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Periodical volume

Full text: DUH-Welt Issue 2016,2

2/2016
Das Magazin der Deutschen Umwelthilfe und des Global Nature Fund

welt
www.duh.de; www.globalnature.org

Was hilft gegen
Medikamente in
Gewässern?
Vom Abwasserkanal
zum lebendigen Bach
Aufgedeckt:
DUH stoppt irreführende
Opel-Werbung

Am Bodensee blüht der Umweltschutz
Schreiadler willkommen

Bio-Pionier seit 1974

Faires Bio-Palmöl
Aus Respekt vor Mensch, Tier und Natur

R ed en w ir d rü be r!

Forum6
PalmöOlktober 201
14.-15.

bei Rapunzel Naturkost in

Legau

fairen
alm von den besonders sozialen und
Rebecca Afrah profitiert bei Serendip
Frauen ihrer Umgebung.
Arbeitsbedingungen, wie viele weitere

Das Thema Palmöl erhitzt die Gemüter, oftmals zu Recht.
Aber Palmöl ist ein vielseitiger und wertvoller Rohstoff.
Rapunzel Samba, Tiger Creme und andere Nussaufstriche
erhalten so ihren besonders cremigen Schmelz.

Der fairer, ökologischer Ölpalmenanbau schützt und
fördert den natürlichen Lebensraum von Pflanze und Tier.
Und er schafft faire Bedingungen für alle Beteiligten vor
Ort.

Und: Sozial- und umweltverträglicher Palmanbau ist
machbar – das zeigen unsere zwei HAND IN HAND-Partner
in Ghana und Ecuador.

Mehr dazu unter:

www.rapunzel.de/faires-palmoel

Wir machen Bio aus Liebe.

Auf ein Wort

Prof. Dr. Harald Kächele
Bundesvorsitzender Deutsche Umwelthilfe e.V.

Liebe Leserin, lieber Leser,
der Bodensee ist „Lebendiger See des Jahres“. Unsere Partnerorganisation Global
Nature Fund und das Netzwerk Lebendige Seen Deutschland vergeben dieses
Prädikat, um auf gesunde Gewässer aufmerksam zu machen. Die Auszeichnung
freut uns natürlich ganz besonders. Immerhin ist die Deutsche Umwelthilfe
fest mit der Bodensee-Region verbunden, auch wenn unsere Arbeit sich seit
einigen Jahren viel in Berlin oder in Brüssel abspielt – eben dort, wo politische
Entscheidungen fallen, die Umwelt- und Verbraucherrechte betreffen.
Umweltpolitisch gab es viel zu tun in den letzten drei Monaten – und wir haben
viel erreicht. Erst vor wenigen Wochen hat die Deutsche Umwelthilfe gegen das
Land Berlin geklagt wegen der andauernd schlechten Luft in der Hauptstadt.
Wir sind zuversichtlich, dass wir durch unsere vorgeschlagenen Maßnahmen eine
bessere Luftqualität erreichen können. Ende April haben wir mehr als 200.000
Unterschriften an Lidl übergeben, um unserer Forderung nach weniger Müll
bei dem Discounter Ausdruck zu verleihen. Und mit einem neuen Projekt, das
die DUH gemeinsam mit dem Bündnis „Kommunen für Biologische Vielfalt“ ins
Leben gerufen hat, setzen wir uns für mehr artenreiches Stadtgrün ein.
Auch das Thema Diesel-Abgase lässt uns nicht los. Anfang des Monats wurde in
Darmstadt die Klage der DUH wegen Werbung von Opel zu seinen Diesel-Autos
verhandelt. Das Ergebnis: Opel hat sich verpflichtet, irreführende Aussagen zu
beenden.
Der Höhepunkt der letzten Wochen war aber mit Sicherheit die Woche der
Umwelt. Bundespräsident Joachim Gauck hatte nach 2012 zum zweiten Mal in
den Garten von Schloss Bellevue geladen. Mit beinahe 200 weiteren Ausstellern
war die DUH auf der zweitägigen Umwelt-Schau vertreten. 12.000 Besucher
kamen bei bestem Sonnenwetter. Gemeinsam mit unserem langjährigen Partner
Rapunzel Naturkost richteten wir das UmweltCafé mit biologischen und fair
gehandelten Teesorten und Kaffee aus und präsentierten Projekte des Hand
in Hand-Fonds.
Unsere Arbeit, liebe Leserinnen und Leser, wäre ohne Ihre Hilfe nicht möglich.
Dafür sagen wir Danke! Wie Sie uns unterstützen können – zum Beispiel mit
einer Spende oder Fördermitgliedschaft – erfahren Sie auf www.duh.de.
Ihr

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INHALT

Im Park
6

SCHAUPLATZ

m Schlossgarten von Bellevue versammelte sich Deutsch-

Umwelt-Sachverstand. Rund 12.000 Besucher kaImenlands
im Juni zur Woche der Umwelt nach Berlin. Mitten drin:
die DUH und ihre Partner.

AKTUELL
08

Projekt für artenreiches Stadtgrün startet

08

200.000 Menschen gegen Verpackungsflut bei Lidl

08

DUH klagt gegen Berliner Senat

09

Mit Stadtwerken zu mehr Klimaschutz

09

Soforthilfe für Erdbebenopfer in Ecuador

09

Strengere Grenzwerte für Ammoniak

10
THEMEN
10

Die DUH zu Gast auf Schloss Bellevue
Neben zwei Fachforen richteten die Deutsche Umwelthilfe und
Rapunzel Naturkost traditionsgemäß das UmweltCafé auf der
Woche der Umwelt in Berlin aus.

13

DUHmarkt

14

Chemie und Medikamente -– Alles im Fluss

Ein See der Superlative
Bodensee ist eine der schönsten Urlaubsregionen
D erDeutschlands.
Doch der größte Trinkwasserspeicher
Europas war vor noch nicht allzu langer Zeit eine übel
riechende Brühe. Bis viele Retter sich auf den Schutz der
Umwelt besannen.

Arzneimittelrückstände belasten Gewässer und Böden und
führen nachweislich zu Schäden in der Tier- und Pflanzenwelt.
Auf lange Sicht könnten sie auch der Qualität unseres
Trinkwassers schaden.
16

Die Helden vom Bodensee
Der Global Nature Fund zeichnet den Bodensee als
„Lebendigen See des Jahres“ aus.

14

MAGAZIN

18

■
■
■
■
■
■

NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

■

Von wegen sauber!

ENERGIE
NATURSCHUTZ
KREISLAUFWIRTSCHAFT UND MEHRWEGSCHUTZ
VERKEHR
VERBRAUCHERSCHUTZ

Schleichende Gefahr
inmal in die Umwelt entlassen, sind sie kaum mehr zu
entfernen: Schmerzmittel, Antibiotika und hormonelle
Wirkstoffe sammeln sich in zu vielen Gewässern. Und nun?

E

Am Anfang ging es nur um VW. Doch längst ist klar, dass
eine ganze Branche vom Abgasskandal betroffen ist.
19

■

Hendricks und Seehofer fallen auf
Die DUH hat Spitzenpolitiker nach ihren Dienstwagen
befragt.

4

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20
16

INHALT

20

■

Gegenwind im Dialog einfangen
Die deutsche Ostseeküste wird zur Pilotregion für Erdkabel.

21

■

Werfen Sie einen Blick in den Energieausweis!

22

■

Von der Köttelbecke zum Lebensraum am Bach

23
Wild und unberührt
agger und Beton sind der Oder auf weiten Strecken
fremd. Wassergetränkte Moore in ihrem Umland verweigern Menschen den Zutritt. Doch der Traum von Wildnis
und unberührter Natur ist in Gefahr.

Gladbeck-Brauck ist Grün-Soziales Modellquartier.
23

■

Neue Naturschutzallianz für die Oder

24

■

Baumriesen der Zukunft

B

DUH und NABU pflanzen Eichen an der Elbe.
24

■

Mehr als eine grüne Visitenkarte
Biodiversität ist auch für Unternehmen ein Thema.

25

Lese-Tipp
Eine Geschichte der Vogelmalerei

26

■

Für die Tonne
Die Folgen von Einweg für Klima und Umwelt sind
verheerend.

27

■

Ein Leben ohne fließendes Wasser?
Der Global Nature Fund hilft sechs Dörfern in der
Elfenbeinküste.

28

UNBEKANNTE TIERART
28

Richtung Beute durch die Nacht
Als nachtaktive Jägerin durchkreuzt die Bechsteinfledermaus
die deutschen Wälder.

Geschickte Fliegerin
m dichten Wald sind Insekten keinesfalls vor der Bechstein-Fledermaus sicher. Die Nacht-Jägerin pflückt sie
von Blättern oder erbeutet sie im Flug. Zu beobachten ist
die Fledermaus dabei jedoch selten.

I

DUH INTERN
31

Mit dem DUH-Vorsitzenden auf Streifzug durch Berlin
Die DUHwelt nimmt 15 Jahre Amtszeit von Harald Kächele
zum Anlass für ein Gespräch.

MENSCHEN FÜR NATUR
31

The Big Five – ein Grund zum Feiern!
Spenden statt Geschenke helfen einem Wildnis-Projekt.

30

31

Impressum

15 Jahre an der Spitze
arald Kächele ist nicht nur DUH-Vorsitzender, sondern
auch Familienmensch, Wissenschaftler und BerlinBegeisterter. Auf einem Gang durch die Hauptstadt plaudert
er über seine Rolle in der DUH.

H

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SCHAUPLATZ

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SCHAUPLATZ

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AKTUELL

Erfreulich

Weniger ist mehr

Projekt für artenreiches Stadtgrün startet

200.000 Menschen
gegen Verpackungs­­flut bei Lidl

n Den Förderbescheid für das

Projekt „Stadtgrün – Arten­­reich
und Vielfältig“ überreichte
Professorin Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für
Naturschutz (BfN), am 3. Juni
persönlich. Peter Gaffert, Oberbürgermeister von Wernigerode und Vorstandsvorsitzender
des Bündnisses „Kommunen
für biologische Vielfalt“ nahm
das Dokument in Wernigerode entgegen. Das Bündnis
und die DUH kooperieren in
diesem Projekt und wollen in
den nächsten sechs Jahren ein
Label entwickeln, das Kommunen für nachhaltige Wirtschaftsweisen auf öffentlichen
Grünflächen auszeichnet. Ziel
ist, die biologische Vielfalt in
Städten zu erhöhen.
Die erste öffentliche Ausschreibung zur Teilnahme am
Label für 15 Kommunen wird
im Dezember 2017 erfolgen.
Insgesamt sollen 30 Kommunen das Labeling-Verfahren im
Projektzeitraum durchlaufen
können.

Vlnr: Robert
Spreter (DUH),
Prof. Beate
Jessel (BfN),
Dr. Heino
Kamieth (Landeshauptstadt
Hannover),
Peter Gaffert
(Bündnis)

Fünf Modellkommunen zeigen, wie naturnahe Grünflächen gestaltet und gepflegt
werden können: Wernigerode,
Frankfurt am Main, Neu-Anspach, Kirchhain und Hannover (in Planung). „Das ökologische Grünflächenmanagement
geht von einer integrierten
Sichtweise aus. Es verbindet
naturschutzbezogene Grundsätze wie die Verwendung von
gebietsheimischem Saatgut
und Gehölzen oder den Verzicht auf regelmäßige Mahd
und Spritzmittel mit den Anforderungen, Pflegekosten in
öffentlichen Grünflächenämtern zu reduzieren. Es bezieht

aber auch die Bürgerinnen und
Bürger in die Planung und Pflege dieser Grünflächen mit ein“,
erläuterte Jessel.
Gefördert wird das Projekt
mit einem Gesamtbetrag von
1,3 Millionen Euro durch das
Bundesamt für Naturschutz mit
Mitteln des Bundesumweltministeriums. Das Bündnis und
die DUH leisten damit einen
Beitrag zum Bundesprogramm
Biologische Vielfalt. (th, jk) 	 n
Förderer:

Dicke Luft in der Hauptstadt

DUH klagt gegen Berliner Senat
n Die Deutsche Umwelthilfe
hat Anfang Juni Klage gegen das
Land Berlin eingereicht. Grund
dafür ist die hohe Belastung der
Luft mit dem Schadstoff Stickstoffdioxid (NO2). Der seit 2010
geltende Grenzwert von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter
Luft im Jahresdurchschnitt wird
in der Hauptstadt nach wie vor
an allen verkehrsnahen Messstationen überschritten. Nach
Auffassung der DUH sind
die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichend,
um die Gesundheit der Men-

