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Periodical volume

Full text: DUH-Welt Issue 2016,3

3/2016
Das Magazin der Deutschen Umwelthilfe und des Global Nature Fund

welt
www.duh.de; www.globalnature.org

Schluss mit dem
Verpackungsmüll!
Stickstoff:
Fluch und Segen
Lausitz: Wildnis
in Gefahr

Schreiadler
Es
stinkt willkommen
zum Himmel
welt 2/2016

1

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Tag
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-Becher.
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460.000 Einweg-K
(Quelle: Studie der Markt
nid)
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TNS
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forschungsgesell

Stündlich landen in De
utschland
ca. 320.000 Coffee-to-g
o-Becher
im Müll – also fast dre
i
Milliarden im Jahr.
(Quelle: Deutsche Umwe

lthilfe).

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Teilnahmebedingungen stehen online.)

Wir machen Bio aus Liebe.

Auf ein Wort

Prof. Dr. Harald Kächele
Bundesvorsitzender Deutsche Umwelthilfe e.V.

Liebe Leserin, lieber Leser,
die Deutsche Umwelthilfe weist schon seit vielen Jahren schon auf die illegalen
Tricks der Hersteller hin, mit denen Verbrauchs- und Abgaswerte manipuliert
werden. Vor einem Jahr hat dieser skandalöse Sachverhalt durch das engagierte
Vorgehen der US-Behörden im Fall Volkswagen einen entscheidenden Impuls
bekommen. In Deutschland dagegen taten Hersteller und Politik den Skandal
zunächst als Einzelfall ab. Doch die DUH hat selbst nachgemessen. Die Ergebnisse
machen deutlich, dass die Manipulation von Abgaswerten bei Dieseln praktisch
alle Hersteller betrifft.
Nach Auffassung der DUH behindert das Bundesverkehrsministerium bis heute
aktiv die Aufklärung des Diesel-Abgasskandals. Es ist weder bekannt, wie viele
Autos von VW seit letztem Jahr in Deutschland zurückgerufen und umgerüstet
wurden, noch hat eines der 630.000 Dieselautos anderer Hersteller, die laut Herrn
Dobrindt zurückgerufen werden müssten, die Werkstätten erreicht.
Auf diese Untätigkeit der politisch Verantwortlichen reagierten wir als erste und
bislang einzige Umweltschutzorganisation mit eigenen Messungen. Seit Mai
2016 untersuchen wir die Emissionen von Pkw im Straßenbetrieb. Wir fordern
bessere Kontrollen bei der Abgasreinigung und von der Bundesregierung verbindliche, amtlich verfügte Rückrufe, die sicherstellen, dass die Abgasreinigung
auf der Straße beim normalen Gebrauch des Fahrzeugs funktioniert.
Oder anders gesagt: Wir kämpfen für Ihr Recht auf saubere Luft! Erst Anfang
September haben wir eine Klage gegen das Land Nordrhein-Westfalen wegen
der schlechten Luftqualitätswerte in Düsseldorf gewonnen. Das Urteil, zu dem
Sie mehr in diesem Heft nachlesen können, ist bahnbrechend für eine Verbesserung der Luftqualität.
Unsere Arbeit, liebe Leserinnen und Leser, ist aufwändig und wäre ohne Ihre
Hilfe nicht möglich. Wie Sie uns unterstützen können – zum Beispiel mit einer
Spende oder Fördermitgliedschaft – erfahren Sie auf www.duh.de.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr

welt 3/2016

3

INHALT

Ein Jahr Dieselgate
6

SCHAUPLATZ

Bundesverkehrsminister wegsieht, verschmutW eilzenderimmer
noch hunderttausende Dieselfahrzeuge
die Innenstädte. Die DUH kämpft weiter für saubere Luft
– mit eigenen Messungen und Gerichtsverfahren in 16
deutschen Städten.

AKTUELL
08

Diesel-Fahrverbote unausweichlich?0

08

Hand in Hand-Fonds vernetzt seine Partner

08

Elektroschrott beim Händler abgeben

09

Umweltbildungsprojekt an Flüssen gestartet

09

Schulhof in Wiesbaden wird grün

09

So fahren Deutschlands Unternehmen

10
THEMEN
10

Es stinkt zum Himmel
Am 18. September jährte sich die Aufdeckung des DieselAbgasskandals. Mittlerweile hat die DUH eigene AbgasMessungen durchgeführt. Die Ergebnisse sind erschreckend.

12

Stickstoff – Fluch und Segen zugleich
Ständig greift der Mensch in den natürlichen StickstoffKreislauf ein. Daraus ist eine der größten Umweltbedrohungen der Erde entstanden.

14

Macht keinen Sinn
den ehemaligen Lausitzer Tagebauen ist fantastische
I nWildnis
entstanden. Genau hier will das Land Sachsen
Straßen und Schifffahrtswege bauen, die aber niemand
braucht. Die DUH steht der Natur zur Seite.

Gegenwart auf Pump
Supermärkte und Drogerien fördern eine Wegwerfgesellschaft,
die die Ressourcen von morgen verschwendet. Die DUH
fordert ein Ende der Verpackungsflut.

MAGAZIN

16

■
■
■
■
■
■

NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

■

Dem Schreiadler auf der Spur

ENERGIE
NATURSCHUTZ
KREISLAUFWIRTSCHAFT UND MEHRWEGSCHUTZ
VERKEHR
VERBRAUCHERSCHUTZ

Eine Exkursion ins Stettiner Haff.
16

■

Feuersalamander willkommen

17
Es knistert so schön
arm wird es uns ums Herz, wenn das Feuer im Ofen

W knistert. Doch leider ist der Rauch aus dem Holzfeuer oft
schadstoffhaltig. Das geht uns wirklich ans Herz… und an die
Atemwege. Lesen Sie unsere Tipps fürs richtige Heizen mit Holz!

Die DUH unterstützt ein Projekt für Lebensräume im
Thüringer Wald.
17

■

Wildnis ist die bessere Alternative

18

■

Die Natur hat viel zu bieten
Intakte Flüsse und Auen sind wertvolle
Landschaftselemente.

4

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23

INHALT

19

■

Lernort Weiße Elster

20

■

Gärtnern mit Blick aufs große Ganze
Der GNF informiert das Verkaufspersonal der
Gartenbranche über den Schutz der biologischen Vielfalt.

21

■

Wie nachhaltig ist das Fairphone 2?

22

■

Rückgabe: Energiesparlampe und Bauschaumdose

Energiewende, ja bitte. Aber warum hier?

22

■

Heizen mit Holz – Licht und Schatten

Zustimmung zur Energiewende auf der einen
G roße
Seite, Skepsis gegenüber Großprojekten auf der ande-

23

ren. Wie kann man Transparenz für Bürger schaffen und
Planungen verbessern? Die DUH forscht.

24

23

DUHmarkt
■

Forschen für die Energiewende
Die DUH untersucht, wie Akzeptanz und Transparenz
für Energiewende-Projekte geschaffen werden können.

25

■

Fit für den Klimaschutz
Die DUH und ihre Partner bieten Schulungen für
kommunale Berater an.

26

■

Die Mango-Retter
Der Hand in Hand-Fonds fördert ein Projekt in Kenia,
das Mango-Bauern in der biologischen Schädlingsbekämpfung unterstützt.

27

■

Wasser ist ein großes Thema
In einem kolumbianischen Dorf entwickeln der GNF
und seine Partner innovative Projekte für Abwasserreinigung und Trinkwasserversorgung.

21

UNBEKANNTE TIERART
28

Grün und fair?

Die mit den Farben spielen
Die Männchen der Bläulinge tragen meist kräftigere Farben
als die Weibchen. Aber nicht alle Arten sind blau.

es ein Smartphone, das man mit gutem Gewissen
G ibt
kaufen kann? Fairphone klingt prima, doch was genau
leistet diese Marke? Die DUH hat’s untersucht.

DUH INTERN
30

Mit Leidenschaft im Einsatz für lebendige Flüsse
Ökologischer Hochwasserschutz ist der Arbeitsschwerpunkt
von DUH-Projektmanagerin Sabrina Schulz.

MENSCHEN FÜR NATUR

28
Sensible Flieger

31

Ein letzter Gruß weist in die Zukunft

31

Termin: Wildnis in der Stadt: Tagung in Frankfurt am Main

31

Termin: Naturschutztage am Bodensee 2017

31

Impressum

arum gibt es immer weniger Schmetterlinge? Die Familie der Bläulinge weiß darauf eine Antwort. Wir
schildern ihre Geschichten in diesem Heft.

W

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SCHAUPLATZ

6

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3/2016

SCHAUPLATZ

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AKTUELL

Sieg vor Gericht

Kompliziert

Diesel-Fahrverbote unausweichlich?

Elektroschrott
beim Händler
abgeben

■ Das Verwaltungsgericht
Düsseldorf hat einer Klage
der Deutschen Umwelthilfe
gegen das Land NordrheinWestfalen wegen Überschreitung der Luftqualitätswerte in
der Landeshauptstadt Düsseldorf am 13. September 2016
stattgegeben. Grund für die
Klage war die noch immer
hohe Belastung der Luft mit
dem Schadstoff Stickstoffdioxid (NO2), der vor allem
von Diesel-Fahrzeugen ausgestoßen wird. Seit seiner Einführung im Jahr 2010 wurde
der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter NO2
an verkehrsnahen Messstationen der Landeshauptstadt im
Jahresdurchschnitt erheblich
überschritten. Das Gericht

■ Seit Ende Juli 2016 kön-

Verkehrsexperte Axel Friedrich (li.) und DUH-Bundesgeschäftsführer
Jürgen Resch (re.) drängen auf schnelle Umsetzung von Maßnahmen
zur Luftreinhaltung.

kam zu dem Ergebnis, dass
deshalb Diesel-Fahrverbote
nun so schnell wie möglich
auszusprechen seien. Mit diesem, in Deutschland bisher
einzigartigen Urteil, ebnet das

nen Verbraucher ihre alten
Elektrogeräte beim OnlineHändler oder im stationären
Handel kostenlos abgeben.
Das sogenannte Elektrogesetz
regelt dies. Wo das Gerät gekauft wurde, spielt dabei keine
Rolle. Kompliziert ist es aber
dennoch: Die Regelung betrifft
ausschließlich Kleingeräte, die
eine Kantenlänge von unter
25 Zentimetern aufweisen.

Gericht den Weg für Fahrverbote von Diesel-Fahrzeugen
auch in weiteren deutschen
Städten. Das Land NordrheinWestfalen kann gegen das Urteil Revision einlegen. (lh) ■

Von Mensch zu Mensch

Hand in Hand-Fonds vernetzt seine Partner
■ Vernetzung stärkt die Projektarbeit – dies war das Fazit
der Teilnehmer am Netzwerktreffen des Hand in HandFonds am 15. September 2016.
Rund 20 Vertreter von NGOs
in der Entwicklungszusammenarbeit und weitere Gäste
waren der Einladung nach
Bonn gefolgt, um Erfahrungen
auszutauschen. Sie bestätigten,
dass der Fonds dank schlanker
Antragsverfahren einen wichtigen Partner besonders für kleine, weitgehend ehrenamtlich
getragene Selbsthilfe-Projekte
darstellt. Dass persönliche
Kontakte und Vertrauen eine
wichtige Basis für eine gute Zusammenarbeit sind, betonten
die Teilnehmer und die Gastgeber mehrfach.
Rapunzel Naturkost und
die Deutsche Umwelthilfe
wollen auch in Zukunft solche
Treffen anbieten. Gesprächs-

8

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bedarf gibt es, etwa um Forschungsergebnisse besser in
die Praxis einzubinden oder

über den Wissenstransfer zwischen Ländern des globalen
Südens. (jk)
■

Die Partner arbeiten mit Selbsthilfe-Initiativen in Lateinamerika,
Afrika und Asien zusammen.

Elektro-Altgeräte gehören nicht
in den Hausmüll.

Darunter fallen beispielsweise elektrische Zahnbürsten,
Toaster oder ausgediente Rasierapparate. Größere Geräte
müssen nur beim Kauf eines
artgleichen Geräts zurückgenommen werden. Noch etwas
erschwert die Rückgabe: Von
der Rücknahmepflicht sind
ausschließlich Händler betroffen, deren Verkaufs- bzw.
Versand- und Lagerfläche für
Elektrogeräte mindestens 400
Quadratmeter groß ist. Mit dieser Regelung fallen viele Abgabemöglichkeiten – etwa bei
Discountern – raus. Die DUH
kritisiert, dass sich mit dieser
schwer nachprüfbaren Einschränkung viele Händler vor
der Rücknahmepflicht drücken
könnten. DUH-Testbesuche
bei 45 Handelsunternehmen
zeigen: Bisher setzt keiner der
Händler das Gesetz verbraucherfreundlich um. (lh)
■

AKTUELL

Anderes Lernen

Gutes Klima?

