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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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Emmy (zu Bella): Ich hatte sie 
geschlossen. 
Der aufdringliche Mensch: 
Nich feste genug, mein Kind, wie Sie 
sehen. 
Bella: Was wollen Sie? Wes 
halb dringen Sie hier ein ? 
Der aufdringliche Mensch: 
Man sachteken, mein Fräulein. 
Immer hibsch mit die Ruhe! 
Bella: Ich habe keine über 
flüssige Zeit. 
Der aufdringliche Mensch: 
Weeß ick, weeß ick! Ick wer sie ooch 
jaar nich lange belästigen. 
Bella: Was wünschen Sie also? 
Der aufdringliche Mensch 
(mit einem Blick auf Emmy): Det 
mecht ick Ihnen jerne unter vier 
Augen sagen. 
Bella (zu Emmy): Lassen Sie uns 
allein, Emmy. (Emmy ab.) Also? 
Der aufdringliche Mensch: 
Es is en bisken ungewöhnlich, wat 
ick von Ihnen verlange. 
Bella (kurz): Ohne Umschweife, 
wenn ich bitten darf. 
Der aufdringliche Mensch: 
Na denn also, kurz und jut: Ick 
brauche dringend Pinke Pinke! 
Bella: Nun — was weiter? 
Der aufdringliche Mensch: 
Nischt weiter! Det is allens! 
Bella: Was denn! Das Geld soll 
ich Ihnen wohl geben? 
Der aufdringliche Mensch: 
Wie Sie det erraten! 
Bella: Sie sind ein unverschäm 
ter Mensch! 
Der aufdringliche Mensch: 
Da sagen Se mir nu wahrhaftig 
nischt Neues! 
Bella: Keinen Pfennig gebe ich 
Ihnen! 
Der aufdringliche Mensch: 
Mit Pfennigen is mir ooch jar nich 
gedient! 
Bella: Sie sind ! 
Der aufdringliche Mensch 
(seelenruhig): Immer schimpfen Se 
man en bisken! Det erleichtert das 
Jemit. 
Bella: Ich habe kein Geld für 
Sie! Ist das deutlich genug? 
Der aufdringliche Mensch: 
Ick muß Ihnen das Kompliment 
machen, det Se sich sehr klar ausje- 
drickt ham. 
Bella: Also! Weiter habe ich 
Ihnen nichts zu sagen. 
Der aufdringliche Mensch: 
Sind Sie in jeschäffliehen Anjelegen- 
heiten immer so kurz anjebunden? 
Bella: Machen Sie ein Ende mit 
der Komödie! Ich habe mit Ihnen 
keinerlei Geschäfte und wünsche 
auch keine. 
Der aufdringliche Mensch: 
Det is nu wieder sehr einseitig je 
sehen. Ick für meine Person leje 
jerade jroßen Wert uf en Jeschäft 
mit Ihnen. 
Bella: Herr! Was fällt Ihnen 
ein! Wollen Sie mich zum Narren 
halten! 
Der aufdringliche Mensch: 
Awer, wo wer ick denn! So ’ne be- 
rihmte Kinstlerin! 
Bella: Lassen Sie diese Fad 
heiten! 
Der aufdringliche Mensch: 
Nu scheen, reden wer nur jeschäft- 
lich und nüchtern —! 
Bella (unwillig): Ich wünsche 
nicht mehr mit Ihnen zu reden! 
Haben Sie mich verstanden! 
Der aufdringliche Mensch: 
Wo wer ick nich, wenn Sie so 
schreien! 
Bella: Ich bitte Sie, mich jetzt 
zu verlassen. 
Der aufdringliche Mensch: 
Aber jetzt soll’s jerade erst jemitlich 
werden. 
Bella: Herr! Sie sind offenbar 
verrückt! 
Der aufdringliche Mensch: 
Wieso! Wenn en Mensch, der keen 
Jeld hat, welches haben will? 
Nennen Sie det verrickt? 
Bella: Nein, das nenne ich un 
verschämt! 
Der aufdringliche Mensch: 
Na, da sind Sie in Ihrem Leben aber 
schon mächtig unverschämt jewesen! 
Bella: Ich verbitte mir diese 
plumpe Vertraulichkeit. 
Der aufdringliche Mensch: 
Seh’n Sie, da wer’n Sie jleich unje- 
mitlich! 
Bella : Sie fallen mir auf die 
Nerven, Herr, merken Sie das nicht? 
Der aufdringliche Mensch: 
Nee! Ick habe keene Nerven! 
Bella: Ich sage es Ihnen noch 
einmal: Ich wünsche, daß Sie gehen! 
