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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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gen hatten etwas unsagbar Ko 
misches; er führte sie aus, als ob 
er keine Gelenke hätte, als ob die 
kurzen Arme und die Hände mit 
den dicken, breiten Fingern ein ein 
ziges Stück Glied wären. 
„Aber, .St, Foix, da gibt’s doch 
kein überlegen mehr! Das wäre 
Wahnsinn . . redete Du Barry auf 
ihn ein. 
„Es ist vielleicht noch zu früh, 
darüber zu sprechen“, meinte der 
Schatzmeister. 
„Sie machen uns neugierig“,, sagte 
Brancas listig. 
Du Barry wendete sich zur Gesell 
schaft: „Wir können doch auf Ihre 
Verschwiegenheit rechnen? — Seien 
Sie unbesorgt, St. Foix, wir sind 
unter Freunden. -— Also . . 
St. Foix winkte neuerdings ab. 
Doch Du Barry ließ sich nicht 
zurückhalten. 
„Also: La Guerche ist zu verkau 
fen, Schloß und Wald, der herrliche 
Wald von La Guerche, und weit 
unter dem wahren Wert. Das Holz 
überreif zum Schlagen.“ 
„Ich kenne den Wald, Buchen sind 
es, wäre ausgezeichnetes Schiffs 
holz“, warf der Herzog von Aiguillon 
so beiläufig ein. 
Du Barry schlug auf den Tisch: 
„Alle Wetter, meine Hochachtung 
vor Ihrem Scharfsinn, Aiguillon! 
Sehen Sie, St. Foix, dem leuchtet es 
gleich ein. Jawohl, Schiffsholz. Und 
Frankreich braucht Fregatten, drin 
gendst. Man hat uns da nach Kor 
sika auf Schiffen übergesetzt, du 
lieber Himmel, Schiffe kann man das 
alte, unbrauchbare Gerümpel kaum 
mehr nennen! Mit einer Pistolen 
kugel sind die Dinger leck zu schie 
ßen! . . . Aber das wollen die hohen 
Räte Seiner Majestät nicht gerne 
hören. Ich erkläre Ihnen, es ist eine 
Schande fürs Königreich, daß auf 
solchen morschen Barken unsere 
Fahne weht, und entschließen sich 
die Herren nicht von selbst, da Wan 
del zu schaffen, so verfasse ich eine 
Denkschrift, und daß die bis nach 
Versailles fliegen soll, dafür bürge 
ich. Ich decke schonungslos den Zu 
stand unserer Marine auf. Das bin 
ich als Offizier und französischer 
Edelmann dem Thron schuldig.“ 
Brancas klopfte Du Barry auf die 
Schulter: „Glücklich der Thron, der 
solche Stützen hat . . .“ 
„Wie —-?“ fragte der Graf, ein 
wenig irritiert. Doch er war viel zu 
sehr mit seiner eigenen Angelegen 
heit beschäftigt, um den Spott recht 
zu merken. „Ich habe von dem Ver 
kauf von La Guerche Wind bekom 
men — man hat seine Nase — und 
habe St. Foix Mitteilung gemacht. 
Er zaudert, ja, staunen Sie, er zau 
dert! . . . Aber ich kenne meinen 
Freund St. Foix, und ich bin ganz 
ruhig: er liebt sein Vaterland nicht 
weniger heiß als ich, und er weiß, 
so gut wie ich, ein feines Geschäft 
zu würdigen.“ 
„Wir sprechen darüber, ja.“ 
„Was ist’s mit Ihnen, Humieres, 
gefiele Ihnen nicht auch La 
Guerche?“ wandte sich Du Barry 
an den Baron und gab ihm unter 
dem Tisch einen leichten Stoß. 
Humieres, der einen Spaß nicht 
verdarb, machte ein nachdenkliches 
Gesicht: „Wie Sie die Sache darstel 
len, gewiß erwägenswert . . .“ 
Brancas verstand das Manöver, er 
wollte nicht zurückstehen: „Ver 
gessen Sie auch meiner nicht, Du 
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Barry! Wer möchte nicht auf leichte 
Weise ein schönes Stück Geld ver 
dienen? . . .“ 
Die kleinen, glotzenden Augen des 
Schatzmeisters wanderten mißtrau 
isch von einem zum andern: Eine 
Verabredung? . . . Sollten die unter 
einer Decke stecken? . . . 