Umweltbildungsprojekt an Flüssen gestartet

So fahren
Deutschlands
Unternehmen

■ Die Siebtklässler des Gymnasiums Norf in Neuss haben
am 12. September 2016 das
Klassenzimmer gegen einen
Tag am Wasser eingetauscht.
Die Exkursion war Teil des
DUH-Projekts „River Links –
4x4 Flussverbindungen“. Es
verbindet vier Schulen im gesamten Bundesgebiet, die sich
gemeinsam mit anderen Initiativen über zwei Jahre hinweg
vernetzen und mit den Herausforderungen des Gewässerschutzes in der globalisierten
Welt auseinandersetzen.
Die Gymnasiasten aus
Neuss erkundeten den Norfbach direkt am Schulgelände

und radelten anschließend
zur Erft. Dort entnahmen sie
Wasserproben und lernten
spielerisch etwas über die
Geschichte des Flusses, der
durch Neuss fließt. Hat sich
der Flusslauf der Erft im Laufe
der Zeit verändert? Wie wirken Baumaßnahmen auf die
Erft? Und wie beeinflusst der
Fluss unser alltägliches Leben?
Diesen und weiteren Fragen
sind die Schülerinnen und
Schüler nachgegangen. Astrid Hölzer, Projektmanagerin
bei der DUH, hat die Klasse
an dem Projekttag begleitet.
Das Wissen, das die Jugendlichen in dem Projekt sammeln,

wird kontinuierlich im Unterricht erweitert. Darüber hinaus
tauschen sich die Neusser mit
drei weiteren Schulklassen aus
Niedersachsen, Thüringen und
Bayern aus und arbeiten gemeinsam an einem Blog. Ziel
ist es, die Medienkompetenz
der Jugendlichen zu fördern
und sie zum vernetzten Denken und Handeln anzuregen. Der lokale Bezugspunkt
„Fluss“ dient als Brücke für
globale Fragen der sozialen
Nachhaltigkeit und Umweltgerechtigkeit. Durch den Austausch mit einer Gruppe aus
Indien sollen die Jugendlichen
neue Perspektiven auf das Thema Konsum, Textilhandel und
Gewässerschutz erhalten.
Mit dem Projekt kombiniert die DUH klassische Ansätze der Naturerlebnis- und
Umweltpädagogik mit der
Methodenvielfalt der Bildung
für nachhaltige Entwicklung,
des Globalen Lernens und der
politischen Bildung zu einem
innovativen Konzept. (akm) ■
Förderer:

Exkursion an die Erft: Schülerinnen aus Neuss
und DUH-Projektmanagerin Astrid Hölzer.

Foundation

■ Die DUH hat zum siebten Mal
börsennotierte und ausgesuchte
mittelständische Unternehmen
nach ihren Dienstwagen befragt.
Von Mai bis September 2016
wurden 193 Unternehmen zu
den vier Kriterien Dienstwagen des Vorstandsvorsitzenden,
durchschnittlicher CO2-Ausstoß
der Vorstandsflotte und der gesamten Pkw-Flotte sowie Mobilitätsstrategie angeschrieben. Aufgrund der aktuellen Erkenntnisse
aus dem Abgas-Skandal, wonach
offensichtlich alle bisher untersuchten Diesel-Pkw mit einer
Abschaltvorrichtung die Abgasemissionen auf der Straße stark erhöhen, verzichtet die DUH dieses
Jahr auf die Bewertung von Diesel-Fahrzeugen. Nur vier „Grüne
Karten“ gab es für Nicht-DieselFahrzeuge: Die Dienstwagen der
Vorstandsvorsitzenden der Unternehmen Tchibo, J. Schmalz, Frosta und SMA Solar Technology fuhren mit weniger als 124 Gramm
CO2 pro Kilometer. Leider verweigert auch in diesem Jahr eine
Großzahl der Unternehmen die
Angaben und glänzte durch Intransparenz. (lh)
■

Umgekrempelt

Schulhof in Wiesbaden wird grün
■ Am ersten Schultag nach den
Sommerferien war die Freude
an der Friedrich-Ludwig-JahnGrundschule in Wiesbaden
groß: In der Ferienzeit hat die
Umgestaltung des Schulhofes
begonnen. Bagger waren angerollt, der Asphalt wurde entfernt,
ein Atrium aus Steinquadern
gebaut und neue Klettergeräte
aufgestellt. Die Schülerinnen
und Schüler fiebern nun dem
Herbst entgegen, denn sie werden selbst bei den Pflanzarbei-

ten mit anpacken. Bäume und
Sträucher sollen den alten grauen Hof mitten im eng bebauten
Stadtteil endgültig in eine grüne

Erlebnis-Oase verwandeln. Die
Wiesbadener Grundschule zählt
zu den drei Modellschulen, die
im Rahmen der Initiative „dein-

Hier entsteht ein Atrium, das als Außen-Klassenzimmer
und zugleich als Pausenraum dienen soll.

Schulhof“ von der DUH und der
Stiftung Lebendige Stadt ausgewählt worden sind. Im kommenden Schuljahr wird sich auch auf
dem Außengelände der Buchenbergschule in Bad Doberan und
der Hans-Fallada-Schule in Berlin viel tun. Jede Modellschule
erhielt 20.000 Euro Fördermittel
für die Umgestaltung. (sw)
■
Projektpartner:

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9

THEMEN

Auch ein Jahr nach Bekanntwerden der Abgasmanipulationen bei Volkswagen verschmutzen
hunderttausende Dieselfahrzeuge deutsche Innenstädte. Weil Bundesverkehrsminister Dobrindt
weiterhin wegsieht, hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eigene Abgasmessungen durchgeführt.
Die Ergebnisse sind erschreckend.
■

von Daniel Hufeisen

m 18. September 2015 löste sich
der von Automobilindustrie und
Politik herbeigeredete Mythos
vom sauberen Diesel in Luft auf. Oder
besser gesagt in abgasverseuchten Rauch.
Die DUH hatte seit Jahren immer wieder
darauf aufmerksam gemacht, dass beim
Realbetrieb von Diesel-Pkw deutlich
höhere Schadstoffemissionen auftreten,
als der Grenzwert erlaubt. Verantwort-

A

10

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liche Politiker hatte sie deshalb immer
wieder zum Handeln aufgefordert. Der
Abgasskandal brachte anfangs nur das
Unternehmen Volkswagen in den USA
in Erklärungsnot. Durch Messungen der
DUH war jedoch bald klar, dass praktisch
alle Hersteller von Diesel-Pkw bei der
Abgasreinigung betrügen. Damit sind sie
für tausende Todesfälle und zehntausende Erkrankungen verantwortlich.

Vom Labor auf die Straße
Im Frühjahr 2016 – knapp sechs Monate
nach Bekanntwerden des Abgasskandals
– gründete die DUH das „Emissions-Kontroll-Institut“ (EKI). Ziel ist es herauszufinden, ob die Fahrzeuge wie vorgeschrieben auch unter normalen Fahrbedingungen – also außerhalb des Labors – die
Abgasvorschriften einhalten. Mit mobilen

THEMEN

Körperverletzung mit Todesfolge
Trotz dieser offensichtlichen Missstände
hält Verkehrsminister Dobrindt wichtige
Messergebnisse seiner Behörde weiterhin unter Verschluss und gibt sich mit
freiwilligen Serviceleistungen der Hersteller zufrieden. Deren Wirkung aber
ist gleich Null.
Für DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch zeigt der Diesel-Abgasskandal
Züge einer „organisierten Kriminalität“.
„Es geht nicht um die Verfehlungen
einzelner Ingenieure in den jeweiligen
Konzernen, sondern um ein ganz offensichtlich zwischen den Herstellern abgesprochenes Verhalten, eine nur kurzzeitig
wirksame Abgasreinigung zu verbauen,
um Kosten zu sparen – mit voller Kenntnis der katastrophalen Folgen für die
Gesundheit von Millionen Menschen.“
Resch wirft den Konzernchefs der Autoindustrie vorsätzliche Körperverletzung
mit Todesfolge in vielen tausend Fällen
und der Bundesregierung Beihilfe vor.

Fahrverbote für Diesel
werden kommen

Geräten (englisch: Portable
Emission Measurement System, kurz PEMS) untersuchen
Mitarbeiter der DUH unter
Anleitung des Verkehrsexperten Axel Friedrich den Ausstoß von Stickoxiden (NOx)
und Kohlenstoffdioxid (CO2).
Inzwischen hat die DUH umfangreiche Straßenmessungen an Pkw der
Euronorm 6 verschiedenster Hersteller
vorgelegt. Der Schwerpunkt lag auf den
TOP 30 der meistverkauften aktuellen
Diesel-Modelle. Gemessen wurden aber
auch Benziner und Benzin-Hybride.
Die Ergebnisse: 33 von 36 gemessenen
Diesel-Fahrzeugen überschreiten die
Stickoxid-Grenzwerte auf der Straße.
Teilweise stießen sie neunmal mehr giftiges NOx aus als erlaubt.

Die DUH kämpft weiter für saubere Luft in deutschen
Städten. Gegen den Widerstand einer Industrie, die ihren Profit
über das Wohl der
Menschen stellt
und gegen Politiker, die sich mit
den Autobossen
verbrüdern. Zur Zeit
geht die DUH in 16
Verfahren juristisch ge-

» Die Autobosse
betreiben
vorsätzliche Körperverletzung mit
Todesfolge in vielen
tausend Fällen. «
Jürgen Resch,
DUH-Bundesgeschäftsführer

gen zuständige Behörden in vier Bundesländern vor. Anfang September konnte
sie einen bahnbrechenden Etappensieg
erringen.
Wegen Überschreitung der Luftqualitätswerte in der Landeshauptstadt Düsseldorf hatte die DUH gegen das Land
Nordrhein-Westfalen geklagt – und bekam jetzt Recht. Anfang September erklärte das Verwaltungsgericht Düsseldorf,
man könne nicht auf die Einführung einer
Blauen Plakette durch den Gesetzgeber
warten. Fahrverbote für Dieselfahrzeuge
seien so schnell wie möglich auszusprechen. Das rechtliche Instrument dafür
gibt es schon – in Form des Einfahrverbotszeichens mit einem Zusatzschild,
welches das Einfahrverbot für Dieselfahrzeuge regelt.
Während es sich Herr Dobrindt auch
ein Jahr nach Dieselgate immer noch
auf dem Beifahrersitz der Autohersteller gemütlich macht, handelt die DUH.
Sie wird weiter Abgasmessungen auf der
Straße durchführen und vor Gericht für
das Recht auf saubere Luft kämpfen.
Hier erfahren Sie mehr über die Abgasmessungen der DUH: http://l.duh.de/eki

Die DUH misst
die Abgase von
Pkw im echten
Fahrbetrieb.

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THEMEN

Fluch und Segen zugleich
Ein Stoff, der das Stickige in seinem
Namen trägt, ist eng mit unserer
Atemluft verknüpft. Auch für das
Artensterben spielt er eine immense
Rolle. Stickstoff in schädlichen
Verbindungen zählt zu den größten
Umweltbedrohungen unserer Erde.
■

O

hne das große N geht gar nichts auf unserem Planeten. Der
Buchstabe steht in der Chemie für Stickstoff, ein wandelbares Element. Als Luftstickstoff atmen wir ihn ein; seine
Abkömmlinge – die Stickstoffverbindungen – sind Grundbausteine des Lebens, zum Beispiel für die Erbsubstanz DNA oder
für Proteine, aus denen Körpergewebe wie Muskeln und Haut
aufgebaut sind. Doch diese Stickstoffverbindungen sind Fluch
und Segen zugleich: Einerseits lebenswichtige Nährstoffe, andererseits aber auch gefährliche Schadstoffe.

