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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

Die »Paraffin ther&pie« - 
eine neue Entfettungskur? 
Von Dr. med. H. C. 
D iese Frage wird fast täglich gestellt, 
weil einige Zeitungen in sensatio 
neller Weise übertriebene Hoffnungen 
geweckt haben. Darum einige kurze 
Worte über „Entfettung“ und über die 
„Paraffintherapie“ selbst. 
Dai ist die beste Entfettungskur 
Phot. Ufa 
Briefkasten 
Abnehmen des Paraffinpanzers. 
Paraffin läßt sich wie eine Haut leicht abziehen. Atlantic 
neuartige Schwitzkur wirkt, soweit sie 
nicht bei Rheumatismus, Gelenkerkran 
kungen und Neuralgien als recht gute 
Wärmetherapie verwendbar ist. 
Das Paraffin ist eine wachsartige, ge- 
ruch- und geschmacklose Masse, die bei 
Erhitzung auf über 54° C flüssig wird 
und bei Abkühlung sofort erstarrt. Wird 
also über den Körper solch flüssiges 
Paraffin gegossen, so erstarrt es sogleich, 
indem es seine 
Hitze an den Kör 
per abgibt), diesen 
also erhitzt und 
eine feste Panzer 
decke bildet. Diese 
haftet aber nicht 
fest an, sondern 
läßt den Schweiß 
ungehindert aus 
den Poren aus 
treten. Zieht man 
die Paraffin-Hülle 
nach A—1 Stunde 
ab, sieht man die 
Haut mit Schweiß 
bedeckt und gut 
durchblutet. 
Die sogenannte 
Ganzpackung 
reicht von den 
Füßen bis zu den 
Brustwarzen. 
für ärztliche Kosmetik 
Redigiert von unserem f&di'&rzU 
liehen Mitarbeiter. 
Frage: Frau N. B. in M. fragt: Ich leide 
jeden Winter an Frostbeulen der Hände. Soll 
ich dagegen schon jetzt etwas tun? 
Antwort: Wenn Sie jetzt schon vorsorglich 
innerlich Kalk*Tabietten nehmen und sich von 
Ihrem Arzt die Hände mit Höhensonne be* 
strahlen lassen, werden Sie vielleicht dieses Jahr 
verschont bleiben. Tragen Sie auch immer warme 
Handschuhe. Sollten Sie doch erkranken, begeben 
Sie sich sofort in ärztliche Behandlung, um Ver* 
schlimmerung zu verhüten. 
— und bringt Gesundheit und Schönheit. Phot. Ufa 
Paraffin-Ganzpackung. P«ßarrhiv 
Überspritzen des heißen flüssigen Paraffins, das trotz 
des hohen Hitzegrades keine Verbrennungen hervorruft. 
Das Gewicht nimmt zu durch Fett- 
und Eiweiß- (Muskel)-Ansatz oder da 
durch, daß der Körper zu viel Wasser 
bindet. Der vermehrte Eiweißansatz, d. h. 
das Stärkerwerden der Muskulatur ist 
ein Zeichen von Kraft und Gesundheit. 
Vermehrter Fettansatz entsteht dann, 
wenn der Körper mehr Nahrung auf 
nimmt, als er zur Erhaltung seiner 
Substanz und des Lebens braucht. Die 
Beseitigung der sogenannten 
„Mastfettsucht“ 
besteht entweder in weniger Essen und 
Trinken oder in gesteigerter körperlicher 
Arbeit (Sport usw.) oder in beiden). 
Nun gibt es aber Menschen, die, obwohl 
sie wenig essen und sich viel bewegen, 
übermäßig Fett ansetzen. Hier liegt meist 
eine Erkrankung von Blutdrüsen (Schild 
drüse, Nebenniere, Bierstöcke und Hy 
pophyse) vor, wodurch der Abbau der 
Nahrung ungeheuer verlangsamt wird, 
so daß selbst geringe Kalorienzufuhr zu 
Fettansatz führt. Hier hilft nur eine 
unter strengster ärztlicher Aufsicht 
durchgeführte Kur mit Organextrakten 
Thyreodin, Leptormon, Eierstockextrakt 
usw.). Mit dem vermehrten Wasseran 
satz ist es ähnlich. 
Nur daß man hier 
meist durch starke 
Abführmittel und 
Schwitzkuren 
den Körper 
entwässern 
kann. Solche Ab 
führmittel sind 
meist die in den 
Zeitungen ange 
kündigten „un 
schädlichen Ent 
fettungsmittel“, 
während die „Pa 
raffintherapie“ als 
Außerdem kann man jedes Glied und 
jeden Körperteil für sich behandeln. Die 
Haut muß vor der Begießung völlig 
trocken sein. Die „Paraffintherapie“ hat 
vor anderen Schwitzkuren (Bäder, 
Packungen, Dampfbäder) die Vorteile: 
Einmal den der 
Sauberkeit und Keimfreiheit, 
weil das Paraffin vor Gebrauch immer 
auf 100° erhitzt und somit keimfrei 
(steril) wird, ferner den, daß es in viel 
höheren Temperaturen vertragen wird, 
als Wasser, Moor, Fango, Dampf usw., 
und daß es angenehmer für den Patienten 
ist. Wenn es also bei verschiedenen 
Erkrankungen (Rheuma, Gicht, Gelenker» 
krankungen) sicher eine Bereicherung der 
„Wärmetherapie“ ist, wirkt es als 
Ganzpackung zur „Entfettung" nur als 
Schwitzkur. Dem Wasserverlust folgt 
großer Durst, der durch verstärktes 
Trinken gestillt wird. Daher wird meist 
das verlorene Gewicht in 1—2 Tagen 
aufgeholt. Im übrigen ist jede Schwitz 
kur angreifend und darf nur nach vor 
heriger ärztlicher Untersuchung und 
unter strenger ärztlicher Überwachung 
ausgeführt werden. Die Paraffinthera 
pie wird in Frankreich 
schon lange, auch von 
namhaften Ärzten, ange 
wandt. In Deutschland 
ist sie erst neu. Di: Er 
fahrung v ird zeigen müs» 
sen, ob sie sich bewährt 
und sich als Rüstzeug 
der ärztlichen Kunst ein» 
bürgern wird. 
Eine sensationelle neue 
„Entfettungskur“ ist sie 
aber nicht, und wer sie 
dazu maL-hen w ill, ent 
wertet auch ihre Vor» 
züge als praktische, an» 
genehme und saubere 
Wärmetherapi;.
        
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