8

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schen zu schützen. Obwohl
in der Vergangenheit bereits
Luftreinhaltemaßnahmen
um­gesetzt wurden, hat sich
die NO2-Belastung in Berlin
in den letzten zehn Jahren
kaum verändert. Kurzfristig
umsetzbare Maßnahmen wären Verkehrsbeschränkungen
und Lkw-Durchfahrverbote
an hoch belasteten Straßen
oder die Einführung einer
City-Maut. Zudem muss die
Linienbusflotte schneller mit
wirksamen NO2-Katalysatoren
nachgerüstet bzw. gegen emis-

n „Schluss mit dem Müll!“
forderten Vertreter der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und
SumOfUs vor einer Lidl-Filiale
Ende April in Berlin. Um ihrer Forderung Nachdruck zu
verleihen, übergaben sie eine
Petition mit über 200.000 gesammelten Unterschriften an
die Lidl-Verantwortlichen Jan
Ribbeck und Kay Sperling. Die
Organisationen kritisieren das
Unternehmen für den verantwortungslosen Umgang mit
Ressourcen.

sionsarme Busse ausgetauscht
werden. Die DUH fordert die
Senatsverwaltung zudem auf,
die Nutzung des Öffentlichen
Nahverkehrs beispielsweise
durch ein Bürgerticket attraktiver zu gestalten sowie den
Fuß- und Radverkehr deutlich stärker zu fördern. In der
Vergangenheit hat die DUH
wiederholt die Umsetzung
von Luftreinhaltemaßnahmen
juristisch erstritten. Sie klagt
derzeit in neun deutschen
Städten wegen der schlechten
Luft. (lh) 	 		
n

„In Deutschland fallen jährlich über 17 Millionen Tonnen
Verpackungsmüll an – mehr
als in jedem anderen EU-Mitgliedstaat. Lidl ist als einer der
größten Discounter Deutschlands mitverantwortlich für
den ständigen Anstieg der Abfallberge. Der Discounter verkauft zum Beispiel Getränke in
Einwegplastikflaschen und Dosen, einzeln verpackte Teebeutel, Obst in Plastikfolien oder
unkomprimierte Deodorants.
Angesichts der Tatsache, dass
wir bereits heute anderthalbmal mehr Ressourcen verbrauchen als die Erde regenerieren
kann, ist dieses Verhalten vollkommen unverantwortlich“,
kritisiert der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.
(tf, lh)

n

AKTUELL

Bitte wenden

Unbürokratisch

Mit Stadtwerken zu mehr Klimaschutz

Soforthilfe für
Erdbebenopfer
in Ecuador

■ Auf Einladung der DUH nah-

men Vertreter von Stadtwerken
und Kommunen sowie engagierte Bürger am 14. Juni an
dem Kongress „GemeinschaftsWerk Klimaschutz“ in Kassel
teil. Themen-Schwerpunkte
waren die Wärme-, Verkehrsund Effizienzwende auf kommunaler Ebene. Die DUH stellte
ihr neues Angebot für Energieversorger vor: Das Label „KlimaStadtWerk“ wird ab sofort
für Klimaschutzleistungen von
Stadtwerken vergeben.
Zukünftig wird das Engagement von Stadtwerken für wirksamen Klimaschutz eine immer größere Rolle spielen. Die
Sektoren Strom, Wärme und
Mobilität müssen enger miteinander verzahnt und effizienter
werden. Damit Stadtwerke in
Kooperation mit kommunalen
Eignern in Klimaschutzmaßnahmen investieren, brauchen sie

attraktivere rechtliche Rahmenbedingungen. „Kommunale
Unternehmen sind ebenso wie
andere Marktteilnehmer auf ein
Investitionsklima angewiesen,
das finanzielles Engagement in
eine klimaschonende Infrastruktur belohnt und nicht behindert.
Regenerative Energieerzeugung, intelligente Verteilernetze und Quartiersspeicher, aber
auch neue Mobilitätskonzepte
sind Ansatzpunkte für die Zukunft. Die entsprechenden

Gesetze und Verordnungen,
wie beispielsweise das Energieeffizienzgesetz oder das
Erneuerbare-Wärme-Gesetz
müssen hierfür ein deutliches
Investitionssignal aussenden“,
sagte Sascha Müller-Kraenner,
Bundesgeschäftsführer der
DUH. Der Kongress wurde von
der Städtische Werke AG Kassel
unterstützt. (of)
■
Förderer:

Der Betriebshofleiter
der Kasseler
VerkehrsGesellschaft,
Karsten Kamutzki (Mitte),
zeigt eine
Trambahn bei
der Sanierung.

Vom Acker in die Lunge

Strengere Grenzwerte für Ammoniak
■ Die Deutsche Umwelthilfe

hat Ende Mai gemeinsam mit
anderen Verbänden vor dem
Landwirtschaftsministerium
in Berlin demonstriert. Mit
dem Symbol einer großen,
aufblasbaren Lunge forderten
die Umweltschutzverbände
Bundeslandwirtschaftsminister
Christian Schmidt auf, sich für
schärfere Ammoniak-Grenzwerte einzusetzen.
Mehr als 90 Prozent des
Ammoniaks entstehen in der
Landwirtschaft, wobei Ammoniak wesentlich zur Feinstaubbelastung in unseren Städten
beiträgt. Die gasförmige Stickstoffverbindung entweicht aus
mineralischen Düngemitteln
und aus Mist bzw. Gülle und

reagiert in der Atmosphäre mit
anderen Luftschadstoffen – hierbei entsteht Feinstaub. Die EU
erarbeitet derzeit die Richtlinie
über nationale Reduktionsziele
(NERC), um den Ausstoß gesundheits- und klimaschädlicher Luftschadstoffe wie Feinstaub, Schwefel- und Stickoxide

■ 10.000 Euro bewilligte der

Hand in Hand-Fonds im Mai
für Hilfsleistungen nach dem
Erdbeben in Ecuador. Die Region Manabi wurde von dem
Beben in der Nacht zum 16.
April diesen Jahres schwer getroffen: Fast alle Häuser sind
zerstört, Lebensmittel sind
schwer zu bekommen und
die Trinkwasserversorgung ist
komplett zusammengebrochen. Die ecuadorianische
Stiftung Fundación para la
Investigación y Desarrollo
Social (FIDES) stellte fest, dass
die weit abgelegenen ländlichen Gegenden kaum auf
schnelle staatliche Hilfe zählen können. Deshalb wandte
sich FIDES mit einem Notruf
an den Hand in Hand-Fonds.
Mit dem Geld richtet die Stiftung ab sofort Notfallküchen in
vier Dörfern in Manabi ein und
verteilt kostenlos Wasserfilter
an die Bewohner. Das FIDESHelferteam hat gute Kontakte
in die Küstenregion, weil die
Organisation dort bereits seit
2010 mit MangrovenschutzProjekten aktiv ist.

sowie Ammoniak zu reduzieren. Denn noch immer ist die
Belastung unserer Atemluft mit
diesen Schadstoffen viel zu
hoch. Das Umweltbundesamt
geht von jährlich rund 47.000
vorzeitigen Todesfällen allein
durch Feinstaubbelastung in
Deutschland aus. (am, lh)
■

Schwere Zerstörungen in der
Region Manabi

Umweltschützer
protestierten
vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium.

Der Hand in Hand-Fonds ist
eine Gemeinschaftsinitiative
von Rapunzel Naturkost und
Deutsche Umwelthilfe, die soziale und ökologische Projekte
fördert. (jk)
■

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THEMEN

Die DUH zu Gast auf

Schloss Bellevue
„Sie ist ein Gemeinschaftswerk“, lobte Bundespräsident Joachim Gauck in
seiner Eröffnungsrede die „Woche der Umwelt“, die in diesem Jahr ihr fünftes
Jubiläum feierte. Mit verschiedenen Fach-Beiträgen wirkte auch die DUH an
diesem Werk mit. Und die Sonne strahlte in das gut besuchte UmweltCafé von
Rapunzel Naturkost und DUH.
■

n einen wolkenlosen Himmel ragten die weißen Zipfel der Zeltstadt bei der diesjährigen Woche
der Umwelt im Schlosspark Bellevue.
Fast 200 Aussteller hatten die Veranstalter
für die große Umwelt-Schau in Berlin
am 7. und 8. Juni ausgewählt. Innovationen aus Umwelttechnik, -forschung,
-bildung und Naturschutz bildeten eine
breite Palette ab: Bionik, CarSharing,
Ökosystemleistungen, Energiewende
und vieles mehr. Gastgeber waren die
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

I

10

welt 2/2016

von Jutta Kochendörfer und Laura Holzäpfel

und Bundespräsident Joachim Gauck,
der die rund 12.000 Besucher mit dem
Leitgedanken der Nachhaltigkeit „Global
denken, lokal handeln“ begrüßte. Gauck
verwies darauf, dass viele Menschen
ihre Abenteuer nur über unterschiedlich
große Bildschirme erlebten und parierte:
„Naturbewusstsein lässt sich ohne eigene
Naturerlebnisse kaum entwickeln. Das
wollen wir einigen jungen Eltern doch
mal kräftig ins Stammbuch schreiben.“
Inmitten der Parkanlage richteten die
Deutsche Umwelthilfe und Rapunzel Na-

turkost das mittlerweile traditionsreiche
UmweltCafé aus. Das Schweizer Unternehmen Rex Royal war mit seinen hochwertigen, nachhaltigen Kaffeemaschinen
präsent. Der luftige Eckpavillon lud mit
leckeren Kaffeespezialitäten und feinen
Tees zum Verweilen ein. Natürlich alles
bio und fair und ausschließlich aus „richtigen“ Tassen. Einwegbecher gab es weit
und breit keine.
Über die zwei Veranstaltungstage
gönnten sich zahlreiche Café-Gäste eine
kleine Pause und informierten sich über

2

3

THEMEN

4

5

1. Sommerliche Stimmung im Schlosspark von Bellevue. 2. Das UmweltCafé-Team verwöhnte seine Gäste mit feinen Kaffee-Spezialitäten.
3. DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner (re.) moderierte ein Forum zum Thema Palmöl. 4. Auf dem Ressourcenschutz-Podium:
Dr. Fritz Lauer, Leiter Nachhaltigkeit bei der Telekom (li.) und DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch (re.). 5. First Lady Daniela Schadt mit
ihrem neuen Mehrweg-Becher.

den Hand in Hand-Fonds von Rapunzel
Naturkost und der DUH. Denn in entspannter Atmosphäre gab es im UmweltCafé auch eine Portion Wissenswertes
über Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit. „Wir legen Wert darauf, zivile Gesellschaften nachhaltig zu stärken.
Wenn etwa neue Einkommensquellen
für Dorfgemeinschaften in Afrika, Asien oder Lateinamerika entstehen, ist das
echte Hilfe zur Selbsthilfe. Das können
Projekte im ökologischen Landbau sein,
aber auch im Handwerk oder zur lokalen Solarstromerzeugung. Wissensvermittlung spielt dabei immer eine große
Rolle“, schildert Michael Hadamczik,
Leiter Marketing der DUH, die Arbeit
des Fonds einem Café-Besucher.
Auch Daniela Schadt, Journalistin
und Lebensgefährtin des Bundespräsidenten, ließ es sich nicht nehmen, auf
eine Tasse frischen Kaffees vorbeizuschauen. Sie war besonders interessiert
daran, wie der Fonds benachteiligten
Menschen zu Gute kommt, etwa auf
den Philippinen oder in Simbabwe. Mit
einem Mehrweg-Kampagnenbecher der

DUH beschenkt, verließ Schadt das UmweltCafé und versicherte, dass Gauck
keinen eigenen Becher brauche: „Wir
teilen alles!“

Palmöl richtig machen
Der Naturkosthersteller Rapunzel hatte
ein Thema mitgebracht, das ihm aktuell besonders am Herzen liegt. „Palmöl
richtig machen“ hieß das Infopaket, bestehend aus einem Ausstellungsbeitrag,
einem Fachforum und natürlich persönlichen Gesprächen. Denn PalmölAnbau steht zu Recht immer wieder in
der Kritik, vor allem wegen der Vernichtung von Regenwald. Ebenso fraglich
sind auch die Arbeitsbedingungen und
die Ausbeutung der Menschen auf den
Plantagen und in der Verarbeitung. Firmengründer Joseph Wilhelm erklärte
das Thema: „Wir wollen dazu beitragen,
dass eine differenzierte, wertschätzende
Diskussion über Palmöl entsteht. Palmöl
selbst ist keinesfalls schlecht.“ Der Anbau bietet eine hohe Ausbeute auf geringerer Fläche im Vergleich zu anderen

Ölpflanzen-Kulturen. In vielen Ländern
ist Palmöl ein traditionelles Nahrungsmittel und eine wichtige Einkommensquelle der Kleinbauern.
Ökologisch und sozial verträglich
produziertes Palmöl ist ein hervorragender Rohstoff. Für die Firma Rapunzel
ist entscheidend zu wissen, woher ihre
Rohstoffe kommen. Deshalb pflegt der
Biopionier direkte Kontakte zu seinen
Lieferanten. Er gibt ihnen Sozial- und
Umweltstandards vor, sorgt aber auch
für Beratung und Schulungen. Überprüft
werden die Standards von unabhängigen
Auditoren sowie von Rapunzel AgrarIngenieuren, die sich persönlich von der
Situation vor Ort überzeugen.
Für den Naturkosthersteller sind 100
Prozent Bio-Anbau ein absolutes Muss.
Im Palmanbau setzt Rapunzel klare Kriterien an, die weit darüber hinausgehen. Der Kern sind: keine PrimärwaldRodung, die Förderung der Tier- und
Pflanzenvielfalt inner- und außerhalb
der Palmpflanzungen, das Respektieren von Landnutzungsrechten sowie der
Rechte indigener Bevölkerungsgruppen.

