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Full text: Unsichtbares Adlershof

UNSICHTBARES ADLERSHOF
MAGISTERARBEIT
Humboldt-Universität zu Berlin Geographisches Institut

eingereicht von:

Tina Hilbert Bornholmerstraße 78 10439 Berlin

Gutachter:

Prof. Dr. Marlies Schulz Geographisches Institut Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Harald Bodenschatz Institut für Soziologie Fachgebiet Planungs- und Architektursoziologie Technische Universität Berlin

Berlin, den 12.12. 2005

UNSICHTBARES ADLERSHOF

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UNSICHTBARES ADLERSHOF

Gliederung
Gliederung ................................................................................................ 2 Abbildungsverzeichnis ............................................................................ 3 Tabellenverzeichnis ................................................................................. 3 Bildverzeichnis ......................................................................................... 4 Abkürzungsverzeichnis ........................................................................... 5

1 2
2.1 2.2 2.3 2.4

Einleitung ................................................................................. 6 Verortung ............................................................................... 11
Exkurs 1: Ich sehe was, was du nicht siehst - Das Sichtbare vs. das Unsichtbare ................................................................................ 11 Exkurs 2: Der Hannoveraner Bahnhof .............................................. 13 Exkurs 3: Anmerkungen zur Schnittstelle Kunst - (Stadt)Raum Wissenschaft..................................................................................... 16 Exkurs 4: Adlershof – Ein Ort der Verheißung? ................................ 21

3
3.1 3.2

Methodische Vorgehensweise ............................................. 31
Qualitative Sozialforschung............................................................... 31 Methodenmix der Sozialraumanalyse ............................................... 32

3.2.1 Problemzentriertes Interview ........................................................................ 33 3.2.2 Mentale Karten.............................................................................................. 37 3.2.3 Fotostreifzug/ Rundgang .............................................................................. 40

4
4.1 4.2 4.3

Ablauf der Untersuchung ..................................................... 42
Interviewpartner ................................................................................ 42 Interviewführung................................................................................ 45 Datenauswertung .............................................................................. 48

5
5.1 5.2 5.3 5.4

Das Sichtbare: Auswertung.................................................. 51
Bewegung und Verhalten im Raum .................................................. 52 Wahrnehmung der baulichen und städtischen Struktur .................... 58 Wahrnehmung einzelner Akkumulationspunkte................................ 60 Darstellung der Akkumulationspunkte............................................... 66

6 7 8

Das Sichtbare: Fazit .............................................................. 77 Das Unsichtbare sichtbar machen: Eine Idee ..................... 81 Resümee ................................................................................ 87

Literatur ................................................................................................ 89 Anlagen ................................................................................................ 98

Danksagung.......................................................................................... 101 2

UNSICHTBARES ADLERSHOF

Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Lageplan Berlin-Adlershof..................................... 22 Abbildung 2: Adlershof................................................................. 23 Abbildung 3: Derzeitiger Entwicklungsplan für Adlershof ........ 28 Abbildung 4: Bebauungsplan Adlershof (Ausschnitt) ............... 29 Abbildung 5: Entwicklungsmaßnahme Adlershof...................... 30 Abbildung 6: Interviewleitfaden ................................................... 36 Abbildung 7: Grundlagenkarte..................................................... 39 Abbildung 8: Fotos von den Rundgängen .................................. 46 Abbildung 9: Mentale Karte von Sören B. ................................... 47 Abbildung 10: Mentale Karte von Konstantin A. ........................ 47 Abbildung 11: Mentale Karte von Bärbel L. ................................ 48 Abbildung 12: Nutzung von Straßen und Einrichtungen ........... 53 Abbildung 13: Bezugspunkte ....................................................... 63 Abbildung 14: Fotografierte Orte ................................................. 64 Abbildung 15: Bekannte Einrichtungen ...................................... 65

Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Interviewpartner ........................................................... 43 Tabelle 2: Verwendete Kürzel....................................................... 44 Tabelle 3: Eingezeichnete bzw. fotografierte Orte...................... 61

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UNSICHTBARES ADLERSHOF

Bildverzeichnis
Bild 1: Entwurf Bahnhofsvorplatz….………………….…………… 13 Bild 2: Bewegungsabläufe……..………………………….………… 13 Bild 3: Sitzen auf Koffern…..…………………………….………….. 14 Bild 4: Stühle auf dem Platz……………………………….…….….. 15 Bild 5: Laborhäuser………………………………………..…….…… 23 Bild 6: Trudelturm…………………………………………..….……… 23 Bild 7: Motorenprüfstand…………………………..……….……….. 24 Bild 8: Windkanal……………………………………..………….……. 24 Bild 9: Zaun aus DDR-Zeit…………………………………….………24 Bild 10: Werbung November 2005………………………….……….25 Bild 11: Ehemalige Kasernen………………………………..……….26 Bild 12: Mediengebäude…………………...…………………….……26 Bild 13. Geographisches Institut…………………………….….….. 26 Bild 14: Erwin-Schrödinger Zentrum………………………….…… 26 Bild 15: Straßenbau, August 2005……………..……………….….. 26 Bild 16: Brache beim Landschaftspark……………………….……27 Bild 17: Ehemaliges Fernsehzentrum der DDR…..………….….. 27 Bild 18: Ehrmahnung an Autofahrer bei Kita………………….…. 27 Bild 19: Kino……………………………………………………….…… 45 Bild 20: Landschaftspark……………………………….….…….….. 45 Bild 21: Ärztehaus……………………………………….….…….…... 45 Bild 22: Im Blumenladen……………………………………...….….. 45 Bild 23: Luftbild Forumsplatz………………………………….……. 82 Bild 24: Entwurf Häfner/Jiménez…………………………………… 83

Quelle Bilder 1-4: SEGGERN 2003: 69ff Quelle Bilder 5-18: eigene Aufnahmen Quelle Bilder 19-22: Fotografien der Befragten Quelle Bild 23: Adlershof Projekt GmbH Quelle Bild 24: www.haefner-jimenez.de/indexms.html

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UNSICHTBARES ADLERSHOF

Abkürzungsverzeichnis
ACA AFM BAM BESSY Institut für angewandte Chemie Berlin-Adlershof e.V. Adlershof Facility Management Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung Berliner Elektronenspeicherring-Gesellschaft für

Synchrotronstrahlung m.b.H. DLR ESZ FBH FIRST Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt Erwin-Schrödinger-Zentrum Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik Frauenhofer Institut für Rechnerarchitektur und

Softwaretechnik IGAFA Initiativgemeinschaft Außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Adlershof e. V. IGZ IKZ HMI JvN MBI Innovations- und Gründerzentrum Berlin Adlershof Institut für Kristallzüchtung Hahn-Meitner-Institut GmbH Johann von Neumann Haus Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie OWZ POT UTZ WISTA Internationales Gründerzentrum Berlin-Adlershof Zentrum für Photonik und optische Technologie Zentrum für Umwelt- Bio- und Energietechnologie Wista Management GmbH, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof

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Unsichtbares Adlershof – Einleitung

1 Einleitung

Er blickte auf das Bild. „Es ist ein gemeines Bild. Alles ist am richtigen Platz, aber es ist eine garstige Karikatur. Der Künstler hielt es natürlich für Wissenschaft.“ „Ich glaube, nichts ist jemals einfach nur Wissenschaft“, sagte ich. Er nickte. „Das ist das Problem mit dem Sehen von Dingen. Nichts ist klar. Gefühle, Ideen formen das, was man vor sich hat. Cézanne wollte die Welt nackt, aber die Welt ist nie nackt. Ich möchte in meinen Arbeiten Zweifel wecken.“

Siri Hustvedt

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Unsichtbares Adlershof – Einleitung Kunst und Wissenschaft. „Kein Problem, natürlich gehört das zusammen! Ach so, gemeinsam in einer Arbeit. Nein, das stelle ich mir schwierig vor.“ „Wie jetzt, was wollen Sie denn immer mit der Kunst? Wir sind hier an einer Universität, wenn Sie Kunst machen wollen, dann sind Sie hier falsch.“ „Nee, zusammen geht nicht. Man kann niemals gute Kunst machen, wenn man nicht Künstler ist.“ Diese Ansagen waren Reaktionen, wenn ich das Thema meiner Magisterarbeit erklärte. Scheinbar wird es heute immer noch als problematisch wahrgenommen, die beiden Richtungen zusammen zu denken. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen werde ich in meiner Magisterarbeit stadtgeographische und künstlerische Ansätze

zusammenführen. Ich werde aufzeigen, dass beide Seiten davon profitieren, den Blick zu erweitern und andere Perspektiven auf den eigenen als spezifischen und abgrenzungsbedürftig wahrgenommenen Untersuchungsgegenstand zuzulassen. Diese Arbeit dient nicht nur dazu zum Abschluss meines Studiums wissenschaftliches Arbeiten unter Beweis zu stellen. Ich möchte einen Schritt weiter gehen und eine praktische Umsetzung, der während der Untersuchung gewonnenen Ergebnisse aufzeigen. Während der Recherche bin ich auf eine weit reichende Debatte gestoßen, in der die Überschneidung von Kunst und Wissenschaft bereits praktiziert wird. So zum Beispiel bei dem Projekt „Kunst als Wissenschaft/ Wissenschaft als Kunst“ welches von 2001 – 2004 vom Hamburger Bahnhof in Berlin initiiert wurde. Dem Projekt „Kunstraum“ der Universität Lüneburg liegt ebenso die Idee der Interdisziplinarität zu Grunde. In der Raum- und Stadtplanung erhält die Debatte um die Integration und Bedeutung von Kunst im Stadtraum immer mehr Gewicht. Kunst wird im zunehmenden Maße als Element zur Gestaltung von öffentlichem Raum begriffen. So schreiben zum Beispiel DITTRICH und MÜLLER in der Einleitung der 2005 erschienenen Zeitschrift „Kunst und Raum“ des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung die Symbiose von Kunst und Stadtplanung sei eine Chance, die in räumlichen Situationen neue Orientierungs- und Sehhilfen geben kann. Die Künstler setzten sich ebenfalls mit der Veränderung ihrer Position in der Gesellschaft auseinander. Immer mehr schreiben Künstler, die im öffentlichen Raum tätig sind, ihren Arbeiten die Aufgabe zu, die soziale oder räumliche Umgebung mit einzubeziehen:

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Unsichtbares Adlershof – Einleitung

Kunst im öffentlichen Raum hat soziale Funktion. Sie hat sich entwickelt von der großformatigen, ortsgebundenen Kunst zu einem Arbeitsfeld mit sozialen Inhalten. Ihre Sprache ist eine Mischung aus Sozialwissenschaften, Kunst, Architektur und Stadtplanung. (Siah ARMAJANi 2001: 100) In einem Artikel der ZEIT vom 17. Februar 2005 erklären die Künstler Christo und Jeanne-Claude die Stadt sogar zur Leinwand, die es zu bemalen gilt und sie werden somit zu Akteuren der Stadtgestaltung. Das Zusammenbringen von Kunst und Wissenschaft stellt den

übergreifenden Aspekt der Arbeit dar. Hieraus lässt sich eine erste Frage formulieren, die in der Arbeit aufgegriffen werden soll:

Wie können Wissenschaft und Kunst verbunden werden?

Dieser Frage gehe ich anhand eines konkreten Gegenstandes –dem Gebiet Berlin Adlershof– nach. Darunter wird in der Arbeit das Gebiet verstanden, das gängig als „Stadt der Wirtschaft, Wissenschaft und den Medien“ bezeichnet wird. Die Kurzform Adlershof soll stellvertretend dafür in der Arbeit aus Gründen der Lesbarkeit verwendet werden. Ich werde das Gebiet mittels einer Sozialraumanalyse untersuchen und anschließend ein künstlerisches Konzept entwickeln, das die gewonnenen Erkenntnisse der Untersuchung aufgreift und integriert. Diese

Vorgehensweise, Kunst einer wissenschaftlichen Analyse folgen zu lassen, ist natürlich nicht zwingend. Was motivierte mich dazu, eine Forschung über Adlershof zu machen? Die Widersprüchlichkeit zwischen der eigenen Erfahrung bzw. dem Austausch mit anderen Beteiligten auf der einen Seite und der Planung bzw. der Darstellung von Adlershof auf der anderen Seite weckten mein

Forschungsinteresse. Durch meine eigene Nutzung Adlershofs, meine Bewegungen durch das Gebiet und meine Ambition, städtische Räume zu entdecken und zu hinterfragen, ist mir das Gebiet auf vielfältige Weise bewusst geworden. Ich bin Studentin am Geographischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin und studiere selbst seit 2003 in Adlershof. Ich war in der „heißen Phase“ vor und während des Umzugs als Betroffene dabei. In dieser Zeit wurden rege Diskussionen in der Universität über das Für und Wider des Umzugs geführt. Die Gegenargumente waren dabei meist im Übergewicht.

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Unsichtbares Adlershof – Einleitung Es gab das rationale Argument, Adlershof sei „zu weit draußen“ und „zu weit weg von dem restlichen Campus der Humboldt Universität.“ Zuhören waren aber besonders die emotionalen Argumente. Sie waren bestimmt von dem Gefühl, nicht aus dem „heimeligen“, bekannten „Mitte“ an den „Stadtrand gedrängt“ werden zu wollen. Man sah sich als „Verlierer, die nun in die Peripherie zur Uni müssen“, wo das Unmögliche versucht wurde: einen neuen Standort zu konstruieren. Dagegen waren die Argumente derer, die dem Umzug positiv gestimmt waren, nur leise zu hören. Sie versprachen bessere Lern- und Arbeitsbedingungen. Adlershof muss heute gegen dieses damals konstruierte Negativbild ankämpfen. Nach dem Umzug erfuhr die Debatte durch die täglichen Nutzungen und damit einhergehend den wahrgenommenen Vor- und Nachteilen einen erneuten Schub. Im Austausch mit Studierenden, Dozenten und Professoren über ihre eigenen Wahrnehmungen und Empfindungen von Adlershof wird z. B. deutlich, dass die städtebauliche Struktur und dezentrale Lage negativ gesehen wird. Diese Beobachtungen oder Wahrnehmungen widersprechen jedoch dem verbreiteten Image von Adlershof. Es wird als

Wissenschaftsstandort, Ort mit urbaner Qualität, als Stadt, als Campus, als Europas modernster Technologiepark, als Ort der Bewegung, der Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaften und Medien präsentiert. Zwischen dem Image und der heutigen Situation bestehen noch gewaltige Unterschiede. Das Gebiet wird nicht als Ganzes wahrgenommen und leidet u. a. unter der städtischen Randlage, sowie seiner fragmentarischen, zergliederten Stadtstruktur. Diesem Problem sind sich die Planer und Initiatoren Adlershofs durchaus bewusst. Letztes Jahr wurde z. B. ein Wettbewerb zur besseren Orientierung durch verschiedene in Adlershof ansässige Institutionen ausgeschrieben1. Eine weitere Idee zur

Verbesserung der Orientierung ist das Projekt „Gedanken-Gang“, das seit Februar diesen Jahres „über das gesamte Gelände der Stadt der Wissenschaft, Wirtschaft und Medien“ führen soll. „Er zeigt den Besuchern, was in Berlin-Adlershof geforscht, gelehrt, entwickelt und produziert wird.“ (www.adlershof.de) Diese Diskrepanz wird in der Arbeit aufgegriffen. Mein Forschungsinteresse richtet
1

sich

dabei

auf

die

Wahrnehmung

der

Beschäftigten

und

Der im Herbst 2004 von der Adlershof Projekt GmbH ausgeschriebene Ideenwettbewerb „Die Schwinge des Adlers“ wendete sich an Architekturstudenten der Technischen Universität Berlin. Aufgabe war, Entwürfe zu entwickeln, die das Erscheinungsbild verbessern sollten. Die Auslobung fand im Mai 2005 statt (vgl. Adlershof Projekt GmbH: 2005).

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Unsichtbares Adlershof – Einleitung Studierenden in Adlershof von dem Gebiet. Die sichtbaren bzw. unsichtbaren Bereiche innerhalb ihrer Wahrnehmung sollen erfragt und herausgearbeitet werden. Die Bedeutung, die der täglichen Bewegung und dem Verhalten im Raum dabei zukommt, soll hinterfragt werden. Anschließend werden die Resultate in einem künstlerischen Konzept aufgegriffen mit dem Ziel die Wahrnehmung bzw. Bewegung zu verändern. Der Titel der Arbeit „UNSICHTBARES ADLERSHOF“ bezieht sich auf die Untersuchung. Im Laufe der Arbeit werden folgende forschungsleitenden Fragestellungen bearbeitet:

Wie bewegen und verhalten sich die Befragten im Raum? Wie nehmen sie diesen Raum wahr? An welchen Punkten im Raum orientieren sie sich? Was fällt gänzlich aus ihrem Blickfeld/ ihrer Wahrnehmung?

Sie hinterfragen das Sichtbare bzw. Unsichtbare in der Wahrnehmung der Beschäftigten wie Studierenden. Der Aufbau der Arbeit sieht wie folgt aus: Zunächst beginne ich mit thematischen, sich aufeinander beziehenden Exkursen (vgl. Kapitel 2), worin Anmerkungen zu den Themen Sichtbarkeit/ Unsichtbarkeit von Räumen, der Verbindung von künstlerischem und wissenschaftlichem Arbeiten und der Bedeutung von Kunst im öffentlichen Raum gemacht werden. Sie sollen für das Thema sensibilisieren und bilden gleichzeitig die Grundlage meiner Arbeit. Der letzte Exkurs stellt das Untersuchungsgebiet vor. Die Entwicklung des Gebietes mit den

einhergehenden Bauten, die auch heute noch prägend sind, wird betrachtet. Diesen Exkursen folgt die Darlegung der verwendeten Methodik (vgl. Kapitel 3) sowie des Ablaufs in der Untersuchung (vgl. Kapitel 4). Anschließend folgt die Interpretation und Auswertung (vgl. Kapitel 5) meiner Untersuchung. Daraus resultierende Erkenntnisse (vgl. Kapitel 6) bilden wiederum die Grundlage für das nächste Kapitel, in dem eine künstlerische Idee für die Gestaltung des öffentlichen Raumes aufgezeigt wird (vgl. Kapitel 7). Abschließend steht ein Resümee (vgl. Kapitel 8). In der Arbeit wird auf eine durchgängige Sichtbarmachung der weiblichen und männlichen Schreibweise zu Gunsten der Lesbarkeit verzichtet, die jeweils andere Form sei immer mitgedacht. Die Fotografien zu Beginn eines neuen Kapitels stammen aus der Serie „Aliens in Adlershof“ vom Juli 2005.

