gartenteil (Opus humilis) angelegt: Von den zwei einfachen Parterres war der niedrige Teil mit einer Laubenganganlage und einem Pomarium (Obstgarten) umgeben. Ausgestattet war er mit einem Blumenund Gewürzgarten sowie einer Orangerie. Zahlreiche Statuen, Grotten,

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Lusthäusern, Volieren und Fontänen schmückten den Garten, er wurde später zu einem beliebten Treffpunkt der Berliner Bevölkerung. 1688 erfolgte die barocke Umgestaltung des Lustgartens nach dem Vorbild der französischen Gartenkunst Le Nôtres. Zu dieser Zeit war die Stadtbefestigungsanlage mit der Lustgartenbastion durch Johann Gregor Memhardt bereits fertig gestellt. Der höher liegende Gartenteil vor dem Apothekenflügel erhielt nun die Funktion einer Terrasse, die sich über die gesamte neu gestaltete Lustgartenfront erstreckte. Der Schloßplatz, ein offener Raum, der durch seine Umbauung geprägt wurde, nahm zu dieser Zeit nur die östliche Seite ein; auf der Westseite stand noch ein Teil des ehemaligen Dominikanerklosters als Domstift. Der Renaissance-Fassade des Schlosses waren die Pfeilerarkaden Johann Arnold Nerings vorgelagert, welche die kleinstädtischen Bauten dort ablösen sollten. Der Schloßplatz war ein städtisch geprägter Platz, wo die ersten Weihnachtsmärkte stattfanden und ebenso Ritterturniere auf der dort befindlichen „Stechbahn“ ausgetragen wurden. Die erste Bebauung auf der Schloßfreiheit am Spreekanal begann ab 1673. Die Spreeseite des Schlosses wurde von einer geraden Ufermauer gefasst, und auf den Pfeilern der Mauer standen plastische Figuren. An der Langen Brücke (Rathausbrücke) gab es eine rampenartige Aussparung, die als Pferdeschwemme diente. Die Terrassen zwischen Ufermauer und Schloss waren unbefestigt und hatten Gehölzaufwuchs ohne jeglichen gestalterischen Anspruch. Ende des 17. Jahrhunderts fanden schließlich große Veränderungen statt. Nach 1713 war das Schloss in seiner barocken Form weitgehend fertig gestellt und auf dem Schloßplatz stand nur noch die Klosterkirche als Dom. Der Schlossgarten wurde zu einem Exerzierplatz umgewandelt, d.h. er wurde planiert und um ca. 2 m erhöht. Der Öffentlichkeit wurde der Zugang jedoch entzogen. Erhalten blieben nur die Lindenalleen im Norden und Westen. An der Spreeseite verblieben Reste gärtnerischer Anlagen und das Lusthaus. 1747 kam der Boumannsche Dom hinzu. Um 1800 erhielten die Ost- und Westseite des Platzes eine Einfassung mit Pyramidenpappeln. Zwei Jahre zuvor wurde auf Empfehlung Friedrich Gillys der Platz mit Rasen eingesät. In der Südwestecke stand schließlich das Denkmal des Alten Dessauers von Schadow. Vor dem Schloss lag ein schmales Gärtchen, welches sich Friedrich Wilhelm I. vor den Wohnräumen anlegen ließ. Zeitgleich wurde am Schloßplatz die ehemalige Klosterkirche abgetragen, wodurch ein großer offener Raum entstand. Bis 1845 war der große klassizistische Umgestaltungsprozess unter Friedrich III. und Friedrich Wilhelm IV. abgeschlossen. Die neue Schloßbrücke (1821) akzentuierte die Verbindung der Allee Unter den Linden in den Westen und ersetzte zudem die schmale Hundebrücke. Für den Bau des Alten Museums ab 1823 musste der neue Spreegraben zugeschüttet werden. Ein Jahr später zeichnete Schinkel einen ersten Plan

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für den Lustgarten. Das Besondere war die räumliche Zuordnung zum Alten Museum, die anfangs mit seiner Anordnung der Beete zum Schloss hin vermitteln sollte. Als Ersatz für Orangenkübel waren die Ränder der Rasenfelder mit Akazienbäumen geplant. Die Anlage sollte eine Rahmung mit Ahorn-Baumreihen an den östlichen und westlichen Flanken, im Osten bis vor den Apothekenflügel erhalten. Im Schnittpunkt der Straße Unter den Linden und neuer Lustgartenachse war vor dem Schloss noch ein Brunnen angedacht. Friedrich Wilhelm III. akzeptierte diesen Entwurf jedoch nicht. 1828 beschränkte sich der überarbeitete Entwurf auf die Aufstellung eines Brunnens im Schnittpunkt der Mittelachsen zwischen Dom und Altem Museum, einschließlich der halbkreisartigen Ausformung vor dem Museum, in der 1831 Cantians Granitschale Platz fand. Die Gartenanlage erhielt nun eine rechteckige Form. Bei der Ausführung wurde – aufgrund der nicht herzustellenden Axialität zu Portal IV – eine geänderte Wegeführung eingeplant. Die Mittelachse gabelte sich in zwei Wege, wovon einer direkt auf das Portal führte. Der Lustgarten war somit von Straßen umgeben, und das Museum wurde von kleinen Schmuckbeeten gerahmt. In den 1840er Jahren entstand vor dem Schloss eine neue, architektonisch geprägte Terrasse, die eine Anknüpfung an den Lustgarten bilden sollte und auch einen funktionalen Hintergrund hatte: die Überwindung der Höhendiskrepanzen zwischen Platzebene und den Zufahrten. In einem Aquarell von Johann Heinrich Hintze sind aufwendig gepflasterte Wege, die Skulpturengruppe „Die Rossebändiger“ und die Adlersäule auf der Westseite der Terrasse zu erkennen.

Abb. 4-9:	

Die Terrasse am Königlichen Schloss in Berlin, Aussicht nach dem Lustgarten, Aquarell von Johann Heinrich Hintze

Die Terrassenbreite variierte zwischen 17 und 20 Metern. Zwischen 6 m breiten Pflanzbeeten, für die Peter Joseph Lenné einen Entwurf anfertigte, verlief ein mit Mosaikpflaster aufwendig gestalteter Weg, dessen Breite inklusive zwei begleitender Werksteinrinnen ebenfalls 6 m betrug. Der Bepflanzungsplan von Lenné (1847) zeigt ein anspruchsvolles Konzept für die in rechteckigen Kompartimenten gegliederten Pflanzflächen mit regelmäßig angeordneten Gehölzgruppen und geometrischen Feldbepflanzungen. Festons gaben der Pflanzung einen Rahmen. Diese Form der Systematik blieb bis 1886 – wie Dokumente zeigen – erhalten.

