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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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Der Sieg des weiblichen Rhythmus über den männlichen Takt 
Die Tillergirls, die Schöpferinnen de* rhythmischen Zusammenklangs einer Vielheit von Bewegungen zu einer einzigen, 
als eiserne Jungfrauen in der Haller*Revue „An und aus“«, 
Phot. Schneider 
|| 
Die Herrin der Revue. 
Eine fast philosophische Betrachtung, 
Es gibt auch Männer in der Revue. Es 
gibt! Alle komischen Figuren, alle die 
dummes Geschwätz reden, alle die ent 
setzlich blöd, regelwidrig, vernunftwidrig, 
naturwidrig aussehen, alle über die man 
schadenfroh und königlich erhaben ( weil 
man glücklicherweise nicht ganz so däm 
lich ist), lacht, alle die mit erfolgreichem 
Eifer sich bemühen, den letzten traurigen 
Rest von Sinn in der nicht vorhandenen 
Handlung in Unsinn zu verkehren, all das 
sind Männer, Herren der Schöpfung, 
Clowns der Revue, berufsmäßige 
iZwerchfellerschütterer, Massenvibrations 
masseure, eine Angelegenheit der Bauch 
muskeln des sich wälzenden Publikums. 
Es mußte so kommen. Wir hatten uns 
zu wichtig gemacht. Fünf Jahre lang nur 
Mannesmut 
Freunde erinnert. 
in 
Erdlöchern kon 
zentriert, nur die 
Eintönigkeit des 
T rommelf euers 
als Ohren 
schmaus, nur die 
Variation des Grabkreuzes mit einem 
oder zwei Quetbälken als Augenfreude. 
Es mußte so kommen! Die Revue 
mußte werden. DieSchau, die Augenlust, 
der Traum von Flitter und Gold nach 
fünf Jahren Eisen, die Orgie der Farben 
Die »diömie Frau der Revue. 
Ruth Zackey, die ichöne Pariser Tänzerin vom Moulin 
Rouge. Phot. Schneider 
nach einer Ewigkeit Erdbraun, das Bad 
im Duft Narcisse noire nach dem Stahl 
bad, die Sinnenbetörung schöner Frauen 
nach dem Grauen der Fetzen im Stachel 
draht. 
So wurde die Schau und hieß Revue, 
weil wir uns ja letzten Endes doch ein 
wenig unseres derzeit schlechten Ge 
schmackes schämen und gern andern da 
drüben in Paris und New York die Ver 
antwortung überlassen möchten. 
So wurde die Frau die Herrin der 
Revue, die Alleinherrscherin, die einzig 
noch ernst genommen wird von den 
schönheitsdurstigen Sinnen. 
So wurde die Exaktheit der Tillergirls, 
die nie das bestgedrillte Bataillon auch 
nur geahnt hat. Im Spiel schöner Beine 
hüpft diese Einheit von 16 Leibern in be 
rauschendem Gleichmaß einen nieder 
schmetternden Sieg über den männlichen 
Wahn des Pa- 
Die Königinnen der Grazie. 
Die Dodge Sisfcers, deren Grazilität in der Vogelszene 
an die freudige Leichtbeschwingtheit unserer genederten 
Phot. Schneider 
rademarsches. 
Schönheit des 
Frauenkörpers 
triumphiert über 
Manneskraft, 
Pracht der ge 
schmückten Glieder über Zweckmäßig 
keit, Grazie über Organisation, Lust 
über Logik. 
So ward die Frau die Herrin der 
Revue. 
Stridente. 
Das Mädel von 1926. 
Die Tänzerin La Jana in einer trefflichen Karikatur 
der hypermodernen Frau. Phot. Schneider 
_ Der Goldrausch. 
Die große Diamantenszene in der HalIer*Revue „An und aus“. 
Phot. Schneider
        
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