12

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von Jutta Kochendörfer und Doreen Volsdorf

Wann wird Stickstoff zum Problem?
In der Natur sind reaktive Stickstoffverbindungen ein kostbares
und knappes Gut. Erst durch den Menschen gelangt immer
mehr reaktiver Stickstoff in die Umwelt und dieser Überschuss
schädigt Böden, Gewässer, Artenvielfalt, Klima und die menschliche Gesundheit.
Allen voran sind Tierhaltung und synthetische Düngemittel
die Quellen schädlicher Stickstoffverbindungen. Zu etwa zwei

THEMEN

Dritteln trägt die Landwirtschaft zum Stickstoffüberschuss weltweit bei. Als vor etwa hundert Jahren ein industrielles Verfahren
entwickelt wurde, um aus Luftstickstoff Mineraldünger herzustellen, ahnte man wohl kaum, dass dies kein purer Segen ist.
Nicht allein synthetische, sondern auch organische Dünger
wie Gülle, Mist und Kompost belasten Böden, Wasser und Luft.
Bei jeder Düngung spielt der Pflanzennährstoff Nitrat (NO3)
eine Rolle. Ein Zuviel an Nitrat schadet den Lebensräumen
empfindlicher Tier- und Pflanzenarten. Niederschläge schwemmen das wasserlösliche Salz aus den Böden in Flüsse, Seen und
Ozeane. Mancherorts sind Grund- und Oberflächenwasser so
stark nitratbelastet, dass die Grenzwerte überschritten werden:
Hier ist die Trinkwasserversorgung in Gefahr. In stickstoffreichen
Böden bilden Mikroorganismen Lachgas (N2O) – einen Klimakiller, der die Ozonschicht zerstört und den Schutz vor ultravioletter Strahlung mindert. Auch Ammoniak (NH3) entweicht
aus reich gedüngten Böden. Das stechend riechende Gas ist
giftig und wirkt als Vorläufersubstanz von sekundärem Feinstaub äußerst folgenschwer. Einmal freigesetzt, verbindet sich
Ammoniak in der Luft mit anderen Gasen – hierbei entstehen
Feinstaub-Partikel. Sie erhöhen das Risiko für Herzkreislaufund Atemwegserkrankungen, reduzieren die Lungenfunktion
und verursachen Krebs. Das Umweltbundesamt geht davon
aus, dass in Deutschland seit 2007 jedes Jahr durchschnittlich
45.300 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub verursacht werden.

Wer befeuert das Stickstoff-Problem?
Neben der Landwirtschaft, aus der über 65 Prozent des Stickstoffüberschusses kommen, liefern Verkehr, Industrie- und Energiewirtschaft sowie Abfall- und Abwasserbehandlung einen
Anteil von jeweils zehn bis fünfzehn Prozent. Durch sämtliche
Verbrennungsprozesse verursacht der Mensch schädliche Stickstoffverbindungen. Wo Kohle verstromt wird, Öl und Erdgas in
der Industrie oder in Haushalten brennen, wo Autos, Schiffe
oder Lkw fahren, verbindet sich das N mit dem O: Stickstoff

und Sauerstoff reagieren zu Stickoxiden (NO und NO2) und
gefährden unsere Gesundheit und unser Klima. Das aggressive
Stickstoffmonoxid (NO) verätzt die Atemwege und blockiert den
für den Sauerstofftransport lebenswichtigen roten Blutfarbstoff.
Für die hohen NO2-Belastungen in vielen deutschen Städten
sind vor allem Dieselfahrzeuge verantwortlich. Doch auch die
Nutzung von Biomasse als Energieträger trägt zum Stickstoffüberschuss bei.

Uns geht’s ums Ganze!
Die Politik hat bislang kaum dafür gesorgt, dass die bestehenden
Gesetze zur Stickstoffminderung eingehalten werden. Daher
begrüßen wir das Vorhaben von Umweltministerin Hendricks,
eine nationale Stickstoffminderungsstrategie zu entwickeln.
Die DUH fordert Maßnahmen in allen Sektoren, um den Stickstoffkreislauf wieder in ein umweltverträgliches Gleichgewicht
zu rücken. Nur durch gemeinsame Anstrengungen kann dies
gelingen. Aus Sicht der DUH müssen Instrumente, Grenzwerte
und Verfahrenstechnologien angepasst und weiterentwickelt,
vor allem aber auch angewendet werden.

Darf’s ein halbes Schnitzel sein?
Jeder kann helfen, den Stickstoffüberschuss zu mindern. Immer
wenn wir die Fleischportion halbieren, wenn wir Pflanzliches
statt Eier und Milchprodukte essen, wenn wir Lebensmittelabfälle
vermeiden, unsere Mobilität umweltschonend gestalten oder
Wärme und Strom bewusst und effizient nutzen, entlasten wir
das unheilvolle Geschehen rund um das große N.
■
Förderer:

Bild links: Keine grüne Tinte, sondern Algenblüte in der Ostsee:
Im Sommer kommt es bei Nährstoffüberangebot im aufgewärmten
Wasser zur massenhaften Vermehrung von pflanzlichem Plankton.

Der Mensch verursacht einen Stickstoff-Überschuss
Klimaerwärmung, Schädigung der Ozonschicht
Lachgas (N2O)

Lachgas (N2O)
Stickoxide (NOx)
Ammoniak (NH3)
Grafik: DUH (Quelle: Bundesamt für Umwelt BAFU, Schweiz)

Ammoniak (NH3)
Ammonium (NH4)

Verbrennungsprozesse
Stickoxide (NOx)

Gesundheitliche Schäden
durch Stickoxide, Feinstaub
und Ozon in Bodennähe

Landwirtschaft

Landlebensräume
Ammoniak (NH3)
Verlust von Biodiversität
an Land und in Gewässern

Nitrat (NO3)

Abwasser
und Müll
Nitrat (NO3)

Nitrat (NO3)

Lebensraum Meer

Fließgewässer
und Seen
Grundwasser

Sinkende Trinkwasserqualität

Überdüngung
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13

THEMEN

auf Pump

Noch nie hat die Menschheit so verschwenderisch gelebt wie heute.
Wasser-, Energie- und Rohstoffverbräuche steigen immer weiter an.
Am gewaltigen Ressourcenhunger haben vor allem Supermärkte
und Drogerien einen bedeutenden Anteil. Sie fördern eine Wegwerfgesellschaft, die die Ressourcen von morgen verschwendet.
■

von Laura Holzäpfel

E

r kommt immer früher – der Tag, an
dem die Erde alle ist. Am Welterschöpfungstag sind die natürlichen
Ressourcen, die die Erde innerhalb eines
Jahres regenerieren kann, aufgebraucht.
Seit diesem Tag bis zum Jahresende leben
wir also auf Pump. Von dem, was eigentlich der Zukunft gehört. Eigentlich. Denn
trotz erschöpfter Welt machen wir einfach

14

welt 3/2016

weiter wie zuvor. Autofahren, einkaufen,
duschen. Als wäre nichts passiert.
Dieses Jahr fiel der Earth Overshoot
Day, wie er international heißt, bereits auf
den 8. August. Premiere! Noch nie waren
wir schneller im Verbrauchen von Ressourcen. 2015 reichte der rechnerische Vorrat
immerhin noch eine Woche länger, bis
zum 13. August.

Plastiktüten, Folien,
unnötige Verpackungen
In unserem Alltag bedienen wir uns an
den Regalen von Supermärkten und Drogerien. Windeln für die Kleinen, Häppchen für den Abend mit Freunden, Haustierfutter in Dosen. Die Verpackungen für
all diese Dinge verursachen Tag für Tag
unglaublich viel Müll. 17,1 Millionen
Tonnen Verpackungsmüll fallen jährlich
in Deutschland an. Gigantische Mengen,
die falsch entsorgt auch in Seen, Flüssen
und Ozeanen landen. Wie viel Plastikmüll in unseren Ozeanen schwimmt,
lässt sich selbst vom Weltraum aus erkennen. Der große pazifische Müllstrudel
ist zwei Mal größer als Deutschland. Die
Meere ertrinken in unserem Abfall.

THEMEN

20 Prozent weniger
gehen schon heute

Öko-Etikett für Lebensmittel?

Laut einer Studie des Wuppertal Instituts
ist ein deutlich effizienterer Umgang
mit Ressourcen bereits heute möglich.
Denn es gibt sie bereits, die umweltverträglicheren Alternativen. Ein Anfang wäre der Umstieg auf Getränke in
Mehrwegflaschen, unverpacktes Obst
und Gemüse, Verpackungen aus Recyclingmaterial, komprimierte Deodorants
oder konzentrierte Waschmittel.
Allein der Wille zur Umsetzung
fehlt, wie eine aktuelle Studie der
DUH belegt: Ressourcenschutz spielt
im Handel kaum eine Rolle. Doch Ignoranz können wir uns schon längst
nicht mehr leisten. Was wir brauchen
sind Strategien mit konkreten Zielen
und Maßnahmen. Und auch der Kunde
braucht die Information dort, wo er sich
entscheidet – am Regal.

Einen Vorstoß machte Anfang September
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Der Vorschlag: Lebensmittel und
Elektrogeräte, die besonders viele oder
seltene Ressourcen verbrauchen, sollen
ein zweites „Preisschild“ bekommen. Im
Falle von Lebensmitteln würde der Kunde dann auf einem gesonderten Etikett
darüber informiert, dass beispielsweise
Rindfleisch aus Massentierhaltung besonders viele Ressourcen in der Herstellung
benötigt. Wirklich interessant wird dieser
Vorschlag allerdings erst, wenn aus der
Idee auch eine Pflicht wird. Und wenn
nicht nur das Produkt, sondern auch der
Ressourcenverbrauch der Verpackung
mit abgebildet würde. Dann erst sehen
wir den wahren Preis unseres Konsums.
Einen Preis, den wir schon längst nicht
mehr selbst zahlen können und ihn ungefragt unserer Zukunft aufbürden. Für
eine Gegenwart auf Pump.
■

Grafik: Pietro Bruni

Die Herstellung all dieser Produkte und
Verpackungen frisst wertvolle Ressourcen.
Supermärkte und Drogerien haben einen
enormen Einfluss auf diesen verschwenderischen Umgang. Sie bestimmen, was
in ihren Regalen landet. Bei ihren Eigenmarken können sie darüber hinaus ganz
allein über Herstellung, Präsentation und
Verpackung entscheiden. Die Deutsche
Umwelthilfe fordert mit der Kampagne
„Weniger ist mehr – Schluss mit dem
Müll“ ein Ende der Verpackungsflut. Die
DUH-Petitionen an den Discounterriesen Lidl und den Drogerie-Marktführer
dm haben hunderttausende Verbraucher
unterzeichnet weil sie spüren, dass etwas
gewaltig schief läuft. Dabei könnte bereits
heute und ohne große Probleme Abhilfe
geschaffen werden.

welt 3/2016

15

MAGAZIN
Moorfröschen und kleinen Ahornsprösslingen, aus denen mal stattliche Baumriesen
werden“, sagt Marion bei türkischer Linsensuppe und Bockwurst. Sie und neun andere
Leser des Nordkuriers hatten bei einem Preisausschreiben der Zeitung mitgemacht und
den Tagesausflug gewonnen.
Wem die Wanderfüße glühten, der freute
sich vor allem auf den letzten Programmpunkt
des Tages. Mit zwei Solarbooten ging es die
Peene hinauf. „Hier verbirgt sich ein wahres
Idyll“, erklärt Günther Hoffmann von Abenteuer Flusslandschaft, einem Netzwerk von
Anbietern, das sich um naturverträglichen Tourismus im Peenetal bemüht. „Mit etwas Glück
bekommt man in der Abenddämmerung Biber,
Fischotter und auch Eisvögel zu sehen. Das
Peenetal kann mit seinen vielen seltenen Tierund Pflanzenarten durchaus mit klassischen
Safaris mithalten.“ Tatsächlich präsentierte sich
das Peenetal an diesem Tag im schönsten Sommerkleid und entließ die Gruppe mit vielen
neuen Eindrücken in den lauen Abend. (lh) ■
Dieser Ausflug fand im Rahmen des Krombacher Artenschutz-Projektes statt, das mit
1,8 Millionen Euro Erlös den Schutz heimischer
Arten unterstützt. Für ihre Naturschutzarbeit
hat die Deutsche Umwelthilfe über 870.000
Euro aus dem Projekterlös bekommen.

■ NATURSCHUTZ

Dem Schreiadler auf der Spur
Im Norden Deutschlands, am wilden Stettiner Haff, da gibt es ihn noch:
den Schreiadler. In den Baumkronen von Stieleichen und Rotbuchen
zieht er seine Jungen auf. Im Rahmen des Krombacher ArtenschutzProjektes machen sich die DUH, der NABU und zehn naturbegeisterte
Gäste auf seine Spur.

B

is auf den moosbewachsenen
Waldboden reichen die Sonnenstrahlen an diesem heißen Augusttag.
Mit Wanderschuhen an den Füßen
und fernglasbehängt trifft sich die
kleine Gruppe mit Stefan Schwill im
Naturschutzgebiet Karlsburger und Oldenburger Holz in Mecklenburg-Vorpommern. Als Naturschutz-Experte der
DUH und des NABU kennt sich Stefan
Schwill bestens aus im 422 Hektar großen Naturschutzgebiet. Er weiß, wie
man sie erkennt. Die Adler, die alle hier
beobachten wollen. „Achtet vor allem
auf die stark gefiederten Handschwingenspitzen“, erklärt Schwill gleich zu
Beginn und breitet seine Arme mit den

16

welt 3/2016

Ellenbogen nach oben gestreckt aus.
„Anders als beim nur wenig kleineren
Bussard sind die Flügel leicht nach unten
gebogen. Das ist die typische Flügelform
des Schreiadlers im Segelflug. Die kann
man von unten gut erkennen.“ Dann
geht sie los, die Reise ans Haff.