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In den 1860er Jahren wurde von der Französischen Straße ein Straßendurchstich zum Schloßplatz vorgenommen. Der Schloßplatz war nunmehr von Bebauung völlig freigestellt. Hier gab es mittlerweile einen kleinen Garten, welchen sich Friedrich Wilhelm IV. vor seinen Wohnräumen an der Spree anlegen ließ. Von 1740 bis 1890 waren die Höfe des Schlosses öffentlich zugänglich, und die Berliner Bevölkerung bummelte gerne vom Tiergarten in den Schlüterhof. Die Spreeseite hatte zu dieser Zeit – vom Spreegärtchen bis zum südlichen Turm des Herzoginnenflügels – eine Ufermauer mit aufgesetztem Zaun; die Mauer reichte bis ins Wasser. Nördlich dieses Traktes gab es eine bastionsartige, etwas vorspringende breitere Uferzone, von der aus schmale Stege in die Spree führten. Mit der Umgestaltung des Lustgartens ab 1871 zur „Visitenkarte“ des neu gegründeten Deutschen Kaiserreichs begann ein neuer politischer wie baulich-gestalterischer Zeitabschnitt. Am Anfang standen die Errichtung des Reiterstandbilds Friedrich Wilhelm III. und eine diagonale Flächenteilung des Gartens. In der Mitte der beiden südlichen Schmuckbeete standen Brunnenbecken. Die neu angelegte Mittelachse – bei Schinkel bewusst vermieden – konnte keinen Bezug zum Schloss herstellen. Julius Carl Raschdorff errichtete den neuen Dom, der nach 1900 die protestantische Hauptkirche des Deutschen Reiches wurde. Die Terrassen am Schloss blieben erhalten. Auf der Westseite (Schloßfreiheit) wurde zulasten der Bürgerhäuser das Nationaldenkmal für Wilhelm I. mit einem axialen Bezug zu den Schlosshöfen errichtet. Die Süd- und Westseite des Schlosses erhielten um 1901 Vorgärten. Die Skulpturen auf der Schlossterrasse wurden durch die Aufstellung fünf bronzener Standbilder von Fürsten aus dem Hause Oranien ergänzt. Damit sollte der Verbundenheit der Hohenzollern mit den Oraniern Ausdruck verliehen werden. Auch der Schloßplatz erhielt eine repräsentative Ausgestaltung. Der Neptunbrunnen von Reinhold Begas wurde 1891 in der Achse Breite Straße aufgestellt. Mit dem Durchbruch der Kaiser-Wilhelm-Straße öffnete sich der Raum Richtung Osten; die räumlichen Bezüge des Lustgartenareals, vermittelt über Apothekenflügel und Baumreihen, gingen dadurch verloren. Die gärtnerische Anlage lag nun seitlich einer großen Verkehrsachse. Weiterhin entstanden die kuppelgekrönten Eckhäuser an der Kaiser-Wilhelm-Straße. Für den Straßendurchbruch wurde der nördliche Teil des Apothekenflügels abgerissen und ein kleiner Vorgarten angelegt, in dem die Statue des Admirals Coligny Aufstellung fand. 1892/93 wurde die Spree aufgrund der stark ansteigenden Beschiffung reguliert. Es erfolgte die Anlage breiter Terrassen auf der Flussseite, die bis zur Anlegestelle der kaiserlichen Jacht mehrfach abgestuft waren. Viktor Tetens entwarf hierzu eine acht Meter breite Treppenanlage mit einer einheitlichen Begrenzung aus Balustraden, die der Anlage einen repräsentativen Charakter gaben. 1904 wurden noch zusätzliche Sandsteinvasen aufgestellt. Die Spreeregulierung machte schließlich den Neubau bzw. die Verbreiterung von Brücken notwendig.

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Abb. 4-10:	

Das Umfeld des Schlosses um 1685

Abb. 4-11:	

Das Umfeld des Schlosses um 1713

Abb. 4-12:	

Das Umfeld des Schlosses um 1845

Abb. 4-13:	

Das Umfeld des Schlosses um 1934

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Mit dem Ende der Monarchie verlor das Schloss ab 1918 seine politische und repräsentative Funktion. 1921 wurde im Schloss ein Museum eingerichtet und der öffentlichen Nutzung zugeführt. Mit dem politischen Umbruch fanden zahlreiche politische Kundgebungen und Auseinandersetzungen im Lustgarten statt. Die Freiräume blieben jedoch in ihren Grundstrukturen erhalten. Während der NS-Zeit wurde das Schloss kurzfristig Sitz der Reichskammer für Bildende Künste. Eine grundlegende Erneuerung des Lustgartens (Konrad Dammeier) fand zu den Olympischen Spielen 1936 statt. Später wurde der Lustgarten in die Neugestaltung der Ost-West-Achse durch Albert Speer aufgenommen. Für größere Aufmärsche benötigten die Machthaber mehr Platz. Die gärtnerische Anlage wurde abgeräumt und durch eine gerasterte Gestaltung mit einem schwarz-gelben Mosaikpflaster ersetzt. Es erfolgte die Aufhebung der im Westen liegenden Museumsstraße zugunsten der Platzflächen; ebenso wurde die Fahrbahn vor dem Museum beseitigt. Insgesamt rückte der Lustgarten dadurch näher ans Schloss. Entlang dem Kupfergraben entstand ein Lindenhain, und die neue Straße Am Lustgarten erhielt eine einreihige Pflanzung, mit einer Öffnung zur Domachse. Indem gegenüberliegenden Lindenhain wurde das Denkmal Friedrich Wilhelms III. wieder aufgestellt, und die Granitschale fand einen Platz im neu gestalteten Garten hinter dem Dom. Vier gleich große Rasenflächen bildeten den Rand der gepflasterten Innenfläche. Im Lustgarten fand neben politischen Machtdemonstrationen seit 1934 auch der Weihnachtsmarkt statt. Kriegszerstörungen, die politische und administrative Teilung Deutschlands und Berlins hatten erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung der historischen Mitte und das gesamte Schlossareal nach 1945. Bei Kriegsende entsann sich die Sowjetische Militäradministration Hans Scharouns Leistungen und berief ihn am 13. Mai 1945 als ersten NachkriegsStadtbaurat und damit Leiter der Abteilung für Bau- und Wohnungswesen des provisorischen Magistrats von Groß-Berlin; in dieser Funktion wirkte er bis Ende 1946. In dieser Zeit initiierte er ein „Planungskollektiv“ (Berliner Kollektiv) aus namhaften, teils avantgardistischen Architekten und Stadtplanern und legte bereits im Sommer 1946 – im Weißen Saal des teilweise zerstörten Stadtschlosses – einen umfassenden Plan zum Neubau der zerstörten Stadt Berlin vor. Die Ausstellung „Berlin plant“ wurde am 22. August 1946 eröffnet. Abb. 4-14:	 Berliner Schloss 1946, Scharoun hatte absichtlich das Schloss ausgebrannt gewählt, da er um den geplanten, politisch motivierten Abriss der „nicht mehr aufbauwürdigen Ruine“ wusste. Aber auch er konnte die endgültige Zerstörung am 30. Dezember 1950 nicht aufhalten. Der Lustgarten und die südlich angrenzenden Flächen des abgerissenen Schlosses erhielten am 1. Mai 1951 den Namen Marx-Engels-Platz. Zu dieser Gelegenheit wurden das Baumraster des Lustgartens erneuert und zusätzliche Lindenreihen auf den vormaligen Rasenstreifen gepflanzt. Blickbeziehungen auf die umliegende historische Bausubstanz wurden mit

