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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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Der hübsche Mensch (auf 
seine Stirne deutend): Vorläufig 
noch hier. 
Bella: Wie? Ihre Gesellschaft 
existiert noch gar nicht? 
Der hübsche Mensch 
(sehr bestimmt): Nee! Aber sie wird 
existieren! 
Bella: Sie sind sehr sicher! 
Der hübsche Mensch: Bin 
ich! 
Bella: Worauf gründet sich Ihr 
Optimismus? 
Der hübsche Mensch: Auf 
mein Talent! 
Bella: Oh! Sieh mal an! (Be 
trachtet ihn wieder durchs Lorgnon.) 
Ich glaube beinahe, Sie haben 
welches! 
Der hübsche Mensch: Sie 
können sich darauf verlassen! Ich 
hab’ jedenfalls mehr als andere. 
Bella: Hm. Bescheiden sind Sie 
nicht! 
Der hübsche Mensch: Be 
scheidenheit ist eine Tugend aus der 
Vorkriegszeit. Heute ist kein an 
ständiger Mensch mehr bescheiden. 
Bella (mehr für sich): Sehr gut! 
Sie fangen an, mich zu interessieren 
— fahren Sie fort, bitte. 
Der hübsche Mensch: Die 
Internationale Alliance-Film-A.-G. 
wird spätestens in drei Monaten ins 
Leben treten. 
Bella: Sie wissen, daß so etwas 
Geld kostet? 
Derhübsche Mensch: Sehr 
viel Geld! Weiß ich! 
Bella: Sie haben es vermutlich 
schon? 
Der hübsche Mensch: Bis 
jetzt habe ich keinen Pfennig. 
Bella: Aber wie wollen Sie 
denn —? 
Der hübsche Mensch: Das 
Geld kommt von selbst! 
Bella: Sie stellen sich das sehr 
einfach vor. 
Der hübsche Mensch: Es 
ist noch einfacher! 
Bella: Das versteh’ ich nicht. 
Der hübsche Mensch: Es 
gibt so viele Menschen, die sich dem 
Staate gegenüber genieren, viel Geld 
verdient zu haben. 
Bella (amüsiert): Ah so! Ich 
glaube zu verstehen. 
Der hübsche Mensch : Die 
sen Leutchen kann geholfen werden. 
Bella: Aber — verlangt man 
keine Sicherheiten von Ihnen? 
DerhübscheMensch: Nee! 
Das ist eben mein Talent. 
Bella (lacht): Sie sind natür 
lich Film-Fachmann! 
DerhübscheMensch: Im 
Gegenteil: ich habe keinen Dunst 
vom Film! 
Bella (lacht): Das ist zum minde 
sten originell! Was sind Sie denn 
aber von Haus aus? 
Der hübsche Mensch: 
Eigentlich habe ich nichts gelernt; 
dafür traue ich mir aber alles zu! 
Bella: Und haben Sie immer 
Erfolg mit dem, was Sie unter 
nehmen? 
Der hübsche Mensch: 
Immer! Auch diese Film-A.-G. 
kommt zustande, vorausgesetzt frei 
lich — 
Bella: Nun —? 
Der hübsche Mensch: Daß 
Sie mir dabei helfen! 
Bella: Ich? Wie soll ich das ver 
stehen? 
Der hübsche Mensch: Ich 
brauche Ihren Namen. 
Bella: Oha! 
Der hübsche Mensch: 
Wenn ich die erste deutsche Film 
diva, die beste Filmdarstellerin des 
Kontinents für meine Gesellschaft 
gewonnen habe, kommt alles andere 
von selbst. 
Bella (geschmeichelt): Ich soll 
also gewissermaßen den Köder ab 
geben? 
Der hübsche Mensch: 
Richtig! 
Bella: Der Ruf meines Namens 
wäre also die Kapitalsanlage von 
meiner Seite. 
Der hübsche Mensch: Alle 
Achtung! Sie sind auch gerissen, wie 
ich sehe — 
Bella: Danke, es geht! 