Mit dem Solarboot auf der Peene
Nach zwei Stunden Waldwanderung
kehrt die Gruppe am Ufer der Peene
ein. Die ausgesprochen seltenen Schreiadler flogen zwar nicht, doch gab es
vieles andere zu entdecken. „Es ist
schön zu sehen, dass es noch solche
beeindruckenden Naturwälder gibt. Mit

■ ARTENSCHUTZ

Feuersalamander
willkommen

A

n die Quellbäche im Thüringer
Wald soll die Natur zurückkehren.
Die DUH unterstützt die Naturstiftung
David hier bei einem Projekt, das dem
Feuersalamander und anderen Bachbewohnern hilft. In den Bachtälern sollen
Fichten entfernt und durch standortgerechte Gehölze ersetzt werden. Denn
Fichtennadeln sind keine geeignete
Nahrung für Wasserorganismen. Auch
Wanderhindernisse in Fließgewässern
will man beseitigen. (jk)
■
In Deutschland ist der
Feuersalamander Lurch
des Jahres 2016.

MAGAZIN
■ NATURSCHUTZ

Wildnis ist die bessere Alternative
In der Lausitz hat die Braunkohleförderung eine lange Tradition. Vor 1989
wurde das „braune Gold“ hier in großen Mengen abgebaut, nach der
Wende gingen die Fördermengen zurück. Danach haben seltene Arten das
menschenleere Gebiet erobert – doch nun droht die Sanierung.

A

ls nach der Wende in der DDR
der Bedarf an Braunkohle als
Energieträger sank, wurden im Lausitzer Revier viele Tagebaue geschlossen.
Zurück blieben Tagebaurestlöcher und
Kippen – die Bergbaufolgelandschaften.
Charakteristisch für sie ist eine mosaikartige Struktur von Lebensräumen. Trockene und feuchte Standorte wechseln
sich hier ab: Magerrasen, nährstoffarme
Rohböden, Tümpel und Bergbauseen
mit Steilböschungen. „Dies macht die
Landschaft für viele bedrohte Arten interessant, die in der Kulturlandschaft kaum
noch überleben können“, erklärt Ulrich
Stöcker, Leiter Naturschutz der DUH.
Auf den Rohböden leben Wechselkröte
und der Wiener Sandlaufkäfer. Auch die
Sandstrohblume findet geeignete Stand-

» Auf den Sperrflächen
der Lausitz gibt es ein
enormes Entwicklungspotential für Wildnis.
Wir wollen die Politik
davon überzeugen, der
Natur hier ihren Lauf
zu lassen. «

orte. Die Tagebauseen sind Schlafplätze
für Tausende Kraniche und Wildgänse.

gen Boden mit Rüttelmaschinen zu verdichten. Die sanierten Flächen sollen anschließend als Acker, Grünland und Forst
dienen. Auch Straßen und Schifffahrtswege
sollen entstehen – dafür möchte das Land
Sachsen bis zu einer Milliarde Euro Bundesmittel einwerben.
„Auf den Sperrflächen der Lausitz gibt
es ein enormes Entwicklungspotential für
Wildnis. Wir wollen die Politik davon
überzeugen, der Natur hier ihren Lauf
zu lassen“, erklärt Stöcker. Nach seiner
Einschätzung brauchen weder die heimische Wirtschaft noch der Tourismus
solche Verkehrswege. „Ob Land- und

Sinnloses
Sanieren

Mehrere Tausend Hektar Wildnis retten

Seit die Pumpen in
den Tagebauen ruhen,
■ Wir möchten das Land Sachsen von einer naturfreundlichen
bahnt sich ansteigenLösung überzeugen, die zugleich kostengünstiger ist: Die aus
des Grundwasser wieSicht des Naturschutzes wertvollsten Gebiete, die wirtschaftlich
der seinen eigenen
ohnehin schlecht nutzbar sind, sollen dauerhaft gesperrt bleiWeg. Auf manchen
ben. Am Rand sollen Aussichtspunkte errichtet werden, damit
Flächen verflüssigt
ein nachhaltiger Naturtourismus die Wirtschaft in der Region
belebt – und das alles für einen Bruchteil der anvisierten eine
sich der Boden, was
Milliarde Euro Steuergelder.
seit 2010 bereits geDie Chancen stehen gut! Wir müssen sie nutzen und mögwaltige Erdrutsche
lichst
zügig geeignete Wildnisentwicklungsgebiete in der
und Grundbrüche
Lausitz definieren. Bitte unterstützen Sie uns dabei mit Ihrer
zur Folge hatte. Die
Spende oder einer Fördermitgliedschaft! Denn nur mit durchLausitzer und Mitteldachten und wirtschaftlich tragbaren Vorschlägen werden wir
deutsche Bergbaudie wichtigen Partner in der Region
Verwaltungsgesellüberzeugen können. ■
schaft sperrte daraufhin große Areale,
um Personen- und
Sachschäden zu verhindern. Über 30.000
Hektar Bergbaufolgeflächen sind in der
Forstwirtschaft auf den sanierten Flächen
Lausitz nicht befahr- oder begehbar. Um
Fuß fassen werden, ist äußerst fraglich.
sie entsprechend den Vorgaben des BergDenn die Bodenverhältnisse bleiben unrechts wieder nutzbar zu machen, wäre
günstig“, erklärt der DUH-Naturschutzes notwendig, das wieder ansteigende
experte. „Die Steuergelder könnte man
Grundwasser abzuleiten und den sandiwoanders sinnvoller einsetzen.“ (jk, gs) ■

ns!
u
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S
n
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f
l
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Bitte

Ulrich Stöcker, DUH

Dynamischer Lebensraum
für seltene Tier- und
Pflanzenarten.

Birken in einem neu
entstandenen See.

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MAGAZIN
■ LEBENDIGE FLÜSSE

Die Natur hat viel zu bieten
Seit Jahrhunderten versucht der Mensch, Bäche und Flüsse zu kontrollieren.
Dabei geht einerseits wertvolle Natur verloren und andererseits führen FlussVerbauungen oftmals gar nicht zu der ersehnten Sicherheit vor Hochwasser.

erspart. Zudem entlasten feuchte Wiesen und Wälder das Klima, indem sie
Kohlendioxid binden. Nicht zuletzt tut
die Natur auch dem Menschen gut: Spaziergänger, spielende Kinder, Kanufahrer
und Angler genießen die Nähe zum lebendigen Nass.

Der Kampf gegen
Hochwasser-Katastrophen
Schneeschmelze, starke Regenfälle und
Hochwasser gehören zum natürlichen Jahreslauf. Zur Katastrophe werden sie dort,
wo der Mensch dem Fluss zu nahe kommt.
Wenn sich schlammiges Flusswasser über
Siedlungen, Straßen und Industriegebiete
ergießt, drohen schwere Schäden. Auenbereiche mit solch einer Nutzung brauchen
Schutz vor Hochwasser.
Lange Zeit galten Deiche und Flutmauern, künstliche Vertiefungen des
Fließgewässers, Talsperren und Rückhaltebecken als wichtigste Maßnahmen.
Doch sie alle stören den Naturhaushalt
massiv und sind nachweislich eine Ursache für das Artensterben. Wo Nebengerinne an den Zuflüssen verloren gegangen sind und der Fluss in ein gerades
Bett gezwängt wurde, birgt dies weitere
unselige Folgen: Jede Flutwelle wird hö-

D

as Kanalisieren und Betonieren
hat eine lange Tradition. Vor etwa
200 Jahren hat man in Mitteleuropa
begonnen, Flusslandschaften systematisch umzugestalten. Es galt, unwirtliche
Sümpfe trocken zu legen und fruchtbares
Schwemmland für Äcker zu gewinnen.
Man begradigte Flüsse und vertiefte die
Fahrrinnen für Schiffe. Hinzu kamen
Bauwerke wie Deiche, Flutmauern und
Talsperren. All diese Eingriffe prägen heute das Gesicht unserer Flüsse. Sabrina
Schulz, DUH-Projektmanagerin im Naturschutz sagt: „Ein Umdenken ist an der
Zeit. Wir sollten die Natur als produktive
Kraft einbinden, denn sie hat so viel zu
bieten.“

Ein Fluss ist ewig jung
Wo Flüsse frei fließen dürfen, gestalten
sie die Landschaft. Ökologen bezeichnen dies als Eigendynamik. Sie lässt ein
einzigartiges Mosaik von Lebensräumen
entstehen: Stillbereiche im Fluss, in denen die Larven von Fischen heranwach-

18

welt 2/2016
3/2016

sen; Kiesinseln, die von Pionierpflanzen
wie Rohrglanzgras oder bestimmten
Knöterich-Arten erobert werden; steile
Abbruchkanten, in denen der Eisvogel
nistet; Stromtalwiesen, die in jedem Frühjahr überflutet sind. Lässt man die Natur
gewähren, siedeln sich in feuchten Uferbereichen nach und nach Weiden, Erlen
und Eichen an – ein Auwald entsteht. All
diese Lebensräume, die ein Fluss kreiert,
sind keine dauerhaften, sondern verjüngen sich stetig. „Jede Pfütze ist kostbar“,
weiß Schulz. Denn jedes kleine Biotop,
das ein Fluss schafft, dient Tieren und
Pflanzen als Heimat. Dank der Vielzahl
an unterschiedlichen Lebensraum-Typen
auf engem Raum, sind naturnahe Flusslandschaften ein einzigartiger Hotspot
für Arten: Zwei Drittel aller Lebensgemeinschaften Mitteleuropas brauchen
intakte Auen.
Ein Fluss mit natürlicher Aue hat sogar noch mehr zu bieten: Er liefert durch
seine Ufersedimente filtriertes Wasser,
das Trinkwasservorräte auffüllt und den
Meeren ungesunde Nährstofffrachten

Während der
Paarungszeit
wirbt der Moorfrosch-Mann
mit einem
intensiven Blau
um Aufmerksamkeit.
Der WaldGelbstern
kommt im
Auwald oder
entlang von
Bächen vor.

MAGAZIN

Wo steile Uferbereiche vorhanden sind, baut der Eisvogel seine Brutröhre.

» In der Flussaue
dürfen wir nicht
länger bis ans Ufer
pflügen und düngen
oder gar neue
Häuser bauen. «

ten ökologischen Zustand der Flüsse und
Bäche fordert. Dass Natur- und Hochwasserschutz zusammengehen können,
belegen gelungene Projekte: die Deichrückverlegung in der Lenzener Elbtalaue,
die Wiedervernässung eines Polders im
Nationalpark Unteres Odertal oder das
hessische Naturschutzgebiet KühkopfKnoblochsaue am Rhein. All diese Bei-

spiele zeigen: Die naturnahe Aue nimmt
Hochwasser auf und bremst den Abfluss,
wobei insbesondere großflächige Auwälder hervorragend wirken. Gleichzeitig
kehren Bekassine, Fischotter und Moorfrosch zurück. Und die Menschen lädt
die Natur zum Verweilen ein.
Sabrina Schulz begleitet ein Projekt
des Landes Thüringen an der Weißen Elster, einem Nebenfluss der Saale. Hier soll
ein Altgewässer wieder mit dem Hauptarm verbunden werden. Zukünftig soll
der Fluss an diesem Abschnitt seinen
Lauf selbst gestalten dürfen. Die DUHProjektmanagerin will mit Landnutzern,
Fachleuten aus dem Wasserbau, Vertretern
aus Naturschutzverwaltung und -verbänden sowie Anwohnern sprechen und hofft,
dass demnächst an der Weißen Elster die
Bagger für die Natur arbeiten. (jk)
■
Förderer des Netzwerks „Lebendige Flüsse“:

Sabrina Schulz, DUH

her und sie gelangt auch schneller in
den Unterlauf. Eine Hochwasserwelle
im Rhein fließt heute in 23 Stunden von
Basel nach Karlsruhe – 1955 brauchte
sie noch 64 Stunden für dieselbe Strecke. Hinzukommt: Das Unterhalten und
Sanieren der technischen Hochwasserschutz-Einrichtungen ist teuer.

