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Full text: DUH-Welt (Rights reserved) Issue 2020,2 (Rights reserved)

magazin DU Deutsche Umwelthilfe e.V. und Global Nature Fund www.duh.de, www.globalnature.org 4|2019 2|2020 Chancen für ein grünes Europa Die Pandemie DUH verleiht ist kein Zufall 24. UmweltMedienpreis Große Gefahr Mikroplastik DUH schiebt die Verkehrswende an Bio-Pionier seit 1974 Sofía Huarina Chacon, Bio-Kakaobäuerin der Kleinbauernkooperative El Ceibo in Bolivien. „Seit über 20 Jahren baue ich mit meiner Familie Bio-Kakao in Mischkultur an. Gemeinsam mit El Ceibo und Rapunzel haben wir viel erreicht wie beste Bio-Qualität und faire Preise. So gibt es bei uns keine Kinderarbeit. Unsere Kinder haben die Möglichkeit für qualifizierende Ausbildungen – und damit echte Berufschancen, innerhalb und ausserhalb der Kooperative.“ Mehr auf rapunzel.de/fair Wir machen Bio aus Liebe. Foto: DUH/Heidi Scherm Auf ein Wort Prof. Dr. Harald Kächele, Bundesvorsitzender Deutsche Umwelthilfe e.V. Liebe Leserin, lieber Leser, noch vor wenigen Monaten war die Klimakrise das meist diskutierte Thema unserer Gesellschaft. 2020 sollte das entscheidende Jahr für den internationalen Klimaschutz werden. Das hat sich mit der globalen gesundheitlichen Bedrohung durch das CoronaVirus geändert. Jetzt steht im Vordergrund, die Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen zu bewältigen und abzufedern. Am 1. Juli hat Deutschland für sechs Monate die EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Die wichtigen Verhandlungen zum europäischen Green Deal und zur Ausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik fallen in diese Zeit. Gerade jetzt dürfen dringend anstehende Entscheidungen für den Klimaschutz nicht ausgebremst werden. Die zur Abmilderung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise aufgelegten Konjunkturprogramme müssen gleichzeitig als Chance genutzt werden für den Kampf gegen den Klimawandel. Wir richten uns mit Vorschlägen und Forderungen an die Politik und setzen damit Impulse, an welche Bedingungen die Investitionen zu knüpfen sind, um Europa in eine nachhaltige und klimafreundliche Zukunft zu führen. Die DUH zeigt immer wieder wesentliche Zusammenhänge auf, zum Beispiel, wie die Zerstörung von Ökosystemen und der Verlust von Artenvielfalt Pandemien befördert. Sie trägt ebenso dazu bei, Gewohnheiten zu verändern: In der Corona-Krise haben wir in 203 Städten Anträge gestellt, Verkehrsflächen temporär in Fahrrad-Straßen umzuwidmen. Wir werden mit aller Kraft darauf hinwirken, den Klimaschutz und den Erhalt der Biodiversität einen weiten Schritt nach vorne zu bringen. Mit Ihnen! Danke für Ihre Zeit! Und bleiben Sie gesund! Ihr DUH welt 2|2020 3 Inhalt 20 8 25 27 Fotos: thisislover/stock.adobe.com (0); Hans-Jürgen Sessner (u.l.); Christian Müller/stock.adobe.com (u.r.), Kruwt/stock.adobe.com (großes Bild) Editorial 3 Titel 6 Interview mit Ulrich Stöcker, Leiter Naturschutz bei der DUH. Erfolg mit Folgen Termine Ab Juli hat Deutschland den Ratsvor18 sitz für sechs Monate inne. Die DUH setzt mit ihren Forderungen an die Bundesregierung Impulse für ein nach- 19 haltiges Europa. 19 Mitgliederversammlungen Haus- und Straßensammlung In Zahlen 8 Wer bekommt den Goldenen Geier 2020? 6 Impressum 7 Verkehrsministerium muss Diesel-Akten herausgeben 7 Die Pandemie ist kein Zufall Deutsche EU-Ratspräsidentschaft: Herausforderungen und Chancen Auf ein Wort Aktuell 6 17 Quartiersplanung bietet Chancen für den Klimaschutz 7 Überfischung schwächt Ökosysteme 4 DUH welt 2|2020 14 Honigbienen und ihre wilden Verwandten Themen 16 20 Lebensmittelwirtschaft kann ein Zeichen für den Wandel setzen Das GNF-Projekt zielt auf den Schutz der biologischen Vielfalt ab. Wildtiere und Mensch im Konflikt. Lernen Sie die Fische kennen! Dem Fischotter auf der Spur GNF und Partner gegen Mikroplastik in Binnengewässern Ein internationales Seenprojekt regt Maßnahmen gegen die Plastikflut an. 21 Langlebige Schadstoffe Auto-Klimaanlagen haben es in sich. 22 Ohne Windkraft geht es nicht Die Offshore-Windkraft ist für die Energiewende von größter Bedeutung. Inhalt 22 29 16 38 34 8 32 exclusive design/stock.adobe.com (o.r.); bennytrapp/stock.adobe.com (u.r.) Die Neuen unter den Ökosystemen 31 Die DUH unterstützt Kommunen in Sachen Biodiversitätsstrategie. 25 Insekten brauchen die Agrarwende Bessere Ernährung dank eigenem Anbau – der Hand in Hand-Fonds hilft. 31 Bienen und Bauern retten, eine europäische Initiative. 26 DUH schiebt die Verkehrswende an Mit ihren Klagen für Saubere Luft stößt die DUH spürbare Veränderungen an. 27 Mehr Platz fürs Rad 28 Weiter so mit anderem Kraftstoff? 29 Wir wollen kein Einweg-Plastik! 29 Verpackungsfasten: Gemeinsam ein Zeichen setzen 30 Die Retourenvernichtung muss gestoppt werden Gemüse aus dem vertikalen Garten DUHmarkt DU m magazi n 24 Deutsche Umwelthilfe e.V. und Global Nature Fund www.duh.de, www.globalnature.org 2|2020 4|2019 DUH Intern 32 Sie würde fehlen, wenn es sie nicht gäbe Unsere neue Kollegin Ina Böhm leitet den Bereich Finanzen und Verwaltung. 33 Chancen für ein grünes Europa Die Pandemie DUH verleiht ist kein Zufall 24. UmweltMedienpreis Große Gefahr Mikroplastik DUH schiebt die Verkehrswende an Weitergeben – weitermachen! Titel: Unbekannte Tierart 34 Grüner Drache in Gefahr Hierzulande ist die Smaragdeidechse nur noch selten anzutreffen. Ein nachhaltiges Europa ist widerstandsfähiger gegen Klimakrise, Artensterben und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Foto: weyo/stock.adobe.com DUH welt 2|2020 5 Aktuell ZWEITE RUNDE TERMINE Wer bekommt den Goldenen Geier 2020? Der „Goldene Geier“ geht in die nächste Runde. Dieses Mal ruft die DUH zur Wahl des ökologisch unsinnigsten Stadtgeländewagens auf. Aus über 400 Einreichungen stehen nun die fünf am häufigsten genannten Monster-SUVs zur Abstimmung: AUDI Q7 Plug-In, BMW X7, Range Rover Sport SVR, VW Amarok Aventura und Mercedes GLS. Mit der Wahl des Goldenen Geiers tritt die DUH dem Trend zu übergroßen und für Mensch GOLDENER GEIER 2020 wie Umwelt gefährlichen SUVs entgegen. Deren Verkauf erbringt den Autokonzernen – auf Kosten des Klimas – besonders hohe Gewinne. Die DUH ruft alle Menschen dazu auf, sich an der Wahl des „Goldenen Geiers 2020“ aktiv zu beteiligen. Der Hersteller des „Gewinners“ und damit „ökologisch unsinnigsten Stadtgeländewagens“ erhält den Preis im August 2020 am Firmensitz überreicht. (cf, re) Mitgliederversammlungen ■ Die Mitgliederversammlung des Regionalverband Süd für die Bundesländer BadenWürttemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Saarland findet am 25. September 2020 um 18.00 Uhr in Stuttgart statt. Den genauen Tagungsort geben wir rechtzeitig bekannt. Tagesordnung und Anmeldung bei Tina Hellwig: hellwig@duh.de ■ Die Mitgliederversammlung des Regionalverband Nord für die Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein findet am 26. September 2020 in der DUH-Geschäftsstelle Hannover statt. Tagesordnung und Anmeldung bei Gabi Fiedler: fiedler@duh.de Zur Abstimmung: www.duh.de/goldenergeier SUVs beanspruchen viel Platz. Die schweren, großen Fahrzeuge fallen zudem als Klimakiller auf. Wir laden die Mitglieder und Fördermitglieder herzlich zu diesen Terminen ein und hoffen, dass die Pandemie-Regelungen ein persönliches Treffen zulassen. Bitte melden Sie sich bis zum 11. September per EMail an, dann erhalten Sie alle aktuellen Infos. Haus- und Straßensammlung ■ Vom 22. September bis zum 4. Oktober 2020 sammeln kleine und große Umweltschützerinnen und –schützer Spenden im Rahmen der Haus- und Straßensammlung des Regionalverband Nord. IMPRESSUM ■ Herausgeber: Deutsche Umwelthilfe e.V., Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell, Tel.: 07732 9995-0, Fax: -77, info@duh.de, www.duh.de ■ V.i.S.d.P.: Jürgen Resch ■ Redaktion: Charlotte Finke (cf), Janine Klein (jkl), Jutta Kochendörfer (jk), Andrea Kuper (ak) ■ Autorinnen und Autoren: Annette Bernauer (ab), Johanna Büchler (jb), Peer Cyriacks, Gabriele Fiedler (gf), Katharina Fietz (kf), Anna-Lena Franke (alf), Katja Hockun (kh), Stefan Hörmann (sh), Eva Lauer (el), Viktor Konitzer (vk), Tobias Ludes (tl), Meike Metz (mm), Franziska Müller (fm), Jürgen Resch (re), Dorothee Saar (ds), Katrin Schikorr (ks), Bettina Schmidt (bs), Sabrina Schulz (sas), Julian Schwartzkopff, Ulrich Stöcker (ust), Janos Wieland (jw), Rupert Wronski (rw), Constantin Zerger (cz) ■ Gestaltung: Claudia Kunitzsch In DUHwelt-Artikeln verwenden wir in Bezug auf Personen oder ihre Funktionen nicht immer das grammatische Femininum und Maskulinum (z.B. Naturschützerinnen und Naturschützer) nebeneinander. Dort, wo aus Gründen der Vereinfachung nur die männliche Form gewählt wurde, sind aber dennoch alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht gemeint. ■ Druck: ProWachter GmbH, Bietigheim ■ Anzeigen: Jutta Kochendörfer; es gilt die Anzeigenpreisliste 2020 ■ Verlag und Vetrieb: DUH Umweltschutz-Service GmbH, Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell ■ Gedruckt auf 100 % Recycling-Papier ■ Heftpreis: 1,50 Euro ■ Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft Köln | IBAN: DE45370205000008190002 | SWIFT/BIC: BFSWDE33XXX Deutsche Umwelthilfe und Global Nature Fund werden von zahlreichen Förderern finanziell unterstützt. Die Artikel der DUHwelt geben nicht in jedem Fall die Meinung der Förderer wieder. 6 DUH welt 2|2020 Foto: DUH/Stefan Wieland Zeitschrift für Mitglieder und Förderer der Deutschen Umwelthilfe e.V. und des Global Nature Fund Aktuell TRANSPARENZ SIEGT LEERE MEERE Verkehrsministerium muss Diesel-Akten herausgeben Überfischung schwächt Meeresökosysteme Im Juni hat das Bundesverwaltungsgericht abschließend mitgeteilt, dass das Bundesverkehrsministerium der DUH Einsicht in wesentliche Akten des Dieselskandals gewähren muss. Die DUH hatte beim Verkehrsministerium einen Antrag nach dem Umweltinformationsgesetz auf Einsicht in alle Unterlagen eingereicht, die im Rahmen der Volkswagen-Untersuchungskommission erstellt worden sind. In ihr wurde der Abgasskandal mit Blick auf Diesel-Pkw-Schadstoffemissionen und Hinweise zu möglichen Abschalteinrichtungen untersucht. Nachdem das Ministerium den Antrag jedoch abgelehnt hatte, reichte die DUH Klage ein. Vier Jahre lang ließ das Ministerium nichts unversucht, das Begehren der DUH nach Akteneinsicht abzuwehren. Die DUH musste einen langjährigen Rechtsweg bestreiten, um die rechtlich vorgeschriebene Transparenz sicherzustellen. (ds, jk) MITEINANDER LERNEN Foto: Maimento/stock.adobe.com Quartiersplanung bietet Chancen für den Klimaschutz Mitarbeitende aus sechs deutschen Kommunen haben sich Mitte Juni erstmals zu einer digitalen, von der DUH moderierten Lernwerkstatt getroffen. Dies war der Auftakt einer sechsteiligen Workshop-Serie im Projekt Multiply, dessen Ziel die stärkere ressortübergreifende Verankerung von Klimaschutz in der Stadt- bzw. Quartiersplanung ist. Die Veranstaltungsreihe richtet sich an verschiedene Zielgruppen aus Politik und Verwaltung ausgewählter Kommunen. Die teilnehmenden deutschen Modellkommunen und ihre Quartiere sind Bürkle-Bleiche (Emmendingen), Hillerheide (Recklinghausen), Holtenau Ost (Kiel), Innenstadt Rheydt (Mönchengladbach), Lokstedt (Hamburg), Lutherviertel (Halle) und Rauher Kapf (Böblingen). Für den ersten Workshop entsendeten sie technische Verwaltungsangestellte, darunter Stadtplaner, Verkehrsplaner, Klimaschutzmanager, Quartiersmanager sowie Energiemanager. Im Projekt Multiply hat die Workshop-Phase begonnen. Neben der persönlichen Vernetzung gab es die Gelegenheit, konkrete Problemfelder und Erfolge der teilnehmenden Quartiere kennenzulernen. Gemeinsam mit einem niederländischen Stadtplanungsbüro entwickelt die DUH im Nachgang erste Lösungsvorschläge für identifizierte Herausforderungen. Solche Lernprozesse werden die DUH und ihre Partner auch in Italien, Österreich, Polen, Schweden und Ungarn, zunächst auf nationaler Ebene initiieren. Um die Vorteile integrierter Stadt- und Quartiersplanung bekanntzumachen, fließen die Ergebnisse in Leitfäden ein. Zudem wird die DUH, gemeinsam mit ihren Projektpartnern, zu einer europäischen Austauschkonferenz einladen – voraussichtlich im Frühjahr 2021. (rw, jk) Förderer: In den vergangenen 20 Jahren haben die EU-Länder über acht Millionen Tonnen Fisch zu viel aus den Meeren geholt. