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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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Wirklich, der Bursche war ver 
schwunden. 
„Folgen Sie ihm mit einem Diener, 
suchen Sie sich einen kräftigen, 
handfesten aus“, befahl Du Barry 
dem Aufseher. „Nehmen Sie den 
kürzesten Weg, um ihn zu über 
holen. Vor der Hütte des Andreas 
verstecken Sie sich; dort werden Sie 
ihn abfassen, er will den Halunken 
warnen. Und dann mit beiden her 
auf!“ 
Du Barry ging ins Haus, von meh 
reren der Gäste gefolgt, während 
die anderen zurückblieben, um die 
Fäller im Auge zu behalten. 
Das Geflüster und Gemurmel 
drüben, das nach Du Barrys Abgang 
wieder eingesetzt hatte, klang immer 
lauter und unverschämter und ver 
sprach nichts Gutes. 
Aiguillon sagte halblaut: „Die 
Degen.“ 
Unauffällig wurden die Waffen 
hinter ein Boskett geschafft, und die 
Herren zogen sich dorthin zurück 
und schnallten um. 
„Man soll uns fortlassen, was will 
man noch von uns?“ schrie einer der 
Arbeiter. „Unsere Weiber ängstigen 
sich, und wir sind hier unnütz.“ 
„Wir wollen hinunter, wir sind 
keine Gefangenen!“ schwoll das 
Murren an. 
Aiguillon, mit einem kühlen 
Lächeln auf den Lippen, trat mitten 
unter sie. „Wer wünscht etwas? 
Wer möchte weg? — Nun? — Jeder 
soll mir’s einzeln sagen. Du? Oder 
du? Auch nicht? . . . Da hab’ ich 
vermutlich schlecht gehört.“ Und 
er ließ sich ruhig auf die Steinbank 
nieder, die hinter den Arbeitern an 
einen Baum gelehnt stand, und 
schlug die Beine übereinander. 
Es dauerte eine geraume Weile, 
bis der Aufseher zurückkehrte. Er 
führte den Ausreißer gebunden mit 
sich, der an den Stricken zerrte und 
aus Leibeskräften schrie: „Loslassen, 
loslassen!“ 
Du Barry wurde geholt. Bram er 
stattete Bericht: er habe Berthold 
unmittelbar vor dem Hause des 
blinden Andreas abgefangen und 
erst nach heftiger Gegenwehr bin 
den können; Gabriel selbst sei nicht 
daheim gewesen, und aus dem halb 
blödsinnigen Alten wäre über das 
Verbleiben seines Jüngsten nichts 
herauszubringen. 
„Warum bist du davongerannt?“ 
fragte Du Barry. 
Der Gefesselte, dem Grafen frech 
in die Augen schauend, blieb stumm. 
Er riß an den Stricken, daß er sich 
die Gelenke wund schnitt. „Zuerst 
das Zeug da weg!“ 
Du Barry löste ihm eigenhändig 
die Fesseln. „Aber überleg’ dir’s 
hübsch, dich wieder davonzu 
machen.“ 
Berthold zuckte die Achsel: „Hat 
man mich hier noch gebraucht? Zu 
Hause liegt mir die Mutter krank.“ 
„Schön, die Mutter ist krank. Du 
bist aber nicht nach Hause, sondern 
zum Gabriel. Kannst du’s leugnen? 
— Brain, sind die zwei befreundet?“ 
„Ich glaube, Euer Gnaden.“ 
„Wir sind Nachbarskinder, unser 
Haus stand ehemals neben dem 
ihrigen, das ist alles.“ 
„Was hast du dort wollen, was 
hast du mit Gabriel zu reden ge 
habt?“ 
„Ich wollte ihm erzählen . . . daß 
. . . daß der Wald brennt . . . “ 
„Dummkopf! Mutest du mir zu, 
das zu glauben? Denk dir eine an 
dere Ausflucht aus. Aber spute dich, 
spute dich!“ 
„Es ist die Wahrheit, Herr.“ 
„Die Wahrheit? — Gut, mein 
Junge. Es soll dir nicht an Gelegen 
heit fehlen, deine Aussage richtig 
zustellen, wenn dir was Besseres 
einfällt.“ Du Barry winkte zwei 
Jäger herbei: „Er bleibt im Keller 
in Gewahrsam.“ 
Die Holzfäller hüben von neuem 
zu murren an. Es begann sofort 
stark und herausfordernd. Dann 
glitt plötzlich eine drohende Be 
wegung durch die Masse, und eine 
dunkle Mauer von dreißig Männern 
schob sich schrittweise näher. 
Berthold wollte in die Reihe der 
Kameraden zurückweichen. Aber 
Du Barry hatte ihn schon mit festem 
Griff an der Brust. Mit einem Ruck 
hob er ihn hoch und warf ihn 
krachend zu Boden. 
„Den Strick!“ 
Er setzte ihm die Knie auf die 
Brust und schnürte ihm die Hände 
und Füße zusammen. Wie ein 
Bündel schmiß er ihn den Dienern 
zu. 
Die Bauern brüllten: „Freilassen! 
— Man kann ihm nichts nach- 
weisen!“ 
Du Barry, ihnen entgegengehend, 
schrie sie nieder: „Marsch, weg mit 
euch, geht heim!“ 
Aber sie wichen nicht — sie 
rückten vor. Schon sah man aus 
der Nähe die bärtigen, braunen, 
wutverzerrten Gesichter, geballte 
Fäuste, zum Schlag erhobene Arme, 
und in einigen Händen blitzte es wie 
von Messern. 
Eine einzige Stimme brauste jetzt 
unheimlich durch die Nacht: „Frei 
lassen, freilassen!“ 
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