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der Baumpflanzung unterbunden. Der Marx-Engels-Platz mit seinen angelegten Tribünen wurde politisch in die Tradition der Arbeiterbewegung gestellt und zum zentralen Ort der ersten sozialistischen Republik auf deutschem Boden gekürt. Noch vor der Sprengung des Schlosses wurde 1949 mit dem Abriss des Nationaldenkmals begonnen. Der Freiraum am Spreekanal blieb in der Nachkriegszeit ungestaltet und hatte somit keine Aufenthaltsqualität mehr. Erhalten blieben die Umfassungsmauern, die Stufenanlage zu den Terrassen und die Plattform der Kolonnade. Alle Beläge der ebenen Flächen wurden 1997 mit einer dünnen Bitumenschicht geschützt. Die drei Löwen, die hier einmal standen, befinden sich heute im Tierpark Friedrichsfelde. 1976 bestand die Absicht, auf der Westseite des neuen Platzes am Palast der Republik am ehemaligen Standort des Nationaldenkmals das Marx-Engels-Forum anzulegen. Die hohen Kosten für die Beseitigung der Denkmalsfundamente ließen das Vorhaben scheitern. Das Marx-Engels-Forum erhielt schließlich 1986 östlich der Spree seinen Standort. Ab 1974 gab es verschiedene Überlegungen, den historischen Lustgarten wieder grüner und in historischer Orientierung zu gestalten. Diese Planungen wurden jedoch nie ausgeführt.

Abb. 4-15:	

Marx-Engels-Forum 1987

Abb. 4-16:	

Palast der Republik 1977

Abgesehen von den Großveran­ taltungen blieb der überdimensioniers te Marx-Engels-Platz fast zwei Jahrzehnte ein stadträumliches Vakuum, bis zwischen 1973 bis 1976 der Palast der Republik als Kulturhaus und Parlamentsgebäude an der Ostseite gebaut wurde. Mit seiner 15.300 m² großen Fläche nahm er ungefähr den Raum des Schlüterhofes und der spreeseitigen Schlossbebauung ein; seine Spreeterrassen entwickelten sich zu einem beliebten Ausflugsort. Mit dem Bau des Palastes der Republik wurde das Spreeufer mit einer bis ans Wasser reichenden Promenade ausgestattet. Die Erlebbarkeit der historischen Uferanlagen auf der Spreeinsel ist heute noch gegeben. Um das Umfeld des 1976 errichteten Palastes der Republik in adäquater Weise neu zu gestalten, wurde das Sondervorhaben Berlin „Marx-Engels-Platz – Lustgarten“ ins Leben gerufen. Für die Neugestaltung stellte das Institut für Denkmalpflege 1974 u.a. eine Grundforderung auf: klare, unverletzte Blickbeziehungen zwischen Altem Museum und Marx-Engels-Platz. Der Lustgarten blieb somit erhalten und wurde nicht dem ruhenden Verkehr geopfert

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Mit dem Bau des Palastes der Republik und dem Neubau der Schloßbrücke wurde auch das südliche Vorfeld des Doms und des Lustgartens an die neuen Höhen angepasst und neu gestaltet. Zu Ehren Schinkels wurde 1982 mit einjähriger Verspätung die Granitschale vor dem Alten Museum wieder aufgestellt. Zur Wahrung des Rasters verschob man den Standort gegenüber dem ursprünglichen um 25 Zentimeter.1981 erfolgte die Aufstellung des Denkmals für die jüdische Widerstandsgruppe um Herbert Baum. Der historische Schloßplatz erfuhr seine wesentlichen Veränderungen durch den Abriss der umliegenden Bebauung nach 1950. Der erhalten gebliebene Neptunbrunnen wurde zeitgleich entfernt und später auf den begrünten Platz zwischen Marienkirche und Rotem Rathaus aufgestellt, nachdem die hier noch bestehenden Bauten des historischen Kerns von Alt-Berlin abgerissen worden waren. 1990 fand im Volkskammersaal des Palastes der Republik die Unterzeichnung des Wiedervereinigungsvertrages statt. Der Palast der Republik wurde 1990 wegen der Asbestbelastung geschlossen. Seit diesem Zeitpunkt stellt sich die Frage nach der Nutzung und Gestaltung der historischen Mitte Berlins. Einerseits war der Palast der Republik mit der Wende bzw. der friedlichen Revolution seiner politischen Funktion enthoben, andererseits aber im gesellschaftlichen Leben der DDR-Bürger immer noch tief verwurzelt. Der Platz vor dem Palast wurde weiterhin für vielfältige kulturelle Veranstaltungen genutzt. 1993 wurde die Errichtung einer Kulisse des Berliner Schlosses an seinem historischen Standort gegenüber dem Lustgarten vorgenommen. 1992 bildete sich die Arbeitsgemeinschaft „Spreeinsel“, die für eine kritische Rekonstruktion des Stadtgrundrisses votierte, 1993 wurde ein internationaler Wettbewerb zur Spreeinsel ausgelobt. 1995/96 erfolgte westlich des Spreekanals der Abriss des Außenministeriums der DDR. 1996 stellte der Berliner Senat eine erste Variante zum „Planwerk Innenstadt“ vor. Für das Schlossareal war die Rekonstruktion des Stadtgrundrisses vorgesehen, und für die östlich der Spree liegenden Areale zwischen Fernsehturm und Spree sollte der Freiraum durch eine Bebauung gegliedert werden. Dieser nicht überzeugende Vorschlag wurde in der beschlossenen Fassung von 1999 zugunsten des Erhalts des Freiraums fallengelassen. In zahlreich geführten Fachdiskussionen ging es u.a. um den Grad der Orientierung an historischen Vorgaben und um den Mut zu Innovationen. Die Berliner Bürgerschaft war in der Diskussion jedoch gespalten. Vor diesem Hintergrund fand auch das Wettbewerbsverfahren zur Neugestaltung des Lustgartens statt.1998/99 wurde in Form einer moderaten Variante der kritischen Rekonstruktion und Orientierung an der Schinkelschen Gestaltung von 1846 der Lustgarten nach Entwürfen des Ateliers Loidl neu gestaltet. Von 1997 bis 2002 kam es zur Asbestsanierung des Palastes der Republik, danach erfolgte eine kurze Zeit der Zwischennutzung des Gebäudes als Veranstaltungsort. Von 1999 bis 2002 tagte die international besetzte Expertenkommission „Historische Mitte Berlin“. Mit der Vorlage des Abschlussberichtes der Expertenkommission stimmte der Deutsche Bundestag am 4. Juli 2002 für einen weitgehenden Rückgriff auf den historischen Stadtgrundriss im

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Abb. 4-17:	

Das Umfeld des Schlosses nach 1950

Abb. 4-18:	

Das Umfeld des Schlosses um 1990

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Adlersäule (1846) Wilhelm III. von Oranien (1907) Wilhelm II. von Oranien (1907) Friedrich Heinrich von Oranien (1907) Rossebändiger (1844) Rossebändiger (1844) Moritz von Oranien (1907) Wilhelm I. von Oranien (1907) Admiral Gaspard de Coligny (1905) Standbild des Großen Kurfürsten (1903) St. Georg (1865) Brunnen im Schlossgärtchen (1907) Wettersäule (1890) Neptunbrunnen (1891) Nationaldenkmal für Wilhelm I. (1897) Karl Friedrich Schinkel (1840) Albrecht Thaer (1840) Christian Peter Wilhelm Beuth (1840) Brunnen mit Fontäne – Trichteraufsatz (1871) Brunnen mit Fontäne – Jet-d’eau-Aufsatz (1871) Reiterdenkmal Friedrich Wilhelm III. (1871) Granitschale (1831) Abb. 4-19:	 Skulpturen im Umfeld des Schlosses 1831-1907

