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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

Herr von Humieres äußerte sein 
Erstaunen, daß Lauzun mit Du 
Barry wieder auf so gutem Fuß 
stünde. 
„Warum denn nicht?“ fragte Lau 
zun harmlos. „Meinen Sie wegen 
dieses unglückseligen Duells? Mein 
Gott, es hat ja auch Dolgorucki ein 
spitzes Eisen in der Hand gehabt. . . 
Sagen Sie selbst, wohin käme man, 
wenn man mit allen denen sich ver 
feinden wollte, die einem einen 
Freund oder Bekannten —“, er 
machte die Bewegung des Stiches. 
Finden Sie nicht auch Du Barry 
recht amüsant und Frau von Lancon 
ganz reizend? —“ 
Humieres mußte noch eine Stunde 
mit ihnen pokulieren. Der Wein des 
Wirtes mundete ihnen nicht, sie 
ließen aus dem Reisewagen einen 
Korb Bordeaux holen, den ihnen der 
königliche Kellermeister mitgegeben 
hatte. 
Humieres erfuhr den neuesten 
Hofklatsch, von den Zwistigkeiten 
zwischen den jungfräulichen Königs 
töchtern und der herrschsüchtigen 
Frau von Gramont, und wie man 
der toten Pompadour auf einmal 
nicht genug Gutes nachrühmen 
könnte. 
Der kleine Herzog und Guemenee, 
ein noch ziemlich unverbrauchter, 
kräftiger Junge von gesünderer 
Rasse, sprachen dem Wein allzu 
fleißig zu. Herr von Humieres 
mußte sie wiederholt zur Mäßigung 
mahnen und schickte sie schließlich 
zu Bett. Erst auf einiges Zureden 
fügten sie sich. 
Es war ein ganzer Zug, der am 
nächsten Morgen aus dem Städtchen 
fuhr: Voran zwei Diener hoch zu 
Roß, dann der Wagen Humieres’, 
in dem die drei Kavaliere saßen, zum 
Schluß Lauzuns Kutsche. 
Aber da die Herren, in fröhlicher 
Unterhaltung, sich den Teufel um die 
Fahrt kümmerten, schwatzten die 
Kutscher mit den Dienern und über 
ließen die Pferde sich selbst. Und 
die hatten’s natürlich nicht sonder 
lich eilig. So mußte man, wenn man 
Du Barry nicht nach Mitternacht 
überfallen wollte, noch eine Nacht 
station machen, in einer kleinen 
Ortschaft nur fünf Meilen von La 
Guerche. 
Am nächsten Morgen erreichten 
sie endlich das Ziel. 
Du Barry, Aiguillon und Brancas 
kamen ihnen entgegen. Aus einem 
Fenster grüßte Frau von Lancon, 
noch im Morgenkleid, aus einem 
andern winkte der Graf von St. 
Foix. 
Schloß und Park, die sofort be 
sichtigt wurden, fanden ungeteiltes 
Gefallen. 
Ein langgestreckter, zweistöckiger 
Bau mit Ecktürmen, in den edelsten 
Proportionen gehalten. Über dem 
Portal, zu dem eine Rampe hinauf 
führte und das rechts und links je 
zwei gewaltige Säulen flankierten, 
prangte noch das in Stein gemeißelte 
Wappen derer von Crequi. Vor dem 
Schlosse dehnte sich sanft abfallend 
der schön gehaltene Park. Hinter 
dem Schloß, am Ende einer Allee 
uralter geschorener Buchen, ein 
grüner Weiher mit einer moosüber 
zogenen Najadengruppe. Daran 
grenzte hügelansteigend der tiefe 
Forst. 
Der Haushofmeister wies den 
Gästen die Zimmer an. Herrn von 
Humieres Räume waren denen des 
Grafen von St. Foix benachbart und 
sahen auf den rückwärtigen Teil des 
Parkes hinaus. Marschall von 
Richelieu hatte sie vordem bewohnt, 
der einer Berufung an den Hof 
wegen, die Ankunft der neuen Gäste 
nicht hatte abwarten können. 
Der Baron kleidete sich um. Er 
zog hohe Gamaschen aus gelbem 
Sämischleder an und einen grünen, 
verschnürten Samtrock, der in der 
Mitte gegürtet war. 
Du Barry kam sich zu erkundigen, 
ob er mit der Unterkunft zufrieden 
sei. 
„ Wollen Sie mitkommen, Flumieres, 
in den Wald? Man muß tüchtig hin 
ter den Leuten her sein.“ 
„Humieres begleitete ihn. 
„Sind Sie zufrieden mit dem Be 
stand?“ fragte er. 
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