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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

2 Stunden §ülOMiiiiifen 
Körperüliuiugen iPunki-Mler 
das Wort gnädig gebraucht hatt; aber 
unfreundlich, abweisend schaute er nicht 
drein, und als er fortsetzte, lächelte er 
leicht, nachsichtig: man ist eben ein vor 
witziges Kind . . . 
Er meinte: „Wenn Sie diese hübschen 
und gefährlichen Augen, die nur ein biß 
chen neugierig zu sein scheinen, mit 
einem Lorgnon bewaffnet hätten, so 
hätten Sie vielleicht richtiger bemerkt, 
daß ich allein mit einer großen schwar 
zen Gestalt gesessen habe, dem Kanzler 
Maupeou, und daß wir wohl einen Akt, 
aber keine Pläne vor uns liegen hatten. 
Choiseul ist “ 
Mitten im Satz brach der König ab. 
Er streckte den Kopf vor, legte, gespannt 
lauchend, die Hand ans Ohr. 
Marianne wollte erstaunt fragen: 
„Was ist —“ 
Ludwig raunte gebieterisch: „Still!“ 
Und dann schnellte er mit einem Satz 
in die Höhe, so lebhaft, wie Marianne 
es ihm gar nicht zugetraut hätte, er stieß 
den Stock, den er eben zwischen den 
Knien gehalten hatte, dröhnend zu Bo 
den, schrie, kurz und scharf: „Man 
horcht.“ 
Wie zwei Peitschenhiebe zischten die 
beiden Silben durch die Stille. 
Frau von Lancon, ganz verwirrt und in 
höchster Bestürzung, sprang auf und tat 
einen Schritt zur Tür hin. 
Ludwig hielt sie zurück und bedeutete 
ihr, .sich ruhig zu verhalten. 
Und wirklich hörte man jetzt im Vor 
zimmer das leise Knacken von Schritten, 
die sich eiligst entfernten. 
Neuerdings wandte sich Marianne mit 
einer entschiedenen Bewegung dem Aus 
gang zu. 
„Was wollen Sie?“ fragte der König. 
Die drohende Röte auf seiner Stirn war 
schon verflogen. Er schien heftig zu sein 
und jähzornig, aber fähig, bald wieder die 
Herrschaft über sich zu finden. 
„Feststellen, wer sich der Unver 
schämtheit unterfangen hat. Es kann nur 
Francois, der Diener, gewesen sein. Auf 
der Stelle jag’ ich ihn fort!“ Ganz bleich 
war sie vor Wut. 
Ludwig, sich gelassen zurücklehnend, 
schüttelte überlegen den Kopf. „Welchen 
Zweck verfolgen Sie damit?“ fragte er 
ruhig. „Sie sind die Herrin in diesem 
Haus, tun Sie, was Ihnen gutdünkt. Aber 
wenn Sie auf meinen Rat hören, so lassen 
Sie Francois in Ihren Diensten. Es würde 
sich mit dem neuen Kammerdiener schon 
morgen abend oder übermorgen, wann 
ich eben wieder bei Ihnen weile, derselbe 
Vorfall zutragen. Sie horchen alle, 
alle . . “ 
„Und Sie dulden das, Sire?“ empörte 
sich Marianne. 
Der König zuckte die Achseln. „Ich 
gebe laut und deutlich zu verstehen, daß 
ich darum weiß, wie gerade jetzt. Mein 
Qhr ist geschärft für gewisse verdächtige 
Geräusche . . . Die Erfahrung hat mich 
gelehrt, daß es so am besten ist. Heute 
abend bleiben wir verschont, und einige 
Tage hält die Angst den Frechling noch 
zurück. Ein anderes Mittel, sich der 
Lauscher zu erwehren, habe ich nicht. 
Es horchen ja nicht nur die Lakaien ... 
Wenn ich die Schlüssellöcher mit Leim 
bestreichen würde“, — er lachte höhnisch 
und verbissen auf — „ich könnte meine 
Minister daran kleben sehen. Genug, wir 
woilen uns die Laune nicht verderben 
Wir wissen alle, daß solche Körperübungen täg 
lich nötig sind, um sich gesund, frisch und sdilank 
su erhalten. — Ein gesunder, kräftiger Körper ist die 
Grundbedingung eines frohen, tatkräftigen Lebens. 
Ein Mensch, dessen Muskeln schlaff und mit über 
flüssigem Fetibedeckt sind, ist nur ein halber Mensch; 
er wird nie rum vollen Genuß des Lebens kommen. 
