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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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Ad.it Atonocle, 
und Lippenstift 
Ein wenig „rouge“ 
Was hat alias die Giar$onnemode ange- 
richtet! Hier Bubi, dort holde Weiblich 
keit. Man girrt und lockt mit allen Rei 
zen, mit tausend Spielen, die seit Ewig 
keiten der Frau zur Verfügung standen. 
Als Neuestes gehört das kurzstielige 
Lorgnon zu ihrer Ausstattung. Man ent 
deckte, daß man im 18. Jahrhundert mit 
diesen kapriziösen Dingen großen Erfolg 
hatte. Eine Jagd in den Antiquitätenladen 
begann. Jeder suchte ein besondere reiz 
volles Exemplar dieser Gattung aufzu 
treiben. Selig die, denen das Glück gün 
stig. Sie schauen stolz durch das apart 
gefaßte Einglas in die Welt und freuen 
sich über die Entrüstung jener, die die 
Mode ä la Gargonne bekämpfen. Niemals 
war die Mode so reich wie heute, da sie 
sich zum Kampf gerüstet sieht. Täglich 
werden neue Waffen geschmiedet, jagt 
eine Sensation die andere, ist Prunk und 
Verschwendung Selbstverständlichkeit. 
Atemloses Tempo verlangt Bilder von 
überraschender Sohönheit, kinogleich, löst 
eins das andere ab. Uber allem aber 
steht Jugendlichkeit. Die Frau selbst hat 
sich zum Mittelpunkt gemacht, widmet 
sich höchstes Interesse. Alle Hilfsmittel 
sind willkommen, werden sorglos in der 
breiten Öffentlichkeit gepflegt. Puder, 
Schminke, Lippenstift sind heute selbst 
verständlich in jedem Täschchen unter- 
’gebnacht und ebenso selbstverständlich ist 
die Beinutzung dieser unentbehrlichen 
Requisiten. Die Erkenntnis der Frauen, 
s o schön wie möglich erscheinen zu 
müssen, verlangt ständige Kontrolle und 
Nachhilfe. H. Tr. 
Die berühmte spanische Tänzerin Amarantina 
Die Musterung durchs Einglas 
Photos: Kiesel
        
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