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Unsichtbares Adlershof – Verortung

2 Verortung

2.1 Exkurs 1: Ich sehe was, was du nicht siehst - Das Sichtbare vs. das Unsichtbare
Die Sichtbarkeit bzw. Unsichtbarkeit eines Raumes wirft eine Fülle von Gedanken auf: Räume sind nicht reine Behälter, die gefüllt werden müssen, sondern ihre Entstehung ist ein soziales und prozessgeleitetes Phänomen. Es gibt Räume, die nur fragmentarisch wahrgenommen werden. Räume, die durch ihre Zugänglichkeit für bestimmte Personen sichtbar sind und andererseits durch ihre Verschlossenheit für andere Menschen unsichtbar bleiben. Räume, von denen, durch moderne Medien beispielsweise ein sichtbares, vertrautes Bild konstruiert wird. Und Räume, über die durch bewusste oder unbewusste Ausblendung kaum Wissen vorhanden ist und die scheinbar nicht existieren. Es herrscht ein ungleiches Kräfteverhältnis zwischen den verschiedenen wahrgenommenen Räumen: Wer die Möglichkeit besitzt, mittels Geld, Technik usw. auf sich aufmerksam zu machen, wird auch gesehen werden. Wer diese Mittel nicht besitzt, bleibt in der Wahrnehmung vieler unsichtbar. Das Sehen konstituiert Wirklichkeiten. Das Sichtbare und das Unsichtbare stehen dabei nebeneinander. Was gesehen wird, existiert. Was nicht

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Unsichtbares Adlershof – Verortung gesehen wird, existiert in der Wahrnehmung des Raumes nicht. Somit gibt es sichtbare bzw. unsichtbare Räume für Menschen. Das sichtbar Wahrgenommene ist nur ein Fragment des Ganzen. Es wird durch Handlungen täglich bestimmt. Dadurch werden Bilder und Ideen von Räumen geschaffen. Die konkreten Bewegungen der Menschen im Raum sind ein konstituierendes Element in diesem Prozess.

Auf eine Kurzformel gebracht, kann man sagen, die Konstitution von Räumen geschieht durch (strukturierte) (An)Ordnungen von sozialen Gütern und Menschen an Orten. Räume werden im Handeln geschaffen, indem Objekte und Menschen synthetisiert und relational angeordnet werden. (LÖW 2001: 204) Funktionsund zielgebundene Bewegungen lassen den Raum

verschwinden. Sie sind der Bewegung durch einen Tunnel ähnlich, ohne Neugierde für den Raum. Es entstehen Inseln einzelner wahrgenommener Orte, zwischen ihnen breitet sich das Unsichtbare aus. Die Atmosphäre und Gestalt eines Raumes kann dabei die Bewegung beeinflussen. Fühlt man sich nicht wohl in einem Raum, versucht man ihn so schnell wie möglich hinter sich zu lassen. Die Stimmung des Raumes ist entscheidend, ob man sich in ihm aufhalten möchte oder nicht.

Wenn eine Fußgängerunterführung Angst erregend, ein Arbeitszimmer nüchtern und ein Sonnenuntergang über dem Meer romantisch wirkt, so sei dies auf dessen Gestimmtheit zurückzuführen. Nun könnte man annehmen, dass Gestimmtheit nicht mehr ist als die Projektion von Gefühlen auf die umgebenen Räume, gäbe es nicht das Phänomen des „Umgestimmt-Werdens“ durch Räume. Man betritt zum Beispiel hektisch ein kleines Geschäft, um noch schnell vor Ladenschluss die nötigen Einkäufe zu tätigen, und wird durch ruhige Musik, angenehme Gerüche etc. in eine Stimmung der Gelassenheit versetzt. Räume entwickeln demnach eine eigene Potentialität, die Gefühle beeinflussen kann. (LÖW 2001:205)

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Unsichtbares Adlershof – Verortung

2.2 Exkurs 2: Der Hannoveraner Bahnhof

Wie viel sieht man befangen vom Alltag, von dieser großartigen Stadt? Die Routine zeigt Banalität und Gedankenlosigkeit, alles Persönliche verschwindet. Norman MANEA

Das Beispiel des Hannoveraner Bahnhofs greift das in Exkurs 1 diskutierte Phänomen des Unsichtbarwerdens von Räumen oder Gegenständen durch beschleunigte, funktionsgebundene Bewegung auf und versucht dem entgegen zu wirken. Dabei werden wissenschaftliche Arbeitsmethoden mit einer künstlerischen Konzeption verbunden. Das Architekturbüro Ohrt, v. Seggern, Partner aus Hamburg wurde 1998 von Stadt und Bahn beauftragt, den südlichen Teil des Hannoveraner Bahnhofsvorplatzes (vgl. Bild1) im Hinblick auf die bevorstehende EXPO umzugestalten. Zwei Jahre später, im Mai 2000, wurde der Platz eröffnet. (SEGGERN 2002: 264ff, SEGGERN 2003:69ff) Innerhalb der Planung entzündete sich eine Debatte über die potentiellen Funktionen eines Bahnhofsvorplatzes. Das Für und Wider, ob ein Bahnhof „auch“ Aufenthaltsort oder „nur“ Durchgangsort sei, wurde diskutiert. Ursprung der Debatte war der Vorschlag der Architekten, loses Gestühl auf dem Platz zu stellen, denn ein Bahnhof sollte, ihrer Ansicht nach, Aufenthaltsfunktionen übernehmen.
Bild 1: Entwurf Bahnhofsvorplatz

Wir wollten einen Raum gestalten, der einen förderlichen Rahmen für eine lebendige Aneignung bietet und eine anregende Balance zwischen den zu erwartenden unterschiedlichen Menschen, Verhaltensweisen und Nutzungen. Gelassen sollte der Platz funktionieren und zu Aufenthalt und Kommunikationen verlocken, eine Tages- und Nachtatmosphäre von großstädtischer Freundlichkeit, Großzügigkeit und Sicherheit ausstrahlen. (SEGGERN 2003: 69ff) Sie wollten einen „Raum zum Stehen bleiben, Langsamgehen, Warten und Sitzen“ schaffen. Unterstützend dafür nutzten sie „Wasser zum Spielen und als Blickfang, loses Gestühl [und] Poller, die auch zum Sitzen und für Gepäck geeignet sind.“ (SEGGERN 2003: 69)

Bild 2: Bewegungsabläufe

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Unsichtbares Adlershof – Verortung Auch die künstlerische Aktion „Musikschacht“, die im Prozess der Planung entstand, wurde dazu herangezogen, den Aufenthalt vor Ort zu inspirieren. Dabei handelte es sich um Musik, die aus einem Gullydeckel an die Oberfläche gelangten. Ihre Vorstellungen von einem Bahnhofsvorplatz wurden jedoch nicht von der Interessengemeinschaft Innenstadt, der Stadt und der Bahn geteilt. Deren Ansicht nach benötigte ein Bahnhofsvorplatz keine besonderen öffentlichen Aufenthaltsangebote, die lose Bestuhlung wurde abgewiesen. (SEGGERN 2003: 70) Motiviert durch den Ärger über die Ablehnung, versuchte die

Architektengruppe, eine Alternative zu finden und schlug vor, die Stühle für die Länge eines Sommers auf dem Platz zu stellen und deren Nutzung im Rahmen einer wissenschaftlichen Pilotstudie zu beobachten. Das
Bild 3: Sitzen auf Koffern

Experiment musste nach weiteren Einschränkungen auf einen Tag im September beschränkt werden. In der Studie wurde untersucht, ob und inwieweit es gelungen war, dem Stadtplatz eine Atmosphäre der Freundlichkeit und Lebendigkeit zu geben. Die Platznutzung und

Platzwahrnehmung wurde mittels eines Methodenmix bestehend aus einer Fotodokumentation, standardisierten und freien Beobachtungen,

materiellen wie personellen Experimenten zum Sitzen und Gesprächen über Atmosphäre, evaluiert. (SEGGERN 2003: 70f) Aus der Studie resultierend, konnten Aussagen über die Bewegung und Nutzung, besonders über das Sitzverhalten, auf dem Platz getroffen werden (vgl. Bild 2-4):

Alles, was das Sitzen nur einigermaßen erlaubt, wurde entsprechend (zweckentfremdend) genutzt, so z.B. Straßenpoller, Mauervorsprünge, Geländer, Treppen, erhöhte Baumscheiben, ebenso eine zeitweise als Kunstprojekt aufgestellte Figurenbank. Reisende setzten sich teilweise auf mitgebrachte Koffer oder Rucksäcke, jüngere Leute auch auf das Pflaster. (SEGGERN 2002: 270)

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Unsichtbares Adlershof – Verortung Die in die Studie integrierten Experimente „Bestuhlung“ und „Musikschacht“ erzielten anregende und positive Resultate:

Mit dem Test, an einem Sommertag leichte, bewegliche Stühle aufzustellen, und dem „Kommunikationsunterstützer“ Wasser zeigt sich der wahre Genuss des (unentgeltlichen) Sitzens, Redens, Sehens und Gesehenwerdens […]. Die Musik aus dem Schacht hat eine andere Art der Anregung: Einer Irritation folgen oft ein unwillkürliches Lächeln, eine Bewegung, ein paar Tanzschritte- und weil diese Reaktion unwillkürlich erfolgt, kommuniziert man sie häufig fast „ertappt“ mit anderen Anwesenden. (SEGGERN 2003:72) Beim Musikschacht kommt es bisweilen zu regelrechten „Recherchen“, wie denn die „Musik aus dem Gully“ zu erklären sei, andere nehmen die Musik auf, bewegen sich im Rhythmus der Musik, Schnipsen mit den Fingern, machen ein paar Tanzschritte. (SEGGERN 2002: 271) Die Architekten bewerteten abschließend den angewandten Methodenmix als gewinnbringend und gut anwendbar. (SEGGERN 2002: 278)

Bild 4: Stühle auf dem Platz

Besonders wichtig, vergnüglich und vermutlich effektiv ist dabei, mit Experimenten zu arbeiten, um das (freiraum)kulturelle Potential sich entwickeln zu lassen, um Raum und Gelegenheit zu schaffen, tatsächlich kreative Aushandlungsprozesse zu gestalten, die auch mit den Menschen vor Ort stattfinden. (SEGGERN 2003: 75) Das dargestellte Beispiel zeigt, wie auf einer kleinsträumlichen Ebene wissenschaftliches Forschen und kreative, künstlerische Gestaltungsideen kombiniert werden können. Die Disziplinen greifen ineinander: Mit der sozialräumlichen Analyse konnte die Raumwahrnehmung und –nutzung des Platzes untersucht werden. Die Menschen und ihr Verhalten standen bei der Untersuchung im Vordergrund. Hier war der angewendete Methodenmix sehr hilfreich, um Aufschlüsse zu bekommen. Man initiierte Kunst bzw. kreative Experimente und beobachtete deren Annahme im öffentlichen Raum. Dabei wurde gezeigt, wie Kunst als Raum gestaltendes Mittel eingesetzt und eine Veränderung bzw. einen Eingriff in alltäglich ablaufende Verhaltensmuster schaffen kann.

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Unsichtbares Adlershof – Verortung

2.3 Exkurs 3: Anmerkungen zur Schnittstelle Kunst (Stadt)Raum - Wissenschaft
In dem Hannoveraner Beispiel wurde bezüglich der Kunst im urbanen Raum deutlich, wie die kreativ oder künstlerisch eingesetzten Mittel in den städtischen Raum auf verschiedene Art und Weise eingegriffen haben. Der Raum wurde durch sie gestaltet, es wurde Einfluss auf das Verhalten der Passanten genommen. Somit wurde die Raumwahrnehmung verändert. Die gewohnte Durchquerung und die alltäglichen Abläufe im Raum wurden unterbrochen. Dieser Ausbruch aus den gewohnten Handlungen führte, zumindest für eine kurze Zeit, zur Überwindung der Anonymität des öffentlichen Raumes und zur Kommunikation, wenn z.B. die Passanten über das Kunstwerk ins Gespräch kamen. Der Raum wurde belebt. Kunst kann also, wenn sie in die Öffentlichkeit geht und dort wirkt, städtische Prozesse beeinflussen und verändern. In dem Beispiel wurde hinzu das mögliche Potential deutlich, wenn wissenschaftliche mit künstlerischen Methoden verbunden werden. Anhand folgender Fragen wird dieses Spannungsfeld von Kunst und Wissenschaft näher beleuchtet:

Wie hat sich Kunst im öffentlichen Raum entwickelt? Was kann diese Kunst im öffentlichen Raum bewirken und verändern? Was macht das Zusammenwirken von Kunst und Wissenschaft hier aus?

Die dargestellten Anmerkungen sind Ausschnitte einer weit geführten Debatte. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr sollen sie für das Thema der Arbeit sensibilisieren.

Wie hat sich Kunst im öffentlichen Raum entwickelt?

Kunst hat sich im Laufe der Zeit zunehmend dem Raum des Betrachters angenährt. Das Kunstsystem wurde erweitert, die Kunst hat sich aus den für sie geschaffenen Räumen wie Museen und Galerien befreit. Sie wurde damit einem breiteren Publikum zugänglich (Kaltenbrunner 2005: 33, Büttner 1997, Matzner 2001, Ahner 2003, van Treek 1999). In diesem

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Unsichtbares Adlershof – Verortung Zusammenhang stand die Entwicklung des Environment (später

Happening) in den 1950er und 60er Jahren (KALTENBRUNNER 2005: 28). Ein wichtiger Vertreter dieser Kunstform war der Künstler Allan Kaprow.

Folgt man der Selbstanalyse Kaprows, basiert der von ihm vollzogene Übergang von der Malerei zum Environment und vom Environment zum Happening auf einer immanenten Logik: Seine Malerei wird durch den Einsatz plastischer Elemente zunehmend dreidimensional. Sie dehnt sich in den Raum aus und wird zum raumgreifenden Environment. Während der Betrachter vor einem Bild steht, befindet er sich im Environment inmitten des Raums gewordenen Bildes. Der nächste Schritt mündet im Happening […] Der bereits im Bild stehende, aber immer noch passive Betrachter wird dazu animiert, als Akteur mitzuwirken und in das Environment einzugreifen. (KALTENBRUNNER 2005: 28) In den 1980er Jahren setzte sich der Begriff Installation für künstlerische Aktionen durch. Der entscheidende Unterschied zwischen den Kunstformen Environment und Installation lag im Umgang mit den Orten, an dem die Kunst inszeniert wurde. Das Environment überlagerte bestehende Orte, während sich die Installation in den Ort hinein begab: „Sie lässt sich auf ihn ein, um ihn zu akzentuieren, zu kommentieren oder zu transformieren.“ (KALTENBRUNNER 2005: 28) Es zeichnete sich eine Ortsbezogenheit der Kunst ab. Künstlerische Aktionen nahmen auf einen konkreten Ort in seinen architektonischen, funktionalen, historischen, politischen und

gesellschaftlichen Eigenschaften Bezug. In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich dieser Ortsbezug zunehmend zu einer selbstverständlichen Forderung in der Kunst. Er wird heute bei Projekten im öffentlichen Raum vorausgesetzt und von öffentlichen Institutionen oder Firmen in Auftrag gegeben. Hier werden Künstler zu „Konstrukteuren verlorener Identitäten und zu Designern von Corporate Identities.“ (KALTENBRUNNER 2005: 32)

Was kann diese Kunst im öffentlichen Raum bewirken und verändern?

Wenn Künstlern Freiraum in der Gestaltung von Plätzen zugesprochen wird oder sie mit dem Entwurf von einer Platzkonzeption betraut werden, dann können sie Orientierungen schaffen, Kontraste zur Umgebung bieten oder eigene künstlerische Räume entstehen lassen. Durch ihr gestaltendes Mittel kann die Kunst beispielsweise auf Mängel aufmerksam machen oder Akzente setzen. Kunst kann Defizite in Lebensräumen aufzeigen und

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Unsichtbares Adlershof – Verortung darauf reagieren und agieren, in dem sie die Produktion von und den Umgang mit der gebauten Umwelt in Frage stellt. Somit kann sie ein Bewusstsein für den urbanen Raum schaffen und vermitteln. Dabei hat Kunst den Freiraum, Neugier zu wecken. Sie kann sich zwischen neuen kreativen Ideen und bereits Vorhandenem bewegen. Durch ihre Präsenz wird sie zum Gegenstand öffentlicher Wahrnehmung und Diskussion und provoziert die Kommunikation in der Öffentlichkeit.2

Aus Inszenierungen, die mit Verwunderung oder Empörung zur Kenntnis genommen wurden, werden alltägliche Bilder in der Stadt, einige werden gar zum Wahrzeichen, andere sind da, aber werden vergessen, wieder andere werden wie exotische Pflanzen oder Tiere dem Sonntagsbesuch vorgeführt. (IPSEN 1997: 78f) Die Bevölkerung sieht und bewertet den Raum der Stadt im Rahmen alltäglich konventioneller Sichtweisen. Durch das Verschieben der

gewohnten Blickwinkel und Perspektiven durch Künstler können implizierte Bewertungen und Werte verändert werden. Dabei ist das Spannungsfeld zwischen Innovation und Konventionalismus aufgetan:

Wie wird der „Konventionalismus“ einer sich ständig reproduzierenden Gestalt durchbrochen, wird er überhaupt durchbrochen? Wie ändern sich Zeichen, und welchen Spielraum hat die Kunstaktion, um in einem bestehenden Zeichensystem noch kommunizieren zu können, ohne konventionell zu werden? Auf der Ebene der Soziologie geht es um Wertewandel und Macht. Wer kann wem seine Sichtweise oktroyieren? (IPSEN 1997: 79)

Hierzu gibt es eine Fülle an Exempeln, wie die zwei Kunstaktionen zu der documenta 6 und 7 in Kassel: Walter de Maria provozierte zur documeta 6 eine rege Diskussion mit seiner Aktion des „Vertikale Erdkilometers“. Die zunächst von den Kassleranern als sinnlos beschmipfte Aktion des Künstlers wandelte sich letztendlich zu der liebevollen Aktion „Kassler Loch.“ (IPSEN 1997: 85ff.) Joseph Beuys initiierte 1982 die Aktion „7000 Eichen - Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ zur documenta 7. Er forderte die Pflanzung von Bäumen zusammen mit jeweils einem begleitenden Stein an 7000 Punkten in Kassel. Damit griff er intensiv und nachhaltig in das Stadtbild ein. (www.7000eichen.de)

2

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Unsichtbares Adlershof – Verortung Für dieses Problem schlägt IPSEN folgende Lösung vor:

Wahrscheinlich kann man sich die Kommunikation so vorstellen, dass die Schaffung neuer Konnotation und Denotation von Zeichen als neue Kombination von Elementen bekannter Zeichen und ihrer Codes verläuft. Schon die einfache Veränderung der Reihenfolge von Zeichen, d.h. eine Veränderung ihres settings, schafft verblüffende, kreative Sichtweisen. (IPSEN 1997: 81) Kunst kann somit Auswirkungen auf den sozialen Kontext in der Stadt haben. Das Urteil über ein Kunstobjekt dient der Herausbildung sozialtypischer Sichtweisen der Welt:

Als neue Objekte in einem bekannten Raum können sie verursachen, dass die Zeichen, die dem Raum bisher angehörten, in einen anderen Zusammenhang gestellt werden. Dies kann dadurch geschehen, dass sich der gesamte Code verändert, aber auch so, dass ein vorhandener Code weiter existiert, jedoch anders kontextualisiert wird. (IPSEN 2002: 81) Kunst, die sich als urbane Skulptur pragmatisch oder symbolisch auf einen Ort einlässt, wird ein Element des urbanen Diskurses und prägt so Akzeptanz oder Aversion. (IPSEN 1997: 91) Der urbane Diskurs kann als Indikator für die Veränderung bei Bildern und Vorstellungen über den Raum und seine Organisation und Gestaltung gesehen werden. Kunstwerke können sich aus dem instrumentellen Kontext lösen und in der Stadt, im Leben jedes Einzelnen Raum ergreifen. Sie initiieren Debatten über Konzepte des täglichen Lebens und alltäglichen Raumes, sie bewirken somit Kommunikation.