Wer aber haf heute noch die Zeit, täglich zwei Stunden 
Sport oder Körperübungen zu treiben? Niemand! 
Aber 10 Minuten des Morgens oder Abends hat auch 
der Beschäftigte für die Gesunderhaltung seines 
Körpers übrig. Und diese 10 Minuten linde Massage 
mit dem natürlich wirkenden Punkt-Roller ersetzen 
vollkommen zwei Stunden Sport oder Körperübung. 
Der Fadiarzf Dr. med. Wielfer, der die Wir 
kung des „Punkt-Rollers" bei zahlreichen Patienten 
erprobt haf, schreibt: Der „Punkt-Roller" mit seinen 
zahlreichen Kautschuk-Saugnäpfchen regt den träge 
gewordenen Blutkreislauf zu neuer, vermehrter Tätig 
keit an. Das abgelagerte Fett wird resorbiert. Die 
Patienten verlieren in verhältnismäßig kür 
zester Zeit ihre unerwünschtem Fettdepots. Es 
wird also das Auftreten unangenehmer, Ja gefähr 
licher Komplikationen verhindert: Fettherz, all 
gemeine Herzschwäche nsw. Bel Patienten, die 
aus Bequemlichkeit, Scham, Gelegenheitsmangel oder 
sonstigen Gründen gymnastische Übungen oder 
Sport nicht treiben können, ist der „Punkt-Roller" 
um so mehr zu empfehlen, als IO Minuten 
Selbst™ assage mit dem Apparat Ü Std. 
sportliche Betätigung voll und ganz 
ersetzen. Dadurch spart der Vielbeschäftigte Zeit 
und gibt doch seinem Körper, was dieser mit gutem 
Recht beanspruchen kann. Mens sana ln corpore 
sano. Dr. med. W. 
Der „Pur-kt-Roller" belebt den ermüdeten 
Blutkreislauf und den so überaus wichtigen 
Stoffwechsel. In Jedes Körperwinkelchen wird das 
Blut gesaugt und schwemmt so Krankheitskeime, 
Zerfallsprodukte und Feit, die ein träger Blutkreis 
lauf nicht mehr mit sich fortnehmen kann, aus dem 
lassen. Wovon sprachen wir? — Der 
Tee ist ausgezeichnet, er darf nämlich 
nicht zu bitter sein. Und man schläft so 
gut darauf.“ 
„Von Choiseul.“ 
„Choiseul ist krank. Er macht mir 
Sorgen. Man könnte ihn für den gesünde 
sten Menschen halten — kennen Sie ihn? 
Vom Vorüberfahren, aus der Entfernung, 
nun ja — und er ist eigentlich schwäch 
licher Natur. Er fehlt mir. Sein Urteil 
ist scharf und richtig, er hat einen hellen 
Verstand, einen nüchternen Geist, und er 
läßt sich bei seinen Vorschlägen niemals 
von persönlichen Vorteilen leiten, wie 
die meisten andern. Und er ist einer von 
den ganz wenigen, die nicht die Ohren 
an die Türen legen.“ 
Das waren ja Eröffnungen von nicht 
zu unterschätzender Bedeutung! Choiseul 
stand also, entgegen allerlei wider 
sprechenden Gerüchten, unverändert in 
höchster Gnade. Ob sich der Minister 
gewinnen ließe? Schwerlich, schon der 
Frau Schwester wegen nicht, die jüngst 
in Paris wieder aufgetaucht wäre, wie es 
hieß, und der Nachfolgerin kaum wohl 
gesinnt sein dürfte. 
Aber die Tatsache allein, daß sich der 
König bereits bei der ersten Begegnung 
in ein Gespräch mit ihr einließ, das dem 
Gebiet der Politik nicht auswich, konnte 
sie mit Genugtuung erfüllen. Er zeigte 
Körper durch Niere und Dorm hinaus. Und das 
alles nur durch 10 Minuten tägliche Massage mit 
dem „Punkt-Roller". Diese 10 Minuten haben Sie 
sicher übrig, wenn es gilt, Ihren Körper mit neuer 
Lebenskraft und Energie zu erfüllen, und die ein 
malige Ausgabe von 12,50 oder 17,50 Mark wird 
gegenüber dem Zuwachs an Lebensfreude auch kein 
Hindernis für Sie sein. 
Besorgen Sie sich deshalb den „Punkt-Roller* 
sofort, aber nur den echten I 
Versand durch die Fabrik orthopädischer Apparate 
L. M. Baginski, Berlin-Pankow 1ZZ, 
Hiddense<*strö6e 10. Postschedckonto Berlin 11983. 