Ein Umdenken hat begonnen
„In der Flussaue dürfen wir nicht länger
bis ans Ufer pflügen und düngen oder gar
neue Häuser bauen. Wir müssen mehr
und mehr Deiche zurückverlegen und
gleichzeitig die Natur am Fluss wieder
zulassen“, erklärt Schulz. Sie spricht von
einem großen, ganzheitlichen Ansatz:
Der ökologische Hochwasserschutz müsse an möglichst vielen Flussabschnitten
umgesetzt werden. „Denn dann haben
wir eine kumulierende Wirkung in puncto Hochwassersicherheit.“ Schulz kennt
allerdings auch die Hürden. Es gilt, die
diversen Zuständigen aus Städten, Kreisen und Bundesländern für die Idee zu
gewinnen. Denkt man an die Elbe, die
aus Tschechien kommt und in Deutschland sieben Länder durchfließt, wird klar,
wie ehrgeizig der Ansatz ist.
Auf politischer Ebene wächst die Zustimmung zum Gewässerschutz, zumal
das EU-Recht bereits bis 2015 einen gu-

■ SCHULEN FÜR LEBENDIGE FLÜSSE

Lernort Weiße Elster

„W

ie stelle ich mir einen Lebendigen Fluss vor?“ Diese Frage zog sich durch das Programm der
beiden DUH-Schüler-Camps in Oelsnitz an der Weißen Elster. Die 11- bis
15-Jährigen aus verschiedenen Schulen tauchten jeweils vier Tage lang in
die Praxis ein. Sie untersuchten die
Gewässergüte der Weißen Elster, besuchten die Talsperre und halfen bei
einem Arbeitseinsatz. Zu einem Ge-

wässer-Thema ihrer Wahl erarbeiteten
sie in Gruppen kleine Präsentationen
für die übrigen Camp-Teilnehmer. Insgesamt nahmen rund 100 Jugendliche
das Angebot wahr.
Beim Bootfahren und am Lagerfeuer entstanden viele neue Freundschaften und alte wurden aufgefrischt. (jk) ■
Förderer:

Keine trockene
Lernerei: Hier
werden Gewässereigenschaften
erforscht.

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■ BIOLOGISCHE VIELFALT
ZIERPFLANZEN & BIOLOGISCHE VIELFALT

Tipps für Verkäuferinnen & Verkäufer

Gärtnern mit Blick
aufs große Ganze

ZIERPFLANZEN

Tipps für Verk

& BIOL
BIIOLOGIS
OGI CHE

VIELFALT

äufeerrinn
innen & Verkäufe

r

Ein schöner Garten braucht Pflege. Damit das Wissen über gesunde Gartenparadiese und biologische Vielfalt sich verbreitet, hat der Global Nature Fund
(GNF) an einer Fachbroschüre für das Verkaufspersonal der Gartenbranche
mitgewirkt.

Marienkäfer, Igel und Zauneidechse sind gern gesehen in
unseren Gärten. Die tierischen
Gäste bereichern den Garten, denn sie
helfen im Kampf gegen Schädlinge. Laufkäfer beispielsweise halten Kohlfliegen,
Erdflöhe und Kartoffelkäfer in Schach,
sogar Schnecken und deren Eier vertilgen
sie. Der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel lohnt sich, denn dann
fühlen sich die nützlichen Helfer im Garten wohl. Wer entsprechende Nisthilfen
anbietet, lädt Vögel und die als Bestäuber
nützlichen Wildbienen ein.
Als naturliebender Hobbygärtner
wird man auch bei der Bekämpfung
von sogenanntem Unkraut Alternativen
zu Gift suchen. Im Gemüse- oder Blumenbeet ist frühzeitiges Hacken wichtig; auch Mulchen oder Abdecken mit
Vlies hilft gegen unerwünschtes Grün.
Auf Wegen, in deren Fugen und Ritzen
sich Pflanzen zu sehr breit machen, kann
ein Abflammgerät eingesetzt werden –
idealerweise am helllichten Tag, denn
abends sind die bodenbewohnenden
Nützlinge aktiv.

Holt die Vielfalt in den Garten!

Zierpflanzen gehören nicht in die Natur:
Die Herkulesstaude, auch Riesen-Bärenklau
genannt, wurde einst als Schmuckpflanze
eingeführt und hat sich in ganz Europa
verbreitet. Sie muss nun vielerorts bekämpft
werden.

Mit der richtigen Pflanzenauswahl kann
der Gärtner vorbeugen: Gesunde kräftige
Jungpflanzen, blattlausresistente Salate
und robuste Rosensorten entwickeln sich
vitaler. Natürlich muss auch der Standort
zu den Ansprüchen der Pflanzen passen.

Der Handelsverband Heimwerken,
Bauen und Garten e.V. (BHB) und der
GNF haben Hinweise für die naturnahe Pflege von Hausgärten und Balkonpflanzen zusammengetragen. Darüber
hinaus klären sie über die Verantwortung
für die biologische Vielfalt auf. In einer
Fachbroschüre richten sie sich an das
Verkaufspersonal von Gartencentern und
Baumärkten. Beispielsweise sollen deren
Kunden zukünftig mehr über die Vorteile
von Zier- und Gemüsejungpflanzen mit
Ökosiegeln erfahren.
Unter den Themen der Broschüre finden sich auch gebietsfremde Pflanzen
– so genannte Neophyten, die für die Natur gefährlich werden können. Manche
Neophyten breiten sich invasionsartig aus
und bilden derart dichte Bestände, dass
sie heimische Arten verdrängen. Dies
gilt insbesondere für Teich- und Wasserpflanzen.
Dem Beratungspersonal in der Gartenbranche liefert der Ratgeber wertvolles
Wissen. Denn immer mehr Kunden haben den Wunsch, nachhaltig zu gärtnern.
(sg, jk)

■

Die Broschüre kann bestellt werden bei:
gardt@globalnature.org und ist als
Download erhältlich: www.globalnature.
org/Informationsvermittlung

Förderer:

Marienkäfer sind Nützlinge. Die Käfer
und ihre Larven halten Läuse in Schach.
Ungefüllte Blüten bieten Hummeln und
Bienen energiereichen Pollen (rechts).

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welt 3/2016

Herausgeber:

MAGAZIN

■ BEWUSSTER KONSUM

Wie nachhaltig ist das Fairphone 2?
Die Produktion von Mobiltelefonen steht immer wieder in der Kritik.
Es geht um schlechte Arbeitsbedingungen und rücksichtslosen Rohstoffabbau. Das Unternehmen Fairphone will es anders machen – mit Erfolg?

U

nglaubliche Zahlen: Derzeit sind
es über 7,3 Milliarden Mobilfunkanschlüsse weltweit. Damit gibt es auf
dem Erdball erstmals so viele Handys
wie Menschen. Beispiellos ist auch der
Siegeszug des Smartphones. Über 1,8
Milliarden Nutzer wischen und streichen
täglich über ihre Bildschirme. Unsichtbare Begleiter sind dabei die meist besorgniserregenden Produktionsbedingungen
und der Raubbau an Mensch und Natur
bei der Rohstoffgewinnung.
Bis zu 60 verschiedene Stoffe, darunter bis zu 30 Metalle werden in einem
Smartphone verbaut. Der Abbau der Rohstoffe findet dabei in einigen Fällen in
Konfliktgebieten statt. Die Minenarbeiter
schlagen unter oft menschenunwürdigen
Bedingungen Gold, Zinn, Wolfram oder
Coltanerz aus dem Fels. Vom Profit bekommen sie wenn überhaupt nur wenig
ab. Der fließt in die Taschen der Anführer krimineller Gruppierungen. Vor allem
in Zentralafrika trägt der rücksichtslose
Abbau zusätzlich zur Zerstörung des Regenwalds bei.

Stunde setzte in der Elektronikbranche
schon 2013 neue Maßstäbe. Das neue
Fairphone 2 soll nun noch nachhaltiger
sein. Die DUH und das Fraunhofer-Institut
für Zuverlässigkeit und Mikrointegration
IZM haben untersucht, ob diesem Anspruch Rechnung getragen werden kann.

Fairphone 2: Robust, langlebig,
reparierbar
Die Studie vom Juni 2016 untersucht die
Aspekte verantwortlicher Rohstoffabbau,
faire Arbeitsbedingungen, nachhaltiges
Design, Lebenszyklus und Transparenz.
Die überwiegende Mehrheit der befragten
48 Experten bewertete das Fairphone 2
als überdurchschnittlich nachhaltig und

langlebig, wobei insbesondere der modulare Aufbau wegweisend sei. Das Baukastenprinzip macht das Telefon individuell
reparierbar und vermeidet so unnötigen
Elektronikschrott. Auch konnte ein Fortschritt beim Rohstoffabbau erzielt werden:
Das Fairphone 2 enthält mehr konfliktfreie
Rohstoffe als sein Vorgänger.
Insgesamt etwas schlechter schnitt
das Fairphone 2 in der Befragung bei
den Aspekten Schadstoffgehalt und Upgrade-Fähigkeit ab. Auch im Bereich der
Arbeitsbedingungen wurde noch Verbesserungspotenzial gesehen. Fairphone B.V.
beteiligt sich an einem Sozialfonds für
das Wohlergehen der Arbeiter. Dieser soll
sicherstellen, dass Überstunden bezahlt
werden, die Arbeiter freie Tage bekommen
und der Lohn dem chinesischen Mindestlohn von 126 Euro im Monat entspricht.
Dieser gesetzliche Mindestlohn genügt
allerdings auch in China kaum zum Leben, weshalb Fairphone B.V. langfristig
ein höheres Lohnniveau anstrebt. Thomas
Fischer, Experte für Kreislaufwirtschaft bei
der DUH sagt: „In der IT-Branche ist die
Entwicklung sozialer und ökologischer
Standards ausgesprochen schwierig, da
viele unterschiedliche Akteure an der
Förderug, Verarbeitung und dem Einsatz
dutzender Materialien beteiligt sind. Die
Fairphone-Initiative hat neue Maßstäbe
gesetzt und die ethisch vertretbare Produktion von IT-Geräten zum Thema gemacht.
Auch wenn das Ziel, ein wirklich faires
und nachhaltiges Smartphone herzustellen, noch nicht vollständig erreicht wurde, so hat das Projekt doch große Erfolge
vorzuweisen und eine Signalwirkung für
die gesamte Elektronikbranche.“ (lh) ■
Alle Ergebnisse der Studie der DUH
und des IZM im Auftrag der Telekom
Deutschland finden Sie unter:
www.l.duh.de/fairphone2

„Grüne“ Smartphones
Wie eine ökologische und ethisch vertretbare Produktion von Mobiltelefonen
aussehen kann, darüber macht sich auch
das niederländische Start-up Fairphone
B.V. Gedanken. Das Fairphone der ersten

Das Baukastenprinzip
des Fairphones vermeidet
unnötigen Elektroschrott,
da einzelne Module
separat ausgetauscht
werden können.

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MAGAZIN
■ KREISLAUFWIRTSCHAFT

Rückgabe: Energiesparlampe
und Bauschaumdose
Fernseher
statt Ofen:
Siegerfoto
unseres
Wettbewerbs
von Jens Michael
Steiner.

Alte Energiesparlampen und Bauschaumdosen enthalten kleine
Mengen Schadstoffe. Deshalb müssen sie getrennt gesammelt und
anschließend umweltgerecht entsorgt werden. Ob Händler diese
auch zurücknehmen und wie sie Verbraucher darüber informieren,
prüft die DUH regelmäßig nach.

U

nser DUH-Testkäufer staunt nicht
schlecht, als er die Erklärung des
Baumarkt-Mitarbeiters empfängt: „Energiesparlampen sind Sondermüll und müssen deshalb genauso behandelt werden
wie Plutonium.“ Als radioaktives Schwermetall hat Plutonium sicher nichts im
Sondermüll zu suchen – allerdings dürfte das ein Problem sein, das im Alltag
eher selten auftritt. Die umweltgerechte Entsorgung von Energiesparlampen,
Leuchtstoffröhren und gebrauchten Bauschaumdosen (auch PU-Schaum-Dosen)
hingegen ist für viele Verbraucher immer
noch wenig transparent.
Dabei müssen Händler laut Gesetz
über die Rückgabemöglichkeiten informieren und sollten darüber hinaus professionell beraten und verbraucherfreundliche Sammelbehälter aufstellen. Wie gut
Kunden im Baumarkt tatsächlich beraten
werden, überprüft die Deutsche Umwelthilfe jedes Jahr im DUH-Service-Check
deutschlandweit in 100 Baumärkten.

Mitarbeiterwissen:
mangelhaft
Um die Baumarktfilialen vergleichbar
zu bewerten, setzen die DUH-Testkäufer
verschiedene Kriterien an und bewerten,
wie gut diese umgesetzt werden. Für vorbildlich angebrachte Hinweisschilder,
professionell geschulte Mitarbeiter sowie
eine problemlose und schnelle Rücknah-

22

welt 3/2016

me erhalten Baumärkte fünf Sterne. Null
Sterne erhalten Servicewüsten, in denen
weder Schilder noch Mitarbeiter auf
Rückgabemöglichkeiten hinweisen und
eine Rückgabe nicht möglich ist.
Die Ergebnisse für 2015 sind ernüchternd: Zwar konnte der Service-Check
zeigen, dass der Handel auf bundesweiter Ebene ein weitgehend funktionierendes Rücknahmesystem für Bauschaumdosen aufgebaut hat. Wie bei
Untersuchungen in den vergangenen
Jahren stellte die DUH allerdings wieder
deutliche Defizite bei der Information
der Kunden über Rückgabemöglichkeiten fest. Im Schnitt erhielten die getesteten Baumarktfilialen nur zwei Sterne.
Dabei wurden für Bauschaumdosen
durchschnittlich drei und für Energiesparlampen zwei Sterne erreicht. (lh) ■
Die Ergebnisse aller getesteten Baumarktketten sowie einzelner Filialen
finden Sie unter: www.duh.de/service_
check_baumaerkte.html
Nicht überall wurde unser Team
enttäuscht: Hagebau in Augsburg
hat nachgebessert.