Der hübsche Mensch: Wir 
passen glänzend zueinander. 
Bella (mit einem Nebensinn): 
Finden Sie? 
Der hübsche Mensch: 
Klar! Wir zwei schmeißen den 
Kram! 
Bella: Hm. Wie würden Sie es 
mit meinem Honorar halten? 
Der hübsche Mensch: 
Doppelt soviel als Sie bisher er 
hielten. 
Bella: Wissen Sie auch, daß das 
recht viel wäre! 
DerhübscheMensch: Für 
Sie nicht zuviel! 
Bella: Sehr schmeichelhaft! 
Der hübsche Mensch: 
Außerdem: Großzügigkeit ist die 
erste Bedingung zum Erfolg! Auch 
zum Geschäft gehört Mut! 
Bella: Wissen Sie: Sie impo 
nieren mir eigentlich. 
Der hübsche Mensch: 
Danke. 
Bella (ist auf gestanden): Nein, 
ganz ehrlich: Sie imponieren mir 
wirklich! 
Der hübsche Mensch 
(steht ebenfalls auf) Freut mich! 
Bella: Sie haben Elan! Schmiß! 
DerhübscheMensch: Sehr 
schmeichelhaft! 
Bella (kokettierend): Sind Sie 
auch — in anderen Dingen so — so 
keß? 
Der hübsche Mensch: In 
allen! Das ist mein Stil! 
Bella (nahe bei ihm): Wirklich 
in allem! 
Der hübsche Mensch (reißt 
sie an sich). 
Bella (wirft die Arme um ihn): 
Du! Du —, 
Der hübsche Mensch (küßt 
sie): Du bist schön! 
Bella: Du bist wundervoll 
frech! Dich könnt’ ich lieb haben! 
Der hübsche Mensch: 
Bitte! Schicksal, daß wir zwei zu 
sammenkamen. 
Bella: Ja, nicht wahr! Wir zwei 
mußten uns treffen! 
Der hübsche Mensch: Wir 
machen auch das Rennen! Die 
andern sollen sich wundern! (Es 
klingelt.) 
Bella (sich freimachend): Ich 
lasse dich noch nicht fort. Du gehst 
solange da hinein. Das wird meine 
Friseuse sein. 
DerhübscheMensch: Ge 
macht! Aber — nicht zu lange! 
Bella: Nein! (Küßt ihn.) Auf 
Wiedersehen du — du Frechdachs! 
Der hübsche Mensch (ab 
durch die Portiere in der Mitte). 
E m m y (von links): Gnädiges 
Fräulein 
Bella: Was ist — was gibt’s? 
E m m y : Draußen ist ein Mann, 
der das gnädige Fräulein unbedingt 
sprechen will. 
Bella: Ich lasse mich von nie 
mand unbedingt sprechen! 
E m m y : Das habe ich dem 
Mann auch gesagt, aber 
Bella: Nun und —? 
E m m y : Er läßt sich nicht ab 
weisen. 
Bella: Frechheit! Sagte er denn, 
was er will? 
E m m y: Das könne er dem gnädi 
gen Fräulein nur persönlich sagen. 
Es sei aber etwas sehr Wichtiges; für 
das gnädige Fräulein hänge sehr viel 
von dieser Unterredung ab. 
Bella: Etwas sehr Wichtiges? 
Hm. Wie sieht denn der Mann aus? 
E m m y : Ich fürchte mich vor 
ihm. — 
Bella: Oho! So’ne Nummer ist 
das! Lassen Sie ihn rein. 
Der aufdringliche Mensch 
(erscheint im Rahmen der Tür 
links). 
E m m y (schreit erschreckt auf). 
Der aufdringliche Mensch: 
Der Kerl is schon da. 
Bella: Das ist stark! Wie 
kommen Sie überhaupt herein? 
Der aufdringliche Mensch: 
Durch die Türe, mein Fräulein —
        
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