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie der New Economics Foundation (NEF). Deutschland liegt hinter Spanien, Irland, Portugal und den Niederlanden auf Platz fünf der Rangliste der schlimmsten Überfischungs-Sünder. Während Spanien die wissenschaftlich empfohlenen Fangmengen um 35 Prozent überschritt, trug Deutschland mit 22 Prozent zur Überfischung bei. Für das Jahr 2020 wurden durch das Mitwirken von Deutschland 33 von 69 bewerteten Fanggrenzen zu hoch festgelegt. Somit verfehlt Europa die gesetzliche Frist der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP), bis 2020 die Überfischung zu beenden. Im Oktober entscheiden die EUFischereiminister über die zulässigen Fangmengen für 2021. Insbesondere Deutschland, das nun die EU-Ratspräsidentschaft innehat, ist in der Verantwortung, die rechtlichen Vorgaben der GFP umzusetzen. In der Ostsee wird die Hälfte der kommerziell genutzten Fischbestände noch immer überfischt. Einige Fangquoten werden jedes Jahr oberhalb der Empfehlungen festgelegt, dazu gehören Kabeljau im Kattegat, Dorsch in der Ostsee und Hering in der westlichen Ostsee. Bundesfischereiministerin Julia Klöckner hat versäumt, sich für ein Ende der Überfischung stark zu machen. Jetzt leiden die Fischer und die Ökosysteme unter den Konsequenzen. (kh, jk) DUH welt 2|2020 7 Titel Deutsche EU-Ratspräsidentschaft: Herausforderungen und Chancen Mitten in der Corona-Krise übernimmt Deutschland ab Juli 2020 die EURatspräsidentschaft. Die Bundesregierung muss den Vorsitz nutzen, um jetzt notwendige Konjunkturhilfen mit den dringenden Investitionen in den Klimaschutz zu verbinden. Mit ihren Forderungen und Vorschlägen an die Bundesregierung setzt die DUH Impulse für ein nachhaltiges Europa – widerstandfähiger gegen Klimakrise, Artensterben und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. ■ von Julian Schwartzkopff und Jutta Kochendörfer 8 DUH welt 2|2020 Titel D ie Europäische Union erlebt die schwerste Wirtschaftsund Gesundheitskrise der vergangenen Jahrzehnte. Der Ratsvorsitz stellt Deutschland vor die große Herausforderung, Europa in diesen schweren Zeiten vereint zu halten und zugleich mutige Impulse zu setzen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie dürfen nicht zum Anlass genommen werden, Investitionen in eine zukunftsfähige Klimapolitik als Luxus zu verstehen, den wir uns zurzeit nicht leisten können. Im Gegenteil: Gerade in der aktuellen Situation muss die Politik der Klimakrise entschieden entgegentreten. Wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitsplätze und Klimaschutz gehen Hand in Hand. Den Klimaschutz zu verschieben oder gar zu unterlassen, würde langfristig viel höhere Kosten verursachen als die jetzt notwendigen Investitionen in die Umgestaltung unseres Wirtschaftens zu leisten. Foto: Anton Balazh/stock.adobe.com Ein nachhaltiges Europa ist widerstandsfähiger gegen Krisen Mit dem Green Deal hat die EU-Kommission ein Arbeitsprogramm vorgelegt, das gute Ansätze bietet. Nun gilt es, diese zügig umzusetzen und auszuweiten. Die DUH fordert, die EU-Gelder in eine nachhaltige Entwicklung zu leiten. Ein Europäisches Klimagesetz muss das EU-weite Ziel einer klimaneutralen Wirtschaft für 2050 festschreiben, Zwischenziele verbindlich definieren und eine mögliche Nachjustierung schon jetzt verankern. Die fossilen Energien müssen konsequent durch Erneuerbare ersetzt und Potenziale für Energieeffizienz ausgeschöpft werden. Das EU- DUH welt 2|2020 9 Titel Titel Wir treten für bezahlbaren Klimaziel muss auf 65 Prozent angehoben werden, denn nur so kann laut der Klimawissenschaft das 1,5-GradZiel überhaupt noch erreicht werden. Versäumt Europa wirksame Schritte für besseren Klimaschutz, verspielt es weltweit seine Glaubwürdigkeit. Das könnte schwerwiegende Folgen für die ohnehin angeschlagene internationale Klimapolitik haben. Europa braucht zudem eine grundlegend neue, umweltschonende Agrarpolitik sowie eine echte Verkehrswende. Umweltstandards und Verbraucherrechte dürfen keinesfalls dem angestrebten Bürokratieabbau zum Opfer fallen. Das „do no harm“-Gebot hat die europäische Kommission als Leitplanke des Grünen Deal ins Gespräch gebracht. Es besagt, dass keine Politik mehr gemacht werden soll, die Foto: Aleksandr/stock.adobe.com Foto: DUH/Zino Peterek Das grüne Gebot: „Verursache keine Schäden“ 10 DUH welt 2|2020 klima- und umweltpolitisch kontraproduktiv ist. Von der tatsächlichen Umsetzung sind wir leider noch weit entfernt. Ein wirtschaftliches „Weiter so“ darf es aber nicht geben. Denn an den Belastungsgrenzen unseres Planeten hat die Corona-Pandemie nichts geändert. Wohnraum mit hohen Energiestandards ein. Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin Renovierung: Welle statt Plätschern Der Gebäudesektor ist für mehr als ein Drittel aller Treibhausgasemissionen Europas verantwortlich und spielt damit eine Schlüsselrolle für den Klimaschutz. Die bisherige Rate energetischer Sanierungen ist deutlich zu niedrig, um die Klimaziele zu erreichen. Sie muss mindestens verdoppelt werden. Dafür braucht es konkrete Maßnahmen und eine starke Förderpolitik. Das betrifft sowohl öffentliche als auch private Gebäude. In der derzeitigen Wirtschaftskrise kann eine Sanierungswelle zusätzlich die Im Gebäudesektor schlummert ein riesiges Einsparungspotenzial von Treibhausgasemissionen. Konjunktur ankurbeln und Arbeitsplätze schaffen. Deutschland muss als Vorbild vorangehen und ambitioniertere Standards für Neubauten und Bestandssanierungen festschreiben. Laut aktueller Prognosen können bei Erreichen eines klimaneutralen Gebäudebestandes bis 2050 alleine in Deutschland bis zu 280.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Zudem muss sich Deutschland dafür einsetzen, dass die Renovierungswelle sozial nachhaltig gestaltet wird. In der EU haben 50 Millionen Menschen wegen sozialer Notlagen Der Ausbau der Erneuerbaren muss europaweit beschleunigt werden. In den Ausbau fossiler Energieinfrastruktur dürfen keine EU-Gelder mehr fließen. Schwierigkeiten, ihre Wohnungen ausreichend zu heizen. Die Sanierungswelle muss dazu beitragen, ihre Heizkosten zu senken. Europa muss zudem sicherstellen, dass Baustoffe über den gesamten Lebenszyklus – von der Herstellung bis zur Entsorgung – betrachtet werden. Hier sind Klimabilanz, Ressourcenschutz und Kreislaufwirtschaft der Baustoffe zu berücksichtigen. Die Bundesregierung Erneuerbare an Land und auf See aufgabe. Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss europaweit beschleunigt werden. Dies führt – wie jede Infrastrukturmaßnahme – zu großen Beschäftigungseffekten. Hierzulande sind bereits über 330.000 Menschen in der Branche tätig. Offshore-Windenergie-Anlagen produzieren deutlich mehr und kontinuierlicher Strom als Anlagen an Land. Sie sind wichtige Pfeiler für die Versorgungssicherheit. Es ist muss den Ratsvorsitz dazu nutzen, den europäischen Green Deal zügig umzusetzen. Der Klimaschutz bleibt unsere größte Zukunfts- Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer dringend nötig, ihren Ausbau zu beschleunigen und dazu eine gemeinsame Strategie mit den NordseeAnrainern aufzustellen. Deutschland steht mit der EU-Ratspräsidentschaft an einer Schlüsselposition, um der angekündigten Offshore-Strategie zum Erfolg zu verhelfen. Die Förderung von „Grünem Wasserstoff“, der aus erneuerbarem Strom erzeugt wird, ist sinnvoll. „Blauem Wasserstoff“, der unter Einsatz von fossilem Erdgas gewonnen wird, muss hingegen eine klare Absage erteilt werden. Gleichzeitig darf die kostbare Ressource Wasserstoff nur dort eingesetzt werden, wo fossile Energien nicht anders ersetzbar sind, wie zum Beispiel in der Stahlindustrie oder in der Luft- und Seefahrt. Das Heizen von Gebäuden oder Betanken von Pkw mit Grünem Wasserstoff wäre Verschwendung. Nach wie vor werden in Europa aber klimaschädliche Infrastrukturen gebaut, zum Beispiel neue Gasleitungen oder Terminals für Frackinggas. Die finanzielle Förderung solcher fossilen Projekte durch EU-Gelder muss dringend abgeschafft werden. DUH welt 2|2020 11 Foto: DUH/Heidi Scherm Foto: adrian-ilie825/stock.adobe.com Titel Titel Titel Neue Projekte müssen sich einer Klimaverträglichkeitsprüfung unterziehen. Jede Energieinfrastruktur ist langlebig, daher ist es sehr wichtig, Investitionen in eine zukunftsfähige Richtung zu lenken. Es liegt an Deutschland, die Reform des europäischen Regelwerks voranzutreiben. Hierbei sollten die Mitgliedstaaten eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung der politischen Leitlinien verankern, um die stetige Entwicklung der Energietechnologien zu berücksichtigen. Foto: MKS/stock.adobe.com Eine echte Verkehrswende Der Verkehr steht aktuell für fast 30 Prozent des gesamten Treibhausgasausstoßes in der EU. Es ist höchste Zeit für eine nachhaltige und intelligente Mobilität. Für Deutschland selbst muss die Verkehrswende von besonderem Interesse sein, denn hierzulande ist der Verkehr der einzige Sektor, in dem die CO2-Emissionen seit 1990 nicht gesunken sind. Eine umfassende Verkehrswende ist unabdingbar, um den Klimawandel zu bekämpfen, die Luft sauberer zu machen und die Zahl der Verkehrstoten auf Null zu reduzieren. Sie ist auch eine Gelegenheit für Europa, zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen und Innovationen voranzutreiben. Die Förderung nachhaltig produzierter, emissionsfreier Energien und Antriebe muss dabei ein Eckpfeiler der europäischen Klima- und Industriestrategie sein. Die europäische CO2-Regulierung für Pkw kann das Angebot an energieeffizienten Fahrzeugmodellen auf dem EU-Markt erhöhen. Der Ausstieg aus fossilen Energieträgern zählt zu den zentralen Anforderungen für den Verkehrssektor. Für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor sollte ein Zeitpunkt festgelegt werden. Zugleich gilt es, einen europäischen Markt für E-Mobilität und Ladeinfrastruktur zu schaffen. Auch für die Schifffahrt sollte in allen großen EU-Häfen 12 DUH welt 2|2020 Die Elektrifizierung von Schienenwegen vorantreiben und die Angebote des Bahnverkehrs attraktiver gestalten – beides zählt zu den Kernforderungen der Deutschen Umwelthilfe. die Landstromversorgung sowie die Infrastruktur für die Lagerung klimafreundlicher Kraftstoffe – zum Beispiel Grüner Wasserstoff – vorgeschrieben werden. Die Überarbeitung der Eurovignetten-Richtlinie ist eine einmalige Gelegenheit für die deutsche EURatspräsidentschaft: Hier steht zur Diskussion, die Mautgebühren nach CO2 zu differenzieren. Dies wäre ein konkreter Anreiz für emissionsarme und emissionsfreie Lkw. Auch im Bahnverkehr schlummern Potenziale, etwa die Elektrifizierung von Schienenwegen, ein europäisches Nachtzugnetz und ein europaweites Buchungssystem für Bahntickets. Darüber hinaus braucht es einen übergreifenden Ansatz, um nachhaltige Mobilitätskonzepte im städtischen und ländlichen Raum zu fördern, die den lautlosen, schadstoffarmen und flächensparenden Rad- und Fußverkehr stärken. Den Ressourcenhunger der Wirtschaft eindämmen Die Bundesregierung muss eine ehrgeizige Umsetzung des neuen Aktionsplans für Kreislaufwirtschaft anstoßen. Darin liegt auch ein großes Potenzial für den Klimaschutz. Notwendig sind verbindliche Ziele zur Abfallvermeidung und zur absoluten Reduktion des Ressourcenverbrauchs. Neben der Langlebigkeit und Reparierbarkeit von Produkten muss der Einsatz von Mehrwegverpackungen EU-weit durch verbindliche Quoten gefördert werden. So entstehen auch grüne und regionale Arbeitsplätze. Gerade Deutschland besitzt vorbildliche Mehrwegsysteme, zum Beispiel für Getränkeflaschen, und sollte deshalb entsprechende Verpackungslösungen europaweit voranbringen. In der Gastronomie sollten Einwegprodukte generell verboten werden, wenn Lebensmittel vor Ort verzehrt werden. Titel Es ist höchste Zeit für eine klimafreundliche Mobilität und einen grundlegenden Strukturwandel im Verkehrssektor. Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer Auch eine bessere Wertstoffsammlung, etwa von Bioabfällen, wie sie in vielen EU-Mitgliedstaaten noch nicht ausreichend etabliert ist, kann das Klima massiv entlasten. Biodiversität ist unverzichtbar Den von der Kommission vorgelegten Vorschlag einer EU-Biodiversitäts- strategie für 2030 begrüßt die DUH. Die Bundesregierung sollte eine Einigung der EU-Mitgliedsländer auf einen gesetzlichen Rahmen zur Sicherstellung nachhaltiger Lieferketten anstreben: Importierte Rohstoffe und Waren müssen frei von Entwaldung und Menschenrechtsverletzungen sein. Freiwillige Selbstverpflichtungen für Unternehmen reichen bei weitem nicht aus. Ein relevanter Anteil der importierten Entwaldung steht im Zusammenhang mit Fleischund Milchprodukten. Europa braucht daher Maßnahmen, die deren nichtnachhaltige Produktion und den Konsum reduzieren – auch im Rahmen der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik. Zugleich muss das dramatische Ausmaß an Lebensmittelverschwendung reduziert werden. Eine verbindliche Beachtung von Biodiversitätskriterien ist nötig und muss auch für den Finanzsektor gelten. Solange milliardenschwere Investitionsmodelle auf der Ausbeu- tung beispielsweise von tropischen Wäldern beruhen, werden Klima und Biodiversität leiden. Der Green Deal in einer globalisierten Welt Die Bundesregierung muss ihre Rolle als Vermittlerin während der deutschen Ratspräsidentschaft dazu nutzen, dass die Mitgliedstaaten ihre internationale Handelspolitik gänzlich überdenken. Sie muss sich künftig an den Zielen des Green Deal, nämlich der Klimaneutralität, dem Erhalt der biologischen Vielfalt und der Einhaltung der Menschenrechte ausrichten. Der Im- und Export von Produkten, die den Zielen des Green Deal entgegenstehen – und das sind zahlreiche – muss zurückgefahren statt erleichtert werden. Das gilt für Verbrennungsmotoren, Rindfleisch und Fertignahrung genauso wie für Tropenhölzer, Biokraftstoffe oder Nutztierfutter aus tropischen Regionen. ■ Fotos: DUH/Maximilian Urschl (o.), Laurent Renault/stock.adobe.com Die Produktionsweise von Fleisch und Milch hat Folgen für Klima und Biodiversität – in der gesamten EU sowie auf anderen Kontinenten. DUH welt 2|2020 13 In Zahlen Honigbienen und ihre wilden Verwandten Honigbienen liefern dem Menschen Honig, Wachs und andere begehrte Naturprodukte. Ihre größte Leistung liegt darin, dass sie unsere Kulturpflanzen bestäuben. Weniger bekannt sind die Wildbienen und ihre Lebensweise. Sie produzieren keinen Honig, sind aber mindestens ebenso fleißige Bestäuberinnen. Große Verwandtschaft Spezialisten schneller gefährdet 8 Honigbienenarten. In Europa wird nur 1 Art genutzt. Unter den heimischen Wildbienen sind Weltweit gibt es 137 Arten oligolektisch – sie sind Nahrungsspezialis- 1 20.000 Wildbienenarten leben 2.500 in Europa. In Deutschland sind über 560 Arten Von den weltweit über heimisch. Auch Hummeln zählen zu den Wildbienen. ten, die auf oder ein paar wenige Pflanzenarten angewiesen sind. Wird ein Lebensraum zerstört, verschwinden mit ihm die Pflanzen und die von ihnen abhängigen Wildbienen. 5 Beispiele für Pollen-Spezialisten: Viele Wildbienen sind gefährdet ■ Natternkopf-Mauerbiene (Osmia adunca): Natternkopf ■ Glockenblumen-Scherenbiene (Osmia rapunculi): Glockenblume ■ Zahntrost-Sägehornbiene (Melitta tricincta): Zahntrost ■ Auen-Schenkelbiene (Macropis europaea): Gilbweiderich ■ Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae): Efeu (Anzahl der Arten) (noch) nicht gefährdet 228 267 Gefährdet ausgestorben/ verschollen 31 39 Wildbienen-Lebensräume in Gefahr vom Aussterben bedroht Honigbienen sind Generalisten (vielfältig), was die Nahrungsquellen angeht. © Icons: nadja1992/stock.adobe.com; spiral-media/fotolia 3 Hauptursachen sind: ■ Nitratüberschuss in der Landwirtschaft Bienen und andere Bestäuber ■ Pestizide wie Neonicotinoide und Glyphosat Ohne Insekten würden fast % unserer wichtigsten Kulturpflanzen verschwinden. ■ Versiegelung durch Bau von Verkehrsund Siedlungsflächen Im Ökolandbau sind Wildbienen-Populationen um 50 % größer. * (Quellen: * Bengtsson, Ahnstrom, Weibull 2005) 14 DUH welt 2|2020 80 Der ökonomische Wert der Bestäubungsleistungen für Kulturpflanzen beträgt pro Jahr ca. 2,5 Mrd Euro. (Quellen: Hochschule Osnabrück, Universität Hohenheim) In Zahlen Rangfolge der Nutztiere Lebensweise Wild- und Honigbienen 66 % der Wildbienenarten leben solitär als Einsiedlerbienen. Nestbau und Brutfürsorge leisten sie ohne Hilfe von Artgenossen. 24 % leben parasitisch – ihre Brut 1. Platz profitiert von der Fürsorge einer fremden Art. 2. Platz 3. Platz 10 % der Arten bilden Nur soziale Gemeinschaften. Aufgrund ihrer Bestäubungsleistung ist die Honigbiene das drittwichtigste Nutztier. Als sozial organisierte Insekten bilden Honigbienen Staaten. In einem Bienenvolk Tiere, leben im Sommer etwa (Quellen: UBA, Grafik: Bee Careful www.bee-careful.com/de/initiative/ warum-sind-bienen-so-wichtig/) 50.000 im Winter sind es 20.000. Honig- und Wildbiene im Vergleich Enge Beziehung Honigbiene 2 bis 4 km 200 m bis 1,5 km* Blütenbesuche: ca. Bestäubungsleistung Lebensdauer 3.000 Blütenbesuche: ca. 5.000 pro Tag/Biene pro Tag/Biene Pro Hektar Obstbäume Pro Hektar Obstbäume benötigt man 1 bis werden ca. 800 bis 3 Bienenvölker mit je 20.000 aktiven Individuen zur effektiven Arbeiterinnen. Bestäubung benötigt. Arbeiterin: Weibchen: 1.000 Mauerbienen- 4 bis 6 Wochen 4 Wochen bis 3 Monate Drohne: Männchen: 2 bis 4 Wochen Wenige Tage bis Königin: 4 Wochen 3 bis 5 Jahre Körpergröße 11 mm Königin: 18 mm Arbeiterin: je nach Art 3 bis 30 mm Honig-Produktion Für ein 500 Gramm-Glas Honig müssen Arbeitsbienen eine Flugstrecke von rund 120.000 km zurücklegen; die Strecke entspricht fast 3 Erdumrundungen.* 5 Tipps für den Wildbienen-Schutz Futterpflanzen setzen Im Garten auf pollenreiche Wildpflanzen und ein durchgängiges Blühangebot von Frühling bis Herbst achten. Bei Gartenpflanzen ungefüllte Blüten bevorzugen. Nistplätze anbieten Offene Flächen oder Blumentöpfe mit lösshaltigem Sand (möglichst 50 cm tief) und Hartholz mit Bohrungen ins Längsholz, Bambusstängel oder Schilfhalme anbieten. Wildnis zulassen z.B. durch tote Baumstämme, trockene Staudenstängel, Totholzhaufen, ungemähte Flächen (Quelle: * FIBL 2016) (Quellen: * Deutscher Imkerbund) (*Ende 2017) 3x Auf chemische Pestizide und Mineraldünger verzichten Naturverträgliche Alternativen sind: Schädlinge durch Vlies oder Mischkultur biologisch abwehren, das Bodenleben durch Kompost stärken. Im Bioladen einkaufen Denn auf Ökolandbau-Flächen gibt es mehr Insekten. DUH welt 2|2020 15 © Icons: DUH, nadja1992/stock.adobe.com; spiral-media/fotolia Flugradius Wildbiene Seit ca. 9.000 Jahren hält der Mensch Honigbienen als Nutztiere. In Deutschland betreuen rund 150.000 Imker über 1 Mio. Bienenvölker* – Tendenz steigend. Themen Biodiversität Lebensmittelwirtschaft kann ein Zeichen für den Wandel setzen Ökosysteme und Artenvielfalt leiden vielerorts unter zerstörerischer Landnutzung. Die Lebensmittelindustrie kann dort einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz leisten – und damit auch uns Menschen vor Pandemien bewahren. Der Global Nature Fund (GNF) entwickelt hierfür gemeinsam mit Partnern unterstützende Maßnahmen. Blühstreifen formen einen Biodiversitätskorridor, der bestehende ökologische Strukturen verbindet. GNF zusammengeschlossen. „Wir wollen die Lebensmittelbranche dabei unterstützen, ihrer Verantwortung nachzukommen“, sagt Marion Hammerl, Geschäftsführerin der Bodensee-Stiftung, die als deutscher Partner an dem Projekt mitwirkt. Hauptziel sei es, Standards, Labels und Einkaufsrichtlinien zu Instrumenten für einen wirkungsvollen Schutz der Biodiversität weiterzuentwickeln. Mit Standards Vielfalt schützen Aufbauend auf einem Dialog mit der Lebensmittelbranche haben die Partner Empfehlungen erarbeitet, die biologische Vielfalt durch effektive Vorgaben und Kriterien zu schützen. Handlungsmöglichkeiten gibt es viele: Zum einen können Habitate 16 DUH welt 2|2020 zahlreiche Standards und Labels, um die Qualität eines Produkts oder einer Produktionsweise zu garantieren. Allein für den deutschen Markt gibt es mehr als hundert – darunter Nachhaltigkeits- und Qualitätssiegel wie Rainforest Alliance oder Global G.A.P. Lassen sich solche Gütesiegel zum Schutz der biologischen Vielfalt und Ökosysteme nutzen? Partnerschaft für Lebensräume und Biodiversität Um die biologische Vielfalt in der europäischen Landwirtschaft und entlang internationaler Agrarlieferketten zu stärken, haben sich im Projekt „LIFE Food & Biodiverstity“ sechs Organisationen mit dem GNF stärkt Biodiversität Die Erhaltung biologischer Vielfalt steht auch im Mittelpunkt des Projekts „Insektenfreundliche Regionen“, das der GNF für Herbst 2020 vorbereitet. 70 Prozent aller Fluginsekten sind in den letzten Jahrzehnten aus Deutschland verschwunden. Doch ihre Bestäubungsleistung ist für die Vielfalt und den Ertrag vieler Kulturpflanzen wesentlich. Gemeinsam mit regionalen Partnern wie der Bodensee-Stiftung wird der GNF Maßnahmen zum Schutz von Bestäuberinsekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlingen fördern. Foto: Thomas B./Pixabay Lebensräume für Tiere schwinden, die Nähe zum Mensch wächst. Bereits im Frühjahr 2019 hat der Weltbiodiversitätsrat IPBES in seinem Globalbericht auf diesen Zusammenhang aufmerksam gemacht. Der Anstieg der Übertragung von Infektionskrankheiten von Tier zu Mensch steht in klarem Zusammenhang mit dem Verlust von Ökosystemen. Wichtige Akteure, um Lebensräume zu erhalten und Biodiversität zu fördern, sind die Lebensmittelbranche und ihre landwirtschaftlichen Erzeuger. Aktuell werden weltweit mehr als 30 Prozent der Böden für Ackerbau und Viehzucht genutzt, häufig intensiv und zerstörerisch. Neben gesetzlichen Vorgaben bindet sich die Lebensmittelbranche freiwillig an Themen geschaffen, geschützt oder beispielsweise durch Blühstreifen aufgewertet, andererseits negative Faktoren wie der Einsatz von Pestiziden verringert werden. Unternehmen und Standards können über strenge Vorgaben die Ausweitung von Landwirtschaft auf unberührte Wälder, Moore und Feuchtgebiete – auch in potenziellen Ursprungsregionen von Pandemien – ausschließen. Auch Anreize, alte Sorten und Rassen zu nutzen, stärken das „Immunsystem“ von Agrarökosystemen. »Die Pandemie ist kein Zufall.