Was macht das Zusammenwirken von Kunst und Wissenschaft hier aus?

Kunst

steht

sozialräumlichen

Analysen

nahe,

wenn

sie

sich

an

bestehenden unterschiedlichen Wahrnehmungsweisen und Interessen verschiedener Zielgruppen orientiert und verschiedene Lebenssituationen von Menschen aufgreift. Dabei kann sie in enger Verflechtung mit städtebaulichen, architektonischen und sozialen Maßnahmen stehen. Die Sozialraumanalyse (vgl. Kapitel 3.2.) nähert sich wiederum der Kunst an, wenn sie Analysen städtischer Räume und Prozesse flexibel gestaltet und neue bzw. offene Methoden einsetzt. Das Zusammenwirken schafft die

19

Unsichtbares Adlershof – Verortung Möglichkeit, nicht nur zu analysieren oder nicht nur zu platzieren, sondern ein vielfältiges Herangehen an den Raum und die Menschen. Im konkreten Kontext dieser Arbeit bedeutet dies, dass sozialräumlich analysierte alltägliche und funktionsgebundene Abläufe künstlerisch aufgegriffen werden können. Kunst kann sich die Aussagen der sozialräumlichen Untersuchung zu nutze machen und auf sie reagieren. Sie kann dadurch ein Hinschauen provozieren, wo vorher keins war, auf Wahrnehmungs- und Bewegungsabläufe einwirken und diese letztlich verändern. Die Kunst kann die Konfrontation mit der konstituierten Realität hervorrufen. Durch die Kombination wird somit ein differenziertes Hinterfragen und darauf abgestimmtes Handeln ermöglicht.

20

Unsichtbares Adlershof – Verortung

2.4 Exkurs 4: Adlershof – Ein Ort der Verheißung?

Eine merkwürdige Leere umgibt diesen Ort der Verheißung weit im Südosten Berlins. Unvermittelt, auch ein wenig verloren, steht die Wissenschaftsstadt Adlershof in karger Landschaft, der konturlosen Vorstadt entrückt und ihr doch verwandt im Fragmentarischen. REMMELE 1998: 96

Das Zitat von Martin REMMELE entstammt dem Jahr 1998, das Foto wurde im Juli 2005 aufgenommen. Es zeigt die Vorderseite des

Obdachlosenheims in der Köpenicker Straße (vgl. Abbildung 4). Beides offenbart Einblicke in die Situation des Gebietes: Es ist heute ein Ort, an den bestimmte Erwartungen gestellt werden und der sich in seiner heutigen Form als Wissenschaftsstadt erst entwickelt. Der Umbruch, der sich seit einigen Jahren in Adlershof vollzieht beinhaltet das Suchen nach einer festen städtischen Struktur und die Einbindung in ein gesamtstädtisches Bild. Er beinhaltet auch, dass das Gebiet zwischenzeitlich zu einem verlorenen Ort avanciert ist. Adlershof wurde auch früher schon als „Ort der Verheißung“ angesehen, oder zumindest als „Ort mit Zukunft“. Es wurde stets verscheiden genutzt. Darauf verweisen Relikte aus der Vergangenheit, wie diese Lettern an dem heutigen Obdachlosenheim. Es befindet sich heute am Rande der neu gebauten Wissenschaftsstadt und hat scheinbar nichts mit dem Bild des seit Beginn der 1990er Jahre ausgebauten Standorts zu tun.

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Unsichtbares Adlershof – Verortung Adlershof liegt im Südosten Berlins im Bezirk Köpenick (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Lageplan Berlin-Adlershof

Quelle: http://www.statistik-berlin.de/berl/berl5a.htm

In Adlershof wird derzeit ein integrierter Wissenschafts-, Wirtschafts-, und Medienstandort ausgebaut (vgl. Abbildung 2). Das Areal setzt sich aus 12 außeruniversitären Forschungsinstituten und rund 570 Unternehmen, dem Mediengelände, dem Naturwissenschaftlichen Campus der HumboldtUniversität zu Berlin, dem Gewerbepark und dem Landschaftspark zusammen. (www.adlershof.de)

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Unsichtbares Adlershof – Verortung
Abbildung 2: Adlershof

Quelle: FALK Stadtplan, 2002

Die unterschiedlichen Relikte der Vergangenheit, die heute im Gebiet anzutreffen sind und das Stadtbild mitgestalten, entstammen

verschiedenen historischen Phasen städtischer Entwicklung. 1905 wurde Adlershof für den Flugzeugbau entdeckt. In dieser Zeit wurde ein erstes Flugfeld angelegt. Die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) siedelte sich in Adlershof an. Die beiden heute noch erhaltenen denkmalgeschützten Laborbauten (vgl. Bild 5) auf dem Forumsgelände stammen aus dieser Zeit. Der erste und zweite Weltkrieg spielte eine maßgebende Rolle in den weiteren Entwicklungen des Gebietes. Adlershof sollte in dieser Zeit zur Wirkungsstätte der Luft- und Raumfahrtsforschung, sowie der Industrie werden. (SIMONS 2003: 60ff) Die heutigen technischen Denkmäler des aerodynamischen Parks Windkanal, Trudelturm und Motorenprüfstand (vgl. Bild 6-8) sind auf die militärischen Aktivitäten der 30er Jahre
Bild 6: Trudelturm Bild 5: Laborhäuser

zurückzuführen. (BAAG 2003: 5) Die aktuelle Form des Landschaftsparks wurde teilweise von dem 1939/40 angelegten Flugplatz übernommen.

23

Unsichtbares Adlershof – Verortung Die Teilung Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg hatte eine komplette Veränderung der Nutzungsstruktur Einrichtungen des und Gebietes ein zur Folge: der

„sicherheitsempfindliche“

Wachbataillon

Staatssicherheit der DDR wurden angesiedelt. Daneben fanden hier Industriebetriebe, Forschungszentren der Akademie der Wissenschaften (AdW) und der Deutsche Fernsehfunk (DFF) ihren Platz. Der Flugplatz wurde von der Nationalen Volksarmee (NVA) als Truppenübungsplatz genutzt. Diese spezifische Ansiedlung von Einrichtungen hinterließ ihre Spuren im städtischen Bild. Kennzeichnend war ein Mosaik
Bild 7: Motorenprüfstand

unterschiedlicher Bebauungen und Teilbereiche, die wenig interne Vernetzung vorwiesen und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich waren (vgl. Bild 9): „Mauern und Zäune gehörten ebenso dazu wie bewachte Eingänge isolierter Areale. Öffentliche Räume, Plätze und Mischnutzung fehlten daher vollständig.“ (BODENSCHATZ: 1994: 15ff) Die Einrichtungen waren zum Großteil in Barackenbauten untergebracht, was zu einer Zuspitzung der antistädtischen Verhältnisse führte. Die Isolierung des Gebietes wurde durch das Fehlen von Wohnnutzungen und die städtischen Barrieren Teltowkanal, Trassen der S- und Fernbahnen, sowie die stark belastete Hauptstrasse (Adlergestell) verstärkt. (SCHRÖDER 1994: 15) Mit dem Fall der Berliner Mauer traten Probleme für die zukünftige Nutzung Adlershofs zu Tage. Wichtige zu bedenkende Punkte bei der weiteren Planung waren zum einen die stadträumliche Lage Adlershofs und zum anderen die außergewöhnliche Maßstabsebene des Gebietes (420ha, www.adlershof.de). Zwei Pläne der Gebietsentwicklung standen sich gegenüber: der Entwurf eines monostrukturierten Technologiezentrums, formuliert vom Senat für Wirtschaft und der Vorschlag des Senats für Stadtentwicklung und Umwelt, ein Gebiet mit heterogener Nutzungsstruktur zu entwickeln. Im Sinne eines kleinsten gemeinsamen Nenners beschloss der Senat im September 1992 die programmatischen Eckpunkte für die zukünftige Entwicklung Adlershofs. Er formulierte das Ziel:
Bild 9: Zaun aus der DDR-Zeit Bild 8: Windkanal

[…] den Entwicklungsbereich zu einer modernen Wissenschaftsstadt auszubauen und Flächen für Forschung, Technologie, Produktion und Dienstleistungen für 30.000 Arbeitsplätze auszuweisen, die Naturwissenschaften der HumboldtUniversität aufzubauen und 5.500 Wohnungen und Folgeeinrichtungen zu errichten. (SIMONS 2003: 70)

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Unsichtbares Adlershof – Verortung Im Dezember 1994 wurde die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme3 Berlin-Johannisthal/ Adlershof festgesetzt. Man ging damals, angelehnt an den Flächennutzungsplan von 1993, von einem erhöhten Bedarf an Wohnund Arbeitsstätten für Berlin aus. Das Großprojekt sollte neue

wirtschaftliche Impulse für Gesamtberlin schaffen und avancierte zu einer Planung mit gesamtstädtischer Bedeutung. (www.stadtentwicklung.de) Von Stadtund Landschaftsplanungsbüros wurden Nutzungsund

Freiraumkonzepte für das gesamte Gebiet entwickelt, auf denen der heutige Entwicklungsplan basiert. In der Steuerung des Projektes traten jedoch bald Probleme auf, denn „die wirtschaftlichen, demografischen und finanziellen Rahmenbedingungen [stimmten] schon nach Festlegung der Entwicklungsmaßnahme nicht mehr mit den Prognosen überein, auf die sich das Großprojekt gegründet hatte.“ (SIMONS an 2003: 76) Die

Projektplanung

musste

fortwährend

die

veränderten

Rahmenbedingungen angepasst werden. Die Umsetzung des Projektes wurde auf einen Kernbereich beschränkt. Geplante Maßnahmen wie der Wohnungs- oder Mensabau wurden auf Eis gelegt. Die anfangs bis zu 6.000 geplanten Wohnungen im Entwicklungsgebiet wurden in den letzten Plänen auf ca. 650 bis max. 2000 reduziert. Die Verteilung der Institute wurde noch einmal überdacht und modifiziert.

Bild 10: Werbung November 2005

Die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme ist ein Instrument des Senats um die Deckung eines erhöhten Bedarfs an Wohn- und Arbeitsstätten und die Wiedernutzung brachliegender Flächen zu garantieren. Ein zentrales Merkmal stellt die Abschöpfung des Entwicklungsgewinns aus Bodenversteigerungen dar. Anfang der 1990er Jahre versprach man sich von dem Instrument Vorteile, da erwartet wurde, groß angelegte städtebauliche Entwicklungsvorhaben weitgehend frei von öffentlicher Förderung zügig zu realisieren und die Mittelbewirtschaftung über ein Treuhandvermögen, zu dessen Lasten die Kredite finanziert werden können, laufen zu lassen.

5

25

Unsichtbares Adlershof – Verortung Von der ursprünglichen Idee einer starken Nutzungsmischung wurde in der neueren Planung (erstmal) Abstand genommen. Derzeit gibt es viele brachliegende Flächen, die potentiellen Investoren zur Bild 11: Ehemalige Kasernen Verfügung stehen (vgl. Bild10). Aus den Entwicklungen und Planungen ergibt sich der heutige Entwicklungsplan für das Gebiet (vgl. Abbildung 3). Das heutige Stadtbild spiegelt die historischen Geschehnisse wieder (vgl. Abbildungen 4 und 5): Eindrücklich zeichnet sich die ausgedehnte 68 ha Fläche des Landschaftsparks ab. Am nördlichen Rand des
Bild 12: Mediengebäude

Landschaftsparks sind Industriegebäude, die bis zum zweiten Weltkrieg angesiedelt wurden, erhalten geblieben. An der westlichen Seite des Parks werden neue Einfamilienhäuser errichtet. Areale entlang des Großberliner Dammes werden gegenwärtig als Speditionsund Lagerflächen

verwendet. Kleingartenanlagen an der Südspitze des Gebietes aus den 20er Jahren sind erhalten geblieben. Im Südosten des Parks, östlich und westlich der Rudower Chaussee, befindet sich das Kernstück der Entwicklungsmaßnahme: der ausgebaute Wissenschafts-, Wirtschafts-, und Medienstandort. Institute und andere Einrichtungen,
Bild 13 Geographisches Institut

Firmenansiedlungen und Neugründungen wurden teilweise in die bereits vorhandenen Gebäude der der NVA AdW nimmt integriert. derzeit Das bisherige und

Kasernengelände

Einzelhandel-

Dienstleistungsbetriebe, sowie öffentliche Einrichtungen auf (vgl. Bild 11). Die in den 20er und 30er Jahren entstanden Filmstudios entlang der Agarstraße, werden heute überwiegend von Medienproduzenten und dienstleistern genutzt (vgl. Bild 12). Hinzu kam seit Beginn der 1990er Jahre eine Zahl von Neubauten. Es wurde teilweise versucht, den alten Bestand zu integrieren, wie eindrücklich an dem Erwin-SchröningerZentrum oder dem Geographischen Institut der Humboldt Universität zu Berlin zu sehen ist (vgl. Bild 13 und 14). (SCHRÖDER 1994: 21ff) Die vierspurige Rudower Chaussee stellt die wichtigste Verkehrsachse dar. Ihr Entlang ist ein Großteil der Gebäude der Humboldt- Universität, der ansässigen Dienstleistungen, Forschungsinstitute und Medien
Bild 15: Straßenbau, August 2005 Bild 14 Erwin-Schrödinger Zentrum

ausgerichtet. Daneben gibt es eine Vielzahl zum Großteil neu angelegter Straßen, die sich vereinzelt noch im Bau befinden (vgl. Bild 15). Durch den beschriebenen Wandel, der sich nicht an allen Stellen gleichzeitig im Gebiet vollzieht, ergibt sich ein kontrastreiches, teilweise skurril erscheinendes Stadtbild. Brachflächen (vgl. Bild 16), verwahrloste,

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Unsichtbares Adlershof – Verortung leer stehende Häuser fern ab der Hauptverkehrsstraße Rudower Chaussee (vgl. Bild 17) konterkarieren das Bild der aufstrebenden Wissenschaftsstadt. Eine Kindertagesstätte an der stark befahrenen Agarstraße (vgl. Bild 18) wirkt mit den bemalten Bettlaken, auf denen die Kinder Autofahrer zum langsam Fahren ermahnen, genauso hilflos und verloren wie das Obdachlosenheim an der Köpenicker Straße. Die Imbissbuden, die sich in Nähe der S-Bahn etabliert haben, zeichnen am Eingang der Wissenschaftsstadt ein ganz anderes Bild als das eines hoch technologisierten Standtortes. Den Exkurs soll eine Beschreibung Adlershofs aus Außenperspektive abschließen. Der Text erschien im März 2004 in dem Berliner Stadtmagazin „scheinschlag“.
Bild 17: Ehemaliges Fernsehzentrum der DDR Bild 16: Brache beim Landschaftspark

In Berlin-Adlershof sind, dem zögerlichen Wachstum der Wissenschaftsstadt zum Trotz, in den letzten Jahren viele sehenswerte Neubauten entstanden: Ein schwarzer, beeindruckend harscher Block beherbergt die Zentralbibliothek; das Institut für Physik hat die Front wie ein Kiefernwald; das für Chemie bildet in demonstrativer Bescheidenheit nach außen nur seine inneren Funktionen ab. Bunt schillert und schlingert das Photonikzentrum, dessen „Amöben“- Grundriss Ende der Neunziger befürchten ließ, dass auch Berlin bald von Blobs und Bubbles heimgesucht würde, kaltgrau das riesige Rund der Elektronenbeschleunigunsanlage […] Mitten in der Wissenschaftsstadt stößt man auf ein Ensemble, das neugieriger macht als alle grün verglasten Institute und Forschungszentren zusammen: der „Aerodynamische Park“. Hinter dem sympathisch unbeholfenen Namen verbirgt sich so etwas wie der Pandakäfig des Architekturzoos Adlershof. Verwaiste Zweckbauten aus den Dreißigern, purer Beton, stil- und zeitlos, ohne Bezug auf irgendetwas außer auf ihre frühere Funktion. Sie wurden errichtet, um direkt am Flughafen Johannisfeld Luftfahrtforschung zu betreiben. Heute sind sie zweckfreie Großskulpturen. (WITTE 2004: www. scheinschlagonline.de/archiv/2004/03_2004/texte/32.html)

Bild 18: Ermahnung an die Autofahrer bei der Kita

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Unsichtbares Adlershof – Verortung
Abbildung 3: Derzeitiger Entwicklungsplan für Adlershof

Quelle: Adlershof Projekt GmbH

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Unsichtbares Adlershof – Verortung
Abbildung 4: Bebauungsplan Adlershof (Ausschnitt)

Quelle: Adlershof Projekt GmbH, bearbeitet

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Unsichtbares Adlershof – Verortung
Abbildung 5: Entwicklungsmaßnahme Adlershof

Quelle: Adlershof Projekt GmbH, bearbeitet

30

Unsichtbares Adlershof – Methodische Vorgehensweise

3 Methodische Vorgehensweise

3.1 Qualitative Sozialforschung
Der Untersuchung liegen folgende Fragestellungen zur Raumwahrnehmung sowie Raumnutzung der Beschäftigten und Studierenden in Adlershof zu Grunde (vgl. Kapitel 1):

Wie bewegen und verhalten sich die Befragten im Raum? Wie nehmen sie diesen Raum wahr? An welchen Punkten im Raum orientieren sie sich? Was fällt gänzlich aus ihrem Blickfeld/ ihrer Wahrnehmung?

Um diese vielseitig und ergiebig beantworten zu können, ist die Wahl der Methodik zur Datenerhebung entscheidend. Die methodische

Vorgehensweise der Magisterarbeit stützt sich auf die Literatur von RIEGE (2002), MAYRING (1996), FLICK (1991), WITZEL (1982) und LAMNEK (1995). RIEGE beschreibt die Sozialraumanalyse und ihre Methoden. MAYRING, WITZEL, FLICK und LAMNEK beschäftigen sich mit der Qualitativen Sozialforschung. Warum diese Analyseform und Vorgehensweise

ausgewählt wurde, soll hier diskutiert werden.

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Unsichtbares Adlershof – Methodische Vorgehensweise Will man Aufschlüsse über die Raumwahrnehmung und Raumnutzung von Menschen erhalten, bzw. etwas zu ihren Kognitionen und Emotionen zum Raum erfahren, beschäftigt man sich mit äußerst komplexen, teilweise unbewussten Phänomenen. Im Zentrum des Forschungsinteresses steht die subjektiv wahrgenommene, empfundene und bewertete Realität der Beschäftigten und Studierenden. Ihr Verhältnis zum Raum soll untersucht werden. Eine Hypothesen folgende Untersuchung ist in diesem

Zusammenhang nicht angebracht. Vielmehr bietet sich ein induktives Verfahren an, in dem Hypothesen erst im Forschungsverlauf bzw. als Forschungsergebnis entworfen werden. Die Offenheit und Flexibilität mit dem Forschungsgegenstand und -prozess sind ausschlaggebend. Es ermöglicht das intensive Einlassen auf die Gesprächspartner, die Integration von vorab unerwarteten Phänomenen in den

Untersuchungsverlauf sowie dessen Modifizierung. Hier ist anzumerken, dass es prinzipiell nicht möglich und gleichzeitig ein unrealistischer Anspruch ist, subjektive Welten ganzheitlich zu erfassen. Das Herantasten an das zu untersuchende Subjekt und das Modifizieren des Vorverständnisses während des Forschungsprozesses macht es aber möglich, subjektive Sinnstrukturen heraus zu kristallisieren. Die

Sozialraumanalyse gibt für die Datenerhebung im Kontext raumbezogenen Arbeitens viel Inspiration. Sie beschäftigt sich auf verschiedenen Ebenen mit Mensch-Raum Beziehungen.

