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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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hatte eine gute SEBitfung auf ben geehrten 
.£)errn gefete. (Er fünfte, jefft fei ber geeignete 
SKoment gefommen, um feinerfeifS bie Sad)c 
ju Hären. SAit ergebener Stimme fing er an: 
„93ifte, -Sperr ©ireftor, ich muff 3h»«» »er* 
fiebern . . ." 
©er .Sperr ©ireftor Ijob bie Jpanb unb Iji»' 
berfe gefefe am SSBeiterfprechen: 
„(Sitte, bitte", fagte er, „Sie braunen mir 
nichts mehr su »erffebern. ©igi h«t mir alles 
ersäfflf. . . ." 
©ein 3üngling blieb ber 9)1 unb offen: 
„3fHeß ersählf?" ftofterfe er. 
„3a, unb fefet weih icf>, bah fo$ufagen nur 
»on einem unangenehmen 3frtum bie Siebe 
fein bann. 3d> würbe, fojufagen, bas Opfer 
einer opfifeffen Säufchwtg. (Einer auherorbent* 
tief) peinlichen opfifeffen 'iäufeffung, bie uns 
beibe, b. b. uns brei, in eine fehr unwürbige 
Sage brachte." 
Unfer greunb tat wieber einen rebnerifchen 
(Serfucb: 
„Aber, JP>err ©ireftor. . . ." 
„3<h weih, fef>r geehrter -Sperr gefete. . . . 
äßie id> fffwn fagte, erHärte mir ©igi alles. 
3cfft weih ich/ bah Sie 3ugenbgefpiele waren, 
beinahe wie @efd)wiffer, unb heute h«Ü* ich 
es . . . waffrlid) für baS Selbff»erffänb* 
lichffe, baff fte ihren 3»3*»bft*»»b, beinahe 
23ruber, ju einem. Heinen <piauberffünbd)en 
einlub. Sfflein ©oft, was iff benn habet? .... 
3d> fehe auch ein, bah id) an allem fcffulb bin. 
Aber wiffen Sie, Jfpcrr gefete, id) bin ein 
etwas »ollblüfiger Efflcnfd). . . . EERancffmal 
(leigt mir bas Q5Iut }u ivopfe! . . . Unb Sie 
. . . na, Sie haben ffcb and; nicht gan$ Hug 
benommen! ©aS heifff • • ■“ 
9)lit unferem greunb brehte ffd) bie SBelf. 
©ans benommen wieberholfe er: „SRiefft Hug 
benommen?" 
©er Jperr ©ireftor Iä<h*lfe fanft: 
„(Entfcbulbigen Sie" - begann er ju er» 
Hären —, „ich wiebetbole, bah id) an allem 
fcffulb bin, aber geffatten Sie mir bie 93emer* 
futtg, bah Sie, fehr geehrter .jperr gefefe, 
nicht gleich jum genffer hätten hinanSfpringen 
muffen. . . ." 
,,3d) hätte nicht jum genffer? . . ." 
„SRein. Objwar id) anerfenne, bah bie 
Art unb STßeife, in ber id) öffnete, etwas ge* 
räufd)»ol( ju nennen war. TCber, ich wieber* 
hole, ich bin ein etwas »ollblüfi» 
ger Sffenfd), fehr geehrter Jperr 
gefete! . . . ©aS iff (ebenfalls 
ein §effler; bod) irren iff menfd)* 
litt). . . . ®ie Jpaupffachc iff, 
bah man feine fehler aud) ein* 
ficht, nicht wahr, geehrter -Sperr 
gefete?" — gefete atmete auf: 
„Alfo, -Sperr ©ireftor fehen 
ben 3»»fum ein?" 
©er ©ireftor niefte heftig mit 
bem .Kopf. 