« Längst wissen wir, dass Regenwälder wichtig fürs Weltklima sind. Ihr Erhalt gilt nun auch als Vorbeugung vor neuartigen Krankheitserregern. Drei Fragen dazu an Ulrich Stöcker, Leiter Naturschutz bei der DUH. In der Praxis bewährt Um Landwirte und Anbauberater dabei zu unterstützen, sinnvolle Maßnahmenpläne für die Biodiversität zu erarbeiten und umzusetzen, haben die Projektpartner das „Biodiversity Performance Tool“ entwickelt. Es stellt Stärken und Schwächen eines Betriebs in Bezug auf die Biodiversität heraus und ist die Grundlage für einen „Biodiversity Action Plan“, mit dem der Landwirt eine Liste an Maßnahmen zur Verbesserung seiner Biodiversitätsleistung erhält. Auf über 70 Betrieben in Europa, aber auch im Kaffeeanbau in Kolumbien, in der Erzeugung von Gewürzen in Indien und der Produktion von Kakao in Ghana haben der GNF und seine Mitstreiter diese Instrumente bereits erfolgreich angewendet. Fotos: Steffen Holzmann/DUH (o); DUH/Andreas Kochlöffel (u) Transformation jetzt starten Es muss sich erst noch zeigen, ob die Corona-Pandemie Beschleuniger für dringend benötigte wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformation sein wird – oder ob Kräfte die Oberhand gewinnen, die Umweltgesetze aufweichen, ökologisch schädliche Subventionen beibehalten und die Bepreisung von Schäden an der Natur und Klima verhindern wollen. Aus der Lebensmittelwirtschaft kommen zumindest positive Signale: Namhafte Produzenten und Einzelhändler sowie Akteure und Verbände aus der Landwirtschaft haben angekündigt, noch dieses Jahr eine Brancheninitiative zur Biodiversität zu starten. (tl, sh) ■ Förderer: Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem Corona-Virus und dem Naturschutz? Die Pandemie ist nur ein Symptom für das eigentliche Problem: die zerbrochene Beziehung zwischen Mensch und Natur. COVID-19 ist sehr wahrscheinlich aus einem völlig legalen „feuchten“ Wildtiermarkt in China hervorgegangen. So genannt, weil Tiere vor Ort geschlachtet werden. Diese Märkte werden von einer massiven, schlecht regulierten Industrie der kommerziellen Wildtierzucht in China und Südostasien versorgt, die alles anbietet und verkauft, was läuft, krabbelt, springt, schwimmt oder fliegt. Dazu dringt der Mensch immer weiter in unberührte Natur vor. Die von Menschen verursachte Zerstörung von Ökosystemen schafft ideale Möglichkeiten für von Tieren übertragene Viren. Sie ist eine Hauptursache für die Corona-Pandemie wie auch für das Aussterben von Arten. Was können wir von Europa aus tun, damit tropische Länder ihre Ökosysteme, etwa Regenwälder, bewahren? Es ist von entscheidender Bedeutung, dass der angekündigte Green Deal der EU-Kommission – unter anderem mit einem Programm zur Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme – wirklich kommt. Die Bundesregierung muss den Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um auf UN-Ebene die notwendigen Maßnahmen anzustoßen. Es kann aber auch jede und jeder Einzelne durch einen bewussteren Konsum dazu beitragen, dass nicht-nachhaltige Produkte aus solchen Quellen keinen Markt finden. Wie kann sich die Menschheit vor neuen, von Tieren übertragenen Krankheiten schützen? Wir befinden uns in einem Naturnotfall, der überall um uns herum in zufälligen, zunehmenden Anfällen von Klima-Chaos auftritt: Erwärmung, Abkühlung, Schmelzen, Stürmen. Dieser Notfall wird durch die Zerstörung von Lebensräumen und Ausrottung von Arten verschärft. Wir brauchen eine Art Überlebensrevolution. Das Ziel muss eine Welt respektvoller Beziehungen sein: Menschen zu Menschen und Menschen zur Natur. Die Natur zu respektieren bedeutet, ihr den Raum zu geben, um ihr Ding zu machen, damit wir dabei unterstützt werden, unser Ding zu machen. ■ Die Fragen stellte Jutta Kochendörfer, DUHwelt-Redaktion. DUH welt 2|2020 17 Themen Vermehrt kommen einst ausgerottete Wildtier-Arten nach Deutschland zurück. Gelingt es ihnen, sich zu etablieren, tauchen auch alte Konflikte und Herausforderungen wieder auf. Die DUH tritt für naturschutzverträgliche Lösungen ein. undert Jahre lang war der Wolf verschwunden; nun kehrt er in unsere Landschaften zurück. Luchse konnten erfolgreich wiederangesiedelt werden. In deutschen Küstengewässern wurden nach langer Abwesenheit Kegelrobben gesichtet. Und da ist der Fischotter: In Westdeutschland galt er über Jahrzehnte als fast ausgestorben, seit den 90er Jahren wandert er von Osten kommend entlang der Fließgewässer zurück. Allerdings hat er noch einiges an Weg vor sich: Bisher trennt die Populationen in Europa immer noch ein „Auslöschungskorridor“, der zwischen dem Osten Deutschlands und Westfrankreich verläuft. Was die Herzen vieler Naturschützer höherschlagen lässt, birgt auch Konflikte. Wo Menschen die Landschaft nutzen, kommen sie den national wie europarechtlich geschützten Tieren in die Quere – und umgekehrt. Im Falle von Wolf, Luchs und Biber sehen sich vor allem Landwirte, Weidetier- H 18 DUH welt 2|2020 halter und Jäger vor Problemen. Teichwirte beklagen Einkommensverluste durch Otter, die in Fischzuchtanlagen jagen. Vom Gegen- zum Nebeneinander Das Naturschutz-Team der DUH beleuchtet die Lage in den verschiedenen Bundesländern: Wo finden Teichwirte Beratung und Un- Die Kegelrobbe (oben) kehrt an die deutsche Ostseeküste zurück. MecklenburgVorpommerns Landesregierung hat nun auf mögliche Konflikte reagiert. Fischotter sind nicht überall beliebt. Sie sind jedoch streng geschützt. Foto: Franck Monnot/stock.adobe.com Erfolg mit Folgen terstützung? Wie können Fischzuchtanlagen so eingezäunt werden, dass Frösche ans Wasser, Otter aber nicht an die Fische gelangen? Welche anderen naturschutzverträglichen Maßnahmen sind erfolgreich? Zudem zeigt das Team auf, wo die Herausforderungen im Zusammenleben von Ottern und Teichwirten bereits gemeistert wurden. Von solchen Erfahrungen für ein gutes Miteinander können andere lernen. Doch auch ganz andere Stimmen werden laut. In Bayern wurde im März in einem sogenannten Pilotprojekt die Entnahme von Fischottern erlaubt – dahinter verbirgt sich die Genehmigung zum Fangen und Töten einzelner Tiere. Dies ist weder EU-rechtskonform noch zielführend. Zumal getötete Tiere in frei gewordenen Revieren oft durch Einwanderung neuer Artgenossen ersetzt werden. Statt einer Lösung kann ein Fotos: Xaver Klaussner (u), Alexander Limbach (o)/beide stock.adobe.com Naturschutz Themen Dauerproblem entstehen, das immer neue Abschussanträge provoziert. Wir begrüßen daher, dass der Bund Naturschutz Bayern Klage gegen die Entnahme-Genehmigung eingereicht hat. Grundsätzlich fordern wir gesetzeskonformes Vorgehen; die Tötung von Wildtieren darf nur eine allerletzte Maßnahme nach umfassender Prüfung der Alternativen sein. Dabei müssen wissenschaftliche Erkenntnisse über ökologische Zusammenhänge zugrunde gelegt werden, nicht allein wirtschaftliche Interessen. Auf Entdeckungstour Lernen Sie die Fische kennen! m Stettiner Haff und seinen Zuflüssen tummeln sich über 100 Fischarten. Die wichtigsten Arten und ihre Wanderungen zeigt eine Karte, die die DUH in Kürze herausgibt. Alle Illustrationen stammen von Jeroen Helmer. Die I Karte finden Sie ab August in den Tourismusbüros der Region. Kinder und Jugendliche können damit auf Entdeckungsreise gehen. (ks, jk) ■ Förderer: Gutes Beispiel Kegelrobbe In Nord- und Ostseegewässern heimisch, wurde die Kegelrobbe in der deutschen Ostsee Anfang des 20. Jahrhunderts nahezu vollständig ausgerottet. Nun kommt sie hierher zurück. 2018 wurden sogar die ersten Kegelrobben-Geburten in MecklenburgVorpommern nachgewiesen. Fischer fürchten nun wie in alten Zeiten Einkommensverluste, wenn Robben Fisch aus den Netzen klauen oder das Fanggerät beschädigen. Mancherorts hört man auch hier Forderungen nach einer „letalen Entnahme“. Die Landesregierung geht erfreulicherweise einen Schritt auf die Fischer zu: Für das Jahr 2020 können Fischer bei Fangausfällen durch Kegelrobben Entschädigungszahlungen beantragen. Damit will die Landesregierung auch die Akzeptanz gegenüber den Robben fördern. Die Beispiele zeigen, dass wir für ein friedliches Miteinander mit den Rückkehrern neue Strategien aushandeln müssen. Das gilt für Nutzer, die nun Entschädigungsanträge ausfüllen und an modernen Wildtiermanagement-Ansätzen mitwirken sollen, statt Ausrottungs-Feldzüge des frühen 20. Jahrhunderts aus der Mottenkiste zu holen. Und das gilt auch für die Naturschutzakteure, die Jahrzehnte lang engagiert für Otter, Wolf und Robbe gekämpft haben und nun den betroffenen Nutzergruppen bei der Suche nach Management- und Abwehrmaßnahmen helfen sollen. In dieser Auseinandersetzung liegt die Chance, kreative Wege für die Integration der Natur in Wirtschaft und Gesellschaft zu finden. (mm, kf, sas) ■ Dem Fischotter auf der Spur it dem DUH-Naturerlebnisführer sind Klein und Groß an den Flüssen und Bächen Thüringens unterwegs: Es gibt Otter, Orchideen, Biber, Köcherfliegenlarven und andere Kleintiere zu beobachten. Matsch- und Buddelfamilien ebenso wie Burgen-Begeisterten oder Kanu-Fans bietet die Broschüre Ausflugstipps und Informationsquellen. (jk) ■ M Förderer: Mehr Informationen: l.duh.de/fischotterbayern Förderer: Den Flüsse-Erlebnisführer können Sie hier herunterladen: l.duh.de/flusserlebnisfuehrer DUH welt 2|2020 19 Themen In fünf deutschen und italienischen Seenregionen engagiert sich der GNF gegen Mikroplastik. Hier: der Bodensee. GNF und Partner gegen Mikroplastik in Binnengewässern Plastic Planet – über zehn Jahre ist es her, dass der Titel eines preisgekrönten Dokumentarfilms das Problem auf den Punkt brachte: Kunststoff ist überall. Und er macht uns und unseren Planeten krank. Dabei rückt in den letzten Jahren zunehmend die Verschmutzung der Weltmeere mit Plastikmüll in den Fokus. Die Meeresschildkröte mit Plastik im Magen schwimmt im Geiste mit, wenn man die eingeschweißte Gurke in den Einkaufswagen gleiten lässt. dem Gewicht einer Kreditkarte entspricht. Kunststoff wird von Fischen gefressen und landet so auch auf unseren Tellern. Synthetische Textilien geben beim Waschen Fasern ab, die über Gewässer ins Trinkwasser gelangen. Auch der Abrieb von Autoreifen besteht zu einem wesentlichen Teil aus Plastik ist überall Wetter und Wellen zersetzen Kunststoffe im Meereswasser über Jahrzehnte in immer kleinere Partikel – bis in den Mikrometerbereich. Die Auswirkungen von Mikroplastik auf Meere, Pflanzen und Tiere sind zwar noch nicht hinreichend bekannt. Klar ist jedoch, dass es auf verschiedenen Wegen in den menschlichen Organismus gelangt: Im Durchschnitt nimmt jeder von uns pro Woche eine Menge an Plastikpartikeln auf, die 20 DUH welt 2|2020 Millionen Tonnen Plastik vermüllen unsere Weltmeere. In der Nahrungskette reichert es sich an. Das Bild zeigt einen Basstölpel. Mikroplastik, das von Wind und Regen ins Grundwasser eingetragen wird. Während das Problembewusstsein für Plastik in den Ozeanen mittlerweile relativ groß ist – bisher allerdings ohne nennenswerte Auswirkungen auf unser Konsumverhalten – gibt es kaum Daten zur Mikro- Fotos: A_Different_Perspective/Pixabay (u); Sven Schulz (o) Blue Lakes Themen plastikbelastung von Binnengewässern. In ersten Untersuchungen fanden Wissenschaftler jedoch bereits Mikroplastik in jeder Wasserprobe von deutschen und italienischen Seen und Flüssen. Zwei Nationen und fünf Seen verbünden sich Um Mensch und Umwelt besser zu schützen, hat der Global Nature Fund gemeinsam mit der Bodensee-Stiftung und fünf italienischen Partnern das Projekt Blue Lakes ins Leben gerufen. Es verfolgt einen umfassenden Ansatz, der einerseits Menschen für das Problem sensibilisieren, andererseits ganz praktisch den Eintrag von Mikroplastik in Seen in Deutschland und Italien verringern helfen soll. Gewässerschutz Langlebige Schadstoffe Bisher ist kaum bekannt, dass Auto-Klimaanlagen eine Quelle für die Gewässerbelastung darstellen. Unter anderem bei der Emission des Kältemittels aus diesen Anlagen entsteht ein wasserlöslicher Schadstoff, der in Bäche, Flüsse und Seen gelangt. chon lange nehmen die meisten von uns keinen sorglosen Schluck Wasser mehr aus einem Bach oder See. Die Trinkwasser-Aufbereitung wird zunehmend aufwändig und teuer. Die Kosten tragen die Verbraucherinnen und Verbraucher. Deshalb fordern der Global Nature Fund und die Deutsche Umwelthilfe deutlich mehr Anstrengungen für saubere Gewässer. S Fotos: ipopba/Fotolia (r); Jasmin Sessler/Pixabay (l) TFA gefährdet Oberflächenund Trinkwasser Dazu werden sowohl Politiker als auch Fachleute aus Bereichen der Kunststoffproduktion und Abwasserbehandlung eingebunden. Zugleich kooperiert das Projektteam mit Unternehmen der Reifen-, Textil- und Kosmetikindustrie, um die Wirtschaft zu einer aktiven und messbaren Reduzierung von Mikroplastikeinträgen in die Binnengewässer zu bewegen. Länderübergreifend setzen die Partner in fünf Seenregionen (Bodensee, Chiemsee, Gardasee, Lago Trasimeno, Lago di Garda) weitere Projektmaßnahmen um – ein Beitrag, um unseren Planeten von seiner riesigen Plastikbürde zu befreien. (vk, bs) ■ Förderer: Ein weitgehend unbekanntes Risiko für Mensch und Umwelt stellen Abbaustoffe chemischer