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THEMEN

66

8

7

6. Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner Eröffnungsrede. 7. Cornelia Szyszkowitz (Telekom) und Michael Hadamczik (DUH) ernteten reges
Interesse mit der Althandy-Rücknahmeaktion. 8. Daniela Schadt (Mitte) und Rapunzel-Gründer Joseph Wilhelm (rechts) plauderten beim Kaffee.

Mehr Kreislaufwirtschaft: das
Beispiel Handy-Rücknahme
Im UmweltCafé hatte die DUH zudem
eine Rücknahmebox für Althandys aufgestellt. Hier konnten sich die Gäste über
die Weiterverwendung von Altgeräten und
über hochwertiges Recycling informieren.
„Es geht um erstaunlich große Mengen“,
berichtete DUH-Bundesgeschäftsführer
Jürgen Resch. „Allein in Deutschland liegen etwa 120 Millionen alte Handys in
den Schubladen. Je früher sie zurückgebracht werden, umso schneller können
sie als Gebrauchtgeräte verwendet oder
ihre Rohstoffe für den Kreislauf zurückgewonnen werden. Handys und ElektroKleingeräte dürfen keinesfalls über die
Restmülltonne entsorgt werden. Deshalb
fordert die DUH ein Pfandsystem für sie.“
Partner bei diesem Thema war die
Telekom Deutschland. Fritz Lauer, Leiter
Nachhaltigkeit/Deutsche Telekom Technik, betonte: „Wir wollen gemeinsam
Bewusstsein für nachhaltiges Handeln
schaffen. Unternehmen und Gesellschaft
stehen in der Verantwortung, Ressourcen
effizienter zu nutzen und Wirtschafts-

12

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kreisläufe zu schließen.“ Ein Fachforum
der DUH in Zusammenarbeit mit der Telekom war trotz Mittagshitze gut besucht:
Die Gäste nutzten die Gelegenheit, die
anwesenden Experten von Telekom und

den Rücknahmespezialisten Teqcycle
Solutions GmbH nach den zertifizierten
Recyclingprozessen zu befragen.
Das Projekt AgoraNatura präsentierte
sich mit einem gemeinsamen Infostand

Gemeinsam für eine gerechte Zukunft
n Der Hand in Hand-Fonds entstand 1998 als Gemeinschaftsinitiative von Rapunzel
Naturkost und DUH. Den Löwenanteil der Mittel steuert Rapunzel mit einer jährlichen Spende für den Fonds bei. Zusätzlich fließen weitere Gelder aus Aktionen
und Spenden in den Fonds. In der Gründungsphase und den ersten Jahren waren
die meisten Förderprojekte mit den Handelsbeziehungen von Rapunzel verknüpft.
Denn der Naturkosthersteller wollte die Lebensbedingungen der Menschen in den
Anbauprojekten verbessern und ihren Kindern gute Bildungschancen ermöglichen.
Mittlerweile fördert der Fonds unabhängige ökologische und soziale SelbsthilfeProjekte in Asien, Lateinamerika und Afrika. Ein Imkerei-Projekt in Tansania, der
Bau von Wasserleitungen in Nepal und ein Projekt zur Wiederbelebung des traditionellen Hirseanbaus in Indien zählen zu den aktuellen Förderprojekten. Auch
Artenschutz- und Umweltbildungsprojekte, die Meeresschildkröten oder Delfinen
zu Gute kommen, konnten 2016 dank Hilfe aus dem Fonds gestartet werden. n

Wir reden drüber
Palmöl-Forum – interessante Referenten, spannende Diskussionen,
hilfreiches Hintergrundwissen
14. und 15. Oktober bei Rapunzel Naturkost in Legau (Allgäu)
Mehr unter www.rapunzel.de/palmoel-forum

THEMEN

DUHmarkt

DUH Umweltschutz-Service GmbH | Fritz-Reichle-Ring 4 | 78315 Radolfzell

Ihre Bestellung direkt per Telefon: 07732 9995-0

Geschichten und Rezepte
aus dem Grünen Baum
Das traditionsreiche Dorf-Gasthaus
am Bodensee lässt vergessene
Genüsse aufleben. Garniert mit
Einblicken in die Küche und Seele
des Grünen Baums.
Hubert Neidhart, Naturerbe-Verlag Jürgen Resch
2012, 130 Seiten, Hardcover gebunden,
viele Abbildungen
 14,80 zzgl. 5,00 Versandkosten
Bestell-Nr: 2042

Fledermäuse –
Eine Bilderreise durch
die Nacht
Dietmar Nill, Björn Siemers
BLV Verlag, 2001, 160 Seiten,
faszinierende Farbfotos
 39,90 zzgl. 5,00 Versandkosten
Bestell-Nr: 2003

Mehrweg-Becher
Schildkappe
mit Deutsche Umwelthilfe-Logo.
Produziert aus 100 Prozent BioBaumwolle und fair gehandelt.
Größenverstellbar.
 20.- zzgl. 5,00 Versandkosten.
Bestell-Nr: 7325

Mit Herzblut
Unter dem strahlend blauen Himmel
über Bellevue waren viele Menschen versammelt, die mit Herzblut und Sachverstand für den Schutz von Umwelt, Natur
und Lebensqualität eintreten. „Auf der
Woche der Umwelt wurde eine Vielzahl
überzeugender Projekte und technischer
Lösungen präsentiert“, resümiert DUHBundesgeschäftsführer Sascha MüllerKraenner. „Wir freuen uns, dass wir dabei
waren!“ 	
		
n

Bitte Online bestellen über:
www.cuptrends.de
 15,90 zzgl. Versandkosten

Was bleibt?

11 Persönlichkeiten zur Frage „Was bleibt?“ – Günter Grass,
Friede Springer, Reinhold Messner, Anne-Sophie Mutter u.v.a.

Foto: © bettinaflitner.de/Initiative „Mein Erbe tut Gutes.“

auf der Woche der Umwelt. Das innovative Naturschutzvorhaben will Unternehmen dazu anregen, für intakte Natur
– das heißt, für Ressourcen wie sauberes
Wasser oder reine Luft – zu bezahlen.
Dies soll auch der Biodiversität helfen.
Ziel ist es, einen Marktplatz im Internet
zu schaffen. Das Projekt befindet sich
momentan in der Forschungsphase. Hierbei kooperieren das Leibniz Zentrum für
Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.,
die Universität Greifswald, der Deutsche
Verband für Landschaftspflege (DVL) und
die DUH.

Für BecherheldInnen:
Der Thermo­becher hat einen
Deckel mit Trinköffnung,
BPA-frei, Füllmenge 0,3 Liter.

Das Prinzip Apfelbaum.
Ausstellungseröffnung in Bremen und Köln

15.07. – 21.08.2016
im Paula-Modersohn-Museum,
Bremen
11.11. - 15.12.2016
Michael Horbach Stiftung,
Köln
.
Das Prinzip Apfelbaum
bleibt?“
11 Persönlichkeiten zur Frage „Was

Vernissage am 14. Juli und 10. November, jeweils 18 Uhr.
Anmeldung unter bernauer@duh.de oder Tel. 07732 9995-0
Gäste der Deutschen Umwelthilfe erhalten bei der Vernissage den
Bildband zur Ausstellung oder das Hörbuch als Geschenk.

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THEMEN

Die Helden vom Bodensee
Schloss Salem, Mai 2015.
Rockgitarrist Mark Knopfler
gibt ein Konzert vor ehrwürdiger Kulisse. Neben neuen Stücken auch
die alten Songs – als sei die Zeit stehen
geblieben, seit 1978 das Album „Dire
Straits“ und 1983 der Kinofilm „Local
Hero“ erschienen. Damals war der Bodensee keinesfalls lebendig. Zeitzeugen
berichten von Algenblüten und übel riechendem Wasser. Schon zwanzig Jahre
zuvor war offensichtlich: Der Mensch
kann selbst einen See mit einem riesigen
Wasservolumen von 48 Kubikkilometern gründlich verschmutzen. Seinerzeit
fürchtete man um das Trinkwasser für
über vier Millionen Menschen.

Lokale Helden für den Bodensee
Wie alle Voralpenseen war der Bodensee ursprünglich ein nährstoffarmes
Gewässer. Doch ungeklärte Abwässer
aus Haushalten und Industrie führten in
den 1950er Jahren zu einem dramatischen Anstieg der Phosphatwerte. Phos-

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Der Bodensee ist „Lebendiger See des Jahres” 2016. Der Global Nature
Fund und das Netzwerk Lebendige Seen Deutschland wollen mit diesem Prädikat auf gute Taten aufmerksam machen: Viele lokale Helden
waren aktiv, um Deutschlands größten See wieder in ein gesundes
Gewässer zu verwandeln.
■

von Thomas Schaefer

phat ist gefundenes Fressen für Algen,
die am Anfang aller Nahrungsketten in
Gewässern stehen. Als die Anrainer 1959
die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) gründeten, war die Verschmutzungstendenz
ungebrochen.
In den 1960er Jahren entstanden
dann rund um den Bodensee Kläranlagen, Kanalnetze wurden gebaut und
erneuert. Fast vier Milliarden Euro haben
diese Infrastrukturmaßnahmen bis heute
gekostet. 1972 wurde mit der Gründung
der Internationalen Bodenseekonferenz
(IBK) die Zusammenarbeit auf noch breitere Füße gestellt.

Trotzdem stiegen die Phosphatwerte bis
1980 weiter und erreichten das Zehn- bis
Zwölffache der natürlichen Konzentration. Erleichterung setzte erst ab 1980 ein:
Endlich sanken die Werte. Das Verbot
von Phosphat in Waschmitteln und eine
neue Technik zur Fällung aus Abwässern
brachten letztlich den durchschlagenden
Erfolg.

Bodensee, ein „Water of Love”
Bei dem Song „Why Worry“ schweifen
die Gedanken vom Schloss Salem zum
Weingut „Markgraf von Baden“. Auf den
Rebflächen oberhalb des Sees testen die

THEMEN

Seen mit allen Sinnen

Winzer ökologischen Weinbau, auch um
das Gewässer zu entlasten. Ein Beispiel
dafür, dass Badener und Schwaben den
Bodensee und seine Umgebung lieben. In
den letzten Jahrzehnten hat sich die ganze
Region auf den Weg gemacht und Modellprojekte zur nachhaltigeren Nutzung
entwickelt. Zahlreiche Landwirte bieten
ihre Produkte unter der Marke „Gutes vom
See“ an und der Öko-Landbau weitet sich
aus. Busse und Nahverkehrszüge bekommen kundenfreundlichere Fahrpläne, Feriengäste erhalten vielerorts Gratis-Tickets.
Campingplätze bieten Vogelstimmenwan-

derungen an, animieren zum Wassersparen und werden zu Solarstrom-Erzeugern.
Etliche Unternehmen verabschieden
„Grüne Chartas“. Umweltorganisationen
wie BUND, NABU, DUH und BodenseeStiftung wirkten an solchen Modellen mit
und haben den internationalen Umweltrat
Bodensee ins Leben gerufen.
Ende März hat der Global Nature
Fund die Heldinnen und Helden, die
„Local Heroes“ vom Bodensee, zu einem
Festakt eingeladen. Fünfzig von ihnen
sind gekommen, um gemeinsam ihren
Lebendigen See zu feiern.
■

Auf geführten Exkursionen lernen Gäste und Einheimische Naturschätze kennen.