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Sinne einer kritischen Rekonstruktion, einen Rückbau des Palastes der Republik sowie die Errichtung eines kulturell und wissenschaftlich genutzten Neubaus, des Humboldt-Forums, das sich mit der Wiedererrichtung eines Teils der barocken Fassaden an der Stereometrie des Schlosses orientieren sollte. In den Jahren von 2006 bis 2008 fand schließlich der Abriss des Palastes der Republik statt. Der unwirtliche Raum zwischen Spree und Spreekanal wurde ab 2007 umgestaltet und genutzt. Zeitgleich zum sukzessiven Abriss des Palastes begann die „Temporäre Freiraumgestaltung Schlossareal“ nach Entwürfen von relais Landschaftsarchitekten(Berlin), mit momentum3 (Hannover), sowie die Errichtung einer temporären Kunsthalle am Spreekanal. 2008 wurde ein internationaler Realisierungswettbewerb zur Wiedererrichtung des Berliner Schlosses und zum Bau des HumboldtForums auf dem Schlossareal Berlin durchgeführt. Den 1. Preis erhielt der Entwurf von Prof. Franco Stella, der seit Ende 2010 realisiert wird. Skulpturen und Bildwerke im Umfeld des Schlosses Zur Ausschmückung des Schlossumfeldes wurden im Laufe der Geschichte zahlreiche Skulpturen und Bildwerke aufgestellt: -„Die Rossebändiger“, die das Portal IV ab 1846 flankierten und heute im Kleistpark in Schöneberg stehen, die fünf Oranierfürsten auf der Balustrade der Schlossterrasse, von denen als einzige Skulptur „Moritz von Nassau“ noch vorhanden ist und die sich im Depot der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in Potsdam befindet, das Denkmal des Admirals Coligny im Vorgarten des Apothekenflügels, welches nicht mehr vorhanden ist, der neapolitanische Brunnen im Schlossgarten, der nicht mehr vorhanden ist, das Reiterstandbild „Der Große Kurfürst“, das sich auf der Kurfürstenbrücke (Rathausbrücke) befand und seit 1952 im Ehrenhof des Schlosses Charlottenburg steht, die Wettersäule in der Grünanlage am Schlossplatz, die nicht mehr vorhanden ist, der Neptunbrunnen auf dem Schlossplatz, der nun auf dem Platz am Fernsehturm (Rathausforum) steht, die Skulptur „Sankt Georg der Drachentöter“ einst im Eosanderhof platziert, heute im Nikolaiviertel, das Nationaldenkmal Wilhelm I. an der Schlossfreiheit, dessen bronzene Löwen heute im Tierpark Friedrichsfelde zu finden sind.

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Abb. 4-20:	 1848	 1849	 1871	 1918	 1933	 1990	

Politische Ereignisse im Umfeld des Schlosses

Ausbruch der „Märzrevolution“ (Deutsche Revolution) vor dem Schloss Reichstagseröffnung im Weißen Saal des Stadtschlosses durch Friedrich Wilhelm IV. Krönung des preußischen Königs Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser; Berliner Stadtschloss wird Staatsmitte des neuen Reiches (Die Krönung erfolgte allerdings in Versailles) „Novemberrevolution“ und Ende der Monarchie; Karl Liebknecht ruft vom Balkon des ehemaligen Schlossportals IV die „Sozialistische Räterepublik“ aus Demonstration der Sozialdemokraten gegen den gerade ernannten Reichskanzler Adolf Hitler und seine NSDAP-Regierung Unterzeichnung des Wiedervereinigungsvertrages im Volkskammersaal des Palastes der Republik

Denkmale nach 1945 Auch die Zeit von 1945 bis 1989 hat einige Orte des Gedenkens und Erinnerns hinterlassen, die Bestandteil der deutschen Geschichte sind und bleiben werden: 1981 wurde der Gedenkstein für die jüdische Widerstandsgruppe um Herbert Baum (Jürgen Raue) im Lustgarten aufgestellt. Im Jahre 2000 wurde dieser mit erläuternden Texttafeln hinsichtlich der selektiven und propagandistischen Geschichtsbetrachtung der DDR ergänzt.

Abb. 4-21:	

Gedenkstein im Lustgarten

Im kleinen Saal des Palastes der Republik wurde der Wiedervereinigungsvertrag unterzeichnet. Am 31. August 1990 folgte der Einigungsvertrag.

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136

Straßenbeleuchtung Nachweislich standen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf dem ehemaligen Schloßplatz schlichte hohe Gaslaternen, später gab es beiderseits des Neptunbrunnens Hängelaternen wie auf der Lustgartenseite. Auf der ehemaligen Schloßfreiheit stand ein achtarmiger Kandelaber auf einer Verkehrsinsel, und erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Bereich mit gusseisernen Hängeleuchten bestückt. Ein neunarmiger Kandelaber stand anstelle des ehemaligen Neptunbrunnens in der Achse der Breiten Straße. Mit dem Bau des Neptunbrunnens wurde der Kandelaber abgebaut und am Schinkelplatz wieder aufgestellt. Der Standort des Kandelabers war zwischen 1834 und 1876 Ausgangspunkt für die Vermessung der Chausseen (Meilen) in die damaligen preußischen Provinzen.

Abb. 4-22:	

Neunarmiger SchinkelKandelaber

Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum | Teil 4 Anhang	

137

4.3	

Formblatt Kosten- und Flächenermittlung

Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum Offener freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb

siehe Teil 5, Ordner 5.17 Formblätter

Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum | Teil 4 Anhang	

138

4.4	

Verfassererklärung

Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum Offener freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb siehe Teil 5, Ordner 5.17 Formblätter

Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum | Teil 4 Anhang	

139

4.5	

Gender Mainstreaming

Die Senatsverwaltung Stadtentwicklung und Umwelt hat zu Handlungsfeldern einer Gender gerecht werdenden Planung des Freiraumes hinsichtlich der Gestaltungs- und Aufenthaltsqualität nachfolgende Kriterien entwickelt: Kriterien der Gestaltungsqualität: -----Identifikation, Symbolik Schaffung von Identität stiftenden Orten Erstellung markanter Merkzeichen Beachtung der individuellen Interpretierbarkeit Gewährleistung einfacher Orientierung