Kältemittel aus Klimaanlagen dar: Diese können über herkömmliche Reinigungsmethoden nicht aus den Abwässern entfernt werden. An immer mehr Messstellen in der Luft und in Gewässern weisen Forscherinnen und Forscher den Schadstoff Trifluoressigsäure (TFA) nach. TFA dient als Grundstoff für verschiedene Arznei- und Pflanzenschutzmittel und entsteht als Abbauprodukt bei der Herstellung und Nutzung des chemischen Kältemittels R1234yf, das seit einigen Jahren in PkwKlimaanlagen verwendet wird. Zehn Prozent des Kältemittels entweichen durchschnittlich im Jahr aus einer Auto-Klimaanlage. Das chemisch instabile Produkt zerfällt in der Atmosphäre und bildet Trifluoressigsäure, die wiederum sehr stabil ist. TFA ist wasserlöslich, algengiftig und in der Umwelt nicht abbaubar. Über Niederschläge gelangt die Säure in Gewässer und reichert sich hier über die Zeit an. Die DUH beobachtet die TFA-Anreicherung im Oberflächen- und Trinkwasser mit Sorge, da die potenziellen negativen Auswirkungen für Mensch und Tier nicht absehbar sind. Wir fordern daher: Das Vorsorgeprinzip beim Schutz von Oberflächen- und Grundwasser und damit des Trinkwassers muss konsequent beachtet werden. Eine Gefährdung von Trinkwasser durch den zunehmenden Eintrag von TFA muss ausgeschlossen werden. Die zulassungsrechtliche Bewertung von fluorierten Kältemitteln wie R1234yf muss deren Umweltverträglichkeit berücksichtigen. Hersteller und Anwender, insbesondere Automobilhersteller, sollen statt fluorierter ausschließlich natürliche Kältemittel einsetzen. CO2 als natürliches Kältemittel ist bereits als Alternative zu fluorierten Kältemitteln erprobt. Die Automobilhersteller setzen jedoch weitestgehend auf konventionelle Technik, da die CO2-Technologie aufwändiger ist und somit höhere Kosten verursacht. (el) ■ DUH welt 2|2020 21 Themen Er muss schon heute naturschutzfachlich und technisch geeignete Flächen für das Zieljahr 2050 identifizieren und ausweisen. Für diese Aufgaben brauchen das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie sowie das Bundesamt für Naturschutz jedoch ausreichend Personal und Sachmittel. Für den Schutz der Meeresnatur müssen von der Flächenplanung bis zum Betrieb der Anlagen naturschutzfachliche Vorgaben festgesetzt werden. In Schutzgebieten sollten weder Ausbau noch Repowering von Windenergieanlagen stattfinden. Dies gilt auch in einem – je nach Artenspektrum – hinreichend breiten Puffer um diese Gebiete, wie zum Beispiel die Doggerbank. Ohne Windkraft geht es nicht Der Verlust von Biodiversität sowie die Klimakrise bringen unsere natürlichen Lebensgrundlagen gleichermaßen in Gefahr. Die Tier- und Pflanzenwelt braucht unseren Schutz, gleichzeitig ist der Zubau von Windparks geboten. Die DUH hat konkrete Vorschläge für Offshore-Windparks erarbeitet. Gemeinsam mit anderen Umweltverbänden hat sie Forderungen für die Windkraft an Land veröffentlicht. ill Deutschland seine Klimaziele erreichen, kommt der Offshore-Windenergie eine Schlüsselrolle zu. Zurzeit beträgt die installierte Leistung in Nord- und Ostsee rund 6,6 Gigawatt. Bis 2050 rechnet die DUH mit einem Bedarf von etwa 50 Gigawatt, also mehr als dem Siebenfachen. Der Ausbaubedarf ist also enorm. W Früh und langfristig planen Die DUH verfolgt den Anspruch, mit den von ihr aufgezeigten Lösungsansätzen Klima- und Artenschutz gleichermaßen zu bedienen. Letztendlich ist ein integrierter Ansatz für alle Nutzungen gefragt: Wir brauchen weniger Fischerei, weniger Schiffsverkehr und weniger Rohstoffabbau in der Nordsee. All dies würde Arten und Habitate entlasten sowie Freiräume für den Ausbau 22 DUH welt 2|2020 der Offshore-Windenergie schaffen. Das Prinzip ist einfach: Wenn die Nutzung der Flächen für die Energiewende Priorität haben soll, die Flächen aber nicht überlastet werden dürfen, müssen notwendigerweise andere Nutzungen zurückgefahren werden. Die Bundesregierung muss neue Impulse vor allem in der Zusammenarbeit der Nordsee-Anrainer setzen und die anstehende EU-Ratspräsidentschaft dazu nutzen, eine gemeinsame Nordsee-Offshore-Strategie zu erarbeiten. Eine länderübergreifende Abstimmung kann helfen, geeignete Flächen auszuwählen und Anbindungsleitungen einzusparen. Für den Ausbau der Offshore-Windenergie müssen Flächen und Leitungen früh geplant werden. Dies gilt auch für das Stromnetz an Land, das den Strom aufnehmen soll. Hier ist der Bund in der Verantwortung: Mit Rücksicht auf die Meeresfauna Beim Bau von Offshore-Windparks entsteht viel Lärm. Um lärmempfindliche Arten wie Schweinswale besser zu schützen, müssen technische Schallschutzkonzepte und alternative Gründungsverfahren weiterentwickelt und verbindlich eingesetzt werden. Je nach Standort der Anlagen besteht ein hohes Kollisionsrisiko für Zugvögel. Zudem meiden einige Arten Windenergieanlagen weiträumig, Pracht- und Sterntaucher beispielsweise in einem Umkreis von bis zu 16 Kilometern. Auch dies muss bei der Flächenauswahl berücksichtigt werden. Erfreulicherweise haben sich die Bestände verschiedener Fischarten erholt, seit in Offshore-Windparks nicht mehr gefischt werden darf. Die DUH fordert deshalb einen langfristigen Bestand dieser Regelung. Wo der Wind übers Land weht In der öffentlichen Diskussion wird häufig der Artenschutz als Problem des Windkraftausbaus an Land genannt. Doch es gibt gewichtigere Hemmschuhe: Hierzu gehören insbesondere die unzureichende Regionalplanung und fehlendes Personal in den Vollzugsbehörden, kaum nachvollziehbare Restriktionen zur Flugsicherung oder ein EEG-Ausschreibungsdesign, das eine bessere Beteiligung von Kommunen und Anwohnern behindert. Zudem ist zu befürchten, dass pauschale Mindestabstandsregelungen zur Wohnbebauung dazu führen, dass Windenergieanlagen vermehrt in bisher unzerschnittenen Räumen pro- Fotos: vschlichting/Fotolia Energiewende jektiert werden und dort Natur und Arten beeinträchtigen. Dennoch gibt es auch aus Sicht des Naturschutzes Ansatzpunkte, um den Ausbau der Windenergie zu beschleunigen. Bund und Länder müssen hierbei eng zusammenarbeiten; Flächen für neue Anlagen müssen rechtssicher ausgewiesen und in entsprechende Planungen von der Länder- bis hin zur kommunalen Ebene aufgenommen werden. Die Auswahl muss nach bundeseinheitlichen, wissenschaftlich begründeten Kriterien und Methoden erfolgen. Die DUH schlägt vor, das Genehmigungsverfahren für Repowering – das Nachrüsten bestehender Anlagen – zu vereinfachen. Für den Ausbau der Erneuerbaren Energien sollten vorbelastete Flächen wie Tagebaue oder intensiv genutzte Agrarflächen bevorzugt genutzt werden. Der Schutz von Populationen windenergiesensibler Vogel- und Fledermausarten ist dabei zu gewährleisten. Das bundesweite Monitoring insbesondere der Greifvögel muss weitergeführt werden. Es kann der Raumplanung wertvolle Informationen zur Verfügung stellen. Die Herausforderung annehmen Der Ausbau von Windkraft ist ebenso geboten wie der Schutz der biologischen Vielfalt. Die Zahlen sind dramatisch: Der Welt-Biodiversitätsrat IPBES schätzt, dass bis zu eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind. Auch die Klimakrise ist spürbar: Die globale Durchschnittstemperatur ist bereits um 1,1 Grad gestiegen. Gesellschaftlich stehen wir damit vor einer doppelten Herausforderung: Klima- und Artenschutz müssen gleichermaßen gelingen. (cz, ust, jk) ■ Anzeige Themen Die Tomate aus dem spanischen Folientunnel hat eine geringere CO2-Bilanz als die regional produzierte im hiesigen Supermarkt. > Mehr auf biorama.eu/regionalitaet Weitere Information im Positionspapier zur Offshore-Windkraft: l.duh.de/windenergie KLIMAFAKTEN IN PERSPEKTIVE GESETZT. – MAGAZIN FÜR NACHHALTIGEN LEBENSSTIL. 6 AUSGABEN Im Abo erhältlich auf À 25 EURO biorama.eu/abo – auch zum Verschenken. Lösungsansätze für die Offshore-Windenergie Klima- und Artenschutz zusammendenken – jetzt! Positionspapier | Stand: 26.2.2020 DUH welt 2|2020 23 Themen Themen Kommunaler Umweltschutz Die Neuen unter den Ökosystemen m Berliner Tiergarten leben mehr als hundert heimische Pflanzen- und Tierarten, die in den Roten Listen als gefährdet oder vom Aussterben bedroht eingestuft sind. Das Stadtgebiet von Bielefeld bietet 51 Prozent aller Farn- und Blütenpflanzen NordrheinWestfalens einen Standort. Dies sind nur zwei Beispiele für die erstaunliche Vielfalt an Tieren und Pflanzen im urbanen Raum. In manchen Merkmalen gleichen Städte unseren alten Kulturlandschaften: Da sind Gärten, Friedhöfe, Brachen und Mauern. Das kleinteilige Mosaik aus verschiedenen Strukturen bietet vielen Tieren und Pflanzen diverse Lebensräume. Doch gleichzeitig sind diese Ökosysteme in Städten stark durch den Einfluss des Menschen geprägt und meist so sehr verändert, dass sie nicht zu einem natürlichen Zustand zurückkehren können. Aufgrund dieser besonderen menschgemach- I ten Merkmale taucht in der Wissenschaft die Bezeichnung „neuartige Ökosysteme“ (englisch: „Novel Ecosystems“) auf. Neulinge willkommen Die neuartigen Ökosysteme sind mittlerweile ein fester Bestandteil der biologischen Vielfalt in unseren Städten. In vielen Fällen haben sich dort Tiere und Pflanzen angesiedelt, die hierzulande Neulinge sind, da viele heimische Arten unter den extremen Bedingungen in der Stadt nicht überleben. Ungeachtet ihrer Herkunft liefern uns eingewanderte Pflanzen wertvolle Ökosystemleistungen: Sie produzieren Sauerstoff, sorgen im Sommer für kühle Temperaturen und bieten Raum für Naturerfahrung und Erholung. Und gerade in Städten sind sie dabei oft sehr effektiv. Mancherorts wurde dies bereits erkannt. So hat In Steinhaufen fühlen sich wärmeliebende Reptilien und Insekten wohl. Neuburg an der Weinstraße erklärt die Funktionen dieses Biotops auf einem Hinweisschild. 24 DUH welt 2|2020 Am Ortsrand hat Günzburg ausreichend Platz für ein Flüsschen eingeplant. zum Beispiel die Stadt Berlin schon 1987 ein Robinienwäldchen unter Naturschutz gestellt, obwohl die Baumart in Mitteleuropa als invasive Art gilt, die eingedämmt werden sollte. Die Verantwortlichen in der Naturschutzverwaltung erkannten den herausragenden Wert des Wäldchens in der städtischen Umgebung. Und dies nicht nur als Naherholungsgebiet, sondern auch, um die Erhaltung von Lebensgemeinschaften und Lebensstätten wildwachsender Pflanzen und wildlebender Tiere im Innenstadtbereich zu gewährleisten. Herausforderung für den Naturschutz Für die Pflege naturnaher Grünflächen besteht aus Naturschutzsicht der Konsens, sich an den bekannten und erprobten Konzepten für die freie Landschaft zu orientieren. Doch bislang fehlen fundierte Empfehlungen für den Umgang mit den neuartigen urbanen Ökosystemen. Deren Entwicklung zu untersuchen und Strategien abzuleiten, sind wichtige Aufgaben für den Naturschutz. Denn Städte, Gemeinden und Landkreise entscheiden ganz unmittelbar über die biologische Vielfalt, indem sie ihre Flächen gestalten, nutzen und pflegen. Um gezielte Entscheidungen zugunsten der Biodiversität herbeizuführen, bieten sich sogenannte „Kommunale Biodiversitätsstrategien“ an. Darin erarbeiten Städte, Gemeinden oder Landkreise ein auf den jeweiligen Ort zugeschnittenes Konzept für ihre Flächen. Mit einem Leitfaden, der die Fotos: Martin Rudolph Umwelt- oder Gartenbauämter in den Kommunen befassen sich mehr und mehr mit „neuartigen Ökosystemen“. Was verbirgt sich dahinter? Die DUH erklärt und entwickelt zusammen mit Partnern Strategien für den Naturschutz. Bienen und Bauern retten Insekten brauchen die Agrarwende grarchemie und Düngemittel schaden unserer Insektenwelt; zudem gehen immer mehr Habitate verloren. Mangels Blütenangebot müssen manche Honigbienenvölker auf dem Land mitten im Sommer gefüttert werden, immer mehr Wildbienenarten sterben aus. Zugleich fördern die EU-Agrarfinanzhilfen die Industrialisierung der Landwirtschaft, statt kleinbäuerliche Betriebe zu unterstützen. Vor diesen Hintergründen unterstützt die DUH die europäische Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“. Die am 20. Mai 2020 