Naturerfahrungsangebote für Blinde
und sehbehinderte Menschen gibt es in
Deutschland kaum. Dies belegt auch die
Datenbank „databus“, das wichtigste Verzeichnis von Freizeitaktivitäten für Blinde und Sehbehinderte. Von rund 1.000
Angeboten haben nur etwa zehn Prozent Bezug zu Natur, welche sich jedoch
meist mit Zoos oder Botanischen Gärten
befassen. Gerade einmal fünf Angebote
bieten echtes Naturerleben.
Diesem Manko begegnen BodenseeStiftung, Global Nature Fund und Partner aus dem Netzwerk Lebendige Seen
Deutschland. Sie initiieren spezielle
Führungen, bei denen Tasten, Riechen
und Hören im Vordergrund stehen. Furchige Baumrinde im Gegensatz zu Moos,
Duftpflanzen und Vogelstimmen regen
die Sinne an und verbinden Menschen
mit der Natur. Vorschläge für entsprechende Veranstaltungen hat der GNF
in Form einer Broschüre für Naturpädagogen herausgegeben. Das Team von
Bodensee-Stiftung und GNF will Überzeugungsarbeit dafür leisten, dass solche Naturerfahrungsangebote Eingang
in Umweltbildungsprogramme finden.
Fünf Seen aus dem Netzwerk – Chiemsee, Bodensee, Schweriner See, Steinhuder Meer und Bergener See in der Lausitz
– haben bereits individuelle Konzepte für
„Sinnes“-Führungen erarbeitet. Hilfreich
sind auch die 3D-Naturerlebniskarten,
die für jeden See entwickelt wurden. Ihre
kontrastreiche Gestaltung kommt sehbehinderten Menschen entgegen; für Blinde
wurde der Text in Braille-Schrift übersetzt.
Informationen wie der Umriss des Sees,
Städte oder Hinweise auf Naturschutzgebiete sind zusätzlich erhaben dargestellt
und damit für alle zugänglich. Die Karten
sind sowohl zur Vorbereitung als auch
während Führungen nutzbar. (kf)
■
Mehr Informationen:
www.natur-sinn.org
Förderer des Projekts „Naturerleben für
Blinde und Sehbehinderte“:

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THEMEN

V

on kleinen weißen Pillen bis zu
langen bunten Kapseln – nicht
nur von außen betrachtet ist die Bandbreite unserer Arzneimittel-Palette riesengroß. Hinzu kommen Salben, Gels
und Cremes, die äußerlich angewendet
werden. Bis zu 150 verschiedene Wirkstoffe sind nachweisbar – und zwar in
Seen, Flüssen und in unseren Böden. Was
uns ein gesundes Leben ermöglichen soll,
landet über Umwege in der Umwelt.

Vom Menschen in die Natur
Medikamentenrückstände gelangen auf
ganz unterschiedliche Weisen in unsere Umwelt. Zum einen werden sie vom
Menschen automatisch über Toilette,
Dusch- und Badewasser abgegeben. Zum
anderen werden alte oder nicht genutzte
Medikamente fälschlicherweise oft einfach in der Toilette und dem Spülbecken
entsorgt. Die Abwässer verfrachten die
Wirkstoffe oder deren Metaboliten – das
sind Abkömmlinge aus chemischen Reaktionen – dann in die Kläranlagen, wo
sie nur in Teilen herausgefiltert werden
können.
Die größten Probleme bereiten dabei Röntgenkontrastmittel, hormonelle
Wirkstoffe und der Wirkstoff Diclofenac,
der in Schmerzmitteln und Entzündungshemmern vorkommt. Mit einer immer
älter werdenden Gesellschaft steigt der
Bedarf an Medikamenten perspektivisch
und verschärft das Problem zunehmend.
Nicht nur die Humanmedizin trägt einen erheblichen Teil zur Problematik
bei, auch die Veterinärmedizin. Hier ist
es vor allem der vermehrte Einsatz von
Antibiotika in der Tiermast von intensiv wirtschaftenden Betrieben, der die
Qualität unseres Grundwassers beeinträchtigt. Arzneimittelrückstände aus der
Landwirtschaft gelangen über weidende
Tiere oder über Gülle und Mist auf die
Böden und in die Gewässer.

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Chemie und Medikamente:

Alles im Fluss
Arzneimittelrückstände belasten Gewässer und Böden und führen
nachweislich zu Schäden in der Tier- und Pflanzenwelt. Auf lange Sicht
könnten sie auch der Qualität unseres Trinkwassers schaden. Es ist ein
diffuses Problem, für das es keine einfache Lösung gibt. Die Deutsche
Umwelthilfe organisiert einen Dialog mit Vertretern aus Politik, Wasserund Landwirtschaft, Ärzte- und Apothekerverbänden und Zivilgesellschaft.
■

von Laura Holzäpfel

Umwelthinweis
auf dem Beipackzettel
Die Ursachen des Problems sind vielschichtig: Die Pharmaindustrie stellt Medikamente für die Humanmedizin her,
die wirken sollen. Die Umweltverträglichkeit spielt dabei kaum eine Rolle.
Auch Ärzte und Apotheker verabreichen
Medikamente, meist ohne über deren
Umweltwirkungen und die sachgemäße Entsorgung zu informieren. Patienten
und Verbraucher bleiben ahnungslos, wo

sie nicht mehr benötigte Reste entsorgen
können. Das Problem verlagert sich auf
diese Weise auf die Abwasserbehandlung, für die derzeit innovative und kostspielige Techniken erprobt werden. Indes
gibt es zahlreiche Möglichkeiten, diesen
Kreislauf zu durchbrechen.
Cornelia Nicklas, Leiterin des Bereiches Recht bei der DUH sagt: „Man
kann das Pferd auch von vorn aufzäumen, indem die Forschung alternativer
Medikamente vorangetrieben wird, die
wirksam und gleichzeitig umweltverträg-

THEMEN
lich sind. Das wäre in erster Linie Sache
der Pharmaindustrie. Erste Ansätze gibt es
bereits. Außerdem wären Anmerkungen
in Beipackzetteln, die darauf hinweisen,
wie die entsprechenden Medikamente zu
entsorgen sind, wünschenswert. Hilfreich
wären auch Aufklärung durch Ärzte und
Apotheker, Annahmestellen für Alt-Medikamente in Apotheken und eine öffentliche Debatte zu diesem Thema. Am Ende
wird es im Einzelfall jedoch nicht ohne
die Einrichtung spezieller Reinigungsstufen in der Abwasserbehandlung gehen.
Die Frage ist aber dann, wer die Kosten
hierfür zu tragen hat.“
Arzneimittelrückstände belasten
schon jetzt Gewässer und Böden so stark,
dass sie in der Tierwelt nachweislich zu
Schäden an Organen, Veränderungen
der Geschlechtsmerkmale und zu Ver-

Eintrag humaner Arzneisubstanzen in Gewässer in Deutschland

Hersteller von Arzneimitteln

Apotheken & Ärzte
Private Haushalte

Krankenhäuser

Unsachgemäße Entsorgung und Ausscheidungen

Abwasser

Kläranlage

Boden

Gewässer
Viele Medikamente werden fälschlicherweise
einfach über die Toilette entsorgt.

Klärschlamm

Grundwasser

Trinkwasser

Grafik: Lütgebüter/DUH

Hormon-Rückstände in Gewässern können
bei Fröschen zur Geschlechtsumwandlung
führen.

haltensänderungen bei Fischen, Fröschen
und Schnecken führen. Um mögliche
Schäden für den Menschen abzuschätzen, ist es noch zu früh. Doch aus Gründen des vorsorgenden Gesundheitsschutzes muss auch hier gehandelt werden.
„Wir brauchen die ganze Bandbreite
an Lösungsmöglichkeiten und müssen
sowohl die Human- als auch die Tiermedizin in den Blick nehmen. Auf den
Prüfstand müssen die Herstellung und die
Zulassung von neuen Medikamenten, die
Verabreichung wie auch der Gebrauch

und die Entsorgung“, meint Nicklas. Auf
die Ergebnisse von Langzeitstudien zu
warten, können wir uns auf Kosten unserer Gesundheit nicht leisten. Die Deutsche Umwelthilfe hat im Frühjahr diesen
Jahres mit finanzieller Unterstützung des
Trinkwasserversorgers Gelsenwasser AG

ein erstes Fachgespräch mit Vertretern
aus Wirtschaft, Verwaltung, Ärzte- und
Apothekerverbänden und der Zivilgesellschaft geführt. Dabei zeigten die Beteiligten großes Interesse an der Fortsetzung
dieses Dialoges und bekräftigten den
Wunsch, Lösungen voranzutreiben. ■

Über Gülle und Mist
gelangen Arzneimittelrückstände aus der
Landwirtschaft in
Böden und Gewässer.

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MAGAZIN

■ VERKEHR

Von wegen sauber!
Am Anfang ging es nur um VW. Doch längst ist klar, dass eine ganze
Branche vom Abgasskandal betroffen ist. Denn zahlreiche Diesel-Pkw sind
auf der Straße um ein Vielfaches schmutziger, als von den Herstellern
angegeben. Die bestritten das so lange, bis sie sich dem Druck der
Beweislast beugen mussten. Und dennoch bewerben einige Hersteller ihre
Diesel-Pkw weiterhin als sauber. Die DUH geht gegen diese Verbrauchertäuschung jetzt juristisch vor.

W

erbung hat ein klares Ziel. Sie
soll Produkte vorteilhaft darstellen und zum Kauf animieren. Der Rüsselsheimer Autobauer Opel verkündete
beispielsweise, sein Zafira Tourer 1.6
CDTI – ein Dieselfahrzeug – sei „so sauber wie ein Benziner“. Außerdem habe er
den „niedrigsten Stickstoffoxid-Ausstoß“.
Damit erweckt er beim potentiellen Käufer den Eindruck, dass die Umweltschädlichkeit des Fahrzeugs so weit minimiert
wurde, wie es nur geht.

Redaktion, dem Nachrichtenmagazin
Der Spiegel und dem Softwareexperten
Felix Domke nahm die DUH die Ab-

schalteinrichtung des Fahrzeugs genauer
unter die Lupe. Um den tatsächlichen
Abgasausstoß unter realen Fahrbedingungen abbilden zu können, setzte sie
dabei auch tragbare Messgeräte ein.
Die Ergebnisse sprechen eine eindeutige
Sprache: Die Abgasreinigung des Zafira
wird mittels illegaler Abschalteinrichtungen unter bestimmten Bedingungen stark
reduziert. Im Ergebnis funktioniert die
Abgasreinigung in 83 Prozent der Zeit
nicht. Auch in dem Ende April veröffentlichten Untersuchungsbericht der „Untersuchungskommission Volkswagen“ unter
Leitung des Bundesverkehrsministeriums
überschreitet der Zafira die Grenzwerte.
Opel-Vorstand Karl-Thomas Neumann
hatte Mitte Dezember erstmals eingeräumt, dass es bei ca. 43.000 zugelassenen Fahrzeugen der Modelle Zafira
Tourer, Insignia und Cascada Probleme
mit der Wirksamkeit der Abgasreinigung
gebe. Dann hieß es, eine „vollumfängliche Abgasreinigung“ sei bei Außentemperaturen zwischen 20 und 30 Grad Celsius gegeben. Dass auch diese Aussage
nicht stimmt, belegen nun die gemeinsamen Recherchen von DUH, Monitor
und Spiegel.
Aus Sicht der DUH täuscht Opel mit
solchen Aussagen die Verbraucher. Mit
einem Antrag auf eine einstweilige Verfügung hat sie die Adam Opel AG deshalb
aufgefordert, bestimmte Werbebotschaften zu unterlassen. Bei der Gerichtsverhandlung am Landgericht Darmstadt verpflichtete sich Opel, diese Irreführung zu
beenden. Der Konzern wird nicht mehr
behaupten, dass der Diesel so sauber wie
ein Benziner sei.

Auch Opel schummelt
Dass der Zafira und weitere Modelle
aus dem Hause Opel diesen Aussagen
nicht gerecht werden, belegen jedoch
verschiedene Messungen der DUH. Sie
hat die Stickoxid-Emissionen des Zafira in
einem unabhängigen Schweizer Prüfinstitut untersucht. In Zusammenarbeit mit
dem Rechercheteam der WDR Monitor-

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18

welt
w
elt 22/2016
/2016
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Etliche Medien sind mit Recherche-Teams im Einsatz.

MAGAZIN

Politischer Wille fehlt
Während die DUH auf dem Rechtsweg
Erfolge für den Schutz der Verbraucher
feiert, passiert von Seiten der Politik weiterhin so gut wie nichts, um die manipulierten Abgaswerte aufzuklären oder
Abhilfe zu schaffen. Verkehrsminister
Dobrindt hat zwar Zweifel am Abgasreinigungssystem von Opel geäußert – aber
er handelt nicht. Eine offizielle Rückrufaktion ist nicht angeordnet. Die Devise
lautet: freiwillige Serviceaktion. Doch
wie diese aussehen soll, dazu schweigen
die Behörden.
Somit fahren tagtäglich weitere Tausend schmutzige Diesel-Pkw von Opel auf
unseren Straßen, verpesten die Luft und
schaden unserer Gesundheit. (ds, akm) ■

Saubere Luft statt Profitgier – jetzt spenden!
Immer mehr Autofahrer werden von der Autoindustrie betrogen – und fahren
dadurch Diesel-Fahrzeuge, die die Luft mit ihren Stickoxid-Abgasen verpesten. Manche sprengen den Grenzwert um das 27-Fache! Das geht massiv auf
Kosten unserer Gesundheit – vor allem bei Kindern und sozial benachteiligten
Menschen, die an verkehrsreichen Straßen leben müssen. Dauerhaft wirksame Katalysatoren würden die Automobilindustrie nur wenige hundert Euro
mehr kosten.
Wir kämpfen für Ihre Gesundheit: Als einzige Institution in Europa untersuchen und veröffentlichen wir das reale Abgasverhalten und suchen nach
sogenannten Abschalteinrichtungen. Labortests, Straßentests, juristische Auseinandersetzungen mit den Auto-Konzernen – dies alles ist sehr kostenintensiv.
Aber es ist enorm wichtig! Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende oder einer
■
Fördermitgliedschaft. Ganz herzlichen Dank. (gs)
Auch über Online-Spenden freuen wir uns: www.l.duh.de/cgaht

■ VERKEHR

Hendricks und Seehofer fallen auf
Beim diesjährigen Dienstwagen-Check unter Spitzenpolitikern konnte die DUH nur acht „Grüne Karten“ vergeben.