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Verlangen 5ie ärztliche Literatur. 
Der z,Punkt-Roller" ist ferner zu haben In allen 
einschlägigen Geschäften, bestimmt aber in Berlin 
in allen 23 Geschäften der Firma M. Pech A.-G.; in 
Bremen: Med. Warenhaus, Marktstr. 17a; Bres 
lau: Petschi, Ohlauer Str. 82, M. Pech, Schmiede 
brücke 12; Danzig: Kneissl, Stadtgraben 5; Dresden: 
Freisieben, p ostplatz, M. Pech A.-G., Marschallstr. 2; 
Düsseldorf: M. Pech, Schadowstr. 47; Essen: Lappe, 
Viehoferstr. 39; Frankfurt a. M.: Dröll, Kaiser» 
sirabe 42; Hamburg: Bolte, Rathausstr. 8; Han 
nover: Mülier, Grupenslr. 5; Karlsruhe: Unter 
wagner, Kaiserpassage 22 - 26; Kiel: Assmann, 
Dänische Str. 27-29; Köln a. Rhu: Neumann ®. Cie., 
Minoritenstr. 21a; M. Pech A.-G., HohesiraSe 15; 
Königsberg i. Pr.: Oppermann,Steindamm65-66; 
Leipzig: Sanitas, Peterssteinweg 18; Magdeburg: 
M. Pech A.-G., Breiieweg 155; Voigt, Walter-Rathe- 
nau-Strabe 56; München: Stiefenhofer, Karls platz 6; 
Nürnberg: Pfeuffer, Königstrabe 73; Stettin: 
Richter, Aschgeberstr. 3-4; Stuttgart: Geibelmann, 
Kronprlnzenstr. 12; Böhler, Charlottenplatz 6; Wies 
baden: Stoss, TaunusstT. 2; Wien: Stejskal, Josef 
städter Str.5; Prag: Waldedc $. Wagner, Vadavsk6 
nam. c, 17; Zürich: Lüneburg, Rathausquai 4. 
sich keineswegs so zurückhaltend, wie es 
nach Le Bels Warnung, von Staatsge 
schäften zu reden, zu vermuten gewesen 
wäre. Man hätte sogar meinen können, 
daß er sich nicht ungern ausspreche. Nur 
gehörte er offenbar zu jenen Menschen, 
die mitteilsamer sind, wenn man sie in 
dem Glauben beläßt, aus eigenem An 
trieb zu erzählen. 
Darum lenkte Marianne jetzt auch 
selbst das Gespräch ab, um sich ihm 
nicht verdächtig zu machen. In der italie 
nischen Komödie hätte sie den Herzog 
von Choiseul das letztemal gesehen, an 
der Seite seiner Gemahlin. Und darauf 
begann sie von dem Stück zu plaudern 
und von den Schauspielern. 
Gleich fragte der König: „Haben Sie 
Ihre Loge?“ und als sie verneinte, sagte 
er: „Le Bel wird sie Ihnen verschaffen.“ 
Just der Ton, in dem er seine Auf 
merksamkeiten anbot, klang mitunter zu 
streng, als wären es Befehle. Er war, um 
gekehrt, als man erwarten konnte, höf 
licher, wenn er verlangte, als wenn er 
gewährte. 
(Fortsetzung folgt.) 
e 
Die Buchausgabe dieses Romans erscheint 
bei der Deutschen Verlagsanstalt, 
Stuttgart-Berlin. 
Verlag und Sdiriftleltung: Berliner Leben Verlags-G m. b. H„ Berlin W 35. Potsdamer Straße 122c/123. / Fiir den künstlerischen tt. redaktionell™ Teil verantwortlich: 
Trude John und Kurt Labisdi, Berlin. / Für die Inserate: Fritz Krüger, Berlin. , Auslieferung: Die Deutsche Illustrierte Verlagsgesellschaft m. b.H., Berlin W 35 Potsdamer 
Str. 122c/123 / Fernspr.; Oliva6800*01. / Klischees und Offsetdruck: Dr. Selie 'S) CoA.»G. Berlin >W29, Zossener Str. 55. Manuskripte und Bilder können nur dann zurück* 
gesandt werden, wenn Rückporto beigefügt i«t, / Man abonniere durdi alle Buchhandlungen oder direkt beim Verlag. / Copyright 1926 by Berliner Leben VerlagsgeJ.m. b.H.
        
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