Kriterien der Aufenthaltsqualität -Zonierung und klare, eindeutige Zuordnung der öffentlichen, halböffentlichen und privaten Flächen zur Sichtbarmachung von Zuständigkeiten, zur Vermeidung von Konflikten und besseren sozialen Kontrolle Schwellenbereiche als differenzierte, präzise angeordnete Bereiche des Übergangs sowie als Aufenthaltsorte, Orte der Kommunikation, als Tore und Durchgänge, die Kommunikation, Austausch und Verhaltenssicherheit fördern Schwellenbereiche als besondere Orte der Veränderung im Verhalten, in der Geschwindigkeit, in Klang Gestalt etc. Abgestufte und differenzierte Bewegungsräume (langsam/schnell, groß/ klein); Wahlmöglichkeiten und Orientierung bei Tag- und Nachtwegen, je nach Bewegungsintensität, Richtung und Größe der Räume Blickbeziehungen, Übersichtlichkeit: Blickbeziehungen und eine ausreichende Transparenz ermöglichen eine soziale Kontrolle; Zonierungen zugunsten eines geschützten Innenraumes sind trotzdem notwendig Orientierung, Merkzeichen: Markante, Identität stiftende Elemente, Raumfiguren etc. Raumwirksame Puffer von unterschiedlicher Stärke strukturieren den Gesamtraum, so dass eine Sequenz von differenzierten Raumqualitäten entsteht; Licht und Schatten unterstreichen Zonierungen in ruhige und aktive Bereiche, Wechsel und Differenz Staffelung von Räumen und Funktionen je nach Nutzungen, Nutzungsintensität; spezielle Angebote für einzelne Nutzungsgruppen zur Vermeidung von Konflikten und Nutzungskonkurrenzen, z. B. durch generationsübergreifende Nutzungen, Wahlmöglichkeiten zwischen Gemeinschaft und Rückzug, flexible Aufenthalts- und Spielelemente Vermeidung von Konkurrenzen zwischen unterschiedlichen Interessensgruppen durch größtmögliche Flexibilität der Flächen

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Erschließung und Durchwegung, Sicherheitsbedürfnisse, Orientierung durch klare Raumdifferenzierung; eindeutige, übersichtliche Wegeführungen für die Hauptwege. Orientierung im Raum und von Ort zu Ort, Übersichtlichkeit, Verkehrssicherheit, Barrierefreiheit, Fluchtwege Beleuchtung und Transparenz; ausreichende Beleuchtung der Haupt- und Nebenwege, Übersichtlichkeit durch Transparenz und Einsehbarkeit

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aus: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/soziale_stadt/gender_mainstreaming/ vgl. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (2011): Gender Mainstreaming in der Stadtentwicklung – Berlin Handbuch (Teil 5, Ordner 5.6 )

Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum | Teil 4 Anhang	

141

4.6	

Technische Informationen

Geländer Spreeufer

Abb. 4-23:	

Historisches Geländer

Abb. 4-24:	

Ufergeländer am Reichstag

BVG Wartehallen

Abb. 4-25:	

BVG Wartehallen

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142

BVG Musterhaltestelle

Abb. 4-26:	

BVG Musterhaltestelle

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143

4.7	

Quellenverzeichnis

Vorbereitende Planungen –– Flächennutzungsplan Berlin in der Fassung der Neubekanntmachung vom 08.Januar 2004, zuletzt geändert am 23./25. September 2008 (ABL 2330). Hrsg. von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin, Berlin 1998 –– Planwerk Innenstadt, Fassung 1999. Hrsg. von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin, Berlin 1999 –– Planwerk Innere Stadt, Fassung 2010, Hrsg. von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin, Berlin 2010 –– Bebauungsplan I-219. Entwurfsstand 05.08.2011. Hrsg. von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin, Berlin 2011 Stadtplätze, vergleichende Untersuchung –– BSK- Architekten, Dr. Rolf Backmann 2009: Stadträumliches Vergleichsgutachten. Auftraggeber: Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Abteilung II Städtebau und Projekte, Referate II B und II D; DSK Deutsche Stadt- und Grundstücks-Entwicklungsgesellschaft mbH. Berlin. Freiräume, Historische Untersuchungen –– Dr. Wimmer und Schwarzkopf 1993: Lustgarten und Museumsinsel in Berlin. Gartendenkmalpflegerisches Gutachten. Auftraggeber: Bundesbaudirektion Berlin, Grün Berlin GmbH, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und Umweltschutz, Abt. III-Landschaftsentwicklung, Freiraumplanung – Gartendenkmalpflege. Berlin. –– Dr. Ing. Schwarzkopf, Johannes 2009: Freiraumhistorisches Gutachten zum öffentlichen Raum um das Berliner Schloss. Auftraggeber: Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Abteilung II Städtebau und Projekte, Referate II B und II D, DSK Deutsche Stadt- und Grundstücks-Entwicklungsgesellschaft mbH. Berlin. Freiräume –– Levin Monsigny Landschaftsarchitekten 2009: Freiraumplanerische Aufwertung des Fernsehturmumfeldes. Erläuterungen zum Gutachten. Berlin. –– Levin Monsigny Landschaftsarchitekten 2002: Zwischen den Museen. Freiraumkonzept Museumsinsel. Konzepterläuterungen. Auftraggeber: Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Wettbewerb 2001. Realisierung seit 2002. Berlin –– Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Abteilung II Städtebau und Projekte, Referate II B und II D; DSK Deutsche Stadt- und Grundstücks-Entwicklungsgesellschaft mbH 2009: Werderscher Markt. Ergebnisse des Gutachterverfahrens. Preisgerichtsprotokoll vom 16.11.2009. Berlin.

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144

Rathausforum –– Dr. Bodenschatz, Harald 2009: Rathausforum. Die Geschichte des Stadtraums. Unveröffentlichtes Manuskript zur Veranstaltung Historische Mitte am 10. Juli 2009. Auftraggeber: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Berlin. Museumsinsel –– Staatliche Museen zu Berlin (Hrsg.) 2009: Masterplan 2015 Museumsinsel Berlin. Freiheits- und Einheitsdenkmal –– Bundesrepublik Deutschland (Auslober) vertreten durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) –2009: Wettbewerb: Freiheits- und Einheitsdenkmal. Berlin. Wettbewerbsergebnis 05.05.2011, Mitteilung BBR, Berlin Denkmalpflege –– Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung / Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.) 2001: Denkmalliste Berlin –– Malliaris, Michael 2010: Stadt und Kloster, Schloss und Domstift. Stadtarchäologie am Schlossplatz in Berlin-Mitte. Grabungsbericht. Bericht vom 11.01.2010. Auftraggeber: Landesdenkmalamt Berlin. Berliner Schloss – Humboldt-Forum –– Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (Hrsg.) 2002: Historische Mitte. Internationale Expertenkommission. Materialband. Berlin. –– Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (Hrsg.) 2002: Historische Mitte. Internationale Expertenkommission. Abschlussbericht. Berlin. –– Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (Hrsg.) 2008: Wiedererrichtung des Berliner Schlosses. Bau des Humboldt-Forums im Schlossareal Berlin. Auslobungstext zum Realisierungswettbewerb. Berlin. –– Flierl, Thomas / Parzinger, Hermann 2008: Humboldt-Forum Berlin. Das Projekt. Verlag Theater der Zeit. Berlin. Verkehr –– LK Argus Kassel GmbH 2009: Humboldt-Forum: Verkehrliche Standortbeurteilung und Verkehrsfolgeabschätzung. Schlussbericht, Juli 2009. Auftraggeber: DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH – Treuhänderischer Entwicklungsträger des Landes Berlin, Regionalbüro Berlin. –– Hoffmann + Leichter 2009: Verkehrskonzept für den Bereich Museumsinsel, Humboldt-Forum und Schlossplatz. Auftraggeber: Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt,