B

ei insgesamt 231 deutschen Spitzenpolitikern hat sich die DUH in ihrer
jüngsten Umfrage vom Mai 2016 nach
CO2-Ausstoß, Spritverbrauch, Antriebsart
und Motorleistung der Dienstfahrzeuge erkundigt. In ihrem 10. Dienstwagen-Check
verzichtet die DUH dabei erstmals auf
positive Bewertungen für Dieselfahrzeuge.
Grund dafür sind die aktuellen Erkenntnisse aus dem Abgasskandal, wonach die
bisher untersuchten Diesel-Pkw aufgrund
illegaler Abschaltvorrichtungen auf der
Straße stark erhöhte Stickoxid-Emissionen
aufweisen. Unter allen übrigen Fahrzeugen vergibt die DUH lediglich acht „Grüne Karten“. Es handelt sich hierbei um
Benzin-Hybrid-Pkw mit weniger als 124
Gramm CO2 pro Kilometer (g CO2/km).

Wer fährt vorbildlich?
Spitzenreiter im diesjährigen Gesamtranking ist Till Steffen, Justizsenator von

106

Spitzenreiter der
diesjährigen Umfrage:
Till Steffen,
Justizsenator Hamburg

Hamburg. Er fährt mit 106 g CO2/km
den sparsamsten Dienstwagen unter allen Befragten. Bei den Mitgliedern des
Bundeskabinetts führt Bildungsministerin
Johanna Wanka die Liste an. Verkehrsminister Alexander Dobrindt landet auf dem
zweiten Platz. Überraschend schlecht
schnitt Bundesumweltministerin Barbara
Hendricks ab: Während sie im letzten Jahr
noch den ersten Platz belegte, bildet sie in
diesem Jahr das Schlusslicht gemeinsam
mit Justizminister Heiko Maas und Familienministerin Manuela Schwesig. Deren

Dienstwagen stoßen jeweils 159 g CO2/
km aus. Große Unterschiede gibt es auch
zwischen den Fuhrparks der Minister und
ihrer Staatssekretäre. Positiver Spitzenreiter ist das Bundesministerium der Justiz
und für Verbraucherschutz, das mit einem
durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 121
g/km den EU-Grenzwert von 130 g CO2/
km deutlich unterschreitet, dicht gefolgt
vom Bundesumweltministerium.
Im Parteienvergleich schneiden Bündnis90/Die Grünen mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 124 g/km als Beste
ab. Sie liegen als einzige Partei unter dem
CO2-Durchschnittsausstoß der Pkw-Neuzulassungen in Deutschland. Schlusslicht
mit durchschnittlich 162 g CO2/km sind
die Fahrzeuge von CSU-Mitgliedern. Über
den CO2-Ausstoß des Dienstwagens von
Ministerpräsident Horst Seehofer wollte
die Bayerische Staatskanzlei erstmals keine Angaben machen. Die DUH hat Klage
eingereicht. (lh, el)
■

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MAGAZIN

viele Fragen auf, besonders Landwirte
äußern Bedenken. Wie warm wird solch
ein Erdkabel? Wie wirken elektromagnetische Felder auf Nutztiere? Welche
Verdichtung des Bodens ist zu erwarten?
Beeinflussen Erdkabel den Wasserhaushalt? Wie sieht es mit Entschädigungen
bei Ernteausfällen aus?

Bürgernah, wohnortnah
und auf Augenhöhe

■ ENERGIEWENDE

Gegenwind im Dialog einfangen
Seit 2012 begleitet die Deutsche Umwelthilfe den Dialog zum Netzausbau
in Schleswig-Holstein. Eine offene Diskussion zwischen Bürgern,
Landesregierung und Netzbetreibern soll den Weg für Erdkabel in der
Ostseeregion ebnen.

D

ie Ostküstenleitung soll das Umspannwerk bei Oldenburg in Holstein mit der Region Hamburg verbinden.
Windenergie muss von der Insel Fehmarn
und der Region Ostholstein zu den Verbrauchszentren transportiert werden. Bei
der Auftaktkonferenz Anfang März erklärte Energiewendeminister Robert Habeck,
dass es nach dem neuen Bundesbedarfsplangesetz nun die Möglichkeit gibt, die
Ostküstenleitung teilweise unterirdisch
zu legen. Erdkabel wurden im letzten
Jahr beim ersten Dialogverfahren von
vielen Menschen gefordert. Die Landesregierung hatte sich dafür in Berlin stark
gemacht.

Erdkabel für den Naturschutz
Nun ist die Ostküstenleitung eine Pilotstrecke für Teilerdverkabelung geworden. Der geplante Trassenverlauf
im sogenannten Vorzugskorridor bleibt
bestehen; zusätzlich wird geprüft, auf
welchen Streckenabschnitten Erdkabel
sinnvoll eingesetzt werden können.
Für den Vogelschutz wäre ein Erdkabel bei einer Trassenlage in den norddeutschen Vogelzugrouten wünschenswert.

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Hier liegt die neue Trasse im Gebiet der
Zugrouten in Richtung Skandinavien. Ein
Erdkabel würde Anflüge auf Freileitungen
minimieren, was vor allem unerfahrenen
Jungvögeln zu Gute käme. Für Amphibien, Haselmäuse und Wiesenbrüter allerdings fehlen bislang Langzeitstudien,
die den Einfluss von Erdkabeln auf diese
Tierarten untersuchen; ausgearbeitete
Bodenschutzkonzepte müssen in die
Planung miteinfließen.
Das Vorhaben wirft auch bei den
betroffenen Bürgerinnen und Bürgern

Um den Fragen von Bürgern und Lokalpolitikern transparent zu begegnen,
standen an neun Dialogabenden in
Schützenhallen, Sportlerheimen und
Bürgerhäusern und auf drei Fachdialogen Vertreter der Landesregierung, die
Vorhabenträgerin TenneT und das zuständige Landschaftsarchitekturbüro für
die Diskussion bereit. Dieser informelle
Dialog kann Vorbehalte abbauen und
ist bisher einmalig in Deutschland. Hier
sollen frühzeitig Probleme erkannt und
gemeinsam mit der betroffenen Region
diskutiert werden. Die Teilnehmenden
brachten Lösungsvorschläge ein, die
dann in der Planung berücksichtigt werden können. Die beiden Ergebniskonferenzen Anfang Juni haben gezeigt, dass
erste Fragen so bereits im Vorfeld geklärt
wurden. (lh)
■

Dem Wendehals
und anderen
Weitstreckenziehern
können die
Freileitungen zum
Verhängnis werden.

Peter Ahmels (li.),
DUH-Projektleiter
Energie, bei einem
Bürgerdialog
in Kisdorf
(Kreis Segeberg).

MAGAZIN
■ VERBRAUCHERSCHUTZ

Werfen Sie einen Blick in den
Energieausweis!
Wer auf der Suche nach einem neuen Zuhause ist, möchte auch wissen,
welche Nebenkosten auf ihn zukommen und ob das Wunschobjekt

Der Bedarfsausweis ist aussagekräftiger,
denn er bewertet kein individuelles Verbrauchsverhalten, sondern den energetischen Zustand des Gebäudes anhand
technischer Unterlagen und ermittelt
hieraus den Bedarf an Energie für Heizung und Warmwasserbereitung. Darüber hinaus legt dieser Ausweis baulichenergetische Schwachstellen und Sanierungspotential offen.

klimafreundlich ist. Es lohnt sich, Begriffe rund um den Energieausweis

Die Hauptinformation

zu kennen.

In jedem Energieausweis finden Sie einen
Wert, der die benötigte Energiemenge in
Kilowattstunde pro Quadratmeter und
Jahr angibt. Anhand dieses Wertes können Sie verschiedene Gebäude gut vergleichen. Um Folgekosten abzuschätzen,
werfen Sie zusätzlich einen Blick auf den
Energieträger. Ob Sie zukünftig Heizöl,
Holzpellets oder Nahwärme nutzen,
spielt eine große Rolle. Denn der Preis
für eine Kilowattstunde Energie kann sich
erheblich unterscheiden.

Ebenfalls wissenswert
Das Baujahr in Verbindung mit dem Energiebedarfs- bzw. Energieverbrauchswert
gibt einem Käufer oder Mieter Aufschluss
über die bisherigen Modernisierungsleistungen des Besitzers.
Achten Sie auf die Energieeffizienzklassen! Sie ermöglichen einen Vergleich
unterschiedlicher Immobilien und eine
Kostenabschätzung auf den ersten Blick.
Die Klasse A+ ist energetisch günstig, H
äußerst unvorteilhaft. (as, gk)
■

I

n einer korrekt verfassten Immobilienanzeige findet man Informationen
über das Baujahr, die Art des Energieausweises, den Energieträger und den Energiebedarf bzw. -verbrauch in Zahlen. Für
Immobilien mit Energieausweisen, die
nach dem 1. Mai 2014 erstellt wurden,
muss auch die Energieeffizienzklasse ersichtlich sein. Der Gesetzgeber verlangt
diese Angaben, damit Miet- und Kaufinteressenten die energetische Qualität von
Immobilien leichter vergleichen und Folgekosten abschätzen können. Ob Sie in
der Zeitung oder im Internet suchen – als
Verbraucher haben Sie schon zu diesem
Zeitpunkt Anspruch auf diese Informationen. Ein gut gemachter Energieausweis
konkretisiert auch baulich-energetische
Schwachstellen.

Welcher Ausweis?
Es gibt zwei verschiedene Ausweisformen: Bedarfsausweise und Verbrauchsausweise.
Der Verbrauchsausweis wird anhand
der letzten Jahresheizkostenabrechnun-

gen angefertigt. Er bildet zwar tatsächlich
gemessene Werte ab, doch er bietet keine
Anhaltspunkte, wie intensiv die betreffende Wohnung bzw. das Haus zuvor
genutzt wurde. Denn schließlich macht
es einen deutlichen Unterschied, ob eine
fünfköpfige Familie oder ein Zwei-Personen-Haushalt wäscht, duscht und heizt.
Ein zweiter Nachteil des Verbrauchsausweises: Eventuelle Mängel der Dämmung
oder der Heizanlage und sonstiges Sanierungspotential werden je nach Qualität
des Ausweises nur in allgemeiner Form
dargestellt. Der vom Bauzustand des
Gebäudes abhängige Wärmeverlust lässt
sich von diesem Ausweis nicht ablesen.

Der Energieausweis –
wie sein Potential ausgeschöpft werden kann

Positionspapier | Stand: 23.2.2016

Weitere Informationen zum
Energieausweis können Sie
kostenlos herunterladen:
www.l.duh.de/29cgt

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MAGAZIN

Perspektiven verloren. So sah das Land
Nordrhein-Westfalen viele Gründe, das
Wohngebiet um den Hahnenbach im Jahr
2003 in das Förderprogramm Soziale
Stadt aufzunehmen.
Im selben Jahr begannen die Wassermanager von der Emschergenossenschaft
mit den Planungen zur Renaturierung der
Köttelbecke. Sie sind seit 1899 im nördlichen Ruhrgebiet als Experten der Abwasserreinigung, der Pflege von Gewässern oder für den Schutz vor Hochwasser
aktiv. Seit dem Rückgang des Bergbaus
bauen sie in vielen Ruhrgebietsorten moderne, unterirdische Kanalisationen und

■ NATURSCHUTZ

Von der „Köttelbecke“ zum
Lebensraum am Bach
Gladbeck-Brauck ist Grün-Soziales Modellquartier der Deutschen Umwelthilfe. Es liegt am Hahnenbach, einem ehemaligen Abwasserkanal. Als das
Gewässer in einen Naturerlebnisraum verwandelt wurde, spielten die Anwohner eine wichtige Rolle. Andere Städte in ganz Deutschland sollen von
den Erfahrungen aus dem Ruhrgebiet profitieren.

A

ls sei es nie anders gewesen,
schlängelt sich der Hahnenbach
diagonal durch das Wohngebiet in
Brauck, einem Stadtteil von Gladbeck. Er
lädt mit seinem Wassererlebnispfad zum
Joggen, Verweilen oder Naturbeobachten
ein. Libellen tanzen, Frösche quaken,
Kinder keschern. Kaum zu glauben, dass
dieses Ökosystem vor rund fünfzehn Jahren eine derart dreckige Brühe war, dass
bei Überschwemmungen Seuchen wie
Typhus und Cholera drohten.
Über 80 Jahre lang war der Hahnenbach eine offene Kloake, im Ruhrgebietsjargon: eine Köttelbecke. Die für
das Ruhrgebiet einst typische, offene
Abwasserführung entstand im Zuge der
Industrialisierung. Eine Kanalisation unter
der Erde war wegen der Bergsenkungen
nicht möglich. Exkremente, saures Wasser aus den Bergwerken und sonstige Abwässer wurden ungefiltert eingeleitet und
verpesteten auch am Hahnenbach alles
Lebendige. Gestank durchzog das Wohnquartier; man baute hohe Zäune um das

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welt 2/2016

Gewässer. Der einbetonierte Bach galt als
gefährlich und als verloren für die Natur.