3.2 Methodenmix der Sozialraumanalyse
Die Ziele der heutigen Sozialraumanalyse sind erstens auf der

gesamtstädtischen Ebene, einzelne Stadtteile miteinander zu vergleichen und zweitens auf einer kleinsträumlichen Ebene, das „Innenleben“ einzelner Stadträume intensiv zu betrachten und vielschichtig zu beschreiben. Die Untersuchung in der vorliegenden Arbeit wurde auf der kleinsträumlichen Ebene durchgeführt. Nicht der Vergleich mit anderen Gebieten wurde angestrebt, sondern eine Analyse und Beschreibung des Verhaltens von Beschäftigten innerhalb eines Gebietes. Um Raumwirkungen in der und Stadt

Raumnutzungen

unterschiedlicher

Menschen(gruppen)

differenziert zu untersuchen, arbeitet die Sozialraumanalyse mit einem vielseitigen Repertoire an qualitativen Methoden. (RIEGE 2002: 36ff, DEINET 2002: 133)

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Unsichtbares Adlershof – Methodische Vorgehensweise Von diesen wurden folgende in der vorliegenden Untersuchung

angewendet:

Problemzentrierte Interviews Mentale Karten Raumbegehung/ Fotostreifzug

Diese Methoden gestatten den Zugang zu Erlebnissen, Erfahrungen und Wahrnehmungen der Menschen. Sie beziehen sich stark auf den jeweiligen konkreten Untersuchungsgegenstand. Gemeinsame Kennzeichen sind die gleichzeitige Berücksichtigung von Strukturmerkmalen („objektive“

Tatbestände), subjektiven Einschätzungen und eine Offenheit und Dynamik gegenüber dem Forschungsprozess. Da verschiedene Methoden

Anwendung finden, wird auch von einem „Methodenmix“ gesprochen. (RIEGE 2002: 17)

3.2.1 Problemzentriertes Interview
Die Interviewform geht auf WITZEL (1982) zurück. Sie lehnt sich weitgehend an das Verfahren der Grounded Theory an, wonach der Erhebungs- und Auswertungsprozess als induktiv-deduktives Wechselverhältnis gestaltet wird. Er ist auf der theoretischen Ebene als auch bei der Gesprächsführung offen. Um dieser Offenheit gerecht zu werden, lässt das Interview den Befragten möglichst frei zu Wort kommen. Die Vorgehensweise soll gewährleisten, dass die Problemsicht des Interviewers nicht diejenige des Befragten überdeckt und den erhobenen Daten nicht einfach eine Theorie zugeordnet wird.

Die Konstruktionsprinzipien des problemzentrierten Interviews […] zielen auf eine möglichst unvoreingenommene Erfassung individueller Handlungen sowie subjektiver Wahrnehmungen und Verarbeitungsweisen gesellschaftlicher Realität (WITZEL: http://www.qualitativeresearch.net, 15.09.2005). Nach MAYRING (1993) ist das problemzentrierte Interview eine

Zwischenform von narrativen und standardisierten Interviewverfahren. Demnach können alle Arten der offenen, halbstrukturierten Befragung als problemzentrierte Interviews gelten. Die Interviewform eignet sich, um eine

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Unsichtbares Adlershof – Methodische Vorgehensweise fokussierte Forschungsfrage mit ihren komplexen Strukturen zu erfassen und dazu umfangreiches Material zu erhalten. WITZEL (1985:230) gibt drei Grundgedanken des problemzentrierten Interviews vor:

Problemzentrierung (Erfassung bestimmter Probleme aus Sicht der Befragten) Gegenstandsorientierung (Flexibilität der Methoden durch

mögliche Anpassung an den Forschungsgegenstand) Prozessorientierung des Interview- und Forschungsverlaufs (Generierung der Theorie)

Bei der Datenerhebung gibt es verschiedene Schritte des Vorgehens: (1) den Kurzfragebogen zur Erfassung demographischer, biographischer, situationaler Daten der Interviewpartner, der vor oder nach dem Gespräch erhoben wird, damit der Gesprächsfluss im Interview nicht unterbrochen wird; (2) die Transkription, das Protokoll und die Situationsbeschreibung nach dem Interview (3) den Leitfaden, der aufgegliederte Themenbereiche erfassen kann, die auf dem wissenschaftlichen und theoretischen Vorwissen des Forschers, seinen Annahmen und Konzepten basiert. Er liefert während der Befragung einen organisierten Überblick über bereits Angesprochenes oder

Ausgelassenes. Der Leitfaden besteht aus Fragen und Erzählanreizen zur Sicherung der Vergleichbarkeit. Ausschlaggebend für das Interview ist jedoch nicht der Leitfaden, sondern es sind die konkreten Äußerungen des jeweiligen Interviewpartners. Ein problemzentriertes Interview bietet sich nach MAYRING (1993: 49) bei stärker theoriegeleiteter Forschungen, sowie Untersuchungen, in denen bereits einiges über den Gegenstand bekannt ist und spezifische Fragestellungen vordergründig sind, an.

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Unsichtbares Adlershof – Methodische Vorgehensweise Aus folgenden Gründen wurde diese Interviewform für die Untersuchung gewählt:

Es gab bereits Vorkenntnisse durch die Erfahrungen als Studierende vor Ort sowie die vorausgegangene

Recherchearbeit. Daraus lagen abgeleitete fokussierte Forschungsfragen vor, zu denen ein umfangreiches Material gesammelt werden sollte. Die Zwischenform war von offener bzw. um strukturierter einerseits die

Vorgehensweise

angemessen,

Raumwahrnehmung der Befragten differenziert zu erfassen und durch die Strukturierung andererseits den Vergleich der Daten zu ermöglichen. Die Flexibilität im Umgang der Methoden und die Anpassung an den Forschungsgegenstand macht die Kombination mit anderen Methoden möglich.

Der Interviewleitfaden (vgl. Abbildung 6) wurde so erarbeitet, dass er sich mit den zwei weiteren verwendeten Methoden verbinden lässt: dem Fotostreifzug bzw. dem Rundgang durch das Gebiet und den mentalen Karten. Er wurde während der Untersuchung generiert. Der folgende Leitfaden lag in dieser Form erst nach den ersten Interviews vor. Er sollte den offenen und flexiblen Ablauf der Befragung garantieren, sowie eine Basis von Daten schaffen, die ausgewertet und extrahiert werden konnten.

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Unsichtbares Adlershof – Methodische Vorgehensweise
Abbildung 6: Interviewleitfaden

Befragung zur Raumwahrnehmung von Berlin Adlershof – der Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien

TEIL 1: Rundgang - Sie sind auf ihrem Weg zur Arbeit, (Essen…) fotografieren Sie bitte, welche Objekte/ Gebäude u.ä. Ihnen dabei auffallen. - Angenommen, Sie möchten Adlershof einem Bekannten, der das Gebiet nicht kennt, näher bringen. Fotografieren Sie bitte, was für Sie Adlershof darstellt.

TEIL 2: Mentale Karten Einstiegsfragen - Wie oft sind Sie in Adlershof? - Welche Verkehrsmittel nutzen Sie gewöhnlich zur Anfahrt nach Adlershof? - Welche Verkehrsmittel nutzen Sie, um sich in Adlershof zu bewegen? Anweisung für Karten (Karte wird vorgelegt) 1. Zeichnen Sie bitte in die Karte ein, welche Orte bzw. Einrichtungen Sie in Adlershof aufsuchen! 2. Zeichnen Sie bitte ein, auf welchen Straßen oder Wegen Sie sich gewöhnlich fortbewegen! 3. Zeichnen Sie bitte ein, an welchen Punkten im Gebiet Sie sich orientieren, bzw. was ihre Bezugspunkte auf dem Weg sind! 4. Zeichnen Sie bitte ein, welche Orte/ Gebäude/ Plätze/ Institute Sie sonst noch kennen!

Statistische Fragen - Was ist Ihr Geburtsjahr? - Wie lautet Ihre Postleitzahl? - Welcher Tätigkeit gehen Sie in Adlershof nach? □ StudentIn □ MitarbeiterIn einer universitären Einrichtung □ MitarbeiterIn einer außeruniversitären Einrichtung - An welchem Institut arbeiten Sie? - Wie lange sind Sie schon in Adlershof beschäftigt? ________________________________________ Geschlecht: □ weiblich □ männlich

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Unsichtbares Adlershof – Methodische Vorgehensweise

3.2.2 Mentale Karten
In der Geographie wurden mentale Karten erstmalig im

angloamerikanischen Raum angewendet (DOWNS und STEA:1982; Lloyd 1987, LYNCH 1993). Im deutschen Raum beschäftigten sich besonders BITTER (1999), MAY (1992) und HARD (1986) mit mentalen Karten. Sie werden als Wissensstrukturen des Langzeitgedächtnisses beschrieben:

… die durch Eigenbewegung im Raum […] oder durch Benutzung graphischer oder verbaler Raumbeschreibungen […] zustande kommen [und] die es dem Menschen ermöglichen, sich über den aktuell wahrnehmbaren Ausschnitt der Umwelt hinaus räumlich zu orientieren. (MAY1996: 80) Der Begriff „Karte“ ist in diesem Zusammenhang als Metapher zu verstehen. „Es handelt sich nicht um kartographische Karten im Kopf eines Menschen, sondern um raumbezogene Gedächtnisstrukturen.“ (BITTER 1994: 93) Oft sind diese verzerrten und falschen Abbildungen gemessen an Karten im kartographischen Sinn. Das Gemeinsame an beiden Begriffen ist, dass sie für Modelle räumlicher Realität stehen. Die mentalen Karten jedoch sind individuell und vielfältig in ihrer Form und ihrem Inhalt. Dies weist darauf hin, dass Raumwissen in unterschiedlicher Art, Intensität und Funktion im Gedächtnis eines Menschen gespeichert ist. Darin sind sehr individuelle Verzerrungen und Abweichungen gegenüber der räumlichen Realität begründet. Sie basieren auf der Tendenz der Vereinfachung, der Schematisierung und der hierarchischen Strukturierung im Gehirn. Das Wissen, aus denen sich eine mentale Karte zusammensetzt, wird nach Fakten- und Handlungswissen und der Art des Erwerbs und der Speicherung unterschieden. Die Hauptquelle des Erwerbs von Wissen ist die menschliche Bewegung im Raum. (BITTER 1994: 93f)

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Unsichtbares Adlershof – Methodische Vorgehensweise MAY (1992: 82ff) unterscheidet drei Ebenen des räumlichen Wissens:

Knotenpunktwissen (landmarks): Räumliches Wissen ist um bestimmte Knotenpunkte organisiert. Das können markante, für Individuen wichtige Objekte oder Punkte der räumlichen Umgebung sein. Sie dienen zur Orientierung für die Navigation oder sind Ankerpunkte zur Strukturierung des räumlichen Wissens. Streckenwissen (route knowledge): Auf der Strecke wird Wissen über die sequentielle Abfolge von Szenen,

Entscheidungspunkten und deren Verbindungen auf der Strecke abgerufen und zusammengefügt. Überblickswissen (survey knowledge). Auf der Grundlage der eigenen Bewegung durch den Raum entwickelt sich ein Überblickswissen aus der Integration und der Vernetzung von Knotenpunkt- u. Streckenwissen.

Die Methode wird in verschiedenen Punkten kritisiert. (LLOYD/ HARVEY 1987: 1991; HARD 1986:17) Dabei werden vor allem folgende Kritikpunkte angemerkt:

Eine angefertigte Karte spiegelt die tatsächlich wahrgenommene Information über den Raum nur im Idealfall wieder: Das aufgezeichnete Wissen in einer mentalen Karte steht im

Widerspruch zur eigentlich guten Orientierung der Zeichner. Sie sind nicht im Raum „verloren“, auch wenn es die gezeichnete Karte vermuten lässt. Somit hängt die Qualität der Karten von dem zeichnerischen Talent des jeweiligen Befragten ab. Mentale Karten sind weder Stimuli des Verhaltens, noch steuern sie das Handeln: bei Bedarf kann sich der Mensch die soziale Situation bewusst machen, in der er handelt und somit kann er sich auch bei Bedarf ein Bild von der physisch-räumlichen Situation machen. die Mentale auf Karten entstehen meist als und

Improvisationen,

bestimmte

Handlungsziele

Handlungssituationen zugeschnitten sind, d.h. sie bezieht sich auf die direkte Aufgabe eine Karte zu zeichnen.

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Unsichtbares Adlershof – Methodische Vorgehensweise In der Arbeit wurde die Mentale Karte (vgl. Abbildung 7) aufgrund der bestehenden Problematiken nicht als einziges Erhebungselement, sondern in Kombination angewendet. Es wurde auf eine völlig freie, zeichnerische Darbietung der Befragten verzichtet, um den oben beschriebenen Problemen zu entgehen. Den Gesprächspartnern wurde eine Karte mit dem Straßennetz des Gebietes vorgelegt. Die Karte wurde auf der Grundlage eines aktuellen Stadtplanes digitalisiert. Die Befragten wurden gebeten, in die Karte verschiedene Aspekte zu ihren Bewegungen und Verhalten im öffentlichen Raum sowie ihrer Raumwahrnehmung einzuzeichnen (vgl. Abbildung 6):

benutzte Wege bzw. Straßen Bezugspunkte auf diesen Wegen aufgesuchte Orte bekannte Orte

Abbildung 7: Grundlagenkarte

Quelle: eigene Darstellung

39

Unsichtbares Adlershof – Methodische Vorgehensweise

3.2.3 Fotostreifzug/ Rundgang
Die Idee des Rundgangs oder Fotostreifzugs war inspiriert von dem Gedanken, über die Fotografie die Verbindung mit dem künstlerischen Projekt zu schaffen, denn „[…] mit der Fotografie gelangt die Soziologie als Wissenschaft ganz in die Nähe der künstlerischen Tätigkeit.“ (HARPER 1991:402) Praktische Impulse dazu gaben Texte von PSENNER (2004), FRANZEN (2002), YOUNG und BARRETT (2001). YOUNG und BARRETT (2001:141-152) führten eine Untersuchung mit Straßenkindern in Kampala, Uganda durch, wobei sie u. a. auf visuelle Methoden zurückgriffen:

[…] visual methods proved to be particularly important for developing gainful insight into the street child’s urban environment from the child’s perspective. They introduced a relaxed, fun atmosphere and allowed the children to take control of the process without imposing adult influence. (YOUNG, BARRETT 2001: 147) PSENNER (2004) untersuchte die Wahrnehmung im urbanen öffentlichen Raum anhand der Praterstraße in Wien. Dabei wurden die

Gesprächspartner auf einem Spaziergang über die Praterstraße begleitet und zum Fotografieren ermuntert. Ähnlich war die Forschung von FRANZEN (2002: 293ff) in Köln-Kalk angelegt. Darin wurde versucht, die

Wahrnehmung, sowie die Aktions- und Lebensräume von verschiedenen sozialen Gruppen in dem Gebiet zu erfassen:

Die subjektive Wahrnehmung des Raumes jedes einzelnen Bewohners liefert Informationen über die Erlebniswelt, Raumnutzung und Gewohnheiten. Hierüber können Rückschlüsse auf das Verhalten von Bewohnern, auf Defizite und Bedürfnisse im Quartier gezogen werden. (FRANZEN 2002: 293) Der aktive Charakter der Methode schien passend, um Aufschlüsse über die Sichtweisen der Interviewpartner zum Raum zu erlangen. Durch die gemeinsame Begehung des Raumes wurde die Möglichkeit geschaffen, Emotionen und Kognitionen der Befragten direkt zu erfahren. Das visuelle Element „den Raum direkt vor Augen zu haben“ ermöglichte es zudem, ein vielseitiges, differenziertes Bild der Raumwahrnehmung und Raumnutzung der Befragten zu erlangen.

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Unsichtbares Adlershof – Methodische Vorgehensweise Der Rundgang gestaltete sich an Hand von zwei Fragestellungen (vgl. Abbildung 6):

Sie sind auf ihrem Weg zur Arbeit, (Essen…) fotografieren Sie bitte, welche Objekte/ Gebäude. Ihnen dabei auffallen. Angenommen, Sie möchten Adlershof einem Bekannten, der das Gebiet nicht kennt, näher bringen. Fotografieren Sie bitte, was für Sie Adlershof darstellt.

Sie sollten als Inspiration gelten und zum Fotografieren auffordern.

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Unsichtbares Adlershof – Ablauf der Untersuchung

4 Ablauf der Untersuchung

4.1 Interviewpartner
Die Auswahl der Interviewpartner folgte dem Anliegen, ein breites Spektrum an Beschäftigten und Studierenden zu befragen, deren Arbeitsplätze im Gelände des Technologie- und Wissenschaftsparks verteilt sind. Dabei orientierte ich mich an den ansässigen universitären bzw.

außeruniversitären Forschungseinrichtungen, dem Medienbereich und Unternehmen (vgl. Abbildung 5). Den Kontakt zu den Interviewpartnern erhielt ich über das Schneeballprinzip sowie über das Internet. Dies ermöglichte der gute Internetauftritt des Gebietes. Die Kontaktaufnahme erfolgte via E-Mail, in der ich mich und mein Anliegen vorstellte und um ein Interview bat. Dies stieß weitestgehend auf positive Resonanz. Besonders Studierende und Mitarbeiter universitärer Einrichtungen zeigten sich interessiert und offen. Schwierig war die Kontaktherstellung zum Medienbereich, wo letztlich auch kein Interview durchgeführt werden konnte. Es wurden insgesamt 18 Personen befragt, worunter 9 Studierende, 5 Mitarbeiter universitärer Einrichtungen, 3 Mitarbeiter außeruniversitärer Einrichtungen und 1 Selbstständiger waren.