von der EUKommission vorgestellten Strategien „Farm to Fork“ und „Biodiversität 2030“ hat die DUH kritisch kommentiert. Beide zielen auf eine naturverträglichere Agrarproduktion ab, indem sie unter anderem den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln neu regeln. Zusätzlich fordert die DUH jedoch eine Umschichtung der EU-Gelder, um zukünftige Umweltleistungen der Landwirtinnen und Landwirte honorieren zu können. Die anstehenden Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auf EUEbene bieten die große Chance für einen A besonderen Herausforderungen für Städte und Verwaltungen berücksichtigt, unterstützt die DUH Kommunen bei der Erarbeitung einer solchen Biodiversitätsstrategie. Entstanden ist die Veröffentlichung in einem mehrjährigen Gemeinschaftsprojekt der DUH, der Städte Bielefeld und Heidelberg sowie Forschungspartnern. (jw, jk) ■ Herunterladen unter: l.duh.de/urbannbs oder kostenfrei bestellen bei: Deutsche Umwelthilfe, Janos Wieland wieland@duh.de Gemeine Sandbiene Systemwandel. Die DUH hat die Bundesregierung deshalb an ihre Verantwortung für die biologische Vielfalt erinnert und alle Ministerien aufgefordert, die von der EUKommission formulierten Ziele mitzutragen und zügig umzusetzen. Seine Ratspräsidentschaft muss Deutschland nutzen, um in den GAP-Verhandlungen für konkrete Agrarwende-Maßnahmen, beispielsweise die Reduzierung von Pestiziden und effektiven Gewässerschutz einzutreten. Allerdings hinkt Deutschland den bestehenden EU-Vorgaben selbst hinterher. (gf, jk) ■ Mehr Informationen und UnterschriftenAktion: www.duh.de/bienen-und-bauern Wer sein Geld ökologisch sinnvoll und rentabel anlegen will, vertraut seit 1991 auf den Informationsdienst Öko-Invest. Das Projekt: Gemeinsam gefördert durch: Bundesamt für Naturschutz Im Rahmen von: Er liefert (per Post) aktuelle Analysen und Empfehlungen zu • nachhaltigen Fonds, Wind-, Solar- und Wasserkraftbeteiligungen • ca. 40 nachhaltigen Titeln im Musterdepot, z.B. Aktien von Geberit und Tomra Systems (Kursgewinne 1.000% und mehr) • 25 Natur-Aktien im Index nx-25 (+1.150% seit 1997) • ausserbörslichen Aktien wie z.B. der Alternativen Bank (Schweiz) AG, der BioArt AG und der Öko-Test AG ... und Warnungen vor (grün-)schwarzen Schafen. Das Handbuch Grünes Geld 2020 enthält (in der 8. aktualisierten Auflage) auf rund 360 Seiten wieder einen umfassenden Überblick über nahezu alle Öko-Investment-Möglichkeiten samt neuer Kapitel wie Green Bonds und Crowd-Investments. Das Handbuch (Einzelpreis 24,90 Euro inkl. Versand mit Rechnung) und ein kostenloses Öko-Invest-Probeheft können Sie abrufen beim Öko-Invest-Verlag, Schweizertalstr. 8-10/5, A-1130 Wien, Tel. 0043-1-8760501 oeko-invest@teleweb.at www.oeko-invest.net DUH welt 2|2020 25 Foto: Hnas-Jürgen Sessner (Sandbiene) Anzeige Themen Ebenfalls soll der Radverkehr attraktiver werden: Ein neues Rad-Grundnetz und Schnellverbindungen nach Mainz und Frankfurt sind konzipiert und teils schon umgesetzt. Auch erste Abschnitte der Umweltspur mit Vorrang für Busse sind auf einer stark befahrenen Straße in der Innenstadt eingerichtet. Mit Pförtnerampeln will die hessische Landeshauptstadt den Verkehrszufluss regulieren. NRW lenkt ein DUH schiebt die Verkehrswende an Um ihren Bürgerinnen und Bürgern eine bessere Luftqualität bieten zu können, lenken immer mehr Städte die Mobilität in eine umweltschonende Richtung. Nicht immer tun sie das aus völlig eigenem Antrieb. eit vielen Jahren verfolgt die Deutsche Umwelthilfe das Thema Saubere Luft und bringt es kontinuierlich in die öffentliche Debatte ein. Nachdem der gesellschaftliche Druck und die mediale Aufmerksamkeit zu wenig bewirkten, begann die DUH 2015 gegen Landesregierungen oder Städte zu klagen. Ziel ist immer die Einhaltung der EUweit gültigen Grenzwerte für Luftschadstoffe. Hierfür müssen die zuständigen Behörden für die Städte geeignete Luftreinhaltepläne erarbeiten. In 40 Städten ist die Umwelthilfe auf diese Weise aktiv geworden. Unsere Klagen haben zahlreiche Entwicklungen in Richtung Verkehrswende angestoßen. S Investitionen in Umwelt und Lebensqualität Berlin erweitert die Parkraumwirtschaft auf 75 Prozent des Stadtzentrums und hebt die Gebühren an. Auf 59 Straßenabschnitten gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen von 30 km/h. Schon 2019 waren durch das Mobilitätsgesetz über elf Kilometer an neuer Fahrradinfrastruktur umgesetzt worden. 26 DUH welt 2|2020 Weitere 18 Kilometer befanden sich in Umsetzung. Darmstadt regelt Straßen mit zu hoher Stickstoffdioxidbelastung neu: Dort bestehen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge einschließlich der Abgasnorm Euro 5/V. Manche Autospuren wandelte die Stadt in sogenannte Umweltspuren um, die für Busse und Fahrräder reserviert sind. Stuttgart beschränkt den Verkehr für bestimmte Dieselfahrzeuge: Seit 2019 gilt ein zonales Fahrverbot für alle Diesel bis einschließlich der Abgasnorm Euro 4/IV und seit dem Jahr 2020 streckenbezogen auch für Dieselfahrzeuge der Schadstoffklasse Euro 5/V. Reutlingens Bürgerinnen und Bürgern stehen seit letztem Jahr zehn neue Buslinien und hundert neue Busstationen zur Verfügung. Damit erhöhen sich dort die jährlichen Fahrplankilometer im Nahverkehr von bisher vier auf nun sechs Millionen Kilometer. Nur zwei Tage vor dem gerichtlichen Verhandlungstermin im Februar 2019 veröffentlichte Wiesbaden seinen neuen Luftreinhalteplan. Er hält Investitionen von 400 Millionen Euro für die Verkehrswende vor. Die Stadt will das ÖPNV-Angebot ausweiten. Zukunftsfähige Mobilität Die positiven Beispiele zeigen: Die Verkehrswende ist machbar! Oft fehlt es den politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern aber an Willen. Sie müssen – auch ohne juristischen Druck – im Sinne einer zukunftsfähigen Mobilität handeln. Es ist höchste Zeit, unsere urbanen Räume umwelt- und bürgerfreundlicher zu gestalten; eine echte Verkehrswende ist ein wichtiger Beitrag für mehr Lebensqualität in der Stadt. (alf, jk) ■ Foto: Astrosystem/stock.adobe.com Mobilität Nicht immer ist ein abschließendes Gerichtsurteil erforderlich, um Verkehrswende-Maßnahmen zu initiieren. Vergleiche hat die DUH mit der Landesregierung Nordrhein-Westfalens und insgesamt elf Städten seit 2019 geschlossen. Dortmund will seine Verkehrslast im Jahr 2020 um 20 Prozent reduzieren, Bielefeld lokal sogar um 45 Prozent. Bonn und Wuppertal schalten ihre Ampeln so, dass stark befahrene Straßen entlastet werden. Zudem will sich die NRW-Landesregierung auf Bundesebene für die Förderung des 365-Euro-Tickets einsetzen. Der Vorschlag stammt von der DUH: Mit solch einem Jahresticket können Bürgerinnen und Bürger alle Nahverkehrsmittel ihrer Stadt oder sogar in ganz Deutschland nutzen. Berlin diskutiert aktuell über dieses Ticketmodell. Reutlingen (Baden-Württemberg) hat es bereits eingeführt und zieht eine positive Zwischenbilanz. Paderborn toppt alle: Hier kostet ein Jahresticket umgerechnet 99 Cent pro Tag. Nahezu alle Städte, in denen die DUH auf rechtlichem Wege Saubere Luft erstreitet, haben ihre Busse mit neuen Filtern nachgerüstet oder durch schadstoffärmere Modelle ersetzt. Bis Ende 2019 waren das über 2000 Fahrzeuge. Themen Verkehr Mehr Platz fürs Rad Aufgrund der Corona-Pandemie steigt die Anzahl der Radfahrerinnen und Radfahrer auf nie dagewesene Rekordwerte an. Darauf müssen unsere Städte schnell reagieren. innen weniger Wochen hat die europäische Hauptstadt Brüssel Tempo 20 in der gesamten Innenstadt eingeführt und 40 Kilometer Fahrradwege eingerichtet. Auch Paris und andere große Städte drängen mutig das Auto aus der Innenstadt und verschaffen Fußgängern und Radfahrern mehr geschützten Raum. Deutsche Städte tasten sich ebenfalls an diesen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende heran. B Radwege voran. Laut Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg reduzieren temporäre Radwege auch die Kosten deutlich: Während alleine die Planungskosten für bauliche Radwege im Normalfall bei 40.000 Euro pro Kilometer liegen, kostet die Umsetzung von temporären mit 9.500 Euro pro Kilometer viel weniger. Die Chance für einen beschleunigten Umbau ihrer Autostädte erkennen man- che Kommunalpolitiker jedoch nur schleppend. So hat der Baubürgermeister von Stuttgart den DUH-Antrag erst rundweg abgelehnt. Nach massiven Protesten aus der Bevölkerung, ausgerechnet vor dem Mercedes-Werksgelände, änderte er aber seine Meinung und beschloss die ersten beiden Pop Up-Radwege der Stadt. Die DUH fordert Bundesverkehrsminister Scheuer auf, die Kommunen bei der Umwidmung von Straßenflächen mit Bundesmitteln zu unterstützen. Zudem sollte im Stadtverkehr generell Tempo 30 eingeführt werden. Unserem Aufruf, dem eigenen Stadtoberhaupt konkrete Straßenabschnitte zu nennen, die zukünftig als Fahrrad-Straßen fungieren sollen, folgten bereits über 2.600 Bürgerinnen und Bürger. Allen Mitwirkenden danken wir ganz herzlich. (ds, jk) ■ Nur mit genügend Platz können sich die Menschen auf dem Rad sicher und mit ausreichendem Abstand bewegen. Seit April hat die Umwelthilfe deshalb in 203 Städten Anträge auf eine temporäre Umwidmung von Verkehrsflächen zu Fahrrad-Straßen gestellt. Bis Anfang Juni haben sich über 100 Städte zurückgemeldet, darunter Berlin, Köln und Düsseldorf. Die Hauptstadt schreitet mit zwischenzeitlich über 21 Kilometern neuer Fahrradfreundliche Infrastruktur muss nicht teuer sein. Anzeige N° 12 | 2020 www.tazfuturzwei.de Politik € 7,50 TA Z FU TURZ WEI WIR ZEIG EN, WIE BE WEGUNG GEHT. N° 12 | 2020 Magazin für Zukunft und taz MAGAZIN FÜR ZUKUNFT UND POLITIK D IE U N SI CH TB A R E W IR K DIE VERBORGENE WIRKLICHKEIT. INFLUENCERIN DIANA ZUR LÖWEN ÜBER POLITISIERTE MILLENIAL S PSYCHOLOGE AHMAD MANSOUR ÜBER DIE REALITÄT DER INTEGRATI PUBLIZIST WOLF LOTTER ÜBER IGNORIERTES UNTERNEH MERTUM ON LI CH K EI T QX QG HOHJWGLHLPSR OLWLV FKH UR¼HQ3UREOHPHRƬHQJ UH HUJ QGH HG OHD QLJ YLH WHL FK KD WQR ULVH JLE EHUHV 'LH&R URQ D. LJQ RUL HUWZH UGH Q$ LHE HWU DOE RUP Q1 JHV HOOV FKD IWOL FKH :LUVX FKH QV LH ARER JETZT 30 PROZENT SICHTB LICHTUNG SCHWELPUN KT: NEUE taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Friedrichstraße 21, 10969 Berlin Foto: Mikael Damkier/stock.adobe.com Temporäre Fahrrad-Straßen FUT URZ WE I-Abo-Prämie Bio Limitierter Siebdruck auf et Baumwollruck sack ges talt von Donata Kindesperk für taz FUT URZ WEI Vier Ausgab en für 30 Eur taz futurzwei.de/abo futurzwei.abo@ taz.de T (030) 25 902 200 o: Das Magazin für Zukunft und Politik DUH welt 2|2020 27 Themen Themen Sprit aus Stroh Manche setzen ihre Hoffnung nun auf Biosprit aus organischen Reststoffen wie Stroh, Restholz und Altspeiseöl. Deren Klimabilanz ist zwar besser, viele solcher Stoffe spielen jedoch eine wichtige Rolle für gesunde Ökosysteme: Werden Ernterückstände und Waldrestholz zu Energie verarbeitet, leiden Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität. Gleichzeitig sind die aus nachhaltigen Quellen verfügbaren Mengen biogener Reststoffe insgesamt viel zu gering, um die Emissionen im Verkehr merklich zu mindern. Mobilität Weiter so mit anderem Kraftstoff? In der Debatte um Klimaschutz diskutiert man für den Verkehrssektor mehr denn je den Einsatz alternativer Kraftstoffe. Die DUH erklärt, warum es sich hierbei um Scheinlösungen handelt. chon seit der Jahrtausendwende fördert die EU die Beimischung von Biokraftstoffen zu Diesel und Benzin. Den Biosprit zapft man an jeder Tanksäule automatisch mit. Die Idee: Kraftstoff auf Basis von Raps (Bild oben), Mais oder Palmöl ist „klimaneutral“, denn bei der Verbrennung wird nur so viel CO2 frei, wie die Pflanzen beim Wachsen zuvor aus der Luft gebunden haben. In der Theorie klingt das gut. S Das Problem liegt auf dem Acker Die Realität ist deutlich weniger grün: Der Anbau von Pflanzen für Biosprit verbraucht schließlich riesige Flächen. Entweder werden also Wälder, Moore und Brachen in Äcker umgewandelt oder Getreide, Kartoffeln und Obst müssen den