Große Herausforderungen
In Brauck bildeten einst zwei Zechen
und eine Kokerei den Bezugspunkt des
Stadtteils. Mit der Dauerkrise der Montanindustrie gingen Arbeitsplätze und

Noch im Jahr 2008 war der Hahnenbach
eine kanalisierte Köttelbecke (oben).
Heute hat der Bach Raum und unterschiedliche
Pflanzen- sowie Tierarten breiten sich aus.

Kitas, Schulklassen und Erholungssuchende steuern den Hahnenbach regelmäßig an.

MAGAZIN

■ LEBENDIGE FLÜSSE

Neue Naturschutzallianz
für die Oder
Die Oder zählt zu den letzten naturnahen Flüssen in Mitteleuropa.
Doch das ist nicht der einzige Grund, warum die DUH hierher zu ihrer
Flüsse-Fachtagung Anfang Juni einlud.
Der Bürgermeister der Stadt Gladbeck, der
Vorstandsvorsitzende der Emschergenossenschaft und Mitwirkende der Quartiersarbeit
freuen sich über die Auszeichnung durch
die DUH.

verbessern den ökologischen Zustand
der Gewässer. Der Hahnenbach kam als
Pilotprojekt der integrierten Gewässerplanung auf die Agenda. Naturschutz
und soziale Belange sollten in GladbeckBrauck ineinandergreifen statt, wie bisher
üblich, parallel zu verlaufen. Die Planer
bezogen möglichst viele Akteure und
besonders die Menschen vor Ort ein.
Zum Beispiel wurden Stadtteilfeste zur
Beteiligung an der Planung genutzt und
gemeinsam ein Hahnen-Logo für den
Wassererlebnis-Pfad gestaltet. 2010 begannen die Bauarbeiten, und bereits ein
Jahr später wurde der Pfad eröffnet. Auf
1,5 Kilometern lädt er heute mit seinen
sechs Erlebnis-Stationen zum Lesen, Lauschen, Springen, Ruhen und Lernen am
Wasser ein.

Nachahmen erwünscht
Die Deutsche Umwelthilfe hat GladbeckBrauck, das Wohngebiet um den ehemaligen Köttelbach, im Juni 2016 als GrünSoziales Modellquartier ausgezeichnet.
Denn die ökologische Aufwertung, die
Förderung urbaner Biodiversität und besonders die Beteiligung der Anwohner in
diesem Prozess sind vorbildlich.
Hier wurden Impulse für eine soziale
und umweltgerechte Stadtentwicklung
gesetzt. Die Menschen im Quartier waren Teil der Planung und ihre Ideen und
Ansprüche gefragt. Jugendliche haben
die Geschichte des Quartiers auf Infotafeln festgehalten; manche sind Bachpaten. Die Braucker reden heute übrigens
nicht mehr von der Köttelbecke, sondern
von „unserem Hahnenbach“. (bl)
■
Förderer:

I

n Mitteleuropa einzigartig: Auf 600
Kilometern fließt die Oder ohne
Querbauwerke. Doch 2015 beschlossen
die polnische und die deutsche Regierung ein Abkommen mit dem Ziel, die
Wasserstraßen im Grenzgebiet für den
Schiffsverkehr zu „ertüchtigen“. Schon
seit langem fordert Polen eine weitere
Vertiefung der Oder. Denn die bestehende polnische Eisbrecherflotte braucht
1,80 Meter Tiefgang auf der gesamten
Breite des Stromes. Sie soll Eisstau auf
der Oder verhindern, um deren Deiche
zu schützen. Ulrich Stöcker, Leiter Naturschutz der DUH, hält dies für ein Scheinargument: „Flachgehende Eisbrecher wären eine bessere Lösung des Problems.“
Parallel dazu hat die Weltbank Gelder
für ein polnisches Projekt freigegeben,
das Deiche im sogenannten Zwischenoderland wiedererrichten will, die in den
Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg
zerfallen sind. Seit mehr als 70 Jahren
schützt sich die Natur in diesen Niederungen selbst: Die Deiche sind auf Tausenden Hektaren ständig so nass, dass
Menschen nur mit dem Boot ins Gebiet
gelangen. Auen-Überflutungsmoore, die
es in Europa in dieser Ausdehnung und
Qualität kaum anderswo gibt, sind hier
erhalten geblieben. Sie beherbergen eine
seltene Flora; Schwimm-Farn und Froschbiss kommen hier vor.

Internationale Wasserstraße –
wozu?
Stöcker befürchtet massive Schäden für
diese neue Wildnis: „Die Ausbauziele für
die Oder sind völlig überdimensioniert.“
Er hat Criewen (bei Schwedt) im Nationalpark Unteres Odertal als Tagungsort für den DUH-Workshop „Lebendige
Flüsse“ ausgewählt. Rund 40 Teilnehmer
– unter anderem aus Naturschutzbehörden, -organisationen, Hochschulen und
Unternehmen – folgten der Einladung.

Auf großes Interesse stieß auch eine
Exkursion in Zusammenarbeit mit der
Parlamentarischen Gruppe „Frei-fließende-Flüsse“ im Deutschen Bundestag, die
sich aktiv in die öffentliche Debatte um
ökologisch relevante Themen an Fließgewässern einbringt, etwa Hochwasserschutz, Wasserstraßen-Planungen oder
Renaturierungen.

Nationalpark Unteres Odertal.

Bereits Ende der 1990er Jahre hatte sich
an der Oder eine Naturschutzbewegung
mehrerer Organisationen beidseits der
Grenzen gebildet, darunter die DUH. „Seit
Polens EU-Beitritt im Jahr 2004 haben wir
eine günstigere Rechtslage. Denn die EU
darf bei ökologischen Verschlechterungen
an Flüssen nicht untätig bleiben“, erklärt
Stöcker. Er will gemeinsam mit polnischen
und deutschen Naturschützern erreichen,
dass der Strom vom Ausbau verschont
bleibt. „Wozu braucht man hier überhaupt
eine Wasserstraße für 50 Millionen Tonnen Fracht pro Jahr? Schließlich verläuft
parallel eine Bahnstrecke, die freie Kapazitäten hat.“ (jk)
■
Förderer:

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MAGAZIN

■ BIODIVERSITÄT

Mehr als eine
grüne Visitenkarte
Das Thema Biodiversität betrifft
auch Unternehmen. Schließlich
wirtschaften sie auf der Grundlage
einer intakten Natur und deren
Leistungen. Da liegt es nahe,
der Natur etwas zurückzugeben.
■ LEBENDIGE FLÜSSE

Baumriesen der Zukunft
Flussauen bergen eine reiche Tier- und Pflanzenwelt, vielerorts sind sie
in Bedrängnis. Die imposanten Eichen im Biosphärenreservat Mittelelbe
drohen zu verschwinden. Die DUH und der NABU helfen.

E

inst dienten sie der Mast von Schweinen: die mächtigen Stieleichen an
der Mittleren Elbe. Doch seit dem 19. Jahrhundert füttern die Bauern ihre Schweine
ganzjährig im Stall. So haben die Eichen
ihre wirtschaftliche Bedeutung verloren
und wurden nicht mehr nachgepflanzt;
die meisten sind überaltert. Auch der Klimawandel setzt den Baumriesen zu. Sie
lieben feuchte Standorte und widerstehen
auch kurzen Überflutungen. Doch in den
vergangenen Jahrzehnten fielen häufig
Teile der Aue trocken. Starke Schäden
haben aber auch die beiden Jahrhunderthochwasser 2002 und 2013 verursacht
und etlichen Eichen das Leben gekostet.

An die Spaten!
Die DUH und der NABU Barleben haben
an der Elbe und ihrem Nebenfluss Ohre
Stieleichen nachgepflanzt. Zunächst wurden geeignete Standorte zwischen Wolmirstedt und Heinrichsberg ausgewählt.
Das Pflanzgut selbst genügt allerstrengsten
Kriterien: Die Bäume entsprechen dem
Genressourcenprogramm des Landes
Sachsen Anhalt. Das heißt, ihr genetisches Material entstammt genau dieser
Landschaft.
Im März war endlich eine gute Wetterlage für die Pflanzaktionen: Mitarbeiter
der NABU Ortsgruppe Barleben begannen, die rund hundertfünfzig Eichen in

24

welt 2/2016

DUH-Projektmanagerin Ines Wittig und
Nachwuchs-Naturschützer packen mit an.

die Erde zu bringen. Auch eine SchülerArbeitsgemeinschaft aus Zielitz half eifrig
und lernte unter Anleitung von DUH-Mitarbeiterin Ines Wittig die verschiedenen
Gehölze kennen.
Die Jungeichen wurden gut gesichert,
denn erfahrungsgemäß fressen Biber
oder Rehe gern frische Triebe. Auf Weideland sind es Rinder, die gern einmal
am jungen Holz knabbern. Deshalb hat
das Projektteam zusätzlich Strauch- und
Silberweiden als „Futter“ gepflanzt und
Wildschutzdraht angebracht. In den kommenden fünf Jahren werden die Pflanzungen regelmäßig gegossen und der
Verbissschutz kontrolliert bzw. repariert.
Bis diese Eichen aber als stolze Gestalten
aus der Aue herausragen, werden noch
rund vierzig Jahre vergehen. (jk)
■
Förderer:

Unternehmen, die auf ihrem
Gelände zur heimischen Artenvielfalt beitragen wollen,
können sich auf die Beratung von Heinz
Sielmann Stiftung, Bodensee-Stiftung und
Global Nature Fund stützen. Ein Team von
Naturschutz-Expertinnen der drei Organisationen identifiziert Potentiale auf den
Firmenarealen und erarbeitet Vorschläge
für eine naturnahe Umgestaltung. Naturgartenplaner stehen dem Projektteam mit
fachlicher Expertise zur Seite.
Ein starkes Argument für naturnahe Firmengelände sind deren geringe
Folgekosten: Begrünte Dächer sparen
Energie. Blühwiesen brauchen weniger
Pflege als ein Rasen, wasserdurchlässige
Flächen senken die Abwassergebühren.
Damit sich möglichst viele Nachahmer
finden, stellt das Projektteam sieben vorbildliche Firmengelände im Internet vor.
Die Branchen Lebensmittelproduktion
und -handel, Hotellerie, Recycling, Logistik und Kultur sind darunter vertreten.
Blühende Wiese versus Rasenfläche:
Die Wiese hat einen höheren ökologischen
Wert und benötigt weniger Pflege.

MAGAZIN

Wo Wiesen-Salbei blüht,
lassen sich gern Hummeln
nieder.

te. Was auf dem Gelände schon gedeiht,
darf wild weiterwachsen, sofern es in
die heimische Flora passt. Auch offene
Bereiche bleiben erhalten: Eine ein Meter hohe „Düne“ auf einer ehemaligen
Baustelleneinrichtungsfläche bietet Brutplätze für Wildbienen. Rund 80.000 Euro
fließen in die Umgestaltung.
Die naturnah gestalteten Flächen der
OWA auf rund 8.500 Quadratmetern besitzen echten ökologischen Mehrwert.
Standortgerechte Pflanzenarten, die
mancherorts als Unkraut gelten, dürfen
sich hier ausbreiten. Ihnen werden blütenbesuchende Insekten folgen. Davon

profitieren Insektenjäger wie Vögel, Fledermäuse oder Eidechsen.
Das Pflegekonzept ist schlicht: Mitarbeiter der Wasserbetriebe werden
das Firmengelände später mit geringem Aufwand pflegen. Deshalb rechnet
das Unternehmen zukünftig mit einem
schlanken Budget für die gärtnerischen
Arbeiten. (mr, jk)
■
www.naturnahefirmengelaende.de
Förderer:

Der Name führt in die Irre: Graukresse
blüht weiß.
Das OWA-Firmengebäude erinnert an ein
Schiffsheck. Bald soll
hier naturnahes Grün
mit maritimem Flair
gedeihen.

