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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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Die unverstandene Frau 
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LOTHAR SACHS 
D u bist heute wieder einmal 
in einer schönen Stimmung! 
So was von Launen!“ . . . 
„Aber, bitte, wenn es dir nicht 
näßt, kannst du mir ja aus dem 
Wege gehen.“ 
„Das ist leichter gesagt, wie ge 
tan. Schließlich läßt es sich nicht 
vermeiden, daß ich als dein 
Gatte . . .“ 
„Na, was denn? Ach so — du 
willst damit betonen, daß du Herr 
im Hause bist. Auch gut. Dann 
kann ja ich gehen.“ 
„Wer spricht denn davon?“ 
„Du! Aber laß mich jetzt in Ruhe! 
Ich habe die ganze Nacht kein Auge 
zugedrückt und fühle mich über 
haupt miserabel.“ 
„Liebes Kind, das kann ich doch 
nicht wissen.“ 
„Da fragt man eben. Aber dir ist 
ja alles egal. Wenn nur das Essen 
pünktlich auf dem Tische steht. 
Das ist deine einzige Sorge. 
A propos: ich brauche auch wieder 
Haushaltungsgeld. “ 
„Nanu? Ich habe dir doch erst 
gestern 100 Mark gegeben! Das 
Geld kann idoch nicht schon wieder 
alle sein?“ 
„Ach, immer dasselbe Lied! Es 
wächst mir schon bald zum Halse 
heraus. Am liebsten würde ich kei 
nen Pfennig mehr von dir verlangen. 
Aber für wen brauche ich denn das 
Geld? Für dich — für deine Be 
quemlichkeit, deinen Luxus . . . 
„Jawohl, meinen Luxus! Da hört 
aber schon alles auf! Gerade hat 
die Post wieder eine Rechnung 
gebracht für zwei Hüte. Was 
brauchst du zu dem neuen Nach 
mittagskleide gleich zwei Hüte? 
Wills t du mir das vielleicht verraten ?“ 
„Da sieht man wieder die Logik 
von euch Männern. Du bist voll 
kommen im Irrtum. Für die beiden 
Hüte habe ich leider nur ein Kleid. 
Aber quäle mich jetzt nicht länger! 
Du hast doch gehört, daß ich mich 
nicht wohl fühle. Im übrigen ver 
bitte ich mir diese 'dauernden Vor 
würfe.“ 
„Aber deine Rechnungen zu be 
zahlen, das gestattest du mir auch 
weiterhin. Dann bin ich beruhigt.“ 
(Wirft die Tür zu.) 
Das Telephon läutet. 
„Ach, Sie sind’s, lieber Kurt! Sie 
rufen ja heute schon so früh an . . . 
Aber, nein, ich bin schon lange auf. 
Danke, ich habe wundervoll ge 
schlafen und bin überhaupt heute 
glänzend bei Laune .. . Habe ein 
entzückendes neues Nachmittags 
kleid und zwei reizende Hütchen be 
kommen . . . Müssen Sie unbedingt 
sehen. Schön, abgemacht Treffen 
wir uns heute beim Fünfuhrtee im 
Königshof . . . Wie es mir sonst 
geht? . . . Ausgezeichnet. Nur 
mein Mann macht mich 
immer so nervös. Auf Wieder 
sehen!“ 
Amor auf Reisen 
1*1«. 
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