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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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ann man aa /7 so remgenen 
Der Cafötruii. 
Eines der elegantesten Cafes der Welt, das Cafe am Zoo, das Zentrum der neuen 
Vergnügungs* und Gesellschaftsstätten im Berliner Westen. Phot. Ragotzi 
Vielleicht merken Sie gar nicht, was wir mit diesem Artikel 
wollen. Nun, dann umso besser für unsern Mitarbeiter. Aber 
damit Sie nicht in allzu großer Vorsicht glauben, es geschehe 
weniger zu Ihrem als zu unserem Nutzen, wollen wir Ihnen lieber 
im voraus verraten, daß wir Ihnen behilf* 
lieh sein möchten, jene unangenehmen 
Momente im Leben zu vermeiden, in 
denen Sie — fremd oder heimisch in 
Berlin — vor einem neuen Cafe oder 
Tanzlokai stehen, auf Ihre Halbschuhe 
starren und in Gedanken ängstlich den 
Inhalt Ihres Geldtäschchens zählen, drei* 
mal am Eingang Vorbeigehen mit der 
quälenden Frage: kann ich reingehen 
oder nicht? Ein junger Mann mit Lebens* 
stil und Kenntnis Ihrer Sorgen ist von 
uns auf die Vergnügungsspur gesetzt und 
berichtet Ihnen getreulich seine Erfah* 
rungen. Da er unglücklicherweise lite* 
rarische Absichten hat, hat er versucht, 
das Ganze auch noch geistreich darzu* 
stellen. Mit wenig Erfolg, wie wir zu* 
geben. Die Redaktion. 
„Weißt du, Emmy“, sagte sie 
nach kurzem Nachdenken, „wir gehen 
ins „C a f e am Zo o“. — Sie gehen. 
Gemäßigter Expressionismus in 
Gold, Gelb, Rot. Facettenkuppel, 
silbern matte Lichtquellen, stre 
bende Pfeiler wie Orgelpfeifen. 
„Weiß schon, Paris und London 
haben nichts Gleichwertiges aufzu 
weisen. Eine kostspielige Angelegen 
heit!“ 
Thea, die sozusagen mondäne Ber 
linerin, lächelt überlegen: „Zwanzig 
Pfennig Garderobe, die du nicht ein 
mal zu benutzen brauchst. Tanzbetrieb von Vs5 bis 7 Uhr, 
und von 7 Uhr bis zu Herrn Zörgiebels verlängerter 
Polizeistunde. Bleibt nur niemand bis 3 Uhr.“ 
Der moderne Tanzpalajt. 
Tanzparkett und Logen im Palais am Zoo, 
Phot. Ragotzi 
ziehen. Denn hier ist abends Gesellschaftstoilette Vor- 
schrift/'Nachmittags geht’s auch hier in Rock und Bluse, 
obgleich\neine Beste — angenehm ist’s nicht. Zwar 
wirft dichrüemand raus, aber die Teekleider sind eine 
verzweifelt 'vornehme Gesellschaft, und wenn man 
schon Mk. 3,-V für’s Teegedeck mit Sandwichs oder 
Kuchen zahlt, so. soll man’s nicht auf Kosten der Un 
gezwungenheit tun die der korrekte Anzug gewährt. 
Des Abends natürlich „grande toilette“ mit Weinzwang. 
Mk. 3,—- oder 4,—• die billigste Flasche! Nachmittags 
läßt man zwei „herrenlose“ Damen wenigstens passieren, 
tanzen dürfen wir auch hier nicht ohne die Herren der 
Schöpfung. Abends dürfeiU wir ohne sie nicht einmal 
hinein. Nur rauchen darfst-, du, 
wenn du erst mal drin bist, Üi,er 
und nebenan auch ohne ehemänrht 
liehen Schutz.“ 
Auf daß der Konzern voll 
werde noch zum „Cafe Unter den 
Linden“. Gab’s im „Palais am 
Zoo“ den Prinzen Hohenlohe, den 
Prinzen Reuß, die Grafen Bis 
marck und Arnim und Trude 
Hesterberg als Prominente, so 
sind’s hier Herr 
Reichsminister 
Külz, Preußens 
ehemaliger In 
nenminister Se- 
vering. 
Vor wenigen 
Wochen tanzte 
man nicht im 
„Cafe Unter den 
Linden“, das nie 
mand in Berlin 
kennt, weil es 
nun eben „C a f e 
Bauer“ heißt. 
Berlin lernt Cafe» 
Namen nicht um. 
Als die große Abwanderung nach dem 
Westen begann, kam man auf die ret 
tende Idee, auch im „Cafe Bauer“ 
tanzen zu lassen, nachmittags nur 
Sonnabends und Sonntags - abends 
alle Tage: bei 90 Pfennig für Garde» 
robe und 90 Pfennig für die Tasse 
Schokolade. 
Und die alte City ist großzügiger 
als der Westen, hier dürfen auch zwei 
Damen zusammen tanzen. In Rock 
und Bluse versteht sich, schon wegen der vielen Aus 
länder und Provinzgäste, die nicht alle ihre Abend 
kleider im Koffer mit umherschleppen können. 
Die schönste Frau 
der Welf 7 
Miß Peppy .Lamont, die 20* 
jährige Siegerin der Londoner 
Schönheits*Konkurrenz, wird 
nach Amerika gehen, wo die 
schönste Frau der Welt aus 
den schönsten Frauen aller 
Länder gewählt werden soll. — 
Sie hat nichts mit dem Cafe am 
Zoo zu tun — nur ihr Anzug! 
Phot. Keystone 
9“ 
»»• 
„Gewiß, nachmittags genügt das Straßenkleid, und 
auch des abends keine Toilettenvorsohrift, wenn schon 
du im einfachen Kleide ungenierter bist als in Rock 
und Bluse.“ 
„Verzeihung, meine Damen, wir gestatten hier leider 
nicht, daß zwei Damen zusammen tanzen.“ 
„Kinder, seid ihr vornehm in Berlin!“ 
„Ober, zahlen!“ 
„Zwei Kaffee Mk. 1,60 — Mk. 1,80, wenn ich bitten 
darf.“ 
Noch eine Stufe größerer Vornehmheit: Palais am 
Zoo — im gleichen Hause, im gleichen Konzern, Voß 
und Co. Warum nur Stahltrust, warum soll’s keinen 
Cafe-Trust geben?“ 
Zehn Pfennig mehr Garderobe für die Vornehmheit, 
will heißen: 30 Pfennig nachmittags. Aber auch die 
kann man einsparen, — wenigstens nachmittags. 
Die sagenhaften fünf Mark Eintritt, von denen Berlin 
sich erzählt, sind eine Erfindung böswilliger Ehemänner, 
die zu bequem sind, sich abends den Smoking anzu 
Baucr a. D. 
Berlins ältestes Cafe in der City für den Konkurrenzkampf mit dem Westen neu 
hergerichtet» Phot. Ragotzi
        
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