Der aufdringliche Mensch: 
Jut! Ick bin keen Unmensch! Sie 
sollen Ihren Willen haben. Aber erst 
muß doch das Jeschäftliche jeregelt 
sind. 
Bella: Ich verstehe immer Ge 
schäft! Sie wollen doch einfach Geld 
von mir. Wo ist da ein Geschäft? 
Der aufdringliche Mensch: 
Det is uf meine Seite. 
Bella: Und mit welchem Recht 
fordern Sie das? 
Der aufdringliche Mensch: 
Mit dem Recht des Schwächeren. Sie 
sind reich und verdienen immer noch 
mehr dazu. Ick dajejen bin arm und 
verdiene nischt hinzu. 
Bella: Das liegt wohl an Ihnen. 
Der aufdringliche Mensch: 
Mechlich! Zur Arbeet muß eener 
jeboren sein. Ick bin leider jänzlich 
talentlos. 
Bella: Sie geben also offen zu, 
daß Sie nicht arbeiten wollen? 
Der aufdringliche Mensch: 
Es hat keenen Zweck, Ihnen da 
jroße Mengkenke vorzumachen. Sie 
sind offenbar eene Menschen 
kennerin. 
Bella: Für Faulpelze und Tage 
diebe habe ich kein Geld. Und jetzt 
zum letztenmal: Gehen Sie! 
Der aufdringliche Mensch: 
Ach so! Wenn Sie es denn ja nich 
anders haben wollen, jut. Ick kann 
ooch anders. 
Bella: Ich mache Sie darauf auf 
merksam, daß ich durchaus nicht 
ohne männlichen Schutz bin. Wenn 
Sie nicht augenblicklich machen, daß 
Sie fortkommen, rufe ich. 
Der aufdringliche Mensch 
(in ganz anderem Tone): Also: ick 
brauche zehntausend Märker! 
Bella (schreiend): Hinaus! (aus 
brechend): Hilfe! 
Der hübsche Mensch (kommt 
von der Mitte), 
Emmy (von links herein). 
Der hübsche Mensch: Was 
gibt’s? Was ist passiert? 
Der aufdringliche Mensch 
(hat einen Revolver gezogen und legt 
auf „den hübschen Menschen“ an). 
Der hübsche Mensch (hat blitz 
schell ebenfalls eine Waffe zur 
Hand, legt an und schießt). 
Der aufdringliche Mensch 
(sinkt getroffen um). 
Bella und Emmy (schreien laut 
auf). 
Der hübsche Mensch (zu 
Emmy): Verständigen Sie die Polizei! 
Emmy (zögernd mit einem Blick 
auf ihre Herrin): Ja — ja 
Der hübsche Mensch (herrisch): 
So gehen Sie doch schon! (Zu Bella): 
Beruhige dich, mein Kind! 
Bella (sieht sich scheu um, er 
blickt den auf dem Boden liegenden 
Mann, wendet sich, vom Entsetzen 
geschüttelt, rasch wieder ab). 
Der hübsche Mensch: Es ist 
vielleicht besser, wenn du einst 
weilen hier hineingehst, (führt Bella 
durch die Portiere in der Mitte ab.) 
(Pause.) 
Der hübsche Mensch (kommt 
eilig von der Mitte, flüsternd): So, 
nu aber los! 
Der aufdringliche Mensch 
(steht blitzschnell vom Boden auf): 
Is hier noch was zum Mitnehmen? 
(Sieht sich rasch im Zimmer um, 
zieht einige Schubladen auf.) Hailoh! 
Hier! (Zeigt eine Halskette.) 
Der hübsche Mensch: Steck’ 
sie ein und komm! 
Der aufdringliche Mensch: 
Hat sich’s gelohnt? 
Der hübsche Mensch: Nu alle 
mal! Los jetzt! Wir müssen fort! 
Der aufdringliche Mensch: 
Da wär’ aber doch noch so man 
ches — (Nimmt die Tischdecke an 
sich.) 
Der hübsche Mensch: Unsinn! 
Wir haben keine Zeit mehr! 
Der aufdringliche Mensch 
(hämisch): Det arme Mächen! Schön 
gemeiert haste die! 
Der hübsche Mensch (mit 
einem Blick auf die Mitteltür): 
Eigentlich tut sie mir leid. 
Der aufdringliche Mensch: 
Nu wer du noch gefühlsduselig! D i e 
Bombenreklame, die wir 
ihr gratis machen, is 
schließlich ooch wat wert! 
(Beide eilig ab.)
        
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