„3d> f*h* ib« ein unb bitte 
audf Sie um (Einficht, geehrter 
Jperr gefefe. ®ie Sache bekämt 
mich unb tut mir leib. 3h* @e« 
red)tigfeifSgefühl iff mein einziger 
Stoff ... bamif bie Angelegenheit 
enbgültig aus ber SEDelf gefeffafff 
wirb. . . . 3d) würbe es ungern 
fehen, wenn barauS ein Sfaitbal 
enfffünbe. ... Sie wiffen, wie bie 
9J?enfd)en alles aufbattfcben. . . . Unb bie 
Situation iff leicht s» »erfennen. 3d) weih, 
bah 3h»*» ttn groheS Unrecht gefchaff! —“ 
„(Ein groffeS Unrecht!" beffäfigfe ber 3»»3* 
ling mit »oKffer Uberjeugung. 
©er -perr ©ireftor fuhr h n ff*3 fort: 
„®och, Sie muffen bebenfen, baff es nie« 
manb faff! ©aS @an$e iff alfo nur ein f(einer 
Unfall! SSBenn bie Angelegenheit in bie gei* 
tung fommt . . . wäre es für mich f*ho »»an* 
genehm. . . . Schliefflid) bei meiner 
Stellung! Unb Sie müffen bebenfen, meine 
grau . . . meine grau iff eine etwas neroöfe 
©ame. Unb wenn ffe aud) nicht neroös wäre, 
iff ffe bod) eine grau. . . . Sie wirb mir 
nie glauben, bah baS, was id) für ©igi tue, 
nur . . . nur ... für bie -Kunff gefdffehf. 
AuSfdjliehlich für bie .Kunff. grauen hoben 
für fo etwas fein ©efühl. . . . ©abei wiffen 
Sie, ber Sie bod) ©igi genau fennen, bah ff* 
überhaupt nicht bie grau iff, bie . . . Aber, 
wie gefagf, grauen häben bafür fein Sßer* 
ffänbniS." 
©em -perrn ©ireftor perlte ber Sd>weih 
auf ber Stirne, bod) -Kornel gefete war es, 
als ob man feinen Kopf in ©iswaffer getaucht 
hätte. 3« rt»« Minute »erfd)wanb ber 
Offebel aus feinem ©effirn, unb er fah bie 
Situation fo Har wie ein Sffann, ber bie 
hoppelte Q3ud)führung »erffefff. Unb fowie er 
bie Sachlage begriff, befferrfeffte er ffe and). 
Sein erffeS ©efühl in biefer Sage war 
5But. ©efränfte Unfcffulb, »on ber Sünbe 
»erfolgt. Sein ©effdjt übergoh bie Olöfe beS 
goriteS, unb wütenb fprang er bem ©ireftor 
entgegen; bod; irgenbwie beherrfeffte er ffcb 
unb begnügte ffd) bamit, ihm mit falter, 
fchneibenber Stimme ht«iuwerfen: 
„®ie gnäbige grau iff alfo ner»ös? . . . 
Unb hat fein SßerffänbniS bafür?" . . ." 
®en Jperrn ©ireftor »erblüffte einfad) bie» 
fer plöhlidje Umfchwung. Unoerffüllfe 3lngff 
fprach aus feiner Stimme unb feinen 3lugen, 
als er faff flehenb bat: 
„Eieber Jperr gefete, Sie müffen hoch ein 
(Einfeffen h ft ^ cn - • • • 2ß’ r f tn b bod) alle 
nur Sßenfchen, lieber ^)err gefete. , . . Unb 
id) gebe 3h nen ^«ffcherung, lieber gefete, 
bah ich immer feffr erfreut fein werbe, wenn 
id) bei ©elegenffeit aud) 3h»*» *i»*» ®i*»ff 
erweifen famt. . . ." 