Energiepflanzen 28 DUH welt 2|2020 weichen. Dann verlagert sich das Problem nur: Für die Nahrungsmittelproduktion muss an anderen Stellen Natur zerstört werden. Wälder und Moore speichern in ihrer Biomasse große Mengen CO2. Ihre weltweite Zerstörung verursacht jedes Jahr Unmengen an Treibhausgasemissionen und raubt vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten die letzten Lebensräume. Besonders desaströs sind die Folgen für Tropenwälder, die den expandierenden Palm- und Sojamonokulturen weichen müssen. Fakt ist: Am Ende ist die Klima- und Umweltbilanz von Biosprit im Schnitt sogar deutlich schlechter als die fossiler Kraftstoffe. Die DUH tritt deshalb dafür ein, dass Biosprit vom Acker in Deutschland und Europa Geschichte wird. E-Fuels sind Kraftstoffe, die mittels Strom aus Wasser und Kohlendioxid (CO2) synthetisiert werden. Auch Wasserstoff zählt zu den synthetischen Kraftstoffalternativen. Ihr Klimanutzen steht und fällt mit der Produktionsweise: Wasserstoff und E-Fuels benötigen in der Herstellung große Mengen Strom. Handelt es sich hierbei auch nur teilweise um Strom aus fossiler Produktion, ist die Klimabilanz des gesamten Prozesses am Ende meist schlechter, als wenn man gleich fossilen Kraftstoff tankt. Mittelfristig können Wasserstoff und E-Fuels in Sektoren wie der Stahlindustrie und dem Langstrecken-Flugverkehr helfen, Emissionen zu reduzieren. Im Straßenverkehr aber wäre ihr Einsatz reine Energieverschwendung: Im Vergleich zu einem E-Auto benötigt ein Wasserstoffauto dreimal und ein mit E-Fuel betriebenes Auto mit Verbrennungsmotor fünfmal mehr Energie auf gleicher Strecke. Wenn die Autoindustrie vermeintlich emissionsarme Wunderkraftstoffe als Rettungsanker für den Klimaschutz preist, ist größte Skepsis angebracht. Denn ein „Weiter so mit anderem Kraftstoff“ befördert eine umwelt- und gesundheitsschädliche Verkehrspolitik und lenkt von der Umgestaltung hin zu einer nachhaltigen Mobilität ab. Wir brauchen dringend eine bessere Infrastruktur, die es den Menschen ermöglicht, vom eigenen Pkw auf Rad, Bus und Bahn umzusteigen. Die DUH wird sich weiterhin für eine echte Verkehrswende einsetzen. (jb, jk) ■ Foto: Photoagriculture/stock.adobe.com Sind synthetische Kraftstoffe besser? Themen Abfallvermeidung Gemeinsam ein Zeichen setzen Wir wollen kein Einweg-Plastik! m März überreichte Barbara Metz, DUH (re.), gemeinsam mit Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke (Mitte) in Frankfurt am Main unsere Petition an Nestlé Waters Chef Marc Honold. Damit I senden Verbraucherinnen und Verbraucher ein klares Signal an den Großkonzern: gegen Nestlés unökologische Einweg-Plastikberge und für regional abgefülltes Wasser in Mehrweg. (jkl) ■ ehr als 13.300 haben am Verpackungsfasten der DUH teilgenommen. Zusammen konnten die Teilnehmenden in der Fastenzeit 764.000 kurzlebige Einweg-Verpackungen wie Joghurtbecher, Waschmittelflaschen, in Plastik verpackte Bananen oder Plastiktüten mit einem Gewicht von 20 Tonnen vermeiden. M #VERPACKUNG VERPACKUNGSS- Mehr als 138.000 Unterschriften gegen die Einweg-Plastikflaschenflut von Nestlé. FASTEN Wenn sich alle Deutschen das ganze Jahr über genau so verhalten, können wir im Vergleich zu jetzt rund 950.000 Tonnen Verpackungsabfall einsparen! (ak) ■ Anzeige & Wildnis ? Wir nehmen Sie mit auf die Reise in einzigartige Naturlandschaften weltweit! Anzeige oekom JETZT NATIONALPARK TESTEN: 2 Ausgaben im Probeabo für 9,– Euro inkl. Versand Bestellung und Leseproben unter SCHÖNER ALS FLIEGEN 8PZHOWEHWUDFKWXQJHQHLQHV3LOJHUV www.nationalparkzeitschrift.de Fotos: DUH/Zino Peterek Deutschland: 7,90 EUR , Österreich: 8,90 EUR , Schweiz: 10,00 CHF , 1U>@ , www.nationalparkzeitung.de L U S T A U F N A TU R 1DWXUVFKXW]LQ.LUJLVWDQ HERAUSGEBER: Verein der Nationalpark-Freunde e.V. 3DUDGLHV6GRVW5JHQ 2UQLWKRORJHPLW+LQJDEH www.facebook.de/ nationalparkzeitschrift DUH welt 2|2020 29 Themen Ressourcenschutz Die Retourenvernichtung muss gestoppt werden In der Corona-Krise boomt der Online-Handel: Marktführer wie Amazon profitieren. Die Zerstörung von Retouren geht indessen von vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern unbemerkt weiter. Problemfall Amazon Insbesondere bei Online-Verkaufsplattformen wie Amazon, über die viele Anbieter aus Drittstaaten Produkte verkaufen, werden funktionsfähige Waren oft zerstört. Um kurze Lieferzeiten zu ermöglichen, werden Produkte regelmäßig bei Amazon gelagert. 30 DUH welt 2|2020 Werden die Produkte nicht wie geplant verkauft oder am Ende retourniert, lohnen sich die weitere Lagerhaltung oder ein Weiterverkauf in andere Länder für den Anbieter meist nicht, sodass Amazon diese Waren zerstört. Discounter, die Aktionswaren anbieten, verfahren ähnlich. Sie vernichten unverkaufte Restbestände, um Regalfläche für neue Angebote zu schaffen. Das betrifft einerseits günstige Produkte, andererseits auch jene von Markenherstellern, da die Unternehmen bereits bei geringfügigen optischen Fehlern oder niedrigen Preisen um das Image ihrer Marke fürchten. Bislang ist es für Unternehmen oftmals günstiger, neue Waren in die Müllpresse zu werfen, anstatt sie an Bedürftige zu spenden. Demnach sollten Sachspenden – ähnlich wie bereits Lebensmittelspenden – von der Umsatzsteuer befreit werden, um die Weitergabe von Waren an Bedürftige oder karitative Einrichtungen zu erleichtern, damit es für Unternehmen nicht länger einen finanziellen Anreiz gibt, Neuware zu zerstören. DUH fordert von Umweltministerin ein Ende der Produktzerstörung Um dem Missstand entgegenzuwirken, ist ein Vernichtungsverbot neuwertiger Waren im Kreislaufwirtschaftsgesetz dringend notwendig. Bislang sind die Regelungen im Gesetz zur Zerstörung funktionsfähiger Waren zu unpräzise und unverbindlich. Unternehmen sollten zukünftig für die Vernichtung neuer Waren unter Strafe zur Verantwortung gezogen werden. Soweit Produkte tatsächlich nicht aufbereitet oder repariert werden können und diese daher zerstört werden müssen, sollte dies dokumentiert und behördlich erfasst werden. Die DUH wird die hierfür notwendigen gesetzlichen Regelungen vehement einfordern. Gebrauchsfähige Waren dürfen nicht länger vernichtet, sondern müssen aufbereitet, repariert, weiterverkauft oder gespendet werden – zum Wohle von Bedürftigen, der Umwelt und des Klimas. (fm, jkl) ■ Fotos: falco/pixabay edes Jahr werden in Deutschland neuwertige Waren im Wert von schätzungsweise mehr als 7 Milliarden Euro zerstört. Darunter sind mehr als 20 Millionen im Online-Handel retournierte Artikel, aber auch große Mengen unverkaufter Produkte von Discountern. Die Corona-Pandemie wirkt sich auf das Einkaufsverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern aus: Sie bestellen deutlich mehr Waren online. Der Trend zum Online-Shopping wird wahrscheinlich zukünftig bestehen bleiben. Umso wichtiger ist es, dass Bundesumweltministerin Schulze die Zerstörung von Neuwaren gesetzlich verbietet. J DUH Themen Intern DUHmarkt Hand in Hand-Fonds DUH Umweltschutz-Service GmbH Fritz-Reichle-Ring 4 | 78315 Radolfzell Gemüse aus dem vertikalen Garten Wer ein schwaches Immunsystem hat und noch dazu unter Mangelernährung leidet, ist besonders anfällig für Krankheiten. Viele Menschen in Afrika haben jedoch keine Wahl. ie in vielen afrikanischen Ländern steht in Kenia Maisbrei häufig auf dem Speiseplan. Er macht kurzfristig satt und ist für Einkommensschwache bezahlbar. Die einseitigen Mahlzeiten versorgen den Körper allerdings nicht ausreichend mit Nährstoffen. Das hat gravierende gesundheitliche Folgen. Besonders betroffen sind HIV-Kranke. Make Me Smile International hilft Haushalten, diese schwierige Lage selbst zu verbessern. Angesichts der Coronakrise bekommt das Projekt eine noch größere Bedeutung. Im Osten von Kenia, nahe dem Viktoriasee, liegt die Projektregion der Organisation Make Me Smile; hier sind rund 20 Prozent der Bevölkerung mit HIV infiziert. Im Falle einer COVID19-Erkrankung sind sie einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf ausgesetzt. Hundert Familien, in denen ein HIV-krankes Kind lebt, erhalten nun eigene kleine Gärten und erlernen den Gemüseanbau für eine gesunde, ausgewogene Ernährungsgrundlage Der Hand in Hand-Fonds unterstützt diese modellhafte Initiative. W Foto: Make Me Smile International Wie kommt der Garten zu den Familien? Die für das Projekt ausgewählten, besonders bedürftigen Familien, besitzen nur wenige Quadratmeter Fläche am Wohnhaus. Hier ist kein Platz für Gemüsebeete. Doch mit sogenannten vertikalen Gärten hat Make Me Smile bereits gute Erfahrungen gemacht. Mit Erde gefüllte Säcke aus Jutegewebe bieten optimale Anbaubedingungen und das Gemüse, vornehmlich Kohl, gedeiht auch bei sparsamer Bewässerung. Das Projektteam stellt den Familien Setzlinge und die Ihre Bestellung direkt: 07732 9995-0 Aufschrei der Meere Hannes Jaenicke und Ina Knobloch Ullstein Buchverlage GmbH 2019, Hardcover, 320 Seiten Ich liebe das Meer, bekennen beide Autoren. Sie vermitteln, wie sensibel marine Ökosysteme angesichts Klimawandel, Überfischung, Pestiziden, Plastik und anderem Müll sind. Die Wissenschaftsjournalistin und der Umweltaktivist haben erschreckende Fakten zusammengetragen, zeigen aber auch Lösungsansätze auf. 19,99 Euro zzgl. Versand 5,00 Euro Bestell-Nr. 2101 Die Wildbienen Deutschlands Paul Westrich, Ulmer Verlag 2019, gebundenes Buch, 824 S., 1700 Fotos, 17 Zeichnungen Sukuma Wiki, eine Kohlart, stärkt das Immunsystem und gedeiht im Sackgarten besonders gut. notwendige Ausrüstung zur Verfügung und vermittelt ihnen gärtnerische Kenntnisse. Ein Fokus liegt zudem auf einer ausgewogeneren Ernährung, auch hierfür wird es Schulungen geben. Make Me Smile wird das Projekt trotz Corona durchführen können: Die Gruppengrößen bei den Praxis-Übungen werden kleiner sein als ursprünglich geplant, dafür erhöht man die Anzahl der Schulungen. (jk) ■ Der Hand in Hand-Fonds ist eine gemeinsame Initiative von Deutscher Umwelthilfe und Rapunzel Naturkost für eine gerechtere Welt und lebenswerte Umwelt. In seinem Buch über die Wildbienen gibt der Biologe Paul Westrich einen umfassenden Überblick über deren Ökologie, Lebensraumansprüche und Schutz. Mit Hinweisen zur Feldbestimmung und zahlreichen Farbfotos verschafft er Laien und Fachleuten Zugang zu dieser faszinierenden Tiergruppe. 99.- Euro zzgl. Versand 5,00 Euro Bestell-Nr. 2100 Die ganze Pflanze 60 Zero-Waste Rezepte mit Blatt, Schale, Strunk und Stiel Susann Kreihe Christian Verlag 2020, Hardcover, 192 Seiten, 100 Fotos Mit diesem Kochbuch lernen Sie, alle Teile vom Obst und Gemüse zu verwenden. Angefangen beim Pesto aus Blumenkohlblättern bis hin zu selbst gemachtem Kürbiskernöl erwarten Sie viele Leckereien. Starten Sie gleich und tun Sie Gutes! 25,70 Euro zzgl. Versand 5,00 Euro Bestell-Nr. 2108 DUH welt 2|2020 31 DUH Intern »Sie würde fehlen, wenn es sie nicht gäbe!« Das sagt Ina Böhm über die DUH. Anfang Januar hat sie den Staffelstab von Michael Hadamczik übernommen und leitet den Bereich Finanzen und Verwaltung der DUH. »I Frisch bei der DUH initiierte Böhm dann auch gleich die „Lenkungsgruppe Digitalisierung“. Sie will Synergien zwischen den Bereichen nutzen und gestalten: „Insellösungen sind nicht mein Ding“. Sie denkt vernetzt, nachhaltig und strategisch. „Ich möchte den Kulturwechsel zur DUH 4.0 weiter vorantreiben.“ Die Einführung neuer bereichs- und standortübergreifender digitaler Lösungen gestaltet sie mit ihren Teams Finanzbuchhaltung, Verwaltung, Haushaltsplanung und Spendenverwaltung gemeinsam mit der IT. Sie selbst kommt aus dem papierlosen Büro. Zu ihren Leidenschaften zählt die Philosophie. Einen der bedeutendsten Philosophen der Aufklärung, Immanuel Kant, bezeichnet sie als ihren Lieblingsphilosophen. Kant forderte die Menschen auf, selber zu denken, Eigenverantwortung zu übernehmen und sich kritisch mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Da passt es, dass sie sich auch für die Arbeit des Hand in Hand-Fonds begeistert, der weltweit Hilfe zur Selbsthilfe initiiert. „Es freut mich wahnsinnig, dass ich Einblicke in die Hintergründe bekomme.