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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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Die Kuh Sophie 
5«m 3lttgeln tarnen, mußte man ißnen ben 
^Regenwurm, »er bem ße 2lngß Ratten, an 
ben Junten fpießen unb bie Angelleine, bie 
fte mit füßnem Sdjwunge in bie fSäurne be» 
fßrberten, non ben Steigen wicber herunter* 
holen. Aber bie Seifen Baben ftd> gecinberf 
nnb mit ihnen bie grauen. Selbß ber 
wiitenbße Stier jagt heute feinet mehr gureßf 
ein! 
Ad), unb mie reuenb nimmt ft'eb baS ©roß« 
ßabtfinb, bie Berlinerin, aut bem £anbe aus! 
Als fleibiamer [Rahmen bient ihr ein 
Sommerhimmel, ber in bieient 3aßr aller» 
bings fd)ott fo »iel ©Baßer benmtergefdncft 
Bat, baß bie [Rofen »om »ieleit Printen he» 
reifes Jßlagenerweiferung haben. Seht ißr 
ben alten fpadßbof mit bem großen tauben» 
icßlag unb ber Sinbe, bie mie eine Sdßlbwacßc 
bot ihm fleht? ©ans hinten guefi ber 
ntorfeße, wadtige Äird)turm eßrwürbig unb 
bemütig über grüne ©flätterbäcßer ju bem 
Stabtfinb hinüber unb munberf ft'eb, mie fü<B» 
fig bas ju arbeiten »erßeßf! Aud) bie fDüh» 
uer, bie »or bem ßeranfaufenben Auto nod) 
gerabe im leßten Aitgenblid bie Sanbßraße 
überqueren, gaefern fraunenb über fo siel 
Steiß, unb bie Schweine grunjen BeifaÜ beim 
2lnblicf ber jufammengetragenen Jpeubünbel 
unb bis jurn ERanbe roll gcpflüdten Obß* 
fiepen. 
©Be es in ben Jgserbfl Bineintaumclt, mirb 
bas Berliner .Rinbt noch einmal »om 
Sommerraufch »oH unb toll umfaßt. ®enn 
os Beißt naißßer einen langen ©Butter »on 
biefen marmen ©rimterungen leben! Unb 
3lnnc»9)farie iß ganj allein ihres ©BegeS ge» 
taufen unb Bat in Selb unb ©ßalb nad) ber 
33lume gefueßt, bie bie ewige 3ugenb Be» 
fraßren fott. Denn bie gibt eS, fagt ber ©reis, 
ber bes AbenbS, wenn bie Sonne untergeßt 
unb bie ©loden lau» 
tcn,»or ber©ür feines 
niebrigen JSetuScßenS 
,tßf unb fein «Pfeifchen 
raueßt. 
„©Barum iß benti 
aber ber ©reis bann 
nicht jung geblieben, 
Amte*©RaricV" 
„©Beil er fte nie 
gefunben hat!" laufet 
bie traurige Ant* 
roort. 
Unb man muß an einen Brief ©BolfaireS 
benfen, in bem eS heißt: „5ßtc fdjabe, baß mir 
Salomos großes ©Bert über bie fpflnnjen »er- 
Iorcn Baben, ©s mar ftcßerlicß munberfeßön, 
«teil fein ©3erfaßcr Äönig unb außerbent. ber 
erße Ar,ft feiner 700 Sratten unb 300 £cbs* 
meibet mar!" - l’ängft fd)on mieber in ber 
Stabt, benft man 
nod) immer mit greu» 
ben an bie (ußigen 
spicfuicfs auf bem 
9)looS im ©Balbe unb 
ben ßerrlicßeit grünen 
ERafen jttrücf. ©Bie 
man, bic Ä'ttic in 
.ftinnßöhe, ben fri» 
fdjen Sd)infen »er» 
fpeiße unb bett ©Bein 
bureß bie ßeißen ^eß* 
len fließen ließ, mie 
man, in unbequemßcr 
Stellung, mit ber 
greube »on Scßülcrn 
in ben Serien, baS 
©laS bes ©eliebten 
an berfeiben Stelle 
(um STtunbe füßrfe, 
an ber feine Sippen 
geruht hatten! 2Cuf 
bem £anbe iß man 
merfwürbig aufrieß* 
tig, »iel aufrid)figer 
als in ber Stabt.... 
©Bemt nur bie ent« 
feßließen ©Rüden nießf 
waren, »or benen es 
feine [Rettung gibt. 
2luf bem £anbe ßnb 
ndmlicß nadte Beine 
mobern unb ißr An* 
btid »erfeßf bie Urfula in Scßreden. 2)ie 
Bäuerin rat bafu, bie jarte, jerfraßte Jpauf 
mit roßen Zwiebeln ober Petroleum abfureiben. 
„*Pfui, mie bas rieeßen mürbe, fagt Urfula, 
ba neßme icß lieber ©au be ©otogne. 
®a ber Staat feboeß bisßer nod) feine 
©Rafjregeln gegen biefe unerwünfeßten ©dße 
getroffen ßat, feßren bie 93erlinerinnen »er* 
gnügt, aber arg jerßoeßen »om l'anbe in bie 
Stabt furüd, bie Arme »oller ©flumen unb 
in ben Bungen frifeße Suff, ©in leßter Blicf 
über bas fottnige Sal jeigf ißnen, maS fte »er* 
laßen, ein erßer über ben »erßaubten, bunflen 
Baßnßof, was ße mieberfinben. Unb bie 
©rabitionen, bie »ielen ßübfcßen ?rabifionen, 
bie in ber Stabt »ergeßen ßnb ober »eraeßfef 
werben, bleiben bort jurüd, wo bas Bäcßlein 
über holprige ©Bttrjeln fpringt unb bas ®orn* 
roScßenfcßloß, jwifeßen alten, ßoßen Räumen 
»erßecft, in krümmer jerfäßt. . . , 
Narzissen
        
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