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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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Waldspaziergang 
lei Schiffen, außer einem kleinen Motor 
boot und einigen Paddelbooten befah 
ren wird, ist man nach so einem Bad 
wirklich sauber und braucht nicht, wie 
nach einem Wannseebad, schleunigst in 
die Badewanne zu gehen. Für Unter 
kunft ist in Buckow reichlich und für 
jeden Geschmack gesorgt. 
Am Marktplatz halten das Linden- und 
Zentralhotel die gute alte Kleinstadt 
hotel-Tradition aufrecht, während eine 
große Anzahl anderer Hotels, es seien 
nur der Buckower Hof (das frühere 
Hotel Kronprinz) und das Hotel Reichs 
krone genannt, dem einfacheren Ge 
schmack Rechnung tragen. Aber wir 
haben so viel von der weißen Taube ge 
Der Badestrand 
Bähnle nichts zu versäumen hat, fährt es 
halt noch mal zurück, um Herrn Meier 
abzuholen. Aber nun geht es wirklich 
los. Wieder werden die Handbremsen ge 
löst, die Lokomotive keucht asthmatisch, 
die Glocke bimmelt und in einem Tempo, 
daß alle Fußgänger hinter uns bleiben, 
geht es Buckow entgegen. Die Fahrt durch 
dichten Laubwald an Wald-Tümpeln und 
Bächlein vorbei bereitet uns auf die 
Schönheit dieses kleinen märkischen 
Nestes vor. 
Buckow r liegt zwischen Schermützel- 
see, Buckower See, Griepensee, von 
denen hauptsächlich der Schermützelsee 
von den Fremden besucht wird. Da 
Buckow schon lange Badeort ist und bei 
längerem Aufenthalt auch eine geringe 
Kurtaxe erhebt, hat es eine Badeverwal 
tung, die man beinahe als das Ideal einer 
Badeverwaltung bezeichnen könnte. Statt 
blöde Verordnungen zu erlassen, tun die 
Buckower für ihre Kurgäste alles, was 
sie tun können. So haben sie sich als 
Kurpark die städtische Forst ausgesucht, 
die mit ihren gepflegten Waldungen, dem 
wunderbaren Laub- und Nadelwald, den 
sanften Hügeln und munteren Bächen an 
Thüringen erinnert und uns unbedingt 
vergessen läßt, daß man sich noch keine 
zwei Stunden von Berlin entfernt befin 
det. Weiter hat die Kurverwaltung aber 
auch am Schermützelsee , eine Badean 
stalt geschaffen, die geradezu bewun 
dernswert ist. Sandstrand, Liegestühle, 
Strandkörbe, Turngeräte und Bademei 
ster, die das Publikum als Kunden be 
trachten, sorgen dafür, daß man sich auch 
außerhalb des Wassers wirklich wohl 
fühlt. Der See selbst hat grünes, kristall 
klares Wasser, in dem zu schwimmen 
.ein Vergnügen ist und da es von keiner 
Am Tornowsee 
hört und gehen infolgedessen eine Vier 
telstunde um den Schermützelsee herum, 
um auf dem anderen Ufer zu unserem 
großen Erstaunen festzustellen, daß 
es „2 weiße Tauben“ gibt. Eine „histori 
sche, kleine weiße Taube“ unten am See, 
die aber etwas einfacher ist und ober 
halb davon das berühmtere Hotel „Weiße 
Taube“, vor dem am Sonntag hunderte 
von Autos stehen. Herrliche Terassen 
mit Aussicht auf den See lassen uns bei 
dem Gedanken an das Frühstück auf 
solcher Terasse bei Morgensonne das 
Wasser im Munde zusammen laufen. Die 
Zimmer sind gut und sauber, das Essen 
gut und die Preise normal, der liebens 
würdige Wirt erzählt uns, daß er im 
nächsten Jahr einen großen Strand am 
See anlegen wird, und zu jedem Zug 
ein Auto an der Bahn haben wird. Dann 
wird allerdings „Die weiße Taube“ eine 
Sensation für Berlin sein. Falls wir für 
Kleinstadt-Poesie etwas übrig haben, 
werden wir es uns nicht entgehen lassen, 
am nächsten Tag unseren Nachmittags 
kaffee in einer Konditorei am Marktplatz 
zu nehmen, mit gutem Kuchen, so wie 
es sich eben für eine echte Kleinstadt ge 
hört, nachdem wir vorher auf irgendeiner 
Waldwiese, es gibt deren genug in und 
um Buckow, unser Mittagsschläfchen ge 
halten haben. Nur die Straußberg— 
Buckower Chaussee müssen wir ängst 
lich meiden, wenn wir nicht selbst im 
Auto da sind, denn dort ist ein Autover 
kehr wie auf dem Kurfürstendamm, nur 
mit mehr Staub und Gestank. Nur gegen 
Abend freut man sich der vielen Autos, 
wenn man tanzen will, haben sie doch 
fesche Frauen und gutangezogene Männer 
nach Buckow gebracht. 
Kurt Labisch. 
Schermützelsee
        
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