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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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Morgens unabweis- 
lich aufgedrängt, als 
sie mit Aufmerksam 
keit nochmals alle 
Räume besehen 
hatte. Das ganze 
Haus, dessen Ein 
richtung wohl gut 
erhalten, aber bei 
leibe nicht neu war, 
schien nur für die 
Benutzung einer 
Frau bestimmt. Nir 
gends die Spuren, 
daß es je von einem 
Mann bewohnt wor 
den war: Keines 
jener Zierrate, mit 
denen Männer sich 
zu umgeben lieben 
— keine Jagdtro 
phäen, keineWaffen, 
keine Trinkgeräte 
— Dinge, die zu 
entfernen doch gar 
kein Grund Vorge 
legen hätte; keine 
Bibliothek, über 
haupt kein einziges 
nach männlichem 
Geschmack ausge 
stattetes Zimmer. 
Dafür kleine zier 
liche Möbel, goldene 
Spiegel, mit Amo 
retten bemalte 
Decken, weiche Tep 
piche und Wandbe 
hänge, Couchetten 
und Sofas in allen 
Ecken, rosige und 
blaue Ampeln, süß 
liche Bilder . . . 
„Es ist wohl nicht 
das erstemal, daß 
Ihr einem neuen 
Herrn . . . oder 
einer neuen Herrin 
Euern Garten zeigen 
dürft?“ In einem 
möglichst harmlosen 
Ton hatte es Mari 
anne hingeworfen, 
und indem sie sich 
jetzt wieder dem Ausblick widmete, tat 
sie, als wäre die Antwort weiter nicht 
von Belang für sie. 
Aber diese Antwort kam gar nicht. Es 
blieb still neben ihr. 
Christoph lachte sein seelenvergnügtes, 
einfältiges Grinsen, er betrachtete den 
Himmel und sagte: „Nun kommen 
schöne Tage ...“ 
„Hoffen wir’s“, meinte Marianne. „Es 
war ein arger Sturm heute nacht.“ — Sie 
ließ sich nicht ab lenken. — „Wer hat den 
Tempel hier bauen lassen, wißt Ihr’s?“ 
Christoph zuckte die Achseln. „War 
immer da.“ 
„Immer? Ihr dient schon lange in die 
sem Haus? Habt manchen .Herrn ge 
sehen, wie? — Wer war Euer 
letzter?“ fragte sie rasch, um 
Christoph zu überrumpeln. 
„Ich habe ihn nicht ge 
kannt, Euer Gnaden, das 
Haus stand leer“, gab Chri 
stoph, ebenso schnell, schlag 
fertig zurück. 
Kein Zug seines Gesichts 
hatte sich verändert, er 
schmunzelte noch immer ver 
bindlich. Aber Marianne war 
doch, als hätte dieses 
HcuSen 
Der van Heusen Kragen ist bequem 
wie ein weicher Kragen, elegant wie 
Zu haben in allen guten 
Harmlosigkeit eingebüßt, wäre zur Maske 
eingefroren, und als hätte sich diese 
kleine, scharfe Falte des Mißbehagens 
zwischen seinen dichten, struppigen 
Brauen eben erst gezogen. 
So einfältig wie er aussah, sich auch 
wohl anstelle, war der dicke Christoph 
jedenfalls nicht... 
.^Begleitet mich zurück — ich verirre 
mich sonst in meinem eigenen Garten“, 
scherzte Marianne, um sich ihren Ver 
druß nicht merken zu lassen. „Ihr sorgt 
mir für Blumen jeden Morgen. Ihr pflegt 
mir sie auch, begießt sie. Man muß Euch 
immer einlassen.“ 
Der Gärtner machte einen Bückling. 
„Pflegen — begießen.,. wird zur Zu- 
es 
Lächeln im Augenblick seine 
i?o 
itrovanille 
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Frei von schädlichen 
Nebenwirkungen 
OTTO & Co., rrankiurt a. M.-SUd 
friedenheit von Euer 
Gnaden geschehen.“ 
Nach dem Speisen 
gab sich Frau von 
Lancon der Ruhe hin. 
Trotz aller Erre 
gung und Ungeduld 
zwang sie sich zwei 
Stunden Schlaf ab. 
Sie war sehr besorgt, 
sie könnte am Abend 
nicht günstig aus- 
sehen. 
Als sie erwachte, 
war ihr erstes ein 
Blick in den Hand 
spiegel, der immer 
auf dem Tischchen 
neben der Couchette 
liegen mußte. Sie 
war zufrieden, der 
Schlummer hatte 
eine gute Wirkung 
geübt: ihre Wangen 
waren lebhaft ge 
färbt, die Augen 
frisch. Nur in den 
Gliedern noch im 
mer Abspannung 
und Mattigkeit. Sie 
schaute auf die Uhr. 
Fünf. Sie rief die 
Zofe. 
Sophie sollte ihr 
den Körper abreiben. 
Im Ankleidezim 
merwurde erst tüch 
tig geheizt, dann 
entkleidete sich 
Marianne. Ganz 
nackt streckte sie 
sich auf das weiße 
Fell des Sofas hin. 
Sophie knetete und 
rieb. 
„Fester, fester!“ 
Und Sophie arbei 
tete, daß ihr der 
Schweiß von der 
Stirn troff. Dann 
salbte sie Marianne 
mit wohlriechendem 
öl und puderte die 
leicht gerötete Haut. 
„Das Haar.“ 
Sophie öffnete ihr das Haar, bürstete, 
fettete, drehte Locken über Papierrollen 
ein. 
„Hast du Räucherkerzen besorgen 
lassen?“ 
„Es waren welche im Haus.“ 
Le Bel verstand seinen Hern zu be 
dienen! 
Sophie war fertig. Frau von Lancon 
ließ sich eine Tasse Schokolade bringen. 
„Aber heiß, sehr heiß.“ Das belebte auch, 
der heiße Trank. 
Nur einen dünnen Seidenmantel um 
die wohlig dampfenden Glieder lag Mari 
anne flach auf dem Rücken und schaute 
Sophie zu, die den Toilettetisch auf 
räumte und für den Abend 
alles vorbereitete. 
„Was werde ich anziehen, 
kleine Sophie?“ 
Sophie hielt inne, nahm das 
Kinn in die Hand und grübelte 
ernst. 
„Wie wär’s mit dem blauen 
Kleid, Euer Gnaden, das blau 
geblümte mit den zarten hell- 
rosa Rosen? Euer Gnaden 
haben es erst einmal getragen, 
und es stand Euer Gnaden so 
gut.“ 
eia steifer Kragen, stärken über 
flüssig, daher billigste Hauswäsche 
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