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145

Abteilung II Städtebau und Projekte, DSK Deutsche Stadt- und Grundstücks-Entwicklungsgesellschaft mbH. Berlin. Literatur –– Arnold, Dietmar / Arnold, Ingmar 1998: Schlossfreiheit. Vor den Toren des Stadtschlosses, Berlin; nach: Dr. Ing. Schwarzkopf, Johannes, 2009 –– de Bruyn, Günter 2002: Unter den Linden. Siedler-Verlag. Berlin. –– Engel, Martin 2001: Das Forum Fridericianum und die monumentalen Residenzplätze des 18. Jahrhunderts. Kunsthistorische Dissertation. FB Geschichts- und Kulturwissenschaften. FU Berlin. –– Geyer, Albert 1992: Geschichte des Schlosses zu Berlin, Zweiter Band. Vom Königsschloss zum Schloss des Kaisers (1698-1918) – Die Bilder. Bearbeitet von Sepp Gustav Gröschel. Aus dem Nachlass herausgegeben. Mit einer Einführung von Jürgen Julier. Berlin; nach: Dr. Ing. Schwarzkopf, Johannes. 2009 –– Hanemann, Regina 1992: Das Berliner Schloss. Ein Führer zu einem verlorenen Bau. Aus Berliner Schlössern. Kleine Schriftenreihe XII, herausgegeben von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten. Berlin;nach: Dr. Ing. Schwarzkopf, Johannes. 2009 –– Jäger, Markus 2005: Der Berliner Lustgarten. Gartenkunst und Stadtgestalt in Preußens Mitte. Deutscher Kunstverlag, München. –– Kieling, Uwe / Althoff, Johannes 2001: Das Nikolaiviertel. Spuren der Geschichte im ältesten Berlin., Berlin-Edition. –– Thiemann, Eckhard / Deszyk, Dieter / Metzing, Horstpeter 2003: Berlin und seine Brücken. Jaron Verlag. Berlin. –– Stimmann, Hans 2009: Weg mit der Leere zwischen Schloss und Alex. Morgenpost vom 10. Mai 2009. Berlin. –– Nicolai, Friedrich 1764: Beschreibung der königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam. Berlin (3. Aufl. 1786). –– Peschken, Goerd / Klünner, Hans-Werner1991: Das Berliner Schloss. Frankfurt am Main. –– Petras, Renate 1987: Die Bauten der Museumsinsel, Berlin –– Vahldiek, Hansjürgen2007: Berlin: Neue Erkenntnisse zur Gründung und Stadtentwicklung. Experimentelle Forschungen und Studien zur Geschichte Berlins (CD-Rom). Berlin. –– Zettler, Hela / Mauter, Horst (Hrsg.) 1991: Das Berliner Schloss. Eine Fotodokumentation der verlorenen Stadtmitte. Berlin; nach Dr. Ing. Schwarzkopf, Johannes. 2009

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146

4.8	
Teil 2

Abbildungsverzeichnis

Abb. 2-1:	 Übersicht: Lage im Stadtraum. (Karte Historische Mitte, Ausschnitt aus dem Arbeitsplan zum Planwerk Innere Stadt, SenStadtUm Berlin 2012) Abb. 2-2:	 Übersichtsplan Wettbewerbsgebiet mit Grenzen der Bearbeitung. (Rose Fisch Landschaftsarchitektur, 2012) Abb. 2-3:	 Übersichtsplan Eigentumsverhältnisse. (Rose Fisch Landschaftsarchitektur, 2012) Abb. 2-4:	 Stadtraum Museumsinsel. (Rose Fisch Landschaftsarchitektur, 2010) Abb. 2-5:	 Garten der Nationalgalerie. ( Berlin Partner FTB Werbefotografie) Abb. 2-6:	 Berliner Dom mit Domgarten. (Luftbildaufnahme SenStadt) Abb. 2-7:	 Südlicher Schmuckplatz am Dom. (Foto R. Fisch) Abb. 2-8:	 Lustgarten. (Foto Maria Rünz, SenStadtUm) Abb. 2-9:	 Stadtraum Unter den Linden. (Rose Fisch Landschaftsarchitektur, 2010) Abb. 2-10:	Brandenburger Tor mit Pariser Platz. (Foto SenStadt) Abb. 2-11:	Forum Fridericianum, Bebelplatz. Foto SenStadt) Abb. 2-12:	Schlossbrücke. (Foto Dieter Brügmann, 2005, GNU FDL, Wikipedia) Abb. 2-13:	Stadtraum Rathaus-Forum: Platz unter dem Fernsehturm, Marx-Engels-Forum. (Rose Fisch Landschaftsarchitektur, 2010) Abb. 2-14:	Platz unter dem Fernsehturm. (Berlin Partner FTB Werbefotografie) Abb. 2-15:	Rotes Rathaus. (Foto SenStadt) Abb. 2-16:	Marx-Engels-Forum. (Foto Sebastian Panwitz, 2009, Flickr) Abb. 2-17:	Stadtraum Rathausstraße bis Gendarmenmarkt. (Rose Fisch Landschaftsarchitektur, 2010) Abb. 2-18:	Nikolaiviertel. (Berlin Partner FTB Werbefotografie)

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Abb. 2-19:	Marstall mit Palastwanne. (Foto Axel Mauruszat, 2009, GNU FDL, Wikipedia) Abb. 2-20:	Ehemaliges Staatsratsgebäude. (Foto Axel Mauruszat, 2009, GNU FDL, Wikipedia) Abb. 2-21:	Schleusenbrücke. (Foto Maria Rünz, SenStadtUm) Abb. 2-22:	Schleusen­ ärtchen. (Foto Maria Rünz, SenStadtUm) g Abb. 2-23:	Werderscher Markt. (Foto SenStadt) Abb. 2-24:	Spreekanal mit Bauakademie und Schinkelplatz. (Foto DSK) Abb. 2-25:	Luftbild Gendarmenmarkt. (Berlin Partner FTB Werbefotografie) Abb. 2-26:	Stadtraum Breite Straße - Petriplatz – Brüderstraße. (Rose Fisch Landschaftsarchitektur, 2010) Abb. 2-27:	Petriplatz, aktuell: Grabungsfeld. (Berlin-Mitte-Bildarchiv) Abb. 2-28:	Gemälde von Eduard Gärtner 1859. (SenStadt) Abb. 2-29:	Ausschnitt FNP. (SenStadt) Abb. 2-30:	B-Plan I 219. (SenStadtUm) Abb. 2-31:	Bau-/ Gartendenkmale, Denkmalbereiche, Welterbe, Schutzzone Welterbe. (SenStadt) Abb. 2-32:	Grabungen Schloss. (Landesdenkmalamt Berlin) Abb. 2-33:	Grabungsfeld Dominikanerkloster 2010. (Landesdenkmalamt Berlin) Abb. 2-34:	Bodendenkmale, Archäologische Grabungen. (Landesdenkmalamt Berlin) Abb. 2-35:	Neptunbrunnen. (Foto SenStadt, 2003) Abb. 2-36:	Die Rossebändiger. (Foto nach 1901 aus Schwarzkopf: Freiraumhistorisches Gutachten, Seite 81/BLDAM, Messbildarchiv 76p21/2432.9) Abb. 2-38:	Kapitell Adlersäule. (Archiv Stuhlemmer Diplomingenieure, Architekten für Denkmalpflege Berlin, im Auftrag der Gesellschaft Berliner Schloss e. V.) Abb. 2-37:	Standbild Moritz von Oranien. (Paul Seidel: „Der Kaiser und die Kunst“, Berlin 1907, Reichsdruckerei) Abb. 2-39:	Sandsteinfund. (Foto Landesdenkmalamt Berlin 2012)