42

Unsichtbares Adlershof – Ablauf der Untersuchung
Tabelle 1: Interviewpartner

Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13

Geburtsjahr 1981 1946 1977 1944 1966 1977 1949 1980 1982 1981 1978 1977 1949

♀♂ w m m m m m w w m m m m m

Beschäftigung Studentin Dozent Student Professor Dozent Student Professorin Studentin Student Student Student Student Professor Mitarbeiter außeruniv. Einrichtung/ Professorin Student Mitarbeiter außeruniv. Einrichtung Selbständiger Mitarbeiter außeruniv. Einrichtung

Arbeitsort HU, Geographie HU, Mathematik HU, Geographie HU, Informatik HU, Geographie HU, Geographie HU, Mathematik HU, Geographie HU, Informatik, Mathe HU, Informatik, SulferCell HU, Physik/ Mathe HU Informatik, Geographie HU, Psychologie DLR, HU, Geographie HU, Informatik IKZ Firma Jenoptik MBI

14

1955

w

15 16 17 18

1981 1954 1958 1959

m m m w

Quellle: Eigene Darstellung

Es wurden 13 Männer und 5 Frauen interviewt. Ich habe versucht, auf den Ausgleich zwischen männlichen und weiblichen Interviewpartnern zu achten, was sich jedoch schwierig gestaltete, der da in den sowie

naturwissenschaftlichen

Ausrichtungen

universitären

außeruniversitären Institute Männer in der Mehrzahl sind und es somit automatisch mehr Männer als Gesprächspartner gab. Daraus ergab sich

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Unsichtbares Adlershof – Ablauf der Untersuchung weiterführend, dass nicht ausgewertet wurde, ob und wie sich das Verhalten und die Wahrnehmung von männlichen und weiblichen Gesprächspartnern unterscheiden. Es gibt seit geraumer Zeit eine große Anzahl von Forschungen, die diesen Fokus bewusst setzen, um Aufschlüsselungen einzelner Zielgruppen zu erhalten. (RIEGE 2002). Dies aber war nicht der Schwerpunkt meines Erkenntnisinteresses. Die Fragestellung verläuft nicht in diese Richtung. Es geht darum,

Gemeinsamkeiten in der Wahrnehmung herauszufinden. Das Bemühen war es demnach, Gesprächspartner aus möglichst unterschiedlichen Bereichen in Adlershof zu finden. Eine geschlechtsspezifische Untersuchung der Wahrnehmung des Raumes Adlershof hätte einen anderen Ansatz, eine andere Fragestellung und eine andere Auswahl der Gesprächspartner vorausgesetzt. Die Erhebung fand von Ende Mai bis Mitte Juli 2005 statt. Im Text habe ich die Namen der Gesprächspartner geändert (vgl. Tabelle 2) und verwende Kürzel, damit die Anonymität gewahrt bleibt. Ich wurde vermehrt darum gebeten und benutzte diese Form der Einfachheit halber für alle Befragten gleichermaßen.

Tabelle 2: Verwendete Kürzel

Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18

Kürzel Anne L. Ingo L. Alex M. Hans B. Knut. S. Ilko B. Elisa W. Heike V. Malze F. Mark S. Andreas G. Sören B. Hartmut W. Bärbel L. Konstantin A. Georg S. Heinz J. Stefanie K.

Quelle. Eigene Darstellung

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Unsichtbares Adlershof – Ablauf der Untersuchung

4.2 Interviewführung
Der Ablauf der Interviews war festgelegt. Es gab zwei Teile in den Interviews. Zunächst wurde zum Rundgang durch das Gebiet mit dem Fotoapparat aufgefordert. Danach wurde meist ein Café oder die Mensa aufgesucht, um den zweiten Teil der Befragung mit der mentalen Karte durchzuführen. Dem schloss sich oft ein weiterführendes, lockeres Gespräch an. Am Ende des Interviews wurden persönliche Daten erfragt. Die durchschnittliche Interviewdauer lag bei 1 Stunde. Der Ablauf stand in dieser Form nach den ersten fünf Interviews fest. Die Reihenfolge der Erhebungselemente wurde an die Situation angepasst und verändert, um eine Intensivierung der Gespräche zu erreichen. Die Gewichtung sollte auf den Rundgang gelegt werden, da sich abzeichnete, dass die mentalen Karten eine weniger intensive Aussagekraft hatten. Da die Fragestellungen lediglich Richtfragen waren, gestaltete sich der Rundgang individuell (vgl. Abbildung 8). Es stand den Befragten frei, den Weg zu bestimmen. Ich regte die Interviewpartner zum lauten Formulieren ihrer Gedanken an und ließ mich von ihnen führen. Der offene und individuelle Charakter des Rundgangs zeigt sich an den Bildern auf der rechten Seite (vgl. Bild 19-22). Es gab sehr ausgedehnte Rundgänge, die beispielsweise auf die andere Seite der S-Bahn, zu einem geschlossenem Kino führte (vgl. Bild 19) oder weit in den Landschaftspark hinein (vgl. Bild 20). Manchmal führte der Weg in Häuser hinein (vgl. Bild 21 und 22). Nach einem teilweise anfänglichen Unbehagen mit einer Fremden und mit der Kamera durch das Gebiet zu laufen und eventuell von einem Bekannten entdeckt zu werden, lockerte die Situation mit fortschreitender Zeit auf. Die meisten Befragten teilten bereitwillig ihre Gedanken mit. Der Rundgang war sehr abwechslungsreich und hat Spaß gemacht. Positiv ist hier auch anzumerken, dass die Rundgänge dazu beitrugen, dass die Befragten Adlershof teilweise neu entdecken konnten. Aussagen wie: „Aha, hier gibt es eine Apotheke, die hab ich noch nicht gesehen.“ oder „Ach, da steht ja was dran, das ist mir noch nicht aufgefallen“ waren nicht selten zuhören. Auf Grund des schlechten Wetters war es einmal nicht möglich, den Rundgang durchzuführen (Heinz J.). Es wurde bis auf zwei Ausnahmen bei allen Rundgängen fotografiert. Einmal verhinderte der Regen das Fotografieren (Stefanie K.). Das andere Mal äußerte der Gesprächspartner,
Bild 22: Im Blumenladen Bild 21: Im Ärztehaus Bild 20: Landschaftspark Bild 19: Kino

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Unsichtbares Adlershof – Ablauf der Untersuchung er finde nichts in Adlershof, das zu fotografieren sich lohnen würde (Georg S.). Das Einzeichnen in die mentale Karte gestaltete sich bei den meisten ohne Probleme (vgl. Abbildungen 9-11). Allerdings gab es auch hier anfänglich Unsicherheiten und Unbehagen. Gründe dafür waren zum einen, die Angst, etwas „falsch“ einzuzeichnen und zum anderen die Bekundung von wenig zeichnerischem Talent. Die Angst konnte genommen werden, in dem erklärt wurde, dass es nicht darum ging eine „perfekte Zeichnung“ abzuliefern.

Abbildung 8: Fotos von den Rundgängen

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Unsichtbares Adlershof – Ablauf der Untersuchung
Abbildung 9: Mentale Karte von Sören B.

Abbildung 10: Mentale Karte von Konstantin A.

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Unsichtbares Adlershof – Ablauf der Untersuchung
Abbildung 11: Mentale Karte von Bärbel L.

4.3 Datenauswertung
1. Aufbereitungsverfahren Während der Interviews protokollierte ich handschriftlich. Nach jedem Interview wurde dies sofort in Textform niedergeschrieben und mit Eindrücken während des Rundgangs ergänzt. Insgesamt wurden 104 Fotos entwickelt und eingeordnet. Zusammen mit den mentalen Karten sind dies die Rohdaten, auf denen die weitere Interpretationsarbeit aufbaut.

2. Auswertungsverfahren Es stehen unterschiedliche Auswertungsverfahren zur Analyse qualitativer Interviews zur Verfügung (LAMNEK 1995: 107ff, MAYRING 1983: 51ff, WITZEL 19982: 53ff). Grundlegendes Ziel ist das Erfassen der hinter den Handlungen liegenden subjektiven Sinnstrukturen. Angelehnt an die Forschungsfragen standen 2 größere Aspekte im Fordergrund, nach denen die Auswertung stattfinden und erörtert werden sollte:

1. die Bewegungen und das Verhalten im Raum 2. die Wahrnehmung und Orientierung von/ in Adlershof

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Unsichtbares Adlershof – Ablauf der Untersuchung Das Verfahren der schrittweisen Kategorisierung der Daten schien am besten geeignet und wurde angewandt. Nach mehrmaligem Lesen der Protokolle entwarf ich eine Tabelle (vgl. Anhang 2), in der die verschiedenen Daten (Fotos, Karte, Text) jedes einzelnen Interviews nach den Leitfragen grob zusammengefasst wurden. Dies ermöglichte eine erste Übersicht. Die Tabelle richtete sich an den Fragestellungen im Leitfaden aus:

Daten zur befragten Person Informationen zur Nutzung von Orten/ Einrichtungen, Straßen/ Wegen Informationen zur Wahrnehmung von Bezugspunkten, Plätzen/ Orten/ Gebäuden/ Objekten, Straßen/Wegen, Gelände Beschreibung des eigenen Verhaltens bzw. Bewegens durch das Gebiet Ansichten über das Gebiet Interaktionen im Gebiet Sonstiges

Dem folgte ein weiteres Extrahieren der Daten. Es wurden Begriffe zu Oberbegriffen zusammengefasst und Beziehungen zwischen den Begriffen und Oberbegriffen bzw. Kategorien und Oberkategorien herausgearbeitet. Diese wurden nochmals zusammengefasst, aussagekräftige Aspekte wurden hervorgehoben und ein Themenüberblick gegeben. Es wurden Schwerpunkte gesetzt und Akkumulationspunkte analysiert. Somit konnten gezielt Aussagen getroffen werden zur:

Bewegung/Verhalten im Raum Wahrnehmung von der baulichen und städtischen Struktur Wahrnehmung einzelner Bezugspunkte im Raum

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Unsichtbares Adlershof – Ablauf der Untersuchung Auf diesen Themen beruht die anschließende Auswertung:

1. Es werden einzelne, aus den Gesprächen abgeleitete Thesen zur Bewegung und Verhalten im Raum vorgestellt. Diese Thesen stützen sich auf die gewonnen Oberkategorien und damit auf mehrere Aussagen der Gesprächspartner. 2. Es werden die Hauptaussagen zu der Wahrnehmung der baulichen und städtischen Struktur vorgestellt. 3. Es werden mittels der schon vorgestellten Grundkarte des Gebietes Aussagen zu Verteilung und Häufigkeit der wahrgenommenen

Bezugspunkte und bekannten Orte im Raum getroffen. Auf Grundlage der protokollierten Daten konnten drei Karten angefertigt werden:

1. Karte: Bezugspunkte 2. Karte: Bekannten Orte

- Grundlage Mentale Karte - Grundlage Mentale Karte

3. Karte: Fotografierte Orte - Grundlage Fotografien

Aus diesen werden die Akkumulationspunkte erkenntlich, die anschließend einzeln dargestellt werden. Hier fließen die Aussagen der Gesprächspartner ein. Die Fotografien der Gesprächspartner sind dabei jeweils an der rechten Seite in verkleinerter Form zu sehen. Sie werden nicht beschriftet und jeder einzelnen Person zugeordnet, da sie auch nicht eingehender interpretiert werden. Die mentalen Karten sowie die Fotos erzielten ähnliche Resultate. Dabei sind die Fotos vielschichtiger und geben differenziertere Angaben über die Raumwahrnehmung. Das mag an dem schwerer herstellbaren räumlichen Bezug gelegen haben, der bei dem Rundgang gegenwärtig war. Im Großen und Ganzen ergänzen sich beide Methoden hervorragend.

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung

5 Das Sichtbare: Auswertung

Man muss sich beeilen, wenn man noch etwas sehen will – Die Dinge verschwinden. Paul Cézane

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung

5.1 Bewegung und Verhalten im Raum
Die Mehrzahl der Befragten (10) kommt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Adlershof. Das zur Auto nutzen Die drei, das Fahrrad aus zwei der

Gesprächspartner

Anfahrt.

Kombination

öffentlichen

Verkehrsmitteln und Fahrrad gebrauchen drei der Befragten zur Anreise. Wege werden im Gebiet selbst von den meisten (15) zu Fuß zurückgelegt, drei nutzen das Fahrrad.

Die Karte (vgl. Abbildung 12) bildet die Wege und Straßen ab, auf denen sich die Befragten gewöhnlich fortbewegen, um zu verschiedenen Einrichtungen im Gebiet zu gelangen. Die Häufigkeit, mit der bestimmte Objekte und Orte eingezeichnet wurden, ist ebenfalls mit in die Karte aufgenommen worden. Die aufgesuchten Orte lassen sich in die Kategorien Arbeit, Essen, Dienstleistungen und Freizeit einordnen. Mittels der Karte wird ersichtlich, dass die Rudower Chaussee von allen Befragten für die Fortbewegung im Gebiet genutzt wird. Am stärksten ist dabei das Stück Straße zwischen der S-Bahn Station und den Gebäuden Johann von Neumannhaus (JvN) bzw. Erwin-Schrödinger-Zentrum (ESZ) frequentiert. Auf diesem Straßenabschnitt befindet sich die Mehrzahl der aufgesuchten Einrichtungen. Daneben werden nur wenige andere Straßen genutzt, wie z. B: die Parallelstraße der Rudower Chaussee und die AlbertEinstein-Straße. Bei den meisten aufgesuchten Gebäuden handelt es sich um die Arbeitsstätten der Befragten. Daneben werden zum Mittagsessen verschiedene Orte aufgesucht. Die genutzten Dienstleistungen sind begrenzt. Genauso gaben nur sehr wenige an, Adlershof für

Freizeitaktivitäten zu nutzen.

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung
Abbildung 12: Nutzung von Straßen und Einrichtungen

Quelle: Eigene Darstellung

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung Diese Darstellung, die mittels der mentalen Karten generiert werden konnte, wird durch die Aussagen der Befragten zu ihrem eigenen Verhalten und Bewegen im Raum, verstärkt. Folgende Thesen kristallisierten sich heraus:

Der täglich zurückgelegte Arbeitsweg wird als langweilig und schlecht gestaltet empfunden. „Die Wege sind nicht gut gestaltet“, sagte Konstantin A, „auf dem Weg von der S-Bahn bis zur Höhe von Kaufland kommt nichts Spannendes. Es gibt eine große Straße, die geht man runter zu den Gebäuden, mehr passiert nicht.“ Elisa W. erklärte, ihr Arbeitsweg sei ein „stinklangweiliger Weg“, er ist „furchtbar, weil nichts passiert, ich habe das Gefühl, er würde sich ewig hinziehen, es gibt nichts auf dem Weg zu tun.“ Ihr „fehlt etwas, womit man angelockt wird, um zu schauen.“

Es wird der kürzeste und schnellste Weg durch das Gebiet angestrebt. In den Gesprächen mit Ingo L., Alex M. und Elisa W. wurde deutlich, dass sie versuchen, immer möglichst schnell zur Arbeit hin- und wieder weg zukommen. Georg S. erzählte von seinen Überlegungen, mit wenigen Schritten zur Arbeit zu gelangen. Um den Weg so kurz als möglich zu gestalten, berichtete Anne L.: „Ich muss gestehen, ich bin früher auch mit dem Fahrrad gefahren, damit ich weniger Zeit auf der Strecke verbringe und damit der Weg schneller vorbei geht.“ Anne L. erklärte weier, sie sei durch die „offensichtliche, klare Anordnung der Strassen ohne Verschachtelung“ nicht auf die Idee gekommen, von der Straße abzugehen. Ingo L., Heike V., Hartmut W. und Heinz J. gaben an, dass sie aus Zeitgründen keine anderen Wege entlang gingen.

Die Bewegung im Raum geht nicht über gezielte Punkte hinaus. Heike V. beschrieb ihr Laufverhalten in Adlershof als

„zielorientiert“, Konstantin A. sagte, er laufe „von A nach B“, wobei er sich nicht im Raum umschaue. Genauso erklärten

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung Malze F. und Sören B. es gäbe „nur einzelne Punkte“ in Adlershof, die sie aufsuchen. Stefanie K. erzählte, dass sie sich kaum auf dem Gelände bewege und meist nur von einem Institut zum anderen gehe. Der zurückgelegte Weg von Ingo L. und Malze F. reiche lediglich bis zu ihren Instituten in der Rudower Chaussee. Darüber hinaus seien sie noch nicht die Straße weiter entlang gegangen.

Der öffentliche Raum wird „nur“ zur Durchquerung genutzt und wird als wenig belebt wahrgenommen. Anne L. und Ingo L. erzählten, dass sie sich nur zweckmäßig im Gebiet bewegen würden und dabei der öffentliche Raum für sie nur zum Durchschreiten da wäre. Ilko B. beobachtete, dass es keinen Aufenthalt im öffentlichen Raum gäbe. Mark S. beobachtete, dass der öffentliche Raum nur genutzt werden würde, um von Bahnhof weg- und wieder hinzugehen. Diesbezüglich erzählten Alex M., Malze F. und Sören B. von den täglichen Strömen von Menschen, die sich von der S-Bahn schnell in das Gebiet hinein bewegen würde, ohne um sich zuschauen. Auch Hartmut W. nahm den öffentlichen Raum als „Durchgangsraum, wo nichts stattfindet, außer an den

Imbissbuden“ wahr. Hans B. erklärte, es fehle ihm das Laufpublikum auf der Straße und auch Bärbel L. fand es sei „nichts belebt“ auf der Straße. Hartmut W. schrieb den Studenten dabei die wichtige Rolle zu, den Raum zu beleben. Sie verschwänden jedoch nach ihren Veranstaltungen sofort. Knut S. und Heinz J. haben beobachtet, dass an den Abenden und an den Wochenenden „nichts in Adlershof los“ sei. Hartmut W. und Heinz J. erklärten, ab und an sähe man ein paar Fußballspieler oder Rollerskater. Hartmut W. erzählte von seiner Beobachtung zur Langen Nacht der Wissenschaften. Da sei ihm aufgefallen, „wie sich ein Ort verändern kann, wenn Menschen hier sind.“

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung Es besteht nur wenig Interesse sich in Adlershof

umzuschauen oder spazieren zu gehen. Konstantin A. sagte, dass er „schon mal zur Chemie gelaufen ist“, aber dann habe er gesehen, „dass da nichts mehr kommt.“ Dies hielt ihn von weiteren Erkundungen ab. Heike V. erklärte, dass ihr durch die Annahme, hier gäbe es nichts anderes als „Unisachen“, der Antrieb fehle, auch einmal andere Wege entlang zu gehen und das Gebiet auszukundschaften. Knut S. erzählte, es gäbe keinen Reiz, hier spazieren zu gehen: „Man geht nicht los, weil man nicht weiß, was einen erwartet und wo etwas genau ist und ich habe das Gefühl, hier sei kein Weg für mich als Nutzer gestaltet.“ Weiterhin fand er, die Plätze und Einrichtungen seien schlecht beschildert. Das mache es schwierig, Informationen über das Gebiet zu erlangen. Die Weitläufigkeit des Gebietes halte ihn zudem davon ab, „einfach mal so“ loszugehen. Auch Malze F., Hans B. und Ilko B. zeigten wenig Motivation für etwaige Spaziergänge: „Das Gebiet ist nicht so spannend und interessant, als das man es erkunden müsste.“ (Malze F.)

Wegen mangelnder Möglichkeiten finden neben der Arbeit wenig andere Aktivitäten im Gebiet statt. Hartmut W. sagte, er komme lediglich zum Arbeiten nach Adlershof und fahre anschließend wieder nach Hause.

