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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

„Schönen guten Morgen, Herr Le Bel! Was verschafft mir 
die hohe Ehre zu so früher Stunde?“ <■ 
Le Bel, von einem rechten Ingrimm gepackt, als er den, um 
dessentwillen eigentlich er gerade solchen peinlichen Zusam 
menstoß mit seinem allergnädigsten Herrn hatte erleben 
müssen, sich so behaglich und sorglos im Bett dehnen sah, 
meinte ziemlich spitz: „Ich finde die Stunde für einen Besuch 
nicht zu früh. Wir haben Mittag.“ 
„Mittag, schau, schau , . .“ Du Barry gähnte. Natürlich war 
er bereits ganz munter und sehr gespannt, was Le Bel brächte. 
Aber er hielt es für angezeigt, seine Wißbegierde hinter Schlaf 
trunkenheit zu verbergen. — „Ja, es ist etwas spät geworden 
gestern bei der Duquesnoy.“ Sein Blick streifte verstohlen den 
straffen Goldbeutel, der noch auf dem Nachttische lag. Es war 
.HERZ-SCHUHE“ 
und efegante Trauen find unzertrennficfL. 
«HERZ-SCHUHE» vollenden jedes moderne Kleid 
und verleihen Anmut und Schönheit. Neue herrliche 
Modelle bilden das Entzücken jeder Dame, welche durch 
fie ihre Modewüniche ßets erfüllt fleht. 
Ein Spiegehhitd des Charahters eines Menfcßen 
find feine Schuhe. 
«HERZ-SCHUHE» mit dem Herz auf der Sohle werden 
dem prüfenden Blick kritifcher Augen ftets handhaben, da 
fie alle Vorzüge vereinen,denen fie ihre Berühmtheit ver 
danken: Gefunde Paßform,aparte Modelle, peinlich forg= 
fältigfte Herltellung. 
SCHUHFABRIK HERZ AG-, FRANKFURT AM. 
doch etwas Sonderbares um das Glück im Spiel . . . Wo Geld 
ist, fliegt wieder eines zu. Jetzt, da es ihm wieder erträglich 
ging — die kleine Lancon ließ sich warhaftig nicht spotten! — 
jetzt kehrte auch sein Kartenglück wieder. Er fragte: „Warum 
sieht man Sie nie mehr oben?“ 
Le Bel dachte: Wär’ ich nur an jenem September abend nicht 
deiner Aufforderung gefolgt, Windbeutel du . . . 
„Keine Zeit, Herr Graf“, erwiderte er kühl. 
Im übrigen war er aber nicht gesonnen, lange Umschweife 
zu machen. Die Zeit drängte. Um vier Uhr mußte er mit einer 
Entscheidung zurück sein, unbedingt. 
Er räusperte sich kurz und, Du Barry den Ernst des Augen 
blicks durch einen strengen, scharfen Blick merken lassend, 
setzte er an: „Herr Graf, es handelt sich um eine höchst be 
deutsame Angelegenheit, in der ich aus verschiedenen Gründen 
auf Ihre Unterstützung rechnen muß.“ 
„Ah? 
„Ich komme geradeswegs aus dem Kabinett des Königs. Frau 
von Lancon muß heiraten, sobald als möglich.“ 
Du Barry, mit dem Ausdruck ehrlicher Verblüffung, richtete 
sich auf. „Was — was höre ich? . . .“ — ein Lachen gurgelte in 
seiner Kehle — „Frau von Lancon muß — muß heiraten? . . . 
Alle Hochachtung von unserm Herrn und König!“ Und laut 
herausprustend fiel er in die Polster zurück. 
„Sparen Sie sich die Späße, bitte“, sagte Herr Le Bel unge 
halten, ohne jedoch selbst ganz ernsthaft bleiben zu können. 
„Das ist natürlich Unsinn, woran Sie denken. Die Majestät 
wünscht Frau von Lancon bei Hof einzuführen.“ 
„Ei . . .“ schmunzelte Du Barry, höchlichst amüsiert. Das 
hatte sie ganz tüchtig gemacht, die Kleine, und die Unterredung 
jüngst in der Loge der Italiener trug die schönsten Früchte. 
„Darf man fragen, von wem diese Absicht ausging?“ 
„Nunmehr ist es der Wunsch des Königs, das hat uns zu ge 
nügen. Ich habe der Majestät Vorstellungen zu machen ver 
sucht“, fuhr Le Bel schneller fort, um über die unangenehme 
Erinnerung rasch hinwegzukommen, und schließlich hatten Ein 
zelheiten den Grafen ja nicht zu kümmern . . . „ich habe zu 
guter Letzt auch mit der Wahrheit über den Adel und die Ab 
kunft der Frau von Lancon nicht hinter dem Berg gehalten — 
aber der König blieb unerschütterlich.“ 
(Fortsetzung folgt.) 
* 
Die Buchausgabe dieses Romans erscheint 
bei der Deutschen Verlagsanstalt, 
Stuttgai t-Berlin. 
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