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Abb. 2-40:	Museumsinsel Masterplan 2015. (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) Abb. 2-41:	Lageplan Museumsinsel. (Levin Monsigny Landschaftsarchitekten) Abb. 2-42:	Garten der Nationalgalerie. (Levin Monsigny Landschaftsarchitekten) Abb. 2-43:	Außenanlagenplan Rathaus-Forum. (Levin Monsigny Landschaftsarchitekten) Abb. 2-44:	Entwurf Werderscher Markt. (Landschaftsarchitektur Ines Alkewitz) Abb. 2-45:	Werderscher Markt 2011. (Foto I. Bergner, SenStadt) Abb. 2-46:	Entwurf Freiheits- und Einheitsdenkmal, Arbeitsgemeinschaft Milla und Partner mit Sasha Waltz 2011. (Foto Milla und Partner, Stuttgart) Abb. 2-47:	Temporäre Gestaltung auf dem „Schlossareal“. relais Landschaftsarchitekten (Foto DSK 2010) Abb. 2-48:	Humboldtbox. (Foto M. Rünz, SenStadt 2011) Abb. 2-49:	Leuchttürme in der Eingangshalle; Preisträger Holzer Kobler Architekten Zürich in Zusammenarbeit mit Designer Gourdin & Müller Leipzig. (Wettbewerb Corporate Design 2012) Abb. 2-50:	Grundriss Humboldt-Forum. (Franco Stella Planungsgemeinschaft, BBR 25.05.2012) Abb. 2-51:	EG Nutzung und Erschließung Humboldt-Forum. (Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum, Franco Stella Planungsgemeinschaft, 2012) Abb. 2-52:	Plan Längsschnitt Portal III. (Franco Stella Planungsgemeinschaft, BBR, 17.08.2011 ) Abb. 2-53:	Fassadenansichten West und Nord. (Franco Stella Planungsgemeinschaft, BBR, 11.07.2012 ) Abb. 2-54:	Fassadenansichten Ost und Süd. (Franco Stella Planungsgemeinschaft, BBR, 11.07.2012) Abb. 2-55:	Musterfassade. (Foto Stiftung Berliner SchlossHumboldtforum, 2012) Abb. 2-56:	Testentwurf Spreeufer. (Rose Fisch Landschaftsarchitektur 2011) Abb. 2-57:	Kfz-Verkehrsaufkommen 2009, DTV werktags. (Stadtentwicklungsplan Verkehr 2025 SenStadt 2011)

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Abb. 2-58:	Linienverläufe und Haltestellen des ÖPNV. (LK Argus 2009) Abb. 2-59:	Schupmann-Kandelaber Unter den Linden. (Foto SenStadt) Abb. 2-60:	Straßenplanung Schloßplatz (Süd). (Hyder Consulting GmbH Oktober 2010) Abb. 2-61:	U-Bahn-Linie 5, Neubau. (BVG 2009) Abb. 2-62:	U-Bahn-Linie 5, Oberirdisches Gebäude. (Entwurf Max Dudler 2009) Abb. 2-63:	Parkraumangebot. (LK Argus 2009)

Teil 4 Abb. 4-1:	 Stadtplan von Alt-Berlin und Cölln im Spätmittelalter (1250-1500) mit Nennung der Stadtteile. (Engel et al. 1998, S. 81; SenStadt Berlin; bearbeitet: Rose Fisch Landschaftsarchitektur) Abb. 4-2:	 Stadtplan von Berlin und Cölln aus dem Jahre 1652 von Johann Gregor Memhardt. (SenStadt) Abb. 4-3:	 Stadtplan von 1742. (SenStadt) Abb. 4-4:	 Westberliner Wettbewerb „Hauptstadt Berlin“ 1957. (1. Preis: F. Eggeling, G. Pempelfort, F. Spengelin – 2. Preis: H. Scharoun, Stiftung Preußischer Kulturbesitz) Abb. 4-5:	 Ostberliner Wettbewerb „Sozialistische Umgestaltung des Zentrums der Hauptstadt der DDR, Berlin“ 1958/59. (Konzept: G. Kosel, Modell: H. Henselmann, Stiftung Preußischer Kulturbesitz) Abb. 4-6:	 Staatsmitte DDR 1991. (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) Abb. 4-7:	 Berliner Schloss 1930 Abb. 4-8:	 Die historischen Baustufen des Schlosses. (Zettler/Mauter 1991, S. 8) Abb. 4-9:	 Die Terrasse am Königlichen Schloss in Berlin, Aussicht nach dem Lustgarten, Aquarell von Johann Heinrich Hintze. (SPSG, Grafische Sammlung – Plankammer, Aquarell-Slg. Nr. 1341, F0017009) Abb. 4-10:	Das Umfeld des Schlosses um 1685. (Schwarzkopf 2009, S. 95) Abb. 4-11:	Das Umfeld des Schlosses um 1713. (Schwarzkopf 2009, S. 97)

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Abb. 4-12:	Das Umfeld des Schlosses um 1845. (Schwarzkopf 2009, S. 99) Abb. 4-13:	Das Umfeld des Schlosses um 1934. (Grundlage Schwarzkopf 2009, S. 101, Ergänzungen Rose Fisch Landschaftsarchitektur) Abb. 4-14:	Berliner Schloss 1946, ausgebrannt. (Luftbild Stiftung Preußischer Kulturbesitz) Abb. 4-15:	Marx-Engels-Forum 1987. (Bundesarchiv) Abb. 4-16:	Palast der Republik 1977. (Fotomontage Flickr Wikipedia 2008) Abb. 4-17:	Das Umfeld des Schlosses nach 1950. (Grundlage Schwarzkopf 2009, Ergänzungen Rose Fisch Landschaftsarchitektur) Abb. 4-18:	Das Umfeld des Schlosses um 1990. (nach Schwarzkopf 2009) Abb. 4-19:	Skulpturen im Umfeld des Schlosses 1831-1907. (Schwarzkopf 2009, S. 101, Ergänzungen Rose Fisch Landschaftsarchitektur) Abb. 4-20:	Politische Ereignisse im Umfeld des Schlosses. (SenStadt) Abb. 4-21:	Gedenkstein im Lustgarten Abb. 4-22:	Neunarmiger SchinkelKandelaber. (Freunde und Förderer des Deutsches Technikmuseum Berlin e.V.) Abb. 4-23:	Historisches Geländer. (Foto Maria Rünz SenStadtUm) Abb. 4-25:	BVG Wartehallen. (Wall mobiliare, Berlin) Abb. 4-24:	Ufergeländer am Reichstag. (Foto Maria Rünz SenStadtUm) Abb. 4-26:	BVG Musterhaltestelle. ( Musterblatt der Berliner Verkehrsbetriebe - Wall mobiliare, Berlin)

Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum | Teil 5 Digitale Anlagen	

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Teil 5	 Digitale Anlagen
Ordner 5.1 Auslobung –– Auslobung (PDF) Ordner 5.2 Arbeitspläne –– Arbeitsplan (DWG, DXF) –– Übersichtsplan/ Städtebauliche Einbindung M 1:1.000 (PDF) –– Lageplan M 1:250 (PDF) Ordner 5.3 Innenstadtplan und -modell –– Ausschnitt Planwerk Innenstadt 2D, (SenStadtUm Berlin 2012), M 1:2.000 (TIF) –– Darstellung Planwerk Innenstadt 3D, (SenStadtUm Berlin 2012), (TIF, DXF) –– Ausschnitt Planwerk Innere Stadt, M 1:2.000, (SenStadtUm Berlin 2012), (TIF) –– Nutzungserklärung (Sen StadtUm Berlin) (DOC) Ordner 5.4 Luftbild –– Ausschnitt Berlin Mitte (SenStadt 2008) (PDF) –– Ausschnitt Schloßplatz (SenStadt) (JPG) –– Ausschnitt „Rathaus Forum (SenStadt) (JPG) Ordner 5.5 Informationspläne –– Informationsplan Funktionen M 1:500 (Rose Fisch Landschaftsarchitektur 2012) (PDF) –– Informationsplan Historische Spuren M 1:500 (Rose Fisch Landschaftsarchitektur 2012).(PDF) –– Höhenplan Dom-Vorplatz M 1:500 (Günther Noormann, DSK, 2009) (PDF, DWG) –– Höhenplan Lustgarten M 1:500 (Günther Noormann, DSK 2009) (DWG) –– Neptunbrunnen Foto (SenStadt 2003)(JPG) –– Historische Lage Neptunbrunnen im Ausschnitt Raumverteilungsplan, ohne Maßstab (Lahmeyer 2012) (PDF) –– Pläne aus Abbildungen Teil 2 und Teil 4, gemäß Abbildunsverzeichnis Teil 4, Punkt 4.8 Ordner 5.6 Gutachten und Informationen –– Freiraumhistorisches Gutachten zum öffentlichen Raum um das Berliner Schloss (Büro Schwarzkopf 2009) (PDF) –– Stadträumliches Vergleichsgutachten zum Realisierungswettbewerb Freiraumgestaltung Humboldt-Forum (BSK-Architekten 2009) (PDF) –– Testentwurf zum Freiraum an der Spree (Rose Fisch Landschaftsarchitektur 2011), (PDF) –– Bestandsplan zur Denkmalpflegerische Studie zum südlichen Vorplatz des Berliner Doms (Schmidt Seifert 2007) (PDF) –– Vorentwurf zur Denkmalpflegerische Studie zum südlichen Vorplatz des Berliner Doms (Schmidt Seifert 2007) (PDF) –– Innere Stadtspree, Gestaltungsrichtlinien (Ines Alkewitz 2001) (PDF)

Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum | Teil 5 Digitale Anlagen	

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Design for all – Öffentlicher Freiraum“ (Handbuch Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 2011) (PDF) Gender Mainstreaming in der Stadtentwicklung – Berlin (Handbuch Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 2011) (PDF) Ausführungsvorschriften zu § 50 der Bauordnung für Berlin (BauO Bln) über Stellplätze für Kraftfahrzeuge für schwer Gehbehinderte und Behinderte im Rollstuhl und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder (AV Stellplätze im ABl. S. 3398) (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Referat VI D – Oberste Bauaufsicht 2007) (PDF)

Ordner 5.7 Bodendenkmal, archäologische Grabungen (LDA) –– Archäologische Geophysik Berliner Schloss, ohne Maßstab, (Landesdenkmalamt 2006) (PDF) –– Schlossplatz / Dominikaner Kloster, Grabungsstand, M 1:250 (Landesdenkmalamt 2011) (PDF) –– Grabungsbericht Münzturm (Norbert Graf M.A. 2007) (PDF) –– Gotisches Fenster (Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum/ Franco Stella Planungsgemeinschaft Humboldt-Forum 2012) (JPG) –– Fotos Grabungen (Landesdenkmalamt) (JPG, PDF) Ordner 5.8 Bebauungsplan –– Bebauungsplan I-219, M 1:1.000 (SenStadtUm 2011) (PDF) Ordner 5.9 Straße und Verkehr –– Straßenplanung Schloßplatz (Süd) Deckenhöhenplan und Schnitte M 1:500 (Hyder Consulting 2011) (PDF) –– Tiefgarage Humboldt-Forum (Hoffmann Leichter, Verkehrsplaner 2012) (PDF) Ordner 5.10 Wettbewerbe im Umfeld und Humboldt-Forum –– Wettbewerb Freiheits- und Einheitsdenkmal, 1. Preis: Milla und Partner, Architekten, Stuttgart mit Sasha Waltz 2011 (JPG) –– Wettbewerb Bauliches Corporate Design Humboldt-Forum, 1. Preis, Holzer Kobler Architekturen, Zürich zusammen mit Designer Gourdin & Müller, Leipzig, 2012 (JPG) Ordner 5.11 U-Bahnplanung –– Situationsplan geplante U-Bahn Linie 5 und deren Zugänge – BVG 2009, M 1:250 (PDF) –– Architektonischer Entwurf des U-Bahn-Hofes – Max Dudler Architekten 2009, M 1:50 (PDF) Ordner 5.12 Humboldt-Forum –– Grundriss Erdgeschoss, M 1:200 (Franco Stella mit FS HUF PG 2011) (PDF, DWG) –– Fassaden 1 und 2, M 1:200 (Franco Stella mit FS HUF PG 2011) (PDF, DWG) –– Fassaden 3 und 14, M 1:200 (Franco Stella mit FS HUF PG 2011) (PDF, DWG) –– Baugrube Grundriss und Schnitt, M 1:500, (Franco Stella 2010) (PDF)

Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum | Teil 5 Digitale Anlagen	

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––

Leitungsplan Hausanschlüsse Humboldt-Forum, M 1:500 (Franco Stella mit FS HUF PG 2011) (PDF)

Ordner 5.13 Leitungen Öffentliches Netz –– Koordinierter Leitungsplan Öffentliches Netz M 1:500 (Lahmeyer 2011) (PDF) Ordner 5.14 Technische Informationen –– Geländer Spreeufer (JPG) –– BVG Wartehallen (Wall AG) (JPG) –– BVG Musterhaltestelle BVG (PDF) –– Sicherheitsbeleuchtung Außenraum , M 1:500 INNIUS DÖ GmbH 2011) (PDF) Ordner 5.15 Fotos –– Fotos aus Abbildungen Teil 2 und Teil 4, gemäß Abbildungsverzeichnis Teil 4, Punkt 4.8 Ordner 5.16 Wettbewerbsrichtlinien –– Wettbewerbsrichtlinie (SenStadtUm 2009) (PDF) –– Richtlinie Planungswettbewerbe (RPW 2008) (PDF) Ordner 5.17 Formblätter –– Verfassererklärung (PDF) –– Kosten- und Flächenermittlung (XLS, PDF) –– Hängepläne (PDF)
        
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