Konstantin A.s und Heike V.s einziges Ziel sei, Veranstaltungen in der Universität zu besuchen. Heike V. erklärte, ihr tägliches Leben finde woanders statt, da sei Adlershof nicht integriert. Eine Ausnahme war die Beschreibung von Stefanie K.. Sie fahre extra zum Sport nach Adlershof oder komme „auch gern mal eine Stunde früher“, um im Landschaftspark zu skaten. Diesen Aufwand machte sonst kein anderer Gesprächspartner. Vielmehr wurde die Aussage vertreten „man bleibt nur solange wie nötig hier.“ Ilko B. sagte, er gestalte sich seinen Semesterplan so, dass er nicht zu oft nach Adlershof müsse. Malze F. erklärte, wenn er nichts mehr in Adlershof zu tun habe, wolle er so schnell wie möglich weg. Er ist der Meinung, dass es „in Mitte“ in den Pausen mehr zu tun gäbe. Hier könne er „nur

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung pendeln zwischen Bibliothek und Café.“ Auch Konstantin A. bemängelt: „Was mich am meisten stört ist, dass es in den Freistunden nichts gibt, wo ich hingehen kann. Ich würde Adlershof mehr nutzen, wenn etwas los wäre. Es gibt aber nichts, und deshalb gehe ich nach Hause.“ Dieser Meinung war auch Alex M: „Es gibt keine Partyzone und keine

Räumlichkeiten zum Treffen wie ein Studentencafé.“ Heike V. fehlten Treffpunkte für die Zusammenarbeit von Studenten. Elisa W. und Hans oder B. „für sagten, die es würden

„Kommunikationsecken“

Kommunikation

geschaffene öffentliche Räume“ fehlen. Mark S. kommentierte diesbezüglich ironisch: „Es gibt nicht viel zum Verweilen in den Pausen, nur wenige Cafés und sonst nur Wiese und die ist unangenehm zum Sitzen, wenn es regnet.“ Hartmut W vermisste besonders etwas für die Abendstunden: „Man kann abends nur in zwei Hotels gehen, wenn man etwas essen oder trinken will nach einem Colloquium, ich vermisse ein kleines Café oder eine Bierstube.“ Auch Bärbel S. fehlte etwas, wo sie in den Abendstunden einkehren könnte: „Hier gibt es nur ein überkandideltes Restaurant im Hotel, das ist zu teuer. Es fehlt abends was, wo man hingehen kann, um ein Bier zu trinken.“

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung

5.2 Wahrnehmung der baulichen und städtischen Struktur
Die Gesprächspartner gingen neben der allgemeinen Betrachtung des Raumes Adlershof auch auf die dortige bauliche und städtische Struktur ein. Es wurden Aussagen zur Wahrnehmung der Größe, der Isolierung zu umgrenzenden Gebieten, seines Flairs und seiner Architektur getroffen.

Folgende Thesen konnten aus den Gesprächen generiert werden:

Das

Gelände

ist

zu

weitläufig

und

zergliedert.

Die

Entfernungen zwischen einzelnen Einrichtungen sind zu groß. Damit einher geht das Gefühl, das Gebiet sei unfertig. Hans B. und Knut S. erklärten, Adlershof verlaufe sich im Großen und sei zu weitläufig. Für Alex M. sind die einzelnen Institute zu weit voneinander entfernt. Hartmut W. sagte, es gäbe viel Fläche, aber wenig Gebäude. Für Malze F. ist das Gelände „zu zergliedert und nicht geschlossen.“ Es wirke strukturlos, man habe hier kein Campusgefühl. Wegen dieser Weitläufigkeit , so Ilko B., wirke das Gebiet unfertig. Stefanie K. erklärte, die Gebäude stehen losgelöst im Raum, es gebe keine „kompakte Masse“. Das Gebiet sehe aus, als müsse hier noch mehr sein. „Das sieht so unfertig aus, als ob die Häuser noch warten, dass jemand andockt.“

Die Architektur der Gebäude im Gebiet wird abgelehnt und als unschön empfunden. Sie sei nicht für den Nutzer, sondern nur zu Profilierungszwecken gemacht worden. Laut Georg S. sei nur „Industriearchitektur“ in Adlershof, die „abgekupfert“ aussähe. Alex M. fand die Architektur „altbacken und hässlich“. Knut S. beschrieb die Gebäude in Adlershof als „monolithische Bauten die sich entlang einer technokratischen Prachtstraße aufreihen.“ Hans B. sagte, die Architektur der Gebäude sei nicht für die Menschen gemacht,

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung die sie nutzten. Es handele sich oft nur um die Repräsentation einzelner Einrichtungen. So erklärte auch Malze F.: „Die Architektur von Adlershof mag vielleicht spannend sein, ich finde sie aber nicht schön. Sie ist zu funktional, auch wenn Architekten darüber anders denken.“

Das Gebiet wird als isoliert erlebt. Die wahrgenommenen Grenzen sind der S-Bahnstrang, der den belebten westlich angrenzenden Stadtteil von dem Wissenschaftsstandtort abgrenzt, die Wegedornbrücke, der Teltowkanal und der Landschaftspark. Die meisten Befragten bewegen sich nur im Wissenschaftspark. Die Distanzen zwischen den

einzelnen Bereichen halten davon ab, in angrenzende Gebiete zu gehen. „Das Gebiet ist abgegrenzt zum anderen Teil von Adlershof. Da ist mehr Leben, aber die wenigsten werden da mal runter gelaufen sein.“ (Andreas G.) Elisa W. sagte, die Dörpfeldstraße [Verlängerung der Rudower Chaussee Richtung Westen] sei „zu weit weg, als das man hingehen könnte.“ Konstantin A. erklärte: „Hinter der S-Bahnbrücke fängt das alte Adlershof an. Hier hört der Gewerbepark auf. Es ist auf der anderen Seite belebter, eine richtige Stadt, die engen Straßen geben das Gefühl von einer alten Stadt.“ Mark S. erzählte: „Es gibt zwei Teile von Adlershof, jeweils zur anderen S-Bahnseite, da gibt es kaum Durchmischung, die Leute haben nichts miteinander zu tun.“ Sören B. erklärte, Adlershof sei nach außen abgeschlossen, abgeschottet, und begrenzt durch die S-Bahn, den

Landschaftspark und den Teltowkanal. „Es gibt nicht viele Zugänge zum Gebiet“, so Andreas G., „nur den Park und da muss man ein Stück laufen.“

Dem Gebiet wird städtisches Flair abgesprochen. Es wird als Wissenschaftspark und nicht als Stadt wahrgenommen. Knut S. fand: „Adlershof wird niemals städtisches Flair haben, sondern kann es höchstens schaffen, ein anständiger Park zu werden.“ Es fehle dafür eine städtische Rasterung, die Häuser seien direkt an der Straße ausgerichtet und es gäbe keine Ziele

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung und Plätze auf die man zugeht. Auch Stefanie K. war der Ansicht, „man hätte es auch alles zurücksetzen können, dann würde es angenehmer sein.“ Sie schloss daraus: „Es scheint eine Methode zu sein, dass alles so ein bisschen hingeklebt aussieht.“ Hans B. erklärte, „der städtische Raum funktioniert nicht, es fehlen Bänke, … die Stadt als solche fehlt, … es fehlen Funktionen wie Wohnen und Freizeit.“ Für Heike V. war Adlershof „randstädtisch“. Sören B. sagte, Adlershof sei eine typische Wissenschaftsstadt: es sei weitläufig, grün und es gäbe immer genügend Parkplätze. „Adlershof erinnert mich an Seattle und den Microsoftpark, eigentlich generell an

amerikanische Parks.“ Konstantin A. verband mit Adlershof einen „Gewerbepark.“

5.3 Wahrnehmung einzelner Akkumulationspunkte
In den folgenden Karten (vgl. Abbildungen 13-15) wird gezeigt, was die Befragten als Bezugspunkte auf ihrem täglichen Weg wahrnahmen und dementsprechend in die Karte einzeichneten, bzw. was ihnen während des Rundgangs auffiel und von ihnen fotografiert wurde. Orte, die von vielen Befragten wahrgenommen und besonders häufig (mindestens von 4 Befragten) fotografiert oder eingezeichnet wurden, sind in Tabelle 3 aufgeführt.

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung
Tabelle 3: Eingezeichnete bzw. fotografierte Orte Fotografierte Bezugspunkte Orte (vgl. Abb. 14 ) (vgl. Abb. 15) Rudower Chaussee S-Bahnstation Adlershof Hinterausgang des Bahnhofs Imbiss/ Bus Thermostatischen Kugellabore Kaufland Glastürme Forumsplatz Physik ESZ Aerodynamischer Park Akademieplatz JvN IBIS Hotel Gedankenskulptur Laser x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x

Rundgang (vgl. Anhang Nr.2) x x x x x

Die Dichte und die Verteilung der wahrgenommenen Punkte variieren. Es gibt verschiedene Akkumulationspunkte der Wahrnehmung: so genannte Funktionsorte wie der Arbeitsort oder aufgesuchte Orte zum Mittagessen. Diese nehmen somit eine wichtige Stellung im Adlershofer Alltag der Befragten ein. Weiterhin ist festzustellen, dass sich die Wahrnehmung entlang oft zurückgelegter Wege und in der Nähe der Arbeitsstätten intensiviert. Zudem befinden sich die häufigsten Bezugspunkte und fotografierten Orte an der Rudower Chaussee. Dies korreliert mit der Darstellung der genutzten Straßen im Gebiet, auch hier ist die Rudower Chaussee die bestimmende Straße im Gebiet (vgl. Abbildung 12).

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung Darüber hinaus sind fern der gewohnten Wege nur wenige Orte bekannt (vgl. Abbildung 15). Es gibt drei verschiedene Akkumulationspunkte von Orten, ‚die man sonst noch so kennt’:

-

die

Institute

in

den

Glasgebäuden

Geographie,

Psychologie und IB-Hotel das JvN mit den dort ansässigen Instituten und Einrichtungen die Institute der Physik und Chemie

Daneben sind vereinzelte Einrichtungen bekannt, wie das Deutsche Zentrum für Luftund Raumfahrt für (DLR), die Berliner m.b.H.

Elektronenspeicherring-Gesellschaft

Synchrotronstrahlung

(Bessy), die Domäne und der Medienbereich. Ihre Ortung gestaltete sich schwierig, da sie völlig abseits der meist genutzten Wege liegen. Äußerungen wie: „Die Medien sind da irgendwo“, „Hier gibt’s noch haufenweise Filmstudios“ oder „Bessy ist irgendwo hier“ während des Einzeichnens mit diffusen Kennzeichnungen in den Karten kamen vermehrt vor. Es existiert eine größere Unsicherheit von dem Teil des Geländes, dass weniger oder gar nicht genutzt wird. Heinz J. erklärte während des Einzeichnens: „Auf der anderen Seite [der Rudower Chaussee] kenne ich mich nicht so aus, da würden Sie mich aufs Glatteis führen.“ Sören B. sagte, dass er sich auf der anderen Seite der Rudower Chaussee noch nicht so umgeschaut habe und den Teil nicht gut kenne: „Ich habe da nicht viel zu tun und laufe nur schnell zur Informatik.“

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung
Abbildung 13: Bezugspunkte

Quelle: Eigene Darstellung

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung
Abbildung 14: Fotografierte Orte

Quelle: Eigene Darstellung

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung
Abbildung 15: Bekannte Einrichtungen

Quelle: Eigene Darstellung

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung

5.4 Darstellung der Akkumulationspunkte Rudower Chaussee
Die Straße wurde als problematisch wahrgenommen. Sie wurde als städtebauliche Barriere empfunden. Übergänge und

Durchbrüche fehlten. Sie ist zu groß und durch sie wird das Gebiet zu sehr verkehrsbelastet. Knut S. bezeichnete die Rudower Chaussee als „technokratische Prachtstraße“. Alex M. empfand die Straße als „zu groß“ und „störend“, es gäbe „keine abgeschotteten Bereiche“. Aus diesem Grunde lade die Straße dazu ein, „herzukommen und wieder weg zu gehen.“ Elisa W. erklärte: „Die Rudower Chaussee ist laut, ich gehe deshalb auch gerne mal die Parallelstraße lang.“ Für Malze F. bedeutete die Straße „Autolärm und Hupen.“ „Man hat sich zu viele Gedanken gemacht, wie man Adlershof verkehrstechnisch erschließen kann,“ kritisiert Knut S.. Bärbel L. fand die Straße „schrecklich“, sie schlug vor, Autofahrer zum langsamen Fahren anzuhalten und die Straße freundlicher für Fahrradfahrer und Fußgänger zu gestalten. Ilko B., Andreas G. und Hartmut W. sagten, dass sie die Rudower Chaussee als

„städtebauliche Barriere“ empfinden. Knut S. erklärte, die Straße trenne das Gebiet in zwei Teile, zudem gäbe es keine vernünftigen Übergänge und das Laufen über den Mittelstreifen wäre eine Zumutung. Hartmut W. wies mich auf die fehlenden Übergänge zur Überquerung der Straße hin, wo sich bereits ein Trampelpfad herausgebildet hat. „Da ist es nicht so toll, immer rüber zu pirschen.“

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung

S-Bahnstation Adlershof
Die S-Bahnstation ist Ankunft- und Abfahrtort. Sie symbolisiert das Gebiet Adlershof. Das Äußere der Station wird negativ empfunden. Heike V. sagte: „Die S-Bahn würde ich jemanden zeigen und sagen, hier studiere ich. Unter der S-Bahn durch und noch ein Stück weiter geradeaus.“ Der S-Bahnhof Adlershof war für Anne L. Symbol für Adlershof selbst. Für Bärbel L. gehörte die S-Bahnstation zu Adlershof, es sei ein „eigenartig versiffter Ort“.

Hinterausgang des Bahnhofs
Der Platz wurde meist positiv wahrgenommen. Die Probanden befürworteten das Stück Grün auf dem Weg zur Arbeit. Der Platz dient zur täglichen Durchquerung, um zur S-Bahn zu gelangen und wird stark frequentiert. Malze F. erzählte, dass ihm das „Wäldchen“ hinter der S-Bahn gefalle, er meinte „da bewegt sich etwas“. Hartmut W. fand die „Baumgruppen“ gut, „leider sind sie nicht betont“. Nach ihm müsste man das Gebiet mehr als Parkstadt unterstreichen und bereits an der S-Bahn damit beginnen. Konstantin A. fand den „Park“ schön, er dachte aber, dass er nicht genutzt werde, da er zu nah an der Straße läge: „Es wäre komisch hier mit einer Decke zu liegen, wenn der Lärm der Straße so laut ist.“ Georg S. fand die „Bäume an der S-Bahn angenehm“. Es gäbe immer einen Menschenstrom, der durch den Park rausche, so Malze F. Wenn er morgens zur Universität komme, drehe er sich oft am Ende des „Wäldchens“ um und schaue, ob er jemanden kenne, mit dem er dann gemeinsam weiter gehen könne.

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung

Imbissbuden und Bushaltestelle
Den Imbissbuden standen die Befragten gespalten gegenüber, einerseits sind sie attraktiv wegen ihres Angebots, andererseits wurden sie wegen ihres Aussehens kritisiert. Durch die vor den Imbissbuden befindliche Bushaltestelle wurde der Ort als stark genutzt wahrgenommen. Alex M. „fallen immer die vielen Menschen auf, die davor stehen.“ Hartmut W. fand es „kurios“, wie sich die Buden herausbilden. Er meinte, sie stünden im Kontrast zu den neu gebauten Hotels in Adlershof und gäben ihm das Gefühl „det hier ist irgendwo an der Peripherie.“ Er vermutete, dass auch andere so denken und „deshalb keiner nach Adlershof kommt.“ Die „Buden beißen sich mit dem Hochglanz- Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort.“ Georg S. fand die Imbissbuden „nicht so erfreulich“, sie wirken „nicht sehr einladend, obwohl sie bunt sind.“ Laut Konstantin A. könnten die Imbissbuden näher an seinem Institut sein, damit er dort öfters essen könnte.

Thermostatische Kugellabore
Die Meinungen zu den Kugellaboren gingen auseinander: sie wurden in ihrer Form positiv sowie negativ bewertet. Sie wurden wegen ihrer runden Form meist nur als „Kugeln“ wahrgenommen. Dabei war die Funktion vielen nicht klar. Für Sören B. symbolisierten die Kugellabore das „alte“ Adlershof. Sie zeigen „was früher hier war“, „was heute hier ist“ wusste er dagegen nicht so genau. Konstantin A. sagte, es seien „komische Teile, die für die Chemie oder so gebaut worden sind.“ „Die Kugeln“ seien „komische Gebäude, die für einen bestimmten Zweck gebaut, aber dafür nie benutzt wurden“, meinte Georg S..

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung Bärbel L. sagte: „Natürlich gehören die Kugeln auch zu Adlershof, obwohl ich lange nicht wusste, was das ist.“ Für Hartmut W. waren es

„funktionslose Kugeln“ die Adlershof symbolisieren sollen.

Kaufland
Die Wahrnehmung des Kauflands war recht einheitlich. Es fiel in seiner Größe und Form auf. Der Schriftzug auf dem Gebäude war ebenso einprägsam. Generell wurde es negativ wahrgenommen. Ilko B. erklärte, er nehme, wenn er von der S-Bahn komme, den Schriftzug „Kaufland“ als erstes Element im Gebiet wahr. Heike V. erklärte, „das Kaufland fällt in der städtischen Landschaft auf.“ Mark S. bemerkte: „Der große Klotz wo Kaufland drin ist, fällt mir im Vorbeigehen auf.“ Konstantin A. fragte sich, wie sich ein „Betonklotz von Kaufland hier halten kann.“ Der Anblick verstärkte bei ihm „das Gefühl auf der Grünen Wiese zu sein, wie in Marzahn.“

Glastürme
Die Gebäude fielen in ihrer Form und Funktion auf. Dabei wurden die Glasvorbauten am stärksten wahrgenommen. Ihre Architektur wurde von den Befragten positiv wahrgenommen. Negativ wurde die Verschlossenheit der Gebäude zum öffentlichen Raum gesehen. Es wurde festgestellt, dass eine vernünftige

Beschilderung an den Gebäuden fehlt. Elisa W. fiel die Architektur des „3er Gespanns“ mit der Verbindung zu den alten Kasernengebäuden auf. Sie verkörperten für Elisa W. Adlershof. Die Gebäude würde sie, wie auch Stefanie K., gerne anderen zeigen. Stefanie K. fand, sie sähen „besonders“ gegenüber dem „Rest“ aus. „Der Rest ist Durchschnitt, normal, die Glaskästen

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung wirken großstädtisch, neckisch.“ Alex M., Elisa W. und Knut S. fanden die Gebäude architektonisch gut, da die ehemaligen Kasernen und der Neubau zusammen in dem Bau integriert seien. Ilko B. sagte, dass ihm die drei Gebäude auffielen. Allerdings sagte er: „Die Häuser kommunizieren nicht nach außen, wie an dem unerkennbaren Schriftzug bei dem Geographieinstitut an der oberen Hauskante deutlich wird, man sieht von außen nicht was drin ist.

Sie sind benutzerunfreundlich.“ Andreas G. fand den Schriftzug wichtig, doch sagten ihm die verschiedenen Namen, die an den Gebäuden stehen, nichts. Es fehle die Bezeichnung der Institute. Das mache es schwierig sie auseinander zu halten. Ingo L. fielen die „drei Glasgebäude“ auf dem Weg auf, er fände sie aber nicht attraktiv. Diejenigen, die ihre Arbeitstätte in einem der Gebäude haben, nahmen die Gebäude in erster Linie hinsichtlich ihrer Funktion wahr (Knut S., Heike V., Hartmut W.).