Echter ökologischer Mehrwert
Einer der Partner im Projekt sind die Berliner Wasserbetriebe. Im Herbst 2017 soll
das Außengelände der Oberflächenwasseraufbereitungsanlage Tegel (OWA) einen „maritimen“ Charakter erhalten. Die
Planer haben die Vision eines Meeres aus
blauem Wiesensalbei und Glockenblumen
zwischen wogendem Glatthafer, daneben
weiß blühende Graukresse als „Gischt“.
Auf der Pflanzliste stehen ausschließlich in
Berlin heimische oder lange eingebürgerte
Arten, darunter auch besonders geschütz-

Lese-Tipp

Eine Geschichte der Vogelmalerei
Seit Urzeiten erzählt die Menschheit
vom Leben der Vögel und möchte ihre
Schönheit in Bildern festhalten. Der
Germanist Hugh Ridley untersucht in
seinem aktuellen Buch die Tradition der
deutschen Vogelmalerei; angefangen
bei Albrecht Dürers „Das Käuzchen“
aus dem Jahr 1508 bis ins frühe 20.
Jahrhundert. Ridley geht es dabei nicht
allein um die Betrachtung von Vogelbildern, sondern vielmehr darum, wie
nicht nur Wissenschaft und Kunst, sondern die Ornithologie selbst in die Gesamtheit menschlichen Denkens und
in die Geistesgeschichte hineingehört.
Die 256 Seiten mit 20 farbigen
Abbildungen zeigen die Entwicklung
der Vogelmalerei als eine Melange aus
wissenschaftlichen Erkenntnissen und
ästhetischem Genuss. (lh)
■

■

Hugh Ridley: Eine Geschichte der
Vogelmalerei in Deutschland,
Wehrhahn Verlag 2016, 28,00 Euro
ISBN: 978-3-86525-531-0

welt 2/2016

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MAGAZIN
■ NACHHALTIGER KONSUM

Für die Tonne
Egal ob Coffee to go-Becher, Plastiktüte, Wegwerfflasche oder Getränkekarton – die Folgen
von Einweg für Klima und Umwelt sind verheerend. Und nicht nur das: Oft werden Verbraucher
mit schön geredeten Ökobilanzen in die Irre geführt.

E

inweg. Der Name sagt alles. Denn
tatsächlich landet jedes Einwegprodukt bereits nach dem ersten Gebrauch
in der Mülltonne. In Deutschland werden
pro Jahr mehr als sechs Milliarden Plastiktüten, 17 Milliarden Wegwerf-Plastikflaschen, drei Milliarden Getränkedosen
und 2,8 Milliarden Coffee to go-Becher
verbraucht. Das sind 90 Tüten, 207 Einwegflaschen, 37 Getränkedosen sowie 34
Einwegbecher pro Jahr und Kopf. Einweg
ist ein ökologischer Irrweg und leider im
Trend.
Während bei der Diskussion über die
Tütenflut wenigstens noch ansatzweise Interesse an dem Thema seitens des
Bundesumweltministeriums zu bestehen
scheint, hat Barbara Hendricks vor der
Getränke-Einweglobby längst kapituliert.
In Deutschland zum Beispiel ließ die Bundesumweltministerin den amerikanischen
Softdrink-Giganten Coca Cola 2015 gewähren, als dieser sich aus dem Mehrwegsystem verabschiedete. Bis Ende Juni 2016
sollen zwei von drei Mehrwegflaschen abgeschafft sein. Wie die DUH erfahren hat,
soll aber auch das letzte Mehrweggebinde
– die 1,0 Liter Flasche – in den nächsten
Jahren vom Markt verschwinden.

Etwa drei
Milliarden
Wegwerfbecher
verbrauchen die
Deutschen pro
Jahr.

Umweltschutz ist
ganz einfach – mit
Mehrwegflaschen.

Auch über den Getränkekarton hält Frau
Hendricks schützend die Hand, weil er
in der Verpackungsverordnung noch immer als „ökologisch vorteilhaft“ eingestuft
wird. Dabei ist er gar nicht so „grün“ wie
seine Hersteller immer behaupten: Im Vergleich zu 2002, als das Umweltbundesamt
den Getränkekarton als umweltfreundlich

Wussten Sie…
… dass die jährlich in Deutschland verbrauchten Plastiktüten aneinander
gelegt die Erde am Äquator 46 Mal umrunden würden?
… dass eine einzige Glas-Mehrwegflasche (0,7-Liter) für Mineralwasser
23 Einwegflaschen aus Plastik mit dem doppelten Füllvolumen ersetzt?
… dass die Einweg-Plastikflaschen, die wir jährlich in Deutschland
verbrauchen, übereinandergestellt 16 Mal von der Erde bis zum Mond
reichen würden?
… dass Einweg-Plastikflaschen bei Getränken inzwischen rund 54 Prozent
nt
ausmachen, obwohl es laut Verpackungsverordnung
packungsverordnung 80 Prozent
Mehrweg- oder ökologisch vorteilhafte
eilhafte Verpackungen sein sollten?
… dass sich mit den jährlich in Deutschland
tschland verbrauchten
Coffee to go-Bechern ein 300.000
00 Kilometer
hoher Turm bauen ließe?

26

welt 2/2016

einstufte, ist er heute im Durchschnitt 30
Prozent schwerer. Auch der Plastikanteil
ist von 21 auf durchschnittlich 27 Prozent
gestiegen. Als „Karton“ wird dem Kunden
quasi eine Kunststoffverpackung mit Papierüberzug verkauft.

Mehrweg ist Klimaschutz
Coffee to go-Becher, Dosen, Einwegflaschen und Getränkekartons – sie alle
sind Symbole einer Gesellschaft, die
„im Gehen“ konsumiert und dabei so
viel Müll anhäuft wie noch nie zuvor.
Dabei ist kaum etwas so einfach, wie
am Getränkeregal oder beim Kaffee für
unterwegs der Umwelt etwas Gutes zu
tun. Denn „Mehrweg ist Klimaschutz“.
Mit einer gleichnamigen Kampagne engagiert sich die Deutsche Umwelthilfe
seit zehn Jahren erfolgreich für die wiederverwendbare Alternative zur Wegderverw
asche. Unterstützt wird sie dabei
werfflasc
Gewerkschaften, Umweltschutz-,
von Gew
Verbraucher- und Wirtschaftsverbänden.
Verbrauc
Informationskampagne beteiligen
An d
der In
diesem Jahr insgesamt mehr als
sich
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5.000
Getränkehändler. (dh)
5.00
00 Ge
■

MAGAZIN

■ ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT

Ein Leben ohne fließendes Wasser?
In der Elfenbeinküste gehört das mühsame Herbeischaffen von Wasser
vielerorts zum Alltag. Der Global Nature Fund (GNF) hat Hilfe für sechs
Dörfer organisiert und dafür eifrige Mitstreiter gefunden.

Der tägliche Wasserbedarf
bestimmt an der Elfenbeinküste den Tagesablauf vieler
Menschen. Vor allem Mädchen und Frauen sind für das Trinkwasser zuständig.
Sie nehmen weite Wege auf sich, um
in Flussarmen und anderen Gewässern
Wasser zu schöpfen, das jedoch oftmals
verunreinigt ist. Die Frauen müssen es
auf den heimischen Kochstellen erhitzen,
um zumindest einen Teil der Bakterien
und Krankheitserreger abzutöten. Charles
Diamonde, Gründer der ivorischen Organisation ADER (Action pour le Developpement et l´Encadrement Rural) be-

Die Projektarbeit des Global Nature Fund
wird unterstützt von:

Stiftung Ursula Merz

hat Ersatzteile und Material für die Pumpen-Reparaturen beschafft. Möglich wurde
dies dank der finanziellen Unterstützung
der Sika AG, der Stiftung Ursula Merz, von
Hannover 96 und dem IG Rote Kurve –
96 Supporters Club. Die Fussballfans des
Bundesligisten spenden bereits seit dem
Jahr 2009 eifrig für Trinkwasserprojekte des
GNF in Afrika. Bereits 30.000 Menschen
konnte so geholfen werden.
Weitere 3.800 Einwohner in den
sechs Dörfern können sich nun mit sauberem Grundwasser versorgen. Hierfür
gibt es Öffnungszeiten, denn die Brunnen sind von einer Mauer und einem
abschließbaren Tor umgeben, um sie vor
Tieren zu schützen. Den Schlüssel für das
Tor hat jeweils ein Einwohner oder eine
Einwohnerin in Obhut. Diesen Schlüsselwächter haben die Dorfbewohner selbst
ausgesucht. Alle bezahlen einen monatlichen Betrag an das Wasser-Komitee des
Dorfes; die Einnahmen werden für die
Pumpenwartung genutzt.

richtet: „In den ländlichen Regionen gibt
es meist weder eine Wasserversorgung
noch ein Stromnetz. In manchen Dörfern
liegen kaputte Grundwasserpumpen seit
Jahren brach. Denn die Dorfbewohner
haben keine Ersatzteile und kaum Geld.
Manchmal fehlen auch nur die Kenntnisse, wie man eine Pumpe repariert.“

Wasser Marsch!

Endlich frisches Wasser!

Mit deutscher Hilfe haben seit März diesen
Jahres sechs Dörfer im Department Biankouma, nördlich der Stadt Man, Zugang zu
sauberem Wasser bekommen. Diamonde

Jeane aus Benomba ist glücklich: „Seit
mein Dorf endlich wieder Grundwasser
besitzt, müssen wir Frauen nicht mehr
jeden Tag bis zum Fluss laufen. Die
Wasserqualität ist auch viel besser.“ Die
Pumpe in Benomba war zehn Jahre lang
ohne Funktion.
Auch in Vakso, einer 730 EinwohnerGemeinde, konnte die Pumpe nach neun
Jahren Stillstand wieder in Betrieb gehen. Die Dorfgemeinschaft kann sich nun
ohne die tägliche Sorge um Wasser der
Landwirtschaft widmen – dem Anbau
von Kaffee und Kakaobohnen, von Bananen und Gemüse. Dorfvorsteher Diabate
ist froh: „Mein Dorf sagt allen Unterstützern ein herzliches Dankeschön.“ (aw) ■
Förderer:

Stiftung Ursula Merz

welt 2/2016

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Unbekannte Tierart

Richtung

Beute

durch die Nacht
Als nachtaktive Jägerin ist die Bechsteinfledermaus im Wald unterwegs.
Sie braucht nur ein kleines Revier. Weil die Art ihren Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland hat, tragen wir besondere Verantwortung für ihr
Überleben.
n von Melanie Fessler

I

m April, wenn die Tage endlich
wieder länger und wärmer werden, endet der Winterschlaf der
Bechsteinfledermaus. Seit Oktober hat
sie geruht. Gut versteckt und vor Frost
geschützt, hat sie den Winter in alten
dicken Bäumen oder an der Wand einer
Höhle verbracht. Im Frühjahr dreht sich
nun alles um den Nachwuchs. In einer
ruhigen und sonnigen Baumhöhle richtet
das Weibchen eine Wochenstube ein. Oft
liegen mehrere dieser Höhlen nebeneinander und bilden einen Wochenstubenverband, in dem bis zu 30 Weibchen ihre
Jungen gemeinsam aufziehen.

28

welt 2/2016

Nur ein Junges pro Wurf.

In Wochenstuben kümmern
sich bis zu 30 Weibchen
um den Nachwuchs.

Unbekannte Tierart

Steckbrief:

Gepaart hatten sich die Fledermäuse bereits im Herbst des Vorjahres. Danach
schloss sich eine Keimruhe an und erst
im Frühling reift der Nachwuchs im Mutterleib. Mitte Juni bis Mitte Juli bringt das
Weibchen nur ein Junges zur Welt. Die
Männchen sind an der Aufzucht nicht
beteiligt. Nach vier Wochen sind die
kleinen Fledermäuse selbständig und
können fliegen.

Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
Verwandtschaft:
In Deutschland sind 25 Fledermausarten nachgewiesen. Die Bechsteinfledermaus zählt zur Gattung der
Mausohren.

Typisch:
spitze Ohren,
spitze Zähne

Totholz ist lebensnotwendig
Die Bechsteinfledermaus bewegt sich in
einem Umkreis von kaum mehr als 30
Kilometern. Dabei wechselt sie häufig
ihr Quartier und ist deshalb auf abwechslungsreich gegliederte Naturwälder und
Streuobstwiesen mit einer hohen Anzahl
an Baumhöhlen angewiesen. Vor allem
Buchen, Eichen und Hainbuchen bieten
geeignete Reviere.
Als typischer Waldbewohner bewegt
sie sich nur selten aus dem Schutz der
Bäume heraus. Zu sehen ist die Bechsteinfledermaus kaum. Die Tage verbringt
sie in ihrer Baumhöhle. Die Körperfunktionen sind heruntergefahren, fast scheint
sie in einem kurzen Winterschlaf zu sein.
Erst nach Sonnenuntergang kommt
sie aus ihrem Schlafquartier hervor.
Sie putzt ihr Fell und durchknetet zur
besseren Durchblutung ihre Flughaut.
Dann setzt sie zu ihrem Nachtflug an.
Geschickt bewegt sie sich zwischen Büschen und Bäumen und erbeutet Insekten
und Spinnen. Ihre großen Ohren hören
für den Menschen nicht wahrnehmbare
Echolaute. Mit Hilfe kurzer UltraschallRufe und ihres Gehörsinns ist die Bech-

Aussehen:
Mit einer Länge von max. 5,5 Zentimetern und einem
Gewicht von 7 bis 12 Gramm zählt sie zu den mittelgroßen Fledermausarten. Ihr Rückenfell ist braun bis
rötlich, das Bauchfell hellgrau. Besonderes Kennzeichen sind die großen, nackten Ohren, die bis zu 2,5
Zentimeter lang werden.
Verbreitung:
Außer im hohen Norden ist die Bechsteinfledermaus in
ganz Deutschland verbreitet. Größere Vorkommen sind
in Nordbayern, Baden-Württemberg und Hessen dokumentiert. Der weltweit wichtigste Verbreitungsraum
der Art liegt in Deutschland. Sie kommt aber auch in
Zentral- und Westeuropa bis ins südwestliche Asien vor.