■ LUFTREINHALTUNG

Heizen mit Holz –
Licht und Schatten
Kaminofen und Co. sind mittlerweile
die größten Feinstaub- und Rußquellen.
Mit der Informationskampagne Clean
Heat setzt sich die DUH deshalb europaweit dafür ein, Emissionen aus Holzfeuerung zu senken.

D

eutschlands Holzfeuerungsanlagen
stoßen mehr Partikel aus als der Verkehr oder Großkraftwerke. Damit schaden sie der menschlichen Gesundheit und
dem Klima. Selbst moderne Kaminöfen
produzieren mehr als 1000-mal so viel
Feinstaub wie eine Gasheizung. Die DUH
zeigt daher nicht nur emissionsarme Alternativen auf, sondern gibt auch Hinweise,
wie man Holzöfen richtig beheizt.
Doch was verbinden Menschen mit
dem Thema „Heizen mit Holz“? Die DUH
wollte es wissen und hat nach der vergangenen Heizsaison einen Fotowettbewerb
ausgewertet. Eine Bildergalerie im Internet
zeigt nun die kreativsten Beiträge, die oftmals Gemütlichkeit widerspiegeln. Zahlreiche Fotos und Zuschriften thematisieren
aber auch negative Aspekte wie etwa die
Rauchbelästigung durch Holzöfen in der
Nachbarschaft. Auf der neuen Webseite
haben wir für Sie Informationen zusammengetragen, was Sie in diesem Fall tun
können. Außerdem finden Ofenbesitzer
dort hilfreiche Tipps, wie der Schadstoffausstoß vermindert werden kann. (ph) ■

Bildergalerie und Praxis-Informationen:
www.clean-heat.eu

MAGAZIN

DUHmarkt
Über ihre DUH Umweltschutz-Service GmbH vertreibt die DUH Bücher,
Broschüren und andere Materialien zur Umweltbildung.
Eine kleine Auswahl stellen wir Ihnen hier vor.

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Das geheime Leben
der Nachfalter
Ein immerwährender Kalender mit
zahlreichen brillanten NachtfalterFotos von Armin Dett.

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Stadler Verlag, Konstanz
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Bestell-Nr: 6045

Wichtig: Ofenspezifische Informationen zur
Handhabung verrät die Bedienungsanleitung!

Brennstoff
Qualität des Holzes: Ein Wassergehalt von 15
bis 20 Prozent ist optimal. Kontrollieren Sie dies
mit Hilfe eines Holzfeuchtemessgeräts. Nur Holz
verfeuern, das nicht verschmutzt oder schimmelig ist.
Lagern Sie das Holz gut belüftet und gegen
Feuchtigkeit geschützt.
Größe: Die Scheite sollten einen Durchmesser
von ca. 6 bis 12 cm aufweisen. Kleinere Scheite
nur zum Anheizen verwenden.
Bei Pelletanlagen: Nutzen Sie Pellets der höchsten Güteklasse.

zeitloser
Kalender
das ideale
Geschenk!
Hochwertiges Notizbuch
aus „Apfel-Papier“
Format DIN A5, mit Lesezeichen,
Gummiband und festem Einband mit
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Anzünden
Professionelle Anzündhilfen verwenden: z.B.
wachsgetränkte Holzwolle anstelle von Papier.
Bei den meisten Anlagen empfiehlt sich das „Anzünden von oben“.
Belüftung: Alle Luftklappen vollständig öffnen
und Primärluft (Rostluft) erst schließen, wenn die
Verbrennung in vollem Gange ist.

Das Papier für dieses Buch wurde aus
italienischen Äpfel hergestellt: aus den
Abfällen und Schalen der Apfelsaftproduktion. Ein wunderbares Beispiel
dafür, wie man mit einer visionären
Idee und hochmoderner Technik etwas
erschaffen kann, das einfach schön ist
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Nachlegen
Wenn die sichtbaren gelben Flammen kurz
vorm Erlöschen sind und noch ausreichend Glut
vorhanden ist (meist ca. alle 30 Minuten).
Ofentür langsam öffnen, um Rauch im Innenraum zu vermeiden. Nicht überladen!
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Luftzufuhr nicht schließen oder stark drosseln.

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Hausmüll entsorgen.
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1

Förderer:
Tausend

Dank!

indd
6 Druck

12.05.2016

11:33:15

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Herzliche
h Grüße!
Postkarten-Reihe_DinA

6_Druck.indd

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MAGAZIN

Seit die russischen Streitkräfte aus
Sperenberg abgezogen sind, verwildert
das Gelände rund um den ehemaligen
Tower des Flugplatzes.

■ KLIMASCHUTZ

Forschen für die Energiewende
Wie kann es gelingen, von Beginn an mehr Akzeptanz und Transparenz bei Energiewende-Projekten zu schaffen?
Dies untersucht die DUH am Beispiel des geplanten Multi-Energie-Kraftwerks im brandenburgischen Sperenberg.

I

n Sperenberg, einem Dorf 40 Kilometer südlich von Berlin, planen
Gemeinden und ein Projektkonsortium
der Energiewirtschaft den Bau eines
Erneuerbare Energien-Kraftwerks, das
gleichzeitig innovative Speichertechnologien anwendet. Ein Windpark und
Photovoltaik-Anlagen sollen Strom für
145.000 Haushalte herstellen. Um die
Energie-Ausbeute aus Wind und Sonne optimal zu nutzen, wird das MultiEnergie-Kraftwerk Sperenberg (MEKS) in
Spitzenzeiten überschüssigen Strom per
Elektrolyse umwandeln. Die Energie wird
dann in Form von Wasserstoff gespeichert; man bezeichnet ihn als „grünen
Wasserstoff“, da er aus regenerativen
Quellen stammt.
Die fluktuierende Stromerzeugung
zu verstetigen, ist noch immer eines der
Kernprobleme der Energiewende. Speicher sind daher unverzichtbar. Mit dem
sogenannten Wind-Wasserstoff will man
in Sperenberg eine Schlüsseltechnologie
und ihre Nutzungsmöglichkeiten in den
Bereichen Strom, Wärme und Verkehr
erproben.

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welt 3/2016

DUH wirkt an einem
Forschungsvorhaben mit
In einem Verbundvorhaben ist die DUH
Partnerin eines Konsortiums aus verschiedenen Forschungsinstituten und einer
Universität. Sie erforscht hierbei Voraussetzungen für Akzeptanz und Transparenz bei Wind-Wasserstoffprojekten. In
den letzten Jahren hat das DUH-Team
Antworten auf viele Fragen zusammengetragen: Welche Akteure spielen im WindWasserstoffbereich eine Rolle? Welche
Sicherheitsbedenken haben Bürger hinsichtlich der Wasserstoff-Technologie?
Trägt die Herkunft des grünen Wasserstoffs
zur Akzeptanz bei? Die Antwort-Theorien
galt es anhand des MEKS-Projektes im
Jahr 2016 einem Praxistest zu unterziehen.
Als Standort hat das MEKS-Projektkonsortium das Gelände der ehemaligen
Heeresversuchsanstalt Sperenberg ausgewählt. 95 Prozent der Fläche der historischen Militärliegenschaft werden laut
Planern weiterhin unberührt bleiben. Die
angrenzenden Gemeinden setzen sich für
die Ansiedlung des Modellprojektes ein.
Doch die Fläche beherbergt Lebensräu-

me von Rotmilan und Seeadler. Wird
deren Schutz gewährleistet? Die Naturund Denkmalschutzakteure der Region
fragen auch nach der Glaubwürdigkeit
des Projektkonsortiums und den Interessen der befürwortenden Kommunen.
Soll etwa unter dem Deckmantel eines
„Demonstrationsprojekts“ lediglich ein
neuer Windpark entstehen?

Den Weg für gegenseitiges
Vertrauen bahnen
Im Juni 2016 haben die DUH, die Kommunale Arbeitsgruppe und das Projektkonsortium einen ersten Fachdialog für
Naturschützer und zwei öffentliche Bürgerveranstaltungen angeboten. Vor allem kritische Fragen zu Natur-und Denkmalschutz sollen möglichst früh in die
Debatte einfließen und zu verbesserten
Planungen beitragen. Ab Ende 2017 werden dann im Genehmigungsverfahren die
verschiedenen Belange gegeneinander
abgewogen. (jk, uv)
■
Förderer:

MAGAZIN
■ KOMMUNALER UMWELTSCHUTZ

Fit für den Klimaschutz
Die DUH und ihre Projektpartner schulen kommunale Berater für
neue Aufgaben. Denn sie sollen ab sofort Kommunen den Einstieg
in den Klimaschutz bahnen.

O

b eine Gemeinde ein Schulgebäude saniert, neue Fahrzeuge für die
Verwaltung anschafft oder ein neues Baugebiet ausweist, immer entstehen auch
Folgen für das Klima. Allerdings zählt
Klimaschutz nicht zu den Pflichtaufgaben
von Kommunen. Vor allem vielen kleinen
bis mittleren Kommunen fehlen oft die finanziellen und personellen Kapazitäten,
um den Klimaschutzprozess systematisch
anzugehen.
Um Städten und Gemeinden den Zugang zu externen Impulsen zu erleichtern, hat die Bundesregierung bereits
2013 ein Förder-Angebot eingerichtet:
Sie bezuschusst eine Einstiegsberatung
in den kommunalen Klimaschutz. Der
Zuschuss kann über die so genannte
Kommunalrichtlinie beantragt werden.
Mitarbeiter der Verwaltung und Kommunalpolitiker erhalten so die Gelegenheit, mit Hilfe eines externen Beraters
Verantwortlichkeiten für den Klimaschutz
in ihrer Kommune festzulegen. Zudem
identifiziert man gemeinsam konkrete, leicht umsetzbare Erstmaßnahmen.
Hierbei wird man besonders die Kosten
im Blick behalten und kann zunächst
Klimaschutzaktivitäten anvisieren, die
keine oder nur geringe Investitionen erfordern. Beispielsweise den Einstieg in
das kommunale Energiemanagement,

um innerhalb der eigenen Liegenschaften
über Energiesparen und -effizienz einen
Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Coaching kommunaler
Klimaschutz
Für Berater aus Energie- und Klimaschutzagenturen oder aus freien Büros ergibt
sich damit eine neue Aufgabe, die über
die rein fachliche Wissensvermittlung
oder Planungsleistungen hinausgeht. Sie
benötigen Know-how, wie man politische

Entscheidungsträger aus den Kommunen
einbindet, wie Gesprächsrunden zielführend geplant und moderiert werden oder
wie sich Prozesse vor Ort verstetigen lassen. Das Projekt „Coaching Kommunaler
Klimaschutz“ bietet dazu eine umfassende Weiterbildung für Berater an. Wer als
kommunaler Mitarbeiter – beispielsweise
aus einer Kreisverwaltung – andere Kommunen berät, kann ebenfalls teilnehmen.
Im Coaching-Projekt arbeiten das KlimaBündnis, das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) und die
Deutsche Umwelthilfe zusammen und
entwickeln neben der Weiterbildung
auch konkrete Arbeitshilfen, die Berater
zur Vorbereitung und Durchführung ihrer
Termine nutzen können. (jk)
■
Weitere Informationen:
www.coaching-kommunaler-klimaschutz.de
Förderer:

Hier wird eine Beratungssituation methodisch durchgespielt.

Foto: © bettinaflitner.de/Initiative „Mein Erbe tut Gutes.“

Termin

Was bleibt?

11 Persönlichkeiten zur Frage „Was bleibt?“ – Günter Grass,
Friede Springer, Reinhold Messner, Anne-Sophie Mutter u.v.a.

Das Prinzip Apfelbaum.
Ausstellungseröffnung in Köln
Michael Horbach Stiftung
Vernissage am 10. November
um 18 Uhr

Anmeldung unter: bernauer@duh.de oder Tel. 07732 9995-0
Gäste der Deutschen Umwelthilfe erhalten bei der Vernissage den Bildband zur Ausstellung oder das Hörbuch als Geschenk.
Die Ausstellung ist vom 11.11. bis 15.12.2016 in Köln zu sehen.

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MAGAZIN

■ HAND IN HAND-FONDS

Die Mango-Retter
Weltweit bereitet ein kleines Insekt den Mango-Bauern große Sorgen. Wo die MangoFruchtfliege sich verbreitet, verderben viele Früchte noch vor der Ernte. In einem Pilotprojekt zeigt die Stiftung Biovision, wie man die Fliegen wirkungsvoll bekämpfen kann.

