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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

mich sputen.“ Er warf den 
Kiel weg und das Papier. 
„Komm, hilf mir.“ Und er 
eilte, leicht und erfrischt, hin 
über in sein Ankleidezimmer. 
Die Sänftenträger liefen in 
einem gelinden Trab, der 
Regen machte ihnen ihr Ge 
schäft nicht angenehm. 
Eine leicht schwermütige 
Stimmung, aus Traurigkeit 
und Entsagung, aber beides in 
gemäßigten Dosen, zusam 
mengesetzt, hielt Marianne 
umfangen. Da sie jedoch den 
Grund für den jähen Wandel 
in Humieres’ Benehmen richtig 
erkannt zu haben vermeinte, 
war ihr Stolz unverletzt und 
ihre Seele nicht tiefer er 
schüttert. Es schien ihr alles 
auf der Hand zu liegen: die 
Erinnerung an die andere, an 
die verstorbene Geliebte, war 
wieder in Humieres lebendig 
geworden. Wie rührend war 
das . . . Solche Abweisung 
konnte keinen Stachel der 
Demütigung zurücklassen. 
Und daß er ihr Anerbieten 
nicht angenommen hatte, 
durfte sie nicht beleidigen. Im 
Grunde hätte sie es voraus 
sehen müssen. Menschen wie 
Humieres, so leise, so emp 
findlich, taugten wohl kaum 
für ein öffentliches Amt. Dar 
um mußte sie die Hoffnung 
nicht aufgeben, ihm doch noch 
einmal nützen zu können. 
Als die Sänfte in den Gar 
ten einbog, sah Frau von Lan- 
con zu ihrer Verwunderung 
Licht in ihren Gemächern. 
Der Lakai, der ihr aus der 
Sänfte half, sagte: „Der Herr 
Graf wartet schon oben.“ 
Wie ärgerlich! Gerade jetzt 
seine Ausforschungen und 
Vorwürfe . . . 
Du Barry würde sie nicht 
gerade freundlich empfangen. 
Es würde Verdrießlichkeiten 
geben. Ja, aber welches Recht 
hatte er denn noch überhaupt 
dazu, ihre Schritte zu über 
wachen, Rechenschaft von ihr 
zu fordern? . . . Hatte er sich 
nicht selbst aller Rechte be 
geben? Es wäre natürlich 
töricht gemeinsame, eng ver 
knüpfte Interessen leichtsin 
nig aufs Spiel zu setzen. Das 
war von ihrer Seite auch 
nicht geschehen. Aber sonst 
hatte sie wahrhaftig gar keine 
Rücksicht mehr auf ihn zu 
nehmen. Das fiel ihr eigent 
lich erst jetzt ein, wo sie vor 
aussah, daß er eine ihm längst 
entglittene Macht würde 
wieder aufrichten wollen. 
Übel gelaunt und wehrhaft 
trat sie ein. 
„Ihr Leiden scheint sich ja 
erfreulich gebessert zu haben“, 
kam er ihr entgegen. 
„Ich habe einen Besuch ge 
macht. Ich habe mich besser 
gefühlt. Die Komödie schon 
aus?“ Sie gab der Zofe Man 
tel und Schleier. 
Es wetterte böse in Du 
Barrys Zügen. Er hielt nur 
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vor der Zofe noch an sich. 
Aber kaum war Sophie 
draußen, schoß er wütend 
auf Marianne los. 
„Wq waren Sie?“ 
Marianne gab ihm gar keine 
Antwort. Sie maß ihn er 
staunt und verächtlich. 
„Ja, zum Donnerwetter, 
sind Sie verrückt geworden?“ 
„Ich nicht“, versetzte Mari 
anne gelassen. „Warum 
schreien Sie denn? Was wol 
len Sie von mir? Sind Sie 
mein Gatte, mein Gelieb 
ter? . . .“ 
So ganz unerwartet traf Du 
Barry dieser dreiste, selbst 
sichere Ton, daß es ihm ganz 
gegen seine Veranlagung die 
Rede verschlug. 
„Ich war bei dem Baron 
Humieres. Ich hatte schon 
lange die Absicht, ihn ge 
legentlich zu besuchen.“ 
Du Barry, völlig außer Rand 
und Band, schrie: „Bei 
Humieres?! — Sie sind ver 
rückt! . . . Sie werfen sich 
diesem Menschen ja an den 
Hals! Aber ich sage Ihnen, 
ich sage Ihnen . . .!“ Wild 
funkelnd, die geballten Hände 
erhoben, trat er vor sie hin. 
Sie zuckte mit keiner Wim 
per. Er würde sich hübsch 
hüten, sie anzurühren . . . 
Da drehte er sich kurz um, 
und seinem Zorn Luft 
machend packte er eine por 
zellanene Bonbonniere und 
schmiß sie zu Boden. 
„Glauben Sie, ich werde mir 
meine liebe Mühe durch Ihre 
Dummheit zuschanden machen 
lassen? Treiben Sie sich, wenn 
es Ihnen Bedürfnis ist, bei so 
vielen Mannsbildern herum, 
als Sie wollen, aber gedulden 
Sie sich, bis —“ 
„Regen Sie sich nicht auf, 
Du Barry“, schnitt ihm Mari 
anne die Rede ab. „Die Ver 
haltungsmaßregeln, die jetzt 
kommen sollen, kann ich er 
raten, und ich lasse sie auch 
nicht außer acht; seien Sie 
unbesorgt, schon um meinet 
willen nicht. Von meiner 
Dummheit, wie Sie sich wenig 
höflich auszudrücken belieben, 
haben Sie nichts zu fürchten. 
— Ich sehe es übrigens ein, 
daß es ungeschickt von mir 
war, eine Ausflucht zu ge 
brauchen, wenn ich mit einem 
Freunde Zusammenkommen 
will. Sie dürften es mir heute 
ja doch nicht mehr ver 
wehren.“ 
„Was, was dürfte ich 
nicht? . . .“ 
„Machen Sie sich nicht 
lächerlich. Wollen Sie etwa 
den Eifersüchtigen spielen? . . 
Aber andere Umgangsformen 
bitte ich mir aus.“ 
(Fortsetzung folgt.) 
* 
Die Buchausgabe dieses Romans 
erscheint bei der Deutschen Ver 
lagsanstalt, Stuttgart ■ Berlin. 
Verlag und Sdiriftieitung: Berliner Leben Verlags-G m. b. H., Berlin W 35, Potsdamer Straße 122c/123. / Für den künstlerischen u. redaktionellen Teil verantwortlich: 
Trude John und Kurt Labisch, Berlin. / Für die Inserate: Fritz Krüger, Berlin. Auslieferung: Die Deutsche Illustrierte Verlagsgesellschaft m. b.H., Berlin W 35 Potsdamer 
Str. 122c/123 / Fernspr.: Oliva 6800-01. / Klischees und Offsetdruck: Dr. Seile ® CoA.-G. Berlin hW29, Zossener Str. 55. Manuskripte und Bilder können nur dann zurück 
gesandt werden, wenn Rückporto beigefügt ist, / Man abonniere durch alle Buchhandlungen oder direkt beim Verlag. / Copyright 1926 by Berliner Leben Verlagsges. m. b, H.
        
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