Nachfalter sind
Leckerbissen für die
Bechsteinfledermaus.

steinfledermaus auch in der Lage, Beutetiere zu orten, die auf Blättern oder
dem Boden sitzen. Zu ihrer bevorzugten
Nahrung gehören Schmetterlinge, Mücken, Fliegen und Spinnen.
Die Fledermaus ist übrigens zu Ehren
von Johann Matthäus Bechstein benannt,
einem Thüringer Naturwissenschaftler,
der sich bereits im 19. Jahrhundert für
den Naturschutz einsetzte. 		
n

Nahrung:
Zu ihrer Beute gehören kleine Insekten wie Fliegen,
Mücken und Nachtfalter. Ihre Nahrung fängt sie während der Nacht entweder im Flug oder liest sie von der
Vegetationsoberfläche auf.
Lebensraum:
Naturnah bewirtschaftete Laubmischwälder mit alten
Bäumen und viel Totholz sind ein idealer Lebensraum
für die Bechsteinfledermaus.
Gefährdung und Schutz:
In Deutschland gilt die Bechsteinfledermaus als stark
gefährdet. Wie so oft haben der Verlust naturnaher
Wälder, die Entfernung von Totholz und der Nahrungsmangel durch intensive Forstwirtschaft zu einer
Verschlechterung der Lebensbedingungen der Art
beigetragen. Der Erhalt von Laubmischwäldern mit
Totholz und höhlenreichen Bäumen dient deshalb
ihrem Schutz. Die Art steht in ganz Europa unter Nan

turschutz. 			

Beeindruckend: Bechsteinfledermäuse
erreichen bis zu 30 Zentimeter
Flügelspannweite.

welt 2/2016

29

Mit dem DUH-Vorsitzenden
auf Streifzug durch Berlin

D

er Dialekt verrät Harald Kächele sofort als Zugezogenen. Auch
nach bald 25 Jahren in der Hauptstadt
hat der 53-jährige Schwabe nicht die
kleinste Färbung der Berliner Schnauze
übernommen. Doch die Weltmetropole
Berlin liebt er. Einen anderen Lebensmittelpunkt kann er sich nicht vorstellen. Er
mag das Treiben, die Freigeister und das
viele Grün in einer ansonsten verkehrsreichen Stadt.
Wir treffen uns zu einem Spaziergang
durch den Prenzlauer Berg, wo Kächele
mit seiner Frau und seinen drei Kindern
wohnt – nur knapp vier Kilometer von der
DUH-Geschäftsstelle entfernt. Dass er hier
und nirgendwo anders leben wollte, war
ihm schon kurz nach der Wiedervereinigung klar, denn Kächele wollte die Wende
im Osten live miterleben. 1992 kam er
als junger Agrarökonom zum LeibnizZentrum für Agrarlandschaftsforschung
(ZALF) in Müncheberg. Bald darauf zog
er nach Berlin und nimmt seitdem den
knapp fünfundzwanzig Kilometer langen
Anfahrtsweg mit der Bahn gerne in Kauf.

Seit fünfzehn Jahren repräsentiert Harald Kächele die Deutsche Umwelthilfe –
und das mit großer Leidenschaft. Wie er sich die Zukunft für die
Umweltschutzorganisation vorstellt, erzählt er bei einem Spaziergang
durch
urch die Hauptstadt.

wacht und die Entwicklung der DUH
lenkt und mitbeeinflusst. Außerdem repräsentiert er die DUH bei wichtigen
Anlässen wie dem UmweltMedienpreis.
Seine Funktion vergleicht Kächele mit
der eines Aufsichtsrats. Auf die Frage nach
seiner Motivation sagt er: „Ich möchte
den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der
DUH helfen, gute Umweltschutzarbeit zu
leisten.“ Strukturell und inhaltlich will er
die DUH fit für die Zukunft machen. Er
versteht die DUH als Mittler zwischen

Umwelt und Wirtschaft. Ohne zukunftsorientierte und nachhaltig wirtschaftende
Unternehmen ist für ihn keine Veränderung möglich. Damit führt Kächele einen
Kerngedanken der DUH-Gründer fort. Der
Umweltverband kritisiert die Wirtschaft
scharf, geht aber auch bewusst Bündnisse
mit ihr ein, um ökologische Zustände zum
Besseren zu verändern.
Dem immer mal wieder vorgebrachten Vorwurf, die Nähe der DUH zur
Wirtschaft sei verwerflich, widerspricht

Der Ermöglicher
Zur Deutschen Umwelthilfe stieß Harald
Kächele vor fünfzehn Jahren. Seit August
2001 ist er ihr ehrenamtlicher Vorsitzender. Er steht damit länger an der Vereinsspitze als seine beiden Vorgänger, die
DUH-Gründer Hermut Ruland und Gerhard Thielcke. Kächele steht in engem
Austausch mit den Bundesgeschäftsführern Sascha Müller-Kraenner und Jürgen
Resch und leitet den Vorstand der DUH,
der über den Haushalt der Organisation

■ Harald Kächele wurde 1962 in Albstadt-Onstmettingen auf der Schwäbischen Alb gebo-

ren. Im August 2001 übernahm er den Vorsitz des Vorstands der Deutschen Umwelthilfe. Er
ist promovierter Agrarökonom und Diplomingenieur mit Fachrichtung Agrarwissenschaften
und arbeitet seit 1992 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg. Zur Zeit ist er dort als stellvertretender Leiter
des Instituts für Sozioökonomie tätig. Harald Kächele ist außerdem seit 2000 Professor für
Umweltökonomie im Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz an der Hochschule
für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNEE). Er engagiert sich seit vielen Jahren
ehrenamtlich im Umwelt- und Klimaschutz. Von 1994 bis 2006 war er Vorsitzender des
BUND Berlin und ist seitdem Ehrenvorsitzender. Außerdem ist Harald Kächele Mitglied im
Naturschutzbeirat des Landes Brandenburg sowie Stiftungsratsvorsitzender der Tropen-

30

welt 2/2016

waldstiftung „OroVerde“.

IMPRESSUM
Zeitschrift für Mitglieder und Förderer
der Deutschen Umwelthilfe e.V. und des
Global Nature Fund
■ Herausgeber: Deutsche Umwelthilfe e.V.,
Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell
Tel.: 07732 9995-0, Fax: -77
info@duh.de, www.duh.de
■

er entschieden. „Die einen kritisieren, wir
seien zu eng mit der Wirtschaft. Andere
sagen, wir gehen zu aggressiv gegen sie
vor. Es wird aus beiden Richtungen immer
Kritiker geben. Aber ich finde nach vierzig
Jahren gibt uns der Erfolg Recht: Die DUH
bewegt etwas. Sie engagiert sich für einen
gerechten Zugang zur Natur, sie kämpft
gegen die Vermüllung unserer Landschaft,
schützt bedrohte Tierarten und sie streitet
für saubere Luft in unseren Städten.“

Industriekonzerne nehmen
die Politik in Geiselhaft
Für Kächele zeichnet sich die DUH durch
ihren Pragmatismus aus. „Wir sind konkret in unseren Forderungen und erwarten von Politik und Wirtschaft, was machbar ist, nicht aber das Unmögliche.“ Für
das „Gejammer“ einiger Unternehmen,
immer strengere Umweltgesetze und Auf-

lagen würden Arbeitsplätze kosten, hat
Kächele kein Verständnis. Greenwashing
und Verbrauchertäuschungen wie wir sie
heutzutage erleben, hält er für skandalös.
Er sagt: „Es kann und darf doch nicht sein,
dass Produkte auf den Markt kommen,
die der Kunde in gutem Glauben erworben hat, sich aber bei genauerer Betrachtung als Mogelpackungen herausstellen.“
Diese dreisten Versuche, die Menschen
mit falschen Versprechen in die Irre zu
führen, bestätigen Kächele darin, dass
der Kurs der DUH als Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation richtig ist.
Für die Zukunft sei es wichtig, Umwelt-,
Gesundheits- und Verbraucherthemen
noch mehr miteinander zu verzahnen.
In jedem Fall werde die DUH der Kumpanei zwischen Wirtschaft und Politik
weiterhin die Stirn bieten. (dh)
■

MENSCHEN FÜR NATUR

The Big Five – ein Grund zum Feiern!

D

ie DUH darf
sich mitfreuen
am 50. Geburtstag
von Bernd Unterweger aus Mannheim,
der sich Spenden statt
Geschenke von seiBernd
nen Freunden erbat.
Unterweger
Die fünf Großwildarten Afrikas kennt fast jeder, dass
aber hierzulande das Stettiner Haff mit
Big Seven übertrifft, versetzt in Erstaunen. Die DUH setzt sich für Wildnis
ein, damit heimische Tiere wie Seeadler, Stör, Kegelrobbe und Fischotter eine
Zukunft haben. Wolf, Elch und Wisent
stehen bereits in den Startlöchern für die
Einwanderung und suchen geschützte
Lebensräume. Mit seiner Spende von

V.i.S.d.P.: Jürgen Resch

■ Redaktion: Laura Holzäpfel (lh), Daniel Hufeisen (dh),

670 Euro beschenkte Unterweger diese
wilden Kerle und die DUH, die für deren
Schutz arbeitet. Dafür ganz herzlichen
Dank! (ab)
■
Unverbindlich anfordern bei:
bernauer@duh.de
Infoblatt „Spenden statt Geschenke“
mit Anregungen für Ihre eigene
Spendenaktion
t!

Spenden
statt
Geschenke

Jutta Kochendörfer (jk) ■ Autoren: Annette Bernauer
(ab), Nadine Bethge (nb), Melanie Fessler (mf), Oliver
Finus (of), Thomas Fischer (tf), Kerstin Fröhle (kf),
Tobias Herbst (th), Georg Kleine (gk), Beatrice Lange
(bl), Ann-Kathrin Marggraf (akm), Amrei Münster
(am), Cornelia Nicklas (cn), Meike Rohkemper (mr),
Dorothee Saar (ds), Agnes Sauter (ds), Thomas
Schaefer (ts), Gaby Schneider (gs), Almut Weis
(aw) ■ Gestaltung: Claudia Kunitzsch, Patricia Lütgebüter ■ Druck: ProWachter GmbH, Bönnigheim
■ Anzeigen: Michael Hadamczik; es gilt die Anzeigenpreisliste 2016 ■ Verlag und Vetrieb: DUH Umweltschutz-Service GmbH, Fritz-Reichle-Ring 4, 78315
Radolfzell ■ Gedruckt auf 100 % Recycling-Papier
■ Heftpreis: 1,50 Euro
Spendenkonto:
Bank für Sozialwirtschaft Köln
IBAN: DE45370205000008190002
SWIFT/BIC: BFSWDE33XXX

■

Deutsche Umwelthilfe und Global Nature Fund werden von zahlreichen Förderern finanziell unterstützt.
Die Artikel der DUHwelt geben nicht in jedem Fall die
Meinung der Förderer wieder.
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PNUD Ecuador/FMAM (m), Holzäpfel/DUH (u); S. 10:
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DUH (o.r.), Kleemann/DUH (u) ; S. 12: Kleemann/DUH
(o.l.), Holzmann/DUH (u.l.), S. 12/13: Peter Himsel
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Ziarnek (l.o.), Andreas Michael Schmitt (l.m.)/beide
Wikimedia/CC BY-SA 3.0 (l.o.), Dagmar Kahlert, Fotomontage: Stephan Schlütter (m), Holzäpfel/DUH (u.r.);
S. 26: Montage DUH (Tatyana Gladskih/fotolia.com,
DUH) (m), Sascha Kautz/DUH (r.o., r.u.), DUH, GDB
(u.l.); S. 27: Raissa Ladeira/GNF; S. 28/29: Dietmar Nill;
S. 30/31: Hufeisen/DUH; S. 31: privat (u)

welt 2/2016

31

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leben, müssen eine ethische Pflicht akzeptieren, diesen Planeten

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für unsere Nachkommen in einem intakten Zustand zu erhalten.

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Ulf Merbold, Deutscher Astronaut

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Für mich ist es keine Frage mehr: Wir alle, die wir hier und jetzt

Legat für die Natur
setzen
Mit dem Letzten Willen

ein Zeichen

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Testament und Vermächtnis

Deutsche Umwelthilfe e.V.

| Legat für die Natur

1

Die Deutsche Umwelthilfe
ist Mitglied der Initiative
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Das Prinzip Apfelbaum.“

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