Forumsplatz mit Laborhäusern
Für viele der Befragten war der Platz ein sehr wichtiger Ort in Adlershof. Kritisch wurde angemerkt, dass er sehr zentral läge, aber nicht genutzt werde. Es wurden viele Fragen über die zukünftige Entwicklung gestellt und Ideen und Wünsche für die Nutzung der Laborhäuser und die Platzgestaltung geäußert. Knut S. erklärte, „der Platz mit dem Bolzplatz und der Brache“ repräsentiere für ihn Adlershof. Heike V. sagte, der Ort sei ihr wichtig. Sie überlege immer, wenn sie daran vorbei gehe, was man darauf veranstalten könne. Ihrer Meinung nach könnten auf dem Platz einzelne Institute verbunden werden. Sie fragte sich, warum keine

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung Studenten auf dem Platz säßen. „Dort könnte ein Austausch stattfinden, man könnte auf der Wiese sitzen, trommeln und ein Feuer machen oder ein Beach-Volleyball-Feld anlegen.“

Auch Mark S. fiel die „leere Fläche“ auf. Er meinte, „hier könnte mal etwas passieren, hier ist noch nicht mal Wiese, sondern es liegt ganz brach.“ Hartmut W. fand den Platz trostlos. Konstantin A. erklärte, der Platz sei im Grunde nichts, die Häuschen seien „Müll“, sie würden nicht genutzt. „Der Rest ist schon ziemlich verbaut“, deshalb wünsche er sich hier einen Park. Der Platz sei die Fläche im Gebiet, die ihn am meisten störe. Er sähe nicht einladend aus, sondern abweisend, „eine große ungenutzte Fläche“. Zu Streikzeiten, so meinte er, wurde der Platz wenigstens noch genutzt. Auch Alex M. sagte, er würde immer an die „Streikmensa“ denken, wenn er an dem Platz vorbei laufe. Er fand die Aktion „toll“. Andreas G. war der Ansicht, der Platz werde noch zu wenig genutzt. Sören B. fragte sich, was mit den Laborhäuschen passieren werde. Auch Bärbel L. fielen die Laborgebäude auf. Sie würde sich freuen, „wenn da mal was nettes passiert, wie ein Cafe.“ Georg S. erklärte, er warte darauf zu sehen, „was hier passiert. Sie hatten die Laborhäuschen aufwendig saniert und nun stehen sie rum.“

Physikgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin
Das Gebäude wurde vor allem wegen seiner Architektur

wahrgenommen. Befürwortung sowie Ablehnung der Architektur wurden geäußert. Andreas G. fand das Physikgebäude „architektonisch nicht toll“, es sei für ihn „kein Hingucker“. Sören B. erklärte, dass er zu dem Gebäude

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung ambivalente Gefühle hege; es gäbe einen Kontrast zwischen innen und außen: von außen wirke es „offen“ und „cool“ und von innen „wie ein Knast“: „Er hat Höfe, die man nicht betreten darf und die „durchdesignd“ „architektonisch sind.“ witzig“, Bärbel denn L. es fand sähe das aus, Physikgebäude „als würde es

zusammenbrechen.“ Sie nehme es im Umfeld „sehr stark wahr.“ Stefanie K. sagte, „die Physik sieht nicht schlecht aus.“ Dagegen gefiel Georg S. das Physikgebäude nicht, es sei „unglaublich hässlich“ und es „sieht so aus, als würde es gleich zusammenfallen.“ Er hatte einmal mit jemand gesprochen, „der da drin arbeitet, es ist finster, hat dunkle Wände, aber die Leute haben sich daran gewöhnt.“ Für Heinz J. war das Gebäude ein Beispiel dafür, „was hier entstanden ist.“

ESZ
Das ESZ wurde sehr stark und positiv wahrgenommen. Viele fanden die integrierende Architektur aus alten und neuen baulichen Elementen gelungen und lobten seine Funktion. Der Platz vor dem ESZ wurde als zu klein wahrgenommen, besonders, da er die einzige Möglichkeiten für Studierende sei, sich in Adlershof zu treffen. Knut S. sagte, das ESZ falle ihm auf, wenn er mit dem Auto nach Adlershof fahre. Er fand es in seiner Funktion und Form „toll“. Elisa W. und Andreas G. sagten das ESZ sei architektonisch gut, Elisa W. gefiel besonders die Verbindung von alt und neu. Das ESZ, so Heike V., sei ein markanter Punkt für sie im Gebiet. Ihr sei wichtig, dass der Schriftzug am Gebäude erkennbar sei. Diese Auffassung vertrat auch Andreas G.. Hartmut W. fand besonders an der Kombination aus Bibliothek und Medienzentrum Gefallen. Die Architektur sei für ihn ansprechend. Er fand es „hervorragend“, dass die „ehemaligen Hallen der DLR verbaut wurden“ und somit die Verbindung zwischen Altem und Neuem Umsetzung gefunden hat. Gelungen sei auch die integrierte Cafeteria. Bärbel L. bestätigte ebenfalls dass das ESZ „toll von außen“ sei in seiner Verbindung von Alt und Neu. Die Cafeteria lobte sie wegen ihrer Großzügigkeit. Ingo L. bemerkte, der ältere

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung Vorbau und die Funktion des ESZ als Kommunikations- und Medienzentrum seien „super“. Stefanie K. sagte, dass viele ihrer Kollegen das ESZ („die große

schwarze Platte“) schrecklich finden, sie sehe das aber nicht so. Der Platz vor dem ESZ wurde von einigen gesondert betrachtet. Heike V, kommentierte ihr Foto: „Ich habe den Platz mit Bedauern für die wenigen studentischen Zusammenkünfte in Adlershof fotografiert.“ Für Alex M. war der Platz mit den „Studenten in der Sonne“ ein Bild für Freizeit und Pausen. Georg S. bemerkte, der Platz sei „eine kleine Insel studentischen Treibens.“

Aerodynamischer Park
Der Platz des Aerodynamischen Parks mit den technischen Denkmälern Motorenprüfstand, Trudelturm und Windkanal wurde als problematisch wahrgenommen, da er offen und nicht windgeschützt ist. Die Denkmäler wurden positiv sowie negativ eingeschätzt. Bemängelt wurde die schlechte Beschilderung des Platzes. Malze F. sagte, der Platz sei „touristisch“, was auch durch die Straßenschilder wie „Zum Windkanal“ zustande käme. Mark S. erklärte, der Platz sei wieder so „ein Fall von Platten, Beton und Grasfläche“ wie es viele im Gebiet gäbe. Er fände es „krass“ im Winter dort lang zulaufen, „denn dann pfeift der Wind und es ist trist.“ Andreas G. fand es „toll dass man beim Aerodynamischen Park auf der Wiese sitzen kann.“ Er sagte, der Platz sei „chic“, weil hier „das alte mit dem neuen zusammen zu sehen ist.“ Andreas G. fiel auf, dass ein Hinweisschild mit der Platzbezeichnung fehlte. Die Wegweiser vor Ort waren seiner Ansicht nach falsch angebracht, da sie sich weit oben befänden, eine zu kleine Schrift aufwiesen und nicht von allen Seiten einsehbar wären. Des Weiteren wären sie in der Machart sehr unscheinbar. Sören B. fand es gut, „dass die alten Dinge so belassen sind und man sie sieht.

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung Damit wird klar, dass es hier auch schon früher Wissenschaft gab und dass nicht alles neu ist.“ Der Trudelturm symbolisierte für ihn z.B. das Alte, „was früher hier einmal war.“ Für Alex M. war der Trudelturm ein Symbol für den Fortschritt im Gebiet.

Akademieplatz
Der Platz sagte den Befragten zu. Allerdings wurde vermehrt angemerkt, dass er nicht angenommen und niemand darauf sitzen würde. Die Kunstwerke auf dem Platz wurden positiv sowie negativ wahrgenommen. Malze F. fand die „Bepflanzung nett“, ihm fiel jedoch auf, dass „da noch keiner saß.“ Elisa W. zeigte Interesse für den Platz und erzählte, wie sie die Entstehung beobachtet habe. Andreas G. sagte, der Platz sei „gut gelungen.“ Er mochte das Grün auf dem Platz und fand, der Platz könnte mehr von Studenten genutzt werden. Das sei nach seiner Beobachtung noch nicht der Fall gewesen. Auch Konstantin A. hatte beobachtet, dass niemand die Wiese nutze: „Es fehlen Bänke, wo man sich hinsetzen kann und Wege auf der Wiese, denn so hat man Eindruck, dass man den Rasen nicht betreten soll.“ Stefanie K. fand den Platz nett. Georg S. erklärte, er habe sich die „merkwürdige Blumenkunst“ angeschaut und könne nichts damit anfangen. Elisa W. hingegen freute sich über die Kunstwerke und versuchte sogar sie zu entziffern.

Johann von Neumannhaus
Das Gebäude wurde wegen seiner baulichen Struktur, die sich nicht an den Nutzern orientiert, kritisiert. Das JvN erfährt durch die vorhandenen Dienstleistungen im Komplex eine Aufwertung. Elisa W., Hans B., Mark S.und Ingo L. war das JvN in seiner Funktion als Arbeitstätte wichtig. Darüber hinaus sagte Elisa W., dass die Bank im Gebäude für sie eine qualitative Aufwertung bedeute, da es ihr Wege erspare. Das Café im Gebäude sei eine „tolle Errungenschaft“

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung und ein „Ort der Kommunikation.“ Andreas G. sagte, das Gebäude falle ihm als erstes auf, wenn er mit dem Auto nach Adlershof fahre. Ihm sei es wichtig, dass der Name am Haus stehe. Sören B. erinnerte das Haus an amerikanische Universitätsbauten. Er fand die Gestaltung und Begrünung hinter dem Gebäude „schön“, doch „sie passt nicht rein.“ Sie würde von den Menschen nicht angenommen werden und sei nur Schmuck, den niemand nutze. Deshalb finde er das Gebäude zwiespältig: „Es ist schön, aber künstlich und auf den Effekt aus. Es ist irgendwie ein angelegter Raum. Es wirkt nicht natürlich.“ Konstantin A. äußerte, er merke, wenn er im JvN Haus sei, dass es „mal als Bürohaus geplant war“, und „nicht für Studenten konzipiert“ worden wäre.

Ibis-Hotel
Durch seine markante Größe und seinen Standort fiel das Hotel auf. Dabei wurde es als schwierig angesehen, ein Hotel vor Ort halten zu können. Konstantin A. erklärte, dass er sich immer frage, wenn er daran vorbei laufe, ob es vor oder nach dem Wissenschaftsstandort ausgebaut wurde. „Es war bestimmt mal ein Fünf-Sterne Hotel. Was es jetzt nicht mehr sein kann, da die laute Straße davor ist und viel zu viel los ist. Ich frage mich, wer hier draußen ins Hotel geht.“ Georg S. erzählte, dass er immer auf die Anzeigentafel schaue und sich über die Preise informiere. Ingo L. fand die Gebäude nicht attraktiv. Für Stefanie K. sah es „abgekupfert“ aus und „ist viel zu groß für den Ort“, es „fällt heraus“ und „sieht so aus, als ob noch was dahinter kommt, aber da ist nichts.“

Gedankenskulptur
Die „Gedankenskulptur“ fiel den Befragten auf. Sie versuchten, die Botschaft des Kunstwerks zu entziffern. Elisa W. meinte, sie falle als „Kunst“ auf. Sie finde sie aber nicht ästhetisch, da sie verrostet sei. Sie habe sich mit ihren Kollegen über

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Auswertung die Bedeutung unterhalten. Mark S. hatte sich das „Metallding mal angeschaut und durchgelesen, was ein Künstler für Vorstellungen von Kryptologie hat.“ Andreas G. erklärte, das Kunstwerk falle ihm im Grunde nur auf, weil es ungewöhnlich sei. Er habe schon versucht, darin zu lesen, „es ist eine Verschlüsselung, Kryptologie.“ Georg S. fand das „Kunstwerk aus Eisen“ gut. Er habe Spaß daran, zu entziffern, was darin steht. „Die Aussage ist gut und regt zum Nachdenken an, es sind Worte fürs Leben: Vision – Gedanke…“

Laser
Der Laserstrahl wurde als Attraktion im Winter bzw. in den Abendstunden des Gebietes ausgewiesen. Er regte viele zum Nachdenken über seinen Verlauf und sein Zielort an. Der Strahl verläuft vom Siemensgebäude in Richtung S-Bahn. Elisa W. fand den Laserstrahl „toll“. Zwischen ihren Kollegen sei Ausgangs- und Zielort des Lasers „Gesprächsthema“. Für Mark S. sei der Laser immer wieder ein „Highlight“ in Adlershof. Konstantin A. erklärte, an dem Verlauf des Strahls merke er „dass die Rudower Chaussee nicht gerade verläuft“. Georg S. meinte, der Laser falle ihm auf, „das ist eine schöne Sache, er weist den Weg zum Bahnhof.“ Knut S. fand, er sei ein „verbindendes Element“ im Gebiet.

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Fazit

6 Das Sichtbare: Fazit

Sichtbar ist etwas nur, wenn es wahrgenommen wird. […] Sichtbar ist ein Verweis auf den Sehenden: Kann er noch sehen? Oder ist das DING beliebig geworden oder der BLICK? Wenn Gehetztheit und Austauschbarkeit in der Wahrnehmungskultur Einzug halten, dann verschwinden die Dinge. – Und.spitzfindig: auch der Betrachtende – hinsichtlich seiner Fähigkeit wahr zu nehmen, dann zu interpretieren und vielleicht zu gestalten. Wim Wenders

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Fazit Die Rudower Chaussee ist die signifikante Straße des Gebietes. Entlang der Straße befindet sich der Großteil der täglich aufgesuchten Orte. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl um die Arbeitsstätten der

Gesprächspartner. Die Hauptbewegungen verlaufen demnach entlang der Rudower Chaussee. Es stellte sich heraus, dass der tägliche Arbeitsweg als langweilig und schlecht gestaltet empfunden wurde. Oft wurde der kürzeste und schnellste Weg durch das Gebiet angestrebt. Die Bewegung im Raum geht dabei nicht über gezielte Punkte hinaus. Des Weiteren bestand nur wenig Interesse, sich in Adlershof umzuschauen oder spazieren zu gehen. Der öffentliche Raum wurde „nur“ zur Durchquerung genutzt und als wenig belebt empfunden. Die meisten Gesprächspartner verrichten lediglich ihre tägliche Arbeit in Adlershof und nutzen aus Mangel an anderen Möglichkeiten das Gebiet wenig für andere Aktivitäten. Die Bewegungen spiegeln sich in der Sicht der Befragten auf Adlershof wider. Die wichtigsten Punkte der Wahrnehmung sind:

Es gibt nur wenige Akkumulationspunkte der Wahrnehmung. Dabei handelt es sich um so genannte Funktionsorte, wie den eigenen Arbeitsort (GEO, ESZ, JvN) oder aufgesuchte Orte zum Mittagessen (Mensa im JvN). Diese nehmen eine wichtige Stellung im Adlershofer Alltag der Befragten ein. Dabei wird ihre Form ebenso wie ihre Funktion kommentiert. Daneben fallen einzelne Gebäude wegen ihrer Form auf, wie die Thermostatischen Kugellabore: „die Kugeln“, der

Trudelturm: „das Ei“ oder das Kaufland: „der Klotz“. Die Wahrnehmung intensiviert sich entlang oft zurückgelegter Wege und in der Nähe der Arbeitsstätten. Es existiert eine größere Unsicherheit von dem Teil des Geländes, der weniger oder gar nicht genutzt wird.

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Fazit In den Wahrnehmungen einzelner Punkte kristallisierte sich zu dem folgendes heraus:

Einzelne

Gebäude

und

Plätze

werden

herausragend

wahrgenommen. Dabei ist deren Einschätzung positiv sowie negativ. Als gut wurde beispielsweise das ESZ empfunden. Viele fanden die integrierende Architektur aus alten und neuen baulichen Elementen gelungen und lobten seine Funktion. Negativ wurde bspw. der Forumsplatz gesehen. Für viele der Befragten war der Platz ein sehr wichtiger Ort in Adlershof. Es wurde sich daran gestört, dass sehr zentral läge, aber nicht genutzt werde. Es wurden viele Fragen über die zukünftige Entwicklung gestellt und Ideen und Wünsche für die Nutzung und Gestaltung geäußert.

Geschichtliche Elemente im Stadtbild werden positiv wahrgenommen. Es wurde befürwortet, dass verschiedene alte Gebäude in das Stadtbild integriert wurden, wie der Trudelturm. Sie stellten für einige der Befragten ein Stück Geschichte dar. Auch wenn Bestände von historischen Gebäuden in Neubauten integriert wurden, wie es beim ESZ und der Geographie bzw. Psychologie der Fall ist, wurde dies positiv begrüßt. Sie werden sogar zu Bezugspunkten, wie bei den Thermokonstanten Kugellaboren zu sehen ist.

Neben der Beschreibung der allgemeinen Wahrnehmung Adlershofs und der Beantwortung der Fragen, äußerten viele Gesprächspartner Kritik sowohl an der Architektur als auch an der fehlenden Struktur und Informationen über das Gebiet. Die wichtigsten Kritikpunkte sind:

Es fehlen Schnittstellen zwischen den Instituten, Orte für die Kommunikation, Freizeitangebote sowie Treffpunkte außerhalb der Arbeit zum Aufenthalt im Gebiet, zum Verweilen und zum Zeitvertreib.

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Unsichtbares Adlershof – Das Sichtbare: Fazit

Es fehlen Informationen über Gegebenheiten vor Ort, wie ein Schaufenster oder Informationspunkt. Dies bezog sich ebenfalls auf die als unzureichend empfundene Beschilderung einzelner Gebäude und Plätze. Es fehlt die Gestaltung des öffentlichen Raumes: gestaltete Wege für den Nutzer und Plätze zum Sitzen. Es existiert das Gefühl, viele Orte seien nicht für die Nutzer angelegt, sondern wirken steril, komplett fertig gestaltet und so, als dürften sie nicht betreten werden. Das Gelände wurde als zu weitläufig und zergliedert kritisiert. Die Entfernungen zwischen einzelnen Einrichtungen seien zu groß. Daraus entstehe das Gefühl, das Gebiet sei unfertig. Die Architektur der Gebäude im Gebiet wird abgelehnt: Sie sei nicht für den Nutzer, sondern nur zu Profilierungszwecken gemacht worden. Das Gebiet wird als isoliert erlebt. Die wahrgenommenen Grenzen sind der S-Bahnstrang, der den belebten westlich angrenzenden Stadtteil von dem Wissenschaftsstandtort und der

abgrenzt, die Wegedornbrücke, der Teltowkanal Landschaftspark.

Dem Gebiet wird städtisches Flair abgesprochen. Das Gebiet wird als Park und nicht als Stadt wahrgenommen.

