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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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Keine schwerfälligen 
Russenstiefel mehr; 
die Gummigamasche 
mit dem Reißverschluß 
erfüllt den Zweck 
viel besser. 
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Der hetCe Strumpf bedarf eines Schutzes. 
Die Regenhaut mit Reißuerscfotuß. — Die t^amasd^e im ‘Pompadour. 
G lasig liegt der Asphalt da. Un 
unterbrochen seit Tagen über ihm 
dieser feine Regenstaub, der langsam 
die Nerven zermahlt, alle Mäntel fal 
tig zusammenknittert und die wieder- 
hcrvorgeholten Pelze anfhaart. — 
Die gläsernen Lichtkugeln, die wie 
Ist der Rock kurz, muß die Gamasche lang sein, oder 
der Strumpf ihre Farbe haben. — Ein fleischfarbener 
Fleck zwischen Gamasche und Rock ist häßlich. 
Ampeln über dem Straßenbett schaukeln, spie 
geln sich auf dem nassen Damm, als wenn in 
Sommernächten Lampions in einen See unter 
tauchen. Wie Irrlichter gaukeln ihre Reflexe 
dahin. Decken auch wohl plötzlich ein Gesicht 
auf oder holen irgendwo aus dem Dämmer eine 
Farbe heraus. So, wie das Burgunderrot dieses 
kleinen hochgetürmten „Wolworthhutcs“. 
Eine wirkliche Dame ist es, die ihn trägt. 
Zweifellos, auch wenn sie sehr hoch geschürzt. 
Nichts ist scheinbar an ihr auszusetzen. Auf 
die Stunde genau ist ihr Anzug abgepaßt; bis 
hinunter zu den schnittigen Spangenschuhen, 
die ihre liebe Not haben, all’ diese kleinen 
Wasserlachen zu umsegeln. 
Nun steht sie vor einem großen Kreuzungs 
platz. Es ist nicht ungefährlich ihn zu über 
queren, denn eine breite Wagenphalanx be 
herrscht ihn. Aber die Straße wird jetzt frei 
gegeben und da huscht auch sie mit den ande 
ren hinüber. So sehr sie sich jedoch beeilt,schon 
setzt von der anderen Richtung der Verkehr 
wieder ein, und um Haaresbreite hätte sie 
jetzt beinahe eine schwere Maybach«Limou= 
sine gerammt. Eine Begegnung, die denn auch 
nicht spurlos an ihr vorübergegangen : 
als wenn sie der 
Sprühregen einer Kar 
tätsche erfaßt, so sind 
ihre fleischfarbenen 
Seidenstrümpfe von 
den Straßenspritzern 
besprenkelt. 
Ja und nun erst 
fallen sie eigentlich 
auf, diese furchtbar 
hellen Strümpfe, die 
doch so gar nichts, 
für dieses Wetter sind. 
Heute trägt jede gut* 
angezogene Frau eine 
hohe Gamasche aus 
Regenhaut. 
Die Regenhaut, 
Aufnahme im Kaufhaus des 
Westens. Photo Ragotzi. 
Keine nassen Füße kennt sie mehr 
und auch keine schmutzbespritzten 
Strümpfe, 
makellos ist der feine Seidenflor, 
wenn sie dann nachher in der Halle 
beim Tee sitzt oder auf dem Parkett 
des neuen Tanzpalais am Zoo 
Charleston übt. 
Blitzschnell kann sie sich von die 
sen Gummigamaschen, die sogar auch 
den ganzen Schuh schützen, befreien. 
Durch den neuartigen Reißverschluß 
sind sie im Augenblick abgestreift, 
aber ebenso schnell auch wieder ge 
schlossen, wenn der Kampf mit dem 
Regenwetter erneut aufgenommen 
werden soll. Für die Zeit der Ruhe 
aber stecken sie in einem kleinen 
Beutel, der wie ein Pompadour über 
den Arm gehängt wird oder von den 
neuen großen Mammuttaschen mit 
Schildpattbügel mühelos geschluckt 
wird. Modebaron.
        
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