“ Leidenschaft bringt Böhm auch in ganz anderen Lebensbereichen mit: Gleich in zwei Bands ist sie die Frontsängerin, in der Rockband „Rockinger“ und seit Kurzem auch in der Bluesband „The Stooge“. Einen Ausgleich zur Arbeitswelt findet sie ebenso in der Natur. „Ich liebe den Wald. Beim Wandern tanke ich auf und bin am liebsten mehrere Tage unterwegs.“ Ina Böhm bringt all‘ ihre Talente, Kreativität, ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihr philosophisches Hinterfragen in ihr strategisches Arbeiten für das weitere nachhaltige Wachsen der DUH ein. Auch sie würde fehlen, wenn es sie bei der DUH nicht gäbe! ■ Termine 11 Persönlichkeiten zur Frage „Was bleibt?“ – Günter Grass,, Friede Springer, Reinhold Messner, Anne-Sophie Mutter u. a. Ausstellungen und Veranstaltungen 16. September bis 25. Oktober 2020 Bruchsal, Schloss Bruchsal 7. Oktober 2020 Berlin, Konzert mit Musikern der Anne-Sophie Mutter Stiftung tung Mit Ina Böhm sprach DUHweltChefredakteurin Andrea Kuper 32 DUH welt 2|2020 Annette Bernauer | Tel. 07732 9995-60 | www.duh.de/legat.html Fotos: Jan-Erik Nord (u), Barbara Kleemann/DUH (o) ch wollte schon immer für eine Organisation arbeiten, hinter deren Philosophie ich mit voller Überzeugung stehen kann!“ Bereits ihre Diplomarbeit schrieb die Betriebswirtin über strategisches Management in Nicht-RegierungsOrganisationen. „Wie die DUH Verbraucher-, Natur- und Umweltschutz verbindet, begeistert mich. Das ist in dieser Kombination in Deutschland einmalig!“ Beachtlich findet sie auch den Zuwachs an Themen, Projekten und Mitarbeitenden in den vergangenen Jahren: „Als Ökonomin freut mich besonders, dass ich hier ein nachhaltiges Wachstum sehe.“ Ihr berufliches Ziel, strategisch zu arbeiten, hat Ina Böhm konsequent verfolgt und gelebt. Drei Jahre leitete sie die Stabsstelle Strategisches Management und Controlling der Stadt Radolfzell, davor das Rechnungswesen und Controlling der Industrie- und Handelskammer HochrheinBodensee sowie den angegliederten, bundesweiten Arbeitskreis. Nach mehrjähriger Selbständigkeit als Beraterin und Trainerin für strategisches Projekt- und Kreativitätsmanagement, Controlling und Führungskräfteentwicklung, als Lehrbeauftragte und als Dozentin, wechselte sie ins Consulting einer Softwarefirma. Menschen für Natur Weitergeben – weitermachen! Das Erbschaftssiegel schafft Orientierung und Transparenz für das gemeinnützige Vererben. Auch die Deutsche Umwelthilfe gehört zu den ausgezeichneten Organisationen. mmer mehr Menschen möchten mit ihrem Erbe oder einem Vermächtnis einen guten Zweck unterstützen. Rund 28 Prozent der über 50-Jährigen können sich dies vorstellen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie in Deutschland. Unter den Kinderlosen denkt sogar jeder Zweite darüber nach, etwas an eine gemeinnützige Organisation oder Stiftung zu vererben. Es ist eine Möglichkeit, über das eigene Leben hinaus gute Spuren in der Nachwelt zu hinterlassen. Fotos: Barbara Kleemann/DUH (u); Robert Emprechtinger/stock.adobe.com (o) I Die richtigen Prioritäten Um Menschen, die sich mit dem gemeinnützigen Vererben befassen, mögliche Sorgen zu nehmen und Vertrauen zu schaffen, hat die Initiative „Mein Erbe tut Gutes – das Prinzip Apfelbaum“ das Erbschafts- siegel „In guten Händen“ entwickelt. Die 22 Organisationen und Stiftungen, die dieses Siegel tragen, haben sich klaren ethischen Richtlinien verpflichtet. Diese beinhalten eine respektvolle und sorgfältige Beratung, bei der die Interessen und Wünsche der potenziellen Erblasserinnen und Erblasser absolute Priorität haben. Auch Menschen, die sich über das gemeinnützige Vererben zunächst einmal nur informieren möchten, bleiben vollkommen frei in ihrer Entscheidung und werden in keiner Weise bedrängt. Das garantieren die Organisationen und Stiftungen, die das Siegel tragen. Testamentsänderungen sind jederzeit möglich und die persönlichen Anliegen können diskret und vertrauensvoll besprochen werden. Wer sich damit beschäftigt, ein Testament aufzusetzen, dem kommen viele Fragen: Welche gemeinnützige Organisation liegt mir persönlich am Herzen? Welche verschiedenen Möglichkeiten gibt es – Erbeinsetzung oder Vermächtnis? Geht das auch mit einem kleinen Betrag? Wem erzähle ich davon? Kann ich mich später noch umentscheiden? Solche Überlegungen sind zugleich mit vielen Bedenken verbunden. Die Sorge, Fehler zu machen, ist oftmals groß und hält viele davon ab, ihren Letzten Willen zu verfassen. Der erste Schritt wird leichter mit einer Orientierungshilfe. Die Deutsche Umwelthilfe bietet nicht nur gut verständliches Informationsmaterial an, sondern Förderer und Spender sind mit ihren Fragen jederzeit willkommen. Transparenz und Offenheit spiegeln sich in einem jährlichen Rechenschaftsbericht. Zudem bestätigen unabhängige Wirtschaftsprüfer, das Finanzamt und zwei weitere Siegel (DZI, Transparente Zivilgesellschaft) die gemeinnützige Tätigkeit und die Transparenz der Umwelthilfe. (ab) ■ Weitere Informationen: www.erbschaftssiegel.de Bestellen Sie kostenfrei den Testamentsratgeber mit Checklisten, Tipps und Infos über die Nachlass-Gestaltung. Oder vereinbaren Sie eine Nachlass-Sprechstunde mit individuellen Impulsen zum Thema Testament und gemeinnütziges Vererben. Bitte wenden Sie sich an: Deutsche Umwelthilfe Annette Bernauer 07732 9995-60 bernauer@duh.de DUH welt 2|2020 33 Unbekannte Tierart Grüner Drache in Gefahr Die Smaragdeidechse ist eins der farbenprächtigsten heimischen Tiere: In Deutschland ist das schillernde Reptil jedoch fast ausgestorben. ■ von Peer Cyriacks n einem Mittag Anfang Mai brennt die Sonne schon kräftig auf den Wanderweg in der Nähe von Koblenz. Ein Wanderer lässt sich am Wegesrand auf einer Bank nieder, um sich zu erfrischen und den Blick hinunter auf die Mosel zu genießen. Da bemerkt er Geräusche im Gebüsch neben ihm, die er nicht zuordnen kann. Er schaut nach und traut seinen Augen kaum: Knapp einen halben Meter neben ihm packt ein schlankes, unterarmlanges Reptil mit leuchtend hellblauem Kopf den Schwanz eines anderen Reptils. Wird der Wanderer hier Zeuge eines Dramas? Im Gegenteil. Das vordere Tier wehrt sich nicht, sondern schleift das schillernde Exemplar, das an seinem Schwanz hängt, hinter sich durch das Gebüsch, wo beide verschwinden. Die Szene ist fester Bestandteil des Liebesspiels von Smaragdeidechsen. Diese exotisch aussehenden Echsen sind mit einer Länge von mehr als 35 cm unsere größten heimischen Eidechsen. Dabei bleiben sie aber sehr schlank und grazil. Gefährlich werden sie nur Insekten, Spinnen, Asseln und kleineren Eidechsen. Angeblich werden auch Babymäuse nicht verschmäht. 34 DUH welt 2|2020 Wenn Schönheit zum Verhängnis hä ängnis wird Seinen anmutigen Namen trägt gtt die Echse zu Recht. In der Paarungszeit im späten Frühjahrr tragen die Männchen attraktiv leuchtendes Türkis an ihrem Kopf. pff. In Kombination mit den glatten Schuppen schimmern die Männchen ncchen in der Sonne – ein Anblick, dem kein Smaragdeidechsenweibchen weeibchen widerstehen kann. Die Schönheit der Tiere ist legendär däär und macht sie gleichzeitig zur beliebten Beute von Reptiliensammlern, sammlern, was maßgeblich zu ihrer Gefährdung beiträgt. Während die d Tiere in Südeuropa noch recht häufig auftreten, ist die Art in Deutschland akut vom Aussterben D bedroht und daher streng geschützt. ch hützt. Die Smaragdeidechse wird in n zwei Arten unterteilt: die Westliche (Lacerta bilineata) und Östliche tliiche (Lacerta viridis). Obwohl sie sich äußerlich so gut wie nichtt unterscheiden, können sie nicht miteinander gekreuzt werden. Das D Hauptverbreitungsgebiet der Westler liegt in Frankreich, Spanien anien und Italien mit dem spärlich besiedelten Arealrand an der Mo Mosel, osel, der Donau und dem Kaiser- Foto: Hawi/stock.adobe.com A Unbekannte Tierart Steckbrief Westliche Smaragdeidechse (Lacerta bilineata) Östliche Smaragdeidechse (Lacerta viridis) Fotos: Marek R. Swadzba (o), Michaela (u.r.), Aptyp koK (u.l.)/alle stock.adobe.com Auf besonnten Steinen hält sich die Eidechse gerne auf. Verwandtschaft: Beide Smaragdeidechsenarten gehören zur Familie der Echten Eidechsen. Nahe Verwandte in Deutschland sind die Berg- oder Waldeidechse, die seltene Mauereidechse sowie die häufigste Eidechse, die Zauneidechse. stuhl. Die Ostechsen dagegen besiedeln den gesamten Balkan bis zum Schwarzen Meer. Ihre nördlichsten Vertreter leben bei uns in der Nähe von Passau und auf einem ehemaligen Militärgelände in der Lausitz. Es sind nur noch wenige hundert Tiere. Westliche und Östliche Smaragdeidechse begegnen sich in Deutschland in der freien Natur also nie. Lebensraum und Verbreitung: Offene, warme und sonnenreiche Standorte wie Trockenmauern, extensive Weinberge, Waldränder mit Baumstümpfen und offene Sandflächen. Überwinterung in frostfreien Erdhöhlen. Smaragdeidechsen legen Eier in unterirdischen Gelegen, die von den Weibchen bewacht werden. Mensch und Klimakrise gefährden Lebensraum Aussehen: Die Jungtiere sind unscheinbar mittelbraun gefärbt. Die erwachsenen Weibchen sind hellgrün, mit verschiedenen hellen Linien. Die Männchen sind ebenso grün, allerdings mit schwarzen Punkten und zur Paarungszeit im Frühjahr mit einem leuchtend blaugrünen Kopf. Neben dem Verlust ihres Lebensraums, u. a. durch Aufforstung oder klimatische Veränderungen, geht das größte Risiko für die hübschen Reptilien von der Isolation aus: Dadurch, dass sie in winzigen Populationen leben, kann beispielsweise ein einziger Waldbrand die gesamte Population für immer vernichten. Das heißt, ein Waldbrand an der falschen Stelle und die Östliche Smaragdeidechse in der Lausitz ist nur noch rauchende Geschichte. Und genau das ist das Problem: In den vergangenen Jahren haben die Waldbrände in der Lausitz aufgrund der trocken-heißen Sommer stark zugenommen. Das Reptil ist noch weiteren Gefahren ausgesetzt, doch mitunter weiß es es, sich zu helfen: Wie alle Eidechsen ist auch die Smaragdeidechse in der Lage, ihren Schwanz im Todeskampf mit Fressfeinden wie Katzen, Füchsen, Greifvögeln oder Schlangen abzuwerfen. Diesen Joker kann sie allerdings nur ein einziges Mal ausspielen. Viele ältere Tiere tragen deshalb einen verkürzten Schwanz, da die Schwanzwirbel nach Abwurf nicht mehr nachwachsen, sondern nur noch ein länglicher Knorpel gebildet wird. ■ Nahrung: Wie alle Eidechsen fressen sie kleine Insekten wie Ameisen, Käfer, Termiten und Raupen, aber auch Asseln, Spinnen und Würmer. Gefährdung: Die Westliche Smaragdeidechse ist auf der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft. Die Östliche Smaragdeidechse ist in Brandenburg und Bayern vom Aussterben bedroht. ■ Die Geschlechter sind vor allem in der Paarungszeit gut zu unterscheiden; die Männchen schmücken sich dann mit einem leuchtenden Türkis. DUH welt 2|2020 35 Wildbiene; © monikagi/Fotolia Helfen Sie mit! Natur und Umwelt brauchen einen starken Anwalt. Wir setzen uns ein für mehr Lebensqualität – bitte unterstützen Sie uns dabei: zz zz zz zz intakte Ökosysteme, Artenvielfalt und Wildnis saubere Luft und Klimaschutz Müllvermeidung und Recycling eine bezahlbare Energie- und Verkehrswende zz zz zz zz verantwortlicher Konsum und ökologische Produkte Umweltgerechtigkeit und „Grün“ in Kommunen die Durchsetzung von Verbraucherrechten eine gesunde und ökologische Lebensweise Machen Sie uns stark. Jetzt online Fördermitglied werden! Oder benutzen Sie unsere Coupons. www.duh.de/ foerdermitglied Vielen Dank! Deutsche Umwelthilfe e.V. | Fritz-Reichle-Ring 4 | 78315 Radolfzell | Tel. 07732 9995-0 | Fax 07732 9995-77 | info@duh.de | www.duh.de Unser Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft Köln | IBAN: DE45 3702 0500 0008 1900 02 | BIC: BFSWDE33XXX DUH welt 2|2020 36www.duh.de info@duh.de umwelthilfe
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