Path:

Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

19 
^otorr^en der ^tmungsorgane, 
inäftefotibere Orondjitis u. brontftlfifcften, ftnufig mit oertpedjfelfen 
Sffem&cfdjtper&en, fotme tubecfulöfen ifrfrantungcn erjielten jufolge 
Safytreid? Doriiegenber Slitfeilungen Don Strjfcn, älpofhefen unb £eibenben 
in jahrelanger prägte Dorsfigticfre Grfotge. 
§ufkn, Ijieiferfdt, Derföldmiittg, 
Slusttmrf, TiacftffrfitDeip, ©tiefte im dürfen u. Sruftftftmcr? ftörfen auf; 
allgemeines 2Boftl&efinben (teilte fid) ein; ufrn. — @o unb aftnlicft feftafffe 
ed freubig aud biefen Dtitteifungen. Oer Ctyefarjf eines preufj. Kreis* 
EranEenftaufea berietet in ber Stfftg. OJleb, 3enfralätg. über gute ßrfotge 
mit fßofolin-JMffen unb fdjreibt bei Srroäftnung eines barfnätfigen 
jaffeS, bei bem affe fonff befannfen Stiftet üerfagf ftaffen: 
„t>o greife i<f) in meiner Pergtceiflung gu den ftotoün*Piüen unb 
gu meiner eigenen ilberrafcfrung tritt im Perlouf einer tPocfre 
ein Ümfchtpung OefTeren ein, der Keigfruffen tagt nad) ufio.* 
Stuf äinfrage bei meftr als 100 äipotftefen aus aften ©egenben beS 
Jteidjeä ging nidjt tine einjige ungönffig lautende /Infroort ein; 
affe Stnftporfen taufen etoa trie bie fotgenben: 
QI. &rcu3>Otpo<^., QlugS&ucg: Da« Präparat iff nach allen sflugerutigcn her »an mir 
befragten fiäufer, bie ben »erfdjiebenflen Streifen 3ugef>ären, ein jutrertäfTige« uni) wirf« 
fameä Mittel. — @araariiec»9tt>®tf|*> l 3BecIin: 3tre3tntalih»pi(len werben nicht nur 
eom publifum gern getauft, fantern audj unä feläff maefä cs biretf Vergnügen, fie per« 
taufen ju fännen, Weil wir immer nur latente Urieile über bie guie äBirfüng ju hären be* 
fommen. — < aHof)ren» , 3tt>otf>., (Srfutt: Seile 3fmen gerne mit, baß 3ßre 3iotaIin«pitlen 
»am Pubiifum fepr gelabt »erben; »erftbicbenilich taurbe fogar behauptet, eb wäre baä 
einige Mittet, baä bis jeßt gehalfen hätte. — Cötoett.'Jlpofh., ©feitDig: 3tnfalin<pilfen 
erfreuen fith gefteigerter liaihfräge. 8tu<h mein Hafer, 85 3afjre alt, hält große ©füife 
auf fie. Sr hat einen chramfthen 25rond)iaifatarrß unb hält »an aflcn angewanbien Mitteln 
biefe Pillen für baS befte. — ufw. 
Rotolin«PiUen (SeffanMeile: Pix fagi spec.m.parat. / Ovolecith. / Acid.Benz e.Siam/ 
Acid silic. / Rad. Liquir. / Rad. Alth. / Minerale / „Viosulfal“ ©euffcfteS tReidftSpatenf) 
finb erhalt lieft burd) affe Sfpofft. ober bireff burtft und t>on unferer 33erfanD*21pofftefe ju 
Stf. 2.80 pro ©d)ad)tet, bei brei ©cfjadjfeln auf einmal ju S?f. 2.50 pro ©eftaeftfef 
gegen Soreinfenbung bee ©efraged ober Sadjnaftme susügtid) hoffen, Dftne feffe 3e« 
fteffung erfolgt fein Sierfanb. — /luafufjrUcfje Drutffadje« F o ft c n l e s, 
pioef* & <£$ v 6edm 68) 6$ 
Poftfd)e<ftonto: ßerlin Kr. 34439. 
großen, treuen, braunen Augen schüchtern 
und verständnislos Frau von Lancon an. 
Sie sprach ihm die fremde Sprache zu 
rasch, er konnte nicht folgen. Aber als 
er wahrnahm, daß man eine Antwort er 
wartete, wußte er sich in seiner Ver 
wirrung keinen anderen Rat, als sich wie 
derum ganz tief zu verbeugen und seine 
eingelernte Rede noch einmal loszulassen; 
„Ich bin Zamore, gnädigste Herrin, und 
bleibe bis zu meinem Tode Euer Gnaden 
getreuester Diener.“ 
Der König und Marianne lachten laut 
auf. Marianne faßte Zamore und wirbelte 
mit ihm durchs Zimmer. Plötzlich hielt 
sic inne. 
„So, und jetzt zeig’ deine Künste und 
trag’ die Tassen hinaus, aber sei vor 
sichtig, Kleiner, und laß nichts fallen.“ 
Sie stopfte ihm ein Stück Kuchen in 
den Mund, gab ihm die Tablette mit den 
Schalen und Kannen in die Hand, und 
Zamore, artig und graziös, wie man es 
ihn gelehrt hatte, räumte ab. 
„Sie hätten mir kein hübscheres Ge 
schenk machen können, als diesen nied 
lichen Mann“, sagte Marianne und küßte 
Ludwig auf die Stirn, nachdem sich hinter 
dem Neger die Tür geschlossen hatte. 
