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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

1! 
neuen Modelle zuerst meinen Freun 
dinnen . . . Mme. Thekla? Mme. 
Ekla! (Sie ist mit sich zufrieden, lacht.) 
Das werde ich aber Richard ver 
bieten, mir solche Witze zu erzählen. 
Es ist auch wahr, wir halten noch 
nicht so weit. Ein Verführer hat fein 
zu sein, ein Verführer hat verschämt 
zu sein, ein Verführer hat geehrt zu 
sein, wenn . . . (Plötzlich) Heiliger 
Gott! Hier wohnen die Garaischen! 
Wenn jetzt Wilma zufällig zum 
Fenster hinausgeschaut und mich ge 
sehen hat. Denn Augen hat sie, die 
hat sie, die Wilma, ich schwöre, wie 
Bernhard Shaw. Diese Frau, die ist 
noch imstande, meinem Mann . . . 
Sie ist es imstande . . . Aber . . . 
Gerade sie! Sie soll nur schweigen. 
Du, Wilma, du tust besser, wenn du 
den Mund hältst, denn wenn dann 
ich zu reden anfange . . . Du, hörst 
du, ich bitte dich, halte den Mund . . 
Aber noch immer eher sie, als Olga! 
Diese hat sich etwas ausgedacht! Sie 
läßt ihre Weißwäsche in Paris nähen. 
Eine Unverschämtheit! Eine Manie! 
Ja. Sie glaubt, weil sie einen Pariser 
Schlüpfer trägt, ist sie deshalb auch 
gleich schlanker. Gut, gut. Wir 
haben schon dicke Frauen 
gesehen, die in einem Pa 
riser Schlüpfer der Schlag 
getroffen hat. Jawohl, in 
einem Pariser . . . Und ihr 
Schmuck! Übrigens . . Sie 
ist noch immer nicht so 
dumm und arrogant, wie 
Risa mit ihrem neuen 
Bubikopf. Bubikopf! Und 
was für einen Schnurrbart 
sie dazu hat. Risa? Risa 
Bey! (Sie ist mit sich zu 
frieden, lacht.) — Ich 
schwöre, sie könnte sich 
einen ganzen Harem 
halten. Daß sie anständig 
ist? Großartig! Mit einem 
solchen Schnurrbart! Mit 
diesen Ohren. Sie soll nur 
einmal versuchen mit 
meinen Ohren . . . 
Richard, aber nein, nein! 
Ich schwöre, er darf es nie. 
Aufs Ohr, das... das ist ordi* 
när, das macht mich wild, es 
macht mich wild, un d... Risa 
ist anständig? - Na und? — 
Und ich? Ich schwöre, daß heute 
zum ersten Mal, und auch da bloß 
auf eine Tasse Tee, ja, und du mein 
goldiger Richard, du bittest und 
flehst umsonst, hier hilft nichts, ich 
bin eine verheiratete Frau und ich 
habe eine Mutter, Gott erhalte sie 
lange, und . . . Du, warum habe ich 
dich so lieb, du, du Hund, du! Du 
Hund! (Sie beginnt sehr zu eilen.) 
Für Tommy den Malz . . . Meinem 
Manne werde ich sagen . . . Jetzt 
ginge es noch . . . Die Bramerischen 
waren Weihnachten auf dem Sem 
mering . . . Man sagt, daß der Franc 
steigen wird . . . Schnee . . . Diese 
Straßen . . . Und Kot . . . Man sollte 
nicht ohne Auto auf die Welt 
kommen . . . Serena! Das ist die 
Richtige! Jetzt macht sie mir mein 
Stubenmädchen abspenstig, weil sie 
glaubt, von ihr zu erfahren, daß . . . 
Ich sage ja . . . Das ist die Richtige 
. . . Für Tommy Malz . . . Der Arzt 
hat gesagt, daß wir mit dem Kinde 
im Sommer nach Abbazia . . . Meer 
. . . Sage, mein Richard, mein Leben, 
kannst du rudern, aber wirklich 
rudern . . Heiliger Gott, schon sechs 
Uhr . . . Richard, sei nicht böse, 
Du, du! (Sie gibt der Frau Banner eine Ohrfeige.) 
Süßer, das nächste Mal werde ich 
pünktlich sein, ich schwöre dir, dein 
kleines Hündchen wird immer 
pünktlich sein, dein kleines Hünd 
chen . . . (Sie beginnt noch mehr zu 
eilen; plötzlich stößt sie mit einem 
Koloß weiblichen Geschlechts zu 
sammen. Entsetzt.) Heiliger Gott! 
Die Mama! 
Die Mama: Was ist das! Du 
siehst einen ja gar nicht! Warum 
stößt du mich nicht gleich um? 
Frau Banner: Ich bitte dich, 
Mama, ich . . . 
Die Mama (mustert sie): Wo 
her kommst du? 
Frau Banner: Ich bitte dich, 
Mama, man erwartet mich . . . 
Die Mama: Und wohin gehst 
du? (Sie mustert sie noch genauer.) 
Wohin eilst du so? 
Frau Banner: Ich bitte dich, 
Mama, die Schneiderin wartet . . . 
Die Mama (von oben herab): 
Die Schneiderin?! Du, was glaubst 
du? Wem willst du jetzt etwas vor 
lügen? Deinem Mann? (Sie hängt 
sich in sie ein.) 
Frau Banner (für sich): Hei 
liger Gott! Blaue Flecke! Und ge 
rade jetzt! (Laut): Mama, 
zwicke mich nicht! 
Die Mama: Ich zwicke 
dich? Also zwicke ich? 
Warum sollte ich zwicken? 
Wo zwicke ich? (Sie 
zwickt sie. Sie schleppt 
ihre Tochter in ein Haus 
tor.) Sage noch einmal, 
daß du zur Schneiderin 
willst! 
Frau Banner: Hei 
liger Gott! 
Die Mama: Ich möchte 
es hören. Noch einmal 
diese Frechheit, daß du 
zur Schneiderin! Du, du! . „ 
(Sie gibt der Frau Banner 
eine Ohrfeige.) Da soll 
man sich Töchter erziehen! 
Sage selbst! Soll man sich 
Töchter erziehen? Und 
wenn man sie sich schon 
erzieht, zu was erzieht 
man sie? Sage, zu was? 
Also dazu? Dazu! Dazu!? 
(Die Ohrfeige wiederholt 
sich laut.) 
{Autorisierte Übersetzung aus dem 
Ungarischen von Maurus Mezei, Wien.)
        
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