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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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des grauenden Tages sah sie Du 
Barry vor sich. Sie rieb sich schlaf 
trunken die Augen. 
Dann sagte sie: „Diese Feste mag 
ich nicht . . .” 
„Die auch, nicht?” erwiderte er 
lachend und schüttete den Inhalt 
einer Tasche auf ihre Decke, daß 
das Gold bis auf den Teppich rollte. 
„Zum Spiel gehört Wein — so hat 
mir’s der alte Du Barry schon ein 
geprägt! Und der verstand sich 
drauf . . .” Er ging, nicht ganz 
festen Schrittes, zu einem Ebenholz 
kästchen, leerte die zweite Tasche 
hinein, sperrte ab und verwahrte 
den Schlüssel bei sich. 
Er setzte sich auf ihr Bett und 
wurde zärtlich. Rot und erhitzt war 
er, die Haare in Unordnung, die 
Kleider beschmutzt, und roch nach 
Wein. Es graute sie vor ihm. 
„Ich bin müde . . klagte sie. 
Solcher Gelage fanden zwei oder 
drei in der Woche statt. 
Sie mußte sie mit in Kauf nehmen, 
Du Barry duldete keinen Einwand. 
Die Hälfte des Gewinns — er ge 
wann immer! — gehörte ihr. Auch 
war er sonst sehr freigebig, konnte 
sogar, wenn’s ihm gerade paßte, 
artig und aufmerksam sein. Nur ge 
horchen mußte sie, blind, wortlos 
gehorchen. Was er wollte, mußte ge 
schehen. Anderenfalls war er wild 
und roh. 
Des Tages ließ er sie viel allein. 
Er hatte Geschäfte. Er kaufte 
Pferde, spekulierte in Getreide, 
übernahm Armeelieferungen. Aber 
so redselig er sonst war, über diese 
Angelegenheiten schwieg er. 
Einmal mußte er auf einige Zeit 
verreisen. Nach Holland, mit einer 
Militärdepesche. 
Sie wollte spazieren fahren und 
ließ es dem Kutscher sagen. Die 
Kammerfrau selbst, gewöhnlich, be 
quem und träge, wollte es besorgen. 
Sie brachte die Antwort: der Kut 
scher wäre krank. Zuerst glaubte 
es Frau von Lancon. Aber dann fiel 
ihr ein, daß die Kammerfrau in den 
wenigen Minuten gar nicht habe im 
Stall sein können. 
„War’t Ihr selbst unten?” fragte 
sie die Dienerin scharf. 
„Der Haushofmeister sagte es 
mir”, antwortete die Kammerfrau. 
Nach einer Weile schellte Mari 
anne dem Kammerdiener. Er möge 
sofort anspannen lassen und mit 
niemand über ihren Auftrag 
sprechen als mit dem Kutscher. 
Eine halbe Stunde später fuhr sie 
aus. Die Kammerfrau mußte sie be 
gleiten. 
„Ich finde, Anton sieht ganz ge 
sund aus”, sagte Frau von Lancon.. 
Am nächsten Tag hätte Marianne 
die französische Komödie gern be 
sucht. Der Haushofmeister sollte 
eine Loge besorgen. Es wäre keine 
mehr für heute zu haben, brachte 
er den Bescheid. 
Sie ließ den Läufer kommen und 
erteilte ihm denselben Befehl. 
„Wenn man dich fragt, wohin du 
geschickt wirst, so sag’ was du 
willst, aber nicht die Wahrheit. Hier 
zwei Louisdors, einer gehört dir.” 
Und zur rechten Zeit händigte ihr , 
der Läufer den Logenschlüssel ein. 
„Katharina muß aus dem Haus 
und der Italiener ebenso”, sagte sie 
zu Du Barry nach seiner Rückkunft. 
„Ich habe nichts zu verbergen, aber 
ich lasse mich von meiner eigenen 
Dienerschaft nicht bewachen!“ 
„Hinaus mit ihnen — sie verdie 
nen es nicht besser, sie sind zu 
dumm“, meinte Du Barry belustigt. 
Marianne hatte schon lange eine 
Bitte auf dem Herzen. Da sie Du 
Barry bei guter Laune sah, erfaßte 
sie die Gelegenheit. 
„Würden Sie mir erlauben, einige 
alte Freunde zu mir zu bitten?” 
Du Barry sah sie von der Seite 
an. „Langweilen Sie sich?” 
„Muß man sich langweilen, wenn 
man von Zeit zu Zeit mit lieben 
Bekannten plaudern will? . . 
Du Barry besann sich. Er fragte: 
„Wer wäre das?” 
„Brancas und Aiguillon, den Sie 
ja auch gerne mögen, und Hu 
mieres . . .” Nur um ihn war es 
ihr nämlich zu tun. 
„Wenn es Ihnen Spaß macht: 
Ihre Freunde sollen mir willkommen 
sein. Sind Sie zufrieden?” 
„Ich habe noch nie Grund zum 
Gegenteil gehabt”, gab Marianne 
mit bezauberndem Lächeln zurück. 
Sie kannte Du Barrys Empfänglich 
keit für Schmeichelei. 
Sie lud also die drei ein. Brancas 
■und Aiguillon für acht Uhr, Hu 
mieres bat sie um sieben Uhr zu 
kommen. 
Mit Zagen öffnete sie Humieres’ 
Antwort, sie war ihrer Sache nicht 
ganz sicher. Aber aus dem warmen 
Ton seiner Zeilen ersah sie, daß er 
ihrer Aufforderung gerne Folge 
leiste. 
Am Tage vor dem Souper war 
Du Barry höchst mißmutig. Ma 
rianne fürchtete, er könnte sein Ver 
sprechen zurücknehmen. 
„Ich habe für morgen die Ein 
ladungen ausgeschickt”, wagte sie 
eine vorsichtige Anfrage. 
„Gut”, sagte er kurz. 
Er blieb einsilbig, schrieb nach der 
gemeinsamen Mahlzeit mehrere 
Briefe und fluchte einigemal vor sich 
hin: „Dieser Schuft! . . 
Sie fragte ihn nicht nach dem 
Grund seiner Verstimmung. Sie 
wußte, daß sie ihn damit nur reizen 
würde. 
Humieres kam pünktlich als erster. 
Sie fühlte sich wohl etwas befan 
gen, als sie ihm wieder gegenüber 
stand, allein, sie hatte sich schon 
so weit in der Hand, ihre Gemüts 
regungen nach außen hin nicht 
merken zu lassen. 
Man begann mit den gebräuch 
lichen Formen der Höflichkeit. 
Sie dachte immer zu: ob er sich 
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