gefeteS 3lugen leud)tefen auf. (Er war fetn 
©ummfopf unb fein fd)werfälligcr Sffenfd) — 
wenn »om @efd)äft bie Siebe war. Unb fein 
entwicfelter Sinn flüfferte ihm ju, bah ba»on 
bie Siebe fei. (Er trat »ör ben ^)errn ©iref* 
tor hi» unb tat nach einer fleinen ff>aufe, mit 
einer »on eigentümlicher 25cfd)eibenl>eif ge» 
würgten Stimme, fehr ruhig folgenben 3luS» 
fprud): 
,,^>err ©ireftor! 3<h bin in ber ange* 
nehmen Sage, 3h»*» biefe greube fofort su 
»erfd)affen. 5Bie Sie »ietleicbt wiffen, war 
id) bis (cljf bei ber jvunfffd)uee»2l.»@, Äorre« 
fponbenf. ©ie jtunfffd>nee»2l.»@. iff ser* 
fcffmolsen unb ich bin augcnblicflid) . . . 
augenblicHid) frei. 3» «»«m fold) groffen 
Unternehmen wie bie 3entral*Q5anf würbe ffd) 
»ielleicht etwas ©eeigneteS . . . Unb ich 
habe glänjenbe geugniffe." 
©er Ijerr ©ireftor hüffelt*, feine 2(ugen* 
brauen sogen ffd) etwas in bie Jf)öhe, bod) als 
er su fpreeffen begann, war feine Stimme 
genau fo ruhig wie bie gefeteS: 
,,3d) bin glüeflid)", fagte er, „für mein 
Unternehmen eine fo tüchtige .Kraft gewinnen 
SU fönuen. 3<b hoff«, mir werben in allem 
einig werben." 
gefete »erbeugte ff<h tief unb fagte mit jer* 
flieffenber Q5efd)eibenheit: „©effaften Sie, 
Jtjerr ©ireftor, bah id) bie Angelegenheit »on 
(efff an als ©efchäftSgeheimniS betrad)te.. . . 
Unb wenn ber JP>crr ©ireftor ber Sfffeinung 
ffnb, bah ein anberer 35abeort für mich ge» 
eignetet wäre, fo . . ." 
•Sperr gefete »erbeugte ffd) wieber. 
©aS ©effefft beS ^)errn ©ireftorS h*Hf* 
ffd) auf: 
„SOffein greunb", fagte er mit fehr gnäbi» 
ger Stimme, „ich fehe mit Sßergnügett, bah 
Sie ein fehr feinfülffenber üffenfd) ffnb. ©aS 
liebe id) unb Sic werben feffen, bah id) es 
auch 5« würbigen »erffeffen. 
V. 
Slad) 1 y* Stunben trottelten auf ber Eanb« 
ffrahe fd)on jwei graue fpfffrbe mit unferem 
gremtbe baffin, ber mit fold) unerwarteter 
Sffmelligfeif feine Jpirfcfut unterbrad). ©ans 
weif »on bem ISabeorf, am Saume beS 9Balb* 
w«g*S, ging eine Heine ©efellfchaft an bem 
5Bagen »orüber. (Es war ber JP>crr ©ireftor 
mit grau ©igt, - in fd)ncc* 
weihent Äleib unb breifranbigem 
Sfrohh»t — unb ein fchlanfer, 
eleganter junger Efflaitn, bet ein 
wenig fünfte, wie (emanb, ber ffd) 
ben guh »erffauebf h fl » AIS ber 
Sßagen »orbeifuffr, höhet* gefete, 
wie grau ©tgt lad)enb s» ih» 1 
fagte: 
„©efdjiehf 3h«en gans red)f! 
Sie h*e»mge* 
U 
gefefe grüfffe tief, unb ber 
©ruh würbe »on ber gansen @e» 
fcHfdjaft herslich unb läd)elitb er* 
wiberf. ©s helfte fogar ben An» 
fd)citt, als ob ber ffinfenbe 3»»g” 
f ing bie Eippen fpiffte, wie je* 
manb, ber einem einen .Kuh su* 
wirft. 
Autorisierte Übersetzung uns dem 
Ungarischen von Fanny Weiß, Leipzig.
        
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