Ein Projektteam von Biovision und dem
Insekten-Forschungsinstitut icipe in Nairobi hat ein Maßnahmen-Paket entwickelt, um die Mango-Kulturen gesund zu
halten. Die Forscher haben herausgefunden, dass Schlupfwespen die Fruchtfliegen in Schach halten können. Die Wespen leben als Parasiten und werden zu
Verbündeten der Bauern: Sie legen ihre
Eier in die Brut der Mangoschädlinge; die
Wespenlarven ernähren sich schließlich
von der Fliegen-Nachkommenschaft.

Ein Kampf mit
ausgeklügelten Methoden
Allerdings stammen diese Schlupfwespen
ursprünglich aus Asien und kommen in
Kenia natürlicherweise nicht vor. Icipe
züchtet die Wespen nun in großen Mengen und die Bauern lernen, sie in ihren
Baumgärten anzusiedeln. Zusätzlich werden die Fruchtfliegen mit Duftfallen und
umweltverträglichen Pestiziden bekämpft,
die den Wespen nicht schaden, wenn sie
gezielt eingesetzt werden. Außerdem
müssen die Bauern ihre Kulturen ständig
überwachen, die Größe der FruchtfliegenPopulationen beobachten und befallene
Mangos konsequent entfernen.
An drei Standorten in Kenia hat Biovision seit 2011 landwirtschaftliche Berater ausgebildet, die nun mehr als 1.600
Mangobauern unterstützen. Der Erfolg
ist messbar: Nicht nur die Ernteausfälle
wurden hier deutlich reduziert, sondern
auch die Qualität der Früchte war besser.
Im Vergleich zu Bauern, die mit konventionellen Mitteln gegen die Schädlinge
kämpften, konnten die an dem Projekt
teilnehmenden ihr Einkommen um fast
die Hälfte steigern. (jk)
■

S

üß und saftig – so lieben wir das
leuchtend gelbe Fruchtfleisch der
Mango. In tropischen Wäldern wächst
die exotische Frucht als wildes Obst.
Mittlerweile bauen sie viele Kleinbauern
in Mittel- und Südamerika, im tropischen
Asien und auch in Afrika als Kulturpflanze an. Denn die Mango-Produktion ist
eine vielversprechende Einkommensquelle – der Export nach Europa und in
die USA floriert. Umso schlimmer trifft es
die Kleinbäuerinnen und -bauern, wenn
die Ernte ausfällt.

Fruchtfliegen verursachen
massive Schäden
Von Asien wurden 2003 Mango-Fruchtfliegen auf den afrikanischen Kontinent
eingeschleppt. Dort haben sie allerdings
keine natürlichen Feinde und verbreiten
sich rasant.
Die Insekten legen ihre Eier unter die
Mangoschale – die Früchte beginnen zu
faulen. Von dem verdorbenen Fruchtfleisch ernähren sich dann die Maden.
In Kenia verlieren die Bauern derzeit bis
zu 80 Prozent der Ernte. Deshalb hat

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Das Insektenforschungsinstitut icipe wirkt
an dem Projekt mit.

die Schweizer Stiftung Biovision hier ein
Projekt gestartet, um die Mango-Fruchtfliege ohne Gifteinsatz zu dezimieren.
Der Hand in Hand-Fonds hat finanzielle
Mittel dazu beigesteuert.

Der Hand in Hand-Fonds ist eine gemeinsame
Initiative von Deutscher Umwelthilfe und
Rapunzel Naturkost für eine gerechtere Welt
und lebenswerte Umwelt.

Mango-Bauern setzen Schlupfwespen-Larven frei.

MAGAZIN

■ ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT

Wasser ist ein großes Thema
Ländlichen Gebieten in Entwicklungsländern fehlt oft der Zugang zu
sauberem Trinkwasser. Technisch einfache, aber zuverlässige Lösungen sind
gefragt. Der GNF will seine Wasserprojekte in Kolumbien deshalb weiter
ausbauen.

Dörfer wie San Miguel de
Sema gibt es viele in Kolumbien. Die Gemeinde liegt im
ländlichen Raum, zählt etwa 250 Einwohner, eine Grundschule, eine weiterführende Schule mit 200 Schülern und
eine Kirchengemeinde. Die Menschen
hier verdienen nur wenig und längere Trockenperioden führen zu Wassermangel in
der ganzen Region. Dennoch könnte San
Miguel für andere Dörfer wegweisend
sein, denn hier entstehen seit drei Jahren
innovative Wasserprojekte.

Die Projektarbeit des Global Nature Fund
wird unterstützt von:

Stiftung Ursula Merz

Ohne Chemie geht es auch
Die Mitarbeiter der kolumbianischen Naturschutzorganisation Fundación Humedales und des Global Nature Fund (GNF)
sind gute Bekannte. Im Sommer 2013
bauten die beiden Organisationen in San
Miguel gemeinsam einen Grünfilter für
die Reinigung von Abwasser. Seither dient
der Grünfilter als Modellanlage: Er erfreut
sich zahlreicher interessierter Besucher
und wurde in den Nachbardörfern bereits
nachgebaut. Im Juni 2015 wurde die Anlage mit einem Umweltpreis ausgezeichnet.
Doch mit dem Grünfilter waren
nicht alle Probleme gelöst: Die rund 500
Dorfbewohner und Schüler mussten sich
weiterhin mit Grundwasser aus einem
Brunnen versorgen, das neben Eisenverbindungen auch zahlreiche Keime,
insbesondere E. coli Bakterien, enthielt.
Immer wieder erkrankten die Menschen
heftig. Im Jahr 2016 starteten die Fundación Humedales und der GNF deshalb
ein zweites Pilotprojekt in der Gemeinde
und installierten eine mehrstufige Wasseraufbereitungsanlage. Ähnlich wie der
Grünfilter benötigt die Anlage keine Chemikalien. Das Brunnenwasser wird über
mehrere Filtrationsstufen und in einem
elektrochemischen Prozess gereinigt.

Felipe Valderrama von der Fundación
Humedales war auch diesmal an der
Umsetzung vor Ort maßgeblich beteiligt. Ihn haben die einfache Wartung der
Anlage, der geringe Strombedarf und die
hervorragende Reinigungsleistung überzeugt. Von Ralph Eckart, Projektleiter des
Anlagenherstellers Arisu GmbH, erhielt
Valderrama eine genaue Einweisung in
den Funktionsablauf und die Wartung.
Dank einer über das Mobiltelefon
gesteuerten Anlagenüberwachung ist
Valderrama stets auf dem Laufenden,
was Durchlaufmenge, Stromverbrauch
und Status der UV-Behandlung betrifft.
Ersatzteile und Verbrauchsmaterialien
wie Aktivkohle liegen in San Miguel bereit und können bei Bedarf ausgetauscht
werden.

GNF will weiter helfen
Derzeit bereitet der GNF ein weiterführendes Wasserprojekt in Kolumbien vor,
denn der Bedarf an dezentralen Lösungen
für eine Trinkwasserversorgung im ländlichen Raum ist immens. Beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat er
hierfür einen Antrag eingereicht. In San
Miguel de Sema freut man sich schon
heute über das wachsende öffentliche
Interesse. (aw)
■
Hauptförderer:

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Unbekannte Tierart

Großer Feuerfalter

Per Ameisen-Taxi in den Bau: So manche Art aus der Familie der Bläulinge
mehr zu bieten, als die wunderschönen Flügelfarben.
hat noch weit meh
■ von Melanie Fessler

I

n Mitteleuropa gibt es über
übe
b r
140 Bläuling-Arten. Doch entgegen des Familiennamens sind
längst nicht alle blau gefärbt, die Flügeloberseiten kommen auch schon mal
braun, violett und orange daher. Die
Unterseiten der Falter haben oftmals ein
Punktmuster, das bei der Artbestimmung
hilft. Männchen und Weibchen vieler
Bläuling-Arten weisen einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus auf, das
heißt, Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen sind deutlich zu
erkennen.

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Orange
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Zur Familie
Famili
lie der Bläulinge
Bläu
gehört auch
gefärbte Große Feuerfalder orangerot gefärb
ter. Das Männchen präsentiert sich mit
prachtvoller rotoranger Färbung an Vorder- und Hinterflügeln, letztere weisen
einen schwarzen Fleck auf. Die Flügel des Weibchens tragen ein weniger
strahlendes Orange und zeigen mehrere
schwarze Flecken. Die blaugraue Flügelunterseite ist für beide Geschlechter
typisch. Der Große Feuerfalter ist auf
feuchten Wiesen, in Auenbereichen und
Niedermooren zu finden.

Die Eier legt das Weibchen Anfang Juni
auf säurearmen Ampferpflanzen ab. Die
Raupen schlüpfen nach fünf bis zehn
Tagen und fressen auf der Unterseite des
Blattes ein typisches Muster. Schließlich
verpuppen sie sich, danach folgt die Lebensphase als erwachsenes Tier: Etwa
bis Ende Juli fliegt die erste Generation
der Falter. Im Süden Deutschlands entwickelt sich im Laufe eines Jahres eine
weitere Generation. Zum Überwintern
rollen sich die Raupen in Blätter ein, die
Falter schlüpfen nach der Verpuppung
im Mai des Folgejahres.

Unbekannte Tierart

Hierzulande kommt der Große Feuerfalter vor allem im Nordosten und im
Südwesten vor. Er gilt nach der Roten
Liste für Deutschland als stark gefährdet.
Wo Landschaft entwässert, die Landwirtschaft intensiviert und extensiv genutztes
Grünland aufgegeben wird, sind seine
Lebensräume verloren.

Zusammenarbeit
der besonderen Art
Viele Bläuling-Arten gehen eine ganz
besondere Beziehung zu Ameisen ein,
von der beide Seiten profitieren – der
Fachbegriff dafür lautet Myrmekophilie.
Ein Beispiel sind Wiesenknopf-Ameisenbläulinge. Ihre Eier legen die Weibchen
ausschließlich auf dem Großen Wiesenknopf ab. Die Raupen durchlöchern
und fressen den Blütenkopf, dann beginnt
ein kleines Naturschauspiel: Die Raupen
lassen sich von den Blättern fallen und
locken durch ein chemisches Signal Knotenameisen an. Sie wiederum schleppen
die Raupen in ihren Bau und füttern sie
während der Winterzeit mit einem Futtersekret oder -brei. Dieser Service ist nicht
ganz uneigennützig: Die Ameise liebt das
zuckerhaltige Sekret, welches die Raupe
absondert. Doch die Beziehung ist nicht
von Dauer. Denn während seines Aufenthalts nährt sich der unersättliche Gast
heimlich an der Ameisenbrut. Hat die
Raupe genug gefressen, verpuppt sie sich
im Ameisenbau und sucht als geschlüpf-

ter Schmetterling dann schnell den Weg
ins Freie, um einem Angriff der Ameisen
zu entgehen.

Ziemlich wählerisch
Auch der Silbergrüne Bläuling gehört zur
selben Familie. Während das Männchen
dem Namen entsprechend in drei Farben
schillert, ist das Weibchen eher braun
gefärbt. Die Art braucht Kalkmager- oder
Sandtrockenrasen. Ihre Raupen fressen
fast ausschließlich Hufeisenklee, nur
an ganz wenigen Orten in Brandenburg
und Sachsen laben sie sich auch an der
Bunten Kronwicke. Auch dieser Bläuling
lebt myrmekophil. Er profitiert als Lohn
für seinen süßen Saft vom Schutz der
Ameisen gegen Parasiten.
Der Silbergrüne Bläuling verschwindet als eine der ersten Arten, wenn Flä-

chen intensiver genutzt werden. Wachsen durch Düngung vermehrt stickstoffliebende Kräuter und Gräser, verdrängen
diese die Raupenfutter- und Nektarpflanzen des anspruchsvollen Bläulings. Deshalb gilt dieser Schmetterling als wichtiger Indikator für typische und artenreiche
Magerrasen.
■

Steckbrief:
Bläulinge (Lycaenidae)
Verwandtschaft:
Die Familie der Bläulinge gehört zu den
Schmetterlingen. Weltweit sind über 5.000
Arten bekannt, in Deutschland sind ca. 50
Arten heimisch.

Viele Bläuling-Raupen leben myrmekophil
mit Ameisen zusammen. Zum Auftakt
schleppt die Ameise die Raupe in ihren
Bau (oben).
Für Wiesenknopf-Ameisenbläulinge ist der
Wiesenknopf unentbehrlich (links).
Die artenreiche Pflanzenwelt der
Magerrasen ist die Heimat vieler
Bläulinge (unten links).
Silbergrüner Bläuling auf Skabiose (unten).