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Unsichtbares Adlershof – Das Unsichtbare sichtbar machen: Eine Idee

7 Das Unsichtbare sichtbar machen: Eine Idee

Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern sie macht sichtbar. Paul Klee

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Unsichtbares Adlershof – Das Unsichtbare sichtbar machen: Eine Idee Auf den folgenden Seiten soll eine Gestaltungsidee bzw. ein künstlerisches Konzept für den öffentlichen Raum entwickelt werden. Die Vorschläge und Ideenskizzen folgen dem Versuch, die Neugierde der Nutzer Adlershofs für ihre Umgebung zu wecken. Dies bedeutet, Menschen aus ihren alltäglichen Abläufen zu reißen und zum Entdecken anzuregen. Dieses Entdecken kann einen Beitrag zum Wohlfühlen in Adlershof leisten, wenn Menschen bereit sind, sich ihr persönliches Bild von Adershof zu machen. Hintergrund für das Konzept bilden die Schlussfolgerungen, welche aus den Gesprächen gezogen werden konnten: Es gibt nur wenige Orte, die von den Gesprächspartnern wahrgenommen und genutzt werden. Viele Facetten und einzigartige Orte Adlershofs werden in der Eile und dem zielorientierten Laufen übersehen. Sie können dabei direkt auf dem Weg liegen oder sich fernab vom gewohnten Arbeitsweg befinden. Orte, die somit unsichtbar werden, sind zum Beispiel die alten Gebäude des Funkund Fernsehzentrums, der Landschaftspark, die Kindertagesstätte, der Teltowkanal, das Obdachlosenheim, die Musikschule oder das Bezirksamt. Die Gründe der „Rastlosigkeit der Menschen“ sind Zeitmangel,

Gleichgültigkeit gegenüber dem Raum und Lustlosigkeit ihn zu entdecken. Er ist für viele nicht aufregend genug und wird als langweilig empfunden. Die Menschen kommen her, weil sie müssen, besuchen ihre Arbeitsplätze und versuchen danach so schnell wie möglich das Gebiet wieder zu verlassen. Sie fühlen sich nicht wohl und identifizieren sich auch nicht mit dem Gebiet. Es ist nicht spannend, sich im Gebiet umzusehen. Hinzu fehlen Anreize und (Ver-)Lockungen, um von dem gewohnten Weg einmal abzuweichen. So bleibt das Gebiet ein langweiliges Stück Raum, dass es schnellstmöglich zu durchqueren gilt. Damit speist sich die Unsichtbarkeit des Raums. Es soll Aufgabe des Konzeptes sein, in diesen Prozess einzugreifen und die unsichtbaren Orte sichtbar werden zu lassen. Wichtig soll für das Konzept jedoch nicht nur der Aspekt sein das Unsichtbare sichtbar zu machen. Die Ideen und Wünsche der Befragten, sowie deren negative Wahrnehmung von Orten und Aspekten, sollen gleichfalls einbezogen werden. Sind sie es doch, die sich täglich in Adlershof bewegen und sich deshalb auch hier wohl fühlen sollen. Es zeigte sich beispielsweise, dass die Gestaltung des öffentlichen Raums als mangelhaft gesehen wurde. Oft wurde das Fehlen von Sitzmöglichkeiten und Treffpunkten beanstandet. Auf diese Punkte kann und soll im Konzept Bezug genommen werden.
Bild 23: Luftbild Forumsplatz

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Unsichtbares Adlershof – Das Unsichtbare sichtbar machen: Eine Idee Ein Ort, der besonders negativ wahrgenommen wurde, ist der Forumsplatz mit der sich anschließenden Wiese (vgl. Bild 23 und Kapitel 5.4.). Es wurde angemerkt, dass der Platz durch seine Zentralität das Potential besitzt, ein Ort mit öffentlichen Funktionen zu sein. Dieses Potential wird aber nicht genutzt. Er wurde als toter Platz empfunden, der brach liegt und auf dem nichts passiert. Mehrfach wurde der Wunsch geäußert, die Laborhäuser gastronomisch zu nutzen. Deshalb soll für den Platz eine Gestaltung vorgeschlagen werden. Der Platz im Ganzen könnte ein Treffpunkt neben der Arbeit sein, auf dem man sitzen und entspannen kann. Das Verlangen nach solch einem öffentlichen Ort ist berechtigt. So schrieb auch der Soziologe Andreas FELDKELLER:

Orte, denen sozialräumliche Qualität zugeschrieben wird, sollen unabhängig von irgendwelchen Alltagsverpflichtungen zum Verweilen, zu kürzerem oder längerem Aufenthalt einladen. Die Bezeichnung Aufenthalt beinhaltet eine einladende Zugänglichkeit, das zweckfreie Verweilen, eine Entschleunigung von funktionalen Zwängen und auch das Motiv der Neugierde und des Beobachtens, das eine psychische Begründung für das Verweilen liefert. Aufenthalt ist ja mehr als nur stehen oder sitzen bleiben. Es muss etwas vorgegeben sein, das dazu anregt, sich aufzuhalten, ohne dass dafür ein unmittelbar nützlicher Grund vorliegt. Aufenthaltsqualität ist ein Kriterium, das normalerweise nicht auf einen Wohnraum, ein Büro, ein Einkaufszentrum, eine Sportstätte angewandt wird: sozialräumliche Aufenthaltsqualität außerhalb der Funktionsräume (auf städtischen Plätzen, kleinen Parks, Cafeterien und Foyers) gewährleistet gerade das Ausbrechen aus der durch Privatheit geschützten und zugleich eingeengten Sphäre von Wohnund Arbeitsstätten. (FELDKELLER 2002:109) In dem Entwicklungsplan für Adlershof (vgl. Exkurs 4) wurde die Anlegung des Platzes zum zentralen Stadtplatz vorgesehen, „wo sich Hochschule, außeruniversitäre und städtische Nutzungen begegnen.“ (www.parlamentberlin.de/ados/Haupt/vorgang/ 2450.htm). 2001/02 fand für die Platzgestaltung ein Gutachterverfahren statt. Der Entwurf des Landschaftsarchitekturbüros Häfner/ Jiménez (vgl. Bild 24, vgl. Anlage 1) ging darin als Gewinner hervor. Mit den Umsetzungsmaßnahmen soll Ende 2005 bzw. Anfang 2006 begonnen werden. Damals ging man von stärkeren baulichen Entwicklungen aus. Die potentiellen Bauflächen seitlich bzw. hinter dem Forumsplatz werden in nächster Zeit nicht bebaut werden. Das in der Arbeit vorgeschlagene Konzept kann als Ergänzung zu dem Entwurf der Landschaftsarchitekten gesehen werden.
Bild 24: Entwurf Häfner/ Jiménez

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Unsichtbares Adlershof – Das Unsichtbare sichtbar machen: Eine Idee Die Überlegungen für die mögliche Gestaltung, die die Wahrnehmungen der Befragten aufgreift, führten zu zwei wesentlichen Punkten:

Es sollen neue Ansichten oder unerwartete Perspektiven auf Adlershof eröffnet und zum selbstständigen Entdecken

ermuntert werden. Es sollen Anreize für das Betreten und den Aufenthalt auf dem Platz geschaffen werden. Der Platz ist ein öffentlicher Ort, der für die Menschen erfahrbar gemacht werden kann. Sie können ihn betreten, sich ihn anschauen, darauf stehen bleiben und kommunizieren.

Dafür sind Wege und Pfade, die auf den Platz führen, notwendig. Von ihm wiederum sollen Pfade in das Gebiet gelegt werden:

Es werden Pfade auf den Platz gelegt, damit das Interesse geweckt wird, ihn zu beschreiten und zu nutzen. Dies soll durch die Arbeit mit verschiedenen des Platzes Perspektiven Sie und sollen

Raumerweiterungen

geschehen.

einladen, um auf den Platz zu gehen. Ihre Gestalt sind Worte auf dem Boden, Pfeile, verlängerte Ecken. Es sind Wege für die Nutzer. Sie sollen motiviert werden, weiterzugehen. Es werden Pfade von dem Platz in den Raum gelegt, mit dem Ziel, das Gebiet vielseitiger darzustellen und ein Interesse dafür zu entwickeln. Mittels Computercollagen (vgl. nachfolgende Bilder), die auf dem Platz befestigt werden, können Wege in das Gebiet gelegt werden. Bekanntes wird mit Unbekanntem verbunden. Somit soll bei dem Betrachter die Neugierde für das Gebiet geweckt werden. Es ist ein Erfahrungsspiel: Zeigt der erste flüchtige Blick noch die gewohnten Bilder, offenbart der zweite ein absurdes Bild und lässt den Betrachter stutzig werden. Etwas stimmt nicht. Wird nachgeforscht, dann sind Orte Adlershofs zu entdecken, die bislang nicht zu sehen waren. Der Betrachter kann darauf andere Gegenden von Adlershof kennen lernen. Vielleicht bekommt er sogar Lust, die abgebildeten Orte selbst im Gebiet ausfindig zu machen. Diese Aktion fordert, das Gebiet

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Unsichtbares Adlershof – Das Unsichtbare sichtbar machen: Eine Idee im Zusammenhang zusehen, nicht in der Fragmentierung. Der Raum wird in seiner Vielschichtigkeit sichtbar gemacht. Er wird sichtbar in der Langsamkeit, im Innehalten und Schauen. Auf dem Platz kann loses Gestühl zum Verweilen einladen (vgl. Exkurs 2). Die angebrachten Collagen geben dem Platz Struktur.

Ideen für Collagen

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Unsichtbares Adlershof – Das Unsichtbare sichtbar machen: Eine Idee

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Unsichtbares Adlershof – Resümee

8 Resümee

In der vorliegenden Arbeit wurde die Sozialraumanalyse mit künstlerischen Überlegungen kombiniert. In der Sozialraumanalyse wurde untersucht, wie Beschäftige und Studierende den öffentlichen Raum von Adlershof nutzen, wie sie sich in ihm bewegen und was sie dabei wahrnehmen. Dabei stellte sich heraus, dass Adlershof fast ausschließlich zum Arbeiten genutzt wurde. Es wurden nur wenige Institute aufgesucht. Die Rudower Chaussee stellt die signifikante Straße im Gebiet dar, entlang welcher sich die meisten aufgesuchten Einrichtungen befinden. Die Bewegung durch das Gebiet kann in der Tendenz als zielorientiert beschrieben werden. Die Befragten waren bemüht, das Gebiet so schnell wie möglich zu durchqueren. Dabei wurde der kürzeste Weg angestrebt. Der öffentliche Raum dient nur zur Durchquerung und nicht zum Aufenthalt. Das wurde mit den wenig vorhandenen Möglichkeiten wie Sitzplätzen oder gastronomischen Einrichtungen, aber auch mit dem Zeitmangel begründet. Ebenso stellte sich heraus, dass es nur begrenzt die Motivation gab, den Raum zu entdecken. Bezüglich der Wahrnehmung wurde deutlich, dass nur wenige

Akkumulationspunkte vorhanden waren. Auch diese konzentrierten sich entlang der Rudower Chaussee. Dabei wurden Gebäude der täglichen Nutzung und in Nähe der Arbeitsstätte verstärkt wahrgenommen. Gebäude und Orte, die sich ebenfalls entlang des Arbeitsweges befanden, aber nicht genutzt wurden, wurden auch nicht wahrgenommen.

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Unsichtbares Adlershof – Resümee In den Gesprächen wurden viele Wünsche, Ideen und wahrgenommene Probleme bzw. Mängel der Interviewpartner deutlich. Sie wünschten sich mehr Einrichtungen und Treffpunkte, die neben der Arbeit aufgesucht werden könnten. Ebenso wurde die Gestaltung des öffentlichen Raumes mit Sitzmöglichkeiten und eine vernünftige Beschilderung angemahnt. Diese Resultate konnten in dem sich anschließenden künstlerischen Konzept aufgegriffen werden. Das Konzept beschäftigt sich mit dem Phänomen, was von dem Raum sichtbar bzw. unsichtbar ist. Die in der Untersuchung herausgearbeiteten sichtbaren Orte wurden mit den unsichtbaren Orten verbunden. Ziel des Konzeptes ist es, in alltägliche Bewegungsabläufe einzugreifen, Neugierde für Adlershof zu wecken und die Menschen zu motivieren, den Raum zu entdecken. Für die Realisierung der Aktion wurde der Forumsplatz gewählt. Gründe dafür sind seine zentrale Lage, seine Funktion als öffentlicher Ort und seine negative Wahrnehmung im Stadtbild. Der Vorschlag für die Gestaltung bezieht sich auf zwei Ebenen. Erstens werden Pfade gelegt, die auf den Platz führen. Damit soll seine Annahme und Nutzung seitens der Beschäftigten und Studierenden erreicht werden. Zweiten sollen vom Platz aus Pfade in das Gebiet gelegt werden. Das wird mittels Computercollagen, welche eine Brücke zwischen den sichtbaren und unsichtbaren Orten in Adlershof schlagen, erreicht. Loses Gestühl lädt zum Verweilen ein. Die Verbindung zwischen der Sozialraumanalyse und künstlerischen Erwägungen war sehr gewinnbringend und fruchtbar. Es konnte

differenziert und vielschichtig gearbeitet werden. Es wurde gezeigt, wie die Analyse der vorherrschenden Situation in konkreten Lösungsvorschlägen für eine Verbesserung münden kann. Es wurde also nicht lediglich der Raum analysiert und eventuelle Problematiken untersucht. Genauso wenig wurde nur eine künstlerische Installation im Raum platziert. Vielmehr wurde der Fokus auf die enge Verbindung der künstlerischen Konzeption mit dem Verhalten, der Wahrnehmung, der Ideen und Vorstellungen einzelner Nutzer gelegt. Diese Vorgehensweise kann nur befürwortet werden, weil so aktuelle

Entwicklungen, die Wahrnehmungen und Wünsche der Nutzer Eingang in ein Gesamtkonzept finden. Wie für das vorliegende Beispiel Adlershof aufgezeigt wurde, ist die Verbindung von Kunst und Wissenschaft äußerst reizvoll und lohnend.

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Unsichtbares Adlershof – Literatur

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Unsichtbares Adlershof – Literatur

Internetadressen mit Datum des letzten Zugriffs:
www.adlershof.de, 06.12.2005 www.haefner-jimenez.de/indexms.html www.kunst-als-wissenschaft.de, 21.08.2005 www.kunstmuseum.ch, 21.08.2005 www.netzspannung.org, 17.07.2005 www.parlament-berlin.de, 17.10.2005 www.publicart.com, 13.06.2005 www.qualitative-research.net, 13.09.2005 www.scheinschlagonline.de, 07.12.2005 www.stadtentwicklung.berlin.de, 28.07.2005 www.statistik-berlin.de, 01.11.2005 www.uni-lueneburg.de, 21.08.2005 www.wissenskuenste.de, 13.06.2005 www.zeit.de, 07.05.2005

97

Unsichtbares Adlershof – Anlagen

Anlagen
Anlage 1: Plan für den Forumsplatz

Als

Bindeglied

zwischen Bodenbelag

den mit

beiden

Platzhälften

wirkt

ein

durchgängiger

unterschiedlich

breiten

Streifen, der sich an die Aufteilung der EG der geplanten Mensa anlehnt. In seiner Ausrichtung, quer zu den Linien der benachbarten Bebauung und parallel zur Rudower Chaussee, fordert er zum Eintritt in das Forum auf. Streifen mit einem Belag aus Ortbeton wechseln mit Streifen aus Granitkleinsteinpflaster. In die Treppenanlage eingefügt steht eine Skulptur, die den Statuen vor dem Hauptgebäude der Humboldt Universität unter den Linden nachempfunden ist. Sie verweist auf den Standort des Originals. Der dreidimensionale Körper gibt der Platzfläche zusätzlichen Halt. Westlich der Mensa führt eine durchgehend befestigte Fläche in die gärtnerisch gestalteten Grünbereiche. Großformatige Holzpodeste laden zum Sitzen aber auch zum Entspannen nach der Mittagspause ein. Als Inseln werden sie in ihrer differenzierten Zuordnung zu Treffpunkten und

Kommunikationsorten. Das Forum Adlershof liegt als zentraler Platz an der Rudower Chaussee. Der zur Straße hin liegende Bereich des Forums ist Teil einer räumlichen Einheit in Form eines lang gestreckten Rechtecks, bestehend aus dem Akademieplatz, dem Vorplatz vor dem Informationsund

Kommunikationszentrum, und dem Wista Management Gebäude (http://www.haefner-jimenez.de/indexms.html).

98

Unsichtbares Adlershof – Anlagen

Anlage 2: Gerüst der Auswertungstabelle

Die Tabelle diente der ersten Erfassung der Daten. Die einzelnen Tabellen mit den Daten der Interviews befinden sich aus Platzgründen nicht in dem vorliegenden Ausdruck. Sie sind vollständig auf der eingereichten CD-Rom zu sehen.

99

100
Was und Wie?

Interviewnummer

Was?

Allgemeine Angaben
Straße/ Wege Gebäude/ Objekte Gebäude Orte/ Bezugspunk. Bekannte Fotos Plätze/ Straßen/ Wege

Nutzung Karte

Wahrnehmung Karte

Wahrnehmung Rundgang
Gelände

Häufigkeit

Orte/

Einrichtungen

Anreise

Bewegung v. Ort

PLZ

Geschlecht

Geb.-Jahr

Unsichtbares Adlershof – Anlagen

Beschäftigung

Institut

Seit wann in A.

Bewegung / Verhalten

Ansichten

Interaktionen

Sonstiges

m=manchmal, s= selten

Unsichtbares Adlershof – Danksagung

Danksagung
Mir schien das Schreiben einer Magisterarbeit vergleichbar mit dem Wellenreiten. Es ist beide Male ein intensiver Lernprozess, bei dem Höhen und Tiefen nie ausgeschlossen sind. Das Herunterfallen ist gewiss. Die Motivation, um aus dem kalten Wasser einen neuen Versuch zu starten, daran zu glauben, dass die Beine bei der nächsten Welle wieder auf dem Surfbord stehen und mit ihr vielleicht ein Stück zu gleiten, kann nie völlig aus einem selbst erwachsen. Vielmehr gelingt es nur mit Hilfe, der Kraft von Betreuern, Freunden und der Familie, die entweder am Ufer stehen und mir von dort mit voller Stimme „Mach weiter! Los, du schaffst es!“ zurufen oder sogar mit im Wasser schwimmen und direkt auf das Brett helfen. Ich möchte mich daher herzlich bei Prof. Dr. Marlies Schulz und Prof. Dr. Harald Bodenschatz für ihre Offenheit, meine Arbeit zu betreuen bedanken. Zudem bedanke ich mich bei meinen Gesprächspartnern, Frau Rott, die mir immer wieder erneut bei Fragen behilflich war, bei meinen Eltern, bei Anja, Miriam, Clara, Cecile, Corinna und Alena, den fleißigen Leserinnen und Kritikerinnen der Arbeit und bei allen, die mir stets neue Inspiration gaben, an meiner Seite „paddelten“ und zum Aufsprung verhalfen oder mir bei ruhigem Seegang die Stunden versüßten. Und wie es so ist beim Surfen, ist die eine Welle geschafft, wird schon nach der nächst Größeren Ausschau gehalten. In diesem Sinne:

Auf zur nächsten Welle!

101

Unsichtbares Adlershof – Erklärung

ERKLÄRUNG

Ich erkläre, dass ich die vorliegende Arbeit selbständig und nur unter Verwendung der angegebenen Literatur und Hilfsmittel angefertigt habe. Die aus fremden Quellen direkt oder indirekt übernommenen Inhalte sind als solche kenntlich gemacht.

Berlin, den________________

102
        
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