„ . . . Auf Regen folgt Sonnenschein“, 
meinte der König, ihr die Wange 
tätschelnd. „Daß ich jetzt keine solchen 
Gesichter mehr zu sehen bekommen!“ 
drohte er mit dem Finger. 
„Nie mehr“, beteuerte sie. 
. „Nie mehr —?“ Ein feines, selbst 
spöttisches Lächeln stand auf seinen 
Lippen. „Das heißt, wenn ich hübsch ge 
horsam bin, der gnädigsten Herrin folg 
samster Diener? . . .“ Und dann schaute 
er mit einem komisch-sehnsüchtigen 
Blick, genau wie sie es früher getan hatte, 
zum Fenster hinaus in die Richtung nach 
Versailles, und er sagte, als wollte er ihr 
endgültig Sicherheit geben, mit Betonung: 
„Ja, ja, folgsamster Diener.“ 
Er nahm Marianne auf den Schoß, mit 
jener Vorsicht allerdings, die ihm sein 
leidender Fuß gebot. Wohingegen es Ma 
rianne wieder bei ihren Zärtlichkeiten 
nicht an jener Rücksicht fehlen ließ, die 
man einem älteren, schon etwas gebrech 
lichen Herrn schuldet. Wohlmoderierte 
Liebkosungen spendete sie, die sie aber 
als den Ausfluß ihres eigenen sanften 
Wesens hinstellte, damit er sich ja nicht 
verletzt fühle. 
Und er erwiderte sie mit all der dank 
baren, stets ein bißchen ängstlichen, ver 
haltenen Glut des bejahrten Liebhabers. 
„Du willst nicht fort von mir? . „ . 
fragte er sie leise. 
„Ich habe nie daran gedacht“, sagte sie 
fest, wirklich aus innerster Überzeugung. 
„Komm, Kind, lies mir vor. Eine der 
ergötzlichen Geschichten des Herrn Boc 
caccio.“ 
„Hier?“ fragte sie mit schmachtendem 
Blick. 
Arm in Arm durchschritten sie die 
Flucht der erleuchteten Zimmer, bis sie 
über die Schwelle von Mariannens Schlaf 
gemach traten. 
Le Bel kam aus den Gemächern des 
Königs. In einer höchst erregten Ver 
fassung. Das wurde von denen, die in 
den Antichambren wartend herumstan 
den, sofort bemerkt. Was hatte es ge 
geben zwischen dem König und dem 
Herrn Kammerdiener, die über eine halbe 
Stunde allein im Gespräch verweilt 
hatten? — Schon steckten sich hinter Le 
Bels Rücken die Köpfe zusammen und 
tuschelten. 
Herr Le Bel aber schien niemanden zu 
sehen. Er grüßte nur flüchtig die Herren 
vom kleinen Dienst, er dankte kaum den 
Verbeugungen, die niedere Höflinge und 
das Volk der Bittsteller ihm boten — die 
Augen unter finster gerunzelten Brauen 
geradeaus gerichtet, eilte er ohne Aufent 
halt durch die Zimmer und Säle, hinauf 
in seine Behausung unter dem Dach. Er 
eilte ... Er, der sonst gemessen Fuß vor 
Fuß setzte, als schritte er im Krönungs 
zuge, er eilte! Man konnte sich eines 
solchen Anblicks nicht entsinnen. Sein 
kurzer Degen flog klirrend von einer 
Seite auf die andere, den Hut hielt er 
krampfhaft unter den Arm gepreßt, und 
auf den schwarzen Seidenknien meinten 
einige scharfe Beobachter helle Flecken 
wahrgenommen zu haben — wie von 
einem Kniefall . . . 
Herr Le Bel schickte in den Marstall, 
man möge ihm sofort anspannen, viere- 
lang, gute Pferde. Er überpuderte, trotz 
aller Hast mit Sorgsamkeit, seine 
Perücke, zupfte das Jabot glatt, dann 
warf er sich den Mantel um und ging, tief 
in Gedanken versunken, über leere 
Nebenstiegen hinunter in den Kapellen 
hof, von wo aus er wegzufahren pflegte. 
Ungeduldig stapfte er im Vestibül hinter 
dem Gittertor auf und ab. Plötzlich, ein 
Windstoß öffnete seinen Mantel, sah er 
die Flecke auf seinen Knien. Er trat 
hinter eine Säule, damit ihn die Wache 
nicht beobachte, und reinigte sich. Einen 
ganz roten Kopf bekam er dabei. 
Inzwischen war der Wagen vorge 
rumpelt. Der gepflasterte. Hof hallte von 
den sechszehn Hufen. Le Bel sprang ein, 
eben wie jemand aus einem Fenster rief: 
„Wohin, Herr Le Bel?“ — er sagte dem 
Kutscher nur: „In die Stadt, fest zu 
fahren!“ und drückte sich in eine Ecke. 
Erst auf der Landstraße gab er das 
nähere Ziel an. 
Von St. Sulpice schlug es gerade 
zwölf, als der Kutscher vor einem unan 
sehnlichen, kleinen Hause in der Rue de 
Conde die dampfenden Pferde zügelte. Le 
Bel befahl zu warten und trat in das 
Haus. 
Die zweistündige Fahrt hatte den 
Herrn Kammerdiener wenn auch nicht 
die innere Gefaßtheit, so doch völlig 
seine würdige Haltung wiederfinden 
lassen: Es war der alte, gravitätisch vor 
nehme Le Bel, der sich jetzt beim Grafen 
Du Barry anmelden ließ. 
Du Barry war eben erst erwacht. Er 
empfing den Kammerdiener im Bett.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.