Aber sie sahen alle so bieder drein’ 
und Humieres war ein Ehrenmann, 
über jeden Zweifel erhaben. 
Und er beeilte sich: „Ich habe ja 
noch nicht nein gesagt.“ 
Als man sich von der Tafel erhob, 
flüsterte Du B>arry Marianne zu: „Sie 
sind nicht sonderlich liebenswürdig 
zu St. Foix!“ 
Marianne schüttelte sich: „Er ist 
mir widerlich . . .“ 
Du Barry maß sie mit frostigem 
Blick: „Kümmert’s mich, ob er Ihnen 
gefällt?“ 
So mußte sie sichernit unterdrück 
tem Seufzen dazu verstehen, den 
Schatzmeister zu unterhalten. 
Aber St. Foix merkte gar wohl, 
wie schwer die Verpflichtung sich 
ihm zu widmen, auf Frau von Lancon 
lastete. Er stand auf und sagte, ver 
nehmlich genug, daß es die andern 
hören konnten: „Ich darf nicht so 
unbescheiden sein, Ihre reizende Ge 
sellschaft für mich allein in An 
spruch zu nehmen . . . Ich fürchte 
den Neid Ihrer Gäste.“ 
Marianne ward verwirrt, sie wußte 
nichts zu entgegnen. 
Aiguillon kam ihr zu Hilfe, indem 
er sich neben sie setzte. 
„Darf ich um den Vorzug 
bitten? . . .“ Er fügte mit gedämpf 
ter Stimme hinzu: „Sie sind unge 
schickt, Sie machen Du Barry böse.“ 
„Ich hatte mich so gefreut — nun 
schleppt er mir diesen Menschen 
her . . .“ 
„Weil er ihn braucht, sehr nötig 
braucht. Auch in Ihrem Interesse. 
Du Barry hat Verluste gehabt . . 
Marianne meinte gleichgültig: 
„So?“ — Aiguillon fuhr fort, ein 
dringlicher: „Sie sollten das nicht 
so leicht nehmen. Sie scheinen über 
seine Verhältnisse nicht recht unter 
richtet zu sein. Er hat kein Ver 
mögen, nur hier und da Glück bei 
seinen Unternehmungen oder am 
Spieltisch. Aber das ändert sich oft 
schnell ... Er war zum Beispiel vor 
gestern noch bedeutend reicher, als 
er es heute ist.“ 
Marianne horchte auf. 
„Ich habe es aus sicherer Quelle, 
daß ihm gestern sein Angebot auf 
die Getreidelieferung für die flan 
drischen Truppen abschlägig be- 
schieden worden ist. Wissen Sie, 
was das bedeutet? Er hat um Hun 
derttausende Getreide angekauft. Er 
kann von Glück sagen, wenn er 
nicht mehr als ein Viertel des Ein 
kaufspreises beim Losschlagen seiner 
Vorräte jetzt verliert. Noch einige 
solche Verluste, und . . .“ — er ließ 
die Augen über die Herrlichkeiten 
des Gemachs laufen und wippte mit 
den Fingern — „das ist dann alles 
vorbei . . .“ 
Marianne zuckte die Achseln:' 
„Und? . . Sie sah hinüber zu 
Humieres, und in ihren Augen 
leuchtete es. 
Aiguillon verstand sie. Er schüt 
telte ernst den Kopf. „Nein, meine 
Liebe! So leicht läßt ein Du Barry 
nicht frei . . .“ Er legte einen 
schweren, warnenden Ton auf jedes 
Wort: „Der Graf hat eine ganz 
eigene Methode, das aufgewandte 
Kapital wieder hereinzübringen. Er 
meint, das Verlangen sei nicht un 
billig, daß man ihm zu Zeiten der 
Ebbe ein wenig von dem wieder 
hereinbringe, was man in besseren 
Tagen ihm ausgeführt hat . . .“ 
Bevor Marianne aber Aufklärung 
verlangen konnte, hatten sich 
Humieres und Brancas zu ihnen 
gesellt. 
Du Barry hatte sich bereits früher 
mit St. Foix zurückgezogen zu einer 
längeren Unterredung. 
Brancas war es, der wie gewöhn 
lich die Kosten der Unterhaltung
        
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