Aussehen und Größe:
Die Flügeloberseiten der Männchen sind
meist blau gefärbt. Die Unterseiten der
Flügel tragen ein artspezifisches Muster.
Die Flügelspannweite erreicht 24 bis 50
Millimeter.
Entwicklung und Fortpflanzung:
Das Tier durchläuft eine vollständige Metamorphose. Nach der Paarung legt das Weibchen seine Eier an ganz bestimmten Pflanzen
ab. Die Raupen schlüpfen nach ein paar Tagen
und fressen bis zur Verpuppung. Aus der Puppe schlüpft ein Schmetterling. Viele BläulingRaupen leben mit Ameisen zusammen.
Lebensraum, Gefährdung und Schutz:
Viele Arten von Bläulingen gelten in Deutschland als gefährdet und viele sind auf eine
spezielle Futterpflanzenart angewiesen. Intensive Bewirtschaftung, Beweidung, Düngung und falsches Mahdregime gefährden
die ursprünglichen Pflanzengesellschaften
und damit die Nahrung. Da Bläulinge eine
enge Habitatbindung aufweisen, ist der
Schutz und Erhalt des jeweiligen Lebensraums von höchster Bedeutung.

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■

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chon früh hat Sabrina Schulz Gewässer als liebenswerte Orte zu
schätzen gelernt. Als Kind stand
sie oft bis zum Bauchnabel im Moder
der Kirchwerder Wiesen nahe Hamburg
und suchte nach Schwimmkäfern und
Moderlieschen. Sie pirschte durchs Ufergehölz, pilgerte zu Flüssen und Bächen
und streifte durch die Auen. Aus der Leidenschaft für das Element Wasser wurde
im Laufe der Zeit ihr Beruf.

S

Ein Gewinn für alle
Seit 2014 unterstützt die Kulturwissenschaftlerin und Geografin das inzwischen
neunköpfige Naturschutzteam der DUH.
Sie leitet das Projektbüro in Erfurt und
entwickelt für die DUH Modellprojekte für Fließgewässer in Thüringen, die
für ganz Deutschland Vorbild sein können. Als Bindeglied vernetzt Schulz die
lokalen, regionalen und bundesweiten
Akteure und bringt ihre Expertise in Fachtagungen ein. Sie steht im regelmäßigen
Dialog mit Projektpartnern, tauscht sich

Mit Leidenschaft
im Einsatz für lebendige Flüsse
Im Arbeitsalltag von Sabrina Schulz geht es lebendig zu. Seit 2014 setzt
sie sich für den Schutz von Flusslandschaften ein. Dabei geht es nicht nur
um den Naturschutz, sondern auch um Sicherheit vor Hochwasser.

gegen einen Tag in der Natur. Dann
schlüpft sie in ihre Gummistiefel, um die
Projektgebiete zu besuchen. Gemeinsam
mit den Projektpartnern prüft sie, wie an
Straßen tödliche Gefahrenquellen für den
bedrohten Fischotter beseitigt werden
können und wo die Natur an den Fluss
zurückgeholt werden kann.
Derzeit liegen ihre Arbeitsschwerpunkte im ökologischen Hochwasserschutz. Sie will die Menschen dafür gewinnen, Hochwasserschutz-Vorhaben so
zu gestalten, dass das Leben an Flüssen
und Auen nicht nur sicherer, sondern
auch lebendiger wird. Sie weiß, wie
wichtig dafür der Austausch mit den
Menschen vor Ort ist. Bürger und Be-

triebe leben mit „ihrem“ Fluss. In Gesprächen vermittelt Sabrina Schulz Wissen
über das Ökosystem und seinen Wert für
Natur und Mensch.
Ihre Faszination für den Lebensraum
Fluss, die sie in jungen Jahren entdeckt
hat, gibt sie heute bei der Bildungsarbeit
an Kinder und Jugendliche weiter. Sie entwickelt Unterrichtsmaterialien und plant
lehrreiche Ausflüge. Bei gemeinsamen
Streifzügen durch die Uferlandschaften
werden dann alle zu Forschern und lernen, warum lebendige Flüsse und Auen
für das Überleben der Tier- und Pflanzenwelt wichtig sind. Damit setzt Schulz bei
der Generation an, die später von einer
intakten Natur profitieren wird. (akm) ■

Umweltden Wasserflöhen, einer
hotter-Nachmittag mit
en) und
ring
Thü
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Sabrina Schulz beim Fisc
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nd für Angeln und Nat
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des
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upp
bildungsgr
.
Artenschutz Thüringen)
der AAT (Arbeitsgruppe

mit Politikern zu aktuellen Gesetzgebungsverfahren aus und gibt den Aspekten, die aus Naturschutz-Sicht wichtig
sind, eine starke Stimme. Dabei sieht sie
sich auch immer wieder mit unterschiedlichen Interessenslagen konfrontiert. Mit
einem besonderen Feingefühl nimmt sie
Stimmungen und Sorgen wahr und behält
alle Perspektiven im Blick.
In ihrem vielseitigen Arbeitsalltag tauscht
sie den Bürostuhl auch immer wieder

30

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Menschen für Natur

Ein letzter Gruß
weist in die Zukunft

IMPRESSUM
Zeitschrift für Mitglieder und Förderer
der Deutschen Umwelthilfe e.V. und des
Global Nature Fund

Mit Spenden statt Kränzen setzte das seit 50 Jahren bestehende Familienunternehmen Oberland M&V ein Zeichen und ehrte den verstorbenen

■

Herausgeber: Deutsche Umwelthilfe e.V.,

Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell
Tel.: 07732 9995-0, Fax: -77

Unternehmensgründer Wilhelm Franz Götz. Dafür dankt die DUH ganz

info@duh.de, www.duh.de

herzlich.

■

V.i.S.d.P.: Jürgen Resch

■

Redaktion: Laura Holzäpfel (lh), Daniel Huf-

I

deenreichtum und Weitblick avancierten den Visionär aus Süddeutschland zu einem der führenden Produzenten für Mehrweg-Flaschenkästen in
Europa. Als erster Kastenhersteller entwickelte Wilhelm Götz 1982 den heute
handelsüblichen Modulkasten, der dank
veränderter Kastenaußenmaße erstmals
passgenau auf eine Europalette gestapelt
werden konnte. Von den Frachtvorteilen
dieses aufeinander abgestimmten Duos
von Kasten und Palette profitieren Umwelt und Wirtschaft heute immer noch.
Ebenso erdachte der Unternehmer aber
auch Ideen zum Nutzen der Verbrau-

cher. Ende der 90er Jahre führte er in die
Getränkebranche den tragefreundlichen
Mäandergriff ein, der sich seither unveränderter Beliebtheit erfreut.
Nachhaltigkeit und Innovation sind
die Werte, denen sich auch die Nachfolger in zweiter und dritter Generation
verpflichtet haben. Beständige Produktoptimierung begründet heute ihre preisgekrönte Effizienz in der Mehrwegbranche, um Kreislaufwirtschafts- und
Mehrwegsysteme noch attraktiver, umwelt- und verbraucherfreundlicher zu
machen. Darin wirkt auch der Geist des
Unternehmensgründers fort. (ab)
■

eisen (dh), Jutta Kochendörfer (jk)

■

Autoren:

Annette Bernauer (ab), Melanie Fessler (mf),
Sebastian Gardt (sg), Patrick Huth (ph), AnnKathrin Marggraf (akm), Gaby Schneider (gs),
Doreen Volsdorf (dv), Ulrike Voss (uv), Almut Weis
(aw), Silke Wissel (sw)

■

Gestaltung: Claudia

Kunitzsch, Patricia Lütgebüter
ter GmbH, Bönnigheim

■

■ Druck: ProWach-

Anzeigen: Michael

Hadamczik; es gilt die Anzeigenpreisliste 2016
■

Verlag und Vetrieb: DUH Umweltschutz-

Service GmbH, Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell

■

Gedruckt auf 100 % Recycling-Papier

■

Heftpreis: 1,50 Euro

■

Spendenkonto:

Bank für Sozialwirtschaft Köln
IBAN: DE45370205000008190002
SWIFT/BIC: BFSWDE33XXX
Deutsche Umwelthilfe und Global Nature Fund

Termine

werden von zahlreichen Förderern finanziell
unterstützt. Die Artikel der DUHwelt geben nicht
in jedem Fall die Meinung der Förderer wieder.

■ Wildnis in der Stadt:

■ Bildnachweis: Titel: Montage DUH, Fotos: Maxi-

Tagung in Frankfurt/Main am 4. November 2016

milian Geiß/DUH (Menschen) und olando/Fotolia.com
(Auspuff); S. 3: Astrid Busch; S. 4: DUH (o), Peter Radke/

Die DUH lädt Vertreterinnen und
Vertreter von Kommunen und andere Interessierte ein, über die Zukunft
von wilder Natur mitten im urbanen
Deutschland zu diskutieren. Vier Modellstädte sowie weitere Wildnisakteure verschiedener Fachrichtungen
werden über Erfahrungen berichten.
Mit der Tagung am 4. November
2016 schließt die DUH ihr Projekt
„Wildnis in der Stadt“ ab. Sie hat die
Städte Arnsberg, Berlin-Spandau, Gelsenkirchen und Leipzig bei der Entwicklung und bürgernahen Kommunikation wilder Stadtnatur über zwei
Jahre begleitet. (sw)
■

Programm, Informationen und Anmeldung: www.duh.de/stadtwildnis.html

LMBV (m.), focus finder/Fotolia.com (u); S. 5: G. Filipov
(o), Fairphone B.V. (m), mikejungwirth/Fotolia.com (u);
S. 6: Sonja Birkelbach/Fotolia.com; S. 7: vrstudio

Förderer:

(o), kyslynskyy (u)/beide Fotolia.com; S. 8: DUH
(o), Heike Kirsten (u), DUH (r); S. 9: C. Gräfling (o),
Gerhard Fuchs (u); S. 10: SZ-Design/Fotolia.com;

Schnell holt
sich die Natur
stillgelegte
Gleisanlagen
zurück.

S. 11: DUH; S. 12: ESA; S. 13: Grafik: DUH (Quelle: Bundesamt für Umwelt BAFU, Schweiz); S. 14:
Sascha Krautz/DUH; S. 15: Pietro Bruni, helloo.org;
S. 16: Peter Wernicke (o), Vitalii Hulai (u); S. 17:
Otto Hahn/hahn-film.de (o), DUH (m), Peter Radke/
LMBV (u); S. 18: Silvio Heidler (o, m), By Cptcv/CC
BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons (u); S. 19: Silvio Heidler (o), Constanze Albrecht (m), Ines Wittig
(u); S. 20: pixabay; S. 21: Fairphone B.V.; S. 23:
Björn Wylezich/Fotolia.com (o), DUH (u); S. 22/23:
Jens Michael Steiner; S. 24: G. Filipov; S.25: Junggeburth/DUH; S. 26: Peter Lüthi/Biovision; S. 27: Ralph
Eckart/Arisu GmbH; S. 28: scarlet61/Fotolia.com;
S. 29: tom_i/Fotolia.com (o); David Richard Nash
(m), Schmutzler-Schaub/Fotolia.com (Bläulinge un-

■ Naturschutztage am Bodensee 2017

ten), Günter Fischer/Naturfoto-Online.de (u.l.); S. 30:
Constanze Albrecht (o), Karsten Schmidt (Fischotter-

Vom 5. bis 8. Januar 2017 finden in Radolfzell wieder die traditionsreichen
Naturschutztage statt. ■
Das Programm finden Sie ab November unter: www.naturschutztage.de

Nachmittag mit den Wasserflöhen, einer Umweltbildungsgruppe des VANT (Verband für Angeln und
Naturschutz Thüringen) und der AAT (Arbeitsgruppe
Artenschutz Thüringen) (m, u); S. 31: Suntken/DUH

welt 3/2016

31

‚‚Alles, was ein Mensch auf dieser Erde geschaffen hat,
hat nur Fortbestand, wenn es von anderen belebt und
weitergetragen wird.

‘‘

Fotos: © bettinaflitner.de/Initiative „Mein Erbe tut Gutes.“ (Messner); suteracher/fotolia.de (Landschaft)

Reinhold Messner, Bergsteiger und Buchautor

Gestalten Sie die Zukunft!
Der kostenlose Testamentsratgeber zeigt, wie Sie über Ihr Leben hinaus wirken können.

Lebendige Erinnerung
Ihr Testament für die Natur
Legat für die Natur
Deutsche Umwelthilfe e.V.

Die Deutsche Umwelthilfe
ist Mitglied der Initiative
„Mein Erbe tut Gutes.
Das Prinzip Apfelbaum.“

Fordern Sie ihn kostenlos und unverbindlich an.

Deutsche Umwelthilfe e.V.
Fritz-Reichle-Ring 4 | 78315 Radolfzell
Tel.: 07732 9995-0 | Fax: 07732 9995-77
E-Mail: info@duh.de | www.duh.de

Spendenkonto
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IBAN: DE45 3702 0500 0008 1900 02
SWIFT/BIC: BFSWDE33XXX

Ihre Ansprechpartnerin
Annette Bernauer
Tel.: 07732 9995-60
E-Mail: bernauer@duh.de
        
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